Verschiedene Interpreten – Bairische Musik Folge II (1976)

FrontCover1Es gibt sie noch … jene „echte“ bayerische Volksmusik, die sich  abseits vom Musikantenstadl-Irrsinn um altes Liedgut aus der Region Bayern kümmert. Ein prachtvolles Beispiel ist dann diese LP.

Eingespielt wurde sie von Urgestein dieser traditionellen Musik:

Der Giesinger Viergesang (Giesinger war früher mal das klassische Arbeiterviertel in München).

Der Giesinger Viergesang fand sich 1965 in Giesing zusammen und ging aus einem seit 1956 bestehenden Dreigesang hervor. Vielmehr habe ich leider bis jetzt nicht herausfinden können.

Toni-Goth-Sextet:

Das Toni-Goth-Ensemble hat sich, fern vom volkstümelnden Musikantenstadl-Kitsch, mit Herz und Seele der hiesigen Bauernmusik verschrieben. Bauernmenuette, alte Landler, Tafelmusik und bayerische Weisen werden fein und mit Gefühl für die leisen Töne interpretiert.

Ein Leben lang hat sich Toni Goth „mit großem persönlichen Engagement und Idealismus der Pflege und brillanten Interpretation echter bayerischer Volksmusik gewidmet“, sagte Münchens OB Christian Ude zum 75. Geburtstag des Volksmusikanten im vergangenen Jahr in seiner Laudatio. Für die Vermittlung unverfälschter bayerischer Volkskultur im Ausland und seine Verdienste um die Erhaltung und Pflege der Volksmusik in Bayern wurde Toni Goth 1974 mit dem Verdienstorden der Bundesrepublik Deutschland ausgezeichnet. 1983 wurden seine Leistungen von der Landeshauptstadt München mit der Verleihung der „Ehrenmedaille für Verdienste um die Volksmusik in München“ gewürdigt.

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Toni Goth Sextett, 2008

Die Mitglieder des Toni-Goth-Ensembles treten nebenberuflich, das heißt in ihrer Freizeit, auf. „Bei den öffentlichen Auftritten der Gruppe wurde mehr musikalische Qualität gefordert, als dies, jedenfalls damals, in der Volksmusikausübung üblich war“, sagte Toni Goth. Die Folge war, dass zwar die musikalischen Leistungen der Gruppe von der Musikszene als überraschend hoch und anerkennenswert professionell beurteilt wurden, das Ensemble aber gleichzeitig in der Szene abgelehnt und seit etwa vier Jahrzehnten kein einziges Mal mehr zu Volksmusikveranstaltungen eingeladen wurde.

Die Volksmusik ist seit je her für Toni Goth ein in der ländlich-bäuerlichen Sphäre wurzelndes Kulturgut, das in regem Austausch mit der ernsten Musik stand und in das ländliche Brauchtum eingebunden war, „wenn diese wichtige Gattung der bajuwarischen Stammeskultur nicht nur als weiß-blaue Geselligkeitsaktivität gewertet und eingestuft werden soll“, resümiert der Vollblutmusiker. (Münchner Merkur)

Die Münchner Solisten:

Das ist ein Ensemble unter der Leitung von Professor Franz Beyer, der über eine wahrlich fundierte Ausbildung verfügte:

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Franz Beyer

Franz Beyer (* 26. Februar 1922 in Weingarten) ist ein deutscher Bratschist, Hochschullehrer und Herausgeber.

Nach seiner Ausbildung zum Bratscher wurde Beyer Mitglied im Stuttgarter Kammerorchester unter Karl Münchinger, beim Strub-Quartett und in Ensembles für alte Musik wie der Cappella Coloniensis und dem Collegium Aureum.

1962 wurde er Professor für Bratsche und Kammermusik an der Hochschule für Musik und Theater München.

Beyer wurde vor allem als Herausgeber musikalischer Werke bekannt, insbesondere durch seine Neuausgabe von Wolfgang Amadeus Mozarts Requiem KV 626, die wegen ihres behutsamen und respektvollen Umgangs mit der überlieferten Fassung von Franz Xaver Süßmayr inzwischen international anerkannt ist und in Einspielungen u.a. von Leonard Bernstein, Sir Neville Marriner, Nikolaus Harnoncourt und Frieder Bernius vorliegt. Daneben hat Beyer zahlreiche Werke besonders der Wiener Klassik bearbeitet, ergänzt und rekonstruiert, so etwa Mozarts Pantalon und Colombine KV 446 (416d).

1983 erhielt Beyer den Kulturpreis der Städte Ravensburg und Weingarten. (Quelle: wikipedia)

Für mich besteht diese LP aus lauter kleinen Juwelen … das sind die Giesinger Viergesang die kernig und dennoch sensibel singen, da ist dieses famose Toni Goth Sextett, das die feinsten Nuancen bayerischer Volksmusik ausleuchten und dann die Münchner Solisten, die mit ihrem klassichem Hintergrund quasi diese LP veredeln, indem sie ziemlich unbekannte Werke zum erklingen bringen.

Und als Höhepunkt, quasi ne bayerische Jam-Session spielen dann die Münchner Solisten gemeinsam mit dem Toni Goth Sextett.

Auch wenn mir nicht immer der Sinn nach so einer Musik steht: Auf jeden Fall ist es authentische Musik und bin mir irgendwie sicher, dass es all diesen Musiker speiübel werden würde, wenn sie sich den Musikantenstadl-Irrsinn anschauen müssten.

Und wenn man liest, dass Professor Franz Beyer und Toni Goth bereits im Jahre 1968 (!) ein Konzertprogramm erarbeitet haben, in dem Kammer-Musik aus der „Mozart-Zeit“ und baierische Volksmusik abwechselnd gespielt wurde, dann weiss man endgültig, dass hier leidenschaftliche Musiker am Werke sind.

