Rüdiger Hoffmann – Der Hauptgewinner (1995)

FrontCover1Für mich ist er ein Großmeister des Humors … und hier ist sein erstes Album … nach seinen Lehrjahren mit Jürgen Becker in der Sendung Quatsch Comedy Club auf ProSieben. Und kein geringerer als Jürgen von der Lippe schrieb für dieses Album quasi die Laudatio für Rüdiger Hoffmann:

„Meyers Koversationslexikon aus dem Jahre 1906 können wir entnehmen, Paderborn habe sich nach dem Brand von 1875, durch den 220 Gebäude eingeäschert wurden, bedeutend verschönert. Hauptsächlich durch die Geburt von Rüdiger Hoffmann, dessen Maxime sein könnte, mehr als acht Wörter pro Minute sind Hektik. Schade eigentlich, daß er sich den Buchtitel „Die Entdeckung der Langsamkeit“ nicht gesichert hat, aber da war Sten Nadolny leider schneller. Nach zehn Jahren stetig wachsender Publikumsgunst und einer wahren Flut von Preisen mochten nun auch Süddeutsche, Zeit und Spiegel nicht wie üblich abseits stehen und überschütteten ihn mit Lob. Erleben Sie diesen eigentlich herzensguten Mann als WG-Macchiavelli in einem Solo von Strindbergscher Verlorenheit und Bosheit: mit geradezu torquenmadaesker Eiseskälte bringt er seinen Mitbewohner zur Einsicht.“

Schwarzer Humor … das war damals ganz sicher seine Stärke … man höre sich z.B. mal „Das Ferienhaus“.  „Der Arbeitslose“, „MS Astoria“,  „Anonyme Ausländerfeinde“ oder „Die Wohnungssucher“ an … Erschreckend dabei ist allerdings, dass seine mittlerweile bald 20 Jahre alte Texte verdammt aktuell sind …

Und wie Wolfgang Amadeus Mozart  den Blues erfunden hat, ist einfach nur genial … Und das Traumpaar „Ulla & Jochen“ haben Geschichte geschrieben  !

RüdigerHoffmann1995

Rüdiger Hoffmann, 1995

Besetzung:
Rüdiger Hoffman (piano, vocals)

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Titel:
01. Der Wohnungssucher 5.04
02. Der Waffenschieber 3.16
03. Nutella 1.49
04. Das Badezimmerlied 1.13
05. Ulla und Jochen 3.26
06. Der Arbeitslose 4.32
07. Anonyme Ausländerfeinde 3.30
08. Monsieur Lecroix 3.03
09. MS Astoria 5.11
10. Mein Mitbewohner 5.33
11. Der Tänzer 2.01
12. Der Umweltschutztag 3.54
13. Das Ferienhaus 1.49
14. Der Vegetarier 4.06
15. Der Schützenkönig 6.05
16. Uwe 2.22
17. Lola 5.09
18. Mozart-Blues 4.55
19. Ulla und Jochen II 3.35
20. Der Verschwitzer 3.53

Alle Texte: Rüdiger Hoffman

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Pur – Abenteuerland (1995)

FrontCover1Ich fürchte, ich werd´ jetzt gnadenlos sentimental, denn Pur, ja Pur waren eine zeitlang der musikalischer Soundtrack meiner Häutungen, die wohl in den 90er Jahren des letzten Jahrhunderts besonders heftig waren.

Kennengelernt habe ich diese Gruppe über meine Töchter, die damals total vernarrt in „Pur“ waren … und Papa musste natürlich zuhören …

Es ging damals mit ihrer ersten Live CD los … und ich erinnere mich noch, dass ich mich anfangs gesperrt habe, diese Musik auch noch wirklich gut zu finden … Pustekuchen !

Mit ihrem Album „Abenteuerland“ war die Gruppe ganz sicher auf ihrem Zenit … begonnen hatte das ganze Abenteur viel früher, als sie sich noch „Opus“ nannten und auf eigene Kosten ihre erste LP einspielten … das war dann 1983 …

Aber zurück zu diesem Album .. und wenn ich es heute nach lange Zeit wieder mal anhöre … wird mir ganz warm um´s Herz, einfach weil Musik und Texte einfach sowas von passend sind … allein der Titelsong ist eine prachtvolle Aufforderung, die man auch mit „Alle Macht der Phantasie“ umschreiben könnte … („… komm mit mir ins Abenteuerland, auf deine eigene Reise, komm mit mir ins Abenteuerland, der Eintritt kostet den Verstand … „)

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Und dann geht´s Schlag auf Schlag: Sänger und Texter Hartmut Engler hat natürlich auch auf diesem Album so ein paar Hymnen auf die Gattung „Weib/Frau“ verfasst („Ich lieb dich“,  „Nur zu dir“, „Ganz egal““Dass es dir leid tut“, „Ruhe“ … textlich war Hartmut Engler schlicht und ergreifen ein „womanizer“ also ein textlicher George Clooney oder so … )

Aber auch all jene Themen, die zwar einerseits zum Leben gehören, andererseits aber auch verdammt weh tun können, finden sich auf diesem Album („Leben“, „In Gedanken“)

Und natürlich auch biographisches („Ein graues Haar“, „Es tut weh“ … rebellisches kann man bei „Wut im Bauch“ hören …

Und dann gibt´s noch so einen richtigen Hard Rock Knaller: „Ungeheuer“ (made to be played loud !!!)

Und mit „Merlin´s Reise“ gibt es ein blitzgescheites Instrumental des Titel-Songs …

Wer Ohren hat zu hören, kann eigentlich an diesem Album nicht vorbeikommen … und das schreibe ich knapp 20 Jahre, nachdem es veröffentlicht wurde … eigentlich unglaublich !

