Fury In The Slaugherhouse – The Hearing And The Sense Of Balance (1995)

FrontCover1Im Frühjahr 1987 beschließen die Hannoveraner Brüder Thorsten und Kai Wingenfelder zusammen eine Band zu gründen. Zwei Leute erscheinen ihnen aber doch zu wenig, also suchen und finden sie Drummer Rainer Schumann, Gitarrist Christof Stein und Basser Hannes Schäfer. Fury in the Slaughterhouse ist geboren.Im Frühjahr 1987 beschließen die Hannoveraner Brüder Thorsten und Kai Wingenfelder zusammen eine Band zu gründen. Zwei Leute erscheinen ihnen aber doch zu wenig, also suchen und finden sie Drummer Rainer Schumann, Gitarrist Christof Stein und Basser Hannes Schäfer. Fury in the Slaughterhouse ist geboren.Fury In The Slaughterhouse: „‚Nimby‘ war noch ok“ Fury In The Slaughterhouse „‚Nimby‘ war noch ok“ Fury-Chef Kai Wingenfelder sieht die Geschichte seiner Band kritisch, vor allem am Schluss: „Die letzten Alben hätten wir uns sparen können“. 0Alle News anzeigen
Rockig sollte die Mucke sein, eingängig auch, und mit diesem Konzept stellt sich schnell Erfolg ein. Bereits 1988 jubeln die Zuschauer im ausverkauften Hannoveraner Capitol, kurz darauf auch die Besucher der Pogues-Konzerte, auf denen Fury als Support wiehern. Pogues-Sänger Shane McGowan soll gar vom „Best Supporting Act Ever“ geredet haben.

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Dabei wollten Fury keine Neuauflage der abgeebbten Neuen Deutschen Welle herausbringen, sondern etwas Eigenes schaffen. Deshalb singt Kai ausschließlich auf englisch, und das gar nicht mal so schlecht. Seit dieser Zeit haben Fury einige Erfolge vorzuweisen, zum Beispiel einige Goldene Schallplatten. „Jau“ steigt in den deutschen Verkaufscharts 1990 bis auf Platz 49, „Hooka Hey“ schon auf 32. 1992 gründet die Band in Zusammenarbeit mit BMG und SPV das Label „Slaughterhouse Music“, auf dem die folgenden Alben erscheinen. Zudem wagt man sich live auf englisches Terrain vor und beglückt deren Plattenläden kurze Zeit später mit der Compilation „Seconds To Fall“.
Den absoluten Durchbruch bringt das Jahr 1993 mit den Hit-Singles „Radio Orchid“ und „Every Generation Got Its Own Disease“, die bald auch bei MTV rauf und runter laufen. Das Album „Mono“ klettert bis Rang 12 in den deutschen Charts, auf der Tournee schauen mehr als 80.000 Fans bei den Pferden vorbei. In Kanada, das sie neben den Staaten auch bereisen, werden die Hannoveraner als „beste irische Band seit U2“ gelobt. In den USA durchbricht „Mono“ die 100.000er Verkaufsgrenze. Toll, alles. Doch kaum kommen sie Ende ’94 wieder in die Heimat zurück, steht die Aufnahme eines neuen Albums in zwei Wochen auf dem Plan und eine Tour ist auch bereits gebucht.Fury In The Slaughterhouse – Little Big World – Live & Acoustic Fury In The Slaughterhouse Little Big World – Live & Acoustic Take your lonely heart and let it fly! 5Alle Alben anzeigen
Reaktion: gereizte Stimmung bei den Furys. Gitarrist Stein verlässt die Band, lässt sich aber letztendlich doch noch überreden, wieder mitzumachen. 1995 touren Fury erneut die Republik und die Staaten, um sich anschließend eine längere Pause zu gönnen.  (Quelle: laut,de)

LPBooklet

Und genau aus diesem Jahr stammt dieses Album:

Die Furys bemühen sich hier um Abwechslung: Sie präsentieren mit dem Police-Cover „Next to you“ einen echten Rock-Kracher, und es gelingt im Gegenzug bei „Ghosttown“ der vom Piano unterstützte Gefühlsausbruch. Ein Höhepunkt ist sicher „Down there“: Läßt man das Stück in Ruhe auf sich einwirken, so wächst schnell das Gefühl, zusammen mit den Wingenfelder-Brüdern die Welt aus einer Raumkapsel heraus zu betrachten. Das traurige „Rainy april day“ ist speziell der kleinen Tochter von Curt Cobain und Courtney Love gewidmet, und beschäftigt sich kritisch mit dem Rummel um den frühen Selbstmord des Grunge-Initiators. Ansonsten bietet The hearing…. nicht mehr und nicht weniger als gewohnte Fury-Kost. Da kann man nicht wirklich meckern, jedoch gibt es auch nichts weiter herausragendes zu vermerken. Das ist gute deutsche Rockmusik, die sich immer von der Konkurrenz abhebt. Nur: Der Vorgänger Mono bot doch einiges mehr. (Wolfram Lumpe)

USVersion

Cover der US-Version

Da müsste man sich jetzt doch glatt mal das Album „Mono“ anhören … um den Vergleich selbst anstellen zu können, denn schon dieses Album weiß durchaus zu gefallen … der Vergleich wird also erledigt !

BackCover1

Besetzung:
Gero Drnek (keyboards, guitar, clarinet, bass, bajo, vocals)
Hannes Schäfer (bass)
Christof Stein-Schneider (guitar, vocals)
Rainer Schumann (drums, guitar)
Kai Wingenfelder (vocals, guitar)
Thorsten Wingenfelder (guitar, vocals)

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Titel:
01. Down There (Drnek/K.Wingenfelder) 3.43
02. Kiss The Judas (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder) 4.25
03 Milk And Honey (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Drnek) 4.14
04. Ghosttown (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Krause) 4.00
05 Hello And Goodbye (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder) 3.33
06. Hang The DJ (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder) 3.34
07. Dancing In The Sunshine Of The Dark (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder)  5.07
08. Your Love Won’t Take Me Anywhere (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Malzahn) 3.13
09. Next To You (Summer) 2.12
10. Spit Into The Fire (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder) 4.39
11 Princess Of New York (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Krause) 3.39
12. Rainy April Day (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder) 2.47

CD1

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Zeltfestival Rhein-Neckar

Fury In The Slaugherhouse, 2017

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Arno Schmidt – Die Schule der Atheisten (Hörbuch) (1995)

MCFrontCover1Wahrlich eine Rarität aus dem Bereich der deutschen Literatur der Nachkriegssgeschichte … Ein ganz spezielles Hörbuch, das sich mit dem Arno Schmidt Werk „Die Schule der Atheisten“ beschäftigt, ein wahrlich turbulenter Roman aus dem Jahr 1972:

Die Schule der Atheisten (Untertitel: Novellen=Comödie in 6 Aufzügen) ist ein Werk des deutschen Schriftstellers Arno Schmidt mit 80 stark kommentierten szenischen Kapiteln.

Das Werk erschien zuerst 1972 im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main. 1994 erschien es neu in der Bargfelder Ausgabe, Werkgruppe IV, Band 2 als Edition der Arno Schmidt Stiftung im Haffmans Verlag.

