Ingrid van Bergen – Knips doch mal die Lampe an + Beim ersten Mal da tut’s noch weh (1963)

FrontCover1.jpgSie war schon eine schillernde Person in der High Society der Bundesrepublik Deutschland und für einen handfesten „Justizskandal“ sorgte sie dann auch noch:

Ingrid van Bergen (* 15. Juni 1931 in Danzig-Langfuhr, Freie Stadt Danzig) ist eine deutsche Schauspielerin und Synchronsprecherin.

Ihre frühe Kindheit verbrachte van Bergen in Frankenau in Masuren (Ostpreußen), wo ihr Vater als Lehrer arbeitete. Sie besuchte aber öfter die Großeltern in Danzig. Ihre Mutter hatte wegen vier geborener Kinder das Mutterkreuz verliehen bekommen. Nach dem Tod des Vaters als Soldat an der Ostfront – er fiel am 22. Juni 1941, dem ersten Tag des Unternehmens Barbarossa – zog die Familie zu den Großeltern nach Zoppot, einem Vorort Danzigs. Sie entschied, sich im Rahmen der Hitlerjugend in einer Spielschar zu engagieren und für Soldaten beispielsweise auf Fronturlaub unter anderem Märchen zu spielen oder Volkslieder zu singen. Van Bergens Mutter floh nach den sowjetischen Luftangriffen auf Danzig gegen Ende des Zweiten Weltkrieges mit den vier Kindern: Zunächst durch Oliva und Langfuhr, dann mit einem kleinen Schiff über die Weichsel in die Danziger Bucht und schließlich mit der Moltkefels, die sie und 2.000 weitere Menschen über die Ostsee nach Rostock, Lübeck oder Hamburg bringen sollte. Ein Angriff sowjetischer Bomber vor der Halbinsel Hela beschädigte und versenkte schließlich das Schiff, etwa 500 Menschen starben. Die Familie wurde mit einem Beiboot auf die Halbinsel gerettet. Dort wurde sie nach eigenen Angaben als damals 13-Jährige von einem russischen Soldaten vergewaltigt, eine Situation, die sie ihrer Mutter nie IngridVanBergen06erzählt hat. Die Mutter entschloss sich ein weiteres Mal zu einem Fluchtversuch mit dem Schiff, diesmal mit dem Ziel Kopenhagen, weil die deutschen Häfen wegen havarierter Schiffe blockiert waren. Van Bergen schildert diese Situation: „Ich glaube, wir hatten überhaupt keine Angst mehr. Wir waren ganz fatalistisch…“

Sie erlebte das Kriegsende am 8. Mai 1945 in einem Auffanglager in Skagen, das an diesem Tag von den Dänen übernommen wurde. Dort wurde die Familie bis zur Rückkehr nach Deutschland im Jahr 1948 verpflegt und medizinisch versorgt. Van Bergen besuchte dort gemeinsam mit ihrem Bruder die Schule. Eine Stecknadel, die blind in eine Karte der französischen Besatzungszone gesteckt wurde, entschied über den zukünftigen Wohnort der Flüchtlinge, Reutlingen. 1950 machte sie dort das Abitur.

Im Anschluss an ihr Abitur ließ sie sich an der Staatlichen Hochschule für Musik Hamburg zur Schauspielerin, später auch zur Sängerin ausbilden und verwirklichte so ihren lang gehegten Traum. Im Jahr 1953 war sie Mitbegründerin des politischen Kabaretts Die Kleinen Fische, danach schloss sich ein Engagement bei den legendären Berliner Stachelschweinen an. Im darauffolgenden Jahr wurde sie von Helmut Käutner für den Film entdeckt. Besonders in Berlin trat sie aber auch am Theater auf.

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In den 1950er und 1960er Jahren gehörte van Bergen zu den bekanntesten deutschsprachigen Filmschauspielerinnen und wurde bekannt für ihre „rauchige“ Stimme. Ihr Rollenfach waren Bardamen, Prostituierte und untreue Hausfrauen. Sie spielte beispielsweise mit O. W. Fischer und Heinz Rühmann. Es folgten ca. 200 Film- und Fernsehproduktionen, auch im internationalen Bereich – darunter Filme mit Kirk Douglas, Robert Mitchum, William Holden und Giulietta Masina. Ihre Karriere entwickelte sich nunmehr kontinuierlich. Neben ihrer Filmtätigkeit blieb das Theater bis heute ein wichtiger Aspekt in ihrem Leben. Sie spielte an großen Bühnen in Berlin, Hamburg und München. Auch als Sängerin konnte sie Erfolge verzeichnen und veröffentlichte einige Schallplatten.

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Die Brgen geht dem Claus Theo Gärtner an die Wäsche

Nach ihrer Verurteilung sowie Haftstrafe wegen Totschlags und ihrer Haftentlassung 1982 gelang es ihr zunächst nicht, an ihre alte Schauspielkarriere anzuknüpfen. Eines ihrer ersten TV-Engagements hatte sie in der Fernsehserie Losberg, in der sie bis 1988 die Parvenue Margot spielte. Auf die Theaterbühne kehrte sie am 12. Januar 1985 im Berliner Renaissance-Theater als Sinida in Leonid Nikolajewitsch Andrejews Verliebte Narren zurück. Trotz eines zeitweisen Umzugs nach Spanien wirkte sie in Deutschland in verschiedenen Fernsehproduktionen mit. In den 1990er Jahren verkörperte sie u. a. die sympathische Sekretärin Liebscher in der erfolgreichen Familienserie Unser Lehrer Doktor Specht und wirkte später auch in den Serien Mobbing Girls und Bewegte Männer mit. Die beruflichen Angebote für sie nahmen allmählich an Umfang zu und IngridVanBergen01veranlassten sie außerdem, 1994 ihre Autobiographie zu veröffentlichen.

