Weihnachten 2018 (17): Ricky King – Weihnachten mit der Familie (1997)

FrontCover1Eigentlich dachte ich mir gar nichts, als ich mir eben dachte, na gut, dann präsentiere mal jene eher süßlichen Gitarrenklänge des Ricky King zur Weihnachtszeit.

Dabei stellte ich dann als erstes fest, dass diese Aufnahmen Teil einer 4fach CD Box mit dem gleichen Titel und gleichem Frontcover ist.

Dann aber beschäftigte ich mich schon noch ein wenig mit Ricky King (der ja in Wirklichkeit Hans Lingenfelder heißt).

Und dann stellte ich fest, dass er sein Ende der 70er Jahre Zeuge Jehovas ist, jener Sekte, die durch besonderes rigide Glaubensvorschriften auffalen.

Und zu diesen rigiden Glaubensvorschriften gehört, dass die Zeugen Jehovas Weihnachten kategorisch ablehnen (Geburtstage werden ebenfalls nicht gefeiert – was ich insbesondere für Kinder dieser Glaubensrichtung sehr bitter finde).

CoverCDBox

Hülle der CD Box

Und nun produzierte dieser Ricky King 1979 (als er schon Zeuge Jehova war) diese CD (die damals noch ne LP war und 20 Stücke enthielt und „Weihnachten mit Ricky King“ hieß) die quasi für die 97er Box nur recyled wurde.

Dies führte insbesondere in jenen Kreisen die sich aktiv und kritisch mit dieser Sekte beschäftigen zu bösen Reaktionen (s.u.). Und natürlich: viel wiedersprüchlicher kann es nicht sein, einerseits Weihnachten abzulehnen (dies hat er in mehrer Interviews bestätigt) und andererseits dann die entsprechenden Tantiemen einzufahren. Viel bigotter geht´s nicht mehr.

Und von daher mit sehr gemischten Gefühlen … Ricky King und „seine“ Weihnachtslieder

RickyKing

Besetzung:
Ricky King (guitar)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

Booklet1
Titel:
01. Am Weihnachtsbaum, die Lichter brennen (Traditional) 1.16
02. Lasst Uns Froh Und Munter Sein (Traditional)    1:15
03. In Dulci Jubilo (Traditional)    1:48
04. Aria (Traditional) 3.00
05. Jingle Bells (Traditional) 1.11
06. White Christmas (Berlin) 3.21
07. Süsser die Glocken mie klingen (Traditional) 2.32
08. O Tannenbaum (Traditional) 1.37
09. Kling, Glöckchen kling (Wildmann) 1.11
10. Ihr Kinderlein kommet (Schulz) 1.28
11. Vom Himmel hoch (Traditional) 1.14
12. Ave Maria (Gounod/Bach) 2.04

CD1

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ZeugeJehovas

Nicos Apostolidis – Tanz der Gefühle (1979)

FrontCover1.jpg„Tanz der Gefühle“ … was für ein wunderbarer Titel für eine LP !

Und die Musik stammt von Nicos Apostolidis:

Nicos Apostolidis (* 2. Juni 1950) ist ein deutscher Musiker, Sänger und Komponist griechischer Abstammung. Er spielt vorzugsweise Entspannungsmusik auf der akustischen Gitarre.

Apostolidis wurde im Jahre 1950 als jüngstes von 13 Kindern einer griechischen Familie geboren, welche auf der Flucht vor den Unruhen des Griechischen Bürgerkrieges 1949 über mehrere Stationen nach Rumänien emigriert war. Er wuchs in einem Tal in den Transsilvanischen Alpen auf. Als er sechs Jahre alt war, starb sein Vater, sodass er selbst mit für den Unterhalt der Familie sorgen musste. Er verdiente sein Geld als Gepäckträger für Bergtouristen. Im Alter von 14 Jahren nahm er heimlich Musikunterricht, bis seine Erziehungsberechtigten es ihm verboten.

Apostolidis besuchte anschließend ein Internat in Bukarest, brach die schulische Ausbildung allerdings kurz vor dem Abitur ab und wanderte mit 19 Jahren im Jahre 1969 nach Deutschland aus. Hier verdingte er sich zunächst als Straßenmusiker in München und später in Hamburg. In dieser Zeit komponierte er viele Lieder. Seinen ersten öffentlichen Auftritt in der Hansestadt hatte er bei einem Benefizkonzert zugunsten der Opfer der Griechischen Militärdiktatur. Am 4. Dezember 1982 war er in Kiel zu Gast in der Fernsehsendung „Einer wird gewinnen“ und 1989 gründete Apostolidis die Schallplattenfirma und Vertrieb Nicos Apostolidis, um seine Tonträger selbst zu produzieren.

Nicos01

Nicos Apostolidis, 1982

Am 22. November 2009 feierte der Musiker sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Heute lebt und arbeitet er in Hamburg-Blankenese, wo er auch Gitarrenunterricht gibt. Er war mit der diplomierten Violinen- und Bratschenlehrerein Katharina Apostolidis verheiratet, die als Geigerin, Coverdesignerin und Texterin auch auf seinen CDs mitgewirkt hat. Apostolidis präsentiert seine Musik auch auf verschiedenen Messen. Er hatte bereits mehrere Auftritte im kleinen Saal der Musikhalle Hamburg und ist auch des öfteren im Kultur- und Kommunikationszentrum Fabrik zu Gast. (Quelle: wikipedia)

Da hat einer also ganz schön viel erlebt … da hat einer schon was zu sagen …

Und hier hören wir seine Form der Entspannungsmusik … ursprünglich im Jahr 1979 eingespielt und veröffentlicht.

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Original  Frontcover aus dem Jahr 1979

Und er geht dabei diesen schmalen Pfad zwischen innig-stimmigen Melodien (wie z.B. bei „Willst du mit mir alt sein“) und dann ein wenig kitschiger Oberflächlichkeit (wie z.B. bei „Nach dem ersten Streit“)

Angesichts der Intensität der einzelnen Titel hätte man sich gewünscht, es wäre durchgehend ein ganz, ganz tiefes Album geworden. Das ist ihm aber nicht gelungen, zu oft rutscht der dann doch ins seiche ab … Eigentlich schade, aber ich werde mir sein weiteres Werk mal genauer anschauen. Da hat er allemal verdient.

