Wolfgang Dauner Group – Rischkas Soul (1972)

Eines jener Frühwerke von Wolfgang Dauner, das für Furore sorgte … Aber erstmal – wie gewohnt – ein paar biographische Anmerkungen zum Werdegang vonWolfgang Dauner:

Wolfgang Dauner hatte bereits als Kind Klavierunterricht und studierte 1958 kurzzeitig Trompete und Komposition an der Musikhochschule Stuttgart. Als Jazzmusiker ist er weitgehend Autodidakt. Nach Aufnahmen bei Joki Freund und in einem Studio-Trio mit u. a. Kurt Bong gründet er 1963 sein eigenes Klaviertrio mit dem Bassisten Eberhard Weber und dem Schlagzeuger Fred Braceful, das bis Anfang der 1970er bestand. Dauner war damit in europäischen Polls unter den Dauersiegern und bei allen wichtigen Festivals präsent (z. T. mit bizarren Happenings). 1971 entstand aus diesem Trio die Band Et Cetera, in der die Musiker – Dauner auch auf dem Moog-Synthesizer – 1972 auch gemeinsam mit Larry Coryell und Jon Hiseman die Übergänge zwischen freiem und Rockjazz erkundeten.

1969 wurde Dauner für 15 Jahre Leiter der Radio Jazz Group Stuttgart, die u. a. mit Terje Rypdal, Zbigniew Seifert, Jean-Luc Ponty oder Chick Corea beachtliche Rundfunkaufnahmen produzierte. 1975 gründete Dauner, aus seiner Tätigkeit für das Fernsehen heraus, mit anderen europäischen Jazzmusikern das United Jazz and Rock Ensemble. Auch in weiteren Formationen (Duo, Quintett, All-Star-Gruppen wie Old Friends) trat er häufig mit Albert Mangelsdorff auf. 1976 spielte er mit Peter Herbolzheimer auf der ZDF Jazz Gala. Daneben trat er auch mit Charlie Mariano, z. T. auch im Trio gemeinsam mit Dino Saluzzi, auf.

WolfgangDauner1971ADauner war in den 1960ern Begleiter wichtiger nordamerikanischer Jazzmusiker (z. B. Benny Bailey, Leo Wright oder Robin Kenyatta) und unterstützte Marika Rökk, Zarah Leander und Lale Andersen auf ihren Tourneen. Seit 1986 war er wiederholt Produzent und musikalischer Leiter bei Konstantin Wecker. Seit den 1970ern arbeitete er an Kinder- und Jugendsendungen für das Fernsehen, wie der Sendung mit der Maus, Päng und 1974 der Serie Glotzmusik, „eine wunderbar witzige und poetische Einführung in die Musik, die ihm den Titel eines ‚Mozarts der Kindermusik‘ eingetragen hat“ (Zitat jazzpages). Er komponiert außerdem für Film, Fernsehen und Hörspiel. Gemeinsam mit Albert Mangelsdorff war er im künstlerischen Beirat der Union Deutscher Jazzmusiker.

Er gilt als kreativer Keyboarder und Komponist, der grenzüberschreitend tätig ist. Bei ihm gibt es keine Trennung zwischen E- und U-Musik, zwischen neuer und alter Welt. Zu seinen Einflüssen zählen Bill Evans, Lennie Tristano, John Coltrane und Sonny Rollins.

Dauner ist verheiratet mit der Kostümbildnerin Randi Bubat, die auch seine Managerin ist. Sein Sohn Florian Dauner spielt als Schlagzeuger unter anderem bei den Fantastischen Vier. (Quelle: wikipedia)

Soweit, so gut … Nun zu dieser Perle des frühen avantgardistisch angehauchten Jazz (der – so meine These – nur in dieser Zeit so entstehen konnte … ) Ursprünglich erschien sie als Privatpressung und zwar bereit sim Jahr 1970 (!) und aufgenommen wurden sie am 29. November 1969 und zwar im Tonstudio Bauzer, Ludwigsburg und erschienen ist sie auf dem obskuren „Dietrich Private Production“ Label … Produzent war ein gewisser Horst A. Rischka (daher der Name dieser LP, die dann 2 Jahre spätzer bei Brain/Metronome erschien). Ergo: Die Pressung auf dem grünen Brain Label ist schlicht eine Reissue dieser Privat -LP.

