Bläserkorps der Jägerschaft Duderstadt – Jagdhorn-Klänge (1987)

FrontCover1.jpgAlso, da gibt es die Jägerschaft Duderstadt und die scheint es schon vor dem II Weltkrieg gegeben zu haben, aber da schweigt sich die Jubiläumsbroschüre irgendwie verdächtig dezent aus. Und so lesen wir folgendes über die Anfänge:

Die meisten können sich die Verhältnisse und ebensumstände unmittelbar nach dem 2. Weltkrieg nicht mehr vorstellen, da sie in einer glücklichen Zeit aufwuchsen, die ihnen Frieden und Wohlstand brachte. Die Zeiten, in denen die Jägerschaft Duderstadt neu gegründet wurde, waren unruhig. Deutschland war geteilt und von den Siegermächten besetzt. Das Unter-Eichsfeld war britisch.
Überfälle und Plünderungen fanden statt. Die Briten konnten diese Überfälle
nicht verhindern, verfolgten sie oftmals aber auch nicht konsequent genug. So
wurde die von den Briten ausquartierte Familie Hollenbach aus Duderstadt, die
zu dieser Zeit im Jagdhaus Desingerode lebte, dort am 30.06.45 überfallen und
ausgeraubt.
Noch 1948 organisierten die Gemeinden nächtliche Wachdienste zum Schutz
ihrer Ernten, wofür eigens ein Gesetz geschaffen worden war. Kriege und
Revolutionen waren oft verbunden mit Not. Auf die Jagd hatte dies stets
negative Auswirkungen, da immer dann vermehrt gewildert wurde, ob mit
Waffe oder Schlinge. Auch einige einheimische Jäger sahen nicht ein, daß sie
auf die Jagd verzichten sollten und jagten gelegentlich mit versteckten Waffen,
ein lebensgefährliches Spiel, denn auf – zu der Zeit illegalen – Waffenbesitz
stand die Todesstrafe. Die inzwischen unter britischer Aufsicht neu organisierte
Polizei drückte jedoch meistens die Augen zu, bis auf einen Fall, der aber
glimpflich ausging …

JägerschaftDuderstadt01

Gegründet wurde dann dieser Verein am 29. März 1947 (Die Chronik des Vereins ist wirklich arg verwirrend)

Das Jagdhornbläserkorps der Jägerschaft Duderstadt ist zweifellos das Aushängeschild der Jägerschaft. Kein anderer Organisationszweig hat derartig gute Möglichkeiten, für die Jägerei effektive und von positiven Inhalten geprägte Öffentlichkeitsarbeit zu leisten, wie das Jagdhornbläserkorps. Die Duderstädter Bläser leisten diese Arbeit, indem sie nicht nur bei Veranstaltungen der Jägerschaft auftreten, sondern auch in der
Öffentlichkeit und bei befreundeten Institutionen und Verbänden. Jahrelang war es z.B. üblich, daß das Jagdhornbläserkorps der Jägerschaft das Schützenfest der Schützengesellschaft Duderstadt eröffnete. Darüber hinaus
ist unser Bläserkorps Dank des Engagments und der Leistung ihres langjährigen Leiters Rudi Lindner bei Wettbewerben außergewöhnlich erfolgreich, die Frucht kontinuierlich betriebener und zeitweiser harter Arbeit. Dies führte dazu, daß die Duderstädter Bläser inzwischen schon einige Repräsantationsauftritte für die Landesjägerschaft Niedersachsen wahrnahmen.

Nachdem die einheimischen Jäger sich 1949 in der Kreisgruppe Duderstadt zusammengefunden hatten, kam bald der Wunsch auf, das jagdliche Brauchtum, insbesondere das Jagdhornblasen, wieder mehr zu pflegen. Der Vorstand bemühte sich, Jäger und bläserisch erfahrene Freunde für das Führen des Jagdhorns zu inteessieren. Die Entwicklung schritt zunächst nur langsam voran, und bis zur Bildung einer Gruppe, wie wir sie heute haben, war es noch ein weiter Weg.
Im Jahre 1952 beschloß der Vorstand erstmalig den Kauf von ”2 Signalhörnern für die Hornisten”. Bei der 0Jahreshauptversammlung am 30.07.54 wurde bekanntgegeben, daß Jagdhornblasen unterrichtet wird. Noch 1955 wurde seitens der Führung des Bläserkorps ́ und des Vorstandes eine schlechte Übungsbeteiligung beklagt.

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Als das Jagdhornblasen sich immer größerer Beliebtheit erfreute, wurden Landes
– und Bundeswettbewerbe veranstaltet.
Auch die Duderstädter Bläser wollten an solchen Wettbewerben teilnehmen. Um einen entsprechenden Leistungsstand zu erreichen, übten die Bläser der ersten Stunde an vielen Tagen bei den Waidgesellen Walter Zinserling und Ernst Georg
Wüstefeld. (Jubiläums Chronik; liegt der Präsentation bei)

Es folgen dann etwas wirre Angaben, wann man denn nun eine eigene Unform hatte und wann man denn nun an den ersten Wettbewerben teilgenommen habe …

Aber dann:

Der Wunsch, eine Plattenaufnahme durchzuführen, existierte im Bläserkorps
schon lange. Für die Realisierung dieses zunächst kostspieligen Vorhabens sorgte
Thomas Ehbrecht im Jahre 1987. Im Frühjahr dieses Jahres setzten sich die
Bläser an mehreren Wochenenden mit den Tücken von Mikrofon und Tonband
auseinander. Heraus kam eine Aufnahme, die mehr ist, als eine schöne
Erinnerung, sich bis zum heutigen Tage sehr gut verkauft und mittlerweile die
Kosten wieder eingespielt hat. (Jubiläums Chronik)

JägerschaftDuderstadt04.jpg

Und das Ergebnis können wir hier nachhören … Da geht´s um diverse Signal-Klänge im Laufe einer Jagd, aber auch um klassicghe Jaglieder …

Und so sehr ich den Klang eines Jagdhorns mag und schätze … und hier wurde dieses Instrument nun wahrlich souverän eingespielt, so sehr bleib ich zurück mit gemischten Gefühlen.

