Bert Kaempfert And His Orchestra – Dancing In Wonderland (1961)

OriginalFrontCover1Und wieder mal so ein Beitrag aus der Rubrik „den müsste ich ja auch endlich mal vorstellen“ und diesmal trifft es den begnadeten Schmeichler Bert Kaempfert:

Bert Kaempfert (* 16. Oktober 1923 in Hamburg, eigentlich Berthold Heinrich Kämpfert; † 21. Juni 1980 in Llucmajor, Mallorca) war ein deutscher Orchesterleiter, Musikproduzent, Arrangeur und Komponist. Kurzfristig trat er auch unter den Pseudonymen Raimondo[1], Bob Parker und Marc Bones in Erscheinung. Er ist neben James Last der erfolgreichste deutsche Orchesterchef nach dem Zweiten Weltkrieg. Als ein Pionier des Easy Listening, einer „Musik, die nicht stört“, wie er es selbst formulierte[2], gilt er heute zudem als einer der Urväter und als Legende der Lounge-Musik.

In Deutschland hatte er in den 1950er Jahren mit seinen Arrangements der Freddy-Quinn- und Ivo-Robić-Hits Die Gitarre und das Meer respektive Morgen erste große Erfolge. Mit Wonderland by Night war er 1961 der erste Deutsche, der in den USA den ersten Platz der Single-Charts erreichte. Seine Kompositionen Strangers in the Night (gesungen von Frank Sinatra), Spanish Eyes (Al Martino, Elvis Presley) und L-O-V-E (Nat King Cole), wurden zu Welterfolgen und Evergreens.

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Berthold Kämpfert wurde 1923 in Hamburg-Barmbeck (im heutigen Stadtteil Barmbek-Nord) als Sohn eines Malergesellen geboren. Im Alter von sechs Jahren begann er, Klavier zu spielen. Er studierte auf der Musikschule in Hamburg Klavier, Klarinette, Saxophon und Akkordeon und begann seine Laufbahn als Saxophonist im Orchester beim Danziger Radio-Orchester Hans Busch, wo er laut eigenem Bekunden in einer regelrechten Ausbildung sein Handwerk von Grund auf lernte. Dort bekam er auch seinen Spitznamen „Fips“, den er zeitlebens behielt. Während des Zweiten Weltkrieges in Dänemark bei einem Musikzug stationiert, verliebte er sich dort in eine junge Dänin. Aus dieser Verbindung stammt seine älteste Tochter Renate. Seine erste Big Band Pik Ass gründete er in der Gefangenschaft in Dänemark. Nach seiner Entlassung tingelte er mit dieser Band durch britische Offiziersclubs in Norddeutschland. 1945 lernte er die Zahnarzttochter Hannelore Winkler kennen. Sie sprach ein hervorragendes Schul-Englisch und konnte somit die Conférence übernehmen. Am 14. August 1946 heirateten die beiden und zogen nach Bremerhaven. Nach der Geburt ihrer Tochter Marion zogen sie zurück nach Hamburg; 1951 kam Tochter Doris zur Welt.

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In den frühen 50er Jahren

Ende der 1940er Jahre begann Kaempfert in erster Linie für den NWDR und die Polydor zu komponieren und zu arrangieren. 1959 arrangierte er für Freddy Quinn Die Gitarre und das Meer und für Ivo RobićMorgen. Beide Stücke wurden zu Hits und waren in englischsprachigen Cover-Versionen auch international erfolgreich, Morgen erreichte die nordamerikanischen Top 20. Das Lied Muss i denn zum Städtele hinaus bearbeitete Kaempfert für Elvis Presley, dem damit unter dem Titel Wooden Heart 1961 ein großer Erfolg in den Charts gelang. Kaempfert zeigte damals bereits Symptome einer Alkoholsucht und konsumierte, um sein Arbeitspensum von 16 Stunden pro Tag zu bewältigen, das Aufputschmittel Preludin.

1959 produzierte Kaempfert den instrumentalen Titel Wunderland bei Nacht, den jedoch keine Plattenfirma herausbringen wollte, auch nicht Polydor, für die er zuvor Stücke arrangiert hatte. Er bot ihn dem New Yorker Produzenten Milt Gabler an, und als Wonderland by Night brachte er Kaempfert nach Veröffentlichung am 22. August 1960 den internationalen Durchbruch. Fünf Wochen war dieser Hit die Nummer eins in den USA,[5] der erste Nummer-eins-Hit eines Deutschen dort. Die Hommage auf Manhattan entwickelte sich mit über zwei Millionen verkauften Exemplaren (davon eine Million in den USA) zum Millionenseller. Auch das gleichnamige Album Wonderland by Night erreichte Platz eins der US-Charts – Kaempfert war nach Crazy Otto alias Fritz Schulz-Reichel (1955) der zweite Deutschen, dem dies gelang.

Weitere Titel wie Afrikaan Beat, A Swingin‘ Safari und Red Roses for a Blue Lady waren danach sehr erfolgreich, werden bis heute oft gespielt und als Hintergrundmusik verwendet. Bis 1966 hatten unter anderem Billy Vaughn (A Swingin’ Safari), Wayne Newton (Danke Schoen, Remember When), Nat King Cole (L-O-V-E) und Baby Washington (Only Those in Love) Hits in den USA mit Kaempferts Kompositionen.

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Mit King Curtis in den USA, 1960

Im Juni 1961 produzierte Kaempfert in Hamburg-Harburg für Polydor Aufnahmen mit dem von ihm im Top Ten Club entdeckten englischen Sänger Tony Sheridan und der noch unbekannten Begleitband The Beat Brothers – den späteren Beatles. Die erste gemeinsame Single My Bonnie (mit The Saints auf der Rückseite) erschien im Oktober 1961, im Januar 1962 folgte eine Polydor-LP gleichen Titels, später noch die Single Ain’t She Sweet. Kaempfert kann als Entdecker und erster Produzent der Beatles gewertet werden, noch bevor deren späterer Manager Brian Epstein und Produzent George Martin 1962 ins Spiel kamen.

Bert Kaempferts Instrumentalplatten kamen in Deutschland nicht an; in den USA dagegen wurden seine fünfzehn Big-Band-LPs rund 4 Millionen Mal verkauft. Allein seine LP Blue Midnight (Dezember 1964; Rang 5 der US-LP-Hitparade) verkaufte sich dort 800.000 mal, in Deutschland lediglich 8.000. Dem Spiegel zufolge hatte Kaempfert in den USA 1965 rund 3,5 Millionen Mark verdient.
Das Lied Spanish Eyes wurde 1965 als Moon Over Naples veröffentlicht.

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Mit dem TRompeter Mnfred Moch, frühe 60er Jahre

1966 hatte er weltweit große Erfolge, als Al Martino mit Spanish Eyes und Frank Sinatra mit Strangers in the Night Kompositionen von ihm sangen. Letzterer Titel ist aus dem Soundtrack zum Film A Man Could Get Killed (deutscher Titel: Willkommen Mr. B. von 1966), wo er jedoch nur als instrumentale Hintergrundmusik eingesetzt wurde; den englischen Text schrieben 1966 Charles Singleton und Eddie Snyder. Für dieses Stück erhielt Kaempfert seine einzige Grammy-Nominierung – in der Kategorie „Song des Jahres“.[9] Er musste sich den Beatles geschlagen geben, die den Preis für ihre Hit-Single Michelle in Empfang nahmen. Sinatra behielt Strangers in the Night bis zuletzt in seinen Konzertprogrammen, und nahm mit The World We Knew (1967), My Way of Life (1968) und You Turned My World Around (1974) später noch drei weitere Melodien von Kaempfert auf.

