Connie Francis – Melodien die die Welt erobern (1966)

frontcover1Freiweg von der Leber: In den 60er Jahren war als 10jähriger Steppke von diversen Schlagersängerinnen hellauf begeistert, ich schmachtete sie geradezu an … dazu zählte dann auch die Connie Francis. Und so ging der Connie Francis Hype in Deutschland los:

In den USA war sie schon ein Star, in Deutschland sollte sie es werden: Connie Francis flog ein, nahm „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ in deutscher Sprache auf und flog wieder ab. Und hinterließ der Plattenfirma ein großes Problem, dass nur dank einer Schere gelöst werden konnte.

Während sich Connie Francis in den USA innerhalb kurzer Zeit zum Superstar entwickelte, verliefen in Deutschland die Verkäufe ihrer Schallplatten etwas schleppend. Man wusste mit der englischen Sprache noch nicht viel anzufangen, daher war die Nachfrage nach ausländischen Produktionen eher mäßig. Auch im Rundfunk – abgesehen von Radio Luxemburg – wurde kaum fremdsprachige Musik gesendet. Doch der Plattenproduzent Gerhard Mendelson erkannte mit seinem Gespür für Trends und Talente das Potential der jungen Sängerin, holte sie über den großen Teich und ließ sie auf deutsch singen.

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Das Repertoire der MGM wurde in Deutschland unter dem Dach der Polydor veröffentlicht. Die Original-Single von 1960 mit der „gekürzten“ Fassung – Connie Francis wurde von einem Orchester unter der Leitung von Joe Sherman begleitet.

Aufhänger für ihren Besuch war die erste Fernsehshow, die Peter Kraus selbst produzierte: „Herzlichst, Ihr Peter Kraus – Ein musikalisches Autogramm“. Im Mai 1960 wurde die Sendung mit Connie Francis als Stargast aufgezeichnet – ein eindrucksvoller Auftritt, wie in der „Bravo“ stand: „Es war nur ein Trick. Aber was für einer: da standen am oberen Ende einer schlichten Treppe mehrere hohe Spiegel. In den Spiegeln erschien die Gestalt der singenden Connie Francis. Zweifach, dreifach…. Sie sang über Playback „My Happiness“ mehrstimmig und bewegte sich so zwischen den Spiegeln, dass es dem Zuschauer nicht möglich war, zu erraten, was Spiegelbild und was die wirkliche Connie war“.

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Peter Kraus mit Connie Francis

Bei dieser Gelegenheit entstand auch Connie Francis’ deutschsprachiges Plattendebüt. Ihr Hit „Everybody’s somebody’s fool“ wurde mit einem deutschen Text versehen. Ralph Maria Siegel, der Vater von Ralph Siegel, dichtete „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“. Gerhard Mendelson ließ Connie Francis im Plattenstudio den deutschen Text auf das bestehende Playback singen. Dass sie der deutschen Sprache nicht mächtig war und ihr die Aussprache des Textes Schwierigkeiten bereitete, fiel zunächst nicht ins Gewicht. Schließlich waren deutsch singende Ausländer en vogue und und ein Akzent hatte ja auch einen gewissen Charme.

Als Mendelson das fertige Band abhörte, schlug die anfängliche Begeisterung jedoch um und er wollte den Titel nicht mehr veröffentlichen. Der Grund war Francis’ deutsche Aussprache, die größtenteils unverständlich war. Was läge in solch einem Fall näher, als die Aufnahme einfach zu wiederholen? Dies war allerdings unmöglich, da bestehender Termindruck dafür sorgte, dass Connie Francis unmittelbar nach dem Einsingen bereits wieder im Flieger saß. Ein Rückruf der Künstlerin wäre viel zu teuer geworden, so dass ein Aufnahmeband zurückblieb, welches nicht verwendbar war.

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Der Anfang: Ihre frühen Singles

 

„Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ wäre somit in den Archiven verstaubt, hätte das Band nicht ebenfalls eine Reise angetreten. Ziel war der Sitz der Polydor in Hamburg, wo sich der Produzent Bobby Schmidt der Sache annehmen sollte, um zu retten, was zu retten ist. Über seine Aufgabe erzählte er in einem Interview: „Ich hörte mir das Ganze noch ein paar Mal an, ging dann ins Studio, stellte mich selbst vors Mikrofon und synchronisierte Francis nach. Allerdings nur einzelne Laute, vor allem die „s-Laute“, wie „sp“ oder „st“. Dann haben wir diese „s-Spur“ zum Rest gemischt. Es hatte geklappt, man konnte nun dem Text bestens folgen“.

Die erste Strophe des Liedes war allerdings nicht zu restaurieren. Diese fiel rigoros der Schere zum Opfer. Dies erklärt, dass „Die Liebe ist ein seltsames Spiel“ zu den wenigen Titeln gehört, die mit dem Refrain und einem Tonartwechsel beginnen. Dass sich die Mühe gelohnt hatte, belegten die Verkäufe bald nach der Veröffentlichung. Das Stück wurde ein Superhit , belegte im Oktober 1960 für zwei Wochen den 1. Platz und fand sich auch in der Jahresauswertung unter den zehn meistverkauften Singles. (Quelle: swr.de)

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Na ja … und dann ging´s Schlag auf Schlag und dass sie in Deutschland in der ersten Hälfte der 60er Jahre sehr erfolgreich wurde, zeigt auch die Tatsache, dass man ihr dann 1966 einen Sampler  spendierte.

Es handelte sich dabei um eine Zusammenstellung bereits früher erschienenen Titel. Meist wurden dafür die Originalaufnahmen aus den USA genommen und die deutsche Gesangsspur im overdub Verfahren addiert.

Ein Blick auf die Titelliste lohnt sich … da hören wir nicht nur „O mein Papa“ sondern auch „Over The Rainbow“ und selbst die Titelmusik des Filmes „Alexis Sorbas“ gibt es hier als „Zorbas Tanz“.

Und abseits meiner damaligen kindlichen Schwärmereien … ein nettes Stückchen Zeitgeschichte aus dem Bereich des deutschen Schlagers der 60er Jahre.

