Pepe Lienhard Band – Live (1979)

FrontCover1Den Freunden der gepflegten Schlagermusk ist die Pepe Lienhard Band natürlich vor allem deshalb bekannt, weil sie 30 Jahre (!) lang die Begleitband bei all diesen Udo Jürgens Tourneen war.

Aber der Pepe Lienhard hatte natürlich auch seine ganz eigene Karriere:

Pepe Lienhard (* 23. März 1946 in Lenzburg; vollständiger Name Peter Rudolf Lienhard) ist ein Schweizer Bandleader, Saxophonist, Flötist und Arrangeur. Er lebt heute in Frauenfeld.

Pepe Lienhard gründete bereits in der Schule eine Band unter dem Namen „The College Stompers“. Nach der Schule studierte er Jura. Das Studium brach er jedoch 1969 ab und gründete ein Profi-Sextett, mit dem er zahlreiche Schallplatten aufnahm. Ihr erster Erfolg war Sheila Baby. 1977 nahm die Gruppe (mit dem Alphornvirtuosen Mostafa Kafa’i Azimi) mit dem Titel Swiss Lady (Musik + Text: Peter Reber) für die Schweiz am Eurovision Song Contest teil und erreichte Platz 6.

Von 1995 bis 2011 leitete er die Swiss Army Big Band.

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1980 gründete Pepe Lienhard eine Big Band, das Pepe Lienhard Orchester, mit dem er bei vielen Galas, Opernbällen, Pressebällen oder dem Deutschen Filmball auftritt. Pepe Lienhard und sein Orchester waren u. a. mit Sammy Davis jr. und Frank Sinatra auf Tour und 30 Jahre das Begleitorchester von Udo Jürgens. Weiterhin war das Orchester bis zur zweiten Staffel (2006) bei der Fernsehsendung Let’s Dance auf RTL zu sehen.

Lienhard erhielt 2006 für sein Lebenswerk den Swiss Jazz Lifetime Achievement Award. (Quelle: wikipedia)

Und das ZDF offerierte dann im Jahr 1979 eine eiene Show mit der Pepe Lienhard Band  und von dieser Show stammen auh die Songs dieser LP.

Und wenn man sich vergegenwärtigt, dass Pepe Lienhard einen ganz solidgen Jazz-Hintergrund hat, kann man schon ein wenig enttäuscht sein, denn hier hören wir halt Happy Songs ala Pepe Lienhard, meist im arg seichten Modus.

Hörenswert ist zumindest sein Medley mit Melodien aus dem Film „Spiel mir das Lied vom Tod“ und bemerkenswert ist dann auch noch, dass es glatt zwei Titel der Rockband Santana in sein Programm gebracht haben.

Aber dann muss ich noch natürlich auf das Trio „Pfuri, Gorps & Kniri“ hinweisen, die man bei „Coconut Juice“ zu hören bekommt :

Pfuri, Gorps & Kniri war eine international bekannte Blues/Folk-Band aus der Schweiz. Sie wurde 1974 gegründet. Die Mitglieder hiessen Pfuri Baldenweg, Anthony ‚Gorps‘ Fischer (* 1947) und Peter ‚Kniri‘ Knaus. Das Markenzeichen der Band war das Musizieren mit Alltagsgegenständen wie Rasenmäher, Abfallkübel, Plastiksäcken, Mausfallen und Gartenschläuchen. Das ergab einen unverkennbaren Sound und war auch ein Fingerzeig auf unsere Wegwerfgesellschaft. Das Trio spielte eigene Hits sowie Neuinterpretationen von alten Blues- und Folksongs.

Pfuri, Gorps & Kniri

Die Gruppe trat 1978 beim Roskilde Festival sowie 1977 und 1979 beim Montreux Jazz Festival auf. Ausserdem nahm sie mit Peter, Sue & Marc am Eurovision Song Contest 1979 teil, wo sie den zehnten Platz belegte. Die Band wurde neben ihren Live-Konzerten auch durch TV-Auftritte bei bekannten Sendungen wie die Peter Alexander Show, Bio’s Bahnhof, Rose d’Or und 1, 2 oder 3 etc. bekannt. 1981 führte die anhaltende Popularität der Band zur Produktion des deutschen Spielfilmes „Pfuri, Gorps & Kniri im Hotel“. (Quelle: wikipedia)

Trotz dieser doch sehr schrägen Gesellen … diese LP ist eher Durchschnittsware … da hat sich einer wieder mal unter Wert verkauft.