Nach dem Aufkommen der Disco-Musik in den 1970er Jahren ging das Interesse an Kaempferts Orchestermusik zunächst zurück. Es gelang ihm dennoch erneut, mit Live- und Fernsehauftritten zusammen mit Freddy Quinn oder Sylvia Vrethammar für Begeisterung zu sorgen, indem er geschickt die Show-Komponente des jungen Farbfernsehens nutzte. 1979 erschien ein gemeinsam mit Hildegard Knef aufgenommenes Album.

Am 16. Juni 1980 gab Kaempfert in der ausverkauften Londoner Royal Albert Hall sein letztes Konzert. Fünf Tage später, am 21. Juni 1980, starb er in Cala Blava auf Mallorca an den Folgen eines Schlaganfalls. Seine Asche wurde auf seinen Wunsch in den Everglades verstreut, wo er häufig Urlaub bei amerikanischen Freunden gemacht hatte und seinem größten Hobby, dem Angeln, nachgegangen war.

„Ich möchte Musik machen, die nicht stört.“ (Bert Kaempfert)

Kaempfert schrieb an die 400 Kompositionen und 750 Orchesterarrangements; bis zu seinem Tod wurden weltweit 150 Millionen Platten mit seinen Melodien verkauft.[12] Er ist einer der Väter des Easy Listening und gilt als der einzige Künstler, der sowohl für Frank Sinatra als auch für Elvis Presley und die Beatles komponiert hat.1993 wurden Kaempfert und sein Co-Autor Herbert Rehbein, der mit ihm zusammen viele Hits komponiert hatte, postum in die Songwriters Hall of Fame aufgenommen. Aus Anlass seines 85. Geburtstages wurde im Oktober 2008 im Hamburger Stadtteil Barmbek-Nord, in dem Kaempfert geboren wurde und seine Kindheit verbracht hatte, der Platz vor dem Museum der Arbeit „Bert-Kaempfert-Platz“ benannt.

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Viele Einspielungen von Kaempfert sind an ihrem typischen Klangbild erkennbar. Maßgeblich dafür ist die Rhythmusgruppe aus Rolf Ahrens (Schlagzeug), Karl-Heinz „Kuddel“ Grewe (Kontrabass) und Ladislav „Ladi“ Geisler (Gitarre & Bass-Gitarre): Ahrens spielt fast ausschließlich mit Besen und setzt mit der Basstrommel kontrapunktische Akzente, Grewe spielt Walking Bass (ähnlich wie Leroy Vinnegar), Geisler erzeugt mit der Bass-Gitarre den berühmten „Knack-Bass-Effekt“ (besonders effektreich in dem Stück „The Bass Walks“). Bei den Melodieinstrumenten dominieren Blechbläser (Posaunen einschl. Bassposaunen und Trompeten). In den Stücken „A Swingin‘ Safari“, „Zambesi“ und „That Happy Feeling“ kommen maßgeblich Tin Whistles oder Piccoloflöten zum Zuge. Streicher (Violinen und Celli) und gemischte Chöre tauchen oft in den Mittelteilen auf.

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Als Soloinstrumente werden vorwiegend Trompete (oder Flügelhorn) und Posaune eingesetzt. Zu den namhaften Musikern, die bei Kaempfert gespielt haben, gehören außer den bereits genannten Lucas Lindholm (Kontrabass), Manfred Moch, Charly Tabor, Tony Fisher und Ack van Rooyen (Trompete oder Flügelhorn), Herb Geller (Saxophone und Flöten), Waldemar Erbe, Jiggs Whigham und Peter Herbolzheimer (Posaune). Auch der Toningenieur Peter Klemt hat durch Mikrofonierung und Abmischung einen wichtigen Anteil am Kaempfert-typischen Klang.

Der Chor singt bei Kaempfert (bis auf wenige Ausnahmen, z. B. Morgen und Wimoweh) keinen Text, sondern lang gehaltene Vokale mit wenigen Konsonanten zur Strukturierung („Uamm…, Duuh-duaa…“)[16]. Dadurch behalten auch die Stücke, die von anderen Interpreten in gesungener Form bekannt wurden, ihren Charakter als Instrumentalstück. Typisch sind auch Solopassagen im Mittelteil mit einer hohen Frauenstimme als Höhepunkt.

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Auch in der Werbung werden Kaempferts Kompositionen verwendent, z. B. That Happy Feeling aus dem Album A Swingin’ Safari (1962) in einem Cola-Werbespot von 2015 (Quelle: wikipedia)

Und hier eines seiner zahlreichen Alben … wie gesagt: Der Schmeichler hat das musikalische Wort … und all die Inkredenzien, die vermutlich damals eher die Damenherzen höher schlagen ließen sind dabei … und für den Herren gab´s dann diesen legendären „Knack-Bass“ (z.B. bei „Twilight Time“ und “

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Alternative Frontcover

Besetzung:
Bert Kaempfert And His Orchestra

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Titel:
01. Dancing In The Dark (Schwartz/Dietz) 2.35
02. Twilight Time (Nevins/Dunn/Ram/Nevins) 2.38
03. Unchained Melody (North/Zaret) 2.44
04. Funny Talk (Kaempfert/Brüsewitz) 2.32
05. Only Those In Love (Kaempfert/Singleton) 3.11
06. There, I’ve Said It Again (Mann/Evans) 2.34
07. Now And Forever (Kaempfert/Gabler) 2.47
08. Somebody Loves Me (Mac Donald/De Sylva/Gershwin) 3.14
09. Blue Moon (Hart/Rodgers) 1.59
10. When I Fall In Love (Heyman/Young) 2.49
11. I’ll Get By (Ahlert/Turk) 2.22.
12. How Deep Is The Ocean (Berlin) 2.34

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Bert Kaempfert (* 16. Oktober 1923 – † 21. Juni 1980)

Verschiedene Interpreten – Carmen – La Boheme – Querschnitte (1961)

FrontCover1Diese sog. „Querschnitte“ durch Werke der Klassik waren ja scheinbar lange Zeit (insbesondere in den 50er Jahren) sehr beliebt.

Konnte man doch quasi im Schnelldurchlauf berühmte Werke z.b. „aus dem Zauberreich der Oper“ hören.

Hier haben wir ein typisches und feines Beispiel:

Carmen ist eine Oper von Georges Bizet (Libretto: Prosper Mérimée) in vier Akten:

Erster Akt
Auf dem Markplatz von Sevilla, in dessen Hintergrund sich eine Tabakwarenfabrik und die Kaserne der Dragoner erheben, herrscht munteres Treiben. Ein junges Mädchen bahnt sich einen Weg durch die Volksmenge. Es ist Michaela, die Verlobte von Don José. Sie nähert sich den Wachposten, um mit ihrem Geliebte zu sprechen. Der Unteroffizier Morales bittet sie zu warten, doch sie lehnt dankend ab: sie möchte zur Wachablösung wiederkehren, die sich bereits ankündigt. Mit der neuen Kompanie erscheint Don José, der Hauptmann Zuniga gesteht, keinerlei Interesse für die heiteren Arbeiterinnen zu haben, die bereits von einer Schar junger Männer erwartet werden. Unter ihnen die schöne Zigeunerin Carmen, die sich verführerisch Don José nähert. Von der Gleichgültigkeit des Dragoners aufgestachelt, umtanzt sie ihn und wirft ihm eine rote Blume zu. Nun erscheint Michaela mit einer Nachricht seiner kranken Mutter. Als sich das Mädchen entfernt hat, zieht Don José die Blume hervor, um sie fortzuwerfen, doch er wird von Streitlärm unterbrochen, der aus der Fabrik dringt. Carmen ist erneut in eine Rauferei verwickelt und hat eine Zigarrenarbeiterin verletzt. Don José muß den Tumult schlichten und Carmen verhaften, doch diese setzt all ihre Verführungskünste ein, denen er letztendlich ins Netz geht. Mit seiner Hilfe gelingt ihr die Flucht.