Bayern

Besetzung:

Der Giesinger Viergesang:
Nikolaus Bergmayr – Werner Förschner – Herbert Klein – Heinrich Seyfried

Toni-Goth-Sextet:

Toni Goth (guitar)
Heinz Hartl (dulcimer)
Ragnhild Kopp (harp)
Klaus Kuchelmeister (bass)
Werner Mattheuser (zither)
Dieter Sauer (violin)

Die Münchner Solisten:

Franz Beyer (viola, viola d´amore)
Rudolf Gleissner (violoncello)
Kurt Haselhorst (bass)
Isabella Petrosian (violin)
Irmgard Sauer (violin)
Leonhard Seifert (oboe)

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Titel:

Toni Goth Sextett:
01. Annamirl-Polka (Traditional) 2.42
02. Rupertiwinkler-Landler (Traditional) 2.29
03. Hirschberg-Schottisch (Traditional) 3.03

Giesinger Vergesang:
04. Bin alaweil lusti mit fröhlichem Muat (Traditional) 4.19

Toni Goth Sextett:
05. Elmau-Bayerischer Polstertanz (Traditional) 2.24

Giesinger Vergesang:
06. Übers Almale hin, übers Almale her (Traditional) 1.28

Toni Goth Sextett:
07. Zantl – Byerischer (Traditional) 1.47
08. Lerchen-Landler (Traditional) 3.50
09. Hochzeitsmarsch (Traditional) 1.24
10. Bauernmenuett aus Imst (Traditional) 2.37

Die Münchner Solisten:
11. Menuett-Allegro-vovace (Gassmann) 7.01

Toni Goth Sextett:
12. Hallberger Bauernmenuett (Traditional) 2.22

Die Münchner Solisten:
13. Tempi die Menuetto (v.Eybler) 4.23

Toni Goth Sextett:
14. Tafelstück (Traditional) 1.59

Toni Goth Sextett + Die Münchner Solisten:
15. Thernberger Hochzeitsstückln (Traditional) 3.27

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ToniGothTodesanzeige

Margot Werner – So ein Mann + Insel meiner Träume (1976)

FrontCover1.jpgFür die Margot Werner kann ich mich immer wieder mal erwärmen, wenn nicht gar begeistern. Und 1972 war für sie ein besonderes Jahr, denn …

der Komponist Bert Grund komponierte 1972 drei Lieder für Margot Werner, mit denen sie eine zweite Karriere startete, bei der auch Abi Ofarim ein wesentlicher Förderer war. 1972 sang sie im Wiener Konzerthaussaal mit Peter Kreuder. Es folgten eine eigene Fernsehshow mit dem Titel Von Margot bis Montag (Regie: Peter Hajek, Gäste: Klaus Kinski, Heinz Bosl u. a.), Auftritte im Spielcasino von Travemünde und von November 1973 bis März 1974 ein Gastspiel bei der Münchner Lach- und Schießgesellschaft. Seit 1975 trat Werner in zahlreichen Fernsehshows als Tänzerin, Sängerin und Entertainerin auf, etwa bei Hans-Joachim Kulenkampff in Feuerabend, bei Max Greger oder Roberto Blanco, in Dalli Dalli und Am laufenden Band.

1976 ging sie mit dem Programm Wasser, Feuer, Luft und Erde auf Deutschland-Tournee, weitere Tourneen folgten. 1977 hatte sie mit dem Song So ein Mann einen ihrer größten Erfolge. (Quelle: wikipedia)

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Heinz Domez and Margot Werner in dem Simmel Film  „Lieb Vaterland magst ruhig sein“ (1976)

Mehr von ihrer letztlich tragischen Geschichte kann man dann hier lesen.

Hier mal diese erfolgreiche Single (quasi als Vorgriff auf das dazu passende Album „Wasser, Feuer, Luft und Erde“, das ich demnächst hier präsentieren will und im ürigen von Abi Ofarim produziert und von dem unvergessenen Paul Vincent arrangiert  wurde).

Margot Werner in der großen Pose als femme fatale … schwelgend-romantisch dann bei „Insel meiner Träume“.

Und gelegentliche kann ich in solchen Chansons geradezu baden …

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Besetzung:
Margot Werner (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. So ein Mann (Frank-Jacoby/Hofer) 3.20
02. Insel meiner Träume (Ofarim/Pacher) 3.23

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Verschiedene Interpreten – Beat-Party (1977)

FrontCover1Ich vermute mal, dass auch in der DDR Sampler sehr willkommen waren, boten sie denn, wie auch in der alten Bundesrepublik die Möglichkeit, sich über unterschiedliche Interpreten einen ersten Eindruck zu verschaffen, um dann – bei Bearf- sich mit bestimmten Interpreten näher zu beschäftigen.

Hier ist so ein Sampler aus dem Jahr 1977, bei dem mich erstmal der Titel ein wenig irritierte, da der Begriff „Beat-Musik“ hier im Westen damals schon längst ein Auslaufmodell war, denn … der Punk stand ja schon heftig kopfend vor der Tür.

Sei´s drum … geboten wir ein aktueller Querschnitt von den damaligen DDR-Bands, von denen so etliche bis heute einen klangvollen Namen haben (Karat, Puhdys, Lift).

Und dann gibt es noch etliche Combos, die zumindest mir eher weniger bis gar nichts sagen: Die Band Skalden stammte ja eigentlich aus Polen, aber sie hatten auch diverse Aufnahmen in deutsch produziert. Oder “ Ingrid Pollow & Gruppe Toast“ und „Gruppe Fonograf“ (die stammte wiederum aus Ungarn) – Der Song „Mädchen in der ersten Reihe“ ist ganz schön pfiffig mit passenden Puszta-Klängen.

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Skalden

Es gibt also so einiges zu entdecken und dabei ist auch ein gewisses schmunzeln ob der z.T. trolligen Lieder („Kein Schlaflied). „Ticke Tom“ klingt ein wenig wie Simon & Garfunkel

Aber natürlich bleibt meine Favorit bei diesem Album der Song „Alt wie ein Baum“, eine weitere Puhdys-Hymne, die längst den Test der Zeit bravorös bestanden hat. Ein Hauch von französischem Chansons erklingt dann bei „Ein guter Tag“.

