Peter Thomas Sound Orchester – Raumpatrouille (The Complete Music) (1966)

FrontCover1Aus der deutschen Film- und Fernsehmusik ist ernicht wegzudenken:

Peter Thomas (* 1. Dezember 1925 in Breslau; † 17. Mai 2020 in Lugano) war ein deutscher Filmkomponist, Dirigent und Arrangeur. Bekannt wurde er unter anderem durch seine Kompositionen für die Edgar-Wallace- und Jerry-Cotton-Kinofilme sowie für die Fernsehserie Raumpatrouille Orion.

Peter Thomas wuchs in Berlin auf und erhielt im Vorschulalter Klavierunterricht. Später war er Organist in der Erlöserkirche in Berlin-Moabit. 1945 kehrte Thomas nach Jahren als Soldat und Kriegsgefangener nach Berlin zurück. Als Pianist trat er in Clubs aller vier Sektoren der Stadt auf. Durch den unterschiedlichen Musikgeschmack von Russen, Amerikanern, Briten und Franzosen hat sich diese Zeit für Thomas als besonders lehrreich erwiesen.

1949 nahm Peter Thomas seine vor dem Krieg begonnenen Studien wieder auf. Er lernte am Mohr’schen Konservatorium und bei Hans Felix Husadel. 1953 machte Thomas seinen Abschluss in den Fächern Dirigieren, Tonsatz, Kontrapunkt und Blasmusik. Das klassische Musikstudium und die aktuellen Hits der amerikanischen Orchester, die Thomas beim Hören des Soldatensenders AFN kennenlernen konnte, inspirierten ihn schon früh zu einem eigenen Stil.

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Peter Thomas (am Klavier) mit dem Schauspieler George Nader (ca. 1966)

Nach seinem Studium arbeitete Thomas als Arrangeur beim RIAS, wo er vor allem Bearbeitungen für Hans Carste schrieb. Beim Nordwestdeutschen Rundfunk war er musikalischer Betreuer der wöchentlichen Radiosendung Berliner Feuilleton. Arrangements für Werner Eisbrenner waren Thomas’ erste Arbeiten für den Film.
Arbeit als Komponist

Durch Vermittlung des Reporters Jürgen Neven-du Mont kam Thomas 1958 zum Fernsehen. Seine Soundtracks zu der Serie Am grünen Strand der Spree (1960) und dem Durbridge-Mehrteiler Es ist soweit (1960) zählen zu seinen bekanntesten frühen Arbeiten, außerdem die zweiteilige Kinderfernsehreihe Wenn einer eine Reise tut, von der eine Folge live von der Funkausstellung 1958 in Frankfurt am Main übertragen wurde. Will Tremper engagierte ihn 1960 als Komponisten für sein Regiedebüt Flucht nach Berlin. Am 25. Juni 1961 erhielt Thomas für dieses Werk das Filmband in Gold in der Kategorie „Beste Filmmusik“. Die gleiche Auszeichnung erhielt er zwei Jahre später für den ebenfalls von Tremper inszenierten Film Die endlose Nacht (1963).

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Der Soundtrack für den Edgar-Wallace-Film Die seltsame Gräfin (1961) bedeutete für Peter Thomas den bis dahin größten Karriereschub. Als Stammkomponist schrieb er bis 1971 für insgesamt 18 Filme der populären Reihe die Musik. Auch durch seine Musik zu den Filmen Die weiße Spinne, Ein Alibi zerbricht (beide 1963), Das Wirtshaus von Dartmoor (1964) und zu der achtteiligen Jerry-Cotton-Filmreihe (1965 bis 1969) avancierte Thomas zu Deutschlands führendem Komponisten für Kriminalfilme. In dieser Zeit komponierte er auch die Erkennungsfanfare der Constantin-Film.

Außerdem entstanden für das Fernsehen die Soundtracks für die Durbridge-Mehrteiler Die Schlüssel (1965) und Melissa (1966). Der aus letzterem stammende gleichnamige Musiktitel erschien auf Single und erreichte am 12. Februar 1966 Platz 4 der deutschen Charts, in denen er zwölf Wochen vertreten war. Peter Thomas nahm den Titel mit der Harald Banter Media Band auf. Der Bert Kaempfert-Trompeter Charly Tabor (Wunderland bei Nacht) fungierte für diese Aufnahme ein einziges Mal als Bassgitarrist. Das Thema war im Dreiteiler lediglich als Hintergrundmusik zu hören und wurde im Film von einer Odeon-Single abgespielt. Tatsächlich erfolgte die Single-Veröffentlichung in einer Neueinspielung bei CBS. Franz Löffler wirkte nunmehr als Bassgitarrist mit. Das eigentliche Titel- und Schlussthema von Melissa war identisch mit der Titelmusik von Die Schlüssel, die bereits 1965 als Single erschien.

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Daneben bot das deutsche Kino der 1960er Jahre Peter Thomas die Gelegenheit, für Filme aller Genres zu arbeiten. Er vertonte die Western Der letzte Mohikaner (1965) und Winnetou und sein Freund Old Firehand (1966) ebenso wie die Großproduktion Onkel Toms Hütte (1965). Thomas schrieb Soundtracks zu Komödien wie Zum Teufel mit der Penne (1968) oder Die Herren mit der weißen Weste (1970) und dem Horrorfilm Die Schlangengrube und das Pendel (1967). Zu seinen Arbeiten zählt ebenso die Musik zu dem Film Erinnerungen an die Zukunft (1970), der ein Jahr später in der Kategorie bester Dokumentarfilm für den Oscar nominiert wurde.

Sein größter Erfolg wurde die Musik zur Science-Fiction-Fernsehserie Raumpatrouille (1966), für die Thomas eine Mischung aus Beatmusik, Jazz, Klassischer Musik und Zwölftonmusik kreiert hat. Auch sein bereits bei anderen Filmen eingesetzter elektronischer Sound hatte bei dieser Arbeit eine besondere Bedeutung. So benutzte er, um entsprechende Klangeffekte zu erzielen, unter anderem einen Vocoder aus dem Zweiten Weltkrieg. Auch das gemeinsam mit dem Toningenieur Hansjörg Wicha entworfene Thowiphon, das Thomas noch bei vielen Klangexperimenten einsetzen sollte, kam ab Mitte der 1960er Jahre zum Einsatz. Außerdem schrieb Thomas die Musik zu den Straßenfegern Babeck (1968) und 11 Uhr 20 (1970).

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Peter Thomas arbeitete auch in den 1970er Jahren für das Fernsehen, wo er regelmäßig für Episoden der Serien Der Kommissar (ab 1969), Derrick (ab 1974) und Der Alte (ab 1977) komponierte. Der von Thomas komponierte und von Daisy Door gesungene Titel Du lebst in deiner Welt (Highlights of my Dreams) aus der Kommissar-Folge Als die Blumen Trauer trugen (1971) wurde innerhalb von drei Monaten mehr als 500.000 Mal verkauft und stand Anfang 1972 vier Wochen auf Platz 1 der deutschen Charts. Zu Thomas’ bekanntesten Fernseharbeiten gehören auch die Soundtracks zu den Serien Der Kurier der Kaiserin (1970), Café Wernicke und Mein Freund Winnetou (beide 1980). Auch das Intro der ab 1974 ausgestrahlten Quizsendung Der große Preis und des von 1980 bis 1990 erfolgreichen WWF Club stammten von Thomas.

