Franz K. – Sensemann (1972)

FranzKSensemannFC1969 wurde Franz K. von Mick Hannes (Gitarre, * 15. Juli 1951), Peter Josefus (Bass, Gesang, * 6. November 1951, † 14. November 1997) und Stefan Josefus (Schlagzeug, * 24. Februar 1947) gegründet.

Zunächst spielte das Trio Blues und coverte eindrucksvoll Blues-Rock z.B. von Cream, Jimi Hendrix, Ten Years After – dazu auch Jazz/Crossover. Anfangs gab es auch Gigs z.B. kombiniert mit lokalem Polit-Kabarett ihres Roadies Manfred Günther; nach 1970 traten sie öfter zusammen mit dem Lyriker Arnold Leifert auf. Der Stil wurde in dieser Zeit zunehmend rockiger bis hin zum Hardrock.

1972 veröffentlichten sie ihre erste LP Sensemann (und zwar erstmal als Privatpressung) und gehörten damit zu den Vorreitern des Deutschrock. Auf dieser LP befanden sich nur zwei Titel mit jeweils 20 Minuten Länge. (Quelle: wikipedia)

Und hier haben wir dieses „Kultalbum“ …

Die erste LP, drei Jahre nach der Bandgründung. Obwohl spieltechnisch auf weitaus höherem Niveau als die meisten Deutschrock-Bands jener Zeit, macht jedoch die Länge der Stücke und der starke Prog-Rock Einfluss das Anhören zur Geduldsprobe selbst für eingefleischte Franz K. Fans. (Quelle: von einer mitlerweile geläshten ‚Fanseite auf lycos.de)

Oder aber so:

Ausgezeichnet, was die Wittener Band Franz K. auf ihrem Debüt-Album fabriziert hat. Gespielt wird technisch anspruchsvoller Hardrock, den man durchaus progressiv nennen darf. Die 2 Stücke sind für meinen Geschmack etwas zu lang und haben ein paar spannungsmäßige Durchhänger, aber auch einige ganz wunderbare ‚krautrockige‘ Momente. Ein Album, das in keiner ernsthaften Krautrocksammlung fehlen darf. (Rudi Vogel)

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Front + Back Cover der Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 1983

Keine Frage: Franz K. gehören zum Urgestein der deutschsprachigen Rockmusik; ihre Texten waren „sozialkritisch“ und stark von der damaligen DKP Ideologie geprägt. Aber sind wir mal ehrlich: Sieht man mal von dem damaligen „Polit-Slang“ ab, so ganz unrecht hatten sie ja auch nicht.

Musikalisch klingt das Album heute schon recht antiquiert (wenngleich es etliche hypnotische Momente gibt) … aber für jemanden wie mich, der just in dieser Zeit so allmähliche flügge geworden ist … und dabei doch stark von solchen Sounds geprägt wurde, ist das Album halt „Kult“ wissend, dass ich die Nachwelt diesem Urteil wohl kaum anschließen wird.

Und dass die Band dann später in gar fürchterlich seichte Fahrwasser abgetriftet sind … verzeih ihr bis heute noch nicht.

FranzKSensemannAuto

Damals ganz schön provokativ: Franz K. fuhren damals ihr
Equipment in einem Leichenwagen zu den Konzerten

Besetzung:
Mick Hannes (guitar)
Peter Josefus (bass, vocals)
Stefan Josefus (drums)

FranzKSensemannLive

Bochum Juni 1970

Titel:
01. Das goldene Reich (Hannes/P.Josefus/S.Josefus) 20.00
02. Sensenmann (Hannes/P.Josefus/S.Josefus) 18.11

FranzKLabel

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Und hier mal so nebenbei eine Auktion für die Original – LP:

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Junge, Junge … man glaubt es nicht …

Katja Ebstein – Freunde (1971)

FrontCover1Mr. Jancy hat mich völlig zurecht darauf hingewiesen, dass dieses „Inch Allah“ Album kein Original-Album ist, sondern einfach ein Sampler mit Musik aus den Anfängen der 70er Jahre sein. Wie wahr und es tut mir natürlich leid, dass ich da schlampig recherchiert habe. Quasi zum Trost (er ahnte vielleicht, dass ich zerknirscht sein werde) hat dann Mr. Jancy dann gleich ein Original-Album von Katja Ebstein spendiert und zwar ihr 71er Album „Freunde“.

Natürlich war ihr Ehemann Christian Bruhn und Texter Michael Kunze auch bei diesem Projekt federführend beteiligt und sie steuerten so manche Komposition bei und Michael Kunze war fraglos der „Cheftexter“ für Katja Ebstein in diesen Jahren.

Aufgenommen wurde das Album in den I.B.C. Studios, London und bei den Begleitmusikern findet man so etliche Cracks aus der damaligen englischen Musikszene … erwähnen will ich dabei u.a. Chris Spedding, Kevin Peek und Clem Cattini.

