VA – Electric Underground (1969)

FrontCover1.jpgHier ein weiterer Sampler aus jenen wilden Jahren, die viele von uns ganz schön geprägt haben … und dieser ist ganz besonders reizvoll und interessant, weil er voll mit obskurem Zeug ist.

Das lag wohl vor allem daran, dass das Liberty Label wohl meinte, nicht genügend internationale Acts zuhaben und so entsann man sich auf eine damals sehr beliebte Methode.

Man ließ einfach unbekannte Coverbands internationale Hits nachspielen.

Den Anfang machte dabei die Gruppe „The Sunset Music Corporation“ mit ihrer Fassung von „Born To Be Wild“ (Kategorie: dürftig).

Es folgen dann aus der Kategorie so la la „Whole Lotta Love“ („Widow) und „The House Of The Rising Sun“ („Talk, da hatte wohl der Les Humphries sein Pfoten drin).

Den Don Adams (02.Mai 1942 – 24. Juni 1995) gab´s in echt ; er war ein schottischer Jazz, Blues und Soul-Sänger, der hier in Deutschland Wurzeln schlug, vermutlich weil er als Mitglied des deutschen „Hais“ Ensembles ein wenig erfolgreich war.

Naja, und gleich ein paar Klassen besser waren dann „Motherood“ mit ihrer „Cream“ Version von „I feel Free“ … kein Wunder, der „Motherhood“ war ein Zwischenschrit von Klaus Doldinger, bevor er dann mit „Passport“ endgültig abhob.

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Motherhood

Und wenn man die Besetzungsliste der damaligen Motherhood liest, da kann es einem nur warm um Herz werden:

Klaus Doldinger (saxophones, clarinet, keyboars) – Paul Vincent (guitar) – Lothar Meid (bass) – Udo Lindenberg (drums, vocals).

Die Spencer Davis Group war damals hingegen bereits im Sinkflut (sie lösten sich 1969) auf, aber immerhin können sie mit einem gewissem Stolz darauf verweisen, dass ihr „Don’t Want You No More“ kurze Zeit später dann von der Allman Brother Band gecovert wurde und diese Version ist dann doch deutlich besser als das Original.

Auch die Petards  gab´s wirklich (ich weiß beim besten Willen nicht, warum ich die bisher hier so sträflich vernachlässigt habe). Mit „Pretty Liza“ hatten sie einen ihren größten Erfolge. Sie kamen übrigens aus dem nordhessischem Willingshausen bei Schwalmstadt.

Und der Underground zieht dann endlich mit Kim Fowley ein. Und auch die The Easybeats, hatten damals ihren Zenit längst +übershritten, aber die waren schon mal ne dufte Band.

Also, jede Menge rares Zeug hier präsentiert, und das nicht mal für nen Appel und Ei … Also: Soundforscher aufgepasst !

So können wir dann zu guter Letzt auch Damnation Of Adam Blessing, eine arg unbekannte Band aus Ohio hören.

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Titel:
01. The Sunset Music Corporation: Born To Be Wild (Bonfire) 2.44
02. Widow: Whole Lotta Love (Page/Plant/Jones) 3.57
03. Don Adams: Degeneration (Waldron) 2.47
04. Talk: The House Of The Rising Sun (Traditional/Menke/Lennon/Humphries) 3.27
05. The Motherhood: I Feel Free (Bruce) 4.02
06. Damnation Of Adam Blessing: Last Train To Clarksville (Boyce/Hart) 3.00
07. The Spencer Davis Group: Looking Back (Davis/Sawyer) 3.44
08. The Petards: Pretty Liza (K.Ebert/E.Ebert) 2.34
09. Kim Fowley: Bubble Gum (Fowley/Cerf) 2.27
10. The Spencer Davis Group: Don’t Want You No More (Davis/Hardin) 3.08
11. The Motherhood: Back In The Grass (Nero) 2.35
12. The Easybeats: I Can’t Stand It (Williams/McPherson) 2.55

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Und auch diese Präsentation war nur möglich durch die tatkräftige Untersützung des werten Herrn Ärmel. Dafür ein herzliches Dankeschön !

Kenny Ball & His Jazzmen – In Berlin (1969)

FrontCover1Und schon wieder so ´ne Platte, die eigentlich gar nicht hierher gehört aber dennoch hier präsentiert wird.

Und der spezielle Grund ist diesmal, dass der Kenny Ball & His Jazzmen am 10, September 1968 einen Liveauftritt im Friedrichstadt-Palast, Berlin hattenund Amiga Records diesen Auftritt mitgeschnitten hatten und daraus 2 Langspielplatten fabrizierte.

Hier ist der erste Teil dieser Aufnahmen.

Kenny Ball (1930 – 2013):
Im Unterschied zu seinen Kollegen war Kenny Ball ursprünglich nicht am New Orleans Revival sondern vielmehr an einer moderneren Spielhaltung in der Art der unvergessenen Armstrong All Stars – inkl. Jazzversionen von populären Melodien – interessiert. Exakt damit kletterte die1958 gegründete Band auf der Erfolgsleiter nach oben und erzielte 1962 mit ‚Midnight in Moscow’ den internationalen Durchbruch – und gleichzeitig ihre erste Goldene Schallplatte.  (Quelle: jazztage-dresden.de).

Kenny Ball ist für mich hinsichtlich des Erfolges der „kleine Bruder“ von Chris Barber (Barber war ein wenig innovativer) und hier lääßt sich feststellen, dass seine Jazzmen wirklich im Schweinsgalopp spielen können.

Traditional Jazz der höchst vergnüglichen Art und es mag so gar stimmen, wenn über diese LP geschrieben wird:

„Unter Kenny Balls rund 50 LP‘s/CD‘s rangiert nach Meinung der internationalen Fachkritik die 1968 in Ostberlin entstandene AMIGA-Konzertproduktion (Friedrichstadtpalast) an oberster Stelle unter den Live-Aufnahmen!“ (Quelle: jazztage-dresden.de)

Und ich hätte gerne mehr Einblick in die Phasen der Entscheidungsfindung der damaligen Kulturverantwortlichen, welche der „ausländischen“ Bands man nach Berlin eingeladen hat. Scheint mir schon ein spannendes Kapitel zu sein.

Meines Wissens sind diese Aufnahmen nur in der DDR erschienen.