Denn die Jagd und all die damit verbundenen Rituale und Sitten … die mir weiterhin arg patriachalisch vorkommen, sind mir weiterhin fremd … und geheuer sind sie mir auch nicht … obwohl ich natürlich mittlerweise auch weiß, dass die Jagd oftmals für ein ökologisches Gleichgewicht nicht unwichtig ist.

JägerschaftDuderstadt02

Man beachte die Augen des Schützen …

Besetzung:
Blästerkorps der Jägerschaft Duderstadt: unter der Leitung von Rudi Lindner:
Dieter Bömeke – Thomas Ehbrecht – Christian Gödeke -Erich Hagemann – Hermann-Josef Hotze – Elmar Kohlrautz – Ludger Kohlrautz -Manfred Krell – Hans-Adolf Kurth – Frank Lindner – Rudi Lindner – Otto Mühe – Holger Rümenapf – Bernward Schneegans -Friedbert Wandt – Markus Wucherpfennig – Jürgen Wüstefeld – Ralph Wüstefeld -Wolfgang Wüstefeld

Booklet01A

Titel:
01. Auf, auf zum fröhlichen Jagen (Traditional) 1.48
02. Hubertusgruß (Traditional) 1.49
03. Begrüßung (Traditional) 1.11
04. Das Ganze – Anblasen des Treibens (Traditional) 0.24
05. Aufmunterung zum Treiben (Traditional) 0.16
06. Treiber in den Kessel (Traditional) 0.19
07. Aufhören zu Schießen (Traditional) 0.13
08. Sammeln der Jäger (Traditional) 0.17
09. Hisch tot (Traditional) 0.34
10. Sau tot (Traditional) 0.30
11. Reh tot (Traditional) 0.25
12. Fuchs tot (Traditional) 0.29
13. Jagd vorbei – Halali (Traditional) 0.38
14. Eichsfelder Jägermarsch (Lindner) 1.18
15. Sollingfanfare (Traditional) 1.14
16. Jägermarsch ‚Der Tutterige‘ (Corneli/Lindner) 1.06
17. Ehrenfanfare (Traditional) 1.00
18. Hubertusmarsch 1.36
19. Hundefanfare (Traditional) 1.02
20. Hessischer Jägermarsch (Friedl) 0.46
21. Der Jäger aus Kurpfalz (Traditional) 0.45
22. Jägermarsch Nr. 1 (Traditional) 0.45
23. Alpenjägermarsch (Traditional) 1.48
24. Ländler (Traditional) 1.23
25. Auf Wiedersehen (Galetti) 1.11
26. Anjagd – Gute Jagd (Haydn) 0.44
27. Ich ging durch ein grasgrünen Wald (Traditional) 1.59
28. Kurpfälzer Halali (Stief) 3.21
29. Wie lieblich schallt (Silcher) 1.54
30. Jagdstück (Traditional) 2.11
31. Kein schöner Land (Volkslied um 1807) (Traditional) 2.09
32. Jägerchor aus der Oper ‚Der Freischütz‘ (v.Weber) 1.33
33. Sanctus und Hymne an St. Hubertus (Traditional) 3.02
34. Hubertusmarsch (Traditional) 1.37
35. Kurfürstenfanfare (Traditional) 3.41
36. Fürstengruß (Traditional) 0.43

CD1

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Und hier liegt Duderstadt:

Karte

Ulla Meinecke – Kurz vor acht – Live (1987)

FrontCover1Wenn eine Plattenfirma einer deutschen Sängerin ein Live-Doppelalbum spendiert, dann kann dies nur bedeutet, dass diese Sängerin so ziemlich erfolgreich ist.

Und diese trifft natürlich auch für die Ulla Meinecke zu … zumindest in jenen Jahren.

Und das Ergebnis kann sich auch hören lassen … und natürlich hatte sich die Ulla Meinecke längst von den Udo Lindenberg Prägungen ihrer frühen Jahre emanzipiert.

Und so erzählt und singt sie Geschichten, aus der weiblichen Perspektive, jene Perspektiven dieser Jahr, die man mit selbstbewußt und ehrlich bezeichnen kann. Nachdenklich und sensibel hat sie dabei all die Worte gewählt.

Gut, dass es dabei nicht nur um das alte Thema „Beziehungen“ geht (siehe Randy Newman´s „Politische Wissenschaft“ … abr wenn´s dann auch um Beziehungen geht, damm zeigt sie auf fulminante Weise, wie man diese Themen ausserhalb der Schlagerwelt behandeln kann.