Also … ein weites Feld, das sich hier auftut …

 

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Titel:
01. Skalden: Frühling (Wszysto Kwitnie Wkolo) (Zielinski/Bobrowski/Branoner) 2.55
02. Gruppe Wir: Gartenparty (Ziegler/Brandenstein) 3.00
03. Gruppe Kreis: Du machst mich müd‘ (Fritzsch/Gertz) 3.45
04. Gruppe Hungaria: Der Platz neben mir (Az Utolto Sorban) (Fenyö) 2.55
05. Veronika Fischer & Band:  Nein, Doktor, nein     3:27
06. Puhdys: Alt wie ein Baum (Puhdys/Lasch) 2.45
07. Gruppe Fonograf: Mädchen in der ersten Reihe (Az Elsö Sorban Ült) (Mòricz/Bròdy/Branoner) 2.30
08. Maryla Rodowicz: Kein Schlaflied (Piosenkaprzeciw Zapsypiami)     2:45
09. Gjon Delhusa: Ticke Tom (Delhusa/Gertz) 3.20
10. Angelika Mann & Reinhard Lakomy-Ensemble: Sieben Zwerge (Delhusa/Gertz) 2.45
11. Rote Gitarren: Ein guter Tag (Mam Dobry Dzien) (Krajewski/Patuszynski/Branoner) 2.50
12. Gruppe Elefant: Drei Mädchen und eine Band     2:55
13. Gruppe Lift: Wasser und Wein (Heubach/Demmler) 3.40
14. Gruppe Expreß:  Wenn Musikanten heimwärts fahren (Lemke/Görke/Demmler) 3.00
15. Karat: So ’ne Kleine (Swillms/Branoner) 3.10
16. Ingrid Pollow & Gruppe „Toast“: Nobody Knows (Traditional) 3.17

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Gruppe Expreß

Weihnachten 2018 (24): Mireille Mathieu – Und wieder wird es Weihnachtszeit (1976)

FrontCover1.jpgNa gut, verdammt viele nationale und internationale Schlagerstars haben im Laufe ihrer Karriere auch mal ein deutschsprachiges Weihnachtsalbum veröffentlicht und irgendwann ging da der Krug auch nicht an der Mireille Mathieu vorbei.

Dabei wurde sie von dem allseits bekannten Schlagerproduzenten Christian Bruhn unter die Fittiche genommen und der verpasste ihr einen fast perfekten musikalischen Rahmen …  gekonnte und dezent instrumentierte Orchesterbegleitung, die viel Raum für die schon beeindruckende Stimme der Mireille Mathieu (hätte ich früher so nicht geschrieben) ließen. Den Titel des Albums könnte man allerdings auch als Stoßseufzer verstehen.

1976 produziert, erreichte die erste (und bisher einzige) rein deutschsprachige Weihnachtsplatte des französischen Weltstars schnell Goldstatus. Unter der Ägide des Erfolgsproduzenten Christian Bruhn, der für die ungemein zahlreichen teutonischen Hits und Evergreens des Spatzen verantwortlich zeichnet, entstand eines der schönsten und harmonischsten Weihnachtsalben, die mir je untergekommen sind. Wunderbar arrangiert versteht es Mireille, das adäquate Gefühl für diese besondere Jahreszeit alleine durch ihre einzigartige Interpretation dieser partiell internationalen Klassiker zu erzeugen. Kraftvoll in „O du fröhliche“, verhalten in „Weißer Winterwald“ oder einfach nur überirdisch melodisch und gefühlvoll in „Weiße Weihnacht“ zeigt der Star dem schier zahllosen Heer von 1-Hit-Sternchen, die nach kurzem Erfolg schnell ein ebenso zusammengeschustertes Weihnachtsalbum auf den Markt werfen, wie man diese immergrünen Lieder singt: Inbrünstig, sentimental, pathetisch.

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Seit 33 Jahren(!) ist diese Platte bereits auf dem normalerweise doch absolut schnelllebigen Markt. Weiter nicht verwunderlich: Qualität ist eben zeitlos – so zeitlos wie die Mathieu selbst. (Ulrich Groh)

Kann man in der Tat so sehen … wenngleich der Pelz, den sie für das Coverfoto trug heute kaum mehr vorstellbar ist … und das ist gut so.

Und schmunzeln musste ich bei dem Titel „Es wird schon bald dunkel“ … bei uns Südstaatlern ist dieses österreichische Weihnachtslied ja eigentlich unter dem Titel „Es wird scho glei dumpa“ … aber das konnte man der Mireille nun wirklich nicht zumuten … auch noch im Dialekt zu singen.

Und manchmal habe ich mich gefragt, mit welchen Emotionen sie all diese Lieder (bei denen auch – sehr fein – internationale Weihnachtslieder dabei sind), gesungen hat. Abgefuckte Studioarbeit oder tatsächlich mit einem Hauch von Emotionen … Hört man diese LP könnte man glatt letzteres annehmen.

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Besetzung:
Mireille Mathieu (vocals)
+
Orchester und gemischter Chor unter der Leitung von Christian Bruhn

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Titel:
01. Leise rieselt der Schnee (Ebel) 2.10
02. Aber Heidschi Bumbeidschi (Traditional) 3.15
03. Süßer die Glocken nie klingen (Traditional) 2.43
04. Es ist ein Ros‘ entsprungen (Traditional) 3.06
05. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.17
06. O du fröhliche (O Sanctissima) (Traditiional) 3.55
07. Weiße Weihnacht (White Christmas) (USA) (Berlin/Balz) 3.15
08. Tochter Zion, Freue Dich (England) (Traditional/Händel) 2.44
09. Es wird schon bald dunkel (Österreich) (Traditional) 2.54
10. Herbei, o ihr Gläubigen (Portugal) (Traditional) 2.45
11. Weißer Winterwald (Winter Wonderland) (USA) (Bernard/Schwielow) 2.42
12. Du lieber Weihnachtsmann (Petit Papa Noël) (Frankreich) (Martinet/v.Schenckendorff) 3.39

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Udo Lindenberg & Das Panik-Orchester – Sister King Kong (1976)

FrontCover1Wird wieder mal höchste Zeit den Udo Lindenberg aus der Ecke zu kramen … denn, wie schon mehrfach erwähnt, die deutsche Rockmusik wäre ohne Lindenberg kaum vorstellbar. Und 1976 war schon ein ziemlich erfolgreiches Jahr für ihn.