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Kenny Ball & His Jazzmen (1969)

Besetzung:
Kenny Ball (trumpet, vocals)
John Bennett (trumpet)
Ron Bowden (drums)
Andy Cooper (clarinet, vocals)
Paddy Lightfood (banjo, vocals)
Vic Pit (bass)
Ron Weatherburn (trombone)

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Titel:
01. Muskrat Rumble (Ory/Gilbert) 4.00
02. Ain’t Misbehavin‘ (Waller/Brooks/Razaf) 4.00
03. Tin Roof Blues (Brunies) 6.59
04. Shinem (Traditional) 4.13
05. Midnight In Moscow (Solowjow/Sedoi) 2.58
06. Bourbon Street Parade (Barbarin) 3.33
07. Avalon (Rose/Jolson/DeSylva) 7.33
08. I Shall Not Be Moved (Traditional) 2.48
09. Georgia Swing (Morton/Pecora) 4.11

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Verschiedene Interpreten – Gala-Show der Stars (1970)

FrontCover1.JPGUnd wieder einmal eine dieser sog. Benefiz-LP´s der 70er Jahre …

Wir schreiben das Jahr 1970 und bei dieser LP geht es darum, die „Deutsche Sporthilfe“ zu unterstützen. Klar, es ging um die Vorbereitung auf die Olympischen Sommerspiele 1972 in München … da wurde dieses Ereignis gepusht wie sonst noch was.

Und deshalb schreibt auch der schleimige und „ehrenwerte“ Herr Josef Neckermann ein paar Zeilen. Zur Erinnerung:

Am 15. September 1935 wurden die Nürnberger Rassengesetze erlassen. Jüdische Kaufleute wurden dadurch sowohl persönlich als auch unternehmerisch unter Druck gesetzt und deren Unternehmen auf legale Weise zu Spottpreisen „arisiert“. Neckermann profitierte mehrfach von diesen Zwangsverkäufen:

Josef Neckermann ließ sich von seiner Mutter seinen Erbanteil an der Kohlenhandlung in Höhe von 200.000 Reichsmark (RM) auszahlen. Am 25. Oktober 1935 übernahm er vom jüdischen Unternehmer Siegmund Ruschkewitz (1871–1940)[2] für 100.000 RM (wovon durch Neckermann nur 46.000 RM auf ein Sperrmark-Konto überwiesen wurden)[3] dessen 1898 gegründetes und wenig später in der Würzburger Schönbornstraße[4] befindliches Textilkaufhaus sowie das Niedrigpreisgeschäft Merkur mit insgesamt 130 Angestellten und 60 Außendienstmitarbeitern unter Übernahme der Schulden und Hypotheken. Die Warenhausbranche steckte in diesen Jahren in der Krise und der Kaufpreis lag deutlich unter dem Wert des Unternehmens.

Neckermann war 1933 der Reiterstaffel der SA beigetreten und wurde 1937 mit der Mitgliedsnummer 4.516.510 in die NSDAP aufgenommen. Im Jahr darauf entstand durch Arisierung des Unternehmens von Karl Amson Joel, (dem Großvater des US-amerikanischen Singer-Songwriters Billy Joel und des Dirigenten Alexander Joel) – er hatte sich in Nürnberg und in Berlin ein florierendes Textilherstellungs- und -versandunternehmen aufgebaut – die Wäsche- und Kleiderfabrik Josef Neckermann.

Neckermann drückte den Kaufpreis und richtete beim Bankhaus Hardy & Co. in Berlin ein Treuhandkonto auf – wie sich im späteren Wiedergutmachungsprozess herausstellte – seinen eigenen Namen ein. Neckermann begründete dies damit, dass er das Geld vor dem Zugriff der NSDAP schützen wollte. Der mittlerweile in die Schweiz geflüchtete Joel klagte auf Auszahlung des Geldes, die Klage wurde aber mit der Begründung abgewiesen, er sei „Devisenausländer“.

Neckermann besaß damit das viertgrößte deutsche Textil-Versandhaus (nach Quelle, Witt Weiden und Schöpflin). Mit den Unternehmen Joels übernahm Neckermann auch den Mietvertrag von dessen Villa in der Tannenbergallee im Berliner Westend, die er mit seiner Frau Annemarie Neckermann bezog. (Quelle: wikipedia)

Das nur so am Rande … aber unerwähnt lassen wollte ich diese Fakten nicht.

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Nun gut … wir hören hier ausschließlich „Stars“ aus dem Hause Decca/Telefunken:

Die meisten davon kann man in die Kategorie „abgehalfterte Schlagersternchen“ einordnen … das gilt natürlich nicht für die Knef die hier gleich zweimal vertreten ist. Und auch die Valente war alles andere als ein kurzfristiger Erfolg.

Aber dann treten u.a. auf: Die Peggy March (die fand ich damals Klasse), Manuela (deren Frühwerke Mitte der 60er Jahre hatten wirklich Pfiff) und die France Gall (nun ja … die fand ich als 15jähriger auch nicht schlecht *ggg*).

Der Ronny ist auch vertreten und eine Tanja Berg zelebriert die deutsche Version des Gassenhauers „Na Na Hey Hey Goodbye“ …

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11 der 12 Songs erschienen übrigens auch als Single, nur die „Schiwago Melodie“ in der Fassung von Martin Böttcher gab´s damals nur auf einer LP (zumindest mein jetziger Kenntnisstand) … da damals lauschenden Damen war das sicherlich gleichgültig, denn zum Schmelzen brachte sie diese Melodie auch so.

Gleiches gilt wohl für den ersten Peter Maffay Hit „Du“ … der hier ja neulich schon mal sehr kritisch bewertet wurde. Nicht ganz zu Unrecht … aber ich gestehe freimütig … damals hörte ich mir den Songs heimlich, ganz heimlich an (bevor ich dann wieder „Paranoid“ von Black Sabbath auflegte …) er wecke in mir als eben 15jährigen Knaben furchtbare Sehnsüchte nach der ewigen, allumfassenden Liebe … nun ja … das Leben hat mich natürlich eines anderen gelehrt … aber ich gestehe nicht minder freimütig: selbst heute noch lösen diese Zeilen (und die entsprechende Musik) in mir … sentimental-kitschige Emotionen rühren sich und der sentimentale Hund in mir, beginnt mit dem Schwanz zu wedeln (das soll jetzt allerdings kein obszöne Metapher sein …).

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Schwamm drüber.

Solche Benefiz LP´s haben ja auch immer wieder aus heutiger Sicht ein paar Raritäten zu bieten,so auch hier:

Da ist zum einen ein „Michelangelo“: Der heißt eigentlich Rainer Limpert:

Michelangelo, bürgerlich Rainer Limpert, (* 10. Mai 1946 in Binenwalde, Gühlen-Glienicke) ist ein deutscher Schlagersänger.

Rainer Limpert besuchte das Gymnasium bis zur Obersekunda und absolvierte dann die MichelangeloAusbildung zum Buchhändler. In Frankfurt am Main nahm er Gesangsunterricht und wirkte in der Pop-Band seines Bruders mit.

