Graziano Mandozzi – Bach – Händel 300 (1685 – 1985) (1985)

CDFrontCover1Also irgendwie ist der gute Graziano Mandozzi mit diesem Album a bisserl zu spätgekommen, denn da waren schon ein paar vor ihm, die diese Idee hatten.

Graziano Mandozzi (* 23. Juni 1939 in Osogna, Schweiz) ist ein Schweizer Komponist, Dirigent und Musikwissenschaftler.

Graziano Mandozzi stammt aus einer Tessiner Musikerfamilie. Er besuchte eine Lehrerbildungsanstalt in Locarno und studierte von 1960 bis 1963 am Mozarteum in Salzburg bei Gerhard Wimberger und Cesar Bresgen, wo ihm die Lilli-Lehmann-Medaille verliehen wurde.[1] Nachdem er erfolgreich seine Kapellmeisterprüfung ablegte, begann er am Theater zu arbeiten. Da er einer der letzten Schüler Bernhard Paumgartners war, wurde ihm erlaubt, eine der ersten Aufnahmen der Camerata Academica einzuspielen. Später arbeitete er beim Film, für Hörspiele und beim Ballett. So schrieb er Mitte der 1970er Jahre die Musik für das von Johann Kresnik aufgeführte Ballett „Jesus GmbH“. Als Musikwissenschaftler setzte er sich jahrelang für die Aufarbeitung und Neubewertung der Werke von Ruggero Leoncavallo und Nino Rota ein. (Quelle: wikipedia)

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Und im Laufe seines wirklich vielfältigen Wirkens spielte er dann auch diese LP ein. Und die Idee war ja nun wirklich nicht neu:

Man nahme ein paar Klassiker der Barockmusik und interpretierte sie auf einem Synthesizer, in diesem Fall ein Synthesizer der Firma „PPG Wave Computer System, Hamburg „.

Da schrieb einer dazu (mit einer gewissen Widersprüchlichkeit):

Zweifelsohne schwimmt diese CD im Fahrwasser von Carlos‘ „Switched on Bach“ und Konsorten; im Unterschied zum Moog-Klang der diversen frühen Carlos-Alben gibt es hier jedoch PPG Wave auf die Ohren. Streckenweise etwas kindisch arrangiert (Wassermusik mit „Blubb“-Effekt — na gut, wenn’s sein muss), aber ansonsten einwandfrei, was Arrangement und Aufnahmequalität anbelangt.

Wie konnte mir diese Scheibe über 30 Jahre verborgen bleiben? (Angstroemam)

In dem vorbildlichem Begleitheft bekannt sich Graziano Mandozzi natürlich zu den Vorbildern Wendy Carlos und Isao Tomita, aber deren Intensität erreicht er halt dann doch nicht.

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Graziano Mandozzi

Besetzung:
Graziano Mandozzi (sdynthesizer)

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Titel:

Johann Sebastian Bach:
01. Allegro (1st Movement) from Brandenburg Concerto No.2 In F Major 5.11
02 Prelude In C Minor (C Moll) 1.49
03. Corale „Jesu,Joy Of Man’s Desiring“ 3.12

Georg Friedrich Händel:
04. Country Dance 1/2 In G Minor/Major (G-Moll/G-Dur) 1.18
05. Menuet In F Major (F-Dur) 2.23
06. Bourre In F Major From The Water Music 1:25

Johann Sebastian Bach:
07. Vivace (1st Movement) From The Concerto For 2 Violins In D-Minor (D-Moll) 3.55
08. Allegro (1st Movement) From The Flute Sonata In F Major (F-Dur) Op. 1 No.11 1.08
09. Aria „Bist Du Bei Mir“ 2.31
10. Badinerie From The Suite For Orchestra No.2 In B-Minor (H-Moll) 1.16

Georg Friedrich Händel:
11. Hallelujah“ Chorus From Messiah 3.35
12. Andante (1st Movement) From The Sonata A 5 (Violin Concerto) In B Flat Major (B-Dur) 1.44
13. Sinfonia „The Arrival Of The Queen Of Sheba“ From Solomon 3.00

Johann Sebastian Bach:
14. Minuet In G Major (G-Dur) From The „Notenbüchlein Der Anna Magdalena Bach“ 1.46
15. Aria (1st Movement) „Jauchzet Gott In Allen Landen“ 4.15

Georg Friedrich Händel:
16. Adagio (3rd Movement) From The Sonata For Viola De Gamba And Harpsichord In C Major 2.37
17. Andante Allego )1st Movement) From The Organ (Harp/Synthesizer?) Concerto In B Flat Major (B-Dur) Op.4 No.6 2.47
18. Air And Variations „The Harmonious Blacksmith“ 4.05

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Mit diesen Zeilen wirbt Graziano Mandozzi für seine Form der Interpretation der alten Klassiker:

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De Plattfööt – Songs ut Meckelbörg (1985)

FrontCover1.JPGWieder mal so ein Beitrag aus der Rubrik „geschieht mir ganz recht“ … wenn ich schon herkunftsbedingt immer wieder diesen bayerischen Kram & Krempel hier offeriere … dann müssen dringend auch mal andere Dialeke ran. Und hier wird´s nun plattdeutsch:

De Plattfööt ( Die Plattfüße) nannte sich eine sehr erfolgreiche plattdeutsche Folk-Gruppe aus Mecklenburg-Vorpommern, bestehend aus den Sängern und Gitarristen Peter Wilke und Klaus Lass.
Beide stammen aus Rostock und leben seit einigen Jahren sowohl in Schwerin (Wilke) als auch in Warnemünde (Lass). De Plattfööt selbst gründeten sich 1979 und traten bis zum Dezember 2011 gemeinsam auf.

