Willy Hagara – Der Tanz mit dir + Ich bin einsam (Save The Pieces) (1967)

FrontCover1Und jetzt mal wieder ein tiefer Griff in die Schmalzkiste:

Willy Hagara (* 4. Juni 1927 in Wien; † vor dem 18. Mai 2015) war ein österreichischer Schlagersänger und Schauspieler.

Willy Hagara machte zunächst eine Ausbildung als Postbeamter und übte diesen Beruf auch aus. Dann gewann er 1946 einen Schlagerwettbewerb im Wiener Konzerthaus. Nun richtete er seine Aktivitäten ganz auf die neue Karriere aus, indem er Gesangsstunden und Schauspielunterricht nahm. In dieser Zeit war er hauptsächlich mit Volksliedern und als Sänger der Band von Johannes Fehring, dem späteren Leiter des ORF Big Band Orchesters, erfolgreich. Es sollten noch zehn Jahre vergehen, bis der Durchbruch mit dem Lied Eine Kutsche voller Mädels und die Taschen voller Geld kam. Bis Mitte der 1960er-Jahre spielte er in zahlreichen Filmen mit und verkaufte viele Platten.

1969 machte er eine Millionenerbschaft: Sein Vater, der Kaufmann Franz Hagara, hinterließ ihm eine Villa und mehrere Mietgrundstücke in Wien. Er wirkte noch in einigen Fernsehproduktionen mit und trat als Gast in Sendungen auf. (Quelle: wikipedia)

Nun ja, ein wenig dürftig ist dieser wikipedia schon …und ich werde mich sicherlich noch darum bemühen, ein paar mehr Informationen zusammen zu tragen … aber ein Anfang ist gemacht.

Hier eine Single aus dem Jahr 1967 …  und beide Titel gehören für mch in die Kategorie „Illussionsmusik“ und ich behaupte einfach mal frech … diese Musik wurde speziell für die Damenwelt konzipiert …

BackCoverBesetzung:
Willy Hagar (vocals)
+
unbekanntes Orchester

WillyHagaraTitel:
01. Der Tanz mit dir (Gietz/Feltz) 2.36
02. Ich bin einsam (Save The Pieces) (Meshell/Weinstein/Relin/Baar) 2.20

LabelB1
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Matrosen-Chor Jan Maaten – Mit Wind und Wellen (1967)

FrontCover1Über diesen flotten Matrosenchor mit einem Jan Maaten (vermutlich ein Holländer) gibt es wieder mal so gut wie gar nichts zu berichten … Einer jenen zahllosen „no name“ Musiker, die sich auf Deutschlands Billiglabels der 60er Jahren tummelten.

Und auch nicht unüblich für diese Zeit ist es, dass diese Aufnahmen auf unterschiedlichen Billiglabels erschienen sind.

Wenn ich es recht sehe, erschienen die Aufnahmen erstmalig auf dem Europa-Label als „Auf hoher See“ (und zwar 1966), dann auf „Falcon“ („Über die Meere“) und dann auch noch auf „Concert Hall“ (ein etwas rätselhaften Label, das wohl mit „Musical Masterpiece Society“ aus den USA verbandelt war).

Dieser Ausgabe (die unter dem Titel „*ber die sieben Meere“ erschien) können wir zumindest ein paar Angaben über die beteiligten Musiker entnehmen.

So wirkte z.B. ein Heino Reese als musikalischer Leiter mit.Dieser Heino Reese war ja eigentlich der Leiter des Hamburger Tanzorchesters … oder auch des Hamburger Rundfunk-Orchesters …

ConcertHallLabels

Die „Concert Hall“ Labels

Mir als Südstaatler kommen diese Shanty-Chöre immer ein wenig fremdartig vor, wenngleich ich ein bekennender Liebhaber der Nordseeküste bin … von dieser Region Deutschlands kann ich eigentlich gar nicht genug kriegen, vermutlich weil das perfekte Kontrastprogramm zu meiner Heimat, dem Voralpengebiet Bayerns ist.

Na auf jeden Fall ist diese LP (garniert mit Signalhornklängen, Möwengekreise und Wasserrauschen) insofern amüsant, weil man sich hier wieder davon überzeugen kann, wie markig solche Chöre zu Werke gingen.