1969 veröffentlichte er seine erste Single Sie trägt blau, blau, blau und trat mit seinen Begleitmusikern als Michelangelo and his Group damit am 18. Oktober 1969 in Dieter Thomas Hecks ZDF-Hitparade auf. Die Singles Sie trägt blau, blau, blau und Wie ein Feuerwerk schafften es in die „Top 20“ der Zeitschrift Musikmarkt. 1971 konnte er seinen Titel Du bist meine Liebe zwei Wochen lang in den niederländischen „Top 40“ platzieren und erreichte dort Platz 22. Am 13. September 1971 trat er im ZDF-Magazin Die Drehscheibe als Sänger auf. Außerhalb der Niederlande erzielte er keine Charterfolge. Ein Tag mit Maria wurde ebenfalls von Michael Holm 1972 veröffentlicht.

Als 1971 Gunter „Yogi“ Lauke auf Anfrage von Albert-Carl Weiland (SR) Sänger für das Gesangsensemble Family Tree suchte, holte er Limpert mit ins Boot. Limpert sang bis zur Auflösung 1975 bei der Formation. (Quelle: wikipedia).

Er bracht es wohl auf insgesamt 8 Singles und hier macht er seine Sache gar nicht mal so schlecht.

Und dann haben wir noch eine gewisse Kirsti (Sparboe) … und stammte aus Norwegen:

Kirsti Sparboe (* 7. Dezember 1946 in Tromsø) ist eine norwegische Schlagersängerin und Schauspielerin.

Nach einer kaufmännischen Lehre arbeitete sie als Sekretärin. Sie trat in einer Tanzkapelle auf, nahm Gesangsunterricht und erhielt mit 17 Jahren ihren ersten Schallplattenvertrag. Bereits mit ihrer ersten Single Ballerina war sie 1964 in Norwegen und Schweden erfolgreich. 1965 nahm sie mit Karusell erstmals für Norwegen am Eurovision Song Contest teil, blieb aber ohne Erfolg wie auch bei ihren Teilnahmen 1967 und 1969.

KirstiEnde der 1960er Jahre kam sie unter dem Namen „Kirsti“ mit ihren von Telefunken produzierten Schlagern auch in die deutsche Hitparade. Ihren größten Erfolg hatte sie in der Bundesrepublik mit dem Titel Ein Student aus Uppsala, womit sie 1969 14 Wochen lang in den deutschen Charts vertreten war. 1970 beteiligte sie sich mit Pierre, der Clochard an der deutschen Vorentscheidung für den Grand Prix, konnte sich jedoch nicht qualifizieren. Mit den Singles Die treuen Husaren, Herzklopfen, Ich hab’ in Essen mein Herz vergessen, Pierre, der Clochard, Mr. Christopher Brown und Napoleon und Josephine konnte sie sich noch in einigen Rundfunk-Hitparaden platzieren. Sie wirkte auch in einigen Filmproduktionen mit. (Quelle: wikipedia)

Die konnte sich übrigens wesentlich länger halten … Bis in die 80er Jahre veröffentlichte LP`s und Singles.

Aber jetzt hinein ins Vergnügen, frei nach dem Motto:

Was so alles geschieht,
in der Carnaby Street,
und ein Carnaby Boy
spielt auf seiner guitar
für die Leute ein Lied
in der Carnaby Street.

Was so alles geschieht,
ja die Girls und die Boys
kommen raus aus dem Haus,
denn sie hören den Beat
in der Carnaby Street.

Allen geht der Beat in die Beine,
und die Melodie geht ins Ohr,
ja und alle denken das eine.
Das gibt es nur in der Carnaby Street.

Was so alles geschieht
in der Carnaby Street,
ja die Girls und die Boys
pfeifen alle das Lied
auf der Carnaby Street.

Was so alles geschieht
in der Carnaby Street,
ja die Girls und die Boys
zahlen gerne den Preis
und sie kaufen den Hit
auf der Carnaby Street.

la la la la …

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Titel:
01. Peggy March: In der Carnaby Street (Mayer/Bradtke) 3.05
02. Michelangelo: Wie ein Feuerwerk (Siegel/Sondock) 2.38
03. Caterina Valente: Tausend rosarote Pfeile (Little Arrows) (Hammond/ Hazelwood/Henning) 2.45
04. Peter Maffay: Du (Orloff/Kunze) 3.28
05. Hildegard Knef: Eins und eins, das macht zwei (Niessen) 2.53
06. Tanja Berg: Na Na Hey Hey Goodbye (de Carlo/Frashmur/Leka/Holm) 3.20
07. Hildegard Knef: Für mich soll’s rote Rosen regnen (Hammerschmid/Knef) 3.12
08. France Gall: A Banda (de Hollanda/Weyrich/Conta) 2.53
09. Manuela: Wenn du liebst (Heider/Relin) 3.59
10. Martin Böttcher: Schiwago-Melodie (Jarre) 2.12
11. Kirsti: Ein Student aus Uppsala (Mayer/Buschor) 2.17
12. Ronny: Nun leb wohl (Roloff/Hee) 2.55

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Die deutschen Medaillengewinner bei den Olympischen Spielen 1968 in Mexico City:

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In Memoriam: Julia Edenhofer (1946 – 2018)

Leider habe ich erst heute davon erfahren:

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Julia Edenhofer (* 14. Dezember 1946 in München; † 29. Dezember 2018) war eine deutsche Buchautorin und Hörfunkmoderatorin beim Bayerischen Rundfunk.

Nach dem Studium der Werbewissenschaften ging Julia Edenhofer zum Bayerischen Rundfunk. Bereits 1968 war sie als Sprecherin an der Sendung Club 16, einer beliebten wochentäglichen Radioshow auf Bayern 2, beteiligt. Von 1971 bis 1992 war sie Moderatorin von Radiosendungen auf Bayern 3 wie Frisch aus der Presse, Goldtimer, Meet the Beat und The Worlds Best Music. 1976 führte sie gemeinsam mit Thomas Gottschalk durch die Fernsehsendung Szene ’76. 1979 wurde sie festangestellte Musikredakteurin bei BR3, wo sie für die Programmgestaltung von Sendungen wie Hitkiste, Morgentelegramm und Radiotime verantwortlich war. Außerdem moderierte sie neben Georg Kostya die populäre Oldiesendung The Beat goes on in den 1980er Jahren.

