Paola + Kurt Felix – Lieder gehen um die Welt (Ricky King) (1982)

FrontCover1Da haben wir ja mal drei meiner ganz besonderen Lieblinge auf einen Haufen:

Kurt und Paolo Felix sowie den „Gitarrengott“ Ricky King.

In früheren Jahren hätte ich diese drei Gestalten durchaus als „Hassfiguren“ bezeichnet … heute möchte ich einen solchen Begriff nicht mehr verwenden.

Das ändert aber nichts daran, dass ich mit diesem Album nun wirklich nicht warm werden kann. Er gab sich Mühe, aber es halt nichts geholfen.

Wobei die Bedeutung von Kurt und Paola Felix ausschließlich darin besteht, diese LP zu „präsentieren“, denn musikalisch hören wir ausschließlich Ricky King mit all seinem von Hall und Tremolo-Effekten geprägten Instrumentalversionen diverse Hits aus dem Bereich der Unterhaltungsmusik. Oh ja … die Shadows („Apache“) hatten ja ein ähnliches Konzept, wenn man ehrlich sein darf.

Wobei die Auswahl der Lieder gar nicht mal so schlecht ist … aber seine Interpretationen sind halt, was soll man da schreiben … seine Interpretationen sind schon arg der leichten Muse zugeneigt … um es mal dezent zu formulieren.

Aber was soll´s … auch sowas hat hier seinen Platz ….

RickyKing

Besetzung:
Ricky King (guitar)
+
Das Ricky King Orchester

BackCover1

Titel:
01. Spanish Eyes (Kaempfert) 2.56
02. Merci, Chérie (Jürgens) 2.46
03. Der dritte Mann (Karas) 2.15
04. Goodbye My Love, Goodbye (Panas/Munro) 3.10
05 Rivers Of Babylon (Dowe/McNaughton) 2.49
06. Wunderland bei Nacht(Neumann) 2.51
07. Eine Schwarzwaldfahrt (Jankowski) 2.53
08. Lili Marleen (Schultze) 2.53
09. Griechischer Wein(Jürgens) 3.40
10. Strangers In The Night (Kaempfert) 2.30
11. Glaube mir (Winkler/Ranch) 2.30
12. Dschinghis Khan(Siegel) 2.36
13. Morgen (Moesser) 3.06
14. Mackie Messer (Weill) 2.07
15. O mein Papa (Burkhard) 3.46
16. Muss i denn (Traditional) 1.55

LabelB1

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Blues Co. – Ich hab den Blues schon´n bißchen länger (1982)

FrontCover1Nicht wegzudenken von der deutschen Blues-Szene, die „Blues Company“ … die sich auf diesem Frühwerk noch „Blues Co.“ nannten.

Die Blues Company ist eine deutsche Bluesband aus Osnabrück. Die Band hat über 20 Tonträger veröffentlicht, die beim Musiklabel Inakustik erscheinen. Mit der Frankfurt City Bluesband, der Pee Wee Bluesgang und der Band Das dritte Ohr gehört sie zu den Wegbereitern des Blues in Deutschland.

Die Band wurde 1976 von Todor „Toscho“ Todorovic und Christian Rannenberg als „Christian Rannenbergs Bluesband“ gegründet und kurze Zeit später in Blues Company umbenannt. Sie hat über 3000 Konzerte in ganz Europa gespielt.

Anfangs spielte die Band als Begleitband für die Bluesmusiker, die vom Veranstalter Rolf Schubert nach Europa geholt wurden. Die erste Platte entstand mit „Live“ im Jahr 1980. Seitdem sind noch zahlreiche Tonträger erschienen, welche die Band zur langlebigsten und erfolgreichsten deutschen Bluesband machten. (Quelle: wikipedia)

Ein bisschen dürftig diese wikipedia Zeilen … zumindest hätte doch dieses Album erwähnt werden müssen, denn dieses Album ist das einzige deutschsprachige Bluesalbum der Blues Company. Und musikalische waren sie bereits damals ziemlich hochwertig und die Text, hm, die bedienen sich ein wenig arg von gängigen Bluesklischees (besonders dürftig: „Boogie Typ“)… aber da finden sich auch Zeilen wie „Ich hab´ im Kopf nicht viel begriffen, doch mein Bauch verstand den Blues“. Feine Erinnerung, mir ging´s am Anfang meiner Musikbegeisterung ganz sicher nicht viel anders ! Und musikalisch ist die LP ne Wucht !

Also: zugreifen !

BackCover1

Besetzung:
Rudi Marhold (drums)
jan Schäfer (piano)
Michael Schürmann (bass)
Todor Todorovic (guitar, vocals)
+
Günther Eschkotte (harmonica)

Logo

Titel:
01. Ich hab´ den Blues schon ´n bisschen länger (Todorovic/Miller) 3.10
02. Lahmer Zahn (Todorovic/Michaelis) 7.01
03. Voll Breit (Todorovic/Michaelis) 4.14
04. Hey Bedienung (Todorovic/Dulisch) 4.35
05. Eifersucht (Todorovic) 3.44
06. Mag schon sein… (Todorovic/Miller) 6.13
07. Boogie Typ (Todorovic/Michaelis) 4.28
08. Ich komm´mir vor wie´n Blöder (Todorovic/Michaelis) 5.23

LabelA1

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Ludwig Güttler – Bläsermusik zur Weihnacht (1984)

FrontCover1Für mich ist und bleibt er einer der bedeutendsten Trompetenspieler der Gegenwart.

Hier mal eine WEihnachts-LP von ihm … es war wahrlich nicht seine einzige, wenn ich das recht +berblicke.

