Verschiedene Interpreten – Antonio Vivaldi – gestern und heute (1971)

FrontCover1Da hat sich die Firma Grünenthal GmbH aber ein feines Werbegeschenk ausgedacht … das war aber auch bitter nötig, vergegenwärtigt man sich, welche üble Geschichte mit diesem Pharmabetrieb in Verbindung gebracht werden muss:

Die Grünenthal GmbH ist ein 1946 in Stolberg (Rhld.) gegründetes Pharmaunternehmen mit Sitz in Aachen, das sich in Besitz der Unternehmerfamilie Wirtz befindet. Es war das erste Unternehmen, das Penicillin auf dem deutschen Markt einführte, dessen Produktion in Deutschland damals vom Alliierten Kontrollrat untersagt war.

Größere Bekanntheit erlangte Grünenthal durch den Contergan-Skandal, verursacht durch den Wirkstoff Thalidomid im 1957 als Schlafmittel rezeptfrei erhältlichen Beruhigungsmittel, welches 1961 wegen gravierender Nebenwirkungen aus dem Verkehr genommen wurde.

Das Unternehmen hat neben den beiden Niederlassungen in Deutschland Tochtergesellschaften in Europa, Lateinamerika, den USA und China und erzielt mehr als 50 % seines Umsatzes mit Schmerzmedikamenten, wie dem von ihm entwickelten Wirkstoff Tramadol. Grünenthal ist Mitglied im Verband forschender Arzeimittelhersteller (Quelle: wikipedia)

Jaap Schröder

Jaap Schröder

Aber nachdem weder Antonio Vivaldi noch die an diesen Aufnahmen beteiligten Musiker für dieses Skandal der frühen 60er Jahre etwas können … hier diese Lp … wenngleich in mir – angesichts der mannigfachen Tragödien, die sich damals abgespielt haben – viel Bitterkeit aufsteigt.

Die Idee dieser LP ist dennoch interessant. Sie besteht aus zwei unterschiedlichen Ansätzen 2 Sätze aus Vivaldis „Vier Jahreszeiten“ in unterschiedlichen Interpretationen zu zeigen ..

Zum einen die „klassische“ Variation (Concerto Amsterdam) und zum anderen die modern aufgepeppte Version im Jazz Trio (Günter-Noris-Trio).

Und nachdem mir solche musikalischen Vergleichen sehr entsprechen, kann ich diese LP nur empfehlen, trotzt des bitteren Beigeschmacks.

Es gab dann auch noch ne weitere Werbe-LP dieser Art … sie umfasst dann den Frühling und den Sommer …

GünterNorris

Günter Norris — na ja …

Besetzung:

Seite 1 (01. + 02.)
Jaap Schröder (violin)
Concerto Amsterdam

Seite 2 (03 – 04.)
Günter-Noris-Trio:
Charlie Antolini (drums)
Günter Noris (piano)
Jean Warland (bass)

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Titel:

Concerto Amsterdam:
01. Der Herbst (F-Dur, Op 8.3 – Allegro – Adagio Molto – Allegro) 8.09
02. Der Winter F-moll, Op 8.4 – Allegro Non Molto – Largo – Allegro) 12.10

Günter-Noris-Trio:
03. Der Herbst (F-Dur, Op 8.3 – Allegro – Adagio Molto – Allegro) 9.36
04. Der Winter F-moll, Op 8.4 – Allegro Non Molto – Largo – Allegro) 9.18

LabelB1

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Peggy March & Jürgen von Manger – Hallo Partner dankeschön/Die Kunst Leute zu ärgern (1971)

FrontCover1Einerseits eine durchaus amüsante Episode deutscher Mediengeschichte, andererseits aber auch ein durchaus wichtiges Thema, das hier zur Sprache kommen wird.

Die Rede ist von dem „Deutschen Verkehrssicherheitsrat“ (DRV):

Der Deutscher Verkehrssicherheitsrat e.V. (DVR) ist ein 1969 gegründeter Verein zur Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Verkehrssicherheit.

Die Aufgabe des Vereins ist die Förderung von Maßnahmen zur Verbesserung der Sicherheit aller Verkehrsteilnehmer. Schwerpunkte sind Fragen der Verkehrstechnik, Verkehrserziehung und -aufklärung, des Verkehrsrechts und der -überwachung. Leitbild ist der Partnerschaftsgedanke und die Stärkung der Eigenverantwortung aller Verkehrsteilnehmer. Der Verein koordiniert die Aktivitäten seiner Mitglieder und entwickelt Programme. (Quelle: wikipedia)

1970/71 konzipierte der DVR eine erste bundesweite Kampagne, die nachhaltige Erziehungs- und Aufklärungsarbeit auf dem gesamten Feld der Verkehrssicherheit leisten sollte. „Hallo Partner – danke schön“ wurde geboren. Das primäre Ziel der LogoKampagne bestand darin, die Grundhaltung der Verkehrsteilnehmer in Richtung eines gesteigerten Verantwortungsbewusstseins und einer stärker partnerschaftlichen Einstellung gegenüber ihren Mitmenschen zu beeinflussen. Leitbilder wie der „Könner“, Menschen, die „mit der Zeit gehen“, sollten gekoppelt werden mit den Eigenschaften „Partnerschaftlichkeit“ und „Verantwortungsbewusstsein“. Auf diese Weise wurde am Geltungsstreben der Menschen und ihrem Wunsch nach persönlicher Anerkennung angeknüpft und es gelang, diese Motive in den Dienst der Sicherheit zu stellen.