Edenhofer schrieb erfolgreiche Lexika über Oldies, Rock- und Popmusik, aber auch Bücher über Stars wie Madonna, Sasha, Blümchen, George Clooney und Bruce Springsteen. Daneben betätigte sie sich regelmäßig auch als Übersetzerin. Edenhofer starb nach langer Krankheit am 29. Dezember 2018 im Alter von 72 Jahren. (Quelle: wikipedia)

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Julia Edenhofer mit der Gründungsmannschaft vom „Club 16“: Walther von La Roche (rechts) und Rüdiger Stolze

Julia Edenhofer, über viele Jahrzehnte beliebte Moderatorin und Musikredakteurin des Bayerischen Rundfunks sowie Verfasserin viel gelesener Musikliteratur, ist am 29. Dezember 2018 in München gestorben. Dies berichtet der „Münchner Merkur“ in seiner Ausgabe vom 3. Januar. Nach Angaben des Blattes trauern ehemalige Kollegen um die Musikexpertin, die im Alter von 72 Jahren einer schweren Krankheit erlegen ist. Peter Machac (79): „Ich habe Julia vor ein paar Monaten getroffen, da sah sie bereits sehr schlecht aus und war mitten in der Chemo-Therapie.“ Fritz Egner (69) bescheinigt ihr „ein profundes Wissen im Bereich gehobener Popmusik, eine akribische Recherche für ihre Sendungen und großes Engagement“.

edenhofer01Julia Edenhofer liebte die Popmusik, war geprägt von der sehr lebendigen Szene der 1960er und 1970er-Jahre. Und machte ihre Passion zum beruflichen Mittelpunkt. Nach dem Studium der Werbewissenschaften ging sie zum Bayerischen Rundfunk. Bereits 1968 war sie als Sprecherin an der Sendung „Club 16“, einer wochentäglichen Radioshow auf Bayern 2, beteiligt. Von 1971 bis 1992 war Edenhofer Mitarbeiterin der ersten Stunde bei BAYERN 3 und Moderatorin von Sendungen wie „Frisch aus der Presse“, „Goldtimer“, „Meet The Beat“ oder „The Worlds Best Music“. 1976 führte sie gemeinsam mit Thomas Gottschalk durch die Fernsehsendung „Szene ’76“. 1979 wurde Julia Edenhofer festangestellte Musikredakteurin bei BR3, wo sie für die Programmgestaltung von Sendungen wie „Hitkiste“, „Morgentelegramm“ und „Radiotime“ verantwortlich war. Außerdem moderierte sie neben Georg Kostya die Oldieshow „The Beat Goes On“ in den 1980er Jahren. Ab 1992 war sie auf BAYERN 1 mit weiteren Musiksendungen wie „Gute Nacht Freunde“ zu hören.

Julia Edenhofer schrieb zahlreiche Nachschlagewerke über Oldies, Rock- und Popmusik, aber auch Bücher über Stars wie Madonna, Sasha, Blümchen, George Clooney und Bruce Springsteen. Daneben betätigte sie sich regelmäßig auch als Übersetzerin.

Daniela Arnu von Hörfunkdirektion des Bayerischen Rundfunks: „Wir erinnern uns an eine Frau, deren Leidenschaft das Radio und vor allem die Musik war. Die Nachricht von ihrem Tod stimmt uns traurig.“ (Quelle: radioszene.de)

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Die Bücher der Julia Edenhofer

Mir selbst war sie in den Jahren 1969 bis ca. 1973 eine treue Wegbegleiterin, später driftete sie dann für meinen damaligen Geschmack zu sehr in die seichteren Gefilde der Popmusik.

Dennoch: sie war ja nicht nur die erste Pop-Moderatorin im Bayerischen Rundfunk sondern eben für viele auch eine Kultmoderatorin.

Und zur Erinnerung gibt´s hier nun eine ihrer beliebten „Club 16“ Sendungen aus dem Jahr 1969.

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Kleiner Rückblick: Selbst der Bayerische Rundfunk gab sich progressiv (hier: Werbeplakate aus dem Jahr 1971)

Titel:

01. Julia Edenhofer – Club 16 (1969) (52.18)

  • Bobby Chandry – I Never Fall In Love Again
  • Electric Indian – King-O-Sape
  • Dionne Warwick – You’ve Lost That Lovin‘ Feeling
  • Bobby Taylor – My Girl Has Gone
  • The Blue Cheer – I Want My Baby Back
  • The Rhinozeros – I Need Love
  • Cliff & Henk – Throw Down The Line
  • Gloomys – Winds Of Change
  • Dave Dee & Co. – Zabadak
  • Lulu – Love Loves To Love Love
  • Rolling Stones – We Love You
  • Manfred Mann – Haha Said The Clown
  • The Who – Pictures Of Lilly
  • Jackie DeShannon – Put A Little Love In Your Heart
  • Oliver – Good Morning Starshine
  • Joe South – Heart´s Desire
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Julia Edenhofer im Jahr 2014 (Schaut so eine Pop-Moderatorin aus ?)

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Udo Jürgens – Stagione + Se Tu Sapessi (1969)

FrontCover1Ich mache ja gar keinen Hehl daraus, dass ich Udo Jürgens für den bedeutendsten Schlager-Sänger aus deutschen Landen halte (und dementsprechend häufig taucht er hier ja auch auf *ggg*) Nicht nur, weil er als einer der wenigen die Kunst der Komposition wie kaum ein zweiter beherrscht, nein auch hat er immer wieder mit seinen Texten mehr zu sagen gehabt, als nur die üblichen „Herz-Schmerz“ Themen.

Und als einer der wenigen deutschsprachigen Schlagerstars konnte er auch im Ausland so ein paar Erfolge aufweisen. Ich erinnere an sein japanisches Live-Album (demnächst hier in diesem Theater) oder an seine Prduktion für die USA (zu finden hier).

Hier ein weiteres kleines Beispiel: Eine Single für den italienischen Markt aus dem Jahr 1969 mit den Titeln „Stagione“ (Jahreszeit) + „Se tu sapessi“ (Wenn du wüßtest).

Ein Udo Fan schreibt dazu folgendes:

„Eine der Kostbarkeiten von Udo Jürgens, wobei diese Single auch in Südafrika auf den Markt kam. Die beiden Lieder, bei denen er jedoch weder für Musik noch für Text verantwortlich ist, wurden jedoch ansonsten nirgendwo anders jemals veröffentlicht. Während die Italienausgabe noch da und dort erhältlich ist, bleibt die Südafrika-Single eine kleine Rarität.“

Auch wenn die Kompositionen nicht von ihm sind, bemerkenswert sind sie dennoch: Herrliche schwelgend-schmalzige Melodien die Udo Jürgens mit seinem ganz besonderen Timbre veredelt.

Nicht nur die Komponisten stammten aus Italien, auch das Orchester Willy Brezza war italienisch und es war gar nicht seine erste Single in italienisch. Bereits veröffentlichte die italienische Fassung von „Warum nur, warum“ unter dem Titel: „Peccato che sia finita cosi“.

