Franz-Josef Degenhardt – Väterchen Franz (1966)

Erstmal ganz lapidar und dann auch noch passend zum Vatertag:

Franz Josef Degenhardt (* 3. Dezember 1931 in Schwelm, Provinz Westfalen; † 14. November 2011 in Quickborn, Schleswig-Holstein) war ein deutscher Liedermacher, Schriftsteller sowie promovierter Jurist und Rechtsanwalt.

Franz Josef Degenhardt veröffentlichte seine erste Platte im Jahre 1963, also noch während der letzten Monate der Kanzlerschaft Konrad Adenauers. Anfangs eher ein Bänkelsänger mit Ruhrpott-Einschlag, wurden seine Aussagen und Liedtexte zunehmend schärfer und pointierter, bis er schließlich zum musikalischen Sprachrohr der 68er-Generation avancierte. Für die damals 18- bis 25-jährigen (soweit sie politisch dachten) war Degenhardt der Exponent einer Protesthaltung, die die Normen und Werte der bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellte oder ganz abschaffen wollte.

Das Album „Väterchen Franz“ markiert eine Übergangsphase: eine allmähliche Abwendung vom eher literarisch geprägten Chansonstil, hin zum großen basisdemokratischen Rundumschlag. 1966 war von den Umwälzungen und Unruhen, die zwei Jahre später die Republik erschütterten, noch wenig zu spüren. Doch an den Universitäten, wo Adorno und Marcuse eine marxistisch geprägte Soziologie lehrten, gärte es bereits. 1966 war auch das Gründungsjahr der Großen Koalition unter Kanzler Kurt Georg Kiesinger. Die geplante Notstandsgesetzgebung der neuen Regierung bildete bald darauf zusammen mit dem Vietnam-Krieg ‚den Kristallisationspunkt für die größten Protestdemonstrationen, die die Bundesrepublik bis dahin erleben sollte. Gleichzeitig machten sich die ersten schüchternen Ausläufer der ’sexuellen Revolution‘ bemerkbar, und auch die Diskussion über die NS-Zeit gewann an Prägnanz und Schärfe.

DegenhardtVäterchenFranzBurgWaldeckDessen ungeachtet zog 1966 erstmals die NPD in die Länderparlamente von Bayern und Hessen ein, begünstigt auch durch den Umstand, dass es 1966/67 erstmals so etwas wie eine Konjunkturflaute gab. Die Wirtschaftswunder-Epoche ging langsam zu Ende, und allmählich wurden gewisse Grenzen des Wachstums sichtbar. Während das Gros der Bevölkerung die Zeichen des Wandels ignorierte und an die immerwährende Stabilität ihres Wirtschafts- und Gesellschaftssystems glaubte, bereitete sich im ‚Untergrund‘, in Filmen, Theaterstücken und Büchern, ein kultureller Umbruch vor. Die Schriften von Freud, Reich und Adler erlebten eine Renaissance in intellektuellen Zirkeln, und es dauerte nicht lange, bis dieser Funke auch auf Teile der Jugend übersprang. Nicht nur in der alten Bundesrepublik, sondern in vielen Ländern der Welt folgten junge Leute den Vorbildern einer neuen Popkultur, die ihren prägnantesten Ausdruck in der Musik fand, auch wenn die „Woodstock Generation“ noch einige Jahre auf sich warten ließ. Doch zwischen den Großmächten herrschte – trotz einiger Entspannungsansätze – noch immer „kalter Krieg“, und die Gefahr eines atomaren Konflikts schwebte wie ein Damoklesschwert über den Menschen. Vor diesem Hintergrund entstand, viele der geschilderten Punkte einflechtend, das Album „Väterchen Franz“.

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Meine Favoriten: „In den guten alten Zeiten“, „Tonio Schiavo“ und „Feierabend“ (besonders letzteres Lied, dank Melodie und Text und der daraus resultierenden, ebenso poetischen wie bedrohlichen Stimmung). Aber auch die anderen Songs sind durchweg gelungen und weisen sowohl textlich als auch musikalisch eine große Spannbreite auf. Und obwohl zwischen dem Produktionsjahr der Platte und der Gegenwart inzwischen einige Jahrzehnte liegen, finden sich immer wieder Textpassagen, die heute genauso aktuell sind wie damals. Genaues Hin- und Zuhören lohnt sich also auf jeden Fall. (Reinhard Koehrer)

Zeit seines Lebens war ich ihm gram, dass er sich die Narretei leistete, aktiv für die DKP einzutreten. Dies sei ihm nun posthum vergeben.