Auf dieser LP zelebriert er sein Trompetenspiel mit Miniaturen aus der Barock- undRenaissancezeit und das auf dem zu erwartenden hohen Niveau:

Die Kompositionen „beeindrucken durch innere Geschlossenheit … und ruhigen, weitgespannten Bläsergesang, der weihnachtlichen Glanz austrahlt.“

Eine festliche Untermalung für die Besinnung unter dem Weihnachtsbaum. Alles Instrumentalstücke mit Bläsermusik.

Beim Kerzenschein des Adventkranzes vermittelt diese unvergleichliche Aufnahme ein tiefes, gläubiges Gefühl der Vorweihnachtszeit. eine Perle …
Wer Ludwig Güttler kennt, der weiß, dass diese Aufnahme interpretatorisch wie technisch ein einmaliges Tondokument darstellt und höchsten künstlerischen Ansprüchen genügt.

So ein paar der Amazon Kunden.

LudwigGüttler01

Und dann noch dieses Zitat:
„Wer den Auftakt in die nahende Adventszeit besonders festlich gestalten will, dem sei dieser Silberling empfohlen.“ (Klassik. com)
Besonders bemerkenseert für mich, dass Ludwig Güttler, der Musikforscher ganz und gar seltene Kompositionen ausgegraben hat … etliche der Komponisten höre ich damit zum ersten mal … erstaunlich, welche tiefen Kenntnisse der Ludwig Güttler von dieser Zeit hatte. Oder: wer kennt schon Komponisten namens Valerius Otto, Johannes Ghro, Melchior Vulpius oder Johannes Eccard ?
Interessant auch die verschiedenen Intzerpreationen von Klassikern wie „Es ist ein Ros entsprungen“oder gar „Vom Himmel hoch“ (da „streiten“ sich gleich 3 Komüonisten um das Urheberrecht !)

Wenn dann der Heilige Abend kommt … diese Scheibe wird dann bei uns erklingen ….

LudwigGüttler02

Gibt´s heute noch: Das Blechbläserensemble des Ludwig Güttler

Besetzung:
Lothar Böhm (waldhorn)
Manfred Eidner (trombone)
Gerhard Eßbach (trombone)
Ludwig Güttler (trumpet)
Hans Hombsch (trombone)
Werner Hornuff (trombone)
Rainer Jurkiewicz (waldhorn)
Lutz Randow (trumpet)
Roland Rudolph (trumpet)
Kurt Sandau (trumpet)
Paul-Gerhard Schmidt (trombone)
Klaus Schweter (tuba)
Martin Stephan (tuba)
Heinz Stiefel (trumpet)
Istvan Vincze (waldhorn)
Manfred Zeumer (trombone)
BackCover1.JPG
Titel:
01. Valerius Otto: Intrade (Prag 1611) 3.06
02. Georg Friedrich Händel: Tochter Zion, freue dich 0.53
03. Johann Crüger: Wie soll ich dich empfangen 1.36
04. Johannes Ghro: Paduane Aus „Dreißig neue erlesene Padouane und Galliard…“, (Meißen 1604) 2.02
05. Andreas Raselius: Nun Komm, Der Heiden Heiland (Regensburg 1591) 0.43
06. Michael Praetorius: Jubilate Domino aus „Musae Sioniae“ (Teil X Nr. 45) 2.16
07. Georg Friedrich Händel: Marsch aus „Josua“ 1.16
08. Johann Pezel: Sonate 24 aus „Hora Decima“ 2.36
09. Anonymous: Uns ist geborn ein Kindelein aus „Weihnachtsliederbuch des Zwickauer Kantors Cornelius Freundt“ (1500-1591) 1.03
10. Melchior Vulpius: Kanon Über „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ 1.27
11. Michael Praetorius: Sinfonia über „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ 0.54
12. Michael Praetorius: Es Ist Ein Ros‘ Entsprungen Aus „Musae Sioniae“ (Teil VI Nr. 53) 0.55
13. Johann Crüger: Fröhlich soll mein Herze springen 1.03
14. Giovanni Gabrieli: Canzon à 7 2.41
15. Johann Pezel: Sonate 28 aus „Hora Decima“ 2.25
16. Johann Crüger: Gelobet seist du, Jesu Christ 1.19
17. Michael Praetorius: In Dulci Jubilo aus „Musae Sioniae“ (Teil II Nr. 5) 2.09
18. Johann Pezel: Sonate 21 aus „Hora Decima“ 4.16
19. Johann Andreas Herbst: Singt und klinget allzumal 1.21
20. Jeremiah Clarke: Trumpet Voluntary 2.20
21. Johannes Eccard: Vom Himmel hoch (Königsberg 1597) 0.27
22. William Brade: Paduane 2.38
23. Michael Praetorius: Vom Himmel hoch aus „Musae Sionae“ (Teil IV Nr. 2) 2.16
24. Michael Praetorius: Vom Himmel hoch Aus „Musae Sionae“ (Teil IX Nr. 8) 2.28
15. Johann Hermann Schein: Vom Himmel hoch 1.29
LabelB1

Günter Noris – Top Hits eines Plus Jahrzehnts (1982)

FrontCover1Und hier mal wieder ein Stück bundesdeutsche Firmengeschichte, gekoppelt mit Trallala und Hopsassa Klängen des Günter Noris.

Die Plus Warenhandelsgesellschaft mbH existierte von 1972 bis 2010 als Tochter von Tengelmann. Sie war ein Unternehmen des Lebensmitteleinzelhandels mit Sitz in Mülheim an der Ruhr. Die Märkte werden seit der Übernahme durch Edeka von deren Tochter Netto Marken-Discount geführt.
Inhaltsverzeichnis

Plus hatte nach eigenen Angaben wöchentlich 13 Millionen Kunden in ihren etwa 2900 deutschen Filialen mit etwa 27.000 Beschäftigten. Der Umsatz 2006 betrug rund 10 Milliarden Euro, davon 6,87 Milliarden in Deutschland.

