Marion Litterscheid – Liebe auf den ersten Blick – Mister Boyfriend (1964)

FrontCover1.jpgMarion wer ? Marion Litterscheid !

Marion Maerz (* 17. August 1943 in Flensburg; bürgerlich Marion Litterscheid) ist eine deutsche Schlagersängerin.

Marion Maerz ging in Hannover zur Schule und machte nach dem Abitur eine Sekretärinnenausbildung. 1964 wurde sie bei einem Pepsi-Cola-Talentwettbewerb in Hannover entdeckt. Zunächst nahm sie unter ihrem bürgerlichen Namen zwei Singles auf, die kaum bekannt wurden, darunter 1965 eine deutsche Version von Twinkles britischem Hit Terry. Im Herbst 1965 komponierte Christian Bruhn für sie den Beat-Schlager Er ist wieder da, den sie als „Marion“ aufnahm. Das Lied kam im Dezember 1965 in die Hitlisten und konnte sich mehrere Wochen halten. Es ist bis heute ihr größter Hit.

1966 bewarb sie sich mit Mach nicht die Tür zu bei den Deutschen Schlager-Festspielen, kam jedoch nicht ins Finale. Auch danach konnte sie nicht wieder an ihren Anfangserfolg anknüpfen. Das Album Marion Maerz singt Burt Bacharach – Seite eins, MarionLitterscheid02.jpgmit Kompositionen von Burt Bacharach, verkaufte sich kaum, gilt jedoch heute als Kult. 1972 beteiligte sie sich mit dem von Klaus Doldinger geschriebenen Titel Hallelujah Man an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. Nachdem sie zusammen mit ihrem damaligen Partner Frank Elstner 1975 die Tochter Masha (heute auch Sängerin) bekommen hatte, zog sich Marion Maerz weitgehend ins Privatleben zurück, doch hatte sie bis Ende der 1970er Jahre noch verschiedene Schlager und gelangte auch hin und wieder in die Hitparaden (unter anderem mit dem Duett Schau mal herein mit Bernd Clüver, der deutschen Fassung des Hits Stumblin‘ In von Suzi Quatro & Chris Norman). Ihr bekanntester Solotitel aus dieser Zeit ist Es war nur der Sommerwind (1978).

Maerz pflegte dann ihre Karriere als Schauspielerin an verschiedenen Theaterbühnen. Anfang der 1990er Jahre nahm sie auch einige volkstümliche Titel auf (u. a. Du bist die Rose vom Wörthersee). (Quelle: wikipedia)

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Und hier eben ihre gänzlich unbekannt gebliebene Debüt-Single aus dem Jahr 1964.

Textlich ganz sicher eher schlicht:

„Liebe auf de ersten Blick ist schön
solche Liebe kann nie mehr vergehen“

Musikalisch ist die ganze Angelegenheit etwas spannender. Eingebettet in diese skurille Mischung aus Schlagermelodien und Beatrhythmen gehört die Marion Litterscheid in diese Kategorie der sog. „Beat-Fräuleins“ oder welche Begriffe man dafür auch immer kre­ie­ren mag.

Und auch diese Single stammt aus dem Fundus meines mittlerweile verstorbenen Bruders.

Beigefügt habe ich dann noch einen Artikel des SWR, der eine etwas ausführlichere Würdigung des Lebenswerks der Marion Litterscheid enthält.

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Besetzung:
Marion Litterscheid
+
Orchester Rüdiger Piesker

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Orchester Rüdiger Piesker

Titel:
01. Liebe auf den ersten Blick (Menke/Anton) 2.25
02. Mister Boyfriend (Homsen/Märlen) 2.10

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Verschiedene Interpreten – American Folk Blues (1980)

OrignalFC1965A.jpgDem Horst Lippman und Fritz Rau kann man gar nicht genug danken, für all das, was sie über viele Jahrzehnte auf en kleinen wie großen Konzertbühnen auf die Beine gestellt habe. Los gings mit Jazzveranstaltungen in kleinen Frankfurter Clubs bis hin gigantischen Mega-Events in den großen Stadien der Repuplik, ie Bandbreite bewegte sich zwischen den Rolling Stones und Peter Maffay.

Und Anfang der 60er Jahre begannen sie dann auch uns Deutschenden Blues nahezubringen und zwar mit ihren mittlerweile legendären „American Folk & Blues Festivals“.

Und dann wurden drei Musiker des American Blues Festivals 1964 in die DDR eingeladen, auch um am 1.11.1964 in einem Studio ihre Songs einzuspielen.

Bei dieser LP handelt es sich als nicht um eine Lizenz aus Westdeutschland, sondern um eine ganz und gar eigenständige Produktion. Und so sind diese Aufnahmen historisch natürlich besonders wertvoll, das sie damit zu den eher raren Einspielungen dieses Jahres handelt.

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Fritz Rau & Horst Lippmann

Und von daher auch ein dreifaches Hoch nicht nur auf Lippmann & Rau, sondern auch auf all die damals Verantwortlichen bei Amiga, dass sie dies möglich gemacht haben, war möglicherweise gar nicht so einfach.

Ich vermute mal, dass so etliche Jungs aus der DDR mit so einem Album angefixt wurde …

Mit von der Partie waren der heute nicht mehr so bekannte Pianist Sunnyland Slim (der ja eigentlich Albert Luandrew hieß), das gilt so gar niht für Hubert Sumlin und erst recht nicht für den Bassisten Willie Dixon um diverse Klassiker bereichert hat.