1976 war für Lindenberg ein arbeitsreiches Jahr. Seine Fans beglückte er gleich mit
mehreren LP-Veröffentlichungen. Eine wie Sister King Kong ist wieder ein hervorragendes
Album geworden.
Nach einer balladenhaften Einführung (Die Bühne ist angerichtet) geht es dann mit
„Emanuel Flippmann und die Randale-Söhne“ richtig rockig zur Sache. In „Rätselhaftes
Bielefeld“  beschreibt uns Udo den durch eine Haifischrangelei verursachten
Höllen – und Himmelstrip. Da er zum Schluss des Liedes zur Venus fliegt wird klar das
es dort „…geiler als in Bielefeld“ ist. Nach „Satellit City Fighter“ folgen drei rockige Songs hintereinander. Das Thema Exorzismus wird in „Der Teufel ist los“ abgehandelt. Sensationslüstern „..wurden Millionen Wecker gestellt..“ um die modernen
Gladiatorenkämpfe in Original mitzuverfolgen. Das wird alles im Titelsong „Sister King
Kong“  der CD tierisch bejubelt. Jenny  ist eine 16-jährige Schulbummelantin und weil es wie im Song geschildert sich bis heute nicht viel geändert hat dürfte es auch gegenwärtig noch so manche „Jenny“ geben. “ Meine erst Liebe“ ist Udos über 6 Minuten langes Liebesepos vom ersten Treffen bis zur Trennung. Selbst der Trennungsschmerz wird positiv verarbeitet und es erfolgte kein Selbstmord wie folgendes Textzitat „…aber mein Mut und das war sehr gut- hat dann doch nicht mitgemacht…“ belegt.

Alles in allem kann man zu dieser Scheibe sagen das Gasgeben seines Panik-
Orchesters hat sich gelohnt. Wenn durch seine frühere Arbeiten der Eindruck entstanden wäre, er sei ein verrockter Liedermacher hat er das hiermit glänzend widerlegt. (ein Amazon Kunde)

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Eigentlich sind nur 3 Klassiker von Lindi enthalten. `Sister King Kong`, `Rock `n` Roll Arena in Jena` und natürlich `Meine erste Liebe`. `Meine erste Liebe` (mit der tollen Jutta Weinhold; hier irrt der Schreiber, es war Ulla Meinecke, die da im Duett mit Udo singt) ist sein vielleicht bestes Lied überhaupt? Es wird sicher Leute geben, die den Song kitschig finden, ich finde ihn genial und leide jedesmal wieder mit.

`Jenny` ist auch ein gutes Stück. Bei `Rätselhaftes Bielefeld` ist der Text wieder mal genial. Gewisse Textzeilen kann eben nur `Uns Udo` verfassen. Bei `Udo on the rocks` erfindet er die Disco-Musik. Es ist schon fast unglaublich, dass hier Sounds vertreten sind, die eigentlich erst im Jahr 1977 richtig angesagt waren. (Double Trouble)

Was der Lindenberg damals drauf hatte, lässt sich z.B. an diesem brutal starkem Übergang von „Die Bühne ist angerichtet“ „Emanuel Flippmann und die Randale-Söhne“ demonstrieren .. .da stellen sich einem doch glatt die Zehennägel auf auch wenn´s dann später ein wenig albern wurde.

Und auch „Jenny“ geht tierisch ab … textlich wie musikalisch …

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Und das Lied „Meine erste Liebe “ rührt mich heute noch zutiefst, denn hier singt der Udo Lindenberg auch meine Geschichte … von damals …

Und mit dem stillen „Rock’n Roll-Arena in Jena“ zeigt er, dass ihm bereits damals die Teilung Deutschland alles andere als gleichgültig war:

Ich würd‘ so gerne bei euch mal singen
meine Freunde in der DDR
’ne Panik-Tournee, die würd’s echt bringen
ich träume oft davon, wie super das doch wär‘

Doch die Funkionäre sind noch unentschlossen
diese „westliche Müllkultur“ sei nichts für die Genossen
wann sehen die Herren endlich mal klar
und bauen die Rock ’n‘ Roll-Arena in Jena?
(… oder bleibt die DDR
in Sachen Kulturaustausch weiterhin
die „Deutsche Desillusions Republik?“)

Ganz sicher nicht dass beste Udo Album (und was ist bitteschön das „beste Album“ von ihm ?) … und dennoch zeigt es, was für ein Potential der Bursche damals hatte …

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Besetzung:
Gottfried Böttger (piano)
Bertram Engel (drums)
Thomas Kretschmer (guitar)
Jean-Jacques Kravetz (keyboards)
Udo Lindenberg (vocals, percussion, bass, keyboards)
Paul Vincent (guitar)
+
Curt Cress (drums)
Claas Juster (keyboards)
Dave King (bass)
Thomas Immanuel Kuckuck (Tierstimme)
Olaf „Kicher“ Kübler (saxophone)
Ulla Meinecke (vocals bei 08.)
Kristian Schultze (keyboards)
Rico Vulkano (percussion)
Jutta Weinhold (vocals bei 03.)
+
vocals:
Christian – Inge Wellmann – Rale Oberpichler – Tobias – Udo Gerhard – Victor

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Titel:
01. Die Bühne ist angerichtet (Lindenberg) 2.40
02. Emanuel Flippmann und die Randale-Söhne (Lindenberg) 4.29
03. Rätselhaftes Bielefeld (Lindenberg) 5.12
04. Satellit City Fighter (Königstein/O’Brien-Docker/Lindenberg) 4.07
05. Der Teufel ist los (Lindenberg) 4.32
06. Sister King Kong (Lindenberg) 4.11
07. Jenny (Kretschmer/Lindenberg) 4.08
08. Meine erste Liebe (Lindenberg) 6.09
09. Udo On The Rocks (Cress/King/Schultze/Kübler/Vincent/Lindenberg) 4.57
10. Rock’n Roll-Arena in Jena (Kravetz/Lindenberg) 1.10

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Udo Lindenberg „undercover“: 1976 mit Achim Mentzel (* 15. Juli 1946 in Berlin; † 4. Januar 2016 in Cottbus) im damaligen „Lindencorso“ Unter den Linden. Lindenberg reiste als Tourist ein.