Dabei entstand der Name „De Plattfööt“ nicht als Charakterisierung einer anatomischen Besonderheit iher Füße, sondern weil sie mit ihrem „Platt“ sehr erfolgreich durch die Lande zogen. Ihre Musik war ein Mix aus Folk, Blues und Countrymusik und ihre Texte orientierten sich an dem fröhlichen „Plattdütsch“ von Rudolf Tarnow und Fritz Reuter. DePlattfööt02Gern mischten Peter und Klaus dabei behutsam ein sogenanntes Missingsch in ihre Liedergeschichten, um so möglichst viele auch „Nichtplattdeutsche“ zu erreichen und zu begeistern, was ihnen in beeindruckender Art und Weise gelang.
Bei Rundfunk, Fernsehen und Schallplatte(CD) wurden zwischen 1979 und 2011 über einhundert Titel produziert. Die bekanntesten Hits sind „Disco up’n Dörp“, „Fru Püttelkow ut Hagenow“ und „De Isenbahnboomupundaldreier“.
Durch jahrzehntelange Medienpräsenz, unzählige Live-Auftritte im In- und Ausland (Schweden, Österreich und sogar in Singapur), waren De Plattfööt einem sehr breiten Publikum bekannt. De Plattfööt wurden u.a. mit dem Fritz Reuter-Kunstpreis ausgezeichnet.

Getreu ihrem Motto: “ Kort is dien Leben un lang‘ büst du dod, Minsch, blot nich argern, Ne, lachen deit good !“ (Rudolf Tarnow), haben sie die Musikantenszene weit über Deutschlands Nordosten geprägt.
Als das Duo „De Plattfööt“ zu Weihnachten 2011 völlig überraschend sein Ende verkündete, waren bei allem Verständnis tausende von Fans weit über Deutschland hinaus sehr betroffen.

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Was bleibt, sind ihre Lieder, entstanden in den Jahren zwischen 1980 bis 2011. Sie verkörpern in unnachahmlicher Art und Weise authentisch ein Stück Lebensgefühl an der nordostdeutschen Ostseeküste in jener Zeit. (Quelle:

Auch wenn die „Gaudi“ bei den biden Barden im Vordergrund steht, sie haben auch etliche Feinheiten zu bieten. Bei „Up’n rasenden Roland“ musizieren ganz im Sttile internationale Folk-Songs, eine ganz feine Komposition.

Bei „Remmi Demmi “ lassen sie einfach mal sdie Sau raus … und bei „Elsa von Trabant “ kann man auch sehr hintersinnig schmunzeln.Und mir scheint ihr „Wir aus dem Norden“ war damals so ne Art Hymne in Meck-Pom.

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Nun … und ich komme mir jetzt vor, wie so ein norddeutscher Tourist in Bad Tölz, der im Kursaal einen bayerischen Heimtbend geniesst und nicht so recht weiss, wie authentisch nun die Musik tatsächlich ist.

Aber einen gewissen Charme hat sie schon … auch wenn ich gelegentlich nur Bahnhof verstehe …

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Besetzung:
Klaus-Dietrich Lass (vocals, guitar, accordion, synthesizer, tuba, jew´s har, flute)
Peter Wilke (guitar, vocals)
+
Bernd Klinkhardt (trombone)
Thomas Klippstein (clarinet bei 07.)
Thomas Syrek (trumpet bei 07.)

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Titel:
01. God’n Dag ok (Wilke) 1.03
02. An der Eck steiht’n Jung (Traditional) 2.42
03. Carola un Johann (Wilke/Seifert) 2.59
04. Gitti ut de City (Wilke) 3.13
05. Up’n rasenden Roland (Lass) 3.53
06. De Zoobummel (Lass) 3.31
07. De Blasmusik (Wilke) 4.02
08. Dat ward wat (Wilke) 2.37
09. Remmi Demmi (Wilke) 3.48
10. Petri Heil (Wilke) 3.56
11. Elsa von Trabant (Wilke) 3.44
12. Min lewe Fru (Lass) 4.14
13. Wat wünscht sick een Mann (Wilke/Draehmpaehl) 2.57
14. Wir aus dem Norden (Wilke/Niekammer) 3.11

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Biermösl Blosn – Tschüß Bayernland (1985)

Also … die Biermösl Blosn waren einfach ne Offenbarung … für all jene Bajuwaren, die sich nicht damit abfinden wollten/konnten, dass das Land der Bajuwaren bundesweit als „pechschwarz“ erlebt wurde. Oder anders ausgedrückt: Die Biermösl Blosn waren eine der wichtigsten (musikalischen) Stimmen jenes „anderen Bayern“, das es halt auch gab … dem Kraudn Sepp und dem Wildschütz Jennerwein sei Dank !

Hier ihre Geschichte … nach dem Motto … so ging´s damals los:

Die Biermösl Blosn war eine bayerische Musik- und Kabarettgruppe, die 1976 von den Brüdern Hans (* 1953), Christoph (* 1959) und Michael Well (* 1958) gegründet wurde. Biermösl ist abgeleitet von Beerenmoos, einem Teil des Haspelmoors im Landkreis Fürstenfeldbruck. Blosn (Blase) ist ein bairischer Begriff für Clique, Gruppe.

Die Gruppe verband bayerische Volksmusik (Stubnmusi) und Mundart mit politischen und satirischen Texten und kann daher zum Bereich der sogenannten Neuen Volksmusik gerechnet werden. Am 18. Januar 2012 gab die Gruppe ihr letztes Konzert in Fürth.

Die drei Mitglieder der Biermösl Blosn entstammen der 17-köpfigen Familie des Schulmeisters Hermann Well (1913–1996) und seiner Frau Gertraud (geborene Effinger, 1919–2015) aus dem Dorf Günzlhofen bei Fürstenfeldbruck.

  • Christoph Well (genannt Stofferl, * 3. Dezember 1959 in Günzlhofen) studierte Trompete und war Solotrompeter bei den Münchner Philharmonikern und später Konzertharfenist.
  • Michael Well (* 10. Oktober 1958 in Günzlhofen) hat eine Ausbildung zum Solotubisten und Baritonisten, ebenfalls bei den Münchner Philharmonikern.
  • Hans Well (* 1. Mai 1953 in Willprechtszell), der Germanistik und Geschichte studierte, ist hauptsächlich für die Texte der Gruppe verantwortlich.

Großes Vorbild der drei Brüder ist der Kraudn Sepp (1896–1977) aus dem Isarwinkel. Sie begannen 1976 mit Volksmusikauftritten, wie sie sie schon zuvor unter Anleitung ihres Vaters absolviert hatten. Sie arbeiteten häufig mit Gerhard Polt zusammen und traten gelegentlich in der ARD-Sendung Scheibenwischer auf.

