Orchester Jerry Wilton – Die goldenen Schlager der 30er Jahre (1976)

FrontCover1Ursprünglich wollte ich ja schreiben: Bedauerlicherweise gibt es so gar keine Informationen über diesen Jerry Wilton, der eine ganz hervorragende Platte zum Thema „Schlager der 30er Jahre“ aufgenommen hat.

Weit gefehlt ! In meiner Verzweiflung habe ich das Lexikon des deutschen Schlagers  durchforstet und bin dann auf die Information gestoßen, dass Jerry Wilton schlicht und ergreifend eins der vielen Psyeudonyme für den legendären Gert Wilden war. Na also … geht doch ! (Ich Depp hätte das allerdings auch früher feststellen können, steht doch auf der Hülle bei den Traditonals „arr.: G.Wilden !)

Gert Wilden (* 15. April 1917 in Mährisch-Trübau, Österreich-Ungarn; † 10. September 2015 in Tutzing; eigentlich Gerhart Alfred Arnold Wychodil) ist ein deutscher Komponist, Filmkomponist, Arrangeur und Dirigent. Alternativ- und Publikationsnamen: Gert Wychodil, Frank Colter, V. Vychodil, Gerd Wilden, Jerry Wilton.

Nach seiner Kindheit in Mähren und dem Abitur studierte Wilden unter anderem bei George Szell, Fidelio F. Finke und Fritz Rieger Kompositionslehre und Dirigieren an der Musikhochschule in Prag. Noch während seines Studiums übernahm er die Leitung des Rundfunkorchesters des Senders Pilsen.

GerdWilden2Zur Filmmusik kam Wilden, der sich inzwischen in München niedergelassen hatte, nach dem Zweiten Weltkrieg. Er wurde Arrangeur für namhafte Filmkomponisten wie Werner Richard Heymann, Lothar Brühne und Hans-Martin Majewski.

Ab Ende der 1950er-Jahre entwickelte sich Wilden zu einem der meistbeschäftigten Filmkomponisten meist leichter Unterhaltungsfilme. Neben seinen Arbeiten für Schlagerfilme machte sich Wilden vor allem für die musikalische Untermalung zahlreicher Abenteuer- sowie Kriminalfilme einen Namen. In den ausgehenden 1960er- und zu Beginn der 1970er-Jahre war Wilden der führende Filmkomponist der Sexwelle im deutschen Kino. Zu seinen bekanntesten Arbeiten für das Fernsehen zählt die Musik zu der Zeichentrickserie Heidi (1974).
Single Berlin, dein Gesicht hat Sommersprossen von Hildegard Knef, 1966. Gert Wilden und sein Orchester

Außerdem war Wilden als Arrangeur und Komponist für Michael Holm, Harald Juhnke, Hildegard Knef, Peggy March, Vico Torriani, Martin Egel und viele andere tätig. Von 1961 bis 1964 leitete er das Tanzorchester des Bayerischen Rundfunks. Im Jahr 1976 gründete er das Vokalensemble Die Viel-Harmoniker, bei dem er selbst als Pianist mitwirkte. Gert Wilden produzierte auch die Sängerin Angela, die mit dem Titellied zur Fernsehserie Tammy, das Mädchen vom Hausboot einen großen Hit hatte. (Quelle: wikipedia)

GerdWilden

Gerd Wilden im Jahre 2012

Wie gesagt, diese BASF-LP ist wirklich ein Kleinod dieses Genres … irgendwie spürt man, dass dieser „Jerry Wilton“ jene Zeit selbst erlebt hat !

Und: Gerd Wilden, der alte Knabe, war bis ins hohe Alter noch aktiv … siehe beiliegender Artikel zu seinem 95. Geburtstag.

BackCover1

Besetzung:
Orchester Jerry Wilton

MC
Titel:

01. Medley 01: 3.35
– San Francisco /Kaper/Jurmann)
– Donkey Serenade (Friml)
– Bublitschky (Traditional)     3:35

02. Medley 02: 2.14
–  La Cucaracha (Traditional)
– Bianca (Samuels/Whitcup)
– Rumba Negra (Siegel/Hernandez)

03. Medley 03: 3.37
– Regentropfen (Palm/Hochleitner
– Zwei rote Lippen und ein roter Tarragona (Sanders)
– Hör mein Lied, Violetta (Klose/Lukesch)

04. Medley 04: 2.31
– My Golden Baby Grünwald/Beda/Abraham)
– Sur Le Pont D’avignon (Traditional)

05. Medley 05: 3.15
– Puszta-Fox (Mihály)
– Goodnight Ladies (Traditional)
– Schwarze Augen (Traditional)

06. Medley 06: 3.18
– Bei mir biste schen (Jacobs/Sekunda)
– Lambethwalk (Gay/Furbar)
– Singin‘ In The Rain (Freed/Brown)

07. Medley 07: 2.43
– You Are My Lucky Star Freed/Brown)
– Red Roses For A Blue Lady (Tepper/Brosdsky)
– Belami (Beckmann/Mackeben)

08. Medley 08: 2.48
–  On The Sunny Side Of The Street (Fields/McHugh)
– Swanee River (Traditional)

09. Medley 09: 2.50
– Ich tanze mit dir in den Himmel hinein (Beckmann/Schröder)
– Parlez Moi D’amour (Lenoir)
– Hörst du mein heimliches Rufen (Plato)

10. Medley 10: 3.20
–  Tiritomba (Traditional)
– Lang, lang ist’s her (Traditional)
– Goodnight Sweetheart (Noble/Campbell/Connelly)

LabelB1

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Dornbusch Quartett – Paul Hindemith – Minimax + 3. Streichquartett (1976)

FrontCover1Wenden wir uns nun ein wenig ausführlicher mal dem Paul Hindemith zu.

Paul Hindemith (* 16. November 1895 in Hanau; † 28. Dezember 1963 in Frankfurt am Main) war ein deutscher Komponist der Moderne (Neue Musik) und Bratschist.

Paul Hindemith gehörte neben Arnold Schönberg, Béla Bartók und Igor Strawinski zu den wichtigsten Repräsentanten der ernsten Musik des 20. Jahrhunderts. Er legte Grundlagen für eine Öffnung dieser Musik nach außen, weg vom klassischen Konzertpublikum, unter anderem zum Jazz. Er plädierte für „Gebrauchsmusik“ und sah es als Pflicht des Komponisten an, sich sozialen Herausforderungen zu stellen und nicht zum reinen Selbstzweck zu komponieren. Hindemith wandte sich gegen eine Romantisierung der Musik und sah den Komponisten und Musiker mehr als Handwerker, denn als Künstler. Seine musiktheoretischen Werke zeigen eine starke Affinität zu den Naturwissenschaften. Wegen seiner sozialkritischen Musik geriet Hindemith in Konflikt mit den Nationalsozialisten, wanderte in die USA aus und gelangte zu Weltruhm.

Hindemith entstammte einer Arbeiterfamilie. Seine frühe Kindheit verbrachte er in Rodenbach bei Hanau. Vom dritten bis zum sechsten Lebensjahr lebte Paul Hindemith

PaulHindemith1923

Paul Hindemith, 1923

bei seinen Großeltern Hindemith in Naumburg am Queis in Schlesien. Im Jahr 1900 zog die Familie nach Mühlheim am Main, wo Paul seine Grundschulzeit absolvierte und seinen ersten Geigenunterricht erhielt. 1905 zog er mit seiner Familie nach Frankfurt am Main; dort beendete er im Alter von 14 Jahren die Volksschule.

