André Heller – Stimmenhören (1983)

FrontCover1Ganz sicher eine Ausnahmeerscheinung in der deutschprachigen Musik- und Kunstszene, auch wenn er genauso sicher so etlichen auf den Senkel ging:

André Heller (* 22. März 1947 in Wien; geboren als Francis Charles Georges Jean André Heller-Hueart) ist ein österreichischer Chansonnier, Aktionskünstler, Kulturmanager, Autor, Dichter und Schauspieler.

Heller entstammt väterlicherseits einer wohlhabenden jüdischen Familie von Süßwarenfabrikanten: Sein Vater Stephan (1895−1958) war der Sohn von Wilhelm Heller, einem der beiden Gründer der Wiener Süßwarenfabrik „Gustav & Wilhelm Heller“. Diese Firma wurde durch die Erfindung der Dragées weltbekannt. Seine Mutter ist Elisabeth Heller (* 1914), sein älterer Bruder Fritz leitete nach dem Tod des Vaters das Unternehmen. Wegen seines Vaters, der nach dem Krieg hauptsächlich in Paris lebte, hatte André Heller anfangs die französische Staatsbürgerschaft.

Nach seinen eigenen Aussagen war für seine literarische Orientierung schon während seiner Schulzeit der fast tägliche Besuch im Café Hawelka ausschlaggebend. In diesem Wiener Kaffeehaus traf er auf Literaten wie Friedrich Torberg, H. C. Artmann und fallweise Elias Canetti sowie Hans Weigel und Helmut Qualtinger, mit dem er später zusammenarbeitete und auftrat. Bei Hans Weigel und dessen Lebensgefährtin Elfriede Ott nahm er Schauspielunterricht.

André Heller spielte zunächst mit wenig Erfolg an Wiener Avantgardebühnen und versuchte sich später als Programmgestalter beim Österreichischen Rundfunk (ORF).

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André Heller, 1967 im ORF

1967 gehörte er zu den Gründern des ersten deutschsprachigen Popsenders Ö3, bei dem er zunächst die Sendung Musicbox moderierte. 1968 wurde er Co-Autor der erfolgreichen Fernsehsendung Wünsch Dir was. Im selben Jahr erschien auch seine erste Langspielplatte mit dem lakonischen Titel Nr 1. Einem breiteren Publikum in Österreich und in der Folge auch in Deutschland wurde Heller 1972 bekannt, als der ORF die surreale Fernsehshow Wer war André Heller? ausstrahlte. Außerdem erschien in diesem Jahr seine zweite LP namens Platte, und bei den Wiener Festwochen wurde sein erstes Theaterstück mit dem Titel „King-Kong-King-Mayer-Mayer-Ling“ uraufgeführt.

Heller erspielte sich über 15 Jahren hinweg einen Ruf als Chansonnier und Liedermacher. Dabei arbeitete er mit internationalen Künstlern wie Astor Piazolla, Dino Saluzzi, Freddie Hubbard, aber auch österreichischen Künstlern wie Toni Stricker, Wolfgang Ambros oder Helmut Qualtinger zusammen. Heller vertonte vielfach eigene Lyrik, sang aber auch Texte anderer Autoren. So wurde der Titel Catherine aus dem Jahr 1970 zu einem der ersten Hits von Heller. Den Text schrieb der noch weitgehend unbekannte Reinhard Mey, die Musik der Austro-Kanadier Jack Grunsky.[4] Er spielte von Werner Schneyder ins Wienerische übersetzte Chansons von Jacques Brel wie „Franz“ (nach dem Brél-Titel Jef) ein und gab in Titeln wie Angstlied (Verwunschen, 1980) anhand von traumatischen Kindheitserlebnissen intime Einblicke in seine Biographie und seine katholisch-jüdische Herkunft. Titel wie Miruna, die Riesin von Göteborg (Verwunschen, 1980) sind wiederum von der Wiener Schule des „Phantastischen Realismus“ beeinflusst. Das Lied vom idealen Park (Narrenlieder, 1985) oder die im Duett mit Wolfgang Ambros eingespielte Bob-Dylan-Coverversion Für immer jung (Stimmenhören, 1983) gelten heute als klassische Titel des Austropop. Der ebenfalls 1983 auf Stimmenhören erschienene Titel Erhebet euch Geliebte war eine der „Hymnen“ der Friedensbewegung der frühen 1980er Jahre.

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Erika Pluhar, André Heller und Henry Miller, 1970

Dennoch wandte er sich seit Beginn der 1980er Jahre zunehmend spektakulären Inszenierungen, Aktionen und Installationen zu und beendete dafür 1982 seine erfolgreiche Konzerttätigkeit. 1985 folgte das Album Narrenlieder, das aber kein Erfolg mehr wurde. Es war bis in die 2000er Jahre seine letzte Plattenaufnahme. Zwischen 1967 und 1985 veröffentlichte er insgesamt vierzehn LPs, die ihm zwölf Goldene Schallplatten und siebenmal Platin einbrachten. 1991 schrieb er rückblickend über diese Zeit:

„Ich habe 1967 begonnen, meine Gedichte mittels meiner Stimme über Schallplatte und in Liederabenden Millionen Menschen zugänglich zu machen. Dies war nach dem Beispiel Bob Dylans zunächst sinnvoller als Lyrikbändchen im Selbstverlag oder bei Suhrkamp zu veröffentlichen. 1982, also durchaus im Zenit dieser Karriere, mußte ich meine Konzerttätigkeit beenden, weil es mir zur Qual wurde, um 20 Uhr vor einigen tausend Zuhörern begabt zu agieren, nur weil sie Eintritt bezahlt hatten.“ (André Heller in den Liner Notes der 1991 erschienenen „Kritischen Gesamtausgabe“)

2004 wurde er mit dem Amadeus Austrian Music Award für Ruf und Echo ausgezeichnet. Diese 3-CD-Retrospektive wurde von Chris Gelbmann initiiert, einem österreichischen Liedermacher und damaligen A&R-Manager von Universal Music.

Aus Anlass seines 60. Geburtstags gab André Heller im April 2007 im Wiener Radiokulturhaus nach fünfundzwanzigjähriger Bühnenabstinenz einen Liederabend unter dem Titel „Konzert für mich“.

1976 gründete Heller zusammen mit Bernhard Paul den Zirkus Roncalli, stieg jedoch noch im Gründungsjahr wieder aus dem Gemeinschaftsprojekt aus, seiner Darstellung nach, weil er „den Erfolg nicht teilen wolle“.

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André Heller mit Harry  Belafonte und Hannes Wader, 1982

1977 scheiterte Heller mit seinem Versuch, die Stadt München für eine „Weltausstellung der Phantasie“ auf dem Olympiagelände zu gewinnen, da die Behörden die finanzielle Realisierbarkeit bezweifelten. 1983 begann er eine erfolgreiche Zusammenarbeit mit Stefan Seigner, der bis 2003 seine Geschäfte führte.

Bereits 1968 war Heller (Pseudonym: André Miriflor) Mitfinancier des mit Erika Pluhar hauptbesetzten Films Moos auf den Steinen, für den er nach eigenen Angaben sein Erbteil aufgebraucht habe. Bald stand er aber auch selbst vor der Kamera. Neben seinen Spektakeln spielte André Heller Hauptrollen in diversen internationalen Kinofilmen, unter anderem in Hans-Jürgen Syberbergs Karl May und Hitler, ein Film aus Deutschland, Radu Gabreas Fürchte Dich nicht Jakob und Doktor Faustus von Johannes Schaaf, sowie in Peter Schamonis Frühlingssinfonie sowie eine Nebenrolle in Maximilian Schells 1979 herausgekommener Verfilmung der „Geschichten aus dem Wienerwald“ von Ödön von Horváth. Bereits 1969 hatte Heller in einer Fernsehfassung von Arthur Schnitzlers Tragikomödie Das weite Land unter der Regie von Peter Beauvais mitgewirkt: An der Seite von O. W. Fischer (als Friedrich Hofreiter), Ruth Leuwerik (Genia Hofreiter), Walter Reyer (Dr. Franz Mauer), Helmut Qualtinger (Bankier Natter) und anderen verkörperte er Gustav Wahl, den Bruder von Erna Wahl (Sabine Sinjen). 1989 war er auch als Briefmarkenkünstler tätig. Im Auftrag der Postverwaltung der Vereinten Nationen entwarf er die Briefmarke zum zehnjährigen Jubiläum der UNO-Wien.

Zuletzt war er als Kulturkoordinator für die Fußball-Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland tätig. Er gestaltete im Jahr 2000 die Finalpräsentation für die erfolgreiche bundesdeutsche Bewerbung und entwarf 2003 einen „Fußball-Globus“, der als „architektonischer Vorbote der WM“ durch Deutschland tourte. In einem Urheberschafts-Streit um den Fußball-Globus warfen die Architekten Friedemann und Nikolai Kugel André Heller vor, die Idee kopiert zu haben. Unumstritten ist aber die Heller-Eigenerfindung des Fußball-WM-Mottos „Die Welt zu Gast bei Freunden“.

