Michael Rother – Flammende Herzen (1977)

FrontCover1Der hat damals ganz schön Eindruck gemacht:

Michael Rother (* 2. September 1950 in Hamburg) ist ein deutscher Rockmusiker und Komponist.

Bereits 1965 bis 1971 spielte Michael Rother als Gitarrist in der Düsseldorfer Band Spirits of Sound. 1971 hatte er als Mitglied der Gruppe Kraftwerk einen Auftritt im Beat-Club. 1971 bis 1975 musizierte er in der Gruppe NEU! mit Klaus Dinger. 1973 bis 1976 führte die Zusammenarbeit mit Dieter Moebius und Hans-Joachim Roedelius in der Gruppe Harmonia zu zwei LP-Veröffentlichungen.

1977 gelang Michael Rother mit seinem ersten Solo-Album Flammende Herzen der Durchbruch. In der Folge veröffentlichte er dann mehrere Solo-Alben, arbeitete immer wieder mit anderen Musikern wie Moebius, Rodelius und Brian Eno zusammen, produzierte Theater- und Filmmusik. In seinem „Katzenmusik“-Homestudio war er ab 1983 einer der ersten deutschen Musiker, der mit dem Computermusikinstrument Fairlight CMI seine Musik produzierte.

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Michel Rother, 1973

Im Rahmen der Hörfunksendung Sounds vom Synthesizer gab Rother 1985 einen weiten Einblick in sein musikalisches Schaffen. 1998 kam es im Rahmen der KOMM 98 in Düsseldorf nach 22-jähriger Bühnenabstinenz wieder zu einem ersten Live-Auftritt, dem inzwischen weitere folgten.

Aufsehen erregte Rother 2003, als er bei einem Konzert der Band Red Hot Chili Peppers in Hamburg zu einer Jam-Session auf die Bühne kam. In der Folge kam es zu weiteren Kollaborationen zwischen dem Gitarristen der Band, John Frusciante und Rother. 2004 gaben die beiden ein gemeinsames Konzert in Los Angeles.

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2004 erschien das Album Remember (the Great Adventure), an dem auch Asmus Tietchens und Herbert Grönemeyer mitgewirkt haben. Am Ende des Konzerts der Red Hot Chili Peppers am 1. Juli 2007 in Hamburg improvisierte Rother mit der Band. Ein Reunion-Konzert von Harmonia in Originalbesetzung fand am 27. November 2007 im Berliner Haus der Kulturen der Welt statt. 2009 beteiligte er sich mit dem Titel Neutronics 98 (A Tribute to Conny Plank) an der Compilation Brand Neu!, die ein Tribute vorrangig britischer Gruppen an Neu! darstellt. Neben Michael Rother sind unter anderem Oasis, Primal Scream und Kasabian auf der Veröffentlichung zu finden.

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Und „Flammende Herzen“ ist das erste Studioalbum des deutschen Gitarristen Michael Rother.

Das instrumentale Album wurde 1977 veröffentlicht und enthält die Singles Flammende Herzen und Karussell. Es war Rothers erstes Soloalbum nach fünf Alben als Mitglied von Neu! mit Klaus Dinger und Harmonia mit Cluster. Die Musik wurde 1978 für den Soundtrack zum gleichnamigen Film verwendet.

Das Album wurde zwischen Juni und September 1976 in Connys Studio aufgezeichnet. Das Cover des Albums wurde mit Fotografien von Christian Rabe gestaltet.

Auf seinem ersten Solo-Album nach der Auflösung von Neu! arbeitete Rother wieder mit Produzent Conny Plank, den er von Neu! und Harmonia kannte. Jaki Liebezeit von Can ergänzte Rother am Schlagzeug. Alle anderen Instrumente wurden von Rother eingespielt: Gitarre, Bassgitarre, E-Piano, Orgel, Synthesizer und elektronische Percussion. (Quelle: wikipedia)

Single

Die Single zum Album

Das erste Soloalbum von Michael Rother ist 1977 erschienen, und es ist ein Maximum an Herzschmerz, Kitsch und Opulenz.

Ich habe Rothers Solowerk jahrelang verschmäht, was vielleicht an den schwer zu ertragenden Albumtiteln lag – sie heißen Sterntaler oder Katzenmusik –, obwohl es mir mehrfach von vielen guten Menschen ans Herz gelegt worden war. Im letzten Liebeskummer landete Flammende Herzen schließlich doch noch auf dem Plattenteller und hat sich wochenlang nicht mehr wegbewegt. Warum? Weil man dazu heulen kann wie ein Schlosshund natürlich. Man entschuldige die Schwülstigkeit, aber das Album heißt ja auch Flammende Herzen und nicht etwa 4 Bit 9d Api+e+6 [126.26]. Die Stücke funktionieren wie guter Schlager, sind emotional, dick aufgetragen, melodiös, ohne dass eine einzige Zeile gesungen würde.

Flammende Herzen ist gewissermaßen die Antithese zum Proto-Post-Punk von »Hallogallo«, den Rother mit Klaus Dinger unter dem Namen Neu! fabriziert hatte. Auch wenn es keine klassischen Strophe-Refrain-Strukturen gibt, folgt jedes Stück einem klar definierten Thema, das von majestätischen Gitarren in höchste Höhen geschwungen wird. Am Schlagzeug sitzt Can-Drummer Jaki Liebezeit, gewohnt pünktlich und präzise wie ein Uhrwerk. Aufgenommen wurde bei Conny Plank, auch er ein Virtuose am Mischpult. Nun ist Virtuosität kein Kriterium für gute Musik, aber dass alle Beteiligten ziemlich genau wussten, was sie taten, hat dem Album zumindest nicht geschadet. Eingespielt wurde es in zwei Wochen, vielleicht der Grund, warum die Platte derart atmosphärisch dicht und wie aus einem Guss daherkommt. Man spürt die Dringlichkeit in jeder Sekunde.