DegenhardtVäterchenFranzBC

Besetzung:
Franz Josef Degenhardt (vocals, guitar)

Titel:
01. Horsti Schmandhoff (Degenhardt) 6.17
02. Tante Th’rese (Degenhardt) 4.01
03. Spaziergang (Degenhardt) 2.48
04. In den guten alten Zeiten (Degenhardt) 6.12
05. Umleitung (Degenhardt) 3.26
06. Tonio Schiavo (Degenhardt) 3.47
07. Santacher (Degenhardt)  4.32
08. Adieu Kumpanen (Degenhardt) 3.58
09. Väterchen Franz (Degenhardt) 6.45
10. Feierabend (Degenhardt) 4.02

Label1

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Attila Zoller – Katz und Maus – OST (1967)

FrontCover1Ich weiß nicht, seit wie viel Jahren ich ein ganz begeisterter Zuhörer bin, wenn Attilla Zoller aufspielt.

Der in Visegrád (Ungarn) geborene Gitarrist Attila Zoller war seit den 1960er Jahren sowohl in Westdeutschland als auch in den USA eine feste Größe des Freejazz. Er war stets offen für Einflüsse aus der Musik verschiedener Völker wie aus unterschiedlichen Stilrichtungen des Jazz. Zoller spielte jahrelang in der Band von Herbie Mann, dem Gründervater des lateinamerikanisch orientieren Ethnojazz. „Er war wie ein Hurrikan“, erzählte Mann 2002 in Budapest über Zoller, „der einzige Gitarrist nichtbrasilianischer Abstammung, der die brasilianische Musik glaubwürdig spielen konnte.“ Zoller arbeitete auch mit Benny Goodman in der Klangwelt des traditionellen Swing und Combo zusammen. Seit den 1950er Jahren trat er gerne in der neuartigen Form des Duos unter anderen mit Albert Mangelsdorff (Posaune) und Don Friedman (Klavier), später auch mit dem Bayern Helmut Kagerer (Gitarre) auf.

Von der Vielfalt seiner Tätigkeit zeugt, daß er die Musik zur Filmadaptation Heinrich Bölls „Das Brot der frühen Jahre“ sowie von Günter Grass „Katz und Maus“ schrieb und Heine-Gedichte vertonte, die auf der Platte „Jazz & Lyrik“ (1964) zu hören sind. (Ungarisches Institut München)

Hier nun sein Soundtrack zu der Verfilmung des Günter Grass Romans „Katz und Maus“ (1963):

FilmplakatDer Film spielt in Danzig während des Zweiten Weltkriegs. Joachim Mahlke ist Gymnasiast und unter seinen Schulkollegen ein Außenseiter. Er sieht durch einen übergroßen Adamsapfel entstellt aus. Die Jugendlichen verbringen ihre Zeit an der Ostsee. Beliebter Spielplatz ist das Wrack eines polnischen Minensuchbootes. Dort tut sich Joachim als hervorragender Schwimmer und Taucher hervor. Seinen Adamsapfel versucht Joachim durch allerlei Utensilien zu verbergen. Einem Soldaten hatte er dessen Ritterkreuz gestohlen, jetzt ziert es seinen nackten Oberkörper bei den sommerlichen Spielereien. Der schwierige Jugendliche fliegt aufgrund des Diebstahls schließlich von der Schule und geht als Freiwilliger in den Krieg. Dort bekommt er selbst ein Ritterkreuz verliehen und kehrt auf Heimaturlaub zu seiner alten Schule zurück, in der Hoffnung als militärischer Held endlich Anerkennung zu finden. Doch sein Heldentum wird abgelehnt. Mahlke desertiert und flieht auf das alte Minenboot. Er verschwindet spurlos.

„Kabarettistisch zugespitzte Satire, die zwar weniger vielschichtig ist als die literarische Vorlage, dafür aber um so aggressiver in dem Versuch, alte und neue Varianten des deutschen Militarismus als Zwangsneurose zu entlarven. Stellenweise nicht ohne Witz, formal weit weniger konsequent.“ (Lexikon des internationalen Films)

„Beachtenswerter deutscher Film, der rückblendend Vergangenheit und Gegenwart verbindet und von den Jugendjahren und frühem Sterben des Oberschülers Joachim Mahlke erzählt. Das von dem Schüler bei seinen kindischen Spielen auf einem Schiffswrack in der Danziger Bucht gestohlene Ritterkreuz deutet der Film als Symbol für die Perversion des Menschen im Kriege. Literarische Verfilmung, die schon Zuschauer ab 16 intensiv beschäftigen und zur Diskussion herausforern wird.“ (Evangelischer Filmbeobachter, Kritik Nr. 60/1967, S. 84)

Filmbild

Vielleicht war es gar nicht übertrieben auf der Hülle zu vermerken: Der meistdiskutierte Film – Die meistdiskutierte Filmmusik des Jahres, denn:

Unmittelbar nach dem Erscheinen sollte das Buch wegen angeblich pornografischer Szenen (siehe oben) verboten werden.