Die familiären Wurzeln liegen in Schlesien. Er entstammt einer alteingesessenen schlesischen Familie von Kaufleuten und Handwerkern aus den Kreisen Jauer und Lauban. Sein Vater Rudolf wurde 1870 im schlesischen Naumburg am Queis geboren. Er verließ als junger Mann seine Heimat und siedelte sich um 1890 in Hanau an, wo er als Anstreicher arbeitete. Der Vater ließ seine drei Kinder, den 1895 geborenen Paul, die 1898 geborene Schwester Antonie (Toni) und den 1900 geborenen Bruder Rudolf seit frühester Kindheit musikalisch unterrichten und sie unter dem Namen „Frankfurter Kindertrio“ auftreten. Er gab ihnen die Ausbildung, die ihm selbst trotz musikalischer Veranlagung verwehrt geblieben war. Der Sohn Rudolf Hindemith, der sehr früh als Cellist Anerkennung fand, ergriff später ebenfalls den Beruf des Dirigenten und Komponisten, stand aber im Schatten seines berühmten Bruders Paul. Der Vater meldete sich, trotz seines fortgeschrittenen Lebensalters von 44 Jahren, 1914 zu Beginn des Ersten Weltkrieges als Kriegsfreiwilliger. Er fiel im September 1915 in der Herbstschlacht bei Souain-Perthes in der Champagne als Infanterist im Nahkampf.

Als Kinder waren die beiden hochmusikalischen Brüder Paul und Rudolf (1900–1974) das Aushängeschild der Familie; in ihrer Jugend begannen sie, im Amar-Quartett, einer der führenden Gruppen in der Neue Musik-Szene der Zwanziger Jahre, professionell zusammen zu musizieren. Der jüngere Rudolf (Cello) stieg bald aus, weil er sich oft hinter Paul zurückgesetzt sah, wechselte ins Genre von Blasmusik und Jazz und blieb im Gegensatz zu Paul als Dirigent in Deutschland.

Gemälde

Paul Hindemith mit Bratsche (1956), Gemälde von Rudolf Heinisch

Paul lernte seit dem neunten Lebensjahr Violine. Nach einer Empfehlung seiner Violinlehrerin Anna Hegner besuchte er ab 1908 das Hoch’sche Konservatorium. Neben der Perfektion in Violine bei Adolf Rebner erhielt er auch eine Komponisten-Ausbildung bei Arnold Mendelssohn und Bernhard Sekles. Er wurde Bratschist im Frankfurter Orchester.

Von 1915 bis 1923 hatte er die Stelle des Konzertmeisters an der Frankfurter Opernbühne inne. Hindemith wurde im Ersten Weltkrieg am 16. Januar 1918 als Militärmusiker eines Infanterie-Regiments ins Elsass verlegt. Ab April war seine Einheit in Nordfrankreich und Belgien stationiert, wo Hindemith die Gräuel des Krieges erlebte. Am 8. Dezember 1918 wurde er aus dem Militärdienst entlassen.

BriefmarkeIm 1922 gegründeten Frankfurter Amar-Quartett spielte er zunächst 2. Violine, später Bratsche. 1923 erfüllte Hindemith den Wunsch des Pianisten Paul Wittgenstein nach einem Klavierkonzert für die linke Hand. Der Pianist führte das Werk jedoch nicht auf. Erst über 80 Jahre später folgte 2004 nach der überraschenden Entdeckung der Partitur[2] 2002 die Uraufführung bei den Berliner Philharmonikern.

Zu Hindemiths Lieblingspianisten gehörte damals die Ehefrau des Frankfurter Kunsthistorikers Fried Lübbecke, Emma Lübbecke-Job, die schon 1918 mit dem Rebner-Quartett (s.o.) sein Quintett e-Moll (Opus 7) aufgeführt hatte; ihr widmete er 1924 seine Kammermusik No. 2 (Opus 36).

Im selben Jahr heiratete er die Musikerin Gertrud Rottenberg, Tochter des Kapellmeisters des Frankfurter Opernorchesters Ludwig Rottenberg und Enkelin des ehemaligen Frankfurter Oberbürgermeisters Franz Adickes.

Durch seinen Freund und Schwager, den Rundfunkpionier und damaligen Leiter des Frankfurter Senders, Hans Flesch, kam Hindemith ab 1924 mit dem neuen Medium in Berührung. Auf Initiative Fleschs entstanden in der Folge etliche Auftragswerke für den Rundfunk, unter anderem 1929 das musikalische Hörbild der Flug der Lindberghs, eine Gemeinschaftsproduktion mit Kurt Weill und Bertolt Brecht. Die Berliner Hochschule für Musik berief Hindemith 1927 zum Professor für Komposition. Ab 1929 lehrte Hindemith überdies an der 1927 gegründeten Musikschule Neukölln.
Paul Hindemith mit Bratsche (1956), Gemälde von Rudolf Heinisch

GedenktafelZum Freundeskreis des Komponisten gehörten die Frankfurter Maler Reinhold Ewald (1890-1974) und Rudolf Heinisch (1896–1956). Ewald, der in Hindemiths Kindertagen in seiner Nachbarschaft wohnte, gestaltete Titelblätter für Partituren (zum Beispiel „Sancta Susanna“). Mit Heinisch blieb Hindemith bis zu dessen Tod eng befreundet. Er war auch sein Trauzeuge, zeichnete dessen Amar-Quartett und malte Paul Hindemith in der Zeit von 1924 bis 1956 etwa 15 Mal. Sein bekanntestes Bild von Hindemith, seit 1929 im Städelschen Museum in Frankfurt, hing 1938 in der Nazi–Ausstellung „Entartete Kunst“ in der Kategorie „Technisch gekonnt, Gesinnung verjudet“ und wurde anschließend als „unbrauchbar“ zerstört.

Zwischenzeitlich wurden mehrere seiner Werke bei den Donaueschinger Musiktagen uraufgeführt. Als dort 1921 Hindemiths 3. Streichquartett Opus 16 durch das Amar-Quartett uraufgeführt wurde, brachte ihm das mit kaum dreißig Jahren den Ruf des einflussreichsten und geachtetsten modernen Musikers Europas ein. Die Kammermusiktage leitete er in den Jahren 1923 bis 1930 zusammen mit Heinrich Burkard und Joseph Haas künstlerisch und machte sie zu einem der wichtigsten Foren neuer Musik. Seit dieser Zeit war Hindemith einer der bedeutendsten, aber auch umstrittensten Richtungsweiser zeitgenössischer Musik in Deutschland.

So klingen beispielsweise viele seiner Chorwerke und Lieder bis heute rau und ungewohnt und sind – etwa für Sängerknaben – eine interessante Herausforderung. Auch die von ihm gewählten Textvorlagen, unter denen sich neben Luther viele christliche Dichter befinden, erregten im aufsteigenden Nationalsozialismus Ablehnung. Der überwiegende Teil seiner nahezu 100 Klavierlieder blieb bis heute von den Interpreten unentdeckt.

Hindemiths eher kurzfristiges Interesse für die neuen, sich in ersten Entwicklungsstufen befindlichen elektrischen Instrumente fällt in diese Zeit. Erstmals 1926 in Donaueschingen mit Jörg Mager konfrontiert, interessierte er sich vor allem für die Entwicklung des Trautoniums und regte die Erstpräsentation 1930 in Berlin an. Sein Interesse begleitete die Entwicklung bis zu seinem 40. Geburtstag, an dem seine dritte und zugleich letzte Komposition für dieses Instrument erstmals durch Oskar Sala aufgeführt wurde.

