Dalida – Kleine Schlagerparade mit Dalida – Folge 2 (1960)

FrontCover1Und eine weitere Chansonette aus Frankreich, die bei uns Ende der 50er/Anfang der 60er Jahre antrat, den deutschen Musikmarkt zu erobern … und wieder einmal haben wir es dann mit einer ziemlich tragischen Biographie zu tun:

Dalida, eigentlich Yolanda Christina Gigliotti (* 17. Januar 1933 in Kairo; † 3. Mai 1987 in Paris), war eine französische Sängerin und Schauspielerin italienischer Abstammung. Sie fand international Beachtung mit Titeln wie „Bambino“ (1956) und „Ciao, ciao Bambina“ (1959) und verkaufte etwa 150 Millionen Schallplatten weltweit.

Für ihre zahlreichen Hits erhielt Dalida 55 Goldene Schallplatten sowie Platinplatten und als erste Sängerin überhaupt eine Diamantene Schallplatte.

Dalida wurde 1933 in Kairo als zweites von drei Kindern geboren. Sie verbrachte ihre Kindheit und Jugend vorwiegend in Ägypten, da ihr Vater Pietro Gigliotti als erster

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Dalida (1954)

Geiger am Kairoer Opernhaus engagiert war. Ihre Großeltern waren um die Jahrhundertwende aus der Provinz Catanzaro im süditalienischen Kalabrien ausgewandert. Dalida besuchte eine katholische Schule. 1951 nahm sie erstmals an einem Schönheitswettbewerb teil. Drei Jahre später wurde sie zur „Miss Ägypten“ gewählt und spielte kleinere Nebenrollen in den Filmen „Joseph et ses frères“, „The Mask of Toutankhamon“ und „A Glass and a Cigarette“. Am 25. Dezember 1954 ging sie nach Paris, um Schauspielerin zu werden. Sie wirkte in zwei Filmen als Nebendarstellerin mit.

Eddie Barclay gab Dalida einen Plattenvertrag bei seinem Label Barclay Records. Hier wurde bei ihren Plattenaufnahmen als Orchesterbegleitung meistens Raymond Lefèvre eingesetzt. Ihre Debüt-Single war Madonna / Guitare flamenco / Flamenco bleu / Mon cœur va (EP Barclay 70034; veröffentlicht am 28. August 1956). Als zweite Single folgte im Dezember 1956 La violetera / Gitane / Le torrent / Fado (70039). Dann kam am 8. Februar 1957 als dritte Single Bambino / Por favor / Aime-moi / Eh! ben’ (70068) auf den Markt. Diese Aufnahme war mit dem Orchester Lefèvre im neuen labeleigenen Tonstudio in der Pariser Rue Hoche 9 entstanden. Die Platte verbrachte ab April 1957 insgesamt 31 Wochen als Nummer-eins-Hit in der französischen Hitparade. Am 19. September 1957 bekam Dalida als erste Künstlerin in Frankreich – und auch Barclay Records – die erste Goldene Schallplatte für mehr als 300.000 verkaufter Exemplare von Bambino. 1958 wählte man Dalida zur „Sängerin des Jahres“ und zeichnete sie zusammen mit dem Franzosen Yves Montand mit dem „Music Hall Bravo“ aus.Dalidas Laufbahn als Sängerin begann am 9. April 1956 im Pariser Olympia mit der französischen Version von Stranger in Paradise (Etrangère au Paradis). Bei diesem Nachwuchswettbewerb wurde sie entdeckt vom Chef des Hauses, Bruno Coquatrix, sowie dem Plattenproduzenten Eddie Barclay und dem Programmdirektor des Senders „Europe 1“, Lucien Morisse.

Weitere Goldene Schallplatten bekam Dalida 1959 für „Ciao Ciao Bambina“, „Guitare et Tambourin“ sowie für Am Tag, als der Regen kam, das Platz 1 der deutschen Hitparade erreichte und sich ein halbes Jahr lang unter den zehn erfolgreichsten Schlagern behauptete. Dalida galt in einschlägigen Publikationen als „Königin der Jukebox“. Allein 1960 schaffte sie fünf Goldene Schallplatten mit „Romantica“, „T’aimer follement“, „Les enfants du Pirée“, „Itsi-Bitsi“ und „Milord“.

Am 18. April 1961 heiratete die 28-Jährige in Paris ihren Entdecker Lucien Morisse. Doch die Ehe scheiterte schon einige Monate später, als Dalida mit dem etwas jüngeren Maler Jean Sobieski zusammenzog.

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Dalida (1964)

Künstlerisch war 1961 für Dalida ein weiteres erfolgreiches Jahr. Sie erhielt Goldene Schallplatten für „Last Waltz“, „Achète-moi un jukebox“ und „Garde moi la dernière danse“. Im Dezember 1961 bezog sie eine Villa auf dem Montmartre in Paris und trennte sich von Sobieski.

1964 begleitete Dalida für den Rundfunksender „Europe 1“ die Tour de France. Jeden Abend trat sie nach dem Rennen auf einer Bühne auf. Sie fuhr durch ganz Frankreich und sang fast 3.000 Lieder. Im September 1964 nahm Dalida für mehr als zehn Millionen verkaufte Schallplatten ihre erste Platinplatte entgegen. 1967 ehrte man sie in Italien als populärste Sängerin mit dem „Oscar Canzonissima“.

Am 25. Januar 1967 nahmen Dalida und ihr Freund, der italienische Komponist und Sänger Luigi Tenco, am Festival von Sanremo teil. Bei der Veranstaltung sang erst Tenco, dann Dalida das Lied „Ciao amore, ciao“. Als die Jury entschied, dass beide Künstler nicht am Finale teilnehmen durften, schrieb Tenco im Hotel „Savoy“ einen Abschiedsbrief, in dem er die kommerzielle Entscheidung der Jury anprangerte, und tötete sich durch einen Schuss in den Kopf.

Nach dem Vorfall litt Dalida unter psychischen Problemen und Depressionen, ein Suizidversuch scheiterte. Dalida überwand die Krise mit Hilfe einer Psychotherapie. Der Schriftsteller Arnaud Desjardins, der sein Leben fernöstlichen Religionen gewidmet hatte, wurde ihr neuer Freund. Sie begleitete ihn nach Indien und bereiste das Land drei Jahre lang allein, um sich in die Obhut eines geistlichen Führers zu begeben.

1968 erhielt Dalida für ihre Verdienste um das französische Chanson die Medaille des Präsidenten Charles de Gaulle. Das Maison des Intellectuels erhob sie zum Commandeur des Arts, Sciences et Lettres und verlieh ihr das Ehrenkreuz von Vermeil. Für „Le temps des fleurs“, „Gigi“ und „J’attendrai“ nahm sie weitere Goldene Schallplatten entgegen.

 

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Dalida (1972)

Im November 1971 trat Dalida nach vierjähriger Pause mit neuem Repertoire wieder im „Olympia“ in Paris auf. Da man nicht an ihr Comeback glauben wollte, musste sie die Saalmiete selbst tragen. Doch ihr Auftritt wurde ein Riesenerfolg.Nach etwa 15-jähriger Zusammenarbeit mit der Firma „Barclay“ übernahm Dalida 1970 selbst die Produktion ihrer Schallplatten und verpflichtete ihren jüngeren Bruder Bruno (genannt Orlando) Gigliotti als Produzent und Manager.

1972 wurde der Maler und Sänger Richard Chanfray Dalidas neuer Lebensgefährte. Chanfray war in der Pariser Gesellschaft als „Graf von Saint-Germain“ bekannt. Mit ihm lebte sie auf der Mittelmeerinsel Korsika zusammen.

1973 nahm sie das Duett „Paroles, paroles“ (Worte, Worte) mit dem Schauspieler Alain Delon auf. Der Song wurde in Frankreich, Kanada, Japan und in vielen anderen Ländern ein Hit. 1974 eroberte sie mit „Gigi l’amoroso“ (Gigi, der Geliebte) und „Il venait d’avoir 18 ans“ (Er war gerade 18 Jahr) erneut die Spitze der Hitparade. Sie erhielt zum zweiten Mal den „World Oscar for the Hit Record of the Year“. Für „Gigi“ erhielt sie 1975 eine Platinplatte.