Auftritt der Biermösl Blosn mit Gerhard Polt beim Hörbacher Montagsbrettl 1985

Auftritt der Biermösl Blosn mit Gerhard Polt beim Hörbacher Montagsbrettl 1985

Die Musik der Biermösl Blosn zeichnet sich u. a. durch die zum Teil ironische Integration anderer Musikstile wie etwa der keltischen Folklore, ungewöhnliche Instrumentierungen wie Dudelsack, Alphorn, Harfe oder Didgeridoo, aber vor allem durch bissige satirisch-politische bzw. gesellschaftskritische Texte aus (beispielsweise bedachten sie Kardinal Josef Ratzinger mit dem Spitznamen Alpen-Ayatollah), die häufig auf traditionellen bayerischen Reim- und Gesangsstilen (Gstanzl) beruhen und im Dialekt vorgetragen werden.

Sie erlangte bundesweite Bekanntheit, als sie 1981 – „versehentlich“ zum traditionellen Maibockanstich im Münchner Hofbräuhaus eingeladen – die Regierungspartei CSU in Zusammenhang mit der Massenverhaftung von Nürnberg vor den versammelten Ministern und Landtagsabgeordneten scharf kritisierten und so einen politischen Eklat verursachten. 1981 erhielt die Gruppe in Mainz den Förderpreis zum Deutschen Kleinkunstpreis. In Bayern wurden ihr 1985 und 1996 trotz eindeutiger Nominierungen durch die jeweilige Jury entsprechende Auszeichnungen verweigert. (Quelle: wikipedia)

Und hier ihr drittes Album … veröffentlicht auf dem Label Mood Records (damals noch exklusiv auf Zweitausendeins … jenem Versand. der mit damals den Verstand geraubt hat).

Verstehen wird man vermutlich dieses Album nur dann, wenn einem Namen wie Franz-Koseph Straußt, Edmund Stoiber oder auch Boris Becker noch was sagen … wenn man sich dem Irrsinn von bestimmten Münchner Geschichten vergenwärtigt … aber anhören sollte man sich dieses Album allemal … es ist musikalisch und erst recht textlich ein Bravourstück boarischer Hinterfotzigkeit !

Mein Gott, was waren die Burschen damals noch jung ...

Besetzung:
Christoph Well (trumpet, harp, dulcimer, flute, zither, guitar, tuba, vocals)
Hans Well (guitar, harmonica, tuba, trumpet, accordion)
Michael Well (tuba, flute, hurdy-gurdy, banjo, vocals)

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Titel:
01. Tschüß Bayernland (H.Well/Reichert/C.Well)  2.37
02. Zing Zang Zing (H.Well/C.Well/Traditional)  2.56
03. Exotenlandler (F.Stoiber/H.Stoiber) 2.23
04. Mittlerer-Ring-Jodler (H,Well/Tradional) 1.44
05. Stolz von da Au (H.Well/Ringsgwandl/Müller) 3.07
06. I woass net, wos i wern soit (H.Well/Traditional) 2.05
07. Eine grosslappener Schuttkrähe träumt von Irland (C.Well) 3.23
08. Dada Mpfda (H.Well/C.Well) 0.43
09. Da Russ (H.Well/Berlin) 1.41
10. Auswandererlied (H.Well/Pfenning/C.Well) 2.33
11. Baynerland-Lied (H.Well/Traditional) 4.11
12. Prof. Zipfl liest / Im Wald is so staad (H.Well/C.Well/Thoma/Traditional) 1.34
13. St. Öd Räbb (H.Well/C.Well) 2.47
14. In Memoriam Brachvogel (C.Well/Traditional) 3.10
15. Z´Murnau is Markt (Traditional) 1.34
16. Heldengedenktag (H.Well/C.Well) 2.52
17. Boris Bumm Bumm (H.Well/C.Well/Belafonte) 2.33
18. G´Stanzl (H.Well/Traditional) 3.27

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Stefanie Werger – Lust auf Liebe (1985)

FrontCover1.JPGAlso im Augenblick bin ich ziemlich hingerissen von der österreichischen Musikszene … und diesmal hat es mich voll erwischt mit dieser Stefanie Werger:

Stefanie Werger (* 2. Juli 1951 in Maria Lankowitz, Weststeiermark) ist eine österreichische Musikerin, Autorin und Schauspielerin.

Schon als Kind bekam sie Unterricht in den Fächern Klavier, Flöte und Violine. Mit 20 Jahren brach sie ihr Studium an der Grazer Musikakademie ab. Elf Jahre später, nachdem sie mit professionellen Tanzmusikformationen durch den deutschen Raum getourt war, wurde sie von einem Wiener Verleger entdeckt und brachte ihre erste Platte mit dem Titel „Die Nächste bin ich“ heraus. Mit den folgenden elf Studio- und drei Livealben erreichte sie zahlreiche Auszeichnungen.

Seit den 1990er Jahren ist Werger auch als Autorin tätig. Zu ihrem Repertoire zählen Gedichtbücher (z. B. Am Anfang war die Liebe), aber auch Kurzgeschichten und ein Kochbuch.

2003 gewann sie den Amadeus Austrian Music Award in der Kategorie „Beste Künstlerin Rock/Pop national“. Stefanie Werger lebt seit 2000 in Graz, wo sie bis 2007 ein Kaffeehaus besaß, welches von ihrer Schwester Helga geleitet wurde.

StefanieWerger

Stefanie Werger heiratete am 16. Juni 2006. Im Herbst 2006 löste sie mit ihrem Buch Ich rauche!, in dem sie sich entschieden gegen politische Maßnahmen gegen das Rauchen aussprach, eine äußerst heftig geführte Debatte in der österreichischen Öffentlichkeit aus. Seit 2001 ist sie auch als Kabarettistin mit ihren Musik- und Kabarettprogrammen erfolgreich auf Tournee. Aktuelles Programm 2008/2009: „50 plus – Gnadenschuss?“.

2014 wurde ihr der Ehrenpreis für ihr Lebenswerk bei den Amadeus Awards verliehen. (Quelle: wikipedia)

Und da schreibt ein  Holger Stürenburg in seinem Buch „Forever Young“ (2001) folgendes:

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Puuh … ziemlich daneben …

Das ist der Text zu Österreich:

Text Österreich

Nun ja … von wegen Vaterlandsvergessenheit.