Das Verfahren wurde zwar eingestellt, aber nach der Verfilmung der literarischen Vorlage durch Hans Jürgen Pohland äußerte ein FDP-Abgeordneter 1967 in einer Fragestunde des Deutschen Bundestages Bedenken, ob nicht das Eiserne Kreuz in „Katz und Maus“ verunglimpft werde. (Dieter Wunderlich) (ich lege meiner Präsentation einen Spiegel-Artikel vom 26.12.1966 bei, der sich u.a. auch damit beschäftigte, dass bei diesem Film zwei Söhne von dem damaligen Vizkanzler Willy Brandt mitgewirkt haben)

In kleiner Besetzung eingespielt ist das Werk auch heute noch von einer erstaunlichen Frische und Lebendigkeit, das Prädikat „zeitlos“ ist einfach angebracht !

Eingespielt wurden diese famosen Aufnahmen übrigens am 14. und 15. Dezember 1966 in New York.

BackCover1

Besetzung:
Ron Carter (bass bei 01. – 03)
Albert Dailey (piano)
Barre Phillips (bass bei 04 – 06.)
Jimmy Owens (trumpet)
Bobby Thomas (drums)
Attilla Zoller (guitar)

Booklet1

Tracklist:
01. Mahlke (Zoller) 7.42
02. Conradinum Ballade (Zoller) 6.28
03. Pilenz (Zoller)  9.42
04. Catnip (Zoller) 8.32
05. A.B.J. (Owens/Phillips/Zoller) 5.40
06.  Seascape (Zoller) 7.45

Label

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Hermann Prey – Schaut her, ich bin´s (1966)

FrontCover1Also, meine Mutter hätte ihre helle Freude an dieser LP gehabt … Ich hingegen tu mir bis heute mit dieser Musik arg schwer … Macht aber auch nix:

Hermann Oskar Karl Bruno Prey (* 11. Juli 1929 in Berlin; † 22. Juli 1998 in Krailling) war ein deutscher Opernsänger (Bariton).

Hermann Prey war der Sohn von Hermann und Anna Prey. Er wurde nach seinem Vater und Großvater benannt. Bereits als Zehnjähriger sang Prey im Mozartchor seiner Heimatstadt, damals noch als Knabensopran. In dieser Zeit reifte in ihm der Wunsch, Sänger zu werden. Da seine Eltern ihm ein Studium nicht ermöglichen konnten, finanzierte Prey es sich durch Auftritte mit einer Tanzmusikkapelle in Nachtclubs und Bars und gelegentliche Aufnahmen für den RIAS.

Nach dem Studium an der Hochschule für Musik in Berlin (als Schüler von Jaro Prohaska, Günther Baum und Harry Gottschalk) feierte Prey im Jahr 1952 einen ersten Erfolg beim Wettbewerb Meistersinger von Nürnberg. Ein früher Höhepunkt in seiner Karriere war 1960 seine Interpretation des Wolfram in Wagners Tannhäuser an der Metropolitan Opera in New York. Fünf Jahre später sang Prey diesen Part bei den Bayreuther Festspielen.

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Ein junger Hermann Prey

In den 1970er Jahren wurde Prey dem breiten Publikum vor allem durch seine Unterhaltungssendung Schaut her, ich bin’s bekannt, in der er viele Prominente der Opernszene präsentierte (unter anderem den jungen Plácido Domingo, der in der Sendung sein Debüt im deutschen Fernsehen gab). Eine enge Freundschaft verband ihn mit dem Tenor Fritz Wunderlich, der oft mit ihm auf der Bühne stand.

Der Komponist Franz Schubert hatte es Hermann Prey besonders angetan. Er hatte die Idee zu einer Schubertiade in Vorarlberg, die dann Gerd Nachbauer dort zu einem seit 40 Jahren erfolgreichen Musikfestival ausbaute. Auch die Schubertiade im Wiener Musikverein geht auf Prey zurück, wo er seinen Lebenstraum, die Aufführung sämtlicher Werke Schuberts in chronologischer Reihenfolge, verwirklichte.