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Pepe Lienhard mit Udo Jürgens

Besetzung:
Bill von Arx (guitar)
Mostafa Kafa’i Azimi (trumpet, vocals, percussion, alphorn)
Pino Gasparini (bass, guitar, vocals)
Christian von Hoffmann (drums)
Pepe Lienhard (saxophone, flute, trombone)
Georges Walther (keyboards, synthesizer)
+
Pfuri, Gorps & Kniri:

Pfuri (diverse Blechbüchsen, Abfalleimer, Holzwaschbrett, Pfeife an Zollstock, leere Flaschen, diverse Kochlöffel, 1/2 Kokusnußschale)

Gorps (banjo, Sirenenpfeife, vocals)

Kniri (trombone, 1/2 Kokusnußschale))

BackCover1

Titel:
01. Opening Medley (3.54)
01.01. Piccolo Man (Reber/Zuckowski) 1.07
01.02. Sheila Baby (Silvester/Lux) 1.01
01.03. Swiss Lady (Reber) 1.31
02. Play ‚Em Again (Faltermeier/Touchton) 4.07
03. Coconut Juice (Pfuri/Gorps/Kniri) 2.44
04. Spiel mir das Lied vom Tod (Morricone) 5.24
05. Rock ’n Roll Medley (5.19)
05.01. See See Rider(Traditional) 0.59
05.02. Got Stung (Schroeder/Hill) 0.49
05.03. Love Me Tender (Presley/Matson) 0.55
05.04. You Don’t Have To Say You Love Me (Napier/Bell/Donaggio/Pallavincini) 1.21
05.05. Hound Dog (Leiber/Stoller) 1.04
06. Get In Touch (Faltermeier/Björklund/Forsey) 3.12
07. Medley (4.53)
07.01. Peanut Vendor Moises) 1.14
07.02. Soul Sacrifice (Brown/Malone/Rolie/Santana) 2.05
07.03. Carnaval (Coster/Santana) 1.36
08. Malagueña (Lecuona/Banks) 3.21
09. Swiss Lady (Reber) 1.45
+
10. Pepe Lienhard Band – Live (1979) (Teil 1 – ungeschnitten Version) 16.46
11. Pepe Lienhard Band – Live (1979) (Teil 2 – ungeschnitten Version) 18.58
+
12. 12 – Pepe Lienhard über harte Anfangszeiten (Interview zum 70. Geburtstag – Radio SRF

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Interview aus dem Jahr 2016 anlässlich des 70. Geburtstag von Pepe Lienhard (liegt der Präsentation bei)

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Lotar Olias – Drehorgel Rarität (1979)

FrontCover1Ja, ja, die gute, alte Drehorgel…

Eine Drehorgel, oder auch Leierkasten, ist ein mechanisches Musikinstrument. Der Spieler einer Drehorgel, volkstümlich in Norddeutschland Leierkastenmann, in Österreich Werkelmann genannt, betätigt eine Kurbel, die ein Steuersystem im Innern des Instrumentes in Bewegung setzt.

Der Drehorgel ähnlich ist die Jahrmarktsorgel.

Ein frühes Dokument, das eine Orgel mit Stiftwalze beschreibt, befindet sich im päpstlichen Kirchenmuseum; es wurde vom deutschen Jesuitenpater Athanasius Kirchner verfasst. Seine Urheberschaft ist indes nicht geklärt.

Nachweislich seit Beginn des 18. Jahrhunderts ist die Drehorgel in allen Ländern Europas als Instrument der Straßenmusiker und Gaukler, aber auch – namentlich in England und Frankreich – als Kirchen- und Saloninstrument bekannt. Bänkelsänger benutzten ebenfalls eine Drehorgel. E Viele Drehorgelspieler platzieren einen Plüsch-Affen bei ihrem Instrument. Dies soll an die Zeit erinnern, als umherziehende Musikanten oft von einem Kapuzineraffen oder Rhesusaffen begleitet wurden. Das Äffchen war eine zusätzliche Attraktion – besonders für die Kinder – und hatte meist die Aufgabe, Münzen bei den Umstehenden einzusammeln.

Drehorgel01Die Drehorgeln wurden anfänglich von Orgelwerkstätten gebaut, später entstanden Manufakturen, die sich nur um die kleinen Schwestern des Kirchenmusikinstruments kümmerten.

Eine Variante der Drehorgel war die griechische Laterna, die im 19. Jahrhundert und bis Anfang des 20. Jahrhunderts von Yiftoi (Roma-Musikern) gespielt wurde. Die Yiftoi schlugen zur Begleitung die Rahmentrommel mit Schellenkranz Daira. Die Alleinunterhalter mit Laterna traten besonders in den Hafenstädten der Levante auf Marktplätzen auf, manchmal in Begleitung von Frau oder Tochter, die als Tänzerin agierten, oder sie führten einen Tanzbären mit sich.

In Frankreich heißt das Musikinstrument Orgue de Barbarie, was auf den ersten bekannten Hersteller zurückgeführt wird: der Italiener G. Barberi aus Modest führte diese kleine transportable Orgel 1702 erstmals vor (Quelle: wikipedia)

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Dieses ganz spezielle Drehorgel-Album umfasst sage und schreibe 32 Kompositionen, die wir auf der Drehorgel hören.

Und die meisten stammen von Lotar Olias …  und dieser Name weckt eigentlich keine sonderlich guten Erinnerungen:

Lotar Olias (* 23. Dezember 1913 in Königsberg in Preußen; † 21. Oktober 1990 in Hamburg) war ein deutscher Komponist und Textdichter der 1920er bis 1960er Jahre, der oft in Partnerschaft mit den Textdichtern Peter Moesser, Günter Loose sowie Fritz Graßhoff zusammenarbeitete.