Markantes Erkennungszeichen der Kampagne war ein Logo, das aus mehreren Elementen bestand: Der Pfeil symbolisierte die eher rationalen Komponenten des Verkehrsverhaltens, während die orangefabige Blüte für die emotionalen Aspekte stand. Beide Elemente waren harmonisch miteinander verbunden. Dies sollte bedeuten: Vernunft und korrektes, rücksichtsvolles Verhalten lassen sich durchaus mit Lebenslust und der Freude am Fahren verbinden.

Eine erste Serie von „Könner“-Plakaten, die auf Autobahnen, an Bundesstraßen und Werksparkplätzen Verbreitung fanden, vermittelte die zentralen Botschaften: Gelassen fahren, Partner sein, Abstand halten, Gurt tragen, Pause machen.

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Zusätzlich wurden weitere Medien genutzt: Peggy March und Roberto Blanco sangen – damals noch auf Schallplatte – das „Partner-Lied“ und wurden so zu Botschaf­tern und Identifikations­figuren der Kampagne.

Hier also die Single mit Peggy March, die ein simples Liedchen mit passenden Text trällert … und zwar einmal in deutsch und einmal in englisch (warum man sich für diesen „Schachzug“ entschieden hat, erschließt sich mir allerdings nicht so recht).

Slogans

Weitaus amüsanter ist dann die B-Seite mit dem Unikum Jürgen von Manger, der mit seinem schrägen Humor so genau meiner Kragenweite entspricht. Der Text hat auch heute noch seine Aktualität und seinen Witz … empfehlenswert.

Ansonsten gibt es noch zu berichten, dass die Single (die man ja auch als Werbeplatte kategorisieren kann) mit 2 unterschiedlichen Hüllen veröffentlich wurde.

Wer also seine Spaß an solchen Relikten früherer Jahrzehnte hat, wird hier eigentlich ganz gut bedient. Eine kleine Dokumentation über diese damalige Kampagne habe ich dann auch noch in mein Präsentationspäckchen gepackt.

AlternativesFrontCover

Alternatives Frontcove

Titel:
01. Peggy March: Hallo Partner dankeschön (deutsche Version) (Krassmann/Urban) 1.56
02. Peggy March: Hallo Partner dankeschön (englische Version) (Krassmann/Urban) 1.55
03. Jürgen von Manger: Die Kunst Leute zu ärgern (v.Manger)  7.54

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Witthüser und Westrupp – Trips und Träume (1971)

FrontCover1Unverzichtbar ist dieses Duo für das Verständnis der Anfang der 70er Jahre aufkeimendem neuen Verständnis deutschsprachiger Folk- und Rockmusik. Kurz: Witthüser und Westrupp sind eine Legende geworden !°

Witthüser & Westrupp war ein deutsches Liedermacher-Duo aus Essen. Ihre Besonderheit waren melodische Lieder in deutscher Sprache sowie vielseitige Instrumentierung.

Im Juni 1969 schlossen sich Bernd Witthüser (* 29. Februar 1944) und Walter Westrupp (* 12. Februar 1946) als „W & W’s Pop-Cabaret“ zusammen. Schon 1970 änderten sie ihren Namen in „Witthüser & Westrupp“. Unter diesem Namen traten sie bis März 1973 zusammen auf.

„Trips und Träume“, W&Ws zweite LP, wurde im März 1971 in Stommeln im Studio von Dieter Dierks eingespielt. Sie entstand unter Mithilfe der Musiker Bernd Roland und Renée Zucker. Produzenten waren Rolf-Ulrich Kaiser und Gille Lettmann. Die LP erschien ebenfalls auf Ohr. Auf diesem Album befinden sich auch die Lieder „Nimm einen Joint, mein Freund“ und „Laßt uns auf die Reise gehn“ (Text: Thomas Rother), welche zu den bekanntesten der Band zählen. Auf der Bühne arbeiteten Witthüser & Westrupp zu dieser Zeit auch u.a. mit dem Essener Bratschisten Paul Pudel zusammen. (Quelle: wikipedia)

Über dieses Album gibt es in dem Online-Buch über die Geschichte des Duos ausführlich Informationen … ich füge sie hier einfach mal ein …#
Auf der Suche nach einem neuen Weg klopfen wir an die Himmelstüre
Ein Mann namens Petrus öffnet ganz sacht und er fragt:
„Seid ihr es, die da kommen sollen, uns den Shit zu bringen?“

Wir streichen aus alle, die wir kennen – uns eingeschlossen –
und  wir treten ein in den ewigen Frühling
wir sehen die himmlischen Heerscharen mit den ewigen Joints auf ihren Wolken sitzen und ihr Gesang steigt unaufhaltsam in den Händen der Sonne

Witthüser & Westrupp – „Orienta“ von der LP „Trips & Träume Auschnitt aus „Orienta“