Nicos02

Besetzung:
Nicos Apostolidis (guitar)
+
eine Handvoll unbekannter Studiomusiker

Booklet1

Titel:
01. Willst du mit mir alt sein 3.05
02. Wiegenlied für ein erwachsenes Kind 3.20
03. Ich zeige dir, wie wir hier fröhlich sind 2:59
04. Nach dem ersten Streit 2:33
05. Sommerzeit 5:20
06. Ein Lied in der Dämmerung 3:55
07. Ich fahr´ auf meinem Fahrrad 2:47
08. Dein Bild in meinem Spiegel 3:39
09. Verwirrte Seele 3:40
10. Schritte des Lebens 2:36
11. Was mein Vater noch zu sagen hatte 2:55
12. Die Balance der Gefühle 4:59

Musik: Nicos Apostolidis

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Die aktuelle website des Nicos Apostolidis

Lysistrara – Lysistrara (1979)

FrontCover1.jpgAlso ab Mitte der 70er Jahre gab es ne ganz spezielle Nische in der Rockmusik.

Und zwar diese Frauenbands, die neben ihre Musik auch gerne und laut  ihre sexuelle Orientierung und die war halt lesbisch, präsentierten.

Die erste diese Bands waren die „Flying Lesbians“: Die formierten sich bereits 1974 als erste feministische Frauenrockband Berlins. Die Gruppe spielte nur vor weiblichem Publikum, ihre 1975 aufgenommene LP gibt es auch nur in Frauenbuchläden zu kaufen. Aufgelöst haben die sich dann 1977.

Ihr Erbe hat dann  in Berlin die Frauengruppe Lysistrata angetreten, die mit dem gleichen Anspruch an Rockmusik, von Frauen für Frauen, arbeitet. Anfänglich waren die Frauenrockband noch auf technische Hilfe von Männern angewiesen, sie haben sich aber davon befreit. (Quelle: rockinberlin.de)

Und die Gitarristin Rita Eichelkraut erinnert sich an den Beginn dieser Band:

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Alle Texte und Melodien stammten von einer gewissen Viola Cellini, und nun ja, das steckt hinter dem Namen:

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Und _ das mag vielleicht den einen oder anderen Mann überraschen – hier spielen junge Frauen auf, und ihren (berechtigten) Zorn packen sie in eine Musik, die sich gewaschen hat. Dass dabei eine große Abgrenzung zu den Männern mehr als deutlich spür- und hörbar ist, ist einfach dem Geist jener Zeit geschuldet, als die Frauenbewegung ihre ersten Schritte unternahm.

Dabei hatten sie aber weitaus mehr Themen als man glauben möchte (siehe „‚Fortschritt“)

Und dass Schwule und Lesben damals noch ganz heftig diskriminiert wurden, brauche ich hier eigentlich auch nicht besonders erwähnen.

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Also: diese Musik hat Biss, den spielten Rockmusik (auch mit Blueseinflüssen) und das verdammt gut … aber das fanden nicht alle Frauen damals sonderlich gut:

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Also … auch bei mir herrschte anfangs eine gewisse Skepsis … verflogen ist sie, ganz und gar … Diese Aufnahmen sind natürlich ein Kind der damaligen Zeit, aber verdammt noch mal, das fetzt ganz schön und mit den Instrumenten Flöten, Saxophon und Orgel gibt es auch jede Menge interessanter musikalischer Farbtupfer.

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Besetzung:
Barbara Bauermeister (guitar)
Rita Eichelkraut (guitar)
Sylvia Kipp (organ)
Marianne Langfeld (vocals)
Christa Meyer (drums)
Christiane Oumard (bass)
Ulrike Sundermann (flute, saxophone)

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Titel:
01. Ich kann es nicht mehr hören 5.51
02. Gleich gegenüber 5.19
03. Coming Out 5.45
04. Oma Punk 3.28
05. Herbst 77 3.50
06. Fortschritt 6.31
07. Gaia 4.37
08. Rückwärts übern Rhein 2.56

Musik und Texte: „Viola Cellini“

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Die Textbeiträge von Rita Eichelkraut und Marianne Langfeld stammen aus dem Buch „Wir sind wie wir sind: Ein Jahrhundert homosexuelle Liebe auf Schallplatte … “ von Ralf Jörg Raber (2010, Hamburg)

Improved Sound Limited – Road Trax (Filmmusik) (2002)

FrontCover1So ein paar Einträge hier beginnen ja  immer wieder mal mit der Floskel „endlich komme ich mal dazu … “ … und hier ergänze ich … die fränkische Band „Improved Sound Limited“ vorstellen:

Als IMPROVED SOUND LIMITED 1971 für das renommierte „Liberty/United Artists“-Label ihre gleichnamige Doppel-LP aufnahmen, hatte die Nürnberger Band trotz des jungen Alters ihrer Mitglieder (alle 1947 geboren), bereits ein musikalisch bewegtes Leben hinter sich…

Mit Skifflemusik begonnen (1961), kam die Band über den Modern Jazz, anschließend beeinflusst von der aufkommenden Beat-Musik, zur Rock- und Popmusik. Zuvor hatte sie sich als The Blizzards einen gewissen Ruf erspielt und in den Schulferien als Backingband Roy Black (August 1965) begleitet, der damals Titel von Elvis, Cliff Richard und Roy Orbison sang. Als dieser erkannte: „Du bist nicht allein“, sagten die Nürnberger: „Mit dieser Musik eben schon“ und orientierten sich neu. Da passte es bestens ins Konzept, dass der Bayerische Rundfunk 1966 den Wettbewerb „Meet the Beat“ ausschrieb. IMPROVED SOUND LIMITED gewannen den ersten Preis unter 80 ISL01konkurrierenden Bands und durften ihren Siegertitel „It Is You“ für Polydor als Single aufnehmen (B-Seite: „We Are Alone“). Als Sieger des Beatwettbewerbs gewissermaßen geadelt, öffneten sich für IMPROVED SOUND LIMITED neue Türen. Zu damaligen Zeiten war es in Promikreisen en vogue, zur Hochzeit eine Beatband aufspielen zu lassen. Bei einem solchen Event lernte die Band den Münchner Filmproduzenten Rob Houwer kennen, der den Kontakt zu Regisseur Michael Verhoeven herstellte. Nach einer erfolgreichen Demo-Präsentation bekam die Band den Auftrag, für dessen Film „Engelchen macht weiter hoppe-hoppe Reiter“ den Soundtrack zu liefern. 1969 wurde die Filmmusik auf Cornet als LP veröffentlicht. Dies war für IMPROVED SOUND LIMITED der Durchbruch. In den Folgejahren sollten sie noch etliche Soundtracks für Film und Fernsehen einspielen. 1969 nahmen sie für Polydor eine weitere Single „Sing Your Song“/ „Marvin Is Dead“ auf. 1971, 10 Jahre nach den Anfängen der Band, erschien die Doppel-LP „Improved Sound Limited“, die jetzt erstmalig auf CD vorliegt (Mixing & Mastering: Jörg Scheuermann). In einer luziden Rezension bezeichnete man die Improved-Musiker als „Oldtimer des Rock“. Die auf den ersten Blick etwas despektierliche Bezeichnung der 23-jährigen Musiker entpuppt sich im weiteren Verlauf des Artikels als Ausdruck höchsten Respekts. Die LP ISL02sei der stilistische Lebenslauf von 23-jährigen Rock-Oldtimern, 10 Jahre live experience in rauchigen Kellern und Schuppen zwischen Bochum und Radolfzell in Rillen gepresst. Herausragendes Merkmal der Plattenproduktion sei neben bemerkenswerten musikalischen Fertigkeiten die Fülle von Erfahrungen, die die Band bei vielen Live-Auftritten und Studio-Arbeiten erworben habe.