Die für die Fußballweltmeisterschaft von André Heller geplante Eröffnungsgala im Olympiastadion Berlin, an der auch Brian Eno und Peter Gabriel beteiligt waren, wurde am 13. Januar 2006 durch die FIFA abgesagt. Als Grund wurde genannt, dass der Rollrasen, der nach Ende der Gala neu verlegt hätte werden müssen, bis zum ersten dort stattfindenden Spiel (13. Juni 2006) möglicherweise nicht mehr in perfekter Qualität angewachsen wäre. Gerade wegen des Scheiterns bilanziert Heller dieses Projekt als „interessante Erfahrung“.

Grundsätzlich lässt sich André Heller – laut eigenen Angaben – nur auf Arbeiten ein, die ihn in seinem künstlerischen Lernhorizont weiterbringen. Selbst ein hypothetisches Angebot von 100 Millionen Dollar seien ihm nicht Grund genug, eine Sache umzusetzen, die für seine Entwicklung nicht sinnvoll sein würde. „Das ist zwar verlockend, weil mir einiges einfällt, was man an klugen und tiefen und spannenden Projekten mit 100 Millionen Dollar machen kann, aber letztlich darf ich nicht meine Zeit veruntreuen. Ich weiß doch nicht, ob ich nicht im nächsten Satz tot umfalle“, äußerte Heller in einem SWR-Interview.

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André Heller, 2006

Seit 2003 ist Robert Hofferer sein Manager und führt die Firma Artevent, mit Sitz in Wien.

André Heller war von 1970 bis 1984 mit der Schauspielerin, Sängerin und Autorin Erika Pluhar verheiratet. Einige Jahre lebte er in den 1970er-Jahren mit der Burgschauspielerin Gertraud Jesserer zusammen, viel später mit der Schauspielerin Andrea Eckert. Kurzzeitig liiert war Heller Mitte der 1980er-Jahre auch mit Anke Kesselaar, der damaligen Ehefrau Rudi Carrells.

Der Künstler besitzt eine Wohnung in einem Wiener Stadtpalais in der Renngasse im 1. Bezirk, das im Eigentum des Chorherrenstifts Klosterneuburg steht. In der Renngasse empfing Heller im Jahr 2000 den damaligen deutschen Bundeskanzler Gerhard Schröder. Zeitweilig lebt Heller auch in der dem Giardino Botanico A. Hruska zugehörigen Villa in Gardone Riviera. Gegenwärtig lebt Heller mit dem früheren Model Albina Schmid zusammen. Er hat einen Sohn namens Ferdinand Sarnitz, der unter dem Künstlernamen „Left Boy“ Musik macht.

In seinem „heiteren Liebesroman“ Die Vereinigung von Körper und Geist mit Richards Hilfe lässt der Satiriker Chlodwig Poth den Wiener Chansonnier Andreas Herb auftreten, der ein leicht erkennbares Porträt Hellers darstellt. Poth schildert ein Abendessen der Frankfurter pardon-Redaktion mit Herb und gießt dabei reichlich Spott über den Künstler aus. (Quelle: wikipedia)

Notizbuch

2 Seiten aus dem Notizbuch des André Heller

Hier also sein Album „Stimmenhören“, das von vielen als sein wichtigstes Album eingeschätzt wird.
Es erschien fast ein Jahr nachdem Heller seine Konzerttätigkeit aufgegeben hatte.

Die Aufnahmen zu Stimmenhören fanden zwischen November 1982 und März 1983 statt und wurden in verschiedenen Tonstudios in Wien und in Hamburg eingespielt. Stilistisch lässt es sich kaum als ein „typisches“ Austropopalbum einordnen, es enthält Liedermacherelemente, wie auch frühe Beispiele von World Music. An dem Album wirkten wie fast immer bei Heller ebenso prominente wie herausragende Gastmusiker mit. Darunter der argentinische Bandoneonspieler Dino Saluzzi, der US-amerikanische Jazztrompeter Freddie Hubbard und der österreichische Geiger Toni Stricker.
Wichtige Titel

„Für immer jung“ wurde als Bob-Dylan-Cover im Duett mit Wolfgang Ambros eingespielt und gilt heute ebenso wie „Wie mei Herzschlag“ als eine der „klassischen“ Stücke des späteren Austropop. „Erhebet euch Geliebte“ war ein wichtiger Titel für die Friedensbewegung der frühen 1980er Jahre. Die Stücke „Der Mikado“ und das laut den Liner Notes auf einer Eisenbahnfahrt nach Kanton entstandene „Mir träumte“ sind Beispiele für die musikalisch-poetische Anlehnung Hellers an die Schule des Phantastischen Realismus. Bemerkenswert ist auch das von Heller auf Jiddisch gesungene und von Toni Stricker auf der Geige begleitete Volkslied „Zehn Brider“.

Das Cover zeigt ein Gemälde von Christian Ludwig Attersee unter Verwendung einer Fotografie Hellers aufgenommen von Gabriela Brandenstein.

Keine Frage: Ein beeindruckendes Album, nicht nur wegen der bunten Mischung der beteiligten Musiker (von Freddie Hubbard bis Konstantin Wecker), sondern auch wegen der poetischen Kraft von Heller´s Betrachtungen … ach, da gäbe es so anzumerken … Aber: dieses Meisterwerk selber zu entdecken ist ja auch ganz interessant.

Und ja, ein eitler Pfau war auch, zeitlebens.

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Besetzung:
André Heller (vocals)
Mischa Krausz (bass)
Horacio Lopez (drums)
Pete Maunu (guitar)
Manogo Mujica (percussion)
Peter Wolf (keyboards)
+
Wolfgang Ambros (vocals bei o6.)
Fritz Beyer (clarinet bei 05.)
Günter Dzikowski (keyboards bei 06.)
Freddie Hubbard (fluegelhorn bei 07.)
Peter Koller (guitar bei 06.)
Helmut Nowak (drums bei 06.)
Helmut Pichler (bass bei 06.)
Dino Saluzzi (bandoneon bei 03., 04.)
Toni Stricker (violin bei 05.)
Konstantin Wecker (piano bei 10.)
Benno Wieser (english horn bei 07.)
Ina Wolf (background vocals bei 02. + 07.)
+
Der Hamburger Friedenschor unter der Leitung von Irmgard Schleier (bei 09.)

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mit Konstantin Wecker in der Toskana (wo sonst ?)

Titel:
01. Der Mikado (Heller) 1.43
02. Wie mei Herzschlag (Thompson/James/Christopher/Heller) 3.25
03. Tulios Lied (Heller/Hoffmann) 4.17
04. Die Hundertjährige (Sardou/Heller) 4.04
05. Zehn Brider (Jiddisches Volkslied/Heller) 6.13
06. Für immer jung (Dylan/Ambros/Heller) 3.54
07. Der erste Reif in Rimini (Wolf/Heller) 4.17
08. Mir träumte (Wolf/Heller) 4.20
09. Erhebt euch Geliebte (Heller/Hoffmann)     4:16
10. Nachbemerkung (Wecker/Heller) 2.25

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Verschiedene Interpreten – Hans Rosenthal präsentiert Höhepunkte aus „Das gibt´s nur einmal“ (1983)

FrontCover1Im Jahre 1983 präsentierte die ARD ein ganz besondere Show !

Um dieses Satz so richtig zu verstehen, bedarf es einer Einnerung an Hans Rosenthal:

Hans Rosenthal wuchs in einer jüdischen Familie in Berlin-Prenzlauer Berg (Winsstraße 63) auf und erlebte als Kind die wachsende antisemitische Verfolgung durch den Nationalsozialismus. Sein Vater starb 1937 an Nierenversagen, seine Mutter 1941 an Darmkrebs. Sein Bruder Gert (26. Juli 1932−Oktober 1942)[1] und andere Angehörige wurden im Holocaust ermordet. Hans Rosenthal wurde ab 1940 von den Nationalsozialisten zu Zwangsarbeit herangezogen; er arbeitete u.a. als Totengräber bei Fürstenwalde und als Akkordarbeiter in einer Blechemballagenfabrik in Berlin-Weissensee und Torgelow. Ab 1943 tauchte er in der Berliner Kleingartenanlage „Dreieinigkeit“ (Bezirk Lichtenberg) unter und überlebte bis zum Kriegsende im Versteck, wo er von drei nichtjüdischen Berlinerinnen unterstützt wurde.

