Grobschnitt – Grobschnitt (1972)

frontcover1Grobschnitt ist eine deutsche Rockband, die zwischen 1970 und 1989 bestand. Seit 2006 ist sie in einer neuen Formation wieder aktiv.

1970 verschmolzen in Hagen mehrere Schülerbands zu Grobschnitt. Namensgebend war die Kapelle Elias Grobschnitt, die sich im Ersten Weltkrieg aus Soldaten mit selbstgebastelten Musikinstrumenten gebildet hatte.

Viele Musiker und Roadies gaben sich Künstlernamen; so nannten sich die Gründungsmitglieder Eroc (Schlagzeug), Felix (ebenfalls Schlagzeug), Lupo (Solo-Gitarre), Wildschwein (Rhythmus-Gitarre, Gesang, Saxophon), Baer (Bass), Quecksilber (Tasteninstrumente), Toni Moff Mollo (Lichtanlage, später auch Gesang).
Musik und Auftritte der Band

Die Band Grobschnitt galt als innovative Gruppe, die sich mit einer Mischung aus Theater, optischen Effekten, Klamauk und langen musikalischen Improvisationen präsentierte. Die Improvisationen Solar Music oder Powerplay konnten über eine Stunde dauern.

Grobschnitt1969.jpg

Grobschnitt als „The Crew“, 1969

Die Liedtexte der Band waren zunächst englisch, später kamen deutschsprachige Texte hinzu. In beiden Fällen äußerte sich die Band zu gesellschaftlich umstrittenen Themen wie der Friedensbewegung, der Fortschritts- und Technikgläubigkeit oder dem Protest gegen den Ausbau der Atomenergie. Ein Beispiel dafür ist der Text von Vater Schmidt’s Wandertag auf dem Album Jumbo. Aber auch musikalische Märchen wie auf dem Konzeptalbum Rockpommel’s Land wurden gespielt. Die pyrotechnischen Anteile der Bühnenshow waren wegweisend. 1975 erschien das Album Jumbo erst mit englischen Texten und dann ein Jahr später auf Deutsch.

Grobschnitt1971.jpg

1989 löste sich die Band nach 19 Jahren mit ihrer Last Party Tour auf. 2006 gab es eine Wiedervereinigung, an der einige alte Mitglieder wie auch ihre Söhne beteiligt waren. Nach einem Testauftritt vor geladenen Fans im Mai 2007 fanden im Oktober des gleichen Jahres die ersten beiden öffentlichen Auftritte in Aschaffenburg statt. Seitdem tritt die Band wieder regelmäßig auf.

2012 wurde das Rockmärchen Rockpommel’s Land im Theater der Stadt Hagen mit einem Sinfonieorchester an vier ausverkauften Abenden aufgeführt. (Quelle: wikipedia)

Charing Cross.jpg

Münsterländische Volkszeitung, 4. Juni 1971

Und so ging´s los, bereits in den 60er Jahren:

Achim und Gerd, der schon immer Lupo genannt wurde, waren zusammen auf der Schule und Banknachbarn. Sie hörten »The Tornados, The Shadows, The Spotnicks und The Ventures«.
Nach Bandmaschinen und Moped kamen die ersten Instrumente und 1965 die Band The Universals, ein Jahr später The Crew. Das ist, so Eroc, »eine andere Geschichte« und die soll »irgendwann noch erzählt werden«. Was soll man sagen? Das ist wie Kind freut sich am Heilig Abend nach dem Auspacken schon auf das kommende Fest.
Weitere erwähnte Stationen auf dem Weg zu Grobschnitt sind Charing Cross und Wutpickel. Irgendwann brachte Rainer, später Toni Moff Mollo, ein Foto der Kapelle Grobschnitt (aus seines Großvaters Musik-Umfeld) mit und die späteren Grobschnitt nannten sich Kapelle Elias Grobschnitt. Erstmal. (Quelle: rocktimes.de)

Grobschnitt1972.jpg

Was soll ich schreiben: Dass dies einer der besten deutschen Debütalbum der Prog-Rock Ära ist.

Oder:
Was für eine Scheibe!!! Grobschnitt deutet hier schon an, was später ihr Markenzeichen wird: geile Melodien, tolle Gitarrenriffs und ein paar eingestreute Späße. Besonders die langen Titel Symphonie, Sun Trip und New Era sind überzeugend. Kurz: CD einlegen, zurücklehnen und geniessen. (Lothar Schneider)

Oder:
Die Jungs aus Hagen, noch mit 2. Schlagzeuger, Bär als Bassist, Quenting als Keyboarder. Trotzdem wissen sie schon was sie wollen.
Die zum Teil längeren Songs spielen schon in der Oberliga des progressiv-symphonischen Rocks mit.
Das es Krautrock ist, hört man nur am Gesang und natürlich an der berühmt berüchtigten Einleitung zum Ölberg. (Klaus Hensel)

KapelleGrobschnitt1916.jpg

Oder:
Dass ich damals zu blöd war, Grobschnitt zu entdecken … nun gut … da kam von meiner Fixierung auf UK/US Musik jener Jahre.

Aber man bekommt ja noch ne zweite Chance, z.B. hier.

BackCover1.jpg

Besetzung:
Stefan Danielak (guitar, vocals)
Joachim „Eroc“ Ehrig (drums, percussion, electromnic effects)
Axel „Felix“ Harlos (drums, percussion)
Gerd-Otto „Lupo“ Kühn (leadguitar)
Herrmann „Quecksilber“ Quettling (keyboards, spinet, percussion)
Bernhard „Bär“ Uhlemann (bass, flute, percussion)

Booklet.jpg

Titel:
01. Symphony 13.49
01.1. Introduction
01.2. Modulation
01.3. Variation
01.4.Finale
02. Travelling 6.50
03. Wonderful Music 3.40
04. Sun Trip 17.48
04.1. Am Ölberg (Mount Of Olives)
04.2. On The Way
04.3. Battlefield
04.4. New Era
+
05. Die Sinfonie 29.41

Musik und Texte:
Stefan Danielak – Joachim Ehrig – Axel Harlos – Gerd-Otto Kühn – Herrmann Quettling –  Bernhard Uhlemann

LabelB1.jpg

*
**

Am Ölberg (Mount Of Olives):

Und es geschah am 26. Tag des siebten Monats, da trat des Herrn Engel zu Moses und sprach: “Sage deinem Volke, es möge sich versammeln am dritten Tage auf dem Ölberg und der Herr wird sich euch offenbaren. Und am dritten Tage versammelten sich die Gläubigen am Ölberg, aber er, der Herr, er erschien nicht. Und die Gläubigen harrten der Dinge und sie harrten drei Tage und drei Nächte. Langsam bekamen sie kalte Füße und das Brot ward alle. Am vierten Tag begann es zu regnen, am fünften schneite es bereits, doch die Gläubigen harrten unentwegt aus. Die Jahre gingen ins Land und die Gläubigen warteten hungrig und mit kalten Füßen auf den Herrn und kein Klagelaut kam über ihre Lippen. Und sie warten heute noch auf den Herrn, wie vor zweitausend Jahren. Und niemand fragt sich: “Wie lange eigentlich noch”…???

