Verschiedene Interpreten – Das neue Lied – Auswahl I (1968)

FrontCover1Wenn ich mal viel Zeit, könnte ich ja mal so ne Art Seminararbeit schreiben mit dem Thema „Das christliche Lied im Laufge der Zeit“ (unter besonderer Berücksichtigung der 60er Jahre *ggg*)

Hier hätten wir ein ganz besonders feines Beispiel:

Da haben wir massenhaft religiöse Texte (unter Einbeziehung der Schuld, die dann von Gott vergeben wird) … und dieses für mich naive Gottesvertrauen bleibt mir weiterhin fremd. Aber anhand dieser Texte lässt sich sehr gut, die christliche Philosophie bzw. Ideologie studieren.

Dann haben wir aber zum anderen die Musik … und die kann sich z.T. zumindest hören lassen.

Dies gilt insbesondere für die Aufnahmen des Wolfgang Lauth Sextett:

Wolfgang Lauth (* 15. Mai 1931 in Ludwigshafen; † 30. August 2011 in Mannheim) war ein deutscher Jazzmusiker (Pianist, Bandleader, Komponist).
Inhaltsverzeichnis

Nach dem Studium an der Musikhochschule in Mannheim gründete er ein Quartett, dem zunächst Werner Pöhlert (Gitarre), Wolfgang Wagner (Bass) und Joe Hackbarth (Schlagzeug) angehörten, und das sich dem Cool Jazz widmete. Für den Hauspianisten des Heidelberger Cave 54 wurden die Jazzfestivals in Frankfurt am Main zum Sprungbrett in die nationale Szene: 1955 und 1956 wurde er zum Jazzmusiker des Jahres gewählt. Das Wolfgang-Lauth-Quartett erinnerte nun nicht nur von der Besetzung her an das Modern Jazz Quartet, da Lauth auch eine Vorliebe für Barockmusik pflegte. 1956/57 ging Lauth mit Joachim-Ernst Berendt auf eine Tournee unter dem Motto „Jazz und Alte Musik“, die mit 150 Vorstellungen zum erfolgreichsten Projekt der deutschen

Wolfgang Lauth

Wolfgang Lauth

Jazzföderation wurde und für den LP-Mitschnitt 1958 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt. 1957 veränderte sich der Sound der Band: Anstelle der Gitarre ertönte nun das Vibraphon von Fritz Hartschuh; als Bassist war nun Wolfgang Wagner tätig. Für eine Erweiterung der Gruppe zum Septett wurden Albert Mangelsdorff, Joki Freund und Gerald Weinkopf verpflichtet.

Statt amerikanische Standards zu spielen, spezialisierte sich Lauth auf Originalkompositionen, verjazzte aber auch deutsche Operetten- und Schlagermelodien wie „Kauf Dir einen bunten Luftballon“. Durch seine Verbindung von Jazz und Barockmusik sowie Musical- und Schlagermelodien erlangte Lauth große Popularität. Zwischen 1965 und 1967 schuf Lauth drei viel beachtete Ballett-Kompositionen für das Nationaltheater Mannheim, die er mit seinem Jazz-Ensemble, dem neben Hartschuh auch Emil Mangelsdorff und Sigi Schwab angehörten, mehr als 130 Mal aufführte. Bei den Donaueschinger Musiktagen 1967 wurde seine Kantate „Denn Liebe ist stark wie der Tod“ für Chor und Jazz-Ensemble uraufgeführt (Schallplatte 1968). Daneben nahm er auch mit dem Organisten Klaus Wunderlich auf. Ende der 1960er Jahre zog er sich zunächst aus dem aktiven Jazz-Geschehen zurück. In den letzten Jahren ist Lauth wieder mit den Jazz Seniors von Fritz Münzer aufgetreten.

Wolfgang Lauth2.jpgWolfgang Lauth war für die Musik von Manfred Baiers für die BASF produzierten Dokumentarfilm „Um Jahrmillionen voraus“ („Millions of Years Ahead of Man“) über die südamerikanische Blattschneiderameise verantwortlich, der 1976 für den Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm nominiert war.

Etwa 30 Jahre arbeitete Lauth unter der Leitung des Redakteurs Sigurd König für den damaligen SDR, Sendestelle Heidelberg, als musikalischer Leiter und Hauskomponist. Er schrieb in dieser Zeit unzählige Chansons für Interpreten wie Karin Eickelbaum, Doris Gallart, Iska Geri, Edith Hancke, Hanns Dieter Hüsch, Hans Korte, Otto Stern, Gerd Vespermann u. v. a.

