Renate Holm – Lied der Nachtigall + 2 (1964)

FrontCover1Sie hatte früher wohl einen glänzenden Ruf:

Renate Holm, geborene Renate Franke, auch Renate Haase (* 10. August 1931 in Berlin) ist eine deutsch-österreichische Opernsängerin (Lyrischer Sopran, Koloratursopran) und Schauspielerin.

Geboren als Renate Franke wuchs Renate Holm in Berlin auf. Inspiriert durch eine Verfilmung von Puccinis Madama Butterfly mit Maria Cebotari fasste sie als Zwölfjährige den Vorsatz, Opernsängerin zu werden. Sie und ihre Mutter wurden aus dem zerbombten Berlin in den Spreewald evakuiert. Dort verlebte sie ihre Jugend in Ragow, wo ihre Mutter Bürgermeisterin und Standesbeamtin war, und in Lübben, wo sie dem Schul- und Kirchenchor angehörte und die Paul-Gerhardt-Schule besuchte.[1] Sie arbeitete zunächst als Zahnarzthelferin, um das Geld für die Gesangsausbildung zu verdienen. Sie studierte privat bei Maria Ivogün, Waltraud Waldeck und Maria Hittorf. Ihre Mutter meldete sie zum Gesangswettbewerb beim ehemaligen Rundfunksender RIAS an, bei dem sie souverän den ersten Platz belegte. Von diesem Zeitpunkt an nannte sie sich Renate Holm, da es eine Schlagersängerin namens Renée Franke gab, was zu Verwechslungen führte.

Renate Holm01Sie wirkte in mehreren Musik- und Heimatfilmen mit und erreichte damit erhebliche Popularität; Operettenaufnahmen und Rundfunkauftritte trugen wesentlich zu ihrer Bekanntheit bei. 1957 wurde sie von Hubert Marischka an die Wiener Volksoper engagiert, wo sie als Helene in Oscar Straus’ Walzertraum debütierte und wo sie damals gerade 300 Mark im Monat verdiente. Der große Durchbruch gelang ihr mit ihrem Wechsel zur Wiener Staatsoper im Jahre 1961, deren Ensemble sie von 1964 bis 1991 angehörte. Unter der Leitung von Herbert von Karajan eilte sie von Erfolg zu Erfolg und stand unter seiner Stabführung u. a. mit Luciano Pavarotti und Mirella Freni in La Bohème auf der Bühne der Salzburger Osterfestspiele[2]. Sie sang in fast allen Opernhäusern der Welt an der Seite großer Namen. Zu ihren häufigsten Gesangspartnern zählten Rudolf Schock, Fritz Wunderlich, Hermann Prey sowie Peter Minich. Besonders bekannt wurde sie als Adele in der Fledermaus-Verfilmung von Otto Schenk, die mehrere Jahre zu Silvester im ORF lief.

Ihr künstlerische Tätigkeit währt über 50 Jahre, die ganze Zeit hindurch hielt sie der Wiener Staats- und Volksoper die Treue. Renate Holm lebt seit Jahrzehnten in Österreich, wo sie 1971 zur österreichischen Kammersängerin ernannt wurde (Antrag: Wiener Staatsoper). Ihr Repertoire reicht von den Meistern der Opernliteratur bis zum modernen Musiktheater, von der Operette bis zum konzertanten Arien- und Liedgesang. Eine ihrer Spezialitäten ist das künstlerische Wienerlied. Ihre Operettenaufnahmen entstanden nicht nur für Plattenfirmen wie EMI, Decca und Polydor, sondern auch für den Rundfunk. Vor allem im WDR Köln kamen mit dem Dirigenten Franz Marszalek viele Aufnahmen zustande, darunter ausgesprochene Raritäten wie Wenn Liebe erwacht von Eduard Künneke.

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1986 und 1987 war sie auf Vorschlag von Gerhard Gutruf Präsidentin des Weinviertler Kultursommers (1982–1997) und leitete im Rahmen dieser Veranstaltungsreihe ihre ersten Gesangsseminare in der Schloßmühle in Altenmarkt im Thale.[4]

Auch heute gibt Renate Holm noch viele Konzerte; sie tritt bei Festivals auf (darunter die Elblandfestspiele Wittenberge in Deutschland) und spielte 2006 im Theater in der Josefstadt in Wien (Kammerspiele) die Rolle der Viktoria in Mich hätten Sie sehen sollen (Premiere: 21. September 2006). Außerdem ist sie eine gefragte Gesangslehrerin. Holm war Vorsitzende der Fachjury des Internationalen Gesangswettbewerbes für Operette Jan Kiepura / Paul Lincke und hatte die künstlerische Schirmherrschaft der Elblandfestspiele in Wittenberge (Deutschland) inne. Seit 2009 ist sie Kuratoriumsvorsitzende der Europäischen Kulturwerkstatt (EKW) in Berlin.

Sie lebt sowohl in Wien-Döbling als auch in ihrer im Jahr 1966 erworbenen 350 Jahre alten Wassermühle (Schlossmühle) im niederösterreichischen Altenmarkt im Thale. Dort finden seit Jahren kulturelle Veranstaltungen statt.

1965 ehelichte sie den Berliner Verleger Horst-Wolfgang Haase, mit dem sie sieben Jahre verheiratet war. (wikipedia)

Renate Holm03

Hier drei Aufnahmen, über die sich meine Mutter wohl sehr gefreut hätte … Meine Freude hält sich da allerdings in Grenzen, aber eines muss man der Dame lassen, wie sie ihre Stimme in schwindelerregende Höhen schreiben kann, ist schon beeindruckend !

BackCover1

Besetzung:
Renate Holm (vocals)
+
Die Berliner Symphoniker unter der Leitung von Werner Eisbrenner

Renate Holm04

Titel:
01. Lied der Nachtigall (Grothe/Dehmel) 3.39
02. Musikant, Musikant wo ist deine Heimat (Stolz/Reisch) 3.37
03. Ein Schwipserl möcht‘ ich haben (Marischka/Straus) 3.58

LabelB1

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Hüllentext

Sœur Sourire ‎– Die belgische Dominikanerin singt Chansons (1964)

FrontCover1Das ist mal wieder so ein Zufallsfund, bei dem man sich erstmal so gar nichts denkt und dann aber, ob dieser tragischen Biographie einfach innehalten muss:

Sœur Sourire (deutsch „Schwester des Lächelns“) (* 17. Oktober 1933 in Wavre bei Brüssel; † 30. März 1985 ebenda; eigentlich Jeanne-Paule (Jeanine) Marie Deckers) war eine belgische Nonne des Dominikanerinnenordens und Chansonsängerin.

Jeanine Deckers wurde als ältestes von vier Kindern des Ehepaars Lucien und Gabrielle Deckers geboren. Während des Zweiten Weltkrieges wohnte Familie Deckers im besetzten Paris, wo ihr Vater als Mitglied der Résistance gegen die Besatzung kämpfte.

Im Jahr 1945 kehrte die Familie nach Belgien zurück, wo sie sich in Saint Henri niederließen. Dort ging Deckers zur Schule. 1953 kehrte sie nach Paris zurück, um die Mary Art School zu besuchen. Als Zeichenlehrerin ausgebildet, kehrte sie an eine Mädchenschule in Brüssel zurück.

Im Jahr 1959 trat sie in den Orden der Dominikanerinnen ein und nahm den Namen Luc-Gabrielle (Vornamen der Eltern) an. Eines der wenigen privaten Dinge im Konvent von Fichermont bei Waterloo war eine Gitarre; spielen lernte sie aber erst im Kloster. Als Deckers in der Jugendarbeit tätig wurde, lernte sie nicht nur das Instrument zu spielen, sondern bald auch einfache Lieder zu texten und zu komponieren.

Sœur Sourire02Ein Lied über den Ordensgründer Dominikus wollte Deckers ihrem Kloster und ihrer Oberin zum Geschenk machen. Eine komponierende und singende Nonne war damals ein absolutes Novum. Mit Erlaubnis der Oberin wurde ihre Komposition Dominique 1963 unter dem Pseudonym Sœur Sourire (bzw. in englischsprachigen Ländern als The Singing Nun) veröffentlicht und professionell vermarktet. Innerhalb kürzester Zeit erreichte das einfache Lied weltweit die Spitze der Hitparaden. In den USA führte das Lied vier Wochen die Charts an. Da Deckers beim Eintritt in das Kloster das Armutsgelübde abgelegt hatte, flossen die Einnahmen, die nicht vertragsgemäß an ihre Schallplattenfirma Philips gingen, an den Orden bzw. das Kloster.