Zeitungsartikel1972.jpg

Na, das wird sich der Oberbürgermeister Rudolf Loskand (SPD) aber gefreut haben.

Munich Meistersingers – German Beer Garden Songs (1972)

FrontCover1Hm, Mutmaßungen über das Deutschsein … so lautet der Titel des ganz speziellen Adventskalender der Graugans (siehe hier), dieser Slogan ging mir auch durch den Kopf, als ich diese US-LP den Plattenteller legte.

Wir hören deutsche Stimmungslieder, die man damals wohl auch mit deutschem Bier in Verbindung brachte.

Bei „In München steht ein Hofbräuhaus“ mag das ja noch stimmen … dieses Lied wurde übrigens von einem Berliner (im Jahr 1935) komponiert (!), bei all den anderen Liedern handelt es sich schlicht und ergreifend um altes deutsches Liedgut, allerdings so dargeboten, dass man es eben auch in Bierzelten grölend mitsingen könnte. Dies ist insbesondere bei „Lili Marleen“ eher beschämend.

Und „O du lieber Augustin“ wurde von dem Wiener Markus Augustin,  * 1643 in Wien; † 11. März 1685 ebenda) komponiert ….

Und die Münchner Hymne „So lang der Alte Peter“ (auf bayrisch singt man allerdings statt „alte“ „oide“), stammt von dem Wiener Wilhelm Wiesberg … soviel zu dem sog. „deutschem Liedgut“ …

Und man könnte da noch viel forschen … etliche Lieder hier sind der rheinischen Frohnatur des Karnevals geschuldet, wobei sich der Hüllentext dieser skurrilen LP ausschließlich auf Bayern und seine Biersitten bezieht (demnächst gibt´s dazu noch was ganz eigenes).

Hüllentext1.jpg

Und ich kann mir nicht helfen … bei solchen Klängen … ähm … fällt mir nur der Begriff des fremdschämens ein … aber dieses Bild der „Deutschen“ wurde dann halt im Ausland (hier: USA) wohl nur zu gerne verbreitet.

Und da fragt man sich schon … welche Signale wir da wohl ausgesandt haben, damit sich das so verbreiten konnte … denk´ ich da nur an Franz-Josef Strauß …

Ergänzend will ich noch zwei Zweifel anbringen.

Wie man darauf kommt, den Gesang den sog. „Munich Meistersingers“ zuzuschreiben, ist mir ein Rätsel, der Hüllentext gibt diesbezüglich so gar nichts her …

Und ob diese LP tatsächlich erst 1972 veröffentlicht wurde … auch da habe ich, angesichts der Covergestaltung meine Zweifel, für mich gehört das Album eher in die 60er Jahre.

Hofbräuhaus.jpg

Im Hofbräuhaus

Besetzung:
Munich Meistersingers
+
unbekannte Kapelle

BackCover1

Titel:
01. In München steht ein Hofbräuhaus (Gabriel/Richter) 3.05
02. Du kannst nicht treu sein (Otten/Ebeler) + O du lieber Augustin (Augustin) 2.13
03. Der fröhliche Wandersmann (Traditional/v.Eichendorff) 2.15
04. Lilli Marlen (Schultze/Leip) 2.14
05. Oh du wunderschöner deutscher Rhein (Förster) 2.16
06. Ich hab´ mein Herz in Heidelberg verloren (Raymond/Beda/Neubach) 2.18
07. Lass im Boot das schaukein sein (unbekannt) 2.13
08. Der treue Husar (Traditional) 2.03
09. So lang der Alte Peter (Wiesberg/Huber) 2.09
B5 Auf Weidersehn

LabelB1

*
**

Strauß

Franz Josef Strauß und Ehefrau Marianne. Sie schrieb über ihre Ehe:   „Seine Lieblosigkeit ist unerträglich“

Hüllentext2.jpg

Aha … so ist das also … 

Tangerine Dream – Zeit (1972)

FrontCover1Ich konnte noch nie soviel mit dem Kosmischen Kurieren-Gedöns was anfangen. Aber als Edgar Froese vor drei Jahren  im Alter von 70 Jahren gestorben und da habe ich schon ein wenig innegehalten und mich seiner Musik besonnen:

Edgar Wilmar Froese (* 6. Juni 1944 in Tilsit; † 20. Januar 2015 in Wien) war ein deutscher Komponist, Musiker und Künstler. Er gilt als Pionier der Elektronischen Musik und war Gründer der Gruppe Tangerine Dream.

Froese wurde im letzten Jahr des 2. Weltkriegs im ostpreußischen Tilsit geboren. Sein Vater und einige Verwandte wurden von Nationalsozialisten ermordet. Seine Mutter musste schon vor Ende des Krieges nach Berlin fliehen, wohin auch der Rest seiner Familie nach dem Krieg folgte. Froese kam aus einer Kaufmannsfamilie, und der Einzige, dem künstlerische Talente nachgesagt werden konnten, war sein Vater, der gerne Arien aus bekannten Opern sang. Da seine Familie während des Krieges allen Besitz verloren hatte, musste Froese mit 15 Jahren anfangen, für seinen Lebensunterhalt zu arbeiten. Mit 18 Jahren bekam er ein Hochbegabtenstipendium und studierte 4 Jahre lang an der Berliner Akademie der Künste Malerei, Skulptur und Grafik. Um seine Ausbildung zu finanzieren, nahm er vielerlei Gelegenheitsarbeiten in einem Schauspielhaus an, wie zum Beispiel Sloganschreiber, Entwurfzeichner, Radiosprecher, Schriftdesigner und Redenschreiber. Er wirkte somit früh bei Werbespots für IBM, Coca-Cola, Ford und viele andere Firmen mit. Einer seiner lukrativsten Aufträge war es, Werbeplakate für die Berliner Busse zu entwerfen. Er begann ein Abendstudium der Psychologie und Philosophie und promovierte über Kants kategorischen Imperativ. Da seine Interpretation nicht mit der akademischen Denkweise konform war, verließ er das Kolleg mit dem Spruch: „Der Staub der Universitäten liegt wie ein Leichentuch über der Wahrheit.“

Booklet-2A
Froese wollte ursprünglich klassischer Pianist werden. Er wandte sich schließlich der Gitarre zu und erlernte das Spielen autodidaktisch.