PolydorLabels

1982 erschien dann dieses Album auf Polydor

Rother litt seinerzeit an Herzschmerz, weil seine Freundin in Köln studierte, er selbst lebte in Düsseldorf. Für Verliebte sind das Welten, dazwischen liegt ein ganzer Fluss. Die Sehnsucht musste also sublimiert werden und herausgekommen ist eine der emotionalsten Platten, die der sogenannte Krautrock je hervorgebracht hat. Zunächst von mehreren Plattenfirmen abgelehnt, verkaufte sich Flammende Herzen schließlich über 150.000 Mal (man kriegt die Platte heute auf jedem Flohmarkt nachgeworfen) und inspirierte Walter Bockmayer, den Meister des Kölschen Camp, zum gleichnamigen Film. Auch wenn es einflussreichere Alben von Rother und seinen Bandprojekten geben mag, hat auch diese Platte Spuren hinterlassen. (Sebastian Ingenhoff)

Wenngleich ich schon noch anmerken möchte, dass dieses Album gelegentlich arge Längen hat … aber das Titelstück darf man dennoch getrost zu den Klassikern deutscher Rockmusik zählen. sowas komponiert man auch nicht alle Tage … Aufnahmejahr: 1977

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Besetzung:
Michael Rother (guitar, keyboards, bass, synthesizer, percussion)
+
Jaki Liebezeit (drums)

BackCover

Titel:
01. Flammende Herzen 7.05
02. Zyklodrom 9.38
03. Karussell 5.22
04. Feuerland 7.10
05. Zeni 5.10

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Lude LaFayette’s Wolfsmond – Lude LaFayette’s Wolfsmond (1977)

FrontCover1.jpgAlso irgendwie war diese Band eine ganz und gar eigenartige Band: Da komponierte z.B. der Organist der Band, Lude LaFayette (ex- Rattles) das Album und herauskommt eine sehr gitarrenlastiges Album … so, als würde er sein eigentliches Instrument verleugnen …

Jochen Peters wurde am 13. Januar 1953 in Bremen geboren und verstarb völlig unerwartet am 11. April 2003 in Achim bei Bremen. Damit wäre seine Geschichte auch schon fasst erzählt, wenn er keine Spuren der Nachwelt und nicht ein tiefes Loch bei seinen Fans, Weggefährten und Freunden hinterlassen hätte. „Lu Lafayette“ wäre im Januar dieses Jahres 55 Jahre alt geworden. Zeit, sich zu erinnern.

Seine Tour als Musiker begann in einer der vielen zahllosen Bands in seiner Stadt, wie bei vielen anderen auch. Bereits mit 13 Jahren als Schüler, bediente er als Keyboarder 1966 die Tasten bei „Mama McPottle‘s Brand New Kids“ um sich dann, ein Jahr später, dem Rock und Soul bei der „Street Arab Group“ zu verschreiben.

In diesen ersten Jahren ging er ein Stück seines Weges mit Wolfgang “Timber“ Litter, den er aus den verschiedenen, gemeinsamen Bands her kannte und mit ihm zusammen gespielt hatte. Beide machten zwischenzeitlich ihr eigenes Ding, „Lude“ bei den „Feeling & Inspiration“ und Wolfgang kam von der „Group of Soulspiration“, um sich in einer Formation namens „Panzer“, die Ryhthm‘ n Blues zum Besten gab, wiederzufinden. Auch diese Verbindung war von kurzer Dauer. Wolfgang verabschiedete sich in Richtung „Tomorrow Too“ und „Lude“ gab ein Gastspiel bei der „Zwergenschule“.

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Lude LaFayette mit den Rattles, 1974

Hier traf er mit Musikern, wie dem Bassisten Joseph “Joe“ Hess und dem Drummer Kai Stellmann zusammen. Diese musikalische Zusammenarbeit sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt noch auszahlen. Die Band zerwarf sich über musikalische Differenzen. Joe Hess und Kai Stellmann gründeten die Formation „Heizöl“ wärend „Lude“ sich der Band „Tomorrow Too“ anschloss, bei der er, neben Luc Bertin (org.), die Keyboards bediente.

Die Band firmierte um und nannte sich nun „Gash“ und blieb ihrer progressiven Linie treu, wobei vornehmlich Eigenkompositionen von „Lude“ zum ständigen Repertoire gehörten. In den frühen 70er Jahren wurden eine Single und eine LP veröffentlicht. Die Gruppe löste sich 1973 auf, als „Lude“ ein Angebot der Hamburger Altmucker, den Rattles bekam, die in den frühen sechziger Jahren noch als Beat-Band ihre Erfolge feiern konnten, wie etwa 1962 den Titel „Beste Beat Band “ im Hamburger Star-Club, von denen allerdings zu diesem Zeitpunkt und aus dieser alten Zeit nicht mehr viel übrig war. Auch war der Zenit des Hits „The Witch“, geschrieben von Herbert Hildebrand, im Nebel der kurzlebigen „Hit Line International“ auf dem absteigenden Ast und Herbert Hildebrand war längst bei „Mademoiselle Ninette“ u.a. angekommen.

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Wolfsmond, 1976

Was „Lude“ also vor gefunden hat, waren nicht etwa Achim Reichel oder Herbert Hildebrand, die sich längst verabschiedet hatten, sondern eher solche nicht minder guten Mucker wie Frank Mille (git.), „George“ Meier (git.), Kurt „Zappo“ Lüngen (bass) und Wolfgang “Al“ Brock am Schlagwerk sowie Edna Béjarano (voc.) die gedanklich aber eher schon gegangen als geblieben war. Ihr folgte kurze Zeit später die Sängerin Linda Fields und dem Drummer Wolfgang Brock, der Bremerhavener Trommelwirbler George B. Miller.

 

Eine kleine Weile ging alles gut und neue Erfolge stellten sich zum Einen nicht und zum Anderen irgendwie doch ein. Das Album „Gin Mill“ aus der Feder von „Lude“ und Frank Mille floppte.

Jedoch wurde 1975 mit der Formation „Linda & the Funky Boys“, die mit der Besetzung der damaligen „Rattles“ identisch war und eigentlich nur als Notlösung der Plattenfirma RCA für den deutschen Markt hergehalten hatte, der Topseller „Shame, shame, shame“ (RCA
PPBO-4052) als deutsche Antwort des gleichnamigen Titels von der amerikanischen Sängerin „Shirley“, auf den Markt gebracht und verkaufte sich innerhalb kürzester Zeit ausgesprochen gut.

Frank Mille, der Kopf der Truppe, forciert nunmehr verstärkt „Linda“ und der Rest wurde immer mehr zu den „Funky Boys“ was für die Band eher nicht „Funky“ war und schon gar nicht für „Lude“, der im Hinterkopf ganz andere Ideen im Orbit kreisen ließ.

Zusammen mit den ehemaligen Bandkollegen George Meier (git., voc.), Rico Christian (git., voc.), Joseph “Joe“ Hess (bass) und Kai Stellmann (dr. ), hebt er 1977 sein Erstlingswerk „Lu Lafayette´s Wolfsmond“ aus der Taufe. Produzent ist Frank Mille und die Hamburger Plattenfirma „Bellaphon“ ist mit im Boot.

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Wolfsmond, 1978

Den Leuten gefällt es. „Ludes“ Stil zu singen, seine tiefsinnigen aber dennoch poetisch verfassten Texte überzeugen genau so, wie das exzellente Gitarrenspiel eines George Meier, der damit schon bei Bands wie Cravinkel oder Rattle Pie & Family (später wurde daraus Randy Pie & Family bzw. Randy Pie) überzeugte.