IMPROVED SOUND LIMITED sei es gelungen, Spontaneität und Kreativität authentisch mit den Möglichkeiten modernster Aufnahmetechnik zu verknüpfen: „Dieses Album ist mit einem Höchstmaß an professionellem Können produziert. Jede Note, jedes Wort ist eigenständig: Axel Linstädt schrieb die Musik, sein Bruder Bernd die Texte. Auch die Produktion, eine Arbeit, für die Bands wie die Rolling Stones oder die Beatles internationale Stars wie Jimmy Miller, George Martin oder Phil Spector engagieren, wurde von der Band selbst geleistet. Deshalb klingt das Doppelalbum bei aller stilistischen Vielfalt unverwechselbar. Musik und Text sind eine Einheit, sie ergänzen und interpretieren sich gegenseitig und sind identisch mit dem Bewusstsein der Musiker. Die einzelnen Titel behandeln Probleme, die ihre Autoren beschäftigen, aber es wird daraus keine Schulstunde mit Musik, sondern Rock zum Anhören, auch zum Tanzen. Vielleicht ist es diese Profanität, die einen spontan für die Improved-Musik einnimmt. Ab dem dritten Mal beginnt man dann zu hören, was noch alles dahintersteckt. Und das ist: „die Reflexion fünf junger Leute, die sich mit ihrer Umwelt und Situation kritisch befassen, in der Musik“ (Reiner Weiss, Nürnberger Nachrichten, 20./21. Mai 1971).

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In der Münchener Abendzeitung bescheinigte der seinerzeit 24-jährige Feuilletonchef (und spätere Chefredakteur des „Stern“) Michael Jürgs IMPROVED SOUND LIMITED „angelsächsische Klasse“, lobte die Unverwechselbarkeit der Musik als Gütesiegel und sinnierte, wenn je in Deutschland eine Rockoper wie „Tommy“ von den Who gelingen sollte, könne sie nur von IMPROVED SOUND LIMITED geschaffen werden. Franz Schöler, der „Joachim Kaiser der Rock-Kritik“ (Die Zeit, NZZ, SZ, WAZ, Playboy, Stereo), schrieb, die Doppel-LP sei „die beste deutsche Rockproduktion seit der Beatles-Live-LP mit Tony Sheridan“. In seinem Buch „Let it rock“ (München-Wien 1975) nahm er sie auf in die äußerst exklusive „Discografie der epochemachenden Rock-Platten 1954-1974“.

Bemerkenswert ist, dass die Band mit ihrer Doppel-LP nicht nur in den einschlägigen Musikzeitschriften positiv aufgenommen, sondern auch in den Feuilletons frenetisch gefeiert wurde. Dabei schwamm die Band gegen den Strom des sogenannten German Rock. Statt des gängigen Progressiv- und Krautrocks filterte sie ihre unverwechselbaren, melodiösen Eigenheiten heraus und spielte Rockmusik vom Feinsten, zeitlos und grandios, ein Meilenstein in der deutschen Rock- und Popgeschichte.

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1973 veröffentlichte IMPROVED SOUND LIMITED auf CBS die LP „Catch a Singing Bird on the Road“. 1977 folgte unter dem Bandnamen Condor, aber in gleicher Besetzung, die LP „Rathbone Hotel“. (Manfred Steinheuer)

Und hier ihr quasi posthum veröffentliches Album mit den Filmmusiken von drei deutschen Filmen der 70er Jahre:
Die Produktion von Filmmusik war eine Konstante in der Arbeit der Band. So enthielt bereits die erste CD Musik aus dem Film ‚Der Graben‘ von Michael Verhoeven, die dritte, ‚Rathbone Hotel‘ mit dem Song ‚Suicide Road‘ die Vokalversion eines Instrumentaltitels aus dem Wim Wenders Film ‚Im Lauf der Zeit‘, und die demnächst erscheinende fünfte ‚The Final Foreword‘ wird sich u. a. dem Soundtrack von Verhoevens ‚Engelchen macht weiter …‘ widmen.

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Die Beantwortung der Frage, warum das vorliegende Album nicht ‚Soundtracks‘, sondern ‚Road Trax‘ überschrieben wurde, erschließt sich dem Hörer nahezu zwangsläufig: Die Musik vermittelt eindrucksvoll das Gefühl, unterwegs zu sein. ‚Im Lauf der Zeit‘ ist ein Road Movie par excellence, bei dem Film ‚Soweit das Auge reicht‘ zeigen sich zumindest wichtige Musikstrecken von diesem ‚Spirit‘ geprägt; ‚Das Brot des Bäckers‘ schließlich definiert sich inhaltlich zwar anders, doch der Protagonist Bernd Tauber scheint eindeutig vom oben angesprochenen Lebensgefühl erfasst. Nicht zufällig hört er im Film wiederholt Musik jenes Genres, z.B. den Titelsong aus dem ‚Improved Sound Limited‘-Album ‚Catch a Singing Bird on the Road‘.

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Die Musik reflektiert akustisch das Unterwegssein; sie ist Begleiterin für lange Fahrten – mit der Kamera und mit dem Auto. Von einem langsamen Pulsschlag bewegt, zeichnet sie unaufgeregt große, weite Bögen, atmet Melancholie, Ferne, Grenzenlosigkeit…

Man weiß und spürt es, dass der Weg – so einsam er auch sein mag – das Ziel ist. Die Reihenfolge der Musiken geriet nur per Zufall chronologisch, eigentlich folgt sie einer Kompilation, die sich die Band selbst als Backing Music für ihre Reisen zusammenstellte und gerne unterwegs hörte, sich zu Zeiten von ihr tragen ließ.