Bereits als Kind erlernte Froese das Klavierspielen, später studierte er an der Berliner Akademie der Künste Malerei und Grafik. Dort gründete er 1962 seine erste Gruppe, in der er Gitarre spielte. Allerdings hatte Froese damals noch nicht vor, Musiker zu werden. Später half ihm seine künstlerische Ausbildung bei der Gestaltung der Plattenhüllen, wobei seine Frau Monika ihm zur Seite stand. Sie gestaltete viele Cover für Tangerine Dream und kann auch als die erste offizielle Band-Fotografin bezeichnet werden. Edgar und Monika Froese heirateten 1970, im selben Jahr kam Sohn Jerome zur Welt.

Froese lernte Salvador Dalí kennen und folgte 1967 einer Einladung, in Dalis Villa in Spanien mehrere Privatkonzerte zu geben. Hier trafen sich Künstler zu happening afternoons. Die Darbietungen waren eine Mischung aus Musik, Literatur und Malerei und können als frühe Form einer Multimediapräsentation bezeichnet werden. Zur Einweihung von Dalis Christus-Statue im Juli 1967 koordinierten sie die Musik.

Booklet-6AZurück in Berlin versuchte Froese Gleichgesinnte zu finden, die ebenfalls daran interessiert waren, nicht nur die Top 40 der amerikanischen Charts nachzuspielen. Die meisten Musiker fanden jedoch seine Vorstellung, Musik und visuelle Künste in Einklang zu bringen, uninteressant. Mit ständig wechselnder Besetzung spielte Froese oft im Cafe Zodiac bei so genannten „Nachtkonzerten“.

Aufgrund seines nordischen Aussehens bekam Froese den Spitznamen „Viking“. Mit der Band The Ones, die er bereits 1965 gegründet hatte, veröffentlichte er 1967 eine Single mit den Beat-Stücken Lady Greengrass/Love of Mine. Die Band spielte Rhythm and Blues und Rock ’n’ Roll.

Im September 1967 gründete Edgar Froese Tangerine Dream, deren Stil er maßgeblich beeinflusste. Mit ständig wechselnden Formationen brachte er mehr als achtzig Alben und Soundtracks heraus. Seine wichtigsten musikalischen Weggefährten waren dabei Klaus Schulze, Christopher Franke, Peter Baumann, Johannes Schmoelling, Paul Haslinger, Linda Spa und sein Sohn Jerome Froese.

Neben seiner Arbeit mit Tangerine Dream fand Froese immer noch Zeit, Solo-Projekte umzusetzen und zu veröffentlichen.

So erschien Mitte des Jahres 1974 Edgar Froeses erste Solo-LP Aqua auf dem Deutschrocklabel Brain. Die Aufnahmen entstanden mit dem von Günther Brunschen (TU Berlin) entwickelten Kunstkopf.

Froeses zweites Solowerk Epsilon In Malaysian Pale entstand unter dem Einfluss einer Asienreise in 1975. „Das ist, als wenn man aus der ewigen Dunkelheit des Dschungels in das pralle Sonnenlicht eines Strandes tritt – aus den Träumen der Nacht in die Realität des Tages“, wird die Platte vom Melody Maker beschrieben.

1976 brachte Edgar Froese seine dritte Solo-LP unter dem Titel Macula Transfer auf den Markt. Die Titel der einzelnen Stücke muten sehr eigenwillig an, da sie nach Flugnummern wie Qantas 611 oder OS 452 benannt sind.

1978 erschien Froeses viertes Soloalbum Ages. Als Inspirationen gab er den spanischen Architekten Antonio Gaudí an, sowie den amerikanischen Schriftsteller Henry Miller und Fritz Langs Metropolis.

Auf dem 1979er Album Stuntman verwendete Froese erstmals digitale Klänge. Unterstützt wurde er dabei von dem Hamburger Ingenieur Wolfgang Palm. Aus diesem Album stammt auch Froeses bisherige einzige Single Stuntman/Scarlet Score for Mescalero.

EdgarFroese
Edgar Froese schrieb 1982 den Soundtrack zu dem Wolf-Gremm-Film Kamikaze 1989 und veröffentlichte ihn unter seinem Namen bei Virgin. Der deutsche Film, in dem erstmals der deutsche Regisseur Rainer Werner Fassbinder in einer Hauptrolle zu sehen ist, entstand nach dem Roman Mord im 31. Stock des schwedischen Schriftstellers Per Wahlöö. Im Juni 1982 starb Fassbinder plötzlich, so dass dieser Film auch zugleich sein letztes cineastisches Werk darstellt.

Eine weitere Soloarbeit von Froese wurde 1983 veröffentlicht. Die Platte Pinnacles wurde von der Musikszene als Produktion beschrieben, „die sich nicht durch Voluminösität, sondern durch die Intensität der Stimmungen und Atmosphären auszeichnet“. Der Titel bezieht sich auf jahrtausendealte Felsformationen im australischen Nambung-Nationalpark.

Erst 1995 brachte Edgar Froese mit der Doppel-CD Beyond The Storm ein weiteres, teilweise umstrittenes Soloprojekt heraus. Darauf befinden sich dreizehn remasterte ältere Titel sowie fünfzehn neue Stücke. Vor allem die überarbeiteten Stücke stießen bei einigen Fans auf Ablehnung. Bereits bei Tangerine Dream hatte Froese große Teile des Repertoires zeitgemäß überarbeitet und neu herausgegeben, was nicht immer auf Zustimmung traf.

Im Jahr 2000 starb Edgar Froeses Frau Monika nach langer Krankheit.

