David Oïstrach u.a. – Triplekonzert C-dur op. 56 (Herbert von Karajan – Beethoven) (1969)

FrontCover1Vermutlich zu recht wird diese Aufnahme landauf, landab euphorisch gefeiert, frühere Kritiken sind so weit ich das überblikcken kann – mittlerweile Vergangenheit.

Mstislav Rostropowitsch beschrieb die hier zu hörende Aufnahme von Beethovens Tripelkonzert aus dem Jahr 1969 in seinen Memoiren mit folgendem Bonmot:

„Ich habe versucht, Beethoven zu spielen. David (Oistrach) hat geglaubt, er spielt Beethoven. Svjatoslav (Richter) spielte wie immer nur sich selbst und Karajan glaubte, er ist Beethoven.“

Eine schöne Annekdote mit einem wahren Kern: So feierlich, so voll und weich im Klang wie von diesen vier Superstars der klassischen Musik und den süffig spielenden Berliner Philharmonikern habe ich Beethovens Version der klassischen sinfonia concertante nie gehört. Das macht natürlich Spaß, insbesonders wenn sich ein Virtuose wie Richter an dem relativ leichten Klavierpart ababeitet, der für den Widmungsträger, Beethovens damals 16-jährigen Klavierschüler Erzherzog Rudolf von Österreich komponiert war.

Ich vermisse allerdings etwas die Verspieltheit des relativ frühen Beethoven, die rhythmische Stringenz, auch die Aggressivität. Tatsächlich hat dieses großbögige Musizieren teilweise mehr von Tschaikowski als von Wiener Klassik. (vully)

Sviatoslav Richter + Mstislav Rostropovitch

Sviatoslav Richter + Mstislav Rostropovitch

Diser LP-Ausgabe von Beethovens Tripelkonzert ist ein ausführlicher Beitrag mitgegeben, dem man entnehmen kann, welche enormen politischen und logistischen Stolpersteine überwunden werden mußten, bevor der britische EMI-Produzent Peter Andry mitten im Kalten Krieg im geteilten Berlin mit der Aufnahme beginnen konnte. Schließlich waren nicht weniger als drei sowjetische Meistersolisten an der Einspielung maßgeblich beteiligt, die zusammen mit Herbert von Karajan und den Berliner Philharmonikern in der Jesus-Christus-Kirche in Berlin-Dahlem im September 1969 endlich realisiert werden konnte. Die Mühen waren aber nicht umsonst, denn Svjatoslav Richter (Klavier), David Oistrach (Violine) und Mstislav Rostropovitch (Cello) haben im Verein mit dem Berliner Eliteorchester eine großartige Leistung vollbracht, eine Interpretation von einzigartiger Kultur, die Zeugnis ablegt von einem schier mirakulösen Zusammenspiel. Man höre nur das wundervolle, der Welt entrückte Largo, das für mich den Höhepunkt der Einspielung darstellt.

Das Quartett

Trotzdem will ich nicht unterschlagen, daß gerade diese Aufnahme seit ihrem ersten Erscheinen sehr kontrovers beurteilt wird. So listet sie z.B. der Londoner Musikkritiker Norman Lebrecht in seinem Buch „Ausgespielt“ unter die „20 Aufnahmen, die nie hätten gemacht werden sollen“ und nennt sie „ein Beispiel wie aus dem Lehrbuch für mangelnde musikalische Kommunikation“, während die englische Moderatorin und Redakteurin des „BBC Music Magazine“, Harriet Smith, zu ganz anderen Eindrücken kommt: „….. Unzulänglichkeiten gibt es in dieser Aufnahme nicht. Drei feurige russische Solisten und die Berliner Philharmoniker unter Karajans Leitung ….. dieses Trio strahlt vor gemeinsamer Lebensfreude, und Karajan sorgt für gefühlvollste Begleitung. In solchen Händen kommt nie der leiseste Zweifel an der Großartigkeit dieses Werkes auf.“ So unterschiedlich können Experten urteilen!
Es ist auch bekannt, daß sich vor allem Svjatoslav Richter später negativ über diese Aufnahme geäußert hat, weil er mit Karajans Dominanz Probleme hatte, der vor allem wenig nachträgliche Änderungen gestattete und stattdessen den Termin für das Titelfoto für wichtiger hielt, und genau dieses Foto fand der Pianist scheußlich und unangemessen. Trotzdem glaube ich, daß diese Aufnahme durchaus ihre Meriten hat und in den Katalogen verbleiben wird, so lange es überhaupt Tonträger zu kaufen gibt. (K.H. Friedgen)