Und hier der Text zur Zeitschrift „Emma“:

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Da spottet keine Stefanie Werger, da wünscht sich eine Stefanie Werger, dass der Feminismus nicht nur aus Kampf und Krieg besteht …

Und dann noch das Lied „Hexen“, auch so ein Kracher:

Text Hexen

So liest sich das an, wenn eine Frau auf der Reise auch zu ihrer Weiblichkeit ist … und so hört sich dass dann an, wenn diem gleiche Frau auch noch all die packende Musik – von zärtlich bis stürmisch – komponiert hat.

Und dann … ist der Titelsong natürlich eine Hymne auf die Lust und Liebe … viel überzeugender kann man nicht vortragen.

Und wieder mal so ein Album … das zur Kategorie „meine Kragenweite“ gehört.

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Die Singles zur LP

Besetzung:
Earl Bostic (bass)
Detlef Kessler (drums)
Erwin Kiennast (keyboards)
Peter Meier (guitar)
Pit Troja (percussion)
Pepe Solera (Saxophone, flute)
Peter Weihe (guitar)
Stefanie Werger (vocals)
+
Jaques Bounot (bass bei 01.)
+
background vocals:
Claudia Schwarz – Edith Prock – Renate Ricanek – Wolfgang Schulz – Arlo Schnurrer
+
Kinderchor:

Alexandra – Andi – Andre – Annette – Bianca – Christoph – Claudia

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Titel:
01. Lust auf Liebe 3.10
02. Sommer 3.22
03. Horrorvisionen 3.20
04. Hexen 3.34
05. Blumen im Sand 3.35
06. Guten Morgen Österreich 2.20
07. … Zur lustigen Einsamkeit 3.23
08. A Mann wie du 3.32
09. Emma 2.55
10. Wiegenlieder 3.10
11. Mei Herz braucht a Service 3.10

Musik und Texte: Stefanie Werger

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Text LustLiebe

 

Ostbahn Kurti & Die Chefpartie – Live (1985)

FrontCover1Manchmal versteh´ ich es nicht, warum ich so lange brauche, um mir besonders wichtige Tonträger hier zu präsentieren. Aber dann les´ ich im Urlaub einen Krimi von Günter Brödl … und schon macht es klick:

Dr. Kurt Ostbahn, vulgo Ostbahn-Kurti, ist eine vom Texter Günter Brödl im Scherz erfundene Kunstfigur, die ein öffentliches Eigenleben entwickelte. Personifiziert wurde sie ab 1983 bis zu ihrer vorläufigen Pensionierung im Jahr 2003 von dem Musiker Willi Resetarits. Seit August 2011 lässt dieser die Kunstfigur Ostbahn in Konzerten wieder aufleben.

Mitte der 1970er Jahre war in der Sendung Musicbox des Radiosenders Ö3 ein musikalischer Jahresrückblick zu hören. Wolfgang Kos fragte seinen Co-Moderator Günter Brödl, wie amerikanische Vorstadtmusiker wie Southside Johnny & the Asbury Jukes wohl in Wien heißen würden. Brödl antwortete „Ostbahn-Kurti & die Chefpartie“.

1979 wurde Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock ’n‘ Roll? uraufgeführt. In diesem Stück hatte Kurt Ostbahn bereits eine komplette Biografie. Die Figur wurde damals von Erich Götzinger verkörpert. Angeblich habe Kurt Ostbahn bereits zwei vergriffene LPs produziert, Liedtexte wurden in diversen Literaturzeitschriften publiziert, die Arbeiterzeitung veröffentlichte ein Porträt und die Musicbox sendete ein Interview mit Kurt Ostbahn.

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Ostbahn Kurti + Bessie Brühl

1983 traf Brödl auf Willi Resetarits, der zu diesem Zeitpunkt mit den Schmetterlingen gesellschaftskritischen Folk machte; Resetarits verkörperte nun die Figur Kurt Ostbahn in der Öffentlichkeit. Von da an konzentrierte sich Brödl auf die Texte, Resetarits und Band übernahmen den musikalischen Part. Brödl übertrug Blues-, Country- und Rockklassiker verschiedener Künstler ins Wienerische.Um die Authentizität seiner Kunstfigur zu steigern, inserierte Brödl Anzeigen wie: „Suche Ostbahn-Kurti-LPs!“ oder sprühte an Autobahnbrücken sein Graffito „Kurt Ostbahn lebt!“ Brödl gab sich als dessen Kontaktperson aus.

Besondere Beachtung verdienen in diesem Zusammenhang die vielen Coverversionen von Springsteen-Songs; heraus sticht vor allem die Version des Liedes Fire, die für Ostbahn-Kurti die erste Platzierung in den Singles-Charts bedeutete. (Quelle: wikipedia)

Und wer war nun dieser Günter Brödl:

Günter Brödl (* 22. März 1955 in Wien; † 10. Oktober 2000 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller, Songtexter und Musikjournalist.

Ostbahn Kurti02In den Siebzigerjahren begann Günter Brödl als Radiomoderator der Ö3-Sendung Die Musicbox und befasste sich dort vor allem mit der amerikanischen Rockmusik.

Sein erstes literarisches Werk Der kühle Kopf – ein Erzählband – erschien 1975. 1976 folgte das Theaterstück Zum Freundschaftspreis und 1977 Draußen in der Stadt, das 1978 als 18-teilige Fernsehserie vom ORF verfilmt wurde. 1978 erschien sein Buch Click Clack – Wiener Rockstories.

1979 tauchte in Günter Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock n‘ Roll? erstmals die Figur des „Ostbahn-Kurti“ auf. Weil ihm Ostbahn-Kurti, im Stück eine Nebenrolle, so gut gefiel, dichtete er dieser Kunstfigur gleich eine ganze Biografie an.

Ostbahn-Kurti hatte angeblich bereits zwei LPs produziert, es erschienen immer wieder Songtexte in diversen Zeitungen, und auch die Musicbox brachte ein Ostbahn-Interview. Um seine Story noch glaubwürdiger zu machen, gab Brödl Anzeigen auf wie „Suche erste Platte von Ostbahn-Kurti!“, sprayte auf Autobahnbrücken „Kurt Ostbahn lebt!“ und veranstaltete am 1. April 1983 ein „Sold out“-Konzert der fiktiven Rockband Ostbahn-Kurti & die Chefpartie.