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Der kleine Hans Rosenthal

1945 machte er eine Ausbildung beim Berliner Rundfunk, wo er danach als Regieassistent arbeitete und das erste Hörspiel Nathan der Weise betreute. Zeitweise war er auch im Betriebsrat des Berliner Rundfunks tätig, dies führte jedoch zunehmend zu Konflikten mit den Aufsichtsgremien der sowjetisch gesteuerten Rundfunkanstalt. Deshalb ging Rosenthal im Jahre 1948 in die Westsektoren und wechselte zum RIAS, wo er zunächst als Aufnahmeleiter und Unterhaltungsredakteur seine Rundfunkkarriere startete. Er wurde schließlich einer der beliebtesten deutschen Quizmaster von Unterhaltungssendungen im Hörfunk. Beim RIAS Berlin gestaltete er in den 1950er- bis 1980er-Jahren Rate- und Unterhaltungssendungen, die er auch meistens selbst entwarf. Dazu gehören Allein gegen alle, Wer fragt, gewinnt, Kleine Leute – große Klasse, Das klingende Sonntagsrätsel, Spaß muß sein, Opas Schlagerfestival, Da ist man sprachlos, Frag mich was, Die Rückblende und Günter Neumann und seine Insulaner (als Aufnahmeleiter), Spiel über Grenzen und im Fernsehen Gut gefragt ist halb gewonnen, Dalli Dalli sowie Rate mal mit Rosenthal, KO oder OK, Alles mit Musik, Eins plus eins gegen zwei, Erinnern Sie sich noch ?, Gefragt – Gewusst – Gewonnen, Mal seh’n was uns blüht, Quizparade, Hans Rosenthal stellt vor, Zug um Zug und Das Schlagerfestival der 20er Jahre im ZDF. Eine seiner besten Sendungen war die ARD-Show Das gibt’s nur einmal – Noten, die verboten wurden (Buch: Curth Flatow) aus dem Jahre 1983; in dieser Sendung versuchte Rosenthal, die Zeit des Nationalsozialismus in einer Unterhaltungssendung zu verarbeiten. Hier zeigte Rosenthal in einer pointiert gesetzten Conference, dass er neben seiner vielseitigen Arbeit als Quiz- und Showmaster auch über

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Der große Hans Rosenthal

lange Jahre hinweg politische Kabarettsendungen gestaltet und geleitet hat. Seine Schlussconference von damals hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt: „Vor 50 Jahren fing alles an, und wir alle können nur hoffen, dass diese Vergangenheit keine Zukunft hat!“ Der SPIEGEL schrieb in den 1980er-Jahren über Rosenthal, dass seine Herzlichkeit „nahe dem Gefrierpunkt“ sei und er allzu harmlos daherkam. Beim Fernseh- und Radiopublikum kam Rosenthal jedoch nach wie vor gut an. Bekannt wurde er durch die Moderation der ZDF-Sendung Dalli Dalli und seine wiederkehrende Frage an das Publikum „Sie sind der Meinung, das war…?“, worauf das Publikum stets begeistert „Spitze!“ rief, während Rosenthal einen – im Fernsehbild kurz „eingefrorenen“ – Luftsprung vollführte, der sein Markenzeichen wurde.
Obwohl Rosenthals Betätigungsfeld im Hörfunk und Fernsehen überwiegend auf Deutschland konzentriert war, hat er auch einige Sendungen im Ausland produziert: Bereits im Jahre 1966 veranstaltete er im Paris Theatre in London die Sendung „Spaß muß sein“ (Aufnahme: 11. Juli 1966) anlässlich der Fußballweltmeisterschaft (eine Coproduktion zwischen der BBC – Deutschsprachiger Dienst und dem RIAS, SFB, NDR und SDR); es folgten aus der Schweizer Halle in Tondern/Dänemark „Wer fragt – gewinnt“ (Aufnahme: 11. April 1970) und „Spaß muß sein“ aus dem Brucknerhaus in Linz/Österreich (Aufnahme: 10. November 1984) sowie jeweils 2 Sendungen jährlich von „Dalli, Dalli“ aus Wien.
Zwei von Rosenthal begründete Hörfunk-Sendereihen laufen im Deutschlandradio Kultur. Es ist die Reihe Sonntagsrätsel (früher: Das klingende Sonntagsrätsel), die sonntags mit Christian Bienert als Moderator ausgestrahlt wird, und das Städtequiz Allein gegen alle, das im Rahmen der Reihe Aus den Archiven einmal im Monat gesendet wird.
Rosenthal engagierte sich seit den 1960er Jahren im Zentralrat der Juden in Deutschland, ab 1973 als Mitglied seines Direktoriums, in der Jüdischen Gemeinde zu Berlin sowie in diversen sozialen Projekten. Sein bevorzugter Ferienort war Utersum auf Föhr, dessen Ehrenbürger er wurde.

Hans Rosenthal
In der Zeit von 1965 bis 1973 war der bekennende Fußballfan auch Präsident des Fußballvereins Tennis Borussia Berlin. Die in diesem Verein tätige und von ihm mitgegründete „Prominenten-Elf“ trägt seit seinem Tod den Namen „Hans-Rosenthal-Elf“ und sammelt Gelder für die Hans-Rosenthal-Stiftung „Schnelle Hilfe in akuter Not e.V.“
1980 veröffentlichte Rosenthal unter dem Titel Zwei Leben in Deutschland seine Autobiographie. Er starb 1987 an Magenkrebs und wurde auf dem Jüdischen Friedhof Heerstraße in Berlin beigesetzt. Mit seiner Frau Traude hat Hans Rosenthal eine Tochter und einen Sohn.(Quelle:

Rosenthal war also mehr als unmittelbar vom dreckigen Terror des Nazipacks betroffen.  Dass er damals diese Show moderierte, erfüllt mich heute mich großer Achtung, auch wenn ich damals seinen “Dalli-Dalli“ Klimbim als mehr als überflüssig empfand.

Und die „Jüdische Allgemeine“ Zeitung schrieb erst neulich (09.01.2014) über diese Show:

Das gibt’s nur einmal – Noten, die verboten wurden«, lautete der Titel einer Show, die Hans Rosenthal 1983 in der ARD präsentierte. Auf dem Programm: populäre Musik mit Texten und Melodien jüdischer Autoren und Komponisten, die unter den Nazis in Deutschland Aufführungsverbot hatten.

Werner Richard Heymann etwa, desssen Schlager Das gibt’s nur einmal der Sendung den Namen gab, Fritz Rotter und Walter Jurman von den »Comedian Harmonists« (Veronika, der Lenz ist da), Operettenkomponisten wie Leon Jessel (Schwarzwaldmädel), Emmerich Kálmán (Die Csárdásfürstin) und Paul Abraham (Ball im Savoy).

Die von ihm ausgewählten Musiktitel ergänzte Rosenthal mit Zitaten aus der Zeit des Nationalsozialismus und Ausschnitten aus der Wochenschau. Diese Sendung war für ihn eine Herzensangelegenheit. Hans Rosenthal hatte die Schoa versteckt in einer Laubenkolonie überlebt.

»Es war ein dunkles, trauriges Kapitel im Buch der deutschen Geschichte, das vor 50 Jahren anfing«, sagte der populäre Entertainer in der Live-Sendung: »Ich bin stolz, als Berliner diese Sendung präsentieren zu dürfen. Von hier nahm vieles, beinahe alles davon, seinen Anfang, aber hier haben auch viele schöne Melodien das Licht der Welt erblickt.«

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Und in wikipedia kann man dann noch folgendes über diese Show lesen:

„Zu einer seiner besten Sendungen zählt die ARD-Show „Das gibt’s nur einmal – Noten, die verboten wurden“ (Buch: Curth Flatow) aus dem Jahre 1983; in dieser Sendung versuchte Rosenthal, die Zeit des Nationalsozialismus in einer Unterhaltungssendung zu verarbeiten. Hier zeigte Rosenthal in einer pointiert gesetzten Conference, dass er neben seiner vielseitigen Arbeit als Quiz- und Showmaster auch über lange Jahre hinweg politische Kabarettsendungen gestaltet und geleitet hat. Seine Schlussconference von damals hat auch heute nichts an Aktualität eingebüßt: „Vor 50 Jahren fing alles an, und wir alle können nur hoffen, dass diese Vergangenheit keine Zukunft hat!“

Ich kann da nur sagen: Respekt, auch wenn die Musik … nur bedingt zu meinem bevorzugtem Repertoire gehört (wobei mir Seite 2 mit ganz viel Horst Jankowski deutlich besser gefällt).