Konzipiert und niedergeschrieben wurde das bei weitem komischste unter Schmidts Spätwerken in den Jahren 1969 bis 1971. Schmidt konnte sich dabei auf lokale Recherchen stützen, die er bei einem Besuch in Tellingstedt und im schleswig-holsteinischen Dithmarschen, auf mehreren Reisen zusammen mit dem Ehepaar Michels, gesammelt hatte. Das katastrophische Szenario vom Untergang Europas durch einen dritten Weltkrieg, das von ihm vorher mehrfach, z. B. in Schwarze Spiegel, Die Gelehrtenrepublik und KAFF auch Mare Crisium behandelt worden war, erhielt dabei eine völlig neue und – für Schmidt überraschend – unbeschwert-heitere Wende. Am Ende gibt es den trügerischen Anschein einer Hoffnung im von den Großmächten geduldeten Fortbestehen des Reservats. Die Handhabung der „verschmidtsten“ Sprache vermeidet alle Gequältheiten, die sich in Zettels Traum doch finden. In Zettels Traum findet sich ein erster Verweis auf das ihm folgende Werk:

„(-:was weißDû vd ‚SCHULE DER ATHEISTEN‘ !:- héh !? -))“

– Zettels Traum: S. 222, rechts Mitte
„….ausgerechnet zu Uns, nach Tellingstedt“
Vernis mou-Radierung von Jens Rusch

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Die USA (als Matriarchat) und China (als Patriarchat) haben als konkurrierende Großmächte den Atomkrieg überlebt, in Europa jedoch nur ein, im für Schmidt typischen Norddeutschen Flachland gelegenes, Reservat an der Eider. Es soll die Kultur, die Sitten und Gebräuche der Vergangenheit des alten Europa als touristische Attraktion museal bewahren. Das Gebiet wird von dem fünfundsiebzigjährigen Senator und Friedensrichter William T. Kolderup regiert. Im Oktober 2014 kündigt sich die Außenministerin der USA, Nicole Kennan, genannt Isis, zu einer Besichtigungstour an und stört die Idylle. Eine Auflösung des Reservats könnte bevorstehen.

Die politischen Schwierigkeiten und Spannungen zwischen den verbliebenen Großmächten erhalten eine jähe Wendung, als Ufos gesichtet werden. Plötzlich besteht die Notwendigkeit, auf dem neutralen Boden des Reservates eine Konferenz mit einer chinesischen Delegation abzuhalten, um den nächsten, drohenden Krieg doch noch zu verhindern. Das Überleben, jetzt nicht nur des Reservats, hängt von einem positiven Ausgang des Treffens ab. Damit dieses Treffen ein voller Erfolg wird, bedient sich der alte Kolderup aller in Kolportage-Romanen üblichen Kniffe. Vor vielen Jahren hatte er mit der Mutter der jetzigen US-Außenministerin einen Schiffbruch vor Spenser Island

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Die Originalausgabe

überstanden. Gerührt durch die damaligen Ereignisse, wird ihm die Ministerin gewogen. Ein Schatzfund (man denke an Schmidts Das steinerne Herz) in Gestalt chinesisch beschrifteter Kacheln, welche sich als wichtiger Bestandteil eines Ahnenschreins entpuppen, eine Reminiszenz an den China-Aufenthalt des Vaters des Verfassers (ein von Schmidt in vielen seiner Bücher geübtes Verfahren) wird hier handlungstragend. Für den chinesischen Verhandlungsführer Yuan Schi Kai stellen die Kacheln wertvolle Geschenke dar. Durch Kolderups geschicktes Agieren kommt es zu einer Übereinkunft der Großmächte und das Reservat erhält eine (vorläufige) Bestandsgarantie.

In die erste Handlungsebene ist raffiniert eine Seereise mit Schiffbruch eingeflochten, als ein „Dazwischenspiel“, am Ende wie ein feingesponnener Traum, der wie eine kalkulierte Fernsehinszenierung mit Tricks hinter den Kulissen für Verwirrung sorgt. Es ist dies der Bericht von der Seereise dreier Atheisten, deren Überzeugung von einer Missionsgesellschaft einer Prüfung unterzogen wird. Dem liegt der reale Bericht über das Missionsschiff Candace zugrunde. Ein den Kolportage-Romanen Karl Mays direkt entsprungener junger Apotheker, der in der „Schule“ den jugendlichen Helden geben darf, steht hier stellvertretend für die May-Bezüge, die in mehreren Werken Schmidts vorhanden sind.

Die in den Text der „Schule“ eingebauten „Geheimgänge“ und Tapetentüren sind damit noch nicht erklärt. Sie sind Gegenstand des eigenen Erkundens.

In Die Schule der Atheisten bedient sich Schmidt der Operette und, wie der Titel durchschimmern lässt, auch der Komödie Die Schule der Frauen des französischen Dramatikers Molière. Handlungstragend ist der von Jules Verne verfasste Roman Die Schule der Robinsons und der von dessen Bruder Paul Verne verfasste Reisebericht Von Rotterdam nach Kopenhagen. Beide Bücher wurden deshalb 1978 in einem Band in der Reihe Haidnische Alterthümer bei Zweitausendeins wieder aufgelegt, wie auch der Roman Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz, der Einfluss auf die Science-Fiction-Handlung des Buchs hatte. Als weitere Quellen dienten die Werke von Theodor Storm, Klaus Groth und Gustav Frenssen.

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Die Tafel zum Gedenken an den Aufenthalt Arno Schmidts in der Traube in Tellingstedt

Schmidts Rückgriffe auf Romane von Jean Paul und Ludwig Tieck, aber auch auf ältere Literaturformen, wie die Zaubermärchen des Rokoko, wohl über Christoph Martin Wieland vermittelt, lassen die Schule als Schmidts versöhnlichstes Werk erscheinen – zudem altersweise wie Wilhelm Raabes Spätwerk. (Quelle: wikipedia)

Oder aber auch:

Diese »Novellen-Comödie« in 6 Aufzügen und 80 stark kommentierten szenischen Kapiteln ist ein höchst merkwürdig ernsthafter Spaß, eine »vis comica«, eine Revue mythologischer, religiöser, poetischer & wissenschaftlicher Welterklärungen, ein poetisch-theatraler Diskurs welchen sich der menschliche Geist zum eigenen Genuß vorspielt, vorspiegelt, – schöpfend aus dem dramaturgischen Arsenal barocker Zaubermärchen, Mysterienspiele, Possen mit Liebesidyllen, arkadische Derbheiten & ironische Offenbachiaden.

Im Mittelpunkt des im Jahre 2014 spielenden Geschehens steht der vierundsiebzigjährige William T. Kolderup. Er ist Friedensrichter in einem Reservat. Nach der Aufteilung der Welt in die Hemisphären des US-amerikanischen Matriarchats und des chinesischen Patriarchats haben die beiden Weltmächte je ein Gebiet für sich erhalten, das Kultur, Sitten und Gebräuche der Vergangenheit als touristische Attraktion bewahren soll. Kolderups Tellingstedt, die Erzählstadt also, ist der letzte Rest des alten Europa. Das Reservat rückt für ein paar Tage in den Mittelpunkt der Weltpolitik. Die Außenministerin der USA, Isis, trifft sich hier mit ihrem chinesischen Amtskollegen, um über einen gegenseitigen Duldungsvertrag zu beraten. Durch Kolderups List gelingt es, das Scheitern der Verhandlungen zu verhindern. Ihm ist es auch zu verdanken, daß das Reservat noch einmal verschont wird; denn Isis war auch zur Inspektion nach Tellingstedt gekommen, um zu untersuchen, ob der Luxus dieses kulturhistorischen Museums der Vergangenheit noch weiterhin seinen Sinn habe.

Buchausgaben

Weitere Buchausgaben

In die erste Handlungsebene ist raffiniert ein >Dazwischenspiel< in das Geschehen eingestreut, »das sich am Ende phantasmagorisch wie ein feingesponnener Traum, wie eine kalkuliert ausgeführte Fernsehinszenierung und wie ein pastellhaft-durchsichtiges Diorama auflöst, berichtet von der Reise dreier Atheisten«.

»Die Schule der Atheisten« ist ein vielfältiges Handlungs- und Figurengeflecht, ein komplexer Erzählteppich, der sich zwar gelegentlich in meist karikierten, satirisierten Figuren verdichtet, – doch in bekannt genialer Komposition durchwirkt eine schier unendliche Anzahl poetischer Kombinatoriken & Erfindungen, – jegliche Phantasieschicht der Erzählung, – das gesamte Sprachmaterial. (Quelle: http://www.echoraum.at)

Und hier hören wir nun diese Lesung  – gelesen von drei Enthusiasten: Dabei ist natürlich Jan Philip Reemtsma der bekannteste Name.