Sœur Sourire03Ihre Popularität führte dazu, dass im Jahr 1966 in Hollywood ein Film produziert wurde, dessen Handlung durch das Leben von Jeanine Deckers inspiriert worden ist. Debbie Reynolds spielte die Hauptrolle in dem Film Dominique – Die singende Nonne (The Singing Nun). Aufgrund dieses Films kam es zum endgültigen Bruch Deckers mit ihrem Orden. Nach längerem Streit um die Einnahmen aus ihren Kompositionen trat Deckers aus dem Kloster aus. Unter dem Namen Luc Dominique versuchte sie in der Folge, als Chansonette in der Musikbranche Fuß zu fassen, allerdings ohne Erfolg.

Anfang der siebziger Jahre zog sich Jeanine Deckers komplett ins Privatleben zurück. Die Regenbogenpresse berichtete über ihre eingestandene Tablettensucht und ihre lesbische Lebensweise. Es folgte ein jahrelanger Rechtsstreit mit dem belgischen Finanzamt, das hohe Steuernachzahlungen forderte. Die Millioneneinnahmen hatte sich Deckers bei der Abtretung an Kloster und Orden nicht quittieren lassen; diese erklärten sich später als nicht zuständig und schwiegen. Um ihre Schulden zu tilgen, versuchte Deckers im Jahr 1980 noch einmal ein Remake des Hits Dominique. Doch auch dies scheiterte. Ihrer Schulden wegen wurde auch das von Deckers gegründete Heim für autistische Kinder geschlossen.

Am 30. März 1985 begingen Jeanine Deckers und ihre Lebensgefährtin Annie Pécher mit Schlaftabletten in ihrem Haus in Wavre, in der Nähe von Brüssel, gemeinsam Suizid. Die Kirche erfüllte den letzten Wunsch der beiden Frauen auf ein gemeinsames Grab auf dem Friedhof von Wavre.

Im Jahre 2009 erschien eine belgisch-französische Filmbiographie Soeur Sourire mit Cécile de France in der Hauptrolle, die ihr Leben allerdings nur ungenau nachzeichnete. (Quelle: wikipedia)

Sœur Sourire01

Sœur Sourire in ihren weltlichen Jahren

Der Tod von Sœur Sourire war dann sogar dem „Spiegel“ eine Meldung wert:

„Soeur Sourire“, 52. Eine singende Nonne stürmt mit frommen Liedern den Schlagerhimmel, legt – vom Erfolg überwältigt – den Schleier ab, der Ruhm verläßt sie, sie stürzt in Armut und Vergessenheit, am Ende: Selbstmord – ein Leben aus lauter Legenden. Wundersam begann schon die Karriere der „lächelnden Schwester“ aus dem belgischen Dominikanerkloster Fichermont bei Waterloo: 1960, zur Weihnachtszeit versteht sich, fahren in einem alten Citroen vier Nonnen vor dem Brüsseler Plattenstudio von Philips vor. Die frommen Klosterdamen wollen ein paar Lieder auf eigene Kosten aufnehmen lassen und sie als Schallplatten ihren Mitschwestern zuschicken, die im Kongo missionieren. Die Plattenprofis überkommt heiliges Staunen: Die bebrillte Schwester Sourire singt zur Gitarre mit so glockenreiner Stimme, daß sich – so erkennen die Produzenten – damit gutklingende Schlagermünze machen ließe. Der Orden läßt Sœur Sourire04sich von den Werbeleuten überreden, innerhalb weniger Wochen wird „Dominique“ auf den Markt gebracht und ein Riesenhit. Die fromme Einfältigkeit des Ohrwurms („Guter Vater Dominikus, bewahre uns unsere Bescheidenheit und Fröhlichkeit“) verdrängt Elvis‘ Schnulzen von der Spitze der Hitparaden. 800 000 Platten werden verkauft. Der Orden, dem zum größten Teil die Tantiemen der Soeur Sourire zufließen, verdient gut, aber der Rummel stört die Ruhe. Fans reißen unaufhörlich an der Klosterglocke, um die singende Nonne zu sehen. Die Mutter Oberin nimmt Anstoß an den Texten der ihr anvertrauten Klosterdame: Es sei da manches zu „kavaliersmäßig“ und „oberflächlich“. Doch die Lächelschwester singt unverdrossen weiter: von Gott, den sie „in einer kleinen weißen Muschel gefunden“ hat. Als dann noch Hollywood einen Film über die singende Dominikanerin dreht, kommt es zum Bruch: Die „Twist“-Nonne („Paris Match“) verläßt das Kloster, nimmt sich in Leuven zusammen mit einer Freundin eine Wohnung und will nun alleine an ihren frommen Liedern verdienen. Ihr Pech: Heiliges ist out, die Beatles sind da. Es nützt auch nichts, daß „Luc Dominique“, wie sich die Nonne nun nennt, Gott singend für die Pille dankt. Es wird still um die Schwester. Soeur Sourire, die bürgerlich Janine Deckers heißt, nähert sich wieder der Kirche an und gründet ein Heim für autistische Kinder, das sie im letzten Jahr aus Geldmangel wieder schließen muß. Wohl nicht zuletzt deswegen nahm sie sich zusammen mit ihrer Freundin vergangenen Samstag in Wavre mit einer Überdosis Schlaftabletten das Leben. (Spiegel Nr. 15/1985)

Man muss diesen schlichten religiösen Liedchen (der Begriff Chanson ist ganz sicher nicht zutreffend) wahrlich nicht mögen, aber eins ist ganz sicher: Janine Deckers war eine verdammt tapfere und mutige Frau.

Jeanine Deckers und Anni Pécher

Gib eine Beschriftung ein

Besetzung:
Sœur Sourire (vocals, guitar)

BackCover1Titel:
01. Halleluja (Alleluia) 3.03
02. Dominikus (Dominique) 3.12
03. Unter all die Sterne… (Entre Les Étoiles) 3.21
04. Maiglöckchen (Fleur De Cactus) 1.58

Musik und Text: Sœur Sourire

LabelA1

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Grabstätte

Grab von Jeanine Deckers und Anni Pécher auf dem Friedhof von Wavre

Als Bonus im Päckchen enthalten noch ein Portrait der Sängerin von Ingeborg Schober aus dem Buch „Pop Tragödien“ (Wien, 2004)

Buchtitel

Nikolaus Harnoncourt – Concentus Musicus Wien – Brandenburgische Konzerte (1964)

FrontCover1Für mich ein zentrales Werk im Schaffen des Johann Sebastian Bach:

Die Brandenburgischen Konzerte sind eine Gruppe von sechs Instrumentalkonzerten von Johann Sebastian Bach (BWV 1046–1051). Die erhaltene Partitur von 1721 ist dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt (1677–1734) gewidmet, den Bach im Winter 1718/1719 in Berlin kennengelernt hatte.

Der Titel Brandenburgische Konzerte wurde von Philipp Spitta in seiner 1873–1879 verfassten Bach-Biografie geprägt und hat sich heute allgemein durchgesetzt. Bachs Originaltitel lautet „Sechs Konzerte mit mehreren Instrumenten“, auf Französisch:

Six Concerts Avec plusieurs Instruments.
Dediées A Son Altesse Royalle Monsigneur
CRETIEN LOUIS. Marggraf de Brandenbourg &c:&c:&c:
par Son tres-humble & tres obeissant Serviteur
Jean Sebastien Bach, Maitre de Chapelle de S. A. S.
Prince regnant d’Anhalt-Coethen.

Auf der Rückseite des Titelblatts folgt eine Widmung an den Markgrafen, ebenfalls in französischer Sprache.

Die sechs Konzerte weisen eine hohe stilistische und strukturelle Vielfalt auf. In ihrer Mischung der verschiedenen historischen und zukunftsweisenden Elemente bilden sie eine persönliche und trotzdem allgemeingültige Ausdrucksform.

Als Bach 1721 die Partitur der sechs Konzerte an den Markgrafen von Brandenburg-Schwedt schickte, hatte er die Werke zu diesem Anlass nicht eigens komponiert. Vielmehr hatte Bach die Sammlung aus Kompositionen zusammengestellt, die nicht alle erst in Köthen, sondern zum Teil wohl bereits in seiner Weimarer Amtszeit (1708–1717) entstanden waren.

Briefmarke

Es ist davon auszugehen, dass Bach die am Köthener Hof entstandenen Werke nur mit Erlaubnis seines Arbeitgebers Fürst Leopold einem anderen Fürsten widmen durfte.[1] Doch besteht kein Grund, an dessen Einverständnis zu zweifeln – von ihm kann sogar die Initiative ausgegangen sein, da er nur ein halbes Jahr zuvor dem Fürsten schon einen kristallenen Kronleuchter hatte überreichen lassen.

In Köthen begann Bach, seine Kompositionen zu umfangreichen Zyklen zusammenzustellen, die Ordnungsprinzipien folgten, wie etwa planvolle Abfolgen von Tonarten oder Einzelsätzen – Beispiele sind das Wohltemperierte Clavier oder die Englischen und Französischen Suiten. Von einer derartigen durchgehenden Gestaltung eines Zyklus ist bei den Brandenburgischen Konzerten aber noch nichts zu bemerken – außer in dem Bestreben, jedes damals gängige Instrument mit einer – in vielen Fällen auch solistischen – Partie zu bedenken.

