Ostbahn Kurti & Die Chefpartie – Live (1985)

FrontCover1Manchmal versteh´ ich es nicht, warum ich so lange brauche, um mir besonders wichtige Tonträger hier zu präsentieren. Aber dann les´ ich im Urlaub einen Krimi von Günter Brödl … und schon macht es klick:

Dr. Kurt Ostbahn, vulgo Ostbahn-Kurti, ist eine vom Texter Günter Brödl im Scherz erfundene Kunstfigur, die ein öffentliches Eigenleben entwickelte. Personifiziert wurde sie ab 1983 bis zu ihrer vorläufigen Pensionierung im Jahr 2003 von dem Musiker Willi Resetarits. Seit August 2011 lässt dieser die Kunstfigur Ostbahn in Konzerten wieder aufleben.

Mitte der 1970er Jahre war in der Sendung Musicbox des Radiosenders Ö3 ein musikalischer Jahresrückblick zu hören. Wolfgang Kos fragte seinen Co-Moderator Günter Brödl, wie amerikanische Vorstadtmusiker wie Southside Johnny & the Asbury Jukes wohl in Wien heißen würden. Brödl antwortete „Ostbahn-Kurti & die Chefpartie“.

1979 wurde Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock ’n‘ Roll? uraufgeführt. In diesem Stück hatte Kurt Ostbahn bereits eine komplette Biografie. Die Figur wurde damals von Erich Götzinger verkörpert. Angeblich habe Kurt Ostbahn bereits zwei vergriffene LPs produziert, Liedtexte wurden in diversen Literaturzeitschriften publiziert, die Arbeiterzeitung veröffentlichte ein Porträt und die Musicbox sendete ein Interview mit Kurt Ostbahn.

KurtiBrühl

Ostbahn Kurti + Bessie Brühl

1983 traf Brödl auf Willi Resetarits, der zu diesem Zeitpunkt mit den Schmetterlingen gesellschaftskritischen Folk machte; Resetarits verkörperte nun die Figur Kurt Ostbahn in der Öffentlichkeit. Von da an konzentrierte sich Brödl auf die Texte, Resetarits und Band übernahmen den musikalischen Part. Brödl übertrug Blues-, Country- und Rockklassiker verschiedener Künstler ins Wienerische.Um die Authentizität seiner Kunstfigur zu steigern, inserierte Brödl Anzeigen wie: „Suche Ostbahn-Kurti-LPs!“ oder sprühte an Autobahnbrücken sein Graffito „Kurt Ostbahn lebt!“ Brödl gab sich als dessen Kontaktperson aus.

Besondere Beachtung verdienen in diesem Zusammenhang die vielen Coverversionen von Springsteen-Songs; heraus sticht vor allem die Version des Liedes Fire, die für Ostbahn-Kurti die erste Platzierung in den Singles-Charts bedeutete. (Quelle: wikipedia)

Und wer war nun dieser Günter Brödl:

Günter Brödl (* 22. März 1955 in Wien; † 10. Oktober 2000 ebenda) war ein österreichischer Schriftsteller, Songtexter und Musikjournalist.

Ostbahn Kurti02In den Siebzigerjahren begann Günter Brödl als Radiomoderator der Ö3-Sendung Die Musicbox und befasste sich dort vor allem mit der amerikanischen Rockmusik.

Sein erstes literarisches Werk Der kühle Kopf – ein Erzählband – erschien 1975. 1976 folgte das Theaterstück Zum Freundschaftspreis und 1977 Draußen in der Stadt, das 1978 als 18-teilige Fernsehserie vom ORF verfilmt wurde. 1978 erschien sein Buch Click Clack – Wiener Rockstories.

1979 tauchte in Günter Brödls Theaterstück Wem gehört der Rock n‘ Roll? erstmals die Figur des „Ostbahn-Kurti“ auf. Weil ihm Ostbahn-Kurti, im Stück eine Nebenrolle, so gut gefiel, dichtete er dieser Kunstfigur gleich eine ganze Biografie an.

Ostbahn-Kurti hatte angeblich bereits zwei LPs produziert, es erschienen immer wieder Songtexte in diversen Zeitungen, und auch die Musicbox brachte ein Ostbahn-Interview. Um seine Story noch glaubwürdiger zu machen, gab Brödl Anzeigen auf wie „Suche erste Platte von Ostbahn-Kurti!“, sprayte auf Autobahnbrücken „Kurt Ostbahn lebt!“ und veranstaltete am 1. April 1983 ein „Sold out“-Konzert der fiktiven Rockband Ostbahn-Kurti & die Chefpartie.

Brödl

Günter Brödl + Willi Resetarits (alias Ostbahn Kurti)

Nach einem weiteren Theaterstück – Schlafstadtkinder schlafen nicht (1979) – und dem Roman Tempo City (1982) traf Brödl 1983 den Musiker Willi Resetarits, damals Mitglied der Band Schmetterlinge, mit dem er das Phänomen Ostbahn-Kurti zum Leben erweckte.

Fortan übertrug Brödl amerikanische Rock-Klassiker ins Wienerische; so wurde z. B. aus „Sharp Dressed Man“ Neiche Schoin und aus „I Heard It Through The Grapevine“ Wo hamma denn den Foaschein. 1985 erschien die erste LP Ostbahn Kurti & die Chefpartie, gefolgt von unzähligen Live-Konzerten, bei denen Brödl zunächst als Beleuchter, dann als legendärer „Trainer“ immer mit von der Partie war. Von 1985 bis zu seinem plötzlichen Tod am 10. Oktober 2000 verfasste er sämtliche Songtexte für Ostbahn-Kurti & die Chefpartie und später für Kurt Ostbahn & die Kombo, welchselbige auf insgesamt 20 Tonträgern erschienen sind, von denen acht erst nach Brödls Tod veröffentlicht wurden.

Weiters verfasste Brödl die sechs Ostbahn-Kurti-Kriminalromane Blutrausch (1995), Hitzschlag (1996), Platzangst (1997), Kopfschuß (1999) Peep-Show / Trainer & Trash ermitteln (gemeinsam mit Peter Hiess, 2000) und Schneeblind (2002, posthum veröffentlicht).

Ostbahn Kurti01

1997 kam eine Blutrausch-Verfilmung (Regie: Thomas Roth) ins Kino, für die Brödl auch das Drehbuch verfasste. 1998 erschien sein Liederbuch Ostbahn: Auslese.

Brödl schrieb auch Songtexte für andere Musiker, darunter Minisex, Denk, Babsi Balou, Klaus Trabitsch und Mom & Dead. Er übersetzte außerdem zwei Asterix-Bände ins Wienerische (Da grosse Grobn und Da Woasoga).