Im Jahr 2005 eroberte sie sich mit dem Einpersonenstück „Die Klatschmohnfrau“ nach einer Romanvorlage von Noëlle Châtelet eine Paraderolle und ist damit seitdem erfolgreich auf Theatertournee. Am Meininger Theater war sie im Jahr 2007 für vier Monate in der Produktion Love And War zu sehen. In einer im Mai 2008 ausgestrahlten Folge der VOX-Kochshow Das perfekte Promi-Dinner nahm van Bergen als Gastgeberin teil.

In den Sommermonaten der Jahre 2005 bis 2008 war van Bergen Ensemblemitglied der Störtebeker-Festspiele in Ralswiek auf der Insel Rügen. Nach einer Pause im Jahr 2009 war sie 2010 als „Signora de Rocca“ im Stück Der Fluch des Mauren wieder mit dabei. Im Januar 2009 nahm sie als Kandidatin an der RTL-Reality-Show Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! teil, in der sie von den Zuschauern zur „Dschungelkönigin Ingrid I.“ gewählt wurde. Ab 2009 spielte van Bergen in der Serie Doctor’s Diary die Rolle der Mechthild von Buhren, welche Anfang 2011 den Serientod erlitt.

2010 stand sie abermals als „Klatschmohnfrau“ erfolgreich auf der Bühne und war mit dem Stück Die Nadel der Kleopatra von Philipp Moog und Frank Röth auf Tournee. In der WDR-Fernseh-Sendereihe Übernachtung & Frühstück wurde van Bergen 2011 von Lisa Ortgies vorgestellt. 2014 kürte sie Guido Maria Kretschmer in der Styling-Doku Shopping Queen mit dem Motto „Femme Fatale, wickle Deinen Mann um den Finger“ auf Vox zur Preisträgerin.[8] 2011 wirkte sie auf ProSieben in Old Ass Bastards als Lockvogel mit. In der Sendereihe mit versteckter Kamera verwickeln rüstige Rentner auf belebten öffentlichen Plätzen junge Menschen in verfängliche Situationen.

Seit einigen Jahren ist van Bergen auch im Hörspielbereich aktiv. Zu ihren Rollen zählten IngridVanBergen02dort unter anderem die „Lady Ducayne“ in Gesellschafterin gesucht!, die böse „Westhexe“ in Der Zauberer von Oz, die „Lappin“ in Die Schneekönigin von Hans Christian Andersen und „Elvira, die dickste Frau der Welt“ in Sherlock Holmes – Die Affenfrau.

Ingrid van Bergen war viermal verheiratet, unter anderem mit dem Kabarettisten Erich Sehnke, dem Vater ihrer Tochter Andrea, und dem Schauspieler Michael Hinz, dem Vater ihrer Tochter Carolin, die 1990 mit 26 Jahren starb.

In der Nacht vom 2. auf den 3. Februar 1977 erschoss sie mit einem Revolver ihren 33-jährigen Geliebten, den Finanzmakler Klaus Knaths, im Affekt in einer Villa am Starnberger See. Knaths wurde von zwei Kugeln in Brust und Bauch getroffen und erlag kurz darauf seinen Verletzungen.

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Bei der Gerichtsverhandlung mit ihrem Anwalt Bossi

Van Bergens Töchter waren damals zwölf und 19 Jahre alt. Der folgende Prozess löste großes mediales Aufsehen aus. Anwaltlich vertreten wurde sie von Rolf Bossi. Van Bergen wurde am 27. Juli 1977 wegen Totschlags zu sieben Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Nach Verbüßung von zwei Drittel der Haftzeit im Frauengefängnis Aichach in Bayern wurde sie am 2. Oktober 1981 wegen guter Führung vorzeitig entlassen.

Im Jahr 1994 zog van Bergen nach Mallorca, wo sie sich dem Tierschutz widmete und auf ihrer Finca über 100 Tiere beherbergte. Nach sieben Jahren kehrte sie Mallorca den Rücken und zog mit den Tieren 2001 zurück nach Deutschland in die Lüneburger Heide.

In einem Interview mit der Zeitschrift Stern erklärte sie 2009, sie sei bekennende Buddhistin. In einem weiteren Interview mit dem Stern im Jahr 2013 erklärte van Bergen, dass sie demnächst die Lüneburger Heide verlassen und nach Hamburg ziehen wolle, im Übrigen lebe sie vegetarisch und schreibe Kurzgeschichten aus der Sicht von Tieren.

2013 trat van Bergen in die Partei Mensch Umwelt Tierschutz ein. (Quelle: wikipedia)

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Inge van Bergen als Mitglied der Tierschutzpartei

Und hier ihre erste Single als Schlagersängerin. Und schon hier deutet sich an, was der Bergen ihr Leben lang an den Fersen klebte. Der Sex mit den Männern … wenn ich das mal so platt sagen darf. Bei der B-Seite erinnern die Piano . Passagen übrigens ein wenig an „Parchman Farm“ von Mose Allison.

Und eigentlich hätte sie durchaus mit ihrer Stimme auch mal anspruchsvollere Sachen singen können und sollen … stimmlich hätte sie durchaus das Zeug dazu gehabt, sich einer Hildegard Knef anzunähern. Aber dazu hätte es wohl einer reflektierteren Lebensweise bedurft. Statt dessen fühlte sich die Ingrid van Bergen in dieser zuweilen unerträglichen Schicki-Michi Gesellschaft (auch in München) zu sehr wohl.