Für Jochen „Lu Lafayette“ Peters beginnt eine kleine Erfolgsgeschichte. Weitere Alben, nun unter dem Bandnamen „Wolfsmond“, erscheinen. Doch der große Durchbruch bleibt trotz überregionaler Beachtung aus.

Der sensible Künstler zieht sich zurück. Lernt seine große Liebe „Joey-Ann“ in einem Bremerhavener Lokal kennen. Hoffnung lodert. Mit ihr geht er für ein halbes Jahr nach Hawaii und heiratet. Nach seiner Rückkehr, sie bleibt auf dem Eiland zurück, stürzt er sich in neue Arbeit und heuert u.a. bei den Emsland Hillbillies als Gitarrist und Keyboarder an. Daneben steigt er kurzzeitig, bei der Deutsch-Portugiesisch-Chilenischen Fusion der lateinamerikanischen Solisten „Cocktail Tropical“ mit ein und tingelt.

Doch auch dieses Schiff segelt nicht den Kurs den er als Kapitän gerne segeln wollte und sich eher als Vollmatrosen beschäftigt sah.

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Wenn schon nicht als Musiker, dann wenigstens als musikalischer Leiter. „Lu“ wird das mit dem Musical „Linie 1“, die ihn schon ihn seiner Jugend begleitet hat, am Bremerhavener Stadttheater von 1988 bis zum Jahr 1990. Doch er ist Mucker. Das liegt ihm im Blut. Nicht die kurzweiligen Stunden der Bühne, vor der jeden Abend der Vorhang fällt, das Licht ausgeht und man allein mit sich und der Welt bleibt.

In diesem Loch tauchen Freunde, Gönner und Sponsoren auf. Neuer Mut tut sich auf und „Wolfsmond“ wird reanimiert. Das Album „Auf heißer Spur“ entsteht und wird eigentlich nur von wahren Fans der Band um „Lu“ zu barer Münze gemacht. Eine „Kleine Miss Berlin“ reißt niemanden von den Sitzen obwohl diese zu einer Auskopplung als Single herhalten musste.

Es sieht so aus, das „Wolfsmond“ ein Stück Geschichte bleibt. Unter dieser Fahne erscheint zwar noch das ein oder andere Werk dieses Ausnahmemusikers doch besiegelt er zusehends selbst sein Kismet. „No oil no dust“ lautet der Name der Formation mit der er 1995 das Werk „Crazy Walking“ mit der in Hannover ansässigen Band „Victory“ einspielt und eher damit an J.J.Cale oder Tony Joe White erinnert als an seine Musikalität.. Auch die zweite Scheibe „No Rush“ floppt eher als das sie tatsächlich Beachtung fand.

Es muss die Enge seiner vier Wände in Bremerhaven sein, zu der nur noch sein alter Freund George Meier zugelassen wird, die das in einem Bremer Studio eingespielte Album „Im Tempel des Adlers“ für ihn Wirklichkeit werden läßt. Vorbei die leichte Heiterkeit seiner Songs und Balladen.

Ein Lichtblick bleibt jedoch aus. Ein letztes Mal steht er mit seinen alten Freunden, George & George und den „Hagen Allstars“ auf der Bühne. Diese hat er sich schwer erarbeitet und man spürt, das er mit seinen Songs dafür gelebt hat und Herzblut daran klebt.

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Mit den Hagen Allstars: v. l. n. r.: Lude Lafayette, Peter Henken, George B. Miller, George Meier, Heine de Witt (Toning), Heike Roes, Josch Roes, Willi Eickhoff, vorn v. l. n. r.: Kai Fiefstück, Dago Roes

Sein Leben war „Beinah ein Hauch von Einsamkeit“ aber manchmal ein „Engel“ oder „Wie der Wind so frei“. Gewiss jedoch – „Für mich ist es Rock ´n Roll“. (Joe Schmidt)

Und anläßlich seines Todes schrieb sein alter Weggefährte George Meier eine Nachruf:

Lu Lafayette (Jochen Peters) ist tot. Der jahrzehntelang in Bremen und Bremerhaven und mit Bremer und Bremerhavener Künstlern wirkende Musiker starb am 11. April in Achim im Alter von 50 Jahren.

Seine Band Wolfsmond war Stammgast in der Seestadt und Bremen und erlangte bundesweite Erfolge. Viele der Wolfsmond Hits wie „Für mich ist es Rock n‘ Roll“ oder „Wie der Wind so frei“ stehen noch heute in den Playlists der Radiostationen.

„Ich steh‘ auf’m Bahnhof vor’m Zeitschriftenstand,
Und halte den Revolver versteckt in meiner Hand,
Auf die einsame Menge werfe ich einen Blick
Alle hier scheinen mir auf der Suche nach dem kleinen Glück“

Vier Zeilen aus dem Lied „Beinah ein Hauch von Einsamkeit“ des Bremer Rockpoeten Lu Lafayette (Jochen Peters), der in den 70er und 80er Jahren in Bremen und Bremerhaven viele Akzente setzte.

Jede Zeile ein Viertel seines Lebens, das der talentierte Musiker zuletzt nur noch vereinsamt in seinen eigenen, oder den „fremden“ vier Wänden seiner Mutter verbrachte.

Wie ein roter Faden ziehen sich Schicksale anderer großer Künstler wie Jim Morrison oder Beach Boy Brian Wilson durch seine musikalische Laufbahn. Meist introvertiert, verunsichert und einsam in der Menge, fehlte Lu Lafayette sich nur auf Bühnen und in Studios zuhause, wo er all seine Kraft und Liebe in seine Lieder packte und seine Seele für jeden offenbarte, der bereit war, ein paar Schritte mit ihm auf seinem Weg zu gehen, auf dem ihm ein paar wenige Male das „kleine Glück“ begegnete.

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Dazu gehört sicherlich, dass 1977 das erste Album (Lu Lafayette Wolfsmond) von Frank Mille produziert wird und sofort eine Plattenfirma findet. Eine Scheibe über Liebe, Reisen,

Freiheit, die alten Rock-Archetypen des Fremden und des Einsamen (Wolfs).

Das Fernsehen entdeckt Wolfsmond, Ilja Richter lädt ein zur Disco mit „Das hat Spaß gemacht“, natürlich dem „kommerziellsten“ Mitsinger auf der LP. Aber hört auch jemand die Tiefen der Sehnsüchte des Künstlers außer den Musikern in seiner eigenen Band und den Freunden, die glauben, ihn zu kennen?