WuWJanuar 71 fangen wir mit den Proben zum 2. Programm „Trips & Träume“ an. Als 3. Mann holen wir Bernd „Curny“ Roland (Ex-No-Bassist, Weg- und Kampfgefährte aus jungen Tagen) als Bassisten mit ins Boot und damit kommt erstmals Elektronik inW&W mit Bernd „Curny“ Roland bei einer heiligen Handlung die Gruppe. Damit wir neben ihm bestehen können, setzen auch wir – neben unseren nach wie vor genutzten Akustik-Instrumenten – Verstärker und Elektro-Gitarren ein. Die Musik wird dadurch sphärisch-schwebend (passend zum Zustand), die Texte abgehoben und doppelsinnig, eben auch passend zum Titel und Programm oder auch umgekehrt. Wir üben nach wie vor im JZ Essen, aber der erste Auftritt erfolgt im März 71 aus Platzgründen in der ausverkauften Aula des Burggymnasiums in Essen vor einem begeisterten Publikum – wir sind avanciert zu echten Lokalgrößen. Aufgenommen wird dieses Konzert von einem WDR-Fernsehteam für ein Band-Portrait. Danach werden Schwachstellen ausgemerzt – und dann geht´s  wieder auf Tour. Diesmal ist der Süden Deutschlands unser Ziel (bisher eher W&W-Diaspora) und nach erfolgreichen Konzerten gehen am Ende des Monat nach Stommel ins Studio Dierks, wo die Aufnahmen für die 2.Lp in Angriff genommen werden. Hier ist nun professionelles Arbeiten angesagt als bei den Aufnahmen zur ersten LP in Hamburg: wir spielen Instrument für Instrument einzeln ein – eine für uns neue und zunächst hemmende Art der Arbeit. Doch nach einer Eingewöhnungsphase werden wir locker, die Atmosphäre im Studio stimmt, und die Arbeit macht allen Beteiligten mehr und mehr Spaß.

Zucker

Renee Zucker

Renee Zucker, Essener Urgestein, die zu Besuch ins Studio kommt, wird gleich bei 2 Stücken mit eingesetzt (sie erzählte die Geschichte von Karlchen und seinem Erlebnis mit den wilden Riesenhunden und war mit ihrer irrsinnigen Klaviertechnik maßgeblich an der Entstehung des englischen Walzers beteiligt), auch Dieter Dierks und Gille Lettmann werden aktiv eingesetzt.

Wir können ganz in Ruhe – wieder ganz ohne Termin-Stress und Zeitdruck oder irgendwelche Blicke auf immer höher werdende Studiokosten– Dinge ausprobieren (die Doppelflöten bei Orienta, den kaputten Walzer, den Posaunenchor etc.) Gemeinsam wird abgehört, verworfen, diskutiert, gelacht, geraucht: es ist eine total relaxte Stimmung, was man der Produktion auch anmerkt – das gesamte feeling ist stimmig. – und auch das Plattencover passt perfekt:

Fans und Zeitungsleute besuchen uns und erleben Gleiches .  Endlich haben die Kiffer in Deutschland auch mal „eigene“ Songs in der Landessprache, die sie sich reinziehen können. Die Promotion-Maschinerie von Kaiser läuft auf Hochtouren, und die Pressefotos von uns und auch das Single-Cover werden tatsächlich überall abgedruckt: nackend mit Karlchen, mit dickem Joint und/oder mit Wasserpfeife und den dicken OHR-Ballon zwischen den Beinen… Das waren noch Zeiten!

Hey, das ist ein Granate – oder?Unser Song  „Nimm eine Joint, mein Freund“, der wie viele andere Songs dieser Platte auf sämtlichen Indexen steht, wird bei den Freaks dankbar aufgenommen und heimliche Hymne der Subkultur. Nicht auf dem Index steht das Einganglied dieser Produktion „Lass uns auf die Reise geh´n“ mit diesem schönen Text von Thomas Rother. Dabei erreicht dieses Lied im Zusammenhang mit den weiteren Songs der Lp eine völlig andere Dimension, als der Autor wohl ursprünglich gemeint hat und die von den Indexierern gar nicht wahrgenommen wird. Uns ist das alles recht, denn allein 1 Index-Vermerk spricht sich in Fachkreisen rasend schnell rum – und kurbelt so der Verkauf der Lp an: das Ding läuft supergut.

Welchen Erfolg wir als „Nicht-Schnulzen-Fuzzis“ haben, bezeugt dann eine von der Fachzeitschrift „Schallplatte“ durchgeführte Befragung bei 70 Fachjournalisten zum Deutschen Musikpoll 1971 für deutschsprachige Gesang-Duos: wir landen auf dem 3. Platz (8,6%) nur ganz knapp hinter Adam & Eve. Den gleichen Platz wie wir nehmen dabei Ike & Tina Turner bei den internationalen Duos ein, und wir liegen sogar einen Platz vor Paul & Linda McCartney (3,2%) !

SingleUnsere Titel tauchen in den Hitparaden auf: zunächst in den St. Pauli- Nachrichten (!), wo neben Sex-Reportern und nackten Mädels auch ein1. Plazierung in den St. Pauli-Nachrichten: 10. Platz Musik-Journalist sein Unwesen trieb, der uns in sein Herz geschlossen hat: er puscht uns wie keinen Anderen: „Schöne anspruchsvolle Musik“…. „Nimm einen Joint und Lass uns auf die Reise geh´n sind echte Hits, und Ohr sollte deutlich mehr für W & W tun!“. Wir nehmen hier im Laufe der nächsten 2 Jahre fortwährende Spitzenpositionen ein und belegen mit „Nimm einen Joint“ über 20 Wochen Platz 1 ein.
„Lass uns auf die Reise geh´n“ kommt  in der SWF 3-Hitparade, wo wir mit Frank Laufenberg einen weiteren Fan sitzen haben, auf einen Vorderplatz. Mit Frank, der auch später noch uns und unsere Musik mit dem Jesuspilz fördert, und mit Manfred Sexauer , der uns in seine Nachtsendungen einlädt, haben wir zwei Verbündete im Süden sitzen, die uns auf unserem weiteren Weg wohlwollend begleiten werden.