Von fünf der Konzerte sind Abschriften unabhängig von der Widmungspartitur erhalten;

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Christian Ludwig, Markgraf von Brandenburg-Schwedt

keine davon enthält aber mehrere Werke. Man darf davon ausgehen, dass Bach die Sammlung nur für die Widmungspartitur zusammenstellte und die Einzelkonzerte weder davor noch danach als zusammengehörig betrachtete. Die Konzerte bilden also nur eine lose Sammlung ohne jeden Versuch einer weiteren Gestaltung als eine Gesamtheit – Bach wäre es wohl nicht in den Sinn gekommen, die Konzerte zusammen aufzuführen. Eine Gegenthese ist in der aktuellen Inszenierung in Graz vorhanden. Dass Bach in diesem Zyklus die Tugenden barocker Fürsten im Gewand der Mythologie verherrlicht haben könnte, ist keine neue, aber eine ausgesprochen reizende Idee: Der Fürst als Jäger (1), Krieger (2), Musenfürst (3), der Fürst als Hirte seines Volkes (4), Liebhaber (5) und Gelehrter (6). Die Jagdhörner der Diana, die Flöten des Pan, die Geige des Apollo und die neun Musen mit ihren Streichinstrumenten sind ja offensichtliche Anspielungen. Stefan Gottfried schöpft aus diesem Schatz antiker Symbolik, wenn er die „Brandenburgischen“ bei der Styriarte neu interpretiert.

Umgekehrt zeigt sich Bachs sorgfältige Arbeit und damit die Wertschätzung, die er den Konzerten entgegenbrachte, in der Überarbeitung vieler Details der zugrundeliegenden Partituren – etwa die feine Differenzierung der Partien von Violoncello, Violone und Continuo, die er oft mit getrennten Stimmen bedenkt. Auch die gründliche Schreibweise der Partitur lässt sein Engagement für das Werk deutlich erkennen: Die Taktstriche sind fast ausnahmslos mit dem Lineal gezogen. Bach mag sich von der Widmung den Titel eines Hofkapellmeisters und die damit verbundenen lukrativen Kompositionsaufträge versprochen haben.

Neben dem Widmungsexemplar besaß Bach von den einzelnen Konzerten auch Kompositionspartituren, die er in einigen Fällen für spätere Fassungen, etwa als Einleitungssinfonien in Kantaten, nutzte. Keine dieser Kompositionspartituren ist erhalten. Indizien sprechen dafür, dass sein Sohn Carl Philipp Emanuel von einigen Konzerten Abschriften besaß und diese Musik in Berlin bekannt machte. Die Widmungspartitur lag zunächst bis 1850 unentdeckt in der Bibliothek des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt und dann in der Königlichen Bibliothek in Berlin (heute Staatsbibliothek zu Berlin). Sie wurde erst bei Erscheinen der Bach-Gesamtausgabe allgemein bekannt.

Original Deckblatt

Das Original Deckblatt der Kompositionen von Bach löst bei mir schon ganz viel Ehrfurcht aus

Die Konzerte sind hochgradig individuell in Instrumentation und allen kompositorischen Details. Dennoch lassen sich stilistisch einzelne Gruppen unterscheiden:

Das erste und dritte Konzert folgen der Form einer italienischen Ouvertüre aus Konzertsatz, langsamem Mittelsatz und Tanz – das erste Konzert in seiner Urform BWV 1071 ist wohl auch als eine solche Ouvertüre verwendet worden. Die langsamen Sätze enden hier jeweils mit einem phrygischen Halbschluss. Beide Konzerte vertreten deutlich die ältere Form eines Gruppenkonzerts, in dem nicht solistische Instrumente einem Orchester, sondern Orchestergruppen einander gegenübergestellt werden. Dabei erhalten aber auch hier die Stimmführer der einzelnen Instrumentalgruppen Gelegenheit, solistisch hervorzutreten. Nach heutigem Forschungsstand sind die beiden Werke sicher vor 1715, also noch in Weimar, geschrieben worden.
Das fünfte und sechste Konzert sind die stilistischen Extreme der Sammlung; aus heutiger Sicht können sie aber durchaus in zeitlicher Nähe entstanden sein, wohl 1718/1719. Bach gelingt es hier, innerhalb der dreisätzigen italienischen Konzertform und mit ihren Mitteln deutlich auf einen bestimmten Nationalstil anzuspielen: Im fünften Konzert ist es der zeitgenössischen höfischen französischen Musik, im sechsten Konzert die Musik der Generation von Bachs deutschen Vorgängern, so dass das sechste Konzert lange als das älteste des Zyklus angesehen werden konnte.

OriginalNoten

Beide Konzerte setzen drei Soloinstrumente ein, stellen diesen aber nur ein sehr kleines, dreistimmiges Tutti gegenüber: Im fünften in der Urfassung nur Violine, Viola und Violone (was Bach später durch ein Violoncello ergänzte, nicht aber um eine zweite Violine); im sechsten besteht die Begleitung nicht einmal aus Instrumenten der Violinfamilie, sondern aus zwei Gamben und Violone. In beiden Werken wird der Mittelsatz von den Soloinstrumenten alleine oder mit Continuo bestritten.
Das zweite und vierte Konzert stellen eine kleine Gruppe von Soloinstrumenten einem Streichorchester gegenüber und repräsentieren damit die moderne Form eines Konzerts für mehrere Soloinstrumente; hier sind die Schlusssätze immer mehr oder weniger voll ausgebaute Fugen. Auffällig ist, dass jeweils das Instrument, das die Ecksätze dominiert (Trompete im zweiten, Violine im vierten Konzert), im Mittelsatz ganz schweigt oder auf eine rein begleitende Funktion reduziert ist; Bach legte offenbar noch andere Maßstäbe an als eine aus heutiger Sicht saubere Trennung instrumentaler Funktionen. Das zweite und vierte Konzert dürften aus heutiger Sicht die jüngsten der Sammlung sein, dies legt bereits die geringe Zahl an Korrekturen in der Widmungspartitur nahe.

Wenig bekannt sind Max Regers Bearbeitungen der Brandenburgischen Konzerte für Klavier zu vier Händen (1905) (wikipedia)

Und hier die Interpretation von Nikolaus Harnoncourt und seinem Concentus Musicus Wien (veröffentlicht in einer schicken Box mit ausführlichen Begleittexten)

Nikolaus Harnoncourt (* 6. Dezember 1929 in Berlin; † 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau; eigentlich Johann Nikolaus Harnoncourt, adelshistorisch auch als Johann Nikolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt bekannt) war ein österreichischer Dirigent, Cellist, Musikschriftsteller und einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis

Alice+Nikolaus Harnocourt

Alice & Nikolaus Harnoncourt

Für mich eine ganz und gar überzeugende Darbietung, die natürlich gewiss ein wenig gewöhnungsbedürftig ist, denn die Verwendung von „historischen Musikinstrumente“ mag angesichts des doch ein wenig veränderten Klangspektrums, verwirren.

Ich hätte mir von Herrn Harnoncourt mehr erwartet. Das Orchester müht sich durch die einzelnen Sätze und ich habe immer den Eindruck, dass es bei jedem Stück eine Aufwärmzeit brauchen, bis es richtig spielt. Leider springt nie der Funke gleich von Beginn an über. Erst nach 5 /6 Takten ist das Orchester im Werk. Da gibt es wirklich konzentriertere und dadurch bessere Aufnahmen (Martin)

Aber:
Hier zeigt sich, dass zupackende Sinnlichkeit und das Bewusstsein für die historischen Bedingungen und Parameter eines Werks sich nicht ausschließen. Wie die Streicher zum Beginn des Dritten schwingen und weich auslaufen, widerspricht allen Klischees trockener Aufführungspraxis.« (Fono Forum 05 / 16)

Concentus Musicus Wien

Concentus Musicus Wien

Dem schließe ich vorbehaltslos an !

Na ja, und weilich´s nicht lassen kann, gibt´s dann am Ende dann noch die Version „Brandenburger“ von The Nice mit dem großartigem Keith Emerson an der Orgel. Denn just diese Fassung hat mich damals  dazu bewegt, mich diesem Werk von Bach zu nähern.