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Front + Back Cover der 1980er Ausgabe

Die Musiker begleiteten sich dabei gegenseitig und am Schlagzeug saß wohl Clifton James.

Und wir hören hier, und das kann man ganz einfach so sagen, jenen archaischen Blues, der nicht nur bei uns (auch Mick Jagger war damals hin und weg) heiße Ohren und tiefen Eindruck hinterließ …

Oh yes, I´m talkin´ about the blues, if you know what I mean, Baby …

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Titel:
01. Sunnyland Slim: It´s You, My Baby (Luandrew) 2.31
02. Hubert Sumlin: Love You, Woman (Sumlin) 3.15
03. Sunnyland Slim: Everytime I Get To Drinking (Luandrew) 3.07
04. Hubert Sumlin: When I Feel Better (Sumlin) 3.51
05. Willie Dixon: Blues Anytime (Dixon) 5.20
06. Hubert Sumlin: I Love (Sumlin) 3.11
07. Sunnyland Slim: Leavy Camp Moan (Luandrew) 5.13
08. Willie Dixon: My Baby (Dixon) 3.14
09. Hubert Sumlin: Huberts Blues (Sumlin) 3.51
10. Sunnyland Slim: We Gonna Jump (Luandrew) 3.36
11. Willie Dixon: Big Legged Woman (Temple) 2.39
12. Sunnyland Slim: Too Late For Me To Pray (Luandrew) 3.49

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Die Labels aus dem Jahr 1965 und 1980

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Diese Präsentation war nur möglich, da ich die 1980er Ausgabe dieser LP als Leihgabe erhielt und zwar aus dem fulminanten Schallarchiv der Graugans … dafür natürlich ein ganz herzliches Dankeschön !!!

Hans Carste – Zwischen Tag und Traum (1964)

FrontCover1Als er mit seiner „Zwischen Tag und Traum“ Serie begann, stand er schon am Ende seiner beeindruckenden Karriere:

Hans Friedrich August Carste (* 5. September 1909 in Frankenthal; † 11. Mai 1971 in Bad Wiessee; eigentlich Hans Häring) war ein deutscher Komponist und Dirigent. Hans Carste verfasste unter anderem die Erkennungsmelodie der Tagesschau.

Hans Carste war der Sohn eines Diplomingenieurs und wuchs im niederösterreichischen Marbach an der Donau und in Mährisch-Ostrau auf. Nach dem Abitur begann er 1927 in Wien das Studium der Staats- und Wirtschaftswissenschaften, ehe er an die Musikakademie wechselte und damit zu seiner eigentlichen Berufung fand. Erste praktische Erfahrungen sammelte er an der Wiener Volksoper ehe er 1929 als Korrepetitor an die Breslauer Oper ging. 1931 zog er nach Berlin, genoss den freizügigen Lebensstil und fand dort schnell seine künstlerische Heimat. Nach der „Machtergreifung“ der Nationalsozialisten wurde er im Mai 1933 Mitglied der NSDAP.[1] Während der Vorkriegszeit in Berlin schrieb Carste 24 Filmmusiken und zahlreiche Kabarettkompositionen. Mit der Plattenfirma Elektrola hatte er einen Exklusivvertrag geschlossen, dazu betrieb er eine Tanzkapelle unter seinem Namen.

HansCarste01Im Jahr 1942 wurde er zum Kriegsdienst nach Posen einberufen. An der Ostfront wurde er schwer verwundet und geriet im November 1942 in sowjetische Gefangenschaft, aus der er 1948 wieder freikam. Während dieser Zeit entstand ein Großteil seiner Operette Lump mit Herz, welche 1952 am Opernhaus Nürnberg uraufgeführt wurde.

Als Nachfolger von Friedrich Schröder wurde Carste am 1. April 1949 Abteilungsleiter für Unterhaltungs- und Tanzmusik beim RIAS Berlin. Neben seiner Rundfunkarbeit komponierte er weiterhin Filmmusiken, Schlager sowie Tanz- und Unterhaltungsmusik.

Als erster Deutscher wurde Carste 1957 zum Präsidenten des Bureau International des Sociétés gérant les Droits d’Enregistrement et de Reproduction Mécanique (BIEM) in Paris ernannt. Außerdem war er Aufsichtsratsvorsitzender der GEMA und Vorstandsmitglied des Deutschen Komponistenverbandes. 1961 wurde ihm der Titel Professor verliehen. Wegen Krankheit legte Carste 1967 alle Ehrenämter nieder und zog sich 1970 schließlich nach Bad Wiessee zurück. Dort verstarb er am 11. Mai 1971 und ist auch am dortigen Friedhof begraben.

Die sechs Töne lange Erkennungsmelodie der „Tagesschau“ entstammt den Schlusstakten der „Hammond-Fantasie“, die Carste in sowjetischer Kriegsgefangenschaft komponierte. Sie wurde von Rudolf Kühn 1956 für ein 90-köpfiges Rundfunkorchester bearbeitet. Für ein Fanfarenfragment der „Hammond-Fantasie“ erhielt die Witwe Grit-Sieglinde Carste noch in den 2010er Jahren eine monatlich vierstellige GEMA-Ausschüttung (Quelle: wikipedia)

Beim lauschen dieser traumhaft sicher arrangeirten Klänge vornhemlich aus der Welt der klassischen Musik kam mir in den Sinn, dass dieser Hans Carste wohl der James Last der Klassik war, aber auch, dass eine solche Musik Menschen wie mir – nach einem extrem beruflich anstrengendem Tag – einfach nur gut tut … Von daher wird es auch weiterhin öfters mal Musik dieser Art geben … denn die LP „Zwischen Tag und Traum“ war wohl so erfolgreich, dass es davon insgesamt mindestens 6 weitere Folgen gab …

Und das „Largo“ von Händel ist einfach nur großartig !