PaulHindemith1945

Paul Hindemith, 1945

In den 1930er Jahren verlagerte Hindemith seine musikalischen Aktivitäten als Bratscher zunehmend ins europäische Ausland, Konzertreisen führten ihn auch in die USA. Von der NSDAP wurde seine Arbeit mehr und mehr behindert. NS-Anhänger bezweifelten nicht das musikalische Können von Hindemith als „großem Mann seiner Zeit“, agitierten aber gegen seine „untragbare Gesinnung“. Adolf Hitler hatte sich schon 1929 über das fünfte Bild der Oper Neues vom Tage beschwert. Teile seiner Werke wurden unter dem Verdikt des „Kulturbolschewismus“ oder als „entartete Kunst“ aus den Programmen entfernt. Bereits 1934 erhielten seine Werke ein Sendeverbot im deutschen Rundfunk. Reichspropagandaminister Joseph Goebbels bezeichnete ihn im selben Jahr öffentlich als „atonalen Geräuschemacher“. Wilhelm Furtwängler machte am 25. November 1934 mit seinem Artikel Der Fall Hindemith in der Deutschen Allgemeinen Zeitung publizistisch wirkungsvoll auf die Situation Hindemiths aufmerksam: Niemand von der jüngeren Generation habe für das Ansehen der deutschen Musik im Ausland so viel getan wie Hindemith. Man könne es sich nicht leisten, auf Hindemith zu verzichten. Hermann Göring und Joseph Goebbels reagierten verärgert.

Zum Zeichen seiner Solidarität mit den Verfolgten des Regimes spielte Hindemith an Heiligabend 1933 im Berliner Untersuchungsgefängnis Moabit, wo zu jener Zeit unter anderem sein Schwager Hans Flesch einsaß, auf der Bratsche Stücke von Bach. Zwischen 1934 und 1935 lebte er im badischen Lenzkirch und vollendete dort Mathis der Maler.

1935 ging Hindemith unter Protest seiner Studenten im Auftrag der deutschen Reichsregierung in die Türkei, um das Konservatorium von Ankara aufzubauen. Von seiner Stelle hatte er sich beurlauben lassen. Ab 1936 wurde die Aufführung seiner Werke verboten, was ihn dazu veranlasste, seine Stellung 1937 zu kündigen. Höhepunkt der Konfrontation mit dem NS-System war 1938 die Ausstellung Entartete Musik der Nationalsozialisten. Darin wurde ausdrücklich auf die jüdische Abstammung seiner Ehefrau Gertrud verwiesen.

1938 gingen er und seine Frau ins Exil, zunächst in die Schweiz. Das Ehepaar verließ das Land 1940 wieder, um in den USA Exil zu nehmen. Sie siedelten sich in New Haven (Connecticut) an, wo Hindemith als Professor an der Universität Yale bis 1953 lehrte. 1946 erhielt er die amerikanische Staatsbürgerschaft.

Ende der 1940er Jahre machte Hindemith Karriere als Dirigent, vorwiegend für klassische Musik. Weltweite Tourneen ließen ihn in musikalischen Zentren auftreten, wie bei den Wiener und Berliner Philharmonikern.

Bereits 1950 nahm Hindemith die Ehrendoktorwürde der Freien Universität Berlin an, außerdem wurde er Ehrenmitglied der Wiener Konzerthausgesellschaft. 1953 siedelte er wieder zurück in die Schweiz und lebte in seiner Villa La Chance in Blonay im Bezirk Vevey am Genfer See. Abwechselnd mit Yale lehrte Hindemith ab 1951 auch in Zürich, wo ein Lehrstuhl für ihn eingerichtet wurde. 1957 beendete er seine Lehrtätigkeit und ging dann seinen eigenen musikalischen Weg als Komponist und Dirigent. Er widmete sich mehr dem Dirigieren und ging auf Tourneen nach Asien und in die USA.

1951 erhielt Hindemith den Bach-Preis der Freien und Hansestadt Hamburg, 1955 wurde er mit der Goetheplakette der Stadt Frankfurt am Main geehrt und mit dem Wihuri-Sibelius-Preis ausgezeichnet. 1962 bekam er den Balzan-Preis für Musik.

1963 starb Paul Hindemith in einem Krankenhaus in Frankfurt am Main an einer Bauchspeicheldrüsenentzündung. (Quelle: wikipeda)

Soweit, so gut: Aber nun zu den beiden Stücken.

Über „Minimax“ schreib der Spiegel:
„Als musikalischer Spaßvogel gibt sich auch Paul Hindemith in seinem „Minimax“ aus dem Jahre 1923. Das ist ein Streichquartett, das Hindemith zum einjährigen Bestehen des Amar-Quartetts, in dem er am Bratschenpult saß, geschrieben hat. Beim Donaueschinger Kammermusikfest 1923 hob er es zusammen mit seinen Quartettgenossen aus der Taufe.

Hindemith hat damals das Stück gleich in die Stimmen notiert, eine Partitur existierte niemals. Auf dem Notenmaterial hatte Hindemith ausdrücklich vermerkt: „Abschrift verboten!“ Das Original ist später verbrannt, aber der Cellist Maurits Frank hatte sich glücklicherweise ein Duplikat angefertigt. Daraus spielte er es mit Studierenden seines Seminars den Teilnehmern der Internationalen Ferienkurse für Neue Musik vor.

Minimax.jpgDie sechs Sätze des „Minimax“ sind technisch glänzend gearbeitete Parodien auf die gängige Marsch- und Salonmusik nicht nur der 20er Jahre. Es gibt da eine „Ouvertüre zu Wasserdichter und Vogelbauer“ und ein „Intermezzo für zwei entfernte Trompeter“ mit dem poesievollen Titel „Ein Abend an der Donauquelle“. Das „Löwenzähnchen am Bachesrand“ wird durch einen Konzertwalzer charakterisiert, und ein anderes Charakterstück heißt „Die beiden lustigen Mistfinken“.

Das alles ist eine groteske Karikatur musikalischer Mißstände. Die melodieführende Stimme tut lächerliche Hupfer und Sprünge, der Baß bringt mit falschen Tönen die billige Harmonie in Mißkredit, und der Takt gerät immer wieder durch rhythmische Verschiebungen torkelnd aus dem Gleichgewicht.

Als „zwei entfernte Trompeter“ führen Geige und Bratsche im Nebenzimmer ein musikalisch höchst belangloses Zwiegespräch, und als „Zwei Mistfinken“ trillern die Violinen in höchsten Flageoletttönen nach Piccolo-Art miteinander um die Wette.

Höhepunkt und Hauptstück ist der abschließende „Marsch der alten Karbonaden“, ein kleines kompositorisches Bravourstück mit gleichzeitigem 3/4- und 5/4-Takt.

Diesen geistreichen musikalischen Ulk quittierte die internationale Teilnehmerschaft der Kurse mit Schmunzeln und mit Ausdrücken des Wohlgefallens in allen Sprachen. Nur die jungen Franzosen hielten sich zurück, wie immer, wenn Musik von Hindemith oder gar von Strawinsky gespielt wurde.“

Und über das Streichquartett op. 22 weiß man zu berichten:
„Unmittelbar nach dem Ausscheiden aus dem Rebner-Quartett entsteht Ende 1921 das Streichquartett op. 22. Diese für Hindemiths stilistische Entwicklung wegweisende Komposition fällt demnach in eine Zeit, in der er in keinem Kammermusikensemble mitwirkte.“ (Kammermusik.blog)

Leider gibt es über die Ausführenden, dem Dornbusch Quartett weitaus weniger zu berichten. Dies scheint ihr 2. Album zu sein (1975 erschien auf dem gleichen Label „Da Camera Magna“ ihr Album „Streichquartett Werke“ (mit Werken von Janacek, Strawinsky, Batok und Weber). Es folgte dann noch ein Album mit Werken von Gliere Schostakowitsch.  Und 1984 führten sie in Frankfurt ein Werk von Claus Kühnel auf … Aber irgendwie verlieren sich die Spuren dieses Quartetts im Sand … Schade eigentlich …

Das ändert aber nichts daran, dass Paul Hindemith ein Glücksfall für die deutsche Klassik des 20. Jahrhunderts war !