1993 fand beim Donaufestival Amstetten die Uraufführung seines Stücks Dynamo Donau Blues, Bluesical statt, 1999 übersetzte er fürs Wiener Schauspielhaus das Musical Hotline to heaven und im selben Jahr wurde sein Musical Be-Bop A Lulatsch ’59 im Wiener Metropol uraufgeführt.

Des Weiteren arbeitete Günter Brödl mit dem Graphiker Ronald Putzker zusammen. Mit ihm schuf er die Comic-Serie Anna Stein und den Band Rehpublik Österreich (2000) – ein fiktiver Reiseführer durch die Rehpublik Österreich, in der seit 100 Jahren das Reh „rehgiert“.

Single

Neben seiner literarischen Arbeit war Brödl einer der profiliertesten Musikjournalisten Österreichs. Am 10. Oktober 2000 verstarb Günter Brödl im Alter von nur 45 Jahren in seiner Wohnung in Wien am plötzlichen Herztod. 2001 wurde er für sein Lebenswerk posthum mit dem Amadeus Austrian Music Award geehrt. (Quelle: wikipedia)

Vielleicht hat die Tatsache, dass der Brödel im gleichen Jahr wie ich das Licht der Welt erblickte, was damit zu tun, dass ich mich mit diesem Wiener Original so verbunden fühle …

Gesichert ist jedoch, dass der Brödel nicht nur in Wien längst eine Kutlfigur geworden ist und hier nun seit legendäres Debütalbum … als Beginn einer intensiveren Auseinandersetzung/Beschäftigung mit diesem Ausnahmekünstler (die Musik war ja nur ein Teil seines Schaffens !).

Und hier sein (Live) Debütalbum und hier geht einfach die Schwarte ab … let´s fetz ist das Motto dieser LP,

Diverse Rockklassiker mit wienerischem Texten … bluesgetränkt und mit einer Stimme die gelegentlich an den legendären Roger Chapman erinnert … einfach nur genial !

Und die Skandal-Nudel Bessie Brühl (die bei „Ma nennt’n blauen Montag (Stormy Monday Blues)“ singt wie Joy Fleming in ihren besten Zeiten !) war damals auch mit von der Partie … was will  man mehr ….  einfach nur geil, die Scheibe …

Ostbahn Kurti03

Besetzung:
Willi „Kurt Ostbahn“ Resetarits  (vocals, harmonica)
Helmut „Theo Tatic“ Grössinga (drums)
Wolfgang „Josef Havlicek“ Grünzweig (guitar, vocals)
Harry Cuny „Mario Adretti“ de Pierron (organ)
Rudi Stolz (bass, vocals)
+
Bessie Brühl (vocals)

BackCover

Titel:
01. Nix halt mi auf (Brödl/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 2.49
02. Zahltog (Six Days On The Road) (Green/Montgomery/Brödl) 3.19
03. Do steht a Haus (Brödl/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 4.18
04. Höchste Zeit (Feelin´Alright) (Mason/Brödel) 3.21
05. Rusta Rasta (Bei/Königshofer) 5.26
06. Wann i g’spia (She’s Fine, She’s Mine) (Cobbs/Brödel) 6.17
07. Des ollas zöht nix (All Or Nothing) (Marriott/Lane/Brödel) 2.50
08. Ma nennt’n blauen Montag (Stormy Monday Blues) (Hines/Eckstine/Crowder/Brödel)    6.13
09. Feuer (Springsteen/Brödel) 3.40
10. Mi glangst ned 0 (Brühl) 0.35
+
11. Stern vom Praterstern (Single B-Seite, 1985) (Brödel/Grössinga/Grünzweig/de Pierron/Stolz) 4.18
12. Rendevous (Rendezvous) (Springsteen/Brödel) 2.30
13. Defekt (Be Good To Yourself) (Fraser/Brödel) 2.51

LabelB1

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Platzangst

Mein Günter Brödl Krimi im Urlaub

 

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Richard von Weizsäcker – Die Rede (1985)

FrontCover1Ich erinnere mich noch gut an diese Rede im deutschen Bundestag.

Zum 40. Jahrestag der Beendigung des Krieges in Europa und der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft ist der Titel einer vielbeachteten Rede, die der damalige Bundespräsident der Bundesrepublik Deutschland Richard von Weizsäcker am 8. Mai 1985 in der Gedenkstunde im Plenarsaal des Deutschen Bundestages gehalten hat.

Mit der in ihr enthaltenen Aussage von der Befreiung vom Nationalsozialismus prägte die Rede eine Kernaussage der nationalen Erinnerungskultur in der Bundesrepublik Deutschland.

Weizsäcker führte während der vier Monate währenden Vorbereitungszeit der Rede Gespräche mit Parteienvertretern sowie Vertretern von Kirchen und Vertriebenen- wie NS-Opferverbänden. Sein damaliger Pressesprecher Friedbert Pflüger schilderte wiederholt, dass Weizsäcker geplant hatte, in der Rede eine Begnadigung für Rudolf Heß zu fordern. Mit Hinweis auf die gerade aufgeflammte Bitburg-Kontroverse habe Pflüger den Bundespräsidenten dazu gebracht, die Forderung nach einer Freilassung des Hitler-Stellvertreters zu streichen.
Form, Inhalt

Die Rede ist in neun Abschnitte gegliedert, in denen sich Weizsäcker aus unterschiedlichen Blickwinkeln dem 40. Jahrestag der bis dahin meist sogenannten deutschen Kapitulation nähert.

Weizsäcker verdeutlicht, dass der Tag des Kriegsendes in Europa, der von jedem Volk unterschiedlich wahrgenommen werde, für die Deutschen jedoch kein Tag der Niederlage, sondern ein „Tag der Befreiung vom menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft“ gewesen sei. Der 8. Mai und seine Folgen, mit denen auch die Teilung Deutschlands gemeint war, seien untrennbar auf den Beginn der nationalsozialistischen Diktatur in Deutschland 1933 zurückzuführen.

Weizsäcker lehnt eine Kollektivschuld ab: „Schuld ist, wie Unschuld, nicht kollektiv, sondern persönlich“. Er spricht allerdings von einer „schweren Erbschaft“, die die Vorfahren der gegenwärtigen Generation hinterlassen hätten, und fordert von allen Deutschen, die Vergangenheit anzunehmen.

Weizsäcker betont die Rolle der Frauen, die „den vielleicht größten Teil dessen, was Menschen aufgeladen war, getragen“ hätten.