Das Label „Perl“ ist so ein kleiner Exot unter den Billig-Labels und konnte nicht den Kultstatus erreichen wie zu z.B. Tip“ oder „Tempo“ .. und die sog. „Perl-Serie“ war ein Sub-Label von Metronome (das ja eigentlich aus Schweden stammte) … jetzt aber genug der kleinen Labelkunde …

Lauschen wir den wackeren Matrosen auf hoher See …

AlternativeFrontCover

Die alternativen Frontcover

Besetzung:
Karl Kramer (vocals)
Peter Oldenburg (vocals)
Friedrich Schütter (vocals)
Hartwig Stuckmann (vocals)
+
Matrosen-Chor Jan Maaten

BackCover1Titel:
01. Hamburg ist ein schönes Städtchen 1.34
02. Johnny 2.33
03. Whisky 1.49
04. Samoa Song 1.36
05. Up She Goes  2.51
06. Yellow Rose Of Texas 2.28
07. Seeräuberlied 1.49
08. Nancy Lee 3.12
09. Nun ade, du mein lieb Heimatland 1.49
10. Strike The Bell 1.53
11. Schiffsjungentanz 1.14
12. What Shall We Do (With The Drunken Sailor) 1.44
13. Blow Boys Blow 2.16
14. Rio Grande 4.21
15. Seemannsgrog 3.00
16. Sailing, Sailing 3.58
17. In der Heimat, da gibts ein Wiedersehn 1.47

LabelA1

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Philharmonisches Staatsorchester Hamburg + Günther Noris – Endopharm Werbesingle (1967)

FrontCover1Und nun ein weiteres Beispiel aus der allseits beliebten Serie „Deutsche Ärzte erhalten kleine schwarze Scheiben ganz und gar kostenlos“ …

Diesmal ließ sich der Pharmakonzern Endopharm nicht lumpen und spendierte eine musikalisch sogar anspruchsvolle Single … die unter dem Titel „Thema und Variation“ stand.

Die Prelude aus der L`Arlesienna Suite von Georges Bizet und Anitras Tanz aus der Peer Gynt Suite (Grieg) werden mal in einer klassischen Einspielung und mal in einer tendenziell eher verjazzten Fassung von Günter Noris interpretiert.

We4r – so wie ich – seine Freude an derartigen Werkvergleichen hat, kommt hier also wirklich auf seine Kosten. Und der Günter Noris weiss schon zu überzeugen …

Beworben wurde mit dieser Single übrigens das Medikament „Lespenephryl“ (bei Nieren-Insuffiziens; das klingt auch nicht lustig) …

Und auf der Rückseite der Single wird dann noch auf ein „Sonderangebot für Ärzte“ hingewiesen: Drei „ausgewählte Schallplatten-Werke“ konnte man mit beiliegender Postkarte vermutlich günstig erwerben (die Postkarte fehlt bei meinem Exemplar).

Nun denn, auch ohne Postkarte hier dieses nette Beispiel für Produktwerbung …

BackCover1Besetzung:

Philharmonisches Staatsorchester Hamburg unter der Leitung von Ernest Ansermat (bei 01.) und Joseph Keilberth (bei 02.)

Günter Noris Trio (bei 03. + 04.):
Heinz Niemeir (drums)
Günter Noris (piano)
Jean Warland (bass)
+
Streichorchester Hans-Georg Arlt

BookletTitel:
01. Prelude aus der L`Arlesienna Suite (Bizet) 3.14
02. Anitras Tanz aus der Peer Gynt Suite (Grieg) 3.18
03. Prelude (Bizet) 2.11
04. Anitras Tanz (Grieg) 2.38

LabelB1

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Grosse Blaskapelle – Die grosse Stimmungsblase (1967)

FrontCover1Vermutlich ist dieses Album auch für das karnevalistische Treiben tauglich. Denn wie heißt es so schön auf der Hülle:

„Stimmungslieder zum Mitsingen“

Na bitte, zwei, drei, vier Bier und dann geht die Post ab ! Und das Label heißt dann auch noch passend „FASS“. Uns erwarten46 Stimmungslieder (die ja eigentlich betrachtet man die Titelliste, überwiegend Volkslieder sind) und wer vielleicht ein wenig zweifelt, ob das alles musikalisch Sinn macht, dem möchte ich mit Gerhard Polt antworten: „Solche Menschen muss es auch geben“.