Und nicht nur die Musiker waren quasi international, auch etliche der Songs stammten aus der Feder internationaler Künstler, wie z.B. die Bee Gees, Jerry Jefff Walker oder Bob Darin …

Und es ist wohl ein typischer Katja Ebstein Album für diese Zeit: Der ewige Spagat zwischen hitparadentauglichem Material und anspruchsvolleren Liedern … Und auch wenn ich mich heute als bekennender Ebstein-Fan bezeichnen mag … damals hatte die Dame einfach keine Chance bei mir … dröhnender Hardrock ala Mountain oder Humble Pie oder fulminanter Jazz-Rock alaColosseum oder The Flock standen bei mir damals hoch im Kurs … da hatte die Ebstein wahrlich keine Chance … aber gut, dass man im Leben mehr als einmal ne Chance bekommt … heute mag ich sie nicht mehr missen.

Kleine Ergänzung (soviel Zeit muss sein): Im inlet des Albums zeigte die Katja Ebstein ja nicht nur viel von ihren Beinen … mein männlicher Blick erkennt natürlich auch messerscharf, dass ihr Mini-Rock so mini war, dass man auch noch ihren Slip sehen kann … mich wundert es ein wenig, dass dies damals kein Skandal war … oder hatte Oswald Kolle schon so erfolgreich seine Botschaften unter das Volk gebracht ?

BackCover1

Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
+
Alan Beever (saxophone, flute)
Sheila Bromberg (harp)
Nick Bush (horn)
Tony Camp (bass)
Clem Cattini (drums)
Eric Ford (guitar)
Steve Gray (piano)
Barry Guard (percussion)
Cliff Hicks (guitar)
Gordon Huntley (guitar)
Martin Kershaw (guitar)
Richard Lee (recorder)
Richard Morgan (oboe)
Al Newman (flute)
Kevin Peek (guitar)
Ken Salmon (piano)
Reiner Schuelein (recorder)
Chris Spedding (guitar)
Trevor Spencer (drums)
Wally Smith (trombone)
Richard Tattersal (guitar)
+

violin:
Tony Gilbert – Bill Miller – Charles Vorsanger – Homi Kanger – Paul Scherman – Peter Poole – John Kirkland – Raymond Keenlyside – Gerald Emms – David Katz – George Lauland – Geoffrey Wakefield – Larry Rossi

viola:
Kenneth Essex – Chris Wellington – John Graham

cello:
Boris Rickelman – Peter Willison – Charles Tunnell

trumpet:
Tony Fisher – Paul Tongay – Leon Calvert – Ian Hammer

(hoffentlich habe ich keinen vergessen !)

Booklet1
Titel:
01. Freunde (Kunze/Bruhn) 2.52
02. Gibt es ein Herz das niemals bricht? (How Can You Mend A Broken Heart?) (Kunze/B.Gibb/R. Gibb) 4.00
03. Johnny Callaghan (Mr. Callaghan) (Kunze/Marnay/Monay) 3.20
04. Dr. Faustus (Bruhn/Kunze/Doucet) 3.37
05. Seit du nicht mehr bei mir bist (Kunze/Bruhn) 3.43
06. Ein kleines Lied vom Frieden (Hertha/Darin) 3.26
07. Nur beim Abschied nicht weinen (Loose/Bruhn) 2.38
08. Das alles war ich ohne dich (Mey) 3.20
09. Mr. Bojangles (Kunze/Walker) 4.28
10. Muss das Leben so hart sein? (Kunze/Maffay) 3.23
11. Das kleine Glück einer kleinen Liebe (Schäuble/Kunze/Christopher/Thompson) 3.45
12. Frieden in mir (Peace In My Mind) (Kunze/Gibb) 3.55

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Marion Maerz – Singt Burt Bacharach (1971)

LPFrontCover1Es gibt da ja Schlager-Kenner, die schnalzen bei diesen Aufnahmen nur so mit der Zunge,.

Marion Maerz singt Burt Bacharach – Seite eins ist ein Musikalbum der Sängerin Marion Maerz. Das Werk enthält 12 deutschsprachige Coverversionen des US-amerikanischen Komponisten Burt Bacharach. Arrangeur und Orchesterleiter der Studioproduktion war Ingfried Hoffmann. Das Album erschien 1971 als Langspielplatte auf dem Label Reprise Records und wurde 2009 unter dem Titel Marion Maerz – Burt Bacharach Songbook mit veränderter Titelreihenfolge erstmals auf CD wiederveröffentlicht.
Maerz mit dem Beat-Schlager Er ist wieder da einen großen Erfolg verbuchen. Der von Christian Bruhn komponierte Titel kletterte Anfang 1966 bis auf den sechsten Platz der deutschen Hitparaden. Die nachfolgenden Singles verkauften sich zunächst zufriedenstellend, konnten den Erfolg des Hits Er ist wieder da aber nicht wiederholen. In den ausgehenden 1960er Jahren war Marion, damals noch ohne Nachnamen vermarktet, zunehmend unzufrieden mit der Titelauswahl ihres Produzenten Peter Meisel. 1970 verließ die Interpretin das Musiklabel Hansa.

MarionMärzEinige Monate später wurde der Musikproduzent Siegfried E. Loch auf die Künstlerin, nunmehr ohne Plattenvertrag, aufmerksam. Loch war in den 1960er Jahren zu einem erfolgreichen Produzenten zeitgemäßer und anspruchsvoller Unterhaltungsmusik avanciert. Er produzierte unter anderem Schallplatten von Klaus Doldinger, Katja Ebstein, George Gruntz. den Rattles und Attila Zoller. 1970 wurde der erst dreißigjährige Plattenproduzent Gründungsgeschäftsführer der in Hamburg ansässigen Kinney Musik GmbH, die wenig später in WEA Records umbenannt wurde.