1999 veröffentlichte Lauth seine Erinnerungen mit dem Titel These Foolish Things. (Quelle: wikipedia)

Und so hören wir gekonnt in Szene gesetzte Jazzmusik mit eltoichen solisitschen Ausflügen, da kann man doch glatt über den Text hinweghören.

Und dann ist noch die Eva Vargas:

Eva Vargas (* 20. September 1930 in Freiburg im Breisgau; † 28. Juni 2010 in Heidelberg) war eine deutsche Sängerin, Komponistin, Journalistin und bildende Künstlerin.

Eva Vargas lebte seit 1965 in Heidelberg, seit 1984 im Trafohaus des Heidelberger Stauwehrs bei Wieblingen. Sie nannte ihre selbst kreierte Kunst „Rest-Art“ und führte damit verbundene Ausstellungen und Aktionen mit ökologischen, humanitären und politischen Zielsetzungen durch. Ihre Tätigkeiten umfassten die Bereiche Literatur, Musik, Malerei, Gestaltung und Aktion. Sie war Inhaberin und Leiterin des Kleinsttheaters auf Rädern „Heidelberger Lumpen-Paradies“. Sie initiierte wiederholt Förderprogramme in Schulen, Jugend- und Strafanstalten.

Am 28. Juni 2010 starb sie an den Folgen einer Krebserkrankung. (Quelle: wikipedia)

Eva VargaS hat eine wirklich beeindruckende Entwicklung hingelegt … da gibt es z.B. ihr Bild „Orgasmus in grün“ …. ein weiter Weg  von christlichen Texten bis hin zu einer freien künstlerischen Entfaltung.

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Na ja, und dann noch „The Believers“, die gewannen beim 4. Preisausschreiben der Evangelischen Akademie Tutzing/Obb. den Förderpreis für christliche Beatmusik …

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Vermutlich aufgrund dieses Erfolges spendierte man ihnen diese Single, die auch auf diesem Sampler zu hören ist.

Musikalische Archäologen der 60er Jahren können hier also jede Menge rares Zeug entdecken … wenngleich man da dann doch textliche Banalitäten billgend in Kauf zu nehmen hat.

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Titel:
01. Wolfgang Lauth Sextett (*): Das Alte ist vergangen (Lauth/Lehmann/Jourdan) 3.27
02. Eva Vargas: Von Zeit zu Zeit (Vargas) 2.09
03. Wolfgang Lauth Sextett (*): Draußen vor der Kirchentür (Lauth/Lehmann/Jourdan) 3.26
04. The Believers: Er offenbart sich überall (Hein/Bader) 2.04
05. Eva Vargas: Wenn Gott es will (Vargas) 2.05
06. The Believers: Einst war sie Welt (Stremmel) 2.17
07. Uwe-Borns-Chor: Diesen Tag, Herr (Schneider) 3.00
08. Musica Nova Chor Regensburg: Gott meint es gut mit dir (Schneider) 1.40
09. Wolfgang Lauth Sextett (*): Beth-Lehem (Lauth/Lehmann/Juhre) 3.33
10. Uwe-Borns-Chor: Bleibe bei uns, Herr (Schneider) 3.34
11. Wolfgang Lauth Sextett (*): Keiner kann von Worten leben (Lauth/Lehmann/Jourdan) 3.30
12. Motettenchor Pforzheim: Herr, wohin sollen wir gehen (Schweizer/Valentin) 2.37
13. Musica Nova Chor Regensburg: Laß uns spüren, daß du da bist (Zoller) 2.17
14. Musica Nova Chor Regensburg: Weil du „Ja“ zu mir sagst (Blarr/Heuser) 1.34
15. Motettenchor St. Matthäus München: Danke (Schneider) 1.47

(*) Das Wolfgang Lauth Sextet wird gesanglich unterstützt von der „Hann. Mündener Kantorei“.

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Unfreiwillig komisch … dieser Text zur Existenzbererechtigung der „Beat Musik“

 

Die Travellers – Ich war der Putzer vom Kaiser + Det Korsett (1967)

FrontCover1Nun ja … die gab´s halt auch und … sie waren lange, lange Zeit ganz gut im Geschäft:

Die 3 Travellers war ein deutsches Trio, das von 1946 bis in die 1970er Jahre existierte (später auch bekannt unter dem verkürzten Namen Die Travellers). Es bestand aus den drei Musikern Fred Oldörp (Bandoneon, Gesang), Eddie Rothé (bürgerlich: Eduard Roth) (Gitarre, Gesang) und Mischa Andrejew (Kontrabass, Gesang), und wird als „das wohl erfolgreichste deutsche Bartrio“ bewertet (so Wölfer).

