In Memoriam: Julia Edenhofer (1946 – 2018)

Leider habe ich erst heute davon erfahren:

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Julia Edenhofer (* 14. Dezember 1946 in München; † 29. Dezember 2018) war eine deutsche Buchautorin und Hörfunkmoderatorin beim Bayerischen Rundfunk.

Nach dem Studium der Werbewissenschaften ging Julia Edenhofer zum Bayerischen Rundfunk. Bereits 1968 war sie als Sprecherin an der Sendung Club 16, einer beliebten wochentäglichen Radioshow auf Bayern 2, beteiligt. Von 1971 bis 1992 war sie Moderatorin von Radiosendungen auf Bayern 3 wie Frisch aus der Presse, Goldtimer, Meet the Beat und The Worlds Best Music. 1976 führte sie gemeinsam mit Thomas Gottschalk durch die Fernsehsendung Szene ’76. 1979 wurde sie festangestellte Musikredakteurin bei BR3, wo sie für die Programmgestaltung von Sendungen wie Hitkiste, Morgentelegramm und Radiotime verantwortlich war. Außerdem moderierte sie neben Georg Kostya die populäre Oldiesendung The Beat goes on in den 1980er Jahren.

Edenhofer schrieb erfolgreiche Lexika über Oldies, Rock- und Popmusik, aber auch Bücher über Stars wie Madonna, Sasha, Blümchen, George Clooney und Bruce Springsteen. Daneben betätigte sie sich regelmäßig auch als Übersetzerin. Edenhofer starb nach langer Krankheit am 29. Dezember 2018 im Alter von 72 Jahren. (Quelle: wikipedia)

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Julia Edenhofer mit der Gründungsmannschaft vom „Club 16“: Walther von La Roche (rechts) und Rüdiger Stolze

Julia Edenhofer, über viele Jahrzehnte beliebte Moderatorin und Musikredakteurin des Bayerischen Rundfunks sowie Verfasserin viel gelesener Musikliteratur, ist am 29. Dezember 2018 in München gestorben. Dies berichtet der „Münchner Merkur“ in seiner Ausgabe vom 3. Januar. Nach Angaben des Blattes trauern ehemalige Kollegen um die Musikexpertin, die im Alter von 72 Jahren einer schweren Krankheit erlegen ist. Peter Machac (79): „Ich habe Julia vor ein paar Monaten getroffen, da sah sie bereits sehr schlecht aus und war mitten in der Chemo-Therapie.“ Fritz Egner (69) bescheinigt ihr „ein profundes Wissen im Bereich gehobener Popmusik, eine akribische Recherche für ihre Sendungen und großes Engagement“.

edenhofer01Julia Edenhofer liebte die Popmusik, war geprägt von der sehr lebendigen Szene der 1960er und 1970er-Jahre. Und machte ihre Passion zum beruflichen Mittelpunkt. Nach dem Studium der Werbewissenschaften ging sie zum Bayerischen Rundfunk. Bereits 1968 war sie als Sprecherin an der Sendung „Club 16“, einer wochentäglichen Radioshow auf Bayern 2, beteiligt. Von 1971 bis 1992 war Edenhofer Mitarbeiterin der ersten Stunde bei BAYERN 3 und Moderatorin von Sendungen wie „Frisch aus der Presse“, „Goldtimer“, „Meet The Beat“ oder „The Worlds Best Music“. 1976 führte sie gemeinsam mit Thomas Gottschalk durch die Fernsehsendung „Szene ’76“. 1979 wurde Julia Edenhofer festangestellte Musikredakteurin bei BR3, wo sie für die Programmgestaltung von Sendungen wie „Hitkiste“, „Morgentelegramm“ und „Radiotime“ verantwortlich war. Außerdem moderierte sie neben Georg Kostya die Oldieshow „The Beat Goes On“ in den 1980er Jahren. Ab 1992 war sie auf BAYERN 1 mit weiteren Musiksendungen wie „Gute Nacht Freunde“ zu hören.

Julia Edenhofer schrieb zahlreiche Nachschlagewerke über Oldies, Rock- und Popmusik, aber auch Bücher über Stars wie Madonna, Sasha, Blümchen, George Clooney und Bruce Springsteen. Daneben betätigte sie sich regelmäßig auch als Übersetzerin.

Daniela Arnu von Hörfunkdirektion des Bayerischen Rundfunks: „Wir erinnern uns an eine Frau, deren Leidenschaft das Radio und vor allem die Musik war. Die Nachricht von ihrem Tod stimmt uns traurig.“ (Quelle: radioszene.de)

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Die Bücher der Julia Edenhofer

Mir selbst war sie in den Jahren 1969 bis ca. 1973 eine treue Wegbegleiterin, später driftete sie dann für meinen damaligen Geschmack zu sehr in die seichteren Gefilde der Popmusik.

Dennoch: sie war ja nicht nur die erste Pop-Moderatorin im Bayerischen Rundfunk sondern eben für viele auch eine Kultmoderatorin.

Und zur Erinnerung gibt´s hier nun eine ihrer beliebten „Club 16“ Sendungen aus dem Jahr 1969.

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Kleiner Rückblick: Selbst der Bayerische Rundfunk gab sich progressiv (hier: Werbeplakate aus dem Jahr 1971)

Titel:

01. Julia Edenhofer – Club 16 (1969) (52.18)

  • Bobby Chandry – I Never Fall In Love Again
  • Electric Indian – King-O-Sape
  • Dionne Warwick – You’ve Lost That Lovin‘ Feeling
  • Bobby Taylor – My Girl Has Gone
  • The Blue Cheer – I Want My Baby Back
  • The Rhinozeros – I Need Love
  • Cliff & Henk – Throw Down The Line
  • Gloomys – Winds Of Change
  • Dave Dee & Co. – Zabadak
  • Lulu – Love Loves To Love Love
  • Rolling Stones – We Love You
  • Manfred Mann – Haha Said The Clown
  • The Who – Pictures Of Lilly
  • Jackie DeShannon – Put A Little Love In Your Heart
  • Oliver – Good Morning Starshine
  • Joe South – Heart´s Desire
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Julia Edenhofer im Jahr 2014 (Schaut so eine Pop-Moderatorin aus ?)

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Udo Jürgens – Stagione + Se Tu Sapessi (1969)

FrontCover1Ich mache ja gar keinen Hehl daraus, dass ich Udo Jürgens für den bedeutendsten Schlager-Sänger aus deutschen Landen halte (und dementsprechend häufig taucht er hier ja auch auf *ggg*) Nicht nur, weil er als einer der wenigen die Kunst der Komposition wie kaum ein zweiter beherrscht, nein auch hat er immer wieder mit seinen Texten mehr zu sagen gehabt, als nur die üblichen „Herz-Schmerz“ Themen.

Und als einer der wenigen deutschsprachigen Schlagerstars konnte er auch im Ausland so ein paar Erfolge aufweisen. Ich erinnere an sein japanisches Live-Album (demnächst hier in diesem Theater) oder an seine Prduktion für die USA (zu finden hier).