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Günter Brödl + Willi Resetarits (alias Ostbahn Kurti)

Nach einem weiteren Theaterstück – Schlafstadtkinder schlafen nicht (1979) – und dem Roman Tempo City (1982) traf Brödl 1983 den Musiker Willi Resetarits, damals Mitglied der Band Schmetterlinge, mit dem er das Phänomen Ostbahn-Kurti zum Leben erweckte.

Fortan übertrug Brödl amerikanische Rock-Klassiker ins Wienerische; so wurde z. B. aus „Sharp Dressed Man“ Neiche Schoin und aus „I Heard It Through The Grapevine“ Wo hamma denn den Foaschein. 1985 erschien die erste LP Ostbahn Kurti & die Chefpartie, gefolgt von unzähligen Live-Konzerten, bei denen Brödl zunächst als Beleuchter, dann als legendärer „Trainer“ immer mit von der Partie war. Von 1985 bis zu seinem plötzlichen Tod am 10. Oktober 2000 verfasste er sämtliche Songtexte für Ostbahn-Kurti & die Chefpartie und später für Kurt Ostbahn & die Kombo, welchselbige auf insgesamt 20 Tonträgern erschienen sind, von denen acht erst nach Brödls Tod veröffentlicht wurden.

Weiters verfasste Brödl die sechs Ostbahn-Kurti-Kriminalromane Blutrausch (1995), Hitzschlag (1996), Platzangst (1997), Kopfschuß (1999) Peep-Show / Trainer & Trash ermitteln (gemeinsam mit Peter Hiess, 2000) und Schneeblind (2002, posthum veröffentlicht).

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1997 kam eine Blutrausch-Verfilmung (Regie: Thomas Roth) ins Kino, für die Brödl auch das Drehbuch verfasste. 1998 erschien sein Liederbuch Ostbahn: Auslese.

Brödl schrieb auch Songtexte für andere Musiker, darunter Minisex, Denk, Babsi Balou, Klaus Trabitsch und Mom & Dead. Er übersetzte außerdem zwei Asterix-Bände ins Wienerische (Da grosse Grobn und Da Woasoga).

1993 fand beim Donaufestival Amstetten die Uraufführung seines Stücks Dynamo Donau Blues, Bluesical statt, 1999 übersetzte er fürs Wiener Schauspielhaus das Musical Hotline to heaven und im selben Jahr wurde sein Musical Be-Bop A Lulatsch ’59 im Wiener Metropol uraufgeführt.

Des Weiteren arbeitete Günter Brödl mit dem Graphiker Ronald Putzker zusammen. Mit ihm schuf er die Comic-Serie Anna Stein und den Band Rehpublik Österreich (2000) – ein fiktiver Reiseführer durch die Rehpublik Österreich, in der seit 100 Jahren das Reh „rehgiert“.

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Neben seiner literarischen Arbeit war Brödl einer der profiliertesten Musikjournalisten Österreichs. Am 10. Oktober 2000 verstarb Günter Brödl im Alter von nur 45 Jahren in seiner Wohnung in Wien am plötzlichen Herztod. 2001 wurde er für sein Lebenswerk posthum mit dem Amadeus Austrian Music Award geehrt. (Quelle: wikipedia)

Vielleicht hat die Tatsache, dass der Brödel im gleichen Jahr wie ich das Licht der Welt erblickte, was damit zu tun, dass ich mich mit diesem Wiener Original so verbunden fühle …

Gesichert ist jedoch, dass der Brödel nicht nur in Wien längst eine Kutlfigur geworden ist und hier nun seit legendäres Debütalbum … als Beginn einer intensiveren Auseinandersetzung/Beschäftigung mit diesem Ausnahmekünstler (die Musik war ja nur ein Teil seines Schaffens !).

Und hier sein (Live) Debütalbum und hier geht einfach die Schwarte ab … let´s fetz ist das Motto dieser LP,

Diverse Rockklassiker mit wienerischem Texten … bluesgetränkt und mit einer Stimme die gelegentlich an den legendären Roger Chapman erinnert … einfach nur genial !

Und die Skandal-Nudel Bessie Brühl (die bei „Ma nennt’n blauen Montag (Stormy Monday Blues)“ singt wie Joy Fleming in ihren besten Zeiten !) war damals auch mit von der Partie … was will  man mehr ….  einfach nur geil, die Scheibe …

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Besetzung:
Willi „Kurt Ostbahn“ Resetarits  (vocals, harmonica)
Helmut „Theo Tatic“ Grössinga (drums)
Wolfgang „Josef Havlicek“ Grünzweig (guitar, vocals)
Harry Cuny „Mario Adretti“ de Pierron (organ)
Rudi Stolz (bass, vocals)
+
Bessie Brühl (vocals)

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Titel:
01. Nix halt mi auf (Brödl/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 2.49
02. Zahltog (Six Days On The Road) (Green/Montgomery/Brödl) 3.19
03. Do steht a Haus (Brödl/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 4.18
04. Höchste Zeit (Feelin´Alright) (Mason/Brödel) 3.21
05. Rusta Rasta (Bei/Königshofer) 5.26
06. Wann i g’spia (She’s Fine, She’s Mine) (Cobbs/Brödel) 6.17
07. Des ollas zöht nix (All Or Nothing) (Marriott/Lane/Brödel) 2.50
08. Ma nennt’n blauen Montag (Stormy Monday Blues) (Hines/Eckstine/Crowder/Brödel)    6.13
09. Feuer (Springsteen/Brödel) 3.40
10. Mi glangst ned 0 (Brühl) 0.35
+
11. Stern vom Praterstern (Single B-Seite, 1985) (Brödel/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 4.18
12. Rendevous (Rendezvous) (Springsteen/Brödel) 2.30
13. Defekt (Be Good To Yourself) (Fraser/Brödel) 2.51

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Platzangst

Mein Günter Brödl Krimi im Urlaub

 

Richard von Weizsäcker – Die Rede (1985)

FrontCover1Ich erinnere mich noch gut an diese Rede im deutschen Bundestag.

Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist der Titel einer vielbeachteten Rede, die der damalige Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 in der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages gehalten hat.

Mit der in ihr enthaltenen Aussage von der Befreiung vom Nationalsozialismus prägte die Rede eine Kernaussage der nationalen Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland.