Olias besuchte das Klindworth-Scharwenka-Konservatorium in Berlin, wo Moritz Mayer-Mahr und Institutsleiter Robitschek seine Lehrer waren. Bereits zu dieser Zeit komponierte er Chansons für Sänger wie Max Hansen und Lucienne Boyer. Er verfasste dann Revuen für den Berliner Wintergarten und Hamburgs Planten un Blomen. 1937 schrieb er für einige Kurzfilme seine ersten Filmmusiken.

Olias01Olias war seit dem 21. November 1932 Mitglied der NSDAP (Mitgliedsnummer 1.478.935) und wurde NSDAP-Kulturwart der Ortsgruppe Wartburgplatz in Berlin. Für die nationalsozialistischen Machthaber schrieb er in den 1930er Jahren mehrere Titel nationalsozialistischen Inhalts. Hierzu gehören unter anderem der SA-Totenmarsch, Braun und grau und der Amtswaltermarsch (Textauszug hieraus: „Gott segne unser’n Führer und das Werk seiner Tat. Daß er uns allzeit schütze vor Juda und Verrat.“). Trotzdem gehörte Olias nicht zu den Haus- und Hofkomponisten der NS-Führung. Im Zweiten Weltkrieg war Olias Leiter des Fronttheaters Der Knobelbecher. 1941 komponierte er zwei Durchhaltelieder: Wann ist Frieden in Berlin und Einmal geht der große Krieg zu Ende, die auf Schallplatte eingespielt wurden und in denen er den Gesangspart übernahm.

1939 kehrte Olias nach Hamburg zurück. Nach Kriegsende beteiligte er sich 1945 an der Gründung des Hamburger literarischen Kabaretts „Bonbonnière“, für das er komponierte und textete. Da er keine größeren Aufträge erhielt, musste er sich jahrelang zusätzlich mit Rummelplatz-Jobs, als Musiker auf Hochzeiten und als Modenschau-Präsentator über Wasser halten.

1949 gelang ihm dann der Durchbruch zum gefragten Schlager- und Filmmusikkomponisten. Er schrieb neben Schlagern und Musicals Filmmusiken zu über 40 Filmen der 1950er und 1960er Jahre. Besonders die von Freddy Quinn gesungenen Titel wurden zu großen Publikumserfolgen und gelten heute als Evergreens. Olias komponierte bis 1964 auch regelmäßig die Musik zu den Filmen, in denen Quinn als Hauptdarsteller zu sehen war. Mit So geht das jede Nacht trat Freddy Quinn beim Grand Prix Eurovision de la Chanson 1956 in Lausanne an.

Lotar Olias erhielt 1987 als Auszeichnung den Paul-Lincke-Ring. 1990 starb er an den Folgen von schweren Durchblutungsstörungen. Olias ruht auf dem Friedhof Ohlsdorf. (Quelle: wikipedia)

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Louis Armstring, Lotar Olias + Freddy Quinn

Na ja, und dann ist da noch ein gewisser Giovannni Bacigalupo:

Bacigalupo ist eine Familiendynastie von Drehorgelbauern in Berlin. Mit dem Namen verbindet man die inzwischen wertvollen alten Drehorgeln, die von unterschiedlichen Mitgliedern der Familie Bacigalupo und weiteren Mitarbeitern im Zeitraum von 1879 bis 1975 in Berlin gebaut wurden.

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Gedenktafel am Haus, Schönhauser Allee 74a, in Berlin-Prenzlauer Berg

Im Zeitraum von 1879 bis 1975 gab es mehrere Werkstätten, in der mindestens ein Familienmitglied Drehorgeln baute. Giovanni Battista Bacigalupo (* 25. Juli 1889, † 10. Juli 1978 in Berlin) gilt als der Begründer der Familiendynastie im Drehorgelbau. Zu der Drehorgel gehörte die bestiftete Walze als Träger der Musik. Um 1920 hat die Firma Bacigalupo Söhne in einem geringen Umfang größere Straßendrehorgeln mit Lochbändern gefertigt. In der fast hundertjährigen Geschichte dominierten diese Orgeln, und so nannte man eine Bacigalupodrehorgel einfach eine Bacigalupo bzw. eine Baci.

In folgenden Firmen waren ein oder mehrere Personen namens Bacigalupo vertreten:

Frati & Co (Co = Giovanni Battista Bacigalupo)
Cocchi Bacigalupo & Graffigna
G. Bacigalupo (drei unterschiedliche Firmennamen der Familie Bacigalupo)
Bacigalupo Söhne (Ende der Firma unbekannt)

In der Regel fertigten die Drehorgelbauer Instrumente für Bettler, die mit ihren Drehorgeln über die Hinterhöfe von Berlin zogen, um so ihr Geld zu verdienen. Auch die Bacigalupos stellten ihre Instrumente überwiegend für diesen Personenkreis her. Da die Walzendrehorgel nur acht unterschiedliche Lieder spielen konnte, wurden diese gelegentlich für wenig Geld ausgetauscht und durch neue aktuelle Musik ersetzt. (Quelle: wikipedia)

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Das nenn´ ich ne Familien-Dynastie …

Nun … natürlich wecken solche „olle Kamellen“ Kindheitserinnerungen wach. Und noch heute, setze ich micg an einem sonnigen Tag mit einem Eis auf die bank und lauschen diesen Klängen, z.B. auf der Auer Dult in München.

