Unbekannte Interpreten – Unseren Dinett Freunden (1960)

FrontCover1Hier mal ne Mischung aus einer flotten Werbeplatte aus dem Jahre 1960 (gemopst von dem famosen Berlin Beatet Bestes blog, in dem diese Single erstmalig 2012 vorgestellt wurde) und ein wenig Firmengeschichte vom Hersteller dieses klappbaren Servicewagens, der Firma Bremshey GmbH.

Gegründet wurde die Firma bereits im 19. Jahrhundert.von C. Wilhelm Bremshey (1826-1899) in Solingen:

BREMSHEY Die Geschichte der einst weltbekannten Firma beginnt mit einer Mühle am Lochbach.

Wo der Lochbach in die Ebene fließt, liegt die Poschheider Mühle. Hier beginnt die Bremshey-Geschichte. 1857 erwirbt der 31-jährige Schlosser Caspar Wilhelm Bremshey einen Teil der Mühle und richtet hier eine mechanische Werkstatt mit Drehbank und Fräsmaschine ein. Erstes Produkt: Kassenschlösser. 1862 wird die Firma Bremshey & Co. gegründet und ein neues Fabrikgelände erworben, das Areal des heutigen Bremsheyplatzes. 1876 wird die Schirmfurniturenfertigung aufgenommen.

WilhelmBremshey

Firmengründer Fabrikant C. Wilhelm Bremshey, 1826-1899

Am Ende des Jahrhunderts beschäftigt Bremshey bereits 600 Mitarbeiter. 1905 wird der Grundstein für das große Bremshey-Werk in Trotzhilden gelegt. Es muss ständig erweitert werden, und immer neue Produkte werden entwickelt. Hauptprodukt wird der Knirps-Taschenschirm, dessen Patent 1927 von dem damals 25-jährigen Fritz Bremshey erworben wird.

Das voll zusamenklappbare Schirmgestell war eine Erfindung des Bergassessors Hans Haupt. Fritz Bremshey setzt sich intensiv für die Auswertung der neuen Erfindung ein, so dass der Markenname schon bald zu einem Gattungsbegriff wird. Daneben werden u. a. Gartenschirmgestelle, Autositze und Zubehör, ein rollbarer Klapptisch „Dinett“, Stahlrohrmöbel und Krankenhausbetten hergestellt. Die Wohnungsbau Bremshey GmbH errichtet 150 Wohnungen für die Mitarbeiter. Zweigwerke werden eröffnet in Nördlingen, Gelbach, Gelsenkirchen und Westerholt. 1962 beträgt die Zahl der Mitarbeiter über 2000.

1969 wird die Firma in eine AG umgewandelt. Mannesmann erwirbt 1977 einen Aktienanteil von 25,01 Prozent. 1981 wird das Nördlinger Zweigwerk geschlossen. Geschäftsbereiche werden verlegt. Am 4. Juni 1982 heißt es im ST: „Die Bremshey AG verschwindet.“ Verluste der Firma zehrten das Eigenkapital auf. Die Arbeitsplätze von 1800 Mitarbeitern sind bedroht. Endgültig Schluss ist am 23. Dezember 1982. Den „Knirps“ hatte im August jenes Jahres die Walder Firma Kortenbach & Rauh übernommen. Nach deren Konkurs 1999 übernahm Thomas Herriger („Präsenta“) das Warenzeichen. Es ist nun seit Herbst 2005 im Besitz der Firmen Doppler-Schirme (Österreich) und Strotz AG (Schweiz) mit Firmensitz in Braunau (Österreich). (Solinger Tagblatt, 2014)

Werbung01Auf der Website ‚Solingen findet sich dann noch folgende Charakterisierung dieser GmbH:

Werbung03„Von diesem Namen ging Glanz aus, und ein gewisser Mythos. So ganz haben die Solinger nie durchgeblickt, was „die von Bremshey“ alles so machten. Der Begriff „Portfolio“ für Produktpalette war noch unbekannt und deshalb reduzierte sich Bremshey vor allem auf Dinett (ein rollbarer, zusammenklappbarer Servierwagen) oder die Variante Variett, ein eigentlich völlig unnützes Ding, dass man aber unbedingt haben musste, um in den 60er und anfangs 70er Jahren „chic“ zu sein“.

Und das war der Clou bei Dinett:

Das Möbelstück auf Rollen diente Mutti als Haushaltshilfe und Vati als Butler, es war praktisch, leicht zu händeln und mobil. Bekanntester Servierwagen aus dieser Zeit ist sicherlich der „Dinett“ von Bremshey, entworfen im Jahr 1955. Der zusammenklappbare Servierwagen war dem damals sehr beengten Wohnraum geschuldet und ist heute ein echter Klassiker.

Und diese Werbe-Single wurde an den Einzelhandel verteilt, als „Dank für den unermüdlichen Einsatz beim Verkauf des rollenden Klaptisch Dinett“ … so teilt eine sonore Stimme auf Seite 1 mit. Und er gibt gleich weitere Verkaufstips, wie man dieses Produkt noch gewinnbringender an den Mann bzw. an die Frau (vermutlich waren Frauen die eigentliche Zielgruppe für dieses Wohnaccessoir) bringen kann.

Die Single jedenfalls war ne „flexi-disc“ und während Seite 1 halt überwiegend dem Werbegeplaudert dient, findet sich auf Seite 2 eine flotte Jazznummer unbekannter Herkunft.

Nicht minder unbekannt sind bedauerlicherweise die ausführenden Musikern, was aber bei Werbeplatten dieser Art damals nichts besonders war.

Und beschäftigt man sich mit dem Ende dieses Unternehmens im Jahre 1982, so dar5f man getrost zu dem Schluß kommen, dass es wieder mal erhebliche Managemant-Fehler waren, die zum Ende dieses Traditionsunternehmens führte.

Wer sich damit mehr beschäftigen will, kann dies in 2 Artikel der Zeitschriften „Spiegel“ und „Zeit“ aus dem Jahr 1982 gerne tun. Sie liegen dieser Präsentation bei.

Allen anderen wünsche ich ein vergnügtes schmunzeln bei diesen Aufnahmen.

Besetzung:
unbekannte Studiomusiker

Titel:
01. Wheels (Petty) 3.20
02. Serenade In Swing (unbekannt) 2.43

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Der Werbeslogan "

Verweisen möchte ich noch auf die website teenagewasteland.de („Die-Wohngalerie für Wohnen, Design und Lebensart des 20. Jahrhunderts“), die ich bei meinen Recherchen zu diesem Beitrag entdeckt habe.