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Besetzung:
Hans Carste und dem grossen Streichorchester
+
Horst Ramthor (harp)
Felix Schröder (piano)

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Titel:
01. Notturno Op. 9 No. 2 (Chopin) 3.32
02. Chanson Triste (Tschaikowsky) 3.09
03. Menuett (Mozart) 2.09
04. Plaisir D’Amour (Martini) 3.44
05. Ständchen (Leise flehen meine Lieder) (Schubert) 3.52
06. Frühlingslied (Mendelssohn-Bartholdy) 3.07
07. Melodie In F (Rubinstein) 2.31
08. Menuett (Boccherini) 3.12
09. Cavatine (Raff) 2.50
10. Träumerei (Schumann) 3.30
11. Largo (Händel) 4.38
12. Liebesträume (Liszt) 4.15

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Jean Broussolle + Benjamin Britten – Kleine Geschichte eines großen Orchesters + Ein Orchester-Führer für junge Leute (2009)

FrontCover1Jetzt mal wieder was für die „Kleinen“, eine „Kleine Geschichte eines großen Orchesters“ und „Ein Orchester-Führer für junge Leute“.

Hm … klingt interessant, zumal wir „Gr0ßen“ da ja auch noch was lernen können.

Ursprünglich erschienen diese Aufnahmen 1962 (Ein Orchester-Führer für junge Leute mit Lorin Maazel, der auch als Sprech fungiert) und 1967 (Kleine Geschichte eines großen Orchesters mit Max Schweigmann als Sprecher).

Und diese Aufnahmen aus den 60er Jahren begeistern wohl vor allem diejenigen, die diese schon damals – eben als Kinder – gehört haben:

„Hier gibt es zum Schnäppchen-Preis zwei phantastische Aufnahmen, die junge Hörer an Orchester-Instrumente und -Musik mit Phantasie heranführen und begeistern! „Piccolo, Sax & Co“ wendet sich an die jüngeren Hörer von 5 bis 9 Jahre, Benjamin Brittens „Orchesterführer für junge Leute“ eignet sich für die 10 bis 100jährigen!!! Brittens Musik nach einem Thema seines Kollegen Henry Purcell ist genial, spannend bis zur letzten Sekunde und ganz nebenbei noch lehrreich! Ich habe beide Musikwerke schon als Kind kennen- und lieben gelernt und stelle immer wieder mit großer Freude fest, dass beide Aufnahmen auch bei den heutigen Kindern sehr gut ankommen! Kinder lieben den Humor bei „Piccolo, Sax & Co“ und staunen über Brittens Einfälle! Bei mehrmaligem Hören können sie die Instrumente alle auf Anhieb unterscheiden! Absolut empfehlenswert!“ (Salomea Otterborn)

Als Zugabe gibt´s dann noch Britten-Werk in konzertanter Aufführung aus dem Jahr 1964 (mit Britten himself als Dirigenten !)

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Die Originalhüllen aus den 60er Jahren

Klar, man kann sich darüber mokieren, dass Lorinz Maazel (im Gegensatz zu Max Schweigmann) der geborene Sprecher ist (zumal er ja Franzose ist), aber das ist kein ernsthaftes Argument. Der Versuch, Kinder auf diese Weise an die Musik/Klassik heranzuführen ist aus meiner Sicht doch sehr lobenswert und so wird es wohl eines Tages kommen, dass ich als Opa meinen beiden Enkelkindern in einer stillen Stunde, diese CD nahebringen werde.

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Besetzung:

Jean Broussolle (1920-1984): Piccolo, Sax und Co (Kleine Geschichte eines großen Orchesters):
Orchester André Popp
Max Schweigmann (Sprecher)

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
Orchester Nat de la Radiodiffusion Francaise unter der Leitung von Lorin Maazel
Lorin Maazel (Sprecher)

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
London Symphonie Orchester unter der Leitung von Benjamin Britten

Booklet01Titel:

Jean Broussolle (1920-1984): Piccolo, Sax und Co (Kleine Geschichte eines großen Orchesters):
01. Die Saiteninstrumente 4.12
02. Die Saxofone 5.30
03. Die Holzbläser 4.30
04. Die Gitarre 1.56
05. Das Schlagzeug 4.18
06. Die Blechbläser 2.54
07. Der Konzertflügel 1.48
08. Finale 1.12

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
09. Einleitung – Alles beginnt mit einer Idee 3.57
10. Das ganze Orchester 2.43
11. Die Holzbläser 2.33
12. Die Streicher 3.56
13. Die Harfe 1.10
14. Die Blechbläser 2.27
15. Das Schlagzeug 2.08
16. Finale 2.44

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
17. The Young Person´s Guide To The Orchestra op. 34 (1946) 16.59

CD1

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Rudolf Schock – Mit Rudolf Schock am deutschen Rhein (ca. 1964/65)

FrontCover1.JPGIrgendwann musste es ja mal kommen: Hier darf ich einen Sänger präsentieren, der damals vermutlich von vielen Damen (darunter auch ganz sicher meine Mutter) angeschwärmt wurde:

Rudolf Schock (* 4. September 1915 in Duisburg; † 13. November 1986 in Düren) war ein deutscher Opern-, Lied- und Operettensänger in der Stimmlage lyrischer Tenor.