 

Frontcover + Label der Privatpressung "Dietrich Soul" (1970)

Frontcover + Label der Privatpressung „Dietrich Soul“ (1970)

Aber zurück zur Musik: Ich eriennere mich noch sehr genau an die hitzigen Diskussionen in meinem damaligen Freundeskreis über die Musik von Dauner & Co. Und ich gestehe freimütig, dass sie mir damals arg rätselhaft vorkam .. stand ich damals doch eher auf den brüllenden Rock von Humble Pie oder auf der superbe Duo Hardin & York und selbst ein paar Grand Funk Railroad Songs fanden meine Zustimmung. Und vom Blues war ich geradezu beseelt …

Und heute kann ich nur mit der Zunge schnalzen, angesichts dieser LP … Wolfgang Dauner als Flötist hört man ja auch nicht alle Tage … Sigi Schwab an der Gitarre ist einfach nur ein Genuß und über Eberhard Weber als begnadetem Jazzbassisten sollte man eigentlich keine Worte verlieren müssen.

Von daher meine Empfehlung: zugreifen ! Und wenn auf der Vorderseite der LP – Hülle zu lesen war „Eine Empfehlung von Sounds – Die Zeitschrift für Popmusik“ (so hieß das damals noch) … dann war das quasi der Ritterschlag damaliger Zeiten !

BackCover1

Personnel:
Fred Braceful (drums)
Wolfgang Dauner (keyboards, flute)
Eberhard Weber (bass, cello)
Siegfried Schwab (guitar)
Roland Wittich (drums)

Booklet1

Tracklist:
01. Reading Machine (Dauner) 5.00
02. Kamasutram (Dauner) 3.50
03. Blues Far Out (Dauner) 3.40
04. Jive Samba (Adderly) 7.28
05. Flute-Woman (Dauner) 5.42
06. Just Bring It Out (Schwab) 4.18

LabelB1

 

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DietrichsSoulAusgabe

Das Album „Rischkas Soul“ wurde auch unter dem Titel „This Is“ auf dem Metronome Sub-Label „2001“ im Jahre 1974 erneut veröffentlicht.

Jo Ment – Jo Ment´s Happy Sound in Stereo (1972)

FrontCover1.JPGDen hatten wir bisher noch gar nicht im Programm:

Hans Joachim (Jochen) „Jo“ Ment (* 30. Oktober 1923 in Hamburg (Barmbek); † 2. Oktober 2002 in Hamburg) war ein deutscher Bandleader, Komponist, Arrangeur, Musiker (Bandoneon, Saxophon) und der Vater des Radiomoderators John Ment.

Ment spielte seit dem achten Lebensjahr Bandoneon und seit dem elften Lebensjahr Klarinette. Er absolvierte zudem eine Konservatoriumsausbildung in Bratsche, Klarinette und Musikgeschichte. In den 1950er Jahren war Ment Mitglied der Big Band des Norddeutschen Rundfunks, später kamen Kontakte zu Bert Kaempfert, James Last, Horst Wende (Roberto Delgado) sowie Ladi Geisler hinzu. Für diese und weitere Künstler spielte er zeitweise bei Aufnahmen, unter anderem nahm er an den erfolgreichen Tourneen des Continental Tango-Orchesters von Alfred Hause teil. Seit den frühen 1980er Jahren bis zu seinem Tod war er festes Mitglied im Orchester von James Last, wo er in beeindruckender Weise das Bandoneon in Solotiteln präsentierte. Mit Last gelang ihm unter anderem der Singlehit Biscaya 1981/82. Auf dem Bandoneon begleitete er auch Franz-Josef Degenhardt bei Plattenaufnahmen 1977 und 1990.

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Von 1956 bis Ende der 1970er Jahre unterhielt Ment ein eigenes Orchester, das zunächst lediglich bei öffentlichen Veranstaltungen und Partys auftrat und seit Ende der 1960er Jahre ca. 50 LPs bei der Schallplattenfirma Ariola veröffentlichte. Die Aufnahmen waren überaus vielseitig; sie reichten von aktuellen Charthits (Tops for Dancing) über volkstümliche Stücke (Loreley bittet zum Tanz) zu Evergreens (Golden Oldies for Dancing). Durch die Vermarktung Jo Ment’s Happy Sound wurden Parallelen zum Happy Party Sound des Kollegen Last deutlich. Eine Zusammenarbeit erfolgte zudem mit dem

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Jo Ment in seiner Zeit bei James Last

Sänger Rex Gildo (Rex Gildo’s Disco Club with Jo Ment’s Happy Sound). Für viele LP-Einspielungen engagierte er die sog. Happy Party Singers sowie etliche Studiomusiker der Orchester von Bert Kaempfert, James Last und Kai Warner. Am 2. Oktober 2002 starb Jo Ment. Seine letzte Ruhe fand er auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg. (Quelle: wikipedia)

Und hier haben wir mal so ein Werk von Jo Ment aus dem Jahr 1972 … Instrumentalversionen von Hits des Jahres im  Potpourri-Stil … und es fällt auf, dass neben all den Tralala Songs auch etliche Klassiker der damaligen Rockmusik enthalten waren.