Hier ein weiteres kleines Beispiel: Eine Single für den italienischen Markt aus dem Jahr 1969 mit den Titeln „Stagione“ (Jahreszeit) + „Se tu sapessi“ (Wenn du wüßtest).

Ein Udo Fan schreibt dazu folgendes:

„Eine der Kostbarkeiten von Udo Jürgens, wobei diese Single auch in Südafrika auf den Markt kam. Die beiden Lieder, bei denen er jedoch weder für Musik noch für Text verantwortlich ist, wurden jedoch ansonsten nirgendwo anders jemals veröffentlicht. Während die Italienausgabe noch da und dort erhältlich ist, bleibt die Südafrika-Single eine kleine Rarität.“

Auch wenn die Kompositionen nicht von ihm sind, bemerkenswert sind sie dennoch: Herrliche schwelgend-schmalzige Melodien die Udo Jürgens mit seinem ganz besonderen Timbre veredelt.

Nicht nur die Komponisten stammten aus Italien, auch das Orchester Willy Brezza war italienisch und es war gar nicht seine erste Single in italienisch. Bereits veröffentlichte die italienische Fassung von „Warum nur, warum“ unter dem Titel: „Peccato che sia finita cosi“.

Nun denn, nachdem ich eine gewisse Neigungen für kleine Raritäten-Sammlungen habe, kann ich schon mal verkünden, dass ich gerade dabei bin, eine solche Raritäten-Sammlung von Udo Jürgens zu erstellen … da warten noch ein paar Schätzchen.

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Heute wäre der Glimmstengel tabu …

Besetzung:
Udo Jürgens (vocals, piano)
+
Orchester Willy Brezza

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Willy Brezza (1935 – 1996)

Titel:
01. Stagione (Musy/Berti/Gigli) 3.33
02. Se Tu Sapessi (Polidori/Brezza) 2.56

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Italienische Autogrammkarte

Verschiedene Interpreten – Haare (Hair) – Originalaufnahme der deutschsprachigen Uraufführung (1969)

OriginalFrontCover1Um mal mit einem abgedroschenem Spruch zu beginnen: Jetzt wird es haarig … im Klartext: Hier geht´s um das wohl erste Rock-Musical „Hair“ und hier natürlich insbesondere um die Aufnahmen der „deutschsprachigen Uraufführung“:

Hair (im Untertitel The American Tribal Love/Rock Musical) ist ein US-amerikanisches Musical, das als Meilenstein der Popkultur in den späten 1960er Jahren gilt. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Gruppe der Hippie-Bewegung. Buch und Liedtexte stammen von Gerome Ragni und James Rado, die Musik ist von Galt MacDermot. Nach einer Off-Broadway-Vorpremiere im Oktober 1967 in Joseph Papp’s Public Theater begann die Produktion im April 1968 mit der Uraufführung am Broadway.

Hair gilt als eines der erfolgreichsten Musicals überhaupt und wurde in der Folge auch in zahlreichen anderen Ländern aufgeführt. Uraufführung der für Deutschland in die deutsche Sprache adaptierten Fassung Haare war am 24. Oktober 1968 in München. 1979 wurde Hair durch Miloš Forman verfilmt.

Hair erzählt die Geschichte einer Gruppe gegen das Establishment eingestellter langhaariger (daher der Name des Musicals) Hippies, die in der Stadt New York unter dem Vorzeichen des „Zeitalters des Wassermanns“ leben und lieben und sich gegen die Einberufung als Soldaten für den Vietnamkrieg auflehnen. Der frisch vom Land hinzugestoßene Claude Hooper Bukowski, die junge Frau Sheila und ihr charismatischer Zimmergenosse Berger leben in einer Dreiecksbeziehung lustvoll aber ziellos in den Tag hinein. Claude gerät, hin und her gerissen zwischen den patriotischen Impulsen seiner bürgerlichen Herkunft und den im Kreise seiner neuen Freunde erstarkten pazifistischen Idealen, in einen inneren Konflikt, denn mit Eintreffen der Einberufung muss er sich entscheiden, ob er wie die anderen den Kriegsdienst verweigern (und damit eine drohende Gefängnisstrafe und gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen) oder seine pazifistischen Ideale missachtend, sich der militärischen Autorität unterwerfen, Menschen töten und sein Leben in Vietnam riskieren soll.

Hair wurde in den USA von 1967 Off-Broadway und von 1968 bis 1972 am Broadway ohne Unterbrechung aufgeführt. Das Musical war aber auch weltweit erfolgreich.

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Alternative Frontcover

In Deutschland (wie auch in England) war Hair vor Jesus Christ Superstar das erfolgreichste Musical seiner Zeit. Die deutsche Version „Haare“ lief 2 1/2 Jahre, sie war in allen deutschsprachigen Ländern ein Erfolg. Es gab Aufführungen in München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Böblingen bei Stuttgart, Frankfurt, Nürnberg, Köln, Essen, Duisburg, Wien, Zürich usw. und zuletzt Ulm.

In den deutschen Aufführungen wurde die Rolle der Sheila von Su Kramer bzw. Freya Weghofer gespielt, die später die Rolle der Jeannie übernahm. Weiter traten Reiner Schöne als Berger, Ron Williams als Hud, Jürgen Marcus als Claude sowie Donna Gaines (die später als Donna Summer bekannt wurde) und Liz Mitchell als Donna auf.

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Die Münchner Truppe von „Haare“, wie das Musical auf Deutsch hieß: Mit dabei waren 1968 unter anderem Donna Summer (vorne rechts) und Ron Williams (links daneben, mit Kette)

Die Liedertexte wurden größtenteil wörtlich übersetzt von Walter Brandin, dabei teilweise jedoch an die europäischen (wie z. B. in Amsterdam, London und in Stockholm) bzw. deutschen Gegebenheiten und Mentalitäten und die deutsche Sprache angepasst.