Die drei Musiker kamen 1946 im alten Funkhaus in Berlin zusammen, als das Radio Berlin Tanzorchester für Tango-Aufnahmen einen Bandoneonspieler suchte. Fred Oldörp war damals der einzige in Berlin. Er freundete sich mit dem Gitarristen Eddie Rothé und dem Bassisten Mischa Andrejew an. Zusammen hatten sie die Idee für Die 3 Travellers. Die Traveller02Sie studierten einige gängige Songs ein und schufen durch die einmalige Verbindung der drei Instrumente einen ganz neuen Klang. Die als Jazz-Trio gegründete Formation orientierte sich zunächst an der Akkordeongruppe von Joe Mooney oder dem Trio von Nat King Cole. Es wandte sich zunehmend dem Schlager zu, häufig mit komischen Elementen durchsetzt, präsentierte aber auch Hitparodien.

Ihre Top-Hits waren Zement-Mixer (eine deutsche Version von Cement Mixer von Slim Gaillard, aus dessen Repertoire sie einige Songs coverten) und Hallo kleines Fräulein (Gisela) (1947) sowie Kleiner Bär von Berlin. Die Titel Eine Tüte Luft aus Berlin, Fliege mit mir in die Heimat, Ich hab‘ noch einen Koffer in Berlin (1949), Heimweh nach dem Kurfürstendamm (1950) und Slip Tango gehörten ebenfalls zum bekannten Repertoire. 1971 hatten sie mit Der Pleitegeier, einer Parodie auf „El Cóndor Pasa“, noch einen letzten Erfolg.

Auch das Vereinslied des Fußballclubs Hertha BSC Blau-Weiße Hertha (B-Seite Noch ein Tor) stammt von ihnen. (Quelle: wikipedia)

Und ein weiteres „nun ja“ … hier halt mal ne Single aus dem Jahr 1967 und „Die Travellers waren ja bekannt dafür, auch internationale Hits zu „parodieren“: Hier hören wir ihre deutsche Fassung von der Pfeiff-Hymne „I Was Kaier Bill´s Batman“, im Original von der Eintagsfliege Whistling Jack Smith (der ja eigentlich John O’Neill hieß … in dr Öffentlichkeit jedoch präsentierte bzw. mimte ein gewisser Coby Wells (der ja eigentlich wiederum Billy Moeller hie0 … ach, lassen wir das)

Man kann sich an einer solchen Single durchaus mal erfreuen …. man beachte jedoch: Der Humorfaktor ist eher schlicht.

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Besetzung:
Mischa Andrejew (bass, vocals)
Fred Oldörp (bandoneon, vocals)
Eddie Rothé (guitar, vocals)
+
eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. Ich war der Putzer vom Kaiser (Greenway/Cook/Oldörp) 2.17
02. Det Korsett (Dühn/Seefeld) 2.25

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Lützel Jeman, F.K.Waechter, F.W.Bernstein – Im Wunderland der Triebe (1967)

FrontCover1Ziemlich schräg, ziemlich einmal, ziemlich gut, diese „Pardon Platte Nr. 2“ Schallplatte aus dem Jahr 1967.

Es lohnt ein kleiner Rückblick:

„Es war im glorreichen Jahr 1967, dem nicht nur politische Umwälzungen folgen sollten, sondern ganz besonders solche der neu erwachenden Erotik, der sexuellen Revolution und ihrer Praktiken, als drei damals noch junge Herren der Neuen Frankfurter Schule beschlossen, die unvollständig informierte Welt schonungslos mit den nackten Wahrheiten aus deutschen Schlafzimmern zu konfrontieren. Auf der seinerzeit von Oswald Kolle losgetretenen Aufklärungslawine, die uns völlig neue Erkenntnisse über den Mann und die Frau als jeweils unbekannte Wesen, über den Orgasmus, in der Folge über Schulmädchen, Krankenschwestern, unser aller Helga und den Sanitätsgefreiten Neumann bescherte, surften sie frohgemut mit: der unvergessene F.K. Waecher, Robert Gernhardt, der sich damals noch Lützel Jemann nannte und F.W. Bernstein, heute unter seinem bürgerlichen Namen Fritz Weigle Kunstprofessor in Berlin und immer noch der geniale Spaßmacher von damals: nebenan übrigens als Laudator für Eugen Egner zu sehen, der nicht mehr aufs Bild gepaßt hat.