Zweiter Akt
Die Schenke des Lillas Pastià ist ein Schmugglertreffpunkt, wird aber auch von Offizieren. Soldaten und Zigeunern besucht. Carmen singt und tanzt mit ihren Freundinnen Mercedes und Frasquita inmitten einer Gruppe von Dragonern. Ihr glühendster Verehrer ist Hauptmann Zuniga. Dann erscheint auch der Torero Escamillo, Sieger der Corrida von Granada. Er ist sofort von Carmens Charme betört. Als der Wirt schließen will, treten Dancairo und Remendado herein, zwei Schmuggler, die ihre Geschäfte mit Hilfe der Zigeunerin abwickeln. Diesmal lehnt Carmen jedoch ab: sie will auf Don José warten, der dafür bestraft worden ist, daß er ihr zur Flucht verholfen hat. Soeben auf freiem Fuß, begibt sich Don José direkt in die Schenke, um die Zigeunerin beim Tanz mit den Kastagnetten zu bewundern; die Darbietung wird von den Klängen des Zapfenstreichs unterbrochen. Don José, pflichtbewußt, möchte sich in die Kaserne begeben, doch Carmen versucht ihn zurückzuhalten. Mit Hauptmann Zuniga entwickelt sich ein lebhafter Streit um Carmen. Die Schmuggler greifen ein und Zuniga wird unter vorgehaltener Pistole entwaffnet. Don José bleibt keine andere Wahl, als Carmen und ihren Freunden zu folgen.

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Dritter Akt
Die Schmuggler haben ihr Lager in einem zerklüfteten Berggelände an einem strategischen Punkt aufgeschlagen. Don José und Carmen sind allein, doch ihr Gespräch handelt nicht von Liebe. Carmen denkt an weitere Abenteuer und ihre Gleichgültigkeit stachelt die Eifersucht Don Josés an. Die Zigeunerin liest ihre Zukunft aus den Karten. Die Antwort ist tragisch: der Tod. Doch Carmen wehrt sich energisch gegen diesen Schicksalsspruch. Verängstigt und zitternd taucht Michaela auf der Suche nach Don José auf; sie ruft nach ihm, erhält jedoch keine Antwort. In diesem Moment fällt ein Schuß: das Mädchen flüchtet, während Escamillo erscheint, der nur knapp dem Schuß Josés entgangen ist. Die beiden Rivalen beginnen einen Zweikampf mit dem Messer. Der Dragoner will dem Stierkämpfer den entscheidenden Stoß versetzen, wird jedoch von Carmens Hand zurückgehalten. Während Don José zornig auf die Zigeunerin eingeht, nimmt Remenado Michaela wahr, die ihrem Geliebten mitteilen will, daß seine sterbende Mutter ihn ein letzes Mal zu sehen wünscht. Alle reden ihm zu, der Sterbenden diesen Wunsch nicht zu verwehren, und so entfernt er sich schließlich mit dem Mädchen.

Vierter Akt
Es ist der Tag der Corrida. Die Menge ist in freudiger Erwartung auf dem Platz von Sevilla vor der Arena versammelt, wo sie dem Aufmarsch der „toreadores“, der „alquazie“, der „picadores“, der „banderilos“ und dem „espada“ Escamillo zujubelt, an dessen Arm Carmen schreitet. Die Freundinnen Mercedes und Fraquita flehen die Zigeunerin an, vor Don Josés Zorn zu fliehen, doch Carmen will die Gefahr herausfordern. Nun taucht auch José auf, der sich vor Carmen erniedrigt und sie anfleht, ihm zu folgen und gemeinsam eine neue Existenz aufzubauen. Der Sieg Escamillos unterbricht den erhitzen Wortwechsel. Jubelnd eilt Carmen auf den Stierkämpfer zu, doch José hält sie zurück: da gesteht sie ihm zynisch und aufbieterisch ihre Liebe zu dem Torero. Blind vor Zorn stürzt José sich auf sie und sticht ist seinen Dolch ins Herz. Unter den Augen der entsetzten Volksmenge sinkt Carmen tödlich verletzt zu Boden. Eine letzte Umarmung der Geliebten, dann läßt sich José ohne Widerstand verhaften.

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Und ewig lockt das Weib …

Und nun zur einer kurzen Inhaltsangabe von „La Bohème“ von Giacomo Puccini (Libretto:  Luigi Illica, Giuseppe Giacosa und Henri Murger)

Es mag ja sein, dass Puccini „mit La Bohème die wahrscheinlich bewegendste und zarteste Liebesgeschichte der Opernliteratur gelungen ist. Eingebettet in die herrlichsten Melodien lässt die Geschichte der armen Mimì und ihres Rodolfo niemanden im Publikum ungerührt.“La Boheme ist die Gechichte von vier Künstlerfreunden im Paris des 19. Jahrhunderts: Schaunard, Rudolfo, Marcel und Collin. Alle führen ein ärmliches Leben gemeinsam in einer Mansardenwohnung.
Einer von ihnen, Rudolfo, verliebt sich in die schöne, aber unheilbar kranke Nachbarin Mimi.

KostümentwurfMimi (1896)

Cesira Ferrani als Mimì. Kostümentwurf von Adolfo Hohenstein für die Uraufführung (1896)

Bei einem gemeinsamen Besuch in einem Cafe taucht Marcels frühere Geliebte Musette mit ihrem derzeitigen, reichen aber alten Liebhaber auf.Musette wendet sich wieder Marcel zu; die junge Gesellschaft macht sich aus dem Staub und dem begüterten alten Herrn bleibt nichts anderes übrig, als die Zeche für alle zu bezahlen.
Einige Zeit später, Rudolfo hat Mimi verlassen, weil er glaubt ihr mit seinen ärmlichen Verhältnissen nicht genug bieten zu können. Mimi versteht sein Verhalten nicht und klagt Marcel ihr Leid. Rudolfo kommt bei diesem Gespräch hinzu und schließt sie wieder zärtlich in die Arme.
Einige Monate später sitzen die Freunde Marcel und Rudolfo in ihrer Wohnung zusammen und beklagen mit Galgenhumor ihre elende wirtschaftliche Lage. Da kommt Musette und bringt Mimi mit. Diese liegt im Sterben.
Die Freunde versuchen alles, um sie noch zu retten, aber es ist zu spät. Nach letzten Erinnerungen an gemeinsame glückliche Stunden stirbt Mimi in Rufolfos Armen. Rudolfo, der das Schreckliche als Letzter begreift, bricht zusammen.

Bei dem Vergleich beider Opern hat „Carmen“ (und ewig lockt das Weib … ) ganz eindeutig die Oberhand. Und das liegt natürlich an der genialen „Erkennungsmelodie“ … sowas komponiert man auch nur einmal im Leben !

Und auch wenn es mal wieder viel Text geworden ist, der musikalische Leiter dieser Aufnahmen, Franz Marszalek, soll auch noch kurz vorgestellt werden:

Franz Marszalek (* 2. August 1900 in Breslau (Schlesien); † 28. Oktober 1975 in Köln) war ein deutscher Dirigent und Komponist.

Marszalek studierte in Breslau. Nach ersten Jahren musikalischer Tätigkeit in Schlesien (als Kino- und Theaterdirigent und als Kapellmeister bei der Schlesischen Funkstunde AG, dem Breslauer Rundfunk) war er ab 1933 in Berlin als Dirigent und gefragter Arrangeur (auch für den Tonfilm) tätig. In den Kriegsjahren arbeitete er beim „Reichsrundfunk“.

Franz MarszalekVon 1949 bis 1965 war er der Dirigent des Kölner Rundfunkorchesters. Mit diesem Orchester setzte er beim Westdeutschen Rundfunk Köln (WDR) Akzente im Bereich der Operette, der leichten Klassik und gehobenen Unterhaltungsmusik; so pflegte er beispielsweise intensiv das Werk seines Freundes Eduard Künneke. Ganz besonders setzte er sich auch für die von ihm sehr geschätzten Leo Fall und Walter Wilhelm Goetze ein. Er legte frühe Gesamtaufnahmen von Der Zigeunerbaron und Karneval in Rom (Johann Strauss (Sohn)), Das Land des Lächelns und Paganini (Franz Lehár) sowie Liebe im Dreiklang (Walter Wilhelm Goetze), allesamt mit Peter Anders, vor. Marszalek galt als „wandelndes Operettenlexikon“. Sein Können und seine Kenntnisse auf diesem Gebiet sind unerreicht.