Und so hält uns eine zutiefst sympathische Frau einen Spiegel vor´s Gesicht und so entstand ein zutiefst sympathisches Live-Album … bis heute hörens- und nachdenkswert.

BackCover

Besetzung:
Michael Brandt (guitar)
Chris Evans (drums)
George Kochbeck (keyboards)
Peter Küchhold (bass)
Ulla Meinecke (vocals)
Rosa Precht (keyboards)
Richard Wester (saxophone)

Inlet

Titel:
01. Was ich an dir mag (Pudelko) 2.49
02. Nie wieder (Meinecke/Mitteregger) 4.12
03. Ansage 0.18
04. Feuer unterm Eis (Meinecke/Mitteregger) 5.10
05. Ansage 2.01
06. Zu fett für’s Ballett (Meinecke/Mitteregger) 5.19
07. Ansage 1.55
08. Erwischt (Meinecke/Mitteregger) 5.00
09. Ansage 1.07
10. Hafencafé (Maurenbrecher) 4.21
11. Ansage 0.46
12. Politische Wissenschaft (Newman/Meinecke) 2.36
13. Ansage 1.17
14. Video (Meinecke/Mitteregger) 3.38
15. Die Blonde (Meinecke/Mitteregger) 1.54
16. Frankfurt (Meinecke/Mitteregger) 4.22
17. Ansage 0.27
18. Die Tänzerin (Meinecke/Zanki) 5.43
19. Ansage 1.52
20. Zauberformel (Meinecke/Evans) 3.53
21. Ansage/Bandvorstellung 1.12
22. Dach der Welt (Meinecke/Mitteregger) 5.21
23. Wenn ich jetzt weiterrede (Meinecke/Kravetz) 4.20
LabelD

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UllaMeinecke

John F und die Gropiuslerchen – Berlin, Berlin + Entspannung (1987 +1989)

FrontCover1Einerseits ne eher simple Single … mit jenen Sounds, die den Zeitgeist Ende der 80er Jahre begleiteten … kein Zeitgeist, der mir hier in Westdeutschland besonders gefiel … zumindest was die Kohl-Ära betrifft.

Andererseits ein Stück Zeitgeschichte, das es irgendwie in sich hat:

John F. und die Gropiuslerchen war das deutsche Musik-Projekt des Produzenten Jens Tröndle und des Musiker- und Autoren-Teams Rainer Konstantin, U. W. A. Heyder (Uwe Heyder) und Conny Göckel (Konrad Göckel).

Zu Berlins 750-Jahr-Feier erschien 1987 unter dem Namen John F. und die Gropiuslerchen der Titel Berlin, Berlin (… dein Herz kennt keine Mauern). Der als Geheimtipp gehandelte Dancetrack war mit O-Tönen von John F. Kennedy, Willy Brandt, Walter Ulbricht und Ernst Reuter bestückt, wurde von den Berliner Radiosendern, insbesondere dem RIAS, häufig gespielt, erreichte jedoch deutschlandweit keine Chartplatzierung.

DieMauer

Nach dem Fall der Berliner Mauer entstand Berlin, Berlin (Die Mauer ist Weg), eine der Zeit angepasste Version des Liedes mit O-Tönen von Hans-Dietrich Genscher, Walter Momper und Ost-Berliner Demonstranten. Im Dezember 1989 gelang der Sprung in die deutsche Hitparade, wo sich der Titel 9 Wochen hielt und Platz 29 erreichte.

Ebenfalls 1989 kam 2-4-6-8! (Who Do We Appreciate) mit Samples von Humphrey Bogart, Louis Armstrong und Marilyn Monroe in die Läden. Diese Produktion verfehlte, genau wie die 1995er Single Wir sind die Kid’s, eine Hitparadennotierung. (Quelle: wikipedia)

Wer es ganz genau wissen will, der kann sich hier und hier noch vertieft informieren.

Die B-Seite der Sngle ist übrigens, ausgenommen vom wirklich starkem Bass eher ne Nullnummer …

Die Gropiuslerchen

Die Gropiuslerchen

Und jede Zeit hat ihre Gassenhauer … hier hören wir einen aus einer ganz bedeutsamen Zeit deutscher Geschichte.

FrontCover (89 Remix Version)

Das Cover der ´89 Remix Version

Besetzung:
John F und die Gropiuslerchen:

Andrea – Britta – Sandra – Susanne – Tina – Wiebke

BackCover1

Titel:
01. Berlin, Berlin (… Dein Herz kennt keine Mauern) (Heyder/Konstantin/Göckel) 4.15
02. Entspannung /Heyder/Konstantin) 1.55
+
03. Berlin, Berlin (… Dein Herz kennt keine Mauern) (12″ Extended Maxi Version) 5.37
04. Berlin, Berlin (Die Mauer ist weg! 9. November ’89 – Remix) 4.16

LabelA1

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Das Video zur 89er Remix Version:

 

Und hier die Mitklatsch-Version in der ZDF Hitparade:

 

Und die Mauer wird fallen (Willy Brandt)

Georg Danzer – Liebes Leben ! (1987)

FrontCover1Also, die 80er Jahre waren für den George Danzer wahrlich keinleichtes Jahrzehnt:

Im Sommer 1984 löste Danzer seine Band auf und nahm in München mit neuen Musikern das Album Weiße Pferde auf. Bei den Dreharbeiten in Andalusien für ein unter der Regie von Rudi Dolezal produziertes Video zum Titellied hatte er einen schweren Motorradunfall und wurde wegen lebensgefährlicher Verletzungen mit der Flugambulanz nach Wien gebracht. 1985 wurde er von Dagmara geschieden, sein Vater beging Selbstmord und sein Ex-Manager tauchte unter, worauf das Finanzamt Nachforderungen stellte und Polydor seinen Vertrag nicht verlängerte.[16]

1986 schloss er einen neuen Plattenvertrag mit Teldec und verlagerte seinen Lebensmittelpunkt nach Spanien, auch zum Erlernen der Sprache. 1988 zog er nach Hamburg und erkrankte während einer Ägypten- und Keniareise an Malaria. Im folgenden Jahr siedelte er mit Lebensgefährtin Bettina auf einen Bauernhof in Werl-Holtum (Westfalen) über, den er mit Unterbrechungen bis 1994 bewohnte und wo er auch zwei Romane des Spaniers Manuel Vicent übersetzte: Mein Name ist Kain und Flug der erloschenen Schönheit. (Quelle: wikipedia)

GeorgDanzer

Viel dicker kann´s ja kaum kommen !

Und just in dieser Phase erschien sein Album „Liebes Leben !“, das überwiegend von nachklänglichen Texten geprägt ist (wen wundert´s ). Albern wird es eigentlich nur bei „Heute Nacht erschien mir Albert Einstein“.

Zitat

Quelle: Forever Young – Die Klänge der kühlen Dekade von Holger Stürenburg (2001)

Das mag ja sein, dass die Popilarität von Danzer in jenen Jahren nachlies … ganz verstehen kann ich es nicht … Denn hier hören wir ein überwiegend leises, intimes Album … fein instrumentiert und textlich eben z.T.  sehr bewegend:

 

und es läut mei telefon in da nacht
und da nachbar sagt: beim vatern hats kracht
an pumperer gmacht
i ziag mi langsam an
wass ganz genau: ’s is aus uns vorbei…

vater, deine schmerzen hab i ni gspürt
aber i hab gsegn,daß so kommen wird, daß so kommen wird
i kann di guat vasteh
du wolltest selber geh

freiwillig

vater, i waß vü zu wenig von dir
i waß nur, a teu von dir steckt in mir
tief drinnen in mir
du hast scho gwußt, wasd tuast
und wannst jetzt fortgeh muasst, na dann geh!

doch i waß ganz genau, irgendwann, irgendwo
san mia zwa wieder zam auf da wölt
vater, mach da du um mi kane sorgn
weu du kennst dein buam, der scheißt si um morgn

so wenig wia du
i kann di guat versteh
i tät genauso geh, so wia du
do i waß und i gspüä, irgendwann irgendwie

san mir zwa wieder zam
auf da wölt

Keine leichte Kost, aber eine LP, die wieder mal von viel Tiefgang geprägt ist.

Singles

Zwei Singles-Auskoppelungen von diesem Album

Besetzung:
Georg Danzer: (vocals, guitar, harmonica, sequenzer+percussion-programming)
Christian Kolonovits: Piano, Synthsizer, Zieharmonika
Martin Kunz (guitar)
Mischa Krausz (bass)
Hartl Pfannmüller (drums)
Nacho Quixano (percussion)
Willi Schneider (synthesizer)
+
Daniela Danzer (vocals bei 07.)

BackCover

 

Titel:
01. Strandhunde 4.41
02. Legende Vom Grossen Mann 5.39
03. Stephan 3.17
04. Wann werden wir uns wiedersehn 3.32
05. Oh, Kondome 3.59
06. Ich sehn mich so nach deinem Po 3.36
07. Sei nicht traurig (alles wird gut) 3.57
08 Heute Nacht erschien mir Albert Einstein 2.39
09 Die grauen Herren 4.14
10. Sieger 3.16
11. Vater 6.18
12. Barcelona 3.54

Musik und Text: Georg Danzer

LabelB

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die grauen herren fahr’n vor in grauen autos
sie haben nichts an sich, was farbe hat
so grau und leblos wie das blei der kugeln
sie weben fäden über diese stadt
sie steigen aus mit ihren aktentaschen
mit grauen angefüllt bis an den rand
sie fahren zu den obersten etagen
dort hängen graue bilder an der wand
sie sind die feinde unsrer lebensfreude
weil lachen ihre macht in frage stellt
die grauen herren haben angst vor liebe
und wär’n mir mehr, dann liebten wir sie aus der welt

die grauen herren sind verliebt ind tote
weil sich, was lebt, so schwer regieren läßt
die grauen herren mögen keine regenbogen
und darum meiden sie sie wie pest
im grunde ihrer bosheit sind sie feige
sie schwitzen graues blut vor haß und neid
doch ihre kräfte gehn sehr schnell zur neige
wenn wir uns stärker machen als das leid

Rolf Zuckowski – Winterkinder – Auf der Suche nach Weihnachten (1987)

FrontCover1Je näher der 24.12. kommt, desto mehr drängt es mich, noch rasch ein paar Alben zu präsentieren, die mir so ganz besonders am Herzen liegt, und dazu zählt ganz sicher die LP „Winterkinder“ von Rolf Zuckowski.