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Besetzung:
Georg Fischer (harpsichord)
Hans Fischer (horn)
Otto Fleischmann (bassoon)
Siegfried Führlinger (violin)
Alice Harnoncourt (violine, violino piccolo)
Nikolaus Harnoncourt (cello, viola da gamba)
Walter Holy (trumpet)
Eduard Hruza (violone)
Ernst Knava (viola da gamba)
Stefan Plott (violine)
Hermann Rohrer (horn)
Jürg Schaeftlein (oboe)
Josef de Sordi (violin)
Leopold Stastny (flute)
Kurt Theiner (viola)

Musikalische Leitung: Nikolaus Harnoncourt

Booklet02A

Titel:

LP 1:

Concerto 3 G-dur, BWV 1048:
01. Allegro 6.20
02. Adagio 0.30
03. Allegro 5.00

Concerto 1 F-dur, BWV 1046:
04. Allegro 4.22
05. Adagio 4.31
06. Allegro 4.40
07. Menuet – Trio – Menuet – Polonaise 9.16

Concerto 4 G-dur, BWV 1049:
08. Allegro 7.30
09. Andante 4.08
10. Presto 5.01

LP 2:

Concerto 6 B-dur, BWV 1051:
01. Allegro 5.53
02. Adagio Ma Non Troppo 4.47
03. Allegro 6.08

Concerto 5 D-dur, BWV 1050:
04. Allegro 11.07
05. Affetuoso 6.04
06. Allegro 5.53

Concerto 2 F-dur, BWV 1047:
07. Allegro 6.25
08. Andante 3.47
09. Allegre Assai 3.34
+
The Nice: Brandenburger (1969; studio version) 4.24

Musik: Johann Sebastian Bach

LabelD1

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Wolfgang Dauner Trio – Dream Talk (1964)

FrontCover1Nun ist er von uns gegangen, der Wolfgang Dauner:

Wolfgang Dauner hatte bereits als Kind Klavierunterricht und studierte 1958 kurzzeitig Trompete und Komposition an der Musikhochschule Stuttgart. Als Jazzmusiker ist er weitgehend Autodidakt. Nach Aufnahmen bei Joki Freund und in einem Studio-Trio mit u. a. Kurt Bong gründet er 1963 sein eigenes Klaviertrio mit dem Bassisten Eberhard Weber und dem Schlagzeuger Fred Braceful, das bis Anfang der 1970er bestand. Dauner war damit in europäischen Polls unter den Dauersiegern und bei allen wichtigen Festivals präsent (z. T. mit bizarren Happenings). 1971 entstand aus diesem Trio die Band Et Cetera, in der die Musiker – Dauner auch auf dem Moog-Synthesizer – 1972 auch gemeinsam mit Larry Coryell und Jon Hiseman die Übergänge zwischen freiem und Rockjazz erkundeten.

1969 wurde Dauner für 15 Jahre Leiter der Radio Jazz Group Stuttgart, die u. a. mit Terje Rypdal, Zbigniew Seifert, Jean-Luc Ponty oder Chick Corea beachtliche Rundfunkaufnahmen produzierte. 1975 gründete Dauner, aus seiner Tätigkeit für das Fernsehen heraus, mit anderen europäischen Jazzmusikern das United Jazz and Rock Ensemble. Auch in weiteren Formationen (Duo, Quintett, All-Star-Gruppen wie Old Friends) trat er häufig mit Albert Mangelsdorff auf. 1976 spielte er mit Peter Herbolzheimer auf der ZDF Jazz Gala. Daneben trat er auch mit Charlie Mariano, z. T. auch im Trio gemeinsam mit Dino Saluzzi, auf.

WolfgangDauner3

Dauner war in den 1960ern Begleiter wichtiger nordamerikanischer Jazzmusiker (z. B. Benny Bailey, Leo Wright oder Robin Kenyatta) und unterstützte Marika Rökk, Zarah Leander und Lale Andersen auf ihren Tourneen. Seit 1986 war er wiederholt Produzent und musikalischer Leiter bei Konstantin Wecker. Seit den 1970ern arbeitete er an Kinder- und Jugendsendungen für das Fernsehen, wie der Sendung mit der Maus, Päng und 1974 der Serie Glotzmusik, „eine wunderbar witzige und poetische Einführung in die Musik, die ihm den Titel eines ‚Mozarts der Kindermusik‘ eingetragen hat“ (Zitat jazzpages). Er komponiert außerdem für Film, Fernsehen und Hörspiel. Gemeinsam mit Albert Mangelsdorff war er im künstlerischen Beirat der Union Deutscher Jazzmusiker.

Er gilt als kreativer Keyboarder und Komponist, der grenzüberschreitend tätig ist. Bei ihm gibt es keine Trennung zwischen E- und U-Musik, zwischen neuer und alter Welt. Zu seinen Einflüssen zählen Bill Evans, Lennie Tristano, John Coltrane und Sonny Rollins.

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Wolfgang und Florian Dauner

Dauner ist verheiratet mit der Kostümbildnerin Randi Bubat, die auch seine Managerin ist. Sein Sohn Florian Dauner spielt als Schlagzeuger unter anderem bei den Fantastischen Vier.

2014 veröffentlichten Vater und Sohn ein erstes gemeinsames Album. (Quelle: wikipedia)

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Zur Erinnerung eines seiner ganz frühen Aufnahmen:

Eine der ganz frühen deutschen Jazzaufnahmen, bei denen die avantgardistische Seite des Jazz schon ein kleines Pflänzchen war. Auf der website von Wolfgang Dauern erinnert man sich daran:

„Ein Trio, das Außergewöhnliches in sich trägt, ein Dialog der Generationen. Das Zentrum des Geschehens bildet Wolfgang Dauner. Der Stuttgarter Pianist und Komponist ist einer der maßgeblichen Geburtshelfer einer eigenständigen europäischen Jazzentwicklung. Damit wurde er zu einem der wenigen deutschen Jazz-Stars, deren Wirken auch international mit größter Aufmerksamkeit verfolgt wird. Mit dem für CBS produzierten Album „Dream Talk“ des Wolfgang Dauner Trios erfolgte 1964 der große Durchbruch. Weitere Meilensteine und Ausrufezeichen ließen nicht lange auf sich warten: Die später Wolfgang Dauners Et Cetera genannte Kleinformation war eine deutsche Weiterentwicklung des für die gesamte Jazzentwicklung typischen und wegweisenden Klaviertrios. Das Wolfgang Dauner Trio besticht durch seine unterschiedlichen Besetzungen, die immer wieder Maßstäbe in der Jazz-Geschichte setzen: Dem ersten Wolfgang Dauner Trio mit Eberhard Weber am Bass und Fred Braceful am Schlagzeug folgten weitere, etwa mit den Drummern Pierre Favre und Roland Wittich, dem Bassisten Dieter Ilg, dem Saxofonisten Charlie Mariano und dem Bandoneonisten Dino Saluzzi.

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Wolfgang Dauner Trio, 1964 (Fred Braceful – Eberhard Weber – Wolfgang Dauner)

Die konzentrierte Kommunikation der Trio-Formation zieht sich als Rückgrat durch die komplette Entwicklung Dauners, einige der zentralen Aufnahmen dieses Ausnahmekünstlers entstanden in dieser Besetzung, etwa das 1970 auf Manfred Eichers Label ECM veröffentlichte Album „Output“, oder auch die grandiosen Kollaborationen mit den Gitarristen Martin Kolbe und Ralf Illenberger, erschienen als „Live Kid“ (1980 auf Mood Records) und „Kid – Second Step“ (1985, ebenfalls auf Mood Records). Nach wie vor ist das Wolfgang Dauner Trio ein Pool kreativer Talente zur Erforschung der künstlerischen Möglichkeiten dieser Konstellation: Im Trio findet sich die Idee einer Jazzband auf das Wesentliche reduziert, wodurch der Freiraum für eine intensive, emphatische Interaktion auf Augenhöhe entsteht. So kann man sicher sein: Ein Konzert des Wolfgang Dauner Trios bleibt eine unvergessliche Erfahrung.“

Und produziert wurde dieses frühe Meisterwerk von keinem geringerem als Horst Lippmann !

Und heute musste ich halt lesen:

Der Jazzmusiker Wolfgang Dauner ist tot. Der Pianist und Komponist starb in Stuttgart nach längerer Krankheit im Alter von 84 Jahren, wie seine Frau bestätigte.

WolfgangDauner

Wolfgang Dauner

Besetzung:
Fred Braceful (drums)
Wolfgang Dauner (piano)
Eberhard Weber (bass)

BackCoverTitel:
01. Dream Talk (Dauner) 7.12
02. Bird Food (Coleman) 4,31
03. A Long Night (Dauner) 5.33
04. Dämmerung (Dauner) 5.42
05. Zehn Notizen (Dauner) 5.43
06. Soul Eyes (Waldron) 4.01
07. Free Fall (Dauner) 3.40
08. Yesterdays (Kern/Harbach) 6.35

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Alternative Frontcover

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Wolfgang Dauner (* 30. Dezember 1935 in Stuttgart; † 10. Januar 2020 ebenda)

Kölner Rundfunk Sinfonie Orchester – Schwarzwaldmädel + Der Vogelhändler (1964)

FrontCover1Nun wieder etwas für die Freunde fröhlicher Operettenklängen, dargeboten von dem Kölner Rundfunk Sinfonie Orchester (WDR) unter der Leitung von Franz Marszalek

Franz Marszalek (* 2. August 1900 in Breslau (Schlesien); † 28. Oktober 1975 in Köln) war ein deutscher Dirigent und Komponist.