Jan Philipp Reemtsma

Jan Philipp Reemtsma

Aber auch ein Bernd Rauschbach ist ein Schwergewicht:

Bernd Rauschenbach (* 30. Juli 1952 in Berlin) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Rezitator.

Rauschenbach studierte Germanistik und Bibliothekswissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Seit 1975 veröffentlichte er literarische Werke und wurde 1982 Sekretär der Arno Schmidt Stiftung. Seit 2001 ist er deren geschäftsführender Vorstand. Er lebt in Eldingen, dem nächstgrößeren Nachbarort von Bargfeld, dem Wohnort Arno Schmidts, in dem die Stiftung ansässig ist. Für sie ist er vor allem als Herausgeber tätig, so beteiligte er sich an der Herausgabe der Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts. Außerdem arbeitete er bis ca. 2013 an einer Biographie Schmidts.

Bernd Rauschenbach ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. (Quelle: wikipedia)

DasVorleserTrio

Bernd Rauschenbach (rechts) gemeinsam mit Joachim Kersten (links) und Jan Philipp Reemtsma (Mitte), Hamburg 2013

Und ja … wer war eigentlich dieser Arno Schmidt.

Sein Haus in Bargfeld ist legendär. Seit 1958 wohnte Arno Schmidt in dem kleinen Heidedorf und empfing kaum noch Besuch. Als er nach der Veröffentlichung von „Die Schule der Atheisten“ 1973 den Goethepreis verliehen bekam, mussten die extra angereisten Journalisten Bauern und den Gastwirt interviewen, weil der Schriftsteller keine Audienzen gab. „Jegliche Berührung mit Anderen setzt erfahrungsgemäß meine Leistung herab und stört mich auf Tage hinaus.“ Immer extremer wurde seine selbst gewählte Isolation. In den letzten zehn Jahren lebte er von seiner Frau Alice durch eine Falltür getrennt in dem winzigen Häuschen. Sie oben, er unten. Für den Notfall gab es zwischen den Stockwerken eine Wechselsprechanlage.

Kamera

Die Kamera des Arno Schmidt (Yashica 44)

Arno Schmidt, der am 18. Januar 1914 als Sonntagskind in Hamburg-Hamm geboren wurde, wollte als Literat ganz hoch hinaus, mindestens so hoch wie James Joyce. Sein Name ging ein in die Geschichte. Wer aber hat ihn wirklich gelesen? In der Schule in Görlitz nennen sie ihn „Allah“, weil er ständig über Religion spricht. Auffallen tut er nur als begnadeter Linealfechter.

In seinen Beruf als Buchhalter kehrt er nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück, widmet sich nach einer kurzen Zeit als Polizeidolmetscher ganz dem Schreiben. Hermann Hesse, dem Schmidt seine ersten Texte zuschickte, nannte ihn einen MCBackCover1„modernen Desperado“, der den Krieg mit angesehen hat und einem „seinen Ekel ins Gesicht spuckt“. Selbstherrlich und elitär stilisiert sich da einer zum Genius. Frau Alice inszeniert auf Fotos seine Posen und ist sonst mit Schreibarbeiten als ideale Schriftstellergattin zu seinen Diensten.

Mit „Leviathan“ (1949), „Brand’s Haide“ (1951) und „Aus dem Leben eines Fauns“ (1953) erregt er Aufsehen in der Szene. So was hat man noch nicht gelesen. Dort wütet einer gegen Gott und die Welt. Mit ganz eigenen Worten, einer eigenen Orthografie und Interpunktion, weil die alte Sprache nach dem Krieg nicht mehr zu gebrauchen ist. Vor allem aber, weil er alles, was vor ihm war, überbieten will. „Seelandschaft mit Pocahontas“ bringt ihm eine Anzeige wegen Gotteslästerung ein.

Seine Bücher verkaufen sich kaum. Mit Übersetzungen und Radio-Feuilletons hält er sich über Wasser. Um demonstrativ seine Armut zur Schau zu tragen, trägt er kein Hemd unter der Jacke. Die Recherchen für sein Buch über „Fouqué und einige seiner Zeitgenossen“ (1958) – übrigens bis heute die einzige umfassende Biografie über den Romantiker – erledigt er auf dem Tandem. Wenn ein Verleger ihn zum noblen Essen einlädt, empört Schmidt sich, warum er als Genie hungern muss, während der Geldsack im Überfluss lebt.

Immer mehr steigert er sich in sein Ideal vom stillen Menschen, sucht in der Arbeit Heil. Mit der Uhr stoppt er die Stunden am Schreibtisch. Komplizierte Arbeiten fängt er nur bei fallendem Luftdruck an. Während den Recherchen am Opus magnum, „Zettels Traum“ (1970), steht er morgens um ein Uhr auf. In seiner Laudatio zum Goethepreis, die er von seiner Frau verlesen lässt, wettert er gegen das Geschwafel der 40-Stunden-Woche. „Meine Woche hat immer 100 Stunden gehabt.“

Ein Mensch allein kann die philologische Schnitzeljagd des Buches nicht bewältigen, und so bildet sich bald ein „Arno-Schmidt-Dechiffrier-Syndikat“. Leben und Literatur verschwimmen immer mehr. Mit Alkohol und Tabletten versucht der Neurotiker, sich am Schreibtisch zu halten. „Man muss sich entscheiden, ob man leben will, oder ein Werk schaffen.“ In seinem letzten Text, „Julia oder die Gemälde“, heißt es: „Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare“. Am 3. Juni 1979 muss Arno Schmidt seinem Lebenswandel Tribut zollen. Er stirbt an einem Hirnschlag und liegt in seinem Garten in Bargfeld begraben. (Welf Grombacher)

Arbeitszimmer

Das Arbeitszimmer des Arno Schmidt

Arno Schmidt war wohl ein arg schräger Vogel … Diese Lesung ist auch irgendwie schräg (mehr as einmal hört man die Sprecher hören), aber voller Leidenschaft … also passen diese Aufnahmen gut zu Arno Schmidt.

Erschienen ist die MC in der „Reihe Mitschnitt“ (Verlag Franz Josef Knape, Augsburg) … ich glaub´… da hab´ ich wieder mal was zu recherchieren …

Und vielleicht ist es wieder mal an der Zeit, einen Querdenker zu entdecken, unglaublich seine Wortabrobatik … hier gepaart mit einem schier unglaublichem Reichtum von skurillen, z.T. aberwitzigen Szenerien.

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Besetzung/Die Sprecher:
Joachim Kersten – Bernd Rauschenbach – Jan Philipp Reemtsma
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Titel:
01. Einleitung/Die Schule der Atheisten (Teil 1) 59.10
02. Die Schule der Atheisten (Teil 2) 56.17

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Diese Präsentation war mir nur möglich, weil die Graugans mir diese MC aus ihrem famosen Schallarchiv als Leihgabe zur Verfügung stellte.

Vielen Dank !

 

Erika Pluhar & Klaus Trabitsch -Ein Abend am Naschmarkt (1995)

FrontCover1Wann immer ich an André Heller denke … drängt sich auch die Erika Pluhar in meine Gedanken und Empfindungen … und das nicht nur, weil sie für mich eine verdammt attraktive Frau ist.

Vielmehr auch, weil sie eine Künstlerin ist, die verdammt viel zu sagen hatte und hat.

Für mich ist sie eine der interessantesten und facettenreichsten Künstlerinnen, die Österreich in den letzten 50 Jahren der Welt geschenkt hat:

Erika Pluhar (* 28. Feber 1939 in Wien) ist eine österreichische Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin.

Erika Pluhar ist die Tochter von Anna und Josef Pluhar, der während des Zweiten Weltkriegs als Verwaltungsbeamter (u. a. Adjutant des SS-Gruppenführers Otto Wächter) im Generalgouvernement tätig war. Ihre ältere Schwester ist Brigitte King, ihre jüngere die Malerin und Bildhauerin Ingeborg G. Pluhar.