Improved Sound Limited – Road Trax (Filmmusik) (2002)

FrontCover1So ein paar Einträge hier beginnen ja  immer wieder mal mit der Floskel „endlich komme ich mal dazu … “ … und hier ergänze ich … die fränkische Band „Improved Sound Limited“ vorstellen:

Als IMPROVED SOUND LIMITED 1971 für das renommierte „Liberty/United Artists“-Label ihre gleichnamige Doppel-LP aufnahmen, hatte die Nürnberger Band trotz des jungen Alters ihrer Mitglieder (alle 1947 geboren), bereits ein musikalisch bewegtes Leben hinter sich…

Mit Skifflemusik begonnen (1961), kam die Band über den Modern Jazz, anschließend beeinflusst von der aufkommenden Beat-Musik, zur Rock- und Popmusik. Zuvor hatte sie sich als The Blizzards einen gewissen Ruf erspielt und in den Schulferien als Backingband Roy Black (August 1965) begleitet, der damals Titel von Elvis, Cliff Richard und Roy Orbison sang. Als dieser erkannte: „Du bist nicht allein“, sagten die Nürnberger: „Mit dieser Musik eben schon“ und orientierten sich neu. Da passte es bestens ins Konzept, dass der Bayerische Rundfunk 1966 den Wettbewerb „Meet the Beat“ ausschrieb. IMPROVED SOUND LIMITED gewannen den ersten Preis unter 80 ISL01konkurrierenden Bands und durften ihren Siegertitel „It Is You“ für Polydor als Single aufnehmen (B-Seite: „We Are Alone“). Als Sieger des Beatwettbewerbs gewissermaßen geadelt, öffneten sich für IMPROVED SOUND LIMITED neue Türen. Zu damaligen Zeiten war es in Promikreisen en vogue, zur Hochzeit eine Beatband aufspielen zu lassen. Bei einem solchen Event lernte die Band den Münchner Filmproduzenten Rob Houwer kennen, der den Kontakt zu Regisseur Michael Verhoeven herstellte. Nach einer erfolgreichen Demo-Präsentation bekam die Band den Auftrag, für dessen Film „Engelchen macht weiter hoppe-hoppe Reiter“ den Soundtrack zu liefern. 1969 wurde die Filmmusik auf Cornet als LP veröffentlicht. Dies war für IMPROVED SOUND LIMITED der Durchbruch. In den Folgejahren sollten sie noch etliche Soundtracks für Film und Fernsehen einspielen. 1969 nahmen sie für Polydor eine weitere Single „Sing Your Song“/ „Marvin Is Dead“ auf. 1971, 10 Jahre nach den Anfängen der Band, erschien die Doppel-LP „Improved Sound Limited“, die jetzt erstmalig auf CD vorliegt (Mixing & Mastering: Jörg Scheuermann). In einer luziden Rezension bezeichnete man die Improved-Musiker als „Oldtimer des Rock“. Die auf den ersten Blick etwas despektierliche Bezeichnung der 23-jährigen Musiker entpuppt sich im weiteren Verlauf des Artikels als Ausdruck höchsten Respekts. Die LP ISL02sei der stilistische Lebenslauf von 23-jährigen Rock-Oldtimern, 10 Jahre live experience in rauchigen Kellern und Schuppen zwischen Bochum und Radolfzell in Rillen gepresst. Herausragendes Merkmal der Plattenproduktion sei neben bemerkenswerten musikalischen Fertigkeiten die Fülle von Erfahrungen, die die Band bei vielen Live-Auftritten und Studio-Arbeiten erworben habe.

IMPROVED SOUND LIMITED sei es gelungen, Spontaneität und Kreativität authentisch mit den Möglichkeiten modernster Aufnahmetechnik zu verknüpfen: „Dieses Album ist mit einem Höchstmaß an professionellem Können produziert. Jede Note, jedes Wort ist eigenständig: Axel Linstädt schrieb die Musik, sein Bruder Bernd die Texte. Auch die Produktion, eine Arbeit, für die Bands wie die Rolling Stones oder die Beatles internationale Stars wie Jimmy Miller, George Martin oder Phil Spector engagieren, wurde von der Band selbst geleistet. Deshalb klingt das Doppelalbum bei aller stilistischen Vielfalt unverwechselbar. Musik und Text sind eine Einheit, sie ergänzen und interpretieren sich gegenseitig und sind identisch mit dem Bewusstsein der Musiker. Die einzelnen Titel behandeln Probleme, die ihre Autoren beschäftigen, aber es wird daraus keine Schulstunde mit Musik, sondern Rock zum Anhören, auch zum Tanzen. Vielleicht ist es diese Profanität, die einen spontan für die Improved-Musik einnimmt. Ab dem dritten Mal beginnt man dann zu hören, was noch alles dahintersteckt. Und das ist: „die Reflexion fünf junger Leute, die sich mit ihrer Umwelt und Situation kritisch befassen, in der Musik“ (Reiner Weiss, Nürnberger Nachrichten, 20./21. Mai 1971).

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In der Münchener Abendzeitung bescheinigte der seinerzeit 24-jährige Feuilletonchef (und spätere Chefredakteur des „Stern“) Michael Jürgs IMPROVED SOUND LIMITED „angelsächsische Klasse“, lobte die Unverwechselbarkeit der Musik als Gütesiegel und sinnierte, wenn je in Deutschland eine Rockoper wie „Tommy“ von den Who gelingen sollte, könne sie nur von IMPROVED SOUND LIMITED geschaffen werden. Franz Schöler, der „Joachim Kaiser der Rock-Kritik“ (Die Zeit, NZZ, SZ, WAZ, Playboy, Stereo), schrieb, die Doppel-LP sei „die beste deutsche Rockproduktion seit der Beatles-Live-LP mit Tony Sheridan“. In seinem Buch „Let it rock“ (München-Wien 1975) nahm er sie auf in die äußerst exklusive „Discografie der epochemachenden Rock-Platten 1954-1974“.

Bemerkenswert ist, dass die Band mit ihrer Doppel-LP nicht nur in den einschlägigen Musikzeitschriften positiv aufgenommen, sondern auch in den Feuilletons frenetisch gefeiert wurde. Dabei schwamm die Band gegen den Strom des sogenannten German Rock. Statt des gängigen Progressiv- und Krautrocks filterte sie ihre unverwechselbaren, melodiösen Eigenheiten heraus und spielte Rockmusik vom Feinsten, zeitlos und grandios, ein Meilenstein in der deutschen Rock- und Popgeschichte.