1981 trennte sich Dalida von Richard Chanfray, im Juli 1983 beging dieser Selbstmord.

Mit dem Lied „J’attendrai“ war sie ab 1975 in der Disco-Welle erfolgreich. Weitere Disco-Erfolge waren „Besame Mucho“ (1976), „Laissez-moi danser“ (1979) und „Gigi in Paradisco“ (1980).

1977 trat Dalida zum ersten Mal in der New Yorker Carnegie Hall auf. In demselben Jahr feierte sie auch ihr 20-jähriges Bühnenjubiläum im Pariser „Olympia“. Mit „Salma Ya Salama“, das sie in fließendem Arabisch im Raï-Stil sang, landete sie einen weiteren Hit. Man nannte sie deswegen auch „Friedenssängerin“ von Ägypten. Die Konzerttournee in Ägypten und im Libanon war ausverkauft.

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Dalida (1980)

1980 gastierte Dalida als Revue-Star im Pariser „Palais des Sports“. Im selben Jahr überreichte man ihr anlässlich ihres 25-jährigen Künstlerjubiläums die seltene Diamantene Schallplatte. 1981 begann eine große Tournee mit der Show, die sie im Palais des Sports aufgeführt hatte. In den Achtzigerjahren hatte Dalida noch weitere große Erfolge mit „Mourir sur scène“ (1983) und „Pour te dire je t’aime“, die französische Version von Stevie Wonders „I just Called To Say I love You“ (1984).

Für den Film Der Kämpfer mit Alain Delon sang sie 1983 den Filmtitel Je n’aime que lui ein.

1986 feierte man sie in ihrer Geburtsstadt Kairo bei der Uraufführung des Films „Le sixième jour“ (Der sechste Tag) von Youssef Chahine, in dem sie die Hauptrolle spielte.

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Dalida (1986)

Am 3. Mai 1987 wurde Dalida in ihrem Pariser Haus auf dem Montmartre gegen 18 Uhr von einer Hausangestellten tot aufgefunden. Die Polizei teilte mit, sie sei an einer Überdosis Schlafmittel gestorben. Im Abschiedsbrief der 54-Jährigen stand lediglich der eine Satz: „Das Leben ist mir unerträglich geworden – vergebt mir.“ Dalida wurde auf dem Pariser Friedhof Montmartre, Div. 18, beigesetzt.

Am 24. April 1997 wurde 10 Jahre nach ihrem Tod zu ihrem Gedenken die Place Dalida, unweit ihrer Wohnung und ihres Grabes, im 18. Arrondissement eingeweiht. (Quelle: wikipedia)

Tja … mir scheint, da ist dann eine verbrannt, die wohl ziemlich heftig auf der Überholspur gelebt hat, vielleicht getrieben nach der Gier des ewigen Glücks (ich weiss, ein wenig gewagt).

Welch großartige Sängerin sie war, kann man hier hören: Die A-Seite dieser EP („Sonderauflage für die Mitglieder des Bertelsmann Schallplattenrings“) enthält zwei deutschsprachige Lieder (darunter die deutsche Version des Klassikers „Milord“).

Seite 2 enthält dann zwei Originalversionen (eine davon – „Le bonheur“ stammt eigentlich von dem griechischem Komponisten Manos Hadjidakis)  … hach … ich kann von diesen mal schmissigen, mal sentimentalen Chansons nicht genug kriegen …

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Dalida (vocals)
+
Raymond Lefévre mit seinem Orchester

BackCover1Titel:
01. Milord (deutsche Version) (Mannot/Moustaki/Bader) 3.47
02. Glaub an mich (Aznavour/Bader) 2,34
03. Vieni vieni si….. (Rossi/Constantin) 2.15
04. Le bonheur (Hadjidakis/Larue) 2.40

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Dalida (1960)

 

Gewandhaus Orchester Leipzig -Sinfonie Nr. 5 (Beethoven) (1960)

FrontCover1Also, da haben wir zum einen  das altehrwüdige Gewandhausorchester Leipzig:

Das Gewandhausorchester (früher selbst als Gewandhausorchester Leipzig bezeichnet) ist ein Sinfonieorchester mit Sitz in Leipzig. Es gehört international zu den führenden Orchestern und gilt mit derzeit etwa 185 Berufsmusikern als weltweit größtes Berufsorchester. Zugleich ist es das älteste bürgerliche Konzertorchester im deutschsprachigen Raum. Die Chefdirigenten des Gewandhausorchesters tragen traditionell den Titel „Gewandhauskapellmeister“. Seit Februar 2018 ist Andris Nelsons Gewandhauskapellmeister. (wikipedia)

Ankunft des Orchesters auf dem Flughafen Tokio am 12. April 1961, der Beginn einer vierwöchigen Konzertreise in Japan

Gewandhausorchester in Japan

Ankunft des Orchesters auf dem Flughafen Tokio am 12. April 1961, der Beginn einer vierwöchigen Konzertreise in Japan

Und deren damaliger Dirigent hieß Franz Konwitschny:

Franz Konwitschny (* 14. August 1901 in Fulnek, Mähren, Österreich-Ungarn; † 28. Juli 1962 in Belgrad, Jugoslawien) war ein deutscher Dirigent.

Konwitschny entstammte einer Musikerfamilie. Von 1920 bis 1923 nahm er zunächst Geigenunterricht an der Akademie des Musikvereins in Brünn, bevor er von April 1923 bis 1925 Schüler von Hans Bassermann (* 1888) am Konservatorium der Musik in Leipzig wurde. Dort gehörte auch der Musikpädagoge Fritz Reuter zu seinen Lehrern.[1] Während dieser Zeit war er aushilfsweise als Geiger und Bratscher im Gewandhausorchester beschäftigt. 1925 wurde Konwitschny als Bratscher Mitglied des 1894 gegründeten Fitzner-Quartetts in Wien; 1927 ging er nach Stuttgart, zunächst als Korrepetitor, ab 1930 als Erster Kapellmeister am Staatstheater. Mit Beginn der Spielzeit 1933/34 wurde er musikalischer Oberleiter des Philharmonischen Orchesters Freiburg in Freiburg im Breisgau, wo er 1934 zum Generalmusikdirektor ernannt wurde. 1938 übernahm er die Position Musikdirektor und musikalischer Leiter der Oper in Frankfurt am Main.

Konwitschny trat am 1. Juli 1923 in Fulnek erstmals der NSDAP bei (Mitglieds-Nummer 2.756). Seine damalige politische Überzeugung kam auch in einer Freiburger Fidelio-Aufführung von 1934 zum Ausdruck, wo er anlässlich Hitlers Geburtstag SA-Männer und SA-Fahnen auf die Bühne bringen wollte, was aber von der Intendanz untersagt wurde. Andererseits dirigierte er im November desselben Jahres in einem Abonnementskonzert die Sinfonie Mathis der Maler des verfemten Komponisten Paul Hindemith. Zum 1. August 1937 trat Konwitschny erneut in die NSDAP ein (Nr. 5 508.995). Am 16. Oktober 1937 dirigierte Konwitschny bei der Schlusskundgebung der unter dem Motto „Rasse und Kultur“ stehenden 2. Badischen Gaukulturwoche vor der Rede Alfred Rosenbergs den Germanenzug von Bruckner. Im Dezember 1942 war Konwitschny Gastdirigent in der Ghetto-Stadt Łódź, wobei nach der Litzmannstädter Zeitung vom 17. Dezember 1942 der „von stärkster Vitalität getragene Musizierstil“ faszinierte.