PeterThomas05Für das Kino, das ab den 1970er Jahren kommerziell zunehmend an Bedeutung verlor, komponierte Thomas unter anderem die Musik zu einigen Erotikfilmen, der Simmel-Verfilmung Der Stoff aus dem die Träume sind, der internationalen Fassung von Bruce Lee – Die Todesfaust des Cheng Li (1971/1973) und dem Kriegsfilm Steiner – Das Eiserne Kreuz II (1979). Seine letzte Arbeit für die Leinwand war die Filmmusik zu der Komödie Tach, Herr Dokter! – Der Heinz-Becker-Film (1999) des Kabarettisten Gerd Dudenhöffer. Peter Thomas komponierte die Musik von etwa 80 Spielfilmen und von über 600 Fernsehfilmen- und episoden.

Zwischen seinen Film- und Fernseharbeiten fand Peter Thomas immer wieder Gelegenheit, sich anderen musikalischen Aufgaben zu widmen. Er schuf mehrere Musikalben sowie Einspielungen für Musikverlage und für die Werbung. Dabei kamen seine experimentellen Arrangements ebenso zum Einsatz wie für diverse Musicals und Hörspiele. Peter Thomas arbeitete im Lauf seiner Karriere mit namhaften PeterThomas07Instrumentalisten wie Charly Tabor, Klaus Doldinger, Michael Goltz, Jan Hammer, Ingfried Hoffmann, Olaf Kübler, Albert Mangelsdorff, Lothar Meid, Wolfgang Paap, Sigi Schwab, Peter Trunk und Otto Weiß zusammen. Daneben war er verantwortlich für Aufnahmen von so unterschiedlichen Gesangsinterpreten wie Senta Berger, Heinz Erhardt, Marie France, Juliette Gréco, Hana Hegerová, Harald Juhnke, Eartha Kitt, Zarah Leander, Lill Lindfors, Julia Migenes, Esther & Abi Ofarim, Sandie Shaw, Donna Summer, Vico Torriani und Nina Westen.
Privates

Peter Thomas, der in Lugano lebte, war seit 1959 mit der Journalistin Cordula Thomas, geb. Ritter, verheiratet. Unter dem Pseudonym Gil Francropolus verfasste sie viele Liedtexte zu den Melodien ihres Mannes. Cordula Thomas verstarb 2017 im Alter von 90 Jahren. Der gemeinsame Sohn Philip arbeitet als Jurist in Zürich.

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Klaus Doldinger & Peter Thomas, 2009

Die britische Band Pulp verwendete 1998 bei ihrem Song This Is Hardcore ein Sample des Titels Bolero on the Moon Rocks aus dem Soundtrack der Serie Raumpatrouille. Weitere Musiker, die mit Peter Thomas oder dessen Aufnahmen arbeiteten, waren unter anderem Xaver Fischer, The High Llamas, Saint Etienne, Stereolab, Yoshinori Sunahara und Ramon Zenker. Im Regiedebüt des Schauspielers George Clooney, Geständnisse – Confessions of a Dangerous Mind (2002), sind vier von Thomas für die Edgar-Wallace-Serie aufgenommene Titel zu hören. In dem 2010 gedrehten Film Jerry Cotton, mit Christian Tramitz in der Titelrolle, modernisierte der Komponist der Filmmusik, Helmut Zerlett, den damaligen Jerry Cotton-Marsch und brachte ihn mit in den Film ein.

Seit 2007 existiert das „Peter Thomas-Archiv“, das in Zusammenarbeit mit dem Komponisten ins Leben gerufen wurde. Die Aufgabe des Archives ist es, alle Bild-, Text- und Tonträger zu erwerben und zu archivieren. Peter Thomas schrieb für den Katalog Beiträge zu einigen seiner Musiken. (wikipedia)

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Und mit seinem Soundtrack zu dieser 60er Jahre Kultserie „Raumpatrouille“ machte er sich wohl schlagartig einen Namen in der alten BRD.

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Der Soundtrack wurde eben von Peter Thomas komponiert. Die erste Ausgabe auf Langspielplatte (PHILIPS TON GmbH, 843 796 PY), die schon 1966 herausgegeben wurde, war von der Aufmachung her sehr aufwändig. Sie besaß ein aufklappbares Plattencover mit Szenenfotos auf den Innen- und Außenseiten. Innen war noch eine weitere Seite mit Zusatzinformationen eingearbeitet. Diese Erstausgabe enthielt 18 Musikstücke. In den folgenden Jahren wurden die Single und die LP mehrfach neu aufgelegt. Zwischenzeitlich wurde der Soundtrack auch mehrfach auf CD herausgegeben, die Veröffentlichung aus dem Jahre 2003 (bung 112, Bungalow Records) mit dem Untertitel „The Complete Music“ enthält bis dato unveröffentlichte Stücke (u. a. „Mars Menuett“, „Enter The Crew“, „Attention Frogs!“). Die Veröffentlichung aus dem Jahre 2010 (BAVARIA SONOR) enthält 14 Bonusstücke, u. a. die Liveaufnahme „Orion Forever“.

Das Siemens-Studio für elektronische Musik

Das Siemens-Studio für elektronische Musik (befindet sich mittlerweile im Deutschen Museum, München)

Synthetische Klänge und Geräusche prägen als ständiger akustischer Hintergrund die Atmosphäre im Kommandostand des Raumschiffs und begleiten die dargestellten technischen Objekte wie Raumfahrzeuge, Roboter und Strahlenwaffen, Aufzüge und Schiebetüren. Produziert wurden diese Effekte im Siemens-Studio für elektronische Musik. Die Roboterstimme, die den Countdown beim Start des Raumschiffs spricht, wurde mit dem dort zur Verfügung stehenden Vocoder aus der Stimme von Peter Thomas erzeugt (wikipedia)

Singles

Die 1966 gestartete Science-Fiction-Serie war für Thomas keineswegs Karrierestart, konnte er doch bereits mit dem Soundtrack für den Edgar Wallace Film Die seltsame Gräfin (1961) erste nationale Erfolge verbuchen. Für die Musik zur ersten deutschen Science-Fiction-TV-Serie (die USS Enterprise flog kurze Zeit später über amerikanische Bildschirme) bedurfte es eines Komponisten mit Weitblick und Mut zur Verrücktheit, denn schließlich spielte die Serie im Jahr 3000!