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Besetzung:
Connie Francis (vocals)
+
diverse US Orchester

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Titel:
01. Wenn du in meinen Träumen bei mir bist (Somewhere Over The Rainbow) (Arlen/Harburg/Verch) 3.52
02. Malagueña (Lecuona) 3.10
03. Deine Liebe (True Love) (Porter/Glando) 3.13
04. Heißer Sand (Feltz/Scharfenberger) 3.02
05. Für immer (Moon River) (Mancini/Mercer/Relin) 2.44
06. Zorbas Tanz (Theodorakis/Bader) 3.23
07. Drei Münzen im Brunnen (Three Coins In The Fountain) (Styne/Cahn/Beckmann) 3.10
08. O Mein Papa (Burkhard) 3.32
09. Sag, weißt du denn was Liebe ist (Love Is A Many Splendored Thing) (Webster/Fain/ Verch) 2.49
10. Blaue Nacht am Hafen (Jealous Heart) (Carson/Wilke) 2.31
11. Vay Con Dios (Pepper/James/Russel/Feltz) 3.18
12. Romantica (Verde/Bonifay/Rascal/Berthier) 3.10
+
13, SWR Radio Portrait (anlässlich ihres 80. Geburtstag am 12.12.2018) 3.45

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Tanzorchester Werner Müller – Tanzparty 66 (1966)

FrontCover1Und noch so einer, der die Unterhaltungsmusik des Nachkriegsdeutschlands geprägt hat: Werner Müller:

Werner Müller (* 2. August 1920 in Berlin; † 28. Dezember 1998 in Köln) war ein deutscher Autor, Komponist, Dirigent, Arrangeur und Orchesterleiter.

Eigentlich wollte Müller „Afrikaforscher“ werden, ersatzweise auch Mediziner. Sein Vater sorgte jedoch dafür, dass er eine Musikausbildung erhielt. Klavier und Geige waren die ersten Instrumente Müllers und mit 10 Jahren trat er bereits als Solist mit einem Violinkonzert von Mozart auf. 1936 ging Müller auf die Militärmusikschule in Bückeburg. Dort lernte er auch noch Posaune. Während des Wehrdienstes kam Müller in ein Musikcorps, in dem auch der Geiger Helmut Zacharias diente. In amerikanischer Kriegsgefangenschaft machte Werner Müller begeistert Bekanntschaft mit dem Swing.

1946 lernte Müller mit dem Orchester Kurt Widmann in Berlin die wohl „heißeste“ Band Berlins kennen. Noch nicht ganz 30 Jahre alt, übernahm Müller 1949 das damals neu aufgestellte Tanzorchester des RIAS Berlin, zu dessen Erfolgsrezept dank Werner Müller bald die Formel „Swing mit viel String“ gehörte. Zu den Instrumentalisten des RIAS Tanzorchesters gehörten renommierte Musiker wie Klarinettist Rolf Kühn, Baritonsaxophonist Helmut Brandt, Pianist Fritz Schulz-Reichel oder auch Gitarrist Arno Flor.

Für das „viel String“ war zuständig der Konzertmeister des RIAS-Tanzorchesters Hans-Georg Arlt mit 18 Streichern. Die weitere Zusammenstellung des Orchesters, unter anderem mit vier Trompeten, vier Posaunen, fünf Saxophonen und vier Rhythmusinstrumenten, verlieh den Aufnahmen einen unverwechselbaren Klang, der auch heute noch die Zuhörer fasziniert.

WernerMüllerIn den 1950er- und 1960er Jahren kannte jeder Kinobesucher Müllers Titel „Sport und Musik“ aus der Sportberichterstattung in der Wochenschau. Ein Welterfolg wurde Mitte der 1950er Jahre sein Arrangement von „Malagueña,“ komponiert ca. 1928 von dem Kubaner Ernesto Lecuona, in der Vokalversion mit Caterina Valente. Voller Stolz benannte Müller dann auch seine eigene Motoryacht nach diesem Titel. Müller verhalf als Produzent vielen Gesangssolisten der Nachkriegsjahre zu Starruhm, wie Rita Paul, Mona Baptiste oder auch Bully Buhlan. Aus Müllers Feder stammt die Titelmelodie der ARD Sportschau Topsy, welche ursprünglich als B-Seite der Single Schaufenster Deutschland veröffentlicht wurde.

Nach 18 Jahren in Berlin wechselte Müller 1967 über nach Köln, übernahm dort das WDR-Tanzorchester und war damit auch in vielen Fernsehshows zu sehen. Im Laufe der Zeit entstanden Dutzende von Schallplatten mit der Bezeichnung „Orchester Werner Müller“, von denen es jedoch nur sehr wenige in die CD-Zeit geschafft haben. Wegen des Umlautes „ü“ in seinem Namen nannte sich Müller für Plattenveröffentlichungen im Ausland dort auch „Ricardo Santos“. Erfolgreich wurden seine vielen Tango-Einspielungen und Instrumentaltitel wie „Baia“ von Ary Barroso oder „Siboney“ und „Malagueña“ von Ernesto Lecuona sowie viele weitere Titel.

Werner Müller war als RIAS- und WDR-Tanzorchesterchef vielfach als musikalischer Leiter für Sendungen von Hans Rosenthal verantwortlich: „Spaß muß sein“, „Allein gegen alle“, u.a. Auf dem Bildschirm produzierte er Anfang der 1960er Jahre die legendäre Sendereihe „Werner Müllers Schlager-Magazin“ (NDR/RIAS-Produktion) mit dem Moderator Harald Juhnke.

Auch als Buchautor konnte Werner Müller Erfolge verzeichnen, so 1983 mit seinem Polit-Thriller Gold für tausend Jahre (Goldmann Verlag), dem noch drei weitere Thriller folgen sollten. (Quelle: wikipedia)

Und hier nun eine recht schmissige Scheibe aus dem Jahr 1966, wo er mühelos den Spagat schafft, Songs wie „Yesterday“, „Marmor, Stein und Eisen bricht“, „Siebzehn Jahr, blondes Haar “ und dem „Kommissar-Maigret-Theme“ zu vereinen und in diesem geschmeidigem „Werner Müller Sound“ zu präsentieren. Bravo !