Grundsätzlich meide ich Ansammlungen von Menschen, bei der dieser Musik gefrönt wird. Aber mit meinen harschen Urteilen über diese Musik in früheren Zeiten bin ich ein wenig zurückhaltender geworden. Vielleicht auch ein wenig demütiger … Stecken doch auch hinter dieser Musik vielseitige Sehnsüchte, die – auch wenn ich sie nicht teile – einen tief verwurzelten Kern haben müssen. Wer bin ich, darüber zu urteilen, vorausgesetzt diese Musik wird nicht vom braunen Pack gehört, dann endet nämlich meine Tolerenz,

Ansonsten wünsche ich allen viel Vergnügen mit dieser Musik ! Und sie wird auch weiterhin hier ihren Platz haben.

Sakra

Besetzung:
Eine grosse Blaskapelle

BackCover1

Titel:

01. Die grosse Stimmungsblase (Teil 1) (17.10):
01.01. Ein Prosit der Gemütlichkeit
01.02. So lang der alte Peter
01.03. Lang, lang ist’s her
01.04. Drei Tag geh ma nimma hoam
01.05. Das Leben bringt groß‘ Freud
01.06. Kanabe
01.07.  Muß i denn in’s Städtele hinein
01.08. Warum weinst du, holde Gärtnersfrau
01.09. Edelweiß-Lied
01.10. Lustig ist das Zigeunerleben
01.11. Haushamer Plattler
01.12. Schenk ma a Maßerl
01.13. Biermarsch
01.14. Warum ist es am Rhein so schön
01.15. O, du wunderschönes
01.16. Schwarzbraun ist die Haselnuß
01.17. Ein Prosit der Gemütlichkeit
01.18. Beim Kronenwirt
01.19. Guter Mond du scheinst so hell
01.20. Loisachtal
01.21. Du, du liegst mir am Herzen
01.22. Lustige Hammerschmied
01.23. Hoch soll er leben

02. Die grosse Stimmungsblase (Teil 2) (16.18):
02.01.  Freunde, erhebt das Glas
02.02. Wo man Bier trinkt
02.03. Ja so wollen wir a mal
02.04. Mädel ruck, ruck, ruck
02.05. Eine Seefahrt die ist lustig
02.06. Plattler Reitwinkler
02.07. Schön muß gehn
02.08. Weißt du wieviel Sternlein stehen
02.09. Schön ist die Jugend
02.10. Schlesierlied
02.11. Die Vöglein im Walde
02.12. Lore
02.13. Oide geh ziag ma die Schua aus
02.14. Bier her, oder i fall um
02.15. Waldeslust
02.16. Wann i a mei g’storb’n wer sein
02.17. Geh ma mal nüber
02.18. Mei Huat der hat drei Ecken
02.19. Ein Prosit
02.20. Ein Glück das wir nicht saufen
02.21. Tief drin im Böhmenwald
02.22. Schwäbische Eisenbahn
02.23. Das Wandern ist des Müllers Lust

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Jean Broussolle + Benjamin Britten – Kleine Geschichte eines großen Orchesters + Ein Orchester-Führer für junge Leute (2009)

FrontCover1Jetzt mal wieder was für die „Kleinen“, eine „Kleine Geschichte eines großen Orchesters“ und „Ein Orchester-Führer für junge Leute“.

Hm … klingt interessant, zumal wir „Gr0ßen“ da ja auch noch was lernen können.

Ursprünglich erschienen diese Aufnahmen 1962 (Ein Orchester-Führer für junge Leute mit Lorin Maazel, der auch als Sprech fungiert) und 1967 (Kleine Geschichte eines großen Orchesters mit Max Schweigmann als Sprecher).