Marszalek studierte in Breslau. Nach ersten Jahren musikalischer Tätigkeit in Schlesien (als Kino- und Theaterdirigent und als Kapellmeister bei der Schlesischen Funkstunde AG, dem Breslauer Rundfunk) war er ab 1933 in Berlin als Dirigent und gefragter Arrangeur (auch für den Tonfilm) tätig. In den Kriegsjahren arbeitete er beim „Reichsrundfunk“.

Von 1949 bis 1965 war er der Dirigent des Kölner Rundfunkorchesters. Mit diesem Orchester setzte er beim Westdeutschen Rundfunk Köln (WDR) Akzente im Bereich der Operette, der leichten Klassik und gehobenen Unterhaltungsmusik; so pflegte er beispielsweise intensiv das Werk seines Freundes Eduard Künneke. Ganz besonders setzte er sich auch für die von ihm sehr geschätzten Leo Fall und Walter Wilhelm Goetze ein. Er legte frühe Gesamtaufnahmen von Der Zigeunerbaron und Karneval in Rom (Johann Strauss (Sohn)), Das Land des Lächelns und Paganini (Franz Lehár) sowie Liebe im Dreiklang (Walter Wilhelm Goetze), allesamt mit Peter Anders, vor. Marszalek galt als „wandelndes Operettenlexikon“. Sein Können und seine Kenntnisse auf diesem Gebiet sind unerreicht.

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Franz Marszalek

Seine Einspielungen, die durch natürliche Lebendigkeit und hohe Qualität hervorstechen, gehören auch heute noch zum Repertoire des Hörfunks. Zu den von ihm häufig eingesetzten Künstlern gehören u.a. Anny Schlemm, Franz Fehringer, Herta Talmar, Renate Holm, Ingeborg Hallstein, Sándor Kónya, Heinz Hoppe, Rita Bartos, Willy Hofmann, Benno Kusche, Willy Schneider und Herbert Ernst Groh. Für das Fernsehen betreute Marszalek in den späten fünfziger und frühen sechziger Jahren die Musikaufnahmen etlicher Operettenproduktionen (u.a. mit dem jungen Fritz Wunderlich). Nicht nur im Rundfunk und Fernsehen, sondern auch in der Schallplattenindustrie war Franz Marszalek tätig. Das Label Polydor der Deutschen Grammophon veröffentlichte in den 1950er und 1960er Jahren Dutzende von Operettenquerschnitten und Komponistenbildern, die sich großer Beliebtheit erfreuten. Marszalek war nicht nur ein eminenter Operettendirigent. Mit dem Kölner Rundfunk-Sinfonie-Orchester nahm er ein umfangreiches Repertoire klassischer Musik auf. Auch hier, wie im Bereich der Operette, spielte er viele Raritäten ein.

Daneben betreute Franz Marszalek in den 1950er und 1960er Jahren eine Rundfunksendung des WDR unter dem Titel Herr Sanders öffnet seinen Schallplattenschrank, in der er klassische Musik und Opern in historischen Aufnahmen vorstellte.

Sein Sohn ist der Kameramann Michael Marszalek. Die Grabstätte Marszaleks befindet sich auf dem Westfriedhof in Köln. (Quelle: wikipedia)

Geboten werden 2 Querschnitte aus durchaus beliebten Operetten:

Schwarzwaldmädel:

Handlung:

1. Akt: Im kleinen Dorf St. Christoph im Schwarzwald um 1815.
Hans ist von der eifersüchtigen Malwine genervt und fährt daher mit seinem Freund Richard nach St. Christoph im Schwarzwald. Dieser kleine Ort hat eine riesige Domkirche, wo die Vorbereitungen zum Cäcilienfest voll im Gange sind. Der Domkapellmeister Blasius Römer sitzt gerade in seinem Arbeitszimmer und übt auf seinem Klavier. Der Domkapellmeister Blasius Römer, eigentlich fast schon im Pensionsalter, fühlt sich wie im zweiten Frühling. Er ist nämlich heimlich in seine junge Haushaltshilfe Bärbele verliebt. Bärbele hat ihn zwar auch gern, aber eher so, wie eine Tochter ihren Vater liebt. Hans und Richard möchten beim Domkapellmeister ein Zimmer für die Nacht mieten. Da erscheint plötzlich auch Malwine. Sie hofft, Hans im schönen Schwarzwalddorf wieder gewinnen zu können. Hans fühlt sich aber zu dem jungen Schwarzwaldmädel Bärbele hingezogen. Die eifersüchtige Malwine bandelt daher mit Richard an.

2. Akt: Am Tag des Cäcilienfestes
Nach dem Gottesdienst trifft sich das ganze Dorf im Gasthaus. Die Musikanten spielen zum Tanz auf. Da verbreitet sich das Gerücht, der alte Römer wolle heute endlich seiner Haushaltshilfe Bärbele einen Heiratsantrag machen. Die alte Traudl sagt NotenSchwarzwaldmädelden Domkapellmeister offen ins Gesicht, er soll doch keine Dummheiten machen. Darüber kann der alte Römer aber nur lachen. Da sieht er plötzlich, wie seine Bärbele mit dem hergelaufenen Wandermusikanten Hans flirtet. Bei der Damenwahl zur Cäcilienpolka fordert Bärbele den alten Römer zum Tanz auf. Das ist aber für ihn mit der Würde seines kirchlichen Amtes nicht vereinbar und er gibt ihr einen Korb. Als daraufhin ein paar junge Burschen Bärbele verspotten, kann sich Hans nicht mehr zurückhalten. Es etwickelt sich eine große Schlägerei. Der Wirt muss seine ganze Kraft aufwenden, um wieder Ruhe herzustellen.

3. Akt: Im Wirtshaus am Tag danach
Der Bürgermeister von St. Christoph will unbedingt herausbekommen, wer die gestrige Schlägerei begonnen hat. Alle seine Versuche scheitern. Er erfährt aber, dass sich Malwine und Richard verlobt haben. Bärbele erfährt, dass ihr Vater verstorben ist und ihr ein großes Vermögen hinterlassen hat. Als dies der alten Römer hört, kommt er zur Einsicht, denn würde er jetzt immer noch um Bärbele werben, wäre er ein Mitgiftjäger. Bärbele gesteht dem Domkapellmeister, dass sie mit Hans ihren Mann fürs Leben gefunden hat. Sie will mit ihm in die Stadt ziehen. Der tief traurige Blasius Römer tröstet sich mit seiner Kirchenmusik.

Der Vogelhändler:

Handlung:

1. Akt: Schenke und kurfürstlicher Jagdpavillon vor dem Wildpark, Anfang des 18. Jhdt.

Der Kurfürst hat sich zur Jagd angekündigt, doch die wildernden Bauern haben alles weggeschossen. Sie bieten dem kurfürstlichen Wald- und Wildmeister Baron Weps gegen eine Kaution ein Hausschwein als Jagdobjekt an. Weps braucht das Geld dringend, um die Schulden seines Neffen, des Gardeoffiziers Stanislaus, bezahlen zu können. Da sagt der Kurfürst die Jagd überraschend ab. Weps und Stanislaus beschließen, dass Stanislaus den Kurfürsten spielen soll. Der Tiroler Vogelhändler Adam hat im Dorf seine Braut, die hübsche Briefchristel. Er macht aber einem anderen hübschen Pfälzermädel den Hof, ohne zu wissen, dass es die Kurfürstin Marie ist. Christel teilt Adam mit, dass sie dem Kurfürsten eine Bittschrift überreichen werde, damit Adam die Stelle des Menageriedirektors bekommt. Adam verbietet ihr die Audienz mit dem mädchentollen Kurfürsten. Als nun Stanislaus als Kurfürst erscheint, folgt Christel ihm in den Pavillon.

CarlAdamZeller

Carl Adam Zeller

Die Bauern kehren zurück und hören, dass ein Mädchen beim Kurfürsten im Pavillon sei. Sie dringen in den Pavillon ein und kommen mit Christel zurück. Stanislaus ist unerkannt durch ein Fenster entwischt. Christel zeigt triumphierend die Ernennung Adams zum Menageriedirektor. Dieser glaubt aber, sie habe die Stelle für ihn durch Untreue erworben.