Vielleicht erklärt sich so ein wenig, warum ‚Road Trax‘, wenngleich die Takes aus unterschiedlichen Filmen und Entstehungszeiten stammen, wie ‚aus einem Guss‘ wirkt.

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Das Presseecho über die Filme mit ‚Improved-Musik‘ war umfangreich und einhellig positiv. Paradigmatisch hierfür soll am Ende meines Editorials lediglich die nonkonformistische Karena Niehoff zitiert sein, die im ‚Tagesspiegel‘ den musikalischen Aspekt des Wenders-Films folgendermaßen zu Papier bringt: ‚Die Musik der deutschen Band ‚Improved Sound Limited‘ bohrt sich dauernd in den Film hinein, saugt sich mit ihm voll; ich hätte sie manchmal, diesen verdammt ziehenden, süchtig machenden ‚Romantic Sound‘, gern wütend abgeschlagen wie einen vollgefressenen Blutegel – aber dann hätte ich den ganzen Film, seine Substanz, sein Sosein mit wegwerfen, seinen Atem ersticken müssen.‘ (Manfred Steinheuer)

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Und liest man sich ein wenig in die Besprechungen zu diesen Aufnahmen ein, so kann man feststelle dass der Urteile unisono in die Kategorie „begeisternd“ fallen … und das zu ‚Recht !

Dieses Album ist ganz und gar großartig … denke ich z.B. nur an die paar Sequenzen, in denen Ralph Nowy mit seinem Saxophon die Bühne betritt oder an all jene Gittarenläufe des Axel Linstädt, wem es da nicht warm ums Herz wird …

Und fast könnte man meinen, ein gewisser Mark Knopfler ist bei dem Axel Linstädt in die Lehre gegangen …

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Von daher ist dieses Album nicht nur für lange Autofahrten geeignet, sondern erst recht für lange Winterabende …

Und es ist ein Album, das zumindest an zwei bedeutende Kinostreifen der 70er Jahre erinnert. „Das Brot des Bäckers“ gehört zu meinen Lieblingsfilmen und über den Film „Im Lauf der Zeit“ müsste man eigentlich gar kein Wort verlieren. Ein frühes Meisterwerk von WimWenders.

Und inspiriert zu diesem Eintrag (und dafür ein herzliches Dankeschön) wurde ich von der Graugans und dem Herrn Ärmel, der sich – einem alten Herzenswunsch folgend –  auf den Weg gemacht hat, den Spuren des Wim Wenders zu folgen. Herausgekommen ist dabei u.a. eine Reisebericht (42 Jahre später …), bestehend aus Begegnungen und Reflexionen, die ich eigentlich nur jedem Leser dieses blogs dringend ans Herz legen will … dazu klicke man hier.

Ach ja, das Begleitheft fällt dann wieder mal in die Kategorie „vorbildlich“.

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Besetzung:
Lothar „Johnny“ Fickert (vocals, saxophone, flute, guitar, organ percussion)
Rolf Groschner (drums)
Axel Linstädt (vocals, guitars, keyboards, mellotron)
Ulrich Ruppert (bass)
+
Frank Baum (pedal-steel guitar bei 01. + 05.)
Ralph Nowy (saxophone bei 02.)

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Titel:

Im Lauf Der Zeit (1976):
01. One Feet Over The Tarmac 3.35
02. Suicide Road 3.19
03. Silver Circles 2.52
04. Lisa’s Accelerando 2.29
05. One Feet Over The Tarmac 4.04

Das Brot des Bäckers (1976):
06. One Note Interlude 0.33
07. Bernd’s Tune 2.25
08. Baker’s Round 2.01
09. Don’t Slide Away / One Note Interlude 2.46

So weit das Auge reicht (1979):
10. Main Theme 2.06
11. Aurore’s Tune 1.39
12. Greetings To Carlos 2.34
13. Fragment Of „Route 99“ 0.56
14. Puppet On A Twelve-String 1.53
15. Route 99 2.38
16. Variation On Aurore’s Tune 2.13
17. Main Theme (Unplugged) 0.40
18. Maniac Lamento 1.52
19. Soda Fountain 0.52
20. Life Is A Jigsaw Puzzle 2.16

0.K. (1970)
21. „o.k.“ 0.22

Musik: Axel Linstädt
Texte: Bernd Linstädt

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AxelLindstädt

Quelle: Bayerischer Rundfunk … und mittlerweile ist er in Rente …

Lift – Meeresfahrt (1979)

FrontCover1Also, wenn zwei regelmässige Leser dieses blogs, dieses Album über den grünen Klee loben und die dann noch zudem ausgewiesene Kenner ihres Fachs sind und wenn ein dritter sich dann auch noch für dieses Album interessiert … dann wird es ja höchste Zeit …

Und dann habe ich mich erinnert, dass ein befreundeter blogger diese Scheibe auch mal im Angebot hatte … damals führte dies jedoch zu einer ziemlich gartstigen Abmahnwelle.

Ich habe mir erlaubt, diesen alten Beitrag eines alten blogs nochmals zu verwenden, einschließlich all der damals notwendigen Schwärzungen … dieser alte blog wird nicht mehr betrieben, er hat quasi den Betrieb eingestellt:

„So ab und an gibt es Umfragen nach der besten DDR Rockplatte.

Schnell fallen dann Namen wie Puhdys, Karat, City, Silly ….. so gut wie nie der Name Lift.“ (H.G.)

Und auch ich bin weiterhin hinsichtlich dieser „DDR-Musik“ eher eindimensional, aber ich lerne da ja gerne dazu.