Die Plus-Kette galt von ihrem Geschäftskonzept her innerhalb des Lebensmitteleinzelhandels als „Soft“-Discounter, angesiedelt zwischen den „Hard“-Discountern wie Aldi und Norma und den Vollsortimentern wie Rewe oder Edeka. Das Konzept entsprach grundsätzlich dem eines Discounters (aggressive Verkaufspreispolitik, eingeschränktes Sortiment, einfache Warenpräsentation etc.), doch unterschied sich Plus in einigen Punkten von Harddiscountern: Die Produktpalette war größer und es gab einen höheren Anteil an Markenartikeln.

Seit Anfang 2005 veräußerte Plus nicht verkaufte Non-Food-Aktionsware in so genannten Billix-Läden, welche jedoch alle im September/Oktober 2007 wieder geschlossen und in die Plus-Märkte integriert wurden. Die gleichnamigen Märkte in den Niederlanden gehören nicht zur Tengelmann-Gruppe.

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Viele Jahre fester Bestandteil der örtlichen Infrastruktur

Deutschlandweit war Plus in zwölf Regionen aufgeteilt. Eine Vertriebsregion wurde von einem Regionsleiter geführt, der die Verantwortung für bis zu 270 Filialen trug. Diese Verantwortung gab er an Verkaufsleiter weiter, denen wiederum Bezirksverkaufsleiter unterstanden, die jeweils für etwa acht Filialen verantwortlich waren. Die Warenversorgung der deutschen Filialen erfolgte aus elf Lagern, im April 2009 schloss im Rahmen der Umstellung mit Netto das Zentrallager in Ottendorf-Okrilla.

Plus warb mit dem aus den Buchstaben des Firmennamens abgeleiteten Claim „Prima leben und sparen“. In ehemals West-Berlin hieß Plus Real, was „Richtig Einkaufen Angenehm Leben“ bedeutete. Der andere Namen in Berlin lag wohl im Wettbewerb begründet. Der Name Real hatte nichts mit dem heutigen Verbrauchermarkt mit gleichem Namen zu tun.

Plus03

Seit Dezember 2007 bot Plus, wie viele andere Discounter auch, einen eigenen Handytarif („Pluskom“) an. Neben Markenprodukten führte Plus ein breites Sortiment an Eigenmarken-Artikeln, zum Beispiel BioBio für Bioprodukte und „Viva Vital“ für die Gesunde Ernährung. Beide genannten Marken werden weiter über Netto Marken-Discount angeboten.

2008 wurde Plus von PETA als tierfreundlichster Discounter ausgezeichnet.

2007 verkaufte Plus seine 250 Plus-Filialen und 58 Bauprojekte in Spanien für rund 200 Mio. Euro an den französischen Einzelhändler Carrefour sowie die Filialen in Polen und Portugal an die portugiesische Handelskette Jerónimo Martins.

2008 erwarb die Rewe Group die tschechischen, Spar Österreich die ungarischen sowie die belgische Handelskette Delhaize die griechischen Plus-Märkte.

2010 wurden die bulgarischen und rumänischen Plus-Märkte an den Discounter Lidl verkauft.

Ende Mai 2010 verkaufte Tengelmann seine letzte und älteste Plus-Auslandsgesellschaft, Zielpunkt in Österreich, an die luxemburgische Beteiligungsgesellschaft bluO.

Sämtliche abgestoßenen Auslandsmärkte werden in die eigenen Marktauftritte der Erwerber umfirmiert.

Seit Mitte 2010 ist der Verkauf aller Plus-Auslandstöchter abgeschlossen.

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Am 16. November 2007 gaben Tengelmann und Edeka bekannt, dass der Netto Marken-Discount (Edeka) und Plus Deutschland in ein Gemeinschaftsunternehmen eingebracht werden sollen, an dem Edeka mit 70 % und Tengelmann mit 30 % beteiligt seien. Am 1. Juli 2008 stimmte das Bundeskartellamt der Übernahme der Plus-Filialen mit Einschränkungen zu. Die Ertragsbeteiligung der Tengelmann-Gruppe an dem Gemeinschaftsunternehmen wurde auf 20 % beschränkt, die Vermögens- und Stimmrechtsbeteiligung beträgt zudem nur 15 %. Wegen der marktbeherrschenden Stellung durch den Zusammenschluss mussten 378 Filialen mit Schwerpunkt in Ostdeutschland verkauft werden. 328 davon wurden an die Rewe Group verkauft und mittlerweile alle auf das Konzept des Tochterdiscounters Penny umgestellt. Eine anfänglich geplante Einkaufskooperation[8][9] zwischen Edeka und Tengelmann wurde im Zuge des Kartellverfahrens untersagt. Somit wird sich Tengelmann, wie angekündigt, einen anderen Partner für seine Einkaufskooperation suchen. Danach erteilte das Bundeskartellamt am 9. Dezember 2008 für die endgültige Übernahme der Plus-Filialen seine Zustimmung.

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Online noch erreichbar

Bis Ende Juli 2010 wurden sämtliche Plus-Märkte sukzessive in Netto-Marken-Discount-Filialen umgestaltet. Etwa 400 kleinere, vornehmlich innerstädtische Filialen werden als Netto Marken-Discount City, kurz Netto City, geführt.