Das Quartett2

Besetzung:
David Oïstrach (violin)
Sviatoslav Richter (piano)
Mstislav Rostropovitch (violoncello)
+
Berliner Philharmoniker unter der Leitung von Herbert von Karajan

Booklet03A

Titel:
01. Allegro 17.37
02. Largo 5.32
03. Rondo alla polacca 12.58
+
04. Triplekonzert C-dur op. 56 (ungeschnitten) 36.15

Musik: Ludwig van Beethoven

LabelB1

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Das Quartett3

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Lolita – Weihnachten in den Bergen (1969)

FrontCover1.JPGNun ja … auch von dieser Scheibe trenne ich mich nun und natürlich hat auch die Lolita ihren Platz hier:

Die österreichische Sängerin, Schauspielerin und TV-Moderatorin Edith Einzinger alias Lolita besang Ende der 1950er-Jahre das wieder aufkommende Fernweh der Deutschen mit Titeln wie „Der weiße Mond von Maratonga“ und „Seemann, deine Heimat ist das Meer“.

1969 nahm die zierliche Wienerin ein komplettes Weihnachtsalbum auf: Weihnachten in den Bergen zeigt Lolita in ihrem eigentlichen Element. Charmant, gefühlvoll und mit sanfter Stimme führt die 2010 verstorbene Sängerin dort durch ein anmutiges Programm klassischer deutscher Weihnachtslieder. (Werbetext)

Und diese Scheibe weckt doch bei vielen Mensch ganz innige Erinnerungen:
Zugegeben, es klingt schon etwas volkstümlich, dieses Weihnachtsalbum von Lolita aus dem Jahre 1969.
Allerdings kommt die wunderschöne Stimme der Künstlerin gerade bei Weihnachtsliedern, wie ich meine,
am besten zur Geltung.
Und hat jemals jemand „Still, weils Kindlein schlafen will“ stimmungsvoller gesungen als Lolita ?
Das Album bringt bekannte Weihnachtslieder und weniger bekannte alpenländische Stücke, teilweise im Dialekt,alles traumhaft interpretiert.
Also zurücklehnen und dieses schöne Album schon jetzt in der Vorweihnachtszeit geniessen (Oberbaar37)

Lolita

Wie der geneigte Leser erahnen kann, gehört diese LP nicht zu meinen Favoriten … aber dennoch, wenn sich daran jemand erfreuen kann und will … ich würde mich dann freuen.

Aber darauf will ich schon noch aufmerksam machen: Lolita singt hier etliche sehr unbekannte Lieder wie „Auf dem Berg, da gehet der Wind“, „Die Weihnachtsnachtigall“ oder „Verbrennt uns der Himmel“. D,h, sie hat der Versuchung wiederstanden, die altbekannten Klassiker zu interpretieren … das finde ich schon bemerkenswert.