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Plakat der Uraufführung im Theater in der Briennerstraße, München (1968)

Die deutschen Szenen und Traumbilder sind nicht in allen Teilen direkte Übersetzungen, orientieren sich aber inhaltlich an den englischen Vorbildern. Sie wurden teilweise in fast kabarettistischer Art und Weise sogar spontan tagesaktuell gebracht, wie z. B. die Generals-Szene (Peter Kern), welche die hierarchischen Strukturen der Gesellschaft verspottet. In der Väter-Mütter-Szene, Anerkennung der Jugend („Ich hab kein Geld…“), kritische Anspielungen auf Medien und Reklame („HB-Männchen“, „Mainzelmännchen“ „Touristenlady“ u. a.), „vaterlandslose Gesellen“ (die CDU hat die SPD als „vaterlandslose Gesellen“ bezeichnet). Daneben gab es lokale Anspielungen wie „Komm wir gehen auf den Ku’damm Wessis erschrecken…“ und viele andere. Insofern war Hair weniger ein Musical mit fortlaufender Handlung (wie im Film) als mehr ein Rock-Kabarett mit aufeinanderfolgenden Songs und Szenen ohne besondere Örtlichkeit. Auch daher rührte der Erfolg der drei deutschsprachigen Ensembles. (Quelle: wikipedia)

Tja, dieses Musical hat damals wohl wirklich für Furore gesorgt:

Das Musical, 1968 in New York uraufgeführt, kam 1969 nach Deutschland und traf den Nerv der Zeit. Allein schon der Wunsch, Hair zu besuchen, löste bei Eltern und Erwachsenen Stürme der Entrüstung hervor.
„In dem Musical Hair artikuliert sich der Protest der Jugend gegen Krieg und Wehrdienst, gegen Intoleranz, Brutalität und Entmenschlichung. Gezeigt wird das Hippie-Dasein als mögliche Lebensform, in der Liebe, Glück und Freiheit des Einzelnen dominieren. Der Protest der Hippies gegen erstarrte Gesellschaftsformen und Auswüchse menschlicher Unzulänglichkeit und Hybris vollzieht sich stets im Rahmen der Gewaltlosigkeit. Wenn Hippies ihren Gegnern und Feinden Blumen schenken so hoffen sie auf die heilsame Wirkung dieser Geste der Sanftheit. Zu Recht tragen sie deshalb den Namen Blumenkinder.“ (Dr. Rolf Cyriax)

Nun, natürlich darf man sich über die Naivität jener Hippiephilosophie amüsieren, aber wenn ich mich gerade im Januar 2019 so in der Welt umschaue, dann wünscht man sich schon ein wenig, dass die Welt ein wenig mehr von dieser „naiven“ Friedfertigkeit hätte …

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Und deshalb gestatte ich es mir auch, beim mehrfachen hören dieses Musicals ein paar Tränchen auf die Reise zu schicken …

Und weil ich mich halt weiterhin dafür interessiere … wie auch dieses Ereigniss damals publistisch verarbeitet wurde … habe ich dieser Präsentation ein paar Artikel beigelegt:

Besprechungen zur Urauffführung aus „Der Zeit“ und „Der Spiegel“ … sowie eine Erinnerung des zeitgeschichtlichen Archivs des WDR sowie eine Erinnerung an die Uraufführung aus dem Jahr 1968 anlässlich eines Remakes des Musicals im Jahre 2013 und zwar ebenfalls in München.

SingleAuskoppelungen

Besetzung:
Ann: Ann Helstone
Barbara: Barbara Eff
Berger: Reiner Schöne
Charlie: Charles Berry
Claude: Bernd Redecker
Crissy: Birgit Rüssmann
Donna: Donna Gaines (Summer)
Horst: Horst Twieg
Hud: Ronnie Williams
Jeanie: Elke Koska
Lyvia: Lyvia Bauer
Minoru: Minoru Terada
Nando: Bernd Tischer
Renate: Renate Mauerer
Sheila: Gudrun Kramer (Su Kramer)
Stella: Stella Mooney
Tommy: Shirley Thompson
Udo: Udo Janson
Verina: Verina Weiss
+
Orchester Les Humphries unter der Leitung von Steve Gilette

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Titel:
01. Wasserman (Aquarius) (Donna Gaines) 3.05
02. Donna (Reiner Schöne) 2.33
03. Manchester (Bernd Redecker) 1.14
04. Ich bin ein Farbiger (Colored Spade) (Ronnie Williams) 1.11
05. Ich hab kein… (Ain’t Got No) (Bernd Tischer, Charles Berry, Lyvia Bauer) 0.49
06. Luft (Air) (Elke Koska, Birgit Rüsmann, Donna Gaines) 1.20
07. Ich bin reich (I Got Life) (Bernd Redecker) 2.53
08. Bergab (Going Down) (Reiner Schöne, Horst Twieg) 1.52
09. Haar (Hair) (Bernd Redecker, Reiner Schöne) 2.25
10. Nein“ sagt sich so leicht (Easy To Be Hard) (Gudrun Kramer) 2.35
11. Frank Mills (Birgit Rüsmann) 2.00
12. Hare Krishna  (Ensemble) 3.18
13. Wo geh‘ ich hin (Where Do I Go?) (Bernd Redecker)  2.44
14. Black Boys (Renate Mauerer, Stella Mooney, Barbara Eff, Verina Weiss) 1.02
15. White Boys (Donna Gaines, Shirley Thompson, Ann Helstone) 2.25
16. Schweben im Raum (Walking In Space) (Donna Gaines, Minoru Terada, Renate Maurer) 4.50
17. Rot, blau und weiß (Don’t Put It Down) (Bernd Tischer, Udo Janson) 1.33
18. 3500 (Ensemble) 3.13
19. Hat’s der Mensch nicht weit gebracht? (What A Piece Of Work Is Man?) (Shirley Thompson, Birgit Rüsmann) 1.29
20. Die letzten Sterne (Good Morning Starshine) (Gudrun Kramer) 2.38
21. Finale (Lasst den Sonnenschein) (Let The Sunshine In) (Bernd Redecker , Gudrun Kramer, Donna Gaines, Ensemble) 3.50

Musik: Galt MacDermot
Originaltext: Gerome Ragni/James Rado
Deutscher Text: Walter Brandin

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Dresdner Kreuzchor (Rudolf Mauersberger) – Motetten alter Meister (1970 / 1997)

FrontCover1Mit den vokalen Beiträgen bei der Opernmusik habe ich so meine heftigen Probleme, ganz anderes verhält es sich bei der sog. „Motettenmusik“.

Motette (kirchenlateinisch motetus, französisch motet) ist ein Gattungsbegriff der mehrstimmigen Vokalmusik, der seit dem 13. Jahrhundert anzutreffen ist. Der Begriff beschreibt im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche musikalische Formen: Unterschiedlicher Text in den verschiedenen Stimmen und ein wiederkehrender Rhythmus in der Unterstimme (Isorhythmie) kennzeichnen die frühe Motette bis zum 15. Jahrhundert; die spätere Motette ist typischerweise geistliche Musik, in der zu den Singstimmen auch Instrumente hinzutreten können. (Quelle: wikipedia)

Und wenn dann solche vokalen Werke so bravorös in Szene gesetzt werden, wie bei diesem vorliegendem Album, dann kann man nur mit der Zunge schnalzen.

Ist aber auch kein Wunder: Der Dresdner Kreuzchor unter der Leitung von Rudolfs Mauersberger hatte auch all die Jahre einen hervorragenden Ruf und das gilt wohl bis heute.

Die Geschichte des Dresdner Kreuzchores umfasst weit über sieben Jahrhunderte, damit ist er einer der ältesten Knabenchöre Deutschlands und Europas.