Bis ihr halt mal die Sicherung durchgeknallt ist …

Und irgendwann tauchte sie dann auch noch im Dschungelcamp auf …

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Viel tiefer kann man nicht fallen: Die Bergen im Dschungelcamp

Besetzung:
Ingrid van Bergen (vocals)
+
Orchester Peter Thomas

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Titel:
01. Knips doch mal die Lampe an (Götz(Hertha) 2.27
02. Beim ersten Mal da tut’s noch weh (Eisbrenner/Käufner) 2.39

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Collegium Aureum – Cassation G-Dur + Cassation F-Dur (Joseph Haydn) (1963)

FrontCover1Nicht in meinem Keller, sondern in meinem Studier- und Arbeitszimmer stapeln sich seit geraumer Zeit Singles der gleichen Machart:

Klassische Köstlichkeiten, dargereicht als Werbegeschenk der Pharmazeutischen Industrie.

Hier zeigt sich die Rhein-Pharma Arzneimittel GmbH, Heidelberg (ich glaube, die gehören heute zu Boehringer).spendabel und zwar mit Werken von Joseph Haydn.

Den Begriff Cassation musste ich erst recherchieren, er war mir nicht geläufig:

Kassation (auch Cassation, Cassatio, Cassazione) ist ein musikalischer Gattungsbegriff.

Die Kassation wurde in der Musik des 18. Jahrhunderts gepflegt und zumeist für Aufführungen unter freiem Himmel komponiert. Sie stellt ein meist heiteres, mehrsätziges Werk für mehrere, meist solistisch besetzte Instrumente dar (ähnlich dem Divertimento, der Serenade oder dem Notturno; alle diese Begriffe wurden oft synonym verwendet). Häufig beginnt sie mit einem Marsch, insgesamt kann sie bis zu sieben Sätze umfassen.

Der Begriff lässt sich herleiten von ital. cassazione (Verabschiedung, Entlassung). Andere Ableitungsversuche, etwa von gassatim (Adverb, scherzhaft latinisierend von dt. Gasse gebildet) oder von ital. cassa (Kasse, Kiste, Gehäuse), treffen wohl nicht zu.

Kassationen schrieben beispielsweise Joseph Haydn, Michael Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Ditters von Dittersdorf und Antonio Salieri.(Quelle: wikipedia)

Hier als 2 heitere Werke, eingespielt von „Mitglieder des Collegium Aureum“ und im Auftrag von der o.g. Pharmazeutischen Firma von dem edlen Klassik Label „harmonia mundi“ gepresst.

Vermutlich ging dieses Werbegeschenk an die bundesdeutsche Ärzteschaft …

Schöne Musik dennoch und ich darf ausdrücklich auf den nicht zu überhörenden Knisterfaktor hinweisen.

Booklet03Besetzung:
Mitglieder des Collegium Aureum

Besetzung
Titel:

Cassation G-dur:
01.  Allegro Molto 2.47
02. Finale-Presto 1.56

Cassation F-dur:
03. Allegro 1.59
04. Finale-Presto 1.55

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Will Brandes – Baby-Babbel-Bossa-Nova + Ein guter Stern (1963)

FrontCover1.jpgIrgendwie hatte er er mit seiner ganz bestimmten Masche einen ganz besonderen Status unter den Schlagerstars der frühen 60 er Jahre:

Will Brandes (* 11. Januar 1928 in Münstedt; † 8. April 1990 ebenda) war ein deutscher Schlagersänger.

Brandes absolvierte zunächst eine kaufmännische Lehre und ließ sich später in Braunschweig zum Operntenor ausbilden. Ab 1958 trat er als Schlagersänger in Erscheinung. Seinen ersten Schallplattenvertrag schloss er mit der Kölner Plattenfirma Electrola ab und versuchte sich zunächst mit deutschen Coverversionen englischsprachiger Erfolgstitel wie Wach auf little Susie (Wake Up Little Susie, Everly Brothers) oder King Creole (gleichnamig von Elvis Presley). Von Beginn an produzierte Electrola auch Duettaufnahmen mit Brandes und verschiedenen Sängerinnen. Mit Conny Froboess hatte er bereits 1958 seinen ersten größeren Erfolg. Die Titel Teenager Melodie und Ich möchte mit dir träumen, beide veröffentlicht unter Will Brandes01.jpgder Katalognummer 21052, erreichten Platz 7 bzw. 13 in der Musikfachzeitschrift Musikmarkt. Weitere Partnerinnen waren Ruth Fischer und Hanna Dölitsch. Zu Brandes‘ größtem Erfolg bei Electrola geriet die deutsche Adaption des italienischen Titels Marina, gesungen von Rocco Granata. Die Version von Will Brandes war zwischen Dezember 1959 und Mai 1960 19 Wochen in den deutschen Hitlisten vertreten und erreicht mit Platz 7 seine beste Notierung. Die Platte wurde bis Ende 1960 über 500.000 Mal verkauft. Zu dieser Zeit war es üblich, dass die Musikproduzenten dafür sorgten, dass ihre Künstler auch über den Kinofilm an Popularität gewannen. So erhielt auch Brandes die Gelegenheit, in zwei Musikstreifen mitzuwirken. 1959 sang er gemeinsam mit Conny Froboess und Rex Gildo in Hula-Hopp, Conny, und 1960 trat er zusammen mit Bill Ramsey und Dany Mann in dem Film Das Rätsel der grünen Spinne auf.