1981 veröffentlichte er seine Autobiographie Premierenfieber. 1982 begann er an der Musikhochschule Hamburg Meisterklassen zu geben. Bei seinem letzten Auftritt bei den von ihm mitbegründeten Herbstlichen Musiktagen in Bad Urach sang Prey am 4. Oktober 1997 erstmals eine von Yukikazu Suzuki für Orchester bearbeitete Fassung von Schuberts Winterreise. Begleitet wurde er vom Orchestra Ensemble Kanazawa unter der Leitung von Hiroyuki Iwaki.

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Hermann Prey starb wenige Tage nach seinem 69. Geburtstag an den Folgen eines Herzinfarkts, nachdem er noch am 12. Juli 1998 einen Liederabend im Prinzregententheater in München gegeben hatte. Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Krailling (bei München).

Seit dem 13. Februar 1954 war Hermann Prey mit Barbara, geb. Pniok, verheiratet. Das Paar bekam zwei Töchter, Annette und Franziska, und den Sohn Florian Prey, der ebenfalls Bariton wurde und inzwischen das Festival in Bad Urach leitet.

Hermann Prey erhielt zahlreiche Auszeichnungen. Er erhielt die Ehrenbürgerwürde der Gemeinde Krailling, war Ehrenmitglied des Wiener Musikvereins und Kammersänger der Bayerischen Staatsoper in München. 1977 wurde er mit dem Bayerischen Verdienstorden ausgezeichnet und 1986 mit dem Maximiliansorden für Wissenschaft und Kunst. 1998 erhielt er das Große Silberne Ehrenzeichen für Verdienste um die Republik Österreich.[1]

In Hohenems ist die Hermann-Prey-Straße nach ihm benannt, in Bad Urach der Hermann-Prey-Platz. (Quelle: Wikipedia)

Und hier wird die Entstehungsgeschichte dieser LP erzählt:

Hüllentext

Nun gut … das weiß man, was man hat …

Hermann Prey war damals vermutlich die Nr. 1 unter den Bariton-Sängern … auch wenn mich das damals wie heute eher weniger beeindruckt … aber mir fehlthalt auch das entsprechende Gen.

Alternatives Front+BackCover.jpg

Alternatives Front+Back Cover

Besetzung:
Hermann Prey (Bariton=
+
Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Guiseppe Patané (bei 01., 04.)
Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Robert Heger (bei 10.)
Männerchor der Deutschen Oper Berlin unter der Leitung von Horst Stein (bei 02.)
Berliner Symphoniker unter der Leitung von Horst Stein (bei 02., 05., 11. + 12.)
Berliner Symphoniker unter der Leitung von Wilhelm Schüchter (bei 03.)
Bayerisches Staatsorchester unter der Leitung von Meinhard von Zallinger (bei 06.)
Staatskapelle Berlin unter der Leitung von Otmar Suitner (bei 08.)
Orchester der Bayerischen Staatsoper München unter der Leitung von Robert Heger (bei 09.)

BackCover1
Titel:
01. Schaut her, ich bin’s! (Leoncavallo) 5.04
02. Euren Toast kann ich wohl erwidern – Auf in den Kampf Torero (Bizet) 4.49
03. Da ich nun verlassen soll (Gounod) 2.57
04. Ein Student bin ich (Verdi) 2.22
05. Wie Todesahnung Dämmrung deckt die Lande – O du mein holder Abendstern (Wagner) 4.50
06. Als deine Liebe du mir schenktest (Tschaikowski) 4.05
07. Ich bin das Faktotum der schönen Welt (Rossini) 4.48
08. Der Prozeß schon gewonnen – Ich soll ein Glück entbehren (Mozart) 4.36
09. Wie freundlich strahlt die holde Morgensonne – Heiterkeit und Fröhlichkeit (Lortzing) 5.01
10. Sonst spielt‘ ich mit Zepter (Lortzing) 5.55
11. Der Vogelhändler bin ich ja (Mozart) 2.38
12. Ein Mädchen oder Weibchen (Mozart) 3.46

LabelA1

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Prey01

Das Ehepaar Prey privat in Krailling (bei München)

Verschiedene Interpreten – Die schlesische Spinnstube (1966)

FrontCover1Ganz sicher nicht jedermanns Sache, jene LP´s aus den 50er und 60er Jahren bei denen den heimatlichen Klängen geröhnt wurde. Und auch meine musikalische Begeisterung hält sich da ganz sicher in sehr, sehr engen Grenzen.