Seine Einspielungen, die durch natürliche Lebendigkeit und hohe Qualität hervorstechen, gehören auch heute noch zum Repertoire des Hörfunks. Zu den von ihm häufig eingesetzten Künstlern gehören u.a. Anny Schlemm, Franz Fehringer, Herta Talmar, Renate Holm, Ingeborg Hallstein, Sándor Kónya, Heinz Hoppe, Rita Bartos, Willy Hofmann, Benno Kusche, Willy Schneider und Herbert Ernst Groh. Für das Fernsehen betreute Marszalek in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren die Musikaufnahmen etlicher Operettenproduktionen (u.a. mit dem jungen Fritz Wunderlich). Marszalek war nicht nur ein eminenter Operettendirigent: mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester nahm er ein umfangreiches Repertoire klassischer Musik auf. Auch hier, wie im Bereich der Operette, spielte er viele Raritäten ein.

Daneben betreute Franz Marszalek in den 1950er und 1960er Jahren eine Rundfunksendung des WDR unter dem Titel Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank, in der er klassische Musik und Opern in historischen Aufnahmen vorstellte.

Sein Sohn ist der Kameramann Michael Marszalek. Die Grabstätte Marszaleks befindet sich auf dem Westfriedhof in Köln. (Quelle: wikipedia)

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Und nochmals so `ne Carmen, wie sie leibt und lebt …

Besetzung:

Carmen:
Antonia Fahberg (Sopran)
Ira Malaniuk (Alt)
Sándor Kónya (Tenor)
Eberhard Wächter (Bariton)
+ ein Kinder- und ein gemischter Chor

La Bohème:
Antonia Fahberg (Sopran)
Sándor Kónya (Tenor)
Benno Kusche (Bariton)
Rita Streich (Sopran)
Robert Titze (Bariton)

Das Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester unter der Leitung von Franz Marszalek

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Titel:

Georges Bizet – Carmen:
01. Vorspiel I. Akt 1.09
02. Torero Lied (Auf in den Kampf) 3.25
03. Chor der Strassenjungen 0.34
04. Habanera (Ja, die Liebe hat bunte Flügel) 2.01
05. Blumenarie (Hier an dem Herzen treu geboren) 3.35
06. Seguidilla (Draussen am Wall) 2.51
07. Schmuggler-Szene 0.34
08. Kartenarie (Wenn dir die Karten) 2.25
09. Aufzug der Quadrilla und Duet (Es ist der Quadrilla) 3.46
10. Schluss-Szene (Du bist´s ich bin´s ) 4.29

Giacomo Puccini – La Bohème:
11. Orchester-Einleitung 0.36
12. Wie eiskalt ist dies Händchen 4.01
13. Man nennt mich nur Mimi 2.40
14. O du süssestes Mädchen 3.08
15. Walzer der Musette 2.54
16. Orchester-Einleitung 0.55
17. Ach, Geliebte, nie kehrst du mir wieder 2.31
18. Mantellied 1.34
19. Sind wir allein 7.31

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Gus Backus – Ich hab‘ mein Herz in Germany verloren (1962)

FrontCover1Ich sag´s mal mit einer gewissen nostalgischen Verklärung: Der Mann war einfach nur Klasse ! Und er wicklte die Damen jener Zeit mit seinem spitzbübischem Charme so ganz einfach um den Finger:

Gus Backus, eigentlich Donald Edgar Backus (* 12. September 1937 in Southampton auf Long Island im Staat New York; † 21. Februar 2019 in Germering), war ein US-amerikanischer Musiker und Schlagersänger. Mit Titeln wie Der Mann im Mond, Da sprach der alte Häuptling der Indianer und Sauerkraut-Polka verzeichnete er im Deutschland der 1960er-Jahre große Erfolge.

Der Hobbymusiker Backus wurde Mitte der 1950er Jahre von der United States Army in Pittsburgh, Pennsylvania eingezogen. Dort schloss er sich der Doo-Wop-Gruppe The Del-Vikings an, die 1957 mit den Titeln Come Go With Me und Whispering Bells zwei Top-Ten-Notierungen in den US-Charts verbuchen konnten. Noch im selben Jahr, am 28. Juli 1957, wurde der GI Backus nach Wiesbaden in Deutschland verlegt. Dort gründete er die Vokalgruppe „Vidells“ und nahm ein Jahr später während eines Heimaturlaubs zwei eigene Lieder in Chicago auf. Auf Anraten seines Schwagers bewarb sich Backus 1959 schriftlich bei der Plattenfirma Polydor, deren Produzent Gerhard Mendelson ihm Probeaufnahmen und schließlich einen Vertrag anbot. Es folgten einige Singles, die vorwiegend deutschsprachige Coverversionen amerikanischer und britischer Erfolgstitel, unter anderem von Elvis Presley, Paul Anka und Conway Twitty enthielten. In Wiesbaden lernte er seine erste Frau Karin kennen, mit der er drei Kinder bekam. Die Ehe wurde geschieden.

Gus Backus

Der Durchbruch gelang Backus 1960 mit den Titeln Brauner Bär und weiße Taube und Da sprach der alte Häuptling. In der ersten Hälfte der 1960er Jahre folgten weitere erfolgreiche Singles sowie unzählige Auftritte in Musiksendungen und -filmen, mit denen Backus zu einem beliebten Unterhaltungskünstler im deutschsprachigen Raum avancierte. Obwohl er 1964 für die Polydor in Nashville unter anderem jeweils eine Hillbilly-LP in deutscher und englischer Sprache aufnahm, bestimmten zunehmend Stimmungs-, Trink- und Faschingslieder das Repertoire von Backus. 1965 landete Backus mit dem Titel Bohnen in die Ohr’n noch einen großen Erfolg. Außerdem musste sich deutschsprachige Musik in der zweiten Hälfte der 1960er Jahre zunehmend gegen die aufkommende Beat-Welle behaupten.

Autogrammkarte1965

Autogrammkarte, 1965

Nachdem auch seine zweite Ehe mit Balletttänzerin Heidelore gescheitert war, kehrte Backus 1973 dem Showgeschäft den Rücken und ging in die USA zurück, wo er unter anderem als Vorarbeiter auf Ölfeldern in Texas arbeitete. In Deutschland galt er zeitweise als verschollen und wurde sogar totgesagt.

Nach dem Tod seiner dritten Ehefrau Byra im Jahre 2001 kehrte Backus nach Deutschland zurück, wo er mit neuen und alten Musiktiteln weitgehend vergeblich versuchte, am Erfolg der Oldie-Welle teilzuhaben. Backus, der Vater von vier Kindern und mehrfacher Großvater war, versöhnte sich mit seiner zweiten Ehefrau Heidelore und heiratete diese 2002 erneut. Er lebte mit ihr in Germering in der Nähe von München, wo er nach schwerer Krankheit verstarb. (Quelle: wikipedia)

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Zur Erinnerung an dieses Unikum hier mal seine erste LP, über die man in der WDR Schallplattenbar dann folgendes lesen kann:

„Polydor veröffentlicht 1962 die LP „Ich hab‘ mein Herz in Germany verloren“. Gus Backus bringt keine Erfolgssongs zu Gehör, sondern präsentiert altbekannte Volkslieder und Evergreens im neuen Gewand.