2. Akt: Saal im kurfürstlichen Schloss

Die Professoren Würmchen und Süffle sollen Adam die Prüfung für die Stelle des Menageriedirektors bestehen lassen, sei er auch noch so dumm. Adam will aber die Stelle gar nicht. Erst als er hört, dass die Kurfürstin ihm die Stelle zugedacht hat, nimmt er doch an. Baronin Adelaide ist bereit, Stanislaus zu heiraten und seine Schulden zu bezahlen. Dieser ist über eine Ehe mit der Alten nicht entzückt. Ihm bleibt aber nur die Wahl zwischen Ehe oder Pfändung. So stimmt er doch der Heirat zu. Adam entdeckt, dass seine Marie eigentlich die Kurfürstin ist. Christel wiederum glaubt den Kurfürsten gesehen zu haben. Die Kurfürstin merkt, dass hier ein Betrug vorliegt. Christel soll beim Hofempfang ein Glockenzeichen geben, sobald sie den falschen Kurfürsten erkennt. Als das Brautpaar Adelaide und Stanislaus erscheint, schlägt sie die Glocke. Der Betrüger ist erkannt und Adam bestimmt, dass Stanislaus Christel heiraten müsse, um ihre Ehre wiederherzustellen.

3. Akt: Im kurfürstlichen Park
Christel ist wütend auf jene Marie, deren Nebenbuhlerschaft sie das eigenartige Benehmen Adams zuschreibt. Die Kurfürstin kann sie beruhigen, indem sie das Mädchen über die wahre Marie aufklärt. Baron Weps bedauert, dass das Vermögen Adelaides doch nicht in seine Familie kommen soll. Er riskiert selbst einen Heiratsantrag, der von Adelaide sofort angenommen wird. Adam wird Zeuge, wie Christel die Hand des Stanislaus abweist, da sie sich nichts vorzuwerfen habe. Nun ist Adam endlich überzeugt, dass seine Christel unschuldig ist. Er kann sie also wieder als seine Braut in die Arme nehmen. (Quelle: operetten-lexikon.info)

Also, alle nur denkbaren Liebeswirren sind hier vertreten und als Sänger hatte man ein wahrliches Staraufgebot im Programm (der Peter Alexander ist wohl auch heute noch den meisten bekannt).

Man muss diese Musik nicht unbedingt mögen, aber allein die Namen der Lieder können Quell der Heiterkeit sein und nun wissen wir auch, woher die in den deutschen Sprachgebrauch eingegangene Redewendung „Die Christl von der Post“ stammt.

Und: man muss diese Musik nicht unbedingt mögen, aber stimm- und klanggewaltig sind diese Aufnahmen (in einer überraschend guten Qualität digitalisiert) allemal.

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Die Christl von der Post

Besetzung:

Schwarzwaldmädel:
Rita Bartos – Franz Fehringer – Willy Hoffmann – Heinz Maria Lins – Herta Talmar

Der Vogelhändler:
Peter Alexander – Franz Fehringer – Ingeborg Hallstein – Herta Talmar
+
Kölner Sinfonie Orchester unter der Leitung von Franz Marszalek

BackCover1Titel:

Schwarzwaldmädel: (20.00)
01.01. Einleitung (Quartette
01.02. Wir sind auf der Walz
01.03. Lockende Augen holder Sirenen
01.04. O Cäcilie
01.05. Mädle aus dem schwarzen Wald
01.06. Die Weibersleut‘, die sind eine Brut
01.07. Es kann ein Bub sein
01.08. Muss denn die Liebe Tragödie sein
01.09. Malwine, ach Malwine
01.10. Bauerntanz
01.11. Erklingen zum Tanze die Geigen

Musik: Leon Jessel
Libretto: August Neidhart

Der Vogelhändler: (21.01)
02.1. Grüss euch Gott
02.2. Meinen Strauss im Pavillon
02.3. Ich bin die Christl von der Post
02.4. Marsch
02.5. Wem bring ich den Pokal
02.6. Schau´mir nur recht ins Gesicht
02.7. Als geblüht der Kirschbaum
02.8. Nun, wohlan, jetzt bin ich Braut
02.9. Jekus, Jekus
02.10. Fröhlich Pfalz, Gott erhalt´s
02.11. Man kann sich leicht blamieren
02.12. Wie mein Ahnl zwanzig Jahr
02.13. Ich bin der Prodecan
02.14. Schenkt man sich Rosen in Tirol

Musik:Carl Adam Zeller
Libretto: Moritz West und Ludwig Held

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Inlets

Immer wieder beliebt: Die Innenhüllen der damaligen Zeit

Georg Kreisler – Unheilbar gesund (1964 – 1989)

FrontCover1Der Kreisler Georg war schon ein ganz besonders skuriller Vogel, aber das ist vielleicht angesichts seiner Biographie auch kein Wunder:

Georg Franz Kreisler (* 18. Juli 1922 in Wien; † 22. November 2011 in Salzburg) war ein Komponist, Sänger und Dichter, der aus einer österreichischen jüdischen Familie stammte und als Emigrant 1943 die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten angenommen hatte. Dagegen, vorrangig als Kabarettist bezeichnet zu werden, hat sich Kreisler, der diesen Beruf in jungen Jahren zur Bestreitung seines Lebensunterhalts ausgeübt hatte, immer wieder gewehrt. Ebenso verwahrte er sich dagegen, als Österreicher bezeichnet zu werden: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher… Ich bin seit 1943 amerikanischer Staatsbürger, obwohl mir der Clinton noch nie zum Geburtstag gratuliert hat.“

Die Anfänge seiner Karriere lagen in den USA. Seit Mitte der 1950er Jahre wurde er im deutschen Sprachraum durch Lieder wie „Tauben vergiften“, „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ und „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“ populär. Mit seinem schwarzen, tiefsinnigen und poetischen Humor und Sprachwitz hat Kreisler das musikalische deutschsprachige Kabarett seiner Zeit als Interpret und Verfasser eigener Werke stark geprägt.

Georg Kreisler wurde als Sohn des jüdischen Rechtsanwaltes Siegfried Kreisler (1884–1970) und dessen Frau Hilda (1895–1942) im Wiener Sanatorium Hera geboren. Er war das einzige Kind seiner Eltern, aber es gab viel Verwandtschaft: sein Vater hatte acht Geschwister, seine Mutter vier. Er besuchte das Gymnasium Kandlgasse in Wien-Neubau und begann als Siebenjähriger Klavierspielen, später auch Geige und Musiktheorie, zu lernen.

Ausweis
1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs, waren auch österreichische Juden den Repressalien gemäß der Rassengesetze des Nationalsozialismus ausgesetzt. Es gelang seinem Vater, noch rechtzeitig Ausreisepapiere zu erlangen und unter Verlust fast des gesamten Vermögens mit der Familie über Genua und Marseille in die USA zu emigrieren. Auf der Überfahrt fand Georg Kreisler einen Schachpartner in dem auf der Überfahrt als Schiffbrüchigen aufgenommenen Bugsy Siegel.

In Hollywood unterstützte ihn sein Vetter, der erfolgreiche Drehbuchautor Walter Reisch, finanziell und vermittelte Kontakte zum Filmgeschäft. Kreisler wurde mit einer Vielzahl deutsch-jüdischer Exilanten bekannt, die ebenfalls im Filmgeschäft unterzukommen suchten, allerdings kein Englisch sprachen. Mit 19 heiratete er die Tochter des Kabarettisten und Komponisten Friedrich Hollaender, Philine, trennte sich jedoch bald wieder von ihr. Arnold Schoenberg versuchte ihn an der University of California, Los Angeles unterzubringen, wo er wegen mangelnder Zeugnisse abgelehnt wurde.

Kreisler wurde 1943 US-amerikanischer Staatsbürger und gleich darauf für den Zweiten Weltkrieg zur US-Armee eingezogen. Nach der Grundausbildung wurde er nach England verlegt und war in Yeovil und Devizes stationiert, wo er in Veranstaltungen, die er teilweise zusammen mit Marcel Prawy vorbereitete, Soldaten der D-Day-Truppen unterhielt. Als Soldat war er unmittelbar nach Kriegsende dolmetschend in Deutschland tätig, verhörte Julius Streicher und begegnete Hermann Göring sowie Ernst Kaltenbrunner.

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In die USA zurückgekehrt, war er in Hollywood beim Film beschäftigt und arbeitete dort unter anderem mit Charlie Chaplin zusammen. Chaplin pfiff ihm die Filmmusik für Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris vor, die Kreisler auf Notenpapier schrieb und dann zu Hanns Eisler brachte, der die Orchestrierung besorgte. Auch war es Kreislers Klavierspiel, das aufgenommen wurde, wenn man Chaplin am Klavier sah. Da sein Erfolg insgesamt nur mäßig war, zog er im Oktober 1946 nach New York um.

Während seiner dort verbrachten Zeit trat er als Unterhalter in Nachtclubs auf und ging als Interpret eigener, in englischer Sprache verfasster Lieder auf Tournee durch die USA. Drei dort 1947 aufgenommene Schallplatten sind nicht erschienen, weil die Verantwortlichen der Produktionsfirma die teils morbiden oder makabren Lieder für „unamerikanisch“ hielten. Für Titel wie Please Shoot Your Husband oder My psychoanalyst is an idiot war die Zeit noch nicht reif. Der mangelnde Erfolg einer vielfach geäußerten Kulturkritik zog sich von da an durch Kreislers gesamte künstlerische Laufbahn. Er selbst sah das als typische Ignoranz der Zeitgenossen gegenüber dem Satiriker. Erst im Jahr 2005 kamen die verloren geglaubten Aufnahmen von 1947 als Beilage zu seiner Biografie in Form einer CD heraus. 1950 bekam er ein Angebot, in der New Yorker Monkey Bar zu singen, und trat dort allabendlich auf.