In Zusammenarbeit mit Marion Maerz entwickelte Siegfried E. Loch die Idee zur Produktion eines Konzeptalbums mit deutschsprachigen Coverversionen des erfolgreichen Songwriter-Duos Burt Bacharach und Hal David. Für die meisten Stücke lagen Liedtexte namhafter Texter wie Ernst Bader, Michael Kunze oder Günter Loose vor. Vereinzelt waren bereits textgleiche deutsche Versionen von Bacharach-Titel erschienen, darunter Ein Haus ist kein Zuhaus / A House Is Not a Home (Corry Brokken), Frag doch nur dein Herz / Trains and Boats and Planes (Die Five Tops), Warten und hoffen / Wishin’ and Hopin’ (Dusty Springfield), Wenn ich die Regentropen seh’ / Raindrops Keep Fallin‘ on My Head (Caterina Valente), Alles ist nun vorbei / Anyone Who Had a Heart (Petula Clark), Geh vorbei / Walk On By (Dionne Warwick) und So wie ich / Close to You (Gerhard Wendland).

Als Arrangeur und Orchesterleiter wählte Siegfried E. Loch den Organisten Ingfried Hoffmann, mit dem er bereits mehrere Jazz-LPs produziert hat, die international Beachtung fanden. Im März 1971 wurde das Album im Cornet-Studio in Köln unter der Leitung des Toningenieurs Wolfgang Hirschmann aufgenommen. Die Produktions-Koordination übernahm der aus Liverpool stammende Schlagzeuger Gibson Kemp (ex- Rory Storm Group)

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Das Album kam 1971 auf dem Label Reprise Records unter Verwendung des neuen Künstler-Nachnamens Maerz als LP mit dem Titel Marion Maerz singt Burt Bacharach – Seite eins in den Handel (Bestellnummer: REP 44135). Obwohl die Langspielplatte von der Programmzeitschrift TV Hören und Sehen ausgiebig beworben wurde und der NDR zu einigen Liedern Clips ausstrahlte, landete Maerz damit einen kommerziellen Misserfolg. Die ursprünglich von Siegfried E. Loch angedachte Produktion weiterer, ähnlicher Langspielplatten (Seite zwei, Seite drei,…) wurde nicht mehr realisiert. Es kam auch nicht zur Auskopplung einer Single. Im Zuge des Easy-Listening-Revivals seit den 1990er Jahren wurde die LP schließlich zu einem gesuchten Kultobjekt. Im Februar 2009 erschien bei dem Label Bureau B die Wiederveröffentlichung des Albums auf CD (Bestellnummer: bb 20) mit neuer Titelreihenfolge und neu gestaltetem Cover.
Kritiken

Die Wiederveröffentlichung des Albums erhielt überwiegend positive Kritiken. Für Philipp Schmidt von der Musikzeitschrift now! geriet die Umsetzung durch Arrangeur Hoffmann höchst ansprechend. Die Songs hätten diesen gewissen leichten Swing und würden von Maerz mit gutem Gespür interpretiert. Auch Stefan Weber lobte im Online-Magazin von Computer Bild das jazzige, üppig orchestrierte Easy-Listening-Gewand, das den Songs hervorragend stehe, und fügte hinzu: „Ihre wahre Stärken offenbaren Maerz und ihre Mitstreiter aber gerade jenseits dieser luftig-leichten Popsongs, das träumerische „Ein Haus ist kein Zuhaus“ („A House Is Not A Home“) etwa wird in ihrer Interpretation zum gravitätisch-schwermütigen Chanson.“

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Das vom Verlag SuKuLTuR betriebene Onlinefeuilleton satt.org kam zu der Schlussfolgerung: „Deutscher Schlager ist das alles nicht, sondern eher schwer einzuordnende, international ausgerichtete Musik zwischen Jazz, Musical, Easy Listening und Pop. […] Auch wenn es Marion Maerz nicht gelang, sich mit Bacharachs Songs als ernstzunehmende Chansonette zu etablieren, kann sie heute stolz darauf sein, dieses Wagnis unternommen zu haben.“ Mario Lasar von der Musikzeitschrift Intro fand hingegen, dass „der deutschsprachige Gesang die Stücke in Schlagernähe“ rücke, die „Brillanz der Kompositionen“ jedoch unangetastet lasse. Zudem hätte sich im Zuge der Übersetzung das Maß an Unmittelbarkeit erhöht, mit der man die Songinhalte wahrnehme.

Kevin Macneil Brown vom New Yorker Online-Magazin dusted schrieb: „Die Arrangements weisen oft eine fremdartige, traumhafte Qualität auf.“ Der von Maerz „mit einem Hauch von Brecht-Weill“ vorgetragene Track Wenn ich die Regentropfen seh’ (Raindrops Keep Fallin‘ on My Head) klinge gar „bizarr, vielleicht sogar expressionistisch“. Der US-amerikanische Jazzkritiker Will Layman von PopMatters bemängelte hingegen, dass die deutschen Texte, die er inhaltlich nicht verstehe, für amerikanische Hörer einige „Ecken und Kanten“ aufwiesen. Die cleveren Arrangements der Bacharach-Originale seien nunmehr eine „blasse Nachahmung“. Maerz klinge „hell und melodisch“ und ungefähr so amerikanisch wie „Sängerinnen im Mickey Mouse Club“. (Quelle: wikipedia)

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Und auch in der WDR Schallplattenbar überschlug man sich angesichts dieser Aufnahmen:

1971 veröffentlicht der amerikanische Plattengigant Warner Brothers auf „reprise“ die erste von drei Langspielplatten mit Marion Maerz. Als „Marion“ hatte sie 1965 ihren ersten großen Hit gehabt: „Er ist wieder da“.