Vielleicht die deutsche Bundesfilmpreisträgerin Uschi Reich, die Wolfsmond einlädt, in ihrem zweiten Spielfilm „Keiner kann was dafür“, einer Geschichte über das Problem der Jugendarbeitslosigkeit, mitzuwirken und die Musik zu liefern. Der Streifen bekommt aber nicht die „ausgezeichnete“ Bewertung wie das Erstlingswerk und wird nur zweimal im ZDF gesendet.

Der erhoffte, durchschlagende Erfolg bleibt also aus, nicht aber ein zweiter Vertrag. „Radio Rock n‘ Roll“ fällt spürbar rockiger aus als das Debütalbum, und wie schon auf dem Vorgänger steuert der gebürtige Bremerhavener Herzblutmusiker George Meier seine unvergleichlichen Gitarreneinwürfe und Soli bei. Es ist dann auch George, der bis Ende 1982 als einziges Mitglied der Band dabei bleibt. Beide Individualisten ergänzen sich hervorragend, der eine fühlt was der andere denkt, Ton für Ton, Zeile für Zeile, Beat für Beat.

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Aus der Zeitschrift „Pop“

Die folgenden drei Alben werden in immer wechselnden Besetzungen eingespielt, und es wird immer deutlicher, dass Wolfsmond eigentlich nur zwei Musiker nötig hat, Lu und George.

Diese Freundschaft überdauert auch Lu’s Soloscheiben „Auf der Reise“ und „Ich vermiss dich“, die er mit Studiomusikern aufnimmt, und die sich wochenlang unter den Top 20 der deutschen Radiocharts tummeln. Das war vorher nur der Meier/Miller Nummer „Für mich ist es Rock n‘ Roll“ im typischen Wolfsmond-Gewand gelungen.

Aber es bleibt bei den Radio Hitlisten der Sender vom hohen Norden bis zum „Weißwurstäquator“, und das reicht einer Plattenfirma bei durchschnittlichen Verkaufszahlen

nicht, um an einem Künstler festzuhalten. Das Kapitel Wolfsmond ist erst einmal beendet, und Lu geht mit seiner großen Liebe Joey Ann, die er in einer Bremerhavener Musikkneipe kennen und lieben gelernt hat, für sechs Monate nach Hawaii.

Nach seiner Rückkehr ist er wieder allein. Joey Ann, die Lu inzwischen geheiratet hat, ist auf Hawaii geblieben, und er selbst deckt sich mit Arbeit ein. Dreieinhalb Jahre spielt er u.a. als Gitarrist und Keyboarder bei den Emsland Hillbillies. Für ein neues Album reicht das Material noch nicht, aber für ein von ihm arrangiertes Solowerk mit Coverversionen von Chuck Berry, den Rolling Stones und anderen Rock n¥ Roll Helden stehen mit einem Mal Sponsoren und Gönner seiner Talente vor der Tür. Es sieht so aus als würde alles gut, ja besser werden. Wolfsmond wird reanimiert, leider bleibt es bei vereinzelten Live-Auftritten. 1991 kommt die CD „Auf heißer Spur“ mit Bassist Helmut Hattler (Kraan) auf den Markt, wo sie aber auch bleibt.

Lu wendet sich anderen Ufern zu. Von 1988 bis 90 agiert er als musikalischer Leiter des Berliner Musicals „Linie 1ì am Bremerhavener Stadttheater.

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Doch immer wieder zieht es ihn in“ s Studio, um seine schier endlose Liste von Kompositionen auf einen Tonträger zu bekommen, aber das Thema Wolfsmond ist längst abgehakt. Für die vielen Fans der Band ist es zu einer unbegreiflichen Tatsache geworden. Es sind „nur“ noch Projekte, die hoffnungsvoll von Freunden finanziert werden, wie beispielsweise „No oil no dust“, das er mit Musikern der Hardrockband „Victory“ aus Hannover einspielt.

Doch danach zieht sich Lu immer mehr in ein einsames Privatleben zurück. Er geht kaum noch vor die Tür, und nur „Bruder“ George Meier hat uneingeschränkten Zutritt zu seiner Eremitenhütte im Hochhaus am Freigebiet.

Immer mehr werden die Tage zu Nächten, immer länger werden die Schatten seiner Einsamkeit, immer seltener wird sein geheimnisvolles Lächeln. Für sieben Konzerte schaffen es die Hagen Allstars, ihn im wahrsten Sinne des Wortes auf die Bühne zu schleifen, aber dann ist endgültig Schluss mit musikalischer Offenbarung.

Ein letztes Mal führt den, mit dem deutschen Musikpreis von der Phono Akademie ausgezeichneten Rockpoeten der Weg nach Achim, wo er fortan bei seiner Mutter lebt.

Seine einzige Verbindung zur Außenwelt ist das Telefon, ist der „Draht“ zu seinem Freund und musikalischem Mitstreiter Meier in Hagen.

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Kurios, aber passend zu der mystischen Welt, die Lude Lafayette um sich aufgezogen hatte, dass der Fernseher, den er seinem Freund Robert Wood (Bremen) geschenkt hatte, um 1:45 Uhr in der Nacht seines Todes das letzte Bild sendete.

Hier das Debütalbum … very laid back … der Gesang erinnert teilwreise stark an Mark Knopfler (nicht das Gitarrenspiel !), der war damals allerdings noch gar nicht bekannt …

Und „Beinah ein Hauch von Einsamkeit“ durchzieht dieses Album … ein programmatischer Titel angesichts dieser einerseits facettenreich, anderterseits tragischen Biographie.

So ganz warm wurde ich nicht mit diesem Album (sie ist mir zu schwermütig und depressiv), aber der Lude LaFayette scheint bei den Menschen „hoch im Norden“ bis heute eine unvergessene Kultfigur zu sein.

Und angesichts dieses Lebens, das scheinbar in völliger Isolation endete … verneige ich mich einfach mal.

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Die Singles zum Debütalbum

Besetzung:
Rico Christian (guitar, vocals)
Joseph Hess (bass)
George Meier (guitar, vocals)
Jochen „Lude LaFayette“ Peters (vocals, keyboards, guitar)
Kai Stellmann (drums)

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Titel:
01. Wie der Wind so frei 3.02
02. Morgen muss ich gehn 3.50
03. Beinah ein Hauch von Einsamkeit 4.02
04. Nachtexpress 3.21
05. Wie du es haben willst (Soll es sein) 3.25
06. Das hat Spass gemacht 2.17
07. Engel 3.55
08. Wir sind uns nah 3.16
09. Mädchen aus Amerika 4.10
10. Noch bevor heute Nacht der Mond aufgeht 5.40
11. Ameland 3.53

Musik und Texte: Jochen Peters alias Lude LaFayette

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Marianne Rosenberg – Einen Tag mehr als für immer + Wir können es beide (1977)

FrontCover1Nicht gerade meine Traum-Schlagersängerin, aber natürlich hat auch sie ein Plätzchen hier verdient:

Marianne Rosenberg (* 10. März 1955 in Berlin-Lankwitz) ist eine deutsche Pop- und Schlagersängerin, Komponistin, Texterin und Buchautorin.