Mit seiner zweiten Frau Bianca Acquaye teilte Froese die Liebe zur Kunst, sie selbst malt Acryl-Bilder. Im Jahr 2004 hatten sie eine gemeinsame Ausstellung in Berlin. Bianca schuf auch die Bilder, die auf den Tangerine Dream-Alben Inferno und Purgatorio als Cover-Artwork zu sehen sind.

Edgar Roese mit Bianca Acquaye

Edgar Roese mit Bianca Acquaye

Unter dem Titel The Ambient Highway erschien 2004 eine fünfteilige CD-Kollektion, in der Froese älteres Material remastert und musikalisch weitergeführt hat. Auch hier finden sich im Cover Arbeiten seiner Frau.

2005 erschien Edgar Froeses letztes Soloalbum Dalinetopia. Im selben Jahr veröffentlichte er auch seine ersten sechs Soloalben auf seinem eigenen Label Eastgate Music. Aus rechtlichen Gründen wurden die Wiederveröffentlichungen neu abgemischt und zum Teil auch neu aufgenommen, was an veränderter Covergestaltung und der Künstlerangabe „Edgar W. Froese“ (anstelle von „by Edgar Froese“) erkennbar ist.

2013 hatte er einen schweren Unfall, als er bei Eis- oder Schneeglätte ausrutschte und eine Kopfverletzung erlitt, in deren Folge er ein halbes Jahr im Koma lag. Durch den erlittenen Kieferbruch konnte er zunächst weder essen noch sprechen. Noch Monate später hatte er erhebliche Probleme, sich zu artikulieren.

Edgar Froese starb am 20. Januar 2015 im Alter von 70 Jahren in Wien an einer Lungenembolie (Quelle: wikipedia)

Hier zur Erinnerung das Frühwerk „Zeit“, ein „Largo In Four Movements“:

Man braucht Zeit für „Zeit“. Zum Titel dieser Scheibe sagte Edgar Froese einmal Folgendes: „Nach Parmenidas, der ein halbes Jahrhundert vor Christus Mitbegründer der Philosophenschule von Elea war, existiert die Zeit mit allen ihren Erscheinungsformen nur in den Köpfen der Menschen. Demnach verändert sich nichts, und es lässt sich nichts wahrnehmen.“ Wenn es die Absicht von Tangerine Dream war vor allem den zweiten Teil von Parmenidas‘ Hypothese zu vertonen, so ist der Gruppe dies gelungen. Auf „Zeit“ verändert sich in der Tat nicht viel, gibt es fast nur statische, gemächlich an- und abschwellende, strukturlose Klangmassen zu hören. Diese monotonalen Endlosmuster haben eine durchaus hypnotische Wirkung und mögen ganz gut dazu geeignet sein zu meditieren oder sein Bewusstsein zu erweitern. Die meisten Zeitgenossen hat die 1972 auf dem Ohr-Label veröffentlichte Doppel-LP aber wohl eher verwirrt und ratlos zurück gelassen.

Booklet-5A
Mit ihrem dritten Album – das ursprünglich noch den Untertitel „Largo in four movements“ hatte – haben Tangerine Dream ihr wohl ambitioniertestes Werk eingespielt, was damals allerdings nicht ohne Komplikationen abging. Um die Klangpalette zu erweitern lud man einerseits Florian Fricke mit seinem großen Moog-Synthesizer ins Studio, andererseits engagierte man Jochen von Grumbcow (von Hölderlin) der eine Gruppe von Cellisten mitbrachte (die im einleitenden „Birth of Liquid Plejades“ zu hören sind). Mit beiden Klangerweiterungen gab es das eine oder andere Problem, vor allem weil die studierten Musiker und Komponisten nicht mit dem frei improvisierten Herumprobieren und Drauflosspielen klarkamen, mit dem Froese und Mitstreiter normalerweise ihre Stücke entwickelten. Trotzdem war das Album nach einer knappen Woche in Dieter Dierks Studio aufgenommen. Zwei Wochen später wurde das Ganze abgemischt und dann im August 1972 veröffentlicht, versehen mit dem klassischen Sonnenfinsternis-Gemälde von Froese als Cover.

Ein Meilenstein? Na ja, Komponisten wie Ligeti (z.B. „Apparitions“, 1958 oder „Atmospheres“, 1961) und Scelsi (z.B. „Quattro Pezzi Per Orchestra – Ciascun su una nota sola“, 1958) haben ähnliche Ideen schon um einiges früher und abwechslungsreicher vertont, wenn auch nicht in solch gigantischem zeitlichen Ausmaß. Im Rockkontext, oder in Bereichen außerhalb der klassischen Moderne und der intellektuellen Elektronik, steht die Scheibe in ihrer radikalen Umsetzung der Grundidee einer ewigen Statik, auch was die Länge des Gebotenen anbelangt, ziemlich einzigartig da und war damals sicher ein sehr radikales Werk. In der Tat ist die Klangmacht die diese Musik verströmt sehr beeindruckend, kann den Hörer gefangen nehmen und in andere Sphären transportieren … wenn man sich darauf einlässt. Ist man aber nicht in der richtigen Stimmung, kann das Ganze schnell langweilen, nach einiger Zeit auch nerven. Wer sich allerdings für Krautrock und elektronische Musik interessiert, sollte in „Zeit“ zumindest einmal reingehört haben!

Booklet-3A
Auf einer zweiten CD ist nämlich ein Konzertmitschnitt der Tangs zu finden, der am 25. November 1972 im Grossen Sendesaal des Rundfunkhauses in Köln gemacht wurde. Die Klangqualität ist sehr gut, was es dem Kraut- und/oder Elektronikfreak nun ermöglicht, einem Konzert der Band kurz nach dem Erscheinen von „Zeit“ zu lauschen.

Es handelt sich hier um eines der frühesten Live-Dokumente die es von Tangerine Dream gibt. Die beiden Teile von „Klangwald“ („Part One“ 37:23 Minuten, „Part Two“ 40:41) bieten ähnlich formlose Klanggespinste wie sie auch auf „Zeit“ zu finden sind. Diese sind wohl weitestgehend improvisiert, waren ursprünglich vermutlich noch länger (da aus- und eingeblendet, wird) und kommen sogar etwas wärmer und farbiger aus den Boxen als die Klänge des doch etwas unterkühlt und steril wirkenden Studioalbums. Erwähnenswert sind einige rhythmische Sequenzerabschnitte (den sich die Band wohl gerade zugelegt hatte), insbesondere in der zweiten Hälfte von „Part One“ und ein fast pastoral-psychedelischer Abschnitt nach rund 15 Minuten im zweiten Teil. Ansonsten passiert hier nicht wirklich viel, beziehungsweise es braucht seine Zeit, bis sich die Veränderungen bemerkbar machen (wie schon bei „Zeit“). Dem Rezensenten gefällt diese Livemusik jedenfalls besser als das Studioalbum und Tangerine-Dream-Fans sollte bei dieser Musik sowieso das Wasser in den Ohren zusammenlaufen. (Achim Breiling)

Wie gesagt: nicht meine Musik, aber ich verneige mich vor einem richtungsweisenden Pionier dieser Gattung !