Sie studierte nach der Matura 1957 am Max-Reinhardt-Seminar, der Wiener Akademie für Musik und Darstellende Kunst (Abschluss 1959 mit Auszeichnung), und wurde danach Schauspielerin am Burgtheater, wo sie von 1959 bis 1999 Ensemblemitglied war.

Wichtige Rollen waren unter anderem Luzie in Hermann Bahrs Das Phantom (1959), Ismene in Antigone (1961), Doña Angela in Calderóns Dame Kobold (1964), Amalia in Die Räuber (1965), Desdemona in Othello (1967), Königin in Grillparzers Die Jüdin von Toledo (1968), Ljudmila in Babels Marija (1969), Königin in Don Carlos (1973), die Titelfigur in Maria Stuart (1974), Lady Milford in Kabale und Liebe (1975), Ruth in Harold Pinters Heimkehr (1977), die Titelfigur in Ibsens Hedda Gabler (1978), Helene in Hofmannsthals Der Schwierige (1978), Esther in Vitracs Victor oder die Kinder an der Macht (1978), Warwara in Gorkis Sommergäste (1979), Regine in Musils Die Schwärmer (1981), Ranjewskaja in Tschechows Der Kirschgarten (1982), Katarina in Lars Noréns Dämonen (1985/1986), Natalja in Turgenjews Ein Monat auf dem Lande (1986) und die Mutter in Noréns Nacht, Mutter des Tages (1991). Sie gastierte unter anderem an den Münchner Kammerspielen (1973), bei den Bad Hersfelder Festspielen, den Bregenzer Festspielen und den Burgfestspielen Jagsthausen.

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Erika Pluhar und Rolf Bossi in dem Tatort-Krimi „Der Richter in Weiß“ (1971)

Nach großen Erfolgen unter mehreren Intendanten, besonders zur Zeit von Achim Benning, wurde sie unter der Leitung von Claus Peymann kaum mehr besetzt und entschied sich gegen die Theaterarbeit. 2004 kehrte sie im Wiener Stadttheater Walfischgasse und St. Pölten auf die Theaterbühne zurück und spielte mit Werner Schneyder in dessen Dramatisierung ihres Romans Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?

Ihrer ersten Ehe mit Udo Proksch von 1962 bis 1967 entstammte Tochter Anna Proksch (1962–1999), die an einem Asthmaanfall erstickte. Deren Sohn, der Schauspieler Ignaz Pluhar (1984 in Wien), mit dem sie in ihrem Grinzinger Haus wohnt, ist eigentlich der von ihrer Tochter zur Adoption auserkorene Enkel sahraudischer Abstammung. Erika Pluhar adoptierte ihn selbst, um ihm die Turbulenzen rund um den Namen „Proksch“ zu ersparen. Den ersten Besuch von Ignaz in seinem Herkunftsland Westsahara dokumentierte sie in dem Film Sahara in mir (2012). – Udo Proksch, dessen Schuld Pluhar bis heute bezweifelt, wurde wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine zweite Ehe ging sie 1970 mit André Heller ein, die – nach der Trennung 1973 – erst 1984 geschieden wurde. Nach dem Ende des Zusammenlebens mit Heller war sie einige Jahre, bis zu dessen Suizid 1978, mit Peter Vogel verbunden.

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Erika Pluhar, Greta Keller und André Heller (Fotografie: Michael Horowitz)

Anfang der 1970er Jahre begann ihre gesangliche Karriere. Erika Pluhar interpretierte zunächst Schlager der 1920er und 1930er Jahre sowie Lieder von André Heller, Stephan Sulke und Wolf Biermann. Seit Anfang der 1980er Jahre singt sie nur noch eigene Texte. Musikalische Wegbegleiter waren und sind António Victorino de Almeida, Peter Marinoff und Klaus Trabitsch.

Geschrieben hat Erika Pluhar seit Kindertagen. Die erste Buchveröffentlichung erfolgte 1981.

Politisch gilt Pluhar als der SPÖ nahestehend. Sie tritt unter anderem gegen Rechtsextremismus ein, etwa anlässlich der Kandidatur von Barbara Rosenkranz zur Bundespräsidentin. (Quelle: wikipedia)

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Und dieses Live-Album aus dem Jahr 1995 ist schon ein ganz, ganz besonderes, denn es zeugt von der Wiedergeburt der Erika Pluhar als Sängerin:

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Aber das Leben geht weiter …

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Nun denn … auch wenn das Programm dieses Auftritts überwiegend aus jenen längt vergangenen Jahren mit António Victorino de Almeida und Peter Marinoff stammt (also so ne Art „Best Of“ jener Zeit) stammt … es ist ein berauschendes Album.

Bei der Erika Pluhar könnte man fast auf den Gedanken kommen, sie ist wie ein Whisky … der eben reifen muss … und hier hören wir eine Sängerin – die nach all den Erschütterungen ihres Lebens – wie ein Phönix aus der Asche steigt … und uns teilhaben lässt an ihren Erkenntnissen des Lebens … mal zärtlich, mal liebevoll, mal sarkastisch mal zeitkritisch … aber immer authentisch …

Ein unglaublich intensives Album … und ganz sicher nicht das letzte Album jener Erika Pluhar … die zu verzaubernd weiß.

Und über den Klaus Trabitsch wird auch noch zu berichten sein … dringend und unverzichtbar.

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Besetzung:
Erika Pluhar (vocals)
Klaus Trabitsch (guitar)

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Titel:

CD 1:
01. Begrüßung 1.30
02. Trotzdem (Pluhar/D´Almeida) 4.00
03. Skeptisches Liebeslied (Pluhar/Marinoff) 3.01
04. Weiter (Pluhar/D´Almeida) 1.46
05. Wahrnehmen und freigeben (Pluhar) 0.57
06. Was meinst du (Pluhar/Afonso) 3.30
07. Lied vom Weltgeschehen (Pluhar/Marinoff) 3.13
08. Der geschenkte Abschied (Pluhar/D´Almeida) 3.19
09. Solo Klaus (Trabitsch) 4.15
10. Aber wie (Pluhar/Marinoff) 3.15
11. Dagegen (Pluhar/Buarque) 3.29
12. Mehr denn je (Pluhar/Marinoff) 3.44
13. Lied von der falschen Leiter (Pluhar/Marinoff) 2.28
14. Eine Frau von heute (Pluhar/Trabitsch) 3.21
15. Märchen von Marie mit dem Holzbein (Pluhar/Traditional) 3,07
16. Lied vom schönen Unsinn (Pluhar/Marinoff) 3.28

CD 2:
01. Einleitende Worte nach der Pause 1.59
02. Akazibam-Lied (Pluhar/Marinoff) 2.17
03. Engellied (Pluhar/D´Almeida) 3.23
04. Sat’s As E A (Pluhar) 1.17
05. Hupf‘ in Gatsch… (Pluhar) 3.00
06. L’amour-Hatscher (Pluhar/Marinoff) 3.18
07. Geh‘ die Gass’n nauf (Pluhar/Marinoff) 1.59
08. A bisserl (Pluhar/Marinoff) 3.16
09. Laß die Jugend verfliagn (Pluhar/Marinoff) 3.37
10. Des brauch i net (Pluhar) 2.04
11. Des versteh‘ i net (Pluhar) 4.59
12. Dieses Wien (Pluhar/D´Almeida) 2.05
13. Amol (Einmal) (Pluhar/Marinoff) 4.21
14. Immer wieder Frankfurt (Pluhar/Marinoff) 2.36
15. Gesellschaftsleben (Pluhar/Marinoff) 2.11
16. Vergänglichkeitslied (Pluhar/D´Almeida) 3.53

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Staatsorchester Stuttgart (Gabriele Ferro) – Verdi und die Banda (1995)

FrontCover1Eine musikhistorisch wahrlich spannende Aufnahme liegt da auf meinem Schreibtisch.

Aber erstmal ein paar Informationen über das ausführende Orchester, das schon ein paar Jahrhunderte (!) auf dem Buckel hat:

Das Württembergische Staatsorchester Stuttgart (auch Württembergisches Staatsorchester oder Orchester der Württembergischen Staatstheater) ist ein Sinfonieorchester, das auf die Württembergische Hofkapelle in Stuttgart zurückgeht. Es wurde vor über 400 Jahren gegründet.