Marianne Rosenberg ist das dritte von sieben Kindern von Otto Rosenberg, einem Sinto und Überlebenden des Völkermords an den europäischen Roma und Sinti (Porajmos) und langjährigen Vorstandsmitglied des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma. Sie wuchs in einer Sinti-Künstlerfamilie auf. Ihre Schwester Petra Rosenberg ist die Vorsitzende des Landesverbandes Deutscher Sinti und Roma Berlin-Brandenburg.

Im Alter von vierzehn Jahren gewann Marianne Rosenberg einen Talentwettbewerb im Romanischen Café im Europa-Center. Danach nahm sie ihre erste Schallplatte Mr. Paul McCartney auf, die ihr erster Erfolg wurde. Mit ihren weiteren Titeln Fremder Mann (1971), Jeder Weg hat mal ein Ende (1972), Er gehört zu mir (1975) und Marleen (1976) erreichte ihre Karriere in den 1970er-Jahren ihren Höhepunkt. Sie hatte zahlreiche Auftritte in Rundfunk und Fernsehen (darunter mehrmals in der ZDF-Hitparade) und war zu einem der erfolgreichsten Schlagerstars des Jahrzehnts avanciert.

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Die erste Single, 1970

1975 nahm sie erstmals an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil, platzierte sich aber mit ihrem Lied Er gehört zu mir nur auf Platz 10. Trotzdem wurde das Lied zum Hit. 1976 und 1977 erhielt sie jeweils den bronzenen Bravo Otto der Jugendzeitschrift Bravo. 1976 sang sie bei der luxemburgischen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest Tout peut arriver au cinéma (Lieder der Nacht). Sie scheiterte aber an ihrem Landsmann Jürgen Marcus, der für Luxemburg zum Finale nach Den Haag fuhr. Die deutsche Vorentscheidung 1978, bei der Marianne Rosenberg mit Nein, weinen werd’ ich nicht Platz 7 erreichte, wurde nur im Radio und nicht im Fernsehen ausgestrahlt.

1980 versuchte sie sich dann abermals bei der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. Ihr Titel Ich werd’ da sein, wenn es Sturm gibt erreichte jedoch nur Platz 12. Nicht wesentlich besser erging es ihr bei der deutschen Vorentscheidung 1982, als sie mit Blue-Jeans-Kinder Platz 8 erreichte. Mit der Schlagerszene brach sie danach jahrelang, machte Filme und nahm Platten mit Vertretern der damaligen Neuen Deutschen Welle, speziell mit Extrabreit, auf. Das mit dieser Band eingespielte Lied Duo Infernal (Rückkehr der phantastischen Fünf) fällt insbesondere durch seinen punkigen Charakter auf; zudem ist der Song erotisch gespannt: „Alles was ich auf mir fühle, sind Deine Hände auf mir – Du nimmst mir das Bewußtsein, und dafür danke ich Dir“.

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Um aus eingefahrenen Bahnen auszubrechen, änderte sie Ende der 1980er Jahre ihr Auftreten, gab sich mit schrillen Bühnenauftritten ein neues Image und bezog darüber hinaus zu politischen Themen Stellung. Auch mit ihren neuen Songs hatte sie einschlägigen Erfolg und avancierte – für sie unerwartet – damit zur Ikone der Schwulenbewegung.

1988 wurde ein Remix ihres großen Hits Er gehört zu mir als Single veröffentlicht und lenkte durch hohen Airplay-Einsatz erneut die Aufmerksamkeit auf die Sängerin. 1989 sang sie für den Soundtrack der Fernsehserie Rivalen der Rennbahn den Song I need your love tonight, produziert von Dieter Bohlen, der auch Text und Musik schrieb, und hatte damit einen Überraschungserfolg, so dass das Lied unter den Top 60 Platz finden konnte. Der Soundtrack wurde zum erfolgreichsten Album zu einer deutschen Fernsehserie.

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Ilja Richter & Marianne Rosenberg

Im Sog des Erfolgs der beiden vorangegangenen Singles veröffentlichte Marianne Rosenberg ihr neues Album Uns verbrennt die Nacht und hatte mit der ersten Single Ich denk an Dich einen der größten deutschen Hits im Jahr 1989. Weitere erfolgreiche Single-Auskopplungen folgten. Das Album war in Zusammenarbeit mit dem Produzenten Harald Steinhauer entstanden, der auch bei ihren nächsten Alben Und Du kannst nichts dagegen tun und Feuerrosen die Produktion übernahm.

1994 nahm sie mit Dieter Bohlen einen weiteren Song in englischer Sprache auf. Anywhere I Lay My Head erschien auf dem Soundtrack zu der ZDF-Serie Die Stadtindianer, wurde jedoch nicht als Single veröffentlicht.

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1996 war sie eine der Künstlerinnen, die mit einem Gedenkkonzert von Rio Reiser Abschied nahmen. Nach einer Reihe von erfolgreichen Alben, die im Laufe der neunziger Jahre erschienen waren, darunter die im Studio live eingesungene Doppel-CD 5 Tage & 5 Nächte, veröffentlichte sie 1998 ihr Album Luna, mit zum großen Teil selbstkomponierten Songs und Texten ihrer Freundin Marianne Enzensberger. Luna wurde ein Jahr später nochmals veröffentlicht, angereichert um eine im Radio sehr erfolgreiche Coverversion des Cher-Hits Strong enough. Es folgte das Album Himmlisch, welches sich aber schlechter verkaufte, als Vorabkritiken vermuten ließen. Es wurde von Alex Christensen produziert, der im Techno-Genre wie mit U 96 „Das Boot“ bekannt wurde.

Im Jahr 2000 lehnte die Künstlerin einen gemeinsamen Auftritt mit ihrem Vater in einer Fernseh-Show mit den empörten Worten ab: „Die wollen Rosenberg-Schlager garniert mit einer Prise Auschwitz … Das ist eine Respektlosigkeit gegenüber meinem Vater.“

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2004 spielte sie unter dem Titel Für immer wie heute sehr erfolgreich ihre großen Hits und ein paar neue Tracks in völlig neuen Arrangements ein. Das Album erreichte die Top 20 der deutschen Albumcharts, die Singles erreichten die Top 100. Eine Pop-Tour zu dieser Platte war 2004/2005 überaus erfolgreich. Parallel dazu trat sie in einigen deutschen Städten mit einem Chanson- und Liederprogramm auf, das aus der Zusammenarbeit mit Christian Schodos 2003 entstand und das die beiden damals unter dem Titel cocktails for two in der Berliner „Bar jeder Vernunft“ uraufführten.