Und die Gruppe „Lift“ ist für mich erstmal Neuland und dann habe ich ein wenig recherchiert und da ist mir so eine ganz ausführliche und so ganz persönliche Besprechung in die Hände gefallen:

„Wir schreiben das Jahr 2014 – ein historisches Datum, wenn man es auch mit dem Tag 9 und dem Monat 11 in Verbindung bringt – aber Vorsicht, ja nicht verwechseln, sonst gibt‘s mit dem Big Brother (Is watching you!) Ärger.
Vor genau 25 Jahren erlebte ich einen der glücklichsten, wenn nicht sogar den glücklichsten Tag meines Lebens.
Die Mauer fiel am 9. November 1989 und meine Gefangenschaft in einem Land, das Kafka in seinem „Prozess“ nicht hätte besser beschreiben können, war mit einem Schlag beendet. Genauso wie diese Gefangenschaft am 13. August 1961 mit einem Schlag begann, obwohl die wahren Täter nicht etwa die plötzlich Gefangenen, sondern die unerbittlichen, ideologisch-diktatorischen Gefängniswärter waren, endete sie auch wieder – leider mussten viele der damaligen Gefängniswärter nicht wirklich für das gerade stehen, was sie ihren unschuldigen Gefangenen oder ihren Opfern, die diese 28jährige Gefangenschaft nicht überlebten, angetan hatten.
Aber war die Geschichte wirklich jemals gerecht?

Jede Geschichte bringt aber auch Erlebnisse und Errungenschaften hervor, die ohne boshafte Diktaturen nie möglich gewesen wären. Das wusste bereits unser oller Goethe, der so schön formulierte: „Die schönsten Träume von Freiheit werden im Kerker geträumt!“

Gerhard Zacher

Gerhard Zacher

Genau darum soll diese Kritik, 25 Jahre nach dem Mauerfall entstanden, über eine Band und ein Album erzählen, die dem Kritiker ein wenig beim Überleben in der Gefangenschaft halfen und diese Gefangenschaft etwas erträglicher machte. Und noch viel mehr – sie schenkten mir die Hoffnung, die sich dann 20 Jahre später verwirklichte. Darum möchte ich mich jetzt mit meinen Lesern und LIFT auf eine „Meeresfahrt“ begeben, die an musikalischer Schönheit und persönlicher Dramatik kaum zu übertreffen ist.

Würde mich heute jemand fragen: „Welches ist die beste LP, die jemals in der DDR erschienen ist?“, dann kämen mir genau zwei Antworten in den Sinn: „Meeresfahrt“ von LIFT und „Weißes Gold“ von der STERN-COMBO MEISSEN! Zwei Alben, die mehr als eine Gemeinsamkeit haben, wobei die offensichtlichste allerdings der Sänger WERTHER LOHSE ist, welcher seine außergewöhnliche, charismatische und einzigartige, jederzeit wiedererkennbare Stimme beiden Alben verlieh.

Henry Pacholski

Henry Pacholski

Würde mich heute jemand fragen: „Welches ist die beste LP, die jemals in der DDR erschienen ist?“, dann kämen mir genau zwei Antworten in den Sinn: „Meeresfahrt“ von LIFT und „Weißes Gold“ von der STERN-COMBO MEISSEN! Zwei Alben, die mehr als eine Gemeinsamkeit haben, wobei die offensichtlichste allerdings der Sänger WERTHER LOHSE ist, welcher seine außergewöhnliche, charismatische und einzigartige, jederzeit wiedererkennbare Stimme beiden Alben verlieh.
Das Jahr in dem die „Meeresfahrt“ entstand – 1979 – war eins der finstersten kalten Kriegsjahre, in dem Beschlüsse getroffen wurden, die jede Veröffentlichung ostdeutscher Schriften beim Klassenfeind im Westen als „staatsfeindliche Hetze“ im Strafrecht definierten und der DDR-Schriftstellerverband gleich neun Schriftsteller ausschließt, von denen STEFAN HEYM der heute noch bekannteste ist. Der DDR-Kultur bläst ein extrem eisiger Wind ins Gesicht und Musiker sowie Literaten sind gezwungen, noch geschickter zwischen den Zeilen zu schreiben. Jeder Text ging durch die Zensur – und deshalb kam es neben dem, was schwarz auf weiß zu lesen war, besonders auf die Botschaften an, die sich hinter dem Offensichtlichen verbargen. Wir mussten im Osten das Zwischen-den-Zeilen-Lesen lernen, die Botschaften erkennen, die alle Zensoren nicht erkannten, oder weil sie nicht zu offensichtlich waren, einfach nicht begründet verbieten können. Worte wie Freiheit, Demokratie, Mauer, Flucht usw. waren sowieso strikt in den Texten verboten – außer natürlich man brachte sie mit anderen Ereignissen in Verbindung als mit der DDR!Diesmal soll die Rede von der LIFT-„Meeresfahrt“ sein und vielleicht erzähle ich die Geschichte zu „Weißes Gold“, der musikalischen Wunderleistung, die genauso schön ist, wie das besungene Meißner Porzellan, genau in einem Jahr, wenn die Mauer seit 26 Jahren nicht mehr verschlossen ist. Und wenn wir auch momentan fast die Schnauze voll haben von dem derzeit ständigen Gerede zu diesem Ehrentag, dann sollten wir neben dieser blödsinnigen Feierstimmung nicht vergessen, wie viel Leid, aber auch wie viel Kreativität diesem Ereignis innewohnt.

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Genau in diesem Jahr also taucht aus tiefer Versenkung die „Meeresfahrt“ auf, welche ein Stück, das nicht etwa den Titel „Nach Westen“, sondern „Nach Süden“ heißt, enthält. In ihm geht es um einen Jungen, der seinem Elternhaus „entflieht“, um wie die Zugvögel „Nach Süden“ zu ziehen und „Hinter dem Hügel / Da wuchsen mir Flügel / Um vor dem Winter abzuhau‘n!“. Wer diese Zeilen in der DDR hörte, wusste sofort, um welche Flucht es sich hier im Grunde handelte!
Doch nicht nur das – auch der Song war von seiner Melodie, dem Gesang, einfach allem, ein Ohrwurm, den man – einmal gehört – wohl nie wieder vergisst und mit solchen Titeln wie KARATs „Albatross“, CITYs „Am Fenster“, STERN-COMBO MEISSENs „Kampf um den Südpol“ auf einer Stufe steht!

Nimmt man allerdings ein einziges Mal nur das gesamte Album zur Hand – am besten natürlich noch als AMIGA-LP, dann wird man, diese Garantie gebe ich hier mit Brief und Siegel, sein eigenes kleines Déjà vu erleben. Egal ob man nun vor seinen Lautsprecherboxen im Osten oder im Westen sitzt.