Rudolf Schock wuchs in einer Arbeiterfamilie in Duisburg-Wanheimerort auf und sang von Kindheit an in der Familie und in verschiedenen Chören. Nach dem frühen Tod des Vaters im Jahre 1923 unterstützten er und seine vier Geschwister, die später alle Berufssänger wurden, die Mutter, welche am Duisburger Stadttheater arbeitete, finanziell dadurch, dass sie bei Festen und in Lokalen mit volkstümlichen Liedern und Operettenmelodien auftraten.

Noch als Amateur wurde Rudolf Schock 1932 zusammen mit seiner Schwester Elfriede in den Opernchor des Duisburger Stadttheaters aufgenommen, wo er bald auch kleine Solorollen übernehmen durfte, nachdem er mit Gesangsstudien bei Gustav Pilken in Köln angefangen hatte.

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1950

1936 wurde er als 1. Chortenor in den Chor der Bayreuther Festspiele aufgenommen. Dies darf man als eigentlichen Beginn seiner Karriere betrachten. In Bayreuth begegnete er unter anderem dem Heldentenor Laurenz Hofer, der sein Lehrer wurde und ihn noch bis in die 1950er Jahre hinein betreute.

 

1937 erhielt er seinen ersten Solistenvertrag beim Staatstheater in Braunschweig. Dort lernte er die Tänzerin Gisela Behrends (1917–2011) kennen, die er 1940 heiratete. Das Paar, das erst durch den Tod von Rudolf Schock getrennt wurde, hatte zwei Töchter, Isolde (1941–1983) und Dagmar (* 1945).

Bald erhielt Rudolf Schock auch Abendverträge von der Wiener Staatsoper und der Berliner Städtischen Oper (heute: Deutsche Oper Berlin). Seine Laufbahn wurde aber 1939 durch den Zweiten Weltkrieg unterbrochen, da er zur Wehrmacht eingezogen wurde und – von kleineren Unterbrechungen für Auftritte in Wien und Berlin abgesehen – bis zum Kriegsende 1945 Soldat bleiben musste. Nach dem Krieg verdiente er zunächst als Landarbeiter im Harz den Lebensunterhalt für seine Familie, kehrte dann aber auf Anraten des Intendanten des Opernhauses Hannover an die Opernbühne und in den Konzertsaal zurück.
Die Karriere

1946 hörte der legendäre englische Produzent Walter Legge Rudolf Schock bei einer Aufführung der Oper Die verkaufte Braut von Bedřich Smetana in Hannover. Daraufhin erhielt er seinen ersten Schallplattenvertrag und machte zwischen 1947 und 1961 unzählige Aufnahmen für EMI (Electrola). 1962 übernahm sein deutscher Produzent Fritz Ganss die neugegründete Klassikabteilung der ARIOLA-Sonopress. worauf auch Schock das Label wechselte und dann bis 1983 für Eurodisc aufnahm.

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1948 wurde Rudolf Schock als erster deutscher Sänger nach dem Krieg an die Londoner Covent Garden Oper geholt. Er trat im Laufe seiner Karriere unter anderem in Berlin und Wien, an der Deutschen Oper am Rhein (Düsseldorf/Duisburg), in Hamburg, München, bei den Salzburger Festspielen und bei den Edinburgher Festspielen auf. 1949 ging er in Australien mit dem Programm auf Tournee, das für den 1948 verstorbenen Richard Tauber vorgesehen gewesen war. Weitere Auftritte hatte er in Amerika, den Niederlanden und Belgien. Ein Höhepunkt seiner Karriere war sein Engagement als Stolzing in der Bayreuther Aufführung der Meistersinger im Jahre 1959.

Eine besondere Popularität erreichte Schock im deutschsprachigen Raum auch durch die Mitwirkung in einigen Musikfilmen, wie Du bist die Welt für mich (1953), Der fröhliche Wanderer (1955) oder Das Dreimäderlhaus (1958).

Schock4.jpgFür seine künstlerischen Leistungen wurde er 1954 in Wien zum Kammersänger ernannt, 1961 wurde ihm der Goldene Electrola-Ring verliehen. Gerade für seine Verdienste um die Verbreitung der sog. ernsten Musik wurde er mit dem Bundesverdienstkreuz am Bande 1. Klasse ausgezeichnet. Außerdem war er Träger des Preises der Robert-Stolz-Stiftung und der Hermann-Löns-Medaille in Gold. Seine Heimatstadt Duisburg ehrte ihn mit der Mercator-Plakette und hat nach seinem Tod eine Straße nach ihm benannt. Die Stadt Düren, wo er seine letzten Lebensjahre verbrachte, hat 1992 dem Platz vor dem „Haus der Stadt“ seinen Namen gegeben.
Die 1960er Jahre und danach

Nach einer außerordentlich erfolgreichen Opernlaufbahn von einem nur durch die Kriegsjahre unterbrochenen Vierteljahrhundert baute der fast 50-jährige Rudolf Schock allmählich seine Karriere an den großen Opernhäusern ab. Er wandte sich in seinen Schallplatten-Aufnahmen mehr dem klassischen Lied, der Operette und dem Volks-/Heimatlied zu. „Er dankte nicht ab. Er wechselte nur den Thron“ (Klaus Geitel).