Als da z.B. wären „Easy Livin'“ (Uriah Heep), „School’s Out“ (Alice Cooper) oder „Silver Machine“ (Hawkwind) oder auch „Sylvia’s Mother“ (Dr. Hook)

Damals konnte ich solche Zusammenstellungen auf den T’od nicht ausstehen, heute mit der nun einsetzenden Altersmilde, kann ich nachsichtig schmunzeln, zumal man auch hier (ähnlich wie bei James Last & Co.) feststellen kann, dass hier hervorragende Musiker am Werke waren.

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Besetzung:
Jo Ment & His Party Singers

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Titel:

01. Happy Sound in Stereo (Teil 1) 20.06
01.01. Wig Wam Bam (Chinn/Chapman) 1.22
01.02. Popcorn (Kingsley) 1.25
01.03. Rock And Roll Part (Glitter/Leander) 1.12
01.04. Lazy Days (Ein Mädchen mit Herz) (Andrews) 1.36
01.05. Michaela (Puschmann/Frankfurter/Krisch) 1.18
01.06. Es fährt ein Zug nach nirgendwo (Anders/Jay) 1.09
01.07. The Loco-Motion (Goffin/King) 1.19
01.08. Hans im Glück (Bruhn/Buschor) 1.31
01.09. Speak Softly Love (Love Theme From The Godfather) (Rota/Kusik/Dalberg) 1.29
01.10. Honky Cat (John/Taupin) 1.24
01.11. Easy Livin‘ (Hensley) 1.37
01.12. Coconuts From Congoville (Oberdörfer/Moslener) 1.17
01.13. Fiesta Mexicana (Siegel jr./Holm) 1.35
01.14. Eviva España (Caerts/Rozenstraten/Bradtke) 1.29

02. Happy Sound in Stereo (Teil 1) 20.06
02.01. Children Of The Revolution (Bolan) 1.23
02.02. School’s Out (Cooper/Bruce) 1.44
02.03. Silver Machine (Calvert/Macmanus) 1.18
02.04. Ich hab‘ die Liebe geseh’n (‚Theodorakis/Christodoulou) 1.02
02.05. Song Sung Blue (Diamond) 1.12
02.06. Hello-A (v.Hemert) 1.33
02.07. Eine neue Liebe ist wie ein neues Leben (White/Jay) 1.35
02.08. Love Me (Twardy/Lilibert) 0.55
02.09. Du bist viel zu schön, um alleine nach Hause zu geh’n (Thöner/Lego) 1.40
02.10. Oh Oh July (Vangarde/Holm) 1.37
02.11. Ich fang‘ für euch den Sonnenschein (White) 1.45
02.12. Sylvia’s Mother (Silverstein) 1.17
02.13. Hideaway (Shoushan/Danova/Schwartz) 1.34
02.14. Denn ich liebe diese Welt (Everybody Join Hands) (Moroder/Belotte) 1.27

LabelB1

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Grabstein

Verschiedene Interpreten – Hallo Nr.1 (1972)

FrontCover1.jpgAlso, da haben sich die Macher von Amiga Records wirklich was nettes einfallen lassen:

Da verpackte man einen Sampler in wunderbar bunten Farben … ein Hauch von Flower Power macht sich dabei breit …

Aber viel wichtiger: hier hören wir Songs von Gruppen, die in der damaligen DDR nun wirklich im Bereich des „ProgRock“ was zu bieten hatten.

Und damit meine ich nicht nur die Puhdys (deren „Geh dem Wind nicht aus dem Wege“ ein unbestreitbarer Höhepunkt dieser LP ist … nein da gibt es noch viel mehr zu entdecken:

Da gibt es z.B. die „Roten Gitarren“ (die ja eigentlich „Czerwone Gitary“ hießen), aus Polen stammten, aber in der DDR ebenfalls für Furore sorgten … und ich sag mal: zu Recht ! Und deren „Anfang“ kommt ziemlich „heavy“ daher. ..

Oder eine Combo namens „Die Nautiks“ die mit ihrem nachdenklichen „Ich steh‘ allein in dieser Stadt“ aufmerksam machen.