InsideA

Besetzung:
Peter Baumann (synthsizer, organ, vibraphone)
Chris Franke (synthesizer, cymbals, keyboards)
Edgar Froese (guitar, electronics)
+
Hans Joachim Brüne (cello)
Florian Flicke (synthesizer)
Jochen von Grumbcow (cello)
Johannes Lücke (cello)
Steve Schroyder (organ)
Christian Vallbracht (cello)

Inlet01

Titel:
01. First Movement: Birth Of Liquid Plejades (Froese) 19.58
02. Second Movement: Nebulous Dawn (Froese) 17.55
03. Third Movement: Origin Of Supernatural Probabilities (Froese) 19.29
04. Fourth Movement: Zeit (Froese) 17.02
+
The Klangwald Performance:
05. Klangwald (Part 1) (Baumann/Franke/Froese)
06. Klangwald (Part 2) (Baumann/Franke/Froese)

LabelD1

 

*
**

Edgar Froese am Ende seiner Tage

Edgar Froese am Ende seiner Tage

Weihnachten 2018 (21): Verschiedene Interpreten – s´Jahr klingt aus … Wasserburger Advent (1972)

FrontCover1Eigentlich hätte ich ja mit dieser LP die Adventszeit hier im blog beginnen müssen.

Denn sie kommt gänzlich ohne klassische Weihnachtslieder aus, sondern konzentriert sich – höchst erfreulich – auf musikalische und textliche Betrachtung der Vorweihnachtszeit …

Entscheidenden Anteil an dieser LP haben Lukas Maier und Bert Lindauer …

Ludwig Ernst Maier, auch: »Lukas«Maier (11. Januar 1920 Wasserburg – 5. August 2011) Wasserburg – Literatur – Autoren
Seit der Geburt in Wasserburg am Inn lebend; Bank-, später Brauereikaufmann, Heimatschriftsteller.
Nach Kriegsende wurde – zusammen mit seiner Frau Lore – das Bergsteigen und Reisen zu seiner großen Leidenschaft. Groß sind seine Verdienste um die Alpenvereinssektion Wasserburg, die er ein Viertel Jahrhundert als 1.Vorsitzender leitete; jetzt Ehrenvorsitzender. Dazwischen fand er immer wieder Zeit zu schriftstellerischer Tätigkeit. Mit seinen literarischen Fähigkeiten hat Lukas Maier in zahlreichen Beiträgen in den Bergsteigersendungen des Bayerischen Rundfunks und in Zeitschriften- wie Zeitungsartikeln die Schönheiten der Natur beschrieben. Oft hat er auf Feiern und Volksmusikveranstaltungen in bairischer Mundart gelesen. Im Laufe der Zeit hat er auch einige Bücher herausgebracht, die derzeit leider nur antiquarisch erhältlich sind.

Lukas Maier, 1989

Lukas Maier, 1989

Und ein weiteres Urgestein der Wasserburger Volksmusik-Szene ist dann der Harfenist Bert Lindauer (Mitglied des Wasserburger Dreiergesangs):

Bert Lindauer hat die Joseph-Heiserer-Medaille der Stadt Wasserburg erhalten. Der Griesstätter wurde damit für seine „ganz besonderen Verdienste um die Volksmusik im Wasserburger Raum“ ausgezeichnet.
Für „besondere Verdienste um die Volksmusik“ wurde Bert Lindauer durch Bürgermeister Michael Kölbl die Joseph-Heiserer-Medaille verliehen.

Wasserburg – Es ist die zweithöchste Auszeichnung der Stadt nach der Ehrenbürgerwürde. Und auch diesmal wurde versucht, die Verleihung als Überraschung zu gestalten.

Schon vor einigen Jahren hat Bert Lindauer die Leitung der Wasserburger Volksmusiktage, die in Kürze wieder beginnen, abgegeben. Im Dezember fand er dann auch für das Wasserburger Adventsingen einen Nachfolger. Die zeitliche Nähe zu den Volksmusiktagen nutzte jetzt die Stadtverwaltung für die Auszeichnung, die ansonsten immer in der Dezembersitzung des Stadtrates erfolgt.

„Wenn der Lindauer Bert des macht, dann passt’s.“ So fasste Bürgermeister Michael Kölbl die Erfahrungen zusammen, die von der Stadt und den vielen Volksmusikfreunden in Jahrzehnten gemacht wurden. Lindauer habe immer mit fachlicher wie persönlicher Kompetenz dafür gesorgt, dass die „echte Volksmusik“ zum Publikum kommt.

1966 begründete Lindauer das Adventsingen mit, 1973 dann die Volksmusiktage. Später war er auch dabei, als die Musikschule aus der Taufe gehoben wurde, „und das alles immer ehrenamtlich“, so Kölbl.

Dass dieser „bekannt bescheiden“ ist, wie von Kölbl hervorgehoben wurde, zeigte sich auch im Stadtrat. Lindauer hob zuerst einmal die Verdienste von Hans Klinger, Christl Arzberger oder Lukas Maier und die Hilfe seiner Frau bei den Wasserburger Volksmusikveranstaltungen hervor. „Es hat mir immer Spaß gemacht – auch aus echter Liebe für die Stadt Wasserburg“, meinte er. Die Verleihungsurkunde unterschreiben wollte er dann erst nach Kenntnis des genauen Inhaltes – ganz Verwaltungsfachmann, der er auch ist. (Quelle: Oberbayerisches Volksblatt, 2.4.1011)

Bert Lindauer, 2012

Bert Lindauer, 2012

Als diese LP also 1972 veröffentlicht wurde, hatte das „Wasserburger Adventssingen“ bereits 6 Jahre auf dem Buckel. Höchste Zeit, dachten sich wohl die beiden, diese Musik auch auf einer Schallplatte festzuhalten. Der Erlös aus dem Verkauf dieser Schallplatte wurde der Stadt Wasserburg für die Gründung einer Musikschule bereitgestellt (und diese Musikschule freut sich auch heute noch großer Vitalität). Überhaupt: Diese LP ist wohl auch eine Liebeserklärung an die Heimatstadt Wasserburg, der Hüllentext schwelgt geradezu in der „guten alten Zeit“ und preist die Lebendigkeit des musikalischen Brauchtums gerade in dieser Stadt an.