WeihnachtenInDenBergen

Besetzung:
Lolita (vocals)
+
eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

BackCover1

Titel:
01. Stille Nacht (Gruber/Mohr) 2.47
02. Leise rieselt der Schnee (Traditional) 2.27
03. Auf dem Berg, da gehet der Wind (Traditional) 2.13
04. Die Weihnachtsnachtigall (Traditional) 1.56
05. Schneeflöckchen, Weißröckchen (Traditional) 1.54
06. Heidschi Bumbeidschi (Traditional) 2.54
07. O Tannenbaum (Traditional)  1.58
08. Es wird schon gleich dumpa (Traditional) 2.57
09. Verbrennt uns der Himmel (Traditional) 2.31
10. Husch, husch, husch (Traditional) 3.02
11. Still, weil’s Kindlein schlafen will (Traditional) 2.51
12. Heissa, Weihnacht! (Traditional) 2.17

LabelB1

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Dresdner Kreuzchor – Vom Himmel hoch (1969)

FrontCover1Und gleich´ noch ne Aufnahme des Dresdner Kreuzchores zur Weinachtszeit. Dies liegt aber nicht darin begründet, dass ich dieses Ensemble ganz besonders in Herz geschlossen hätte.

Nein, der Grund ist eher ein ganz profaner. Auch diese Single hat nun mein Schallarchiv zu verlassen … und deshalb noch schnell vor Weihnachten diese Präsentation.

Die Aufnahmen sind zwei Jahre nach diesem Weihnachtsalbum entstanden … Weihnachten hatte die Knaben wohl immer viel um die Ohren.

Gerade gestern habe ich im aktuellen „Stern“ dnn folgendes passendes Zitat gefunden:

Die Kirche

Tja … Opium für´s Volk … hatte da schon einer mal gesagt.

DresdnerKreuzvhor

Besetzung:
Dresdner Kreuzchor unter der Leitung von Rudolf Mauersberger

BackCover1

Titel:
01. Glockengeläut + Vom Himmel hoch (Trtaditional) 2.31
02. Wie schön singt uns der Engel Schar (Traditional) 2.18
03. Freu dich Erd´und Sternenzelt (Traditional) 1.38
04. Kommet ihr Hirten (Traditional) 1.44
05. Laßt alle Gott uns loben (Traditional) 2.38

LabelB1

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Verschiedene Interpreten – Kästner für Zuhörer (1969)

FrontCover1Ein für mich ganz besonderes Literaturprojekt ist diese mir vorliegende LP aus dem Jahr 1959.

Ein Bert Grund hat sich 16 texte von Erich Kästner vorgenommen, um diese zu vertonen un sie dann miz unterschiedlichen Mitstreitern als „16 Chansons“ zu veröffentlichen.

Bert Grund (* 21. Januar 1920 in Dresden; † 30. März 1992 in München) war ein deutscher Filmkomponist.

Nach einer Ausbildung an der Musikhochschule Dresden wurde er 1943 Assistent des Filmkomponisten Theo Mackeben. Er spezialisierte sich zunächst auf die Komposition von Filmmusiken und war in dieser Funktion an zahlreichen Produktionen des deutschen Nachkriegskinos beteiligt.

Grund komponierte später auch Ballette, Musik zu Einaktern und Chansons für Margot Werner. Er wirkte zudem als Arrangeur und leitete 1964 in Kopenhagen das Orchester bei Schallplattenaufnahmen, als Marlene Dietrich Alt-Berliner Lieder sang. Er schrieb die Musik zu den erfolgreichen Fernsehserien Funkstreife Isar 12 und Kommissar Freytag. Einige Zeit lehrte er an der Hochschule für Fernsehen und Film München. (Quelle: wikipedia)

Tja und der Erich Kästner … der hatte sehr viele Facetten … eine davon ist seine lyrische Ader: Melancholisch, ironisch, zärtlich, sarkastisch, hoffnungslos romantisch, bitterböse und zuweilen auch leicht frivol … – Erich Kästners Lyrik führt uns durch ein Universum der Emotionen.

KästnerEnderle

Erich Kästner und Luiselotte Enderle, frühe 50er Jahre

Bei seinen zuweilen sehr spöttischen Texten über das Uralt Thema „Mann-Frau“ zeigt sich auch durchaus deutlich, dass der Erich Köstner wohl zeitlebens eine „Lebemann“ war … wie das wohl früher ausgedrückt hätte.