Die Schonungslosigkeit und Offenheit, mit der Weizsäcker in der Rede Ursachen, die zum Krieg, zum Holocaust, zur Vertreibung von Völkerstämmen und zum geteilten Europa führten, analysierte und Konsequenzen für die Gegenwart daraus zog, war bis dahin für eine öffentliche Rede eines bundesdeutschen Staatsoberhauptes ohne Beispiel.

Weizsäcker schloss die Ansprache mit den Worten

„Hitler hat stets damit gearbeitet, Vorurteile, Feindschaften und Haß zu schüren.
Die Bitte an die jungen Menschen lautet:
Lassen Sie sich nicht hineintreiben in Feindschaft und Haß
gegen andere Menschen,
gegen Russen oder Amerikaner,
gegen Juden oder gegen Türken,
gegen Alternative oder gegen Konservative,
gegen Schwarz oder gegen Weiß.
Lernen Sie, miteinander zu leben, nicht gegeneinander.
Lassen Sie auch uns als demokratisch gewählte Politiker dies immer wieder beherzigen und ein Beispiel geben.
Ehren wir die Freiheit.
Arbeiten wir für den Frieden.
Halten wir uns an das Recht.
Dienen wir unseren inneren Maßstäben der Gerechtigkeit.
Schauen wir am heutigen 8. Mai, so gut wir es können, der Wahrheit ins Auge.“

Die Rede fand ein außergewöhnliches Echo im In- und Ausland. Insbesondere in Israel sorgte sie für Furore. Aus der israelischen Botschaft in Bonn hieß es, bei der Rede habe es sich um eine „Sternstunde der deutschen Nachkriegsgeschichte“ gehandeltund ebnete somit den Weg für den Staatsbesuch Richard von Weizsäckers in Israel im Oktober 1985, dem ersten Staatsbesuch eines deutschen Bundespräsidenten in diesem Land. Reinhard Appel äußerte innerhalb der ZDF-Sendung Bürger fragen… am 23. Mai, ihm sei durch die Rede „ein eigenes weltbürgerliches Vaterlandsempfinden“ möglich geworden. Die Rede, die im Fernsehen zu sehen war, wurde in mehr als zwanzig Sprachen übersetzt und in einer Auflage von über zwei Millionen Exemplaren an die Bürger verteilt und erschien zudem auf Tonträgern. Mehr als 60.000 Bürger wandten sich schriftlich an den Bundespräsidenten. Bis heute wird die Rede als eine der bedeutendsten Leistungen Weizsäckers während seiner Amtszeit als Bundespräsident hervorgehoben. (Quelle: wikipedia)

RichardVonWeizsäcker

Anlässlich des 90. Geburtststages (2010)  von Richard von Weizsäcker erinnerte sich die „Badische Zeitung“ an diese fulminante Rede … die zugleich auch eine andere, mir bisher so nicht bekannte Seite dieses Politikers beleuchtet:

„Die Kulisse ist wie immer, wie bei jeder Feierstunde im alten Plenarsaal des Bundestages in Bonn: Blumengestecke, das schwarze Rednerpult, feierlich gekleidete Männer und Frauen, gedämpfte Musik. Es ist der 8. Mai 1985. Am Rednerpult: Richard von Weizsäcker. Wer in der Bonner Republik Rang und Namen hat, ist an diesem Tag gekommen: Minister, Abgeordnete, Wirtschaftsbosse, Gewerkschaftsführer, Vertreter der Kirchen und Glaubensgemeinschaften.

Alles scheint wie immer. Aber es scheint eben nur so. Denn alle wissen: Der vor gerade mal einem Jahr neu gewählte Bundespräsident wird 40 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges eine Rede halten, mit der er ein politisches Zeichen setzen will. Richard von Weizsäcker kommt schnell zum Punkt: Auf Zeile 33 seines Manuskripts steht der Satz, der die Rede zu einem Wendepunkt in der deutschen Nachkriegspolitik machen wird: „Der 8. Mai war ein Tag der Befreiung.“

Die Rede verändert die deutsche Politik

Bundestagspräsident Philipp Jenninger, der vier Jahre später wegen einer instinktlosen Rede zum 50. Jahrestag der „Reichskristallnacht“ zurücktreten muss, erstarrt in der ersten Reihe. Dem Fraktionschef der CDU/CSU und Wortführer der „Stahlhelmfraktion“ in der Union, Alfred Dregger, ist sein Entsetzen anzusehen. Und dann Helmut Kohl: Der Kanzler sitzt Weizsäcker Auge in Auge gegenüber, in der ersten Reihe, kaum sechs Meter vom Redner entfernt. Vereist wirkt Kohls Mine, spärlich ist sein Beifall, als Weizsäcker nach einer knappen dreiviertel Stunde sein Manuskript beiseite legt. Nur ein kurzer, undeutbarer Blickwechsel. Angeblich, so wird kolportiert, hat der Kanzler dem Präsidenten später, im Herrenruheraum des Bundestages, dann doch noch zu seiner Rede gratuliert.

Die deutsche Politik hat sich an diesem 8. Mai 1985 verändert. Hinter die Aussage aus dem Mund des Staatsoberhauptes, die deutsche Kapitulation sei ein Tag der Befreiung gewesen, gibt es kein Zurück mehr. Selbst der frühere Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher, dessen Verhältnis zu Richard von Weizsäcker stets eher unterkühlt war, den Weizsäcker öffentlich attackiert hat, würdigt in seinen Erinnerungen die historische Bedeutung dieser Rede: „Wenn man von den Marksteinen auf dem Weg zur deutschen Einheit spricht, dann muss auch diese Rede erwähnt werden.“ Sie habe“weltweit ein Vertrauen geschaffen, das wir gerade in den Jahren 1989 und 1990 brauchten“. Ex-Kanzler Helmut Schmidt, Weizsäcker in einer tiefen Freundschaft verbunden, spricht von einem „historisch glücklichen Moment“ und gesteht 25 Jahre später: „Ich schwärme heute noch von dieser Rede.“

Weizsäcker selbst sagt, er habe „nicht eigentlich neue Einsichten“ verkündet an jenem Mai-Tag im Deutschen Bundestag. Das stimmt. Schon der erste Bundespräsident, Theodor Heuß, hatte 1949 von einem Tag der bitteren Niederlage und einem Tag der Befreiung gesprochen. Aber die „8.-Mai-Rede“, die ebenso wie Roman Herzogs „Ruck-Rede“ zum Markenzeichen einer Präsidentschaft wurde, fiel in eine Zeit, in der viele in der CDU/CSU von einer – wie der Historiker Hans Mommsen es nannte – „Rückwärtsrevision des Geschichtsbildes“ träumten.