Postkarte1910

Beteiligt an diesem Projekt waren verschiedene lokale Ensembles und geboten werden tradtionelle, bayerische Klänge (die mit jenen rührselig-sentimentalen Empfindungen, die diese Zeit eben prägen, nicht gerade kleinlich umgehen), die natürlich mit stark religiösen Texten versehen sind. Wobei sich mir weiterhin nicht, diese untewürfig-religöse Haltung („Maria, ach verzeih´ es mir“) erschließt … aber ich muss ja nicht alles verstehen.

Und die Texte von Lukas Maier (der diese auch selbst liest), sind, nun ja … die sind lakonisch und schicksalsergeben … eine Grundhaltung, die mir nicht sonderlich zusagt … aber, in diese Grundhaltung ist vermutlich in Bayern weit verbreitet (kein Wunder nach 1000 Jahren CSU).

Über diese LP findet man im Internet eigentlich keine Informationen … so rette ich diese Aufnahmen kurzfristig vor dem Aussterben … aber das Wasserburger Adventsingen, das gibt es immer noch ….

Aufnahme: 29. Oktober 1972 in der Volksschule Griesstätt

BackCover1
Titel:
01. Lukas Maier: Harfenlandler – Wasserburger Herbst (Lindauer/Maier) 2.23
02. Wasserburger Dreigesang: Wasserburger Schifferliedl (Fanderl) 1.17
03. Wasserburger Hackbrettmusi: Gerbermarsch (Arzberger) 1.39
04. Grünthaler Sänger: I bin a frischer Jager (Volksweise) 1.45
05. Lukas Maier: Überleitung (Maier)
06. Dirnharter Stubnmusi: Scheibnpolka (Schwab) 1.06
07. Zellenreither Dirndl: Wann i mein Buam hör´ (Volksweise) 1.48
08. Meilinger Okarinamusi: Steyrischer (Volksweise) 0.46
09. Grünthaler Sänger: Fahr´ ma hoam (Gielge) 1.46
10. Gitarrenduo Arzberger: Wasserburger Landler (Arzberger) 1.10
11. Lukas Maier: Novembergedanken (Maier) 1.26
12. Wasserburger Hackbrettmusi: Jager-Lois-Polka (Volksweise) 1.37
13. Zellenreither Dirndl: Spinn, Spinnerin (Volksweise)
14.  Dirnharter Stubnmusi: Jakobilandler (Schwab) 1.07
15. Bert Lindauer: Aus dem Pinzgau (Lackner) 0.47
16. Lukas Maier: Wasserburger Advent (Maier) 1.25
17. Wasserburger Dreigesang: Maria ach verzeih´ es mir (Volksweise) 1.24
18. Dirnharter Stubnmusi: Marienmenuett (Schwab) 1.48
19. Zellenreither Dirndl: Kurze Zeit lang (Volksweise) 1.58
20. Lukas Maier: Hasenadvent (Maier) 5.20
21. Wasserburger Dreigesang: Hintn beim Oachlbam (Volksweise) 0.59
22. Meilinger Okarinamusi: Okarinalandler (Volksweise) 1.29
23. Grünthaler Sänger: s´Rorate (Volksweise) 1.04
24. Wasserburger Hackbrettmusi: Glocknweis´ (Arzberger) 1.32
25. Grünthaler Sänger + Zellenreither Dirndl: Engelruf (Volksweise) 1.51
26. Lukas Maier: Zum Hoamgeh´ (Maier) 1.22
27. Wasserburger Dreigesang: Weihnachtsjodler (Stacheder) 0.45

LabelB1.JPG

*
**

WasserburgerAdventsingen2014

The Bridge – Overdrive – Rock-Jazz Party (1972)

FrontCover1.jpgAlso, das hätte ich dem Billig Label „Tempo“ nun wahrlich nicht zugetraut … und das zeigt einmal mehr, welche Bedeutung damals progressive Rock bzw. Jazz-Rock Musik in Deutschland hatte.

Und ohne den Kristian Schultze hätte dieses rare Projekt des frühen deutschen Jazz-Rocks erst gar nicht stattgefunden:

Kristian Schultze (* 21. Januar 1945 in Frankfurt (Oder); † 22. November 2011 in Bad Tölz) war ein deutscher Komponist, Arrangeur, Keyboarder und Musikproduzent.

Kristian Schultze war der Sohn des Komponisten Norbert Schultze und der Schauspielerin und Sängerin Iwa Wanja. Er studierte Klavier und Komposition am Städtischen Konservatorium, dem ehemaligen Stern’schen Konservatorium in Berlin, an der Wiener Musikakademie und an der Jazz-Akademie Graz. Ab Ende der 1960er Jahre komponierte er Filmmusik; 1972 war er an der zweiten Platte von Niagara beteiligt. 1973 bis 1977 war er Keyboarder und Organist in Klaus Doldingers Band Passport. Zwischen 1977 und 1981 war er als Keyboarder und Produzent Mitglied der Band Snowball. 1979 gründete er mit Michael Holm das Musikprojekt Cusco. 1980 spielte er neben Christian Bruhn die Keyboards des deutschen Soundtracks zur TV-Serie Captain Future ein. Im dazugehörigen Booklet wird er aber in geänderter Schreibweise als Kristian Schulze aufgeführt.

KristianSchultze02

Ein etwas albernes Bild von Kristian Schultze

Ab 1984 arbeitete er in Los Angeles als Komponist, Arrangeur und Co-Producer mit Giorgio Moroder zusammen. 1998 übersiedelte er nach Sachsenkam; seit 2002 lebte er in Bad Tölz.

Schultze war 1956 zusammen mit seinem Bruder Norbert Schultze Jr. auch in Max und Moritz, der Verfilmung einer Oper seines Vaters. Dort verkörperten die beiden Max und Moritz.