Überraschend für ein Album eines Bilig-Laels sind die ausführlichen und kenntnisreichen Begleittexte.

Ich empfehle dieses Album in homöpathischer Dosis zu genügen … denn nach 32 Lieder im Tingel-Tangel Jahresmarktsmodus am Stück ist man ganz schön meschugge im Kopf …

Drehorgel

Besetzung:
Unbekannter Drehorgel-Spieler

Booklet1

Titel:
01. So ein Tag, so wunderschön wie heute (Olias) 2.12
02. Das gibt’s nur auf der Reeperbahn bei Nacht (Olias) 1.26
03. Unter fremden Sternen (Olias) 2.467
04. You You You (Olias) 1.58
05. Heimweh nach St. Pauli (Olias) 3.40
06. Abschied vom Meer (Olias) 1.28
07. Die Gitarre und das Meer (Olias) 2.13
08. Irgendwann gibt’s ein Wiedersehn (Olias) 2.10
09. Junge, komm bald wieder (Olias) 1.41
10. Auch Matrosen haben eine Heimat (Olias) 2.10
11. La Guitarra Brasiliana (Olias) 2.06
12. Wie schön, dass du wieder zu Hause bist (Olias) 2.06
13. Rosalie (Es war kein reicher Mann) (Olias) 2.36
14. Wolken, Wind und Wogen (Olias) 2.33
15. Seemann, weit bist du Gefahren (Olias) 2.17
16. La Paloma /Yradier) 2.21
17. Pst, pst; hinter ihnen steht einer (Olias) 2.30
18. Dann spielt die Dixi-Band (Olias) 1.34
19. Misossoppi-Lilli (Olias) 3.07
20. Blue Mirage (Olias) 3.13
21. Happy Waltz (Olias) 3.06
22. Wunderschöne Carmen (Olias) 2.22
23. Die Stimme der Heimat (Olias) 2.27
24. Ja, ja in Spanien (Olias) 2.32
25. Machen sie doch bitte kein so böses Gesicht (Olias) 2.07
26. Du bist die Liebe (Olias) 3.16
27. Ich war nur ein Mädchen vom Hafen (Olias) 3.00
28. Tango Paradox (Olias) 1.57
29. Die Welt ist doch für alle da (Olias) 3.04
30. Ich soll dich grüssen von Berlin (Olias) 2.16
31. Mr. Moneymaker (Olias) 1.58
32. Heut ist ein Feiertag für mich (Olias) 3.06

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Gebrüder Blattschuss – Gesänge mit beschränkter Hoffnung (1979)

FrontCover1Tja … diese Blödelbarden waren wohl ein typisches Zeitgeist-Projekt der 70er Jahre:

Die Gebrüder Blattschuss sind eine deutsche Musikgruppe, die in den späten 1970er und frühen 1980er Jahren mit tiefgründigen, aber vor allem den „Blödel-Hits“ zugeschriebenen Liedern große Erfolge feierte. 2017 besteht die Gruppe noch als Duo aus Beppo Pohlmann und Kalle Ricken.

Die Gruppe veröffentlichte 1976 ihre ersten Lieder, dabei wurden bekannte Melodien mit witzigen Texten unterlegt. Später kamen ernstere – oftmals melancholische – Lieder hinzu. Die 1978 erschienene LP Bla-Bla-Blattschuss, die ausschließlich aus Eigenkompositionen bestand, fand weithin Beachtung. Das Lied Kreuzberger Nächte war mehrere Wochen in den Charts und führte zu deutschlandweiter Bekanntheit. Die Gruppe hatte zahlreiche Auftritte in Rundfunk und Fernsehen, wie in der ZDF-Hitparade. 1979 beteiligten sie sich mit dem von Ralph Siegel komponierten Lied Ein Blick sagt mehr als jedes Wort an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest und belegten den zwölften und damit letzten Platz.

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Beppo Pohlmann  und Jürgen von der Lippe im GO-IN, dem Zentrum der Berliner Folk- und Liedermacherszene (genau an dem Tisch, wo die Musiker immer über die Kollegen auf der Bühne lästerten)

In den folgenden Jahren wurden weitere Titel produziert, die auch in die Hitparaden kamen. Bis Mitte der 1980er Jahre veröffentlichte die Gruppe sechs Alben. Dann wurde es ruhiger um sie. 1988 führte Beppo Pohlmann mit dem Musiker Kalle Ricken die Gruppe als Duo weiter. Seither tritt es vornehmlich als Showact bei Festen und Firmenfeiern und nach wie vor mit akustischer Gitarre und Mandoline auf Theater- und Kabarettbühnen auf. Es erschienen mehrere Singles und 1993 und 2002 die beiden letzten Alben.