Panta Rhei

Panta Rhei

„Panta Rhei“ überzeugen vor allem mit ihrem „Blues für John Henry“ … da kann man nur den imginären Hut ziehen … so klingt Musik mit ganz viel Substanz ! Ihr „Aus und vorbei“ kann dann nicht wirklich überzeugen … aber dennoch: diesen Namen sollte man sich merken !

Ein Hauch von Jethro Tull dann von der Gruppe Bayon … noch so ein Name, der mir erstmalig über den Weg gelaufen ist … mit diesem Album.

DieInlets

Die Innenhüllen der LP

Wie gesagt: Hier hören wir einen Querschnitt von Bands aus der DDR, die abseits des Mainstreams versucht haben, eigene Wege zu geben, und das „nötigt“ mir jede Menge Respekt ab.

Von daher kan ich nur die Empfehlung abgeben, sich dieses Teiol man reinzuziehen … denn da gibt es viel zu entdecken … wenn man dann will.

Und auch all die Texte … da waren meist sehr reflektierte Texter am Werk … aber da ich im momentan grad ein wenig albern bin, beendete ich diesen Eintrag mit einem Zitat aus  dem Lied „Es brennen die Berge und Wälder“

Es brennt der Wald im Abendrot  … lalala …

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Titel:
01. Rote Gitarren: Es brennen die Berge und Wälder (Krajewski/Branoner) 3.48
02. Die Nautiks: Ich steh‘ allein in dieser Stadt (Gottschalk) 2.43
03. Die Puhdys: Geh dem Wind nicht aus dem Wege (Birr/Tilgner) 6.42
04. Panta Rhei: Blues für John Henry (Protzmann) 5.29
05. Norbert Schmidt & Joco – Dev – Sextett: Wir lagen im Grase (Lüpke/Schmidt/Maywald) 4.37
06. Scirocco – Combo: Wege mit gutem Namen (Wendt/Maywald) 2.34
07. Gruppe Bayon: Stell dich mitten in den Regen (Theusner/Borchert) 5.09
08. Rote Gitarren: Anfang (Krajewski) 2.11
09. Panta Rhei: Aus und vorbei (Protzmann/Gerlach/Dreilich) 4.39

LabelB

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Rätselhaft.jpg

Etwas rästelhaft … dieser Text auf einer der Innenhüllen … 

Prof. Wolfff – Prof. Wolfff (1972)

FrontCover1Profff. Wolf hatten damals wohl viel Eindruck hinterlassen, demnn nochheute findet man zahlreiche Informationen über diese Krautrockband der frühen Tage:

“…Prof. Wolfff aus Ulm gründeten sich 1971 und spielten eine Mischung aus Progressive-Rock, Blues, Jazz und Klassik also genau die Verquickung von Stilarten, die als Krautrock bezeichnet wurde. Treibende Kraft der Band war Sänger, Gitarrist und Pianist Klaus Peter Schweizer, welcher für den Grossteil der Kompositionen und der durchweg deutschen Texte zuständig war. Die textliche Hinwendung zu Alltagsproblemen und deren ‚kritische‘ Betrachtung brachten Prof. Wolfff, die 1972 ihren ersten und einzigen Tonträger veröffentlichten bald den Ruf ein, eine politische Rockband zu sein, was aber keineswegs oder nur bedingt zutraf… Songs wie Hetzjagd und Das Zimmer besitzen… noch heute Aktualität…” (Carsten Agthe/German Rock-Lexikon)

Prof.Wolfff lebte kurz und intensiv – mit reichlich Gigs und einem Fernsehauftritt beim ARD Talentschuppen – hat sich aber recht schnell im März 1972 aufgelöst, kurz nach der LP Produktion. Das Album mit dem Titel Prof.Wolfff wurde im Mai 1972 von Metronome veröffentlicht. Prof.Wolfff war nach Ihre Kinder und Ton Steine Scherben eine der progressiven Rockgruppen der ersten Stunde, die ausschliesslich engagierte deutsche Texte gesungen hat, noch bevor Udo Lindenberg sein erstes Album mit deutschen Texten herausbrachte, was sich folglich auf die Entwicklung von Rocksongs in deutsch auswirkte – Achim Reichel folgte, und noch viele andere bis heute.