Und die Erklärung dafür ist ne ganz einfache: Im Jahre 1987 waren meine Töchter 7 bzw. 5 Jahre alt und diese LP war für die beiden einfach nur die klassische Vorbereitung auf Weihnachten …

Und noch heute rühren mich diese Lieder, denn sie sind Teil meines damaligen Vaterseins, ein unverzichtbarer und extrem wesentlicher Teil meines Lebens.

Aber natürlich ging das nur mir nicht so, wenn man folgende Zeilen liest, die von dem irren Erfolg dieser Aufnahmen berichten:

Rolf Zuckowski’s Winterkinder wurde 1987 veröffentlicht. Bis heute wurde das Album über 1,5 Millionen Mal verkauft. Am Samstag bei Florian Silbereisen sang Rolf Zuckowski ein letztes Mal auf der Bühne seinen bekanntesten Titel dieses Albums „In der Weihnachtsbäckerei“, außerdem erhielt er dort eine Urkunde für 1,5 Millionen verkaufte Exemplare. Denn dieses Album liegt jenseits sämtlicher möglichen Edelmetal-Áuszeichnungen.  Unser persönlicher Top-Favorit unter den Weihnachtstiteln von Rolf Zuckowski ist „Dezemberträume“ vom gleichnamigen Album. (Quelle: promipool.de)

RolfBeiWettenDass

Rolf Zuckowski … damals bei „Wetten daß ? … „

Oder:

Wer Weihnachten mit Kindern feiert, sollte Rolf Zuckowskis Weihnachtsalbum-Klassiker “Winterkinder” im CD-Spieler parat haben. Bis heute sind die Lieder des Musikers absolute Mitsing-Garanten und für Kinder das Non plus Ultra, bevor sie mit Pop, Rock und Rap überhaupt etwas anfangen können. “In der Weihnachtsbäckerei” wurde beim Erscheinen des Albums 1987 ein echter Hit und ist aus der Voreweihnachtszeit gar nicht mehr wegzudenken. Dabei finden sich auf “Winterkinder” sowohl klassische Weihnachtslieder wie “Leise rieselt der Schnee”, aber auch Eigenkompositionen wie – natürlich – “In der Weihnachtsbäckerei”, “Guten Tag, ich bin der Nikolaus” oder “Winterkinder”. Rolf Zuckowskis Meisterwerk von 1987 ist bis heute eines der beliebtesten Weihnachtsalben in Deutschland – und eine fantastische Reise in die eigenen kindlichen Weihnachtserlebnisse. (Quelle: schlagerblume.de)

Man lese sich dann noch die Liste der Besetzung der beteiligten Musiker durch … und dann kommt man aus dem Staunen nicht raus … die Créme de la Créme der damaligen Studiomusiker-Szenerie (von Peter Weihe über Herb Geller bis hin zu dem „Rattles“ Basssisten Tissy Thiers … )

ZuckowskiLive

Arrangiert und musikalisch geleitet hat das ganze dann ein John O’Brien Docker, den vielleicht einer der Leser noch als den Organisator der City Preachers (60er Jahre … Stichwort: Inga Rumpf) in Erinnerung hat.

Der Song „In der Weihnachtsbäckerei“ war wohl eine Riesenerfolg … und ich habe zwei avi Dateien in meine Präsentatiom dazugepackt (einmal den Auftritt von Rolf im Jahre 1987 in der mittlerweile untergegangenen Show „Wetten dass … “ und dann in einer weiteren Version aus dem Jahre … als dieser großartige Rolf diesen Song letzmalig in einer Hansi präsentierte …  und als mp3 Datei dann nochmals von einer mir – bis jetzt – völlig unbekannten Schlagersängerin namens Michelle).

Aber wenn´s nach mir ging … müsste der Song „Gloria (Hört ihr, wie Die Engel singen)“ ein Nummer 1 Hit sein … und dass jedes Jahr zur Weihnahtszeit erneut … aber: das Leben ist kein Ponyhof …. von daher mein dringender Tipp: Anhören !!!

Und wer glaubt dieser Rolf Zuckowski hätte nichts zu sagen … höre sich mal „Wär‘ uns der Himmel immer so nah“ oder „Auf der Suche nach Weihnachten“ an … und man wird eines besseren belehrt …

BackCover1

Besetzung:
Werner Becker (keyboards)
Peter Franken (drums, percussion)
Herb Geller (flute)
Bob Lanese (trumpet)
Michael Reinecke (guitar)
Detlef Reshöft (keyboards)
Tissy Thiers (bass)
Nils Tuxen (guitar)
Peter Weihe (guitar)

MCBooklet1

Titel:
01. Die Weihnachtsspieluhr (Traditional) 0.23
02. Winterkinder (Zuckowski) 2.43
03. Guten Tag, ich bin der Nikolaus (Zuckowski) 2.10
04. Wann kommst du, Weihnachtsmann (Petit Papa Noel) (Martinet/v. Schenkendorff/Zuckowski) 3.26
05. In der Weihnachtsbäckerei (Zuckowski) 2.52
06. Es schneit (Zuckowski) 2.16
07. Auf der Suche nach Weihnachten (Edelmann/Zuckowski) 3.37
08. Leise rieselt der Schnee (Traditional) 2.11
09. Kling Glöckchen (Traditional) 2.14
10. Ihr Kinderlein kommet (Traditional) 2.36
11.Medley: Unterm Tannenbaum (O Tannenbaum/O Du Fröhliche) (Traditional) 3.06
12. Gloria (Hört ihr, wie Die Engel singen) (Traditional/Zuckowski) 2.51
13. Wär‘ uns der Himmel immer so nah (Zuckowski) 3.58

Label1

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Harald Juhnke – Ick liebe Dich, ich liebe Dir (Berliner Liebeslied) + Wenn Eener weeß, wie Eenen is, wenn Eener nimmt (1987)

FrontCover1Es war ausgerechnet ein 1. April, an dem Harald Juhnke im Alter von 75 Jahren starb.