Abweichend von den bis 1996 in Deutschland geltenden Regeln der Rechtschreibung verwendete die Gruppe auf ihren Plattenhüllen von Anfang an regelmäßig, aber nicht immer, die Schreibweise „Blattschuss“ statt „Blattschuß“ und verzichtete oft komplett auf Großschreibung. Beppo Pohlmann erklärt den Namen im Interview als „so eine Art Abkürzung für unser Programm“: „beliebte Lieder, anspruchsvolle Texte, Tanz, Show, Comedy, Humor und schöne Stimmen“.

HüllentextSingle

Hier nun ihr drittes Album … das erste ohne Jürgen von der Lippe … also ihr erstes Trio-Album …

Hm … ich kann es wieder mal drehen und wenden … ich werd´ nicht warm mit dieser LP,  bzw. mit dieser Art von Humor.

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So etliche Ideen sind beileibe nicht schlecht, aber das zündende Etwas fehlt, und so wirkt alles ein wenig flach … vielleicht fehlen mir aber auch die notwendigen Gene …das ist nicht auszuschlißen.

Dennoch, ein paar Anspieltipps mag ich dennoch geben: „Früh-Stück“ (ne gelungene Parodie auf das Frühstücks-Radio), „Wir machen hier Kino“ (hier werden die üblichen Filmklischees gekont durch den Kakao gezogen) und „Das Letzte“ …

Und wer der Texter Johannes Merkwürd war … habe ich nicht herausgefunden …

AutogrammkarteBesetzung:
Hans Marquardt
Beppo Pohlmann
Harald Wolff
+
eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

BackCover1

Titel:
01. Gebrüder Blattschuss GmbH & Chor KG + Ronnie Rakete, der Disc-Jockey (Merkwürd/Pohlmann/Wolf-Berg) 4.07
02. Früh-Stück (Merkwürd/Pohlmann/Wolf-Berg) 2.14
03. Arie bis 60° (Merkwürd/Pohlmann/Wolf-Berg) 3.25
04. Lied für Freizeitsegler (Pohlmann/Wolf-Berg) 2.51
05. Wir machen hier Kino (Nos Hablos Telephonos) (Hall/Merkwürd/Pohlmann) 4.23
06. Ach, Annabelle (Mein Herz schlägt so schnell) (Merkwürd/Pohlmann/Wolf-Berg) 3.12
07. Rübezahl (Merkwürd/Pohlmann/Wolf-Berg) 3.42
08. Damenwahl im Tanzlokal (Merkwürd/Pohlmann/Wolf-Berg) 3.41
09. Steig‘ mal ein (Das alternative Auto) (Merkwürd/Pohlmann/Wolf-Berg) 2.56
10. Punk-Überfall (Merkwürd/Pohlmann) 2.44
11. Ich bin der Chef vom Kalauer Zoo (Merkwürd/Pohlmann) 3.13
B6 Das Letzte (Merkwürd/Pohlmann) 3.56

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SingleFront+BackCover

Karel Gott – Alle Jahre wieder (1979)

FrontCover1Wenn ich vorhin bei der Lolita Scheibe schrieb: “ …. Lolita singt hier etliche sehr unbekannte Lieder …  d.h sie hat der Versuchung wiederstanden, die altbekannten Klassiker zu interpretieren … das finde ich schon bemerkenswert … “ dann kann man das bei diesem Karel Gott Weihnachtauftritt nun wahrlich nicht behaupteten.

Karl Gott zelebriert hier mit seiner in der Tat anmutigen Stimme all die Klassiker der deutschen Weihnachtslieder (sieht man mal von „White Christmas“ ab) … wie sie uns landauf, landab bekannt sind und uns ständig begegnen.

Tja, und auch diese Platte wird sich nun aus meinem Schallarchiv verabschieden …

Und dem Karel Gott Sammler sei gesagt, dass er dann 1982 ein eher heimisches, wirklich heimisches Weihnachtsalbum namens „Bílé Vánoce“ veröffentlicht hat … und das finde ich fast spannender. Infos darüber findet man dann hier.

AlternativesFRontCover

Alternatives Frontcover

Besetzung:
Karel Gott (vocals)
+
Philharmonisches Orchester unter der Leitung von Wolfgang Rödelberger
+
Kinderchor von Maria Schutz, München unter der Leitung von Kurt Rieth

BackCover1

Titel:
01. Alle Jahre wieder (Silcher/Hey) 1.52
02. Susani (Vom Himmel hoch, ihr Hirten kommt) (Traditional) 4.08
03. O du Fröhliche (Traditional) 2.52
04. Mach auf dein Herz zur Weihnachtszeit (Hertha/Siegel) 3.30
05. Freu dich, Erd‘ und Sternenzeit (Traditional) 2.26
06. O Tannenbaum (Traditional) 2.27
07. Stille Nacht, heilige Nacht (Gruber/Mohr) 3.37
08. Fröhliche Weihnacht (Hertha/Siegel) 3.32
09. Still, still, still, weil’s Kindlein schlafen will (Traditional) 3.18
10. Der kleine Trommler (Little Drummer Boy) (Simeone/Onorati/Davis/Schwarzmann/Jorge/Hausmann) 2.40
11. Weiße Weihnacht (White Christmas) (Berlin/Balz) 4.16
12. Leise rieselt der Schnee (Traditional) 2.03
13. Kommet, ihr Hirten (Traditional/Riedel) 2.15
14. Vom Himmel hoch (Luther) 2.38

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Sonja Kranich – Festliche Bläser- und Orgelmusik (1979)

FrontCover1Nein, über diese LP findet sich sich so rein gar nichts im Internet, und dennoch gibt es sie. Womit wir wieder mal bei dem Thema „lupenreine Privatpressung“ sind.