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Besetzung:
Joe Crawford (bass)
Roland Bless (drums, vocals)
Rudi Buttas (guitar)
Hartmut Engler (vocals)
Ingo Reidl (keyboards)
+
Martin Ansel (guitar, background vocals)
Andrea Barker (bacground vocals)
Joe Chemay (bass)
Susanne Crawford (background vocals)
Simon Clarke (horn)
Dieter Falk (keyboards, background vocals)
Cherry Gehring (background vocals)
Angela von Guendell (cello)
Dann Huff (guitar)
David Hanselmann (background vocals)
Rainer „Hombre“ Kahle (background vocals)
Florian Kaeppler (piano)
Paul Leim (drums)
Roddy Lorimer (horn)
Tim Sanders (horn)
Svenja (background vocals)
Armin Schaeffer (background vocals)
Peter Weihe (guitar, background vocals)
Margit Winter (background vocals)

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Titel:
01. Abenteuerland /Engler/Reidl) 6.23
02.Ich lieb’ dich (Egal wie das klingt) (Engler/Reidl) 4.17
03. Leben (Engler/Reidl) 5.42
04. Nur zu dir (Engler/Reidl) 4.13
05. Ganz egal (Engler/Reidl) 4.38
06. Dass es dir leid tut (Engler/Reidl) 4.26
07. Kowalski V (Das Problem) (Engler/Reidl) 0.32
08. Ein graues Haar (Engler/Reidl) 4.32
09. Es tut weh (Engler/Reidl) 4.48
10. Wut im Bauch (Engler/Reidl/Ansel) 4.22
11. Ruhe  (Engler/Reidl) 4.54
12. Ungeheuer  (Engler/Reidl/Ansel) 4.26
13. In Gedanken (Engler/Reidl) 3.56
14 . Merlins Reise (Engler/Reidl) 3.42

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Klaus Hoffmann – Erzählungen (1995)

FrontCover1Für mich der Klaus Hoffmann einfach ein ganz und gar wunderbarer Geschichtenerzähler und Liedermacher und das gilt uch für dieses Album, wenngleich es damals bei der Kritik nicht sonderlich gut ankam:

Einst wurde er als der deutsche Jacques Brel gefeiert. 1995 wirkt Klaus Hoffmann eher wie ein schlagerseliges Überbleibsel des Liedermacher-Booms. Der kritische Wohlklang für den emanzipierten Germanisten, den Hoffmann auch diesmal zelebriert, findet aber nach wie vor Fans – ein Stück Anerkennung für einen, der im deutschsprachigen Genre einiges bewegt hat. An Arrangements und Produktion gibt’s ebenfalls nichts zu mäkeln. Doch das allein hift einer Platte, die das textliche Wehleid so sehr in den Mittelpunkt stellt, nicht recht über die Hürden. (Audio)

Mit seinen 15 „Erzählungen“ beendet Klaus Hoffmann eine Entwicklungsphase, die von „Ciao Bella“ (1983) bis „Sänger“ (1993) reichte: vom Reinhard Mey der Intellektuellen zum Jacques Brel der Lebensfrohen. Heute schöpft Hoffmann gewagte Sprachbilder aus seiner leicht verdrehten Weltsicht. Als Poprocker mit Schlagerleidenschaft taucht der singende Dichter musikalisch wie textlich in ein Wechselbad. Unfreiwillige Komik hält etwa die Kinder-Lovestory „Tilly“ bereit. Andererseits haben Titel wie „Von Tag zu Tag“ oder das freche „Zittern vor den Frauen“ höchste Songwriter-Klasse. (Stereoplay)

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Nun gut, schlagerhafte Elemente nehm´ ich billigend in Kauf (einfach weil ich zum Schlager mittlerweile ein geordnetes Verhältnis habe) und auch deshalb, weil seine Texte auch hier zu überzeugen wissen … man muss ja nicht immer nur abgrundtief tiefsinnig sein. Keine Sorge: Banalitäten sind auch auf diesem Album nicht zu erwarten …

Also: ein gutes Album von diesem Poeten … der bis heute noch aktiv ist !

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Ja, ja, damals gab´s noch die DM

Besetzung:
Wim Bath (trumpet)
Hawo Bleich (keyboards, accordeon)
Lex Bolderdijk (guitar)
Michael Brandt (guitar)
Rund Breuls (trumpet)
Eddie Conrad (percussion)
Klaus Hoffmann (vocals, guitar)
Rami Koch (violin)
Philip Kolb (clarinet, saxophone)
Peter Keiser (bass)
Walter Keiser (drums)
David Rothschild (trombone)

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Titel:
01. Von Tag zu Tag (Hoffmann) 4.47
02. Bin ein Fremder (Hoffmann) 5.01
03. Wohin gehst du (Hoffmann) 3.51
04. Tilly (Hoffmann) 4.26
05. Unser Traum (Hoffmann) 4.49
06. Zittern vor den Frauen (Hoffmann) 3.44
07. Der Himmel schaut zu (Hoffmann) 5.09
08. Land des Lächelns (Hoffmann) 3.35
09. Der Zorn der bösen Affen (Bleich/Hoffmann) 3:10
10. Ich hab es niemandem erzählt (Bleich/Hoffmann) 4.14
11. Wenn (Hoffmann) 4.25
12. Der Diamant (Hoffmann) 4.03
13.  Diese Nacht wird uns verwöhnen (Brandt/Hoffmann) 3.47
14.  Gesucht und auch gefunden (Hoffmann) 4.05
15.  Ich werde wie ein Seemann gehn (Hoffmann) 4.55

CD1

 

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Ich sitze vor ’nem Kaffee hier bei Franco
und ich versuchs, ich schreib dir einen Brief
doch mir fallen nicht die Worte ein
es liegt sicher nicht am Wein
es sind die Geister, dich ich rief

Soviele Worte, die wir sagen
soviele Dinge, die wir tun
und die sollen alle richtig sein
und ganz bestimmt auch wichtig sein
was hat das mit uns zu tun

Von Tag zu Tag
läuft unsre Uhr ein wenig ab
und ich schau wie die Wolken ziehn
ich seh, wie sich die Räder drehn
soviel bleibt noch ungesagt
von Tag zu Tag

Der alte Mann dort an der Ecke
wieviel Zeit hat er vertan
und er schaut sich meine Augen an
und er fängt mit der Geschichte an
und er sagt „Sohn, erst Liebe macht den Mann“

Von Tag zu Tag
läuft unsre Uhr ein wenig ab
schau nur, wie schnell die Leute gehn
sieh doch, wie sich die Räder drehn
warum hab ich es ihr nie gesagt

Von Tag zu Tag
warum hab ich es dir nie gesagt
und jetzt fällt es mir wieder ein
ich schreib es in den Brief hinein
ich weiß nur, dass ich dich mag
von Tag zu Tag

So wie du bist, so lieb ich dich
du bist für mich so wesentlich
und das soll der Anfang sein
einer Geschichte sein
nur drei Worte
du und ich

Von Tag zu Tag
warum hab ich es dir nie gesagt

Sag nicht für immer

Von Tag zu Tag
so wie du bist, so lieb ich dich
du bist für mich so wesentlich

Sag nicht für immer

von Tag zu Tag

Sigi Schwab & Percussion Project – Mandala (1995)

FrontCover1Und jetzt ein musikalischer Leckerbissen der besonderen Art … dargeboten von dem nun wirklich großartigem Sigi Schwab:

Sigi Schwab (eigentlich Siegfried Schwab; * 5. August 1940 in Ludwigshafen am Rhein) ist ein deutscher Gitarrist und Komponist.