Schultze verstarb im November 2011 an einem Herzinfarkt. (Quelle: wikipedia)

Und mir war so gar nicht bewußt, wieviele Kompositionen er für Film und TV geschrieben hat, Hier ne kleine Auswahl:

Musik für Kinofilme:

  • Zur Sache, Schätzchen (1968; Regie: May Spils)
  • Nicht fummeln, Liebling (1969; Regie: May Spils)
  • Detektive (1969; Regie: Rudolf Thome)
  • Immer bei Vollmond (1970; Regie: Ernst Lubowski)
  • Hau drauf, Kleiner (1974; Regie: May Spils)
  • Rosemaries Tochter (1976; Regie: Rolf Thiele)
  • Wehe, wenn Schwarzenbeck kommt (1979; Regie: May Spils)
  • Annas Mutter (1984; Regie: Burkhard Driest)
  • Mit mir nicht, du Knallkopp (1984; Regie: May Spils)
  • André schafft sie alle (1984; Regie: Peter Fratscher)
  • Ätherrausch (1987; Regie: Klaus Gengnagel)
  • Nancy and Frank (2001; Regie: Wolf Gremm)

Musik für Fernsehfilme und -shows

  • Juhnke & Co. (24 Folgen)
  • Harald und Eddi (12 Folgen, ~1987–89)
  • Mary (Shows mit Georg Preuße)
  • Die glückliche Familie (6 Folgen)
  • Pension Corona (13 Folgen)
  • Kulturmagazin (ZDF; Titelmelodie)
  • Sielmann 2000 (13 Folgen)
  • Der Bulle von Tölz (32 Folgen, 1995–2002)
  • Eine Frau zieht ein

Aber hier hören wir ihn als profunden Jazz-Rock Musiker, begleitet von einer Schar von Musikern … da kann man nur mit der Zunge schnalzen.

AlternativesFC

Alternatives Frontcover

Dass er dann von Klaus Doldinger für „Passport“ engagiert wurde, wundert einen nach diesen Aufnahmen auch nicht mehr.

Und man glaubt es ja kaum … just dieses Album wurde dann im Jahr 2017 im fernen Spanien als Vinyl-Pressung wieder veröffentlicht … das zeigt uns wohl, dass es weiterhin einen kleinen, aber feinen Markt für rare Aufnahmen wie diese gibt.

KristianSchultze01

Besetzung:
Dusko Goykovich (trumpet)
Pawel Jarzebski (bass)
Olaf Kübler (saxophone)
Joe Nay (drums, percussion)
Kristian Schultze (keyboards)

BackCover1.jpg

Titel:
01. Phrase/Overdrive (Schultze) 2.22
02. Ambivalens (Schultze) 5.15
03. Dinghi (Schultze) 2.54
04. Alles klar? Alles klar? (Schultze) 3.30
05. Start (Echo Drum Suite) (Nay) 3.38
06. Stupsi (Ballade 1) (Schultze) 4.48
07. Recreation (Schultze) 2.57
08. Don’t Count It (Schultze) 2.43
09. Relation (Ballade 2) (Schultze) 3.15
10. Puls (Schultze) 2.39
+
11. Phrase/Overdrive (alternate version) (Schultze) 2.25

LabelB1

*
**

SpanischesLabel

Das Label der spanischen Wiederveröffentlichung aus dem Jahr 2017

Verschiedene Interpreten – Musica Bavarica – Alte Musik aus dem Pfaffenwinkel (1972)

FrontCover1Ohne die beiden wäre es ganz sicher nicht zu dieser Veröffentlichung gekommen:

1957 begannen KMD Alois Kirchberger und Dr. Robert Münster auf eigene Initiative nach alten Musikalien in Klöstern und Kirchen des altbayerischen und schwäbischen Raums zu forschen. Aufgrund der überraschenden Funde begann die Bayerische Staatsbibliothek 1967 mit Unterstützung durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft die systematische Katalogisierung dieser Bestände. Im gleichen Jahr erschien die erste Schallplatte der inhaltlich damit verbundenen Dokumentationsreihe Musica Bavarica.

Waren die ersten Veröffentlichungen klösterlicher Vokal- und Instrumentalmusik gewidmet, so wurden bald auch Werke aus zuvor vernachlässigten Bereichen weltlicher Musik einbezogen. Sie brachten u.a. Musik von Hofkomponisten des »Blauen Kurfürsten« Max Emanuel, des Kurfürsten Max III. Joseph und der bayerischen Könige Max I., Ludwig I. und Ludwig II.

Sensationelle Funde konnten erstmals vorgestellt werden: u.a. eine Kantate von Leopold Mozart aus dem Jahr 1755, von W.A.Mozart die zuvor unbekannte Sinfonie KV 19a des Neunjährigen und die Zweitfassung der Solomotette »Exsultate, jubilate« KV 165/158a, von Johann Michael Haydn die »Chiemsee-Messe« und die Herrenchiemseer Festkantate von 1797.

Für Ihre Verdienste um die Wiederbelebung der vergessenen Musikwerke des 17.und 18. Jahrhunderts in Altbayern wurde die Reihe Musica Bavarica 1987 mit dem Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung ausgezeichnet.
2012 feiert Musica Bavarica sein 45-jähriges Bestehen.

Hier nun, wie der Titel schon sagt, alte Musik aus dem Pfaffenwinkel … Was ist nun um Himmels Willen der Pfaffenwinkel ?

Als Pfaffenwinkel wird eine Region in Südbayern bezeichnet, die zwischen Lech und Loisach liegt.

Das Kerngebiet des Pfaffenwinkels bildet der Landkreis Weilheim-Schongau. Die hügelige Landschaft ist geprägt durch Wiesen, Wälder, Moore, Seen und Flussläufe und liegt auf einer Höhe von 500 bis über 1000 Meter

Pfaffenwinkel01

Im weiteren Sinne zählt man das gesamte Gebiet zwischen Landsberg am Lech und Starnberg im Norden, Ingenried im Westen, Füssen und Ettal im Süden und Benediktbeuern im Osten zum Pfaffenwinkel. Damit umfasst er Teile des Fünfseenlandes mit den Landkreisen Landsberg am Lech und Starnberg, sowie des Isarwinkels, des Lechrains und Bereiche der Landkreise Ostallgäu und Garmisch-Partenkirchen.

Der Raistinger Dorfpfarrer Franz Sales Gailer prägte im 18. Jahrhundert den eingängigen und auf den eigenen Berufsstand bezugnehmenden Begriff Pfaffenwinkel. Pfaff (Einzahl) und Pfaffen (Mehrzahl) sind alte bayerische Bezeichnungen für Pfarrer.