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Besetzung:
Tanzorchester Werner Müller

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Titel:
01. Let’s Dance (Buchholz/v.Weber) 2.06
02. A Taste Of Honey (Scott/Marlow) 2.28
03. Give Me Five Minutes More (Cahn/Styne) 2.09
04. Kommissar-Maigret-Theme (Quelle) 2.12
05. Eine Schwarzwaldfahrt (Jankowski) 2.33
06. The Sheik Of Araby (Snyder/Smith/Wheeler)) 2.31
07. Red Roses For A Blue Lady (Tapper/Brodsky) 2.14
08. Jeepers Creepers (Warren) 2.11
09. Siebzehn Jahr, blondes Haar (Jürgens) 1.59
10. Avalon (Jolson/DeSylva/Rose) 2.08
11. Chim, chim cheree (R. B. Sherman/R. M. Sherman) 2.10
12. Marmor, Stein und Eisen bricht (Bruhn) 2.21
13. Nabucco-Melody (Verdi) 2.33
14. Yesterday /Lennon/McCartney) 2.04

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Weihnachten 2018 (19): Berliner Mozartchor – Stille Nacht, heilige Nacht (1966)

FrontCover1.JPGUnd auch der Berliner Mozartchor hat in den 60er Jahren mindestens ein Weihnachtsalbum zur Erbauung der Menschen veröffentlicht:

Der Berliner Mozart-Chor (Berliner Mozartchor, Berliner Mozartkinderchor, Berliner Mozart-Kinderchor, Berliner Mozart-Jugendchor) ist der älteste Berliner Jugendchor. Er baut sich aus 1–2 Kinderchören nach Alter gestaffelt und dem Jugendchor auf. Hier singen Kinder und Jugendliche im Alter von 5–28 Jahren. Zum Repertoire gehören deutsche und ausländische Volkslieder sowie kleinere chorsinfonische Werke vor allem von Mozart. Für den Gründer Erich Steffen war es ein Anliegen, die Kinder von den Straßen der Großstadt zu holen, ihnen mit der Hinwendung zur Musik und mittels der Reisen einen Halt zu geben und „empfänglich zu machen für alles Gute und Schöne“. Der Name Mozarts bedeutete von Anfang an nicht, dass der Chor sich nur dem Werk Mozarts widmete, sondern sollte die Absicht verdeutlichen, Jugend und Musik miteinander zu verbinden, aber auch künstlerischen Anspruch darstellen. Der Chor ist Mitglied im Chorverband Berlin sowie im Deutschen Chorverband.

Der Berliner Mozart-Chor wurde im Frühjahr 1922 von Erich Steffen als Schulchor Berlin-Weißensee an der Schule in der Wörthstraße, heute Smetanastraße, gegründet. Der Probenort war bis 1931 die Aula des Realgymnasiums in der Woelckpromenade, bis die Schule an der Ecke Parkstraße/ Amalienstraße einen Neubau mit einem Musikraum erhielt, in dem nun die Proben stattfanden. Die Besetzung des Chores entsprach einem Kinderchor, der Chor sang gleichstimmig. Die Kinder waren zwischen 8 und 14 Jahre alt und gehörten bald auch anderen Schulen an.

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Der Berliner Mozart-Chor im Jahre 1932

1923 fand das erste Konzert im Gebäude der Berliner Singakademie, heute Maxim-Gorki-Theater statt. Im Sommer 1923 unternahm der Chor mit 120 Kindern seine 1. Konzertreise nach Mecklenburg und Pommern. Auf den Konzertreisen waren die Chormitglieder an den Konzertorten in Privatquartieren untergebracht. Jedes Chormitglied hatte ein „Führungsbuch“, in das die Quartiereltern etwas zur Erinnerung eintrugen, sich aber auch über das Betragen des Chormitglieds äußern sollten. Diesen ersten Reisen und Konzerten folgten weitere. Ziele der Reisen waren zunächst in Deutschland, später auch in angegliederten Gebieten wie Schlesien und Sudeten, häufig reiste man mit der Bahn in Abteilen der 3. oder 4. Klasse.

Wahlspruch des Chores:

Frohe Lieder lasst uns singen,
Euch zur Freude, uns zur Lust.
Schönern Gruß kann keiner bringen,
als ein Lied aus frischer Brust.

(Joseph von Eichendorff)

1925 übernahm die Stadt Berlin das Patronat für den „Berliner Mozart-Jugendchor“. Erich Steffen wurde vom Schuldienst als Lehrer befreit. Von 1925 bis 1937 war der jeweilige Oberbürgermeister Berlins der ersten Vorsitzende des Chores.

1927 gab der Chor sein 250. Konzert in der Berlin an der Musikhochschule, 1933 bereits sein 500. Konzert in der Berliner Singakademie. 1937 wurde der Chor der Hitlerjugend zwangsangegliedert. Nach Inkrafttreten der „Zweiten Durchführungsverordnung zum Gesetz über die Hitler-Jugend“ (Jugenddienstverordnung) vom 25. März 1939 musste jeder Jugendliche in der Hitlerjugend Dienst tun, das Singen im Chor galt als Ableistung ERich Steffen.jpgdieses Dienstes. „Mit der geschlossenen Übernahme des Chores aber ist verbunden, daß die Teilnahme an den Chorproben, an Konzerten usw. ‚Dienst‘ ist, die ‚Pflicht‘ somit also abgegolten ist. … Auf diese Weise entging ich dem üblichen HJ-Dienst.“ schrieb Hermann Prey. Die Mitglieder des Mozart-Chores sollen 1938 nach Möglichkeit ein Instrument spielen lernen, 1939 wurde Erich Steffen auch Leiter der städtischen „Jugendmusikschule Berlin-Mitte“. Dadurch gab es in den Konzerten nun auch instrumentale Beiträge, vor allem Kammermusik. Der Chor wurde nun für Rundfunksendungen herangezogen, gemeinsam mit den Rundfunkspielscharen. 1941 fand die erste Konzertreise ins Ausland nach Dänemark und Norwegen statt. 1942 gab der Berliner Mozart-Chor sein 1000. Konzert in der Berliner Singakademie. 1943 wurde der Mozart-Chor im Rahmen der Kinderlandverschickung nach Küstrin evakuiert, 1945 floh der Chor aus Küstrin. 1945 internierte die russische Besatzungsmacht Erich Steffen, da die Tätigkeit als Chorleiter als „Korpsleiter“ missverstanden wurde. Erich Steffen blieb in Haft im Internierungslager Sachsenhausen bis 1950.

Von 1945 bis 1950 versuchten die verbliebenen Sänger, weiter Chorproben abzuhalten unter wechselnden Leitern und bildeten teilweise den Kern für die Neugründung des „Jugendchores der Stadt Berlin“.