Gitarren- und Kontrabassstudiums an der Musikhochschule Mannheim war Sigi Schwab in verschiedenen lokalen Musikszenen aktiv, etwa in der noch jungen Rockszene (gemeinsam mit seinem Schüler Hans Reffert) und in der Mannheim-Heidelberger Jazzszene (gemeinsam mit dem Bassisten Wolfgang Wagner, dem Drummer Horst Seidelmann und dem Pianisten und Komponisten Wolfgang Lauth). 1965 wurde Schwab von der RIAS Big Band Berlin als Gitarrist engagiert; im selben Jahr begann er, als Studiomusiker zu arbeiten, zunächst in Berlin, später in ganz Deutschland. Im Verlauf seiner zwanzigjährigen Studiophase spielte er über 15.000 Einzeltitel ein. Schwab wirkte SigiSchwab04auch als Gast in den Bands von Erwin Lehn (SWF), Kurt Edelhagen (WDR) und Peter Herbolzheimer sowie bei Klaus Doldinger mit. Weitere Musizierpartner in dieser Phase waren George Shearing, The Singers Unlimited, Benny Bailey, Art Farmer, Charlie Mariano, Claus Ogerman, Nelson Riddle, Eddie Gomez, Michael Gibbs, Astor Piazzolla und Luiz Bonfá sowie die klassischen Sänger Hermann Prey, Bernd Weikl und Felicia Weathers. Von Robert Stolz lernte er, wie man den Wiener Walzer richtig begleitet. Um die Präzisionsarbeit des Studiomusikers mit spontaneren künstlerischen Tätigkeiten auszutarieren, suchte er ab 1969 zunehmend den Kontakt zu Musikern wie Wolfgang Dauner und Eberhard Weber, später zur Band Embryo, zu Chris Hinze und Peter Trunk.

Daneben komponierte Sigi Schwab Fernseh-, Film- und Bühnenmusiken. Seine zusammen mit Manfred Hübler im Berlin der späten 1960er Jahre produzierten LPs Psychedelic Dance Party und Sexadelic dienten 1971 als Musik der Jesus-Franco-Filme Der Teufel kam aus Akasava, Vampyros Lesbos – Erbin des Dracula und Sie tötete in Ekstase. 1995 wurden die beiden Platten auf einer CD zusammengeführt; 1997 fand der Titel „The Lions & The Cucumber“ in Quentin Tarantinos Film Jackie Brown Verwendung; 2006 wurde die Mehrzahl der Tracks auf Vampyros Lesbos – Sexadelic Dance Party wiederveröffentlicht. Originalmusiken schrieb Schwab u. a. für den Kinofilm Ein Wintermärchen (1971), den Fernsehfilm Das Fräulein von Scuderi (1976), den Tatort Das Mädchen am Klavier (1977) und den Fernsehfilm Tränen im Kakao (1982), für die ZDF-Weihnachtsserie über die Balletttänzerin Anna (1987), für deren Kino-Fortsetzung Anna – Der Film (1988) und für zwei weitere ZDF-Weihnachtsserien: Laura und Luis (1989) und Clara (1993).

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Der 1987 komponierte, von Guillermo Marchena gesungenene Titel My Love Is a Tango aus der Fernsehserie Anna entwickelte sich zu einem Nummer-eins-Hit; von den Tantiemen richtete Schwab sich ein eigenes Tonstudio ein, das es ihm ermöglichte, sich von jeglichen Produktionszwängen der Industrie unabhängig zu machen. Bekannt wurde der Musiker auch durch zwei einstündige ZDF-Portraits mit live Beiträgen im Duo mit Chris Hinze, Peter Horton, Marcio Montarroyos, im Quartett mit Charly Mariano, Eberhard Weber und John Marshall sowie zwei Folgen der SF-Sendereihe Jazz-In mit Márcio Montarroyos (Trompete/Flügelhorn), Mark Egan (Bass), Freddie Santiago (Perkussion) und Guillermo Marchena (Gesang und Perkussion). Der NDR produzierte mit ihm sechs Improvisations-Workshops, der BR sechs Blues-Workshops.

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Ab 1980 folgten verstärkt Konzerte im Diabelli-Trio (Wiener Klassik), im Duo Guitarissimo (mit dem Gitarristen Peter Horton) und mit der Percussion Academia (Guillermo Marchena und Freddie Santiago). Nach dem frühen Tode Marchenas bildete Schwab gemeinsam mit Andreas Keller und Ramesh Shotham das Percussion Project; in jüngerer Zeit führen Schwab und Shotham einen interkulturellen Dialog im Duo Mandala. Aktuell arbeitet Schwab mit zahlreichen namhaften Schauspielern in literarisch-musikalischen Live-Acts zusammen, darunter Cornelia Froboess, Nicole Heesters, Suzanne von Borsody, Johanna von Koczian, Michaela May, Thekla Carola Wied, Charles Brauer, Christian Wolff, Ernst Stankowski, Werner Schneyder, Christian Quadflieg, Mario Freivogel, Peter Fricke und Jochen Striebeck. Seit 2011 arbeiten Sigi Schwab und Peter Horton mit dem Schlagzeuger Andreas Keller und dem Bassisten Thomas Müller unter dem Bandnamen Guitarissimo XL zusammen.