Die Ausflüge in die Unterhaltungsmusik wurden Rudolf Schock als Verrat an seiner eigentlichen Berufung angekreidet. Er selbst betonte aber immer wieder, dass er dadurch seiner Arbeit als Opern- und Liedersänger nicht schade, sondern im Gegenteil gerade durch Auftritte mit volkstümlicher Musik der ernsten Musik viele neue Freunde gewonnen habe.

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Bei Schallplattenaufnahmen im Bereich Operette und Unterhaltungsmusik ging Schock mit den Komponisten Robert Stolz, Nico Dostal, Gerhard Winkler, Peter Kreuder, Franz Grothe, Werner Eisbrenner oder Fried Walter ins Studio. Auch Werner Schmidt-Boelcke machte zahlreiche Einspielungen mit ihm, während Willi Boskovsky bei den Holland-Tourneen des Öfteren am Dirigentenpult stand.

Nach 1962 trat er oft als Gast an kleineren Opernbühnen und sehr viel in Konzertsälen (in deutschsprachigen Ländern, in Belgien, den Niederlanden, Amerika und Kanada) auf. Die Programme enthielten klassische Lieder, Fragmente aus Oratorien, aber auch Opernarien und Operettenlieder. Bei Liederabenden waren zumeist Adolf Stauch, Iván Eröd und Hellmut Hideghéti seine Partner am Klavier. Oft und gerne trat er auch mit deutschen Chören in gemischten Programmen auf und absolvierte noch 1980 eine Tournee durch die Vereinigten Staaten mit der Chorgemeinschaft Germania-Siegburg.

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Live in Chicago: Rudolf Schock

Er baute seine Fernsehpräsenz stark aus und die, die ihn bereits im Kino bewunderten, wurden „zu seiner millionenstarken TV-Gemeinde“ (Torsten Schmidt), die ihm ein zweites Vierteljahrhundert treu blieb. Schock trat damals im noch jungen Medium Fernsehen in Opern- und Operettenverfilmungen und in unzähligen Unterhaltungssendungen auf. 1967 erhielt er den Silbernen Bildschirm und 1970 den Goldenen Bildschirm. 1968 bekam er eine Goldene Schallplatte mit Brillanten verliehen, 1979 eine Goldene Schallplatte für das Album Die Stimme für Millionen.

Von einem Herzinfarkt im Jahr 1969 erholte er sich gut und setzte alsbald seine umfassende Tätigkeit auf der Bühne, im Konzertsaal, im Aufnahme- und Fernsehstudio fort. Sein letztes Konzert gab er am 9. November 1986 in Düren mit der Chorgemeinschaft Constantia 1869 in Düren-Birkesdorf.

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Am 13. November 1986 starb Rudolf Schock in seinem Heim in Düren an Herzversagen. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof Düren-Gürzenich.

Seit 2000 rückt der Opernsänger Rudolf Schock wieder in den Vordergrund. EMI/Warner hat ihr gesamtes Opernrepertoire mit dem Tenor seither in verschiedenen Auflagen auf CD wiederveröffentlicht und auch die späteren Gesamtaufnahmen und Opernquerschnitte bei Ariola-Eurodisc wurden von Sony Classical inzwischen wieder herausgegeben. Kleinere Produzenten (zum Beispiel Relief und Walhall) machten einem teils erneuerten Opernpublikum die Rundfunk-Operngesamtaufnahmen mit Rudolf Schock aus den Fünfziger-Jahren zugänglich. Die Folge ist, dass heutzutage die wachsende Anerkennung seiner künstlerischen Verdienste es nicht nur den Verehrern Schocks leichter macht, ihn „vor einer schnellen Kritik und oberflächlichen Klassifizierung zu schützen“ (Gerald Köhler, Universität Köln). (Quelle: wikipedia)

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Rudolf Schock als Filmschauspieler und Charmeur …

Und hier schmettert er diverse Lieder über den „deutschen Rhein“ … eins schöner wie das andere … Aber immerhin, auch Heinrich Heine ist mit dem Klassiker „Ich weiß nicht, was soll es bedeuten“ vertreten.

Der Rhein ist Sinnbild für so vieles, aber ganz sicher schon fast ein Synonym für die „deutsche Heimat“ …

Wer sich dem Thema „Heimat“ mal aus ganz unterschiedlichen Sichweisen nähern möche, sollte das z.B. hier mal tun.

Loreley

Ich sag´s ja immer wieder: Und ewig lockt das Weib …

Ich gestehe, die Digitalisierung dieser Scheibe und die weiteren Bearbeitung haben mcch ein wenig Mühen gekostet …

Aber so ist, wenn man sich mal entschlossen hat, sich mit Musik aus deutschen Landen zu beschäftigen.

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‚Alternatives Front + Cover aus dem Jahr 1974

Besetzung:
Rudolf Schock (vocals)
+
Berliner Symphoniker unter der Leitung von Frank Fox
Chor der deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Walter Hagen-Groll

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Titel:
01. Was bringen uns die Reben (Brandt) 2.50
02. Mit Rheinwein füllt den Becher (Ries/Rittershaus) 4.40
03. Ich kam von fern gezogen (Mania/Ritzel) 3.08
04. Ein rheinisches Mädchen bei rheinischem Wein (Hoppe/Mertens) 3.44
05. Eislein von Caub (Filke/Schultes) 2.59
06. Ich weiß nicht, was soll es bedeuten (Silcher/Heine) 3.40
07. In der Pfalz (Benes/Beda) 2.11
08. Grüßt mir das blonde Kind am Rhein (Heiser/Mertens) 2.34
09. Am Rhein bei Sankt Goar (Robrecht/Otten) 3.51
10. Mädel, ich bin dir so gut (Enders/Felsing) 3.15
11. Am Rhein (Humperdinck/Wildenradt) 3.23
12. Es liegt eine Krone (Hill/Dippel) 3.47

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Die spinnen, die Amis … 

Heinrich Heine:

Ich weiß nicht was soll es bedeuten,
Daß ich so traurig bin;
Ein Märchen aus alten Zeiten,
Das kommt mir nicht aus dem Sinn.