Das Orchester versieht den Orchesterdienst in der Oper Stuttgart und gibt regelmäßig Konzerte in der Stuttgarter Liederhalle.

Unter den bisherigen Generalmusikdirektoren befand sich eine Reihe bedeutender Dirigenten. Im Jahre 2002 wurde das Württembergische Staatsorchester erstmals mit dem Titel Orchester des Jahres aufgrund einer Kritikerumfrage der Zeitschrift Opernwelt ausgezeichnet. (Quelle: wikipedia)

Staatsorchester Stuttgart

Die Bläser des Staatsorchester Stuttgart

Und der Dirigent Gabriele Ferro war genau der richtige für diese Aufnahmen:

Gabriele Ferro (* 15. November 1937 in Pescara) ist ein italienischer Dirigent.

Der Sohn des Komponisten Pietro Ferro studierte am Konservatorium Santa Cecilia in Rom Klavier und Komposition. Nachdem er 1970 den Wettbewerb für junge Dirigenten der RAI gewonnen hatte, dirigierte er regelmäßig die Orchester der RAI, der Mailänder Scala und von Santa Cecilia.

International trat er u.a. mit den Wiener und den Bamberger Symphonikern, dem Orchestre de la Suisse Romande, dem Orchestre Philharmonique de Radio France und dem BBC Symphony Orchestra auf. Er war von 1979 bis 1991 Dirigent des Orchestra Sinfonica Siciliana, daneben erster Dirigent des Orchestra della RAI und Generalmusikdirektor der Staatsoper Stuttgart. Sein Repertoire umfasst die Werke zeitgenössischer Komponisten wie Luciano Berio, Aldo Clementi, Bruno Maderna, Karlheinz Stockhausen, György Ligeti und Luigi Nono.

Seit 1978 machte sich Ferro einen Namen als Operndirigent und dirigierte u.a. am Opernhaus Teatro La Fenice in Venedig, dem Teatro communale von Florenz, der Covent Garden Opera in London, der Deutschen Oper in Berlin sowie Opernhäusern in Chicago, in San Francisco, Los Angeles und Tel Aviv.

Seit 1999 ist Ferro Musikdirektor am Teatro San Carlo in Neapel, seit 2001 Erster Gastdirigent am Teatro Massimo in Palermo. Aufnahmen mit ihm sind bei der Deutschen Grammophon, Sony und Emi erschienen. (Quelle: wikipedia)

Gabriele Ferro

Gabriele Ferro

Der auf den ersten Blick etwas rätselhafte Albumtitel lässt sich leicht aufklären:

Banda bedeutet auf Italienisch und auf Spanisch Musikkapelle oder im engeren Sinn Blaskapelle.

Blaskapellen mit diesem Namen bestehen in Italien und Spanien vor allem aus Klarinetten, Flöten, Trompeten, Posaunen, Tuben und Schlagwerk; Saxophone und weitere Holzblasinstrumente kommen bedingt zum Einsatz (insbesondere wenn es sich um sinfonische Blasorchester handelt). Die Ensembles rekrutieren sich in der Regel aus einem Ort und spielen in dessen Musik- und Festleben eine Rolle. So sind die Bandas für die Umrahmung der kirchlichen Prozessionen ebenso zuständig wie für öffentliche Aufführungen von Konzertmusik. Auch die Ausbildung des musikalischen Nachwuchses läuft im Wesentlichen über die Bandas.

Daneben bezeichnet das Wort auch verschiedene Genres der Blasmusik, mithin das Repertoire dieser Kapellen.

In der italienischen Oper des 18./19. Jahrhunderts erscheint in der Partitur oft eine „Banda“ als Bühnenmusik, zum Beispiel in La gazza ladra von Gioachino Rossini. Oft ist die Banda auf zwei Notensystemen ähnlich wie ein Klavierinstrument notiert. Das bedeutet, dass man diese Musik an jedem Aufführungsort der Oper für die örtliche Blaskapelle instrumentierte, die dann auf der Bühne erschien. Über die geeignete Zusammensetzung der Banda in modernen Aufführungen gehen die Meinungen auseinander. (Quelle: wikipedia)

La Triviata Plakat

Plakat zur Oper La Triviata aus dem Jahr 1853

Und hier tobt sich nun die Bands des Staatsorchest Stuttgart an Opernmelodien von Verdi aus … und zwar ganz gewaltig.

Gelegentlich gab´s an diesen Aufnahmen allerdings auch Kritik:

„Das klingt dann allerdings schon fast zu gepflegt, zu elegant – da ist die Musik der Banda, die einst aus der Oper hinaus in die Strassen getragen wurde, von der Piazza in den Konzertsaal zurückgekehrt.“ (Neue Züricher Zeitung, 2004)

Ja Mensch, Maier … sollen die Profis aus Stuttgart nun plötzlich wie Amateure aufspielen ?
Das ist doch schier ein Ding der Unmöglichkeit …

Nein, neun, die Kerle haben alles richtig gemacht und siehe da … nachdem nicht gesungen wird (*ggg*) finde ich Opernmusik richtig Klasse, zum man hier klassische Bläsermusik vom feinsten bekommt.

Diese erste Aufnahme in diesem Stil war dann auch so erfolgreich,dass zwei weitere CD´s folgten. Mich sollte es nicht wundern, wenn die hier auch mal auftauchen …denn davon kann ich nicht genug bekommen !

BackCover1

Besetzung:
Staatsorchester Stuttgart unter der Leitung von Gabriele Ferro
(weitere Informationen sihe dem vorbildlichem Begleitheft)

Booklet05A

Titel:

Oberto:
01. Sinfonia 6.26

Nabucco:
02. Sinfonia 7.50
03. Allegro marziale (1. Akt) 2.13

Macbeth – Ballettmusik 3. Akt:
04. Allegro vivacissimo 2.31
05. Allegro – Andante – Allegro 5.48
06. Valzer 3.12
07. Marcia 1. Akt 2.29

Rigoletto:
08. Allegro con brio (1. Akt) 2.28

La triviata:
09. Vorspiel (1. Akt) 3.34
10. Allegro brillante (Walzer) (1. Akt) 2.59

La forza del destino (Die Macht des Schicksals):
11. Sinfonia 8.12

Aida:
12. Hymne und Triumphmarsch 6.10

Musik: Guiseppe Verdi

CD1
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Charlie Mariano With The Stephan Diez Band – Enjoy (1995)

FrontCover1Da haben sich mal wieder zwei Spitzenmusiker der deutschen Jzzszene getroffen:

Stephan Diez (* 6. Januar 1954 in Berlin; † 5. Februar 2017 in Hamburg) war ein deutscher Jazz- und Fusionmusiker (Gitarre). Er lebte in den 1980er Jahren in München, dann in Hamburg.

Diez, der in Berlin-Zehlendorf aufwuchs, und 1969 den Sommerjazzkurs in Remscheid besuchte, spielte 1973 mit der Krautrock-Band Agitation Free, trat aber auch mit Jazztrack auf. 1974 wurde er Mitglied von Harald Banters Mediaband. 1975 und 1976 spielte er in der Chris Hinze Combination. 1978 gründete er seine eigene Formation Mirrors mit Ack van Rooyen, Gary Todd, Todd Canedy, später Johannes Faber, Heiri Känzig und Lala Kovačev. Auch spielte er mit Zbigniew Seifert in der Band Variospheres. In den Folgejahren trat er europaweit mit diversen Bands, unter anderem mit Dieter Reith, auf und arbeitete seit 1980 als Studiomusiker, Komponist und Arrangeur in München. Ab 1987 begleitete er für drei Jahre Konstantin Wecker, ging aber auch mit Mercedes Sosa und Joan Baez auf Tour.