Anfang April 2008 berichtete der Stern nach dem Bekanntwerden der Überwachung der Mitarbeiter in Lidl-Filialen in seiner Online-Ausgabe, dass in einzelnen Fällen detailliert auch „bei Plus und Edeka über die Arbeitsleistung und das Privatleben der Angestellten berichtet“ wurde. (Quelle: wikipedia)

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Aus plus wurde Netto

Na ja … und zum 10jährigen Bestehen dieser Firma gönnte man sich ne eigene Schallplattenproduktion mit dem Unterhaltungs-Organisten Günter Noris:

Günter M. Noris, eigentlich Günter Maier (* 5. Juni 1935 in Bad Kissingen, Unterfranken; † 27. November 2007 in Kerpen, Nordrhein-Westfalen) war ein deutscher Bandleader, Pianist, Arrangeur und Komponist.

Aufgewachsen mit drei Brüdern in Bad Kissingen, kam Günter Maier als ältester Sohn eines Postbeamten früh mit Musik in Berührung und lernte Klavier. Er machte eine klassische Ausbildung am Bayerischen Staatskonservatorium in Würzburg und studierte Noris01Klavier und Kompositionslehre. Sein Studium finanzierte er als Jazzer mit Auftritten in amerikanischen Clubs als Mitglied der Hep Cats Combo. Auch nach erfolgreichem Studienabschluss trat er zunächst weiter als Jazzmusiker mit der Helmut Brandt-Combo auf. Im Jahr 1961 verpflichtete ihn der RIAS für sein RIAS Tanzorchester in Berlin als Pianist und stellvertretenden Dirigenten.

Hildegard Knef machte ihn 1966 zum musikalischen Leiter ihrer ersten Chanson-Tournee. Damals legte er sich nach der „Villa Noris“ in seiner Heimatstadt den Künstlernamen „Noris“ zu. Im Jahr 1967 wechselte Noris als Pianist, Arrangeur und Bandleader zum WDR nach Köln und ging mit diesem Orchester im Jahr 1968 auf eine erfolgreiche Japan-Tournee. Der WDR nahm 1970 sein Musical Pierre und Madeleine mit René Kollo und Gitte Haenning auf.

1971 gründete er die Big Band der Bundeswehr, mit der er auch das musikalische Rahmenprogramm der Olympischen Spiele 1972 in München und der Fußball-Weltmeisterschaft 1974 gestaltete. Nach seinem Ausscheiden aus der Bundeswehr gründete er 1983 seine eigene Gala Big Band mit dem typischen „Noris-Sound“.

Von 1977 bis 1996 brachte Noris mit Hugo Strasser und Max Greger 20 offizielle Tanzplatten des Jahres für den Allgemeinen Deutschen Tanzlehrerverband (ADTV) heraus. 1995 wurde seine Big Band vom ADTV zum „besten Tanzorchester der Welt“ gekürt.

Günter Noris hatte in knapp 40 Jahren etwa 2.500 Live-Auftritte in 15 Ländern. Die Erlöse aus seinen Wohltätigkeitskonzerten gehen in die Millionen. Bundespräsident Richard von Weizsäcker überreichte ihm das Bundesverdienstkreuz persönlich. Zur Feier seines 70. Geburtstags (2005) ehrten ihn Alt-Bundeskanzler Helmut Schmidt und der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Jürgen Rüttgers.

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Noris starb zweieinhalb Jahre später nach langer Krankheit in seinem langjährigen Wohnort Kerpen-Horrem. (Quelle: wikipedia)

Wenn auf der Hülle zu lesen ist „Top-Hits eines Plaus Jahrzehnts“ das ist das ein wenig gschwindelt, denn zumindest auf Seite 2 der LP befinden sich mit Ausnahme von „Rivers Of Babylon“ und „Morning Has Broken“ eher unbekanntere „Hits“ …

Ansonsten hören wir das übliche Gedudle des Günter Noris, der zumindest  hin und wieder mit pfiffigen Arrangements überraschen kann.

Und die ganze Zeit habe ich das Gefühl, dass der Günter Noris (den Orgel spielen konnte er ja), sich all die Jahre unter Wert verkauft hat.

Noris03

Günter Noris mit Rudi Carrell und Rex Gildo

Besetzung:
Günter Noris (organ)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

Booklet1

Titel:
01. Popcorn (Kingsley) 2.59
02. Amazing Grace (Traditional) 3.27
03. Waterloo (Andersson/Ulvaeus) 2.42
04. Griechischer Wein (Jürgens) 3.28
05. Paloma Blanca (Bouwens) 2.46
06. Das Lied der Schlümpfe (Kartner) 3.14
07. Rivers Of Babylon (Dewe/Farian/Reyam/McNaughton) 3.18
08. You’re The One That I Want (Farrar) 2.36
09. Maybe (Pace) 2.50
10. Midnite Dynamos (Bloomfield) 2.26
11. Zabadak (Blaikley) 3.23
12. Morning Has Broken (Traditional/Stevens) 3.47

LabelB1

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Noris04

Günter Noris mit Dr. Mildred Scheel

Milva – Das Konzert (1982)

FrontCover1Für mich eine ganz und gar faszinierende Frau … mit all ihren Höhen und Tiefen, mit all ihren Licht- und Schattenseiten:

Maria Ilva Biolcati, als Milva international bekannt, ist eine äußerst vielseitige Sängerin. Egal ob Chansons, Schlager, Opernarien oder Brecht/Weill-Kompositionen – die Frau mit dem dramatischen roten Haar (daher ihr Spitzname „La Rossa“) beherrscht all dies gleichermaßen virtuos.