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Nordwestdeutsche Philharmonie – Rhapsody In Blue + Warschauer Konzert (1960)

FrontCover1Ein deutsches Nachkriegsorchester, das sich bis heute, trotz vieler Widrigkeiten,  halten konnte:

Die Nordwestdeutsche Philharmonie ist eines von drei nordrhein-westfälischen Landes-Sinfonieorchestern. Es hat seinen Sitz in der ostwestfälischen Stadt Herford.

Gegründet wurde die Nordwestdeutsche Philharmonie 1946 in Bad Pyrmont von ehemaligen Musikern des Linzer Bruckner-Orchesters St. Florian und der Prager Deutschen Philharmonie. Im Jahre 1950 erfolgte der Zusammenschluss mit dem zeitgleich entstandenen Herforder Sinfonischen Orchester. Das neue Ensemble hieß zunächst Städtebund-Symphoniker, bevor der heutige Name angenommen wurde.
Trägerschaft und Finanzierung

Das Orchester wird durch das Land Nordrhein-Westfalen, einen Trägerverein aus Kommunen und Gebietskörperschaften der Region Ostwestfalen-Lippe und dem Landschaftsverband Westfalen-Lippe finanziert. Mitglieder des Trägervereins waren die Städte Bad Salzuflen, Bünde, Detmold, Herford, Lemgo, Minden und Paderborn sowie die Kreise Herford und Lippe. Außerdem sind vier weitere Gemeinden und ein Kreis fördernde Mitglieder. Drei weitere Kreise aus Ostwestfalen-Lippe sind Zuschussgeber.

Seit Herbst 1992 wird die Nordwestdeutsche Philharmonie durch die „Philharmonischen Gesellschaft Ostwestfalen-Lippe“ unterstützt. Die Nordwestdeutsche Philharmonie erwirtschaftet durch die Konzerte und Rundfunkproduktionen 23,5 % ihrer Einnahmen selbst. Bei den Kulturorchestern in Deutschland liegt der Durchschnitt bei 13,4 %.

Wilhelm Schüchter

Wilhelm Schüchter

Die sich verringernde Anzahl der Beitragszahler im Trägerverein (Kommunen und Gebietskörperschaften) sowie das Einfrieren und Mindern der Mitgliedsbeiträge in den letzten Jahren haben zu einer akuten Unterfinanzierung des Orchesters geführt. Die jüngsten Austritte der Städte Bad Salzuflen und Lemgo können von den verbliebenen Zahlern nicht mehr kompensiert werden. Die Weiterführung des Orchesterbetriebes ist deshalb erheblich gefährdet. Mit einer online-Petition sucht das Orchester Unterstützer für seinen Erhalt. Der Deutsche Kulturrat hat die Philharmonie im Juli 2012 auf die neu ins Leben gerufene Rote Liste Kultur gesetzt (Kategorie 1: von Schließung bedroht). Im Oktober 2012 wurde das Orchester von Kategorie 1 auf Kategorie 2 eingestuft und gilt somit als gefährdet. Aktuell (April 2013) ist die Gefährdung aufgehoben (Kategorie 4).

Der Haupttätigkeitsbereich des 78-köpfigen Orchesters ist der ostwestfälische Raum, es tritt aber auch über Deutschland und Europa hinaus mit jährlich insgesamt etwa 120 Konzerten in Erscheinung. Erfolgreiche Tourneen haben die Nordwestdeutsche Philharmonie in Ländern wie Japan, Holland, Italien, Frankreich, Spanien und den USA bekannt gemacht. Bis heute existieren über 200 Platten- und CD-Einspielungen mit dem Ensemble. Neben der Konzerttätigkeit ist das Orchester mit einem schul- und konzertpädagogischen Programm in der Jugendarbeit tätig.

Probenraum und Sitz des Orchesters befinden sich innerhalb des Stadtpark-Schützenhofs auf dem Stiftberg, wo auch die Herforder Konzerte gegeben werden. (Quelle: wikipedia)

Auf dieser 10inch EP gibt es zwei Stücke: Einmal den Klassiker „Rhapsody In Blue“ von George Gerswhin (immer wieder ein Genuss !) und dann das sog. „Warschauer Konzert“ des Briten Richard Addinsell:

Das „Warschauer Konzert“ stammt aus dem britischen Film „Dangerous Moonlight“. Der Film erzählt die Geschichte eines polnischen Pianisten der zu Beginn des zweiten Weltkriegs nach Großbritannien flieht um dort als Pilot gegen die Deutschen zu kämpfen. Musikalischer Höhepunkt ist eine Konzertszene in der das besagte Werk zur Aufführung gelangt. Ursprünglich war die Verwendung von Sergei Rachmaninows zweitem Klavierkonzert vorgesehen gewesen und in der Tat nahm Addinsell denn auch stilistische Anleihen aus diesem und anderen Werken seines russischen Kollegen (Addinsells Komposition wird auch heute noch öfters zusammen mit Rachmaninows Konzert eingespielt). Der Film wurde ein durchschlagender Erfolg wozu die Musik ganz erheblich beitrug (deren Hauptthema übrigens von einer Rumba stammt die Addinsell in den 20er Jahren als Student in Oxford komponiert hatte). Man kann das „Warschauer Konzert“ wohl mit Fug und Recht als einen der ersten Hits der Filmmusikgeschichte bezeichnen.

Das Erscheinungsjahr dieser EP ist wieder mal ein wenig rätselhaft: Viele Quellen geben das Jahr 1060 an. Das halte ich allerdings für ne Mär, denn der Dirigent dieses Orchersters, Wilhelm Schüchter schied bereits im Jahre 1955 aus. Und das Titelfoto stammt aus dem Warner Bros. Film „Rhapsodie in Blau“ (1945), der in Deutschland 1948 in die Kinos kam. Von daher vermute ich mal, dass man die frühen 50er Jahre als Erscheinungsjahr benennen könnte.

Das Label „Imperial“ war ein Sub-Label der „Electrola Gesellschaft m.b.H.

NordwestdeutschePhilharmonie

Die Nordwestdeutsche Philharmonie im Jahre 2014

Besetzung:
Herbert Heinemann (piano)
+
Nordwestdeutsche Philharmonie unter der Leitung von Wilhelm Schüchter

BackCover1Titel:
01. Rhapsody In Blue (Gerswhin) 14.51
02. Warschauer Konzert (Addinsell) 8.26

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Die Regensburger Domspatzen – Singen Weihnachtslieder (1960)

FrontCover1Die Regensburger Domspatzen … eine Institution.