Den Namen erhielt die Region wegen der zahlreichen Klöster und Wallfahrtskirchen, so z. B. die Wallfahrtskirchen in Vilgertshofen, Hohenpeißenberg und die Wieskirche, sowie die Klosterkirchen in Ettal, Steingaden, Rottenbuch, Polling und Wessobrunn; in kaum einer anderen Region in Deutschland gibt es eine derartige Dichte an Klöstern. Aus der Region stammen auch die Stuckateure der Wessobrunner Schule. Im Pfaffenwinkel steht auch das Wessobrunner Kloster, in dem das Wessobrunner Gebet entdeckt wurde: eines der ältesten dichterischen Werke der deutschen Sprache. Die in Wessobrunn geborenen Brüder Dominikus und Johann Baptist Zimmermann verhalfen mit ihrem Kunstgeschick einem ganz anderen Bau zu Weltruhm, einem Zentrum der oberbayrischen Touristik, der Wallfahrtskirche zum Gegeißelten Heiland auf der Wies, auch als Wieskirche bekannt. (Quelle: wikipedia)

Auf dieser LP werden überwiegend geistliche Werke aus dem 18. und 19. Jahrhundert präsentiert, die in jener Region „Paffenwinkel“ ihren Ursprung hatten. Es wundert einen natürlich nicht, dass dabei die in der Region beheimateten Kläster eine entscheidende Rolle gespielt haben. Und so hören wir Musik aus den Klöstern Benediktbeuren – Ettal – Oberammergau – Rottenbuch und Steingaden.

Wem – wie mir – gelegentlich der Sinn nach solch geistlicher Musik steht, findet hier feine Raritäten aus diesem Genre.

Und weil der Paffenwinkel auch heute noch kulturell sehr aktiv ist, habe ich die 2013er Ausgabe der Zeitschrift „bravissimo – Kulturlust erleben“ beigelegt.

Pfaffenwinkel02

Besetzung:
Hans Günther Billig (flute)
Kieth Engen (Bass bei o1.)
Julia Falk (Alt bei 05.)
Albert Gassner (Tenor bei 05.)
Karl Maureen (organ bei 04. + 05.)
Jack Meredith (horn bei 01.)
Erika Rüggeberg – Sopran bei 03.)
Carlo Schmid (Bass (bei 05.)
+
Chor der Herz-Jesu-Kirchen, München

Kammerorchester Musica Bavarica unter der Leitung von Alois Kirchberger (Seite 1) und  Josef Schmidhuber (Seite 2)

BackCover1

Titel:

Gilbert Michl Opraem:
01. Benedictus7.52

Franz Xaver Richter :   
02. Sinfonia Nr. 2 F-Dur  7.33

Martin Gebhard:      
03. Salve Regina  7.28

Rochus Dedler :
04. Finale aus der Oberammergauer Passionsmusik 13.27

Joseph Haydn:
05.  Offertorium (Aus Streichquartett Op. 42,3) 6.48

*
**

Pfaffenwinkel03

Die 3 Bobbys – Ausgerutscht (Folge 3) (1972)

FrontCover1.JPGVom frommen Franz von Assisi zum rebellischen Konstantin Wecker hin zu dem Gaudi-Tio Die 3 Bobbys … das könnte man durchaus als gewagt bezeichnen … aber so ist das nunmal in diesem blog.

Über diese 3 Bobbys habe ich überraschenderweise kaum Informationen gefunden, überraschend deshalb, weil sie in den 60er und 70er Jahren durchaus aktiv waren und auch diverse LP´s in Österreich und Deutschland veröffentlicht haben.

Ich gehe jetzt einfach mal davon aus, dass sie sich so Anfang der 60er in Wien zusammengefunden haben … in dem Skandal-Streifen „Die Geißel des Fleisches“ hatten sie jedenfalls bereits 1965 einen gemeinsamen Auftritt.

Und so präsentieren sie sich selber:

Besetzung.jpg

Und was wir hier nun zu hören bekommen, ist ein verdammt tiefer Tiefpunkt deutschen Humors. Es handelt sich um „ein kabarettistisches Sex-Menü“, live  mitgeschnitten in der Wiener Rutsch’n, Berlin. Dort waren sie mit ihren Darbietungen scheinbar Stammgäste, zumindest gab es eine eigene Postkarte des Lokals mit diesem Trio:

Postkarte.jpg

Und auch auf diesem werden in Wort- und Musikbeiträgen Zoten der primitivsten Sorte gerissen, natürlich auf Kosten der Frauen (von daher wäre das Prädikat „garantiert frauenfeindlich“ durchaus angemessen).

Und das hysterische Gegacker der Damenwelt (man möge mir ob meiner drastischen Wortwahl verzeihen) geht einem, bzw. mir dann ganz besonders aus den Keks. Warum sich ausgerechnet Frauen hier begeistert amüsieren konnten, werd´ ich bis heute nicht verstehen.

Nicht, dass ich in meinem Leben ein Kind von Traurigkeit gewesen wäre, aber was hier geboten wird, hat mit pikantem Amüsement nicht zu tun, sondern ist eben an Primitivheit kaum zu überbieten.

Da hilft es auch nichts, dass sich diverser Kompositionen bedienen, die damals in der Schlager-Szene zu den Gassenhauern zählten.

Die3Bobbys_1965.jpg

Die 3 Bobbys, 1965

Besetzung:
Karl Jerabek (accordeon, vocals)
Rudi Krammer (bass, vocals)
Georg Strasser (guitar)

BackCover1.JPG

Titel:

01. Ausgerutscht (Teil 1) (24.10)
01.01. Küß die Hände
01.02. Politessen
01.03. Butterfly
01.04. Was bin ich? (Lemke Parodie)
01.05. O Sole Mio
01.06.Wir sind so frei

Melodien.jpg

02. Ausgerutscht (Teil 2) (27.21)
02.01.Der Bobby, der Rudi, der Mucki
02.02. Berlin erwacht
02.03. Erzherzog-Johann-Jodler
02.04. In einer Bar in Mexico
02.05. Ballade von Rosi
02.06. Sag ihr, ich laß sie grüßen
02.07. Was kann der Siegesmund dafür
02.08. Geh‘ Alte schau mich net so deppert an

LabnelB1.JPG

*
**