Die Platten, die folgten, schafften den Sprung in die Hitlisten meistens nicht. Dies war aber nicht der einzige Grund der Unzufriedenheit der Künstlerin. Marion Maerz wollte nicht nur beathafte Schlager singen, sie wollte sich weiter entwickeln. Anfang der 70er erhielt sie die Chance dazu. Siegfried E. Loch (bekannt als Beat und Jazz-Produzent, später Chef von Warner Brothers in Europa) suchte einen deutschen Star und war von Marion angetan. Für die zweite Karriere bekam Marion einen Nachnamen. Der Name „Marion Maerz“ sollte für zukünftige romantische Produktionen passen. 1971 produzierte Siggi Loch mit Marion Maerz eine LP, die ausschließlich mit Melodien von Burt Bacharach bestückt war.

MarionMärz5.jpgBacharach war in den 60er Jahren zu einem der bekanntesten Komponisten sanft arrangierter Popmusik („Easy Listening“) aufgestiegen. Seine Songs wurden mit Dionne Warwick, Marlene Dietrich, Aretha Franklin oder Tom Jones zu Hits und Evergreens.
Die LP „Seite eins“ war ein ehrgeiziges Projekt, denn die Melodien von Bacharach gelten als schwierig zu singen. Doch selbst Dionne Warwick, die viele der Bacharach-Kompositionen im Original gesungen hatte, war voll des Lobes für diese Marion-Maerz-LP. Die Arrangements stammen übrigens von Ingfried Hoffmann (früher: Klaus Doldinger-Quartett).

Auch in der Gestaltung der LP-Hülle gab man sich Mühe; zumindest was die Vorderseite anbelangt: Sämtliche Worte und Logos sind auf einer Folie gedruckt, die man beiseite blättern kann, sodass man das gezeichnete Portrait von Marion Maerz auch ohne Schrift genießen kann. Umso schmuckloser ist allerdings die Cover-Rückseite.

Insgesamt eine wunderbare Langspielplatte, aber sie wurde ein kapitaler Flop. Trotz der Werbe-Zusammenarbeit mit einer bekannten Fernsehzeitschrift wurde die LP wenig gekauft (Artikel in TV Hören und Sehen: „So romantisch sang sie noch nie“). Unter Umständen kam die Platte zu früh, denn heutzutage gilt sie als seltenes Kultobjekt. (Quelle: wdr.de/kultur/musik/schallplattenbar)

Diese LP wurde dann am 28.10.2006 als LP in voller Länge gespielt. Und stolz berichtete man damals:

Man sollte denken, dass die heutige Plattenindustrie reagiert und die Aufnahmen dieser LP auf CD wieder veröffentlicht. Da wird man aber wahrscheinlich ewig warten müssen, denn die Originalbänder gelten als verschollen. WDR 4 spielte diese LP komplett – und erinnerte so an eine der schönsten und seltensten Langspielplatten.

Auch wenn man sich vergegenwärtig, wie welchem Aufwand dieses Album produziert wurde (Ingfried Hoffmann erinnert sich da z.B. in dem Begleitheft der CD; dieses ist übrigens vorbildlich, einschließlich eines Interviews mit Marion Maerz), so erschließt sich mir der Kultstatus dieser LP nicht so ganz …

Dennoch präsentiere ich sie hier nur zu gerne … denn diese Aufnahmen sind ein wunderbares Beispiel für jenen Trend, Schlagersängerinnen von ihrem Image zu lösen. Dazu hätte allerdings auch einer anderen Hüllengestaltung bedurft: Diese LP Hülle gehört für mich in die Kategorie „schauderhaft“.

Aber das Album zeigt auch textlich ein wenig vom damaligen Zeitgeist: „Auf dieser Welt ist Platz für jeden“ … schön wär´s ja.

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CD Frontcover

Besetzung:
Marion Maerz (vocals)
+
ein kleiner Haufen Studiomusiker
+
Blechbläser der Kurt Edelhagen Band
+
Streicher und Holzbläser des Gürzenichorchester

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1974 erschien dann dieses Album in der Reihe „Star Collection“ …

MCFrontCover

… und 1979 als MC

Titel:
01. Frag doch nur dein Herz (Trains and Boats and Planes) (Bader) 2.33
02. So wie ich (Close to You) (Kunze) 3.19
03. Warten und hoffen (Wishin’ and Hopin’) (Kunze) 2.46
04. Ein Haus ist kein Zuhaus (A House Is Not a Home) (Loose) 3.37
05. Geh vorbei (Walk On By) (Bader) 2.28
06. Auf dieser Erde (All Kinds of People) (Kunze) 2.34
07. Einsame Träume (Odds and Ends) (Loose) 3.15
08. Das Ende der Reise (Twenty Four Hours from Tulsa) (Baier) 3.17
09. Nimm nicht alles so schwer (Don’t Go Breaking My Heart) (Kunze) 2.27
10. Wenn ich die Regentropfen seh’ (Raindrops Keep Fallin‘ on My Head) (Bradtke) 3.10
11. Alles ist nun vorbei (Anyone Who Had a Heart) (Bader) 2.32
12. Ich wünsche mir so viel von dir (I Say a Little Prayer) (Hertha) 2.51

Musik: Burt Bacharach
Original Texte: Hal David

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Reinhard Mey – Ich bin aus jenem Holze (1971)

FrontCover1Der Reinhard Mey hatte ja Anfang der 70er Jahre seine wohl bedeutendste Phase … zumindest war er damals sehr erfolgreich ….