Seit 1990 war er Mitglied der NDR Bigband. Zugleich wurde er als Professor für Jazzgitarre an die Hochschule für Musik und Theater Hamburg berufen. Im Januar 2016 ging Diez aus gesundheitlichen Gründen in Ruhestand. Er starb am 5. Februar 2017 nach langer Krankheit.

Der Gitarrist Frank Diez ist sein älterer Bruder. (Quelle: wikipedia)

StephanDietz01

Stephan Dietz

Tja … und dann noch der große Charlie Mariano:

Charlie Mariano, gebürtig Carmine Ugo Mariano, (* 12. November 1923 in Boston, Massachusetts; † 16. Juni 2009 in Köln) war ein US-amerikanischer Jazzmusiker (Alt- und Sopransaxophon, Flöte, Nagaswaram, Komposition). Charles Mingus bezeichnete Marianos lyrischen Ton auf dem Altsaxofon als «Tears of Sound», Leid- und Freudentränen als Klang. Mariano war einer der ersten Jazzmusiker, die Weltmusik spielten.

Mariano wurde als drittes und jüngstes Kind italienischer Einwanderer aus den Abruzzen geboren, seinem Vater dem Koch Giovanni Mariano und seiner Mutter Maria Digirronimo Mariano. Er wurde mit Opernmusik groß, erhielt als Kind Klavierunterricht und wechselte erst mit 17 Jahren zum Saxophon. Sein großes Vorbild war in dieser Zeit der Saxofonist Lester Young. Später war Mariano dann von Spielweise und Sound von Johnny Hodges beeindruckt; Mariano nannte ihn „sein erstes wichtiges Vorbild“. Mariano spielte später dann, unter dem Einfluss von John Coltrane auch das Sopransaxophon und war einer der wenigen Saxophonisten mit einer eigenständigen und wiedererkennbaren Spielcharakteristik auf diesem Instrument, das nicht sein Hauptinstrument war.

Mariano begann bereits 1942, in professionellen Showbands aufzutreten. Von 1943 bis 1945 wurde er in die US Army eingezogen, jedoch nicht zum Fronteinsatz, sondern CharlieMariano01lediglich in Militärbands. Er studierte ab 1945 drei Jahre Musik am Berklee College of Music (damals noch Schillinger House) in Boston, wo er ab 1958 auch unterrichtete. 1948 arbeitete er mit Shorty Sherock zusammen, dann mit Larry Clinton, Nat Pierce, mit dem er ab 1948 Aufnahmen machte, sowie in der Band von Chubby Jackson und Bill Harris. 1950 erschien seine erste Aufnahme unter eigenem Namen (Charlie Mariano and his Jazz group, mit Herb Pomeroy, Jaki Byard).

Bereits 1952 bezeichnete ihn der Jazzjournalist Nat Hentoff als „größten Musiker Bostons“.[3] 1953 war er in der Band von Chubby Jackson und Bill Harris. Von 1953 bis 1955 spielte er bei Stan Kenton. An der Westküste spielte er von 1956 bis 1958 mit Shelly Manne und war einer der führenden Mitglieder seiner Formation Shelly Manne & His Men, für die er die Suite „The Gambit“ (1957) schrieb. 1958/59 ging er wieder nach Boston und arbeitete mit Herb Pomeroy zusammen. 1959 war er auch wieder ein halbes Jahr bei Stan Kenton. Im November 1959 heiratete er die japanische Jazzpianistin Toshiko Akiyoshi (die Ehe wurde 1967 geschieden), mit der er 1960 ein eigenes Quartett bildete. 1961 und 1963 tourten sie in Japan, wo sie auch 1963/4 lebten. 1964 war ihr Quartett auf Europatournee. Mariano trat aber auch mit vielen weiteren Jazzgrößen wie Charlie Parker, Dizzy Gillespie und McCoy Tyner auf. Insbesondere seine Solos auf der Plattenaufnahme der suitenartigen Musik The Black Saint and the Sinner Lady (1963) von Charles Mingus zeigen, welche Ausdrucksstärke und Intensität Mariano auf dem Altsaxophon, seinem Hauptinstrument, entwickeln konnte.
Charlie Mariano mit Pork Pie, Ende der 1970er Jahre im Opernhaus Wuppertal

1966 bis 1967 unterrichtete er im Auftrag der USIA Mitglieder des staatlichen Radio-Orchesters in Malaysia. 1967/68 hielt er sich in Japan auf. Seit 1971 arbeitete Mariano vornehmlich in Europa, wo er sich zunächst in den Niederlanden und Belgien niederließ. 1972 war er in Zürich an der Produktion des Theaterstücks Marat/Sade von Peter Weiss beteiligt. 1973 verbrachte er vier Monate in Südindien, um die dortige Musik und insbesondere das Blasinstrument Nagaswaram zu studieren. Daraus resultierten andauernde Kooperationen mit südindischen Musikern wie denen des Karnataka College of Percussion (mehrere Tourneen, zuletzt 2005). Dabei hat er sich einerseits dem Rockjazz zugewandt, in den er Elemente der südindischen Musik einfließen ließ (bei Embryo (ab 1972) und in Jasper van’t Hofs Pork Pie, ab Februar 1974). Andererseits betonte er – insbesondere in eigenen Gruppen, aber auch in der Gruppe von Eberhard Weber und im Zusammenspiel mit Zbigniew Seifert – das lyrische Spiel. Mit dem belgischen Gitarristen Philip Catherine und Jasper van’t Hof nahm er 1979 Sleep My Love auf. Mariano gehörte auch zu den Gründungsmitgliedern des United Jazz and Rock Ensemble, der „Band der Bandleader“. Neben vielen anderen Besetzungen, auch mit jüngeren Musikern, trat er häufig im Trio mit Ali Haurand und Daniel Humair auf. Seit seiner Zusammenarbeit für das Album Savannah Samurai (1998) mit dem Freiburger Jazzbassisten Dieter Ilg unterhielten Mariano und Ilg ein kammermusikalisches Jazz-Duo.

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Nicht nur in der Pop-Musik hat er seine Spuren durch Mitwirkung auf zahlreichen Alben (zum Beispiel von Herbert Grönemeyer, Konstantin Wecker) hinterlassen, sondern auch im Kontext der sogenannten Weltmusik bei Rabih Abou-Khalil, mit Dino Saluzzi und den Dissidenten. Mariano hat insgesamt an mehr als 300 Schallplatten und CDs mitgewirkt.

Mit Toshiko Akiyoshi hat er die 1963 geborene Tochter Monday Michiru, eine Sängerin und Schauspielerin. Nachdem Mariano längere Zeit ein Nomadenleben zwischen den USA, Europa und Asien geführt hatte, lebte er seit 1986 in Köln mit seiner dritten Frau, der Malerin und Bühnenbildnerin Dorothee Zippel-Mariano. Im Juni 2009 starb Charlie Mariano an Krebs. (Quelle: wikipedia)

Und hier eine eher seltene CD mit den beiden, ihre drite und letzte Zusammenarbeit in den 90er Jahren.

Auch wenn die Aufnahmen gelegentlich in den sog. „Smooth-Jazz“ jener Jahre abrutschte, ist doch überwiegend packender Jazz-Rock … den beide mit ihren musikalischen Mitstreitern präsentieren.

Auch wenn´s nicht der ganz große Wurf ist … beide bleiben für mich auf der Skala ganz oben und eine interessante Ergänzung ist dieses einschmeichelnde Album allemal.

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Besetzung:
Richard Büchel (trumpet, flugelhorn)
Felice Civitareale (trumpet, flugelhorn)
Stephan Diez (guitar)
Wolfgang Haffner (drums)
Charlie Mariano (saxophone)
Walt Sandis (keyboards, percussion)

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Titel:
01. Enjoy (Bento) 3.02
02. African Journey (Sieben) 3.33
03. Unicorn (Mariano) 3.07
04. Triplet Rock (Rockman) 3.03
05. Summer Sweets (Diez) 3.21
06. Give (Candler) 3.39
07. Jazz Trax (Epping) 3.05
08. Zephyr (Mariano) 3.13
09. Acid Is (Sandis/Diez) 2.57
10. Exotica (Harbourg) 3.30

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Harald Schmidt – Schmidtgift (1995)

FrontCover1Es gab mal ne Zeit, da war der Harald Schmidt wirklich gut …

Harald Franz Schmidt[ (* 18. August 1957 in Neu-Ulm) ist ein deutscher Schauspieler, Kabarettist, Kolumnist, Entertainer, Schriftsteller und Moderator. Bekannt wurde er vor allem für seine verschiedenen Late-Night-Shows, die er zwischen 1995 und 2014 präsentierte.