Und weil die drei Herren beim Verlag Bärmeier & Nikel und dessen frechem Satire-Magazin „pardon“ in Lohn und Brot standen, konnte  aus dem versammelten Jux zum Sex eine Schallplatte werden, die legendäre PARDON-Platte Nr. 2. An der Realisierung der köstlichen Parodie auf die verschwiemelte Pseudo- Aufklärung dieser Zeit haben sich damals als Sprecher bekannte Größen wie u.a. Hans Timerding, Uwe Dallmeier (1923-1985) und die süße Andrea Rau (die Sünde in Person) beteiligt. Rau damals und später das Lieblings- Titelmädchen von „pardon“, erfüllte in den Jahren danach mit Filmen wie „Quartett im Bett“, „Liebe durch die Hintertür“, „Komm nach Wien, ich zeig dir was“, und „Frau Wirtin bläst auch gern Trompete“, sowie mit ihren ansehnlichen Rundungen und Schmollmund das Vermächtnis der schonungslosen sexuellen Aufklärung.

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Andrea Rau

2006 wurde dann diese Scheibe erstmalig als CD wiederveröffentlicht: Und siehe da: nichts von der Komik der damaligen Texte ist verloren gegangen. F.W. Bernstein sei hier mit den Worten Robert Gernhardts aus dem Booklet zitiert: „Wir waren die ersten! 1968 bereits (es war aber 1967, Anm.) beschrieben wir Erektion und Befruchtung in einer derart handfesten Art, daß Woody Allen dem nichts hinzuzufügen wusste, als er 1972 Was sie schon immer über Sex wissen wolltenmachte.“ In der Tat, da hat der gute Woody heftig abgekupfert! Nochmal mir F.W. Bernstein gesprochen: „Es war alles sehr gut. Besonders wenn Anita P. das Chanson „Madeleine Madeleine“ (in Nr. 9) vorträgt „…denn frivoler geht´s nicht mehr…“, und Conny Jackls Trompete Zwischenbemerkungen macht, dann trägt´s uns auch heute noch leicht aus der Kurve. “

Ein besonderes Schmankerl ist der Schlußgesang der drei Dichter mit den besten erotischen Tiergedichten zur Melodie „Das Wandern ist des Müllers Lust“. Also anhören und amüsieren.“

So isses … auch wenn natürlich sich für manchen jene damaligen Zeit heute nicht mehr erschließen und von daher der humoristische Nährwert dieser köstlichen Aufnahmen nicht mehr spürbar ist.

Nicht unerwähnt sollte bleiben, dass es bei der Wiederveröffentlichung auch eher skeptische Besprechungen gab:

„Es war das Jahr 1968, man(n) stand und wartete. Die politische Umwälzung hielt Händchen mit der sexuellen Revolution und wollte doch so viel mehr.

Da kamen die drei von humoristischer Potenz nur so strotzenden Pardon- Redakteure Robert Gernhardt, F. K. Waechter und F. W. Bernstein – weder zu früh noch zu spät – und „beömmelten“ sich hörbar „über die bürgerliche Hoppelmoral“, wie es im Booklet heißt. Mit der Pardon-Schallplatte Nr. 2 „Im Wunderland der Triebe“ ritten sie auf der Aufklärungswelle der Zeit mit und erzählten ihren lustleidenden Hörern „Was Sie schon immer über Sex wissen wollten, aber bisher nicht zu fragen wagten“ – Jahre vor Woody Allen und auch noch bevor Regisseur und Autor Oswalt Kolle in Deutschland Liebe zum Gesellschaftsspiel erklärte. So verkündet der „spiritus erector“ des Projekts, Robert Gernhardt, stolz im Booklet der Hör-CD: „Wir aber dürfen sagen, wir waren die ersten! 1968 bereits beschrieben wir Erektion und Befruchtung“.

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Robert Gernhardt im Jahr 2006

Die Pardon-Schallplatte der drei damals noch jungen Herren der „Neuen Frankfurter Schule“ als Hör-CD neu aufzulegen, entspricht dem Trend, die vor nicht allzu langer Zeit verstorbenen Gernhardt und Waechter zu ehren – und ist absolut angebracht. Aber auch wenn viele Seiten ihres Schaffens heute noch so witzig sind wie damals, ist nicht all ihr einstiger Humor zeitlos.