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Autogrammkarte (wegen Abmahnung gelöscht)

Als erstes muss man aber seine Enttäuschung überwinden, die sich bei mit „Wir fahrn übers Meer“, der schwächste Song, der auch noch der Opener der LP ist, breit macht. Textlich und musikalisch geht dieser Einstieg rundum schief – aber wer die Geschichte hinter „Meeresfahrt“ kennt, der wird auch verstehen, warum sich dieser eigentlich überflüssige Titel auf dieser 79er LP einschlich. Womit wir auch bei der Tragik hinter diesem Album wären. Der von HENRY PACHOLSKI komponierte und gesungene Song gehörte zu seinen endgültig letzten und war nun auf „Meeresfahrt“ post mortem erschienen. Bei der Rückfahrt von einem Konzert in Kalisz (Polen) kam es zu einem tragischen Verkehrsunfall. Hinter dem Steuer saß Keyboarder MICHAEL HEUBACH – er überlebte, seine beiden Mittfahrer, Sänger HENRY PACHOLSKI und Bassist GERHARD ZACHER, aber hatten keine Chance. „Am Abend mancher Tage“, das traurigste Lied, welches je in der DDR entstand, verarbeitete dieses tragische Ereignis dann auf musikalisch schwer beeindruckende LIFT-Weise.

Alles aber, was dann auf der „Meeresreise“ folgt, ist legendär und für die Ewigkeit!
„Nach Süden“ fliehen wir mit Ohrwurmmelodie, einem Zwischen-den-Zeilen-lesen-Text und einer Gesangslinie, die vielen Sängern auch heutzutage noch vokale Schwerstarbeit abverlangt.

„Scherbenglas“ und „Sommernacht“ sind akustische Balladen, die so tief gehen, dass einem die Tränen in die Augen steigen, weil sie ein Gefühl von Abschied vermitteln, das man nicht nur hört, sondern mit jeder Note und jedem Wort genau an der Stelle spürt, mit der man laut dem Kleinen Prinzen am besten sehen – und ich ergänze: „Auch hören!“ – kann!

Unzweifelhafte Höhepunkte aber sind die beiden Prog-Rock-Epen „Meeresfahrt“ und „Tagesreise“!
Beides Prog, aber zwei völlig unterschiedliche Spielarten!
Die „Meeresfahrt“ ist eine getragene, hymnische 16minutige Suite, neoprogressiv mit zarten Einsprengseln von Querflöte, Klarinette und Saxofon. Ein musikalischer Genuss wie eine Fahrt über‘s Meer, voller Schönheiten, aber ohne bedrohliche Stürme. Trotzdem voller Spannungs- und Stimmungswechseln. Ein unvergleichliches Kunstwerk, welches den heutigen Neo Prog aus aller Welt mit seiner kleinen DDR-Nische fast in den Schatten stellt.

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Lift (wegen Abmahnung gelöscht)

Die „Tagesreise“ dagegen ist eine Coverversion von außergewöhnlicher Qualität, selbst wenn der ursprüngliche Titel von der HORST KRÜGER BAND auch schon außergewöhnlich bewundernswert war! Die LIFT-Version wird von bombastischen Orgeln und Bläsereinlagen bestimmt, die zugleich mit ein paar Mellotron-Erinnerungen an das legendäre „How The Gypsy Was Born“ von FRUMPY erinnert. Grandios und wieder so wert- und klangvoll wie kaum ein anderes Musikstück, welches in der DDR das Licht durch die Gitterstäbe der Gefangenschaft erblickte. Gleichzusetzen mit den legendärsten Prog-Epen dieser Zeit, wie ELECTRAs „Tritt ein in den Dom“, STERN-COMBO MEISSENs „Finlandia“, oder dem noch viel zu selten beachtete Prog-Longtrack „Zeit“ der Gruppe WIR!

Ja, das war sie also, die „Meeresfahrt“ von LIFT!
Für mich die musikalische Fahrstuhlfahrt ins Glück, welche vor und hinter der Mauer nie etwas von ihrem wahren Reiz verloren hat!

FAZIT: Die (DDR-)Geschichte des Albums „Meeresfahrt“ ist einerseits eine zutiefst beeindruckende, aber andererseits auch eine zutiefst tragische. Beeindruckend, weil mit dieser LP eines der größten Prog-Rock-Werke zu DDR-Zeiten geschaffen wurde und tragisch, weil kurz vor ihrer Veröffentlichung der Sänger und der Bassgitarrist dieser Band bei einer Fahrt zu einem Konzert tödlich verunglückten. Dass beide Musiker wohl einen außergewöhnlichen Einfluss auf die Band hatten, wurde durch die Tatsache bewiesen, dass nicht ein Nachfolgealbum jemals die Qualität von „Meeresfahrt“ wieder erreichen konnte.“ (Thoralf Koß)

Und in der Tat: dieses Album ist mehr als beeindruckend … mir haben es vor allem die Titel „Tagesreise“ (ein echter Hammer !) und „Meeresfahrt“ angetan …

Ob freilich der tragische Tod von Henry Pacholski und Gerhard Zachar wirklich dafür verantwortlich war, dass „Lift“ dannach nicht mehr dieses Niveau halten konnte … ich hab´ da meine Zweifel, denn für die Musik war ja eigentlich Wolfgang Scheffler verantwortlich … ich werde mich diesem Thema mal ein wenig ausführlicher zuwenden …

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Besetzung:
Michael Heubach (keyboards, guitar, vocals)
Frank-Endrik Moll (drums)
Henry Pacholski (vocals, harmonica)
Till Patzer (saxophone, flute, vocals)
Wolfgang Scheffler (keyboards)
Gerhard Zachar (bass, vocals)
+
Werther Lohse (drums, vocals bei 05.)
Streichergruppe Herbert Günzel (bei 03.)

BackCover1

Titel:
01. Wir fahrn übers Meer (Scheffler/Pacholski) 5.15
02. Nach Süden (Scheffler/Pacholski) 4.20
03. Scherbenglas (Scheffler/Pacholski) 2.28
04. Tagesreise (Heubach/Schaffer) 8.35
05. Meeresfahrt (Scheffler/Pacholski) 15.20
06. Sommernacht (Scheffler/Pacholski) 3.40

AmigaLabelB1

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Covertext

Barbara Husenbeth + Gerhard Hübner – Folklore international für Flöte und Gitarre (1979)

FrontCover1Irgendwann mal begann auch der akademische Musikbetrieb sich für Folklore aus aller Welt zu interessieren. Und hier ein wunderbares Beispiel akademischer und virtuoser Spielkunst.

Die Rede ist von Barbare Huseneth, die auf der Blockflöte Volkslieder aus aller Herren Länder atemberaubend zelebriert. Begleitet wird sich dabei von dem Gitarristen Gerhard Hübner.