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Franz Konwitschny mit dem Gewandhaus Orchester Leipzig

Er wirkte auch an der Staatsoper in Hamburg und war in den Kriegsjahren 1943/44 Chefdirigent des Orchesters in Ludwigshafen, der heutigen Staatsphilharmonie

Konwitschny setzte seine Karriere nach 1945 unbeschadet fort, 1946 berief ihn die Stadt Hannover als musikalischen Oberleiter von Oper und Konzert (bis 1949). Von 1949 bis 1962 wirkte er als Gewandhauskapellmeister in Leipzig. Gleichzeitig besetzte er von 1953 bis 1955 das Amt des Generalmusikdirektors der Dresdner Staatsoper sowie von 1955 bis 1962 das Amt des Generalmusikdirektors der Deutschen Staatsoper in Berlin. 1951 wurde ihm der Professoren-Titel verliehen. 1957 erhielt er den Arthur-Nikisch-Preis. 1951, 1956 und 1960 wurde er mit dem Nationalpreis der DDR ausgezeichnet. Am 14. August 1961 wurde er Ehrenmitglied des Gewandhausorchesters.

Franz Konwitschny verstarb während einer Konzertreise am 28. Juli 1962 in Belgrad. Er wurde in einem Ehrengrab auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt.

Besonders bekannt wurde Konwitschny als Dirigent der Opern von Richard Wagner und von Konzerten mit Werken von Ludwig van Beethoven, Richard Strauss, Max Reger und Anton Bruckner. (wikipedia=

Na ja und dann: ta, ta ta taaaa !

Anfangsmotiv

Ludwig von Beethoven mit seiner Sinfonie Nr. 5 C-moll Op. 67. gemeinhin als Schicksalsmelodie bekannt:

Ludwig van Beethovens 5. Sinfonie (c-Moll, Opus 67) gehört zu seinen berühmtesten Werken und ist eines der populärsten Stücke der klassischen Musik. Sie ist auch unter der Bezeichnung Schicksalssinfonie bekannt. Die Spieldauer beträgt je nach Interpretation knapp 31 bis etwas mehr als 39 Minuten.

Die ganze viersätzige Sinfonie wird vielfach mit dem prägnanten Anfangsmotiv identifiziert, mit den drei markanten Achteln auf G, denen in derselben Dynamik (fortissimo) ein langgezogenes Es folgt.

Notensatz

In der sogenannten romantischen Beethoven-Rezeption, die bis in das 20. Jahrhundert reichte, wurde Beethovens „Fünfte“ im Sinne eines Schicksalsdramas als eine musikalisch objektivierte Erzählung von Niederlage und Triumph, vom ewigen menschlichen Schicksalskampf, von Leid und Erlösung interpretiert.[2] Ähnlich wie die 9. Sinfonie mit ihrer „Ode an die Freude“ behandelt sie dieser Deutung zufolge mit ihrem per aspera ad astra, ihrem Weg durch Nacht zum Licht, von c-Moll nach C-Dur einen grundlegenden Gedanken der europäischen Kultur. Auch wenn diese Deutung in der heutigen Zeit manchmal als pathetisch angesehen wird, kann auf jeden Fall festgestellt werden, dass Beethovens Fünfte zusammen mit der 3. Sinfonie, in deren Paralleltonart sie steht, und mehr noch der 9. Sinfonie das sinfonische Schaffen des 19. Jahrhunderts maßgeblich beeinflusst hat – von Franz Schubert und Johannes Brahms über Pjotr Iljitsch Tschaikowski und Anton Bruckner bis hin zu Gustav Mahler. Sie ist außerdem eines der Werke, die sowohl den Liebhaber klassischer Musik als auch Menschen, die sonst kaum der klassischen Musik zugeneigt sind, immer wieder in ihren Bann zu ziehen vermögen, nicht zuletzt durch ihre rhythmische Kraft, die schon im Anfangsmotiv mittels des Unisono der Streicher besonders prägnant in Erscheinung tritt. (wikipedia)

Beethoven„So pocht das Schicksal an die Pforte!“ Beethovens Sekretär und Biograf Anton Schindler hat diesen Satz überliefert. Und obwohl niemand weiß, bei welcher Gelegenheit er ihn aufgeschnappt hat oder ob er ihn am Ende gar selbst erfunden und seinem Chef bloß in den Mund gelegt hat, prägt er seither das Bild Beethovens und seiner Fünften, der „Schicksals-Sinfonie“. Er passt ja auch so schön ins Bild des grimmigen Künstlergenies, das mit seiner aufkommenden Taubheit hadert und „dem Schicksal in den Rachen greifen“ will.
Worin besteht eigentlich Beethovens Genialität? Das „Klopfmotiv“ aus drei Achteln und einer Halben ist an sich ja nichts Besonderes: Haydn benutzte es schon 1765 in seiner 28. Sinfonie. Nun, die Genialität besteht darin, einen 500 Takte langen Satz ausschließlich aus diesem einen Motiv heraus zu entwickeln. Zu Beginn stellt Beethoven es einmal isoliert vor, bevor er es ineinandergreifen lässt und damit atemberaubende Konstruktionen auftürmt. Er komponiert, wie Kinder mit Bausteinen spielen. Die erste „Melodie“ beispielsweise entsteht nur durch das Aneinanderreihen des Motivs zu endlosen Achtelketten. Selbst die Begleitung des schlichten Gegenthemas gestaltet Beethoven mit dem Ausgangsmotiv. (wdr.de)

Und diese Fassung entstand zwischen dem 01. – 15. März 1960.

Und unabhängig von der mehr als suspekten Person des Dirigenten hat das Gewandhaus Orchester Leipzig hier eine furiose Einspielung vorgenommen.

Gelegentlich sogar atemberaubend … Prädikat: triumphal !

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Besetzung:
Gewandhausorchester Leipzig unter der Leitung von Franz Konwitschny

Front+BackCoverOpera

Die westdeutsche Ausgabe auf dem Label „Opera“

Titel:
01. Allegro con brio
02. Andante con moto
03. Allegro
04. Allegro

Musik: Ludwig van Beethoven

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LabelA+BOpera

 

Helmut Qualtinger & Gerhard Brönner – Travniceks gesammelte Werke (1997)

FrontCover1Ach ja, der Helmut Qualtinger … gemeinsam mit dem nicht minder großartigem Gerhard Brönner scvhuf er die Kunstfigur des „Travnicek“

Und das zeichnet nun den Travnicek als „Raunzer“ so aus:

Man hat versucht, ihn einer Kategorie einzuordnen und ihn dabei oft als einen Vorläufer des „Herrn Karl“ bezeichnet. Aber der Travnicek steht auf der sozialen Stufenleiter um einige Sprossen höher, als der Herr Karl und auf der intellektuellen um einige niedriger.

Das zeigt sich deutlichsten da, wo er den Institutionen und Klischeevorstellungen des österreichischen Alltags konfrontiert wird, denen er gegenüber stets die gleiche Haltung dummdreister Besserwisserei und überheblicher Primitivität einnimmt.

Der besondere Reiz dieser Perspektive ist die Entdeckung, wie oft er angesichts der irrationalen Verhältnisse der heimischen Umgebung damit recht behält. (Carl Merz, Hüllentext)

Und wie sich das dann anhört,kann man in diesen Sketchen hören; entstanden sind sie in den Jahren 1958, 1959 und 1960 … und ich verspreche, geboten wird ein Feuerwerk geistreicher Dialoge und auch gelegentlicher Kalauer …

Ist vermutlich nicht jedermans Sache … aber ich zumindest konnte mich köstlich amüsieren.

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Besetzung:
Gerhard Brönner (Sprecher)
Helmut Qualtinger (Sprecher)

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Titel:
01. Travnicek im Urlaub 3.33
02. Travnicek in der Apotheke 4.53
03. Travnicek studiert ein Plakat 3.42
04. Travnicek im Schuhgeschäft 4.05
05. Travniceks Weihnachtseinkäufe 4.13
06. Travnicek und die Wiener Messe 4.05
07. Travnicek und die Wahlen 4.23
08. Travnicek und die Russen 4.38
09. Travnicek hat Vorrang 5.15
10. Travnicek und die Entführer 4.56
11. Travnicek und das neue Wien 5.56

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Dieser Beitrag basiert auf einem Präsent des Herrn Ärmel … vielen Dank !