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Thomas tat wie verlangt und noch mehr: Statt eines klassischen Orchestersoundtracks, schuf er mit herkömmlichen, analogen Instrumenten eine wilde Sinfonie aus Jazz, Bossa Nova und Zwölfton-Musik, die eigenwilliger nicht sein könnte und ihr Scherflein zum Erfolg der Serie beitrug. Belohnt wurde der Berliner Innovator mit der Veröffentlichung einer vollständigen Soundtrack-LP — einem für damalige Verhältnisse absoluten Novum, da üblicherweise lediglich eine Single der Titelmelodie ausgekoppelt wurde. Neue und alte Fans der Patrouille haben nun Grund zur Freude, denn Raumpatrouille. The Complete Music enthält erstmals die kompletten Aufnahmen aus den Bavaria Tonstudios und verfügt über sage und schreibe zehn Bonusstücke, die es aus Platzmangel nicht mehr auf das reguläre Album geschafft hatten und sich hören lassen können.

Mit Fug und Recht darf die Musik der Raumpatrouille Orion zu einem wichtigen Stück deutscher Populärkultur gezählt werden, welches sich auf The Complete Music (nach wie vor im „New Astronautic Sound“) frischer denn je je präsentiert und nicht nur für Nostalgiker interessant sein dürfte! (Daniel Hofmann)

Und wie weit und wie innovativ Peter Thomas damals schon war, zeigt sich auf diesem Album mehrfach:

Man höre sich z.B. mal „Lot In Space“ an. Und eine gewaltige Prise Avantgarde-Musik schwingt mit … („Song And Stars Song Around“) … und … und … anhören, entdecken, staunen ist hier die Devise.

Und ls Zugabe gibt´s dann noch ein ausführliches Interview mit Peter Thomas mit der Zeitschrift „Keyboards“ und die A-Seite einer französischen Single von Virginie Rodin mit dem Titel „Commando spatial (Space Patrol)“ … Das Orion-Thema mit französischem Gesang.

LPBackCover

Besetzung:
Peter Thomas Sound Orchestra

(zu diesem Ensemble gehörten u.a. Musiker wie
Charly Tabor, James Darvin, Josef Hierl, Otto Weiss und Siegfried Schwab)

DieMannschaft
Titel:
01. Space Patrol (Raumpatrouille) 2.02
02. Shub-A-Dooe 1.42
03. Lancet Bossa Nova 1.59
04. Love In Space 3.30
05. Ballet 1.45
06. Bolero On The Moon Rocks 2.04
07. Song And Sound The Stars Around 1.32
08. Landing On The Moon 3.10
09. Piccicato In Heaven 2.13
10. Outside Atmosphere 3.13
11. Take Sex 2.03
12. Jupiter’s Pop Music 3.14
13. Sky-Life 2.01
14. Starlight Party 3.04
15. Orion 2000 1.39
16. Danger For The Crew 1.00
17. „Position: Overkill“ 2.20
18.  The Space Patrol’s Return 3.14
+
19. Mars Close Up 2.34
20. Hedono 3.06
21. Moontown 3.33
+
22. Virginie Rodin: Commando spatial (Space Patrol) (Amel) 2.00

Musik: Peter Thomas

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Hier die aktualisierte Startseite der deutsche Fan – Homepage:
FanWebsite

Und die Fachzeitschrift „Jazzecho“ schrieb im Juli 2007 über Peter Thomas zutreffend:

Filmkomponist Peter Thomas ist im Rahmen des Deutschen Musikautorenpreises der GEMA in Berlin mit einem Preis für sein Lebenswerk ausgezeichnet worden. Thomas (auf dem Foto rechts neben Kollege Klaus Doldinger) ist nicht zusetzt unter Jazzfreunden populär, ist es ihm doch immer gelungen, in seinen Film- und TV-Musiken eine gehörige Dosis Jazz unterzubringen. Neben Doldinger waren in Thomas-Werken wie „Raumpatrouille“, den Edgar-Wallace-Filmen, aber auch anspruchsvolleren Filmen wie „Die endlose Nacht“, immer wieder Jazzmusiker wie Don Menza, Charly Tabor, Klaus Weiss oder Siegfried Schwab zu hören.

Mitreißende, swingende, aber auch immer wieder experimentelle Thomas-Klänge sind auf einer neuen CD zu entdecken, die kürzlich innerhalb der JAZZ CLUB-Serie erschien: dem Soundtrack „Chariots Of The Gods?“, in Deutschland bekannt als „Erinnerungen an die Zukunft“. Die Musik zur Verfilmung des gleichnamigen Buches von Erich von Däniken erfreut sich Kultstatus seit DJ Gilles Peterson vor eingen Jahren den Track „Stars And Rockets“ verkoppelte und so zum Rare-Groove-Hit machte. Die komplette Filmmusik befördert den Hörer nun mit futuristischen Effekten, dissonanten Zwölftoncollagen, Jazz und wattigem Easy Listening weit in die Tiefen des Siebziger-Jahre-Weltraums. Endlich auf CD, digital remastert und um 10 bisher unveröffentlichte Bonus-Tracks ergänzt, u.a. eine Disco-Version des Titelthemas. Wer diesen Score nicht kauft, der möge sich vor Dänikens Göttern in Acht nehmen.

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Roy Black – Roy Black (1) (1966)

FrontCover1Au weia, das auch noch … für mich war er damals die totale Reizfigur …. und die famose WDR – Schallplattenbar würdigt dieses Erstlingswerk von Roy Black wie folgt:

Die Fans von Roy Black haben schon voller Ungeduld darauf gewartet. 1966 ist es endlich soweit: Die Plattenfirma Polydor veröffentlicht die erste Langspielplatte des neuen Schlager-Idols.

Als Titel dient ganz schlicht der Name des Interpreten, denn der ist mittlerweile zum Markenzeichen geworden. Unter den insgesamt 14 Songs, die Produzent Hans Bertram für dieses LP-Projekt auswählte, befinden sich natürlich die bisherigen Hits von Roy Black. Es soll aber auch die Vielseitigkeit des Jungstars unter Beweis gestellt werden, und so kann man ihn mit der durch Louis Armstrong populär gewordenen Musical-Melodie „Hello Dolly“ sowie zwei englischsprachigen Aufnahmen aus dem Repertoire von Elvis Presley und Trini Lopez hören. Außerdem präsentiert er einen alten Tango-Schlager aus den 50er Jahren, den Produzent Bertram wohl deshalb wieder hervorkramte, weil er selbst – unter einem Pseudonym – den Text dazu verfasste. Der Rest setzt sich aus neuen Titeln zusammen, die überwiegend von Roys Hauskomponisten Rolf Arland und Werner Twardy geschrieben wurden.