Der Präsident als intellektueller Gegenentwurf zum Kanzler

Es war die Zeit, in der Kohl mit US-Präsident Ronald Reagan ausgerechnet auf dem Bitburger Friedhof Versöhnung demonstrieren will, auf dem auch SS-Angehörige begraben sind. Der Kanzler hatte sich zum Schlesier-Treffen angesagt – obwohl es zunächst unter dem Motto stand „Schlesien bleibt unser“. Ein Jahr später sollte er Kreml-Chef Michail Gorbatschow mit Joseph Goebbels vergleichen. Der CSU-Abgeordnete Lorenz Niegel war der Weizsäcker-Rede aus Protest ferngeblieben, weil er wusste, was ihn erwartete. Sein CDU-Kollege Wilfried Böhm ließ an den Schulen Schallplatten mit allen drei Strophen des Deutschlandliedes verteilen. Und „Der Schlesier“, Hausblatt des CDU-Abgeordneten Herbert Hupka, schäumte, weil Weizsäcker die Kriegsschuld allein den Deutschen angelastet habe, nicht aber den „Kriegsverbrechern“ Roosevelt und Churchill. Oppositionsführer Hans-Jochen Vogel dankte Weizsäcker denn auch mit einem unverkennbaren Seitenhieb auf den Kanzler für die „große Rede“, die „vieles zurechtgerückt hat, was in bedrückender Weise ins Zwielicht geraten war“.

Spätestens an diesem 8. Mai beginnt ein Prozess, wie ihn die Bundesrepublik bis dahin – und auch seither – nicht erlebt hat: Der Bundespräsident profilierte sich zum intellektuellen Gegenentwurf zum Kanzler. Der sich bereits abzeichnende Bruch zwischen diesen beiden so unterschiedlichen Männern ist nun endgültig vollzogen. Der Adlige in der Villa Hammerschmidt soll den Kanzler fortan schon mal als „der Kerl“ abqualifiziert haben. Kohl höhnte im benachbarten Kanzleramt gerne über „den Herrn von nebenan“.

Dabei hatte Helmut Kohl Richard v. Weizsäcker für die Politik entdeckt: Kohl, damals CDU-Fraktionschef in Rheinland-Pfalz und als „junger Wilder“ bei vielen Parteifreunden verschrien, wirbt ihn 1954 für die CDU und verhilft dem Freiherrn in Worms zu einem sicheren Wahlkreis. 1969 zieht Kohls Protegé in den Bundestag ein, dem er bis 1981 angehört. Kohl hatte auch dafür gesorgt, dass Weizsäcker 1967 in den CDU-Vorstand aufrückt, 1979 Bundestags-Vizepräsident und 1981 schließlich Regierender Bürgermeister von Berlin wird.

Zwei Mal drängt Kohl ihn zur Kandidatur um das Bundespräsidentenamt: 1969 unterliegt Weizsäcker schon seinem parteiinternen Gegenkandidaten, dem damaligen CDU-Verteidigungsminister Gerhard Schröder, 1974 tritt er auf Kohls Wunsch als Zählkandidat gegen Walter Scheel an. Doch als 1984 die Mehrheit in der Bundesversammlung für Weizsäcker sicher ist, sträubt sich Kohl gegen die Kandidatur – vergeblich. Weizsäcker ist auf dem Gipfel seiner Karriere angekommen.

Geprägt von Krieg und Nazi-Herrschaft

Als Kohl Mitte der 50er-Jahre anfängt, Weizsäcker zu umwerben, hat der gebürtige Stuttgarter bereits eine bemerkenswerte Karriere in der Wirtschaft gemacht: Von der wissenschaftlichen Hilfskraft bei Mannesmann war er bis zum Mitglied der Geschäftsführung des Pharmariesen C. H. Boehringer aufgestiegen. Seine politische und persönliche Prägung hatte der junge Jurist allerdings durch die Begegnung mit Nazi-Herrschaft und Krieg erhalten. In einem „schrecklichen Schnellkochverfahren“ muss er – so sein Bruder Carl-Friedrich – zu einem „erwachsenen, gereiften Mann“ werden: Der 19-Jährige ist vom ersten Tag des Krieges an dabei. Schon am zweiten Kriegstag fällt sein Bruder Heinrich, und Richard muss die Totenwache halten. Richard von Weizsäcker kämpft an der Ost- wie an der Westfront, liegt vor Moskau und Leningrad, wird verwundet – und bekommt Kontakt zu der Widerstandsgruppe um Claus Graf von Stauffenberg. Marion Gräfin Dönhoff schreibt später, Richard von Weizsäcker habe „mit vielen seiner Generation das Schicksal geteilt, sehr jung – viel zu jung – vor immer neuen Abgründen zu stehen“.

Die Erfahrungen dieser frühen Jahre lassen ihn später, als Bundespräsident und Gegenspieler eines Kanzlers, der von der „Gnade der späten Geburt“ spricht, diesen Satz sagen: „Erinnern heißt, eines Geschehens so ehrlich und rein zu gedenken, dass es zu einem Teil des eigenen Inneren wird.“

Es muss ein schmerzhafter Prozess für den jungen Juristen Richard von Weizsäcker gewesen sein: Er verteidigt seinen Vater, Ernst von Weizsäcker, im Nürnberger Kriegsverbrecher-Prozess. Als Staatssekretär im Auswärtigen Amt hatte Ernst von Weizsäcker sich als Mitläufer und Dulder in die Nazi-Verbrechen verstrickt. „Mein Verhalten ab 1939 ist unrühmlich,“ bekennt er. Er wird verurteilt. Für Richard von Weizsäcker ist der Auftrag aus dem persönlichen Erleben von Schuld, Verbrechen und Krieg eindeutig: So etwas darf nie wieder geschehen. Er will die Aussöhnung, vor allem mit Polen.

Als Kirchentagspräsident, als CDU-Abgeordneter, als Regierender Bürgermeister in Berlin und vor allem als Staatsoberhaupt kämpft er mit Worten und Taten für die Verwirklichung seines Zieles. Schon 1962 plädiert er für die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze, für ein CDU-Mitglied damals ein Tabubruch. In der Schlacht um die Ostverträge unterstützt er zum Ärger seiner Fraktion den SPD-Kanzler Willy Brandt. Er ist immer unbequem, ein Querdenker, von Franz Josef Strauß als „polit-ökumenischer Bischof“ verspottet.