Der smarte Sunnyboy aus Amerika hatte das deutsche Publikum im Sturm erobert und gehörte damals zu den beliebtesten Interpreten der hiesigen Schlagerszene. Mit heute noch populären Hits wie „Da sprach der alte Häuptling der Indianer“, „Der Mann im Mond“ oder „Sauerkraut Polka“ belegte er wochenlang Spitzenplätze in den Bestseller-Listen. Auf der Kinoleinwand sah man ihn in vielen Schlagerfilmen, und bei Auftritten und Tourneen wurde er von den Fans begeistert umjubelt. Nebenbei sammelte er Preise und Auszeichnungen, beispielsweise den Goldenen Löwen von Radio Luxemburg und den Silbernen Otto der Jugendzeitschrift „Bravo“.

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Auf der Rückseite der Plattenhülle erfährt man Näheres über den Werdegang des Interpreten, der als „sympathischer Prophet aus der Neuen Welt“ bezeichnet wird. Eine Formulierung, die uns heute eher schmunzeln lässt.
Man kann lesen, dass er in den USA ein Medizinstudium begann und als Mitglied der Gesangsgruppe „The Del-Vikings“ bereits einen Hit verbuchen konnte. In Anlehnung an den Titel dieser Langspielplatte heißt es abschließend: „Heute hat die Schar seiner ungezählten Freunde ganz offensichtlich auch das Herz an diesen sympathischen ‚Amerikaner in Germany‘ verloren, der hiermit einen modern arrangierten evergreenenden Liederstrauß überreichen möchte.“
Für die LP wählte Produzent Gerhard Mendelson zwölf Titel aus: Volksweisen, Stimmungsschlager, Trinklieder und Evergreens, die von Gus Backus in bewährter Manier mit seinem unverkennbaren amerikanischen Akzent vorgetragen werden. Begleitet wird der Sänger vom Orchester Johannes Fehring und den Travellers.

Unsere tollen Nichten / Unsere tollen Nichten

Im Filmgeschäft. An der Seite von Udo Jürgens (2.v.l.) spielte Backus (1.v.r.) in Komödien wie „Unsere tollen Nichten“ (1963) mit.

Natürlich sprach man mit dieser Produktion nicht unbedingt die jüngeren Fans von Gus Backus an. Da aber Langspielplatten damals ohnehin fast ausschließlich vom „erwachsenen“ Publikum gekauft wurden, musste man nicht befürchten, ein Risiko einzugehen. Besondere Mühe gab man sich auch bei der Gestaltung der Plattenhülle. Sie zeigt den Sänger mit einem Glas Rotwein in der Hand und einem schicken Trachtenhütchen auf dem Kopf. Darüber spannt sich ein bunter Bilderbogen mit Fotos jener Städte, die auf der Platte besungen werden. Die Titel der zwölf Lieder sind natürlich auch aufgeführt.“ (Quelle: WDR Schallplattenbar)

Nun ja, hier hören wir ganz sicher nicht seine besten Songs … aber was nicht ist, kann ja noch werden …

Sâ°nger Gus Backus USA auf einer gr¸nen Wiese

Besetzung:
Gus Backus (vocals)
+
Die Travellers
Orchester Johannes Fehring

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Titel:
01. Auf der Reeperbahn Nacht úm halb eins (Roberts) 2.29
02. Ich hab‘ mein Herz in Heidelberg verloren (Beda/Neubach/Raymond) 2.32
03. Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin (Siegel/Pinelli) 3.00
04. Du, du liegst mir im Herzen (Traditional) 2.04
05. Muss i denn zum Städtele hinaus (Traditional) 2.06
06. Du kannst nicht treu sein (Ebeler/Otten) 2.25
07. In München steht ein Hofbräuhaus (Gabriel/Richter) 2.34
08. Der treue Husar (Frantzen) 2.12
09. Trink, trink, Brüderlein, trink (Lindemann) 2.20
10. Schöner Gigolo (Brammer/Casucci) 2.27
11. Wer soll das bezahlen (Schmitz/Stein) 3.34
12. Auf Wiedersehn (Storch) 2.14

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Gus Backus2

Gus Backus (* 12. September 1937 –  21. Februar 2019)

Slim Pickins & His Twenty Niners – Charleston (1961)

FrontCover1Natürlich sind „Slim Pickings & His Twenty Niners“ keine deutsche Musikkapelle (ihre Heimat ist die USA). Aber da diese LP 1961 auch in Deutschland veröffentlicht wurde und sie zumal mit einem deutschen Covertext versehen wurde, findet diese Scheibe halt doch ihren Weg in diesen blog.

Und gemäß dem Titel spielen sie Jazz, der dann auf für den Tanz „Charleston“ verwendet werden kann (wenn man denn will). Also beschäftigen wir uns mal mit dem Charleston:

Der Charleston (auch: 20s Charleston) ist ein US-amerikanischer Gesellschaftstanz des 20. Jahrhunderts. Er wurde nach der Hafenstadt Charleston in South Carolina benannt. Die von dem Pianisten und Komponisten James P. Johnson komponierte Jazz-Melodie The Charleston, 1923 erstmals in dem Broadway-Musical Running Wild aufgeführt, verhalf dem Tanz in den USA und in der Welt zu großer Popularität. In Europa wurde er 1925 durch Josephine Baker bekannt.

Obwohl der Tanz ursprünglich von Afroamerikanern entwickelt wurde, konnte er sich in den USA schnell als „weißer“ Gesellschaftstanz etablieren. Er wird eng verbunden mit Flappern und Speakeasy-Lokalen. Dort tanzten Frauen, alleine oder zusammen, um sich über die Alkoholprohibition der USA zu mokieren. Dies führte dazu, dass der Tanz im Allgemeinen als provokativ und unsittlich galt.

Eine Tanzbeschreibung von 1925 führt an:

JamesPJohnson

James P. Johnson, 1921

Der Torso zittert, dazu die Bewegungen der Hüften, Schenkel und Hinterbacken. Auch die Hände sind aktiv, sie berühren alle Teile des Körpers wie in Ekstase. Dazu kommen die abwechselnden X- und O-Beine, damit verbunden die nach außen und innen gedrehten Knie und Füße. Der Tänzer kann seinen Rücken beugen oder gar in Hockstellung gehen.

Der Charleston ist dabei ein extrem schneller Tanz, bei 50–75 Takten pro Minute ist schon etwas Übung geboten. Ein Wiener Walzer hat bis zu 60, was schon schnell ist. Gewöhnliche Tänze bewegen sich bei 30–50 Takten pro Minute. Grundlage für diesen Tanz sind isolierte Bewegungen. Das bedeutet, dass man in der Lage ist, einzelne Körperteile, z. B. Arme und Beine, getrennt voneinander bewegen zu können. Rudern mit den Armen und X/O-Kombinationen mit den Beinen sind typisch für den Charleston. Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise 1929 konnten sich viele die Abendveranstaltungen nicht mehr leisten, und der Tanz verschwand langsam wieder.