Bravo Titelbilder mit Roy Black im Jahr 1966

Bravo Titelbilder mit Roy Black im Jahr 1966

Die Werbetexter und PR-Strategen der Firma haben sich auf der Rückseite der Plattenhülle mächtig ins Zeug gelegt und stimmen wahre Lobeshymnen auf den neuen Spitzeninterpreten der Polydor an. Mit Superlativen wird nicht gespart: „Die sensationellste Karriere, die in den letzten zwei Jahren in der Show- und Schlagerbranche gemacht worden ist, dürfte die von Roy Black sein, der heute schon auf eine verschworene Gemeinde rechnen kann.“ Die Antwort auf die Frage, wie es dazu kommen konnte, „dass einem jungen Mann mit zärtlichen Liedern astronomische Verkaufsziffern beschieden sind“, wird gleich mitgeliefert: „Roy verkörpert, und darin liegt das Geheimnis seines Erfolges, den Typ des jungen Mannes unserer Zeit.“ Besonders schön klingt die Formulierung, die kurz und bündig alles auf einen Nenner bringen soll: „Er kommt bei den jungen Mädchen an und mit älteren Damen kommt er aus.“ Ansonsten lobt man seine Bescheidenheit, seinen natürlichen Charme und legt vor allem Wert auf die Feststellung, dass Roy nie den Star herauskehrt.

SinglesRoy Black war tatsächlich eine Ausnahme-Erscheinung und begeisterte mit seinem weichen Timbre und seiner charismatischen Persönlichkeit die Massen. Alles, was hier über ihn gesagt wird, trifft durchaus zu. Aufmerksamen Lesern dürfte jedoch eine kleine Unstimmigkeit nicht entgangen sein: Der Sänger wird an einer Stelle als 21jähriger bezeichnet, obwohl er 1966 bereits 23 Jahre alt ist. Darüber hinaus bietet der Text eine Kurzfassung des künstlerischen Werdegangs von Roy Black bis hin zu den Preisen und Auszeichnungen, die ihm bis dahin verliehen wurden. Besondere Erwähnung findet sein Erfolgsschlager „Ganz in Weiß“, jener Song, der ihm die Herzen des Publikums öffnete, ihn gleichzeitig aber auch für alle Zeiten zum Schnulzensänger abstempelte und ihn ein Leben lang verfolgte. Damals, als er den Titel aufgenommen hatte – so kann man hier lesen – „kam das Roy-Fieber auf Siedegrade.“

Die Plattenhülle zeigt Roy Black salopp gekleidet und ohne jeden Schnickschnack vor einem roten Hintergrund. Von der Gestaltung her wirkt das für damalige Verhältnisse erstaunlich innovativ. Auch hierbei hat man sich also besondere Mühe gegeben. Dasselbe Motiv verwendete man anschließend nochmals für ein Singlecover. Auf der Rückseite befinden sich neben dem umfangreichen Text und der Auflistung der 14 Titel einige Schnappschüsse des dunkelhaarigen Frauenschwarms. Man sieht ihn unter anderem vor dem Studiomikrofon, mit dem Silbernen Löwen von Radio Luxemburg in der Hand oder bei der Erledigung seiner Fanpost. Kommerziell gesehen war das Album äußerst erfolgreich und legte den Grundstein dafür, dass sich der Sänger im Lauf seiner Karriere auch als LP-Künstler etablieren konnte.
Roy Black hat wie kaum ein anderer Interpret deutsche Schlagergeschichte geschrieben. Gerade seiner ersten Langspielplatte gebührt auch heute noch besondere Aufmerksamkeit. WDR4-Hörer konnten sie am Sonntag (27.01.2008) in der Schallplattenbar komplett hören. Vielleicht wurden sie ein bisschen vom „Roy-Fieber“ erfasst, das damals im ganzen Land grassierte.“

RoyBlackUnd es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Schlagerkarriere des Roy Black letztlich alles andere als triumphal war, er wohl auch uner seinem Image irgendwann mal gelitten hat.

Nur: bei allem Respekt vor der menschliche Tragödie, die sich hinter Roy Black verbarg …  muss es auch erlaubt sein, auf folgendes hinzuweisen.

Es mag ja sein, dass er von seinen Produzenten in diese Rolle hineingedrängt hat, aber es hat ihn ganz sicher keiner mit vorgehaltener Pistole gezwungen, diese Weichspülter Lieder zu singen. Und wenn man authentisch leben will, dann musss mal halt auch mal „nein“ sagen … nein, nein, der Roy Black wollte schon auch diese Karriere …

So, ich jetzt muss ich mir die „Rolling Stones“ anhören … live & dirty !

Seine (kurzen) Beatjahr: Roy Black And The Cannons

Seine (kurzen) Beatjahre: Roy Black And The Cannons

Besetzung:
Roy Black (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

BackCoverTitel:
01. Verliebt sein (Twardy/Lilibert) 2.35
02. Hallo Dolly (deutsch) (Armstrong/Herman/Lilibert) 2.34
03. Rot ist dein Mund (Quanz/Weingarten) 2.39
04. Du hast mich heut’ noch nicht geküßt (Arland/Hertha) 2.45
05. Ich kann warten /Arland/Relin) 2.53
06. Verzeih mir (Arland/Hertha) 3.29
07. Pretty Eyes (englisch) (Lopez/Randazzo/Weinstein) 2.50
08. Frag nur dein Herz (Monrou/Lilibert) 2.47
09. Du bist nicht allein (Arland/Hertha) 2.25
10. Eine wird kommen (Twardy/Lilibert) 2.48
11. Anything That’s Part of You (englisch) Robertson) 2.08
12. Leg dein Herz in meine Hände (Arland/Monrou/Lilibert) 2.46
13. Ganz in Weiß (Arland/Hertha) 3.01
14. Wenn die Abendsterne (Buday) 3.37

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Radio-Symphonie-Orchester Berlin (Lorin Maazel) – Oster Oratorium (Bach) (1966)

FrontCover1Wenn nicht heute, wann dann:

Das Oster-Oratorium (BWV 249, D-Dur) ist ein Oratorium von Johann Sebastian Bach, das er zum ersten Mal am 1. Ostertag 1725 (1. April) aufführte. Es existieren drei verschiedene spätere Fassungen mit auffallenden Abweichungen in Besetzung und Text. Das Werk wird als Oratorium eingeordnet, weil ihm ein erzählender Bibeltext zu Grunde liegt; dieser wird aber abweichend von der üblichen Oratorienform nicht von einem Evangelisten vorgetragen, sondern in frei nachgedichteter Form wiedergegeben.

Protagonisten der Kantate sind Maria Magdalena (Alt), Maria Jacobi (Sopran), Petrus (Tenor) und Johannes (Bass). Nachdem Maria Magdalena dem auferstandenen Jesus zuvor begegnete und dieses den Jüngern berichtete (was in der Kantate zu Beginn des ersten Rezitativs nur ganz kurz angedeutet wird), eilen die Jünger zum Grab und finden dieses leer, da Jesus auferstanden ist.

Das Oster-Oratorium greift zurück auf die liturgische Darstellung des Osterlaufes und des Osterlachens, so wie es seit dem Mittelalter in den Gottesdiensten üblich war, um das Ostergeschehen darzustellen (ähnlich wie das Kindelwiegen in den Weihnachtsgottesdiensten).