Nun denn, nachdem ich eine gewisse Neigungen für kleine Raritäten-Sammlungen habe, kann ich schon mal verkünden, dass ich gerade dabei bin, eine solche Raritäten-Sammlung von Udo Jürgens zu erstellen … da warten noch ein paar Schätzchen.

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Heute wäre der Glimmstengel tabu …

Besetzung:
Udo Jürgens (vocals, piano)
+
Orchester Willy Brezza

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Willy Brezza (1935 – 1996)

Titel:
01. Stagione (Musy/Berti/Gigli) 3.33
02. Se Tu Sapessi (Polidori/Brezza) 2.56

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Italienische Autogrammkarte

Verschiedene Interpreten – Haare (Hair) – Originalaufnahme der deutschsprachigen Uraufführung (1969)

OriginalFrontCover1Um mal mit einem abgedroschenem Spruch zu beginnen: Jetzt wird es haarig … im Klartext: Hier geht´s um das wohl erste Rock-Musical „Hair“ und hier natürlich insbesondere um die Aufnahmen der „deutschsprachigen Uraufführung“:

Hair (im Untertitel The American Tribal Love/Rock Musical) ist ein US-amerikanisches Musical, das als Meilenstein der Popkultur in den späten 1960er Jahren gilt. Im Mittelpunkt der Handlung steht eine Gruppe der Hippie-Bewegung. Buch und Liedtexte stammen von Gerome Ragni und James Rado, die Musik ist von Galt MacDermot. Nach einer Off-Broadway-Vorpremiere im Oktober 1967 in Joseph Papp’s Public Theater begann die Produktion im April 1968 mit der Uraufführung am Broadway.

Hair gilt als eines der erfolgreichsten Musicals überhaupt und wurde in der Folge auch in zahlreichen anderen Ländern aufgeführt. Uraufführung der für Deutschland in die deutsche Sprache adaptierten Fassung Haare war am 24. Oktober 1968 in München. 1979 wurde Hair durch Miloš Forman verfilmt.

Hair erzählt die Geschichte einer Gruppe gegen das Establishment eingestellter langhaariger (daher der Name des Musicals) Hippies, die in der Stadt New York unter dem Vorzeichen des „Zeitalters des Wassermanns“ leben und lieben und sich gegen die Einberufung als Soldaten für den Vietnamkrieg auflehnen. Der frisch vom Land hinzugestoßene Claude Hooper Bukowski, die junge Frau Sheila und ihr charismatischer Zimmergenosse Berger leben in einer Dreiecksbeziehung lustvoll aber ziellos in den Tag hinein. Claude gerät, hin und her gerissen zwischen den patriotischen Impulsen seiner bürgerlichen Herkunft und den im Kreise seiner neuen Freunde erstarkten pazifistischen Idealen, in einen inneren Konflikt, denn mit Eintreffen der Einberufung muss er sich entscheiden, ob er wie die anderen den Kriegsdienst verweigern (und damit eine drohende Gefängnisstrafe und gesellschaftliche Ächtung in Kauf nehmen) oder seine pazifistischen Ideale missachtend, sich der militärischen Autorität unterwerfen, Menschen töten und sein Leben in Vietnam riskieren soll.

Hair wurde in den USA von 1967 Off-Broadway und von 1968 bis 1972 am Broadway ohne Unterbrechung aufgeführt. Das Musical war aber auch weltweit erfolgreich.

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Alternative Frontcover

In Deutschland (wie auch in England) war Hair vor Jesus Christ Superstar das erfolgreichste Musical seiner Zeit. Die deutsche Version „Haare“ lief 2 1/2 Jahre, sie war in allen deutschsprachigen Ländern ein Erfolg. Es gab Aufführungen in München, Düsseldorf, Berlin, Hamburg, Böblingen bei Stuttgart, Frankfurt, Nürnberg, Köln, Essen, Duisburg, Wien, Zürich usw. und zuletzt Ulm.

In den deutschen Aufführungen wurde die Rolle der Sheila von Su Kramer bzw. Freya Weghofer gespielt, die später die Rolle der Jeannie übernahm. Weiter traten Reiner Schöne als Berger, Ron Williams als Hud, Jürgen Marcus als Claude sowie Donna Gaines (die später als Donna Summer bekannt wurde) und Liz Mitchell als Donna auf.

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Die Münchner Truppe von „Haare“, wie das Musical auf Deutsch hieß: Mit dabei waren 1968 unter anderem Donna Summer (vorne rechts) und Ron Williams (links daneben, mit Kette)

Die Liedertexte wurden größtenteil wörtlich übersetzt von Walter Brandin, dabei teilweise jedoch an die europäischen (wie z. B. in Amsterdam, London und in Stockholm) bzw. deutschen Gegebenheiten und Mentalitäten und die deutsche Sprache angepasst.

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Plakat der Uraufführung im Theater in der Briennerstraße, München (1968)

Die deutschen Szenen und Traumbilder sind nicht in allen Teilen direkte Übersetzungen, orientieren sich aber inhaltlich an den englischen Vorbildern. Sie wurden teilweise in fast kabarettistischer Art und Weise sogar spontan tagesaktuell gebracht, wie z. B. die Generals-Szene (Peter Kern), welche die hierarchischen Strukturen der Gesellschaft verspottet. In der Väter-Mütter-Szene, Anerkennung der Jugend („Ich hab kein Geld…“), kritische Anspielungen auf Medien und Reklame („HB-Männchen“, „Mainzelmännchen“ „Touristenlady“ u. a.), „vaterlandslose Gesellen“ (die CDU hat die SPD als „vaterlandslose Gesellen“ bezeichnet). Daneben gab es lokale Anspielungen wie „Komm wir gehen auf den Ku’damm Wessis erschrecken…“ und viele andere. Insofern war Hair weniger ein Musical mit fortlaufender Handlung (wie im Film) als mehr ein Rock-Kabarett mit aufeinanderfolgenden Songs und Szenen ohne besondere Örtlichkeit. Auch daher rührte der Erfolg der drei deutschsprachigen Ensembles. (Quelle: wikipedia)

Tja, dieses Musical hat damals wohl wirklich für Furore gesorgt:

Das Musical, 1968 in New York uraufgeführt, kam 1969 nach Deutschland und traf den Nerv der Zeit. Allein schon der Wunsch, Hair zu besuchen, löste bei Eltern und Erwachsenen Stürme der Entrüstung hervor.
„In dem Musical Hair artikuliert sich der Protest der Jugend gegen Krieg und Wehrdienst, gegen Intoleranz, Brutalität und Entmenschlichung. Gezeigt wird das Hippie-Dasein als mögliche Lebensform, in der Liebe, Glück und Freiheit des Einzelnen dominieren. Der Protest der Hippies gegen erstarrte Gesellschaftsformen und Auswüchse menschlicher Unzulänglichkeit und Hybris vollzieht sich stets im Rahmen der Gewaltlosigkeit. Wenn Hippies ihren Gegnern und Feinden Blumen schenken so hoffen sie auf die heilsame Wirkung dieser Geste der Sanftheit. Zu Recht tragen sie deshalb den Namen Blumenkinder.“ (Dr. Rolf Cyriax)