Der Lindy Hop, ein wichtiger Swingtanz der 1930er und 1940er Jahre, hat viele Elemente des Charleston übernommen. Eine geringfügig abgeänderte Tanzform des Charleston wurde in den 30ern und 40ern zu Swing Jazz getanzt. Sie hat viele Namen, am bekanntesten:

Lindy Charleston, Savoy Charleston, 30s oder 40s Charleston und Swing(ing) Charleston. Um diese Begriffe besser zu differenzieren, wird der ursprüngliche Charleston daher oft als 20s Charleston bezeichnet.(Quelle: wikipedia)

CharlestonTänzerinnen

Soweit so gut … und auf der Hülle finden sich dann noch folgende Informationen:

„Charleston … ausgelassen und unbeschwert gibt er sich in unverbrauchter Frische. Diese Musik macht jede Party zu einem vollen Erfolg. Der vergnügliche, schingende beat von Slim Pickens beschwört die Ära der tollen zwanziger Jahre herauf.  … Während aber alle diese Tanzformen der oft so besungenen zwanziger Jahre mehr oder weniger rasch in Vergessenheit gerieten, wurde  der Charleston zum internationalen Modetanz in den Jahren 1924/27. Seinen Namen hat er vom ersten „Charleston“, den James P. Johnson schrieb … Der Charleston erlebt in unseren Tagen sein come-back, sein revival auf der ganzen Linie. Sein typischer Synkopen-Rhythmus erregt die Gemüter heute wie ehedem. Im eckigen Rhythmus fährt der Charleston in die Glieder und löst die typisch-schwingenden Bein- und Körperbewegungen aus. Party time … auf zur tollen Fete mit den heißen Charlestons der Twenty Niners !“

Nur gut, dass man diese Musik auch wunderbar anhören kann, ohne das Tanzbein zu schwingen … als bekennender Tanz-Muffel sitze ich da doch lieber mit wippendem Fuß im Sessel … wobei es dann natürlich auch ein kleiner Genuß sein kann, den tanzenden Damen mit den atemberaubenden Kleider zuzusehen …

P.S. Meine Frau kommt – angelockt durch die Musik – in mein Zimmer und meint „lass uns doch mal tanzen gehen“ … Ich sollte zukünftig solche Musik für diesen blog eher vorbereiten, wenn sie gerade mal nicht da ist *ggg*

US+UKLabels

Labels aus den USA und United Kingdom

Besetzung:
Slim Pickins & His Twenty Niners

BackCover1

Titel:
01. Charleston (Mack/Johnson) 3.05
02. Yes Sir, That´s My Baby (Kahn/Donaldson) 2.25
03. Shimmy Gal (Kuhn) 2.18
04. Varsity Gal (Desylva/Brown/Henderson) 3.12
05. Flappers Delight (Kuhn) 2.27
06. Toot Toot Tootsie Good Bye (Kahn/Erdman/Russo) 2.42
07. Black Bottom (Desylva/Brown) 3.00
08. Arbuckle Bounce (Kuhn) 2.21
09. Five Foot Two (Lewis/Young/Henderson) 2.03
10. Bye, Bye Blackbird (Dixon/Henderson) 2.38
11. Let´s Take The Maxwell (Kuhn) 2.31
12. Chicago (Fisher) 3.08

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Gerd Böttcher und Detlef Engel – Weil du meine große Liebe bist + Heim, heim möcht‘ ich ziehen (1961)

FrontCover1Eigentlich hatte ja jeder von den beiden eine große Solokarriere vor Augen. Dennoch versuchten sie es auch mal gemeinsam, und zwar für insgesamt 6 Singles und für damalige Verhältnisse waren sie damit auch relativ erfolgreich. Werfen wir also einen Blick auf zwei Schlagersänger jener Jahre und achten auch darauf, was aus ihnen geworden ist:

Detlef Engel (* 13. Januar 1940 in Berlin) ist ein ehemaliger deutscher Schlagersänger.

Detlef Engel ist der Sohn des Xylophon-Spielers Kurt Engel, der als Lehrer an einer Musikhochschule arbeitete und ein namhafter Solist war. Sein Vater ließ ihn Klavier und Kompositionslehre studieren und schickte ihn zum Gesangsunterricht zur Wagner-Sängerin Elsa Varena, zu deren Schülern auch René Kollo zählte. Engel schwärmte jedoch für Rock ’n’ Roll und Elvis Presley, dessen Titel er heimlich auf Tonbändern nachsang. 1958 folgte beim Bertelsmann Schallplattenring seine erste Plattenaufnahme, ein Nachzieher des Peter-Kraus-Hits Sugar Baby.

DetlefEngelAls Engel nach vier Semestern sein Musikstudium abbrach, empfahl sein Vater ihn bei Werner Müller, dem Chef des RIAS-Tanzorchesters. Müller war auch Produzent bei Teldec (Telefunken-Decca), wo der Nachwuchskünstler 1959 einen Plattenvertrag erhielt. Die Plattenfirma wollte Engel als deutschen Ricky Nelson aufbauen. Noch im gleichen Jahr wurde die Fleetwoods-Coverversion Mister Blue zum großen Hit. Mit diesem Titel kam Detlef Engel bis auf Platz sieben der Hitparaden und ließ Gerhard Wendland, der den gleichen Titel aufgenommen hatte, weit hinter sich.

Damit war Engel im Schlagergeschäft fest etabliert, absolvierte zahlreiche Tourneen, trat im Fernsehen auf und erhielt Filmrollen, so zum Beispiel in Schlagerparade 1960 und Das Rätsel der grünen Spinne (beide 1960). 1961 trat er mit dem Titel Nach Mitternacht bei der Deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest auf. Gewinner des Wettbewerbs wurde jedoch Lale Andersen mit dem Lied Einmal sehen wir uns wieder. Vertragsgemäß produzierte Telefunken jährlich vier Platten mit Detlef Engel, doch ließen sich keine großen Top-Ten-Hits mehr erzielen. Fünf Titel konnten sich noch unter den Top 50 platzieren, aber es reichte nicht mehr für Spitzenplätze. Erfolgreicher liefen dagegen die sechs Duett-Platten mit Gerd Böttcher, die seit 1961 auf dem Decca-Label der Teldec veröffentlicht wurden. Der Titel „Weil du meine große Liebe bist“, nach dem DetlefEngel2.jpgneapolitanischen Volkslied Santa Lucia, stieg in den Bestenlisten bis zum achten Platz auf.

Mit Beginn der Beat-Ära war Detlef Engels Musikkarriere, bis auf zwei Veröffentlichungen 1966 und 1968, beendet. Er heiratete und nahm eine Tätigkeit bei den Berliner Wasserwerken auf. Ohne Erfolg brachte er in der ersten Hälfte der 1980er Jahre seine letzte Single unter dem Motte „Mister Blue ist wieder da“ heraus. Im Zuge des Rock ’n’ Roll-Revivals wurde in den 1980er und 1990er Jahren ein Großteil von Detlef Engels Teldec-Aufnahmen auf LP und CD wiederveröffentlicht. (Quelle: wikipedia)

Und nun zu dem anderen:

Gerd Böttcher (* 18. Juli 1936 in Berlin; † 26. Februar 1985 in Dortmund) war ein deutscher Schlagersänger.

Gerd Böttcher wuchs in Berlin auf und machte nach dem Schulabschluss zunächst eine Gärtnerlehre. Anschließend nahm er Gesangsunterricht, trat unter dem Pseudonym Tino Merano mit Schlagern in Kneipen auf und war Sänger des Tanzorchesters von Hans Karbe. Der Komponist, Orchesterleiter und Musikproduzent Werner Müller vermittelte ihm 1960 einen Plattenvertrag bei der Decca.

Seine erste Single mit der deutschen Version des Klassikers Jambalaya von Hank Williams wurde noch unter Böttchers Künstlernamen aufgenommen. Produzent Müller entschied jedoch, dass letztlich Böttchers echter Name auf dem Plattenetikett zu lesen war. Die Schallplatte schaffte den Sprung in die deutsche Hitparade. Eine textgleiche Version von Gerhard Wendland war bereits 1953 ein großer Hit. Gleichzeitig veröffentlichte die Decca unter dem Namen Werner Müller und Chorus eine Single, auf der Gerd Böttcher als Solosänger zu hören war.

Im Herbst 1960 wurde Gerd Böttchers Lied Ich komme wieder, eine Adaption des Hits It’s Now or Never (’O sole mio) von Elvis Presley, veröffentlicht.