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1987 erhielt Sigi Schwab als erster Europäer den Ovation Award – dieser Preis war zuvor an Larry Coryell und Al Di Meola gegangen. 2000 wurde er von der Stadt Ludwigshafen am Rhein mit der Pfalzsäule ausgezeichnet, 2003 vom Land Rheinland-Pfalz mit der Peter-Cornelius-Plakette. 2008 erhielt er den Kulturpreis der Bayerischen Landesstiftung. 2013 wurde ihm auch der Bayerische Kulturpreis verliehen. (Quelle: wikipedia)

Und hier ein weiteres Beispiel der wunderbaren musikalischen Welt des Sigi Schwab (ein erstes Beispiel findet sich hier)

Das deutsche (Konzert-)Publikum hat Sigi Schwab als einen filigranen Klangartisten kennen- und liebengelernt. Doch die Pausen zwischen seinen Studioaufnahmen werden länger. Drei Jahre nach „Amazonas“ gibt es nun wieder ein Lebenszeichen von dem Gitarristen aus Ludwigshafen – mit faszinierenden Fusionen von Blues, Folk und fernöstlichen Stilelementen. Das dreiköpfige Percussion Project (Ramesh Shotham, Andreas Keller und Guillermo Marchena, der kurz nach Beendigung der Aufnahmen starb) gibt dieser vornehm zurückhaltenden World Music einen stetigen, lebendigen Fluß. (Stereoplay)

Schwab, der Virtuose der Ovation-Gitarrem erschließt sich immer neue klanggeografische Regionen. Mit Perkussionisten aus den USA, Indian und Curacao wagt er sich in wispernde Klangurwälder vor, die bisweilen jede Safari ersetzen. Gradnio produziert, wird dieses ethnisch-spirituelle Album zum Abenteuerurlaub für die Ohren.

Tipp: spätnachts mit Kopfhöer neben der Yucca-Palme setzen und beim Hören Edgar Rice Burroughs lesen. Aber vorher bei TUI den Kalkuttatrip canceln“. (Matthias Wagner)

Dringende Hörempfehlung meinerseits !

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Besetzung:
Andreas Keller (drums, percussion)
Guillermo Marchena (drums, percussion, vocals)
Sigi Schwab (guitar, sitar, swarmandel)
Ramesh Shotham (drums, percussion)

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Titel:
01. Toccata 4/4 5.49
02. Song Of The Seven Moons 4.52
03. Mandala 5.58
04. Kalkutta Blues 8.24
05. Musical Jamboree 5.11
06. Parvati 4.13
07. Blue Serenade 4.04
08. Ganesha 4.10
09. African Colours 5.42
10. Ntotoatsana 6.37
11. Lullaby For Guillermo 4.42

Musik: Sigi Schwab

CD1

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Mandala

Fury In The Slaugherhouse – The Hearing And The Sense Of Balance (1995)

FrontCover1Im Frühjahr 1987 beschließen die Hannoveraner Brüder Thorsten und Kai Wingenfelder zusammen eine Band zu gründen. Zwei Leute erscheinen ihnen aber doch zu wenig, also suchen und finden sie Drummer Rainer Schumann, Gitarrist Christof Stein und Basser Hannes Schäfer. Fury in the Slaughterhouse ist geboren.Im Frühjahr 1987 beschließen die Hannoveraner Brüder Thorsten und Kai Wingenfelder zusammen eine Band zu gründen. Zwei Leute erscheinen ihnen aber doch zu wenig, also suchen und finden sie Drummer Rainer Schumann, Gitarrist Christof Stein und Basser Hannes Schäfer. Fury in the Slaughterhouse ist geboren.Fury In The Slaughterhouse: „‚Nimby‘ war noch ok“ Fury In The Slaughterhouse „‚Nimby‘ war noch ok“ Fury-Chef Kai Wingenfelder sieht die Geschichte seiner Band kritisch, vor allem am Schluss: „Die letzten Alben hätten wir uns sparen können“. 0Alle News anzeigen
Rockig sollte die Mucke sein, eingängig auch, und mit diesem Konzept stellt sich schnell Erfolg ein. Bereits 1988 jubeln die Zuschauer im ausverkauften Hannoveraner Capitol, kurz darauf auch die Besucher der Pogues-Konzerte, auf denen Fury als Support wiehern. Pogues-Sänger Shane McGowan soll gar vom „Best Supporting Act Ever“ geredet haben.

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Dabei wollten Fury keine Neuauflage der abgeebbten Neuen Deutschen Welle herausbringen, sondern etwas Eigenes schaffen. Deshalb singt Kai ausschließlich auf englisch, und das gar nicht mal so schlecht. Seit dieser Zeit haben Fury einige Erfolge vorzuweisen, zum Beispiel einige Goldene Schallplatten. „Jau“ steigt in den deutschen Verkaufscharts 1990 bis auf Platz 49, „Hooka Hey“ schon auf 32. 1992 gründet die Band in Zusammenarbeit mit BMG und SPV das Label „Slaughterhouse Music“, auf dem die folgenden Alben erscheinen. Zudem wagt man sich live auf englisches Terrain vor und beglückt deren Plattenläden kurze Zeit später mit der Compilation „Seconds To Fall“.
Den absoluten Durchbruch bringt das Jahr 1993 mit den Hit-Singles „Radio Orchid“ und „Every Generation Got Its Own Disease“, die bald auch bei MTV rauf und runter laufen. Das Album „Mono“ klettert bis Rang 12 in den deutschen Charts, auf der Tournee schauen mehr als 80.000 Fans bei den Pferden vorbei. In Kanada, das sie neben den Staaten auch bereisen, werden die Hannoveraner als „beste irische Band seit U2“ gelobt. In den USA durchbricht „Mono“ die 100.000er Verkaufsgrenze. Toll, alles. Doch kaum kommen sie Ende ’94 wieder in die Heimat zurück, steht die Aufnahme eines neuen Albums in zwei Wochen auf dem Plan und eine Tour ist auch bereits gebucht.Fury In The Slaughterhouse – Little Big World – Live & Acoustic Fury In The Slaughterhouse Little Big World – Live & Acoustic Take your lonely heart and let it fly! 5Alle Alben anzeigen
Reaktion: gereizte Stimmung bei den Furys. Gitarrist Stein verlässt die Band, lässt sich aber letztendlich doch noch überreden, wieder mitzumachen. 1995 touren Fury erneut die Republik und die Staaten, um sich anschließend eine längere Pause zu gönnen.  (Quelle: laut,de)