Ich bin aus jenem Holze ist das vierte deutsche Studioalbum des deutschen Liedermachers Reinhard Mey und erschien 1971 bei Intercord.

Das Album beginnt mit einer Parodie auf die Anfang der 1970er populären Spionage- und Agentenfilme: Das Geheimnis im Hefeteig oder Der Schuß im Backofen.

Eine weitere Parodie ist das inzwischen redensartliche Lied Der Mörder ist immer der Gärtner, das die Vorhersehbarkeit in Kriminalfilmen, wer der Täter ist, persifliert. Es parodiert damit die in den 1960er Jahren populären Agatha-Christie- und Edgar-Wallace-Filme. Zu diesem Lied wurden später weitere Strophen getextet, wie beispielsweise auf dem Live-Album 20.00 Uhr zu hören.

Das Lied Cantus 19b macht sich mit einem Nonsenstext lustig über bestimmte moderne Lyrik-Strömungen, die Quantität über Qualität stellen.

Wie üblich finden sich Liebeslieder auf dem Album mit Längst geschlossen sind die Läden, Ich glaube, so ist sie und dem Jubellied Sie ist zu mir zurückgekommen. Das Lied Ich trag’ den Staub von deinen Straßen oder Berlin ist quasi eine Liebeserklärung an Berlin.

Im Lied 71 1/2 macht der Dichter eine Abrechnung mit den Neujahrsvorsätzen.

Schließlich finden sich noch einige besinnliche Lieder auf dem Album: Ich bin aus jenem Holze geschnitzt, Der irrende Narr und Seifenblasen.

Das Lied Maskerade wirft einen kritischen Blick auf das Verdrängen, indem es Kriegsinvaliden bei einem Karnevalsumzug beschreibt. (Quelle: wikipedia)

Es macht Spaß, hin und wieder den alten, oftmals pfiffig-spöttischen Texte von Mey zu lauschen … Und ja: er hatte schon was zu sagen … und seine Texte sind auch heute noch z.T. sehr bewegend  („Der irrende Narr“ oder auch „Ich trag‘ den Staub von deinen Straßen“)….

Aber schade ist es, dass man so wenig über das „Begleitensemble Pepe Neumann“ weiss.

Single

Besetzung:
Reinhard Mey (vocals, guitar)
+
Begleitensemble Pepe Neumann

BackCover1

Titel:
01. Das Geheimnis im Hefeteig oder der Schuß im Backofen 5.25
02. Längst geschlossen sind die Läden 2.30
03. Der Mörder ist immer der Gärtner 4.49
04. Cantus 19B 1.13
05. Ich glaube, so ist sie 4.07
06. 71 1/2  3.24
07. Ich bin aus jenem Holze geschnitzt 3.10
08. Der irrende Narr 3.26
09. Ich trag‘ den Staub von deinen Straßen 5.10
10. Maskerade 2.42
11. Seifenblasen 2.42
12. Sie ist zu mir zurückgekommen 3.14

Musik und Texte: Reinhard Mey

LabelA1

 

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Kluster – Klopfzeichen (1971)

FrontCover1Ein in vielerlei Hinsicht bemerkenswertes Album ! Zeigt es doch zum einen, welche Innovationskraft in der deutschen Musik Ender der 60er/Anfang der 70er Jahre steckte.

Rückblick:

„Klopfzeichen“, das kompromißlose Debütwerk des Avantgarde-Trios Kluster, öffnet ein Zeitfenster in die experimentfreudige Ära, in der beispielsweise musikinteressierte Aktionskünstler wie Joseph Beuys‘ Student Conrad Schnitzler (hier zusammen mit Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius) musique concrete-Einflüsse von Edgar Varese und K.Stockhausen um eine neue, aggressiv-industrielle, elektrisch-krautrockige Komponente ungestraft erweitern konnten.

Dieses Album, dessen Inhalt damals von einem „Die Welt“-Schreiberling schon mal als „Lärmsäge“ beschrieben wurde, wäre ohne einen ebenso toleranten, wie idealistischen Kirchenorganisten namens Oskar Gottlieb Blarr kaum zustandegekommen. Blarr hat dem Trio den Einlaß ins Kölner Rhenus Studio gewährt, das damals einem kirchlichen Verlag gehörte. So erklärt sich auch der missionarische Eifer, mit dem Christa Runge die konsumkritischen, politisch links ausgerichteten, bisweilen auch religiös eingefärbten dichterischen Werke von Liselotte Rauner, Rudolf Otto Wiener, Dorothee Sölle, Wilhelm Wilms, Eva Zellar und Uwe Seidel im ersten Teil von „Klopfzeichen“ rezitiert.