Bis 1962 nahm Böttcher die folgenden fünf Presley-Titel auf:

Ich komme wieder (Original: It’s Now or Never)
Adieu, Lebewohl, Goodbye (Original: Tonight’s so Right for Love)
Ich such dich auf allen Wegen (Original: Surrender)
Rock-A-Hula-Baby (mit Detlef Engel; Original: Rock A Hula Baby)
Du schaust mich an (Original: She’s Not You)

GerdBöttcherErstmals unter die ersten zehn Hitparadenplätze kam Böttcher 1961 mit Adieu, Lebewohl, Goodbye, dessen Melodie auf der Barcarole aus Hoffmanns Erzählungen von Jacques Offenbach basierte. Das Label Fontana brachte wenig später eine textgleiche, jedoch langsamer arrangierte Version von Peter Beil auf den Markt.

Böttchers erfolgreichstes Jahr war 1962, als er mit Geld wie Heu, der Coverversion von Pat Boones Johnny Will, bis auf Platz 2 der Hitlisten vorstieß und insgesamt 25 Wochen notiert wurde. Ähnlich erfolgreich war Für Gaby tu’ ich alles (Platz 4 und 23 Wochen notiert), bei dem es sich um einen Titel handelte, den Werner Müller unter seinem Pseudonym Heinz Buchholz komponierte. Den Text schrieb Hans Bradtke.

Zu Böttchers populärsten Decca-Aufnahmen gehörten auch zehn Duette mit Detlef Engel. Erfolgreich war Böttcher vor allem mit Coverversionen US-amerikanischer Hits von Burt Bacharach, Chubby Checker, The Everly Brothers, Ricky Nelson, Buck Owens, Cole Porter, Johnny Tillotson und anderen. 1963 trat Böttcher mit dem von Alexander Gordan komponierten Schlager Mach nicht Hochzeit ohne mich bei den Schlager-Festspielen in Baden-Baden an. Obwohl das Lied nur auf dem 12. und damit letzten Platz landete, wurde die Single in den Hitparaden notiert. Auf der B-Seite befand sich der Titel Auf der Hacienda fehlt eine Frau von Billy Mo, der beim Wettbewerb auf dem achten Platz landete. Bis 1965 produzierte Werner Müller insgesamt 24 Singles mit Gerd Böttcher. Die Hälfte davon schafften den Sprung in die Charts. Damit war Böttcher der erfolgreichste deutsche Vertreter des sogenannten Highschool-Rock ’n‘ Roll. Er trat in populären Fernsehsendungen auf, wie 1961 in der Treffpunkt Telebar und 1963 in der Caterina Valente-Show Bonsoir Kathrin

1966 wechselte Böttcher kurzzeitig zur Plattenfirma Polydor. Dort entstanden zwei Singles mit Kompositionen von Joachim Heider und Michael Holm, von denen eine in die Hitparade gelangte. 1967 unterschrieb Böttcher einen Plattenvertrag bei der erst 1964 gegründeten Hansa Musik Produktion. Mit den von Dieter Zimmermann produzierten und komponierten Liedern Bitte sag mir noch nicht gute Nacht und Romantische Stunden verbuchte Böttcher letztmals Erfolge in den Charts. Sein 1968 veröffentlichtes Stück Wenn die Sehnsucht beginnt, eine Coverversion des britischen Nummer-eins-Hits Let the Heartaches Begin, geriet zu einem erneuten Misserfolg.

GerdBöttcher1Im gleichen Jahr erfolgte ein erneuter Wechsel, diesmal zum Plattenlabel Metronome. Obwohl Böttcher mit jungen Komponisten wie Dieter Zimmermann, Michael Holm oder Giorgio Moroder zusammenarbeitete und in diesem Zeitraum zahlreiche Auftritte in Diskotheken absolvierte, gelang ihm kein nennenswerter Erfolg mehr. Daran konnten auch mehrere Auftritte in der ZDF-Drehscheibe und am 18. Oktober 1969 in der ZDF-Hitparade nichts ändern. Ab 1970 erschienen vier, unter anderem von Howard Carpendale produzierte Singles bei EMI Columbia. Aber auch mit diesen Liedern blieb Böttcher ein Comeback verwehrt. Ab 1972 war Böttcher ohne Plattenvertrag. Es folgten Probleme mit Alkohol und dem Finanzamt sowie die Scheidung seiner ersten Ehe. 1974 arbeitete der einst erfolgreiche Sänger wieder in seinem gelernten Beruf als Gärtner. 1976 veröffentlichte die Ariola mit dem von Drafi Deutscher komponierten Schlager Tanz noch einmal Rock ’n’ Roll mit mir Böttchers letzte aufwendig produzierte Single.

Im Zuge des 50er-Jahre-Revivals in den frühen 1980er Jahren trat Böttcher wieder mit seinen alten Hits auf Konzerten und im Fernsehen auf. Es entstanden auch wieder Schallplattenaufnahmen, darunter ein Duett mit seiner Stieftochter Silke. 1985 plante man die Produktion einer Langspielplatte, zu deren Realisierung es jedoch nicht mehr kommen sollte. Kurz nach einem Auftritt als Karnevalsprinz seines Wohnortes Werne beim WDR starb Gerd Böttcher in einem Dortmunder Krankenhaus an Nierenversagen. (Quelle: wikipedia)

Geboten wird auf dieser Single jene Musik, die vermutlich den weiblichen Backfischen jener Tage direkt ins Herz ging. Schmachtende Liebesschwüre, wobei die B-Seite dann noch jenen aufregenden Touch des Wilden Westens hatte …

Und weil ich solche Fußnoten zur deutschen Musikgeschichte einfach mag, habe ich noch zwei sehr ausführliche Biographien von Gerd Böttcher und Detlef Engel der Präsentation beigelegt.

BöttcherEngel

Besetzung:
Gerd Böttcher (vocals)
Detlef Engel (vocals)
+
Addy Flor und sein Orchester

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Titel:
01. Weil du meine große Liebe bist (Santa Lucia) (Buchholz/Berling) 2.20
02. Heim, heim möcht‘ ich ziehen (Home On the Range) ( (Flor Oldörp) 2.23

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Weitere Singles des Duos

Willy Millowitsch – Die Liebe ist vergänglich, der Durst bleibt lebenslänglich + Das sollte man als Huhn doch überhaupt nicht tun (1961)

FrontCover1.jpgNoch tobt ja die närrische Zeit weitere 4 Wochen und so habe ich noch ein wenig die Gelegenheit, weitere „lustige Karneval-Schlager“ zum Besten zu geben.

Und da kommt mir der Willy Millowitsch gerade recht.

Er ist wohl das Sinnbild rheinischer Fröhlichkeit und so kam es auch zur Verleihung der Ehrenbürgerwürde der Stadt Köln:

Am 17. März 1989 bekam der Volksschauspieler Willy Millowitsch (8. Januar 1909 bis 20. September 1999) die Kölner Ehrenbürgerwürde verliehen.

In seiner Ansprache zur Verleihung der Urkunde hob Oberbürgermeister Norbert Burger insbesondere hervor, dass der Volksschauspieler in Deutschland und über Deutschland hinaus wohl der bekannteste Kölner überhaupt sei. Die Popularität Millowitschs als „wandelndes Wahrzeichen Kölns“ und als dessen Botschafter außerhalb des Rheinlands ist vor allem auf hunderte Fernsehproduktionen, zahllose Filme, mehrere Dutzend

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Juli 1960

Langspielplatten und mehrere Bücher zurück zu führen.

Die Grundlage für seinen Ruhm legte Willy Millowitsch durch das Volkstheater Millowitsch, welches mit Charme, Witz und bodenständigen Stücken die Entwicklung der kölschen Volkskultur repräsentiert. (Quelle: stadt-koeln.de)

Weitere Informationen über seinen Werdegang findet man dann hier.

Hier eine kleine Kostprobe seines Könnens:

Tja … ich bin halt kein Rheinländer und so fehlt mir vermutlich das entscheidende Gen … diese beiden Lieder sind sehr schlicht und die Texte passen in die Kategorie albern … und ja, sie sind auch tendenziell frauenfeindlich.

Aber gut … meine Single-Sammlung ist wieder um ein Exemplar ärmer … und diese närrische Jahreszeit kommt hier auch nicht zu kurz.