Es schien, als machte Harald Juhnke aus Berlin in jenem Frühjahr 2005 einen spektakulären Auftakt zu einer Woche des Ablebens höchst illustrer Persönlichkeiten. Die Redaktionen der Zeitungen, Illustrierten und Yellow-Press-Blätter wussten vor lauter Nachruf-Specials und Sonderheften nicht mehr, wo ihnen der Kopf steht: Am 1. April verschied also der „größte deutsche Entertainer“, am 2. April der überaus charismatische Papst Johannes Paul II., dessen Tod ein wochenlanges öffentliches Sterben vorausgegangen war. Und am 6. April segnete der Monaco-Fürst Rainier III. das Zeitliche.

Es war, als hätte der tote Harald Juhnke ein finales Ranking eingeläutet: Wer ist der Beliebteste im ganzen Land? Nun, der „größte deutsche Entertainer“ ist auf mindestens Platz zwei gelandet. Beim Tod von Rainier dachten sich die Deutschen: Schade, ein netter Mann, aber er war auch schon 81. Johannes Paul II. beweinten die Menschen wie einen Heiligen. Bei Harald Juhnke lächelten sie, wehmütig und voller Erinnerungen, in denen alles verziehen wird.

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Harald Juhnke (1956)

Er war alles gewesen. Star und Hanswurst, Witzbold und trauriger Komödiant, Frauenheld und einsamer Wolf, Egomane und Menschenfreund. Vor allem war er Alkoholiker. Dies und seine große Schauspielkunst machten ihn zu einem schillernden Unikum, das mal seine brillante Seite zeigte, mal seine hilflose. Er menschelte in einem Ausmaß, das sein Publikum bisweilen fassungslos, aber nie so richtig wütend machte.

Der Sohn eines Polizisten wurde am 10. Juni 1929 in Berlin-Charlottenburg geboren. Er wuchs auf im Arbeiterbezirk Wedding. Als Schauspieler stand er zuerst auf der Theaterbühne, bevor er zum Film und seinen Niederungen kam. Juhnke spielte vorzugsweise den lustigen Berliner, den jugendlichen Liebhaber, manchmal auch den Deppen. Er wirkte mit bei Abenteuer-, Berg- und anderen Filmen, in denen gewaltig das Meer, die Heide und auch die Alpenveilchen rauschten. Immer, wo einer die Klappe groß aufriss, war Harald.

„Wenn das Telefon klingelte und irgendeine halbseidene Figur bot mir eine Filmrolle an, interessierten mich in den fünfziger Jahren nur drei Fragen: Wie hoch ist die Gage für den Quatsch? Wie hübsch sind meine Partnerinnen? Wo wird der Heuler heruntergespult, wie sonnig ist es dort?“, schrieb er in seiner Autobiografie „Meine sieben Leben“.

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Der österreichische Entertainer Peter Alexander (links) ist Gaststar, als die beliebte Show „Musik ist Trumpf“ zur Eröffnung des Internationalen Congress Centrums (ICC) in Berlin am 31. März 1970 mit den Schauspielern Barbara Schöne und Harald Juhnke eröffnet wird.

Es waren goldene Zeiten des deutschen Massenfilms, männliche Stars wurden nur als echte Kerle anerkannt, wenn sie sich auch so gaben. Und Harald Juhnke gab sich so. Der Berliner Volksmund reimte rotzfrech nach Vorlage von Goethes „Erlkönig“: „Wer reitet so spät durch Nacht und Gewitter? Es ist Harald Juhnke, er sucht noch ’nen Liter!“

1959 liefert er sich angetrunken eine Verfolgungsjagd mit der Berliner Polizei, wurde handgreiflich und musste einige Monate in Haft. 1981 wurde eine geplante ZDF-Live-Sendung von „Musik ist Trumpf“ abgesagt, nachdem er bei Proben einen Zusammenbruch erlitt.

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1984 lässt er die Hamburger Aufführung der Komödie „Ein klarer Fall“ nach wenigen Minuten platzen. Er kommt alkoholisiert auf die Bühne und fragt: „Hallo, ist hier jemand?“ Im August 1995 stürzt der Star nach den Dreharbeiten zum Film „Der Trinker“ erneut ab. Juhnke erleidet einen Kreislaufkollaps. Ein Arzt sagt, der nächste tiefe Schluck könne sein letzter sein. Am 6. Januar 1996 verlässt er frühmorgens seine Villa im Berliner Grunewald und trinkt sich durch Berlin. Er muss wieder ärztlich behandelt werden. Im August 1997 betrinkt sich Juhnke tagelang nach einer erfolgreichen Aufführungsserie als „Der Hauptmann von Köpenick“ im Berliner Maxim-Gorki-Theater und landet auf einer Intensivstation. Nach einer bis dahin längsten Zwangspause in seiner Karriere und nach der Rückkehr aus einer psychiatrischen Klinik in der Schweiz säuft er sich nach TV-Dreharbeiten durch Wien und kommt erneut in die Baseler Klinik Am 11. Dezember 2001 gibt Juhnkes Manager Peter Wolf bekannt, dass der Entertainer nie wieder als Schauspieler aktiv werden wird und jetzt in einem Pflegeheim für Demenzkranke bei Berlin lebt.