Eingespielt wurden diese Aufnahmen von dem Posaunenchor der Immanuelkirche München (dieser besteht seit 1968) und der Organistin Sonja Kranich.

Und wir hören überwiegend musikalische Miniaturen von zumeist längst vergessenen Komponisten der Barockzeit. aber auch Kompositionen von modernen, bzw. zeitgenössischen Komponisten.

Und wer wie ich – Blechbläser und Orgelmusik zu schätzen weiß – kommt hier voll auf seine Kosten. Wir haben es hier also mit einem durch und durch anspruchsvollem Programm zu tun. Und das veranlasst mich wieder mal ein dreifaches Hoch auf all jene Amateuermusiker auszurufen, die durchaus in der Lage sind, hochwertige Musik zu produzieren.

Das trifft allerdings nicht auf die Organistin Sonja Kranich zu, denn die studierte damals an der Staatl. Musikhochschule München Orgel und Cembalo. Später ging´s dann noch nach Salzburg.

Sonja Kranich

Und dann, ja dann … wurde aus der Musikerin eine 10fache Mutter (da staunt man nicht schlecht) … und damit nicht genug … irgendwann mal war sie dann auch noch eine alleinerziehende Muter von 10 Kindern … und wirkte weiter als Organistin und dann zog sie auch noch vor das Verfassungsgericht nach Karlsruhe (und bekam recht) … wer´s nicht glaubt, kann ein Portrait von Sonja Kranich als pdf Datei lesen. Gefunden habe ich diesen Artikel in der Trierer Heimatzeitung „Der Volksfreund“.

Man kann ja nebenbei die Musik dieser Privatpressung hören (sie stammt direkt aus Familienbesitz) … wer Orgel- und Posaunenklänge mag, wird nicht enttäuscht sein.

Warum man sich damals allerdings für dieses „popige“ Coverdesign entschieden hat … ich weiß es nicht, aber ich hätte mir ein stilvolleres Cover gewünscht. Das ist aber auch das einzige, was ich an diesem Alnum auszusetzen habe.

ImmanuelKirche

Besetzung:
Sonja Kranich (organ)
+
Posaunenchor der Immanuelkirche München unter der Leitung von Fritz Krodel

BackCover1

Titel:
01. Intrade in B (Pezelius) 1.55
02. Sarabande in F (Pezelius) 2.04
03. Intrade in B (Pezelius) 1.37
04. Ballo (Pezelius) 0.48
05. Sonate für 2 Chöre (Gabrieli) 2.46
06.  Allemande (Schein) 1.37
07. Nachspiel (Scheidt) 2.23
08. Intrade (Frank) 1.26
09. Intrade (Speer) 0.46
10. Canzona für 2 Chöre (Frescobaldi) 3.22
11. Instrumentalstück zu 5 Stimmen („Echo“) (Fischer) 1.39
12. Bläserstück Nr. I in B (Neubauer) 1.03
13. Bläserstück Nr. III in F (Neubauer) 1.22
14. Bläserstück Nr. II in B (Neubauer) 1.03
15. Eröffnungsstück (Haffner) 1.43
16. Intrade (Gunsenheimer) 1.33
17. Festmusik für 2 Chöre (Gadsch) 2.08
18. Vorspiel (Weiss) 1.29
19. Choralsatz (Gastoldi) 1.07
20. Choralsatz mit Überstimmen (Meyer) 1.07
21. Orgelchoralvorspiel (Bach) 5.07
22. Choralsatz (Bach) 1.34
23. Choralsatz (Nocolai) 1.21
24. Orgelimprovisation (Kranich) 2.16
25. Choralsatz (Bach) 0.54
26. Satz für 4 Stimmen (Altenburg) 0.54
27. Satz für 5 Stimmen (Altenburg) 0.53

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PosaunenchorHeute

Der Posaunenchor heute

Akkord-Arbeiter – Traumurlaub in Zwentendorf + Leben woll’n wir schließlich alle (1979)

FrontCover1Hier halten wir nun eine nicht nur rare, sondern auch durchaus amüsante musikalische Rarität aus den Tagen der Anti-AKW Bewegung in Österreich quasi virtuell in den Händen.