Dem Dresdner Kreuzchor gehören heute ungefähr 150 Kruzianer – so werden die Chormitglieder genannt – im Alter von 9 bis 19 Jahren an, die als gemischt-stimmiger Knabenchor (Sopran/Alt/Tenor/Bass) musizieren. Die Größe der Besetzung richtet sich nach den jeweils aufzuführenden Werken. Zu Gastspielen reisen etwa 80 Kruzianer.

Die künstlerische Heimstatt des Dresdner Kreuzchores ist die Kreuzkirche. Die Gestaltung der Musica sacra für die Vespern und Gottesdienste entspricht seiner ursprünglichen Verpflichtung und bildet zugleich das Fundament seiner künstlerischen Arbeit.

Ein gleichermaßen vielfältiges wie umfassendes Repertoire zeichnet den Chor aus. Es reicht von den frühbarocken Werken des Dresdner Hofkapellmeisters Heinrich Schütz, den Bachschen Passionen, Motetten und Kantaten sowie der Chormusik des 19. Jahrhunderts bis zur Moderne; wie die Uraufführung des Werkes Pilgerfahrten von Chaya Czernowin. Mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen erfährt der Dresdner Kreuzchor immer wieder auch die Beachtung und Anerkennung der Fachkritik.

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Die gemeinsamen Konzerte mit der Dresdner Philharmonie, der Sächsischen Staatskapelle Dresden oder Spezialensembles für „Alte Musik“ sind fest verwurzelt im Konzertleben der Stadt Dresden.

Regelmäßig wird der Chor zu Fernseh- und Rundfunkaufnahmen verpflichtet. Seit über 80 Jahren produzieren die Kruzianer Tonaufnahmen für angesehene Schallplattenfirmen. Werke aus nahezu allen Epochen der Musikgeschichte wurden seitdem aufgenommen und liegen heute als CDs bei Berlin Classics, Capriccio, Teldec und der Deutschen Grammophon Gesellschaft vor.

Bis zum Abitur erhalten die Kruzianer ihre schulische Ausbildung am Evangelischen Kreuzgymnasium. Die Kruzianer des ersten Jahrgangs (vierte Klasse) sowie die älteren mit weiteren Heimfahrtswegen wohnen im Alumnat, dem Internat des Chores.

Erfolg und Berühmtheit resultieren nicht allein aus dem spezifischen Klang der Knabenstimmen (auch Kruzianerstimmen genannt), Grundlage dafür sind die tägliche Probenarbeit und ein intensiver Gesangs- und Instrumentalunterricht. Die Synthese zwischen liturgischer Tradition, kontinuierlicher Ausbildung und einer hohen künstlerischen Qualität verhilft dem Ensemble zu weltweiter Ausstrahlung.

Im Jahr 2014 wurde der Dresdner Kreuzchor gemeinsam mit dem Thomanerchor und den Dresdner Kapellknaben von dem Land Sachsen für das Immaterielles Kulturerbe nominiert. (Quelle: wikipedia)

Und Rudolf Mauersberger hat wahrlich ein bewegtes Leben gelebt:

Rudolf Mauersberger (* 29. Januar 1889 in Mauersberg; † 22. Februar 1971 in Dresden) war ein deutscher Chorleiter (Kreuzkantor) und Komponist.

Rudolf Mauersberger war der erste Sohn eines Kantors und Lehrers in Mauersberg, seinem Heimatdorf im Erzgebirge. Von 1903 bis 1909 besuchte er das königliche Lehrerseminar in Annaberg und leitete als Präfekt das Seminarorchester. Von 1909 bis 1912 leistete er seinen Militärdienst ab und arbeitete als Hilfslehrer. Er studierte von 1912 bis 1914 und 1918/19 am Konservatorium in Leipzig. Seine Lehrer waren dort Robert Teichmüller (Klavier), Karl Straube (Orgel), Stephan Krehl (Theorie) und Hans Sitt (Orchesterdirigieren). 1914 gewann er den Nikisch-Preis für Komposition. In den Kriegsjahren 1915 bis 1918 war er Soldat und Militärmusikleiter in Bad Lausick bei Leipzig. Nach Kriegsende ging er 1919 für sechs Jahre als Kantor und Organist sowie Leiter des Aachener Bachvereins an die Annakirche in Aachen sowie an das Städtische Konzerthaus Aachen. 1925 wurde er erster Landeskirchenmusikwart der evangelischen Landeskirche Thüringens und Kantor an Bachs Taufkirche St. Georg in Eisenach, wo er den Bachchor Eisenach sowie einen Knabenchor, den Georgenchor, gründete. 1930 wurde Mauersberger aus etwa 80 Bewerbern nach Dresden zum Kreuzkantor und Leiter des berühmten Dresdner Kreuzchores berufen und trat sein Amt am 1. Juli 1930 an. 1931 erfolgte seine Ernennung zum Kirchenmusikdirektor. In seiner über 40 Jahre dauernden Amtszeit prägte er den Chor wie kein anderer vor ihm und führte ihn auf ein international anerkanntes Niveau.

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Mit Wirkung vom 1. Mai 1933 wurde Mauersberger Mitglied der NSDAP (Partei-Nummer 2.451.659). Hitler verlieh ihm zum 20. April 1938 den Titel Professor. Trotz seiner Parteimitgliedschaft bemühte sich Mauersberger, die Einflüsse der NS-Ideologie vom Kreuzchor fernzuhalten. Die Sänger gehörten zwar geschlossen als „Gefolgschaft“ der Hitler-Jugend an; damit war zugleich aber deren Einfluss begrenzt. Mauersberger weigerte sich, NS-Gesänge mit dem Chor zur Aufführung zu bringen. Stattdessen wurde der christliche Charakter des Chores nicht nur bewahrt, sondern noch stärker akzentuiert.

Kruzianer aus dieser Zeit berichten, dass der Chor nur ein einziges Mal gezwungen war, HJ-Uniformen anzulegen, und zwar bei einer offiziellen Verabschiedung durch die Stadt im Dresdner Hauptbahnhof vor einer Konzertreise in die besetzten Niederlande 1944. Als Mauersberger von dieser Absicht erfuhr, erschien er zur Abfahrt nicht, sondern ließ sich zum nächsten Bahnhof, Dresden-Neustadt, chauffieren und gab beim Zusteigen die Anweisung, die braunen Hemden sofort gegen Zivilkleidung auszuwechseln.

Mauersberger setzte sich über Aufführungsverbote hinweg und bezog Werke jüdischer und verfemter Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy und Günter Raphael in die Programme des Kreuzchores ein, auch noch im Herbst 1938 auf der zweiten USA-Tournee des Kreuzchores.

Seine Gegnerschaft zu NS-Kulthandlungen motivierte ihn dazu, die Gottesdienste und Vespern in der Kreuzkirche zunehmend im Sinne der liturgischen Erneuerung mit Hauptchor und Altarchor in liturgischer Kurrendekleidung mit Kerzen umzugestalten, um damit einen kirchlichen Gegenakzent zu setzen.