Und diese Aufnahmen aus den 60er Jahren begeistern wohl vor allem diejenigen, die diese schon damals – eben als Kinder – gehört haben:

„Hier gibt es zum Schnäppchen-Preis zwei phantastische Aufnahmen, die junge Hörer an Orchester-Instrumente und -Musik mit Phantasie heranführen und begeistern! „Piccolo, Sax & Co“ wendet sich an die jüngeren Hörer von 5 bis 9 Jahre, Benjamin Brittens „Orchesterführer für junge Leute“ eignet sich für die 10 bis 100jährigen!!! Brittens Musik nach einem Thema seines Kollegen Henry Purcell ist genial, spannend bis zur letzten Sekunde und ganz nebenbei noch lehrreich! Ich habe beide Musikwerke schon als Kind kennen- und lieben gelernt und stelle immer wieder mit großer Freude fest, dass beide Aufnahmen auch bei den heutigen Kindern sehr gut ankommen! Kinder lieben den Humor bei „Piccolo, Sax & Co“ und staunen über Brittens Einfälle! Bei mehrmaligem Hören können sie die Instrumente alle auf Anhieb unterscheiden! Absolut empfehlenswert!“ (Salomea Otterborn)

Als Zugabe gibt´s dann noch Britten-Werk in konzertanter Aufführung aus dem Jahr 1964 (mit Britten himself als Dirigenten !)

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Die Originalhüllen aus den 60er Jahren

Klar, man kann sich darüber mokieren, dass Lorinz Maazel (im Gegensatz zu Max Schweigmann) der geborene Sprecher ist (zumal er ja Franzose ist), aber das ist kein ernsthaftes Argument. Der Versuch, Kinder auf diese Weise an die Musik/Klassik heranzuführen ist aus meiner Sicht doch sehr lobenswert und so wird es wohl eines Tages kommen, dass ich als Opa meinen beiden Enkelkindern in einer stillen Stunde, diese CD nahebringen werde.

Tray1

Besetzung:

Jean Broussolle (1920-1984): Piccolo, Sax und Co (Kleine Geschichte eines großen Orchesters):
Orchester André Popp
Max Schweigmann (Sprecher)

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
Orchester Nat de la Radiodiffusion Francaise unter der Leitung von Lorin Maazel
Lorin Maazel (Sprecher)

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
London Symphonie Orchester unter der Leitung von Benjamin Britten

Booklet01Titel:

Jean Broussolle (1920-1984): Piccolo, Sax und Co (Kleine Geschichte eines großen Orchesters):
01. Die Saiteninstrumente 4.12
02. Die Saxofone 5.30
03. Die Holzbläser 4.30
04. Die Gitarre 1.56
05. Das Schlagzeug 4.18
06. Die Blechbläser 2.54
07. Der Konzertflügel 1.48
08. Finale 1.12

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
09. Einleitung – Alles beginnt mit einer Idee 3.57
10. Das ganze Orchester 2.43
11. Die Holzbläser 2.33
12. Die Streicher 3.56
13. Die Harfe 1.10
14. Die Blechbläser 2.27
15. Das Schlagzeug 2.08
16. Finale 2.44

Benjamin Britten (1913-1976): Orchester -Führer für junge Leute – Variation und Fuge über ein Thema von Purcell:
17. The Young Person´s Guide To The Orchestra op. 34 (1946) 16.59

CD1

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Rudi Knabl – Hits der Welt (1967)

FeontCover1Das ist eine eher ziemlich atypische Scheibe vom Rudi Knabl, dem „Paganini der Zither“. Üblicherweise war er für klassische Interpretationen von volkstümlichen Melodien bekannt und hatte sich damit einen hervorragenden Ruf erspielt.

Rudi Knabl (* 22. September 1912 in München; † 15. Juli 2001 in Gauting) war ein bayerischer Zitherspieler.

Knabl, Sohn eines Gastwirtehepaares, wuchs im Chiemgau auf. Er lernte in der frühen Jugend das Zitherspielen. Zu seinen Lehrern gehörte Fritz Mühlhölzl. Später trat er unter anderem mit Hans Groher, Heinz Kulzer sowie mit dem Bauerntheater des Ferdinand Weisheitinger auf. Viele Jahre war er fest als Zitherspieler beim Bayerischen Rundfunk engagiert.
Auszeichnungen;

1973: Silberne Zither der Association Francaise de la Musique Recreative
1979: Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland
1982: Goldene Verdienstmedaille des Bayerischen Rundfunks
1993: Bayerischer Verdienstorden (Quelle: wikipedia)

Hier spielt er mit den „Hits der Welt“ ausländische Kompositionen, wobei der Begriff „Hits der Welt“ ein wenig irreführend ist, denn etliche  Titel dieser LP als „Hits“ einuzuordnen fällt mir ein wenig schwer.