LPBooklet

Und genau aus diesem Jahr stammt dieses Album:

Die Furys bemühen sich hier um Abwechslung: Sie präsentieren mit dem Police-Cover „Next to you“ einen echten Rock-Kracher, und es gelingt im Gegenzug bei „Ghosttown“ der vom Piano unterstützte Gefühlsausbruch. Ein Höhepunkt ist sicher „Down there“: Läßt man das Stück in Ruhe auf sich einwirken, so wächst schnell das Gefühl, zusammen mit den Wingenfelder-Brüdern die Welt aus einer Raumkapsel heraus zu betrachten. Das traurige „Rainy april day“ ist speziell der kleinen Tochter von Curt Cobain und Courtney Love gewidmet, und beschäftigt sich kritisch mit dem Rummel um den frühen Selbstmord des Grunge-Initiators. Ansonsten bietet The hearing…. nicht mehr und nicht weniger als gewohnte Fury-Kost. Da kann man nicht wirklich meckern, jedoch gibt es auch nichts weiter herausragendes zu vermerken. Das ist gute deutsche Rockmusik, die sich immer von der Konkurrenz abhebt. Nur: Der Vorgänger Mono bot doch einiges mehr. (Wolfram Lumpe)

USVersion

Cover der US-Version

Da müsste man sich jetzt doch glatt mal das Album „Mono“ anhören … um den Vergleich selbst anstellen zu können, denn schon dieses Album weiß durchaus zu gefallen … der Vergleich wird also erledigt !

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Besetzung:
Gero Drnek (keyboards, guitar, clarinet, bass, bajo, vocals)
Hannes Schäfer (bass)
Christof Stein-Schneider (guitar, vocals)
Rainer Schumann (drums, guitar)
Kai Wingenfelder (vocals, guitar)
Thorsten Wingenfelder (guitar, vocals)

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Titel:
01. Down There (Drnek/K.Wingenfelder) 3.43
02. Kiss The Judas (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder) 4.25
03 Milk And Honey (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Drnek) 4.14
04. Ghosttown (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Krause) 4.00
05 Hello And Goodbye (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder) 3.33
06. Hang The DJ (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder) 3.34
07. Dancing In The Sunshine Of The Dark (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder)  5.07
08. Your Love Won’t Take Me Anywhere (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Malzahn) 3.13
09. Next To You (Summer) 2.12
10. Spit Into The Fire (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder) 4.39
11 Princess Of New York (K.Wingenfelder/T.Wingenfelder/Krause) 3.39
12. Rainy April Day (Drnek/Stein-Schneider/Schumann/Schäfer/K.Wingenfelder) 2.47

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Zeltfestival Rhein-Neckar

Fury In The Slaugherhouse, 2017

Arno Schmidt – Die Schule der Atheisten (Hörbuch) (1995)

MCFrontCover1Wahrlich eine Rarität aus dem Bereich der deutschen Literatur der Nachkriegssgeschichte … Ein ganz spezielles Hörbuch, das sich mit dem Arno Schmidt Werk „Die Schule der Atheisten“ beschäftigt, ein wahrlich turbulenter Roman aus dem Jahr 1972:

Die Schule der Atheisten (Untertitel: Novellen=Comödie in 6 Aufzügen) ist ein Werk des deutschen Schriftstellers Arno Schmidt mit 80 stark kommentierten szenischen Kapiteln.

Das Werk erschien zuerst 1972 im S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main. 1994 erschien es neu in der Bargfelder Ausgabe, Werkgruppe IV, Band 2 als Edition der Arno Schmidt Stiftung im Haffmans Verlag.

Konzipiert und niedergeschrieben wurde das bei weitem komischste unter Schmidts Spätwerken in den Jahren 1969 bis 1971. Schmidt konnte sich dabei auf lokale Recherchen stützen, die er bei einem Besuch in Tellingstedt und im schleswig-holsteinischen Dithmarschen, auf mehreren Reisen zusammen mit dem Ehepaar Michels, gesammelt hatte. Das katastrophische Szenario vom Untergang Europas durch einen dritten Weltkrieg, das von ihm vorher mehrfach, z. B. in Schwarze Spiegel, Die Gelehrtenrepublik und KAFF auch Mare Crisium behandelt worden war, erhielt dabei eine völlig neue und – für Schmidt überraschend – unbeschwert-heitere Wende. Am Ende gibt es den trügerischen Anschein einer Hoffnung im von den Großmächten geduldeten Fortbestehen des Reservats. Die Handhabung der „verschmidtsten“ Sprache vermeidet alle Gequältheiten, die sich in Zettels Traum doch finden. In Zettels Traum findet sich ein erster Verweis auf das ihm folgende Werk:

„(-:was weißDû vd ‚SCHULE DER ATHEISTEN‘ !:- héh !? -))“

– Zettels Traum: S. 222, rechts Mitte
„….ausgerechnet zu Uns, nach Tellingstedt“
Vernis mou-Radierung von Jens Rusch

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Die USA (als Matriarchat) und China (als Patriarchat) haben als konkurrierende Großmächte den Atomkrieg überlebt, in Europa jedoch nur ein, im für Schmidt typischen Norddeutschen Flachland gelegenes, Reservat an der Eider. Es soll die Kultur, die Sitten und Gebräuche der Vergangenheit des alten Europa als touristische Attraktion museal bewahren. Das Gebiet wird von dem fünfundsiebzigjährigen Senator und Friedensrichter William T. Kolderup regiert. Im Oktober 2014 kündigt sich die Außenministerin der USA, Nicole Kennan, genannt Isis, zu einer Besichtigungstour an und stört die Idylle. Eine Auflösung des Reservats könnte bevorstehen.