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Prof. Wolfff Ensemble tourte dann mit Romi Schickle (dem bisherigen Organisten), Peter Bochtler (einem damals sehr talentierten jungen Drummer), und mit Fritz Herrmann am Bass und verschiedenen Gastmusikern zwischen 1973 und 1974 durch die Lande, allerdings nicht mehr mit deutschen Texten, hauptsächlich mit instrumentaler Musik, beeinflusst von Jazz und von der Fusion Music der 70er Jahre. (Selbstdarstellung)

Metronome Werbetext

Musikalisch erwartet uns einiges:

Das erste und einzige Album von Prof. Wolfff wurde 1972 auf dem Metronome-Label veröffentlicht. Sie waren so etwas wie die progressive Ausgabe von Ihre Kinder: anspruchsvolle Texte in deutscher Sprache, verpackt in einer exzellenten progressiven Instrumentierung.
Das Album wurde übrigens von Jonas Porst (dem Sohn von Foto-Porst) produziert, der auch Manager und Produzent von Ihre Kinder und dadurch ein geeigneter Mann für eine deutschsprachige Rockproduktion war. (Rudi Vogel/green-brain)

Verkaufsanzeige

Warum eigentlich „ein – gottseidank – relativ diszipliniertes Saxophon“ ?

In der Tat, die stark orgellastige Musik weiss auch heute noch zu überzeugen und all die Texte der Kategorie „sozialkritisch“ aren weniger platt als die Texte von so manchen Politrockern jener Zeit und erschreckend ist, dass einige an Aktualität nichts verloren haben.

Aber dann, das leidige Thema: Der Gesang ! Ich weiß nicht warum … aber auch hier ist der Gesang ein Stimmungskiller … und das ist umso bedauerlicher, wenn die Musik … siehe oben … sehr schade!

Aber nachdem hier doch überwiegend die Musik und nichts als die Musik zu hören ist … kann man augenzwinkernd über diesen Makel hinwegsehen.

ProfWolfff02

Na klar, ein wenig Provokation gehörte schon dazu

Besetzung
Fritz Herrmann (guitar, vocals, harmonica)
Michael Sametinger (drums)
Romi Schickle (organ)
Klaus Peter Schweitzer (guitar, piano, vocals)
Mondo Zech (bass, vocals)

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Titel:
01. Hetzjagd (Schweitzer/Zech) 9.59
02. Hans Im Glück (Schweitzer) 7.47
03. Mißverständnis (Schweitzer) 4.06
04. Das Zimmer (Schweitzer) 4.53
05 Weh‘ uns (Schweitzer/Borchert) 9.49
+
06 Hetzjagd (Radio Mix) (Schweitzer/Zech) 3.18

LabelB

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Und hier findet sich eine interessante Diskussion über dies Band, an der sich auch der damalige Gitarrist Fritz Herrmann beteiligt war und zwar hier

Na ja, und dann gibt noch eine lohnenswerte Seite im Internet … einfach mal googeln !

Eulenspygel – Ausschuss (1972)

LPFrontCover1Eine teutonische Geschichte der ganz besonderen Art:

Eulenspygel war eine deutsche Progressive-Rock-Band, die 1971 gegründet wurde. Ihre Musik spannte sich von Rock über Jazzeinflüsse bis zum Sprechgesang. Die Band gehört zu den ersten Rockbands, die deutsche Texte sangen – meist politische Statements, insbesondere Kritik an der westlichen Gesellschaft, etwa am Kapitalismus, am Schulsystem, an der Umweltzerstörung und am Vietnamkrieg.

Bekannt wurden die Lieder Konsumgewäsche aus der LP Eulenspygel 2, das auch als Single erschien und häufig auf dem Sender SWF3 in der Sendung PopShop zu hören war, und Der Fremde aus der LP Ausschuß von 1972.

Eulenspygel wurde 1971 im Raum Stuttgart/Esslingen/Plochingen gegründet. Ein Teil der Musiker hatte zuvor der Band Royal Servants angehört, die englischsprachige Texte gesungen hatte. Anfangs bestand die Besetzung aus Detlev Nottrodt (E-Gitarre, Gesang), Matthias James Thurow (E-Gitarre, Violine, Mellotron, Sitar), Roland Nibal (E-Bass), Mulo Maulbetsch (Gesang), Günter Klinger (Schlagzeug), Cornelius Hauptmann (Querflöte, Saxophon) und Karl-Heinz Großhans (Keyboard). Nottrodt und Thurow waren auch die Komponisten der Band. Hauptmann und Großhans hatten eine klassische Ausbildung, Hauptmann wurde später ein bekannter Opern- und Konzertsänger.

Eulenspygel

Die Band erhielt einen Vertrag beim Plattenlabel Intercord, das eigens das Sub-Label Spiegelei gründete, in dem dann zahlreiche Krautrock-Alben erschienen. Das erste Eulenspygel-Album wurde 2 genannt; das Cover mit einem Küken, das in einer Bratpfanne auf einem toten Singvogel und einem Spiegelei steht, erregte Aufsehen. Das zweite Album, Ausschuß, wurde im Apple Studio in London aufgenommen. Eine Seite besteht aus dem Stück Abfall, das im Stil einer Rockoper von einem Heimkind handelt.