Kluster1Diese Texte passten sicherlich zu den studentischen Revolten Ende der 60-er. Heute, über 30 Jahre später, wirken die etwas befremdlich. Schnitzler und Moebius sind inzwischen auch der Ansicht, dass das Stück besser klingt, wenn man der deutschen Sprache nicht mächtig ist.

Im Teil 2 von „Klopfzeichen“ bleibt der Hörer, wie gesagt, von solchen (und anderen) Texten verschont. Und so kann man sich verstärkt auf die geheimnisvollen Geräuschquellen konzentrieren, die hier, etwas aggressiver als im ersten Teil, zum erzeugen von düster lärmender, avantgardistischer, manchmal auch „kosmisch“ eingefärbter Industrial-Musik benutzt werden. Echolastige Gitarren-Feedbacks, verfremdete Stimmen und Pauken, nur schwer erkennbare Orgel und Piano – das alles gelegentlich um Flötensolos angereichert – verschmelzen zu einer Improvisation, die in ihrer Radikalität als pionierhaft und einflußreich gilt. Es wurden hier auch – wenn man den Berichten glauben darf – einige „zweckentfremdete“ Gegenstände zur Klangerzeugung verwendet, wie z.B. eine Autobatterie.

Im besagten Kölner Studio traffen die drei Musiker zum ersten Mal auf den inzwischen legendären Studiotechniker Conrad „Conny“ Plank, der später u.a. zusammen mit Roedelius und Moebius (und auch Brian Eno) an vielen innovativen Alben beteiligt war. Plank wird auch derjenige gewesen sein, der die von dem Kluster-Trio perkussiv-atonal, absolut melodiefrei behandelten Gitarren- und Cellosaiten (um nur zwei Beispiele zu nennen) um zahlreiche Studioeffekte bereichert hatte. (Babyblaue Seiten)

Zumindest was den Text “Mea Culpa” von Liselotte Rauner betrifft, möchte ich meinem Vorredner auf das heftigste widersprechen. Zum besseren Verständnis hier der Text:

Mea Culpa

Ich bekenne mich schuldig
der Erregung öffentlichen Ärgernisses
durch freie Meinungsäußerung

ich bekenne mich schuldig
der Konspiration mit meinem Gewissen

ich bekenne mich schuldig
des Verstoßes gegen die öffentliche Unordnung

ich bekenne mich schuldig
der Begünstigung des Fortschritts

ich bekenne mich schuldig
der Verführung Abhängiger zum Denken

ich bekenne mich schuldig
des Attentats auf die Gleichgültigkeit

ich bekenne mich schuldig
der Beihilfe zum Mord an geheiligten Tabus

ich bekenne mich schuldig
des Aufruhrs gegen die Ungerechtigkeit

ich bekenne mich schuldig
der Anstiftung zum Frieden

ich bekenne mich schuldig
des Fluchtversuchs aus dem Mittelalter

Klar, der damalige Zeitgeist weht durch diese Zeilen, aber, wenn das der damalige Zeitgeist war, dann war das schon eine sehr wichtige Zeit, denn aus diesen Zeilen spricht jener Drang nach Emanzipation des kleinbürgerliches Miefes, der in den 60er Jahren und darüber hinaus durch unsere deutschen Landen wehte.

Diese Zeilen dann auch noch mit einer ganz speziellen Dringlichkeit gesprochen, sind ganz sicher einer der Höhepunkte dieses Albums, basta ! Und auch die anderen Texte sind wahrlich nicht von schlechten Eltern !

Die zuweilen sehr metallisch klingende Musik hat immer wieder Phasen von hypnotischer Magie … ungewohnt und zugleich faszinierend …

Teil 2 ist dann rein „instrumental“ mit diversen Soundkaskaden, man muss sowas nicht mögen, aber dennoch: Diese LP ist ein Zeichen des künstlerischen Aufbruchs jener Zeit.

Ach ja, nach dem Weggang von Hans-Joachim Roedelius im Jahr 1971 nannte man sich fortan „Cluster“, aber das ist dann ne andere Geschichte, die es hier zu erzählen gilt.

Aufgenommen, in den Rhenus Studios, Gordorf bei Köln, 21. Dezember 1970 (andere Quellen sprechen von 1969, glaub ich aber nicht)

Alternative FrontCover

Besetzung:
Dieter Moebius (alle nur erdenklichen Instrumente)
Hans-Joachim Roedelius (alle nur erdenklichen Instrumente)
Conrad Schnitzler (alle nur erdenklichen Instrumente)
+
Christa Runge (Sprechgesang)

BackCover

Titel:
01. Part I 23.31
02. Part II 21.36

Musik: Conrad Schnitzler, Dieter Moebius, Hans-Joachim Roedelius

Texte: Dorothy Solle, Eva Zeller, Liselotte Rauner, Rudolf Otto Wiemer, Uwe Seidel, Wolhelm Wilms

LabelB1

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Wolfgang (Hofer) – Aus Abrahams Bude (1971)

FrontCover1Also, diese LP ist sowas von überfällig für diesen blog …. aber erst heute viel mir diese Scheibe wieder in die Hände …

Es war die Graugans, die mehr als einmal kichernd bemerkte, dass insbesondere das Lied vom Trödler Abraham hider reingehören, denn mein blog, sei ja sowas ähnliches … Recht hat sie !