Und dennoch: Auch diese Klänge und Texte gehören zur kunterbunten Vielfalt im deutschsprachigen Raum und ganz sicherhaben sie früher viele Menschen begeistert.

In diesem Fall wohl hauptsächlich die Schlesier, die als Heimatvertriebene hier in Westdeutschland ein enges Netz der Verbundenheit geknüpft haben: Der Bund der Schlesier und andere Verbände betrieben aktiv die „Heimatpflege“ und dazu gehörte natürlich auch, die Konservierung schlesischer Melodien.

Thematisch hat man sich eine Spinnstube „ausgesucht“ und mehr als einmal hört man während der Lieder das dezente klappern des Spinnrades.

Früher habe ich mich wohl sehr offenkundig über diese Art von Musik amüsiert; heute bin ich da weitaus zurückhaltender. Mehrfach ging mir beim hören diese LP durch den Kopf, wie es wohl für mich wäre, wäre ich aufgrund kriegerischer Auseinandersetzung fern meiner bayerischen Heimat und das auf unbegrenzte Zeit … Besonders wohl habe ich mich bei diesem Gedanken nicht gefühlt.

Spinnstube (Riesengebirge- - Schlesien)

Eine schlesische Spinntube aus dem schlesischen Riesengebirge

Von daher kann ich den triefenden Pathos des Klappentextes auch einfach als das hinnehmen, was er damals wohl war. Ein schmerzliches Prozess der Anpassung an die Realität.

Übrigens: Das Album, obwohl beim renommierten Odeon/EMI Label erschienen, hat zumindest im Internet so gut wie keine Spuren hinterlassen. Nun, das hat sich ja nun geändert.

BackCover1

Besetzung:
Zitherspieler aus Emsdetten
Chor der Schlesischen Spinnstube Münster
Der Spielkreis Karl Kienel
Der Kinderchor der Schlesischen Spinnstube
+
Horst Posmiyk (horn)
Olaf Posmiyk (horn)
Helmut Sikor (horn, guitar)

Musikalische Leitung: Heribert Limberg – Gesamtleitung: Dorfschulzenpaar Wendt

Inlet01A

Innenhülle

Titel:
01. Blaue Berge, grüne Täler 1.30

Schlesische Spinnstube (Potpourri Teil I):
02. Rundherum im Kreis 1.55
03. Spinnradl und Woaf 2.16
04. Rotgewand 0.39
05. Summa, Summa, Summa 0.49
06. Segentanz 1.04
07. Himmelsau, licht und blau 0.52
08. Im Märzen der Bauer 2.07
09. Schlesischer Sonntagmorgen (Wenn mer sunntiches ei de Kerche giehn) 2.18
10. Wenn der Kermst wird sein 1.20
11. Schlä´scher Bauernhimmel (Hopsa, hopsa, rieber und nieder) 1.58

Schlesische Spinnstube (Potpourri Teil II):
12. Jagdsignale 0.38
13. Oberschlesischer Kegel 1.43
14. Mei Schatzla kimmt vo ferne 1.34
15. Der Fleischer mit der Fleischerbank (Himmelhoch) 2.43

16. Bauernpolka 1.26

Schlesische Spinnstube (Potpourri Teil III):
17. Wenn die Bettelleute tanzen 2.01
18. Es ritten drei Reiter wohl über den Rhein 2.16
19. Und in dem Schneegebirge 1.19

LabelA1

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Vico Torriani – Weihnacht in Europa (1966)

FrontCover1Von den üblichen Weihnachtsplatten deutscher Schlagersänger und Unterhaltungskünstler unterscheidet sich dieses Album doch um einiges, auch wenn man das erstmal bei dem Blick auf das Cover nicht so recht glauben möchte.

Warum das so ist, erläutert folgender Text auf der Rückseite der Hülle:

„Weihnachten – das Fest der Familie, der Fest der Freude und des Friedens. Überall in Europa läuten die Weihnachtsglocken das Fest der Liebe ein, verkünden der Freude über die Geburt Christi. Mögen die überlieferten Bräuche in den einzelnen Ländern auch unterschiedlich sein, mögen die Lieder im hohen Norden anders klingen als im Süden, den Zauber der Weihnachtszeit, die Freude über das Ereignis der Heiligen Nacht besingen sie alle. Unsere Langspielplatte ist eine sorgfältige Auswahl der schönsten Weihnachtslieder unserer europäischen Nachbarländern. Vico Torriani singt sie in der Originalsprache.“

Und so hören wir Weihnachtslieder eben nicht nur aus Deutschland, sondern aus so unterschiedlichen Ländern, Regionen wie Österreich, Belgien und Holland, Frankreich, Italien, Schweden, Spanien, Schweiz, England, Finnland und Griechenland.