Aber der silberhaarige Mann kommt an, bei der Bevölkerung, bei den Intellektuellen, im In- und im Ausland. Der Spross einer alten Württemberger Beamten- und Politikerfamilie, der kühle Protestant, verkörpert in Kohls Pantoffel-Republik alles, was ihn in eine Sonderrolle wachsen lässt: Adliger, Diplomatensohn, Jurist, Ex-Offizier, Manager, ein aufgeklärter Konservativer, ein Meister des geschliffenen Wortes. Ein wohl gemeintes Bonmot unter Weizsäcker gewogenen Bonner Journalisten auf dem Höhepunkt seiner Präsidentschaft lautete, ihm fehle nur noch die goldene Kutsche zum deutschen Ersatzkaiser.

Moskau1987

In Moskau (mit Tochter Beatrice, Moskau, 6. Juli 1987)

Kalt bis ins Herz?

Aber hinter dieser Fassade gibt es auch noch einen anderen Weizsäcker, aufbrausend, arrogant, unbeherrscht. Eine kleine, verräterische Szene, die lange her ist, die dennoch erzählt werden muss, weil sie das öffentliche Bild vom noblen Mann mit den weißen Haaren so gründlich auf den Kopf stellt: Kirchentag irgendwo in der Bundesrepublik. Weizsäcker hat eine Mitarbeiterin losgeschickt, sie solle ihm Fotokopien machen. Der Kopierer streikt. Weizsäcker kommt mit hochrotem Kopf angerauscht, herrscht die Kirchentags-Mitarbeiterin an, warum es so lange dauert. Schließlich schleudert er der verdutzten Frau den Satz entgegen, der so verräterisch ist: „Wissen Sie denn nicht, wer ich bin?“

Aus den verschwiegenen Mauern der Villa Hammerschmidt dringen manche Berichte über seinen Umgang mit Mitarbeitern, die ebenso nachdenklich machen, wie das Bekenntnis der Weizsäcker-Tochter Beatrice: „Liebe, das ist ein klassisches Wort, das in unserer Familie nicht vorkommt.“

Ist dieser Mann, der es versteht, Herzen zu öffnen und für sich zu gewinnen, den immer ein Hauch von Noblesse umweht, selber kalt bis ans Herz? Viele Fragen lässt das Leben dieses Richard von Weizsäcker unbeantwortet, unausgelotet. Aber das, was sein bisher 90-jähriges öffentliches Leben ausmacht, reicht für einen Sonderplatz in deutschen Geschichte. Für ihn gilt die aus der römischen Republik stammende und oft so schnellzüngig verwendete Formel: Er hat sich um das Vaterland verdient gemacht.“

Dennoch: Eine Rede. die auch heute noch wegweisend ist … Und die Rede dieses Textes kann man dann auch in der pdf Datei nachlesen.

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Titel:
01. Die Rede, Teil 1 / 22.38
02. Die Rede, Teil 2 / 22.38

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Und hier kann man die Rede sehen:

Ulla Meinecke – Der Stolz italienischer Frauen (1985)

FrontCover1Auch wenn ich mit ihr niemals so richtig warm geworden bin, gehört sie natürlich zu den zentralen weiblichen Figuren des Deutsch-Rocks der letzten Jahrzehnte:

Der Charme dieser 1985er Scheibe ist noch immer ungebrochen, denn Ulla Meineckes Songs sind so zeitlos wie sie selbst. Wenn man sich ihrer klugen Weitsicht öffnet, versinkt man schnell in den emotionalen Stromschnellen ihrer stimmungsvollen Sprachgemälde, die, getränkt mit bodenloser Menschenkenntnis, den Blick für das Verborgene erschließen.
Ihre Worte sind heißes Öl auf offenes Feuer, die behutsamen bis powervollen Sounds verstärken das Gesagte. Geschichten, in denen sich wirklich jeder wiederfinden kann, lassen nach der ersten Berührung selten wieder los, sind Rat, Trost und Lebenshilfe einer starken Frau – einer Glücksjägerin, die den Mut besitzt, hinter den Kulissen des Lebens nach Sternenstaub zu suchen. Lieder wie Wilde Walzer, Prinzessin, Was Ich An Dir Mag oder Gewitter graben sich energisch in die Seele, machen das Herz weit und wecken vergessen geglaubte Gefühle. „Hör auf dich zu drehn und du wirst sehn: alles dreht sich um dich!“…[Andre Göbel]

Und ich kann es drehen und wenden wie ich will: Selten hat mich eine Scheibe emotional so kalt gelassen wie diese. Weiß der Teufel, warum.

UllaMeinecke

Besetzung:
Michael Brandt (guitar)
Christian Evans (drums)
George Kochbeck (keyboards)
Peter Küchhold (bass)
Ulla Meinecke (vocals)
Richard Wester (saxophone)
+
Anselm Kluge (bass)
Matthias Raue (keyboards)
Peter Weihe (synthesizer bei 06.)
Edo Zanki (vocals bei 07.)

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Titel:
01. Wilde Walzer (Meinecke/Evans/Arndt/Brandt) 4.06
02. Heisser Draht (Meinecke/Mitteregger) 4.54
03. Ey Kleine (Meinecke/Mitteregger) 3-57
04. Prinzessin (Meinecke/Zanki) 5.17
05. Der Stolz italienischer Frauen (Meinecke/Mitteregger) 4.25
06. Alles dreht sich (Meinecke/Zanki) 4.01
07. Gewitter (Meinecke/Evans) 4.29
08. Was ich an dir mag (Pudelko) 2.49
09. Reprise (Kluge) 1.48

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Hape Kerkeling – Hannilein & Co. (1985)

FrontCover1Keine Frage: Der HapeKerkeling ist ein Unikat in der deutschen Unterhaltungs-Szene und etliche seine Sketche, bzw. Kurzfime sind längst Klassiker geworden.

Hans-Peter Wilhelm „Hape“ Kerkeling (* 9. Dezember 1964 in Recklinghausen) ist ein deutscher Komiker, Autor, Moderator, Schauspieler, Sänger und Synchronsprecher.

Hape Kerkeling wurde 1964 als Sohn eines Tischlers und einer Floristin in Recklinghausen geboren. Nach dem Suizid seiner Mutter 1973 zogen seine Großeltern väterlicherseits zu seinem Vater, seinem Bruder Josef und ihm. Die Familie seines Großvaters stammt aus den Niederlanden; daher kommt auch der Familienname.

1984 legte Kerkeling das Abitur am Marie-Curie-Gymnasium in Recklinghausen ab. In seiner Schulzeit war er Ministrant. Mit einigen Mitschülern brachte er unter dem Bandnamen Gesundfutter eine Schallplatte mit dem Titel Hawaii auf den Markt.