Neben diesen Zeitungs- und Rundfunk – Erscheinungen geht unser Knochenjob natürlich weiter: der Konzerttermine werden immer mehr. Und dazu dann immer häufiger Presse-Termine mit – dem Stern, mit Zeitungen und Fachzeitschriften, Platten-Promotion-Radio-Touren durch die deutschen Sender, Besprechungstermine mit Produzent und Plattenfirma. Denn Rolf-Ulrich Kaiser dreht so richtig am großen Rad. Zum Einen kennt er Gott und die Welt bei den Zeitungen, beim Radio und Fernsehen – und die kennen ihn auch. Und wer ihn nicht kennt, der lernte ihn aber richtig kennen. Er weiß, wie dort gearbeitet wird, und entsprechend lanciert er seine Werbung für uns. Zum Anderen ist er ein Arbeitstier: er ist nur noch für seine (und damit auch für unsere) Sachen unterwegs – und erwartet das Gleiche von uns…
Er bombardiert alles und jeden mit Werbung – und fällt mal eine Plattenkritik oder ein Konzertbericht nicht so gut aus: „Hauptsache, es wird über Euch berichtet.“ Dieser Hans Dampf kennt keine Pausen – und uns gönnt er auch kaum noch eine: „Ihr seid im Geschäft – also muss eine neue Platte her. OH NEE…

Erfolg hat eben seinen Preis – unsere freie Zeit wird knapper“

Und hört man sich heute das Album kann … kann man nur erstaunt sein auf welch reifem und hohen Niveau damals bereits musiziert wurde und textlich ist dieses Album ebenfalls einr reine Wohltat. Respekt !

WuW2

Besetzung:
Bernd Roland  (bass)
Walter Westrupp (vocals, trumpet, trombone, flute, zither)
Bernd Witthüser (vocals, guitar)
Renee Zucker (percussion, flute, vocals bei 05.)

Booklet1

Titel:
01. Laßt uns auf die Reise gehn (Witthüser/Rother) 4.00
02. Trippo Nova (Witthüser) 8.55
03. Orienta (Witthüser) 7.35
04. Illusion I (Witthüser) 4.35
05. Karlchen (Witthüser) 9.05
06. Englischer Walzer (Witthüser) 1.38
07 . Nimm doch einen Joint, mein Freund (Witthüser) 3.30

LabelB1

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Ton Steine Scherben – Warum gehts mir so dreckig ? ( (1971)

FrontCover1Ganz sicher darf man sie als Kultband der „linken Szene“ der 70er Jahre bezeichnen und ihr legendärer Ruf geht weit über dieses Jahrzehnt hinaus.

Ton Steine Scherben (oft auch kurz „Die Scherben“ genannt) war eine der ersten und einflussreichsten deutschen Rockgruppen der 1970er- und frühen 1980er-Jahre, die vor allem sozialkritische deutschsprachige Texte in der Rockmusik verwendeten. Mit den ausdrucksvollen emotional-politisch motivierten Liedern ihres Sängers und Frontmanns Rio Reiser wurde diese Gruppe zu einem musikalischen Sprachrohr des linksalternativen Spektrums, beispielsweise der Hausbesetzerbewegung, und zu einer auch nach ihrer Auflösung 1985 bis in die Gegenwart wirkenden Kultband der entsprechenden Szene ihrer Zeit in der Bundesrepublik Deutschland und West-Berlin.

Ton Steine Scherben wurde 1970 in West-Berlin von R.P.S. Lanrue (bürgerlich Ralph Peter Steitz), Rio Reiser (bürgerlich Ralph Möbius), Kai Sichtermann und Wolfgang Seidel gegründet, die damals alle etwa 20 Jahre alt waren. Im Januar 1966 fragte R.P.S. Lanrue Rio Reiser, ob er in seiner Gruppe mitsingen wolle. Die Band hieß Beat Kings und coverte hauptsächlich Beatmusik. Noch im selben Jahr gründeten Reiser und Lanrue gemeinsam die Rockband De Galaxis, in welcher sie auch ab und an eigene Stücke spielten. 1967 folgte der Umzug von Niederroden (Rodgau/Hessen) nach Berlin. Beim Theaterprojekt Hoffmanns Comic Teater (sic) in Berlin trafen die beiden auf Seidel und Sichtermann.[1] Der Bandname Ton Steine Scherben leitet sich laut Aussage Rio Reisers aus einem Zitat des Troja-Entdeckers Heinrich Schliemann ab: „Was ich fand, waren Ton, Steine, Scherben“. In dem Buch „Keine Macht für Niemand“ führt Bassist Kai Sichtermann dagegen aus, dass sich der Name bei einem Brainstorming aus dem Namen „VEB Ton Steine Scherben“ entwickelt habe, was als die wahrscheinlichere Version gilt (assoziativ angelehnt an den Namen der westdeutschen Industriegewerkschaft Bau-Steine-Erden).