Und so ging´s los:

Im Jahr 975 gründete Bischof Wolfgang von Regensburg eine Domschule zur Ausbildung von Kleriker-Nachwuchs. Die musikalisch geschulten Knaben wurden zur Gestaltung der Liturgie und zum Chorgebet herangezogen. Daraus leitet sich die Bezeichnung Chor ab. Eine Stiftung des Domkapitels aus dem 16. Jahrhundert, die Dompräbende, diente der Einrichtung und dem Unterhalt eines Internats für die Domschüler. Die finanziellen Mittel dafür stellten der Regensburger Bischof und das Domkapitel bereit. Die Bedeutung der Domschule war zu dieser Zeit stark gesunken, die Präbende „eine Verpfleg- und Bewahrungsanstalt für eine kleine Zahl von Knaben, die bei den gottesdienstlichen Verrichtungen singen mußten“. (Quelle: wikipedia)

Und so ging´s weiter, z.B. in den Zeiten des Nationalsozialismus:

Bereits auf dem Regensburger NSDAP-Gautag im Juni 1933 traten die Domspatzen vor Parteiorganisationen auf. Dies geschah auf Wunsch des Gauleiters Hans Schemm unter anderem mit einem Stück von Richard Wagner. Als der Reichskanzler Adolf Hitler im Oktober 1933 Regensburg besuchte, sang der Domchor im Reichssaal der Stadt für Hitler. Dieser Auftritt ging auf die Initiative von Chorleiter Theobald Schrems zurück. Der Reichskanzler hat die Domspatzen in der Folgezeit bis Kriegsende persönlich finanziell unterstützt. Der Chor trat insgesamt sechsmal in der Gegenwart des „Führers“ auf, so z. B. auf dem Reichsparteitag der NSDAP von 1938 in Nürnberg und zweimal auf dem Obersalzberg.

Schrems+Hitler

Unverkennbare Nähe: Theobald Schrems 1938 auf dem Obersalzberg im Gespräch mit Adolf Hitler. Foto im „Illustrierten Beobachter“ 1938.

Im Jahre 1937 unternahm der Domchor eine größtenteils von Hitler finanzierte Südamerika-Tournee mit Auftritten u. a. in São Paulo und Montevideo. In einer Nebenrolle des Propagandafilms Das unsterbliche Herz von Veit Harlan traten die Domspatzen als Kirchenchor ohne liturgische Funktion auf. Da dieser Film einen antikatholischen Einschlag hatte, rief der damalige Auftritt der Sängerknaben starke Kritik innerhalb des Regensburger Domkapitels hervor. Mit der Finanzierung des Propagandaministers Joseph Goebbels unternahmen die Domspatzen nach Beginn des Weltkriegs zur Repräsentation des NS-Regimes vielerlei Auslandsreisen, so z. B. nach Polen, Frankreich, Spanien und Portugal. Der Regensburger Bischof Michael Buchberger unterstützte diese Propagandarolle des Domchors weitgehend.

Anders als ähnliche kirchliche Einrichtungen, wie zum Beispiel die bayrischen Philosophisch-theologischen Hochschulen, die ebenso auf staatliche Mittel und Zusammenarbeit mit dem NS-Regime angewiesen waren, wurden weder die Domschule noch der Domchor verboten oder aufgelöst. Versuche von NSDAP-Funktionären, den Domchor noch stärker für Repräsentationsaufgaben heranzuziehen und seine liturgischen Aufgaben allmählich ganz zurückzudrängen, wurden von Hitler im Jahre 1942 über das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unterbunden. Eine endgültige Entscheidung über die Zukunft der Domspatzen sollte erst nach dem Kriegsende getroffen werden.

Nach 1945 rechtfertigte Theobald Schrems die Auftritte der Domspatzen für das NS-Regime damit, dass eine Verweigerung den Domchor gefährdet hätte. Da er immer auch religiöse Stücke vorgetragen habe, wollte Schrems diese Aufführungen im Rückblick „geradezu als versteckte Widerstandshandlungen gedeutet wissen“. Karl Birkenseer spricht davon, dass es nur „Versuche der NS-Machthaber, den Chor für ihre Zwecke zu vereinnahmen“, gegeben habe, jedoch keine aktive Zusammenarbeit. Der Historiker Helmut Halter hingegen betont Opportunismus, Eitelkeit und Initiative von Schrems in der „Rolle der Domspatzen als Instrument der auswärtigen Kulturpolitik des NS-Propagandaministeriums“ (Quelle: wikipedia)

Um wem jetzt noch nicht schlecht, dann noch eine „Marginalie“ aus der Geschichte der Regensburger Domspatzen:

Im März 2010 berichteten mehrere ehemalige Domspatzen-Schüler von sexuellen Übergriffen. So schilderte einer in der Livesendung bei Markus Lanz und Franz Wittenbrink am 13. März 2010 in der Sendung Menschen bei Maischberger und einen Tag später in ML Mona Lisa Missbrauchsfälle während ihrer Zeit bei den Regensburger Domspatzen. Das Ordinariat der Diözese nannte daraufhin als verstorbene Täter die geistlichen Internatsleiter Friedrich Zeitler und Georg Friedrich Zimmermann. Ein Jahr später legte die Diözese ausgewählten Pressevertretern einen zusammenfassenden Arbeits-Bericht über die Vorfälle von sexuellem Missbrauch im Bistum Regensburg zwischen 1945 und 2010 vor. Laut weiterführenden Recherchen des Online-mediums Regensburg-Digital verschleiert die Diözese systematische sexuelle Übergriffe bei den Domspatzen, die demnach bis in die NS-Zeit zurück gehen würden. Auch die langjährigen sexuellen Übergriffe durch die ehemaligen Internatsdirektoren bei den Domspatzen, Friedrich Zeitler und Georg Zimmermann, wurden in einer journalistischen Recherche und nicht von der Diözese aufgedeckt. Ehemalige Domspatzen des Archivs intern-at.de gehen laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung von November 2014 von etwa hundert Sängerknaben aus, die von sexuellem Missbrauch betroffenen seien. Im April 2015 kündigte das Bistum Regensburg an, die Vorfälle mit Hilfe der Opferschutzorganisation Weißer Ring aufklären zu wollen. Der vom Weißen Ring empfohlene Opferanwalt hat inzwischen eine spezielle Webseite eingerichtet, über die sich Betroffene mit ihm in Verbindung setzen können. (Quelle: wikipedia)

Ich habe mich jetzt ein wenig mit diesem Thema beschäftigt … speziell bezogen auf die damaligen Geschehnisse in Regensburg.