DornbuschQuartett

Besetzung:
Paul Hartwein (violin)
Bodo Hersen (viola)
Ulf Klausenitzer (violin)
Jörg Widerhold (violoncello)

BackCover1.JPG

Titel:
01. Minimax – Repertorium für Militärmusik 22.37
01 -1. No. 1. Armeemarsch 606 (Der Hohenfürstenberger)
01-2. Ouverture zu ‚Wasserdichter und Vogelbauer‘
01-3. Ein Abend an der Donauquelle (Intermezzo für 2 entfernte Trompeten)
01-4. Lowenzähnchen an Baches Rand (Konzertwalzer)
01-5. Die beiden lustigen Mistfinken (Charakterstück – Solo für 2 Piccoloflöten)
01-6. Alte Karbonaden (Marsch)

02. Streichquartett op. 22: 25.46
02-1. Fugato. Sehr langsamer Viertel – Schnell – Achtel. Sehr energisch
02-2. Ruhig Virtel. Stets fließend
02-3. Mäßig schnelle Viertel. Rondo, Gemächlich und mit Grazie

Alle Kompositionen: Paul Hindemith

LabelB1

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Morpheus – Rabenteuer (1976)

FrontCover1Ein wirklich beeindruckendes Instrumental-Album aus dem Jahre 1976.

Die Gruppe Morpheus kam aus dem Raum Warburg im östlichen Westfalen spielten progressiven Jazz-Rock, und zwar ohne Gesang. Gerold Adler an der Gitarre, Peter „Rabe“ Blömeke am Baß, Heinrich Holtgreve am Alt-Saxophon und Alfred Franke am Schlagzeug stammten aus der 1971 gegründeten Gruppe Opossum.
Dort kam es dann zum Richtungsstreit. Während zwei der Mitglieder dem Free Jazz zuneigten, wollten die vier oben genannten mehr Rock-Bestandteile hineinbringen. So spalteten sie sich ab und gründeten Anfang 1975 ihre eigene Gruppe Morpheus, nachdem der Rabe zwischenzeitlich noch bei Mythos am Schlagzeug gesessen hatte.

Dies war dann auch das Ende von Opossum.
Hatte vorher bei denen noch das Hauptgewicht auf frei gespielten und weit aus-schweifenden Stücken gelegen, so ging man nun dazu über, die einzelnen Stücke weitgehend fest zu bearbeiten.
Auf Versuche mit ungeraden Rhythmen, Klanggebilden mittels Echo und Hall und ihre Eingliederung in die Stücke wurde großer Wert gelegt.
Schon bald entschloß man sich dazu, eine Langspielplatte aufzunehmen, die dann im Frühjahr 1976 als „Rabenteuer“ in einer Auflage von 500 Stück im Eigenverlag erschien und ausschließlich selbstgeschriebene Stücke enthält.
Dabei geschah allerdings ein Mißgeschick, denn sie läuft etwas zu langsam und ist deshalb einen Halbton zu tief. Das wurde auf der wiederveröffentlichten CD berichtigt. Ein weiteres Mißgeschick unterlief dem Maler, der dem Vogel auf der Hülle den Schnabel eines Adlers anstatt den eines Raben gab.

Rarity

Für die CD-Veröffentlichung, die vom Mutterband stammt, wurde das zwanzigminütige ‚Morpheus jam‘ als Zusatzstück ausgegraben. Auf ‚Abflug‘, das für vorliegende CD ausgewählt wurde, ist besonders das erste Viertel hervorzuheben, das durch seine sphärischen Klänge besticht. Das Missgeschick, dass die LP zu langsam läuft und deshalb einen Halbton zu tief ist, wurde auf der CD berichtigt.

Und es gibt sie also doch: Jene zeitlose Musik aus den 70er Jahren … hier ist ein exquisites Beispiel zu hören … ein Jazz-Rock Genuss ohne Ende !

Live01

Besetzung:
Gerold Adler (guitar, effects)
Peter „Rabe“ Blömeke (bass, flute, percussion)
Alfred Franke (drums)
Heinrich Holtgreve (saxophone, percussion)

Inside1

Titel:
01. Rabenteuer 9.55
02. Brandung 5.00
03. Breitmaulfrosch 5.09
04. Oktober ’74  2.16
05. Tanz der Morphine 3.10
06. Abflug 15.00
+
07. Morpheus Jam  20.04

Alle Kompositionen: Morpheus

CD1

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Booklet02A

Evelyn Künnecke – Evelyn II. (1976)

FrontCover1Die Evelyn Künnecke war schon so ne ganz besondere Marke:

Evelyn Künneke, eigentlich Eva-Susanne Künneke (* 15. Dezember 1921 in Berlin; † 28. April 2001 ebenda) war eine deutsche Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Sie wurde in Szene-Kreisen als die letzte Überlebende der Lili-Marleen-Generation bezeichnet.

Die Tochter des Operettenkönigs Eduard Künneke und seiner Ehefrau, der Opernsängerin Katarina Garden (eigentlich Katarina Krapotkin) erhielt Ballettunterricht bei Victor Gsovsky, Schauspielunterricht bei Ilka Grüning, Lucie Höflich und Leslie Howard sowie Gesangsunterricht bei Maria Ivogün. Daneben arbeitete sie als Fotomodell. Im Stepstudio Edmont Leslie erlernte sie den Stepptanz. 1935 erwarb sie die Mittlere Reife an der Fleckschen Privatschule in Berlin. Nach Abschluss ihrer Ausbildung wurde sie zweite Solotänzerin der Berliner Staatsoper, doch für Furore sorgte sie als Steptänzerin „Evelyn King“ in Berliner Cabarets und Varietés. Siebzehnjährig gründete sie 1938 zusammen mit Horst Matthiesen ihr eigenes Tanzstudio in Berlin.

1939 wurden ihre derartigen Auftritte untersagt. Sie nannte sich nun Evelyn Künneke und begann eine Karriere als Sängerin. Dabei wirkte sie mit namhaften Komponisten wie Peter Igelhoff und Michael Jary zusammen. Sie hatte ihren ersten großen Erfolg im Jahr 1941 mit Sing, Nachtigall, sing (aus dem Film Auf Wiedersehn, Franziska), das Wolfgang Borchert sein Lieblingslied genannt hat. Evelyn Künnekes Schlager wie Haben Sie schon mal im Dunkeln geküßt? waren wie bei keiner anderen deutschsprachigen Sängerin dieser Zeit unüberhörbar von der damals in Deutschland politisch verpönten Musikrichtung Swing beeinflusst.

Künnecke01
Zur Truppenbetreuung unternahm sie während des Krieges häufig Tourneen. Von 1942 bis 1944 trat sie an der Ostfront auf, Anfang 1944 auch an der Westfront. 1944 wurde sie wegen Defätismus verhaftet und im Januar 1945 in die Haftanstalt Berlin-Tegel eingeliefert. Kurz vor Kriegsende wurde sie jedoch wieder freigelassen, um zusammen mit dem geheimen Propaganda-Orchester Charlie and His Orchestra anti-amerikanische Swing-Titel zu singen.

Nach dem Krieg hatte sie noch einige Jahre Erfolg als Schlagersängerin, zunächst auch in dem Show-Orchester von Walter Jenson 1945 in Hamburg. Zu ihren Hits gehörten unter anderem Winke-winke, Allerdings – sprach die Sphinx (mit dem Orchester Wolf Gabbe) und Egon. 1953 tourte sie durch die USA. Drei Jahre später feierte sie ihren einzigen Hit in den deutschen Single-Charts, die erst 1955 eingeführt worden waren: Künnekes deutschsprachige Version von Hernando’s Hideaway erreichte Platz 8. 1958 trat sie in der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest an. In den späten 1950er und 1960er Jahren verblasste ihr Stern, mehrere Versuche, sich neu zu etablieren, scheiterten. Mitte der 1970er Jahre feierte Evelyn Künneke ihr großes Comeback als Schauspielerin im Wirkungskreis von Rainer Werner Fassbinder und Rosa von Praunheim. Bis ins hohe Alter tingelte sie als Chansonsängerin durch die Berliner Szenelokale, unter anderem gemeinsam mit Brigitte Mira und Helen Vita als Drei Alte Schachteln. Auch veröffentlichte Künneke einige Alben, so Sensationell (1975), Evelyn II. (1976) und Sing, Evelyn, sing! – Das Beste von Evelyn Künneke (1978).