Wolfgang Hofer (* 17. Februar 1950 in Linz; gebürtig Wolfgang Johannes Hofer), als Schlagersänger nur Wolfgang genannt, ist ein österreichischer Schlagersänger, Komponist und Liedtexter.

Hofer wurde als Sohn eines Buchhalters in Linz geboren. Er textete und komponierte bereits als Gymnasiast und formierte ein Folkmusik-Quartett. Als Student der Nachrichtentechnik in Wien wurde er von der ORF-Mitarbeiterin Evamaria Kaiser entdeckt, und unter dem Titel Ein Foto von Christina erschien seine erste Schallplatte. Das Studium brach er ab, um sich auf das musikalische Schaffen zu konzentrieren.

Wolfgang01.jpgAllgemein bekannt wurde er 1971 mit dem von ihm selbst getexteten und komponierten Erfolgstitel Abraham (Das Lied vom Trödler). In den österreichischen Charts lag er mit diesem Hit vier Wochen auf Platz eins. In der ZDF-Hitparade belegte er zweimal den ersten Platz. Auch in der Filmkomödie Die tollen Tanten schlagen zu trat er damit auf.

Er konnte diesen Erfolg jedoch nicht fortsetzen und beendete seine Karriere als Sänger Ende der 70er Jahre. Hofer arbeitete zugleich als vielbeschäftigter Liedtexter, dessen Songs unter anderem von Margot Werner (So ein Mann, 1976) und Wencke Myhre (Laß mein Knie, Joe, 1978) vorgetragen wurden. Besonders erfolgreich wurde die Zusammenarbeit mit Udo Jürgens, der über 100 Texte von Wolfgang Hofer vertonte, darunter Mein Klavier (1972), Mit 66 Jahren (1977), Mein Bruder ist ein Maler (1977), Buenos dias, Argentina (1978), Alles im Griff auf dem sinkenden Schiff (1980), Liebe ohne Leiden im Duett mit Jenny Jürgens (1984), und Narrenschiff (1986). Er wurde als Sänger ebenso wie Udo Jürgens von Hans R. Beierlein als Manager betreut und schrieb 1972 in Kitzbühel den ersten Text für ein Lied von Jürgens.

Singles

Hofer arbeitet auch für das Fernsehen, wo er an der Gestaltung von Shows und anderen Sendungen mitwirkt, für das Musiktheater sowie für die Werbung. Von Wien ging er erst nach Hessen. Er lebt jetzt in München. (Quelle: wikipedia)

Bei meinen Recherchen zu diesem Album, bin ich auch auf einen Beitrag des blog Lesers Jan Reetze gestoßen, der hält den Wolfgang für „einen der besten Schlagertexter“ (Quelle:  manafonistas.de).

Da war ich anfangs schon ein wenig skeptisch, doch so ganz kann man diese These nicht von der Hand weisen … hört man sich z.B. die Texte (natürlich allesamt Frühwerke von Wolfgang) auf dieser LP mal in Ruhe an.

In fast jedem Lied finden sich Textzeilen, die einen aufhorchen lassen … „Der Clown hat seinen Witz verloren … „ (in „Abendstille“) oder „Der Tag mag Deinen Blick nicht mehr erwidern und stellt sich blind“ (aus „Angela“)

Witzig ist übrigens die Gesaltung der Innenseite der LP-Hülle … hier wird „Das große Tröderspiel“ angeboten:

TrödlerSpiel01

TrödlerSpiel02

TrödlerSpiel03

Hätte Wolfgang eine andere Form der Begleitmusik verwandt … so in dem klassischen Liedermacher-Sound jener Jahre … dann aber. So aber hat er sich für duftig-leichte, verspielte Melodien entschieden, die, ja, die auch sehr eingängig sind … und so wurde dies ein einerseits „federleichtes“ Album, das man aber – gerade wegen der Texte – auch heute noch schätzen kann oder besser: schätzen sollte.

Und ich dachte ja ursprünglich, mit demWolfgang haben wir so ne Eintagsfliege … Weit gefehlt … bis Ende der 70er Jahre war er als Troubadour unterwegs … Höchste Zeit sich auch mit mseinen anderen Werken zu beschäftigen.

BackCover1.JPG

Besetzung:
Wolfgang Hofer (vocals, guitar)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. Abraham 3.11
02. Ich bin John 3.12
03. Angele 4.15
04. Monsieur Houlotte 3.48
05. Abendlied 3.38
06. Arthur 3.27
07. Hexensabbat 3.00
08. Corrina Corrina 2.37
09. Tingeltangel Boulevard 2.58
10. Bum Bum 3.23
11. Bänkelsängers Abschiedsballade 3.01

Musik und Texte Wolfgang Hofer

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PromoPostkarte3

Promo-Postkarte des österreichischen Labels „WM Produktgion“


He, Leute kauft beim Trödler Abraham.

Seht euch mal um beim alten Abraham.

Zog einst bis an der Erde Ende,
ob ich sonderbares fände,
Gabenlichter Götter oder Tand.
Fand im Stein gehau’ne Fragen,
Zauberkunst aus alten Tagen,
fand die Weisheit an Poseidons Strand.