„Im Wunderland der Triebe“ ist ein Zeugnis und Kind seiner Zeit. So wird in der Einführung der CD darauf verwiesen, dass diese nur für Ehepaare bestimmt ist und Minderjährige den Raum zu verlassen haben. Als Running-Gag dringt aber immer wieder ein Jugendlicher ein und will mithören. Das ist für heutige Humorgewohnheiten platt und erwartbar. Bei dem darauf folgenden Pseudo-Lauschen an den Schlafzimmertüren anderer Kulturen und den gestellten Straßeninterviews über das Sexualwissen der Deutschen wird die Lust auf überraschenden Humor leider auch nicht befriedigt. Die Einblicke in die körperlichen Vorgänge des Sexualvorgangs erinnern den Hörer an die Biologiezeichentricksendung „Es war einmal das Leben“ aus den Neunzigern und stehen deswegen heute in einem völlig anderen Kontext. Da hilft es auch nicht, dass die Spermatozoen Dialekt sprechen – „Im Wunderland der Triebe“ klingt für den Jetztzeit-Hörer einfach nur putzig, aber nicht mehr lustig.

Da befriedigt es auch nicht, wenn der flotte Autoren-Dreier als Höhepunkt der Platte „erotische“ Tiergedichte zu der Melodie von „Das Wandern ist des Müllers Lust“ singt.

So erregt die Hörspiel-Dokufiktion „Im Wunderland der Triebe“ leider nur Nostalgiker und Pardon-Fans. (Jule D. Körber)

Und unfreiwillig komisch ist folgender Kommentar eines Amazon-Kundens:
„Laßt Euch nicht vom Titel der CD täuschen. Das alles ist u.a ein Aufguss von Otto Waalkes „Auge an Großhirn…“. Nichts, was man nicht schon irgendwo gehört oder gelesen hätte. Habe mich maßlos über jeden Cent geärgert, den ich hierfür ausgegeben habe.“

Solche Einschätzungen entstehen, wenn man die Geschichte der deutschen Satire so gar nicht begriffen hat …

ZweitausendEinsAusgabe

Nachdruck für Zweitausendeins

Sprecher:
Joachim Böse, Uwe Dallmeier, Karl Friedrich, Margret Gute, Heide Joram, Hans Joachim Krietsch, Andrea Rau, Peter Schmitz, Hans Timerding
+
Anita P. (vocals)
Peter Grzeschik (guitar)
Conny Jackl (trumpet)

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Titel:
01. Seite 1 21.13
02. Seite 2 26.47

Alle Texte: F.K. Waechter – Lützel Jeman (= Robert Gernhardt) – F.W. Bernstein
Regie: Volker Kühn

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Jens Brenke & Inge Brandenburg – Geschlossene Gesellschaft (1967)

FrontCover1Jetzt wird es eigentlich ganz und gar trostlos … wenn´s nicht so traurig wäre, könne man lachen … aber auch das bleibt mit im Halse stecken …

Initiator dieser Scheibe ist der Jens Brenke:

Jens Brenke (* 1935 ; † 16. Juni 1988 in Hannover) war ein deutscher Kabarettist.

Brenke war der Pächter der Hannoveraner Bar Jenseits, in der er von 1960 bis 1980[3] eigene literarisch-musikalische Kabarettprogramme aus Texten bekannter Autoren aufführte, die auf Schallplatten veröffentlicht wurden. Er hatte gemeinsame Programme mit Belina und Die drei Travellers. Fritz Graßhoff nannte Brenke einmal den „wohl besten Entertainer Deutschlands“.

Viele der aufgenommenen Stücke erschienen auf Kompilationen wie „Bitte, Machen Sie Sich Frei! … So Frei Wie Noch Nie! – Sex, Jux, Musik Und Spiele Für Erwachsene“ oder „Die Große Freiheit – Songs-Szenen-Pornoflagen Aus St. Pauli“ (Quelle: wikipedia)

JensBrenke01.jpgOder aber auch:
Der Hannoveraner Jens Brenke (1935 – 1988) war ein deutscher Karabettist. Jens Brenke war der Pächter der hannoverschen Bar „Jenseits“ in der er von 1960 bis 1980 eigene literarisch – musikalische Kabarettprogramme aus Texten bekannter Autoren aufführte, die auf Schallplatten veröffentlicht wurden. Er hatte gemeinsame Programme mit Belina und Die drei Travellers. Brenke war einer der besten Entertainer seinerzeit in Deutschland. Viele der aufgenommenen Stücke erschienen auf Kompilationen wie „Bitte, Machen Sie Sich Frei! … So Frei Wie Noch Nie! – Sex, Jux, Musik Und Spiele Für Erwachsene“ oder „Die Große Freiheit – Songs – Szenen – Pornoflagen aus St. Pauli“. Zwischen 1962 und 1980 hat er 10 Langspielplatten herausgebracht. (nobbyrockcity.blogspot)

Für diese „schlüpfrigen“ Aufnahmen (natürlich in der „Herrenbar“ Jenseits in Hannover aufgenommen) engagierte er dann noch die Inge Brandenburg:

Inge Brandenburg (* 18. Februar 1929 in Leipzig; † 23. Februar 1999 in München) war eine deutsche Jazzsängerin und Theaterschauspielerin. Sie wird oft als beste deutsche Jazzsängerin der 1960er Jahre bezeichnet.