Als nach Marina Brandes’ Plattenkarriere insgesamt unbefriedigend verlief, wechselte er im Sommer 1961 zu der damals größten deutschen Plattenfirma Polydor. Nach fünf erfolglosen Veröffentlichungen, darunter eine Duettplatte mit Lolita, gelang Brandes im Herbst 1962 mit dem Titel Baby-Twist der größte Erfolg seiner Plattenkarriere. Es war ein Nachzieher des 1961 mit Ralf Bendix erfolgreichen Titels Babysitter-Boogie, den Bendix ebenfalls zur gleichen Zeit als Babysitter-Twist bei Electrola herausbrachte. Während Bendix 1961 mit dem Boogie einen Riesenerfolg schaffte, hatte Brandes mit seinem Twist deutlich die Nase vorn. Bendix konnte sich nur auf Rang 29 platzieren, dagegen stieß Brandes bis auf Platz zwei vor und wurde 22 Wochen lang im Musikmarkt notiert.

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Mit einem weiteren Baby-Song, dem Baby-Babbel-Bossa-Nova, erreichte Brandes im Dezember 1963 Platz neun im Musikmarkt, es war aber zugleich seine letzte Hitparadennotierung. Fernsehauftritte führten Brandes auch in die DDR, durch die es zu einer speziellen Zusammenarbeit mit der DDR-Plattenfirma Amiga kam. 1963 erwarb Polydor den von Amiga mit Lutz Jahoda veröffentlichten Titel Kartäuser Knickebein Shake und produzierte eine eigene Version mit Will Brandes (Katalognummer 52230). Zwei Jahre später veröffentlichte Amiga mit Brandes den nur in der DDR produzierten Song Ich hab keinen Zylinder (Katalognummer 450531). 1966 lief Brandes’ Plattenvertrag bei Polydor aus. 1967 nahm er mit seiner Tochter Marina noch eine Platte bei der kleinen Plattenfirma Alcora auf, danach zog er sich, abgesehen von einigen Nostalgie-Auftritten, aus dem Showgeschäft zurück. Er arbeitete anschließend als Kaufmann und im Gastronomiegewerbe. Brandes starb im Alter von 62 Jahren am 8. April 1990 in seinem Heimatort Münstedt. (Quelle: wikipedia)

Nun, die Seite 1 enthält den quietschvergnügten „Baby-Babbel-Bossa-Nova“ (sollte manmal gehört haben) mit der „kleinen Elisabeth als Stichwortgeberin) … Auf jeden Fallist diese Nummer ein wirklich flotter Bossa-Nova.

Auf der Seite zwei tritt er gemeinsam mit der Schlagersängerin Monika Grimm auf:

Monika Grimm wurde 1940 in Schönfels bei Zwickau geboren. Ende der 50er Jahre sang sie bei den „Kolibris“, einem in der DDR sehr bekannten Damenquartett, das oft für Background-Gesang eingesetzt wurde. Ab 1960 sang sie auch eigene Solo-Aufnahmen ein. Gemeinsam mit Ruth Brandin nahm sie 1961 „Das ist das Lied vom alten Plattenschrank“ (Seeger/Schüller) bei AMIGA auf, das auch gut bei der Bevölkerung ankam. Als sie aber kurze Zeit später von einem Besuch bei ihrem damaligen Verlobten in München nicht mehr in die DDR zurückkam, hatten die Verantwortlichen ein Problem.

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Kurzerhand wurde der Titel nochmals beim Rundfunk aufgenommen. Diesmal mit Petra Böttcher, aber diesmal nicht mit dem erwarteten Erfolg. Monika Grimm wurde von Polydor unter Vertrag genommen und 1962 erschienen schon die erste Single „Immer gibt´s ein Wiederseh´n“ unter der neuen Plattenfirma. 1964 gehörte sie zu den „Sweetles“, einer erfolgreichen Damengruppe, die im Sound der Beatles ihren Erfolg suchte und auch ein wenig fand. In den folgenden Jahren versuchte sie vergeblich, eine erfolgreiche Solo-Karriere zu starten. Es blieben einige Achtungserfolge und kleinere Filmrollen. (Quelle: ddr-tanzmusik.de)

Hier zelebriertman dann einen dieser üblichen Schmachtfetzen jener Jahre.

Mehr Vergnügen macht dann halt schon die A-Seite.

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Besetzung:
Will Brandes
+
Orchester Kurt Edelhagen

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Titel:
01. Baby-Babbel-Bossa-Nova (Twardy/Lilibert) 2.30
02. Ein guter Stern (Twardy/Lilibert) 2.05

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Ivo Robić – Sonntag in Amsterdam + Zuhause, wieder zuhause sein (1963)

FrontCover1.jpgHier ein Schlagersänger, der zwar nicht aus Deutschland stammte, aber dennoch damals in Westdeutschland sich über mangelnden Erfolg nicht beklagen durfte:

Ivo Robić (* 28. Januar 1923 in Garešnica bei Bjelovar, Königreich Jugoslawien, heute Kroatien; † 9. März 2000 in Rijeka) war ein jugoslawischer und kroatischer Schlagersänger.