1950 kam Erich Steffen frei und wagte einen Neuanfang in Verbindung mit der „Volkshochschule des Stadtbezirkes Berlin-Wilmersdorf“. Seit dieser Zeit ist der Chor nun ein gemischter Jugendchor. Im September 1950 fand das erste Konzert unter Erich Steffen unter der Mitwirkung von Hermann Prey statt. Danach nahm der Chor seine Konzert- und Reisetätigkeit wieder auf. 1951 tauchte zum ersten Mal der Begriff „Die singenden Sendboten Berlins“ für den Chor auf, 1955 gab der Chor sein 1500. Konzert im Konzertsaal der Hochschule für Musik Berlin.

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1956 wurde die „Berliner Mozartinum-Gesellschaft“ gegründet. Ihre Aufgabe war es ursprünglich, Geld für den Bau eines „Berliner Mozartinums“ zu sammeln, einer außerschulischen musikalischen Bildungsstätte für junge Menschen mit Veranstaltungssaal, Freilichttheater, Unterrichtsräumen, einer Bibliothek, einem Aufnahmeraum und einer Instrumentenausleihe. Zur Verwirklichung diese Planes kam es nicht, sodass die Aufgaben der Gesellschaft später umgewandelt wurden in „Unterstützung und Förderung“ des Berliner Mozart-Chores. Heute ist die Mozartinum-Gesellschaft ein eingetragener Verein und gemeinnützig. 1963 gab der Chor sein 2000. Konzert im Haus des Rundfunks. 1966 erhielt der Berliner Mozart-Chor die „Goldene Schallplatte“ für die Weihnachtsschallplatte „Stille Nacht, heilige Nacht“. 1967 reiste der Chor in die USA, 1970 gab der Chor sein 2500. Konzert in der Auenkirche in Berlin-Wilmersdorf. 1972 erkrankte Erich Steffen schwer, Roderich Schultze-Spohr übernahm übergangsweise die Leitung, 1973 wurde die Leitung des Chores an Reinhard Stollreiter, selbst ehemaliger „Mozartianer“, übergeben, der den Chor in der Tradition von Erich Steffen weiterhin fortführte. 1974 verstarb der Gründer Erich Steffen. (Quelle: wikipedia)

Und damit ist die Geschichtes dieses Chors noch lange nicht vorbei. Bis heute gibt es diesen Chor !

Und hier diese LP, die 1966 eine „Goldene Schallplatte“ bekommen hatte.

Nun, die Lieder sind allsamt feinsinng und dezent instrumentiert und natürlich hört man, dass es sich um geschulte Kinderstimmen handelt. Und wir hören sage und schreibe 36 Weihnachtslieder (!) … und das führt dann natürlich dazu, dass alle Lieder letztlich nur „angesungen“ werden.

Ich kann mir helfen, so hochwertig diese Aufnahme auch sein mögen, irgendwie finde ich es resepektlos, wenn man quasi im Schweinsgalopp durch die deutschen Weihnachtslieder hechelt …

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Der heutige Berliner Mozartchor als Straßenmusiker

Besetzung:
Berliner Mozartchor unter der Leitung von Erich Steffen
+
Günther Passin (oboe)
‚Werner-Ingo Schmidt (organ)
+
Celesta – Klavier + Weihnachtsgeläut

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Titel:
01. Glockengeläute des Domes zu Münster / Vom Himmel hoch, da komm‘ ich her (Luther) 2.09
02. Stille Nacht, Heilige Nacht (Gruber/Mohr) 2.03
03. Es ist ein Ros‘ entsprungen (Traditional) 2.01
04. O du fröhliche (Traditional) 1.57
05. In dulce jubilo (Traditional) 1.49
06. Äpfel, Nuss und Mandelkerne (Traditional) 0.49
07. Der Heiland ist geboren (Traditional) 1.48
08. Still, still, still, weil´s KIndlein schlafen will (Traditional) 1.41
09. Tochter Zion (Traditional) 1.53
10. Ehre sei Gott in der Höhe (Traditional) 0.52
11. Heilige Nacht, selige Nacht (Reichardt) 1.17
12. Zu Bethlehem geboren (Traditional) 1.21
13. Ihr Hirten erwacht (Traditional) 0.39
14. Als ich bei meinen Schafen wacht’ (Traditional) 1.20
15. Macht hoch die Tür (Traditional) 1.05
16. Lobt Gott, ihr Christen allzugleich (Traditional) 1.12
17. Leise rieselt der Schnee (Ebel) 1.24
18. Hohe Nacht der klaren Sterne (Baumann) 0.56
19. Schlafe, mein Prinzchen, schlaf‘ ein (Mozart/Flies/Gotter) 3.27
20. Ihr Kinderlein kommet (Schulz/Schmid) 1.48
21. Morgen Kinder wirds was geben (Traditional) 0.50
22. Morgen kommt der Weihnachtsmann (Traditional) 0.47
23. Alle Jahre wieder (Silcher/Hey) 0.43
24. Süßer die Glocken nie klingen (Kritzinger) 0.53
25. Kling, Glöckchen, klingelingeling (Widmann) 0.34
26. Vom Himmel hoch, o Engel kommt (Traditional) 0.40
27. Josef, lieber Josef mein (Traditional) 1.28
28. O Tannenbaum (Traditional) 1.00
29. Am Weihnachtsbaum, die Lichter brennen (Kletke) 0.35
30. O Freude über Freude (Traditional) 1.13
31. Kindelein, schließ die Augen zu (Unger/Kölling) 1.36
32. Kommet ihr Hirten (Traditional) 1.20
33. Schlaf wohl, du Himmelsknabe du (Traditional) 2.18
34. Lieb Nachtigall, wach auf (Traditional) 1.04
35. Über Sterne über Sonnen (Eia Weihnacht) (Traditional) 2.16
36. Fröhliche Weihnacht überall (Traditional) / Weihnachtsgeläute Dom zu Freiburg 0.53

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Helmut Zacharias – Und seine verzauberten Geigen spielen Evergreens (1966)

FrontCover1Höchste Zeit, sich auch mal diesem „Unterhaltungsmusiker“ zuzuwenden … Denn auch er hatte – wie viele seiner großen Kollegen – ein ausgeprägtes Gespür für Jazz … und das hört man auch, z.B. auf diesem Album:

Helmut Zacharias begann mit vier Jahren Geige zu spielen. Noten lesen konnte er, bevor er in die Schule kam. Zusammen mit seinem Vater, einem Komponisten und Geiger, trat Helmut Zacharias schon als Kind öffentlich auf. Er machte Weltkarriere: als „Zaubergeiger“ feierte er nicht nur in Europa Riesenerfolge, auch in den USA landeten seine Unterhaltungsmelodien in den Hitlisten (Wenn der weiße Flieder wieder blüht).