Und seine Zither ist beileibe nicht das einzige melodieführende Instrument, das hören wir z.B. bei „The Language Of Love“ eine stimmungsvolle Querflöte; desöfteren erklingt auch das Vibraphone und insbesondere der Klang einer „Zigeunergeige“ mischt kräftig mit.

Also: eine durchaus interessante Scheibe und wer wissen will, wie sich die Beatles Hits „Michelle“ und „Yesterday“ auf der Zither anhören, sollte sich die LP mal anhören.

Und dann noch diese ergänzende Information: Unter dem Titel „Pop Goes The Zither“ sind diese Aufnahmen doch glatt auch in Großbritanien veröffentlicht worden, man glaubt es kaum.

UKFront+BackCover

Vorder + Rückseite der UK Ausgabe

Besetzung:
Rudi Knabl (zither)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

BackCover1
Titel:
01. Spanish Flea (Wechter) 1.59
02. Michelle (Lennon/McCartney) 2.41
03. Desafinado (Jobim/Mendonca/Hendricks/Cavanaugh) 1.52
04. I Left My Heart In San Francisco (Cory/Cross) 3.13
05. This Strange Effect (Davier) 2.36
06. The Sweetest Sounds (Rodgers) 2.04
07. Carnival (Merill) 2.34
08. Fly Me To The Moon (Howard) 2.34
09. Cirbiribin (Pestalozza/Tiochet) 2.22
10. Yesterday (Lennon/McCartney) 2.27
11. The Language Of Love (Loudermilk) 1.52
12. You Came Along (Green/Heymann) 3.25
13. Melody Of Love (Engelmann/Glazer) 1.31
14. Hawaiian Wedding Song (King/Hoffmann/Manning)  3.29

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Die Labels der UK Ausgabe

Knut Kiesewetter – That’s Me (1967)

FrontCover1.jpgSeit den 60er Jahren hat der Knut Kiesewetter bei mir einfach einen Stein im Brett … vermutlich weil er doch ein ganz schön musikalische Spannbreite hatte … :

Knut Kiesewetter wurde am 13.9.1941 in Stettin an der Ostsee geboren. Als Dreijähriger kam er Anfang 1945 nach Garding auf die Halbinsel Eiderstedt (Nordfriesland). Nach Beendigung der Schule in St.Peter-Ording an der Nordsee studierte er in Lübeck und Hamburg Musik (klassische Posaune). Sein Interesse an der Musik weckte der weltspitzen Jazzposaunist Jack Teagarden, den er heute noch sehr bewundert.

Weil Jack Teagarden auch ein hervorragender Sänger war, fing Knut Kiesewetter ebenfalls an zu singen. Um sich beim Gesang begleiten zu können, brachte er sich das Gitarrenspiel selbst bei. Eine Gitarrengrifftabelle hat KK nie gesehen, so wie er auch nie eine Stunde Gesangsunterricht gehabt hat.

Seine erste Posaune besorgte er sich als 14jähriger und stand am 1. Februar 1957 als 15jähriger beim Faschingsfest des Gymnasiums St. Peter-Ording zum 1. Mal als Musiker auf der Bühne.

KnutKiesewetter01Mit neunzehn Jahren machte er seine ersten Schallplattenaufnahmen. Als Gesangssolist der Gruppe „Die Tramps“ wurde bereits seine zweite Single ein großer Hit (Am Missouri 1961). Im selben Jahr hatte er auch als Posaunensolist mit der Gruppe „Blue River Boys“ einen Hit in Skandinavien (Chopsticks Twist).

Weil der Name Knut Kiesewetter den Schallplattenfirmen zu unkommerziell klang, verpasste man ihm alle möglichen Künstlernamen, z.B. Kid Kiets, Nut Weather, The Big Kid etc..

Als neunzehnjähriger gewann er auch beim Düsseldorfer Amateur-Jazz-Festival. Dieses Festival wurde damals für so wichtig genommen, dass es dem „Jazz-Papst“ Joachim Ernst Berendt zwei Fernsehsendungen wert war. Berendt war von Kiesewetter so begeistert, dass er ihn in seinen Zeitungsartikeln, Rundfunk- und Fernsehsendungen so über den grünen Klee lobte, dass Kiesewetter folgerichtig im nächsten Jahr auch den deutschen Jazz-Poll (eine Publikums- und Kritikerumfrage) gewann.
Ab jetzt waren auch die Schallplattenfirmen bereit, ihn unter seinem richtigen Namen zu veröffentlichen.
Den deutschen Jazz-Poll gewann KK noch über 10mal. Auch den europäischen Jazz-Poll der führenden französischen Jazz-Zeitschrift „Blue Note“ gewann er drei Mal.