Victor Silvester and his Silver Strings – Im strikten Tanzrhythmus (ca. 1960)

FrontCover1Da bin ich mir wohl selber ein wenig auf den Leim gegangen:

Da wollte ich eigentlich wieder mal darüber schwandronieren, dass wir es hier mit einem unbekannten deutschen Tanzorchester zu tun hätten, die sich mit dem Fantasienamen „Victor Silvester and his Silver Strings“ schmückt …

Aber …

… weit gefehlt. Diesen Victor Silvester gab´s tatsächlich mal. Er war ein bekannter Musiker in Großbritanien oder in other words:

Victor Marlborough Silvester OBE (25 February 1900 – 14 August 1978) was an English dancer, author, musician and bandleader from the British dance band era. He was a significant figure in the development of ballroom dance during the first half of the 20th century, and his records sold 75 million copies from the 1930s through to the 1980s. (Quelle: wikipedia)

Und irgendwie passt er ja eigentlich so gar nicht rein in diesen blog, aber ich wollte nicht päpstlicher als der Papst sein oder ganz so kleinlich sind wir hier ja auch nicht. Deshalb, ladies and gentlemen, please welcome: Victor Silvester !

Original Front+BackCover (mfp Records, 1959)

Original Front+Back Cover (mfp Records, 1959)

Ursprünglich erschien das Album 1959 unter dem Titel „Strings In Tempo“ auf dem britischem mfp Label. Bei uns wurde sie auf dem Label „Die Volksplatte“ veröffentlicht (und enthielt mit „True Love“ einen Titel, der auf dem Original-Album nicht enthalten war !), dieses Label war Teil von der Kristall Gesellschaft m.b.H., Köln und diese wiederum war mit EMI/Electrola verbandelt … nun ja.
Und geboten wird eine durchgehend geschmeidige „Ballroom-Musik“, die sich auch heute noch sanft in die Hörgänge einschleicht … Musik zum Träumen halt … Enjoy it !

VictorSilvesterPersonnel:
Victor Silvester and his Silver Strings

BackCover1Tracklist:
01. It’s All Right With Me (Porter) 2.18
02. Paradise (Brown) 3.07
03. You Do Something To Me (Porter) 2.14
04. Love For Sale (Porter) 2.28
05. I’ve Got My Eyes On You (Porter) 2.14
06. Pagan Love Song (Brown) 3.05
07. So In Love (Porter) 2.37
08. Would You (Brown) 3.07
09. After You (Porter) 2.23
10. Allez Vous En, Go Away (Porter) 2.32
11. I Love You Samantha (Porter) 3.32
12. True Love (Porter) 2.32

LabelA1

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Lale Andersen – Ein Schiff wird kommen + Manchmal träum ich vom Kornfeld (1960)

FrontCover1Und jetzt ein unbestrittener Klassiker der deutsche Schlagerkunst … und zuglech ein internationaler Klassiker, hier gesungen von Lale Andersen:

Ein Schiff wird kommen ist die deutsche Version des Schlagers Ta pedia tou Pirea von Manos Hadjidakis aus dem Jahr 1960, mit deutschem Text von Fini Busch. Bekannt wurde die Version durch die Aufnahme von

Auf den zwischen dem 4. und 20. Mai 1960 in Cannes stattfindenden 13. Filmfestspielen wurde der griechische Film Ποτέ την Κυριακή („Pote tin Kyriaki“; deutscher Filmtitel Sonntags… nie!) gezeigt. Drehbuch, Produktion und Regie lagen in der Hand von Jules Dassin, dessen spätere Frau Melina Mercouri (Heirat 1966) im Film die Hauptrolle spielte. In einer Szene legt sie eine Platte auf und singt auf dem Bett liegend mit verrauchter Stimme das Lied Τα Παιδιά του Πειραιά („Ta Paidia Tou Piraia“; Die Kinder von Piräus). Das Stück stammte aus der Feder von Manos Hadjidakis, der für die Szene auch die Partitur schrieb. Bereits am 25. Mai 1960 fand die Premiere in Paris statt, und am 9. September 1960 kam der Film in Deutschland in die Kinos.

Manos Hadjidakis

Manos Hadjidakis

Fini Busch erhielt den Auftrag, als Subtexterin eiligst einen deutschen Text zu schreiben. Dieser handelte — wie im Film — von der erwartungsvollen Sehnsucht einer Prostituierten, die im Hafen von Piräus auf Schiffe mit Kunden wartet, in der sehnsüchtigen Hoffnung, irgendwann würde darunter ein Mann sein, der zu ihr passt und sich ihrer annimmt und sie zu seiner (Ehe-)Frau macht. Bereits am 11. September 1960 stand die inzwischen 55-jährige Sängerin Lale Andersen mit ihrer Altstimme im Kölner Electrola-Tonstudio vor dem Mikrophon und nahm das zu ihr passende Seemannslied Ein Schiff wird kommen / Manchmal träum‘ ich vom Kornfeld (Electrola #21 615) mit dem Orchester Friedel Berlipp und dem Bernd Hansen-Chor auf. Im Mittelpunkt ihrer Version steht ein gesprochener Text mit großer Unmittelbarkeit. Der Aufnahmetag lag somit 2 Tage nach der deutschen Kinopremiere.

Veröffentlicht noch im August 1960, erreichte der Titel am 1. Oktober 1960 Rang eins der deutschen Hitparade für drei Monate und wurde innerhalb der ersten sechs Wochen über 250.000 Mal verkauft; 750.000 Exemplare waren Ende Januar 1961 verkauft, insgesamt setzte die Platte weit über eine Million Exemplare um.

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Alternatives Frontcover

Noch im selben Jahr erschienen Coverversionen von Caterina Valente, Dalida und Lys Assia. Auch Valentes Coverversion drang nach Veröffentlichung im Oktober 1960 bis auf Rang eins der Hitparade vor und bekam vom Musiklabel eine Goldene Schallplatte für über 500.000 verkaufter Exemplare überreicht.[6] Mercouri konnte mit dem sehnsuchtsvollen Lied den achten Rang erreichen. Es wurde ebenfalls im September 1960 mit dem Orchester Erwin Halletz eingespielt. Lale Andersen sagte zu ihrem Erfolg: „Eine Platte, zu der ich stehe und über die ich glücklich bin.“ Weitere Coverversionen stammen von Manuela, Nana Mouskouri, Daliah Lavi und Waldemar Matuška (unter dem Titel Děti z Pirea). Andrea Berg griff den Evergreen auf ihrem Album Machtlos (Mai 2003) noch einmal auf.

Für ihre Interpretation des Hits Ein Schiff wird kommen und als beliebteste deutsche Schlagersängerin des Jahres 1960 wurde Lale Andersen am 3. März 1961 auf dem Luxusdampfer United States der Silberne Löwe von Radio Luxemburg überreicht. (wikipedia)

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Was sol ich da noch schreiben: Eine Schnulze, wie sie schöner nicht sein kann …. und ja, ein Song gegen die Corona-Depression … definitiv … zumindest für jene Menschen wie mich, die sich gelegentlich ziemlich hemmungslos … jenen sentimentalen Gefühlen zuwenden kann … aus den der Stoff zum Träumen gemacht wird, Und am liebsten würde ich einen Sampler zusammenstellen mi allen deutschen Versionen (mach ich vielleicht auch mal)

Ach ja … ne B-Seite hat diese Single auch noch …

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Besetzung:
Lale Andersen (vocals)
+
Orchester Friedel Berlipp
+
Bernd Hanssen Chor

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Titel:
01. Ein Schiff wird kommen (Busch/Hadjidakis) 2.52
02. Manchmal träum ich vom Kornfeld (Nowa/Wilke) 2.33

LabelB1

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Deller Consort London & Collegium Aureum – Musik an Notre Dame in Paris um 1200 (1966)

FrontCover1Das sind schon so die faszinierenden Seiten der Musikgeschichte und in die steigen wir im heutigen Sonntagsunterricht tief ein:

Die Notre-Dame-Epoche oder Notre-Dame-Schule ist der Zeitraum der ersten Hochblüte mehrstimmiger mitteleuropäischer Musik, etwa von 1160/1180 bis 1230/1250.