Noten

Textdichter des Oster-Oratoriums war vermutlich Picander. Bach griff im Parodieverfahren auf eine für den Weißenfelser Hof (Geburtstag des Herzogs Christian von Sachsen-Weißenfels) geschriebene Schäferkantate „Entfliehet, verschwindet, entweichet, ihr Sorgen“ (BWV 249a) zurück, von der wiederum mindestens zwei verschiedene Fassungen existieren; lediglich die Rezitative der weltlichen Fassungen wurden nicht in das Osteroratorium übernommen und durch neu komponierte Rezitative ersetzt. Die ersten drei Sätze des Oster-Oratoriums bzw. der Schäferkantate sind wohl Umarbeitungen eines verschollenen Instrumentalkonzertes. (wikipedia)

Johann Sebastian Bach

Verantwortlich für diese Version war Lorin Maazel ( (* 6. März 1930 in Neuilly-sur-Seine, Frankreich; † 13. Juli 2014 in Castleton, Rappahannock County, Virginia), der ja mit meiner Heimatstadt München in besonderer Weise verbandelt war:

Er galt weltweit als einer der größten Pultstars seiner Zeit: Lorin Maazel. Als erster Klassikkünstler in Deutschland erhielt er eine Platinschallplatte. Von 1993 bis 2002 formte er als vierter Chefdirigent das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks.

Kritiker bewunderten ihn für seine Gedächtniskraft, Musikalität, präzise Schlagtechnik und Stilsicherheit. „Er ist mit Sicherheit ein Genie – ein Genie mit allem, was dazu gehört. Mit seiner technischen Perfektion vermittelte er dem Orchester eine unumstößliche Sicherheit“, so der Kontrabassist Otmar Kopold. Lorin Maazel war dafür bekannt, dass er stets präzise seine Proben und Konzerte vorbereitete, weil er glaubte, „dass man eine emotionale Interpretation nicht ohne eine absolut sichere technische Grundlage erreichen kann.“

Eben solche Professionalität verlangte er auch von den Musikern beim Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks. Sie lernten unter ihm, schnell und aufmerksam zu arbeiten, flexibler zu werden, um sich innerhalb kürzester Zeit ein umfangreiches Repertoire anzueignen. Und trotz dieser hohen technischen Anforderungen schaffte es Maazel, jedes Konzert zu einem unvergleichlichen Erlebnis werden zu lassen. Der Maestro führte das Orchester auf zahlreiche Tourneen. Gastauftritte in den wichtigsten Konzertsälen der Welt manifestierten abermals den internationalen Ruf des Orchesters als Spitzenklangkörper. Ein besonderer Höhepunkt dieser Reisetätigkeit war die Uraufführung von Pendereckis Monumentalwerk „Die sieben Tore von Jerusalem“ anlässlich der 3.000-Jahr-Feier Jerusalems im Jahr 1997.

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Wien, 2005

Einer Retrospektive in der bildenden Kunst gleich, setzte Maazel mit großen Komponistenzyklen programmatische Akzente. Derartige Projekte sind eher selten, denn nicht viele Dirigenten wagen sich an eine komprimierte Konzertreihe durch das Schaffen eines Komponisten – eine konditionelle und intellektuelle Herausforderung. Doch das Risiko war es wert, denn das Münchner Publikum nahm die zyklischen Aufführungen symphonischer Werke von Beethoven (1995 und 2000), Brahms (1998), Strauss (1998), Mozart und Bruckner (1999) sowie Schubert (2001) mit Begeisterung auf. Als krönenden Abschluss seiner Münchner Zeit ließ Maazel 2002 einen Mahler-Zyklus folgen.

Nachdem er 2002 seinen Vertrag mit dem Bayerischen Rundfunk auslaufen ließ, wollte sich Maazel verstärkt dem Komponieren und Geigespielen widmen. Dann ereilte ihn jedoch ein Ruf als Chefdirigent des New York Philharmonic Orchestra. Sein Vertrag in der Metropole lief bis Ende der Saison 2008/2009. Ab 2012 übernahm Maazel die Leitung der Münchner Philharmoniker, legte sein Amt aus gesundheitlichen Gründen allerdings Mitte Juni 2014 nieder.

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Nordkorea, 2008

Als Sohn amerikanischer Eltern russischer Abstammung wurde Lorin Maazel 1930 bei Paris geboren. Ihm wurde eine außergewöhnliche Musikalität in die Wiege gelegt und dazu eine ungewöhnliche Intelligenz. Der Vater war Sänger, die Mutter Pianistin, der Großvater Konzertmeister in Moskau und später an der New Yorker Metropolitan Opera. Bereits als Fünfjähriger erhielt Maazel ersten Violinunterricht. Zwei Jahre später begann er mit dem Klavierspiel und lernte Grundlagen der Orchesterleitung bei Wladimir Bakaleinikoff in Pittsburgh. Mit acht stand er erstmals am Pult eines Studentenorchesters und dirigierte die „Unvollendete“ von Schubert. Schnell wurde „Little Maazel“ zur nationalen Attraktion. Sogar Arturo Toscanini lud den Elfjährigen ein, zwei Konzerte des NBC Symphony Orchestra zu leiten.

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Ingolstadt 1994

Das Wunderkind empfand seine Kindheit als unbelastet. Für ihn war es selbstverständlich, in einer Saison etwa zehn Konzerte zu dirigieren, ausgiebig Fußball zu spielen, Mickey Mouse und Schopenhauer zu lesen. Mit 16 gründete er das „Fine Arts String Quartett of Pittsburgh“ und er wurde Konzertmeister bei den Symphonikern in Pittsburgh. In seinen Universitätsstudien der Mathematik, Philosophie, Sprachen und Literatur sah er eine Ausbildung fürs „wahre Leben“. Er überlegte sogar, Schriftsteller zu werden. Doch die Liebe zur Musik siegte. Zahlreiche Begegnungen mit zeitgenössischen Komponisten wie Hartmann, Dallapiccola, Strawinsky, Hindemith, Rachmaninow sowie den großen Dirigenten Toscanini und de Sabata prägten Maazel als Musiker und Komponisten. Was er von den großen Künstlern gelernt hatte, gab Maazel später an die nächste Generation weiter: Mit jungen Musikern zu arbeiten und mit Jugendorchestern zu proben, machte ihm große Freude. (Bayerischer Rundfunk)

So können wir nun dem großen Meister lauschen … die Instrumentalpassagen gefallen mir – wie immer bei Vokalwerken der Klassik – am besten.