Geboren als Tochter einer Fischhändlerfamilie, musste sie früh mitarbeiten; der Vater hatte das Vermögen weitgehend verspekuliert. Nach einer Gesangsausbildung begann Milva als Nachtclubsängerin, gewann mit 21 den Talentwettbewerb der RAI und kam so zum ersten Plattenvertrag. 1961 schaffte sie mit Platz 3 beim San Remo-Festival den Durchbruch in Italien, trat erstmals als Schauspielerin auf und heiratete ihren Manager Maurizio Corgnati. Die einzige Tochter Martina kam 1963 zur Welt.

In den folgenden Jahrzehnten stieg Milva zum international gefeierten Star auf: sie sang in vielen Sprachen, wurde aber besonders in Deutschland und Frankreich sehr beliebt. Die Zusammenarbeit mit Giorgio Strehler brachte Milva zur intensiven Beschäftigung mit Brecht-Interpretationen, auch selten gehörten und wieder entdeckten Kostbarkeiten. Daneben ist sie bis heute Astor Piazzollas Lieblingssängerin – keine andere haucht seinen Tangoschöpfungen so viel Leben ein.

Milva01

An der Mailänder Scala war Milva in Opernhauptrollen zu sehen, in Paris gab sie die „Seeräuber-Jenny“ in Brechts Dreigroschenoper. Eine ihrer Tourneen widmete Milva den Chansons der Edith Piaf. Namhafte Komponisten wie Theodorakis und Morricone schrieben Lieder für sie, an ihren deutschen Plattenproduktionen arbeiteten u.a. Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg mit. Als Schauspielerin trat sie in mehreren Filmen auf, u.a. an der Seite Gina Lollobrigidas und unter der Regie von Werner Herzog.

Privat dagegen hat Milva viel Leid erfahren. Die Ehe mit Corgnati zerbrach 1969. Von 1986-96 lebte sie mit dem Schauspieler Luigi Pistilli zusammen, der zunehmend unter Depressionen litt und im April 1996 Selbstmord beging. Eigentlich wollte sich die Künstlerin 1992 ins Privatleben zurückziehen, feierte aber zwei Jahre später ein grandioses Comeback und steht seitdem wieder auf Bühnen in aller Welt. (Quelle: fembio.org)

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Welche Stellung die Milva damals insbesondere bei uns in Deutschland hatte, wird an diesem Album deutlich.

1982 absolvierte sie eine Tourenn durch 32 Städte, die Tournee war restlos ausverkauft und ihr deutsches Label spendierte dann daraufhin dieses Doppelalbum.

Was soll ich schreiben … es ist ein triumphales Live-Album … mit all jenen Facetten, die Milva so einmalig gemacht haben, zärtlich, stürmisch, theatralisch, nachdenklich, widerspenstig und natürlich auch erotisch …

Mittlerweile hat sie sich mehr oder weniger zurückgezogen (sie ist mittlerweile 78 Jahre alt) … mir scheint eine großartige Künstlerin verwelkt allmählich.

Umso wichtiger, auch hier immer wieder mal an sie zu erinnern …

Als Ergänzung habe ich die vier Seiten des Doppelalbum ungeschnitten beigelegt (mit ganz viel zusätzlichem Applaus)

MCs

Besetzung:
Giovanni Capriuolo (trombone)
Fabiano Cosimo (bass)
Flaviano Cuffari (drums)
Alfredo D’Aquino (violin, flute, saxophone)
Sergio Farina (guitar, trumpet)
Milva (vocals)
Alberto Monpellio (keyboards, synthesizer)
Pierluigi Mucciolo (flugelhorn, trumpet)
Ernesto Verardi (guitar)
Gianni Zilioli (accordion, vibraphone, organ, marimba)

+
background vocals:
Charles Cannon – Moreno Ferrara – Paolo Orlandi

BookletA.JPG

Titel:
01. La rossa (Jannacci) 5.40
02. Zusammenleben (To Perigali) (Seferis/Theodorakis/Woitkewitsch) 3.43
03. Begrüßung 0.20
04 Il dritto (Parenzo/DeLuca/Jannacci) 4.22
05. Freiheit, Gleicheit und so weiter (To Traino Fevyi Stis Ochto) (Theodorakis/Woitkewitsch/Elefterion) 4.26
06. Er (Anderson/Woitkewitsch/Vangelis) 5.30
07. Wir müssen wach sein (Wij Zullen Doorgaan) (Shaffy/Woitkewitsch) + Ich hab‘ keine Angst (To The Unknown Man) (Vangelis/Woitkewitsch) 6.20
08. Du hast es gut (Vangelis/Woitkewitsch) 3.01
09. Zu Hause (O Ayeras Leei Mia Proseflhi) (Theodorakis/Livaditis/Woitkewitsch) 3.37
10. Da oben ist sein Zimmer (Vangelis/Woitkewitsch) 1.25
11. Bilbao Song (Brecht/Castellani) 4.13
12. Moon Of Alabama (Alabama Song) (Brecht/Eisler/Lunari) 2.59
13. Surabaya Johnny (Brecht/Weill) 6.13
14. Reprise: Surabaya Johnny (Weill) 0.32
15. Kennst du das auch (It’s Five O’Clock) (Vangelis/Francis/Woitkewitsch)
16. Freiheit in meiner Sprache (La canzone della liberta) (Morricone/Lucignani/Woitkewitsch) 2.47
17. Non arrenderti domo (Keep Your Hand On The Plow) (Traditional/Calabrese) 3.15
18. Non pianger piu‘ Argentina (Webber/Rice/Albertelli) 4.51
19. Quando il Sipario (Jannacci) 5.36
+
20. Das Konzert (Teil 1) 18.51
21. Das Konzert (Teil 2) 20.42
22. Das Konzert (Teil 3) 15.00
23. Das Konzert (Teil 4) 20.33

LabelB1
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Hüllentext

Empfehlens- und lesenswert: Der Hüllentext

Marius Müller-Westernhagen – Das Herz eines Boxers (1982)

FrontCover1An diesem Album schieden sich damals die Geister … hier mal zwei ziemlich konträre Stimmen zu  „Das Herz eines Boxers“:

Für die wohl meisten Fans gehört „Das Herz eines Boxers“ wohl nicht zu den Klassikern von Westernhagen. Ich habe sie erst 1991 richtig kennen und schätzen gelernt. Nach den drei Deutschrock-Klassikern leitete MMW im Londoner Studio parallel zum Imagewechsel mit „Der Mann auf der Mauer“ auch einen musikalischen Wechsel ein.