Im September 2006 veröffentlichte Marianne Rosenberg ihre Autobiografie Kokolores, erster TV-Termin hierzu war die ARD-Sendung Beckmann am 11. September 2006. Liveauftritte mit dem Jazzkonzept folgten im September und Oktober 2006. Auf dem zugehörigen Hörbuch zur Biografie sind vier Musikstücke als Bonus vertreten. Ihr Erstlingswerk als Schriftstellerin und Buchautorin wird als bedeutend rezipiert und rezensiert. So führt das Goethe-Institut ihre Autobiografie bei vier zum Genre Literatur der Sinti und Roma gewählten Rezensionen zusammen mit den Sintizze Philomena Franz und Dotschy Reinhardt auf.[2] Im März 2008 erschien das Chanson- und Jazzalbum I’m a woman. Am 17. Oktober 2008 nahm sie an einem Nico-Tribut-Konzert teil. An der Volksbühne Berlin sang sie drei Lieder zur Ehre der verstorbenen deutschen Ikone, unter anderem Femme Fatale von The Velvet Underground und My Funny Valentine.

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Im Jahre 2009 sprach und sang Marianne Rosenberg die Rolle der Mama Odie im Disney-Zeichentrickfilm Küss den Frosch. Ende Februar 2011 veröffentlichte sie ein neues Album mit 13 Titeln unter dem Namen Regenrhythmus. Außerdem erschien im August 2011 die Single Die Ballade von Wolfgang und Brigitte der Berliner Band Wir sind Helden, auf der auch eine Version des Liedes mit Marianne Rosenberg als Sängerin enthalten ist.

Im Oktober 2013 wurde bekannt gegeben, dass Marianne Rosenberg in der Jury der elften Staffel von Deutschland sucht den Superstar sitzt, zusammen mit Dieter Bohlen, dem Rapper Kay One und der Frontsängerin Mieze Katz der Elektropop-Gruppe Mia. Zuvor war sie als scharfe Kritikerin der Castingshows aufgetreten. Sie begründete ihre geänderte Auffassung damit, dass man ihr glaubhaft zugesichert habe, dass von nun an „Talente eine ehrliche Chance bekommen“.

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Zusammen mit dem Produzenten Dirk Riegner gründete Rosenberg die Band „Schattenherz“. Das Album Das Leben ist schön erschien am 11. Oktober 2013. Ihr langjähriger Lebensgefährte ist der Journalist und Politiker Michael Klöckner.

Laut eigener Aussage hatte Rosenberg Ende der 1970er-Jahre eine dreijährige Liebesbeziehung mit dem Moderator Ilja Richter, die beide auf Drängen Rosenbergs Plattenfirma jedoch verheimlichten. Sie selber sagte später über diese Zeit: „Wir wollten sogar heiraten und eine Familie gründen“ (Quelle: wikipedia)

Na, zu der Love-Story mit traurigem Ausgang passt dann gleich der Song auf der B-Seite dieser Single „Wir können es beide (wenn wir es nur woll’n)“ … das überraschenderweise ganz schön intensiv und fast hypnotisch daher kommt … die Lange Fassung verstärkt da noch diesen Eindruck und diese Wirkung (man achte dabei u.a. auf das Saxophon Solo !).

Da kommt die A-Seite kaum mit, wenngleich auch diese – ich staune selber – durchaus seinen Charme hat … nicht das ich deshalb ein Rosenberg Fan werde… aber eins ist klar: die Facetten der Mrianne Rosenberg scheinen sehr schillernd zu sein … vielleicht lohnt sich da ja ne kleine Entdeckungsreise.

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Besetzung:
Marianne Rosenberg (vocals)
+
eine kleiner Haufen von Studiomusikern

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Titel:
01. Einen Tag mehr als für immer (solang‘ werde ich dich lieben) (Heider/Heilburg) 3.12
02. Wir können es beide (wenn wir es nur woll’n) (Heider/Heilburg) 5.00
+
03. Wir können es beide (wenn wir es nur woll’n) (lange Version) (Heider/Heilburg) 9.19

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Tony Holiday – Tanze Samba mit mir + Die Hoffnung bleibt (1977)

FrontCover1Was tut man so, wenn man 4 Tage keinen Netzanschluß hat (wie es mir mal vor etlichen Jahrem erging): Man philosophiert über den Service der Telekomiker; was tut man, wenn man darüber hinaus von einer heftigen Magen-Darm-Grippe drangsaliert wird: man  stöbert in den wenigen Stunden einer gewissen Klarheit durch das Single-Archiv, stolpert über so einen Song wie „Tanze Samba mit mir“ und denkt sich, na … das könnte ich ja auch mal digitalisieren … mir wird schon was einfallen, was ich dazu schreiben könnte …

Denkste ! Pustekuchen !

Die Geschichte jenes Tony Holiday ist zugleich eine Geschichte von Glanz und Elend der deutschen Schlagerwelt, wie sie „besser“ nicht geschrieben werden könnte:

Tony Holiday (* 24. Februar 1951 in Hamburg als Rolf Peter Knigge; † 14. Februar 1990 ebenda) war ein deutscher Schlagersänger und Texter.

Knigge war zunächst als Textilkaufmann und Modedesigner tätig. 1974 bekam er einen Plattenvertrag bei Hans Bertram, der ihm seinen Künstlernamen verschaffte. Die ersten Singles waren jedoch kaum erfolgreich. Der Durchbruch kam 1977 mit der deutschen Aufnahme des Raffaella Carrà-Titels A far l’amore comincia tu, der unter dem Titel Tanze Samba mit mir, produziert von Jürgen Kramer, zum Superhit wurde, der wochenlang in den Charts vertreten war. Auch trat er damit mehrmals bei der ZDF-Hitparade auf. Die Folgetitel waren nur mittelmäßig. 1979 beteiligte er sich mit dem Titel Zuviel Tequila, zuviel schöne Mädchen an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest und belegte den neunten Platz.

Dann kam 1980 ein zweiter großer Erfolg mit Nie mehr allein sein, der deutschen Aufnahme von Sun of Jamaica. Holiday war auch weiterhin Gast in zahlreichen Musiksendungen des Fernsehens und brachte auch während der 1980er Jahre noch einige Singles auf den Markt.

Holiday starb 1990 an den Folgen von AIDS. (Quelle: wikipedia)

TonyHoliday

Fakt scheint zu sein, dass er seine Homosexualität stets unter der Decke halten musste („Er durfte seine Homosexualität nicht öffentlich ausleben, weil er für seine Fans den Frauenhelden spielen musste.“ – Bild-Zeitung; vermutlich hat diese Gazette hier ausnahmsweise mal recht).