Damals war sie nach entsprechender Ausbildung am Robert Schumann-Koservatorium Köln und an der Musikhochschule Köln bereits Lehrbeauftragte für Blockflöte an der Musikhochschule Trossingen.

Über sie wird in den ausführlichem Begleittext zu dieser LP u.a. folgendes geschrieben:

„Ihre Spezialität  ist es, Folklore zu sammeln und in eigenen Bearbeitungen zu spielen“.

HusenbethHübner1979

Aber völlig unabhängig von dieser eher marginalen Anmerkung: Wer glaubt Blockflöte sei ein leichtes Instrument, der irrt, wie man hier hören kann … und: es ist eine Freude, diesen Klängen zu folgen, zu lauschen, zu geniessen.

Und wenn ich dennoch ein irgendwie fremdartiges Gefühl dabei habe, mag das genau mit jenem akademisch-klassischem Hintergrund der beiden Musiker haben.

Auf dem Hülle ist so z.B. zu lesen:

Folklore ist heute zu einem sehr schillerndem Begriff geworden, einer Mischung aus halbauthentischen Liedern der Völker undkommerzieller, modisch-oberflächlicher Unterhaltungsmusik“.

Und genau da liegt der Hund begraben: Aus der Volksmusik der „Völker“ haben die beide eine akademische Kunstmusik geformt, dabei waren die Interpreten doch „bemüht in ihren Bearbeitungen die tänzerischen Bewegungen der Volksweisen einzufangen“ … tja …

Oder anders ausgedrückt: Nach einem Folklore Abend mit einer einer Irish-Folk-Band in einem kleinem Club kann man sich vorstellen, dannach mit den Musikern noch ordentlich mit diversen Guinness auf den Abend anzustoßen … diese Vorstellung scheint mir bei Barbara Husenbeth und Gerhard Hübner völlig absurd …

Dennoch: eine interessante Aufnahme … aber wirkliche Folklore klingt anders … und dennoch würde ich mal gerne in ihrem Archiv stöbern …

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Besetzung:
Gerhard Hübner (guitar)
Barbara Husenbeth (flute)
+
Franz Lang (percussion)

BarbaraHusenbeth2011

Barbara Husenbeth, 2011
(damals bereits emeritierte Professorin des Fachbereichs Blockflöte der Musikhochschule Trossingen)

Titel:

Israel:
01. Havah nagilah 3.24
02. Sov‘ vuni 1.13
03. M’chorati 1.13
04. Pakad Adonai – Alu alu 1.33

England:
05. Drei englische Kontratänze 2.46
06. Parson’s Farewell 2.09
07. Daphne 1.18
08. Lanes maggot 4.36
09. Argeers 2.02

Griechenland:
10. Gharufalia 1.13
11. Disticho 3.59
12. To Jassemi 1.07
13. Vier weisse Segel 2.41

Schweden:
14. Schwedischer 1.52

Russland – Polen:
15. Spinn nur, meine Spinnerin 2.45
16. Schöne Minka 2.01
17. Kujawiak 1.48
18. Gopak 0.51

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Horst Jankowski und sein Rias-Tanzorchester – Jankowski’s Classic Explosion (1979)

FrontCover1Der Horst Jankowski war auch so ein Wanderer zwischen den musikalischen Welten:

In Amerika nannte man ihn nur „Mr. Black Forest“. Diesen Beinamen verdankte Horst Jankowski seiner Komposition „Eine Schwarzwaldfahrt“, die um die Welt ging. Er war ein musikalische Allrounder, der als Komponist, Pianist, Bandleader, Arrangeur und Chorleiter in seiner Zeit prägend wirkte..

Er besaß Musikalität, eine glänzende Technik, rhythmisches Einfühlungsvermögen, Temperament und Humor. Eine Begabung, die seine Mutter – der Vater war im Krieg gefallen – selbstlos unterstützte. Schon kurz vor dem Abitur lernte er auf dem Konservatorium Klavier, Trompete, Tenorhorn, Kontrabass und Gitarre spielen. An der Musikhochschule studierte er Komposition und besuchte die Dirigentenklasse. Ein Angebot von Kurt Hohenberger, der damals eines der besten Tanzorchester leitete, kam ihm gerade recht: Das „Jazz-Wunderkind“ ging auf Tournee durch Westdeutschland.

Schon 1956 beabsichtigte Horst Jankowski mit einem eigenen Trio (Besetzung: Horst Jankowski, Klavier – Peter Witte, Bass – Hermann Mutschler, Drums) beim „Deutschen Jazz-Festival“ mitzuwirken. Damals ließ sich der Plan nicht verwirklichen und als er 1957 eine Einladung zu diesem Event bekam, war aus dem Trio ein Quartett geworden. Gerald Weinkopf (Flöte) und Werner Baumgart (Oboe), zwei weitere Mitglieder aus dem Erwin Lehn-Orchester, hatten sich ihm angeschlossen. Sie wollten als Gegengewicht zur Bigband-Tätigkeit in einer kleinen Gruppe musizieren. „Improvisation“ von Horst Jankowski und „Der Holzwurm“ von Werner Baumgart komponiert, waren Beiträge für diese Veranstaltung in Frankfurt/Main,

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1954 gründete Horst Jankowski in Mannheim eine eigene Combo. Man spielte in Bars oder bei öffentlichen Tanzabenden – nicht nur Jazz, sondern auch Bach, Chopin, Schumann und Schubert. Das Ensemble weckte das Interesse von Funk und Fernsehen. Vor allem der junge Pianist war es, der nicht nur auf die Zuhörer, sondern auch auf die Zuschauer faszinierend wirkte. Wolfram Röhrig, Chef der Unterhaltungsmusik des damaligen SDR, gewann ihn für das Südfunk-Tanzorchester. Horst Jankowski gab 1955 sein Debüt in Stuttgart und wurde einer der profiliertesten Solisten im Orchester von Erwin Lehn.

HorstJankowski02Dank seiner außerordentlichen Begabung gelang es ihm, sich innerhalb kurzer Zeit in der Spitzenklasse deutscher Jazzpianisten zu etablieren. Anlässlich der Sendung „Treffpunkt Jazz“ begegnete er Größen wie Miles Davis oder Ella Fitzgerald. Es boten sich Gelegenheiten zum gemeinsamen Musizieren, wie z. B. mit dem französischen Geiger Stephane Grappelli in der „Woche der leichten Musik“ in Stuttgart oder bei Benny Goodman auf der Brüsseler Weltausstellung im Jahr 1958. Doch bald war für Jankowski das Klavier nicht mehr genug als Medium…

1960 gründete er die Jankowski-Singers: musikbegeisterte junge Leute hatten sich aus Freude an der Musik und am Experimentieren zusammengefunden. Geld zu verdienen stand hierbei nicht an erster Stelle, denn alle gingen einem geregelten Beruf nach. Abends fanden sie sich zu Proben zusammen und obwohl es sich stets um einen Amateur-Chor handelte, wurde er bald künstlerisch allen Ansprüchen gerecht – sogar sein Kollege Oscar Peterson beneidete ihn darum. Erste Produktionen mit Musical- und Operettenmelodien kamen auf den Markt.