Single1

Evelyn Künneke war zunächst mit einem Engländer verheiratet, dem Vater ihrer Tochter. Ihr zweiter Ehemann war von 1963 bis 1972 der Diplomkaufmann Reinhard Thomanek. Ihre dritte Ehe ging sie 1979 mit ihrem Manager Dieter Hatje ein.

Sie starb 2001 im Alter von 79 Jahren in ihrer Heimatstadt Berlin an Lungenkrebs. In der Charlottenburger Giesebrechtstraße, wo sie in der Wohnung ihres Vaters bis zuletzt lebte, erinnert eine Gedenktafel an sie.

Sie ruht auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin, neben ihrem Vater. (Quelle: wikipedia)

Hier also ihr 2. Album im Rahmen ihres 70er Jahre Comebacks. 1976 war sie wirklich in aller Munde, auch wegen des TV -Films „Ich bin ein Antistar. Das skandalöse Leben der Evelyn Künneke“ (Regie: Rosa von Praunheim). Der Berliner Abend schrieb damals: „Die Callas der Subkultur“.

Aber nun zur Musik: Arrangiert wurde sie von Rudi Bohn und Paul Vincent (einem anderen sehr interessanten Hans-Dampf-in-allen-Gassen der deutschen (Rock) Musik.

Und die Künnecke präsentiert sich als eine Art „frivole“ Hildegard Knef und das macht sie mit Bravour ! Schmissige Melodien, ein verruchter Gesang … durfchaus ansprechende Texte. Das Material wurde wohl überwiegend eigens für diese LP geschrieben aber auch Klassiker der deutschen Kleinkunst-Musik („Ich kann dem Emil seine Hände nicht vergessen“ oder „Bei mis bist de scheen“) sind zu hören. Ein durchaus empfehlenswertes Album für den geneigten Hörer, der mal wieder „die Künnecke“ entdecken will.

BackCover1

Besetzung:
Evelyn Künnecke (vocals)
+
Chor und Orchester Rudi Bohn
+
Jonny Müller (harmonica, flute)
Die Rose Singers (background vocals)

Künnecke02

Live 1976

Titel:
01. Meine tausend Kneipen (Bohn/Haas) 2.52
02. Antistar (Bohn/Haas) 2.16
03. Bei mis bist de scheen (Secunda/Cahn/Chaplin/Jacobs) 2.51
04. Hey, Mister Tango (d´Alsegno/Pacher) 2.18
05. Menschen im Hotel (Bohn/Haas) 2.54
06. Ein rosaroter Elefant (Bohn/Haas) 2.24
07. Ich kann dem Emil seine Hände nicht vergessen (Alrbrecht-Peer/Günther) 3.16
08. Heino´s Walküre (Bohn/Haas) 3.17
09. Gestorben ist die Sünderin (Adamo/Hachfeld) 2.51
10. Es war einmal Liebe (Jack/Balz) 3.13
11. Mozart, wo wohnst du ? (Jary/Haas) 3.04
12. Die Alten (Les viieux) 4.01
13. Kikilala Hawaii (Vincent/Pacher) 3.38
14. Die Bluse (Bohn/Haas) 2.46
15. I´mJust On The Road (Eduard Künnecke/Haas) 1.58
+
16. Interview mit Evelyn Künnecke (Deutsche Welle, 1973) 15.51

LabelA1

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Axel Springer – Kein Aufschrei geht durch unserer Vaterland (1976)

FrontCover1Es gab wohl keine größere Reizfigur für die damalige Studentenbewegung (ja, ja, die 68er  …) als den Verleger Axel Springer:

Der Vater Axel Springers war der Verleger Hinrich Springer aus Altona, Inhaber des Verlages Hammerich & Lesser, Verleger der Altonaer Nachrichten und Schatzmeister der Deutschen Demokratischen Partei (DDP).[2] Seine Mutter war Ottilie Springer, geb. Müller.[3] Axel Springer machte nach dem Besuch eines Realgymnasiums in den Jahren 1928–1932 eine Lehre als Setzer und Drucker im Betrieb seines Vaters. Es folgte ein Volontariat in der Nachrichtenagentur Wolffsches Telegraphen Bureau und der Bergedorfer Zeitung. 1933 heiratete er die Hamburger Baumeistertochter Martha Else Meyer. Im selben Jahr kam die gemeinsame Tochter Barbara zur Welt. Nach den Nürnberger Rassegesetzen in der NS-Zeit wurde Meyer als sogenannte „Halbjüdin“ eingestuft. Die Ehe wurde 1938 geschieden. 1939 begann Springers zweite Ehe mit der Berlinerin Erna Frieda Berta Holm.

1933 kehrte Springer zur väterlichen Zeitung Altonaer Nachrichten, später Hamburger Neueste Zeitung, zurück. 1937 stieg er zum Chef vom Dienst und stellvertretenden Chefredakteur auf, ehe das Blatt 1941 auf Verfügung der Nationalsozialisten im Rahmen der ersten von drei großen Presse-Stilllegungsaktionen aufgrund Papierverknappung eingestellt wurde. Daher arbeitete Axel Springer ab 1941 als Verleger für belletristische Literatur im familieneigenen Verlag. Im gleichen Jahr wurde sein Sohn Axel Junior geboren, der später unter dem Pseudonym Sven Simon als Fotojournalist und Chefredakteur der dann vom Vater verlegten Welt am Sonntag bekannt wurde. Axel Springer blieb aufgrund eines roten Ausmusterungsscheins (dauernde Wehrdienstunfähigkeit) von jeglichem Kriegseinsatz verschont. Als Mitarbeiter der Altonaer Nachrichten war er während der Zeit des Nationalsozialismus für antisemitische Propaganda mitverantwortlich. Weiterhin trat er als Anwärter dem NS-Kraftfahrkorps bei.

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Axel Springer in den 50er Jahren

Ende 1945 erhielt Axel Springer zusammen mit seinem Vater von der in Hamburg zuständigen englischen Militärregierung eine Lizenz zur Publikation von Büchern. Springers verlegten zunächst Kalender und ab 1946 die Nordwestdeutschen Hefte, in denen Beiträge des neu gegründeten Nordwestdeutschen Rundfunks (NWDR) gedruckt wurden. Mit der Gründung der Hör Zu! 1946 begann der Aufstieg seines Imperiums. Zusammen mit dem Verleger John Jahr senior erhielt Springer 1948 die Lizenz für die Zeitschrift Constanze, die ein weiterer Erfolg seines neu gegründeten Verlages wurde. Im selben Jahr gab er das Hamburger Abendblatt als erste vom Hamburger Senat lizenzierte Tageszeitung heraus.

Beim Aufbau des Zeitungsverlages kam es den Springers zupass, dass die Briten in Hamburg das Kommunikationszentrum für ihre Besatzungszone eingerichtet hatten. In Hamburg erschienen auch die ersten Parteizeitungen sowie die Wochenzeitung Die Zeit.

1948 wurde Springer Mitglied der Hamburger Freimaurerloge „Die Brückenbauer“ o.O. in der auch Paul Sethe (FAZ), Fritz Sänger (DPA), Carlo Schmidt, Ernst Fromm, Rolf Dahlgrün und Rolf Appel Mitglieder waren. Auf Springers Wunsch hin wurden in den 1950er Jahren die monatlichen Kolloquien der Loge in seiner privaten Bibliothek abgehalten.