Das Thema Erich Kästner und die Frau wäre wohl abendfüllend. Zeitweilig hatte er wohl 4 Geliebte zeitgleich … Vielleicht komme ich auf das Thema später nochmals zu sprechen (in der Präsentation befindet sich auch ein ausführlicher Artiekl über dieses Thema …)

Aber es gibt auch andere Texte, wie z.B. „Das Eisenbahngleichnis“

Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug
und keiner weiß, wie weit.

Ein Nachbar schläft; ein andrer klagt;
ein dritter redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt,
kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus, wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tür herein
und lächelt vor sich hin.

Auch er weiß nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Der Zug fährt langsam und hält still.
Die Toten steigen aus.

Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit
Die Toten stehen stumm
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit,
und keiner weiß, warum.

Die erste Klasse ist fast leer.
Ein feister Herr sitzt stolz
im roten Plüsch und atmet schwer.
Er ist allein und spürt das sehr
Die Mehrheit sitzt auf Holz

Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in spe.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug
und viele im falschen Coupé.

Und dann auch noch die „Fantasie von Übermorgen“:

Und als der nächste Krieg begann
da sagten die Frauen: Nein
und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in der Wohnung ein.

Dann zogen sie in jedem Land
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stöcke in der Hand
und holten die Kerls heraus

Sie legten jeden über’s Knie
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.

Da brach so mancher Stock entzwei
und manches Großmaul schwieg.
In allen Ländern gab’s Geschrei,
doch nirgends gab es Krieg.

Die Frauen gingen dann wieder nach Haus
zu Bruder und Sohn und Mann
und sagten ihnen: der Krieg sei aus.

Die Männer starrten zum Fenster hinaus
und sahen die Frauen nicht an…

Kästner

Nicht minder politisch „Das Spielzeuglied“ … Melancholie stellt sich bei „Gewisse Ehepaare“ (wunderbare das begleitende Saxophon) … „Man sprach sich aus, man hat sich ausgeschwiegen … “ aber auch bei „Hotelsolo“ ein …

Vorgetragen werden die Texte durch eine Schar von damals sehr bekannten Unterhaltungskünstlern … von Helen Vita über Günter Pfitzmann und Rudolf Platte und, und, und.

Besonders bemerkensert ist die Musik … meist sehr sparsam und intim instrumentiert (außer bei „Eine Animierdame stösst Bescheid“), Chansons vorgetragen in einer kleinen Bar … *seufz* …

Ein kleines Meisterwerk … wenngleich meine Beschäftigung mit Erich Kästner mich schon auch ein wenig nachdenklich gemacht hat …

Große Hörempfehlung meinerseits ! Denn textlich wie musikalisch handelt es sich hier um eine Perle deutschsprachiger Chansons …

BackCover1

Titel:
01. Uwe Friedrichsen: Das Eisenbahngleichnis 2.20
02. Helen Vita: Das Gebet keiner Jungfrau 2.29
03. Arno Assmann: Kleines Solo 2.32
04. Ursula Herking: Gewisse Ehepaare 2.49
05. Uwe Friedrichsen: Abschied in der Vorstadt 2.26
06. Edith Hancke + Helen Vita; Chor der Fräuleins 1.47
07. Günter Pfitzmann: Hotelsolo 3.14
08. Illo Schieder: Eine Animierdame stösst Bescheid 2.14
09. Ursula Herking: Plädoyer einer Frau 3.02
10. Arno Assmann: Sachliche Romanze 2.15
11. Kate Kühl: Fantasie von Übermorgen
12. Günter Pfitzmann: Polly oder das jähe Ende 1.27
13. Ursula Herking: Das Spielzeuglied 3.56
14. Arno Assmann: Exemplarische Herbstnacht 3.15
15. Illo Schieder: Ballgeflüster 2.04
16. Rudolf Platte: Die Existenz im Wiederholungsfalle 2.38

Texte: Erich Kästner
Musik: Bert Grund

LabelB1

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Ich sitze nachts auf hohen Hockern,
berufen, Herrn im Silberhaar
moralisch etwas aufzulockern.
Ich bin der Knotenpunkt der Bar.