Und mir ist jegliche voreihnachtliche Freude vergangen, ganz sicher auch deshalb, weil dieses Album just von diesem Theobald Schrems musikalisch ausgerichtet wurde und er wohl zudem die damals im Kloster wohl bekannten Täter wohl eher deckte …. als sonst was.

Sorry.

Statt dessen sollten uns immer wieder vergegenwärtigen, wie eine lustfeindliche Sexualmoral (inkl. Zölibat) auf Menschen wirkt, bzw. wieviel Leid sie über so viele Menschen gebracht hat.

Mehr über Schrems in der beigelegten Dokumentation des online-Portals „Regensburg-Digital“ … Auch dieser Beitrag handelt von all den verletzten Seelen in diesem Chor.

 

Besetzung:
Die Regensburger Domspatzen unter der Leitung von Theobald Schrems

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Titel:
01. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.36
02. Vom Himmel hoch ihr Engel kommt (Traditional) 2.12
03. Adeste Fideles (Traditional) 2.24
04. Kindelein zart (Traditional) 3.47
05. Es wird schon gleich dunkel (Traditional) 3.24
06. Heilige Nacht (Reichard) 2.31
07. Es ist ein Ros‘ entsprungen (Praetorius) 2.42
08. Still,  o Himmel (Haas/Dauffenbach) 4.06
09. Schlaf wohl du Himmelsknabe du (Traditional) 4.41
10. Drei Kön’ge wandern aus Morgenland (Cornelius) 2.33
11. Es blühen die Maien (Haas/Dauffenbach) 2.06
12. Still, still, still, weils Kindlein schlafen will (Traditional) 2.18

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Georg Kreisler + Helen Vita – Du bist neurotisch + La malade à la mode (1960)

FrontCover1Wieder mal so eine kleine Werbeplatte, die man damals wohl an Mediziner verteilte, den die Firma „Pro Medico“ warb ein wenig verschämt „gegen quälenden Husten: Tussipect und Embrocin“. Aha !

Und man bediente sich zweier Künstler mit mit Witz und Hunor das Thema Gesundheit auf die Schippe nahmen:

Charmant und zugleich bitterböse der Georg Kreisler (wir kennen ihnen nicht anders).

Liebreizend und spitzbübisch dann die unverwüstliche Skandalnudel Helen Vita …

Beide waren damals für ein aufgeklärtes Publikum ganz sicher ein Renner, denn in dem musikalischem Allerlei jener Jahre stachen sie eben durch ihre Individualität deutlich heraus.

Man lasse sich nicht von den anfänglichen Knistergeräuschen bei Kreisler irritieren … Das kleine Vergnügen an dieser kleinen Schallplatte wird dadurch nicht wirklich getrübt.

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Besetzung:

Georg Kreisler (piano vocals be 01.)
+
Paul Burkhard (piano bei 02.)
Helen Viata (vocals bei 02.)

Titel:
01. Du bist neurotisch (Kreisler) 3.30
02. La malade à la mode (Burkhard/Witt) 3.41

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Mehr vom Georg Kreisler:

MehrKreisler

Verschiedene Interpreten – Schlager – Hits mit Witz – Vol. 1 (2016)

FrontCover1Jetzt mache ich es mir mal ganz einfach … ich starte mit der Edition „Schlager – Hits mit Witz“:

Jawohl – es gab nicht nur Schlager bei den sich „Herz auf Schmerz“ und „Liebe auf Triebe“ reimte. In dieser 10 CD Box haben wir 200 der witzigsten Schlager zusammengetragen. „Mein Papagei frisst keine harten Eier“ . „Mein kleiner grüner Kaktus“ – „An der Nordseeküste“ oder auch „Polonäse Blankenese“ – alle diese Titel sind dem gewogenen Hörer deutscher Schlagermusik bestens im Ohr. Alle in dieser Box versammelten Titel sind entweder zum Mitgrölen oder mindestens zum Schmunzeln geeignet. Diese humoristische Schlagerreise führt den Hörer durch zehn Jahrzehnte musikalischer Humorhöhepunkte. 

Von den Comedian Harmonists, Max Kuttner und Willi Rose bis hin zu Klaus & Klaus, Gottlieb Wendehals oder auch Torfrock ist hier fast alles vertreten was Rang und Namen hat oder hatte. (Hüllentext)

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Was macht der Maier am Himalaja? Die humorvolle Antwort auf diese und viele andere Fragen des Lebens findet man in dieser Box mit 200 ganz speziellen Schlagern. Denn hier geht es einmal nicht um Herz und Schmerz, sondern um Lieder mit doppeldeutigen, hintergründigen und witzigen Texten vom Jahr 1920 bis heute.

Schlager waren immer ein Spiegel der jeweiligen Zeit und so spannt sich der musikalische Bogen vom kabarettistischen Trizonesien-Song von 1949 über Peter Igelhoffs Nachtgespenst bis zur unbeschwerten Polonäse Blankenese. Künstler wie Peter Alexander, Evelyn Künnecke, Bill Ramsey, Trude Herr und viele andere sorgen auf einer Reise durch die Jahrzehnte für gute Laune.