Juhnke03An allen Stationen nimmt die Öffentlichkeit regen Anteil, teils aus voyeuristischer Lust, teils aus echter Sorge, zumal sich Harald Juhnke gegen Ende seiner Karriere als richtig großer Schauspieler entpuppt und als verzweifelter, hin und her geschubster Schuster Wilhelm Voigt in dem Zuckmayer-Stück „Der Hauptmann von Köpenick“ so lebensnah wie ein echter Betroffener brilliert oder in Falladas Alkoholdrama „Der Trinker“.

Das war ein anderer Juhnke als der TV-Entertainer, der sich mit Eddi Arent oder Grit Böttcher durch Sketche blödelte und in Smoking und Lackschuhen ein Held der großen Samstagabend-Unterhaltung wurde. Dieser verzweifelte Mann im Film und auf der Bühne war der Juhnke, den er auch selbst am liebsten sah. Ein Schauspieler zum Schauspieler geboren.

Manchmal zelebrierte er seine Einsamkeit, löschte alle Lichter im Haus, zündete Kerzen und Zigarre an und hörte Musik von Brahms und Frank Sinatra. „Man ist immer allein, und die Welt ist leer und nackt… Ich spüre sie an einsamen Abenden vielmehr so frierend, als wäre sie meine Haut“, schreibt er in seinem Buch.

Als seine zweite Ehefrau Susanne Juhnke am 1. April 2005 verkündet, „mein Mann ist friedlich eingeschlafen“, ist denn auch die deutsche Hochkultur entsetzt. „Konsequenterweise starb er am 1. April – und das ist diesmal keiner seiner Witze“, sagte Claus Peymann, Intendant des Berliner Ensembles. Juhnke sei ein „großer Berliner Clown, Komiker, grandioser Entertainer und Anarchist“ gewesen.

Auf der Rückseite seines Grabsteins auf dem Waldfriedhof Dahlem wurde ein Text des legendären Theatermannes Max Reinhardt eingemeißelt: „Der wahre Schauspieler ist von der unbändigen Lust getrieben, sich unaufhörlich in andere Menschen zu verwandeln, um in den Anderen am Ende sich selbst zu entdecken.“

Juhnke05Als letzten Sommer zu seinem 85. Geburtstag im Grunewald an der Ecke Lassenstraße/Koenigsallee, wo einst das Haus der Juhnkes stand, eine Juhnke-Gedenktafel enthüllt wurde, weil man eine Straße nicht nach ihm benennen konnte oder wollte, spielte man feierlich den Sinatra-Hit „My Way“, weil Harald Juhnke ja auch als deutscher Frank Sinatra galt. Er hatte sich sogar getraut, das Album „May Way – Juhnke singt Sinatra“ aufzunehmen. Die Stimme: egal! Das Cover zeigt einen Juhnke in Sinatra-Manier mit Hut und Smoking auf dem Barhocker. Er stiert auf den Boden.

Selbst dieser Ausflug ins Lächerliche bekam bei dem kleinen Festakt im Grunewald die Patina der Wehmütigkeit. Berlins Regierender Bürgermeister Klaus Wowereit, selbst kein Kind von Traurigkeit, umarmte die attraktive Witwe, die heiter lächelte und eine einsame, verblassende Rose in der Hand hielt. Aus dem Vorgarten klang eine bekannte Stimme, die ein wenig gegen die Verkehrsgeräusche anzukämpfen hatte.

Harald Juhnke sang, und der Berliner „Tagesspiegel“ schrieb: „My Way ist das Hauptmotiv dieser Erinnerung, ja, das ist die Eleganz, das ist der Schmelz in der Stimme, der auch die brachialsten Reimkunststücke deutscher Texterzunge irgendwie selbstverständlich klingen ließ: ,Es ist für mich ein Trost, dass ich trotz allem nicht entzwei geh/Verzeihn Sie, wenn ich sag, I Did It My Way‘.“

Dann stieß man mit Sekt an. (Quelle: gala.de)

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Als erste kleine Erinnerung an Juhnke, der sich wohl wie kein anderer den Ehrentitel „Entertainer“ verdient at, eine kleine, schon fast dubiose Single von ihm.

Es scheint mir, dass dies so ne Art Promo-Single it, veröffentlicht von Intermaster Musikagentur GmbH.

Zwei kleine Liedchen, ganz locker, ganz charmant und so nebenbei aus dem Ärmel geschüttelt … mit der berühmten Berliner Schnauze … so war er halt auch, der Harald Juhnke.

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Besetzung:
Harald Juhnke (vocals)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. Ick liebe Dich, ich liebe Dir (Berliner Liebeslied) (Allisch/Bendedict/Tiziana) 2.09
02. Wenn Eener weeß, wie Eenen is, wenn Eener nimmt (Allisch/Bendedict/Tiziana) 2.08

LabelB1

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Thomas Gottschalk spricht am 9. April 2005 in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche in Berlin während der Trauerfeier für den verstorbenen Entertainer.