Robić begann seine Musikerlaufbahn mit einem Studium am Zagreber Konservatorium mit dem Ziel Musiklehrer zu werden. Während des Studiums lernte er Klavier, Saxophon, Klarinette, Flöte und Bassgeige zu spielen. Neben seinem Studium betätigte er sich als Sänger beim Tanzorchester von Radio Zagreb. Dabei wurde er von der jugoslawischen Plattenfirma Jugoton entdeckt, die 1948 mit Robić eine erste Schallplatte produzierte. Bis 1977 erschienen bei Jugoton von Ivo Robić etwa 100 Schallplatten, die ihn zu einem der erfolgreichsten jugoslawischen Plattenstars machten. Ab 1977 nahm er Schallplatten für die tschechoslowakische Plattenfirma Supraphon auf. Zu Beginn der 1950er Jahre begann Robić im Ausland aufzutreten, so in der Tschechoslowakei, in Österreich und in der DDR.

Seinen ersten Auftritt in der Bundesrepublik hatte Robić 1955 in Hof (Saale). Es dauerte aber noch bis 1958, ehe es hier zu einem Plattenvertrag kam. Die Initiative ging von Robićs Frau aus, die Demobänder an verschiedene deutsche Plattenfirmen geschickt hatte. Als einzige zeigte Polydor Interesse und lud Robić zu Probeaufnahmen ein. Nachdem zwei im Januar 1959 aufgenommene Coverversionen mit Titeln von den Chessmen und Ray Peterson verworfen wurden, wurde im Mai 1959 die erste Robić-Single mit den Titeln Morgen und Ay, ayay Paloma auf den Markt gebracht.

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Produzent war Bert Kämpfert, der Robić in den Folgejahren betreute. Den Titel Morgen hatte Peter Moesser komponiert, er arbeitete einige Zeit mit Robić zusammen. Morgen wurde zu einem Welterfolg und verkaufte sich alleine in Deutschland über eine Million Mal.[2] Zwar erreichte er in Deutschland nur Platz zwei in der Notierung des Fachblattes Musikmarkt, wurde aber mit der Platin-Schallplatte ausgezeichnet und erhielt von Radio Luxemburg den Bronzenen Löwen. Auch das amerikanische Musik-Magazin Billboard nahm den deutschen Originaltitel, der vom Laurie-Label veröffentlicht worden war, in seine Hot 100 auf. Morgen behauptete sich dort 14 Wochen lang und stieg bis Platz 13 auf. Polydor brachte den Titel in Großbritannien auf den Markt, wo er Platz 23 in den Hitlisten erreichte. Mit der zweiten Platte mit Ivo Robić verfuhr Polydor von Anfang an zweigleisig. Der deutsche Titel Muli-Song wurde zeitgleich in Deutschland und den USA veröffentlicht, in den Staaten jedoch in der englischsprachigen Version The Happy Muleteer. Auch diese Version kam wieder in die Hot 100 von Billboard, war dort fünf Wochen notiert und stieg bis zum 58. Platz auf. Damit schaffte es Robić in das US-Entertainment, so wurde er unter anderem in die Perry Como Show, die Ed Sullivan Show und die Dick Clark Show eingeladen.

Während es der Muli-Song In Deutschland bis zum siebten Platz schaffte, erzielte Robić 1961 mit der Coverversion des US-Titels Save the Last Dance for Me von den Drifters Ivo04.jpgeinen Nummer-Eins-Erfolg. Die deutsche Version Mit 17 fängt das Leben erst an wurde vom Musikmarkt 32 Wochen lang notiert und lag im März 1961 bei zwei Wochenauswertungen auf dem ersten Platz. Radio Luxemburg verlieh ihm diesmal den Silbernen Löwen. Danach hatte Ivo Robić den Höhepunkt seiner Karriere in Deutschland erreicht. Nur noch mit dem 1962 veröffentlichten Titel Ein ganzes Leben lang, eine Coverversion des Ray-Charles-Erfolges I Can’t Stop Loving You, kam er noch einmal in die Top-10 (Platz 8). Danach notierte ihn der Musikmarkt bis 1967 dreimal lediglich auf hinteren Rängen. 1968 zog sich Bert Kämpfert als Produzent zurück, um sich stärker seiner eigenen Karriere zu widmen, und Robić Aufnahmen wurde von Kai Warner betreut. Nachdem Robić 1971 noch einmal mit dem Titel Ich zeig’ dir den Sonnenschein vom Musikmarkt notiert wurde (45.), löste Polydor 1973 den Plattenvertrag auf. Robić ließ sich endgültig in Kroatien nieder, wo er mit seiner Frau Marta ein Haus in dem kleinen Fischerdorf Ičići an der kroatischen Riviera besaß. Bei Jugoton veröffentlichte er weiterhin Platten für den jugoslawischen Markt. Die letzten Jahre bis zu seinem Tod war er Ehrenvorsitzender der Kroatischen Musikerunion. Er starb im Jahre 2000 an den Folgen einer Gallenoperation 77-jährig in einem Krankenhaus in Rijeka. Seine letzte Ruhestätte fand er auf dem Zagreber Mirogoj-Friedhof. (Quelle: wikipedia)

Und wir hören hier einen klassischen Schnulzenheini … wobei die B_Seite („Zuhause, wieder zuhause sein“) auch als eine der ersten „Gastarbeiter“ Balladen durchgehen könnte … :

Liebe Mutter
nun bin ich schon drei Monate in dieser fremden Stadt
mach dir keine Sorgen, es geht mir gut
ab morgen verdient ich sogar mehr Geld
auch die Leute sind  nett zu mir, aber …

Ich bin so einsam jeden Tag
weil ich hier nicht leben mag
Und die große fremde Stadt
keine Liebe für mich hat

Zuhause, wieder zuhause sein
das eine wünsche ich mir
Zuhause war ich nie so allein wie hier, wie hier

Ich bin so einsam jeden Tag
In der großen fremden Stadt

Wenn ich zu meiner Arbeit gehe
komme ich immer am Bahnhof vorbei
dann muss an dich denken
und ich bleibe stehen und schaue den Zügen nach
die in den Süden fahren

Man mag über diese schlichten Zeilen schmunzeln … ich tue es nicht,.