Das mag sich in der heutigen Zeit nicht sonder spektakulär anhören, aber für 1966 war es wohl eher die Ausnahme.

LabelsSonderpressung

Die Labels der Sonderpressung für die Zeitschrift „Freundin“

Und dem deutschen Volke hat es auch damals nichts geschadet, den Blick über die Landesgrenzen zu richten und vielleicht war diese LP ja auch ein ganz kleiner, bescheidener Beitrag zum Abbau jener Fremdenfeindlichkeit die unser Land damals wie heute begleitet. Okay, mag vielleicht naiv klingen, aber ich glaube schon, dass (internationale) Musik einen Beitrag zur Völkerverständigung leisten kann. Und man wunderte wieder mal daran erinnert, dass der „deutsche“ Weihnachtsklassiker „Oh du fröhliche“ eigentlich seine Wurzeln in Sizilien hatte.

Und so können wir jetzt dann eine spannende Mischung aus diversen eoropäischen Weihnachtsliedern hören … Und kurze erläuternde Texte zu den einzelnen Lieder runden den positiven Gesamteindruck ab.

Den einleitenden Satz „Weihnachten – das Fest der Familie, der Fest der Freude und des Friedens“ kann und mag ich allerdings nicht so stehen lassen. Ich beschäftige mich gerade mit dem Thema „Gewalt an Weihnachten“ und es scheint tatsächlich so zu sein, dass familiäre und häusliche Gewalt genau zu diesem Festtage zunimmt. Ein mehr als deutliches Zeichen, dass hinter der  Fassade dieses „frohen Fest“ jede Menge Emotionen brodeln, die sich dann in menschenverachtender Aggression äußern. Vielleicht ein Hinweis, dass wir die Bedeutung des Weihnachtsfestes künstlich überhöhen und dann die Erwartungen sich doch nicht erfüllen … Vielleicht finde ich ja zu diesem Thema noch verwertbare Materialen.

SonderpressungFreundin

Vorder + Rückseite der Sonderpressung für die Zeitschrift „Freundin“

Besetzung:
Vico Torriani (vocals)
+
Kinderchor Erich Bender
Starlet-Chor
+
Orchester Arno Flor

BackCover1

Titel:
01. Einleitung  + Leise rieselt der Schnee (Deutschland) 2.00
02. Aba Heitschi Bubeitschi Bum Bum (Österreich) 2.50
03. Nu Syt Wellecome (Belgien/Holland) 3.00
04. Petit Papa Noél (Frankreich) 2.22
05. Canzone Dei Zampognari (Italien) 2.31
06. Sankt Staffans Visa (Schweden) 2:32
07. Dime Nino (Spanien) 2.59
08. Stille Nacht, heilige Nacht (Deutschland) 3.18
09. Morgen kommt der Weihnachtsmann (Deutschland) 1.52
10. Ihre klare Seraphim (Schweiz) 3.04
11.  The Coventry Carol (England) 2.58
12. Jolupukki (Finnland) 2.09
13.  Es wird scho glei dumpa (Tirol) 2.54
14. Kalanda (Griechenland) 1.54
15. O Sanctissima (O du Fröhliche) (Italien) 1.53

Arrangements: Arno Flor

LabelA1

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Ratlos

Dieses Mädchen auf der Hülle schaut ein wenig ratlos drein …

Nini Rosso – Weihnachten mit Nini Rosso (1966)

FrontCover1Natürlich kann man den Nini Rosso nicht mit dem Ludwig Güttler vergleichen, aber seinen Charme hatte er schon, als er in Deutschland mit jenem unvergessenem „Il Silencio“ seinen Siegeszug antrat ….

Unvergessen … dieser Schmalz, dieser Trompten-Sound des Nini Rosso:

Nini Rosso, bürgerlich: Raffaele Celeste Rosso, (* 19. September 1926 in Turin; † 5. Oktober 1994) war ein italienischer Jazz-Trompeter und Komponist.

Als seine Eltern für ihn eine Akademikerlaufbahn vorsahen und sich gegen seine Trompeterkarriere stellten, riss er mit 19, damals noch nicht volljährig, von zuhause aus. Eine Anstellung in einem Nachtclub wurde durch die Polizei beendet, die ihn wieder nach Hause zurückbrachte. Trotzdem konnte er sich schließlich gegen seine Eltern durchsetzen.