Narrenspiel und hehre Dramen,
all dies trug ich fein zusammen
für die Jahrmarktsbude unserer Welt,
Wahrheit, Schein, Gerüchte, Lügen
und kein Jota wird verschwiegen,
wenn Abraham den Kirmes hält.

Schönes aus den alten Zeiten,
edle Werte, die uns leiten
und ein gutes Werk, das Heil erbringt.
Was noch für den Schwärmer bliebe,
ein paar Töne zarter Liebe, wie’s der Gondoliere wohl besingt.

Ja, kommt und wühlt in Kitsch und Künsten,
Abraham ist stets zu Diensten,
nehmt den Kram und werdet froh damit.

He, Leute kauft beim Trödler Abraham.
Seht euch mal um beim alten Abraham.

TrödlerSpiel04

Das Fenster – Doch wir (1971)

FrontCover1Hier ne klassische Eintagsfliege aus dem Jahr 1971 und zwar aus der Kategorie „engagierte junge Menschen“ singen von all jenen Hoffnungen dieser Zeit … und da bietet sich natürlich eine ruhige akustische Musik im Folk-Gewand an … quasi ne Art Peter, Paul & Mary auf deutsch. Aber auch der Reinhard Mry war wohl ne Art Pate für das Trio.

Wie diese Band zusammen kam, ist mir nicht bekannt …

Bekannt ist mir aber. welche Reaktionen meinerseits beim Hören dieser LP zu verzeichnen waren.

Erst schmunzelt ich und hatte sofort das garstige Wort „Gutmenschen“ im Sinn und stelle mir das Trio im Rahmen eines evangelischen Gottesdienstes vor. Wäre  damals mühelos möglich gewesen.

Aber dann wagte ich es erneut, konzentrierte mich mehr auf die Texte und ja … hin sangen möglicherweise naive Idealisten, abe: Eine zentrale Triebfeder für Veränderungen benötigt wohl auch eine Portion von diesem Idealismus.

Von daher bekommt dieses LP von mir wieder mal ganz viele Sympathiepunkte … Und ja, die Texte, sich auf sie einzulassen, das lohnt ich auch heute noch !

Das Lied „Mutter, wie weit ist Vietnam“ gehört übrigens zu den Songs der sog. DDR „Singbewegung“ und es war in den Schulbüchern der DDR lange vertreten.

Und ein gewisser Skywise erinnert sich auch an diese Gruppe und verweist in seinem Beitrag für das musikforum.de auf die hochkarätige Crew der musikalischen Mitstreiter:

Skywise

Ergänzend sei erwähnt, dass Hannjörg Merklin später dann bei Teller Bunte Knete auftauchte, während Theo Formella sich aus dem Musikgeschäft zurück zog. Soweit ich das überblicke ist er seit vielen Jahre als Facharzt für Psychiatrie tätig.

Aber besondere Aufmerksamkeit verdient in meinen Augen Jasmine Bonnin:

Eine Sängerin, die den ganz großen Durchbruch zwar nie geschafft hat, aber stets beste Kritiken erhielt, ist Jasmine Bonnin. 1952 im marokkanischen Casablanca geboren, war sie seit den siebziger Jahren Teil der hiesigen Szene. Mit dem gefühligen Angie aus der Feder der Rolling-Stones-Autoren Mick Jagger und Keith Richards hat sie Spuren hinterlassen, ihre Version steht in den Regalen vieler Stones-Komplettsammler.

Bereits vor ihrer Karriere als singende und Akustikgitarre spielende Solistin war die stille Blonde Mitglied einer inzwischen fast vergessenen Band mit dem eher ungewöhnlichen Namen Das Fenster. An Bonnins Seite standen Hannjörg Merklin (der später das Duo Henn & Steyl ergänzte) und Theo Formella, beide ebenfalls Sänger und Gitarristen. Auf einer raren BASF-LP wurde das Trio u. a. von Kai Rautenberg (Piano), Elvis Grünberg (Baß) und Heinz Niemeyer (Schlagzeug) unterstützt. (Quelle: bear family)

Und von dieser Künstlerin wird hier bald die Rede sein !

Jasmine

Jasmine Bonnin

Besetzung:
Jasmine Bonnin (vocals)
Theo Formella (guitar, vocals)
Hannjörg Merklin (guitar, vocals)
+
Jürgen Ehlers (bass)
Elvis Grünberg (bass, guitar)
Adi Feuerstein (flute)
Heinz Niemeyer (drums, percussion)
Kai Rautenberg (keyboards)

Booklet1

Titel:
01. Der Traum (Bob Dylan’s Dream) (Dylan/Merklin) 3.02
02. Wenn du Freunde suchst (Formella) 3.26
03. Krieg im Lande (The Cruel War) (Stookey/Yarrow/Bader) 2.52
04. Was gut für mich ist (Formella) 2.14
05. Sag mir, wo du stehst (König) 2.56
06. Als wir noch Kinder waren (Formella) 3.26
07. Wer allein ist (Merklin) 4.11
08. Der Grenadier (Formella) 2.50
09. Mutter, wie weit ist Vietnam (Schneider/Räbiger) 3.48
10. Die Hektiker (Formella) 2.56
11. Doch wir (Theo Formella) – 2:52
12. Die Menschen sind doch Brüder (Haßler) 1.58

LabelB1

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