TSS01Die ersten zwei Lieder Macht kaputt, was euch kaputt macht und Wir streiken nahm die Band in einem kleinen Studio in Kreuzberg auf. Eine Single mit diesen beiden Stücken als A- und B-Seite war das erste Produkt der Band; verkauft wurden sie über Bootlegger. Den ersten Auftritt hatte die Band beim Love-and-Peace-Festival am 6. September 1970 auf Fehmarn, wo sie unter dem Namen Rote Steine auftrat. Da die Veranstalter mit den Eintrittsgeldern das Gelände verließen, ohne die Musiker zu bezahlen, soll Reiser das Publikum dazu aufgefordert haben, den Veranstalter „ungespitzt in den Boden zu hauen“. Nach dem dritten Lied, Macht kaputt, was euch kaputt macht, zündeten Besucher das Organisationsbüro der Veranstaltung an. Nach dem fünften Song brannte die Bühne ab. Laut Reiser wurde die Brandstiftung zum Teil der Band zugeschrieben. Der Vorfall steigerte den Bekanntheitsgrad der Band jedenfalls enorm.

1971 gründeten sie eines der ersten deutschen Independent-Labels, die David Volksmund Produktion. Zum einen wollten sie mit den eigenen Veröffentlichungen unabhängig von der etablierten Plattenindustrie sein, zum anderen war es aufgrund ihres radikalen Images unmöglich, einen Vertrag bei einem großen Label zu erhalten. Folge davon war ein geradezu bescheidener Profit aus den Plattenverkäufen, sodass die Band permanent finanzielle Probleme hatte.

Das erste Album Warum geht es mir so dreckig? erschien im September 1971. Neben Macht kaputt, was euch kaputt macht befinden sich darauf auch die später populären Lieder Ich will nicht werden, was mein Alter ist und Der Kampf geht weiter.

TSS02Am 8. Dezember 1971 besetzten Band und Publikum nach einem Auftritt an der Technischen Universität Berlin einen ungenutzten Gebäudeteil des Kreuzberger Bethanien-Krankenhauses. Da vier Tage vorher Georg von Rauch von Polizisten erschossen worden war, benannten die Besetzer das Wohnheim in Georg-von-Rauch-Haus um. Das Haus wurde erst am 19. April 1972 von der Polizei geräumt. Aus diesem Anlass schrieb Reiser den Rauch-Haus-Song.

Als in einigen Städten Deutschlands wegen Fahrpreiserhöhungen im Rahmen der Aktion Roter Punkt öffentliche Verkehrsmittel zum Teil boykottiert wurden und Protestaktionen gegen diese Verteuerung stattfanden, veröffentlichte die Band auf einer Single die Lieder Mensch Meier und Nulltarif, in denen sie zum Schwarzfahren aufrief. (Quelle: wikipedia)

Soweit zu den Anfängen der Band und wer google bemühen will … findet unendlich viel weiteres Marterial über diese Formation …

Und nun sind 42 Jahre vergangen … Rio Reiser ist längst tod und das Album kann schon sehr zwiespältige Gefühle auslösen. Da ist zum einen die konsequente Radikalität der Texte (wohl einmalig in der damaligen Zeit), das ist der oftmals eher unbeholfene vermutlich gewollt grobschlächtigeSound (von Geschmeidigkeit kann keine Rede sein), dem die Durschlagskraft einer Band namens MC 5 fehlte, da stellt sich rückblickend die Frage, ob die bitter-anklagenden Texte in dieser Form tatsächlich gerechtfertigt waren (werde ich jetzt langsam alt ?) … und dann tauchen plötzlich musikalische Perlen wie „Mein Name ist Mensch“ auf ..

Zwiespältigkeit dein Name ist Ton Steine Scherben …

Songbook1972

Songbook aus dem Jahr 1972

Besetzung:
Ralph Möbius (Rio Reiser) (vocals, guitar, piano)
Nikel Pallat (choir)
Wolfgang Seidel (drums, percussion)
Ralph Steitz (guitar, drums, percussion, background vocals)
Kai Sichtermann (bass, percussion, background vocals)

RioReiser

Rio Reiser

Titel:
01. Ich will nicht werden was mein Alter ist (R.Möbius) 5.05
02. Warum geht es mir so dreckig (R.Möbius/Steitz) 5.08
03. Der Kampf geht weiter (R.Möbius/Steitz) 6.48
04. Macht kaputt, was euch kaputt macht (R.Möbius) 3.31
05. Das Einheitsfrontlied (Brecht/Eisler) 3.26
06. Mein Name ist Mensch (R.Möbius) 6.52
07. Sklavenhändler (R.Möbius) 2.37
08. Alles verändert sich (G.Möbius/R. Möbius) 4.17
09. Solidarität (R. Möbius/Steitz) 5.01

LabelB1

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Danyel Gerard – Starportrait – Neue Lieder in deutscher Sprache (1973)

FrontCover1Also, 1971 sorgte dieser französische Barde für einen ganz schön mächtigen Wirbel in der deutschen Schlagerszene und zwar … natürlich mit seinem Mega-Hi „Butterfly“:

Danyel Gérard (* 7. März 1939 in Paris; bürgerlich Gérard Daniel Kherlakian) ist ein französischer Schlagersänger und Komponist.

 

Gérard wurde als Sohn eines Armeniers und einer Italienerin in Paris geboren, wuchs aber überwiegend in Rio de Janeiro auf. 1953 kehrte er nach Paris zurück und war unter anderem Chorknabe in der Kirche Notre Dame. Später spielte er in der Rock’n’Roll-Band „The Dangers“. Von 1959 bis 1961 war er als Soldat in Nordafrika. Anschließend tingelte er als Sänger und Gitarrist durch Bistros. Er begann zu komponieren und schrieb unter anderem Titel für Stars wie Johnny Hallyday, Sylvie Vartan, Dalida, Richard Anthony, Caterina Valente und Udo Jürgens.