Weizsäcker führte während der vier Monate währenden Vorbereitungszeit der Rede Gespräche mit Parteienvertretern sowie Vertretern von Kirchen und Vertriebenen- wie NS-Opferverbänden. Sein damaliger Pressesprecher Friedbert Pflüger schilderte wiederholt, dass Weizsäcker geplant hatte, in der Rede eine Begnadigung für Rudolf Heß zu fordern. Mit Hinweis auf die gerade aufgeflammte Bitburg-Kontroverse habe Pflüger den Bundespräsidenten dazu gebracht, die Forderung nach einer Freilassung des Hitler-Stellvertreters zu streichen.
Form, Inhalt

Die Rede ist in neun Abschnitte gegliedert, in denen sich Weizsäcker aus unterschiedlichen Blickwinkeln dem 40. Jahrestag der bis dahin meist sogenannten deutschen Kapitulation nähert.

Weizsäcker verdeutlicht, dass der Tag des Kriegsendes in Europa, der von jedem Volk unterschiedlich wahrgenommen werde, für die Deutschen jedoch kein Tag der Niederlage, sondern ein „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ gewesen sei. Der 8. Mai und seine Folgen, mit denen auch die Teilung Deutschlands gemeint war, seien untrennbar auf den Beginn der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland 1933 zurückzuführen.

Weizsäcker lehnt eine Kollektivschuld ab: „Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich“. Er spricht allerdings von einer „schweren Erbschaft“, die die Vorfahren der gegenwärtigen Generation hinterlassen hätten, und fordert von allen Deutschen, die Vergangenheit anzunehmen.

Weizsäcker betont die Rolle der Frauen, die „den vielleicht größten Teil dessen, was Menschen aufgeladen war, getragen“ hätten.

Die Schonungslosigkeit und Offenheit, mit der Weizsäcker in der Rede Ursachen, die zum Krieg, zum Holocaust, zur Vertreibung von Völkerstämmen und zum geteilten Europa führten, analysierte und Konsequenzen für die Gegenwart daraus zog, war bis dahin für eine öffentliche Rede eines bundesdeutschen Staatsoberhauptes ohne Beispiel.

Weizsäcker schloss die Ansprache mit den Worten

„Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren.
Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder beherzigen und ein Beispiel geben.
Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“

Die Rede fand ein außergewöhnliches Echo im In- und Ausland. Insbesondere in Israel sorgte sie für Furore. Aus der israelischen Botschaft in Bonn hieß es, bei der Rede habe es sich um eine „Sternstunde der deutschen Nachkriegsgeschichte“ gehandeltund ebnete somit den Weg für den Staatsbesuch Richard von Weizsäckers in Israel im Oktober 1985, dem ersten Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten in diesem Land. Reinhard Appel äußerte innerhalb der ZDF-Sendung Bürger fragen… am 23. Mai, ihm sei durch die Rede „ein eigenes weltbürgerliches Vaterlandsempfinden“ möglich geworden. Die Rede, die im Fernsehen zu sehen war, wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und in einer Auflage von über zwei Millionen Exemplaren an die Bürger verteilt und erschien zudem auf Tonträgern. Mehr als 60.000 Bürger wandten sich schriftlich an den Bundespräsidenten. Bis heute wird die Rede als eine der bedeutendsten Leistungen Weizsäckers während seiner Amtszeit als Bundespräsident hervorgehoben. (Quelle: wikipedia)

RichardVonWeizsäcker

Anlässlich des 90. Geburtststages (2010)  von Richard von Weizsäcker erinnerte sich die „Badische Zeitung“ an diese fulminante Rede … die zugleich auch eine andere, mir bisher so nicht bekannte Seite dieses Politikers beleuchtet:

„Die Kulisse ist wie immer, wie bei jeder Feierstunde im alten Plenarsaal des Bundestages in Bonn: Blumengestecke, das schwarze Rednerpult, feierlich gekleidete Männer und Frauen, gedämpfte Musik. Es ist der 8. Mai 1985. Am Rednerpult: Richard von Weizsäcker. Wer in der Bonner Republik Rang und Namen hat, ist an diesem Tag gekommen: Minister, Abgeordnete, Wirtschaftsbosse, Gewerkschaftsführer, Vertreter der Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Alles scheint wie immer. Aber es scheint eben nur so. Denn alle wissen: Der vor gerade mal einem Jahr neu gewählte Bundespräsident wird 40 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Rede halten, mit der er ein politisches Zeichen setzen will. Richard von Weizsäcker kommt schnell zum Punkt: Auf Zeile 33 seines Manuskripts steht der Satz, der die Rede zu einem Wendepunkt in der deutschen Nachkriegspolitik machen wird: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung.“

Die Rede verändert die deutsche Politik

Bundestagspräsident Philipp Jenninger, der vier Jahre später wegen einer instinktlosen Rede zum 50. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ zurücktreten muss, erstarrt in der ersten Reihe. Dem Fraktionschef der CDU/CSU und Wortführer der „Stahlhelmfraktion“ in der Union, Alfred Dregger, ist sein Entsetzen anzusehen. Und dann Helmut Kohl: Der Kanzler sitzt Weizsäcker Auge in Auge gegenüber, in der ersten Reihe, kaum sechs Meter vom Redner entfernt. Vereist wirkt Kohls Mine, spärlich ist sein Beifall, als Weizsäcker nach einer knappen dreiviertel Stunde sein Manuskript beiseite legt. Nur ein kurzer, undeutbarer Blickwechsel. Angeblich, so wird kolportiert, hat der Kanzler dem Präsidenten später, im Herrenruheraum des Bundestages, dann doch noch zu seiner Rede gratuliert.