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Außerdem bieten die zehn CDs etliche Raritäten zum Schmunzeln wie Curd Jürgens Hühner-Boogie oder einen Twist, in dem Frankreichs Rockstar Johnny Hallyday in schwer verständlichem Deutsch einen Elefanten besingt. (jpc.de)

Mir gefallen natürlich insbesondere (oder fast ausschließlich) all die alten ulkigen Singles aus den 60er Jahren. Wobei die Sammlung nicht so ganz stringent ist, denn was der Dorte Hit „Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben“ in dieser Sammlung zu suchen hat, erschließt sic nicht auf den ersten Blick (außer man hält alle Schlager der 60er Jahre für unfreiwillig komisch … )

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Sei´s drum … net nette Sammlung, die nehm ich vielleicht mal zum nächsten Seniorentanz-Cafe mit … vielleicht kann ich dann mit einer rüstigen Senioren ne kesse Sohle auf dem Tanzparkett hinlegen …

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Titel:
01. Klaus & Klaus: An der Nordseeküste (1985) (deReede/Ortel/v.Hill/Büchner) 3.39
02. Bill Ramsey: Ohne Krimi geht die Mimi nie ins Bett (1962) (Gietz/Bradtke) 3.02
03. Gus Backus: Da sprach der alte Häuptling der Indianer (1960) (Scharfenberger/ Wehle) 2.50
04. Muskelkater: Mich kennt keine Sau (1990) (Bruhn) 3.20
05. Tennessee: Tote Hose im Wilden Westen (1997) (Walendowski/David-Ohlmeier/ Heinrichs/Meifert) 3.08
06. Billy Mo: Ich kauf mir lieber einen Tirolerhut (1962) (Niessen/Rüger) 2.26
07. Paul Kuhn: Es gibt kein Bier auf Hawaii (1963) (Rolle/Röckelein) 2.54
08. Die Regento Stars: Leila (1959) (Dauber/v.Breda) 2.35
09. Torfrock: Volle Granate Renate (1979) (Büchner/Voß/Rieckmann) 4.02
10. Dorthe: Wärst Du doch in Düsseldorf geblieben (1968) (Bruhn/Buschor/Förster) 2.39
11. Trude Herr: Ich will keine Schokolade (1960) (Morrow/Blecher) 2.26
12. Vico Torriani: Cafe Oriental (1960) (Alstone/Tabet) 2.18
13. Billy Sanders: Gartenzwerg-Marsch (1962) (Bruhn/Bradtke) 2.56
14. Die Jokies: Unser Stammlokal (1983) (Floppkopp/David-Ohlmeier/Heinrichs/ Waleridowski) 3.14
15. Ralf Bendix: Babysitter Boogie (1961) (Parker/Relin) 2.07
16. Hazy Osterwald Sextett: Der Fahrstuhl nach oben ist besetzt (1966) (Feltz/Peeters) 3.30
17. Rex Gildo: Speedy Gonzales (1962) (Kaye/Hill/Lee/Charles/Gerard/Gordan) 2.37
18. Chris Howland: Die Mutter ist immer dabei (1960) (Jagert/Schwabach) 2.30
19. Bill Ramsey: Maskenball bei Scotland Yard (1962) (Gietz/Bradtke) 2.35
20. Gottlieb Wendehals: Polonäse Blankenese (Neuaufnahme) (1981) (Böhm-Thorn/Jud) 4.02

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Die Rückseite der 10 CD Box

Rudolf Schock – Wenn ich König wär (1960)

FrontCover1.jpgIrgendwann musste er ja mal wieder kommen: Hier darf ich erneut einen Sänger präsentieren, der damals vermutlich von vielen Damen (darunter auch ganz sicher meine Mutter) angeschwärmt wurde:

Rudolf Schock (* 4. September 1915 in Duisburg; † 13. November 1986 in Düren) war ein deutscher Opern-, Lied- und Operettensänger in der Stimmlage lyrischer Tenor. (Quelle wikipedia)

Und auf dieser EP gibt er vier Lieder aus der französischen Oper „Si j’étais roi“ zum Besten:

Wenn ich König wär’ (französischer Originaltitel: Si j’étais roi) ist eine Opéra-comique in drei Akten, die zur französischen Romantik gehört. Die Komposition stammt von Adolphe Adam; das Libretto verfassten Adolphe d’Ennery und Jules-Henri Brésil. Das Werk erlebte seine Uraufführung am 4. September 1852 im Théâtre-Lyrique in Paris. In Deutschland wurde die Oper das erste Mal am 21. Januar 1904 in Breslau aufgeführt. Gelegentlich hat man sie im deutschen Sprachraum auch unter dem Titel König für einen Tag gespielt.

Die Oper spielt im frühen 16. Jahrhundert in einem fantastischen Königreich, das Zugang zum Meer hat.
Erster Akt
Meeresstrand mit Fischerhütte

Adolphe Adam

Adolphe Adam

Schon viele Jahre sind vergangen, seit der arme Fischer Zephoris einem Mädchen das Leben gerettet hat. Ohne sein beherztes Eingreifen hätte das Geschöpf ertrinken müssen. Es ist ihm bis heute nicht gelungen, ihren Namen und ihren Aufenthalt herauszubekommen. Er würde ihr nämlich gerne den kostbaren Ring zurückgeben, der ihr bei der Rettungsaktion vom Finger geglitten war.

Gerade jetzt kommt der König an seiner Hütte vorbei. In seinem Gefolge entdeckt Zephoris ein Gesicht, das ihn an die Schöne von damals erinnert, und er täuscht sich nicht: Sie ist es! Außerdem ist sie auch noch die Tochter des Königs. In seiner Naivität wendet sich Zephoris an den Begleiter der Prinzessin, Prinz Kadoor, und berichtet ihm von seinem lange zurückliegenden Erlebnis. Dieser befiehlt ihm, Stillschweigen zu bewahren, wenn ihm sein Leben lieb sei. Dann beauftragt er seinen Diener, Zephoris den Ring zu entwenden. Er hegt den Gedanken, mit Hilfe des Rings die Prinzessin zur Frau zu bekommen, weil er sich dann selbst als ihr Retter ausgeben kann. Insgeheim hat er vor, nach seiner Hochzeit den König zu stürzen und selbst die Herrschaft an sich zu reißen. Diese Absicht hat Zephoris durchschaut, und fortan hütet er den Ring wie seinen Augapfel.

Als die hohen Herrschaften verschwunden sind, schreibt er „Wenn ich König wär’ …“ in den Sand, legt sich schlafen und träumt davon, was er dann machen würde.