Ab 1950 wurde von Springer das Hamburger Verlagshaus in der Kaiser-Wilhelm-Straße errichtet. Springers Rundfunk- und Fernsehzeitschrift Hör Zu! (später Hörzu) erreichte erstmals eine Auflage von über einer Million. 1952 konzipierte er sein mediales Erfolgsrezept: Die erste Ausgabe der Boulevardzeitung Bild, die seither täglich erscheint. Die Bild-Zeitung prägt bis heute stark polarisierend das Meinungsbild einer Millionenleserschaft und war jahrzehntelang auflagenstärkste Zeitung Europas (heute noch auflagenstärkste in Deutschland).-

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1953 heiratete Springer seine dritte Frau Rosemarie Alsen, geborene Lorenz, Tochter von Werner Lorenz. Springers schnell wachsender Medienkonzern kaufte im selben Jahr von den Briten Die Welt, Das Neue Blatt und die Welt am Sonntag. 1956 erfolgte eine Beteiligung am Berliner Ullstein Verlag; im selben Jahr erschien die erste Ausgabe der Bild am Sonntag. Im Sommer 1957 litt Springer an schizophrenen Schüben, in denen er sich für den wiedergeborenen Messias hielt. Er wurde durch Vertraute weitgehend abgeschirmt und durch gesundheitliche Probleme entschuldigt. Um im patriotischen Sinne eine Wiedervereinigung Deutschlands zu erreichen, traf sich Springer im Januar 1958 mit dem sowjetischen Staatschef Nikita Chruschtschow. Den idealen Zeitpunkt für die Übergabe seines gemeinsam mit Hans Zehrer erstellten Wiedervereinigungsplanes ließ Springer durch seine persönliche Astrologin errechnen. Bis auf ein ausführliches Interview für die Welt blieb das Treffen allerdings ergebnislos. Als Folge des Scheiterns kommt es zum Bruch mit seinem ehemaligen Mentor Zehrer und Springer beginnt, Chruschtschows Sowjetunion als „Reich des Bösen“ zunehmend journalistisch zu bekämpfen. Im Zuge des Kalten Krieges setzte Springer nun vermehrt Auslandskorrespondenten ein und gründete 1959 den Springer Auslandsdienst (SAD); gleichzeitig übernahm er die Mehrheit an der Ullstein-Gruppe mit den Tageszeitungen B.Z. und Berliner Morgenpost im Westteil Berlins.

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1961 verkaufte Springer seine Anteile an der Zeitschrift Constanze an seinen Verlegerkollegen John Jahr. Im selben Jahr trennte er sich von seiner Frau Rosemarie, um 1962 die vierte Ehe mit Helga Alsen, geb. Ludewig, einzugehen. Helga Alsen war ebenso wie Rosemarie Alsen zuvor mit Springers Nachbarn Horst-Herbert Alsen verheiratet. Aus dieser Ehe stammt Springers Sohn Raymund Nicolaus. In den Jahren 1964/65 übernahm Springer das Boulevardblatt Mittag, die Zeitschriften Bravo und twen, die Sportillustrierte kicker sowie den Münchner Verlag Kindler & Schiermeyer. Sein Generalbevollmächtigter wurde Christian Kracht. Sehr zum Missfallen Axel Springers wurde nun auch das seinem Verlag stets kritisch gegenüberstehende Magazin Der Spiegel in seinem Haus gedruckt. 1966 gründete er die Zeitschrift Eltern.

Privat wie publizistisch setzte sich Springer stark für eine Aussöhnung mit dem jüdischen Volk ein und unternahm mehrere Reisen nach Israel. 1966 eröffnete Springer im Beisein von Bundespräsident Heinrich Lübke sein neu errichtetes Verlagshaus an der Kochstraße (dort heute: Rudi-Dutschke-Straße) Ecke Lindenstraße (dort heute: Axel-Springer-Straße) in Berlin-Kreuzberg in unmittelbarer Nähe zur Berliner Mauer. Die Standortwahl des mehrstöckigen Gebäudes war eine deutliche Kampfansage des Verlegers und sein Fanal gegen das System der DDR. 1967 wurde der Hauptsitz des Verlages komplett dorthin verlegt. Dasselbe Jahr wurde indes auch zu einem der unbequemsten Jahre des Springer-Verlags: Während Springer im Ausland nach Frieden suchte, blies ihm im eigenen Land mit der Parole „Enteignet Springer!“ ein heftiger Sturm entgegen und bildete den Auftakt zu den 68er Studentenunruhen. Überdies wuchs die Kritik an dem die Medien dominierenden Verleger, ausgehend von Intellektuellen und Schriftstellern, wie z. B. der Gruppe 47.

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Bei einem von der Rote Armee Fraktion (RAF) verübten Bombenanschlag auf das Hamburger Springer-Hochhaus 1972 wurden 17 Mitarbeiter verletzt. 1973 nahm Springer in Kettwig bei Essen seine sechste Druckerei in Betrieb und somit zugleich die damals größte Offsetdruckerei in Europa. Im selben Jahr wurden Brandanschläge auf Springers Gästehaus in Kampen auf Sylt und auf sein Chalet bei Gstaad verübt. Das Chalet brannte dabei vollständig nieder. Der Täter konnte nicht ermittelt werden, bis sich der Schweizer Autor Daniel de Roulet 2006 zu dem Anschlag bekannte. 1975 wurde Axel Springer für seine Bemühungen zur Annäherung der Bundesrepublik Deutschland mit Israel die Ehrendoktorwürde der israelischen Bar-Ilan-Universität verliehen. In seinen Konterangriffen gegen den von ihm tief gehassten Kommunismus gründete Springer 1976 die Zeitschrift Kontinent, in der verfolgte osteuropäische Regimekritiker und Schriftsteller sich äußern und publizieren durften. Im selben Jahr startete er diverse „Special Interest“-Titel (Fachjargon für Fachzeitschriften) wie Musikjoker, Ski-Magazin und das Tennis magazin. Überdies erwarb Springer Anteile der Münchner Zeitungs-Verlag GmbH & Co KG. Sein Begehren auf einen Kauf der Mehrheitsanteile an dem Münchener Verlag wurde jedoch wie schon früher vom Bundeskartellamt untersagt, um einer Hegemonie in der deutschen Presselandschaft Einhalt zu gebieten. Im selben Jahr erfolgte eine erneute Auszeichnung Springers durch die Hebräische Universität von Jerusalem. Im folgenden Jahr, 1977, erhielt er die Auszeichnung der American Friendship Medal für die freundschaftliche Position seiner Presse zu den USA.

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Axel Springer mit Konrad Adenauer

Zur selben Zeit demontierte der kritische Journalist und Schriftsteller Günter Wallraff mit seinem Enthüllungsbuch Der Aufmacher die Bild-Zeitung. Die sozialkritische Dokumentation Wallraffs deckte die Kehrseiten der Springer-Presse und ihre Methoden auf und warf einen dunklen Schatten auf den Medienzaren. Der von Bild gegen Wallraff geführte Prozess dauerte bis 1981 und wurde am Ende zu Wallraffs Gunsten entschieden. Weitere negative Nachrichten erreichten Axel Springer, als sein Verlag 1978 zu schätzungsweise 50.000 DM Schmerzensgeld verurteilt wurde, nachdem die Bild-Zeitung in ihrer Berichterstattung über den Mord am Vorstandssprecher der Dresdner Bank, Jürgen Ponto, die Studentin Eleonore Poensgen als „Terroristen-Mädchen“ diffamiert hatte. (Quelle: wikipedia)

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Günter Wallraff

Und hier können wir Axel Springer im Original-Ton hören. Diese Rede hielt er anläßlich der Verleihung der sog. Jakob-Fugger Medaille im Jahr 1976 in München.