GeorgKreisler03Im Jahr 1955 hoffte er auf mehr Erfolg in Europa, ging zurück nach Wien und traf dort unter anderem mit Hans Weigel, Gerhard Bronner, Peter Wehle und Helmut Qualtinger zusammen. In der Marietta-Bar in der Wiener Innenstadt trat er erstmals mit deutschsprachigen Chansons auf und wurde zeitweise Mitglied des „Namenlosen Ensembles“ um Bronner, Wehle und Qualtinger. Er musste allerdings die Erfahrung machen, dass das Publikum von Liedern wie Tauben vergiften keineswegs nur begeistert war. Eine Zeitlang durften seine Lieder im Österreichischen Rundfunk nicht gesendet werden.

1958 zog er nach München, wo er, frisch verheiratet, mit seiner dritten Ehefrau Topsy Küppers Chansonabende gab. 1972 spielte er mit dem Gedanken, nach Israel auszuwandern, fuhr hin und kam nach wenigen Monaten wieder zurück. 1975 trennten sich Kreisler und Topsy Küppers. 1976 ging er nach Berlin. Ab 1977 trat er mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Barbara Peters auf, hauptsächlich bei den Wühlmäusen und den Stachelschweinen. 1988 zog er von Berlin nach Hof bei Salzburg, lebte von 1992 bis 2007 in Basel und von Mai 2007 an wieder in Salzburg. Kreisler hatte einen Sohn von Philine Hollaender und von Topsy Küppers einen weiteren Sohn und eine Tochter, Sandra, die als Chansonsängerin und Sprecherin tätig ist. Er war weitläufig verwandt mit dem Violinvirtuosen und Komponisten Fritz Kreisler.

Seit 2001 trat Georg Kreisler nicht mehr mit seinen Liedern auf. Stattdessen schrieb er Romane, Kurzgeschichten und Essays, komponierte und engagierte sich für eine eigenständige Schweiz und gegen einen EU- bzw. EWR-Beitritt (siehe dazu auch sein Lied Der Euro). In einem offenen Brief an die Repräsentanten des Staates Österreich verbat er sich vor seinem 75. Geburtstag Gratulationen, „weil sich die Republik Österreich in den über vierzig Jahren, seit ich nach Europa zurückgekehrt bin, noch nie um mich geschert hat.“

Seine Tochter Sandra Kreisler wies darauf hin, es sei „in den letzten 60 Jahren noch nicht einmal jemand auf die Idee gekommen, dem Emigranten Kreisler ehrenhalber seine österreichische Staatsbürgerschaft zurückzugeben“. Kreisler selbst sah sich nicht mehr als Österreicher und warf dem Staat vor, die Staatsbürgerschaft nur jenen wieder verliehen zu haben, die sich nach dem Anschluss arrangiert hätten: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher, denn im Jahre 1945, nach Kriegsende, wurden die Österreicher, die 1938 Deutsche geworden waren, automatisch wieder Österreicher, aber diesmal nur diejenigen, die die Nazizeit mitgemacht hatten. Wer unter Lebensgefahr ins Ausland geflüchtet wurde, also auch ich, bekam seine österreichische Staatsbürgerschaft nicht mehr zurück.“

Im Jahr 2007 übernahm die Berliner Akademie der Künste Kreislers Vorlass. 2009 erschien seine Autobiographie Letzte Lieder.

Im November 2011 starb Georg Kreisler im Alter von 89 Jahren in Salzburg, nach Angaben seiner Ehefrau Barbara an den Folgen „einer schweren Infektion“. Er wurde am 1. Dezember 2011 auf dem Friedhof Salzburg Aigen beigesetzt; eine Trauerrede hielt Eva Menasse.

GeorgKreisler04Kreisler war ein virtuoser Meister der Sprache, Mimik und Gestik. Er schlüpfte in dutzende verschiedene Sprachmasken, als verführerischer Frauenmörder (Bidla Buh, Machs dir bequem, Lotte) oder als gewalttätiger Unternehmer mit rechter Gesinnung (Kapitalistenlied), er konnte „jüdeln“ in jiddisch gefärbtem Deutsch (Lieder eines jüdischen Gesellen), böhmakeln wie ein tschechischer Wiener Hausmeister (Telefonbuch-Polka, Der Bluntschli) und im sentimentalen Wienerisch das schmalzige Wienerlied makaber parodieren (Am Totenbett, Der guade alte Franz). Er hat sich als Nestbeschmutzer mit schwyzerdütschem Tonfall in der Schweiz unbeliebt gemacht (Der Ausländer) und imitierte parodierend pathetische Schnulzensänger (Mütterlein) und Seemannslieder (Der Paule).

Stilistisch stand Kreisler in der Tradition des singenden Klavierhumoristen, der sich zu eigenkomponierten Liedern selbst begleitet; diese Kunstform wurde bereits Mitte der 1920er Jahre im deutschsprachigen Raum durch Künstler wie Willy Rosen, Austin Egen oder Hermann Leopoldi etabliert.

Seine Lieder, manchmal surrealistisch und der absurden Lyrik zuzurechnen (Zwei alte Tanten tanzen Tango, Frühlingsmärchen, Bessarabien), sind von hintergründigem, oftmals schwarzem Humor geprägt und üben oft, mit den Jahren immer stärker, beißende Kritik an Gesellschaft und Politik.

Viele seiner Lieder sind Klassiker geworden wie Taubenvergiften im Park, Als der Zirkus in Flammen stand, Zwei alte Tanten tanzen Tango, Der Musikkritiker, Der General, Kapitalistenlied, Meine Freiheit, Deine Freiheit, Wir sind alle Terroristen sowie das „Ein-Frau-Musical“ Heute Abend – Lola Blau.

Georg Kreisler war bekennender Anarchist, was auch in einigen seiner Lieder zum Ausdruck kommt, beispielsweise in Kapitalistenlied, Meine Freiheit, Deine Freiheit, Sie sind so mies, Ihr wißt gar nichts, Wir sind alle Terroristen oder Wenn alle das täten. (Quelle: wikipedia)

Und ja, man muss diese so ganz spezielle Variante das bitterbösen, schwarzen Humors schon mögen … und ich mag sie !

Hier präsentiere ich ein Album, das ursprünglich 1964 erschien und dann bei der Wiederveröffentlichung dann noch um einige „bonus-tracks“ aus dem Jahre 1971 ergänzt wurden … Wir hören also überwiegend den frühen Kreisler …

Nicht verschwiegen werden soll nicht, dass er in seinem Leben auch ziemlich viel Scherereien hatte (Plagiatsvorwürfe, Streitereien mit diversen ehemaligen Weggefährten usw.) … Vermutlich war er keine so einfache Persönlichkeit, aber das ist vielleicht angesichts seiner Biographie auch kein Wunder …

LPFront+BackCover

LP Front+BackCover der Originalausgabe (1964)

Besetzung:
Georg Kreisler (vocals, piano)

BookletA

Titel:
01. Max auf der Rax 4.54
02. Das Mädchen mit den drei blauen Augen 2.42
03. Wenn du mich liebst 4.31
04. Wien Ohne Wiener 4.45
05. Die Wanderniere 3.22
06. Unheilbar gesund 7.05
07. Lied für Kärtner Männerchor 5.48
08. Ich hab ka Lust 3.25
09. Mütterlein 5.39
10. Opernboogie 6.17
11. Alpenglühn 5.13
+
12. Die Hexe 2.27
17. Mein Sekretär 2.43
18. Telephonbuchpolka 4.19
19. Der Liebesbrief 2.52

Musik und Texte: Georg Kreisler

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Connie Francis – Nino + Jedes Boot hat seinen Hafen (1964)

FrontCover1Jetzt mal wieder ein Griff in meine Single-Kiste und schwupp-di-wupp zaubere ich ne nette kleine Schmacht-Single von Connie Francis aus der Kategorie „putzig“ in diesen blog.

Als Connie Fancis Anfang der 60er Jahre auch in Deutschland für Furore sorgte, hatte sich bereits eine sehr bewegte musikalischen Entwicklung in den USA durchgemacht (Wer mehr wissen will kann sich ja via wikipedia informieren).

Auf jeden Fall hatte man sich bei dieser Single dazu entschieden, ihr „maßgeschneiderte“ deutsche Songs zur Verfügung zu stellen, also keine Adaption ihrer amerikanischen Songs.