Die Luft ist kühl und es dunkelt,
Und ruhig fließt der Rhein;
Der Gipfel des Berges funkelt
Im Abendsonnenschein.

Die schönste Jungfrau sitzet
Dort oben wunderbar;
Ihr goldnes Geschmeide blitzet,
Sie kämmt ihr goldenes Haar.

Sie kämmt es mit goldenem Kamme
Und singt ein Lied dabei;
Das hat eine wundersame,
Gewaltige Melodei.

Den Schiffer im kleinen Schiffe
Ergreift es mit wildem Weh;
Er schaut nicht die Felsenriffe,
Er schaut nur hinauf in die Höh.

Ich glaube, die Wellen verschlingen
Am Ende Schiffer und Kahn;
Und das hat mit ihrem Singen
Die Lore-Ley getan.

Dieser Beitrag war nur möglich, weil die Graugans wieder ihre Schallplattenkiste geöffnet hat. Wie sie an solche Raritäten kommt, könnte sie ja eigentlich mal in einem kleinen Gastbeitrag erzählen, oder ?

Hildegard Knef – So oder so ist das Leben (1963)

FrontCover1.JPGBei einer meiner früheren Hildegard Knef Präsentationen schrieb ich:

„Ich weiß beim besten Willen nicht, warum ich so lange gebraucht habe „die Knef“ als einen ganz besonderen musikalischen Schatz für mich zu entdecken.

Aber seit geraumer Zeit bin ich ganz vernarrt in ihre Musik“ …

… und dieses Album steigert meine Begeisterung nur noch:

Hier hören wir ihre erste Langspielplatte … und mit einer atemberaubenden Leichtigkeit und Souveränität singt sie sich durch eine Flut von Klassikern (im Potpourri-Stil) der deutschen Unterhaltungsmusik (man schaue sich mal die Titelliste an), gepfeffert mit einer heftigen Prise Jazz … und so findet eine Veredelung statt, die nun wirklich grandios ist.

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Textlich sind all diese Klassiker alles andere als „harmlos“ … sie zeichnen ein Bild einer üppigen, zuweilen auch frivolen Sicht des Lebens und fast in jedem Lied finden sich Zeilen … die quasi als Motto eines überschäumenden aber auch nachdenklichem Lebensstil sind.

Und sie zelebriert mit Genuss auch all jene Klischees, mit denen wir unser Leben versüßen (z.B. all ihre Paris-Lieder).

Und sie zelebriert auch ihre Lust auf Liebe („Die Nacht ist nicht allein zum schlafen da“) … und kokettiert dann auch nur zu gerne mit Begegnungen, die man unter Vernunftgründen alles andere als vernünftig bezeichnen würde („Er war nie ein Kavalier“

Die Knef … sie ist zärtlich, störrisch, schroff, lustvoll, verzweifelt, voller Illusionen und zugleich illusionslos und sentimental ist sie auch noch … sie hat einfach so viele Facetten … ich wiederhole mich: atemberaubend !

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Da könnte man jetzt Stunden dafür verwenden … Zitate an Zitate zu reihen … das schenkt ich mir jetzt einfach mal … stattdessen meine dringende Empfehlung: reinhören:

Und dann als Draufgabe noch etliche Raritäten aus den Jahren 1952 bis 1957) …

Die CD-Wiederveröffentlichung enthält neben diese insgesamt „13 Bonustiteln“ auch noch ein Begleitheft, das den Namen nun wirklich verdient … mi t größter Sorgfalt weren die einzelen Titel vorgestellt und auch in ihrem historischem Zusammenhang gestellt. So lob´ ich mir das … eine mehr als angemessene Würdigung.

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Ich verneige mich vor dieser Diva !

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Besetzung:
Hildegard Knef (vocals)
+
Orchester Gerde Wilden
+
RIAS Tanzorchester unter der Leitung von Heinz Kiessling (bei 29.)
Unbekanntes Studio-Orchester (bei 32. – 34.)

Booklet04A

Titel:

Slowfox-Potpourri:
01. So oder so ist das Leben (Beckmann/Mackeben) 1.37
02. Ich hab‘ so Heimweh nach dem Kurfürstendamm (Kamp/Schwenn) 0.56
03. Good By, Jonny (Beckmann/Kreuder) 1.53

Langsamer Walzer-Potpourri:
04. Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt (Holländer) 1.17
05. Illusionen (Meyer/Rotter) 2.01
06. Ich weiß nicht, zu wem ich gehöre (Holländer/Liebmann) 1.04

Slowfox-Potpourri:
07. Zwei in einer großen Stadt (Kollo) 2.02
08. Wenn die Sonne hinter den Dächern versinkt (Schwenn/Kreuder) 1.59
09. Wake The Town And Tell The People (Livingstone/Gallop) 1.26

Foxtrott-Potpourri:
10. So ist Paris (Ferré/Siegel) 1.15
11. Die Nacht ist nicht allein zum schlafen da (Hesse/Mackeben) 0.31
12. Pigalle (Bradtke/Gietz) 0.35
13. Hallelujah (Grey/Robin/Youmans) 1.18