Der Name bezeichnet sogleich das (bzw. ein) Zentrum der gemeinten Musikpraxis: Die Kathedrale Notre Dame in Paris. Der Bau von Notre Dame wurde 1160/61 durch Bischof Maurice de Sully beschlossen. Baubeginn war im Jahre 1163, Altarweihe im Jahre 1182. Zu jener Zeit wurde allerdings auch an anderen Orten die Weiterentwicklung mehrstimmiger Musik betrieben, etwa an der Kathedrale St. Martial zu Limoges, die dem vorangegangenen Zeitabschnitt ihren Namen gegeben hat (St.-Martial-Epoche oder St.-Martial-Schule), aber auch in Beauvais und Sens.

Doch Paris wurde zum Zentrum der Weiterentwicklung der Polyphonie. Die dort entstandenen Werke wurden bis ans Ende des 14. Jahrhunderts in ganz Europa kopiert. Theoretiker setzten sich mit der Satztechnik der Pariser Meister auseinander und dokumentierten die Regeln der Komposition.

Auch in der Literatur, der Philosophie und in weiteren Wissenschaften nahm Paris eine Spitzenposition ein, weswegen man auch von „Paris expers Paris“ (Paris ohne Gleichen), „Mater artium“ (Mutter der Künste) oder einem „Secunda Athena“ (ein zweites Athen) sprach. Die Pariser Universität wurde zur bedeutendsten im westlichen Europa, die besten Denker jener Zeit sammelten sich dort. Handel, Stadtbau und städtisches Leben führten zu einem neuen Lebensstil. König und Kirche organisierten ihre Macht zentralistisch um die junge Metropole. Die Vormachtstellung in Wissenschaft und Kunst strahlte in das christliche Abendland hinein, Paris wird zum Vorbild für Europa.

In der Notre-Dame-Epoche treten erstmals Komponisten aus dem Schatten der Anonymität heraus. Es sind dies vor allem Leonin (Leo, Leoninus magnus) und Perotin (Pierre, Perotinus magnus), die an Notre Dame de Paris tätig waren. Auch Philippe le Chancelier gehört in dieses Umfeld.

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Das Organum erreicht in der Notre-Dame-Epoche seinen Höhepunkt mit bis zu vierstimmigen Gattungsexemplaren. Ferner entstehen Conductus und Motetten. – Auch die weltlichen Gattungen Chanson und Estampie werden gepflegt. Als Satztechnik kommt der Hoquetus auf, manchmal wird dieser auch als Gattungsname verwendet. (Vergleiche „Kanon“ oder „Fuge“ – auch das sind zunächst Satztechniken, aber auch Gattungen.) Auch die Clausula, ein mehrstimmiger melismatischer Abschnitt in einem Gregorianischen Choral, gehört zu den Phänomen der Notre-Dame-Schule. Vielleicht will man hier aber nicht unbedingt von einer Gattung sprechen. (capriccio-kulturforum.de)

Und hier hören wir Werke aus dieser sog. „Notre-Dame-Epoche“, aufgeführt von dem Deller Consort und Mitgliedern des des Collegium Aureum.

Alfred Deller (* 31. Mai 1912 in Margate; † 16. Juli 1979 in Bologna) war ein englischer Sänger (Countertenor).

Alfred Deller sang zuerst als Knabensopran. Später entwickelte er sich zum Altus und trat in den Chören der Canterbury-Kathedrale und in St. Paul auf. 1948 hatte er in London unter seinem Förderer Michael Tippett seinen ersten Soloauftritt. 1946 sang er erstmals im britischen Rundfunk, seit 1947 wirkte er als Chordirigent der St. Paul’s Cathedral. Seine Countertenor-Stimme erlernte er autodidaktisch, indem er mit seiner Tenorstimme in Alt-Lage sang.

Deller setzte in seinem Repertoire zunächst einen Schwerpunkt auf die englische Musik des Barock. Um 1950 gründete er das Deller Consort, ein Vokal- und Instrumentalensemble, das sich der frühen englischen Musik widmete.

Alfed Deller

Alfred Deller

Mehr als zwanzig Jahre lang ging das Ensemble auf Tournee und feierte mit seinen Interpretationen der englischen Renaissancemusik große Erfolge. Daneben umfasste sein Repertoire auch andere Kastratenpartien, etwa aus Opern von Georg Friedrich Händel. 1960 sang er bei Uraufführung A Midsummer Night’s Dream von Benjamin Britten, mit dem er befreundet war, den Oberon.

Deller, der erste wieder solistisch auftretende Counter-Tenor des 20. Jahrhunderts, machte seine Stimmlage auch außerhalb Englands wieder populär und war wesentlich dafür verantwortlich, dass Countertenöre heute in der Alten Musik eine bedeutende Rolle spielen.

Er starb auf einer Urlaubsreise in Italien. Er ist zusammen mit seiner Frau Peggy (1913–2006) begraben auf dem Dorffriedhof von Boughton Aluph bei Ashford, Kent. (Quelle: wikipedia)

Und zum besseren Verständnis dieser Musik noch folgende Informationen:

Das wichtigste Merkmal der Musik aus der Zeit zwischen 1160 und 1250 ist die Notation. Erstmals in der abendländischen Musikgeschichte war es möglich, rhythmische Verläufe exakt in Noten festzuhalten. Und das war die entscheidende Voraussetzung dafür, dass ein wirklich mehrstimmiger Gesang entstehen konnte. Nun konnten die Komponisten verschiedene Stimmen zueinander in Beziehung setzen.

Noten

Jede Stimme sollte für sich als Linie einen Sinn ergeben – und gleichzeitig einen harmonischen Zusammenklang mit den anderen Stimmen. Erreicht wurde diese neue Architektur der Töne durch die Anordnung von kurzen und langen Notenwerten in wiederkehrenden rhythmischen Mustern. Diese wurden übereinander gelegt wie „die Ziegel auf dem Dach“, wie es in einem zeitgenössischen Traktat heißt. Das Bild wirkt stimmig: Wie das Bauwerk selbst – in seinem ursprünglichen Zustand – besteht diese Musik aus Querverbindungen. (br-klassik.de)

Veröffentlicht wurde das Album von dem französischem Label „harmonia mundi“, das in Deutschland als „harmonia mundi Schallplattengesellschaft“ firmierte. Und deshalbt gibt es diese musikalische Kostbarkeit auch in diesem blog.

Die Innigkeit dieser Gesänge, aber auch der Begleitinstrumente mit den komischen Namen wie Diskantpommer (1) oder Regal (2) sind beeindruckend und bewegend. Und mit einer gewissen Verblüffung stelle ich fest, dass es für diese „alt Musik“ auch schon damals einen Kreis von Liebhabern gegeben hat, sonst wäre solche LP mit deutschem Hüllentexxt wohl nicht erschienen.

Und bei mir bleibt tiefe Ergriffenheit zurück.

BackCover1

Besetzung:

Deller Consort (London):
Maurice Bevan (Bariton)
Wilfred Brown (Tenor)
Alfred Deller (Contratenor)
Gerald English (Tenor)

Mitglieder des Collegium Aureum:
Rudolf Ewerhart (Regal)
Helmut Hucke (Diskantpommer)
Johannes Koch (Flöte, Regal)
Hans-Martin Linde (Flöte)
Ilse Brix-Mejnert (Fidel)
Albrecht Renz (Zink)

Aufnahmeleitung: Dr. Alfred Krings
Abteikirche Knechtsteden bei Köln 12./13. X. 1960 [A]
Stiftskirche, Fröndenberg 9./10. I. 1961 [B]
Südwest-Tonstudio, Stuttgart

Booklet

Titel:
01. Graduale: Viderunt omnes (Perotinus) 10.20
02. Alleluja Christus resurgens mit Klausel „Mors“ (Anonym) 4.42
03. Alleluja. Nativitas (Perotinus) 6.43
04. Graduale: Sederunt principes (Perotinus) 10.44
05. Pater noster commiserans (Anonym) 5.31
06. Dic Christi veritas (Anonym) 2.38

LabelA1

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(1) Diskant bezeichnete ursprünglich ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts das höchste Instrument der in Chören gebauten Musikinstrumente, z. B. Diskantpommer oder Diskantgambe.