Kiesewetter hatte nie Berührungsängste mit anderen Musikrichtungen, wie es in den Fünfzigern und Sechzigern üblich war. Schon als Achtzehnjähriger teilten er und seine Jazz-Band sich die Bühne im Hamburger „Indra“ mit einer jungen englischen Rock-Band, die sich „The Beatles“ nannte.

KnutKiesewetter02

So machte er in den 60er Jahren Blues-, Jazz-, Rock-,
Soul-, Gospel-, Chanson- und Folk-Aufnahmen.
Sogar Johann Sebastian Bachs Liebeslied: „Willst Du Dein Herz mir schenken“ spielte er 2mal ein.

Er war einer der wenigen deutschen Sänger, der auf dem legendären Label „Star Club Records“ erschien.
Das im Gospelgesang weltweit führende amerikanische schwarze „Golden Gate Quartett“ akzeptierte 1965 den weissen Gospelsänger KK als Mitwirkenden bei einer dreiwöchigen Tournee durch Polen. Er blieb noch lange mit ihnen befreundet.
Auch im Jazz hielt er wenig von strikter Trennung der Stilrichtungen, sondern sang und spielte mit Inbrunst alles, was ihm gefiel. So unter anderem mit den Oldtime-Klarinettisten George Lewis und Albert Nicholas, aber auch mit den Modernen Tony Scott und Rolf Kühn. Mit den Trompetern „Wild“ Bill Davison und Henry „Red“ Allen, andererseits mit Chet Baker oder Dizzy Gillespie. Mit dem Posaunisten Chris Barber, aber auch mit Albert Mangelsdorf. Mit dem Altsaxophonisten Benny Waters wie auch mit Phil Woods. Er ließ sich am Piano von Horst Jankowsky, Paul Kuhn, Wolfgang Dauner, Mary-Lou Williams und Joe Zawinul begleiten, von dem Ellington-Bassisten Ernie Sheppard als auch von dem sagenumwobenen Nils-Henning Oersted-Pedersen und nahm auf mit den Schlagzeugern Kenny Clarke und Charly Antolini. Er spielte mit Bands wie Barrell-House Jazzband und Old Merrytale Jazzband, aber auch mit der Big-Band Peter Herbolzheimer und arbeitete mit dem Orchester Count Basie. Er sang und spielte im Duett mit Bill Ramsey, Gitte Henning und Alexis Korner.
Diese Liste ist eher zufällig und ließe sich beliebig fortsetzen.

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Natürlich bekam Knut Kiesewetter auch einige darstellende Rollen in Filmen im In- und Ausland.

Während Knut Kiesewetter in den 60er Jahren viel in kommerziellen Sendungen wie „Musik aus Studio B“ (7 Mal) oder „EWG“ auftrat, moderierte er gleichzeitig seine eigenen Fernsehserien („Songs, Chansons, Lieder“), bei denen u.a. Reinhard Mey, Roger Whittaker, Insterburg & Co., Schobert und Black und die französische Chansonette Barbara auftraten. Andererseits auch die Sendereihen „Hits a go go“, „Sonntagskonzert“ (Ende der 70er) und „An hellen Tagen“ (80er).
6mal wurde von der ARD (Das Erste) ein eigenes einstündiges Portrait über Knut Kiesewetter gedreht, wobei „Knut Kiesewetter singt“ 1968 die Ehrengabe des europäischen Prix Jeunesse erhielt. Auch das Dänische Fernsehen (DR) drehte sein eigenes Portrait über KK.
Ende der 60er Jahre fing er dann auch an, sich in die Riege der deutschen Liedermacher einzureihen.

Viele seiner später erfolgreichen Kollegen wurden von ihm entdeckt und von ihm auch produziert, z.B. Hannes Wader, Fiede Kay, Volker Lechtenbrink, die Gruppen „Moin“ und „Speellüüd“. Er produzierte auch seine englischen Kollegen Alex Campbell (Daddy of Folk) und Harvey Andrews.