Die deutsche Politik hat sich an diesem 8. Mai 1985 verändert. Hinter die Aussage aus dem Mund des Staatsoberhauptes, die deutsche Kapitulation sei ein Tag der Befreiung gewesen, gibt es kein Zurück mehr. Selbst der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, dessen Verhältnis zu Richard von Weizsäcker stets eher unterkühlt war, den Weizsäcker öffentlich attackiert hat, würdigt in seinen Erinnerungen die historische Bedeutung dieser Rede: „Wenn man von den Marksteinen auf dem Weg zur deutschen Einheit spricht, dann muss auch diese Rede erwähnt werden.“ Sie habe“weltweit ein Vertrauen geschaffen, das wir gerade in den Jahren 1989 und 1990 brauchten“. Ex-Kanzler Helmut Schmidt, Weizsäcker in einer tiefen Freundschaft verbunden, spricht von einem „historisch glücklichen Moment“ und gesteht 25 Jahre später: „Ich schwärme heute noch von dieser Rede.“

Weizsäcker selbst sagt, er habe „nicht eigentlich neue Einsichten“ verkündet an jenem Mai-Tag im Deutschen Bundestag. Das stimmt. Schon der erste Bundespräsident, Theodor Heuß, hatte 1949 von einem Tag der bitteren Niederlage und einem Tag der Befreiung gesprochen. Aber die „8.-Mai-Rede“, die ebenso wie Roman Herzogs „Ruck-Rede“ zum Markenzeichen einer Präsidentschaft wurde, fiel in eine Zeit, in der viele in der CDU/CSU von einer – wie der Historiker Hans Mommsen es nannte – „Rückwärtsrevision des Geschichtsbildes“ träumten.

Der Präsident als intellektueller Gegenentwurf zum Kanzler

Es war die Zeit, in der Kohl mit US-Präsident Ronald Reagan ausgerechnet auf dem Bitburger Friedhof Versöhnung demonstrieren will, auf dem auch SS-Angehörige begraben sind. Der Kanzler hatte sich zum Schlesier-Treffen angesagt – obwohl es zunächst unter dem Motto stand „Schlesien bleibt unser“. Ein Jahr später sollte er Kreml-Chef Michail Gorbatschow mit Joseph Goebbels vergleichen. Der CSU-Abgeordnete Lorenz Niegel war der Weizsäcker-Rede aus Protest ferngeblieben, weil er wusste, was ihn erwartete. Sein CDU-Kollege Wilfried Böhm ließ an den Schulen Schallplatten mit allen drei Strophen des Deutschlandliedes verteilen. Und „Der Schlesier“, Hausblatt des CDU-Abgeordneten Herbert Hupka, schäumte, weil Weizsäcker die Kriegsschuld allein den Deutschen angelastet habe, nicht aber den „Kriegsverbrechern“ Roosevelt und Churchill. Oppositionsführer Hans-Jochen Vogel dankte Weizsäcker denn auch mit einem unverkennbaren Seitenhieb auf den Kanzler für die „große Rede“, die „vieles zurechtgerückt hat, was in bedrückender Weise ins Zwielicht geraten war“.

Spätestens an diesem 8. Mai beginnt ein Prozess, wie ihn die Bundesrepublik bis dahin – und auch seither – nicht erlebt hat: Der Bundespräsident profilierte sich zum intellektuellen Gegenentwurf zum Kanzler. Der sich bereits abzeichnende Bruch zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Männern ist nun endgültig vollzogen. Der Adlige in der Villa Hammerschmidt soll den Kanzler fortan schon mal als „der Kerl“ abqualifiziert haben. Kohl höhnte im benachbarten Kanzleramt gerne über „den Herrn von nebenan“.

Dabei hatte Helmut Kohl Richard v. Weizsäcker für die Politik entdeckt: Kohl, damals CDU-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz und als „junger Wilder“ bei vielen Parteifreunden verschrien, wirbt ihn 1954 für die CDU und verhilft dem Freiherrn in Worms zu einem sicheren Wahlkreis. 1969 zieht Kohls Protegé in den Bundestag ein, dem er bis 1981 angehört. Kohl hatte auch dafür gesorgt, dass Weizsäcker 1967 in den CDU-Vorstand aufrückt, 1979 Bundestags-Vizepräsident und 1981 schließlich Regierender Bürgermeister von Berlin wird.

Zwei Mal drängt Kohl ihn zur Kandidatur um das Bundespräsidentenamt: 1969 unterliegt Weizsäcker schon seinem parteiinternen Gegenkandidaten, dem damaligen CDU-Verteidigungsminister Gerhard Schröder, 1974 tritt er auf Kohls Wunsch als Zählkandidat gegen Walter Scheel an. Doch als 1984 die Mehrheit in der Bundesversammlung für Weizsäcker sicher ist, sträubt sich Kohl gegen die Kandidatur – vergeblich. Weizsäcker ist auf dem Gipfel seiner Karriere angekommen.

Geprägt von Krieg und Nazi-Herrschaft

Als Kohl Mitte der 50er-Jahre anfängt, Weizsäcker zu umwerben, hat der gebürtige Stuttgarter bereits eine bemerkenswerte Karriere in der Wirtschaft gemacht: Von der wissenschaftlichen Hilfskraft bei Mannesmann war er bis zum Mitglied der Geschäftsführung des Pharmariesen C. H. Boehringer aufgestiegen. Seine politische und persönliche Prägung hatte der junge Jurist allerdings durch die Begegnung mit Nazi-Herrschaft und Krieg erhalten. In einem „schrecklichen Schnellkochverfahren“ muss er – so sein Bruder Carl-Friedrich – zu einem „erwachsenen, gereiften Mann“ werden: Der 19-Jährige ist vom ersten Tag des Krieges an dabei. Schon am zweiten Kriegstag fällt sein Bruder Heinrich, und Richard muss die Totenwache halten. Richard von Weizsäcker kämpft an der Ost- wie an der Westfront, liegt vor Moskau und Leningrad, wird verwundet – und bekommt Kontakt zu der Widerstandsgruppe um Claus Graf von Stauffenberg. Marion Gräfin Dönhoff schreibt später, Richard von Weizsäcker habe „mit vielen seiner Generation das Schicksal geteilt, sehr jung – viel zu jung – vor immer neuen Abgründen zu stehen“.

Die Erfahrungen dieser frühen Jahre lassen ihn später, als Bundespräsident und Gegenspieler eines Kanzlers, der von der „Gnade der späten Geburt“ spricht, diesen Satz sagen: „Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Inneren wird.“

Es muss ein schmerzhafter Prozess für den jungen Juristen Richard von Weizsäcker gewesen sein: Er verteidigt seinen Vater, Ernst von Weizsäcker, im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess. Als Staatssekretär im Auswärtigen Amt hatte Ernst von Weizsäcker sich als Mitläufer und Dulder in die Nazi-Verbrechen verstrickt. „Mein Verhalten ab 1939 ist unrühmlich,“ bekennt er. Er wird verurteilt. Für Richard von Weizsäcker ist der Auftrag aus dem persönlichen Erleben von Schuld, Verbrechen und Krieg eindeutig: So etwas darf nie wieder geschehen. Er will die Aussöhnung, vor allem mit Polen.