Diskantpommer

Der Tonumfang dieser Instrumente lag in der oberen Hälfte des gesamten Tonbereichs, teilweise oberhalb der Singstimme. Für heutige Instrumente, die nur noch in Ausnahmefällen in Stimmfamilien gebaut werden (z. B. Blockflöten, Saxophone), wird eher der Begriff Sopran verwendet.

(2) Das Regal ist ein Tasteninstrument. Es ist eine tragbare Kleinorgel, die nur mit Zungenpfeifen bestückt ist. Der Name ist vermutlich von „rigole“ herzuleiten, die altfranzösische Bezeichnung für „Kehle“ bei Zungenstimmen. Denkbar wäre auch die Ableitung von „regalis“ (königlich), da Kaiser Maximilian I. ein solches Instrument als Geschenk erhielt.

Ein Regal besteht aus einem schmalen Kasten, der die Windlade mit den Zungenpfeifen enthält. Davor ist die Klaviatur, dahinter sind zwei Keilbälge angebracht, die nicht vom Musiker, sondern von einer zweiten Person (dem Kalkanten) bedient werden. Das Regal wird zum Spiel auf einen Tisch gesetzt. Weil das Gewicht der beiden Bälge nicht reicht, um den nötigen Winddruck zu erzeugen, werden am Balgende jeweils Gewichte aufgelegt.

Regal

Als sogenanntes Bibelregal wird ein Regal bezeichnet, wenn die Tastatur samt Pfeifen in den klappbaren Bälgen verstaut werden kann. Diese Bälge sind dann als „Buchhälften“ gestaltet. Das Instrument hat, dem Namen nach, nur noch Größe einer Bibel, und sieht (von hinten) auch so aus. Das Regal erfreute sich nicht nur in der Kirchenmusik, sondern auch in der Theater-, Tafel-, Tanz- und Hausmusik großer Beliebtheit, vor allem im 16. und 17. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert verlor das Regal an Beliebtheit, da seine obertonreichen, schnarrenden Töne nicht mehr dem Klangideal entsprachen.

Und nun Kinder, ist der Sonntagsunterricht vorbei und ihr dürft wieder spielen gehen …

 

Unbekannte Interpreten – Unseren Dinett Freunden (1960)

FrontCover1Hier mal ne Mischung aus einer flotten Werbeplatte aus dem Jahre 1960 (gemopst von dem famosen Berlin Beatet Bestes blog, in dem diese Single erstmalig 2012 vorgestellt wurde) und ein wenig Firmengeschichte vom Hersteller dieses klappbaren Servicewagens, der Firma Bremshey GmbH.

Gegründet wurde die Firma bereits im 19. Jahrhundert.von C. Wilhelm Bremshey (1826-1899) in Solingen:

BREMSHEY Die Geschichte der einst weltbekannten Firma beginnt mit einer Mühle am Lochbach.

Wo der Lochbach in die Ebene fließt, liegt die Poschheider Mühle. Hier beginnt die Bremshey-Geschichte. 1857 erwirbt der 31-jährige Schlosser Caspar Wilhelm Bremshey einen Teil der Mühle und richtet hier eine mechanische Werkstatt mit Drehbank und Fräsmaschine ein. Erstes Produkt: Kassenschlösser. 1862 wird die Firma Bremshey & Co. gegründet und ein neues Fabrikgelände erworben, das Areal des heutigen Bremsheyplatzes. 1876 wird die Schirmfurniturenfertigung aufgenommen.

WilhelmBremshey

Firmengründer Fabrikant C. Wilhelm Bremshey, 1826-1899

Am Ende des Jahrhunderts beschäftigt Bremshey bereits 600 Mitarbeiter. 1905 wird der Grundstein für das große Bremshey-Werk in Trotzhilden gelegt. Es muss ständig erweitert werden, und immer neue Produkte werden entwickelt. Hauptprodukt wird der Knirps-Taschenschirm, dessen Patent 1927 von dem damals 25-jährigen Fritz Bremshey erworben wird.

Das voll zusamenklappbare Schirmgestell war eine Erfindung des Bergassessors Hans Haupt. Fritz Bremshey setzt sich intensiv für die Auswertung der neuen Erfindung ein, so dass der Markenname schon bald zu einem Gattungsbegriff wird. Daneben werden u. a. Gartenschirmgestelle, Autositze und Zubehör, ein rollbarer Klapptisch „Dinett“, Stahlrohrmöbel und Krankenhausbetten hergestellt. Die Wohnungsbau Bremshey GmbH errichtet 150 Wohnungen für die Mitarbeiter. Zweigwerke werden eröffnet in Nördlingen, Gelbach, Gelsenkirchen und Westerholt. 1962 beträgt die Zahl der Mitarbeiter über 2000.

1969 wird die Firma in eine AG umgewandelt. Mannesmann erwirbt 1977 einen Aktienanteil von 25,01 Prozent. 1981 wird das Nördlinger Zweigwerk geschlossen. Geschäftsbereiche werden verlegt. Am 4. Juni 1982 heißt es im ST: „Die Bremshey AG verschwindet.“ Verluste der Firma zehrten das Eigenkapital auf. Die Arbeitsplätze von 1800 Mitarbeitern sind bedroht. Endgültig Schluss ist am 23. Dezember 1982. Den „Knirps“ hatte im August jenes Jahres die Walder Firma Kortenbach & Rauh übernommen. Nach deren Konkurs 1999 übernahm Thomas Herriger („Präsenta“) das Warenzeichen. Es ist nun seit Herbst 2005 im Besitz der Firmen Doppler-Schirme (Österreich) und Strotz AG (Schweiz) mit Firmensitz in Braunau (Österreich). (Solinger Tagblatt, 2014)

Werbung01Auf der Website ‚Solingen findet sich dann noch folgende Charakterisierung dieser GmbH:

Werbung03„Von diesem Namen ging Glanz aus, und ein gewisser Mythos. So ganz haben die Solinger nie durchgeblickt, was „die von Bremshey“ alles so machten. Der Begriff „Portfolio“ für Produktpalette war noch unbekannt und deshalb reduzierte sich Bremshey vor allem auf Dinett (ein rollbarer, zusammenklappbarer Servierwagen) oder die Variante Variett, ein eigentlich völlig unnützes Ding, dass man aber unbedingt haben musste, um in den 60er und anfangs 70er Jahren „chic“ zu sein“.

Und das war der Clou bei Dinett:

Das Möbelstück auf Rollen diente Mutti als Haushaltshilfe und Vati als Butler, es war praktisch, leicht zu händeln und mobil. Bekanntester Servierwagen aus dieser Zeit ist sicherlich der „Dinett“ von Bremshey, entworfen im Jahr 1955. Der zusammenklappbare Servierwagen war dem damals sehr beengten Wohnraum geschuldet und ist heute ein echter Klassiker.

Und diese Werbe-Single wurde an den Einzelhandel verteilt, als „Dank für den unermüdlichen Einsatz beim Verkauf des rollenden Klaptisch Dinett“ … so teilt eine sonore Stimme auf Seite 1 mit. Und er gibt gleich weitere Verkaufstips, wie man dieses Produkt noch gewinnbringender an den Mann bzw. an die Frau (vermutlich waren Frauen die eigentliche Zielgruppe für dieses Wohnaccessoir) bringen kann.

Die Single jedenfalls war ne „flexi-disc“ und während Seite 1 halt überwiegend dem Werbegeplaudert dient, findet sich auf Seite 2 eine flotte Jazznummer unbekannter Herkunft.

Nicht minder unbekannt sind bedauerlicherweise die ausführenden Musikern, was aber bei Werbeplatten dieser Art damals nichts besonders war.

Und beschäftigt man sich mit dem Ende dieses Unternehmens im Jahre 1982, so dar5f man getrost zu dem Schluß kommen, dass es wieder mal erhebliche Managemant-Fehler waren, die zum Ende dieses Traditionsunternehmens führte.

Wer sich damit mehr beschäftigen will, kann dies in 2 Artikel der Zeitschriften „Spiegel“ und „Zeit“ aus dem Jahr 1982 gerne tun. Sie liegen dieser Präsentation bei.

Allen anderen wünsche ich ein vergnügtes schmunzeln bei diesen Aufnahmen.