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Besetzung:
Ivo Robić (vocals)
+
Orchester Christian Bruhn

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Titel:
01. Sonntag in Amsterdam (Bruhn/Buschor) 2.18
02. Zuhause, wieder zuhause sein (Moesser) 2.33
+
03. Praznik za Amsterdam (Renota/Bruhn (Original-Version) 2.00

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Gitte – Ich will ´nen Cowboy als Mann + Das alte Haus in der Huckleburry-Street (1963)

FrontCover1.jpgAlso, an dieser Single der Gitte (Haenning) kommt keiner vorbei, der sich selbst nur oberflächlich mit dem westdeutschem Schlager der 60er Jahre beschäftigen will.

Und dass natürlich nicht wegen der durchaus pfiffigen Melodien, sondern natürlich hauptsächlich wegen diesem Text, den man als Vorboten einer sich emanzipierenden Weiblichkeit verstehen kann, ja muss.

Denn hier artikuliert eine junge und kecke Frau, was sie denn wirklich mag:

Ich will ’nen Cowboy als Mann
Dabei kommts mir gar nicht auf das Schiessen an
Denn ich weiß, das so ein Cowboy küssen kann
Ich will ’nen Cowboy als Mann

Mama sagt: Nun wird es Zeit, du brauchst ’nen Mann
Und zwar noch heut
Nimm gleich den von nebenan, denn der ist bei der Bundesbahn
Da rief ich: No no no no no
Mit dem würd ich des Lebens nicht mehr froh

(Mama gesprochen)
Aber warum denn nicht, mein Kind. Da hast du doch deine
Sicherheit. Denk doch mal an die schöne Pension bei der
Bundesbahn. Was willst du eigentlich?

Ich will ’nen Cowboy als Mann
Ich will ’nen Cowboy als Mann
Dabei kommts mir gar nicht auf das Schiessen an
Denn ich weiß, das so ein Cowboy küssen kann
Ich will ’nen Cowboy als Mann

Papa meint, ich wär sehr schön, ich hätt Figur von der Loren
Produzent vom Film kommt an, der würde dann mein Ehemann
Da rief ich: No no no no no
Mit dem würd ich des Lebens nicht mehr froh

(Papa gesprochen)
Also ick versteh dir nich. Warum nimmste denn nich den
Filmfritzen? Sollst es doch mal besser haben als dein vater.
Wat willste eigentlich?

Ich will ’nen Cowboy als Mann …

Oho … „dass so ein Cowboy küssen kann“ … und damit ist natürlich der hoch erotische Kuss gemeint … und dieser Wunsch dann von einer jungen Frauen … fast hätte ich jetzt noch geschrieben: unerhört !

Und damit gewann sie dann auch noch den 1. Platz bei den „Deutschen Schlagerfestspielen“ 1963 !

Neben der Trude Herr (die ja lieber einen Mann als Schokolade wollte) und der Peggy Peters die mit ihrem agressiven „Aus“ einen jungen Mann die Leviten las, ein weiteres und wohl sehr wichtiges Beispiel dafür, dass nun in den 60er Jahren die traditionellen Rollenzuweisungen zwischen Mann und Frau allmählich einem Erosionsprozeß unterworfen wurde.

Die B-Seite ist dann deutlich traditioneller … hier wird romantisch gekuschelt und gesäuselt. An diesem Titel hat dann die Gitte Haenning als Texterin selbst mitgewirkt !)

Achja … diese Single hier stammt aus dem Bestand meines älteren Bruders, der war damals 13, ich war 8 … aber vermutlich habe ich damals wohl beschlossen, dass ich auch als Cowboy gut küssen muss !

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Gitte und ihr Cowboy… na ja …

Besetzung:
Gitte (vocals)
+
Unbekanntes Studio-Orchester

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Wer erkennt den Unterschied zum Frontcover dieser Single ?

Titel:
01. Ich will ’nen Cowboy als Mann (Lindt/Ström) 2.44
02. Das alte Haus in der Huckleburry-Street (Hertha/Haenning) 2.50

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Und 1974 sang dann die Gitte nochmals fürs das deutsche Fernsehen … interessant wie sich in den 10 Jahren, die zwischen ihrer ersten TV Präsentation und dieser lagen, die visuelle Präsentation geändert hat.

 

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Die Hülle der niederländischen Single

Herbert Hisel – Der Stammtischbruder (1963)

FrontCover1Höchste Zeit wieder mal dieses fränkische Urvieh zu Wort kommen zu lassen.

Die EP „Der Stammtischbruder“ war die 3. Schallplatte von Herbert Hisel … also eines seiner Frühwerke, mit denen er damals – zu Recht – viel Aufmerksamkeit erregte.

Zu Recht deshalb, weil sein Humor für die damalige Zeit vermutlich arg schräg war.

Und auch heute noch, ist sein (Sprach)-Witz schon noch beeindruckend … da ist diese Mischung aus Klamauk und zuweilen abenteuerlichen humoristischen Wendungen (z.B. wenn der Arzt einem Patienten Bewegung verordnet). Oder: Hisel verbreitete stets einen Hauch von absurdem Humor … und reiht sich damit ein in die Galerie jener Humoristen von Karl Valentin bis hin zu Gerhard Polt.