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Besetzung:
Diverse Interpreten
+
Rias Orchester unter der Leitung von Horst Jankowski
Rias Orchester unter der Leitung von Willy Mattes

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Titel:
01. RIAS Orchester: Das gibt´s nur einmal (Richard/Heymann/Gilbert) 1.38
02. Heinz Holecek: Die Musik kommt (Straus/v.Liliencron) 2.52
03. Brigitte Lindner: Erklingen zum Tanze die Geigen (Jessel/Neidhardt) 1.30
04. Martin Finke & Dagmar Koller: Malwine, ach Malwine (Jessel/Neidhardt) 0.48
05. Martin Finke: Mädle aus dem schwarzen Wald (Jessel/Neidhardt) 1.09
06. Rudolf Schock: Zwei Märchenaugen (Kálman/Brammer/Grünwald/Jenbach) 2.18
07. Frieder Stricker: Ganz ohne Weiber geht die Chose nicht (Kálman/Stein) 2.18
08. Martin Finke & Brigitte Lindner: Irgendwo auf der Welt (Heymann/Gilbert) 2.25
09. Tamara Lund: Heut könnt´ einer sein Glück bei mir machen (Fall/Schenzer/Wellisch) 1.24
10. Ernst H. Hilbich & Tamara Lund: Joseph, ach Joseph (Fall/Schenzer/Wellisch) 1.30
11. Botho Lucas-Chor: Ausgerechnet Bananen (Yes, We Have No Bananas) (Silver/Cohn/Beda) 1.10
12. Horst Jankowski: Alexanders´s Ragtime Band + Always (Berlin) 1.25
13. Botho Lucas-Chor: Veronika, der Lenz ist da (Jurmann/Rotter) 1.37
14. Horst Jankowski: Tiger Rat (LaRocca) 1.08
15. Botho Lucas-Chor: Ich weiß nicht, was soll das bedeuten (Die Loreley) (Silcher/Heine) 1.13
16. Horst Jankowski: Parade der Zinnsoldaten (Jessel) 1.44
17. Beate Granzow, Helmut Wallner & Tamara Lund: Es ist so schön am Abend bummeln zu gehn + Toujours L´amour (Abraham/Günwald/Löhner) 2.17
18. Beate Granzow & Helmut Wallner: Mausi (süß warst du heute nacht) (Abraham/Günwald/Löhner) 0.58
19. Horst Jankowski: Macke-Messer-Song (Brecht/Weill) 2.10
20. Beate Granzow & Helmut Wallner: Wer wird denn weinen, wenn man auseinandergeht + Und zum Schluß schuf der liebe Gott den Kuss (Hirsch/Rebner/Berg) 1.56
21. Willy Mattes: Can-Can (Offenach) 1.56

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Maria Bill – Maria Bill (1983)

FrontCover1.JPGManchmal lang ich mir ja an Hirn … wie konnte es nur dazu kommen, dass ich diese Maria Bill erst jetzt entdecke … ist sie doch eine der profiliertesten Sängerinnen Österreichs (auch wenn sie eigentlich aus der Schweiz kommt) … und als Schauspielerin wusste sie wohl auch zu glänzen:

Maria Bill (* 15. November 1948 in Trogen, Schweiz) ist eine Schweizer Schauspielerin und Sängerin.

Maria Bill ist eine von vier Töchtern von Arthur Bill und seiner Frau Berta. Ihre Eltern arbeiteten im internationalen Kinderdorf Pestalozzi in Trogen im Appenzeller Mittelland, deshalb wuchsen die vier Schwestern auch dort auf. Aufgrund der Internationalität im Dorf lernte Bill die Lust an Sprachen und am Imitieren dieser. Einmal jährlich wurde den Kinderdorfpaten eine Tanz- und Singvorstellung der Kinder geboten, wodurch Bills Interesse am Schauspiel geweckt wurde.

Anfang der 1970er Jahre wurde Maria Bill von ihrer Mutter, die ihrerseits daheim Lieder der Piaf gesungen hatte (vgl. Abschnitt Musikkarriere unten), nach Zürich auf die Schauspielschule geschickt. 1971 bis 1974 hatte sie ihr erstes Engagement am Zürcher Theater am Neumarkt. Nach drei Jahren als Ensemblemitglied wurde sie von den Kollegen per Ensemblebeschluss hinausgeworfen: „Du fühlst dich als Küken im Nest zu wohl. […] Du musst raus in die Provinz und die Scheiße kennenlernen!“

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Maria Bill und  Michael Schottenberg, 1980

Auf Anregung des damals noch jungen, späteren Regisseur Christoph Marthaler, den Bill als Straßenmusiker in Zürich kennenlernte, kam sie anschließend auf die Theaterschule von Jacques Lecoq in Paris: „Lecoq hat mich befreit und mir die Hemmungen genommen.“ Dort setzte sie sich auch mit ihrem komödiantischen Talent auseinander.

Zurückgekehrt nach Zürich wollte sie gemeinsam mit einem Clownkollegen und einem Kastenwagen durch die Lande touren. Zu dieser Zeit gastierte in Zürich auch Hans Gratzer mit seinem „Flittertheater“, den Bill dort ebenso kennenlernte, wie sein „Truppenmitglied“ Michael Schottenberg, ihren späteren Ehemann:

„Ich dachte mir: Eigentlich ist es genau das, was ich machen möchte! Da will ich mit! Ich bin also mit dem Clown nach der Vorstellung zum Gratzer, um ihm das zu sagen. Er hat es eingesehen und uns beide tatsächlich gleich mit auf Tour genommen. So habe ich dann auch den Schottenberg kennengelernt, und als mich der Gratzer mit nach Wien nehmen wollte, hatte ich gar nichts dagegen.“ (Maria Bill)

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Maria Bill im Jahr 1985 beim Austria Rockfestival in Voitsberg

Bill war sodann ab Gründung im Jahr 1978 beim ersten Ensemble des Wiener Schauspielhauses dabei. Der Gründer Gratzer hatte fünf Premieren hintereinander angesetzt, wobei das Haus nach der Adaption auf Theater vom Ensemble selbst noch fertig hergerichtet werden musste: „Wir haben gehackelt wie die Wahnsinnigen – und hinten noch die Häusln geputzt, während vorn schon das Publikum mit den Sektgläsern in der Hand herumstand.“ Breitere Bekanntheit erlangte die Bill im Jahr 1982 mit einem am Schauspielhaus gespielten und gesungenen Stück über das Leben der Édith Piaf, für das sie mit der Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnet wurde. Es folgte 1982/83 eine Tournee in die Schweiz und nach Deutschland mit Auszeichnung mit dem Goldenen Theatertaler der Stadt Berlin.

In der Folge spielte sie unter anderem im Theater in der Josefstadt, am Burgtheater und in Michael Schottenbergs Theater im Kopf. 1995 bis 2004 wurde sie von Emmy Werner ans Volkstheater geholt. Für ihre Darstellung der Salome Pockerl in Nestroys Der Talisman erhielt sie den Karl-Skraup-Preis, als Bertolt Brechts Mutter Courage feierte sie ebenfalls Erfolge. Auch in der Direktionszeit ihres Ehemanns Michael Schottenberg ab der Spielsaison 2005/06 war Maria Bill auf der Bühne des Volkstheaters zu sehen, darunter als Sally Bowles in Cabaret (2007), in Wer hat Angst vor Virginia Woolf sowie in Hiob. In der Spielzeit 2013/2014 stand sie „in einer der wunderbarsten Rollen auf ‚ihrer‘ Bühne“ (ORF/Ö1[3]): Sie spielte in Glorious (Regie: Michael Schottenberg) die „berühmteste Falschsängerin aller Zeiten“ (ORF/Ö1), Florence Foster Jenkins. Ab Februar 2014 spielte sie mit Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (Regie: Schottenberg) in einem weiteren Stück von Bertolt Brecht.

Bei den Salzburger Festspielen in den Jahren 1999 und 2010 verkörperte sie im Jedermann die Guten Werke.

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Im September 2010 fasste Maria Bill in ihren Dankesworten anlässlich des ihr verliehenen Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ihre Zeit in Wien zusammen mit:

„Eigentlich wollte ich nur kurz bleiben, und heute, nach 30 Jahren, bin ich immer noch hier. Wien hat mich mit offenen Armen empfangen und aufgenommen. Ich habe hier tolle Menschen kennengelernt und wichtige Rollen gespielt.Ausgangspunkt ihrer musikalischen Karriere waren Bills Auftritte über die Piaf:

„Andere schreiben ihre Sehnsüchte und Verzweiflungen als Jugendliche in Tagebücher, bei mir waren es Lieder. Sie sollten aber lange Zeit mein Geheimnis bleiben. Als ich 1982 im Schauspielhaus dann dieses Stück über Edith Piaf spielen und singen durfte, hat mir diese Alte irrsinnig Mut gemacht. ‚Wenn ich singe, bin das ich‘, hat sie gesagt, und das hielt ich für eine gute Idee. Die Plattenfirmen haben mir damals die Tür eingerannt! Ich sollte allerdings Piaf-Lieder singen, und das fand ich absurd – denn die gab es ja im Original. Also habe ich meine eigenen Lieder aus der Schublade geholt.

Christian Kolonovits als ihr Produzent und Maria Bill sichteten daraufhin ihren vorhandenen Liederbestand und sortierten aus. Trotzdem die beiden am nächsten Tag aus den aussortierten Liedern wieder welche hinzunahmen, blieben es für eine (erste) Langspielplatte zu wenige, woraufhin Kolonovits meinte, Bill müsse noch etwas schreiben. Als „Geschenk des Augenblicks passiert[e]“ ihr dann an einem weiteren Tag der zukünftige Hit „I mecht landen“.