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1973 veröffentlichte IMPROVED SOUND LIMITED auf CBS die LP „Catch a Singing Bird on the Road“. 1977 folgte unter dem Bandnamen Condor, aber in gleicher Besetzung, die LP „Rathbone Hotel“. (Manfred Steinheuer)

Und hier ihr quasi posthum veröffentliches Album mit den Filmmusiken von drei deutschen Filmen der 70er Jahre:
Die Produktion von Filmmusik war eine Konstante in der Arbeit der Band. So enthielt bereits die erste CD Musik aus dem Film ‚Der Graben‘ von Michael Verhoeven, die dritte, ‚Rathbone Hotel‘ mit dem Song ‚Suicide Road‘ die Vokalversion eines Instrumentaltitels aus dem Wim Wenders Film ‚Im Lauf der Zeit‘, und die demnächst erscheinende fünfte ‚The Final Foreword‘ wird sich u. a. dem Soundtrack von Verhoevens ‚Engelchen macht weiter …‘ widmen.

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Die Beantwortung der Frage, warum das vorliegende Album nicht ‚Soundtracks‘, sondern ‚Road Trax‘ überschrieben wurde, erschließt sich dem Hörer nahezu zwangsläufig: Die Musik vermittelt eindrucksvoll das Gefühl, unterwegs zu sein. ‚Im Lauf der Zeit‘ ist ein Road Movie par excellence, bei dem Film ‚Soweit das Auge reicht‘ zeigen sich zumindest wichtige Musikstrecken von diesem ‚Spirit‘ geprägt; ‚Das Brot des Bäckers‘ schließlich definiert sich inhaltlich zwar anders, doch der Protagonist Bernd Tauber scheint eindeutig vom oben angesprochenen Lebensgefühl erfasst. Nicht zufällig hört er im Film wiederholt Musik jenes Genres, z.B. den Titelsong aus dem ‚Improved Sound Limited‘-Album ‚Catch a Singing Bird on the Road‘.

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Die Musik reflektiert akustisch das Unterwegssein; sie ist Begleiterin für lange Fahrten – mit der Kamera und mit dem Auto. Von einem langsamen Pulsschlag bewegt, zeichnet sie unaufgeregt große, weite Bögen, atmet Melancholie, Ferne, Grenzenlosigkeit…

Man weiß und spürt es, dass der Weg – so einsam er auch sein mag – das Ziel ist. Die Reihenfolge der Musiken geriet nur per Zufall chronologisch, eigentlich folgt sie einer Kompilation, die sich die Band selbst als Backing Music für ihre Reisen zusammenstellte und gerne unterwegs hörte, sich zu Zeiten von ihr tragen ließ.

Vielleicht erklärt sich so ein wenig, warum ‚Road Trax‘, wenngleich die Takes aus unterschiedlichen Filmen und Entstehungszeiten stammen, wie ‚aus einem Guss‘ wirkt.

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Das Presseecho über die Filme mit ‚Improved-Musik‘ war umfangreich und einhellig positiv. Paradigmatisch hierfür soll am Ende meines Editorials lediglich die nonkonformistische Karena Niehoff zitiert sein, die im ‚Tagesspiegel‘ den musikalischen Aspekt des Wenders-Films folgendermaßen zu Papier bringt: ‚Die Musik der deutschen Band ‚Improved Sound Limited‘ bohrt sich dauernd in den Film hinein, saugt sich mit ihm voll; ich hätte sie manchmal, diesen verdammt ziehenden, süchtig machenden ‚Romantic Sound‘, gern wütend abgeschlagen wie einen vollgefressenen Blutegel – aber dann hätte ich den ganzen Film, seine Substanz, sein Sosein mit wegwerfen, seinen Atem ersticken müssen.‘ (Manfred Steinheuer)

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Und liest man sich ein wenig in die Besprechungen zu diesen Aufnahmen ein, so kann man feststelle dass der Urteile unisono in die Kategorie „begeisternd“ fallen … und das zu ‚Recht !

Dieses Album ist ganz und gar großartig … denke ich z.B. nur an die paar Sequenzen, in denen Ralph Nowy mit seinem Saxophon die Bühne betritt oder an all jene Gittarenläufe des Axel Linstädt, wem es da nicht warm ums Herz wird …

Und fast könnte man meinen, ein gewisser Mark Knopfler ist bei dem Axel Linstädt in die Lehre gegangen …

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Von daher ist dieses Album nicht nur für lange Autofahrten geeignet, sondern erst recht für lange Winterabende …

Und es ist ein Album, das zumindest an zwei bedeutende Kinostreifen der 70er Jahre erinnert. „Das Brot des Bäckers“ gehört zu meinen Lieblingsfilmen und über den Film „Im Lauf der Zeit“ müsste man eigentlich gar kein Wort verlieren. Ein frühes Meisterwerk von WimWenders.

Und inspiriert zu diesem Eintrag (und dafür ein herzliches Dankeschön) wurde ich von der Graugans und dem Herrn Ärmel, der sich – einem alten Herzenswunsch folgend –  auf den Weg gemacht hat, den Spuren des Wim Wenders zu folgen. Herausgekommen ist dabei u.a. eine Reisebericht (42 Jahre später …), bestehend aus Begegnungen und Reflexionen, die ich eigentlich nur jedem Leser dieses blogs dringend ans Herz legen will … dazu klicke man hier.

Ach ja, das Begleitheft fällt dann wieder mal in die Kategorie „vorbildlich“.

Booklet02A

Besetzung:
Lothar „Johnny“ Fickert (vocals, saxophone, flute, guitar, organ percussion)
Rolf Groschner (drums)
Axel Linstädt (vocals, guitars, keyboards, mellotron)
Ulrich Ruppert (bass)
+
Frank Baum (pedal-steel guitar bei 01. + 05.)
Ralph Nowy (saxophone bei 02.)