Der Geiger Helmut Zacharias zählte bereits im Alter von sechzehn Jahren zu den Wunderkindern dieses Jahrhunderts.

Erste musikalische Gehversuche unternahm das am 27. Januar 1920 in Berlin geborene Talent bereits als Zweieinhalbjähriger auf einer mit richtigen Saiten bespannten Blechgeige, die sein Vater, der Geiger Karl Zacharias, für ihn präpariert hatte. Im Alter von vier Jahren begann für den Frühbegabten der seriöse Unterricht, mit 6 absolvierte er seinen ersten öffentlichen Auftritt, zwei Jahre später war er der jüngste Student in Professor Gustav Havemanns Meisterklasse an der Akademischen Hochschule in Berlin.
Helmut Zacharias‘ Vielseitigkeit auf der Violine war grenzüberschreitend.

Er liebte die heiße Swingmusik der 40er Jahre ebenso wie die ernste Klassik, und wenn der Zeitgeist es erforderte, begann er sich mit gleicher Begeisterung auch auf die Bühne des deutschen Schlagers, mit dem er vor allem in den 60er und 70er Jahren große Erfolge feierte. Sein allererster Hit „Schönes Wetter heute“ stammt aus dem Jahr 1941. Er wurde von Goebbels Kulturschergen erst entdeckt, als er schon zum Bestseller geworden war.

Zacharias01Von Beginn seiner professionellen Laufbahn an hatte der unnachahmliche Klang seines Instruments einen großen Wiedererkennungswert. Gepaart mit seiner virtuosen Spieltechnik entwickelte sich aus dieser Kombination der einzigartige Zacharias-Sound, ein Novum, an dem er als Arrangeur schon lange vor dem Erscheinen von Mantovani, Ray Conniff, James Last, Bert Kaempfert und anderen Soundtüftlern gebastelt hatte.

Helmut Zacharias arrangierte 1.600 Musikstücke, komponierte 400 Titel und verkaufte 14 Millionen Schallplatten. Er erhielt zahlreiche Preise, darunter den „Welt-Oscar“ der leichten Musik und das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland.

Helmut Zacharias lebte seit über 30 Jahren mit seiner Frau und Managerin Hella am Lago Maggiore in der Schweiz. Sie haben drei Kinder.

Unvergesslich sind Helmut Zacharias‘ Interpretationen und Bearbeitung der Melodien. Seine Komposition „Tokyo Melody“ zum Beispiel kletterte 1964 in britischen Charts auf Platz 1.

Sein „Frag den Wind“ errang 1966 beim brasilianischen Chanson-Wettbewerb in Rio de Janeiro ebenfalls den ersten Platz.

Diese und unzählige andere Erfolge brachte dem schon 1937/38 mit dem Bernhard Molique- und dem Fritz Kreisler Preis ausgezeichneten Geigen- Virtuosen eine Vielzeit von weiteren Auszeichnungen.

Einige der wichtigsten unter ihnen sind „The Best Jazzviolinist“, AFN-Frankfurt (1959), „Grand Prix du Disque“, „Academie Charles Cros“ Paris (1956), „Maschera D’Argento“ Popularity Price Rom (1951), „Welt-Oscar/leichte Musik“ Florenz (1963), „Popularity Price“ Venezuela (1974), „7 eigene TV Shows“ im ZDF und bei der ARD (1968-1974), „Prémio del sol“ Mallorca (1977), das „Große Verdienstkreuz der BRD“ (1985), „Große TV Show“ anläßlich seines 70. Geburtstages (1990), „Die goldene Stimmgabel“ ARD (1992) und den „Bambi“ (1995).

Tragischerweise mußte der große Künstler seine Karriere leider beenden. Seinen letzten Auftritt hatte er 1995 in der ZDF- Sendung „Melodien für Millionen“.

Helmut Zacharias mit James Last & Max Greger (1971)

Helmut Zacharias mit James Last & Max Greger (1971)

Helmut Zacharias war schwer erkrankt. Die Diagnose: Alzheimer. Schon Mitte der 90er Jahre zog er sich aus dem öffentlichen Leben zurück. Selbst kaum einer der Freunde wußte um die Krankheit, bis die Familie Zacharias, nach Veröffentlichung eines böswillig frei erfundenden Zeitungsartikels, das Stillschweigen brach und durch die folgenden Aktivitäten erheblich dazu beitrug, das Thema in der Öffentlichkeit endlich zu enttabuisieren (denn die Alzheimerkrankheit ist weitverbreitet, alleine in Deutschland sind etwa eine Million Menschen betroffen).

Für Zacharias, der Anfang der vierziger Jahre die Klassik gegen den Swing eintauschte, folgte auf die Zeit als Soldat, die er zusammen mit dem späteren Rias Tanzorchesterchef Werner Müller als Funker bei der Luftwaffe absolvierte, ein Engagement beim neu gegründeten Orchester des Berliner Rundfunks.

Neben Gerhard Wendland und Freddy Quinn wurde er zu einem der ersten großen Plattenstars der Nachkriegszeit. 1950 wählte der amerikanische Sender AFN Frankfurt „Deutschlands Mister Geige“ zum besten Jazzgeiger der Welt.
Zahlreiche Aufnahmen folgten, und kaum ein anderer deutscher Musiker machte Swing in Deutschland so populär wie Zacharias. Ob nun „Boogie for Geige“, „Ich küsse ihre Hand, Madame“ oder „Somewhere My Love“ Zacharias prägte das musikalische Wir-Gefühl einer Generation, die mit Hans-Joachim Kulenkampf, Peter Frankenfeld und Hans Rosenthal das Fernsehen entdeckte.

Nach langer Alzheimer-Krankheit starb Helmut Zacharias mit 82 Jahren am 28. Februar 2002 in Brissago, Schweiz.

Ich schieb ja vorhin, dass seine Jazzprägungen durchaus zu hören sind. Das geht schon bei „Moonglow“ los … und setzt sich einfach entsprechend fort. „On The Sunny Side Of The Street“ ist eh ein Klassiker und beim „River-Kwai-Marsch“: Damusste dochauf der Stelle andie Underberg-Werbung denken, die diesen Songs sehr erfolgreich als Erkennungsmelodie für ihr Produkt eingesetzt haben … Wie auch immer: diese LP ist durchaus eine gelungene und angenehme Überraschung. Wäre sie z.B. vom MPS-Label entsprechend vermarktet worden … gar nicht auszudenken !