BackCover

Besetzung:
Helen Donath (Sopran – Maria Jacobi)
Ernst Haefliger (Tenor – Petrus)
Anna Reynolds (Alt – Maria Magdalena)
Martti Talvela (Bass – Johannes)
+
Georg Donderer (vioncello)
Wolfgang Meyer (organ, harpsichord)
Johann Nowak (bass)
Günther Passin (oboe d´amore)
Karl-Bernhard Sebon (flute)
Koji Toyoda (violin)
Günther Zorn (oboe)
+
Radio-Symphonie-Orchester Berlin unter der Leitung von Lorin Maazel
+
RIAS Kammer Chor unter der Leitung von Günther Arndt

OriginalAusgabe1966

Die Originalausgabe aus dem Jahr 1966

 

Titel:
01. Sinfonia
02. Adagio
03. Duetto (Tenore-Basso) E Coro: „Kommet, eilet und laufet“
04. Recitativo (Soprano-Alto-Tenore-Basso): „O kalter Männer Sinn“
05. Aria (Soprano): „Seele, deine Spezereien“
06. Recitativo (Alto-Tenore-Basso): „Hier ist die Gruft“
07. Aria (Tenore): „Sanfte soll mein Todeskummer“
08. Recitativo Ed Arioso (Soprano-Alto): „Indessen seufzen wir – Ach! Ach! Könnt‘ es doch nur bald geschehen“
09. Aria (Alto): „Saget, saget mir geschwinde“
10. Recitativo (Basso) E Coro: „Wir sind erfreut – Preis und Dank“
11. Corale: „Es hat mit uns nun keine Not“ (Aus der Kantate: „Herr Gott, dich loben alle wir“ BWV 130)

Musik: Johann Sebastian Bach

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Aus dem Orinal-Hüllentext

Horst Beseler – Käuzchenkuhle (Hörspiel) (1966/2015)

FrontCover1Vor nicht allzu langer Zeit habe ich hier über die Verfilmung des DDR Kinderbuch-Klassikers „Käuzchenkuhle“ berichtet und zwar hier.

»Regen peitschte in scharfen Stößen aus der Dunkelheit herunter. (…) Der Wind ließ die beiden Lampen an Bahnsteig und Ladestraße so heftig schwanken, dass sie von ihren Masten abzureißen drohten.« Schon die ersten Sätze von »Käuzchenkuhle« ziehen den Leser in den Bann und lassen ihn bis zur letzten Seite nicht mehr los …

Nur widerwillig macht sich Jampoll der eigentlich Jean-Paul heißt, aber dessen Namen keiner richtig aussprechen kann von Berlin aus auf den Weg in das märkische Dorf Wolfsruh, wo er die Ferien bei seinen Großeltern verbringen soll, ohne zu ahnen, welche gefährlichen Abenteuer ihn dort erwarten. Durch Zufall wird Jampoll Zeuge eines Gesprächs: Ein Fremder bedroht seinen Großvater. Beide sind durch ein schreckliches Geheimnis miteinander verbunden. Jampoll will es lüften. Gemeinsam mit den Freunden Kristian, Schraube und Spinne-Schnarr kommt er einem Verbrechen auf die Spur, das an einem unheimlichen Platz im Wald, an der Käuzchenkuhle, geschah und dessen Anfänge bis in die letzten Tage des Zweiten Weltkrieges zurückreichen.

Buch

Die Buchvorlage

Horst Beselers abenteuerliche Geschichte ist von Generationen junger Leser in der DDR verschlungen worden, ein wirklicher Jugendbuchklassiker, der mit seinem Sujet, aber auch mit seiner genauen sozialen Stimmung bis heute immer wieder fasziniert.

Das Buch erschien erstmalig 1965 und ein Jahr später gab es dann diese Hörspielfassung unter der Regie von Maritta Hübner für das Radio;

Maritta Hübner (* 17. Oktober 1930 in Hindenburg O.S.; † 13. August 1989 in Berlin) ist eine deutsche Hörspielregisseurin und Sprecherin. Sie gewann sechsmal den DDR-Kinderhörspielpreis der vom Staatlichen Komitee für Rundfunk vergeben wurde in der Kategorie Hörerpreis und einmal in der Kategorie Kritikerpreis. Das Deutsche Rundfunkarchiv (DRA) verzeichnet über 350 Kinderhörspiel-Inszenierungen der Regisseurin.

Das Hörpiel lehnt sich eng an die Buchvorlage und so realisiert man dann, dass die o.g. Verfilmung aus dem Jahr 1969 mit der kecken Linde eine neue Figur geschaffen hat (überhaupt das Thema Freunde wird in dem Film stärker herausgearbeitet). Und auch die Geschichten um die örtliche Fischerei-Genossenschaft wurde im Film neu eingeführt.

Und nachdem ich weiterhin ein glühender Freund von Hörspiele bin, hat es mir ausgesprochene Freude gemacht, mich erneut mit diesem Klassiker der DDR Kinderliteratur zu beschäftigen. Und Freude kann ich dieser – mich schon sehr belastenden Zeit – gut gebrauchen … vielleicht macht sie ja auch anderen Lesern dieses blogs Freude.

Und dieses Hörbuch bringt die Erkenntnis dass man durchaus kindgerecht über die Schrecken des Nationalsozialismus und des II. Weltkrieges „unterhalten“ und berichten kann. Davon waren wir im Westen damals noch kilometerweit entfernt-.

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Besetzung:
Fred Alexander (Erzähler)
Heinz Hartmann (Opa)
Robert Trösch (Fremder)
Else Wolz (Oma)
(warum man den Sprecher der zentralen Figur Jampoll nicht aufgelistet hat, ist mir ein Rätsel)

Bearbeitung (Wort): Erwin Ziemer
Dramaturgie: Hans Kubisch
Technische Realisierung: Eva Löffler

Regie: Maritta Hübner

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Titel:
01. Käuzchenkuhle (Teil 1) 34.30
02. Käuzchenkuhle (Teil 2) 34.53
03. Käuzchenkuhle (Teil 3) 28.09

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Horst Beseler

Horst Beseler

City Preachers – Folklore (1966)

FrontCover1An den City Preachers kommt man eigentlich kaum vorbei, gleichgültig ob man sich für die Geschichte der Folkbewegung in den 60er Jahren bei uns interessiert, oder aber auch die Geschichte der Inga Rumpf wirklich kennen und verstehen will:

Die City Preachers gelten als erste Folk-Rock-Gruppe Deutschlands.

Gegründet wurde die Band 1965 in Hamburg von dem aus London stammenden Bankangestellten John O’Brien-Docker. Die Musik war eine Mischung von Folklore, später Folk genannt, aus aller Welt: Flamenco aus Spanien, Blues aus den USA, Irish Folk, Bouzouki-Klänge aus Griechenland, jiddische und Balkan-Lieder, aber auch frühe deutschsprachige Protestsongs sowie niederdeutsche Lieder.[1]

Die City Preachers traten bis in die 1970er Jahre hinein in wechselnden Besetzungen auf. Die Zahl der Bandmitglieder schwankte zwischen fünf und zehn. Die Schallplatten der Band verkauften sich recht gut.

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City Preachers, 1965 (in St. Georg im Hinterhof direkt hinter dem „Hotel Atlantic“ . Hamburg)

Aus der Band gingen namhafte Musiker hervor. Dazu gehören neben dem Gypsy-Swing-Gitarristen John O’Brien-Docker und dem Sänger und Fernsehschaffenden Kalle Freynik die Sängerinnen Inga Rumpf, Sibylle Kynast, Dagmar Krause, der Sänger, Kunstpfeifer und Multiinstrumentalist Eckart Kahlhofer, der Keyboarder Jean-Jacques Kravetz und der Schlagzeuger und spätere Sänger Udo Lindenberg. Insgesamt wirkten über 20 Solisten in dieser Band in wechselnden Besetzungen nach dem sogenannten „Baukastenprinzip“ mit, das heißt „Jeder ist Solist“ und „Jeder spielt mit Jedem“. So unterschiedliche Sängerinnen wie Inga Rumpf, Sibylle Kynast und Dagmar Krause sangen über mehrere Jahre hinweg neben- und miteinander in der Gruppe.