Die politischen Schwierigkeiten und Spannungen zwischen den verbliebenen Großmächten erhalten eine jähe Wendung, als Ufos gesichtet werden. Plötzlich besteht die Notwendigkeit, auf dem neutralen Boden des Reservates eine Konferenz mit einer chinesischen Delegation abzuhalten, um den nächsten, drohenden Krieg doch noch zu verhindern. Das Überleben, jetzt nicht nur des Reservats, hängt von einem positiven Ausgang des Treffens ab. Damit dieses Treffen ein voller Erfolg wird, bedient sich der alte Kolderup aller in Kolportage-Romanen üblichen Kniffe. Vor vielen Jahren hatte er mit der Mutter der jetzigen US-Außenministerin einen Schiffbruch vor Spenser Island

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Die Originalausgabe

überstanden. Gerührt durch die damaligen Ereignisse, wird ihm die Ministerin gewogen. Ein Schatzfund (man denke an Schmidts Das steinerne Herz) in Gestalt chinesisch beschrifteter Kacheln, welche sich als wichtiger Bestandteil eines Ahnenschreins entpuppen, eine Reminiszenz an den China-Aufenthalt des Vaters des Verfassers (ein von Schmidt in vielen seiner Bücher geübtes Verfahren) wird hier handlungstragend. Für den chinesischen Verhandlungsführer Yuan Schi Kai stellen die Kacheln wertvolle Geschenke dar. Durch Kolderups geschicktes Agieren kommt es zu einer Übereinkunft der Großmächte und das Reservat erhält eine (vorläufige) Bestandsgarantie.

In die erste Handlungsebene ist raffiniert eine Seereise mit Schiffbruch eingeflochten, als ein „Dazwischenspiel“, am Ende wie ein feingesponnener Traum, der wie eine kalkulierte Fernsehinszenierung mit Tricks hinter den Kulissen für Verwirrung sorgt. Es ist dies der Bericht von der Seereise dreier Atheisten, deren Überzeugung von einer Missionsgesellschaft einer Prüfung unterzogen wird. Dem liegt der reale Bericht über das Missionsschiff Candace zugrunde. Ein den Kolportage-Romanen Karl Mays direkt entsprungener junger Apotheker, der in der „Schule“ den jugendlichen Helden geben darf, steht hier stellvertretend für die May-Bezüge, die in mehreren Werken Schmidts vorhanden sind.

Die in den Text der „Schule“ eingebauten „Geheimgänge“ und Tapetentüren sind damit noch nicht erklärt. Sie sind Gegenstand des eigenen Erkundens.

In Die Schule der Atheisten bedient sich Schmidt der Operette und, wie der Titel durchschimmern lässt, auch der Komödie Die Schule der Frauen des französischen Dramatikers Molière. Handlungstragend ist der von Jules Verne verfasste Roman Die Schule der Robinsons und der von dessen Bruder Paul Verne verfasste Reisebericht Von Rotterdam nach Kopenhagen. Beide Bücher wurden deshalb 1978 in einem Band in der Reihe Haidnische Alterthümer bei Zweitausendeins wieder aufgelegt, wie auch der Roman Auf zwei Planeten von Kurd Laßwitz, der Einfluss auf die Science-Fiction-Handlung des Buchs hatte. Als weitere Quellen dienten die Werke von Theodor Storm, Klaus Groth und Gustav Frenssen.

Tellingstedt

Die Tafel zum Gedenken an den Aufenthalt Arno Schmidts in der Traube in Tellingstedt

Schmidts Rückgriffe auf Romane von Jean Paul und Ludwig Tieck, aber auch auf ältere Literaturformen, wie die Zaubermärchen des Rokoko, wohl über Christoph Martin Wieland vermittelt, lassen die Schule als Schmidts versöhnlichstes Werk erscheinen – zudem altersweise wie Wilhelm Raabes Spätwerk. (Quelle: wikipedia)

Oder aber auch:

Diese »Novellen-Comödie« in 6 Aufzügen und 80 stark kommentierten szenischen Kapiteln ist ein höchst merkwürdig ernsthafter Spaß, eine »vis comica«, eine Revue mythologischer, religiöser, poetischer & wissenschaftlicher Welterklärungen, ein poetisch-theatraler Diskurs welchen sich der menschliche Geist zum eigenen Genuß vorspielt, vorspiegelt, – schöpfend aus dem dramaturgischen Arsenal barocker Zaubermärchen, Mysterienspiele, Possen mit Liebesidyllen, arkadische Derbheiten & ironische Offenbachiaden.

Im Mittelpunkt des im Jahre 2014 spielenden Geschehens steht der vierundsiebzigjährige William T. Kolderup. Er ist Friedensrichter in einem Reservat. Nach der Aufteilung der Welt in die Hemisphären des US-amerikanischen Matriarchats und des chinesischen Patriarchats haben die beiden Weltmächte je ein Gebiet für sich erhalten, das Kultur, Sitten und Gebräuche der Vergangenheit als touristische Attraktion bewahren soll. Kolderups Tellingstedt, die Erzählstadt also, ist der letzte Rest des alten Europa. Das Reservat rückt für ein paar Tage in den Mittelpunkt der Weltpolitik. Die Außenministerin der USA, Isis, trifft sich hier mit ihrem chinesischen Amtskollegen, um über einen gegenseitigen Duldungsvertrag zu beraten. Durch Kolderups List gelingt es, das Scheitern der Verhandlungen zu verhindern. Ihm ist es auch zu verdanken, daß das Reservat noch einmal verschont wird; denn Isis war auch zur Inspektion nach Tellingstedt gekommen, um zu untersuchen, ob der Luxus dieses kulturhistorischen Museums der Vergangenheit noch weiterhin seinen Sinn habe.

Buchausgaben

Weitere Buchausgaben

In die erste Handlungsebene ist raffiniert ein >Dazwischenspiel< in das Geschehen eingestreut, »das sich am Ende phantasmagorisch wie ein feingesponnener Traum, wie eine kalkuliert ausgeführte Fernsehinszenierung und wie ein pastellhaft-durchsichtiges Diorama auflöst, berichtet von der Reise dreier Atheisten«.

»Die Schule der Atheisten« ist ein vielfältiges Handlungs- und Figurengeflecht, ein komplexer Erzählteppich, der sich zwar gelegentlich in meist karikierten, satirisierten Figuren verdichtet, – doch in bekannt genialer Komposition durchwirkt eine schier unendliche Anzahl poetischer Kombinatoriken & Erfindungen, – jegliche Phantasieschicht der Erzählung, – das gesamte Sprachmaterial. (Quelle: http://www.echoraum.at)

Und hier hören wir nun diese Lesung  – gelesen von drei Enthusiasten: Dabei ist natürlich Jan Philip Reemtsma der bekannteste Name.