Sobald die Onkels Schnaps bestellen,
rutsch ich daneben, lad mich ein
und sage nur: „Ich heiße Ellen.
Laßt dicke Männer um mich sein!“

Man darf mich haargenau betrachten.
Mein Oberteil ist schlecht verhüllt.
Ich habe nur darauf zu achten,
daß man die Gläser wieder füllt.

Wer über zwanzig Mark verzehrt,
der darf mir in die Seiten greifen
und (falls er solcherlei begehrt)
mich in die bessre Hälfte kneifen.

Selbst wenn mich einer Hure riefe,
obwohl ich etwas Beßres bin,
das ist hier alles inklusive
und in den Whiskys schon mit drin.
So sauf ich Schnaps im Kreis der Greise
und nenne dicke Bäuche Du
und höre, gegen kleine Preise,
der wachsenden Verkalkung zu.

Und manchmal fahr ich dann mit einem
der Jubelgreise ins Hotel.
Vergnügen macht es zwar mit keinem.
Es lohnt sich aber finanziell.

Falls freilich einer glauben wollte,
mir könne Geld im Bett genügen,
also: Wenn ich die Wahrheit sagen sollte,
müßt ich lügen!

GrabKästnerEnderle

Das Grab von Erich Kästner und Luiselotte Enderle

Ernst Neger – Singt Toni Hämmerle (1969)

FrontCover1Passend zur närrischen Zeit …

Ernst Hugo Neger (* 14. Januar 1909 in Mainz; † 15. Januar 1989 ebenda) war ein deutscher Dachdeckermeister und Sänger.

Ernst Neger wuchs in bürgerlichen Verhältnissen auf und erlernte zunächst den Beruf des Dachdeckers; daneben trat er schon in den 1930er-Jahren als Sänger und Interpret geselliger Lieder in Mainzer Kneipen auf. Dort machte er von sich reden und wurde schließlich von der Fastnacht entdeckt. 1952 interpretierte er das „Heile, heile Gänsje“ von Martin Mundo und avancierte damit zum Star der Mainzer Fastnacht. Für diese Auftritte in der Nachkriegszeit wurden eigens zwei Strophen hinzugefügt:

Durch die 1955 beginnende Fernsehfastnacht schaffte es Neger auch in das neue Medium. Gemeinsam mit seinem Gegenstück, dem blinden Komponisten Toni Hämmerle, war er jahrelang „Zugnummer“ der Fernsehfastnacht. Allein die Erstaufführung des „Humba Täterä“ 1964 führte zu einer einstündigen Überziehung der Übertragung, weil sich das Publikum nicht beruhigen konnte.

ErnstNeger01

Ernst Neger als Dachdecker

In Erinnerung an Toni Hämmerle gründete Neger 1970 in Ahlen in Westfalen einen Ponyhof mit Reithalle, die Pony-Station Toni Hämmerle, Stätte zur Gesundheitsförderung körperbehinderter Kinder, die er von seinen Gagen auch finanziell unterstützte. Ernst Neger starb einen Tag nach seinem 80. Geburtstag nach langer Krankheit in einem Mainzer Krankenhaus. Neger genießt auch nach seinem Tod einen legendären Ruf in der Mainzer Fastnacht. Die von ihm interpretierten Lieder wurden bundesweit bekannt und werden noch heute in der Fernsehfastnacht gespielt.

Ernst Negers Enkel Thomas Neger setzt sowohl die Dachdecker- als auch die Fastnachtstradition der Familie fort. Er wurde 2010 vor allem mit dem Fastnachtslied Im Schatten des Doms bekannt, das 2012 bei einem Internetvoting des SWR auf Platz 1 unter den Mainzer Fastnachthits gewählt wurde. Seit 2009 sitzt Thomas Neger für die CDU im Mainzer Stadtrat.