Von diesen Bemühungen legen die Christvesper aus den 1930er-Jahren, die Christmette von 1936 und die Ostermette von 1940 beredtes Zeugnis ab. In ihrer musikalischen Gestalt fast unverändert, sind sie noch heute feste Bestandteile des Weihnachts- und Osterfestes in der Dresdner Kreuzkirche.

Die Dresdner Kreuzkirche und mit ihr das gesamte Chorarchiv wurden in der Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 zerstört. Auch elf Kruzianer kamen bei den verheerenden Luftangriffen auf Dresden ums Leben.

Zu Mauersbergers Verdiensten zählt die Neubelebung des Chores kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die erste Kreuzchorvesper nach Kriegsende fand am 4. August 1945 in der ausgebrannten Kreuzkirche statt. Zur Uraufführung kam Mauersbergers Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, ein A-cappella-Werk, entstanden am Karfreitag und -samstag 1945. Darin verarbeitete Mauersberger das ihn bestürzende Erlebnis des brennenden Dresden und der völlig zerstörten Stadt; den Text entnahm er den Klageliedern Jeremias.

Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe leitete Rudolf Mauersberger 1968 als 79-jähriger Kreuzkantor insgesamt drei Mal, zuletzt am 7. Dezember 1968. Neben seinem unermüdlichen Einsatz für den Wiederaufbau des Kreuzchors im zerstörten Dresden nach 1945 ist zu würdigen, dass er sich während seiner gesamten Amtszeit für eine liturgische Einbindung des Chores in die gottesdienstliche Praxis der Kreuzkirche einsetzte, eine umfassende Pflege der Werke von Johann Sebastian Bach und Heinrich Schütz betrieb (jährliche Heinrich-Schütz-Tage des Kreuzchores 1955–1970, Schallplattenaufnahmen für die Schütz-Edition, Stiftung der Schütz-Kapelle in der Kreuzkirche) und sich stets auch der zeitgenössischen Musik in Dresden widmete.

Mauersberger
1950 wurde ihm zusammen mit dem Kreuzchor der Nationalpreis der DDR 2. Klasse verliehen, 1964 erhielt er den Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis. 1954 wurde er zum pädagogischen Ehrendoktor an der Humboldt-Universität Berlin und 1959 zum theologischen Ehrendoktor an der Philipps-Universität Marburg ernannt. Er war Mitglied der CDU der DDR und zeitweise Mitglied im CDU-Hauptvorstand. 1969 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Gold. Bereits 1955 hatte er die Ausführung in Bronze zusammen mit dem Kreuzchor sowie 1964 in Silber erhalten.

Ehrenmitglied der Internationalen Schütz-Gesellschaft wurde er 1964, der Neuen Bachgesellschaft 1969 und der Dresdner Philharmonie 1970. Sein Grab ist in der Familiengruft in Mauersberg (Erzgebirge). Der Ort ehrt ihn durch das Mauersberger-Museum, das ihm und seinem Bruder Erhard Mauersberger, der von 1961 bis 1972 in Leipzig Thomaskantor war, gewidmet ist. Rudolf Mauersberger führte den Dresdner Kreuzchor zu Weltruhm.

1951 gründete Rudolf Mauersberger eine Stiftung für den Wiederaufbau der ehemaligen Wehrkirche in Mauersberg, die 1889 abgerissen worden war. Die heutige Kreuzkapelle wurde 1953 geweiht. Aus der alten Kirche erhalten und wieder eingefügt wurde die Glocke aus dem Jahr 1571. Der Architekt Fritz Steudtner gestaltete den Innenraum. Ein beachtliches Zeugnis aus den 50er-Jahren ist der Totentanz im Altarraum von Otto Rost. Die Gesichter und Gestalten lassen Frauen und Männer aus Mauersberg und Umgebung erkennen. Emporen- und Deckenbemalung sowie die Buntglasfenster in der Kreuzkapelle gestaltete Helmar Helas aus Dresden. Der neue Aufbau nahm den ehemaligen Wehrgang auf und verlegte ihn ins Innere der Kirche, um dadurch eine zweite Empore zu erhalten.

Im Dresdner Stadtteil Striesen ist nach Mauersberger eine Straße benannt. (Quelle: wikipedia)

Die hier präsentierte Aufnahme stammt aus dem Jahr 1969, die dann erstmalig 1970 auf dem famosen Eterna Label veröffentlicht wurde.

Ich weiss nicht woran´s liegt: die christlichen Texte und die christlichen Grundlagen dieser Musik tangieren mich – wenn überhaupt – nur noch temporär, aber die Musik als solche berührt mich umso mehr. Vielleicht sind das ja auch tiefverwurzelte Muster, dieaus meiner Kindheit stammen, als ich noch ein sehr aktiver Ministrant war und jenen kirchlichen Gesängen etwas abgewinnen konnte.

Wie auch immer: ein mehr als lohnendes Album !

Rudolf Mauersberger dirigiert den Kreuzchor auf der Wartburg (1954)

Rudolf Mauersberger dirigiert den Kreuzchor auf der Wartburg (1954)

Besetzung:
Dresdner Kreuzchor unter der Leitung von Rudlofs Mauersberger

Front+Back Cover der Erstausgabe (Eterna, 1970)

Titel:

Jan Pieterszoon Sweelinck:
01. Venite exultemus Domino, motet for 5 voices & continuo (Cantiones Sacrae No. 9) 3.11
02. Hodie Christus natus est, motet for 5 voices & continuo (Cantiones Sacrae No. 13) 4.24

Johann Kuhnau:
03. Tristis Est Anima Mea 4.25

Antonio Lotti:
04. Crucifixus, Motet a10 3.09

Felice Anerio:
05. Christus Resurgens for chorus 4.22

Johannes Eccard:
06. Zu dieser österlichen Zeit, for 6-part chorus 1.07

Johann Michael Bach:
07. Ich weiss, dass mein Erlöser lebt, motet for 5 voices 2.26

Francesco Durante:
08. Misericordias Domini for 8 voices & continuo in C minor 3.20

Giovanni Gabrieli:
09. Jubilate Deo, motet for 8 voices (1597) 5.45

Hans Leo Hassler:
10. Cantate Domino Canticum Novum à 12 3.08

Johann Hermann Schein:
11. O Domine Jesu Christe, motet for 6 voices (Cymbalum Sionium) 3.52

Jacobus Handl (Gallus):
12. Zwei der Seraphim, sie riefen, for 8-part double chorus 2.57
13. Pater Noster, for 8-part chorus 3.16
14. Ecce quomodo moritur iustus 2.28

Gottfried August Homilius:
15. Domine, Ad Adiuvandum Me, for 6-part chorus 2.28

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Die Eterna Labels aus dem Jahr 1970

Die Minstrels – Grüezi wohl, Frau Stirnimaa + Big Fat Daddy’s Monotone Square Dance (1969)

FrontCover1.jpgEin Paradebeispiel für all jene Bands, die (niht nur) in der deutschen Geschichte der populären Musik als sog. „Eintagsfliegen“ bekannt wurden:

Die Minstrels waren eine Schweizer Musikgruppe. Die Band bestand aus

1967 fand sich die Band in Zürich zusammen. Zunächst zogen sie als Wandermusikanten in Minnesängerkostümen durch Zürichs Gaststätten, mit einem Repertoire aus Folk, Blues und Schweizer Volksmusik. Ein Fernsehauftritt im Rahmen der OLMA in St. Gallen im Oktober 1969 machte sie mit einem Schlag bekannt. Grüezi wohl, Frau Stirnimaa! zog wenige Tage später in die Schweizer Hitparade auf Platz 2 ein. Das Lied hielt sich siebzehn Wochen ununterbrochen in den Top 10, zehn Wochen davon auf Platz 1. Es platzierte sich auch in Deutschland (Platz 3) und Österreich (Platz 5) und verkaufte sich in 27 Ländern 1,5 Millionen Mal.