Single

Die Single. 1983

Mit dem 1983 veröffentlichten Debütalbum (LP) Maria Bill gelang es ihr, im folgenden Jahr in den Spitzenbereich der Hitparade vorzudringen. Der darauf enthaltene Titel I mecht landen gilt als erfolgreicher Vertreter des Austropop. Im September 2012 wurde ihr schon seit längerer Zeit vergriffenes Album von 1983 unter dem Titel Anniversary Edition sowie mit ihren Liedern bis 1987 auf einer Doppel-CD neu veröffentlicht. Mit einem Großteil dieser Lieder ging der „Kurzzeit-Austropop-Star“ (Falter), beginnend ab 5. Oktober im Wiener Konzerthaus, auf Abschiedstournee.

Neben der Interpretation der eigenen Lieder zählen ihre musikalischen Programme mit Chansons von Édith Piaf und Jacques Brel zu ihren Erfolgen. Immer wieder singt sie weiterhin unter den Titeln Maria Bill singt Edith Piaf, Maria Bill singt Jacques Brel, sowie Maria singt Bill[2] auf verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum.

Im Oktober 2014 – in der Abschiedssaison von Michael Schottenberg – war Maria Bill mit Liedern von Kurt Weill und Bertolt Brecht auf der Bühne des Volkstheaters.

Dem Publikum ist sie auch durch Rollen in den Fernsehserien Kottan ermittelt und Trautmann bekannt, in den Filmen Das Geheimnis (1992), Averills Ankommen (1992) und Das zehnte Jahr (1995) spielte sie Hauptrollen. 2006 spielte sie die Prostituierte Herta im Spielfilm Slumming von Michael Glawogger.

Maria Bill beteiligte sich auch an Hörspielen. Das 1981 erschienene Kinderbuch Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel von Mira Lobe und Winfried Opgenoorth wurde 1993 von Erich Meixner vertont. Sie leiht darin der Hauptfigur Valerie ihre Stimme.

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Gemälde von Alfred Biber

Maria Bill war 35 Jahre mit dem Schauspieler, Regisseur und ehemaligen Direktor des Volkstheaters Michael Schottenberg verheiratet. Ende 2011 machten sie die Trennung öffentlich. Maria Bill spricht von ihm, ohne den Vornamen zu nennen, als (den) Schottenberg.

Deren beider Sohn ist der österreichisch-schweizerische Schauspieler und Musiker Tany Schottenberg (* 1988), der aus seinen beiden Vornamen seinen Künstlernamen Tany Gabriel gebildet hat.

Maria Bill lebt in Wien-Neubau und fährt in der Stadt mit dem Fahrrad, unter anderem zu Interviews. Sie beherrscht die im Appenzeller Raum Talerschwingen genannte Technik, wobei eine 5-Franken-Münze in einer Tonschüssel kreisen gelassen wird. (wikipedia)

Das nenn ich ein pralles Leben !

Hier ihr Erstlingswerk und ich sag´s mal, wie es ist: Dieses Album ist einfach ne Wucht !

Da haben wir eine großartige Stimme, da haben wir Texte, die unter die Haut gehen („Lass dich nicht schrecken„, „Ich will keine Angst haben„, „Kaktus“). Bestimmte Textzeilen möchte man am liebsten in den Arm  und mit in den Schlaf nehmen.

Die Musik … mal zärtlich, mal stürmisch, mal zornig, mal sehnsüchtig …  die Facetten all jener intensiven Emotionen einfangend … und eine Band, die dazu aufmerksam, kraftvoll und zugleich sensibel aufspielt.

Das Album: Ein Triumph intensiver Emotionen … !

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Besetzung:
Maria Bill (vocals)
Christian Felke (saxophone)
Christian Kolonovits (keyboards)
Mischa Krausz (bass)
Jürgen Zöller (drums, percussion)

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Titel:
01. Lass dich nicht schrecken (Kolonovits/Bill) 3.42
02. I Mecht landen (Kolonovits/Bill) 4.31
03. Meine Schuhe (Bill) 3.06
04. Café De Flore (Bill) 4.38
05. May Be (Bill) 3.36
06. Was ist los (Bill) 2.59
07. Kaktus (Kolonovits/Bill) 5.31
08. Ich will keine Angst haben (Bill) 4.43
09. Amsterdam (Bill) 1.31
10. Der letzte Gspritzte (Bill) 4.15

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Volker Kriegel – Schöne Aussichten (1983)

LPFrontCover1.jpgMein Gott … schon längst hätte ich ihm einen ganz wichtiger Platz hier einräumen müssen … nun ist es aber soweit:

Volker Kriegel (* 24. Dezember 1943 in Darmstadt; † 14. Juni 2003 in San Sebastián) war ein deutscher Jazzmusiker, Zeichner und Schriftsteller. Er gilt als einer der Protagonisten des Jazzrock in Deutschland und war entscheidend an der Etablierung und Entwicklung dieser Stilrichtung in Europa beteiligt.

Volker Kriegel brachte sich das Gitarrespielen seit seinem 16. Lebensjahr selbst bei. Zu seinen ersten musikalischen Vorbildern gehörte das damalige Oscar Peterson Trio mit dem Gitarristen Herb Ellis. Mit einem ersten eigenen Trio gemeinsam mit einem Pianisten und einem Bassisten trat er nach diesem Vorbild in Clubs in Wiesbaden und Mainz auf.

Nachdem er nach dem Abitur zunächst als Zeichenlehrer gearbeitet hatte, gründete Volker Kriegel bald darauf ein Trio mit Lothar Scharf am Schlagzeug, mit dem er 1964 beim Düsseldorfer Amateurjazzfestival Preise als bester Gitarrist und bester Solist gewann. 1965 wurde er Mitglied des Quintetts von Claudio Szenkar.

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Volker Kriegel, 1972

Anfang der 1960er Jahre studierte Volker Kriegel an der Goethe-Universität Frankfurt Soziologie und Psychologie. Während seiner Studienzeit war Kriegel erstmals in der Frankfurter Jazz-Szene engagiert und spielte in Jam Sessions mit Albert und Emil Mangelsdorff, Fritz Hartschuh, Gustl Mayer und Rolf Lüttgens. Bereits zu dieser Zeit arbeitete Kriegel auch als Zeichner für Zeitungen.

Nach dem Vordiplom 1964 brach Volker Kriegel das Studium, welches er später als „Seminar-Langeweile, dazwischen Splitter von Interesse & Erkenntnis“ beschrieb, ab. Maßgeblich durch seine Kontakte aus dem Jazzkeller beeinflusst entschied er sich daraufhin gegen eine Arbeit als Zeichenlehrer und für den Weg zum Profi-Musiker. 1967 war Volker Kriegel Mitglied der am Mainstream Jazz orientierten Swinging Oil Drops von Emil Mangelsdorff und der Sound Constellation von Gustl Mayer, wirkt aber auch am Album Doldinger Goes On des Jazz-Saxofonisten Klaus Doldinger mit. Von 1968 bis 1973 war er Mitglied des Dave Pike Set, dessen wachsender Erfolg Ende der 1960er Jahre Kriegels Übergang zum Berufsmusiker markiert. Bereits mit dem Dave Pike Set wendete sich Kriegel von einem als E-Musik verstandenen Jazz ab und orientiert sich stilistisch an populären Klängen und Rhythmen aus Bossa Nova und Beat. Kriegel formuliert zu Zeiten des Dave Pike Set: „Mit rückwärts gerichteter Jazz-Romantik und weinerlicher Attitüde ist keinem geholfen. Denn das Gerede der Ideologen, Jazz sei automatisch mehr wert als Unterhaltung, hat uns bloß alle in die Ecke gedrängt.“

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Bereits 1968 tritt er mit eigener Band als Volker Kriegel-Quartett (Claudio Szenkar (vib), Eberhard Leibling (b), Peter Baumeister (dr)) auf dem 11. Deutschen Jazzfestival in Frankfurt auf, wodurch seine Bekanntheit weiter wächst und er schnell als „Deutschlands Jazz-Gitarrist Nummer eins“ gilt.

1972 veröffentlichte er die wegweisende Doppel-LP Inside: Missing Link und wurde damit zu einem Protagonisten des deutschen Jazzrock. Bereits im ersten Jahr wurden 7.000 Exemplare verkauft, was für eine deutsche Jazz-Produktion – zumal beim kleinen Label MPS – ein gutes Ergebnis war. Im Laufe der Jahre wurden es ca. 20.000. 1973 gründete er nach seinem Ausscheiden aus dem Dave Pike Set die Band Spectrum (mit Eberhard Weber (b), Rainer Brüninghaus (keyb), Joe Nay (dr)), mit der er 1974 bei dem deutschen Plattenlabel MPS die LP Mild Maniac veröffentlichte. (Quelle: wikipedia)

Und der Rest ist Geschichte: Volker Kriegel wurde zum bedeutendsten deutschen Jazzgitarristen und das völlig zu recht … er war schlicht und ergreifen phänomenal !