Das bereits in den 1950er Jahren von Negers Firma, der Ernst Neger GmbH eingeführte und danach auch von der Firma seines Enkels, der Thomas Neger Metallsysteme und -bedachungen GmbH weiterverwendete Logo ist seit Ende 2013 umstritten. Es zeigt, in Anlehnung an ihren Nachnamen, einen stilisierten Handwerker mit dicken Lippen und großen Ohrringen über einem Dreieck, das ein Dach, aber auch einen Rock darstellen könnte.[5] Kritiker halten es für rassistisch, während Thomas Neger den Vorwurf als „totalen Quatsch“ bezeichnet (Quelle: wikipedia)

ErnstNeger02

Und auf dieser LP würdigt der Ernst Neger den oben schon erwähnten Komponisten Toni Hämmerle:

Toni Hämmerle (* 11. Dezember 1914 in Mainz; † 8. Dezember 1968 in Gießen[1]) war ein deutscher Komponist, Pianist, Organist und Violinist.

Nach Kindheit und Schulzeit schloss Hämmerle sein Musikstudium mit dem Staatsexamen am Peter-Cornelius-Konservatorium der Stadt Mainz ab und war ab 1933 in seiner Heimatstadt als Musiklehrer tätig. Hämmerle, der schon immer an schwacher Sehkraft gelitten hatte, verlor sein Augenlicht vollständig, als er 1941 bei einem Bombenangriff auf Mainz verschüttet wurde. Nach dem Krieg war er als Telefonist an der Universität in Gießen angestellt, machte jedoch bald als Komponist, insbesondere auf dem Gebiet des Schlagers und des Karnevalsschlagers, von sich reden.

Toni Hämmerle2

Toni Hämmerle Büste in Giessen

1952 begann die musikalische Zusammenarbeit mit Ernst Neger und damit auch mit dem Mainzer Carneval Verein. Seinen größten Erfolg hatte er 1963 mit dem Titel Humba Täterä. Er schrieb zahlreiche Stimmungs- und Karnevalslieder und komponierte neben zahlreichen Titeln für Ernst Neger auch für Margit Sponheimer, Heinz Schenk, Camillo Felgen, Ralf Bendix und Paul Kuhn.

Hämmerle starb drei Tage vor seinem 54.Geburtstag an seinem Wohnort Gießen. In Erinnerung an ihn gründete Ernst Neger 1970 in Ahlen in Westfalen die Pony-Station Toni Hämmerle, Stätte zur Gesundheitsförderung körperbehinderter Kinder, in der hauptsächlich blinde Kinder betreut werden. Vor seiner Gießener Wohnung an der Ecke Stephan-/Goethestraße wurde durch die Stadt Gießen und den örtlichen Karnevalsverein im Jahre 2009 eine bronzene Büste des Komponisten aufgestellt. (Quelle: wikipedia)

Man mag ja der Meinung sein, dass die hier angebotenen Lieder eher schlichter Natur sind … erstaunlich dennoch, dass eine Toni Hämmerle mit diesem Schicksal noch in der Lage war, derart humoristische Lieder zu schreiben.

Und klar: Ernst Neger … der war damals halt für all die Jecken unverzichtbar … auch wenn mir diese Welt damals wie heute sehr fremd ist.

Und dann noch der Hinweis, dass das Lied „Ich bin doch schiesslich kein Kamel “ musikalisch ein wenig Abwechslung bringt.