Er gründete eine kleine Band, mit der er auf internationale Tour ging, und begründete bald seinen Ruf als bester Jazztrompeter Italiens.

Anfang der 1960er landete er mit Stücken wie La ballata della tromba und dem selbst komponierten Concerto disperato Hits in Italien. Letzter Titel wurde als Titelmusik des Films Marschier oder krepier (mit Stewart Granger) international bekannt. In der Bundesrepublik erschien diese Aufnahme beim deutschen Label Italia.

Mit dem instrumentalen Trompetenstück Il Silenzio hatte er 1965 dann seinen größten Hit. Das Stück war ein Welthit, verkaufte sich zehn Millionen Mal und führte in zahlreichen Ländern die Hitparaden an, auch in Deutschland, wo es der Hit des Jahres war, in Österreich und der Schweiz. (Quelle: wikipedia)

NiniRosso

Und bei diesem gigantischen Erfolg des Ninni Rossos konnte es natürlich nicht ausbleiben, dass er uns Deutschen auch eine Weihnachts-LP schenkte und da konnte er gar nichts falsch machen.

Mit diesem herrlichem rompetenschmelz veredelte er natürlich all „die uns“ liebgewordenen Melodien.

Ach ja und ein gewisser Christian Bruhn war auch mit von der Partie … jenem Hans Dampf in allen Gassen …

Und auch der Jazzer in Nini Rosso durfte einmal wieder auftauchen … man jöre sich dazu die wunderbar verjazzte Version von „Jingle Bells“ an …

Single.jpg

Die Single zum Album

Besetzung:
Nini Rosso (rumpet
+
Grßes Orchester und gemischter Chor unter der Leitung von Christian Bruhn

BackCover1

 

Titel:
01. Leise rieselt der Schnee (Traditional) 2.03

02. Zur heiligen Nacht (Potpourri) 5.09
02.01.  Es ist ein Ros‘ entsprungen
02.02.  Herbei, o ihr Gläubigen (Adeste Fidelis)
02.03. Vom Himmel hoch (Luther)
02.04.  Tochter Zion, freue dich! (Händel)

03. O Tannenbaum (Traditional) 2.07
04. Ihr Kinderlein, kommet (Schulz/v.Schmid) 2.18
05. O du fröhliche, o du selige (O Sanctissimo) 2.33
06. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber) 3.17
07. Ave Maria (Bach) 2.41
08. White Christmas (Berlin) 3.11

09. Unter dem Weihnachtsbaum (Potpourri) 7.01
09.01. Alle Jahre wieder (Silcher)
09.02. Am Weihnachtsbaum die Lichter brennen (Traditional)
09.03. Kommet, ihr Hirten (Traditional)
09.04. Süßer die Glocken nie klingen (Traditional)
09.05. Du kamst von den Sternen (Tu Scendi Dalle Stelle)

10. The Little Drummer Boy 3.05
11. Petit Papa Noél (Martinet) 2.54
12. Fröhliche Weihnacht überall (Happy, Happy Christmas) (Traditional) 2.13
13. Jingle Bells (Traditional) 3.01

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Die 3 Lausbuben – Neue Lausbubereien (1966)

rontCover1Hm, was man halt so für Humor hält.

Auf der Hülle kann man dann lesen „Aus der Wiener Rutsch´n“ … man lasse sich dadurch nicht täuschen. Das Lokal „Wiener Rutsch´n“ gab´s natürlich, allerdings stand dieses in München.

Und dort begann dann am 15. März 1961 die Karriere dieses Trios. Dieses Trio allerdings hätte es ohne den Willy Fantel nie gegeben (wie er auch stolz im Hülentext verkündet).

Willy Fantel über Willy Fantel:

Musiker, Komponist, Produzent
Geboren 1930 in Wien, Studium Hochschule für Musik, Hauptfach Trompete (Prof.Dengler) Nebenfach Klavier und Komposition. Eigene Band ab 1953 (Joe Zawinul war in meiner ersten Band Pianist) in den besten Lokalen in Wien mit größtem Erfolg gearbeitet. 50er + 60er Jahre einer der meist beschäftigten Studiomusiker in Wien. Bei 360 LP`s mitgewirkt. Von 1965 – 1969 in München – Geschäftsführer und künstlerischer Leiter der Wiener Rutsch`n. Ab Sept.1969 von Gerd Bacher in den ORF als Unterhaltungsabteilungsleiter ins Landesstudio Burgenland geholt. 1990 angeblich in Pension, aber weiterhin musikalisch vielseitig im eigenen Tonstudio tätig. (Quelle: musikergilde.at)

Tja … da ist ein Jazzer mal wohl wieder auf die schiefe Bahn gekommen., denn die Musik und Textbeiträge dieser „Humoristen“ bewegen sich auf einem Niveau das man nur „als unterirdisch“ bezeichnen kann.