Kerkelings Bemühungen um Fernsehpräsenz begannen mit einem Misserfolg: 1977 bewarb sich der damals Zwölfjährige bei Loriot für die Rolle des moppeligen Kindes Dicki im Sketch Weihnachten bei Hoppenstedts. Die Rolle erhielt jedoch Katja Bogdanski. Seinen ersten Fernsehauftritt hatte er mit 17 Jahren im Talentschuppen. Er trat bei verschiedenen Talentwettbewerben auf und gewann 1983 den damals erstmals vergebenen Passauer Kabarettpreis Scharfrichterbeil. Er arbeitete für verschiedene Rundfunkanstalten, unter anderem für den WDR und den BR. Den Durchbruch schaffte Kerkeling 1984/85 in der Musik- und Ulk-Show Känguru.

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Zur gleichen Zeit trat er in Kerkelings Kinderstunde mit der Figur des Vorschulkindes Hannilein auf. Es folgten Gastauftritte und Sketche (unter anderem mit Margarethe Schreinemakers) in der Radio-Bremen-Sendung Extratour. In seiner Biografie erwähnt Kerkeling, dass Otto Waalkes einen großen Beitrag zu seinem Karrierestart leistete, indem er ihn zur richtigen Zeit mit den richtigen Leuten bekanntmachte. (Quelle: wikipedia)

Und als Einstieg in die wunderbare Welt des Hape Kerkeling, sein Debütalbum aus dem Jahr 1985 (ich erwähne aus archivarischen Gründen natürlich auch sein Album mit der Gruppe  „Gesundfutter“ aus dem Jahr 1983 … damals war er 18 Jahre und wohnte noch bei Mutti und Bati …  demnächst hier in diesem Theater).

Wir hören hier den blutjungen Hape … und auch wenn dieses Album ein wenig gewöhnungsbedürftig ist … es ist sein Gesellenstück … pechschwarzer, absurder Humor … sehr häufig im Zusammenhang mit jenen Szenen, in denen er ein „ungezogenenes Kind“ (= Hannilein) verkörpert …

Aber auch Titel wie „Stierkampf“ und „Norwegen“, „Grand Prix“ (da bin ich fast vom Stuhl gefahlen vor Lachen) zeigen die Klasse des frühe Hape …

Und da fällt mir doch glatt sein letztes Werk, „Der Junge muss an die frische Luft“ wieder ein:

Mit »Ich bin dann mal weg« hat er Millionen Leser inspiriert, persönliche Grenzen zu überschreiten. Jetzt spricht Hape Kerkeling über seine Kindheit; entwaffnend ehrlich, mit großem Humor und Ernsthaftigkeit. Über die frühen Jahre im Ruhrgebiet, Bonanza-Spiele, Gurkenschnittchen und den ersten Farbfernseher; das Auf und Ab einer dreißigjährigen, turbulenten Karriere – und darüber, warum es manchmal ein Glück ist, sich hinter Schnauzbart und Herrenhandtasche verstecken zu können. Über berührende Begegnungen und Verluste, Lebensmut und die Energie, immer wieder aufzustehen. (Promo-Text)

Oftmals gibt es ja den Bild des „traurigen Clowns“ … ich denke  mal Hape Kerkeling steht genau in dieser Tradition … was er daraus gemacht hat … ist einfach nur großartig !

Und schon bei diesem Frühwerk kann man das spüren ….

Hape02.jpg

Besetzung:
Hape Kerkeling (Sprecher)

BackCover
Titel:
01. Intro 0.27
02. Meerschweinchen 2.49
03. Spielzimmer 2.11
04. Jugend 2.36
05. Herta 1.53
06. Fahrprüfung 4.31
07. Kirche 0.27
08. Eierlikör 2.01
09. Zundenkuss 0.27
10. Boh – Wat Langweilig 3.29
11. Dänisch-Kurs 4.54
12. Mau Mau 2.36
13. Bären 0.41
14. Italienisches Restaurant 2.34
15. Gehirn 0.34
16. Stierkampf 4.04
17. Norwegen 4.21
18. Grand Prix 5.52
19. Gunilla 3.54

Alle Texte: Hape Kerkeling

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Frühe TV-Sketche von Hape Kerkeling (1985):

Johann Mattheson – Gedanken zur Musik und Heilkunst (1985)

FrontCover1Also mir war er bis dato nicht bekannt:

Johann Mattheson gilt als bedeutendster Musiktheoretiker der frühen deutschen Aufklärung. Vor 250 Jahren starb der Komponist und Herausgeber der ersten deutschen Musikzeitschrift. Mit seinen Schriften löste er eine kontroverse Debatte über die gesellschaftliche Bedeutung der Musik aus.

Johann Mattheson gehört zu den Begründern der modernen Musikwissenschaft.

Johann Mattheson, 1681 in Hamburg geboren, lässt als erster Kantor am Dom seiner Heimatstadt ab 1715 – gegen das paulinische Schweigegebot – Frauenstimmen in der Kirchenmusik zu. Später kommentiert er dies ironisch:

„Ich weiß, was mir’s für Mühe und Verdruss gekostet hat, die Sängerinnen in der hiesigen Dom-Kirche einzuführen. Anfangs wurde verlangt, ich sollte sie bei Leibe so stellen, dass sie kein Mensch zu sehen kriegte; zuletzt aber konnte man sie nie genug hören und sehen.“

BuchDie Hamburger Musikwissenschaftlerin Birgit Kiupel würdigt die liberale Haltung Matthesons, die ihn in die Konfrontation mit der orthodoxen Geistlichkeit führte: „Wenn es um die Schönheit der Musik ging und um musikalisches Gotteslob, dann kannte Johann Mattheson keine Vorurteile. Sein wichtigstes Anliegen war es, in der Kirchenmusik alle Mittel einzusetzen, welche die Musik bot.“

Entscheidend für Matthesons musikalische Laufbahn wird, dass der Direktor der Hamburger Oper den Neunjährigen als Sänger entdeckt. Die folgenden fünfzehn Jahre steht er 2.000 Mal auf der Bühne. Das Singen gilt ihm als Grundlage der Musik, die menschliche Stimme als das „allerschönste und richtigste Instrument, das Muster aller klingenden Werkzeuge“.

Nach einem – unblutig endenden – Duell mit seinem Freund Georg Friedrich Händel Ende 1704 beendet Mattheson seine Opernkarriere und wird Sekretär beim englischen Gesandten. Der neue Beruf lässt ihm hinreichend Zeit zum Komponieren und Publizieren.