Diese quasi ad-hoc Single wurde von Martin Auer. Er sc hreibt über die Entstehung des Liedes folgendes:

Das Lied habe ich 1979 geschrieben, als ich in der Zeitung gelesen hatte, amerikanische Reisebüros würden Besichtigungstouren nach Zwentendorf zum einzigen Modell eines Atomkraftwerks im Maßstab 1:1 anbieten. Die Inbetriebnahme des Kernkraftwerks Zwentendorf in Österreich wurde bekanntlich durch eine Volksabstimmung verhindert.

Aufgenommen wurde die Single im Schmetter-Sound-Studio und die Gruppe „Akkord-Arbeiter“ bestand von 1976 bis 1981.

Und erschienen ist die Single dann 1980 auf „Extraplatte“ als „Extra-Single Nr. 1“ .

Zwentendorf

Und der Martin Auer ist ganz sicher ein wichtiger Aktivposten in der alternativen Kulturszene von Österreich:

Martin Auer wurde 1951 in Wien geboren. Er hat die Universität besucht und dort ein Jahr lang das Studium von Germanistik und Geschichte und dann ein weiteres Jahr das Dolmetsch-Studium geschwänzt. Stattdessen hat er Theater gespielt. War sieben Jahre lang Schauspieler, Dramaturg und Musiker am „Theater im Künstlerhaus“. Hat dann eine Band gegründet. Ist als Liedermacher aufgetreten. Hat Gitarreunterricht gegeben. Die Weltrevolution vorbereitet (gratis). Als Texter für Werbung und Public Relations Übertriebenes, Unwahres und Einseitiges verbreitet (für Geld). Für Zeitungen gearbeitet. Sich zum Zauberkünstler ausgebildet. Ist bei Betriebsfesten und Kindergeburtstagen aufgetreten. Hat irgendwann einmal auch ein Kinderbuch geschrieben. Das 1986 veröffentlicht wurde.

Seither betrachtet er sich als Schriftsteller und hat aus diesem Grund noch über vierzig weitere Bücher geschrieben, davon ca. zwei Drittel für Kinder. Auch einige Preise eingeheimst, z.B. den Kinderbuchpreis des Kultusministers von Nordrhein-Westfalen 1990, den Österreichischen Kinder- und Jugendbuchpreis 1994, 1998 und 2000, den Förderpreis des österreichischen Bundesministeriums für Verkehr (das damals auch für Wissenschaft und Kunst zuständig war) 1996 und den Jugendbuchpreis der Stadt Wien 1997 und 2002. Er wurde nominiert für den Deutschen Jugendliteraturpreis 1997, und für den internationalen Hans-Christian Andersen-Preis 1997. 2005 wurde ihm für Verdienste um die Republik Österreich der Berufstitel Professor verliehen, was er ehrend, aber auch irgendwie lustig findet.

MartinAuer

Martin Auer ist Vater einer erwachsenen Tochter, Großvater von zwei etwas jüngeren Enkeln und Vater einer kleinen Tochter. Er lebt in Wien und hat keine indischen Laufenten. (Selbstdarstellung)

Und beschäftigt man sich mit dem Schaffen von Martin Auer, so kommt man eigentlich aus dem Staunen gar nicht heraus … derartig vielfältig ist sein Werk … a kommt man ja kaum daran vorbei, sich damit mal intensiver zu beschäftigen.

Und mit dieser Single kann man ja einen Anfang machen. Seite 1 enthält eben jene drollige musikalische Posse, auf das AKW Zwentendorf aus Tourismus-Ziel und Seite 2 eines jener der damals typischen Protestlieder für ein besseres Leben ohne der Einengungen und Gefahren durch den sog. „wirtschaftlichen Fortschritt“

Ach ja … Zwentendorf kann man heute tatsächlich besichtigen:

Zwentendorf

Besetzung:
Martin Auer (vocals)
Norbert Ehrenleitner (guitar)
Harald Huber (piano)
Karl Kienzl (violin)
Peter Rosmanith (drums)
Dieter Weiß (bass)
Peter Widhalm (vocals)

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Titel:
01. Traumurlaub in Zwentendorf (Auer) 3.48
02. Leben woll’n wir schließlich alle (Auer) 4.18

Labels

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Vögel

Holger Czukay – Movies (1979)

FrontCover1Nun ist auch von uns gegangen:

Holger Czukay (* 24. März 1938 als Holger Schüring in Danzig; † vor oder am 5. September 2017 in Weilerswist[1]) war ein deutscher Bassist, der als Bandmitglied und Mitbegründer von Can auch international bekannt wurde.

 

Seine musikalische Karriere begann Czukay 1960, als er seine ersten Aufnahmen machte und in einer Amateur-Jazzband spielte. Von 1963 bis 1966 studierte er Komposition bei Karlheinz Stockhausen an der Musikhochschule Köln. In den folgenden zwei Jahren arbeitete er gelegentlich als Musiklehrer, unter anderem war er am Artland-Gymnasium in Quakenbrück unter dem Namen Holger Schüring tätig. In jener Zeit nahm er an Sessions mit der Beatband The Remo Four teil. 1968 gründete er zusammen mit Irmin Schmidt, mit dem er in Köln studiert hatte, die Band Can. 1977 verließ er die Band.