Das soll für´s erste genügen, eine auführliche Würdigung dieser Sängerin ist in Planung

IngeBrandenburg

Autoren wie Kästner odr Ringelnatz bieten eigentlich so ne Art Gewähr hinsichtlich Qualität, aber weit gefehlt !

Jens Brenke verteht s einfach nicht, diese Texte entsprechend vorzutagen, aus allem macht er einen billigen Kalauer. Das trifft insbesondere auf seine albernen Witzchen zu, deren Niveau abartig tief sind. Sie sollten wohl schlüprig sein, anrüchig, wie man sie sich eben in einer Herrenbar hinter vorgehaltener Hand erzählt.

Der bürgerliche Sex-Mief jener Jahre („Ohne jede Hemmung“, dass ich nicht lache …) … viel besser kann man ihn nicht dokumentieren. Da war es wohl an der Zeit, dass ein Oswald Kolle sich anschickte … auf die Bühne zu kommen.

TTja, und dann die Inge Brandenburg: Sie wird hier völlig unter Wert verkauft … dennoch ist ihre Stimme – selbst hier – ne Wucht !

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Besetzung:
Jens Brenke (vocals)
Inge Brandenburg (vocals bei 05., 10. + 11.)
+
Wolfgang Keller (organ)

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Titel:
01. Ball im Osten (Kästner/Keller) 1.24
02. Witzchen (I) 2.54
03. Ritter Prunz und Prunzelschütz (Grasshoff(Keller) 3.15
04. Witzchen (II) 3.03
05. Sei lieb zu mir (Turk/Ahlert) 3.38
06. Ferngruß von Bett zu Bett/St. Louis Blues (Ringelnatz/Hardy) 1.25
07. Kuttel Daddeldu erzählt das Märchen vom Rotkäppchen (Ringelnatz/Keller) 5.41
08. Die Perle, oder das Liebesleben einer Auster (Beckmann/Nissen) 2.43
09. Witzchen (III) 3.56
10. Love – L’Amour – Die Liebe (Beckmann/Nissen) 2.59
11. Das Lied vom Sündenfall (Steinmetz/Graepp) 3.35
12. Ansprache eines Fremden an eine Geschminkte vor dem Wilberforce-Monument (Ringelnatz/Keller) 2.55
13. Pennies From Heaven (Johnstone/Durke) 2.15
14. Witzchen (IV) 3.52
15. ‚S war immer so (Traditional) 1.33

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Sir Eric & His Royal Garden Orchestra – Verbeatet Klassik (1967)

FrontCover1.JPGAlso, die westdeutsche Unterhaltungsindustrie prodizierte in den verrückten Sechziger Jahren wahrlich auch sehr verwunderliche Dinge, wie z.B. diese LP, die sich mit dem Titel ein amüsantes Wortspiel erlaubt „Verbeatet Musik“. Sir Eric & His Royal Garden Orchestra waren die Interpreten. Nun, bei Sir Eric handelt es sich um Erich Becht:

Erich Becht (* 20. Januar 1926 in Frankfurt am Main – † 21. Juni 2017 in Buchholz) ist ein deutscher Jazz- und Unterhaltungsmusiker (Piano, Arrangement, Orchesterleiter), Produzent und Schlagerkomponist. Er arbeitete auch unter dem Pseudonym Georg Schatz und gemeinsam mit Wolfgang Neukirchner unter dem Sammelpseudonym Adolf von Kleebsattel.

Becht, der zunächst Klavierunterricht hatte, arbeitete 1946 als Pianist bei Rudi Kapitän und wechselte 1948 zu Kurt Edelhagen, bei dem er bis 1950 blieb, um dann selbstständig zu arrangieren. Einige seiner frühen Arrangements wie Unison Bop, Percussion in Bop oder Bolero in Bop gelten als Meilensteine des deutschen Bigband-Jazz. Er schrieb weiterhin gelegentlich für Edelhagen, für die German All Stars (Gondel Riff, Festival Riff, 1953), für Heinz Schönberger und für Toots Thielemans, wendete sich aber hauptsächlich der Unterhaltungsmusik zu. Er war für Caterina Valente, Bill Ramsey und Ralf Bendix tätig, später dann für Eberhard Hertel, für Heino, für Marianne und Michael und für Maria & Margot Hellwig. Auch arbeitete er für den Film.