Booklet07A

Titel:

Im Lauf Der Zeit (1976):
01. One Feet Over The Tarmac 3.35
02. Suicide Road 3.19
03. Silver Circles 2.52
04. Lisa’s Accelerando 2.29
05. One Feet Over The Tarmac 4.04

Das Brot des Bäckers (1976):
06. One Note Interlude 0.33
07. Bernd’s Tune 2.25
08. Baker’s Round 2.01
09. Don’t Slide Away / One Note Interlude 2.46

So weit das Auge reicht (1979):
10. Main Theme 2.06
11. Aurore’s Tune 1.39
12. Greetings To Carlos 2.34
13. Fragment Of „Route 99“ 0.56
14. Puppet On A Twelve-String 1.53
15. Route 99 2.38
16. Variation On Aurore’s Tune 2.13
17. Main Theme (Unplugged) 0.40
18. Maniac Lamento 1.52
19. Soda Fountain 0.52
20. Life Is A Jigsaw Puzzle 2.16

0.K. (1970)
21. „o.k.“ 0.22

Musik: Axel Linstädt
Texte: Bernd Linstädt

CD1

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BackCover1

AxelLindstädt

Quelle: Bayerischer Rundfunk … und mittlerweile ist er in Rente …

Christiane + Frederik – Der Fuchs (1976)

FrontCover1Aus den Kinderzimmern von „linken“ Eltern waren die Scheiben von Frederick Vahle wahrlich nicht wegzudenken:

Fredrik Vahle (* 24. Juni 1942 in Stendal; eigentlich Friedrich-Eckart Vahle) ist ein deutscher Liedermacher und Autor. Bekannt wurde er durch seine Kinderlieder und -bücher. Frederik Vahle ist Mitglied im PEN-Zentrum Deutschland.

Vahle ist zudem als außerplanmäßiger Professor für Germanistik an der Universität Gießen und als Übersetzer tätig. Er wohnt seit Jahrzehnten im Lollarer Stadtteil Salzböden.

Friedrich-Eckart Vahle wurde 1942 in Stendal als Kind künstlerisch tätiger Eltern, des Malers Fritz Vahle und der Grafikerin Ingeborg Vahle-Giessler, geboren, beim Großvater lernte er Klavierspielen. Er übersiedelte mit seiner Familie 1956 in die Bundesrepublik, wo er nach dem Abitur Deutsch und Politik studierte. 1968 nahm er im Duo Ulli und Fredrik mit Ulrich Freise seine erste LP mit Liedern auf. Nach seinem Universitätsabschluss promovierte er in Soziolinguistik und verfolgte sein Interesse für Kinderlieder in einer Habilitation über Kindersprache und Kinderlied.

Gemeinsam mit Christiane Knauf verfasste er bei der Arbeit mit einer Gruppe lernbehinderter Kinder erste eigene Kinderlieder. Christiane & Fredrik traten regelmäßig in Kindergärten, Buchhandlungen und Kinderliederfestivals im In- und Ausland auf und veröffentlichten 1973 mit Die Rübe ihre erste Kinderplatte. Die Veröffentlichung verschiedener weiterer MCs und CDs folgten. Nach Reisen durch Mittelamerika in den 1980ern verfasste er auch Kinderbücher, die von dem Leben von Kindern in diesen Ländern erzählen, so etwa Manuel und Ich erzähle von Pedro.

Seine Hauptbeschäftigung blieben aber die eigenen Kinderlieder, die er in Zusammenarbeit mit Dietlind Grabe-Bolz als Gesangspartnerin aufnahm und vortrug.

Fredrik Vahles frühe Kinderlieder der 1970er Jahre griffen Themen auf, die für Kinder zu dieser Zeit noch tabuisiert waren wie Arbeit und Arbeitslosigkeit, Schule, Erziehung, Sexualität und das Leben ausländischer Einwohner. Die neueren Titel beschäftigen sich vor allem mit Freude an Musik, Sprache und Bewegung.

Zu seinen bekanntesten Liedern zählen „Anne Kaffeekanne“, das „Katzentanzlied“, „Der Spatz“, „Der Hase Augustin“, „Der Fuchs“, „Das Hau-Mich-Nicht-Lied“, „Der Cowboy Jim aus Texas“ und „Der Friedensmaler“. Mit dem Titel „Kawuras, der Krebs“ produzierte er das in Deutschland bislang erfolgreichste auf einem Kalamatianos-Rhythmus basierende Lied. Daneben verfasste er Nonsenslieder und sprachspielerische Verse und zweisprachige Lieder für die Ausländerintegration (Der Elefant – Lieder in unserer und in Eurer Sprache, 1981).

In den letzten Jahren nahmen die „neuen Bewegungslieder“ und Workshops zum Thema „Sprache und Bewegung“ einen Großteil seiner Arbeit, auch seiner Lehrtätigkeit an der Universität Gießen, ein.

Für seine Verdienste in der Entwicklung des „neuen Kinderliedes“ wurde ihm am 29. Februar 2000 das Bundesverdienstkreuz am Bande verliehen. Im Juni 2007 wurde ihm die Ehrenbürgerschaft der Stadt Lollar auf Beschluss der Stadtverordnetenversammlung zuerkannt. (Quelle: wikipedia)

Fredrik Vahle und Beate Lambert 2010

Fredrik Vahle und Beate Lambert 2010

Oder auch so, eine Laudation zu seinem 70. Geburtstag:

Fredrik Vahle 70: Extrem ideenreich, produktiv und engagiert

Es begann 1972, als er 30 Jahre alt und Christiane Knauf an seiner Seite war, mit eigenen Liedern für lernbehinderte Kinder. Furore, in positiver und negativer Hinsicht, sollte 1973 die erste Langspielplatte »Die Rübe« machen.

Eine Erfolgsgeschichte ohnegleichen schloss sich an und brachte ihm Apostrophierungen wie »Vater des neuen deutschen Kinderliedes« oder »Urvater des guten Kinderliedes« ebenso ein wie Vergleiche mit Christian Morgenstern, Joachim Ringelnatz und Bertolt Brecht. Fredrik Vahle, seit fast 42 Jahren und damit mehr als sein halbes Leben in Salzböden zu Hause, vollendet am morgigen Sonntag, 24. Juni, das 70. Lebensjahr. Der Sprachbildner und Sprachjongleur, der sich mit Liedern, Büchern und Veranstaltungsprogrammen auch an Erwachsene wendet, wurde in Stendal (Sachsen-Anhalt) geboren. Seine künstlerisch tätigen Eltern verließen mit ihm und seinem Bruder 1956 die damalige DDR und ließen sich in Hessen nieder.