Hüllentext

Und ich gestehe … mich hat´s gefröstelt … die Stimme jener Person zu hören, die mitverantwortlich war, dass menschenverachtender Journalismus geradzu zelebriert (und zwar sehr erfolgreich) in Deutschland salonfähig wurde.

Und auch wenn´s mir jetzt eher schlecht geworden ist: ein ganz und gar wichtiges Dokument zur Zeitgeschichte.

Besetzung:
Axel Springer (Redner)

BackCover1

Titel:
01. Kein Aufschrei geht durch unserer Vaterland (Teil 1) 15.51
02. Kein Aufschrei geht durch unserer Vaterland (Teil 2) 22.16

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Karat – Karat (1978)

KaratFrontCoverHöre ich mir heute die alten Amiga-Aufnahmen an und stelle mir dabei die Bedingungen vor, unter denen musikbegeisterte Freaks im ‚“real existierendem Sozialismus“ ihrer Begeisteruncg nachgehen mussten, empfinde ich Achtung und Respekt vor dieser Leistung.

Aber nun ein paar Fakten zu den frühen Jahren von Karat:

Karat ist eine 1975 gegründete Band aus Berlin, die zu den erfolgreichsten in der DDR gehörte und mit deutschsprachiger Rockmusik bis heute erfolgreich ist. Bekanntestes Lied der Band ist Über sieben Brücken mußt du gehn. Für die Dauer eines Markenlöschungsverfahrens nannte sich die Gruppe vom 1. Januar 2006 bis zum 19. Juni 2007 ersatzweise K…!

 

Als das Jazzkonzept seiner Gruppe Panta Rhei Mitte der 1970er Jahre an Popularität verlor, entschloss sich der Bassist Henning Protzmann, eine neue Band zu gründen. Das Ziel war die Produktion publikumswirksamerer, aber trotzdem anspruchsvoller Musik. Als Protzmann auf den vormals bei Frank Schöbel beschäftigten Gitarristen Ulrich Pexa traf, der den Namen „Karat“ für die Gruppe vorschlug, und sich mit Hans-Joachim „Neumi“ Neumann ein Sänger, mit Konrad Burkert ein Schlagzeuger und mit Christian Steyer ein Keyboarder fanden, konnten die ersten Proben der neuen Band im Herbst 1974 beginnen. Nach drei Wochen stieg Steyer aus dem Projekt aus, um sich der Schauspielerei zu widmen. An seiner Stelle engagierte man Ulrich „Ed“ Swillms, den früheren Pianisten von Panta Rhei, der als Koryphäe in seinem Fach galt. Mit Ed Swillms kam auch der ehemalige Sänger und Gitarrist von Panta Rhei, Herbert Dreilich, in die Gruppe, womit die Gründungsbesetzung von Karat geboren war. Nachdem sie ihre ersten vier Aufnahmen beim Rundfunk erstellt hatten (Du und ich, Schwester, Leute, welch ein Tag und Ich lauf’ durch die Stadt, aufgenommen vom 24. bis 28. Januar 1975), gaben Karat am 22. Februar 1975 in Heidenau bei Dresden ihr erstes Konzert.

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Karat Single aus dem Jahr 1976

Bis Ende 1975 produzierte Karat insgesamt 13 Rundfunkaufnahmen, die die Gruppe schnell bekannt machten, obschon die Kritik bezüglich der ersten Songs durchaus geteilter Meinung war. Seit Juni 1976 ersetzten Bernd Römer (Gitarre) und Michael Schwandt (Schlagzeug), die beide von der Horst-Krüger-Band kamen, Ulrich Pexa und Konrad Burkert. 1977 trat Hans-Joachim „Neumi“ Neumann schließlich seinen Militärdienst an, wodurch Herbert Dreilich, vormals Gitarrist und Sänger zugleich, zum alleinigen Sänger wurde. Seine Stimme wurde schließlich zum Markenzeichen von Karat. In der Zwischenzeit hatten sich mit den lyrischen Titeln Märchenzeit und Abendstimmung die ersten größeren Erfolge eingestellt, die die Basis für die für Karat typische Stilistik bildeten. Auch der Gewinn einer Goldmedaille bei der Leistungsschau Anfang 1977 und die Auszeichnung mit dem Kunstpreis der FDJ für die von Karat veranstalteten Schülerkonzerte zur Geschichte der Rockmusik dokumentieren den Aufstieg der Gruppe zu einer der führenden Rockformationen der DDR. Durch den Gewinn des Grand Prix beim Internationalen Schlagerfestival 1978 mit den Titeln König der Welt und Über sieben Brücken mußt du gehn gelang Karat der endgültige Durchbruch. Die Teilnahme der Rockband an einem Schlagerfestival kommentierte Herbert Dreilich später wie folgt: „Wir haben das gerne angenommen, denn wir waren und sind heute noch der Meinung, man sollte nicht in Schubladen denken. Schlager, Pop und Rock, da sind die Grenzen doch fließend. Weshalb sollten wir so ein internationales Podium nicht nutzen? Es konnte doch nur von Vorteil sein!“ Durch den mittlerweile schon länger anhaltenden Erfolg wurde auch das staatseigene Plattenlabel für Unterhaltungsmusik Amiga auf Karat aufmerksam. 1978 wurde Karats erste LP Karat veröffentlicht, auf der eine Auswahl der bis dahin entstandenen Rundfunkaufnahmen enthalten ist.

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Karat Single aus dem Jahr 1978 (BRD-Veröffentlichung)

Die Platte besteht – wie bereits erwähnt – zum größten Teil aus einzelnen Rundfunkproduktionen und nur teilweise aus Aufnahmen, die vom staatlichen Label Amiga eigens für das Album produziert wurden. Die Platte wird als eher untypisch für Karat eingestuft, was unter anderem durch den Sänger Hans-Joachim „Neumi“ Neumann, der hier noch einige Titel sang, und der noch nicht klar definierten Stilrichtung der Gruppe erklärt werden kann. Viele Titel sind stilistisch noch dem Hardrock (und nicht dem für Karat eher typischen Prog-Rock) zuzuordnen, so unter anderem Das Monster, Rock-’n’-Roll-Fan und die Ballade von den sieben Geistern. Mit Märchenzeit, Abendstimmung und vor allem König der Welt wies Karat jedoch schon darauf hin, welche musikalische Entwicklung sie später vollziehen sollten. Der Titel König der Welt stand im Jahre 1978 als erster Karat-Titel auf Platz 1 der DDR-Hitliste, gefolgt von dem ebenfalls von Karat stammenden berühmten Lied Über sieben Brücken mußt Du geh’n, das den zweiten Platz erreichte.

Als Singles wurden die Titel Das Monster und Abendstimmung in der DDR und König der Welt und Reggae Rita Star in der Bundesrepublik Deutschland ausgekoppelt. Das Album selbst erschien in Gänze nur in der DDR. 1983 wurden nachträglich vier Songs aus Karat auf einer Super-Sound-Single von Teldec in der Bundesrepublik Deutschland veröffentlicht (Und ich liebe Dich, Abendstimmung, Märchenzeit und He, Manuela).