Schmidts Eltern sind Heimatvertriebene. Sein Vater Anton (1916–2010) stammte aus Karlsbad in Westböhmen, seine Mutter aus Brünn in Südmähren. Schmidt, der in Nürtingen aufwuchs, war als Junge bei den katholischen Pfadfindern und wuchs nach eigenen Angaben in einer streng katholischen Familie auf.[5] Später wurde er nach einem Studium an der Kirchenmusikschule in Rottenburg am Neckar Kirchenmusiker mit C-Abschluss und wirkte als Organist in der katholischen Gemeinde St. Johannes in Nürtingen.

Nach dem Abitur am Hölderlin-Gymnasium in Nürtingen und der Ableistung des Zivildienstes in einem katholischen Pfarrbüro studierte Schmidt von 1978 bis 1981 Schauspiel an der Staatlichen Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Stuttgart. Um Kontakte zum Fernsehen zu knüpfen, bewarb sich Schmidt 1983 bei der Henri-Nannen-Journalistenschule in Hamburg, scheiterte aber in der Endauswahl unter etwa 100 Mitbewerbern.

HaraldSchmidt01

Harald Schmidt (l.), Jutta Hahn und Hugo Egon Balder 1986 mit ihrem Programm „Wir müssen dran glauben“ im Kom(m)ödchen.

Sein erstes Engagement hatte Harald Schmidt von 1981 bis 1984 an den Städtischen Bühnen in Augsburg. Seine erste Rolle dort war der zweite Mameluk in Lessings Nathan der Weise, der nur den Satz „Nur hier herein!“ zu sprechen hat.

 

1984 wechselte Schmidt zu Kay Lorentz ans Düsseldorfer Kom(m)ödchen, wo er bis 1989 blieb und seine kabarettistische Laufbahn unter Anleitung von Lore Lorentz begann. Im Jahr 1985 ging er mit seinem ersten Soloprogramm Ich hab’ schon wieder überzogen auf Tournee. Weitere Soloprogramme waren 1988 Überstehen ist alles und 1992 Schmidtgift.

Schmidt trat zu Beginn seiner Karriere mehrmals im Münchner Hinterhoftheater auf. Gage war die „Beteiligung am Eintrittserlös; Anreise und Unterkunft sind vom Künstler selbst zu bezahlen“ (Quelle: wikipedia)

Hier sein Programm „Schmidtgift“ … eben aus jener Zeit, als Harald Schmidt noch so richtig sarkastisch und so herrlich politisch unkorrekt ist.

HaraldSchmidt02

Wir hören einen Mitschnitt aus dem Kom(m)ödchen Düsseldorf. vom 11. Januar 1995.

Harald Schmidt ist mit Schmidtgift ein kleiner Geniestreich gelungem.
Das Programm ist kultivierte Comedy und beglückendes Küchen-Kabarett zugleich. Ein riesiges Plus des Programms ist seine Zeitlosigkeit.

Sie macht den Kauf dieser CD in jedem Fall sehr empfehlenswert, denn alles, worüber Schmidts Publikum schon 1995 lachen durfte, ist auch heute noch brandaktuell.
Man kann also herzhaft lachen (über den Zusammenhang von „Behinderten-WCs und Frauenparkplätzen“ etwa oder über Morgenmäntel wahlweise aus Seide oder vom Typ „umgehängte Steppdecke“).

Ebenso gut sind aber auch die Nummern, bei denen man sich atemlos freut über die richtig gute, schauspielerschulengestählte Intonation herrlich irrwitziger Stücke mit feindosierter Bildungsbürgertumattitüde (Marion Gräfin Dönhoff and Friends..).
Kurz und gut: Diese CD ist gelungen, man kann sie wieder und wieder anhören, ohne die Freude daran zu verlieren … (Findus)

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Die CD stammt aus der Zeit als Harald Schmidt noch als Kabarettist unterwegs war, was nun wirklich schon etliche Jährchen her ist.

Nichtsdestotrotz ist sie heute noch genauso witzig u. unterhaltsam wie damals.
Harald lästert über so ziemlich alles ab was ihm einzufallen scheint, egal ob es sich um stillende Mütter handelt die schnell nochmal in den Supermarkt müssen genau deswegen, damit es auch jeder sehen kann oder um eine Fahrt nach Paris oder um einen kleinen Schoßhund der auf den Namen „Whisky“ hört, oder, oder, oder !!! Einfach ge-ni-al !!!

Wer Harald Schmidt u. seinen bissigen Humor mag liegt hier genau richtig, ich finde die CD jedenfalls klasse u. 1000 mal besser als so manches was sich heute „Comedy“ nennt, da merkt man eben noch das gute alte Kabarett, das waren noch Zeiten… (Sina Gerritsen )

Genau so isses … hier kann man´s nachhören.

BackCover1

Besetzung:
Harald Schmidt (Sprecher, piano)

Booklet1

Titel:
01. Opening 3.00
02 Western 7.59
03. Screwball Comedy 5.23
04. Die Zeit 5.44
05. Witzige Leute 5.11
06. Kreuzottern + Mütter 4.40
07. Münster – Emden 4.21
08. Claudette 7.02
09. Kinderlieder CD 0.59
10. Mythologie Und Mykologie 3.57
11. Ben Zwitter 4.56
12. 10-Dollar Münze 3.14
13. Migräne 4.08
14. Japaner Im IC 5.56
15. Rhythmische Sportgymnastik 1.58
16. Kabarett Palmwedel 5.23

Alle Texte: Harald Schmidt

CD1

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HaraldSchmidt03

 

 

Dieter Nuhr – Nuhr am nörgeln! (1995)

FrontCover1Von Beginn an war Dieter Nuhr ein Wanderer zwischen Kabarett und Comedy und das auf höchstem Niveau:

Dieter Herbert Nuhr (* 29. Oktober 1960 in Wesel) ist ein deutscher Kabarettist, Komiker, Autor und Moderator.

Bis zu seinem vierten Lebensjahr wuchs Nuhr in Wesel auf. Danach zog seine Familie nach Düsseldorf, wo er den Rest seiner Kindheit verbrachte. Dort besuchte er das Leibniz-Gymnasium. Von 1981 an studierte er an der Universität-Gesamthochschule Essen (ehemals Folkwang) Bildende Kunst und Geschichte auf Lehramt; 1988 legte er das Erste Staatsexamen ab.