Ich finde die Platte sehr gelungen. Mir gefällt gerade, daß MMW hier nicht weiter die Pfade der drei Vorgänger-LPs verfolgt, sondern neue Wege geht. Neue Keyboard-Sounds und Reggae-Einflüsse, dazu ein kleine Prise NDW ohne die dort häufig anzutreffende Schlagerhaftigkeit und eine bisweilen punkige Grundhaltung mit provozierenden Texten fügen sich zu einer gelungenen LP zusammen. Einzig „Der heilige Schwanz“ erinnert vom Klang an die drei Vorgänger.

Die Phase von 1982 bis 1987 ist für mich insgesamt die interessanteste im Schaffen von Westernhagen. Natürlich mag ich auch „Stinker“, „Pfefferminz“ oder „Radio Maria“, ich bewundere aber den Mut und die Zielstrebigkeit, welche Westernhagen in den Achtzigern trotz des relativen kommerziellen Misserfolgs an den Tag legte. Das richtige Absahnen begann erst 1989 mit „Halleluja“.

BravoAuf „Das Herz eines Boxers“ gibt es für mich nicht einen schwachen Song, dafür jede Menge Highlights, die man damals wohl noch nicht so nannte. „An den Händen einer Hure“, ein guter eindringlicher Eröffnungssong, einer Outsider-Geschichte. „Journalisten“ beschreibt in trefflicher Weise die Niederungen des Geschäfts und des Erfolgs. In dem wunderbaren Reggaesong „Dass da was war“ vertont MMW einen sehr schönen Text von Michael Schenkelberg, der seine Worte schon zu „Giselher“ auf der „Pfefferminz“ dazu steuerte. (Van den Budenmayeram)

Mit dem „Herz eines Boxers“ verließ Westernhagen radikal die gewohnten Pfade. Statt eingängigem Deutschrock mit Blues-Einschlag ging es plötzlich experimentell Richtung 80er und Neue Deutsche Welle. Diese brachiale Abkehr vom alten Sound musste sein, zu sehr hatte sich Westernhagen nach den drei vorherigen Alben festgefahren („Stinker“ war nur noch ein dünner Abklatsch von „Sekt oder Selters“). Der Imagewechsel musste also sein – nur leider hat dieser Versuch nicht funktioniert: „Das Herz eines Boxers“ ist aus künsterlischer und musikalischer Sicht ein größtenteils gescheitertes Experiment.

Dabei sind manche Texte durchaus stark, z.B. bei der persönlichen Abrechnung mit den „Journalisten“, dem etwas schrägen „Was ist los mit mir“ oder der Single-Auskopplung „Ich hab keine Lust mehr im Regen zu steh’n“. Aber musikalisch ergeben die Keyboard-Einflüsse, die Experimente mit Reggae-Sounds oder die eigenartigen Kirmes-Klänge einen Klang-Mischmasch, der weder zu Westerhagen passen möchte noch in irgendeiner Weise nachhaltig die Zeit überdauern konnte. Westernhagen wollte innovativ und modern sein, und hat ausgerechnet damit ein Album erschaffen, welches eine anhaltende Phase der Bedeutungslosigkeit einläuten sollte (gemessen am kommerziellen Erfolg).

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Marius als Schauspieler: Hier mit Karin Baal in dem Film „Der Mann auf der Mauer“ (1982)

Mir persönlich gefallen „An den Händen einer Hure“, „Dass da was war“ sowie mit Abstrichen „Was ist los mit mir“ und „Ich hab keine Lust mehr im Regen zu stehen“ ganz gut, mehr geht aber wirklich nicht. Zu wenig Rock’n’Roll, zu wenig Malocher, zu wenig Dreck – einfach zu wenig Marius. Unterm Strich ist „Das Herz eines Boxers“ nur etwas für MMW-Komplettisten; alle anderen sollten zu den (zahlreichen) besseren Alben greifen. (Niesfischam)

Nun, nachdem ich weder mit der NDW noch mit Reggae viel anfangen kann … wird verständlich, warum ich dieses Album musikalisch eher als belanglos einschätze. Wenn da nicht das großartige Saxophon-Spiel von Gary Barnacle (ein damals sehr gefragte Studiomusiker in UK) wäre.

Textlich hingegen weisß Marius Müller-Westernhagen auch auf diesem Album zu überzeugen … Der Mann hatte was zu sagen, keine Frage !