Nun, natürlich darf man sich über die Naivität jener Hippiephilosophie amüsieren, aber wenn ich mich gerade im Januar 2019 so in der Welt umschaue, dann wünscht man sich schon ein wenig, dass die Welt ein wenig mehr von dieser „naiven“ Friedfertigkeit hätte …

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Und deshalb gestatte ich es mir auch, beim mehrfachen hören dieses Musicals ein paar Tränchen auf die Reise zu schicken …

Und weil ich mich halt weiterhin dafür interessiere … wie auch dieses Ereigniss damals publistisch verarbeitet wurde … habe ich dieser Präsentation ein paar Artikel beigelegt:

Besprechungen zur Urauffführung aus „Der Zeit“ und „Der Spiegel“ … sowie eine Erinnerung des zeitgeschichtlichen Archivs des WDR sowie eine Erinnerung an die Uraufführung aus dem Jahr 1968 anlässlich eines Remakes des Musicals im Jahre 2013 und zwar ebenfalls in München.

SingleAuskoppelungen

Besetzung:
Ann: Ann Helstone
Barbara: Barbara Eff
Berger: Reiner Schöne
Charlie: Charles Berry
Claude: Bernd Redecker
Crissy: Birgit Rüssmann
Donna: Donna Gaines (Summer)
Horst: Horst Twieg
Hud: Ronnie Williams
Jeanie: Elke Koska
Lyvia: Lyvia Bauer
Minoru: Minoru Terada
Nando: Bernd Tischer
Renate: Renate Mauerer
Sheila: Gudrun Kramer (Su Kramer)
Stella: Stella Mooney
Tommy: Shirley Thompson
Udo: Udo Janson
Verina: Verina Weiss
+
Orchester Les Humphries unter der Leitung von Steve Gilette

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Titel:
01. Wasserman (Aquarius) (Donna Gaines) 3.05
02. Donna (Reiner Schöne) 2.33
03. Manchester (Bernd Redecker) 1.14
04. Ich bin ein Farbiger (Colored Spade) (Ronnie Williams) 1.11
05. Ich hab kein… (Ain’t Got No) (Bernd Tischer, Charles Berry, Lyvia Bauer) 0.49
06. Luft (Air) (Elke Koska, Birgit Rüsmann, Donna Gaines) 1.20
07. Ich bin reich (I Got Life) (Bernd Redecker) 2.53
08. Bergab (Going Down) (Reiner Schöne, Horst Twieg) 1.52
09. Haar (Hair) (Bernd Redecker, Reiner Schöne) 2.25
10. Nein“ sagt sich so leicht (Easy To Be Hard) (Gudrun Kramer) 2.35
11. Frank Mills (Birgit Rüsmann) 2.00
12. Hare Krishna  (Ensemble) 3.18
13. Wo geh‘ ich hin (Where Do I Go?) (Bernd Redecker)  2.44
14. Black Boys (Renate Mauerer, Stella Mooney, Barbara Eff, Verina Weiss) 1.02
15. White Boys (Donna Gaines, Shirley Thompson, Ann Helstone) 2.25
16. Schweben im Raum (Walking In Space) (Donna Gaines, Minoru Terada, Renate Maurer) 4.50
17. Rot, blau und weiß (Don’t Put It Down) (Bernd Tischer, Udo Janson) 1.33
18. 3500 (Ensemble) 3.13
19. Hat’s der Mensch nicht weit gebracht? (What A Piece Of Work Is Man?) (Shirley Thompson, Birgit Rüsmann) 1.29
20. Die letzten Sterne (Good Morning Starshine) (Gudrun Kramer) 2.38
21. Finale (Lasst den Sonnenschein) (Let The Sunshine In) (Bernd Redecker , Gudrun Kramer, Donna Gaines, Ensemble) 3.50

Musik: Galt MacDermot
Originaltext: Gerome Ragni/James Rado
Deutscher Text: Walter Brandin

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Dresdner Kreuzchor (Rudolf Mauersberger) – Motetten alter Meister (1970 / 1997)

FrontCover1Mit den vokalen Beiträgen bei der Opernmusik habe ich so meine heftigen Probleme, ganz anderes verhält es sich bei der sog. „Motettenmusik“.

Motette (kirchenlateinisch motetus, französisch motet) ist ein Gattungsbegriff der mehrstimmigen Vokalmusik, der seit dem 13. Jahrhundert anzutreffen ist. Der Begriff beschreibt im Laufe der Jahrhunderte unterschiedliche musikalische Formen: Unterschiedlicher Text in den verschiedenen Stimmen und ein wiederkehrender Rhythmus in der Unterstimme (Isorhythmie) kennzeichnen die frühe Motette bis zum 15. Jahrhundert; die spätere Motette ist typischerweise geistliche Musik, in der zu den Singstimmen auch Instrumente hinzutreten können. (Quelle: wikipedia)

Und wenn dann solche vokalen Werke so bravorös in Szene gesetzt werden, wie bei diesem vorliegendem Album, dann kann man nur mit der Zunge schnalzen.

Ist aber auch kein Wunder: Der Dresdner Kreuzchor unter der Leitung von Rudolfs Mauersberger hatte auch all die Jahre einen hervorragenden Ruf und das gilt wohl bis heute.

Die Geschichte des Dresdner Kreuzchores umfasst weit über sieben Jahrhunderte, damit ist er einer der ältesten Knabenchöre Deutschlands und Europas.

Dem Dresdner Kreuzchor gehören heute ungefähr 150 Kruzianer – so werden die Chormitglieder genannt – im Alter von 9 bis 19 Jahren an, die als gemischt-stimmiger Knabenchor (Sopran/Alt/Tenor/Bass) musizieren. Die Größe der Besetzung richtet sich nach den jeweils aufzuführenden Werken. Zu Gastspielen reisen etwa 80 Kruzianer.

Die künstlerische Heimstatt des Dresdner Kreuzchores ist die Kreuzkirche. Die Gestaltung der Musica sacra für die Vespern und Gottesdienste entspricht seiner ursprünglichen Verpflichtung und bildet zugleich das Fundament seiner künstlerischen Arbeit.