Und er war sich damals nie zu schade, sich selbst auf die Schippe zu nehmen … eine Tugend, die ich doch sehr schätze.

Im Gegensatz zu den meisten anderen Singles von ihm enthält diese nur eine Nummer, eben den „Stammtischbruder“ und diese passt so ganz herrlich zur närrischen Zeit, denn auch wir Bayern können gelegentlicht lachen … z.B. über Herbert Hisel. Viel Vergnügen !

HerbertHisel

Besetzung:
Herbert Hisel (Sprecher)

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Titel:
01. Der Stammtischbruder (Teil 1) 7.21
02. Der Stammtischbruder (Teil 2) 5.41

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Michael Jary – Für die Hausbar (ca. 1963)

FrontCover1.JPGUnd wieder mal so ein Altmeister der gepflegten deutschen Unterhaltungsmusik:

Michael Jary (* 24. September 1906 in Laurahütte bei Kattowitz; † 12. Juli 1988 in München; eigentlich Maximilian Michael Andreas Jarczyk) war ein deutscher Komponist.

Jarys Vater war Werkmeister in der Königshütte, seine Mutter Schneiderin. Sein Bruder Herbert Jarczyk wurde als Film- und Fernsehkomponist bekannt. Als Kind wollte Maximilian Missionar werden, seine Schulzeit verbrachte er deshalb im Kloster der Steyler Missionare bei Neiße. Er entdeckte dort seine Liebe zur Musik. Mit 18 Jahren verließ Jary das Kloster und besuchte das Konservatorium in Beuthen. Er leitete einen Kirchen- und Arbeiterchor und schrieb erste Kammermusikwerke, die der Sender Gleiwitz ausstrahlte. Das Stadttheater von Neiße und Plauen engagierte ihn schließlich als zweiten Kapellmeister.

1929 wurde Jary in die Staatliche Musikhochschule Berlin aufgenommen; er studierte bei Franz Schreker, Paul Hindemith, Arnold Schönberg und Igor Strawinsky. Nebenbei arbeitete er als Pianist in Cafés und Kinos. 1931 wurde ihm der Beethoven-Preis der Stadt Berlin verliehen. Beim Hochschul-Abschlusskonzert am 8. Februar 1933 dirigierte er sein Konzert für zwei Klaviere, Trompete und Posaune und wurde von Mitgliedern des Kampfbundes für deutsche Kultur ausgebuht. Paul Graener, der neue Direktor des Stern’schen Konservatoriums, diffamierte das Werk als „kulturbolschewistisches Musikgestammel eines polnischen Juden“.

Jary03Jarczyk musste untertauchen, bis Gras über die Sache gewachsen war. Er schrieb unter den Pseudonymen Jackie Leeds Arrangements und unter Max Jantzen Chansons. Bei der Unterschrift zu seinem ersten Filmvertrag wurde er daran erinnert, dass er mit einem polnisch klingenden Namen keine Karriere machen könne. Ein Freund strich daraufhin drei Konsonanten aus dem Nachnamen und wählte seinen zweiten Vornamen: Geboren wurde Michael Jary. Sinfonische Untermalungsmusik war seine Domäne; 1936 komponierte er für den nach einer Romanvorlage Honoré de Balzacs 1936 gedrehten Film Die große und die kleine Welt seine erste Filmmusik.

Auch Swing-Arrangements und Jazz gehörten trotz des staatlichen Diktats zu seinem Repertoire. Er gründete das Kammertanzorchester Michael Jary, ein reines Studioorchester, das niemals öffentlich aufgetreten ist, sich aber einen großen Namen machen konnte. Unter anderem entstand ein Zyklus von Tierkreiszeichenvertonungen in diesem Stil. Als Zugehöriger der Jazz- und Swingszene im Deutschland der 1930er Jahre ein ausgewiesener Kenner dieser Epoche, erklärte Jary in den 60er Jahren für die Schallplatte Papas Tanztee ist nicht tot! anhand zahlreicher Musikbeispiele ihre wichtigsten Rhythmen, Melodien und Vertreter.

Jarys Durchbruch als Schlagerkomponist kam 1938 mit Roter Mohn. Zuvor hätte er der Unterhaltungsmusik beinahe den Rücken gekehrt. Als Dirigent des Szymanowski-Gedächtniskonzertes in Berlin erhielt er eine Einladung von Ernest Ansermet nach Genf. Doch die deutschen Behörden verweigerten Jary die Ausreise. So komponierte er, meist zusammen mit dem Textdichter Bruno Balz, für die Ufa Filmhits, die heute Evergreens sind: Von Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (aus dem Film Paradies der Junggesellen mit Heinz Rühmann, Josef Sieber und Hans Brausewetter, 1939) über Ich weiß, es wird einmal ein Wunder gescheh’n und Davon geht die Welt nicht unter (aus dem Film Die große Liebe mit Zarah Leander, 1942) bis zu Karussell.

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Das Kammertanzorchester Michael Jary (ca. 1942)

Kurz vor Kriegsende gründete Jary eine neue Kapelle. Mit diesem Grundstock (und verstärkt durch Musiker anderer Orchester, etwa aus Charlie and His Orchestra) im Auftrag der sowjetischen Kontrolloffiziere mit dem 48 Mann starken Radio Berlin Tanzorchester (RBT-Orchester) konnte er bereits neunzehn Tage nach der Kapitulation (8. Mai 1945) auftreten. Als Solisten für die Rundfunksendungen engagierte er unter anderem Ilse Werner und Bully Buhlan.[2] Im Jahr darauf gründete Jary das Rundfunkorchester von Radio Saarbrücken.