SingleFront+BackCover

Die Single zum Album

Besetzung:
Gary Barnacle (saxophone)
Gert Krahwinkel (guitar)
Lothar Meid (bass, synthesizer, background vocals, percussion)
Ian Parker (piano, synthesizer)
Phil Palmer (guitar)
Dolphin Taylor (drums, percussion)
Marius Müller-Westernhagen (vocals, percussion)
+
background vocals:
Marlies Duncklau – Walter Lichte – Mark King – Phil Palmer

BackCover1
Titel:
01. An den Händen einer Hure (Müller-Westernhagen) 4.09
02. Journalisten (Müller-Westernhagen) 3.01
03. Dass da was war (Müller-Westernhagen/Schenkelberg) 3.36
04. Spring doch schon (Müller-Westernhagen) 3.44
05. Was ist los mit mir ? (Müller-Westernhagen) 2.38
06. Hollywood (Meid/Müller-Westernhagen) 2.22
07. Rien Ne Va Plus (Müller-Westernhagen) 3.43
08. Ich hab´ keine Lust mehr im Regen zu stehen (Müller-Westernhagen) 3.16
09. Der heilige Schwanz (Müller-Westernhagen) 4.01
10. Lieber Gott (Müller-Westernhagen) 3.42
11. Friseuse (Müller-Westernhagen) 0.41
12. Der heilige Schwanz (Abspann) (Müller-Westernhagen) 0.33

LabelB1
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Gottlieb Wendehals – Jap Dadel Dip, Dadel Du + Heut‘ abend schiessen wir den Vogel ab (1982)

FrontCover1Nein, nein … früher war nicht alles besser … denn wir in der BRD hatten z.B. diesen unsäglichen/unerträglichen Gottlieb Wendehals in den Charts … für mich ein Ritter von der traurigen Gestalt:

Werner Böhm (* 5. Juni 1941 in Thorn, Reichsgau Danzig-Westpreußen), alias Gottlieb Wendehals, ist ein deutscher Sänger und Musiker.

 

Werner Böhm war Ende der 1950er bis Anfang der 1960er Jahre Pianist bei den „Cabinet Jazzmen“ in Hamburg, die damals eine der populärsten Jazzbands in Norddeutschland war. Dort hatte er den ersten Pianisten der Band, Kaschi Jöhnck abgelöst, der nach San Diego Kalifornien ausgewandert war. So hatte er bereits mit 16 Jahren Auftritte in Deutschland. Nach seiner Lehre als Polsterer verdiente er sein Geld als Kaufhaus-Dekorateur. Von 1970 bis 1971 war er Jazz-Pianist in Hamburg unter anderem im „Jazz House“ („Knuds“), „Riverkasematten“, „Logo“, „Dennis Swing Club“, „Cotton-Club“, „Remter“ und im legendären „Onkel Pö“, der Hamburger Szene. Böhm begleitete in diesen Jahren am Flügel Musikergrößen wie Louis Armstrong, Ella Fitzgerald und Erroll Garner.

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Ende 1974 startete Böhm eine Karriere als selbständiger Musiker, Texter und Komponist und gründete das „Werner Böhm Quintett“ mit dem „Teufelsgeiger“ Lonzo Westphal, Udo Lindenberg am Schlagzeug, am Bass Hans-Otto Mertens (Manager von Otto Waalkes), Gesang Knut Kiesewetter und Werner Böhm am Piano und Vibrafon.

1979 erschuf er die Bühnenfigur Gottlieb Wendehals, einen schlaksigen, etwas „tumben“ Spaßmacher mit norddeutschem Regiolekt, pomadisiertem Mittelscheitel, schwarzweiß kariertem Jackett, zerfledderter Aktentasche und einem Gummihuhn unterm Arm. In dieser Manier spielte er verschiedene Spaßtitel ein, von denen es Herbert (1980) und die Polonäse Blankenese (1981) bis in die deutschen Top Ten schafften, letztere blieb neun Wochen auf dem ersten Platz. Auf dem Höhepunkt seines Ruhms im Jahre 1982 wirkte Werner Böhm neben Karl Dall und Helga Feddersen in der Erotik-Klamotte Sunshine Reggae auf Ibiza mit. Ab 1985 reiste er mit vierzehn Musikern als „Gottlieb-Wendehals-Band“ durch Europa.

1982 nahm er an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest teil. Mit Der Ohrwurm erreichte er den elften und damit vorletzten Platz. Mit dem Lied Lady (sechster Platz), das seine damalige Ehefrau Mary Roos zusammen mit David Hanselmann vortrug, war er als Komponist und Texter (in Zusammenarbeit mit Michael Chambosse) ebenfalls beteiligt.

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1984 versuchte sich Werner Böhm an einem Stilwechsel. Das Album 84 Ahead orientierte sich an den Stilrichtungen Italo Disco, Disco und Rap. Böhm sang auf dem Album auf englisch. Die Titel Get On Up und I’m a Winner wurden als Single ausgekoppelt. Mit Get On Up trat er im Musikladen am 3. Mai 1984 auf. Kommerziellen Erfolg hatten das Album und die Singles nicht. In der Folge wurde 84 Ahead aufgegeben und Böhm trat wieder verstärkt als Gottlieb Wendehals auf.

1990 veröffentlichte Böhm einige Titel im Stile des volkstümlichen Schlagers. Er konnte aber nicht an seine Erfolge als Gottlieb Wendehals anknüpfen. Unter seinem bürgerlichen Namen nahm er 2004 an der ersten Staffel der Fernsehshow Ich bin ein Star – Holt mich hier raus! teil. Im September 2005 zog er für eine Woche in das Haus der Fernsehsendung Big Brother ein. Dort hatte der alkoholkranke Böhm einen Rückfall. Im Dezember 2014 war er Kandidat der Castingshow Das Supertalent.

Werner Böhm hat aus drei Ehen jeweils einen Sohn. Seine drei Söhne wurden in den Jahren 1966, 1986 und 2007 geboren. Die erste Ehe mit einer Schweizerin wurde 1965 geschlossen. Von 1981 bis 1989 war er mit Mary Roos verheiratet. Seit 1995 ist er wieder verheiratet.