Toni Hämmerle

Toni Hämmerle (hier mit Margit Sponheimer)

Besetzung:
Ernst Neger (vocals)
+
eine Schar von unbekannten Studiomusikern

BackCover1

Titel:
01. Du hast so schöne blaue Guckelcher 2.48
02. Dich soll das Mauslein beissen 2.13
03. Putz dir schnell die Tranche ab 3.06
04. Geb dem Kind sein Nuddelche 2.50
05. Wir wolle was zu trinke 2.16
06. Heissa Juchhei 1.55
07. Erst küsst der Papa mal die Mama 2.17
08. Wenn eine alte Scheune brennt 2.28
09. Lass mich mal 2.52
10. Ich bin doch schiesslich kein Kamel 2.04
11. Goldener Wein, Sonnenschein 3.07
12. Das Humbta-tatara 2.21

Musik und Texte Toni Hämmerle

LabelB1

*
**

 

Caterina Valente – Live – Neue Revue präsentiert den großen Tournee-Mitschnitt (1969)

FrontCover1Tja, die Caterina Valente war ja nun wirklich in der ganzen Welt zu Hause … Und hin und wieder machtze sie auch einen Zwischenstopp in Deutschland … so auch im Jahr 1969 als sie gemeinsam mit dem Allround Talent Horst Jankowski und seiner Combo durch Deutschland tourte.

Diese mittlerweile rare LP (die meines Wissens nie als CD veröffentlicht wurde) ist ein wirklich gutes Beispiel von der enormen Bandbreite dieser Caterina Valente, wobei ihre „Jazz-Seite“ leider damals wohl noch nicht präsentabel in Deutschland war …

Dennoch: mit ihrer ganzen Souveränität entfürht die Valente die Zuhörer musikalisch über den ganzen Globus und damit das leichter fällt, wurde sogar Songs aus der Abteilung „Latin“ in deutsch gesungen … hätte es für mich nicht gebraucht … Ihren Bruder Silvio Francesco hatte sie auch dabei und Horst Jankowski und seine Crew sorgen für den passsenden Sound Caterina Valente war ganz sicher eine der ganz großen im deutschen Showbusiness der 60er Jahre … und hier kann man sich davon überzeugen …

Und einer meiner ganz persönlichen Geheimtipps der deutschen Musikszene, Sigi Schwab ist auch mit von der Partie … was will ich mehr ?#

wChrisHowland

Caterina Valente (hier mit Chris Howland, 1969)

Besetzung:
Silvio Francesco (clarinet, flute, guitar, vocals)
Horst Jankowski (piano)
Nicolas Kletchkovsky (bass)
Branislav Kovacev (percussion)
Freddy Rottier (drums)
Sadi (percussion, vibraphone)
Siegfried Schwab (guitar)
Götz Wendland (organ)

BackCover

Titel:

Musical Hit Parade: (9.43)
01.a. Hello Dolly (Mapel/Herman/Lilibert)
01.b. Wunderbar (Kiss Me Kate) (Porter)
01.c. Ich hab‘ die goldene Sonne und den Silbermond (Annie Schiess Los/Annie Get Your Gun) (Berlin/Gilbert)
01.d. America (West Side Story) (Bernstein/Sondheim)
01e. Maria (West Side Story) (Bernstein/Sondheim)
01f. Wenn ich einmal reich wär‘ (Anatevka) (Bock/Merz/Harnick)
01g. Der Wassermann/Aquarius (Hair) (MacDermot/Ragni/Rado/Brandin)
01h. Ich hätt‘ getanzt heut‘ Nacht (My Fair Lady) (Lerner/Loewe/Gilbert)

Italian Hit Parade: (8.22)
02.a. Volare (Italian Version) (Modugno/Migliacci/Parish)
02.b. Nessuno al Mondo (Crafer/Nebb/Gioia/Rastelli)
02.c. Personalità (Logan/Price/Gioia/Pinchi)
02.d.Till (Gaiano/Danvers)

Latin Medley (Teil 1): (4.14)
03a. Malagueña (German Version) (Lecuona)
03.b. The Breeze And I (Andalucia) (English Version) (Stillman/Lecuona/Siegel/Camarata)