Shuffle-Fox-Potpourri:
14. C’est si bon (Betti/Siegel) 1.14
15. Bel Ami (Beckmann/Mackeben) 0.53
16. All Of Me (Harks/Simons) 1.43
17. Wenn wir zwei uns wiedersehen (… wie damals in Paris) (Wayne/Loose) 0.58

Walzer-Potpourri:
18. Der Reigen (Feltz/Straus) 1.16
19. Sous les ponts de Paris (Rodor/Scotto) 1.17
20. Domino (Ferrari/Siegel) 1.16

Blues-Potpourri: 
21. Rififi (Feltz/Philippe-Gérard/Siegel) 1.27
22. Der Schleier fiel von meinen Augen (Kosma/Siegel) 1.21
23. Ich hab‘ mich so an dich gewöhnt (Rotter/Gaze) 1.06
24. Georgia On My Mind (Carmichael/Gorrell) 1.46

Slowfox-Potpourri:
25. Die Gigerlkönigin (Lincke/Jürgens/Seifert) 1.57
26. Es war in Schöneberg (Bernauer/Schanzer/Kollo) 0.43
27. Wenn ein Mädel einen Herrn hat (Pordes-Milo/Haller/Kollo/Wolff) 0.41
28. Die Männer sind alle Verbrecher (Bernauer/Schanzer/Kollo) 0.42
+
29. Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin (‚Siegel/v.Pinelli) 2.37
30. Frag‘ nicht, warum ich gehe (Das Lied ist aus) (Stolz/Reisch/Robinson) 2.11
31. Die Welt war jung (Le Chevalier de Paris) (Phillippe/Vannier/Colpet) 2.27
32. Illusionen (1. Version, 1952) (Meyer/Rotter) 3.30
33. Heut‘ gefall‘ ich mir (Heymann/Gilbert) 3.20
34. Das Lied vom einsamen Mädchen (Heymann/Gilbert) 3.52
35. Es war beim Bal Paré (Niessen/Relin) 2.39
36. Er war nie ein Kavalier (Niessen/Relin) 2.45
37. Er hiess nicht von Oertzen (Niessen) 3.06
38. Das Lied vom Leierkastenmann (Niessen) 3.06
39. …Und der Mann mit der Harmonika (Wilden/Niessen) 2.40
40. Aber schön war es doch (Niessen/Relin) 3.03
41. Einsam (de Vol/Siegfried) 2.24

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Der Hüllentext der LP aus dem Jahr 1963

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Marlene Dietrich – Songs In German (1964)

FrontCover1Wieder mal so ein Beitrag aus der Rubrik „Höchste Zeit, dass ich hier mal die …. Marlene Dietrich … präsentiere.

Hier ihr ganzes Leben darzustellen, ist einfach ein Ding der Unmöglichkeit, deshalb beschränke ich mich mal vorerst auf die Zeit nach dem II. Weltkrieg (besser gesagt ihre Zeit Anfang der 60er Jahre). Zum besseren Verständnis aber noch diese Information:

Ein Jahr vor Kriegsausbruch verlegte Dietrich ihren europäischen Hauptwohnsitz nach Paris, von wo aus sie begann, Flüchtlinge aus Deutschland und emigrierende Künstler aktiv und finanziell zu unterstützen. Am 9. Juni 1939 legte Dietrich die deutsche Staatsbürgerschaft ab und nahm die US-amerikanische an.
Nachdem sich ihr Geliebter Jean Gabin in den USA freiwillig zu den französischen Befreiungsstreitkräften gemeldet hatte, brannte Dietrich ebenfalls darauf, ihren Anteil für den Kampf gegen den Nationalsozialismus zu leisten. Sie entschloss sich, wenn sie schon nicht wie ein Mann kämpfen durfte, dann doch als Sängerin für die GIs möglichst nahe der Front aufzutreten. Beim Vormarsch nach Deutschland wollte sie früh in Deutschland sein. Während der Ardennenoffensive entkam sie knapp einer Gefangennahme. Wegen ihrer bedingungslosen Solidarität für die kämpfenden „Boys“ wurde sie eine der beliebtesten und begehrtesten Akteurinnen der US-amerikanischen Truppenbetreuung in Afrika und Europa. Später resümierte sie, nie wieder solch einen intensiven Kontakt zu ihrem Publikum gehabt zu haben.

LiveBerlin1960

Live in Berlin, 1960

1961 drehte sie ihren letzten großen Film, Das Urteil von Nürnberg, in dem es um die Nürnberger Prozesse und eine der Kernfragen der Nachkriegszeit geht: Was habt ihr gewusst? Dabei spricht sie als Schauspielerin Texte, von deren Wahrheit sie nicht überzeugt war. In ihren letzten Rollen widerlegte Dietrich die Meinung, dass sie als Schauspielerin nur mäßig begabt war, keine Gefühlsausbrüche spielen konnte, und erntete großen Beifall für ihre Darstellung, die ihr beinahe den Golden Globe für ihre Rolle in Zeugin der Anklage einbrachte.Auf einer Europatournee kehrte sie 1960 nach West-Deutschland und West-Berlin zurück. Wie sie selbst betonte, war ihr Publikum begeistert von ihrer Show. Allerdings traf sie nicht nur auf ein freundliches Publikum, sondern sah sich als angebliche „Vaterlandsverräterin“ auch Anfeindungen von Teilen der Bevölkerung und der Presse ausgesetzt. In Düsseldorf wurde sie von einem jungen Mädchen angespuckt und auf einer Bühne warf jemand mit einem Ei und traf sie am Kopf. Sie weigerte sich allerdings energisch, „sich von einem blonden Nazi von der Bühne vertreiben zu lassen“, der „Werfer“ wurde vom Theater-Publikum fast gelyncht und musste unter Schutz aus dem Theater gebracht werden. Bei einem Interview nach diesem Vorfall antwortete sie auf die Frage, ob sie Angst vor einem Anschlag hätte, lakonisch: „Angst? Nein, ich habe keine Angst. Nicht vor den Deutschen, nur um meinen Schwanenmantel, aus dem ich Eier oder Tomatenflecken kaum herausbekommen würde, um den habe ich etwas Angst.“