Obwohl er als Musiker ein millionenschweres Einkommen hatte, musste er Mitte der 1990er Jahre Privatinsolvenz mit 600.000 Euro Schulden anmelden. Grund sei sein „Unvermögen mit Geld umzugehen“. Er lebe seitdem auf „Sparflamme“. 2008 erfolgte eine erneute Privatinsolvenz.

Bei der Hamburger Bürgerschaftswahl 2008 kandidierte Böhm auf dem zweiten Listenplatz der Zentrumspartei. (Quelle: wikipedia)

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Und wie dann so ein Absturz ausschaut, offenbarte er vor ein paar Jahren der Zeitschrit „Stern“:

Schwarz-weiß kariertes Jackett, pomadiger Mittelscheitel, ostfriesischer Dialekt – so standen Sie als Gottlieb Wendehals auf der Bühne. Und hatten stets eine alte Aktentasche dabei und ein gelbes Gummihuhn. Gibt es das noch?

Ja. Liegt gerade neben meinem Laufband und schläft. Am liebsten würde ich es dort liegen lassen. Geht aber nicht. Wenn ich einen Auftritt habe, fragt der Veranstalter sofort: „Haben Sie auch Ihr Huhn dabei?“ Völlig durchgeknallt. Mittlerweile bin ich 75. In meinem Alter noch mit einem Huhn durch die Gegend zu laufen ist albern.

Ihre „Polonäse Blankenese“ ist noch immer ein Kultsong zu Karneval. Ihr verrücktester Auftritt?

Einmal hatte ich zuerst einen Auftritt in Köln und danach gleich in Düsseldorf. Irgendwie muss ich in Gedanken noch in Köln gewesen sein, denn ich habe in Düsseldorf zur Begrüßung „Kölle Alaaf“ in die Menge gerufen. Ein Riesenfauxpas! Da verstehen die Düsseldorfer keinen Spaß. Die wollten mich verprügeln und haben mich auf der Bühne mit allem beworfen, was sie gerade zur Hand hatten – etwa mit Bierflaschen und Berlinern. Letztlich musste ich durch den Hinterausgang flüchten!

Werden Sie heute noch als Gottlieb Wendehals gebucht?

Ja. In dieser Karnevalssaison habe ich mehrere Auftritte, unter anderem in einer sehr bekannten Altstadtkneipe in Düsseldorf.

Früher verdienten Sie Millionen.

Damals war ich auch ein Big Spender. Bei einem Auftritt in einer Disco in Münster sagte ich spontan: „Ich lad euch alle ein!“ Der Besitzer stellte kistenweise Bier und Cola auf die Bühne und meinte nachher, die Gage sei versoffen. Um die 18 000 D-Mark. War mir aber egal. Alle waren glücklich, das war die Hauptsache!

Vor neun Jahren mussten Sie Privatinsolvenz anmelden, hatten 600.000 Euro Schulden. Wovon leben Sie heute?

Ich habe viele Songs für andere Künstler geschrieben. Neben den Auftritten sind meine Gema-Tantiemen heute eine wichtige Einnahmequelle. Allerdings verdient meine Frau Susanne mittlerweile die Brötchen, und ich kümmere mich um unseren zehnjährigen Sohn Jerome, wenn sie unterwegs ist. War erst etwas gewöhnungsbedürftig, aber ist nun mal so. Sie ist gut 30 Jahre jünger und ein gefragtes Model. Ein bildhübsches Weib, das es locker mit jedem Girlie aufnehmen kann.

In den vergangenen Jahren machten Sie durch Ihre Alkoholprobleme Schlagzeilen. Wie geht es Ihnen heute?

Mittlerweile kann ich gut mit Alkohol umgehen. Ich weiß genau, wann ich mir einen kleinen Trip erlauben kann, bereue ihn anschließend aber schnell. Meine Frau mag das auch gar nicht. Die gibt mir ordentlich Zunder. Ich alter Sack bin unheimlich stolz, so eine Traumfrau zu haben. Deshalb versuche ich auch, mich fit zu halten, und mache viel Sport. Teilweise stehe ich um halb drei Uhr nachts auf und gehe eine Stunde aufs Laufband. Danach stemme ich Gewichte. Das geht nur, wenn ich trocken bin.

Gibt’s Pläne für eine Zukunft als Musiker?

Ja. Vor Kurzem habe ich mit Gunter Gabriel einen ironischen Schlager geschrieben, Titel: „Arbeitsloser Star“. Jetzt versuchen wir, den Song bei einem Musiklabel unterzubringen. Schwierige Angelegenheit!

Frustrierend?

Definitiv. Ich bin auch oft traurig, dass ich meine größten Erfolge als Spaßsänger hatte – obwohl ich eigentlich ein ernsthafter Jazzpianist bin. Aber leider wollen die Leute nur den Wendehals hören! (Das Interview führte Sabine Hoffmann)

Nun denn, hier kann man sich ne Single mit zwei seiner damaligen Plattheiten anhören … und ich mach mich derweil auf die Suche nach dem Jazzer … namens Werner Böhm

Und der Begriff „Wendehals“ bekam ein paar Jahre später ne ganz andere Bedeutung … aber das ist natürlich ne ganz andere Geschichte … im wahrsten Sinne des Wortes.

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Tingeln bis ins hohe Alter (2009)

Besetzung:
Werner „Gottlieb Wendehals“ Böhm (vocals, piano)
+
ein kleiner Haufen von Studiomusikern

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Titel:
01. Jap Dadel Dip, Dadel Du (Böhm/Thorn/Chambosse) 3.59
02. Heut‘ abend schiessen wir den Vogel ab (Kirsten/Böhm/Thorn/Chambosse) 3.38

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Werner Böhm

Werner Böhm, 2016