1948 gründete er seinen eigenen Verlag, die Michael Jary-Produktion, die in den 1950er Jahren sogar ein Büro in New York unterhielt. 1949 ging „Mäcki“, wie ihn seine Freunde nannten, nach Hamburg. Es folgen weitere erfolgreiche Filme und Schlager. Lieder wie Leise rauscht es am Missouri, Das machen nur die Beine von Dolores, Mäcki-Boogie, Heut’ liegt was in der Luft und viele andere gehören heute zu den Standardwerken der Unterhaltungsmusik. Interpreten wie Zarah Leander, Rosita Serrano, Evelyn Künneke, Lale Andersen, Gerhard Wendland, Heinz Rühmann, Hans Albers sangen Michael Jarys Lieder.

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Michael Jary mit Hazy Osterwald, 1974

Für die deutsche Vorentscheidung zum Grand Prix 1960 komponiert Jary für Heidi Brühl Wir wollen niemals auseinandergehn. Bei der Festivaljury belegte das Lied nur den zweiten Platz; es gilt aber bis heute als einer der größten Erfolge der deutschen Schlagergeschichte.

Nach diesem Erfolg fand Jary zu seinen Wurzeln zurück. Er schrieb das Musical Nicole, das 1963 in Nürnberg uraufgeführt wurde und später auch in Polen aufgeführt wurde. In seiner Schweizer Wahlheimat oberhalb des Luganersees schrieb er sinfonische Werke. 1973 erlitt er drei Herzinfarkte.

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Man gönnt sich ja sonst nichts … 

Michael Jary war in zweiter Ehe mit dem Mannequin Christiana verheiratet und ist der Vater der Schriftstellerin Micaela Jary.
Er starb am 12. Juli 1988 in München. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg am Familiengrab Jarczyk, Planquadrat M 17 (südlich Cordesallee östlich Ringstraße). (Quelle: wikipedia)

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Das Grab von  Michal Jary im Friedhof Ohlsdorf, Hamburg

Und wir hören hier Musik ausschließlich aus der Feder des Michael Jary, deshalb kann man ja auch auf der Hülle lesen „Michael Jary spielt Michael Jary“. Zweitverwertung nennt man da wohl.

Wie auch immer: gefällige Unterhaltungsmusik (böse Zungen können auch behaupten „schleimige Unterhaltungsmusik“) bei seinen „Solisten“ fällt eigentlich nur der Gitarrist auf, der gelegentlich dezente Solos zum Besten gibt (mit jenem Hauch Jazz jener Zeit).

Gedenktafel

Berliner Gedenktafel für Jary an seinem ehemaligen Wohnhaus in der Fasanenstraße

Besetzung:
Michael Jary mit seinen Solisten

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Titel:

01. Medium-Medley 6.05
01.1. Winke, winke (Jary/Balz)
01.2. Qui Madame (Jary/Balz)
01.3. Meine Mutti (Jary/Balz)
01.4. Heute liegt was in der Luft (Jary/Balz)
01.5. Zwei Herzen im Mai (Jary/Balz)
01.6. Der Onkel Jonathan (Jary/Balz)

02. Valse-Medley 6.15
02.1. Liebe ist ja nur ein Märchen (Jary/Balz)
02.2. Unter den tausend Laternen (Jary/Heckfeld)
02.3. Lebe wohl, du schwarze Rose (Jary/Balz)
02.4. Der kleine Liebesvogel (Jary/Balz)
02.5. Leise rauscht es am Missouri (Jary/Balz)
02.6. Wir wollen niemals auseinandergehn (Jary/Balz(de Voss)

03. Fast-Medley 5.05
03.1. Ich möcht‘ auf deiner Hochzeit tanzen (Jary/Balz)
03.2. Wenn ich will, stiehlt der Bill für mich Pferde (Jary/Balz)
03.3. Er heißt Waldemar (Jary/Balz)
03.4. Das kann doch einen Seemann nicht erschüttern (Jary/Balz)
03.5. Das Karussell (Jary/Beckmann)
03.6. Robinson (Jary/Balz)

04. Slow-Beguin-Medley 5.53
04.1. Greif nicht nach den Sternen (Jary/Balz)
04.2. Durch dich wird die Welt erst schön (Jary/Pinelli)
04.3. Sing, Nachtigall, sing (Jary/Balz)
04.4. Das machen nur die Beine von Dolores (Jary/Balz)
04.5. Roter Mohn (Jary/Balz)

05. Blues-Walzer-Medley 5.40
05.1. Virginia-Blues (Jary/Balz)
05.2. Wenn der Herrgott will (Jary/Schwabach)
05.3. Valse Musette (Jary)
05.4. Das letzte Hemd (Jary/Stani)
05.5. Davon geht die Welt nicht unter (Jary/Balz)

06. Swing-Medley 5.56
06.1. Mäckie-Boogie (Jary/Balz)
06.2. Haben sie schon mal im Dunkeln geküßt? (Jary/Beckmann)
06.3. Optimisten-Boogie (Jary/Balz)
06.4. Allerdings, sprach die Sphinx (Jary/Schwabach)
06.5. Ausgerechnet du (Jary/Scheu)
06.6. Rio Mambo (Jary/Balz)

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Wer damals sich wohl einbildete, ein guter Gastgeber für ne Hausparty zu sein, der servierten seinen Gästen natürlich einen Cocktail