1962 trat Marlene Dietrich in Düsseldorf bei der UNICEF-Gala auf. 1963 folgte in Baden-Baden ein Auftritt beim Deutschen Schlager-Festival. (Quelle: wikipedia)

Und 1964 nahm die Marlene Dietrich für das Hör Zu/Electrola Label das Album „Die neue Marlene (Marlene Dietrich Singt Chansons)“ auf …  und es zeugt von ihrer Bedeutung, die sie auch noch viele Jahre nach dem Kriegsende hatte, dass diese Aufanhmen auch in den USA eben unter dem Titel „Songs In German“ auf RCA Records veröffentlicht wurde. Leider fehlt bei dieser US-Fassung (warum auch immer) der Song „Sag mir wo die Blumen sind“ (und deshalb habe ich diesen Titel ergänzend in diese Präsentation aufgenommen). Und als weitere Bonus-Titel habe ich dann – angesichts meiner Begeisterung für die LP – auch noch ihre englischsprachige Interpretion von dem Dylan-Klassiker „Blowin´ In The Wind“ hinzugefügt, denn …

… ihre deutsche Version „Die Antwort weiss ganz allein der Wind“ löst bei mir heute noch eine Gänsehaut der ganz besonderen Art aus ..

Marlene Dietrich (ja, diese Diva) hat mit diesen Aufnahmen ein klassisches Anti-Kriegs-Album aufgenommen (man höre sich nur „In den Kasernen“ an)  und so viele der Titel dieses Albums sind leider immer noch verdammt aktuell.

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Marlene Dietrich beim Besuch der UFA-Filmstudios, 1960

Und umso mehr schmerzt es mich, dass die Marlene Dietrich die letzten 11 Jahre ihres Lebens, bedingt durch ihre Tabletten- und Alkohol-Sucht, an ihr Bett gefesselt in Paris verbringen musste. Und ja .. auch ihr Verhältnis zu Männern war alles andere als leicht oder gar einfach … ich nenn´ sowas angesichts einer so beeindruckende Biographie eine Tragödie.

MarleneDietrich01

Besetzung:
Marlene Dietrich (vocals)
+
Ein unbekanntes Orchester

BackCover1

Titel:
01. Der Trommelmann (The Little Drummer Boy) (Buschor/Simeone/Onorati/Davis) 2.41
02. Wenn der Sommer wieder einzieht (A Little On The Lonely Side) (Robertson/Weldon/Cavanaugh/Metzl) 3.01
03. Ich werde dich lieben (Theme For Young Lovers) (Welch/Dietrich)  2.43
04. Paff, der Zauberdrachen (Puff, The Magic Dragon) (Oldörp/Lipton/Yarrow) 4.03
05. Scht … kleines Baby (Hush Little Baby) (Siegel/Costa/Dietrich) 2.27
06. Mutter, kannst du mich vergeben (Mother, Can You Forgive Me) (Niemen/Grau/Dietrich) 4.03
07. Wenn die Soldaten (When The Soldiers) (Pronk/Traditional) 2.58
08. Die Antwort weiss ganz allein der Wind (Blowing In The Wind) (Dylan/Bradtke) 3.53
09. In den Kasernen (In The Barracks) (Koch/Gerard) 3.07
10. Und wenn er wiederkommt (And When He Returns) (Maeterlinck/Colpet/Gerard) 2.55
11. Auf der Mundharmonika (On The Harmonica) (Spolianski/Gilbert) 2.33
+
12. Sag mir wo die Blumen sind Colpet/Seeger) 3.40
13. Blowin´ In The Wind (Dylan) 4.00

LabelB1

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Wie viele Straßen auf dieser Welt
Sind Straßen voll Tränen und Leid?
Wie viele Meere auf dieser Welt
Sind Meere der Traurigkeit?
Wie viele Mütter sind lang schon allein,
Und warten und warten noch heut‘?

Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind,
Die Antwort weiß ganz allein der Wind.

Wie viele Menschen sind heut‘ noch nicht frei,
Und würden es so gerne sein?
Wie viele Kinder geh’n abends zur Ruh‘
Und schlafen vor Hunger nicht ein?
Wie viele Träume erflehen bei Nacht,
Wann wird es für uns anders sein?

Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind,
Die Antwort weiß ganz allein der Wind.

Wie große Berge von Geld gibt man aus,
Für Bomben, Raketen und Tod?
Wie große Worte macht heut‘ mancher Mann,
Und lindert damit keine Not?
Wie großes Unheil muß erst noch gescheh’n,
Damit sich die Menschheit besinnt?

Die Antwort, mein Freund, weiß ganz allein der Wind,
Die Antwort weiß ganz allein der Wind.