Und so hinterlässt diese Single mit seinem großem Hit (eine deutsche Interpretation des Raffaella Carrà Titels „A far l’amore comincia tu“) einen mehr als schalen Beigeschmack …

TonyHoliday2

Besetzung:
Tony Holiday (vocals)
+
und ein Haufen unbekannter Studiomusiker

TonyHoliday

Titel:
01. Tanze Samba mit mir (Parce/Bracardi/Holiday) 2.40
02. Die Hoffnung bleibt (Griff/Chambosse) 3.58

LabelA1

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Peter Kreuder mit der ORF Big Band ‎– Peter Kreuder spielt Udo Jürgens (1977)

FrontCover1Tja, da spielt der Großmeister der deutsch – österreichischen Unterhaltungsmusik (geboren ist er ja in Aachen, aber 1959 wurde er dann ganz offiziell Österreicher … begraben ist dann aber wiederum in München …) spielt Melodien von Udo Jürgens.

Und glaubt man dem Covertext, so konnte Udo Jürgens gar nichts besseres passieren, als dass Peter Kreuder sich seiner Melodien annahm:

„Peter Kreuder, als Pianist ebenso populär wie als Komponist, spielt 12 Lieder von Udo Jürgens, Hits, die heute schon zu Evergreens geworden sind. Kreuder hat selbst ungezählte immergrüne Melodien geschrieben. Mit dieser Langspielplatte erweist er dem jüngeren Kollegen seine Reverenz. „Denn Udo Jürgens ist eine der wenigen Ausnahmeerscheinungen am trüben deutschen Unterhaltungshimmel“, sagt der „Poet am Klavier“, wie Peter Kreuder oft genannt wird. Einhellige Kommentare zu der Produktion: Diese Instrumentalversionen verdeutlichen einmal mehr, wie reich an musikalischen Einfällen die Kompositionen von Udo Jürgens sind, wie viel melodische Substanz sie besitzen. Die von Robert Opratko liebevoll arrangierten Titel zeigen aber auch, daß sich der Komponist Udo Jürgens keinen einfühlsameren und verständnisvolleren Interpreten als Peter Kreuder wünschen kann.“

Nun ja, mir sind die Originale von Udo Jürgens schon deutlich lieber (allein schon wegen der Stimme !), aber dennoch: ganz nett zum anhören … eine amüsante Ergänzung für den Udo Jürgens Sammler allemal.

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Besetzung:
Peter Kreuder (piano)
+
ORF Big Band unter der Leitung von Robert Opratko

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Udo Jürgens + Peter Kreuder

Titel:
01.  Illusionen (Alexandra/Jürgens) 3.44
02.  Zeig mir den Platz an der Sonne (Hachfeld/Jürgens) 3.27
03.  Was wirklich zählt auf dieser Welt (Jürgens/Brandin) 2.42
04. Griechischer Wein (Kunze/Jürgens) 3.28
05. Was ich dir sagen will (Fuchsberger/Jürgens) 2.48
06. Warum nur, warum (Jürgens) 2.28
07. Matador (Jürgens/Brandin) 3.17
08. Ich glaube (Jürgens/Brandin) 3.12
09. Merci Chérie (Hörbiger/Jürgens) 2.33
10. Wenn ich die Zarin von Rußland wär (Hachfeld/Gmür/Jürgens/Brandin) 3.11
11. Siebzehn Jahr, blondes Haar (Hörbiger/Jürgens) 2.27
12. Sag ihr, ich laß sie grüßen (Bohlen/Jürgens) 2.48
+
13. Ich werde jede Nacht von Ihnen träumen (Kreuder/Schröder/Beckmann) 2.50

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Johanna von Koczian – Das bisschen Haushalt sagt mein Mann + Ein Spaziergang im Wald (1977)

FrontCover1Auch und selbst in der Welt des Schlagers gehen und gingen gesellschaftliche Entwicklung nicht vorbei.

Aber erstmal der Reihe nach:

Johanna von Koczian (* 30. Oktober 1933 in Berlin als Johanna von Miskolczy) ist eine deutsche Schauspielerin, Sängerin, Schriftstellerin und Synchronsprecherin mit ungarischen Vorfahren.

Johanna von Koczian ist die Tochter von Gustav von Koczian-Miskolczy und seiner Ehefrau Lydia Alexandra. Von Koczian begann ihre Karriere in den 1950er Jahren. Sie spielte im Theater aufgrund ihres Gesangstalents vor allem in Musicals. Ihre Theaterausbildung erhielt sie von 1950 bis 1952 am Mozarteum Salzburg; bereits ab 1951 war sie bei den Salzburger Festspielen engagiert. 1952/53 spielte sie am Landestheater Tübingen, 1953 wurde sie an den Städtischen Bühnen Wuppertal engagiert. Ab 1955 spielte von Koczian am Schillertheater und am Schlosspark Theater in West-Berlin. Ihre erste Filmrolle hatte sie in dem Remake von Viktor und Viktoria 1957. Im folgenden Jahr besetzte sie die weibliche Hauptrolle in Wir Wunderkinder, wo sie an der Seite Hansjörg Felmys und des Kabarettistenpaars Wolfgang Neuss und Wolfgang Müller zu sehen war.

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Johanna von Koczian im Jahr 1965

Daneben war sie auch als Synchronsprecherin tätig und lieh u. a. Elizabeth Taylor (in Plötzlich im letzten Sommer) und Bibi Andersson (Wilde Erdbeeren, Das siebente Siegel) ihre Stimme. 1966 synchronisierte sie ferner Maria Marlow in dem Reinl-Zweiteiler Die Nibelungen.

In der erfolgreichen Fernsehserie Stewardessen (1969) hatte Johanna von Koczian eine Hauptrolle.

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In den späteren Jahren konzentrierte sich ihre Arbeit vor allem auf das Theater, und so tritt sie bis heute oft in Boulevard-Theaterstücken auf, die auch für Tourneen produziert werden. So feierte sie zum Beispiel 1990 am Theater am Kurfürstendamm einen großen Erfolg mit dem Stück Endlich allein an der Seite von Wolfgang Spier und Michael von Au. 1993 spielte sie neben Felix Dvorak und unter dessen Regie bei den Festspielen Berndorf die Frau Peschka in Das Kamel geht durch das Nadelöhr und 1995 erneut unter der Regie von Dvorak bei den Komödienspielen Mödling die Fürstin Eugenie in Molnars Olympia. Im Fernsehen wirkte sie vor allem in Serien wie Das Traumschiff, Die Landärztin, Praxis Bülowbogen oder Berliner Weiße mit Schuß. Ganz in ihrem Element war sie auch in den Filmen Single Bells und O Palmenbaum.