Als kleinen Bonus habe ich seine intensive schon fast psychedelische Version des Donovan Hits „Hurdy Gurdy Man“ (ebenfalls aus dem Jahr 1966) beigefügt … Und nun wünsche ich viel Vergnügen mit diesem sympahtischen Geiger !

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Besetzung:
Helmut Zacharias (violin)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. Moonglow (Hudson/De-Lange/Mills) 2.41
02. On The Sunny Side Of The Street (Fields/McHugh) 2.16
03. Valencia (Padilla/Conta) 2.18
04. Come Prima (Taccini/di Paola) 1.56
05. Kiss Of Fire (Allan) 2.46
06. Wenn der weiße Flieder wieder blüht (Doelle) 2.16
07. River-Kwai-Marsch (Arnold/Alford) 2.23
08. Delicado (Azevedo) 3.14
09. Piove (Ciao-Ciao-Bambina) (Modugno/Verde/Parish) 2.18
10. Stormy Weather (Koehler/Arlen) 3.04
11. Dream (Mercer) 3.30
12. Il Nostro Concerto (Bindi/Calabrese) 3.26
+
13. Hurdy Gurdy Man (Leitch) 2.34

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James Last – Hammond A Gogo Vol. II (1966)

FrontCover1In der Regel kann ich mir gelegentlich den James Last anhören …

Aber hier, wurde meine Geduld schon auf eine sehr harte Probe gestellt, denn James Last lässt hier die von mir heiß und innig geliebte Hammond Orgel traktieren. Damit meine ich nicht etwas die ekstatische Spielweise eines Keith Emerson, sondern … nein, hier muss sie erklingen wie eine Tingel-Tangel Orgel auf der Kirmes.

Ich zitiere mal:

„Bekannte Evergreens und aktuelle Schlagermelodien rhythmisch serviert im beliebten a gogo sound …. „ (Hüllentext)

Und das endet dann mehr als einmal in einer Zumutung aus … Ansonsten hatte der James Last ja schon ein feines Gespür und Händchen für all jene schmeichelnden Melodien und Arrangements, die dann ja auch Millinen Menschen verzauberten und begeisterten … abder was er hier mit der Orgel veranstaltet … das nehme ich schon fast persönlich.

Von daher sind die besten Momente, wenn das Saxophon zu gelegentlichen Solis ansetzt … aber dafür kann ich mir dann gleich sein Saxophone a gogo Album anhören.

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Die inlets … Quelle für neugierige Nasen …

Besetzung:
James Last und seine Hammond Bar-Combo

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Titel:

01. Foxtrot 3.45
01.01. On The Street Where You Live (Loewe/Last)
02.02. I Love Paris (Porter/Last)
03. Bye Bye Blues (Hamm/Bennet/Lown/Gray/Last)

02. Cha-Cha-Cha 5.05
02.01. Patricia (Prdo)
02.02. Sweet And Gentle (Portal)
02.03. Managua Nicaragua (Fields)

03. Foxtrot 2.33
03.01. Lights Out (Hill)
03.02. Vier Worte möcht ich dir jetzt sagen (Rotter/Erwin)
03.03. You Are My Sunshine (Davis/Mitchell)

04. Langsamer Walzer 3.54
04.01. Bist du einsam heut Nacht (Turk/Handman)
04.02. Candlelight-Waltz (Traditional)

05. Latin-Fox 4.26
05.01. Skokiaan (Msarurgwa)
05.02. Stars In Your Eyes (Ruiz)
05.03. Das Leben ist wunderbar (Last)

06. Foxtrot 3.41
06.01. Singin‘ In The Rain (Herb/Brown)
06.02. Bell Bottom Trousers (Jaffe)
06.03. Das gibt es nur in Texas (Traditional)

07. Beguine 4.06
07.01. Estrelitta (Ponce)
07.02. In Portugal (Durso/Mitchell/Kahn)

08. Foxtrot 3.35
08.01. You’re Driving Me Crazy (Donaldson)
08.02. Boo-Hoo (Heyman/Lombardo/Loeb)
08.03. Sweet Georgia Brown

09. Slowfox 4.46
09.01. Danke schön (Kaempfert)
09.02. No Can Do (Simon)

10. Samba 3.03
10.01. Samba Estrella (Fuhlisch/Geisler)
10.02. Balao Cacula (Tedesco/Lennari)
10.03. The Peanut Vendor (Moises/Simon)
10.04. La Bostella (Picar/Gustin

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James Last

James Last (* 17. April 1929 in Bremen als Hans Last; † 9. Juni 2015 in West Palm Beach, Florida)

Bachorchester des Gewandhaus Leipzig (Helmut Koch) – Johann Sebastian Bach – Brandenburgische Konzerte 2 – 3 – 5 (1966)

FrontCover1In wikipedia steht geschrieben:

„Die Klassikaufnahmen des Labels Eterna gehören heute unter Vinylsammlern zu den klanglich und interpretatorisch besten Aufnahmen und sind teilweise sehr gesucht … “

Hier eine Aufnahme von den Brandenburgischen Konzerten Nr.2, Nr. 3 und Nr. 5, eingespielt vom Bachorchester des Gewandhaus Leipzig:

Die musikalische Heimat des 1962 gegründeten Bachorchesters ist Leipzig. Jene Stadt also, in der Johann Sebastian Bach von 1723 bis 1750 als „Director musices und Cantor zu St. Thomas“ die musikalischen Initialen bis auf den heutigen Tag in nachhaltiger Weise prägte. Begründer des Bachorchesters, das sich ausnahmslos aus Mitgliedern des berühmten Gewandhausorchesters zusammensetzt, ist Prof. G. Bosse, der l987 die künstlerische Leitung des Bachorchesters altershalber in die Hände des Gewandhaus-Konzertmeisterkollegen Prof. Chr. Funke legte. Das Repertoire des Bachorchesters ist schwerpunktmäßig von Werken des Barocks, der Frühklassik und Klassik bestimmt. Von der inter-nationalen Kritik immer wieder hervorgehoben wird das vitale Temperament und die musikalisch-gestalterische Fantasie des Ensembles. Der Elan und die spürbare Freude aller Mitwirkenden am schöpferischen Prozess der Interpretation sind ebenso begeisternd wie überzeugend.