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In dem Film „Der Zigeunerbaron“ (1962)

Besetzung:
Willy Millowitsch (vocals)
+
Willy Hoffmann Orchester
+
Background vocals:
Die Sunnies & das Cornel-Trio

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Titel:
01. Die Liebe ist vergänglich, der Durst bleibt lebenslänglich (Hoffmann/Schwabach) 2.37
02. Das sollte man als Huhn doch überhaupt nicht tun (Korn) 2.44

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Das Willy Millowitsch Denkmal in Köln

Die Mainzer Hofsänger vom M.C.V. – Die beste Medizin ist doch das Lachen – Auf wiedersehen

FrontCover1.jpgNicht, dass mir die närrische Zeit gänzlich durch die Lappen geht. Hier eine fidele Karneval-Single  der Mainzer Hofsänger:

Die Mainzer Hofsänger sind ein semiprofessioneller Laienchor aus Mainz am Rhein. Der Chor gründete sich 1926 unter dem Namen Musik-Hochschul-Sänger als Fastnachtschor, der sich aus Mitgliedern des Extra-Chors des Mainzer Konservatoriums zusammensetzte. Das seriöse Institut für klassische Musik wollte aber nicht mit Fastnacht und Persiflage in Verbindung gebracht werden, so entschied man sich – unter Beibehaltung der Initialen „MHS“ – für den bis heute bekannten Namen.

Es folgten erste Auftritte bei kleineren Fastnachtsvereinen in und um Mainz; den ersten Auftritt beim Mainzer Carneval-Verein hatte der Chor 1934.

Nach dem Zweiten Weltkrieg interpretierte der Chor 1947 den Titel Sassa aus der Fred-Raymond-Operette Maske in Blau. Es folgte 1955 die Interpretation des Schlagers So ein Tag, so wunderschön wie heute … von Walter Rothenburg (Text) und Lotar Olias (Musik). Im gleichen Jahr erfolgte der erste Fernsehauftritt bei einer Kölner (sic!) Karnevalsveranstaltung im Williamsbau, im Jahr darauf bei der Fernsehsitzung „Mainz, wie es singt und lacht“. Das als Karnevalslied interpretierte Stück verkaufte mehr als 300.000 Exemplare.

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Die Mainzer Hofsänger im Jahr 1959

Ab den 1960er Jahren fanden Konzertreisen nach Amerika und in nahezu alle Nachbarländer der Bundesrepublik Deutschland statt. Da der Chor mittlerweile vorwiegend auf Kreuzfahrtschiffen auftritt, wird gerne mit der Aussage, der Chor habe bereits auf allen Kontinenten gesungen, geworben.

Gehörten früher hauptsächlich Titel aus den Bereichen Oper und Operette zum Repertoire des Chores, versucht man seit einigen Jahren sich auch die Marktsegmente „kirchliche Musik“ und „Schlager“ zu erschließen. Für jede Fastnachtskampagne wird ein musikalisch-politisches Potpourri einstudiert, in welchem die Titel, die während des Jahres gesungen werden, mit neuen persiflierten Texten versehen werden. Hatte man über Jahrzehnte hinweg hierbei ausschließlich auf Opern- und Operettentitel zurückgegriffen, werden in letzter Zeit immer häufiger auch Titel aus den Genres Pop und Schlager verwendet.

Seit 1956 gehörte der Chor zum festen Bestandteil der Sendungen „Mainz, wie es singt und lacht“ und der Nachfolgesendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“. In den Jahren 1981 und 2008 wurden die politischen Einlagen seitens des produzierenden Senders und der Verantwortlichen der beteiligten Fastnachtsvereine gestrichen und dem Chor ausschließlich Sendezeit für Stimmungslieder zur Verfügung gestellt. Beide Male wurden die Auftritte seitens der Mainzer Hofsänger komplett abgesagt.

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Die Mainzer Hofsänger im Jahr 1981

Neben der Berichterstattung der örtlichen Presse, in welcher die Nichtteilnahme des Chores an der Fernsehsitzung bedauert wurde, wurden auch wiederholt kritische Stimmen laut, in welchen sich vor allem Zeitungsleser zu dem „Vorfall“ äußerten. Hierin spiegelt sich auch die auf der Homepage des Chores getroffene Aussage wider, dass der Chor in Mainz nicht unumstritten ist.

Im Zusammenhang mit dem Verzicht auf den Auftritt bei Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht ist darauf hinzuweisen, dass es in der Zusammenarbeit zwischen den ausführenden Vereinen und den Fernsehsendern ein „ungeschriebenes Gesetz“ gibt, nach dem Redner oder Sänger bei einer unbefriedigenden Leistung im Vorfeld der Sendung niemals seitens der Sender ausgeladen werden, sondern man den betroffenen Aktiven nahelegt, selbst auf ihre Auftritte zu verzichten, damit niemand das Gesicht verliert.

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Die Mainzer Hofsänger im Jahr 2016

Bei der Fernsehsendung „Mainz bleibt Mainz, wie es singt und lacht“ vom 8. Februar 2013 präsentierte der Chor allerdings, entgegen der bisherigen Aussage, für ein reines Stimmungsprogramm nicht zur Verfügung zu stehen, nur ein kurzes Potpourri von Stimmungsliedern. Diese Verkürzung des Auftrittes der Hofsänger wurde von der Presse als „der Sendung gut tuend“ kommentiert.

Der Chor, welcher als GbR geschäftlich tätig ist, ist mit diversen Programmen ganzjährig tätig und als mittelständisches Wirtschaftsunternehmen anzusehen.

Dies führte dazu, dass es wiederholt zu arbeitsrechtlichen Auseinandersetzungen kam zwischen Sängern, die den Chor verließen bzw. ausgeschlossen wurden, und dem Restchor. Diese wurden gerne durch die Boulevardpresse aufgegriffen. So war der Chor im Jahre 1998 über Wochen hinweg in den Schlagzeilen, als man den Vorsitzenden Hans-Albert Dehmer ausschloss, und dieser sich per einstweiliger Verfügung das Recht sicherte, weiter an Proben und Konzerten teilnehmen zu können und Verdienstausfall geltend machte. Der Rechtsstreit wurde durch Zahlung einer nicht näher bezifferten Ausgleichssumme im „oberen fünfstelligen Bereich“ beigelegt. Im Laufe der Streitigkeiten kamen immer merkwürdigere Ausschlußpraktiken zu Tage. So wurde zum Beispiel ein Sänger wegen seiner Homosexualität aus dem Chor ausgeschlossen, ein anderer, weil er an Hyperhidrosis pedis (= übermäßige Schweißabsonderung im Bereich der Füße) litt. Ähnliche Aufmerksamkeit in der Boulevardpresse fand der Wechsel an der Spitze des Chores im Jahr 2001. (Quelle: wikipedia)

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Und die gibt´s heute noch

Ergänzt sei, dass dieses Ensemble nicht nur die närrischen Lieder rauf und runter singen können; nen sie haben in ihrem Programm auch geistliche Lieder, Weihnachtslieder und klassische Chorgesänge …

Zurück zu dieser Single: Ich geh´ nun wirklich nicht zum Lachen in den Keller, aber was man hier zu hören bekommt, kann einen schon sprachlos machen.

Ich weiß nicht, welche Art von Humor man braucht, um z.B. die A-Seite auch nur ansatzweise witzig zu finden … und die B-Seite – da bleibt einem die Spuke weg –  ist ein sentimentaler Heuler, der seinesgleichen sucht. Der perfekte Rausschmeißer für jede Party … da gehen die Gäste dann gern. Karneval ist schon ne sehr ernste Angelegenheit !

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Besetzung:
Die Mainzer Hofsänger

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Titel:
01. Die beste Medizin ist doch das Lachen (Lachpolka) (Henning) 2.37
02. Auf wiedersehen (Storch) 2.31

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