RudolfSchock01

Rudolf Schock als armer Fischer

Kurz darauf führt des Königs Weg nochmals an Zephoris’ Hütte vorbei. Als er den schlafenden Fischer und die von ihm in den Sand gekritzelten Worte bemerkt, kommt ihm eine Idee: Er befiehlt, ihn auf sein Schloss zu bringen. Wenn er dann am nächsten Tag erwacht, soll er einen Tag lang zeigen, was er als „König“ kann.
Zweiter Akt
Prunkvoller Raum im Schloss
Zephoris glaubt, er träume, als er nach seinem Erwachen vom Hofstaat wie ein König behandelt wird. Aber im Traum darf man ja alles machen. Weil der König zugleich oberster Befehlshaber der Armee und sein Reich gerade von den Portugiesen belagert Notenheftwird, ersinnt er einen Plan, die Feinde zu vertreiben. Und siehe da – der Plan gelingt! Er deckt auch auf, dass sich sein Widersacher, Prinz Kadoor, heimlich mit den Feinden verschworen hat. Auch den Stand der Fischer hat er nicht vergessen: Per Dekret verfügt er, dass sie mehr Rechte bekommen. Prinzessin Nemea offenbart er, dass sie ihr Leben nicht Kadoor, sondern ihm zu verdanken habe. Als Beweis zeigt er ihr den Ring. In diesem Moment fällt es der Prinzessin wie Schuppen von den Augen. Sie weiß nun, dass sie die ganze Zeit von Kadoor getäuscht worden ist. Für ihn empfindet sie jetzt nur noch Verachtung; ihr Herz schlägt jetzt für Zephoris. Dieser will die Gunst der Stunde nutzen und gleich die Hochzeit mit seiner Angebeteten in die Wege leiten, aber diese Gedanken schlagen aus der Sicht des Königs dem Fass den Boden aus. Jetzt reicht’s ihm! Er lässt Zephoris ein Schlafmittel verabreichen und ihn in seine armselige Hütte zurückbringen.
Dritter Akt
Meeresstrand mit Fischerhütte
Nach dem Aufwachen befällt Zephoris ein ganz schrecklicher Liebeskummer. Nicht einmal seine geliebte Schwester Zelide vermag ihn zu beruhigen. Plötzlich entdeckt er Prinz Kadoor, der mit ein paar bewaffneten Helfern auf seine Hütte zukommt. Zephoris wird gewahr, was sein Widersacher im Schilde führt. Er muss jetzt um sein Leben bangen. Glücklicherweise naht auch Prinzessin Nemea. Ihr gelingt es, das Schlimmste zu verhindern.

Inzwischen hat auch der König selbst erfahren, welchen Schurken er unter seinem Dach beherbergt hat. Er lässt Kadoor verhaften und weist ihn aus seinem Reich. Den armen Fischer, dem er so viel zu verdanken hat, erhebt er in den Adelsstand und gibt ihm seine Tochter zur Frau.

Das Werk gehört zu jenen heiteren, typisch französischen Opern, die sich auch dem

Stina-Britta Melander

Stina-Britts Melamder

ungeübten Hörer sehr leicht erschließen. Es stellt an ihn keine höheren Ansprüche, was aber nicht heißen soll, dass das Werk anspruchslos sei. Es will nur gut unterhalten, und das gelingt ihm auch. Zu den musikalischen Höhepunkten gehören die Ouvertüre, Zephoris‘ Romanze „Kenn nicht ihren Stand, ihren Namen“ im ersten Akt, Nemeas Arie „Ihr seid der glückliche Fürst“ im zweiten Akt und das Finale „Dankt dem allmächtigen Gott“ im dritten Akt. (Quelle: wikipedia)

Nun gut, hier schmettert als erneut der Rudolf Schock und bei „Mein Herz ist noch beklommen“ kommt dann noch trällernde die Schwedin Stina-Britta Melander zum Einsatz.

Damit ich jetzt nicht falsch verstanden werde: Keine Frage, Rudolf Schock verstand sein Hanwerk … dennoch bleibt mir diese Art von Musik weiterhin sehr fremd.

Ach ja … diese Oper wurde damals auch in der gleichen Besetzung im Fernsehen gezeigt.

Aber: wenn ich König wär … da würden mir schon ein paar feine Sachen einfallen. Aber so sitz´ich nun hier, ich armer Tor.

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Besetzung:
Rudolf Schock (Tenor)
+
Stina-Britts Melamder (Sopran bei 04.)
+
Orchester der Städtischen Oper Berlin  unter der Leitung von Ernst Märzendorfer

Ernst Märzendorfer

Ernst Märzendorfer

Titel:
01. Kenn‘ nicht ihren Stand, ihren Namen 2.35
02. Sie ist Prinzessin 3.40
03. Hier sitz ich nun, ich Tor 3.34
04. Mein Herz ist noch beklommen 1.46

Musik: Adolphe Adam
Libretto: Adolphe d’Ennery und Jules-Henri Brésil
Deutsches Libretto: Paul Wolff

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Und auch diese Rudolf Schock Single stammt aus dem fulminanten Fundus der Graugans Vielen Dank !!!

Siegfried Behrendt – Nicanor Zabeleta – Rodrigo (1975)

FrontCover1Mitte der 70er Jahre begann mein Interesse anklassischer Musik zu wachsen … und da kam mir das Billig Label „Resonance“ der Deutschen Grammophon Gesellschaft ganz recht. Denn in dieser Reihe kamen hochwertige Klassikaufnahmen für den schmalen Geldbeutel heraus.

Hier ein Beispiel mit den Interpreten Siegfried Behrendt und Nicanor Zabeleta (jeweils auf einer Seite der LP)

Siegfried Behrend (* 19. November 1933 in Berlin; † 20. September 1990 in Hausham) war ein deutscher Gitarrist und Komponist.

Behrend erhielt am Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin eine Ausbildung in den Fächern Klavier, Cembalo, Dirigieren und Komposition. Das Gitarrenspiel erlernte er autodidaktisch. Bereits als 30-Jähriger hatte er mehr als 1000 Kompositionen und Bearbeitungen, größtenteils folkloristisch oder von alten Meistern inspiriert, vorzuweisen. Er gab Konzerte in Moskau, Rom und Madrid, er spielte vor dem Schah in Persien, vor dem Kaiser in Tokio und vor Gamal Abdel Nasser in Kairo.

1962 lernte der Gitarrist während der Aufnahmen zu der Personality-Show Belina – Porträt einer Sängerin die Hauptdarstellerin näher kennen. Die beiden gingen fortan künstlerisch gemeinsame Wege. Belina und Siegfried Behrend repräsentierten mit ihren Folk-Songs, Chansons, jiddischen Liedern als Botschafter deutscher Kultur die damals Siegfried Behrendt01noch junge Bundesrepublik Deutschland und führten mit Unterstützung des Goethe-Instituts mehrere ausgedehnte Konzertreisen durch. Die beiden gastierten in mehr als 120 Ländern. In dieser erfolgreichen Zeit nahm das Duo mehrere LPs auf und war in mehreren Fernseh-sendungen zu Gast (z. B.: Lieder am Kamin bei SWF). Siegfried Behrend heiratete in den 1970er-Jahren die Schauspielerin Claudia Brodzinska und wandte sich mit ihr als Sängerin/Interpretin der avantgardistischen Musik zu.