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Ralf Bendix, Heino, Erich Becht (Arrangeur und Komponist), Wolfgang Neukirchner (Texter), (v.li.n.re.), Aftershowparty nach ARD-Jubiläumsshow: ‚Heino: Die Show – Das Beste zum Jubiläum‘, Leipzig, 18.01.2005

Mit Arrangements wie Ich will ’nen Cowboy als Mann (für Gitte), und Kompositionen wie Blau blüht der Enzian oder So schön ist Volksmusik erhielt er 15 goldene Schallplatten und eine Platin-Schallplatte. Becht wurde zudem mit der Hermann-Löns-Medaille geehrt; eine Goldene Europa erhielt er mit Heino. (Quelle: wikipedia)

Vor seiner Heino-Zeit entstand also diese LP und man ist geneigt zu sagen: Das ist dann Raymond LeFevre für Arme … denn hier werden Klassiker der Klassik im „Beat-Gewand“ interprtiert. Musikalische Miniaturen, die gelegentlich amüsant sein können. Und und so wir dz.B. aus „Für Elise“ .. „Poor Elise“ usw.  Ein pseudo-witziger Text auf der Rückseite der Hülle wird dann auch noch geliefert, abr die Parolen auf der Vorderseite sind schon ganz nett: „Mit Liszt und Tücke“ oder „Nie wieder Grieg“.

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Besetzung:
Sir Eric & His Royal Garden Orchestra unter der Leitung von Erich Becht

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Titel:
01. Rubinstein’s Best (Rubinstein) 2.31
02. Anitra’s Special (Grieg) 2.14
03. Johnny’s Waltz (Brahms) 2.50
04. Clear Clementi (Clementi) 2.19
05. Love In (Liszt) 2.53
06. Poor Eliza (Beethoven) 2.11
07. Begin (Bach) 2:43
08. Swan Lake Like (Tschaikowsky) 2.53
09. Mini Boccherini (Boccherini) 2.43
10. Farmer’s Cheerio (v.Weber) 2.49
11. Solveig’s My Name (Grieg) 2.52
12. Hunters On Parade (v.Weber) 2.19

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Costa Cordalis – Folklore aus aller Welt (1967)

FrontCover1Man glaubt´s ja nicht: Die erste LP von Costa Cordalis präsentiert „Folklore aus aller Welt“ und Mitte der 60er Jahre des letzten Jahrhunderts war die aufgeklärte Jugend ja in einer besonderen Weise offen für genau eine solche musikalische Reise (der Folk-Boom aus den USA war natürlich längst auch bei uns angekommen).

Costa Cordalis; eigentlich Konstantinos Kordalis (* 1. Mai 1944 in Elatia (Ελάτεια), Fthiotida, Griechenland), ist ein deutschsprachiger Schlagersänger griechischer Abstammung.

Mit sieben Jahren begann Cordalis Gitarre zu spielen. Als 16-Jähriger ließ er sich in Frankfurt am Main nieder und lernte am Goethe-Institut die deutsche Sprache. Nach dem Abitur begann er ein Studium der Philosophie und Germanistik, das er nicht abgeschlossen hat.

Bereits 1965 kam mit Du hast ja Tränen in den Augen, einer deutschen Fassung des Elvis-Titels Crying In The Chapel, seine erste Schallplatte heraus. Nennenswerten Erfolg hatte er aber erst ab 1973 mit den selbst produzierten Titeln Carolina, komm und Steig in das Boot heute Nacht, Anna Lena. (Quelle: wikipedia)

Hier also sein eher erfolgloses Debütalbum mit Musik aus aller Herren Länder. Schon irgendwie witzig die Präsentation der LP. Costa Cordalis begnügt sich nicht mit der musikalischen Darbeitung, nein, er leitet die Songs mit ein paar persönlichen Worten ein, ziemlich ungewöhnlich …

Und: er macht mit diesem Album gar keine so schlechte Figur (die Songauswahl z.B. ist durchaus abwechslungsreich und er präsentiert  … und so ganz heimlich wünscht man sich, dass er nicht ganz so ins Schlagermetier abgedriftet wäre … Und sprachbegabt war er auch noch.