Gérards erste eigene Aufnahme als Sänger war Memphis Tennessee. Seinen Durchbruch hatte er 1971 mit Butterfly, das er aufgrund des Erfolgs schließlich in sechs Sprachen aufnahm. Es war in mehreren Ländern wochenlang in den Charts, wurde mehrfach mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet und zählt mittlerweile zu den Evergreens. Das Lied fand auch Einzug in den Spielfilm Die tollen Tanten schlagen zu (Regie: Franz Josef Gottlieb). Bis heute ist das Lied Butterfly Gérards erfolgreichster Hit in Deutschland. 2003 wurde es in der RTL-Sendung Die ultimative Chartshow als erfolgreichster Hit in den deutschen Single-Charts der letzten 30 Jahre vorgestellt.

Nach ein paar weiteren Aufnahmen widmete sich Gérard wieder mehr dem Komponieren für andere. Er lebt auf einem Bauernhof in der Nähe von Paris. (Quelle: wikipedia)

Gerard02

Na ja … er hatte also einen Hit, eine Eintagsfliege oder „One Hit Wonder“ wie die Briten sich auszudrücken pflegen.

Nach „Butterfly“ folgen weitere deutsche Aufnahmen, die hier auch die Sampler (eine sog. Club-Sonderauflage) zu hören sind.

Und erwarten jede Menge sentimental-kitschige Schmachtfetzen …

Ein wenig witzig zumindest „Teddybär“ … und Höhepunkt dieser irgendwie ganz schön schrägen LP ist dann ganz sicher „Halleluja – Jesus Christ“ (mit der epochalen Zeile „Er hängt am Kreuz in jener Nacht/Und was er wolle, war vollbracht/Hallelujah“)

Nun gut … kein Album für die Ewigkeit *ggg* … aber mit einem sehr hohem Drolligkeitswert …

Singles

Single Veröffentlichungen

Besetzung:
Danyel Gerard
+
eine bunte Schar unbekannter Studiomusiker

BackCover1

Titel:
01. Meine Stadt (Von Japan nach Amerika) (Juris/Gérard/Barnes/Bernet) 4.24
02. Teddybär (Juris/Gérard/Barnes) 2.33
03. Harlekin (Juris/Gérard/Barnes/Bernet) 3.35
04. Marie-Jeabel (Juris/Gérard/Barnes) 3.18
05. Caroline (Juris/Gérard/Barnes/Bernet) 3.41
06. Halleluja – Jesus Christ (Juris/Gérard/Barnes/Bernet) 3.35
07. Sie war nicht schön (Juris/Gérard/Bernet) 4.09
08. Nur wer wagt, gewinnt (Juris/Gérard/Barnes) 3.48
09. Du bist da (Juris/Gérard/Bernet) 4.04
10. Einsamer Clown (Juris/Gérard/Barnes/Bernet/Loose) 3.42
11. Butterfly (Juris/Gérard/Barnes/Bernet) 3.26

LabelB1
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Staatskapelle Dresden u.a. – Hänsel und Gretel (Heitere Oper – Engelbert Humperdinck) (1973)

FrontCover1Na ja … das Grimm´sche Märchen „Hänsel und Gretel“ kennt ja wohl jeder … Aber die dazu passende „heitere Oper“ wohl eher weniger.

Hänsel und Gretel ist eine spätromantische Oper in drei Akten, die in den frühen 1890er Jahren entstand. Die Musik stammt von Engelbert Humperdinck, das Libretto schrieb seine Schwester Adelheid Wette nach dem Märchen Hänsel und Gretel aus den Kinder- und Hausmärchen der Brüder Grimm. Die Werkbezeichnung der Autoren lautet „Märchenspiel in drei Bildern“, Humperdinck nannte sein Werk in ironischer Anspielung an Richard Wagners Oper Parsifal ein „Kinderstubenweihfestspiel“.

Hänsel und Gretel wurde am 23. Dezember 1893 in Weimar am Hoftheater unter Richard Strauss als Dirigent das erste Mal aufgeführt. Die Oper, die eine Spieldauer von etwa zwei Stunden hat, gehört heute zum häufig gespielten Repertoire von Opernhäusern und wird besonders häufig in der Adventszeit aufgeführt.

Humperdincks Schwester Adelheid Wette plante das Märchenspiel als häusliche Theateraufführung. Sie bat ihren Bruder lediglich um die Vertonung einiger Verse. Als diese im Familienkreis großen Anklang fanden, beschlossen Wette und Humperdinck, ein Singspiel daraus zu machen. Schließlich wurde Humperdincks Begeisterung so groß, dass er eine abendfüllende Oper komponierte. Bereits die Uraufführung war ein außerordentlicher Erfolg.

NotenausgabeHänsel und Gretel ist eine durchkomponierte Oper in der Nachfolge Richard Wagners, die jedoch in großem Maße volksliedhafte Musik einbringt. Das motivische Material ist äußerst ökonomisch gestaltet, ohne streng leitmotivisch im Sinne Wagners eingesetzt zu werden.