Als Solokünstler veröffentlichte er eine Reihe von Soloalben, auch mit Beteiligung ehemaliger Can-Mitglieder. Er arbeitete mit einigen internationalen Künstlern zusammen, darunter in den frühen 1980er Jahren mit Jah Wobble, The Edge, den Eurythmics, David Sylvian, Brian Eno, oder auch Phew. 1983 arbeitete er mit der Band Trio. 1987 spielte er die Hauptrolle in dem Experimentalfilm Krieg der Töne, zu dem er auch die gesamte Musik beisteuerte und in dem auch Trio-Sänger Stephan Remmler auftrat. Zu Beginn der 1990er Jahre arbeitete Czukay mit Künstlern wie Peter Gabriel oder Annie Lennox, außerdem trat er seitdem oft gemeinsam mit seiner Partnerin U-She in Erscheinung.

Holger-Czukay01

Mitte der 1990er Jahre kam es zu mehreren gemeinsamen Projekten mit Air Liquide beziehungsweise mit dem Air-Liquide-Musiker Dr. Walker alias Ingmar Koch.
Tod
Am 5. September wurde Czukay im „Can-Studio“, einem ehemaligen Kino, das er auch als Wohnung nutzte, in Weilerswist bei Köln von einem Nachbarn tot aufgefunden. Da die Todesursache noch unbekannt ist, ermittelt die Kriminalpolizei zu den näheren Todesumständen. Er verstarb nur fünf Wochen nach seiner Frau, die am 28. Juli im Alter von 55 Jahren gestorben war. (Quelle: wikipedia)

Can
Als kleine Erinnerung hier sein Debütalbum als Solist:

Kurz nach der Gründung von Can veröffentlichte Czukay sein erstes Soloalbum namens „Canaxis“ mit Collagen aus bearbeiteten Bändern und allerlei Sound-Experimenten. Bei Can kündigte er 1977 und legte zwei Jahre später „Movies“, sein zweites Soloalbum, vor – ein Meilenstein in der Kunst des Samplings.

Ende der Siebzigerjahre war Sampling zwar nicht neu, aber in der Musikbranche kaum verbreitet. Das Nutzen von Auszügen bereits fertiger Musik oder Tonaufnahmen hatten bereits allerlei Avantgardisten in den Sechzigern ausprobiert, und auch der legendäre Reggae-Sound-Zauberer Lee „Scratch“ Perry hatte in den Siebzigern seine Dubmixe mit Versatzstücken aus US-TV-Soundtracks aufgepeppt.

Aber was Holger Czukay mit „Movies“ bot, beförderte die Sampling-Kunst auf eine neue Ebene. Ausgiebig hatte er dafür den Klängen verschiedener Kurzwellensender gelauscht und mitgeschnitten, was er dort an faszinierenden Kuriositäten aufgabelte. Auf diesen Holger-Czukay02Reisen in die Tiefen des Äthers spürte Czukay arabische Gesänge, afrikanisches Geplauder und italienische Opernarien auf. Er fand Kino-Sprachfetzen und seltsame Melodien.

Ein Element, das alles zusammenhielt, war der Humor, der Czukays Arbeiten schon immer prägte. Das wird bereits bei „Cool In The Pool“ deutlich: Da singt Czukay exzentrisch zu einem funky Gitarrenriff, das von allerlei wundersamen Samples vom Waldhorn bis zu seltsamen Geräuschen eingerahmt wird. So entstand ein Underground-Hit, den Hipster-DJs wie Prins Thomas bis heute im Programm haben. Ein Erlebnis ist auch das 13-minütige „Oh Lord Give Us More Money“, das in seiner kunstvollen Exotik an Can erinnert, schließlich gehen Czukay hier die alten Bandkollegen zur Hand.

Für „Persian Love“ kombiniert Holger Czukay raffiniert Farsi-Songs mit persischem Pop und Filmdialogen. Und bei der aberwitzigen, 15 Minuten währenden „Hollywood Symphony“ tobt sich Czukay, unterstützt von Jaki Liebezeit am Schlagzeug, mit wundersamsten Geräuschen aus. So gelang Holger Czukay ein brillant versponnenes Pop-Album, das 2016 so seltsam einlullend klingt wie 1979, als es deutlich machte, wie man aus Samples fantasievolle und vor allem eigenständige neue Musik zaubern kann. (Christoph Dallach)

Musikalisch durchaus sperrig … aber mit vielen, vielen Facetten, die einen aufhorchen lassen.

Holger-Czukay04

Besetzung:
Holger Czukay (vocals, bass, guitar, keyboards, synthesizer)
Jaki Liebezeit (drums, percussion)
+
Rebop Kwaku Baah (organ bei 01.)
Michael Karoli (guitar bei 02.)
Irmin Schmidt (piano bei 02.)

BackCover

Titel:
01. Cool In The Pool 5.04
02. Oh Lord Give Us More Money 13.26
03. Persian Love 6.27
04. Hollywood Symphony 15.02
LabelB1
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 Holger Czukay (* 24. März 1938 in Danzig; † vor oder am 5. September 2017 in Weilerswist)

RollingStone

Pressemitteilung aus dem Rolling Stone