Nuhr hatte seine ersten Bühnenauftritte mit einer Schülertheatergruppe. Während eines Projekts der Theatergruppe am Düsseldorfer Schauspielhaus schrieb er erstmals auch eigene Texte. 1986 gründete er mit seinem Partner Frank Küster das Kabarettduo V.E.V.–K.Barett. Ab 1987 absolvierten sie erste gemeinsame Auftritte mit dem Programm Haben Sie sich Ihre Schranknummer gemerkt?. 1989 entstand das Programm Pralle Pracht, und ab 1990 traten die beiden unter dem leicht geänderten Namen V.E.V.–Kabarett mit dem nächsten Programm Schrille Stille auf. Zipfeltreffen hieß dann das letzte gemeinsame Programm des Duos.[2][3] Ab 1994 war Nuhr mit seinem ersten Soloprogramm Nuhr am nörgeln! unterwegs. Zur Frage, wie er seinen eigenen Stil fand, antwortete Nuhr 2006 gegenüber der Westdeutschen Zeitung:

„Das war, als ich ein Soloprojekt machte. Dazu hat mich ein Theaterleiter aus Mönchengladbach überredet. Er stellte das Theater zur Verfügung und führte Regie. Während der Vorbereitung hat er mir immer mehr von meinen Requisiten weggenommen. Das hat er sehr geschickt gemacht. Drei Tage vor der Premiere stand ich dann da und hatte gar nichts mehr, habe nur erzählt. Das war im Prinzip die Form, die ich auch heute noch habe. Ich dachte, das kann gar nicht funktionieren. Aber je weniger ich gemacht habe, desto besser hat es geklappt. Da habe ich gemerkt: Ich muss mich auf das verlassen, was ich kann – einfach reden. Nicht dicke Brillen anziehen oder komische Mützchen.“ (Sven Gantzkow: Interview mit Dieter Nuhr)

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Für sein Programm Nuhr weiter so bekam er 1998 den Deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett. 2003 erhielt er den Deutschen Comedypreis für den besten Liveauftritt. Nuhr ist bis 2014 der einzige Preisträger, der beide Preise verliehen bekam. Zahlreiche Fernsehauftritte machten ihn auch über die Kleinkunst-Szene hinaus bekannt, etwa in Scheibenwischer, Hüsch und Co., Die Harald Schmidt Show, Quatsch Comedy Club, Genial daneben, Schillerstraße oder 7 Tage, 7 Köpfe. Er gehört mit jährlich mehr als 200.000 Zuschauern zu den erfolgreichsten Kabarettisten in Deutschland. Sein Programm Ich bin’s Nuhr besuchten etwa eine halbe Million Menschen.

Nachdem er 2004 erstmals bei Sat.1 einen humorvollen Jahresrückblick präsentiert hatte, ist er seit 2006 am Jahresende mit einem ähnlichen Programm im ZDF zu sehen. Am 24. Oktober 2008 übernahm Nuhr zum ersten Mal die Moderation des Deutschen Comedypreises. Vom 3. November 2009 an war er mit der vierteiligen Comedy-Reihe Nuhr so an vier Dienstagabenden live im ZDF zu sehen.

2009 beteiligte er sich an A Tribute to Die Fantastischen Vier zum zwanzigsten Jubiläum der Hip-Hop-Gruppe. Auf der Kompilation covern Künstler aus unterschiedlichen Richtungen Lieder der Stuttgarter. Nuhr spielte bei Buenos Dias Messias alle Instrumente selbst und nahm das Lied in seinem Arbeitszimmer mit der sonst für Radiobeiträge genutzten Technik auf. Seit Januar 2011 moderiert er die ARD-Sendung Satire Gipfel und löste Mathias Richling ab, dessen Vertrag im Dezember 2010 endete. Im Oktober 2014 wurde die Sendung in nuhr im Ersten umbenannt.

DieterNuhr02

2010 produzierte er für RTL ein zweiteiliges Special zur Fußball-Weltmeisterschaft 2010, in dem er das Thema Fußball ironisch kommentierte. Außerdem produziert er für den Hörfunksender WDR 2 wöchentlich kabarettistische Beiträge. Von Juli 2012 bis März 2013 moderierte er zusammen mit Ralph Caspers die Quizshow Null gewinnt im Vorabendprogramm der ARD. 2012 war Nuhr Pate für die ARD-Themenwoche mit dem Schwerpunktthema Leben mit dem Tod. Für die Themenwoche steuerte er die Fernsehsendung Nuhr am Leben bei, die in der Berliner St.-Elisabeth-Kirche aufgezeichnet wurde und am 19. November 2012 in der ARD gesendet wurde.

2013 nahm er ebenfalls an der Themenwoche teil, als es um das Schwerpunktthema Zum Glück ging. Sein Sendebeitrag Nuhr im Glück wurde in der Orangerie der Biosphäre Potsdam aufgezeichnet und am 22. November 2013 ausgestrahlt. Die Themenwoche 2014 fand im November 2014 mit dem Thema Anders als du denkst statt und beschäftigte sich mit dem Thema Toleranz. Zu diesem Thema erschien der Sendebeitrag Nuhr mit Respekt. Die RBB-Sendung von und mit Dieter Nuhr wurde im Jüdischen Museum Berlin aufgezeichnet und am 20. November 2014 ausgestrahlt.

2013 moderierte Nuhr zum sechsten Mal den Comedypreis. Im Oktober 2014 folgte ihm nach sechs Jahren Carolin Kebekus als Moderatorin; 2015 ist er Vorsitzender der Jury. In der RTL-Sendung Mario Barth deckt auf! ist Nuhr seit dem 26. März 2014 regelmäßig zu Gast und präsentiert gemeinsam mit Barth Fälle von Steuerverschwendung. 2015 nahm er ein weiteres Mal an der ARD-Themenwoche teil.

Das Schwerpunktthema lautete Heimat und Nuhrs Sendebeitrag hieß Nuhr daheim, in dem er seinem Publikum erklärte, was für ihn Heimat bedeutet. Die Sendung wurde am 30. September 2015 im Westhafen Event- und Convention Center in Berlin aufgezeichnet und am 8. Oktober 2015 in der ARD gesendet. Ebenfalls im Oktober 2015 startete das neue ARD-Format Nuhr ab 18 mit ihm als Moderator. In der 30-minütigen Sendung stellt er jeweils vier junge Comedians vor. Die Reihe ist zunächst mit sechs Folgen geplant

Nuhr lebt mit seiner Frau in Ratingen. Sie haben eine Tochter (* 1996) .(Quelle: wikipedia)

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Hier sein Erstlingswerk …

„Vor ihm die 68-er, nach ihm Punks und Yuppies, zwischen allen Stühlen eine Generation, die es nicht einmal zu einem eigenen Klischee gebracht hat: Jahrgang 1960. Sicher, da waren die Müslis, aber kann jemand Müsli sein, der beim Griechen pfundweise Aas in sich hineinschaufelt (Grillplatte Rhodos)?

Dieser Jahrgang verweigert sich der pflegeleichten Etikettierung. Er ist geprägt durch Distanz zum Trend. Und aus dieser Distanz resultiert ein leicht verwirrter Hang zur Orientierungslosigkeit, das gewisse Neben-sich-Stehen, ein verzweifeltes Suchen nach einsichtigen Ideologien und klaren Modevorschriften. Die Schlaghose kann doch nicht alles gewesen sein!

Dieter Nuhr hat nicht nur ein penibel beobachtetes und geradezu saukomisches Portrait einer bisher unbeachteten Generation geschaffen. Ihm ist es gelungen, eine distanzierte Gesellschaftsansicht zu meißeln, die den Öko-Traum von der Landkommune, Kothaufen erzeugende Pudel und die Vorsokratiker unter einen Hut bringt. Eine Hörbuch für alle Altersstufen, die sich einen ironischen Blick auf die Realität bewahrt haben.“ (samozwety)

Und ja, ja … der junge Nuhr … der Beginn einer wirklich beeindruckenden Karriere als Kabarettist und Comedian …  Selten ist eine solche Mischung so gut gelungen … und mit dieser Aufnahme (live im Kommödchen, Düsseldorf)

BookletA
Besetzung:
Dieter Nuhr (Sprecher)

BookletB

Titel:
01. Ich bin 34 7.23
02. Wir, die Öko-Generation 4.38
03. Generation Ohne Vorbilder  6:32
04. Im Supermarkt 5.28
05. Über Zahnarzt, Steuer und Sozialstaat 4.55
06. Grüner Punkt und Rinderwahnsinn 3.44
07. Stimmungstöter: Der Rechtsradikalismus 2.46
08. Der neue Mann 2.43
09. Die Interrail-Generation 3.29
10. Musikantenstadl 4.19
11. Vorurteile Einer Vorurteilsfreien Generation 3.28
12. Klassenlose Kaufhaus-Gesellschaft 6.04
13. Der Traum einer Generation 6.36
14. Kirche, Gott, Moral und Tod 3.56
15. Die großen Lebensfragen 4.31
16. Private Zugabe 3.27
Alle Texte: Dieter Nuhr

CD1
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