Ein gleichermaßen vielfältiges wie umfassendes Repertoire zeichnet den Chor aus. Es reicht von den frühbarocken Werken des Dresdner Hofkapellmeisters Heinrich Schütz, den Bachschen Passionen, Motetten und Kantaten sowie der Chormusik des 19. Jahrhunderts bis zur Moderne; wie die Uraufführung des Werkes Pilgerfahrten von Chaya Czernowin. Mit zahlreichen Ur- und Erstaufführungen erfährt der Dresdner Kreuzchor immer wieder auch die Beachtung und Anerkennung der Fachkritik.

DresdnerKreuzchor
Die gemeinsamen Konzerte mit der Dresdner Philharmonie, der Sächsischen Staatskapelle Dresden oder Spezialensembles für „Alte Musik“ sind fest verwurzelt im Konzertleben der Stadt Dresden.

Regelmäßig wird der Chor zu Fernseh- und Rundfunkaufnahmen verpflichtet. Seit über 80 Jahren produzieren die Kruzianer Tonaufnahmen für angesehene Schallplattenfirmen. Werke aus nahezu allen Epochen der Musikgeschichte wurden seitdem aufgenommen und liegen heute als CDs bei Berlin Classics, Capriccio, Teldec und der Deutschen Grammophon Gesellschaft vor.

Bis zum Abitur erhalten die Kruzianer ihre schulische Ausbildung am Evangelischen Kreuzgymnasium. Die Kruzianer des ersten Jahrgangs (vierte Klasse) sowie die älteren mit weiteren Heimfahrtswegen wohnen im Alumnat, dem Internat des Chores.

Erfolg und Berühmtheit resultieren nicht allein aus dem spezifischen Klang der Knabenstimmen (auch Kruzianerstimmen genannt), Grundlage dafür sind die tägliche Probenarbeit und ein intensiver Gesangs- und Instrumentalunterricht. Die Synthese zwischen liturgischer Tradition, kontinuierlicher Ausbildung und einer hohen künstlerischen Qualität verhilft dem Ensemble zu weltweiter Ausstrahlung.

Im Jahr 2014 wurde der Dresdner Kreuzchor gemeinsam mit dem Thomanerchor und den Dresdner Kapellknaben von dem Land Sachsen für das Immaterielles Kulturerbe nominiert. (Quelle: wikipedia)

Und Rudolf Mauersberger hat wahrlich ein bewegtes Leben gelebt:

Rudolf Mauersberger (* 29. Januar 1889 in Mauersberg; † 22. Februar 1971 in Dresden) war ein deutscher Chorleiter (Kreuzkantor) und Komponist.

Rudolf Mauersberger war der erste Sohn eines Kantors und Lehrers in Mauersberg, seinem Heimatdorf im Erzgebirge. Von 1903 bis 1909 besuchte er das königliche Lehrerseminar in Annaberg und leitete als Präfekt das Seminarorchester. Von 1909 bis 1912 leistete er seinen Militärdienst ab und arbeitete als Hilfslehrer. Er studierte von 1912 bis 1914 und 1918/19 am Konservatorium in Leipzig. Seine Lehrer waren dort Robert Teichmüller (Klavier), Karl Straube (Orgel), Stephan Krehl (Theorie) und Hans Sitt (Orchesterdirigieren). 1914 gewann er den Nikisch-Preis für Komposition. In den Kriegsjahren 1915 bis 1918 war er Soldat und Militärmusikleiter in Bad Lausick bei Leipzig. Nach Kriegsende ging er 1919 für sechs Jahre als Kantor und Organist sowie Leiter des Aachener Bachvereins an die Annakirche in Aachen sowie an das Städtische Konzerthaus Aachen. 1925 wurde er erster Landeskirchenmusikwart der evangelischen Landeskirche Thüringens und Kantor an Bachs Taufkirche St. Georg in Eisenach, wo er den Bachchor Eisenach sowie einen Knabenchor, den Georgenchor, gründete. 1930 wurde Mauersberger aus etwa 80 Bewerbern nach Dresden zum Kreuzkantor und Leiter des berühmten Dresdner Kreuzchores berufen und trat sein Amt am 1. Juli 1930 an. 1931 erfolgte seine Ernennung zum Kirchenmusikdirektor. In seiner über 40 Jahre dauernden Amtszeit prägte er den Chor wie kein anderer vor ihm und führte ihn auf ein international anerkanntes Niveau.

RudolfMauersberger
Mit Wirkung vom 1. Mai 1933 wurde Mauersberger Mitglied der NSDAP (Partei-Nummer 2.451.659). Hitler verlieh ihm zum 20. April 1938 den Titel Professor. Trotz seiner Parteimitgliedschaft bemühte sich Mauersberger, die Einflüsse der NS-Ideologie vom Kreuzchor fernzuhalten. Die Sänger gehörten zwar geschlossen als „Gefolgschaft“ der Hitler-Jugend an; damit war zugleich aber deren Einfluss begrenzt. Mauersberger weigerte sich, NS-Gesänge mit dem Chor zur Aufführung zu bringen. Stattdessen wurde der christliche Charakter des Chores nicht nur bewahrt, sondern noch stärker akzentuiert.

Kruzianer aus dieser Zeit berichten, dass der Chor nur ein einziges Mal gezwungen war, HJ-Uniformen anzulegen, und zwar bei einer offiziellen Verabschiedung durch die Stadt im Dresdner Hauptbahnhof vor einer Konzertreise in die besetzten Niederlande 1944. Als Mauersberger von dieser Absicht erfuhr, erschien er zur Abfahrt nicht, sondern ließ sich zum nächsten Bahnhof, Dresden-Neustadt, chauffieren und gab beim Zusteigen die Anweisung, die braunen Hemden sofort gegen Zivilkleidung auszuwechseln.

Mauersberger setzte sich über Aufführungsverbote hinweg und bezog Werke jüdischer und verfemter Komponisten wie Felix Mendelssohn Bartholdy und Günter Raphael in die Programme des Kreuzchores ein, auch noch im Herbst 1938 auf der zweiten USA-Tournee des Kreuzchores.

Seine Gegnerschaft zu NS-Kulthandlungen motivierte ihn dazu, die Gottesdienste und Vespern in der Kreuzkirche zunehmend im Sinne der liturgischen Erneuerung mit Hauptchor und Altarchor in liturgischer Kurrendekleidung mit Kerzen umzugestalten, um damit einen kirchlichen Gegenakzent zu setzen.

Von diesen Bemühungen legen die Christvesper aus den 1930er-Jahren, die Christmette von 1936 und die Ostermette von 1940 beredtes Zeugnis ab. In ihrer musikalischen Gestalt fast unverändert, sind sie noch heute feste Bestandteile des Weihnachts- und Osterfestes in der Dresdner Kreuzkirche.