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Ende 1970 kauften und bezogen die drei Musiker ein 16-Zimmer-Haus im Tobel in Trogen. Im Keller wurde ein Studio eingebaut, welches für Aufnahmen genutzt wurde. 1971 brachten die Minstrels ihr Debütalbum Chrüsimüsi (Schweizerdeutsch für «Durcheinander») heraus. Die Band gab zahlreiche Konzerte und trat in Fernseh- und Kinofilmen auf. Eine dieser Gastrollen bestand aus einem Disco-Auftritt in Was ist denn bloß mit Willi los?. Im Film ist Willis (Heinz Erhardts) Vermieterin die von den Minstrels besungene Frau Stirnimaa, dargestellt von Helen Vita.

An den kommerziellen Erfolg ihres grössten Hits konnten die Minstrels nicht mehr anknüpfen. 1970 erreichte die Single Hopp de Bäse! den 2. Platz in den Schweizer Charts und hielt sich dort vier Wochen in den Top 10. 1974 löste sich die Gruppe auf. Später erschien Grüezi wohl, Frau Stirnimaa vor allem auf Party-Samplern. Im Jahr 2001 kam der Titel in einer Remix-Version des Produzenten Carlos Perón heraus.

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Mario Feurer zog sich nach zwei weiteren Bandprojekten aus der Musikszene zurück.

Pepe Solbach gründete mit Dodo Hug und Christoph Marthaler die experimentelle Theatergruppe «Tarot», ferner komponierte er die Filmmusik zu dem Film «De Grotzepuur».

Lediglich Fehr ist noch mit dem Volksmusiktrio «Gad’ase» musikalisch tätig. 2008 trat dieses Trio gemeinsam mit Solbach, der Anekdoten aus der Bandgeschichte erzählte, in der Schweiz auf. (Quelle; wikipedia)

Und hier natürlich ihr großer Mega-Erfolg: „Grüezi wohl, Frau Stirnimaa“ … nun gut … ein fideler Gassenhauer eben …

Nicht minder flott die Instrumentalnummer mit dem sperrigen Titel „Big Fat Daddy’s Monotone Square Dance“ … >Prädikat: nett.

Und sollten sich die drei mal wieder treffen … sie werden sich auf die Schenkel hauen vor lachen …. mit welchem Blödsinn man damals Geld machen konnte …

Und das Cover … nun ja …der sittliche Verfall war damals schon auf dem Vormarsch !

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Besetzung:
Mario Feurer (violin)
Daniel «Dani» Fehr (piano, banjo)
Pepe Solbach (guitar, vocals)

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Die Rückseite der Single mit weiteren musikalischen „Kostbarkeiten“ des Jahres 1969

Titel:
01. Grüezi wohl, Frau Stirnimaa (Feurer) 2.41
02. Big Fat Daddy’s Monotone Square Dance (Feurer) 2.58

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Geschwister Caldarelli – Arzgebirg wie bist du schie (1969/1980)

FrontCover1Ursprünglich erschien diese Scheibe bereits 1969 und wurde dann 1980 (mit neuem Cover) erneut veröffentlicht. Und 1994 erschienen diese Aufnahmen dann auch auf CD.

Wir hören traditionelle Melodien aus dem Erzgebirge, dargeboten von den Geschwister Caldarelli (klingt irgendwie auch nicht besonders deutsch) :

Die Geschwister Caldarelli waren ein Volksmusik-Gesangstrio aus dem sächsischen Sosa, das in den 1930er und 1940er Jahren durch Rundfunk-Programme und Schallplattenaufnahmen große Bekanntheit erlangte.

Die drei Schwestern Tisilda (verehel. Tischler, 1921–2008), Pierina (verehel. Lorenz, 1923–2012) und Annina Caldarelli (* 1927) sind die jüngsten von zwölf Geschwistern. Ihr Vater kam 1902 aus den italienischen Abruzzen ins obere Erzgebirge, wo er als Steinbrucharbeiter Arbeit beim Eisenbahnbau fand und 1904 in Sosa eine Einheimische heiratete.

Schon früh im Kirchenchor aktiv, war der erste größere Erfolg der Geschwister der erste Platz bei einem Gesangswettbewerb im benachbarten Schwarzenberg, den der Fabrikant und Förderer erzgebirgischen Brauchtums Friedrich Emil Krauß organisiert hatte. Ein Mitschnitt des Konzerts wurde wenig später im Reichssender Leipzig übertragen. Die Geschwister Caldarelli konnten den Wettbewerb im Folgejahr erneut gewinnen.

Geschwister Caldarelli
Nach dem Krieg traten die Geschwister ab dem Frühjahr 1946 wieder verstärkt im Rundfunk auf; Tourneen und Schallplattenaufnahmen folgten. Nachdem sie ein Kind bekommen hatte, trat Tisilda ab 1953 nicht mehr auf; sie wurde von Hilde Kranz ersetzt. Pierina hatte inzwischen ebenfalls geheiratet und lebte in Leipzig, Annina lebte in Stendal. (Quelle: wikipedia)

Originalausgabe aus dem Jahre 1969

Im MDR lief in der Serie „Lebensläufe“ eine Dokumentation über die 3 Schwestern unter dem Titel: „Geschwister Caldarelli – Eine erzgebirgische Legende“:

Karte„Drei junge Mädchen betreten 1940 die Bretter, die die Welt bedeuten: Annina, 13 Jahre alt, Pirina, 15, und Tisilda, 19. Beim Wettsingen in der westerzgebirgischen Metropole Schwarzenberg beginnt eine Karriere, die die Volksmusik im südlichen Sachsen über Jahrzehnte hinweg prägen wird. Es ist der erste große Auftritt des deutschlandweit bekannten erzgebirgischen Gesangsterzetts „Geschwister Caldarelli“.1999 begingen die Caldarellis im Kreiskulturhaus Aue ihr 60. Bühnenjubiläum. Fans aus ganz Deutschland reisten an und feierten mit ihren Stars ein rauschendes Fest.“ (Programmankündigung)

Ein ganz wichtiger Partner für dieses Trio war dann der Joachim Süß:

Joachim Süß (* 22. Dezember 1932 in Crottendorf) ist ein deutscher Zither-Solist sowie Mundartsprecher und -sänger.