Ab 1973 kam es zu Umbesetzungen. Nic Nicoll spielte ab diesem Jahr Sopransaxophon und Klarinette. Nach der Neugründung 1976 änderte die Band ihren Stil Richtung Popmusik bzw. Folkrock. 1976/1977 kam Peter Weber neu als Bassist in die Band. 1977 bis 1984 war Peter Garratoni der Schlagzeuger. Als Gitarrist kam Günter Marek in die Band. Zusammen mit Georg Köberlein machte Eulenspygel zunehmend „Spaßmusik“, die sich stilistisch dem Punk und der New Wave näherte. Schließlich benannte sich die Band in Zong um (Quelle: wikipedia)

Eulenspygel2

Hier ihr zweites Album (warum das Erstlingswerk „Eulenspygel 2“ heißt kann ich beim besten Willen nicht erklären).

Nachdem das zweite Album von Eulenspygel lange nur als illegaler CD-Bootleg erhältlich war, veröffentlichten Garden Of Delights dieses Album erstmalig offiziell in digitaler Form. Zusätzlich wurden auf die CD noch 7 Bonustitel raufgepackt, welche bisher in dieser Form teilweise noch gar nicht erhältlich waren, wie z.B. drei Titel, die speziell für eine Sendung der ARD („Ring frei“) aufgenommen wurden. Ein sehr umfangreiches Booklet mit der sehr lebhaften Bandgeschichte rundet dieses Re-Release perfekt ab.

Kernstück des Albums ist der über 22-minütige Titelsong, der als eine Art gesellschaftskritische Mini-Oper Sinfonik- / Klassikrock vom Feinsten bietet. Mellotron und Orgel sorgen für eindringliche Stimmung, dazwischen tobt sich die Band eindringlich und virtuos aus oder platziert ihre sehr links-gerichteten Textaussagen.

Eulenspygel3

Ronnie Libal

Gerade der sehr krasse Gegensatz zwischen den sehr kritischen, politischen Texten und der Musik ist natürlich gewöhnungsbedürftig und dürfte nicht jedermanns Geschmack sein. Aufnahmetechnisch ist „Ausschuß“ allerbeste Qualität, da es in den damals führenden Apple Studios in London aufgenommen wurde. Die Band konnte es natürlich auch nicht lassen, sich auf genau dem gleichen Zebrastreifen wie The Beatles einige Jahre zuvor ablichten zu lassen.

Die weiteren, eher kürzeren Stücke, haben ebenfalls sehr radikale Textaussage (Liedtitel wie „Mich kotzt hier alles an“, „Untertanenfabrik“ sprechen eine deutliche Sprache), musikalisch können sie aber nicht ganz die eigene Vorgabe des Titelsongs halten. Mal geht es mehr Richtung Folk, dann kommt Blues Rock oder auch Krautrock zum Tragen. Auch ist in manchen Passagen recht augenscheinlich, dass die eigenen Vorbilder zu jener Zeit Bands wie Procol Harum, Yes, Genesis oder Van der Graaf Generator waren, vor allem die intensiven Instrumentalpassagen brauchen sich nicht vor den britischen Kollegen zu verstecken.

„Ausschuß“ ist nicht nur ein Zeitdokument einer Zeit der innerpolitischen Zerrissenheit und des Protests, es dokumentiert auch, dass auch in Deutschland die Hochzeit des Progressive Rock ihre deutlichen Spuren hinterlassen hat. (Kristian Selm)

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Die angesprochene stilistische Vielfalt empfind eich als Bereicherung, die textlichen „Härten“ gehören für mich in die Kategorie „Klartext reden“ und musikalisch, ja musikalisch waren sie Gruppen wie Floh de Cologne meilenweit voraus. Von daher kann man sich das auch heute noch anhören, auch deswegen weil Lieder wie „Kinderlied“ verdammt nochmal heute auch noch gültig sind.

Und das Bandmitglied Detlev Nottrodt erinnert sich an jene Zeit:

Die gleiche Besetzung wie auf der „Eulenspygel 2“CD wurde von der Firma Intercord in einem Anflug von Größenwahn ins Apple-Studio der Beatles (wo grade Ring Starr an seinem nachmaligen Hit „It don’t come easy“ bastelte) geschleppt.