Grachmusikoff – Dame oder Schwein (1987)

FrontCover1Gelegentlich bilde ich mir ja ein, ich hätte ein wenig Ahnung hinsichtlich deutscher Rockmusik … Irren ist männlich oder: weit gefehlt.

Da stupst mich ein aufmerksamer Leser dieses blogs auf eine Band, deren Namen ich wirklich noch nie gehört habe: Grachmusikoff:

Grachmusikoff ist eine oberschwäbische Rockband, die im Sommer 1978 während einer Demonstration gegen die Jugendhausschließung in Bad Schussenried entstanden ist. Erstes Lied war D’ Marie hockt dussa und pläret (wörtlich hochdeutsch Maria sitzt draußen und weint – eigentlich Mariechen saß weinend im Garten).[1] Gründungsmitglieder waren die Brüder Georg und Alex Köberlein sowie Hansi Fink. Die Band nannte sich anfangs Igor, Boris und Nikita Grachmusikoff und machte „den oberschwäbischen Dialekt“ mit „ihren witzig-wilden Shows“ und einer musikalischen Mischung aus „Hardrock mit Fun-Pop und Ska“ sowie Volksmusikeinflüssen „rockmusikfähig“.

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Grachmusikoff, ca. 1980

1979 gründete Alex Köberlein die Band Schwoißfuaß, die anfangs lediglich das Repertoire von Grachmusikoff übernahm, dies aber auf rockige Art interpretierte. Innerhalb von zwei Jahren wurde Schwoißfuaß in Baden-Württemberg recht erfolgreich, wodurch das Projekt Grachmusikoff bis 1984 in den Hintergrund trat.

Schwoißfuaß löste sich 1986 auf, im selben Jahr erschien die Grachmusikoff-LP Dame oder Schwein, die im Unterschied zu früheren Werken wesentlich hochdeutsche Texte hatte. Es gelang in Folge auch, ein Publikum außerhalb Baden-Württembergs zu erreichen, allerdings nicht in dem Maße, wie sich das die Band mit einem „Major-Vertrag“ im Rücken erhofft hatte.

1990 erschien die CD Im Musikantenstadl, die sich von allen bisherigen Platten der Band am besten verkaufte. Seither ist etwa alle zwei Jahre eine neue Platte der Band erschienen. In den letzten Jahren greift Grachmusikoff auch auf Titel von Schwoißfuaß zurück.

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Grachmusikoff, 1984

Am 11. April 2013 wurde dem Grachmusikoff Trio (Gründungsmitglieder Fink und die Köberlein-Brüder) der Ehrenpreis des Kleinkunstpreises Baden-Württemberg verliehen. „Mit ihm sollen Persönlichkeiten ausgezeichnet werden, die sich um die Kleinkunst im Lande verdient gemacht haben. Mit den Brüdern Alexander und Georg Köberlein sowie Hansi Fink werden die drei Urväter geehrt, die im Sommer 1978 die Gruppe gegründet haben. Das Grachmusikoff Trio sei zum ‚fleischgewordenen Monument schwäbischer Volkskultur‘ geworden, lobte die Jury in ihrer Begründung. Seit 35 Jahren spiegelten ihre Lieder das Lebensgefühl nicht nur ihrer schwäbischen Zeitgenossen wider. Spielfreude und eine beeindruckende Instrumentenvielfalt könnten nur gepaart mit Professionalität über einen so langen Zeitraum der Kritik standhalten.“ (Quelle: wikipedia)

Nun, da machte ich mich auf den Weg, diese bedauerliche Lücke zu schließen … und das hatz sich gelohnt, denn Grachmusikoff ist wirklich ein Genuss … regionaler Rock vom Feinsten …

Und hier das Album „Dame oder Schwein“:

Musikalisch höchst versiert, glänzen sie nicht nur durch insrumentale Vielfalt, sondern auch durch die Vielfalt ihren zuweilen witzig-sarkastischen Texte (ja, die kann man verstehen).
Anspieltipp: „Keiner isch gefeit“ mit einer satter Rocker mit einem atemberaubenden Harmonika-Solo … da bleibt einem die Spucke weg …

Also … Wissenslücke geschlossen … und nachdem es mir die Burschen dieser Band einfach angetan haben … gibt´s hier demnächst weiteres Material.

Und: der Wolle Kriwanek steht hier ja auch noch rum … Schwabenrock ahoi !

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Grachmusikoff, 1990 (vermutlich grüßen sie hier die Nachbarn im Lande der Bajuwaren)

Besetzung:
Riedel Diegel (keyboards, hamonica)
Hansi Fink (guitar, trombone)
Alex Köberlein (vocals)
Georg Köberlein (keyboards, vocals, trombone)
Heiner Reiff (keyboards)
Rico Stehle (drums)
Dieter Zimmermann (bass, guitar)

BackCover

Titel:
01. Für immer und mich (Diegel/Köberlein) 3.49
02. No Story, no Bier (Köberlein) 3.35
03. Keiner isch gefeit (Fink-Dobner/Köberlein) 4.12
04. Nimm soviel du willst (Zimmermann) 3.31
05. Dame oder Schwein (Köberlein) 3.12
06. Fischkopf (Diegel/Köberlein) 4.14
07. Hallo Harry (Fink-Dobner/Zimmermann/Köberlein) 2.57
08. Trullala (G.Köberlein) 4.18
09. Korfu Dance (A.Köberlein) 3.33
10. Bohnentag (G.Köberlein) 2.57

LabelB1

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