Und so manch einer wird sich bei dem Konzert Nr. 3 an die furiose Adaption von Keith Emerson & The Nice erinnern … Schon witzig, dass es ausgerechnet Emerson war, der mir den Weg zu Gevatter Bach ebnete …

Über die Musik braucht man ja eigentlich kaum mehr Worte verlieren. Mit den „Brandenburgischen Konzerten“ hat Bach einen Meilenstein in der Barockmusik komponiert und es erstaunt schon, dass diese Musik (entstanden im Jahr 1721 !) bis heute an Frische und Genialität nichts verloren hat !

Aber auch noch ein paar Worte zu dem Gründer des Ensembles, Gerhard Bosse:

Gerhard Bosse wurde 1922 als Sohn des Militärmusikers Oskar Bosse (1893–1979) geboren und ist in Greiz aufgewachsen. Mit sechs Jahren erhielt er seinen ersten Violinunterricht bei seinem Vater. Ab 1930 wurde er vom Konzertmeister der Reußischen Hofkapelle unterwiesen. Er ging 1936 nach Leipzig und erhielt bei Edgar Wollgandt Unterricht. Nach dem Abitur 1940 studierte er Violine bei Walther Davisson am Leipziger Konservatorium. Schon während des Studiums war er als Substitut beim Gewandhausorchester engagiert. 1943 wurde er ins Reichs-Bruckner-Orchester in Linz berufen und spielte unter Dirigenten wie Karl Böhm, Wilhelm Furtwängler, Carl Schuricht, Herbert von Karajan, Oswald Kabasta und Joseph Keilberth. Außerdem studierte er Gesang am Linzer Konservatorium.

Von 1948 bis 1951 war er Konzertmeister im Kleinen Rundfunkorchester Weimar. Im Jahr 1949 wurde Bosse Professor an der Hochschule für Musik Franz Liszt Weimar und 1951 Erster Konzertmeister des Rundfunk-Sinfonieorchesters Leipzig unter Hermann Abendroth. Außerdem erhielt er eine Professur an der Leipziger Musikhochschule. Von 1955 bis 1987 war Bosse Konzertmeister des Gewandhausorchesters unter den Dirigenten Franz Konwitschny, Václav Neumann und Kurt Masur. Von 1955 bis 1977 war er Primarius des Gewandhaus-Quartetts. 1963 gründete Bosse das Bachorchester des Gewandhauses Leipzig, welches er selbst bis 1987 leitete.

1980 gründete Bosse das Kirishima International Music Festival in Japan. Außerdem war er Gastdirigent der New Japan Philharmonic und Gastprofessor an der Tokyo University of the Arts. 2000 wurde er Musikdirektor des Kobe City Chamber Orchestra und zwei Jahre später Berater der New Japan Philharmonic.

Seit 2000 lebte er mit seiner dritten Ehefrau Michiko in Takatsuki. (Quelle: wikipedia)

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Besetzung:

Bachorchester des Gewandhausorchesters Leipzig  unter der Leitung von Gerhard Bosse:

Gerhard Bosse (violin)
Friedemann Erben (violoncello)
Heinz Hörtzsch (flute)
Hans Pischner (cembalo)
Konrad Siebach (bass)

Dirigent: Helmut Koch

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Titel:
01. Brandenburgisches Konzert Nr. 2 F-Dur BWV 1047 / 12.21
02. Brandenburgisches Konzert Nr. 6 Dur BMV 1048 / 13.24
03. Brandenburgisches Konzert Nr. 5 D-Dur BMV 1050 / 22.29

Kompositionen: Johann Sebastian Bach

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Helen Vita – Ursula Herking – Edith Hancke – Unartige Lieder (1966)

FrontCover1So, meine Damen und Herren, jetzt wird´s frivol und von daher ist diese LP auch ausschlieißlich „nur für Erwachsene“ !

Die Rede ist von einem Sampler, der als „Club-Auflage“ 1966 erschien. Die LP enthält Beiträge von Ursula Herking (Seite 1) und Helen Vita und Edith Hancke (Seite 2).

Helen Vita war ja in diesr Zeit als „Skandelsängerin“ verschrien. Und so liest sich das im Rückblick:

Zur Skandalfigur der Saubermann-BRD in den Prä-68ern wurde Vita vor allem als „fromme Helene“ und mit der seinerzeit Aufsehen erregenden Schallplattenserie mit den „frechen Chansons aus dem alten Frankreich“ in deutscher Übersetzung von Walter Brandin. Die aus heutiger Sicht eher harmlosen, über Jahrhunderte tradierten Volks- und Kinderlieder riefen die deutschen Staatsanwälte und Sittenwächter auf den Plan. Was darauf folgte, waren jahrelange juristische Auseinandersetzungen: Die galant-lasterhaften Lieder wurden von Staats wegen zu verbotenen Liedern erklärt, es ergingen Strafbefehle, Urteile wurden verkündet und wieder aufgehoben, Prozesse neu aufgerollt. „Unter Kunst versteht das Gericht ein Erzeugnis, das den Durchschnittsbürger über den Alltag erhebt und ihm das edelste darstellt, was er sich vorstellen kann“, so begründete der Kölner Richter Bubenberger die Beschlagnahmung der „kunstlosen Schweinerei“. Zeitweilig durften die Platten nur noch mit dem Aufdruck „Für Jugendliche verboten!“ unterm Ladentisch verkauft werden, was sie aber umso erfolgreicher machte. Diese Aufnahmen wurden somit unfreiwillig zu einem Zeitdokument für die Doppelmoral des spießigen Post-Adenauer-Deutschlands. Von der Kritik dagegen wurden sie gelobt und erhielten zweimal den Deutschen Schallplattenpreis. Zu den französischen Chansons gesellten sich nun auch die „bawdy songs“ englischsprachiger Troubadoure. Ihre folgenden Platten hießen Dolce Helen Vita Vol. I und Vol. II. Erst 1969 wurde in einem offiziellen Bescheid des Regierungspräsidiums Nordbaden in Karlsruhe festgestellt, dass Helen Vitas Lieder „künstlerisch hochstehend“ seien. (Quelle: wikipedia)

HelenVita

Helen Vita

Ihre Lieder und Duette mit der Ulknudel Edith Hancke sind nicht nur drollig sondern auch pfiffig … und ich verrate keine Geheimnis, dass ca. 4 weitere Helen Vita LP´s jener Zeit auf eine Präsentation in diesem blog warten.