Besetzung:
unbekannte Studiomusiker

Titel:
01. Wheels (Petty) 3.20
02. Serenade In Swing (unbekannt) 2.43

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Der Werbeslogan "

Verweisen möchte ich noch auf die website teenagewasteland.de („Die-Wohngalerie für Wohnen, Design und Lebensart des 20. Jahrhunderts“), die ich bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag entdeckt habe.

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Nordwestdeutsche Philharmonie – Rhapsody In Blue + Warschauer Konzert (1960)

FrontCover1Ein deutsches Nachkriegsorchester, das sich bis heute, trotz vieler Widrigkeiten,  halten konnte:

Die Nordwestdeutsche Philharmonie ist eines von drei nordrhein-westfälischen Landes-Sinfonieorchestern. Es hat seinen Sitz in der ostwestfälischen Stadt Herford.

Gegründet wurde die Nordwestdeutsche Philharmonie 1946 in Bad Pyrmont von ehemaligen Musikern des Linzer Bruckner-Orchesters St. Florian und der Prager Deutschen Philharmonie. Im Jahre 1950 erfolgte der Zusammenschluss mit dem zeitgleich entstandenen Herforder Sinfonischen Orchester. Das neue Ensemble hieß zunächst Städtebund-Symphoniker, bevor der heutige Name angenommen wurde.
Trägerschaft und Finanzierung

Das Orchester wird durch das Land Nordrhein-Westfalen, einen Trägerverein aus Kommunen und Gebietskörperschaften der Region Ostwestfalen-Lippe und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe finanziert. Mitglieder des Trägervereins waren die Städte Bad Salzuflen, Bünde, Detmold, Herford, Lemgo, Minden und Paderborn sowie die Kreise Herford und Lippe. Außerdem sind vier weitere Gemeinden und ein Kreis fördernde Mitglieder. Drei weitere Kreise aus Ostwestfalen-Lippe sind Zuschussgeber.

Seit Herbst 1992 wird die Nordwestdeutsche Philharmonie durch die „Philharmonischen Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe“ unterstützt. Die Nordwestdeutsche Philharmonie erwirtschaftet durch die Konzerte und Rundfunkproduktionen 23,5 % ihrer Einnahmen selbst. Bei den Kulturorchestern in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 13,4 %.

Wilhelm Schüchter

Wilhelm Schüchter

Die sich verringernde Anzahl der Beitragszahler im Trägerverein (Kommunen und Gebietskörperschaften) sowie das Einfrieren und Mindern der Mitgliedsbeiträge in den letzten Jahren haben zu einer akuten Unterfinanzierung des Orchesters geführt. Die jüngsten Austritte der Städte Bad Salzuflen und Lemgo können von den verbliebenen Zahlern nicht mehr kompensiert werden. Die Weiterführung des Orchesterbetriebes ist deshalb erheblich gefährdet. Mit einer online-Petition sucht das Orchester Unterstützer für seinen Erhalt. Der Deutsche Kulturrat hat die Philharmonie im Juli 2012 auf die neu ins Leben gerufene Rote Liste Kultur gesetzt (Kategorie 1: von Schließung bedroht). Im Oktober 2012 wurde das Orchester von Kategorie 1 auf Kategorie 2 eingestuft und gilt somit als gefährdet. Aktuell (April 2013) ist die Gefährdung aufgehoben (Kategorie 4).

Der Haupttätigkeitsbereich des 78-köpfigen Orchesters ist der ostwestfälische Raum, es tritt aber auch über Deutschland und Europa hinaus mit jährlich insgesamt etwa 120 Konzerten in Erscheinung. Erfolgreiche Tourneen haben die Nordwestdeutsche Philharmonie in Ländern wie Japan, Holland, Italien, Frankreich, Spanien und den USA bekannt gemacht. Bis heute existieren über 200 Platten- und CD-Einspielungen mit dem Ensemble. Neben der Konzerttätigkeit ist das Orchester mit einem schul- und konzertpädagogischen Programm in der Jugendarbeit tätig.

Probenraum und Sitz des Orchesters befinden sich innerhalb des Stadtpark-Schützenhofs auf dem Stiftberg, wo auch die Herforder Konzerte gegeben werden. (Quelle: wikipedia)

Auf dieser 10inch EP gibt es zwei Stücke: Einmal den Klassiker „Rhapsody In Blue“ von George Gerswhin (immer wieder ein Genuss !) und dann das sog. „Warschauer Konzert“ des Briten Richard Addinsell:

Das „Warschauer Konzert“ stammt aus dem britischen Film „Dangerous Moonlight“. Der Film erzählt die Geschichte eines polnischen Pianisten der zu Beginn des zweiten Weltkriegs nach Großbritannien flieht um dort als Pilot gegen die Deutschen zu kämpfen. Musikalischer Höhepunkt ist eine Konzertszene in der das besagte Werk zur Aufführung gelangt. Ursprünglich war die Verwendung von Sergei Rachmaninows zweitem Klavierkonzert vorgesehen gewesen und in der Tat nahm Addinsell denn auch stilistische Anleihen aus diesem und anderen Werken seines russischen Kollegen (Addinsells Komposition wird auch heute noch öfters zusammen mit Rachmaninows Konzert eingespielt). Der Film wurde ein durchschlagender Erfolg wozu die Musik ganz erheblich beitrug (deren Hauptthema übrigens von einer Rumba stammt die Addinsell in den 20er Jahren als Student in Oxford komponiert hatte). Man kann das „Warschauer Konzert“ wohl mit Fug und Recht als einen der ersten Hits der Filmmusikgeschichte bezeichnen.

Das Erscheinungsjahr dieser EP ist wieder mal ein wenig rätselhaft: Viele Quellen geben das Jahr 1060 an. Das halte ich allerdings für ne Mär, denn der Dirigent dieses Orchersters, Wilhelm Schüchter schied bereits im Jahre 1955 aus. Und das Titelfoto stammt aus dem Warner Bros. Film „Rhapsodie in Blau“ (1945), der in Deutschland 1948 in die Kinos kam. Von daher vermute ich mal, dass man die frühen 50er Jahre als Erscheinungsjahr benennen könnte.

Das Label „Imperial“ war ein Sub-Label der „Electrola Gesellschaft m.b.H.

NordwestdeutschePhilharmonie

Die Nordwestdeutsche Philharmonie im Jahre 2014

Besetzung:
Herbert Heinemann (piano)
+
Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung von Wilhelm Schüchter

BackCover1Titel:
01. Rhapsody In Blue (Gerswhin) 14.51
02. Warschauer Konzert (Addinsell) 8.26

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Die Regensburger Domspatzen – Singen Weihnachtslieder (1960)

FrontCover1Die Regensburger Domspatzen … eine Institution.

Und so ging´s los:

Im Jahr 975 gründete Bischof Wolfgang von Regensburg eine Domschule zur Ausbildung von Kleriker-Nachwuchs. Die musikalisch geschulten Knaben wurden zur Gestaltung der Liturgie und zum Chorgebet herangezogen. Daraus leitet sich die Bezeichnung Chor ab. Eine Stiftung des Domkapitels aus dem 16. Jahrhundert, die Dompräbende, diente der Einrichtung und dem Unterhalt eines Internats für die Domschüler. Die finanziellen Mittel dafür stellten der Regensburger Bischof und das Domkapitel bereit. Die Bedeutung der Domschule war zu dieser Zeit stark gesunken, die Präbende „eine Verpfleg- und Bewahrungsanstalt für eine kleine Zahl von Knaben, die bei den gottesdienstlichen Verrichtungen singen mußten“. (Quelle: wikipedia)

Und so ging´s weiter, z.B. in den Zeiten des Nationalsozialismus:

Bereits auf dem Regensburger NSDAP-Gautag im Juni 1933 traten die Domspatzen vor Parteiorganisationen auf. Dies geschah auf Wunsch des Gauleiters Hans Schemm unter anderem mit einem Stück von Richard Wagner. Als der Reichskanzler Adolf Hitler im Oktober 1933 Regensburg besuchte, sang der Domchor im Reichssaal der Stadt für Hitler. Dieser Auftritt ging auf die Initiative von Chorleiter Theobald Schrems zurück. Der Reichskanzler hat die Domspatzen in der Folgezeit bis Kriegsende persönlich finanziell unterstützt. Der Chor trat insgesamt sechsmal in der Gegenwart des „Führers“ auf, so z. B. auf dem Reichsparteitag der NSDAP von 1938 in Nürnberg und zweimal auf dem Obersalzberg.