Und das kann man auch bei diesem Album hören … da funkelt dieser muntere Jazz-Rpck, die furiosen Passagen korrespondieren mit den leisen Klängen, dass es eine wahre Freude ist … Da kennt die Spielfreude kaum eine Grenze … und das hat sich auch nach all den Jahren seines musizierens nie geändert. Und auf „Bamako“ kann man ihn dann auch auf der Sitar hören … und da könnte man doch glatt die Welt umarmen … Weltmusik eben …

Vergessen werden darf aber nicht, dass er auch bei diesem Album umringt war von all diesen kogenialen Begleitmusiskern, allen voran Hans Peter Stroer …

… und es ist einfach nur verdammt traurig … dass so ein begnadeter Musiker so früh abzutreten hatte.

Volker Kriegel starb 2003 im Alter von 59 Jahren.

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Besetzung:
Volker Kriegel (guitar, Sitar, Synthesizer)
Frank Loef (saxophone)
Wolfgang Schlüter (vibraphone)
Hans Peter Ströer (bass, synthesizer, guitar)
+
Thomas Bettermann (keyboards bei 01. – 03.)
Evert Fraterman (drums bei 05.)
Michael di Pasqua (drums, percussion bei 07. + 08.)
Ernst Ströer (percussion bei 01., 04. – 06., drums bei 02., keyboards bei 01. + 02.)
Eberhard Weber (bass bei 08.)
Junior Weerasinghe (drums bei 01. + 04.)

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Titel:
01. Freibad Süd (Kriegel) 4.59
02. Buschtaxi (H.P.Ströer/Kriegel) 5.39
03. Belle Vue (Kriegel) 3.53
04. Pronto Subito (H.P.Ströer) 4.57
05. Übermalung (Kriegel) 6.19
06. Bamako (H.P.Ströer) 3.59
07. Balance (Kriegel) 5.28
08. Blues in Bewegung (Kriegel) 4.19

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Volker Kriegel (* 24. Dezember 1943 in Darmstadt; † 14. Juni 2003 in San Sebastián)

 

Sönke Wortmann – Das Wunder von Bern (DVD rip) (2003)

FrontCover1.jpgUnd wieder mal so ein Film, der mir eine Herzensangelegenheit ist:

Das Wunder von Bern ist ein Spielfilm des Regisseurs Sönke Wortmann aus dem Jahr 2003, der gemeinsam mit Rochus Hahn auch das Drehbuch schrieb. Es wird die Geschichte von Deutschlands unerwartetem Sieg bei der Fußball-Weltmeisterschaft 1954 in Bern (dem sogenannten Wunder von Bern) erzählt. Darüber hinaus beschreibt der Film die Schwierigkeiten eines heimgekehrten Kriegsgefangenen, der sich in seinem alten Leben nicht mehr zurechtfindet, parallel zum deutschen Erfolg aber seinem Sohn und seiner Familie wieder näherkommt.

Während der Bergmann Richard aus Essen als Soldat an der Front und später in sowjetischer Kriegsgefangenschaft war, hat seine Familie gelernt, ohne ihn auszukommen. Er gehört zu den sogenannten Spätheimkehrern, über 12 Jahre hat ihn seine Familie schon nicht mehr gesehen. Nach seiner Rückkehr 1954 muss er feststellen, dass sein älterer Sohn Bruno seine Rolle in der NS-Zeit sehr kritisch hinterfragt, seine Tochter Ingrid mit britischen Besatzungssoldaten (dem ehemaligen Feind) flirtet und sein elfjähriger Sohn Matthias (Rufname Mattes), der in seiner Abwesenheit geboren wurde, Helmut Rahn als Vorbild und Vaterfigur ansieht. Es gelingt ihm vorerst nicht, sich in seine Familie wieder einzufügen.

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Helmut Rahn und die Spieler der Nationalmannschaft werden zum 26. Mai 1954 in die Sportschule Grünwald zur Vorbereitung auf die Fußball-Weltmeisterschaft geladen. Rahn ist frustriert, weil er kein Stammspieler ist und vom Nationaltrainer Sepp Herberger in der Vorrunde lediglich gegen Ungarn eingesetzt wird. Im Turnier gelingt es der deutschen Mannschaft, als Außenseiter bis ins Endspiel zu kommen.

Langsam bessert sich das Verhältnis zwischen Richard und Sohn Mattes, und auch Helmut Rahn wird nach der Vorrunde bei allen Spielen aufgestellt. Im Endspiel gegen Ungarn schießt er das entscheidende Tor zum 3:2-Endstand, womit am 4. Juli 1954 der deutschen Mannschaft eine Sensation gelingt, die nach Jahren der Niedergeschlagenheit in der Nachkriegszeit eine ungeahnte Welle an Euphorie im Land auslöste, aber auch Patriotismus und Nationalgefühl.

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Anstelle eines „reinen“ Sportfilms drehte Wortmann einen Film, der auch die gesellschaftlichen und sozialen Verhältnisse in Nachkriegsdeutschland aufzeigt. Die ganze Familie Lubanski steht stellvertretend für verschiedene Aspekte:

Vater Richard steht für jene Generation, die viele Jahre in einem sinnlosen Krieg verloren hat. Er kommt mit einem schweren Trauma aus sowjetischer Kriegsgefangenschaft zurück, und in der Heimat ist er nicht mehr die respektierte Vaterfigur und der Ernährer der Familie, sondern fällt seiner Familie eher zur Last. Mutter Christa ist eine klassische Trümmerfrau, die sich in ihrer kleinen Kneipe mühsam eine neue Existenz geschaffen hat. Der siebzehnjährige Sohn Bruno, mit den Verbrechen der Nazis aufgewachsen, wurde zum Kommunisten. Er glaubt an Marx’ Vision einer klassenlosen Gesellschaft. Da er meint, in der Deutschen Demokratischen Republik werde man die marxistischen Ideale tatsächlich umsetzen, wandert er dorthin aus. Die sechzehnjährige Tochter Ingrid verkörpert jene, welche die US-amerikanische Kultur und moderne Musikstile mit offenen Armen empfangen. Sie ist zwar ebenfalls eine gewissenhafte Arbeiterin, will sich aber nicht ständig mit dem Krieg befassen, sondern ihr Leben auch genießen. Matthias, mit elf Jahren der Jüngste, steht für jene Kinder, deren Väter viele Jahre an der Front oder in Gefangenschaft verbracht haben und somit vaterlos aufwachsen mussten. Auf der Suche nach einem Ersatzvater fand er diesen in Helmut Rahn.

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Neben dieser Familie wird das junge Ehepaar Ackermann aus München vorgestellt: Annette Ackermann, geborene von Hadding, kommt aus reichem Hause, ihr Mann Paul ist Sportjournalist bei der Süddeutschen Zeitung. Damit hat der Film die Gelegenheit, auch die schicke, glamouröse Seite der fünfziger Jahre zu präsentieren. Das ironische Gekabbel des Paares sorgt für einen heiteren Kontrapunkt gegenüber der eher traurigen Heimkehrergeschichte; außerdem wird die oftmals unterschiedliche Sichtweise thematisiert, die Männer und Frauen vom Fußball haben.

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Das historische Ereignis „Fußballweltmeisterschaft“ ist ein weiterer Handlungsstrang des Films. In diesem konzentriert sich der Film ausschließlich auf die deutsche Mannschaft, insbesondere auf Trainer Herberger, Kapitän Fritz Walter und vor allem Helmut Rahn, der über seine Freundschaft mit dem jungen Matthias die Brücke zur Geschichte der Familie Lubanski schlägt.

Filme, die in der Nachkriegszeit spielen, haben häufig einen Bezug zur NS-Diktatur und dem Krieg. So enthält dieser eine Szene, in welcher der ältere Sohn dem Vater vorwirft, einfach „mitmarschiert“ zu sein, worauf der Vater entgegnet, als Einzelner könne man doch nicht anders. Hierauf zitiert der Sohn die Parole „Du bist nichts, dein Volk ist alles“, welche ein Grundsatz der nationalsozialistischen Weltanschauung war und die Unterordnung des Einzelnen beschreibt.

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Später, als der Vater langsam menschlich auftaut, erzählt er seinem jüngsten Sohn von seiner Kriegsgefangenschaft in der Sowjetunion und erwähnt dabei auch die vorangegangenen Kriegsverbrechen von deutscher Seite. Er erzählt auch, dass russische Bauern ihm zu essen gaben und dass ihn auf dem Rückmarsch ein Russe freundlich aufgenommen habe, obwohl (oder weil) dessen Sohn im Krieg gefallen war.