In 4 Tagen – einschließlich des Mixings – mußte das ziemlich komplexe Werk, das auch viele riskante improvisatorische Stellen hatte , reingehauen werden. Das war Stress pur , aber auch ein Rausch des Aus-sich-herausgehens, des Experimentierens , wie es die Band noch nie erlebt hatte.

Die Gruppe schnappte sich respektlos das teure Equipment , was im Studio von berühmten Kollegen wie Ringo Starr oder Argent , herumstand (Sitar , 12-String , Moog , Mellotron ect.)und baute es spontan in die Arrangements ein.

Eine komplette Plattenseite (22 Minuten) erzählte in Rock-sinfonischer Weise das Schicksal eines Heimzöglings, in anderen Songs werden die herrschenden Politiker als tyrannische Menschenmacher, die Erziehungseinrichtung Schule als Untertanenfabrik gegeißelt.

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Na klar, die Abbey Road, London … das musste wohl sein … 

Von heutiger Sicht aus sicher übertrieben, aber im Kern gar nicht so daneben. Gute, humane und effektive Schulen haben doch bis heut Seltenheitswert, oder?

Um möglichst authentisch zu erzählen, ist die Gruppe damals in Heime gegangen und hat Jugendliche und Erzieher interviewt oder hat in einem Jugendgefängnis gespielt und Gespräche geführt.

Die CD Edition von 2000 hat von der späteren Besetzung(1973 &1974) einige interessante Bonustracks dazugefügt, die die dem Applesound zwar nicht standhalten können, aber gut dokumentieren, wie die Gruppe sich anschließend in eine mehr Folk-rockige Richtung weiterentwickelt hat (1973 bis 1976).

Und ich will und werde den Spuren dieser Musiker von ihren Anfängen bis heute folgen … da passierten interessanten Sachen …

AlternativeFrontCover

AlternativeFrontCover

Besetzung:
Karlheinz Großhans (organ, synthesizer, vocals)
Cornelius Hauptmann (flute, saxophone, crumhorn, vocals)
Günter Klinger (drums)
Ronnie Libal (bass)
Mulo Maulbetsch (vocals, guitar)
Detlev Nottrodt (guitar, vocals)
James „Till“ Thurow (guitar, mellotron, violin, sitar, flute)
+
Daniel Bridgman – percussion bei 01.,+ 03.)
Anthony Grout-Smith (bass (bei 02.,+ 03.)

LPBooklet

Titel:
01. Abfall 22.10
02. Menschenmacher 2.59
03. Teufelskreis 7.50
04. Herzliches Beileid 2.54
05. Der Fremde 5.43
06. Untertanenfabrik 3.53
+
07. Sechs Uhr aufstehen (ARD-TV, 1972) 2.11
08. Junge, was willste draußen (ARD-TV, 1972) 2.40
09. Mich kotzt hier alles an (ARD-TV, 1972) 2.17
10. Schlafstadt (demo, 1973) 3.54
11. Kinderlied (demo, 1974) 4.27
12. Freut Euch, Kinder (demo, 1974) 2.51
13. Zusammenstehen (demo, 1974) 6.20

Allte Titel: Karlheinz Großhans – Hauptmann – Klinger – Libal – Maulbetsch – Nottrodt – Thurow

LabelA1

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Max Greger – Herzlichen Glückwunsch (1984)

FrontCover1.JPGAus gegebenen Anlass, diese eher seltene Max Greger Schallplatte (eine 12″ Maxi-Single, wie sie es eben damals noch gab.)

Auf der Seite eins finden wir die klassischen Happy Birhtday Songs (jeweils für sie sowie für ihn).

Dann wird noch der Hochzeit und der sonstige Jubeltage gedacht.

Die Seite zwei lässt dann die Stimmung quasi explodieren, denn hier hören wir ein Stimmungs-Potpourri, wobei man fast grinsend zur Kenntnis nimmt, dass die meisten dieser Stimmungshits eigentlich altge Gospel Lieder sind.

Aufgenommen wurde diese Titel überwiegend 1984, zwei oder drei stammen aus den Jahren 1972 und 1973, soviel sei zu discographischen Information noch erklärt.

Wie gesatg … aus gegebenen Anlass kommt nun auch diese Schallplatte zu Ehren … hoch die Tassen !