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Umjubelte Tourneen führten ihn zusammen mit seinem Chor sogar in die damalige Sowjetunion. Auch die südafrikanische Presse war voll des Lobes über den Musiker und reihte ihn bei Easy Listening-Größen wie Bert Kämpfert oder James Last ein.
Und dann kam die Schwarzwaldfahrt

1961 hatte Horst Jankowski für eine Reisesendung im Rundfunk vier Melodien komponiert, darunter „Eine Schwarzwaldfahrt“. Zu dieser Zeit kamen häufig amerikanische Produzenten nach Europa, um günstig Musik einzukaufen, da die Produktionskosten in den USA weitaus höher lagen. Jankowski akzeptierte das Angebot, für einen Preis von DM 125,– sämtliche Rechte an dem Stück abzutreten. Einige Zeit HorstJankowski04später tauchte die Melodie in einer amerikanischen TV-Show auf und wurde unter dem Titel „A walk in the black forest“ in Amerika 1964 ein Riesenhit. Jankowski erkannte, welchen Fehler er begangen hatte. Zwar verhalf ihm die Nummer zu großer Popularität und zu sagenhaften Plattenumsätzen, jedoch flossen die Tantiemen der „Schwarzwaldfahrt“ in die Kassen einer amerikanischen Gesellschaft. Erst nach langwierigen und kostenintensiven Streitigkeiten erhielt er Jahre später die Rechte zurück.

Es gab volkstümliche Adaptionen wie beispielsweise mit dem Montanara-Chor. Peter Alexander nahm eine Gesangsversion auf und schrieb selbst einen neuen Text dazu. Eine Fassung mit Erwin Lehn und seinem Südfunk-Tanzorchester diente jahrelang als Opener der vom Süddeutschen Rundfunk ausgestrahlten Sendung „Bis zwei dabei“ im Rahmen des ARD-Nachtprogramms.

Auch aus künstlerischer Sicht war die Schwarzwaldfahrt für Horst Jankowski Segen und Fluch zugleich. Das Publikum brachte ihn stets mit dieser Komposition in Verbindung und der Jazzpianist rückte in den Hintergrund: „Ich spiele eine ganze Menge Jazz, nur nicht öffentlich. Der Jazz fürs Publikum ging vor einigen Jahren kaputt.“ Dies hielt ihn jedoch nicht davon ab, gelegentlich auf diesem Sektor exzellente Produktionen zu veröffentlichen. Leidenschaftlich setzte er sich für eine Belebung der deutschen Jazzlandschaft ein: „Jazz braucht kein Publikum auf Stuhlreihen im steifen Konzertsaal, sondern Leute in der aufgelockerten Szenerie eines Clubs.“

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1975 folgte er dem Ruf nach Berlin und übernahm bis 1994 die Leitung des RIAS-Tanzorchesters. Zahlreiche Verpflichtungen und Auftritte verhalfen der Bigband in dieser Zeit zu neuen Erfolgen. Dazu zählten die TV-Show „Zu Gast bei Horst Jankowski“ oder Engagements bei ZDF-Sendungen wie „Der große Preis“, „Melodien für Millionen“ oder „Musik liegt in der Luft“. Darüber hinaus arbeitete er verstärkt als Komponist für Film und Fernsehen. Als Gastdirigent der SDR-Bigband führte ihn sein Weg auch immer wieder nach Stuttgart. Das Schwabenland war ihm zuletzt zur Heimat geworden. Er verlegte seinen Wohnsitz nach Radolfzell am Bodensee, wo er am 29. Juni 1998 im Alter von 62 Jahren an Lungenkrebs verstarb. (SWR, Hans-Jürgen Finger, Januar 2016)

Nun hier ein Spätwerk von Jankowski und man lasse sich nicht blenden. emäß dem alten Willie Dixon Bluessong „You Can´t Judge A Book By Looking At The Cover“ lohnt es sich nömlih ganz gewaltig, dieses „Buch“ mal auzuschlagen.

Denn, der Horst Jankowsi zeigt einmal mehr , was ne Harke ist: statt sich auf sattsam bekannte Hits der Klassik zu fikussieren, bietet er hier eine muntere Mischung: Neben der Ungarischen Rhapsodie von Franz Liszt das phänomenale „Warschauer Konzert“ von Richard Stewart Addinsell (urspürnglich für den Film „Dangerous Moonlight“ (1941) (darauf muss man auch ertmal komen) … Auch bei den anderen Stücken wechseln sich gelegentlicher Pathos ab mit einer zuweilen furiosen Dynamik … Classic Explposion eben.

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Und  bei dem Zwischenspiel zu „Notre Dame“  legt er noch ne Schippe drauf … ein geiles Gitarren-Intro mit viel Wah-Wah lässt einen aufhorchen.

Auch wenn man sich seitens der Plattenfirma mit der Hüllengestaltung wohl bemüht hat, dem Jankowski so ein Richard Clyderman Image zu verpassen … gelungen ist das nicht …

Denn von Clayderman und auch dem James Last mit ihren Klassik-Interpretationen ist dieses Album weit entfernt.

Der Jazzer Jankowski hat dies einfach mal – und zwar ganz mühelos – torpediert.

Von daher … gut möglich, dass so mancher der damaligen Käufer ratlos, konsterniert und verblüfft auf die Boxen der heimischen tereoanlage geguckt hat …

You Can´t Judge A Record By Looking At The Cover …

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Besetzung:
Horst Jankowski und sein RIAS Tanzorchester
+
Dieter Reith (Arrangeur)

BackCover1

Titel:
01. Ungarische Rhapsodie (Liszt) 4.49
02. Warschauer Konzert (Addinsell) 5.54
03. Pathétique (Tschaikowsky) 7.45
04. Toccata D-moll (Bach) 5.29
05. Zwischenspiel zu „Notre Dame“ (Schmidt)
06. Peer Gynt-Suite (Grieg) 7.23

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