Ab 1713 entstehen musiktheoretische Werke und praktische Anleitungen zur Musik. Seine Generalbassschulen und der „Vollkommene Capellmeister“ sind bis heute Referenzwerke für junge Musiker. Aus seinen Erfahrungen als Opernsänger entwickelt er eine Affekten- und Melodienlehre. Mattheson erklärt „die Melodie zum Grunde der ganzen Setz-Kunst“ und verfasst die erste ausführliche Fugenlehre in deutscher Sprache. Dabei schwört er allen dogmatischen Regeln ab und vertraut der Urteilskraft der Sinne:

„So lange nur ein musikalisches Gehör nicht verletzet, so lange ist nichts zu tadeln noch zu verwerfen. […] Was dem Gehör gefällt, ist gut; so lange der Verstand nicht widerspricht. Was dem Gehör aber nicht ansteht, ist ausdrücklich und ohne Einwendung böse […]. Ohne Vernunft kann in der Musik wenig gutes sein; aber ohne den Beifall der Ohren noch weniger.“

Johann Mattheson

Johann Mattheson

Ab 1715 kämpft Mattheson als Kantor darum, die Schönheiten der Oper auch für die Kirchenmusik zu nutzen, als Publizist wendet er sich gegen Johann Christoph Gottsched, der dem Musiktheater das Existenzrecht anspricht. Als Kritiker liebt er die Polemik. Mit seinen Zeitschriften stößt er eine kontroverse öffentliche Debatte über die gesellschaftliche Bedeutung der Musik an. Den wissenschaftlichen Autoritäten schreibt er ins Stammbuch:

„In Wissenschaften gilt die autorité einer Meinung von tausend Leuten nicht so viel / als ein Fünklein Vernunft eines einzigen. […] Öffentlichen Lehrern darf man ihre Irrtümer […] gar wohl öffentlich zu erkennen geben […]. Es gehöret zu den öffentlichen Wohltaten.“

Selbst zu schauen, selbst zu erfahren und selbst zu urteilen, lautet Matthesons Credo. Er gilt als bedeutendster Musiktheoretiker der frühen deutschen Aufklärung. Als Sammler von Musikerbiographien wird er Mitbegründer der Musikgeschichte. Seit den 1950er-Jahren ist er zum Kronzeugen der Alte-Musik-Bewegung geworden. Sein kompositorisches Werk, darunter zahlreiche Opern und Oratorien, wird seit einigen Jahren neu entdeckt.

In seinen letzten Lebensjahrzehnten bleibt Mattheson als Schriftsteller produktiv, doch seine zunehmende Schwerhörigkeit bis zur völligen Taubheit führt zur sozialen Isolierung. Sein Nachlass – die ungeheure Summe von 44.000 Mark – wird schon zu Lebzeiten für eine neue Orgel der abgebrannten Michaeliskirche verwandt. Am 17. April 1764 stirbt Johann Mattheson in dem festen Glauben, dass es auch im Himmel Musik geben werde. Für seine Trauerfeier hat er sich ein Oratorium komponiert, das „Fröhliche Sterbelied“; es wird so machtvoll geklungen haben wie das Gotteslob in seinem fast fünfzig Jahre älteren „Magnificat a due cori“. (Holger Böning)

Und er hat sich auch zur heilenden Wirkung von Musik geäussert …

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Na ja … und dann gab es noch die Firma „ICI Pharma“ und die waren sehr rührig in Sachen pharmazeutischer Produkte:

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Deutsches Ärzteblatt, 1983

Aber wie es halt so ist … ging dann IVI Pharma dann in dem Konzern Zeneca auf:

 

Zeneca

Und mittlerweile gibt es dann einen Konzern, der nennt sich „AstraZeneca“:

AstraZeneca ist ein internationaler Pharmakonzern, der 1999 aus der schwedischen Astra AB und der britischen Zeneca PLC entstand. Zeneca war 1993 aus der Pharmasparte des britischen Chemieunternehmens Imperial Chemical Industries entstanden. Der Hauptsitz ist in London, die Entwicklungs- und Forschungsabteilung sitzt im schwedischen Södertälje südlich von Stockholm. AstraZeneca ist 2015 mit 24,7 Milliarden US-Dollar Umsatz und 57.500 Mitarbeitern einer der größten Arzneimittelhersteller weltweit. (Quelle: wikipedia)

Aber genug der Firmengeschichten, hier soll es ja vorrangig um diese LP gehen. Und damals hatte ICI Pharma eine Serie konzipiert, die eigentlich ganz spannend klingt:

ICI Phama

Und ihm Rahmen dieser Reihe erschien aben auch diese LP, die im Begleitheft sehr ausführlich eben o.g. Johann Mattheson würdigt (einschließlich Faksimilie-Abbildungen)

Und bei mir rennt man natürlich offene Türen ein, wenn es um die Aussage geht, dass Musik heilende Wirkung entfalten kann … in meinen früheren Jahren habe ich mich aus beruflichen Gründen u.a. auch mit Musiktherapie beschäftigt … heute allerdings beschäftige ich mich eher mit §§§§§ und nochmals §§§§§ …

Leider hören wir hier keine Komposition von Johann Mattheson … Dafür aber ganz und gar großartige Werke von Johann Sebastian Bach (erneut stellt er hier seine Meisterschaft unter Beweis) und dann noch von einem zumindest damals sehr bekannten französischem Barockkomponisten namens  Jean-Philippe Rameau … Und dieser zelebriert in kleinen musikalischen Miniaturen die Quintessenz der Barockmusik … ein Genuss der ganz besonderen Sorte.

Ach ja, geworden wurde mit diesem Album natürlich auch und zwar für das Medikament „Tenormin“ . Verwendet wird dieses Medikament u.a. bei „Herz-Kreislauf-Beschwerden, die sich z. B. in einer Neigung zu dauerhaft erhöhter Herzfrequenz und zeitweise erhöhtem Blutdruck äußern können.“

Nun ist es aber genug mit Informationen der unterschiedlichsten Art …

Man lausche und genieße !!! Denn hier handelt es sich um hochwertige Aufnahmen das Labels „Harmoni Mundi“, Freiburg … ein Garant für perfekte Aufnahmequalität.

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Besetzung:
Le Petite Bande unter der Leitung von Sigiswald Kuijken

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Titel:

Johann Sebastian Bach: Aus vier Ouvertüren (Orchestersuiten) Ouvertüre Nr.1 C-Dur BWV 1066:
01. Ouverture 5.46
02. Courante 2.35
03. Gavotte I und II 3.53
04. Forlane 1.16
05. Menuett I und II 3.38
06. Bourrée I und II 2.23
07. Passepied I und II 3.00

Jean-Philippe Rameau: Orchestersuite Aus „Hippolyte Et Aricie“B1 Prologue Ouverture.