Die Dresdner Kreuzkirche und mit ihr das gesamte Chorarchiv wurden in der Bombennacht vom 13. auf den 14. Februar 1945 zerstört. Auch elf Kruzianer kamen bei den verheerenden Luftangriffen auf Dresden ums Leben.

Zu Mauersbergers Verdiensten zählt die Neubelebung des Chores kurz nach dem Zweiten Weltkrieg. Die erste Kreuzchorvesper nach Kriegsende fand am 4. August 1945 in der ausgebrannten Kreuzkirche statt. Zur Uraufführung kam Mauersbergers Trauermotette „Wie liegt die Stadt so wüst“, ein A-cappella-Werk, entstanden am Karfreitag und -samstag 1945. Darin verarbeitete Mauersberger das ihn bestürzende Erlebnis des brennenden Dresden und der völlig zerstörten Stadt; den Text entnahm er den Klageliedern Jeremias.

Johann Sebastian Bachs h-Moll-Messe leitete Rudolf Mauersberger 1968 als 79-jähriger Kreuzkantor insgesamt drei Mal, zuletzt am 7. Dezember 1968. Neben seinem unermüdlichen Einsatz für den Wiederaufbau des Kreuzchors im zerstörten Dresden nach 1945 ist zu würdigen, dass er sich während seiner gesamten Amtszeit für eine liturgische Einbindung des Chores in die gottesdienstliche Praxis der Kreuzkirche einsetzte, eine umfassende Pflege der Werke von Johann Sebastian Bach und Heinrich Schütz betrieb (jährliche Heinrich-Schütz-Tage des Kreuzchores 1955–1970, Schallplattenaufnahmen für die Schütz-Edition, Stiftung der Schütz-Kapelle in der Kreuzkirche) und sich stets auch der zeitgenössischen Musik in Dresden widmete.

Mauersberger
1950 wurde ihm zusammen mit dem Kreuzchor der Nationalpreis der DDR 2. Klasse verliehen, 1964 erhielt er den Martin-Andersen-Nexö-Kunstpreis. 1954 wurde er zum pädagogischen Ehrendoktor an der Humboldt-Universität Berlin und 1959 zum theologischen Ehrendoktor an der Philipps-Universität Marburg ernannt. Er war Mitglied der CDU der DDR und zeitweise Mitglied im CDU-Hauptvorstand. 1969 erhielt er den Vaterländischen Verdienstorden in Gold. Bereits 1955 hatte er die Ausführung in Bronze zusammen mit dem Kreuzchor sowie 1964 in Silber erhalten.

Ehrenmitglied der Internationalen Schütz-Gesellschaft wurde er 1964, der Neuen Bachgesellschaft 1969 und der Dresdner Philharmonie 1970. Sein Grab ist in der Familiengruft in Mauersberg (Erzgebirge). Der Ort ehrt ihn durch das Mauersberger-Museum, das ihm und seinem Bruder Erhard Mauersberger, der von 1961 bis 1972 in Leipzig Thomaskantor war, gewidmet ist. Rudolf Mauersberger führte den Dresdner Kreuzchor zu Weltruhm.

1951 gründete Rudolf Mauersberger eine Stiftung für den Wiederaufbau der ehemaligen Wehrkirche in Mauersberg, die 1889 abgerissen worden war. Die heutige Kreuzkapelle wurde 1953 geweiht. Aus der alten Kirche erhalten und wieder eingefügt wurde die Glocke aus dem Jahr 1571. Der Architekt Fritz Steudtner gestaltete den Innenraum. Ein beachtliches Zeugnis aus den 50er-Jahren ist der Totentanz im Altarraum von Otto Rost. Die Gesichter und Gestalten lassen Frauen und Männer aus Mauersberg und Umgebung erkennen. Emporen- und Deckenbemalung sowie die Buntglasfenster in der Kreuzkapelle gestaltete Helmar Helas aus Dresden. Der neue Aufbau nahm den ehemaligen Wehrgang auf und verlegte ihn ins Innere der Kirche, um dadurch eine zweite Empore zu erhalten.

Im Dresdner Stadtteil Striesen ist nach Mauersberger eine Straße benannt. (Quelle: wikipedia)

Die hier präsentierte Aufnahme stammt aus dem Jahr 1969, die dann erstmalig 1970 auf dem famosen Eterna Label veröffentlicht wurde.

Ich weiss nicht woran´s liegt: die christlichen Texte und die christlichen Grundlagen dieser Musik tangieren mich – wenn überhaupt – nur noch temporär, aber die Musik als solche berührt mich umso mehr. Vielleicht sind das ja auch tiefverwurzelte Muster, dieaus meiner Kindheit stammen, als ich noch ein sehr aktiver Ministrant war und jenen kirchlichen Gesängen etwas abgewinnen konnte.

Wie auch immer: ein mehr als lohnendes Album !

Rudolf Mauersberger dirigiert den Kreuzchor auf der Wartburg (1954)

Rudolf Mauersberger dirigiert den Kreuzchor auf der Wartburg (1954)

Besetzung:
Dresdner Kreuzchor unter der Leitung von Rudlofs Mauersberger

Front+Back Cover der Erstausgabe (Eterna, 1970)

Titel:

Jan Pieterszoon Sweelinck:
01. Venite exultemus Domino, motet for 5 voices & continuo (Cantiones Sacrae No. 9) 3.11
02. Hodie Christus natus est, motet for 5 voices & continuo (Cantiones Sacrae No. 13) 4.24

Johann Kuhnau:
03. Tristis Est Anima Mea 4.25

Antonio Lotti:
04. Crucifixus, Motet a10 3.09

Felice Anerio:
05. Christus Resurgens for chorus 4.22

Johannes Eccard:
06. Zu dieser österlichen Zeit, for 6-part chorus 1.07

Johann Michael Bach:
07. Ich weiss, dass mein Erlöser lebt, motet for 5 voices 2.26

Francesco Durante:
08. Misericordias Domini for 8 voices & continuo in C minor 3.20

Giovanni Gabrieli:
09. Jubilate Deo, motet for 8 voices (1597) 5.45

Hans Leo Hassler:
10. Cantate Domino Canticum Novum à 12 3.08

Johann Hermann Schein:
11. O Domine Jesu Christe, motet for 6 voices (Cymbalum Sionium) 3.52

Jacobus Handl (Gallus):
12. Zwei der Seraphim, sie riefen, for 8-part double chorus 2.57
13. Pater Noster, for 8-part chorus 3.16
14. Ecce quomodo moritur iustus 2.28

Gottfried August Homilius:
15. Domine, Ad Adiuvandum Me, for 6-part chorus 2.28

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Die Eterna Labels aus dem Jahr 1970