Siegfried Behrend war ein vielgefragter Gitarrenlehrer. Martin Maria Krüger erhielt von ihm den ersten Gitarrenunterricht. In späteren Jahren traten beide weltweit als Deutsches Gitarrenduo auf. An den von Behrend in den 1970er-Jahren im bayrischen Riedenburg abgehaltenen „Internationalen Meisterkursen für künstlerisches Gitarrespiel“ nahmen auch Michael Tröster, Matthias Henke, Helmut Richter und Manuel Negwer teil. Behrend war (Mit-)Herausgeber vieler musikalischer Fachbücher, beispielsweise des mehrbändigen Werkes Volkslieder aus aller Welt oder Gitarrenstunden für Kinder etc. 1963 moderierte Siegfried Behrend die Fernsehsendung Die Geschichte der Gitarre[1], 1971 moderierte er eine dreizehnteilige Fernsehsendung mit dem Titel „Instrumente – Klänge – Strukturen“ beim Hessischen Rundfunk über die Gitarre und ihre Verwendung in der Kammermusik.

Von 1960 bis 1973 leitete Behrend das Saarländische Zupforchester (SZO) und von 1968 bis 1990 das Deutsche Zupforchester (DZO) In dieser Zeit prägte er maßgeblich die Repertoire-Entwicklung der Zupfinstrumente. Dabei setzte er neben zahlreichen Bearbeitungen barocker und folkloristischer Werke durch Eigenkompositionen und Kompositionsaufträge einen Schwerpunkt auf zeitgenössisch-avantgardistische Musik.

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Er leitete zahlreiche Uraufführungen von Werken von Anestis Logothetis, Klaus Hashagen, Heinrich Konietzny, Dietrich Erdmann, Friedrich Gaitis und anderen. Mit seiner Frau Claudia Brodzinska-Behrend (Sprechstimme) brachte er regelmäßig experimentelle Werke zur Aufführung, darunter die Uraufführung von Sylvano Bussottis Ultima Rara[4]; es entstand auch eine Aufnahme wo er Ultima Rara mit Bussotti zusammen interpretierte[5]. Für diese Duobesetzung schrieb Klaus Hinrich Stahmer Canti della vita (1980; Texte: Eugenio Montale). Gemeinsam mit dem Schlagzeuger Siegfried Fink spielten Claudia Brodzinska und Siegfried Behrend auch Stahmers radiophone Komposition tre paesaggi (1976; Texte: Cesare Pavese) für den Bayerischen Rundfunk ein. In Verbindung mit live-elektronischer Klangverwandlung brachte er 1980 in Zagreb die für das dort ansässige Tanzensemble „savremeni ples“ komponierte Ballettkomposition espace de la solitude von Klaus Hinrich Stahmer zur Uraufführung.

Siegfried Behrend erhielt 1981 auf Vorschlag Franz Josef Strauß‘ das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland. (Quelle: wikipedia)

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Hier hören wir ihn mit einer meisterlichen Version des legendären „Concierto de Aranjuez“ (ursprünglich aufgenommen im Jahr 1966):

Das Concierto de Aranjuez ist ein Solokonzert für Gitarre und Orchester von Joaquín Rodrigo (1901–1999). Es wurde im Frühjahr 1939 in Paris komponiert und am 9. November 1940 in Barcelona uraufgeführt. Es ist nicht nur das mit Abstand populärste Werk Rodrigos, sondern auch eines der bekanntesten klassischen Musikstücke des 20. Jahrhunderts.

Das Konzert hat äußerlich die klassische Konzertform in drei Sätzen. Bei der Komposition stand Rodrigo vor dem Problem, die Gitarre, die als Soloinstrument gegenüber einem Sinfonieorchester viel zu leise ist, in einen ausgewogenen Zusammenklang mit dem Orchester zu integrieren. Rodrigo gelang dies, indem er die Gitarre nie mit dem vollen Orchester zugleich spielen ließ, sondern weitgehend nur mit kleinen Gruppen leiserer Instrumente.

Noten

1. Allegro con spirito
Der 1. Satz (D-Dur) in klassischer Sonatenhauptsatzform ist ein lebhafter Fandango im 6/8-Takt, der von mitreißenden Betonungswechseln bestimmt ist.

2. Adagio
Der 2. und populärste Satz des Konzerts ist ein langsames, in klagendem Ton gehaltenes Stück in h-Moll. Die Hauptmelodie des Englischhorns ist eine Reflexion der Saeta, des Klagegesangs während der alljährlichen andalusischen Prozession in der Semana Santa (Karwoche).

3. Allegro gentile
Ein heiterer Rondo-Satz in H-Dur im Stil eines höfischen Tanzes, der wiederum von unregelmäßigen Takt- und Rhythmuswechseln lebt, beendet das Werk.

Rodrigo komponierte das Concierto de Aranjuez auf Anregung seines Freundes, des Gitarristen Regino Sáinz de la Maza (1896–1981), der auch den Solopart in der Uraufführung spielte.

Notenheft

Notenheft

Rodrigo beschreibt in dem Werk die Gärten des Königlichen Palastes von Aranjuez südlich von Madrid, der Frühjahrsresidenz der spanischen Könige. Aranjuez verkörperte für Rodrigo eine von ihm geschätzte Epoche der Geschichte: die Regierungszeit der letzten spanischen Herrscher vor Napoléon Bonaparte.

Der Komponist fühlte sich dem Palast sehr verbunden: Er war in den Gärten mit seiner zukünftigen Ehefrau oft spazieren gegangen. Im zweiten Satz des Werkes beschrieb Joaquín Rodrigo seine Gefühle rund um das einschneidendste Erlebnis in seinem Leben: die Totgeburt seines erstgeborenen Sohnes und damit verbunden den Schmerz, die unendliche Trauer, die Wut, das Loslassen und die Bitte an Gott, er möge seine geliebte Ehefrau Victoria (Vicky) am Leben lassen. Victoria war das „Augenlicht“ von Joaquín Rodrigo; er selbst war 1906 infolge einer Diphtherie-Epidemie in seiner Geburtsstadt Sagunto erblindet. Eine Hommage an Joaquín Rodrigo anlässlich seines 90. Geburtstages erlebt man in dem Kurzfilm Concierto de Aranjuez (Shadows and Light) von Larry Weinstein (1993).