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Besetzung:
Max Greger und sein Orchester

BackCover1.JPG

Titel:
01. Er hat Geburtstag 1.18
01.1. Happy Birthday/Hoch soll er leben (Traditionla)
01.2. So ein Tag, so wunderschön wie heute (Olias)

02. Sie hat Geburtstag 1.19
02.1. Happy Birthday/Hoch soll er leben (Traditionla)
02.2. So ein Tag, so wunderschön w03. ie heute (Olias)

03. Jubilare und Jubeltage 1.21
03.1. Tusch
03.2. Wir gratulieren (Congratulations) (Coulter)
03.3. Hoch soll´n sie leben (Traditional)
03.4. So ein Tag, so wunderschön wie heute (Olias)

04. Hochzeitstag 2.45
04.1. Hochzeitsmarsch (Choral) (Traditional)
04.2. Hoch soll´n sie leben (Traditional)
04.3. So ein Tag, so wunderschön wie heute (Olias)
04.4. Hochzeitsmarsch (Dixie) (Traditional)

05. Stimmungs-Potpourri 6.56
05.1. Komm´ gibt mir deine Hand, denn heute feiern wir (White)
05.2. When The Saint Go Marching In (Traditional)
05.3. Over In The Gloryland (Traditional)
05.4. Glorie Hallelujah (Traditional)
05.5. Good Night Ladies (Traditional)
05.6. Schöne Maid (White)

LabelA1

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Schalmeienkapelle Wiebelskirchen e. V. – Rote Schalmeien aus Wiebelskirchen (1972)

FrontCover1Die Schalmeienkapelle Wiebelskirchen e.V kann auf eine wahrlich bewegt Geschichte zurück blicken. Gegründet wurde sie im Jahre 1927 in Wiebelskirchen (Saarland). Sie war Teil des Rotfrontkämpferbundes (RFB). Und: Der Bergarbeitersohn Erich Honecker war Mitglied dieser Schalmeienkapelle.

Nach der Zerschlagung dieser kämpfrischen Kapelle wurde sie erst wieder als eingetragener Vereinim Jahre 1969 neu gegründet.

Und man hatte natürlich nichts besseres zu tun, als dann jenem Erich Honecker (mittlerweile Chef der DDR Einheitsprtei SED) die Ehrenmitgliedschaft in diesem Verein anzutragen. Die nahm an und bedankte sich auch artig in einem persönlichem Schreiben.

Und das war dann dem kämpferischem Pläne Verlag eine Single wert, die dann 1972 erschien.

Die A-Seite umfasst ein „Arbeiterlied Potpourri“ und auch auf der B-Seite erschallen klassenkämpferische Töne, gspielt eben auf den Schalmeien der Kapelle.

Honecker1929

Vater und Sohn (vorne rechts im Bild) einträchtig nebeneinander:
„Spielmannszug des Roten Frontkämpferbundes in Wiebelskirchen – etwa 1929.
Hinter der großen Trommel Wilhelm Honecker, neben ihm sein Sohn Erich.“

Weitere Jahre später (nämlich 1987) kam es dann auch noch anlässlich des Honecker-Besuches der Bundesrepublik Deutschland zu einer persönlichen Begegnung zwischen Honecker und der Schalmeinekapelle Wiebelskirchen.

Honecker1987

Erich Honecker in seiner Heimat:
Begrüßung des DDR-Staatsratsvorsitzenden vor dem Bürgerhaus Neunkirchens
durch den Oberbürgermeister Peter Neuber (r.)
und eine Schalmeienkapelle aus Wiebelskirchen (dem Geburtsort Honeckers)

Was aus allen den wackeren Musikanten geworden ist, ich weiss es nicht, aber hier, am 1. Mai 2014 dürfen sie nochmals erklingen ! Und weitere Informationen finden sich dann noch auf der Rückseite der Single Hülle.

Spiegel-Artikel

Spiegel-Artikel (Februar 1973)

Besetzung:
Schalmeienkapelle Wiebelskirchen e.V. (*) unter der Leitung von Arnold Bromm (38 Jahre, Hüttenarbeiter)

(*) als da wären:
Anja Latterner, Christel Bäsel, Claudia Bomm, Dieter Hinz, Dieter Hoppstädter, Erich Kraushaar, Fritz Hoppstädter, Fritz Neu, Gaby Vollmar, Harald Kirchner, Harald Laub, Heinz Müller, Hermann Bäsel, Inge Setz, Kurt Ziermann, Monika Kersch, Petra Bäsel, Petra Pfordt, Rainer Setz, Roger Thery, Sonja Seel, Ulrike Kraushaar, Werner Zins, Wolfgang Neufang

BackCover1Titel:
01. Arbeiterlieder-Potpourri 8.44
(u. mit den Liedern „Der kleine Trompeter“, „Lied der Jugend“ und „Auf auf zum Kampf“)
02. Bergarbeiter-Marsch 3.41
03. Die rote Fahne 4.05

Musik: Traditionals

LabelA1

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