Der in Crottendorf lebende Süß ist einer der bekanntesten Zitherspieler im Erzgebirge. Ab einem Alter von zehn Jahren erhielt er Zitherunterricht bei Philipp Hänel. Im Alter von 14 Jahren gründete er seine erste Singgruppe, eine Instrumentalgruppe folgte zwei Jahre und schließlich 1949 das Crottendorfer Heimatterzett, das sich der Pflege erzgebirgischen Liedguts verschrieben hatte.

Seit 1954 ist er Berufsmusiker. Gemeinsam mit dem Bandoneon-Solisten Hans Friedl, den Geschwistern Caldarelli und den Geschwistern Münzberger ging er zunächst auf Tournee durch die DDR. 1965/66 war er zwei Jahre lang Zithersolist der Instrumentalgruppe Herbert Roth. Während dieser Zeit produzierte Herbert Roth mit seinem Ensemble einige von Joachim Süß geschriebene Titel für den Rundfunk.

1972 gründete er sein eigenes Ensemble Joachim Süß und sein Ensemble, mit dem er seitdem zahlreiche Auftritte absolvierte und mehrere Alben überwiegend in erzgebirgischer Mundart produzierte. Mit seinem Ensemble und seiner Enkeltochter Therese Fiedler ist er regelmäßig in volkstümlichen Fernsehsendungen wie „Su klingt’s bei uns im Aarzgebirg“ oder der „Wernesgrüner Musikantenschenke“ zu sehen und zu hören.

Süß spielte 364 Titel mit diversen Ensembles und als Solist im Studio ein, wirkte an 115 Fernsehsendungen mit und komponierte 56 Lieder (Stand Februar 2009).

Er ist verheiratet und hat zwei Kinder.

JoachimSüß
Nein, diese Musik erschließt sich mir nicht wirklich und dennoch, ich empfinde vor dieser Musik so etwas wie Respekt. Bei den Bergmannsliedern gingen mir die Arbeitsbedingungen der Bergleute im Erzgebirge (und anderswo) durch den Kopf und da muss man dann schon mal inne halten.

Und: diese Musik muss ja viele Menschen bewegt haben … früher hätte ich auf diese Musik wohl arg spöttisch reagiert haben, heute verbietet es mir eben dieser Respekt vor musikalisch anders empfindenden Menschen mich über diese Musik lustig zu machen …

Von daher: diese Musik ist Teil unseres kulturellen Erbes.

Das schöne Erzgebirge

Besetzung:
Geschwister Caldarelli
+
Joachim Süß (Zither)
Volksmusiktrio „Heiteres Erzgebirge“
Volksmusikgruppe „Alfred Wolf“, Klingenthal (bei 16.)

BackCover1Titel:
01. Arzgebirg, wie bist du schie (Günther) 3.47
02. Dr Vugelbeerbaam (Schreyer) 2.22
03. Wu de Wälder haamlich rauschen (Günther) 3.23
04. Vergass dei Haamit net (Günther) 3.16
05. De Beerkinner (Kaufmann) 2.39
06. Schwammemarsch (Lattermann) 2.10
07. Arzgebirg Haamitland (Stoll) 1.39
08. Erzgebirgisches Wanderlied (Richter) 2.38
09. Neuer Anbruch (Bergmannslied) (Kauß/Wagner-Buchholz) 1.30
10. Wenn schwarze Kittel scharenweis‘ (Bergmannslied) (Traditional) 1.53
11. Wenn das Glöcklein drei tut läuten (Erzgebirgisches Berglied) (Traditional) 2.40
12. Glück auf, ihr Bergleut‘ jung und alt (Bergmannslied) (Traditional) 2.19
13. Erzgebirgisches Ketschellied (Friedl) 1.57
14. Im Berggasthaus (Süß) 2.29
15. Kirmes-Tanzlied (Walther/Richter) 1.55
16. Heit wolln mr noch net hamgieh (Richter) 3.02

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Die Labels der Originalausgabe aus dem Jahre 1969

Verschiedene Interpreten – Think ! Pop Progress `71 (1971)

FrontCover1.JPGDas war ein ganz und gar entscheidender Tag für mich – im Jahr 1971: Der Postbote klingelte und lieferte dieses Doppel-Album ab … und ich kam mir vor, als wäre Weihnachten und Ostern auf einen Tag gefallen; ich freute mich wie ein Schnitzel, denn: Erstmalig wurde ich vor einer Plattenfirma mit einem kostenlosen Musterexemplar beliefert, denn: ich war der Musikredakteur einer Schülerzeitung !!!

Unter dem plakativen Titel „Think ! Pop Progress `71“ präsentierte die Ariola, was damals so als englischsprachige Underground- ProgRock Musik auch unter das deutsche Volk gebracht werden sollte.

Und dieses Album enthielt ganz viel Licht, gelegentlich natürlich aber auch Schatten. Aber der Reihe nach:

Procol Harum: Whisky Train: Ungewohnt knackig-rockig … für diese Würzung sorgte damals der noch blutjunge Robin Trower … geht heute noch tierisch ab.

Gary Wright: Get On The Right Road: Nach dem Split von Spooky Tooth starte Gary Wright seine Solokarriere … wie geschmackvoll er das anging, davon kann mansich heute noch davon überzeugen.

Black Pearl: Hermit Freak Show: Kennt kaum eine Sau … waren aber eine völlig durchgeknallte Freak-Gruppe. Hatte damals bei mir sehr viel Sympathie-Punkte. Und dann schrieb mir doch glatt einer dieser Band im Jahr 2015 in einem anderen blog:

Hi, Thanks for the review of what became a rocket ride for a time with Black Pearl. Its as close to a real bio I have come across and most are looney. I was a fouding member (Tom Mulcahy) and have the website along with others from the band. Thanks again for the nice bio….We were nutty as fruitcakes and played as it came to us with no rehearsals but were skilled enough to pull it off. No one ever saw a dime. LOL

Da habe ich mich aber gefreut !

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Und so sahen dann die dazugehörigen LP´s aus (Teil 1)

The Move: Turkish Tram Conductor Blues: Klar der durchgeknallte Roy Wood und seine Mannen: Krachend, vordergründig plump … Prädikat: astrein !

Humble Pie: Big Black Dog: Waren damals schon meine Helden, wobei ihre Single „Big Black Dog“ eher unterdurchschnittlich war.

Supertramp: Nothing To Show: Die spielten damals noch öfters im Münchner PN-Club, waren noch völlig unbekannt … hier mir einem schwungvollen Stück aus ihrer Frühphase mit experimentellen Einschüben.