In den 1970er Jahren hatte sie große Erfolge als Sängerin von Schlagern wie Keinen Pfennig (1974), Das bisschen Haushalt (1977), Aufsteh’n ist schön (1978), Ganz der Vater (1978) oder Karl, gib’ mal den Hammer rüber (1979). Dabei trat sie auch in der ZDF-Hitparade auf. Als Moderatorin arbeitete sie danach auch einige Zeit in dem langjährigen ZDF-Musikquiz Erkennen Sie die Melodie?.

Johanna von Koczian04Seit 1977 war sie auch als Schriftstellerin tätig, zunächst als Verfasserin von Kinder- und Jugendliteratur. Auf der Basis ihrer beiden Novellen Abenteuer in der Vollmondnacht und Der geheimnisvolle Graf entstand 1982 die dreizehnteilige Fernsehserie Unterwegs nach Atlantis, und als Fortsetzung schrieb sie den Jugendroman Flucht von der Insel.

Auf der Bühne der Berliner Komödie am Kurfürstendamm hatte Johanna von Koczian am 7. November 2010 ihre bisher letzte Theaterpremiere in Peter Quilters Stück Glorious.

Nach einer kurzen Ehe mit dem Regisseur Dietrich Haugk, die 1961 geschieden wurde, heiratete Johanna von Koczian den Musikproduzenten Wolf Kabitzky, der im Jahre 2004 starb. Sie ist die Mutter der Schauspielerin Alexandra von Koczian. Seit 2017 lebt von Koczian aufgrund einer Demenzerkrankung in einem Berliner Pflegeheim. (Quelle: wikipedia)

Und hier eine ihrer Singles, die tatsächlich ziemlich erfolgreich war … sie tummelte sich ziemlich lang in den Hitparadenden BRD.

Und das lag natürlich an der A-Seite der Single:

„Das bisschen Haushalt macht sich von allein – sagt mein Mann!“ Mit diesem Chansonschlager, dessen Wiedererkennungseffekt unglaubliche 36 Jahre überdauert hat, brachte es Johanna von Koczian 1977 fertig, als Schauspielerin die ZDF-Hitparade zu dominieren. Das Lied tanzte damals auf dem Scheitelpunkt zwischen altem Hausfrauen-Schmollen und neuem Aufbegehren. Für die Künstlerin war es eine der raren Gelegenheiten, an die Doppelleistung früher Erfolge anzuknüpfen.“ (Quelle: faz.net)

Hir hören wir also ne kleine Alice Schwarzer in der Schlagerwelt … wie gesagt: bestimmte gesellschaftliche Entwicklungen gingen selbst an der Schlagerwelt nicht vorbei,

Und na ja, gegen einen „Ein Spaziergang im Wald“, insbesondere an einem Sonntag, kann ja nun wirklich keiner was haben …

Aber und und meine Gedanken wandern zu Johanna von Koczian, die von all diesen Ereignisse wohl nichts mehr weiß.

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Besetzung:
Johanna von Koczian (vocals)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

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Preisfrage: Worin unterscheidet sich die Rückseite der Hülle von der Forderseite der Hülle ?

Titel:
01. Das bisschen Haushalt sagt mein Mann (Mayer/Bradtke) 2.58
02. Ein Spaziergang im Wald (Mayer/Behrle) 2.52

LabelB1

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Original Siebenbürger Blasmusik München – Melodien der Heimat (1977)

FrontCover1All diese Landmannschaften aus dem Osten des deutschen Reiches betrieben ja eifrig die kulturelle Pflege ihrer Gebräuche, Texte und natürlich ihrer Musik aus der verlorengegangenen Heimat.

Ein gutes Beispiel dafür ist die Kapelle „Original Siebenbürger Blasmusik München“:

Die älteste siebenbürgisch-sächsische Blaskapelle in Deutschland wurde 1949 gegründet und wird seit 1997 von Werner Schullerus dirigiert. Die 23 Musiker proben jeden Mittwochabend im Haus des Deutschen Ostens für ihre Auftritte im Großraum München sowie im Rahmen des Verbandes der Siebenbürger Sachsen: Kronenfest, Umzüge, Trachtenfeste, Tanzabende, Starkbierfest, Oktoberfestumzug, usw. Das Repertoire reicht von klassischer Blasmusik über Schlager, Oldies bis hin zu Stücken im konzertanten Stil und Big-Band-Sound. Im Jahr 1977 wurde unter der Leitung von Franz Adam die Langspielplatte „Melodien der Heimat“ eingespielt. (Quelle: Siebenbuerger Portal)

Und um genau diese Aufnahmen geht es jetzt hier: Natürlich spielen die Bursche ordentlich auf (= sie verstehen ihr Handwerk) … aber beim Anhören dieser Lieder und Melodien wurde mir wieder mal der beschichtigende Charakter einer solchen Musik deutlich. Volksmusik die nun von der schönen Heimat und der schönen Liebe handelt, kann keine wirkliche Volksmusik sein, denn das Volk – vorallem in früheren Zeiten – hatte mit sovielen Widrigkeiten (oftmals ausgelöst von der Obrigkeit)  zu kämpfen, dass diese prägenden Elementen irgendwie auch in die Musik und vorallem in die Texte einfließen müsste ! Oder etwas nicht ?

Dennoch kann man sich natürlich an einer solchen raren LP erfreuen … und das wünsche ich allen, die sich mit jenen Siebenbürgern verbunden fühlen.

Ach ja … die Original Siebenbürger Blasmusik München gibt es immer noch: 2009 feierten sie in Garching bei München ihr 60jähriges Jubiläum! Und auch die beiden Komponisten dieser LP, Andreas Rastel und Martin Drotleff sind zumindest noch im letzten Jahr in Sachen „Musik aus Siebenbürgen“ unterwegs gewesen: wirklich erstaunlich !

Aufgenommen im Studio 70, München, 1977

Original Siebenbürger (um 1950)

Original Siebenbürger (um 1950)

Besetzung:
Original Siebenbürger Blasmusik München unter der Leitung von Franz Adam
+
Das Siebenbürger Duo

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Titel:
01. Schatzerl-Polka (Rastel) 3.20
02. Hochzeitsfreude (Rastel) 2.46
03. Meine Liebste (Drotleff) 3.08
04. Dorfleben (Drotleff) 3.08
05. Siebenbürger Marsch (Traditional) 2.09
06. Im Rosengarten (Drotleff) 3.04
07. Lustig und fidel (Drotleff) 2.47
08. Im Mühlbachtal (Rastel) 2.50
09. Reich mir deine Hand (Drotleff) 3.11
10. Zur Maienzeit (Drotleff) 3.05
11. Jungsächsisch-Volkstanz (Traditional) 2.38
12. Ich bin ein Sachs, ich sags mit Stolz (Traditional) 2.39

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