Latin Medley (Teil 2): (23.24)
04.a.Falling In Love With Love (English Version) (Hart/Rodgers)
04.b. So wie ein Riesenrad (Mayer/Feltz)
04.c. Wie sich Mühlen drehn im Wind (The Windmills Of Your Mind) (Bergman/Munro/Bergman/LeGrand)
04.d. Air Mail Special (Goodman/Christian/Mundy)
04.e. Canto de Ossanha (Portuguese Version) (Powell/De Moraes)
04.f. Singing My Song (German Version) (Sherrill/Sutton/Loose/Wynette)

LabelA

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Udo Jürgens – Udo ´70 (1969)

UdoJürgensFrontCoverUnd wieder mal eine, meine Erinnerung an Udo Jürgens:

Udo Jürgens ist von der Geschichte des deutschen Schlagers schlicht und ergreifend nicht wegzudenken. Im Unterschied zu seinen meisten Kollegen, ist er auch und vorallem Komponist und in seinen Anfängen war er auch durchaus dem Jazz zugeneigt (schade eigentlich, dass er diese Orientierung im Lauf der Jahre verloren hat).

Udo ´70 erschien im Oktober 1969 quasi als Auftakt einer wirklich groß angelegten Deutschland-Tournee. Diese Tournee war ein enormer Erfolg und läutete eine weitere Phase seiner Karriere ein. Neben den klassischen Liebesliedern wurde nun auch zunehmend „sozialkritische“ Texte zu seinem Markenzeichen.

Udo Jürgens hat damit eine sehr clevere Entwicklung eingeläutet: einerseits stimmungsvolle Lieder für die romantische Frau, andererseits kritische Texte, die ihn als denkenden Mann ausweisen. Viele Jahre später haben sich „Pur“ der gleichen Strategie bedient.

UdoLive

„Als Single ausgekoppelt wird „Anuschka“ mit der Umseite „Du gingst vorbei“. Viele der damaligen Konzertbesucher kaufen sich die LP, denn sie zählt zu seinen auflagenstärksten Platten. Die Titel zeigen die Bandbreite des Künstlers: nachdenkliche Lieder wechseln sich mit flotten Nummern (auch englisch gesungene) ab. Herausragend sicherlich: „Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint“. Den Text stammt übrigens von Joachim „Blacky“ Fuchsberger.“ (Quelle: WDR Schallplattenbar)

Und ich kann mir nicht helfen … schon damals hatte ich einen Narren an Udo Jürgens gefressen (gab das allerdings – ob all der progressiven Rockmusik – nicht zu) … heute hingegen … ist das wurscht … Also … Udo Jürgens: er war einer der ganz Großen !

Und sein „Anuschka “ ist eine augenzwinkernde Hommage an seiner unstillbaren Neugier hinsichtlich des weiblichen Geschlechts.

BackCover
Besetzung:
Udo Jürgens (vocals, piano)
+
Orchester arrangiert von Rudi Bauer, Hans Hammerschied, Udo Jürgens, Robert Opratko und Mike Vickers

AlternativesFrontCover
Titel:
01 Wie könnt‘ ich von Dir geh’n (Jürgens) 2.41
02. Mary Ann (Gilkyson/Miller/Dehr) 2.13
03. Mein Freund, der Clown (Jürgens/Brandin) 3.02
04. Eine Rose für Dich (Jürgens/Relin/Hörbiger) 2.45
05. Dann kann es sein, fass ein Mann auch einmal weint (Jürgens/Fuchsberger) 2.55
06. Solang noch Züge gehn (Jürgens/Loose) 3.03
07. Anuschka (Jürgens/Brandin) 2.52
08. Du gingst vorbei (Traditional/Jürgens/Brandin) 3.12
09. Wer ist er (Jürgens/Brandin) 2.55
10. Augen, schwarze Haut und ein Herz, das weint (Jürgens) 2.59
11. He’s Got The Whole World/Jericho (Traditional/Jürgens/Hammerschmid) 3.31
12. Auf Wiedersehn und Dankeschön (Jürgens) 2.29

LabelA1

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SingleFront+BackCover

Die Single zum Album