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Zwischen 1972 und ´90 sang KK viele Titel für die Kinderserie „Sesamstraße“ ein. Z.B. synchronisierte er die schwarze Puppe Roosevelt Franklin in deutsch (Eberhard Freitag). Er textete und sang für die Serien „Garfield“ und „Barbapapa“ und produzierte und sang ein JANOSCH-Album (Die Maus hat rote Strümpfe an).

Er besitzt noch alle Tonträgerrechte für die Aufnahmen des legendären Kabarettisten Heino Jaeger und des ebenfalls inzwischen verstorbenen Politikers, Schriftstellers und Kabarettisten Jochen Steffen, den er auch heute noch sehr verehrt.

Für Kollegen, die von größeren Schallplattenfirmen als zu unkommerziell erachtet wurden, um sie zu veröffentlichen, gründete KK sein eigenes Label NFR – Nordfriesland Records, damit solche Künstler Ihrem Publikum nicht vorenthalten wurden.

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1971 kehrte Knut Kiesewetter nach Nordfriesland zurück. Er kaufte sich den 12 km nördlich von Husum gelegenen 300 Jahre alten Bauerhof, der seit seiner Entstehung „Fresenhof“ heißt. Auf diesem lebte er mit Frau und Sohn, Pony, Ziege, Hunden, vielen Katzen und noch mehr Tauben. Wieder zu Hause in Nordfriesland fiel ihm auf, dass sowohl die friesische als auch die plattdeutsche Sprache immer weniger gesprochen wurde. Das lag wohl daran, so glaubte er, dass diese Sprachen in den Medien damals überhaupt nicht vorhanden waren. Um dem ein wenig entgegen zu wirken, entschloss er sich, völlig ohne kommerziellen Hintergedanken und gegen den Willen seiner Schallplattenfirma die LP „Leder vun mien Fresenhof“ mit friesischen und plattdeutschen Liedern zu machen. Diese Produktion wurde komischerweise die erfolgreichste seiner etwa 50 Alben (Gold!).

Er setzte damit eine norddeutsch-musikalische Welle in Bewegung, die nachher seiner Meinung nach leider immer mehr ins Volkstümliche abglitt.

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Die plattdeutschen und friesischen Lieder, die KK auf Tonträgern veröffentlichte, waren grundsätzlich von ihm selbst geschrieben. Er war also nie ein Sänger norddeutscher Volkslieder, wie in vielen Medien verbreitet wurde und auch in manchem Lexikon steht.
Auch Lexika irren manchmal.

Schon früh hatte sich KK für die Problematik der Umweltzerstörung sensibilisieren lassen und schrieb 1973 mit „Umweltverschmutzung“ sein erstes Lied zu diesem Thema. Hierfür bekam er 1974 die Goldene Europa. Als sich 2 Jahre darauf die erste Umweltschutz-Wählergemeinschaft Deutschlands (Grüne Liste Nordfriesland) zusammenfand, war Kiesewetter mit dabei. Als sich ein paar Jahre später diese Wählergemeinschaft mit anderen grünen Wählergemeinschaften, die inzwischen entstanden waren, zur Partei Die Grünen zusammenschloss, machte KK nicht mehr mit. Er hatte enttäuscht und mit Entsetzen festgestellt, dass es vielen Mitgliedern der Grünen (wie in anderen Parteien) gar nicht um die Sache selbst, sondern um ihr persönliches Prestige und ihre Karriere ging. Er fing an, selbst etwas für seine Umwelt zu tun und bepflanzte Strassen und Bäche in der Umgebung seines Fresenhofs mit Büschen und Bäumen, von den leider viele von missgünstigen Menschen der Gegend wieder herausgerissen wurden.

Viele Preise, die Kiesewetter verliehen werden sollten, lehnte er einfach ab (z.B. Herman Löns Preis, Deutscher Schallplattenpreis, Deutscher Kleinkunstpreis).