Schrems+Hitler

Unverkennbare Nähe: Theobald Schrems 1938 auf dem Obersalzberg im Gespräch mit Adolf Hitler. Foto im „Illustrierten Beobachter“ 1938.

Im Jahre 1937 unternahm der Domchor eine größtenteils von Hitler finanzierte Südamerika-Tournee mit Auftritten u. a. in São Paulo und Montevideo. In einer Nebenrolle des Propagandafilms Das unsterbliche Herz von Veit Harlan traten die Domspatzen als Kirchenchor ohne liturgische Funktion auf. Da dieser Film einen antikatholischen Einschlag hatte, rief der damalige Auftritt der Sängerknaben starke Kritik innerhalb des Regensburger Domkapitels hervor. Mit der Finanzierung des Propagandaministers Joseph Goebbels unternahmen die Domspatzen nach Beginn des Weltkriegs zur Repräsentation des NS-Regimes vielerlei Auslandsreisen, so z. B. nach Polen, Frankreich, Spanien und Portugal. Der Regensburger Bischof Michael Buchberger unterstützte diese Propagandarolle des Domchors weitgehend.

Anders als ähnliche kirchliche Einrichtungen, wie zum Beispiel die bayrischen Philosophisch-theologischen Hochschulen, die ebenso auf staatliche Mittel und Zusammenarbeit mit dem NS-Regime angewiesen waren, wurden weder die Domschule noch der Domchor verboten oder aufgelöst. Versuche von NSDAP-Funktionären, den Domchor noch stärker für Repräsentationsaufgaben heranzuziehen und seine liturgischen Aufgaben allmählich ganz zurückzudrängen, wurden von Hitler im Jahre 1942 über das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterbunden. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Domspatzen sollte erst nach dem Kriegsende getroffen werden.

Nach 1945 rechtfertigte Theobald Schrems die Auftritte der Domspatzen für das NS-Regime damit, dass eine Verweigerung den Domchor gefährdet hätte. Da er immer auch religiöse Stücke vorgetragen habe, wollte Schrems diese Aufführungen im Rückblick „geradezu als versteckte Widerstandshandlungen gedeutet wissen“. Karl Birkenseer spricht davon, dass es nur „Versuche der NS-Machthaber, den Chor für ihre Zwecke zu vereinnahmen“, gegeben habe, jedoch keine aktive Zusammenarbeit. Der Historiker Helmut Halter hingegen betont Opportunismus, Eitelkeit und Initiative von Schrems in der „Rolle der Domspatzen als Instrument der auswärtigen Kulturpolitik des NS-Propagandaministeriums“ (Quelle: wikipedia)

Um wem jetzt noch nicht schlecht, dann noch eine „Marginalie“ aus der Geschichte der Regensburger Domspatzen:

Im März 2010 berichteten mehrere ehemalige Domspatzen-Schüler von sexuellen Übergriffen. So schilderte einer in der Livesendung bei Markus Lanz und Franz Wittenbrink am 13. März 2010 in der Sendung Menschen bei Maischberger und einen Tag später in ML Mona Lisa Missbrauchsfälle während ihrer Zeit bei den Regensburger Domspatzen. Das Ordinariat der Diözese nannte daraufhin als verstorbene Täter die geistlichen Internatsleiter Friedrich Zeitler und Georg Friedrich Zimmermann. Ein Jahr später legte die Diözese ausgewählten Pressevertretern einen zusammenfassenden Arbeits-Bericht über die Vorfälle von sexuellem Missbrauch im Bistum Regensburg zwischen 1945 und 2010 vor. Laut weiterführenden Recherchen des Online-mediums Regensburg-Digital verschleiert die Diözese systematische sexuelle Übergriffe bei den Domspatzen, die demnach bis in die NS-Zeit zurück gehen würden. Auch die langjährigen sexuellen Übergriffe durch die ehemaligen Internatsdirektoren bei den Domspatzen, Friedrich Zeitler und Georg Zimmermann, wurden in einer journalistischen Recherche und nicht von der Diözese aufgedeckt. Ehemalige Domspatzen des Archivs intern-at.de gehen laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von November 2014 von etwa hundert Sängerknaben aus, die von sexuellem Missbrauch betroffenen seien. Im April 2015 kündigte das Bistum Regensburg an, die Vorfälle mit Hilfe der Opferschutzorganisation Weißer Ring aufklären zu wollen. Der vom Weißen Ring empfohlene Opferanwalt hat inzwischen eine spezielle Webseite eingerichtet, über die sich Betroffene mit ihm in Verbindung setzen können. (Quelle: wikipedia)

Ich habe mich jetzt ein wenig mit diesem Thema beschäftigt … speziell bezogen auf die damaligen Geschehnisse in Regensburg.

Und mir ist jegliche voreihnachtliche Freude vergangen, ganz sicher auch deshalb, weil dieses Album just von diesem Theobald Schrems musikalisch ausgerichtet wurde und er wohl zudem die damals im Kloster wohl bekannten Täter wohl eher deckte …. als sonst was.

Sorry.

Statt dessen sollten uns immer wieder vergegenwärtigen, wie eine lustfeindliche Sexualmoral (inkl. Zölibat) auf Menschen wirkt, bzw. wieviel Leid sie über so viele Menschen gebracht hat.

Mehr über Schrems in der beigelegten Dokumentation des online-Portals „Regensburg-Digital“ … Auch dieser Beitrag handelt von all den verletzten Seelen in diesem Chor.

 

Besetzung:
Die Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Theobald Schrems

BackCover1

Titel:
01. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.36
02. Vom Himmel hoch ihr Engel kommt (Traditional) 2.12
03. Adeste Fideles (Traditional) 2.24
04. Kindelein zart (Traditional) 3.47
05. Es wird schon gleich dunkel (Traditional) 3.24
06. Heilige Nacht (Reichard) 2.31
07. Es ist ein Ros‘ entsprungen (Praetorius) 2.42
08. Still,  o Himmel (Haas/Dauffenbach) 4.06
09. Schlaf wohl du Himmelsknabe du (Traditional) 4.41
10. Drei Kön’ge wandern aus Morgenland (Cornelius) 2.33
11. Es blühen die Maien (Haas/Dauffenbach) 2.06
12. Still, still, still, weils Kindlein schlafen will (Traditional) 2.18

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Georg Kreisler + Helen Vita – Du bist neurotisch + La malade à la mode (1960)

FrontCover1Wieder mal so eine kleine Werbeplatte, die man damals wohl an Mediziner verteilte, den die Firma „Pro Medico“ warb ein wenig verschämt „gegen quälenden Husten: Tussipect und Embrocin“. Aha !

Und man bediente sich zweier Künstler mit mit Witz und Hunor das Thema Gesundheit auf die Schippe nahmen:

Charmant und zugleich bitterböse der Georg Kreisler (wir kennen ihnen nicht anders).

Liebreizend und spitzbübisch dann die unverwüstliche Skandalnudel Helen Vita …

Beide waren damals für ein aufgeklärtes Publikum ganz sicher ein Renner, denn in dem musikalischem Allerlei jener Jahre stachen sie eben durch ihre Individualität deutlich heraus.

Man lasse sich nicht von den anfänglichen Knistergeräuschen bei Kreisler irritieren … Das kleine Vergnügen an dieser kleinen Schallplatte wird dadurch nicht wirklich getrübt.

BackCover1
Besetzung:

Georg Kreisler (piano vocals be 01.)
+
Paul Burkhard (piano bei 02.)
Helen Viata (vocals bei 02.)

Titel:
01. Du bist neurotisch (Kreisler) 3.30
02. La malade à la mode (Burkhard/Witt) 3.41

Labels

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Mehr vom Georg Kreisler:

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