Das Debüt-Album von Karat verkaufte sich in der DDR und anderen sozialistischen Ländern etwa 350.000 Mal. (Quelle: wikipedia)

Ein beachtliches Debütalbum und noch so etliche Leder kann man sich heute noch und gerne anhören .. einer meiner Favoriten sind wohl „König der Welt“ und „Ballade von den sieben Geistern“ … da wird ganz schön gerockt …

… und dann kam bald darauf „Über sieben Brücken musst du gehen“ … und der Rest ist Geschichte … +

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Besetzung:
Herbert Dreilich (vocals, guitar)
Hans-Joachim „Neumi“ Neumann (vocals) (1975-1977)
Henning Protzmann (bass, vocals)
Bernd Römer (guitar)
Michael Schwand (drums)
Ulrich „Ed“ Swillms (keyboards)
+
Ulrich Pexa (vocals, guitar)

BackCover

Titel:
01. Das Monster (Swillms/Lasch) 4.33
02. Märchenzeit (Swillms/Demmler) 3.53
03. Die Burg (Swillms/Lasch) 4.16
04. Reggae Rita Star (Swillms/Dreilich) 3.15
05. König Der Welt (Swillms/Demmler) -5.36
06. Rock’n Roll Fan (Swillms/Dreilich) 3.48
07. Und Ich liebe Dich (Dreilich/Dreilich) 3.49
08. Ballade Von Den Sieben Geistern (Swillms/Lasch) 4.59
09. He, Manuela (Dreilich/Swillms/Dreilich) 4.51
10. Abendstimmung (Swillms/Lasch) 4.51
+
11. Mein Dorf (Pexa/Gerlach) 2.55
12. Leute, Welch Ein Tag (Pexa/Gerlach) 2.50
13. Erna (Protzmann/Gerlach) 3.19
14. Draußen Im Kornfeld (Swillms/Lasch) 3.32
15. Such Ein Zimmer (Pexa/Lasch) 3.26

 

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Münchner Kammerorchester – Musik am Hofe des Kurfürsten Max Emanuel von Bayern (1976)

FrontCover1Jetzt wird es fürstlich !

Kurfürsten Max Emanuel von Bayern lädt uns ein, jener Musik zu lauschen,die an seinem Hofe, in seinen Gemächern  … zur Verlustierung seiner Gäste diente.

Maximilian II. Emanuel (Ludwig Maria Joseph Kajetan Anton Nikolaus Franz Ignaz Felix, kurz Max Emanuel; * 11. Juli 1662 in München; † 26. Februar 1726 ebenda) war ein Wittelsbacher und seit 1679 Kurfürst von Bayern. Während des Großen Türkenkrieges machte er sich als Feldherr in kaiserlichen Diensten einen Namen. Die Osmanen nannten ihn wegen seiner blauen Uniformjacke, die weit über die Schlachtfelder zu sehen war, den Blauen König.

Während des Pfälzischen Erbfolgekrieges wurde er 1692 Generalstatthalter der Spanischen Niederlande. Diesen Posten behielt er bis 1706. Seine Hoffnungen zumindest auf einen Teil des spanischen Erbes führten dazu, dass er zu Beginn des Spanischen

Max Emanuel von Bayern

Max Emanuel von Bayern

Erbfolgekrieges ein Bündnis mit Ludwig XIV. einging.

In den ersten Jahren des Krieges agierte er als dessen Verbündeter durchaus offensiv, ohne aber nennenswerte Erfolge zu erzielen. Nach der vernichtenden Niederlage in der Schlacht von Höchstädt von 1704 musste er Bayern verlassen. Im Jahr 1706 wurde über ihn sogar die Reichsacht verhängt.

Nach dem Ende des Krieges konnte er seine Herrschaft in Bayern wieder antreten. Er bemühte sich um einen Ausgleich mit dem Haus Habsburg und versuchte die Position des Hauses Wittelsbach im Reich zu stärken. (Quelle: wikipedia)

Und da sind die Experten rund um das Münchner Kammerorchester mal wieder ganz tief ins Archiv gestiegen und haben kleine Kostbarkeiten der barocken Musikliteratur ans Tageslicht gebracht.

Und was einem da entgegenschallt ist z.T. wirklich ne Wucht … insbesondere die Kompositionen eines Pietro Torri vermögen zu begeistern, angesichts dieser wunderbar triumphalen Bläsersätze … da wird geschmettert, was das Zeug hält,

Weniger überzeugend (aber das liegt an mir und meinem Verhältnis zum klassischen Gesang) sind dann die Auftritte von Sopranistin Kari Lövaas.

Versöhnen klingen dann wiederum die barocken Miniaturen von dem mir ebenfalls gänzlich unbekannten Melchior d’Ardespin.

Wer – wie ich – Freude an barocker Musik hat … der wird hier fündig und neues entdecken … und das lohnt sich !

Geleitet wurde dieses feine Konzert von dem Dirigenten Hans Stadlmair:

Hans Stadlmair (* 3. Mai 1929 in Neuhofen an der Krems in Österreich) ist ein Dirigent und Komponist.

Hans Stadlmair

Hans Stadlmair

Hans Stadlmair war von 1956 bis 1995 künstlerischer Leiter des Münchener Kammerorchesters und dirigierte mit ihm auch diverse Uraufführungen. Zu seinen bedeutendsten Einspielungen zählen die kompletten Sinfonien von Joseph Joachim Raff mit den Bamberger Symphonikern. Die Werksammlung Stadlmairs befindet sich im Deutschen Komponistenarchiv in Hellerau – Europäisches Zentrum der Künste Dresden.

Und es musiziert das Münchner Kammer-Orchester:

Das Münchener Kammerorchester (MKO) ist ein professionelles Orchester mit Sitz in München mit derzeit 26 festangestellten Musikern (15 Violinen, 4 Bratschen, 5 Violoncelli und zwei Kontrabässen). Konzertmeister ist Daniel Giglberger.

Das Münchener Kammerorchester wurde von Christoph Stepp 1950 gegründet, von 1956 bis 1995 leitete Hans Stadlmair das Orchester. Von 1995 bis 2006 war Christoph Poppen Künstlerischer Leiter und prägte das Profil des Orchesters maßgeblich, indem er die Gegenüberstellung klassischen Repertoires mit zeitgenössischer Musik in den Focus der Konzertprogramme rückte. Von 2006 bis 2016 war Alexander Liebreich Chefdirigent und Künstlerischer Leiter, seit der Saison 2016/17 ist Clemens Schuldt Chefdirigent des Ensembles. Das Stammhaus des Orchesters ist das Prinzregententheater in München.

Münchner Kammerorchester

Das Münchner Kammerorchester (  (c) by Sammy Hart )

Im November 2012 initiierte das Goethe-Institut ein musikalisches Gemeinschaftsprojekt zwischen dem Münchener Kammerorchester und Studenten der Kim-Won-Gyun-Hochschule für Musik in Pjöngjang (Nordkorea), das von Liebreich begleitet wurde. (wikipedia)

Der Sitz dieses Kurfürsten Max Emanuel von Bayern war übrigens das Schloss Schleißheim bei München …

Und noch heute werden dort im stilvollen Ambiente feingeistige Musik angeboten.

SchlossSchleißheim

Besetzung:
Gerhard Herrmann (oboe)
Konrad Hampe (flute)
Kari Lövaas (Sopran)
Juji Saito (oboe)
Reiner Seidel (fagott)
Dieter Sonntag (flute)
+
Das Münchner Kammer-Orchester unter der Leitung von Hans Stadlmair

BackCover1

 

Titel:

Pietro Torri:
01. Introduzione a Balli 1.30

Le Peripezze Della Fortuna:
02. Menuet pour les femmes 3.50
03. Marchia per il trionfo di Oronte 1.20
04. Air pour les chasseurs 1.22
05. Marchia 1.00

Evaristo Felice dall’Abaco: Concerto A Più Istrumenti Op. 5 Nr. 3:
06. Allegro 3.11
07. Presto Assai – Adagio – Prestissimo – Adagio – Largo
08. Passepied I und II 3.57

Pietro Torri La Merope:
10. La Merope 2.12
11. Arie „Sposa, Non Mi Conosci“ 2.12

Agostino Steffani; Niobe, Regina Di Thebe:
12. Rezitiativ und Arie „Dell’alma Stanca“ 7.05

Melchior d’Ardespin: L’eraclio, Balletmusik:
13. Sinfonia 3.31
14. Menuet 1.58
13. Gigue 1.28
14. Air 2.06
15. Rondeaux 1.11

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