Wie auch immer:

LiebeFreunde

Besetzung:
Costa Cordalis (guitar, vocals)

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Titel:
01. Pera stus pera cambus (Traditional) (Griechenland) 2.43
02. Stari Cigan (Traditional) 1.52
03. Es dunkelt schon in der Heide (Traditional) (Deutschland) 2.07
04. Moccatorta (Traditional)) (Italien) 2.48
05. Viva la feria (Traditional) (Spanien) 1.46
06. Ne me quitte pas (Brel) (Frankreich) 3.26
07. Es war ein König in Thule (Traditional) (Amerika) 3.23
08. Ortha Bamidar (Sahavi) (Israel) 3.03
09. Zwei Guitarren (Traditional) Rußland) 3.53
10.  Sakura (Traditional) (Japan) 2.40
11.  Take Me For What I’m Worth (Sloan) (Amerika) 2.47
12.  Malaguena (Ramirez) (Mexiko) 3.12
13.  Poema Do Adeos (Antonio) (Brasilien) 2.25
14. Abschied (Muß i denn) (Traditional) 0.50

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Alfons Bauer – Moskauer Nächte (1967)

FrontCover1Die spannendste Frage bei diesem Album kann ich nicht beantworten:

Wie kam der bayerische Zitherkönig Alfons Bauer dazu, ausgerechnet für Amiga Schallplatten mindestens 3 Langspielplatten zu veröffentlichen ?

Nach „Zither Party“ und „Alfons Bauer und seine Almdudler“ dann eben diese „Moskauer Nächte“.

Der Titel war natürlich für die DDR auch als Brudergruß an die UdSSR gedacht, aber auch bei uns im Westen gab´s damals eine – für mich ein wenig rätselhafte – Neigungen, sich mit Klängen die scheinbar so direkt aus der russischen Seele kam, zu versorgen.

Nun ein paar Infos über diesen Alfons Bauer, der schon auch ein schräger Vogel war (verkleidet als „Alfonsine“ im prächtigen Dirndl G’wand bei einem seiner berühmt-berüchtigten Hausbälle brachte ihm neben 100 roten Rosen und 5 Heiratsanträgen allerdings auch eine Strafanzeige wegen Beleidigung ein, was letztlich allerdings ohne Folgen blieb; siehe Biografie von Christoph Schwarzer)

Alfons Bauer (* 13. Mai 1920 in München-Freundorf; † 3. Februar 1997) war ein deutscher Komponist und Zitherspieler.

AlfonsBauer.jpgAlfons Bauer erlernte als 8-Jähriger das Zitherspiel und nahm als 15-Jähriger seine erste Schallplatte auf. Nach der Schule erlernte er zunächst den Beruf des Hutmachers, da seine Eltern ein Hutmachergeschäft betrieben. Anschließend studierte er am Konservatorium in München Klavier und Tonsatz. Bis in die 1950er Jahre hatte er schon mehr als 1 Million Schallplatten mit seiner Zither verkauft. Dann gründete er eine eigene Schallplattenfirma und war auf dem Sektor der volkstümlichen Musik tätig. Er schrieb auch Titel für andere Künstler, zum Beispiel für Maria und Margot Hellwig, Hansl Krönauer und Esther Egli. Er komponierte über 200 Titel.

Bauer spielte auch zusammen mit dem Orchester James Last und dem Berliner Rundfunkorchester Melodien von Johann Strauß bis Robert Stolz und Ralph Benatzky ein. Er gehörte zusammen mit Rudi Knabl zu den erfolgreichsten Zitherspielern des 20. Jahrhunderts.

Er war seit 1968 verheiratet mit der Sängerin und Folklore-Tänzerin Rita geb. Fendt. Aus seiner ersten Ehe hat er eine Tochter.

Sein Grab befindet sich auf dem Friedhof in Gauting . (Quelle: wikipedia)

Im Rahmen dieses Genres hat er mit diesem Album ein durchaus angenehm-geschmackvolles Album produziert … meine ich mal.

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Besetzung:
Alfons Bauer (zither) und sein Ensemble

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Alfons Bauer als „Alfonsine“

Titel:
01. Moskauer Nächte (Solojow/Sedoi) 2.21
02. Stenka Rasin (Traditional) 1.57
03. Weites Land (Barthel) 2.19
04. Kiewer Walzer (Maubopogol) 2.35
05. Tscherkessen-Tanz (Pleyer) 2.31
06. Abendglocken (Traditional) 2.37
07.  Mitternacht in Moskau (Krapf) 2.28
08. Habe Mitleid (Traditional) 2.31
09. Taiga-Fahrt (Artmeier) 2.34
10. Moskauer Spaziergang (Artmeier) 2.19
11. Schwarze Augen (Traditional) 2.21

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