Dem Abitur im Jahr 1962 folgten das Studium der Germanistik und Politologie in Frankfurt und Gießen, 1976 die Promotion über Soziolinguistik, 1988 die Habilitation mit einer Arbeit über Kindersprache und Kinderlied, 1994 die Professur für deutsche Sprache und ihre Didaktik an der Justus-Liebig-Universität in Gießen, 2000 die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes und 2007 die Ernennung zum Ehrenbürger der Stadt Lollar. »Sein« Salzböden beschenkte er mit einem zeitgemäßen »Heimatlied« (»Vom Atzenest zur Junkersmühl«) und »seine« Salzbödetal-Schule, in der ihn alle Kinder kennen, mit einem eigenen Schullied. Zum Salzbödener hatte sich »der Fritz« schon 1975 zur 1200-Jahr-Feier des Lollarer Stadtteils mit einer heimatkundlichen Szenenfolge geschrieben, die von Laiendarstellern höchst erfolgreich aufgeführt wurde.

Christiane+Frecerick1976

Selbstverständlich verschwendet der Texter, Komponist, Sänger, Gitarrist und Flötespieler keinen Gedanken an Ruhestand. Fortgesetzt wird das Musizieren mit (der Gießener Oberbürgermeisterin) Dietlind Grabe-Bolz (Gesang), Jochen Kaboth (Banjo), Heinz Müller (Bass) und Manfred Vetter (Percussion). Eine Reihe neuer Lieder ist fertig, aber noch nicht für CD aufgenommen, sagt Fredrik Vahle im Gespräch mit der Gießener Allgemeinen Zeitung.

In Arbeit ist ein Buch, in dem die »wahre Geschichte der Anne Kaffeekanne« enthüllt wird. Außerdem sitzt er an einem Buch mit dem geplanten Titel »Singen, sagen, sich bewegen«. In Vorbereitung sind mit Pfarrer Wolfgang Gerhard darüber hinaus das Herbst- und das Weihnachtssingen der evangelischen Kirchengemeinde, nachdem das Frühlings- und das Sommersingen mit spirituellen Vahle-Liedern für Kinder und Erwachsene großes Interesse gefunden hatten. Nicht zuletzt hat er sich auf die Spuren von Orpheus begeben (»Sehr viel Kleinarbeit. Das wird mich länger beschäftigen«) und meint damit nicht den aus der griechischen Mythologie, sondern den historischen Wissenschaftler, Erfinder, Arzt und Schamanen aus Thrakien.

Gefeiert wird das 70. Wiegenfest, wie Vahle verrät, in zwei Etappen. Zunächst trifft sich der enge Kreis von Familie, weiterer Verwandtschaft und nahen Freunden zu Gesang, Musik, philosophischen Beiträgen und allerlei Vorführungen in der Grillhütte auf dem Hahnenkopf, um Landschafts- und Naturspezialitäten zu genießen. Für den Abend hat der Liedermacher und Autor rund 100 Personen in das Dorfgemeinschaftshaus gebeten. Kredenzt wird den geladenen Gästen ein Vier-Jahreszeiten-Menü mit Frühlingsrolle, Sommersalat, Herbstragout und Wintergestöber. (Margot-Gabriele Bode, Gießener Allgemeine Zeitung)

Hier nun das 2. Album seiner „Die Rübe – Lustige und listige Kinderlieder“ veröffentlicht – wie könnte es anders sein – auf dem Pläne-Label. Und noch heute, wenn ich diese Lieder wieder mal höre … sie sind witzig, pfiffig, musikalisch durchgehend kurzweilig und ja … Lieder wie „Der Vater ist die Arbeit los“, „Die Postfrau, „Das Lied von der kleinen Klasse“ (Musik: Mikis Theodorakis) waren damals wichtig und ja, sind auch heute noch wichtig.

Und ja: meine Töchter haben den Frederick Vahle noch heute gut in Erinnerungt (allerdings ist sein „Anne Kaffeekanne“ bei ihnen noch mehr im Ohr) …  Von daher erlaube ich mir auch einen Hauch von Rührseligkeit an vergangene Tage, als ich noch ein so ganz aktiver Papa war …

Nicht unerwähnt soll bleiben, dass ein gewisser Wolfgang Dauner bei „Die Weltraumfahrt“ am synthesizer agiert und dass ein gewisser Dieter Süverkrüp die Grafik für das Frontcover lieferte … was ich allerdings so gar nicht verstehen kann, warum man eine LP für Kinder mit einem Begleittext (auf der Rückseite der LP Hülle) versieht, den man kaum lesen kann …

Booklet02A

Besetzung:
Christiane Knauf (vocals)
Frederick Vahle (guitar, vocals)
+
Günther Leimstoll Orchester
+
Wolfgang Dauner (synthesizer bei 08.)
Jochen Kaboth (banjo)

BackCover1

Titel:
01. Der Fuchs (Traditional) 2.30
02. Das Lied von der müden Fliege (     1:32
03. Onkel Ede (Vahle/Brecht) 0.52
04. Frosch und Maus (Traditional/Vahle) 3.36
05. Unser Haus (Vahle) 3.23
06. Die Oma (Vahle) 2.33
07. Das Omnibuslied (Guthrie/Vahle) 1.40
08. Die Weltraumfahrt (Vahle) 4.50
09. Der Maurer Otto (Vahle/Traditional) 2.34
10. Der Vater ist die Arbeit los (Vahle/Maiwald) 0.56
11. Kinderverse (Brecht/Vahle) 1.34
12. Der Rattenfänger von Hameln (Vahle) 6.49
13. Die Postfrau (Theodorakis/Vahle) 2.43
14. Es war einmal ein Schwein (Brecht/Vahle) 1.03
15. Das Lied von der kleinen Klasse (Theodorakis/Vahle) 3.34
16. Was ein Kind braucht (Maiwald/Vahle) 1.38

LabelB1

 

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