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Gegenübergestellt wird in dem Film mehrmals eine „altdeutsche“ Haltung im Vergleich zu einer „modernen“. Der Bundestrainer Herberger unterhält sich mit einer Schweizer Putzfrau über ihre und seine „Kinder“ (in seinem Fall die Spieler) und wird von ihr belehrt, dass man die Kinder nicht immer gleich bestrafen müsse, so wie das in Deutschland wohl üblich sei. (Die Szene enthält einen sprachlichen Anachronismus, als man Herberger die aus dem amerikanischen übernommene Redewendung „Der frühe Vogel fängt den Wurm“ in den Mund legt, die in Deutschland bis in die 1980er Jahre nicht geläufig war.)

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Besonders thematisiert wird dieser Gegensatz in der Familie Lubanski: Der Vater, dessen Leben bisher nur aus Befehl und Gehorsam bestand, will „Disziplin“ und „Ordnung“ in der Familie, vor allem bei seinen Kindern. Die Mutter verweist auf Leistungen und Erfolge von ihr und den Kindern in schwierigen Zeiten, und dass sie ohne seine Vorwürfe vor seiner Rückkehr eine den Umständen entsprechend glückliche Familie waren. Als der Vater seinem jüngsten Sohn eine Ohrfeige verpasst, mahnt er ihn zusätzlich mit den Worten „ein deutscher Junge weint nicht“. Als er selbst zum Ende des Films derjenige ist, der zu weinen anfängt, wird er vom Sohn mit den Worten getröstet, dass ein deutscher Junge auch mal weinen dürfe.

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Alle Schauspieler, die im Film die deutschen sowie die ungarischen Fußballer darstellen, haben tatsächlich mindestens in der Oberliga Fußball gespielt. Knut Hartwig, der Fritz Walter spielte, absolvierte 71 Spiele in der 2. Bundesliga für den Wuppertaler SV. Hartwigs ehemaliger WSV-Vereinskollege Christian Broos (als Werner Kohlmeyer) bestritt insgesamt 47 Zweitligaspiele. Matthias Sellmann (als Fritz Laband) war in den Neunzigern unter anderem für Borussia Dortmund und den 1. FC Saarbrücken aktiv. Der Darsteller Sascha Göpel war in seiner Jugend u. a. bei Rot-Weiss Essen und Bayer 05 Uerdingen am Ball. Michael Wurst, der auch schon durch die Fernsehsendung Star Search, bei der er ins Halbfinale kam, bekannt wurde, mimte den ungarischen Abwehrspieler Jenő Buzánszky. Auch der Schauspieler und Regisseur Simon Verhoeven, der den Mittelstürmer Ottmar Walter spielte, hat eine Laufbahn als Jugendspieler des TSV 1860 München hinter sich und spielte in der bayerischen Schülerauswahl (Quelle: wikipedia)

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Der legendäre Sieg der deutschen Nationalelf beim Endspiel um die Fußball-Weltmeisterschaft 1954 gilt als „Das Wunder von Bern“. In dem gleichnamigen Film von Sönke Wortmann geht es zwar auch um die Vorbereitungen der deutschen Nationalspieler und die Weltmeisterschaftsspiele, aber die Sportereignisse bilden nur den Hintergrund für eine Familiengeschichte, und mit dem „Wunder von Bern“ ist hier weniger das Endspiel am 4. Juli 1954 gemeint, als das, was sich zur gleichen Zeit auf einer Autofahrt nach Bern abspielt: Der Spätheimkehrer Richard Lubanski findet endlich Zugang zu seinem elfjährigen Sohn Matthias und damit auch seinen Platz in der Familie, die elf Jahre ohne ihn leben musste, sowie in der deutschen Nachkriegsgesellschaft, in der ihm so vieles fremd ist.

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Die beiden sehr überzeugenden Darsteller Peter Lohmeyer und Louis Klamroth sind übrigens auch im wirklichen Leben Vater und Sohn.

Sönke Wortmann und Rochus Hahn erzählen die Geschichte humorvoll, geraten aber hin und wieder ins Pathetische. Mit viel Liebe zum Detail haben die Filmemacher sich in „Das Wunder von Bern“ um ein authentisches Zeitkolorit bemüht. Aufgesetzt wirkt die Spiegelung der Beziehung von Richard und Matthias durch die väterliche Sorge Sepp Herbergers um Helmut Rahn. Und dass Sepp Herberger einen Teil seiner berühmten Sprüche („der Ball ist rund, und ein Spiel dauert neunzig Minuten“) einer weisen Putzfrau verdanken soll, ist auch keine ganz gelungene Pointe. (Dieter Wunderlich)

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Nun ja … wenn bei einem solchen Film kein Pathos auftaucht kann … gar muss .., und nachdem ich durchaus für solche Gefühle anfällig bin … stört mich das nicht die Bohne.

Für mich ist der Film eine intensiv inszenierte Präsentation des Deutschlands der Nachkriegszeit, mit all seinen offenen Wunden und Hoffnungen … mit diesem Vater …der nach 11 Jahren Kriegsgefangenschaft … orientierungslos in der BRD ankommt … hach, da gäbe es noch viel zu erzählen, von all den feinen Zwischentönen, die dieses Film hat.

Ich will allerdings auch auf eine sehr differenzierte Filmkritik hinweisen … und die kann man hier lesen.

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Besetzung:

Familie Lubanski:

Louis Klamroth: Matthias „Mattes“
Peter Lohmeyer: Richard
Johanna Gastdorf: Christa
Mirko Lang: Bruno
Birthe Wolter: Ingrid

Fußballnationalmannschaft:

Peter Franke: Sepp Herberger (Trainer)
Jo Stock: Toni Turek
Christian Broos: Werner Kohlmeyer
Holger Dexne: Horst Eckel
Sascha Göpel: Helmut Rahn
Simon Verhoeven: Ottmar Walter
Knut Hartwig: Fritz Walter
Martin Bretschneider: Hans Schäfer
Andreas Bath: Werner Liebrich
Sylvester Pezena: Jupp Posipal
Jan Holland: Karl Mai
Tobias Hartmann: Max Morlock
Christian Leonard: Karl-Heinz Metzner
Gotthard Lange: Alfred Pfaff
Dirk Szczepaniak: Berni Klodt
Matthias Sellmann: Fritz Laband
Thomas Stodulka: Herbert Erhardt
Jens Busch: Hans Bauer
Michael Herkendell: Richard Herrmann
Alexander von Moers: Ulrich Biesinger
Thomas Geerlings: Heinz Kubsch
Markus Mozin: Heinz Kwiatkowski
Torsten Rother: Paul Mebus

Sonstige:

Katharina Wackernagel: Annette Ackermann
Lucas Gregorowicz: Paul Ackermann
Andreas Obering: Herbert Zimmermann
Axel Häfner: Bohse
Michael Wurst: Jenő Buzánszky

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Regie: Sönke Wortmann
Drehbuch: Rochus Hahn und Sönke Wortmann
Produktion: Hanno Huth, Tom Spieß und Sönke Wortmann
Musik: Marcel Barsotti
Kamera: Tom Fährmann
Schnitt: Ueli Christen

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Trivia:

  • Nachdem Matthias zu Beginn des Films von der Niederlage von Rot-Weiss Essen bei Alemannia Aachen erfährt und geknickt bei seinen Kaninchen sitzt, seufzt er: „Und deutscher Meister werden wir nie im Leben“. Die Essener wurden im Jahr darauf dann deutscher Meister.
  • In einer Szene wird im Film Adolf Dassler dargestellt. Bei dem Schuhmacher und Zeugwart, der die Mannschaft mit neuartigen Fußballschuhen mit Schraubstollen ausstattete, handelt es sich um den Gründer der Firma Adidas.
  • Jürgen Leinemann, Spiegel-Autor und Verfasser der Herberger-Biografie „Herberger. Ein Leben, eine Legende“, hat im Film einen Gastauftritt als Journalist während der ersten Pressekonferenz.
  • Zu Beginn des Abspanns sieht man zudem Regisseur Sönke Wortmann, wie er einem Pferdewagen nachspurtet.

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  • Der Reporter Herbert Zimmermann wird von dem Komiker Andreas Obering (Till und Obel) dargestellt. Der Originalton von Zimmermanns bekannter Radioreportage konnte aus dramaturgischen Gründen im Film nicht verwendet werden.
  • Beim Wiederholungsspiel gegen die Türkei wird die deutsche Mannschaft in der Kabine in weißen Trikots gezeigt. Tatsächlich trug sie grüne.
  • Das in der Nähe von Rahns Wohnhaus abgestellte und im Film häufig eingeblendete Goggomobil wurde in seiner ersten Ausführung erst ab 1955 produziert. Das Modell, das im Film zu sehen ist, erst ab 1964.
  • Bei dem Auto, mit dem Richard und sein Sohn Mattes gegen Ende des Films nach Bern fahren, handelt es sich um einen Auto Union 1000 U (abstammend von DKW). Dieses Fahrzeug wurde nicht vor 1959 hergestellt.
  • Die Tonaufnahmen für das Berner Wankdorf-Stadion wurden in der Südtribüne des Westfalenstadions aufgenommen. Die Aufzeichnungen fanden nicht während eines Spiels, sondern speziell für den Film vor einer Partie gegen Hansa Rostock statt. Dabei sollte explizit auf moderne Stilmittel der Unterstützung verzichtet werden.