Jan Philipp Reemtsma

Jan Philipp Reemtsma

Aber auch ein Bernd Rauschbach ist ein Schwergewicht:

Bernd Rauschenbach (* 30. Juli 1952 in Berlin) ist ein deutscher Literaturwissenschaftler, Schriftsteller und Rezitator.

Rauschenbach studierte Germanistik und Bibliothekswissenschaften an der Technischen Universität Berlin. Seit 1975 veröffentlichte er literarische Werke und wurde 1982 Sekretär der Arno Schmidt Stiftung. Seit 2001 ist er deren geschäftsführender Vorstand. Er lebt in Eldingen, dem nächstgrößeren Nachbarort von Bargfeld, dem Wohnort Arno Schmidts, in dem die Stiftung ansässig ist. Für sie ist er vor allem als Herausgeber tätig, so beteiligte er sich an der Herausgabe der Bargfelder Ausgabe der Werke Arno Schmidts. Außerdem arbeitete er bis ca. 2013 an einer Biographie Schmidts.

Bernd Rauschenbach ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland. (Quelle: wikipedia)

DasVorleserTrio

Bernd Rauschenbach (rechts) gemeinsam mit Joachim Kersten (links) und Jan Philipp Reemtsma (Mitte), Hamburg 2013

Und ja … wer war eigentlich dieser Arno Schmidt.

Sein Haus in Bargfeld ist legendär. Seit 1958 wohnte Arno Schmidt in dem kleinen Heidedorf und empfing kaum noch Besuch. Als er nach der Veröffentlichung von „Die Schule der Atheisten“ 1973 den Goethepreis verliehen bekam, mussten die extra angereisten Journalisten Bauern und den Gastwirt interviewen, weil der Schriftsteller keine Audienzen gab. „Jegliche Berührung mit Anderen setzt erfahrungsgemäß meine Leistung herab und stört mich auf Tage hinaus.“ Immer extremer wurde seine selbst gewählte Isolation. In den letzten zehn Jahren lebte er von seiner Frau Alice durch eine Falltür getrennt in dem winzigen Häuschen. Sie oben, er unten. Für den Notfall gab es zwischen den Stockwerken eine Wechselsprechanlage.

Kamera

Die Kamera des Arno Schmidt (Yashica 44)

Arno Schmidt, der am 18. Januar 1914 als Sonntagskind in Hamburg-Hamm geboren wurde, wollte als Literat ganz hoch hinaus, mindestens so hoch wie James Joyce. Sein Name ging ein in die Geschichte. Wer aber hat ihn wirklich gelesen? In der Schule in Görlitz nennen sie ihn „Allah“, weil er ständig über Religion spricht. Auffallen tut er nur als begnadeter Linealfechter.

In seinen Beruf als Buchhalter kehrt er nach dem Zweiten Weltkrieg nicht zurück, widmet sich nach einer kurzen Zeit als Polizeidolmetscher ganz dem Schreiben. Hermann Hesse, dem Schmidt seine ersten Texte zuschickte, nannte ihn einen MCBackCover1„modernen Desperado“, der den Krieg mit angesehen hat und einem „seinen Ekel ins Gesicht spuckt“. Selbstherrlich und elitär stilisiert sich da einer zum Genius. Frau Alice inszeniert auf Fotos seine Posen und ist sonst mit Schreibarbeiten als ideale Schriftstellergattin zu seinen Diensten.

Mit „Leviathan“ (1949), „Brand’s Haide“ (1951) und „Aus dem Leben eines Fauns“ (1953) erregt er Aufsehen in der Szene. So was hat man noch nicht gelesen. Dort wütet einer gegen Gott und die Welt. Mit ganz eigenen Worten, einer eigenen Orthografie und Interpunktion, weil die alte Sprache nach dem Krieg nicht mehr zu gebrauchen ist. Vor allem aber, weil er alles, was vor ihm war, überbieten will. „Seelandschaft mit Pocahontas“ bringt ihm eine Anzeige wegen Gotteslästerung ein.

Seine Bücher verkaufen sich kaum. Mit Übersetzungen und Radio-Feuilletons hält er sich über Wasser. Um demonstrativ seine Armut zur Schau zu tragen, trägt er kein Hemd unter der Jacke. Die Recherchen für sein Buch über „Fouqué und einige seiner Zeitgenossen“ (1958) – übrigens bis heute die einzige umfassende Biografie über den Romantiker – erledigt er auf dem Tandem. Wenn ein Verleger ihn zum noblen Essen einlädt, empört Schmidt sich, warum er als Genie hungern muss, während der Geldsack im Überfluss lebt.

Immer mehr steigert er sich in sein Ideal vom stillen Menschen, sucht in der Arbeit Heil. Mit der Uhr stoppt er die Stunden am Schreibtisch. Komplizierte Arbeiten fängt er nur bei fallendem Luftdruck an. Während den Recherchen am Opus magnum, „Zettels Traum“ (1970), steht er morgens um ein Uhr auf. In seiner Laudatio zum Goethepreis, die er von seiner Frau verlesen lässt, wettert er gegen das Geschwafel der 40-Stunden-Woche. „Meine Woche hat immer 100 Stunden gehabt.“

Ein Mensch allein kann die philologische Schnitzeljagd des Buches nicht bewältigen, und so bildet sich bald ein „Arno-Schmidt-Dechiffrier-Syndikat“. Leben und Literatur verschwimmen immer mehr. Mit Alkohol und Tabletten versucht der Neurotiker, sich am Schreibtisch zu halten. „Man muss sich entscheiden, ob man leben will, oder ein Werk schaffen.“ In seinem letzten Text, „Julia oder die Gemälde“, heißt es: „Die Welt der Kunst & Fantasie ist die wahre, the rest is a nightmare“. Am 3. Juni 1979 muss Arno Schmidt seinem Lebenswandel Tribut zollen. Er stirbt an einem Hirnschlag und liegt in seinem Garten in Bargfeld begraben. (Welf Grombacher)

Arbeitszimmer

Das Arbeitszimmer des Arno Schmidt

Arno Schmidt war wohl ein arg schräger Vogel … Diese Lesung ist auch irgendwie schräg (mehr as einmal hört man die Sprecher hören), aber voller Leidenschaft … also passen diese Aufnahmen gut zu Arno Schmidt.