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In den 80er Jahren bekam KK an der Hamburger Hochschule für Musik und darstellende Kunst eine Professur für Liederkomposition und Liedertexte und war dort eine Zeit lang Fachbereichssprecher.
Auch schriftstellerisch war Kiesewetter schließlich tätig. Er schrieb Kurzgeschichten und Kritiken, Beiträge für Rundfunksendungen, sowie Artikel für Sportzeitungen. Die Sportartikel beschränkten sich auf den Boxsport, den er in den 60er und 70er Jahren intensiv trainiert hatte. Seinen letzten Kampf machte er 1976 im norddeutschen Buchholz vor dem „interessierten“ Zuschauer Max Schmeling. Mit vielen Profis aus dieser Zeit ist er heute noch befreundet.

Am 17. August 2000 wurde Knut Kiesewetter auf der Ronneburg von SD Fürst Wolfgang Ernst zu Ysenburg und Büdingen für seine Verdienste um den deutschen Jazz zum Ritter geschlagen.

Anlässlich seines 60. Geburtstages wurde am 9. September 2001 vom Fernsehen des Norddeutschen Rundfunks (N3) ein zweistündiges „Knut Kiesewetter – Special“ mit Fernsehaufnahmen aus den letzten 40 Jahren gesendet.

Am 28. Februar 2012 wurde Kiesewetter in Kiel für seine Verdienste um die friesische und die plattdeutsche Sprache der Verdienstorden des Landes Schleswig-Holstein vom Ministerpräsidenten persönlich verliehen. (Selbstdarstllung für seine mittlerweile gelöschte website von Hans Thomas)

Ergänzt muss dann leider noch werden, dass Knut Kiesewetter dann am 28. Dezember 2016 in Nordfriesland gestorben ist.

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Und auf diesem Album (es müsste sein zweites Soloalbum sein) hören wir ihn mit einer gospelgetränkten Beatmusik, die freilich schon 1967 ein wenig antiquiert klang, bedenkt man, was sich 1967 berits in der internationalen Szene für Sounds breitgemacht haben (von Jefferson Airplane über Cream bis hin zu Jimi Hendrix).

In manchen Momenten klingt das Album dennoch ganz gut (z.B. seine Version des Hollies Hits „Stop, Stop, Stop“; auch die knackige Hornsection fällt immer wieder mal positiv auf), in manchen Momenten jedoch auch  arg pathetisch ,,, aber singen, ja singen das konnte er schon … kann man hier auch hören.

Aber das Beste komm noch … Denn dieses Album wird geadelt durch die Expertise des Leiters der „Klasse für Jazz und jazzverwandte Musik an der Staatlichen Hochschule für Musik“ in Hamburg, Herrn Werner L. Fritsch.

Er verfasste ein längeres Essay über die Beatmusik im allgemeinen und über die künstlerischen Fähigkeiten des Knut Kiesewetters im besonderen.

So lesen wir z.B.:

Hüllentext1.jpg

Vom Minnegesang zur Beatmusik … selten habe ich derart überfrachtete kulturhistorischen Erläuterungen zur Beatmusik gelesen.

Aber es geht noch weiter:

Hüllentext2

Das hätte mal mein Vater wissen müssen … Der Sohn hört moderne Madrigalmusik !!!

Von daher bietet diese LP eben dank dieses Hüllentextes eine extra Portion Erheiterung … und das frei Haus !

KnutKiesewetter05.jpg

Besetzung:
Knut Kiesewetter (vocals)
+
eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

BackCover1.jpg

Titel:
01. That’s Me (Moslem/Goldfield) 2.06
02. You Bring Out The Best In Me (Martin/Coulter) 3.01
03. Just The Same As You (Barnett/Tolley/Blunt/Harding/Bennett) 1.54
04. What Should A Young Man Do (Keyes/Singleton) 2.32
05. What Is Wrong – What Is Right (Hopwood/Leckenby/Lisburg) 2.26
06. Color Me Bed (Moslem/Goldfield) 2.15
07. You Gotta Stay By Me (Martin/Coulter) 2.47
08. Stop Stop Stop (Gouldman) 2.46
09. Try Me (Radcliff/Scott) 2.20
10. You Were Born For Me (Pomus/Farrell) 2.07
11. A Little Bit Of Me Dies (Martin/Coulter) 2.33
12. Trouble (Alfred/Farrell) 2.18
13. Yes My Lord (Kiesewetter) 1.55
14. Don’t Loose Your Head (Martin/Coulter) 2.01

LabelA1

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Hüllentext3

Da werden sich die Studenten des Jahres 1967 aber gefreut haben !