Paul Brett’s Sage: 3 D Mona Liza: Diese Aufnahme hat mich damals ektrifiziert und seitdem folge ich den Spuren des großartigen Paul Brett. Ein bis heute völlig zu Unrecht unterbewerteter Gitarrist … insbesondere auf der 12saitigen akustischen Gitarre war und ist er ein Ass ! Ihr „3 D Mona Liza“ hat bis heute eine magisch-spirituelle Dimenson.

Fair Weather: You Ain’t No Friend: Nun ja, mit dem Andy Fairweather-Low halt … Für seine Verhältnisse ne ganz gute Aufnahme.

Jimi Hendrix: Opening Jam (The Sunshine Of Your Love): Ein Livemitschnitt aus der Royal Albert Hall … leider nur zur Hälfte ausgespielt … Aber der Anfang fett … so war er halt, der Jimi Hendrix

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Man: Sudden Life: Die wurden später deutlich besser, hatten da jahrelang so eine Art Kultstatus. Ihre späteren Aufnahmen überzeugten mich mehr.

Elton John: Take Me To The Pilot: Mit dem wurde ich nie warm, wobei dieser Song durchaus seine Qualitäten hat.

The Falcons: Fire Higher Than The Mountain: Die Gruppe bestand aus 2 Schotten und 2 Franzosen und sie machten ihre Sache richtig gut … Ihr Album „Fever“ hatte Potential und aus den Burschen hätte noch was werden können … aber … all we are is dust in the wind … für mich eine damals wichtige Entdeckung.

Titus Groan: Open The Door Homer: Eine dieser typischen neuen Bands von der Insel … hier mit einer feinen Interpretation eines eher unbekannten Dylan-Songs … Später musste ich mir dann auch die dazugehörige LP besorgen.

T. Rex: Jewel (Bolan): Mit dem Marc Bolan kam ich auch nie so recht klar … bei Licht betrachtret ist „Jewel“ jedoch gar keine so schlechte Nummer.

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Und so sahen dann die dazugehörigen LP´s aus (Teil 2)

Und dann die Seite vier … die mich heute noch vom Hocker haut:

Status Quo: Is It Really Me? Gotta Go Home: Tja … wenn ich jetzt berichte, dass dieser Song, zumindest Teil 1 „Is It Really Me?“ der erste Song war, den ich meiner ersten Band „Dying Sun“ spielte … ist eigentlich alles gesagt. Status Quo in ihrer Frühphase. Unsere Fassung war natürlich deutlich besser, vor allem weil der Norbert bei diesem Song eine schweinegeile Orgel spielte … den 2. Teil „Gotta Go Home“  haben wir uns dann gespart … so schnell waren wir damals auf unseren Instrumente nun auch wieder nicht.  Und neulich habe ich den Riff von diesem Song wieder mal gespielt, allerdings mit so einer heftig verzerrten Gitarre … klang saugut !

Lee Michaels:  What Now America: Erstmalig entdeckte ich mit Lee michaels auch die nachdenklicheren Töne und vor allem Texte … Sein „What Now America“ ist eine schier verzweifelte Reflexion über jenes USA der späten60er/frühen 70er Jahre, die uns alle ein wenig verzweifeln ließ.

Strawbs: Where Is The Dream Of Your Youth: Nicht minder nachdenklich dann diese Komposition … Und erneut so eine dieser hypnotische-magischen Kompositionen dieser Jahre … als Solist dann ein entfesselter, junger Rick Wakeman an der Orgel … und er zitiert dann auch gleich seinen Kollegen Keith Emerson mit einem kurzen „America“ Zitat.

Wake up one day, you’re left alone
From now on you’re on your own
The sands of time are running low
You’ll have nothing left to show
The months slip by and change to years
Soon the twilight gloom appears
And then one day before you know
You’ll have nothing left to show.
Where is this dream of your youth.
The pictures on the walls are shaking
They can hear the storm a-breaking
Storms may come and storms go
You’ll have nothing left to show
They can hear the earth a-quaking
Buildings come and buildings go
You’ll have nothing left to show.
Tomorrow brings another dawn
It might be better from now on
Before too long that day will go
You’ll have nothing left to show
You’ll have nothing left to show
You’ll have nothing left to show
You’ll have nothing left to show.
Where is this dream of your youth ?

Tja … Where is this dream of your youth ? … Damals war die Frage eher akademisch, heute hingegen …

Nun ja …damals habe ich natürlich für die Schülerzeitung eine Kritik zu dieser LP geschrieben und fortan war es um mich geschehen. Ich wurde Plattensammler und heute besitze ich all die LP´s , die auf diesem Album mit jeweils einer Nummer angespielt wurde. Die Ariola Macher hatten also bei mir durchschlagenden Erfolg *ggg*

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Das Doppel-Album wurde mit einem aufwendigen ausklappbaren Booklet ausgestattet … ein Bild daraus habe ich wohl mal ausgeschnitten …

Wer sich dieses Album heute also noch antun will, bzw. anhören will, der bekommt einen verdammt guten Eindruck, was damals in unseren Kreisen so als Geheimtipp gehandelt wurde.

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Titel:
01. Procol Harum: Whisky Train (Trower/Reid) 4.31
02. Gary Wright: Get On The Right Road (Wright) 3.22
03. Black Pearl: Hermit Freak Show (Benson/Causi/Fieldings/Morris/Mulcahy/O’Connor) 4.02
04. The Move: Turkish Tram Conductor Blues (Bevan) 4.48
05. Humble Pie: Big Black Dog (Marriott/Frampton(Ridley Shirley) 4.02
06. Supertramp: Nothing To Show (Davies/Hodgson/Palmer) 4.46
07. Paul Brett’s Sage: 3 D Mona Liza (Voice) 3.17
08. Fair Weather: You Ain’t No Friend (Fairweather-Low) 5.33
09. Jimi Hendrix: Opening Jam (The Sunshine Of Your Love) (Bruce/Brown/Clapton) 3.32
10. Man: Sudden Life (Leonhard/John) 4.11
11. Elton John: Take Me To The Pilot (John/Taupin) 3.41
12. The Falcons: Fire Higher Than The Mountain (Thompson/Rogers/Perrant/Masselon) 2.25
13. Titus Groan: Open The Door Homer (Dylan) 3.23
14. T. Rex: Jewel (Bolan) 2.48
15. Status Quo: Is It Really Me? Gotta Go Home (Lancaster) 8.20
16. Lee Michaels: What Now America (Michaels) 3.16
17. Strawbs: Where Is The Dream Of Your Youth (Cousins) 9.01

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What now America
your children all are gone.
What now America
your children know you’re wrong.
Making fortune your unity in the shows.
The twisted man is out they surely know.
It has begun you cannot stop it now.
What now America
your children all are gone.
What now America
your children know you’re wrong.
You won the race, now you’re on the move.
You waved the flag, and now the rat has grew.
And all the same you know that you are due.
What now America
your children all are gone.
What now America
your children know you’re wrong.
You change the laws trying to hold on.
But it’s too late, they are gone.
It won’t be long you know you’re losing now.
You gonna lose it.
You gonna lose it now.

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