Nun, wie gesagt, 2 Schmachtfetzen der drolligen Art …

Und dann mal freiweg von der Leber: In den 60er Jahren war ich als ca. 10jähriger Steppke von diversen Schlagersängerinnen hellauf begeistert, ich schmachtete sie geradezu an … dazu zählte dann auch die Connie Francis.

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Besetzung:
Connie Francis (vocals)
+
Orchester Werner Scharfenberger (bei 01.)
Orchester Erwin Halletz (bei 02.)

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Titel:
01. Nino (Scharfenberger/Busch) 2.31
02. Jedes Boot hat seinen Hafen (Halletz/Bradtke) 2.17

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Verschiedene Interpreten – Ins Land der Franken fahren (1964)

FrontCover1Die Leute von Tempo Schallplatten in Pullach-Grosshesselohe (bei München) waren wohl so ab 1963 ganz beseelt, denn ihr Mundartkomiker Herbert Hisel  hatte doch einen beträchtlicher Erfolg.

Und so kam es wohl, dass man die „fränkische Note“ des Labels mit einer LP erweitern konnte.

Man produzierte „eine musikalische, höchst humoristische Frankenreise“, dabei handelte es sich um einen Live-Mitschnitt einer „öffentlichen Aufnahme“.

Und natürlich war der Herbert Hisel der Conférencier, der launing durch das musikalische Programm auf Seite 1 führte und hin und wieder mit seinen Kalauern das Publikum erfreute.

Zu hören sind dann Steff Lindemann und seine Nürnberger Stadtmusikanten, Das Dalheimer Trio und die Alfelder Moidla und diese Kapellen waren sicherlich sehr erfreut, dass sie im Dunstkreis von Herbert Hisel ihren Bekanntheitsgrad erhöhen konnten.

Auf Seite 2 ist er dann als Solist zu hören und zwar mit seiner allseits bekannten Nummer „Der Stammtischbruder“: Einerseits ein wirklich abstrus-abgedrehter Humor (und von daher wieder mal genau meine Kragenweite), andererseits – die Zeiten haben sich halt geändert – schon auch ganz schön heftig frauenfeindlich …

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Alternatives Frontcover

Titel:
01. Steff Lindemann + seine Nürnberger Stadtmusikanten: Frankenlied (Becker/v.Scheffel) 1.47
02. Steff Lindemann + seine Nürnberger Stadtmusikanten: Rothenburger Dreher (Traditional) 2.45
03. Herbert Hisel: Die goldene Maus (Hisel) 1.42
04. Das Dahlheimer Trio: Fränkische Volksweise (Traditional) 1.51
05. Die Alfelder Moidla: Wenn i glei net von Fieraboh bin (Traditional) 3.10
06. Herbert Hisel: Der Humor der Franken (Hisel) 2.34
07. Steff Lindemann + seine Nürnberger Stadtmusikanten: Wo ist denn as Gergla (Traditional) 3.01
08. Das Dahlheimer Trio: Fränkische Polka (Traditional) 2.37
09. Die Alfelder Moidla: Ansage + Draußen vor der Wirtshautür (Traditional) 3.03
10. Herbert Hisel: Der Stammtischbruder (Hisel) 13.08
11. Auf Wiedersehen im schönen Frankenland 0.14

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BackCover1

Orchester Roberto Delgado – Tanz in der Taverne (1964)

FrontCover1.JPGUnd hier ein weiteres Beispiel von so ner Größe der deutschen Unterhaltungsmusik, die vorrangig in den 60er Jahren durch eine Flut von Aufnahmen auf sich aufmerksam machte:

Horst Wende (* 5. November 1919 in Zeitz; † 23. Januar 1996 in Hamburg) war ein deutscher Orchesterleiter, Komponist, Arrangeur und Akkordeonist. Er trat auch unter den Pseudonymen Roberto Delgado, Die Akkordeon Melodiker und Mister Pepper auf.

Weitere Infos gibt´s dann – zur Vermeidung von Wiederholungen hier.

Wende, der sich Anfang der 1980er ins Privatleben zurückzog, starb am 23. November 1996 in seinem Wohnort Hamburg. Im Zuge des Easy-Listening-Revivals sind seit Ende der 1990er Jahre immer wieder Aufnahmen von Horst Wende alias Roberto Delgado auf CD erschienen. (Quelle: wikipedia)

Hier eine LP aus dem unerschöpflichen Repertoire des Horst Wende: Hier lädt er uns zum „Tanz in die Taverne“ ein.

Passend zum Fasching ...

Horst Wende hatte wohl einen Faible für südlich-exotische Klänge, und die zelebriert er auch hier in Reinkultur (natürlich nur im Rahmen dieser Unterhaltungsmusik jener Jahre). Wobei der Begriff „Taverne“ ein wenig unglücklich ist … zumindestich assoziere damit eher hübsche Standlokalitäten in Griechenland; hier entführt er uns jedoch eindeutig nach Italien.

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Gleiches Cover, anderes Land, nämlich Italien

Vielleicht war dieser Faible auch Kalkül, um sich in einer besonderen Nische eien Namen zu machen … erfahren werden wir es wohl nicht mehr.

Wer gelegentlich gepflegt-seichte Musik der 60er Jahre mag, quasi nach dem Motto „Bella Bimba“ … sollte sich nicht scheuen und mal reinhören.

Und ja, das „Mama“ auf dieser LP ist jenes „Mama“, mit denen ein paar Jahre später ein gewisser Heintje, deutsche Mütterherzen angesichts der missratenen Jugend, getröstet hat und für feuchte Augen gesorgt hat.

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Alternative Front Cover

Besetzung:
Orchester Roberto Delgado

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Titel:
01. Anna (Vatro) 2.33
02. Santa Lucia (Traditional) 2.34
03. Oh, Marie (di Capua) 2.09
04. Luna Rossa (Vian/Frank) 2.42
05. O Cara Mamma Mia (Traditional) 2.20
06. Papaveri (Die süßesten Früchte) (Mascheroni/Rastelli/Panzeri) 2.44
07. Bella Bimba (Traditional) 2.15
08. Vergiss mein nicht (Non ti scorda di me) (de Curtis/Marischka) 2.24
09. Vieni Vieni (Scotto) 2.59
10. Non Dimenticar (Redi/Galdieri) 2.15
11. Arrivederci Roma (Rascel/Garinei/Giovannini/Glando) 1.59
12. Mama (Bixior/Cherubini) 2.35

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FrontCover (Ausschnitt)

ER denkt sich: Na, der will ich heute noch an die Wäsche …
SIE denkt sich: Na, dann soll er sich mal ein wenig Mühe geben, ganz so einfach wird das nämlich nicht …

Die Five Tops – Glaub daran + Rag Doll (1964)

FrontCover1Viel ist ja nicht über dieses Gesangs-Ensemble bekannt:

Die Five Tops ist eine deutsche Band, die 1964 von Leo Leandros, dem Vater von Vicky Leandros mit Günter Kallmann, Bernd Golonski, Sigurd Hilke und Karl-Heinz Welbers gegründet wurde und bis 1968 existierte. Sie hatten zahlreiche Hits, darunter die deutsche Version von Rag Doll, mit der sie den vierten Platz in den deutschen Charts belegten. (Quelle: wikipedia)

Und ja, diese Single hatte es mir damals schon mächtig imponiert und das lag an dem Titel“Rag Doll“

Eine herzzerreißende Schnulzen-Ballade …. Ursprünglich wurde sie ja von Frankie Valli & The Four Seasons aufgenommen und ein Leser dieses blogs hat auch schon mal anlässlich einer Vicky Leandros Scheibe auf diese deutsche Version aufmerksam gemacht.

Und interessant, dass eben die B-Seite mit „Rag Doll“ zum großen Erfolg für dieses vermutlich reine Studioprojekt (der Günter Kallmann hatte ja auch noch was anderes zu tun) zum größten Erfolg der „Five Tops“ wurde.

Und die A-Seite ist ein flotter Gospel-Song mit heißem Saxophone,  aber „Rag Doll“ hat sich in mein Herz geschraubt … dieser Titel war dann 18 Wochen in den Charts, davon 14  Wochen in den Top-10 und die höchste Chartplazierung war dann Rang 4.

Die Five Tops haben insgesamt 10 Singles veröffentlicht … dann hatte Papa Leandros auch wichtigeres zu tun …

Günter Kallmann

Der Günter Kallmann mit seinem Chor

Besetzung:
Vocals:
Leo Leandros – Günter Kallmann – Bernd Golonski – Sigurd Hilke – Karl-Heinz Welbers
+
Die Carinas
+
eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

LeoLeandros

Titel:
01. Glaub daran (Coll/Panas/Rasch) 2.00
02. Rag Doll (Crewe/Gaudio/Bader) 2.55
+
03. Rag Doll (Originalversion von Frankie Valli & The Four Seasons) (Crewe/Gaudio) 3.02

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