Prologue – Ouvertüre:
08. Entrée des habitants de la forêt 3.03
09. Air en rondeau pour les amours 1.46
10. Gavottes 1 et 2 4.14
11. Menuets 1 et 2 1.58
12. Gavottes vives 1 et 2 1.58
13. Matches 0.59

1. Acte:
14. 14 – Marche des prêtresses de Diane 2.01
15. Premier air (gracieusement et doux) 2.98
16. Second air (un peu gai) 1,43
17. Tonnette

2. Acte:
18. Premier air des furies (gravement) 1.40
19. Deuxième air des furies (vite) 1.44
20. Troisième air des furies 2.02

LabelB1
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Renate Milczewsky – Karl May (Radioportät) (1985)

FrontCover1Klar, über Karl May braucht man ja eigentlich nicht viele Worte verlieren … andererseits bleibt er eine ganz und gar facettenreiche Person.

Und unzählig die Zahl jener Versuche, sich dieser Person biographisch und analytisch zu nähern.

Leider konnte ich die Autorin dieser Radiosendung, Renate Milczewsky (geboren 1928) kaum etwas finden. Fest steht, dass sie wohl beim Südwestfunk fest engagiert war, diverse Radiosendungen dieser Art produzierte (in einer Quelle habe ich ein Radioportrait über Fürst Pückler aus dem Jahr 1965 gefunden), auch als Buchautorin (z.B. „Lustige Schwabengeschichten“, 1977) trat sie in Erscheinung.

Gerne hätte ich mehr über diese Frau erfahren … schade … ‚

Und wie so oft … bin ch wieder mal vom Medium Radio begeistert … und über diese Fleißarbeit von Renate Milczewsky auch.

Titel:

Karl May – Radioportrait in 20 Kapiteln (01.34.24)

 

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Fritz Brause – Shilly Shally (1985)

FrontCover1Diesen Sound gab´s damals nicht allzu oft in Deutschland:

Fritz Brause ist eine deutsche Jazzpop-/Lounge-Bar-Jazz-Band aus dem Ruhrgebiet, die sich 1983 in Bochum formierte. Hatte die Band zunächst mit Instrumentalmusik auf sich aufmerksam gemacht, so wurde sie mit dem Beitritt der Sängerin Sabine Sabine (bürgerlich Sabine Speisekorn) 1984 um eine prägnante Gesangsstimme bereichert. Stilistisch mit Fritz Brause vergleichbar sind Bands wie Shakatak, Working Week, Style Council, Swing Out Sister oder Matt Bianco. Wie auch bei der englischen Band Matt Bianco war der Namensgeber kein Bandmitglied; sowohl Fritz Brause als auch Matt Bianco sind fiktive Personen.

Mit der LP „Shilly Shally“ gelang es Fritz Brause 1985, den fünften Platz der deutschen Album-Charts zu erreichen; die gleichnamige Single gehörte zu den in diesem Jahr meistgespielten Songs im deutschen Radio[1]. Im darauf folgenden Jahr erschien das Album „Bow-Tie and Rubberboots“, das sich ebenfalls gut verkaufte, jedoch nicht ganz an den kommerziellen Erfolg des Vorgängers anschließen konnte. 1987 verließ Sabine Sabine die Band, um sich ihrer Solokarriere zu widmen und unter anderem auch als Gesangslehrerin zu arbeiten. Ihren Platz nahm Linda Fields ein, mit der das Album „Don’t Go“ (1989 veröffentlicht) eingespielt wurde. Für den Tatort „Blutspur“ mit Götz George als Duisburger Kommissar Schimanski lieferte Fritz Brause im selben Jahr den Soundtrack mit dem Song „Only Lies“. Dieser erschien 1990 auch auf dem Best-Of-Album „Ambiente“. Zwischenzeitlich hatten sich die Künstler der Band – bis auf Bassist Dieter Exter – ihren Brotberufen zugewandt, ohne dass es jedoch zu einer Auflösung der Formation gekommen war. 1997 tat sich die Band in ihrer Urbesetzung mit Sabine Sabine am Mikrophon wieder zusammen. Dieser erneuten Zusammenarbeit folgte 2001 das fünfte und bislang letzte Studioalbum „Five“; Fritz Brause waren und sind als Liveband besonders im „Ruhrpott“ erfolgreich und spielen gelegentlich kleine Konzerte, die auf ihrer Facebook-Seite angekündigt werden. (Quelle: wikipedia)

FritzBrause2016

Fritz Brause, 2016

Hier ihr damals vielbeachtetes Debutalbum – vermutlich deshalb viel beachtet, weil ein derartiger US-Funk-Soul-Sound hierzulande eher ungewöhnlich für eine deutsches Combo war.

Dieser Sound ist ja eher nicht meine Kragenweite (wobei die legendäre Average White Band bis zum heutigen Tage sehr schätze) … aber dieses Album ist perfekt, die Sabine macht als Sängerin eine ganz hervorragende Figur … der Sound passt … die Bläser … puuh …

Aber, wenn Fritz Brause ne fiktive Person ist … wer steckt dann hinter dem Pseudonym bei den Komponisten-Angaben ? Aha … die ganze Band vermutlich.

Schon vor zwei Jahrzehnten war die Scheibe ein Geheimtipp und ist es bis heute geblieben. Für Fans der Swing Out Sisters oder von Matt Bianco ist „Shilly Shally“ ein absolutes Muss! Der Bandname und der Titel sind hier Programm: Prickelnde Nichtigkeiten wunderhübsch verpackt, genau das Richtige für einen lauen Sommerabend. (Fab3000)

Un die letzte Nummer „Rainey“ ist eine traumhaft schöne Smooth-Jazz-Instrumental-Ballade ….

 

Live1985

Live 1985

Besetzung:
Marcel Beckers (guitar)
K-Nappo Bernatzki (sacophone, background vocals)
Deff Cramer (keyboards, vocals bei 06.)
Hans-Dieter Exter (bass)
Martin Sander (trombone)
Sabine Speisekorn (vocals)
Klaus ‚Zwing‘ Urban (drumsm vocals bei 01.)
+
Eddy Conard (percussion)
Hans-Peter Salentin (trumpet)
+
background vocals:
Claudia Heß – Eddy Conard – Jürgen ‚Justus‘ Schürdt

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Titel:
01. Beat Boy (Brause/Voss) 3.45
02. Shilly Shally (Let’s Dance Tonight) (Brause/Lubba) 7.11
03. Gemma Gemma (Brause) 3.58
04. Half Past Midnight (Brause) 4.20
05. Teardrops (Brause/Voss) 4.14
06. That’s Terrific (Brause/Lubba) 4.09
07. L.O.U. (Brause/Voss/Lubba) 4.57
08. Zero Zero (Brause/Voss) 4.03
09. Rainey (Brause) 2.37

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Ein weitere Leihgabe aus der großartigen Graugans Sammlung
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