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Jean-Jacques Kravetz, Dagmar Krause, Karl-Heinz Schott, Udo Lindenberg und Inga Rumpf

Inga Rumpf, Dagmar Krause, Karl-Heinz Schott, Udo Lindenberg und Jean-Jacques Kravetz entfernten sich 1969 immer mehr von der Folk-Musik. Udo Lindenberg schied aus und spielte Schlagzeug bei Peter Herbolzheimer und Klaus Doldinger, bevor er 1973 eine Solokarriere begann. Dagmar Krause ging nach England (Slapp Happy). Inga Rumpf, Karl-Heinz Schott, der neue Schlagzeuger Carsten Bohn und Jean-Jacques Kravetz wählten den Bandnamen Frumpy.

1970 trafen sich Dagmar Krause, Sibylle Kynast, Elga, Jürgen Stielow, Eckart Kahlhofer und Michael Laukeninks zu einer City-Preachers-Produktion im Studio, um die LP Back to the City aufzunehmen, die 1971 auf dem Hörzu/Metronome-Label veröffentlicht wurde.

Michael Laukeninks, Manager und Produzent der City Preachers, arbeitete als Lektor bei den Schacht-Musikverlagen, 1971 als Promoter bei WEA Records und 1973 als Redakteur beim NDR. Bis zu seinem Tod am 22. Juli 2018 war er darüber hinaus als Fotograf tätig. (wikipedia)

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City Preachers, 1968

Und hier ihr erste Album … eine wahrlich bunte Mischung aus Folklore aus aller Welt, garniert mit ein paar wenigen Eigenkompositionen … hübsch anzuhören … natürlich mit jener Portion Naivität jener Jahre …

Hüllentext

Aber gerade wegen dieser gehörigen Portion Naivität ist mir diese LP doch sehr sympathisch.

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Besetzung:
Karlheinz „Kalle“ Freynik (guiar, vocals)
Götz Humpf (vocals)
Sibylle Kynast (vocals)
Michael Laukeninks (bouzouki)
John O’Brien-Docker (guitar, vocals)
Inga Rumpf (vocals, guitar)
Bruno Schmidli (bass)
Marianne Therstapen (vocals)

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Die US Version (mit anderen Titeln, demnächst in diesem Theater)

Titel:
01. Apopse Kanis Bam (Traditional) 2.46
02. Come Back, Baby (White) 2.48
03. Porqué Madalena ? (Firchow) 2.58
04. Toll The Bell Easy (Traditional) 2.21
05. Schlaf nur ruhig ein (Freynik/Weaver) 3.01
06. Black, Brown And White (Broonzy) 3.05
07. Alegrias Por Ana Mary (Traditional) 2.29
08. Pick A Bale Of Cotton (Traditional) 2.50
09. Somethimes I’m In The Mood (Dylan/Rumpf) 2.57
10. Ick hebbe se nich (Traditional) 2.29
11. Railroad Bill (Traditional) 2.24
12. Anula (Traditional) 1.37
13. Walking In The City (Brien-Docker) 2.51
14. Gregor (Traditional) 2.37
15. Wenn die Soldaten (Traditional) 2.33
16. De Sun Vet Arunter Gayn (Traditional) 2.38

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Ein spöttisch-kritischer Bericht über die City Preachers aus dem Jahr 1968:

Verschiedene Interpreten – London Beat (1966)

FrontCover1Und nun wieder mal so ein Album aus jener Zeit, wo die Begriffe „Beat“ oder „Swinging London“ die Jugendliche in helle Aufregung versetzten und auch ich wurde damals von diesem Fieber erfasst.

Und natürlich ließen es sich die damaligen Billig Labels (und die heutigen Kult-Labels) wie Europa nicht nehmen, von diesem fetten Kuchen auch ein Stückchen abzubekommen.

Und so wurden diverse Scheiben dieser Art produziert, mit irgendwelchen Bands mit entsprechenden Fantasienmen wie „The Peers“, „The Duke Of Soho“ oder „The Spots“.

Und oftmals verbargen sich hinter diesen Namen wackere Beatmusiker, die ansonsten in ihren eigenen Combos auftraten. Später machten das u.a. auch „Lucifer´s Friends“, die unter anderen Namen für solche Billig-Labels Hits einspielten.

Hier haben wir es allerdings nur mit 2 Hits zu tun und zwar „Black Is Black“ und „Yellow Submarine“, der Rest sind Kompositionen eines gewissen Bert Brac, sieht man mal von dem Traditional „When The Saints Go Marchin´ In“ ab.

Und wikipedia weiss  zu berichten:

Bert Brac ist das Sammelpseudonym für zahlreiche Komponisten, die in den 1970er- und 1980er-Jahren Musik für Kinder- und Jugendhörspiele von Europa geschrieben haben. Zu diesen Autoren gehören Heikedine Körting, Andreas Beurmann und der Hamburger Musiker Carsten Bohn (um die Carsten Bohn-Autorenschaft entstand ein Rechtsstreit (wikipedia)

Und man gab sich durchaus Mühe den „London Beat Sound“ zu kopieren und das gelang gar nicht mal so schlecht, wenngleich die großen Knaller nicht dabei sind.

Aber überzeugendste sind für mich „The Duke Of Soho“, denn die hatten einen scharfen Saxophonisten in ihren Reihen und so imitierten sie recht gekonnt den Britsh R & B Sound jener Tage.

Und natürlich lädt dieses Album auch zum schmunzeln ein, denn an die großen Idole aus London kamen die Jungs halt nicht hin, aber sie gaben sich Mühe. Von daher ein Hoch auf all jene Amateur-Combos jener Tage, die oftmals auch in der Provinz den Beat unter das Volk brachten … einfach nur super !

BackCover1Titel:
01. The Peers: Black Is Black (Grainger/Wadey/Hayes) 2.53
02. The Spots: I’m Still In Love With You (Brac) 2.17
03. The Duke Of Soho: Lovin‘ Time (Brac) 1.52
04. The Spots: Baby, When You Walk (Brac) 2.04
05. The Peers: Yellow Submarine (Lennon/McCartney) 2.26
06. The Peers: Winchester Cathedral (Stephens) 2.27
07. The Spots: Sadness And Tears (Brac) 2.30
08. The Duke Of Soho: Hey, Wait For Me (Brac) 2.18
09. The Spots: I Just Want To Tell You (Brac) 2.23
10. The Peers: Mini Skirt Over Her Knees (Brac) 3.54
11. The Duke Of Soho: Shake Again Time (Brac) 2.27
12. The Peers: When The Saints Go Marchin‘ In (Traditional) 2.39
13. The Duke Of Soho: Bach Meets The Duke (Brac) 1.41
14. The Peers: Non-Stop (Brac) 2.33
15. The Duke Of Soho: Mod On Mod  2.30

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Alternatives Backcover

Verschiedene Interpreten – Frohe Alpenwanderung mit Alfons Bauer (1966)

FrontCover1Und da ist er mal wieder, der ungekrönte König der Zither, der ein beachtliches Maß an Musikaufnahmen hinterlassen hat.