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  • Zum Ende des Films wird der Satz „Die Elf von Bern spielte nie wieder zusammen“ eingeblendet und zu Beginn des Abspanns die Widmung „In Erinnerung an Helmut Rahn“. Helmut Rahn starb nur etwa zwei Monate vor dem Kinostart in Deutschland.
  • Die Dreharbeiten fanden vom 10. Juni 2002 bis 10. August 2002 in Köln, Duisburg, Krefeld (Dujardin (Weinbrennerei) und Grotenburg-Stadion), Oberhausen, Recklinghausen, im Eisenbahnmuseum Bochum-Dahlhausen, an weiteren Schauplätzen im Ruhrgebiet sowie im schweizerischen Thun statt.
  • Die Produktionskosten des Films wurden auf rund 7,3 Millionen Euro geschätzt.
    Kinostart in Deutschland war am 16. Oktober 2003. In Deutschland wurden rund 3,68 Millionen Kinobesucher gezählt.
  • Die Kostüme sind von Ursula Welter.

 

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Louis Klamroth und Sönke Wortmann 

 

Ludwig Güttler – Bläsermusik zur Weihnacht (1984)

FrontCover1Für mich ist und bleibt er einer der bedeutendsten Trompetenspieler der Gegenwart.

Hier mal eine WEihnachts-LP von ihm … es war wahrlich nicht seine einzige, wenn ich das recht +berblicke.

Auf dieser LP zelebriert er sein Trompetenspiel mit Miniaturen aus der Barock- undRenaissancezeit und das auf dem zu erwartenden hohen Niveau:

Die Kompositionen „beeindrucken durch innere Geschlossenheit … und ruhigen, weitgespannten Bläsergesang, der weihnachtlichen Glanz austrahlt.“

Eine festliche Untermalung für die Besinnung unter dem Weihnachtsbaum. Alles Instrumentalstücke mit Bläsermusik.

Beim Kerzenschein des Adventkranzes vermittelt diese unvergleichliche Aufnahme ein tiefes, gläubiges Gefühl der Vorweihnachtszeit. eine Perle …
Wer Ludwig Güttler kennt, der weiß, dass diese Aufnahme interpretatorisch wie technisch ein einmaliges Tondokument darstellt und höchsten künstlerischen Ansprüchen genügt.

So ein paar der Amazon Kunden.

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Und dann noch dieses Zitat:
„Wer den Auftakt in die nahende Adventszeit besonders festlich gestalten will, dem sei dieser Silberling empfohlen.“ (Klassik. com)
Besonders bemerkenseert für mich, dass Ludwig Güttler, der Musikforscher ganz und gar seltene Kompositionen ausgegraben hat … etliche der Komponisten höre ich damit zum ersten mal … erstaunlich, welche tiefen Kenntnisse der Ludwig Güttler von dieser Zeit hatte. Oder: wer kennt schon Komponisten namens Valerius Otto, Johannes Ghro, Melchior Vulpius oder Johannes Eccard ?
Interessant auch die verschiedenen Intzerpreationen von Klassikern wie „Es ist ein Ros entsprungen“oder gar „Vom Himmel hoch“ (da „streiten“ sich gleich 3 Komüonisten um das Urheberrecht !)

Wenn dann der Heilige Abend kommt … diese Scheibe wird dann bei uns erklingen ….

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Gibt´s heute noch: Das Blechbläserensemble des Ludwig Güttler

Besetzung:
Lothar Böhm (waldhorn)
Manfred Eidner (trombone)
Gerhard Eßbach (trombone)
Ludwig Güttler (trumpet)
Hans Hombsch (trombone)
Werner Hornuff (trombone)
Rainer Jurkiewicz (waldhorn)
Lutz Randow (trumpet)
Roland Rudolph (trumpet)
Kurt Sandau (trumpet)
Paul-Gerhard Schmidt (trombone)
Klaus Schweter (tuba)
Martin Stephan (tuba)
Heinz Stiefel (trumpet)
Istvan Vincze (waldhorn)
Manfred Zeumer (trombone)
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Titel:
01. Valerius Otto: Intrade (Prag 1611) 3.06
02. Georg Friedrich Händel: Tochter Zion, freue dich 0.53
03. Johann Crüger: Wie soll ich dich empfangen 1.36
04. Johannes Ghro: Paduane Aus „Dreißig neue erlesene Padouane und Galliard…“, (Meißen 1604) 2.02
05. Andreas Raselius: Nun Komm, Der Heiden Heiland (Regensburg 1591) 0.43
06. Michael Praetorius: Jubilate Domino aus „Musae Sioniae“ (Teil X Nr. 45) 2.16
07. Georg Friedrich Händel: Marsch aus „Josua“ 1.16
08. Johann Pezel: Sonate 24 aus „Hora Decima“ 2.36
09. Anonymous: Uns ist geborn ein Kindelein aus „Weihnachtsliederbuch des Zwickauer Kantors Cornelius Freundt“ (1500-1591) 1.03
10. Melchior Vulpius: Kanon Über „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ 1.27
11. Michael Praetorius: Sinfonia über „Es ist ein Ros‘ entsprungen“ 0.54
12. Michael Praetorius: Es Ist Ein Ros‘ Entsprungen Aus „Musae Sioniae“ (Teil VI Nr. 53) 0.55
13. Johann Crüger: Fröhlich soll mein Herze springen 1.03
14. Giovanni Gabrieli: Canzon à 7 2.41
15. Johann Pezel: Sonate 28 aus „Hora Decima“ 2.25
16. Johann Crüger: Gelobet seist du, Jesu Christ 1.19
17. Michael Praetorius: In Dulci Jubilo aus „Musae Sioniae“ (Teil II Nr. 5) 2.09
18. Johann Pezel: Sonate 21 aus „Hora Decima“ 4.16
19. Johann Andreas Herbst: Singt und klinget allzumal 1.21
20. Jeremiah Clarke: Trumpet Voluntary 2.20
21. Johannes Eccard: Vom Himmel hoch (Königsberg 1597) 0.27
22. William Brade: Paduane 2.38
23. Michael Praetorius: Vom Himmel hoch aus „Musae Sionae“ (Teil IV Nr. 2) 2.16
24. Michael Praetorius: Vom Himmel hoch Aus „Musae Sionae“ (Teil IX Nr. 8) 2.28
15. Johann Hermann Schein: Vom Himmel hoch 1.29
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Arktis – Novembermorgen (1983)

FrontCover1Mit „Artkis“ will ich mal wieder eine deutsche Rockgruppe vorstellen, die ähnlich wie „Papa Meets Pepperoni“ (vielleicht kennen einige noch diese Gruppe aus meinem alten blog) mit viel Enthusiasmus daran gingen, Musik zu machen … ohne dass sie jemals (bedauerlicherweise) einen Erfolg damit hatten.

Musikalisch bewegte sie sich überwiegend im so einer Art Mainstream-Rock der damaligen Zeit, unverkennbar sind teilweise Anleihen am Stil der Puhdys (was ja nicht das schlechsteste war) z.B. bei dem Titel „Höhen und Tiefen“.

Besonders bemerkenswert sind für mich aber die Texte dieser LP, allesamt geschrieben von einem Bernd Schmidt: Diese sind überaus ambitioniert, engagiert und sie drücke oftmals jenes Unbehagen aus, das damals in der Kohl-Ära zwar nicht gang und gäbe war, aber dennoch die Republik prägte.

Für mich ein zutiefst sympathisches Album !

ArktisLive

Besetzung:
Volker Dackow (bass)
Joachim Fitze (guitar)
Uwe Kallweit (drums)
Karsten Orf (keyboards)
Rolf Simon (guitar, vocals)

BackCover1Titel:
01. Der Träumer (Simon/Schmidt) 3.34
02. Höhen und Tiefen (Simon/Schmidt) 4.31
03. Novembermorgen (Fitze/Schmidt) 4.23
04. Unsere Art zu leben (Simon/Schmidt) 3.53
05. Leben mit dir (Simon/Schmidt) 3.14
06. Stoß mich an (Simon/Schmidt) 3.37
07. Hallo ihr da oben (Simon/Schmidt) 4.04
08. Was ich dir schon immer sagen wollte (Simon/Schmidt) 4.46
09. Lerne zu lieben (Simon/Schmidt) 5.45

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Ergänzung: Als ich diese Gruppe vor ein paar Jahren an anderer Stelle schon mal üräsentierte, meldte sich der Bassist Volker Dackow und schreib:

„Ich war Mitglied bei Arktis. War eine geile Zeit ! Bin noch immer aktiv, jetzt im Süden!“

Und zwar in der Band „Stealer“ … das mag ich noch ergänzen.