Postkarte1

Werbepostkarte, 60er Jahre

Die Witzchen sind meistens billigste Zoen, die Schwulen und psychisch Kranke bekommen auch ihr Fett ab … und der Saal lacht und tobt …

Auh diese LP (aufgenommen am 15. März 1966) ist ein klingendes Beleg dafür, welche billigen Muff unsere Bundesrepublik damals bestimmte … na ja … kleiner Trost, die Antwort folgte dann ja …

Aus dem Lokal wurde dann später übrigens das Restaurant „Lamm´s“ … aber damit war dann 2011 Schluß:

Erhebliche hygienische und bauliche Mängel: Joschi Lamm muss seine Kultgaststätte am Sendlinger Tor dicht machen. Der gesamten Belegschaft hat er vor wenigen Tagen gekündigt.

„Preiswerte bayerische und österreichische Küche in uriger und rustikaler Atmosphäre“ – damit wirbt das Lamm’s am Sendlinger Tor im Herzen von München. Tagsüber ist es ein gediegenes Lokal, beliebt bei Touristen. Nachts hat es sich in der Münchner Partyszene einen Namen als eine der schlimmsten Absturzkneipen gemacht.
Lamm’s Wegen Hygienemängeln

Lamms

Was man halt so unter Gemütlichkeit versteht …

Denn das Wirtshaus ist das einzige Münchner Lokal, das tatsächlich 24 Stunden und sieben Tage die Woche offen hat. Dort, im Gewölbe unter dem Filmtheater, treffen sich dementsprechend auch alle Schichten der Stadt. Promis, Partygänger, Bierdimpfl, Huren, Penner. Warmes Essen gibt es rund um die Uhr. Noch.

Denn der 1. September markiert das Ende einer Institution im Münchner Nachtleben: Das Lamm’s muss schließen. Damit beugt sich Gastwirt Joschi Lamm dem Druck des Kreisverwaltungsreferats (KVR). Die Kontrolleure hatten das Lokal in den vergangenen Jahren mehrfach gefilzt und dabei unter anderem „sehr erhebliche hygenische und bauliche Mängel“ festgestellt, sagte eine KVR-Sprecherin zu sueddeutsche.de.

Darüber hinaus habe es Verstöße gegen das Feiertagsgesetz gegeben. Man habe versucht, mit dem Wirt eine einvernehmliche Lösung zu finden, sei damit aber gescheitert. Nun hat das KVR zur letzten Maßnahme gegriffen: Die Behörde hat Joschi Lamm die Konzession entzogen. Am 1. September läuft die Frist zur Abwicklung des Betriebs der Gaststätte aus. (Kathrin Haimerl, Süddeutsche Zeitung, 14. März 2011)

Überraschenderweise konnten die die „3 Lausbuben“ sehr lange halten … die spielen noch beim „Lamm´s“ auf … bis es eben vorbei war … Mein Mitgefühl dafür halt sich allerdings in Grenzen.

3 Lausbuben 1971

Besetzung:
Dolfi Kauer (guitar, vocals)
Loisl Wille (bass, vocals)
Charly Wisur (accordion, vocals)
+
Rikki Engel (vocals bei 13. + 14.)

BackCover1

Titel:
01, Die 3 Lausbuben begrüßen sie (Fantel) 1.07
02 Das Klatschjournal (Berndt/Fantel)
03. Witze 3.08
04. Sach’n gibts! (Berndt/Fantel) 2.55
05. Witz (1) 2.32
06. Die Liebe, die Liebe (Niessner/Fantel) 3.25
07. Rundfunkprogramm nach Lausbubenart (Fantel) 2.58
08. Werbedurchsagen (Fantel) 3.16
09. Die Flöte (Dühn) 4.08
10. Witz (2) 1.01
11. Herrenabend (Berndt/Fantel) 3.12
12. Rendezvous in der Nervenklinik (Fantel) 4.29
13. Ich will mein Leben leben (Berndt/Fantel) 3.31
14. Witz der Woche 2.04
15. Wiener Fiakerlied (Pick/Niessner) 3.15
+
16. Neue Lausbubereien (Teil 1, ungeschnitten) 23.14
17. Neue Lausbubereien (Teil 2, ungeschnitten) 25.03

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