Viele der Themen in Hänsel und Gretel werden oft für Zitate von Volksliedern gehalten. Humperdinck hat sich zwar vieler Volksliedfragmente bedient, aber tatsächlich nur drei Volkslieder unverändert verwendet: Suse, liebe Suse, was raschelt im Stroh?, Ein Männlein steht im Walde und Schwesterlein, hüt’ dich fein!. Viele der weiteren Melodien aus der Oper (z. B. Brüderchen, komm tanz mit mir und der Abendsegen) sind aber erst später zu Volksliedern geworden. (Quelle: wikipedia)

Und hier ne Kurzbiographie über den Komponisten:

Engelbert Humperdinck wurde am 1. September 1854 in Siegburg geboren Engelbert Humperdinck wurde am 1. September 1854 in Siegburg geboren
Der Vater von Engelbert Humperdinck arbeitete in Siegburg als Lehrer und seine Mutter, eine begabte Sängerin, erkannte und förderte früh das Talent ihres Sohnes.Sie ermöglichte ihm ein Studium der Komposition am Kölner Konservatorium unter Ferdinand Hiller. Er studierte in Kön und München und lehrte in Frankfurt am Main.
1900-1920 führt er die Meisterklasse für Komposition an der Berliner Akademie.Engelbert Humperdinck war Assistent von Richard Wagner, komponierte aber viel zartgliedriger. Aus dem Sprechgesang entwickelte Humperdinck das gebundene Melodram, das von A. Schönberg weiterentwickelt wurde.

Engelbert Humperdinck

Engelbert Humperdinck

Engelbert Humperdinck war mit Hedwig Taxer verheiratet. Engelbert Humperdinck starb – im Alter von 67 – Jahren in Neustrelitz am 27. September 1921. Er wurde auf dem Waldfriedhof in Stahnsdorf bei Potsdam beigesetzt.

Obwohl er in der Musikwelt zu den bedeutendsten Komponisten der Jahrhundertwende gerechnet wird, ist er vielen meist nur durch die Oper „Hänsel und Gretel“ bekannt. (Quelle: onlinekunst.de)

Hier ein sog.Oper-Querschnitt, aufgeführt von der Staatskapelle Dresden mit einer Schr illustrer Sängerinnen und Sänger, bei denen natürlich der Peter Schreier wohl am bekanntesten ist.

Überraschend die Verwendung von mir bestens bekannten Kinderliedern … und obwohl die Oper den Untertitel „Heitere Oper“ trägt … gibt es hier verdammt viel Dramatik … na ja … auch kein Wunder, bedenkt man die grausigen Erfahrungen der zwei Kinder mit der „bösen Hexe“ …

Aber auch diese Oper hat es nicht geschafft, dass ich mich mit diesem Genre wirklich anfreunden kann.

Enttanden sind die Aufnahmen übrigens bereits 1971 … damals wurden sie als komplette Opern-Fassung veröffentlicht.

Gisela Schröter

Gisela Schröter

Besetzung:
Theo Adam (Bass)
Renate Hoff (Sopran)
Peter Schreier (Tenor)
Gisela Schröter (Mezzo Sopran)
Ingeborg Springer (Alt)
+
Staatskapelle Dresden unter der Leitung von Otmar Suitner

BackCover1

Titel:
01 Suse liebe Suse was raschelt im Stroh? 3.17
02. Brüderchen komm tanz mit mir 6.25
03. Eine Hex, steinalt, haust tief im Wald + Hexenritt 6.55
05. Ein Mannlein steht im Walde 1.50
06. Gretel ich eeiss den Weg nicht mehr 1.50
07. Der kleine Sandmann bin ich + Abends will ich schlafen gehn 5.55
09. Wo bin ich? Wach ich? Ist es ein Traum 8.17
10. Halt! Hokus Pokus Hexenschuss 7.58
11. Juchhei! Nun ist die Hexe tot 8.40

Musik: Engelbert Humperdinck
Libretto (Text): Adelheid Wette

LabelB1
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HänselGretelIllustration

Ja, ja … damals im tiefen Walde …

Embryo – Embryo’s Rache (1971)

FrontCover1Embryo ist eine der bedeutendsten deutschen Jazzrock-Bands der 1970er Jahre und seit 1969 als Musikkollektiv aus München aktiv.

 

Die Band wurde 1969 von Christian Burchard, Edgar Hofmann und Lothar Meid gegründet, nachdem sich Burchard schon Mitte der 1950er im Alter von zehn Jahren mit Dieter Serfas in Hof getroffen hatte.

Meid verließ die Band nach kurzer Zeit. An seine Stelle kamen Ralph Fischer und weitere Musiker, wie der Gitarrist Al Jones.

Insgesamt haben seit 1969 über 400 Musiker beim Musikkollektiv Embryo gespielt,[1] darunter auch immer wieder Charlie Mariano, Mal Waldron und Marty Cook. Zu den langjährigen Mitgliedern zählen u. a. Roman Bunka (Gitarre, Oud), Uve Müllrich (Bass), Michael Wehmeyer (Keyboards), Lothar Stahl (Marimba, Drums) und Jens Pollheide (Bass, Flöte).

Embryo, die 1971 einen ersten Radiohit mit dem Lied Tausendfüßler hatten, entwickelten sich innerhalb weniger Jahre vom jazzigen Krautrock zu einer Weltmusikband, die verschiedene Stile und Richtungen miteinander vereint. Viele Embryo-Alben entstanden auf ausgedehnten Konzertreisen in andere Kontinente. Die Band ist dabei auch mit wichtigen Musikern der von ihnen bereisten Ländern wie Shoba Gurtu, T. A. S. Mani, R. A. Ramamani, Mahmoud Gania und Okay Temiz aufgetreten. Der Film Vagabunden Karawane von Werner Penzel (1980) berichtet über eine dieser Reisen, die von Deutschland bis nach Indien führte.