Als Kirchentagspräsident, als CDU-Abgeordneter, als Regierender Bürgermeister in Berlin und vor allem als Staatsoberhaupt kämpft er mit Worten und Taten für die Verwirklichung seines Zieles. Schon 1962 plädiert er für die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, für ein CDU-Mitglied damals ein Tabubruch. In der Schlacht um die Ostverträge unterstützt er zum Ärger seiner Fraktion den SPD-Kanzler Willy Brandt. Er ist immer unbequem, ein Querdenker, von Franz Josef Strauß als „polit-ökumenischer Bischof“ verspottet.

Aber der silberhaarige Mann kommt an, bei der Bevölkerung, bei den Intellektuellen, im In- und im Ausland. Der Spross einer alten Württemberger Beamten- und Politikerfamilie, der kühle Protestant, verkörpert in Kohls Pantoffel-Republik alles, was ihn in eine Sonderrolle wachsen lässt: Adliger, Diplomatensohn, Jurist, Ex-Offizier, Manager, ein aufgeklärter Konservativer, ein Meister des geschliffenen Wortes. Ein wohl gemeintes Bonmot unter Weizsäcker gewogenen Bonner Journalisten auf dem Höhepunkt seiner Präsidentschaft lautete, ihm fehle nur noch die goldene Kutsche zum deutschen Ersatzkaiser.

Moskau1987

In Moskau (mit Tochter Beatrice, Moskau, 6. Juli 1987)

Kalt bis ins Herz?

Aber hinter dieser Fassade gibt es auch noch einen anderen Weizsäcker, aufbrausend, arrogant, unbeherrscht. Eine kleine, verräterische Szene, die lange her ist, die dennoch erzählt werden muss, weil sie das öffentliche Bild vom noblen Mann mit den weißen Haaren so gründlich auf den Kopf stellt: Kirchentag irgendwo in der Bundesrepublik. Weizsäcker hat eine Mitarbeiterin losgeschickt, sie solle ihm Fotokopien machen. Der Kopierer streikt. Weizsäcker kommt mit hochrotem Kopf angerauscht, herrscht die Kirchentags-Mitarbeiterin an, warum es so lange dauert. Schließlich schleudert er der verdutzten Frau den Satz entgegen, der so verräterisch ist: „Wissen Sie denn nicht, wer ich bin?“

Aus den verschwiegenen Mauern der Villa Hammerschmidt dringen manche Berichte über seinen Umgang mit Mitarbeitern, die ebenso nachdenklich machen, wie das Bekenntnis der Weizsäcker-Tochter Beatrice: „Liebe, das ist ein klassisches Wort, das in unserer Familie nicht vorkommt.“

Ist dieser Mann, der es versteht, Herzen zu öffnen und für sich zu gewinnen, den immer ein Hauch von Noblesse umweht, selber kalt bis ans Herz? Viele Fragen lässt das Leben dieses Richard von Weizsäcker unbeantwortet, unausgelotet. Aber das, was sein bisher 90-jähriges öffentliches Leben ausmacht, reicht für einen Sonderplatz in deutschen Geschichte. Für ihn gilt die aus der römischen Republik stammende und oft so schnellzüngig verwendete Formel: Er hat sich um das Vaterland verdient gemacht.“

Dennoch: Eine Rede. die auch heute noch wegweisend ist … Und die Rede dieses Textes kann man dann auch in der pdf Datei nachlesen.

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Titel:
01. Die Rede, Teil 1 / 22.38
02. Die Rede, Teil 2 / 22.38

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Und hier kann man die Rede sehen:

Ulla Meinecke – Der Stolz italienischer Frauen (1985)

FrontCover1Auch wenn ich mit ihr niemals so richtig warm geworden bin, gehört sie natürlich zu den zentralen weiblichen Figuren des Deutsch-Rocks der letzten Jahrzehnte:

Der Charme dieser 1985er Scheibe ist noch immer ungebrochen, denn Ulla Meineckes Songs sind so zeitlos wie sie selbst. Wenn man sich ihrer klugen Weitsicht öffnet, versinkt man schnell in den emotionalen Stromschnellen ihrer stimmungsvollen Sprachgemälde, die, getränkt mit bodenloser Menschenkenntnis, den Blick für das Verborgene erschließen.
Ihre Worte sind heißes Öl auf offenes Feuer, die behutsamen bis powervollen Sounds verstärken das Gesagte. Geschichten, in denen sich wirklich jeder wiederfinden kann, lassen nach der ersten Berührung selten wieder los, sind Rat, Trost und Lebenshilfe einer starken Frau – einer Glücksjägerin, die den Mut besitzt, hinter den Kulissen des Lebens nach Sternenstaub zu suchen. Lieder wie Wilde Walzer, Prinzessin, Was Ich An Dir Mag oder Gewitter graben sich energisch in die Seele, machen das Herz weit und wecken vergessen geglaubte Gefühle. „Hör auf dich zu drehn und du wirst sehn: alles dreht sich um dich!“…[Andre Göbel]

Und ich kann es drehen und wenden wie ich will: Selten hat mich eine Scheibe emotional so kalt gelassen wie diese. Weiß der Teufel, warum.

UllaMeinecke

Besetzung:
Michael Brandt (guitar)
Christian Evans (drums)
George Kochbeck (keyboards)
Peter Küchhold (bass)
Ulla Meinecke (vocals)
Richard Wester (saxophone)
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Anselm Kluge (bass)
Matthias Raue (keyboards)
Peter Weihe (synthesizer bei 06.)
Edo Zanki (vocals bei 07.)

Booklet03A

Titel:
01. Wilde Walzer (Meinecke/Evans/Arndt/Brandt) 4.06
02. Heisser Draht (Meinecke/Mitteregger) 4.54
03. Ey Kleine (Meinecke/Mitteregger) 3-57
04. Prinzessin (Meinecke/Zanki) 5.17
05. Der Stolz italienischer Frauen (Meinecke/Mitteregger) 4.25
06. Alles dreht sich (Meinecke/Zanki) 4.01
07. Gewitter (Meinecke/Evans) 4.29
08. Was ich an dir mag (Pudelko) 2.49
09. Reprise (Kluge) 1.48

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