Von ganz besonderer Qualität sind dann aber auch die Beiträge von Ursula Herking. vielen noch bekannt als bissige Kabarettistin der Münchner Lach und Schießgesellschaft:

Ursula Herking (* 28. Januar 1912 in Dessau; † 17. November 1974 in München; eigentlich: Ursula Natalia Klein) war eine deutsche Schauspielerin und Kabarettistin.

EineFraupacktausUrsula Herking war die Tochter der Theaterschauspielerin und Sängerin Lily Herking, die beim Brand des ehem. Hoftheaters (heute: Altes Theater) in Dessau am 25./26. Januar 1922 ums Leben kam. Nach ersten Auftritten in Dessau ging sie 1928 nach Berlin, bestand aber die Aufnahmeprüfung an der Staatlichen Schauspielschule nicht. Daraufhin nahm sie bis 1930 Unterricht an der Schauspielschule von Leopold Jessner.

Sie begann anschließend ihre Karriere am Friedrich-Theater ihrer Heimatstadt Dessau, wo sie die Seeräuber-Jenny in Die Dreigroschenoper und die Großmutter in Emil und die Detektive darstellte. 1933/34 spielte sie am Staatstheater Berlin und wirkte bis zur Schließung 1935 in Werner Fincks Kabarett Die Katakombe mit.

Außer beim Boulevardtheater erhielt sie ab 1933 zahlreiche Filmrollen. In ihren oft nur kurzen, aber prägnanten Auftritten verkörperte sie kumpelhafte, schlagfertige Frauen aus dem Volk. Nach der Theaterschließung im Herbst 1944 arbeitete sie zwangsverpflichtet in einem Rüstungsbetrieb.

Nach dem Krieg ging sie nach München und war ab 1946 der Star in Rudolf Schündlers Münchner Nachkriegskabarett Die Schaubude, wo Erich Kästner, Axel von Ambesser und Herbert Witt zu den Hausautoren zählten. Berühmtheit erlangte sie unter anderem mit ihrer Interpretation von Kästners Marschlied 1945 (… |Meine Schuh‘ sind ohne Sohlen, | und mein Rucksack ist mein Schrank, | meine Möbel ham die Polen | und mein Geld die Dresdner Bank. | …)

1948 war sie Mitbegründerin des Theaters Die Kleine Freiheit, und 1956 gehörte sie zur ersten Generation der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Weitere Stationen waren u. a. das Kom(m)ödchen in Düsseldorf und die Berliner Kabarette Der Rauchfang und Die Hinterbliebenen. Nicht nur im Kabarett, sondern auch als Diseuse machte sie sich einen Namen. Unter anderem ist sie auf der Schallplatte Frivolitäten – 10 Diseusen – 10 Chansons von Polydor zu hören. Mit Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller gründete sie den Nürnberger Trichter.

Daneben ging ihre Filmarbeit mit Chargenrollen vor allem als resolute, oft etwas schrullige Dame unvermindert weiter; die einzige bedeutende Rolle erhielt sie 1955 in dem Antikriegsfilm Kinder, Mütter und ein General als beherzte Mutter, die 1945 ihren kriegsbegeisterten halbwüchsigen Sohn retten will.

Beim Theater spielte sie an der Kleinen Freiheit 1966 die Präsidentin in Jacques Devals Eine Venus für Milo und 1967 June Buckridge in Frank Markus‘ Schwester George muß sterben. Beim Westfälischen HerkingLandestheater in Castrop-Rauxel übernahm sie 1968 die Titelrolle in Die Mutter und am Jungen Theater Hamburg 1972 in Rolf Hochhuths Die Hebamme. In Bern verkörperte sie 1973/74 die Winnie in Samuel Becketts Glückliche Tage. Weitere Auftritte hatte sie an der Komödie Berlin und seit Anfang der 1970er Jahre am Landestheater Tübingen und am Ernst-Deutsch-Theater in Hamburg. Auch in der im Fernsehen erfolgreichen Rudi Carrell Show trat sie auf.

1967 erhielt sie den Schwabinger Kunstpreis. Auch wurde ihr ein Stern im Walk of Fame des Kabaretts gewidmet.

In erster Ehe war Ursula Herking mit dem Industriemanager und späteren CSU-Mitbegründer Johannes Semler verheiratet. Dieser Ehe entstammen die beiden Kinder Susanne Hess (* 1937) und Christian Semler (1938–2013).

Die Schauspielerin wurde auf dem Münchner Westfriedhof beerdigt. 2012 wurde die Urne aus dem in München aufgelassenen Grab auf Betreiben ihres Sohnes Christian in das Grab ihrer Eltern Lily Herking und Willy Klein auf den Friedhof III in Dessau umgebettet. (Quelle: wikipedia)

Ihre Beiträge sind bis heute mehr als hörenswert, karikieren sie doch unvergängliche Themen wie den Schönheitswahn und die bürgerliche Doppelmoral … Ursprünglich erschienen sie auf ihrem Solo-Album „Eine Frau packt aus“.

Und wenn man sich die Autoren dieser Lieder ansieht, weiß man, dass sich auf dieser LP weitaus mehr als „unartige Lieder“ befinden …

 

Besetzung:
Helen Vita – Ursula Herking – Edith Hancke (vocals)
+
Orchester Bert Grund

BackCover

Titel:

Ursula Herking:
01. Es kommt immer darauf an (Mleinek/Bienert) 2.36
02. Eine Animierdame stößt Bescheid (Grund/Kästner) 2.39
03. 7 Jahre Glück (Wollenberger) 8.16
04. Die geschiedene Frau (Grund/Tucholsky) 2.16
05. Olivia Kosmetova (Grund/Wollenberger) 3.41
06. Herbstliche Erkenntnis (Grund/Hassencamp) 3.34
07. Italien-Reise (Grund/Schwenzen) 4.48

Edith Hancke & Helen Vita:   
08. Die Wahl-Küren (Neumann/Nelson) 1.46
09. Mir ist so mulmig um die Brust (Edith Hancke solo) (Grund/Tucholsky) 4.22
10. Die Kleptomanin (Helen Vita solo) (Hollaender) 2.05
11. Mainzer Spezialitäten (Hollaender) 3.13
12. Nach zehn isses Sünde (Edith Hancke solo) (Grund/Mleinek) 3.42
13. Chor der Fräuleins (Grund/Kästner) 1.48
14. Gebet keiner Jungfrau (Helen Vita solo) (Grund/Kästner) 2.36
15. Prinzeßchen (Hollaender) 3.56

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