Embryo1971

Müllrich und Wehmeyer verließen 1980 die Gruppe, um die zunächst Embryo’s Dissidenten genannte Band Dissidenten zu formieren. Seit 1997 ist Burchards Tochter Marja (* 1988) als Multiinstrumentalistin Teil der Band.

Im Juli 2008 erhielt Embryo beim TFF Rudolstadt den Deutschen Weltmusikpreis Ruth 2008, verliehen für das Lebenswerk.

Im Sommer 2016 erlitt Burchard 70-jährig einen Schlaganfall und kann seitdem seine Musik nicht mehr selbst spielen. Seine Tochter Marja ersetzt ihn in der Band in den meisten Funktionen. (Quelle: wikipedia)

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Ausgesprochen unbeständig waren Embryo, was die Bandmitglieder anbelangt. Auf keiner der LPs der 70er Jahre ist dieselbe Besetzung zu hören. Musiker kamen und gingen und eine Vielzahl von ihnen war so kurz bei der Gruppe, dass ihr Spiel nie auf Platte verewigt wurde. Auch zwischen „Opal“ und der zweiten LP von Embryo hatte sich einiges verändert. Von der Urbesetzung waren nur noch Burchard und Hofmann übrig, denen sich der Organist James „Jimmy“ Jackson (der in den Credits allerdings als Gast mit dem Pseudonym Tabarin Man aufgeführt ist – offenbar aus irgendwelchen vertragsrechtlichen Gründen) und der Flötist Hansi Fischer (vorher bei Xhol Caravan) angeschlossen hatten. Dazu kamen als Gäste Franz Böntgen als Sänger und Herman Breuer am E-Piano. Der Gitarrist Roman Bunka (vormals bei Missus Beastly) ist zwar in den Credits der Original-LP als Bassist aufgeführt, doch ist er nachweislich auf „Embryos Rache“ nicht zu hören (die Bassarbeit wurde vielmehr von einem der beiden Keyboarder übernommen).

Die Beteiligung von zwei Keyboardern wirkte sich natürlich auf den Sound der Gruppe aus. Orgel, E-Piano und Mellotron bestimmen den Klang und über diesem Grundgerüst solieren E-Piano, Orgel, Sax und vor allem Flöte und Geige, begleitet von der vielseitigen Perkussion. Gesungen wird nur im souligen „I’cant wait“ im kurzen „Sittin‘ at the moon“ und am Anfang von „Espagna Si, Franco No“, was ist bei dem etwas schwachbrüstigen, wackeligen Organ von Böntgen eigentlich auch ganz gut ist.

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Einen packenden Jazz-Krautrock gibt es auf „Embryos Rache“ zu hören, freie, treibende Jams. Rohe, aber sehr intensive Musik im Grenzbereich von Jazz und Rock ist das, mit einer durchaus proggigen, symphonischen Komponente. Ein Mellotron kommt nämlich recht häufig zum Einsazt. In „Revenge“, „Espagna Si, Franco No“ und „Verwandlung“ erzeugt es mit Klängen von Bläsern und tiefen Streichern leicht dissonate Schübe, kalt herausfahrende Klangflächen, fast schräges Hupen, was für eine sehr eigenartige, hypnotische Atmosphäre sorgt. Insbesondere „Verwandlung“ könnte man beinahe als eine Mellotronorgie bezeichnen, dröhnen dort doch die Klänge dieses Istruments im Hintergrund durcheinander und bilden eine auf- und abschwellende Soundwoge, auf der Piano, E-Piano, Flöte und Geige dahingleiten. Grandios!

Mit „Espagna Si, Franco No“ zeigt die Gruppe auch, recht zeittypisch, politisches Engagement. Mit dem Refrain „Revolution is the only way“ handelte sie sich sogar ein Auftrittsverbot in Spanien ein.

„Embryos Rache“ ist eine interessante und mitreissende frühe Krautrockproduktion, die für mich mit zum besten gehört, was der deutsche Prog in den beginnenden 70er Jahren hervorgebracht hat. (Achim Breiling)

Oder ganz einfach: Embry waren mit ihrer Weltmusik ihrer Zeit meilenweit voraus !

BackCover

Besetzung:
Franz Benton (vocals)
Hermann Breuer (keyboards, trombone)
Christian Burchard (drums, piano, vocals)
Hansi Fischer (flute, percussion, vocals)
Edgar Hofmann (saxophone, violin, percussion)
James „Tabarin Man“ Jackson* (keyboards, mellotron)
+
Roman Bunka (guitar bei 07. + 08.)
Geoff Goodman (guitar bei 07. + 08.),
Dieter Serfas (percussion bei 07. + 08.)

Booklet

Titel:
01 Tausendfüßler (Fischer) 5.36
02. Time (Burchard/Fischer) 8.57
02.1 You Can’t Wait
02.2. Eva’s Nuvola
03. Revenge (Tabarin Man) 6.49
04. Spain Yes, Franco Finished (Burchard) 11.11
05. Try To Be (Burchard) 2.15
06. Change (Burchard) 6.38
+
07. Tabarinman’s Return Pt. 1 (Burchard/Serfas/Goodman/Breuer/Jackson/Bunka) 5.52
08. Tabarinman’s Return Pt. 2 (Burchard/Serfas/Goodman/Breuer/Jackson/Bunka) 6.02

LabelB1
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