César de Mendoza Lassalle leitete die Uraufführung am 9. November 1940 im Palau de la Música Catalana in Barcelona mit dem Orquesta Filharmónica de Barcelona. (Quelle: wikipedia)

Auf der Seite 2 dann ein weiteres Werk dieses großartigen Komponisten, eingespielt von Nicanor Zabaleta (ursprünglich aufgenommen im Jahr 1960), Es heißt „Konzert Serenade für Harfe und Orchester“ (Originaltitel: Concierto Serenata para Arpa y Orquesta)

Nicanor Zabaleta (* 7. Januar 1907 in San Sebastián; † 31. März 1993 in San Juan (Puerto Rico) war ein baskischer Harfenist.

Nicanor Zabaleta studierte Harfe zunächst in Spanien bei Vincenta Tormo de Calvo und Luisa Menarguez, gefolgt von Privatunterricht bei Marcel Tournier in Paris, wo er 1926 auch sein offizielles Konzertdébut hatte, an das sich eine 66-jährige Solokarriere anschloss. Nach kurzer Militärzeit übersiedelte Zabaleta in die USA und trat 1934 erstmals in New York auf, es folgten Tourneen nach Kuba und Mexiko. 1950 lernte er bei einem Konzert in Puerto Rico seine spätere Frau Graziela Torres kennen, die er 1952 heiratete. 1951 kehrte Zabaleta nach Spanien zurück und konzertierte in zahlreichen europäischen Städten. Sein letztes Konzert gab Zabaleta im Juni 1992 in Madrid.

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Ab den 1960er-Jahren entstanden zahlreiche Plattenaufnahmen für die Deutsche Grammophon. 1983 wurde Zabaleta mit dem spanischen Premio Nacional de Música ausgezeichnet, 1988 wurde er in die Real Academia de Bellas Artes de San Fernando gewählt.

Zabaletas Repertoireschwerpunkt galt dem 18. Jahrhundert und dem Neoklassizismus, er setzte sich aber auch intensiv für das Werk des romantischen Komponisten Elias Parish Alvars ein und brachte zudem eine Reihe zeitgenössischer Werke zur Uraufführung, so die Harfenkonzerte von Alberto Ginastera und Xavier Montsalvatge sowie das Konzert für Harfe und Elektronik von Josef Tal. Auf seine Bitte hin arrangierte Joaquín Rodrigo sein Concierto de Aranjuez für die Harfe. (Quelle: wikipedia)

Auch wenn diese „Konzert Serenade für Harfe und Orchester“ weitaus weniger bekannt ist …. so kann gar kein Zweifel darin bestehen, dass auch diese Komposition ein Kleinod der klassischen Musik ist.

Und zu verdanken haben wir die dem Joaquín Rodrigo:

Joaquín Rodrigo Vidre (* 22. November 1901 in Sagunt, Valencia; † 6. Juli 1999 in Madrid) war ein spanischer Komponist.

Rodrigo, als jüngstes von zehn Kindern eines wohlhabenden Weinhändlers geboren, erblindete in seinem vierten Lebensjahr infolge einer Diphtherie-Erkrankung beinahe vollständig, zog 1906 mit seiner Familie nach Valencia um, studierte bis 1927 Rodrigo01Komposition und Harmonielehre in Valencia und ging anschließend nach Paris, wo er seine musikalische Ausbildung in den Fächern Komposition, Klavier und Harmonielehre an der Ecole Normale de Musique unter anderem bei Paul Dukas bis zum Jahre 1932 vervollkommnete.

In Paris hatte er auch 1928 seine zukünftige Ehefrau, die türkische Pianistin Victoria Kamhi (1905–1997), kennengelernt. Sie entstammte einer sephardischen Familie. Das Paar heiratete 1933 in Valencia. Cecilia ist die gemeinsame Tochter.

In den folgenden Jahren unternahm Rodrigo zahlreiche Reisen, die ihn nach Deutschland, Österreich und in die Schweiz führten, außerdem kehrte er 1934 für ein Jahr nach Paris zurück, um dort Musikgeschichte zu studieren. Am 6. Mai 1936 hielt Rodrigo in Paris einen Vortrag über Vihuela-Musiker des 16. Jahrhunderts, bei dem Emilio Pujol auf zwei nachgebauten Instrumenten musikalische Beispiele beisteuerte. Im September 1939 ließ Rodrigo sich mit seiner Frau in Madrid nieder, unternahm jedoch weiterhin ausgedehnte Reisen, unter anderem nach England, Italien, Griechenland und Südamerika.

1948 wurde Rodrigo Professor für Musikgeschichte am Konservatorium in Madrid. Daneben beschäftigte er sich als Musikkritiker und war beim Radio als Leiter der Musikabteilung tätig. Trotz mehrerer Augenoperationen erblindete er zu dieser Zeit vollständig. Seine Kompositionen entwarf er in Blindenschrift und diktierte sie Rodrigo03anschließend einem Kopisten oder seiner Frau, die auch zunächst Korrektur las.

Er erhielt zahlreiche Ehrungen und Auszeichnungen, darunter 1942 und 1982 den Premio Nacional de Música. Außerdem ernannten ihn sieben Universitäten zum Ehrendoktor, unter anderem die Polytechnische Universität Valencia. Am 30. Dezember 1991 wurde Rodrigo durch König Juan Carlos I. in den erblichen spanischen Adelsstand erhoben und erhielt den Titel eines Marqués de los Jardines de Aranjuez. Im Jahre 1996 erhielt er den Premio Príncipe de Asturias. Rodrigo starb am 6. Juli 1999 in Madrid. (Quelle: wikipedia)

Nach dem Motto „Musik zum Sonntag“ haben wir hier zauberhafte Musik im Angebot.

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Besetzung:

Concierto de Aranjuez:
Siegfried Behrend (guitar)
+
Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Reinhard Peters

Konzert Serenade für Harfe und Orchester:
Nicanor Zabaleta (harp)
+
Radio-Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Ernst Märzendorfer

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Titel:

Siegfried Behrend: Concierto De Aranjuez:
01.  Allegro con spirito 5.27
02. Adagio 9.32
03. Allegro gentile 4.47

Nicanor Zabaleta: Konzert Serenade für Harfe und Orchester: 
04. Estudiantina: Allegro 8:11
B2 2. Intermezzo: Molto Tranquillo 8:07
B3 3. Sarao: Allegro Deciso 6:18

Musik: Joaquín Rodrigo

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