Alfons Bauer (* 13. Mai 1920 in München-Freundorf; † 3. Februar 1997) war ein deutscher Komponist und Zitherspieler.

Alfons Bauer erlernte als 8-Jähriger das Zitherspiel und nahm als 15-Jähriger seine erste Schallplatte auf. Nach der Schule erlernte er zunächst den Beruf des Hutmachers, da seine Eltern ein Hutmachergeschäft betrieben. Anschließend studierte er am Konservatorium in München Klavier und Tonsatz. Alfons Bauer arbeitete hauptsächlich im Studio und trat weniger live auf. Für seine innovativen Rundfunk- und Schallplattenproduktionen stellte er verschiedene Besetzungen zusammen, bestehend aus professionellen Orchestermusikern. Eine langjährige Zusammenarbeit verband Alfons Bauer mit dem Akkordeonvirtuosen Georg Schwenk, der auch zahlreiche Titel für ihn arrangierte. Bis in die 1950er Jahre hatte er schon mehr als 1 Million Schallplatten mit seiner Zither verkauft. Dann gründete er eine eigene Schallplattenfirma und war auf dem Sektor der volkstümlichen Musik tätig. Er schrieb auch Titel für andere Künstler, zum Beispiel für Maria und Margot Hellwig, Hansl Krönauer und Esther Egli. Er komponierte über 200 Titel. Auch in der DDR war Alfons Bauer sehr populär, seine Titel wurden dort vor allem in den 1950er und 1960er Jahren oft im Rundfunk gespielt. Viele davon erschienen auch auf Schallplatte. 1972 veröffentlichte er in der Bundesrepublik Deutschland eine Schallplatte des bekannten DDR-Volksmusikers Herbert Roth.

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Bauer spielte auch zusammen mit dem Orchester James Last und dem Berliner Rundfunkorchester Melodien von Johann Strauss bis Robert Stolz und Ralph Benatzky ein. Er gehörte zusammen mit Rudi Knabl zu den erfolgreichsten Zitherspielern des 20. Jahrhunderts.

Er war seit 1968 verheiratet mit der Sängerin und Folklore-Tänzerin Rita geb. Fendt. Aus seiner ersten Ehe hat er eine Tochter.

Sein Grab befindet sich auf dem Waldfriedhof in Gauting.

Alfons Bauer erhielt zahlreiche Auszeichnungen, darunter 1975 die Hermann-Löns-Medaille (*). (Quelle: wikipedia)

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Hier eine seiner zahlreichen LP´s … diesmal geht´s um eine „frohe Alpenwanderung… “ Nun gut … einerseits die übliche alpenländische Volksmusik, andererseits sind aber  wieder mal ein paar musikalische Schmankerl vorbei.

Der regionale Schwerpunkt dieser LP liegt im Salzburger Land (wie man unschwer der List der mitwirkenden Musikanten entnehmen kann).

Da ist insbesondere „Ein Abend am Traunsee“ zu erwähnen, ein Kleinod instrumentaler Volksmusik.

Und dann der „Wehmutsjodler“ … viel inniger kann man Wehmut nicht gesanglich ausdrücken.

Na ja … und gejodelt wird dann natürlich auch noch ….

Und, ach ja, dass Label „Die Volksplatte“ war ein Sub-Label von EMI -Electrola

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Besetzung:
Alfons Bauer (zither)
+
Salzburger Vierklang – Die Schönauer Musikanten – Duo Merhaut-Delacher – Tanzgruppe der Alpinia – Michl Berger – Duo Frei- Ellersdorfer – Die Lohmayer-Dirndl´n – Die Salzburger Musikanten – Der Volksliedchor von Radio Salzburg – Sepp Kufner und seine Salzburger Spitzbuben

Traunsee

Der Traunsee

Titel:
01. Original Salzburger Glockenspiel 0.21
02. Mühlbacher Volksmusikmarsch (Traditional) 2.47
03. Knappentanz (Traditional) + Salzburger Bauerntanz (Peth) 1.18
04. Ja, weil du so schön tanzen kannst (Traditional) 1.31
05. Stoaröserl Landler (Traditional) 1.19
06. Binderlied (Traditional) 1.33
07. Tiroler Landler (Ellersdorfer) 0.52
08. I bin a jungs Bürscherl (Berger) 1.31
09. Bankerl Tanz (Traditional) 0.48
10. Almerisch (Ellersdorfer) 1.17
12. Ein Abend am Traunsee (Frank) 2.39
13. Frisch von der Leber (Tanzer) 0.52
14. Hops, drah di (Traditional) 0.39
15. Auf der Köpplschneid (Traditional) 1.07
16. Gestern auf d’Nacht (Traditional) 0.52
17. Salzburger Glockenspiel (Traditional) 1.35
18. Salzburger Bauernschottisch (Frei) 0.39
19. Wehmutsjodler (Traditional) 1.40
20. Jagerwalzer (Traditional) 2.06
21. Faschingspolka (Traditional) 1.04
22. Und s’Dirndl steht beim Bacherl (Traditional) 0.59
23. Pinzgauer Plattler (Traditional) 1.00
24. Immer fröhlich (Traditional) 1.24
25. Dui-Jodler (Peth) 0.44
26. Wilde Jagd (Stelzer/Rieser) 0.55

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Inlets

 

(*) zu Hermann Löns sollte man folgendes wissen:

Zur Person Hermann Löns gibt es Anwürfe, die ihn als Trinker und Frauenfeind beschreiben:

„Weiber sind keine Vollmenschen, denn sie haben keine Seele, sondern nur einen Uterus.“
„Ein Mann wie ich braucht jede sieben Wochen eine andere Geliebte.“

Der Bückeburger Mediziner Kantorowisz erklärte in einem gerichtlichen Attest, er habe Löns wegen „schwerer nervöser Störungen“ und eines „krankhaften Wandertriebs“ behandelt. Der Patient leide zudem an „periodischer Trunksucht“ (Quartalstrinker).

Seine nationalistische Einstellung mit antisemitischen Anflügen bekundete er freimütig:

„Ich bin Teutone hoch vier. Wir haben genug mit Humanistik, National-Altruismus und Internationalismus uns kaputt gemacht, so sehr, daß ich eine ganz gehörige Portion Chauvinismus sogar für unbedingt nötig halte. Natürlich paßt das den Juden nicht …“

Der Löns-Kritiker Thomas Dupke  ist der Auffassung, dass Löns’ spätere Vereinnahmung durch die Nationalsozialisten nicht ohne sein eigenes Zutun zu Lebzeiten kam, da er sich häufig sozialdarwinistisch und rassisch-völkisch äußerte. (Quelle: wikipedia)