Erschienen ist die MC in der „Reihe Mitschnitt“ (Verlag Franz Josef Knape, Augsburg) … ich glaub´… da hab´ ich wieder mal was zu recherchieren …

Und vielleicht ist es wieder mal an der Zeit, einen Querdenker zu entdecken, unglaublich seine Wortabrobatik … hier gepaart mit einem schier unglaublichem Reichtum von skurillen, z.T. aberwitzigen Szenerien.

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Besetzung/Die Sprecher:
Joachim Kersten – Bernd Rauschenbach – Jan Philipp Reemtsma
Hülle1

Titel:
01. Einleitung/Die Schule der Atheisten (Teil 1) 59.10
02. Die Schule der Atheisten (Teil 2) 56.17

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Hülle2

Diese Präsentation war mir nur möglich, weil die Graugans mir diese MC aus ihrem famosen Schallarchiv als Leihgabe zur Verfügung stellte.

Vielen Dank !

 

Erika Pluhar & Klaus Trabitsch -Ein Abend am Naschmarkt (1995)

FrontCover1Wann immer ich an André Heller denke … drängt sich auch die Erika Pluhar in meine Gedanken und Empfindungen … und das nicht nur, weil sie für mich eine verdammt attraktive Frau ist.

Vielmehr auch, weil sie eine Künstlerin ist, die verdammt viel zu sagen hatte und hat.

Für mich ist sie eine der interessantesten und facettenreichsten Künstlerinnen, die Österreich in den letzten 50 Jahren der Welt geschenkt hat:

Erika Pluhar (* 28. Feber 1939 in Wien) ist eine österreichische Schauspielerin, Sängerin und Schriftstellerin.

Erika Pluhar ist die Tochter von Anna und Josef Pluhar, der während des Zweiten Weltkriegs als Verwaltungsbeamter (u. a. Adjutant des SS-Gruppenführers Otto Wächter) im Generalgouvernement tätig war. Ihre ältere Schwester ist Brigitte King, ihre jüngere die Malerin und Bildhauerin Ingeborg G. Pluhar.

Sie studierte nach der Matura 1957 am Max-Reinhardt-Seminar, der Wiener Akademie für Musik und Darstellende Kunst (Abschluss 1959 mit Auszeichnung), und wurde danach Schauspielerin am Burgtheater, wo sie von 1959 bis 1999 Ensemblemitglied war.

Wichtige Rollen waren unter anderem Luzie in Hermann Bahrs Das Phantom (1959), Ismene in Antigone (1961), Doña Angela in Calderóns Dame Kobold (1964), Amalia in Die Räuber (1965), Desdemona in Othello (1967), Königin in Grillparzers Die Jüdin von Toledo (1968), Ljudmila in Babels Marija (1969), Königin in Don Carlos (1973), die Titelfigur in Maria Stuart (1974), Lady Milford in Kabale und Liebe (1975), Ruth in Harold Pinters Heimkehr (1977), die Titelfigur in Ibsens Hedda Gabler (1978), Helene in Hofmannsthals Der Schwierige (1978), Esther in Vitracs Victor oder die Kinder an der Macht (1978), Warwara in Gorkis Sommergäste (1979), Regine in Musils Die Schwärmer (1981), Ranjewskaja in Tschechows Der Kirschgarten (1982), Katarina in Lars Noréns Dämonen (1985/1986), Natalja in Turgenjews Ein Monat auf dem Lande (1986) und die Mutter in Noréns Nacht, Mutter des Tages (1991). Sie gastierte unter anderem an den Münchner Kammerspielen (1973), bei den Bad Hersfelder Festspielen, den Bregenzer Festspielen und den Burgfestspielen Jagsthausen.

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Erika Pluhar und Rolf Bossi in dem Tatort-Krimi „Der Richter in Weiß“ (1971)

Nach großen Erfolgen unter mehreren Intendanten, besonders zur Zeit von Achim Benning, wurde sie unter der Leitung von Claus Peymann kaum mehr besetzt und entschied sich gegen die Theaterarbeit. 2004 kehrte sie im Wiener Stadttheater Walfischgasse und St. Pölten auf die Theaterbühne zurück und spielte mit Werner Schneyder in dessen Dramatisierung ihres Romans Verzeihen Sie, ist das hier schon die Endstation?

Ihrer ersten Ehe mit Udo Proksch von 1962 bis 1967 entstammte Tochter Anna Proksch (1962–1999), die an einem Asthmaanfall erstickte. Deren Sohn, der Schauspieler Ignaz Pluhar (1984 in Wien), mit dem sie in ihrem Grinzinger Haus wohnt, ist eigentlich der von ihrer Tochter zur Adoption auserkorene Enkel sahraudischer Abstammung. Erika Pluhar adoptierte ihn selbst, um ihm die Turbulenzen rund um den Namen „Proksch“ zu ersparen. Den ersten Besuch von Ignaz in seinem Herkunftsland Westsahara dokumentierte sie in dem Film Sahara in mir (2012). – Udo Proksch, dessen Schuld Pluhar bis heute bezweifelt, wurde wegen sechsfachen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt. Eine zweite Ehe ging sie 1970 mit André Heller ein, die – nach der Trennung 1973 – erst 1984 geschieden wurde. Nach dem Ende des Zusammenlebens mit Heller war sie einige Jahre, bis zu dessen Suizid 1978, mit Peter Vogel verbunden.

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Erika Pluhar, Greta Keller und André Heller (Fotografie: Michael Horowitz)

Anfang der 1970er Jahre begann ihre gesangliche Karriere. Erika Pluhar interpretierte zunächst Schlager der 1920er und 1930er Jahre sowie Lieder von André Heller, Stephan Sulke und Wolf Biermann. Seit Anfang der 1980er Jahre singt sie nur noch eigene Texte. Musikalische Wegbegleiter waren und sind António Victorino de Almeida, Peter Marinoff und Klaus Trabitsch.

Geschrieben hat Erika Pluhar seit Kindertagen. Die erste Buchveröffentlichung erfolgte 1981.

Politisch gilt Pluhar als der SPÖ nahestehend. Sie tritt unter anderem gegen Rechtsextremismus ein, etwa anlässlich der Kandidatur von Barbara Rosenkranz zur Bundespräsidentin. (Quelle: wikipedia)

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Und dieses Live-Album aus dem Jahr 1995 ist schon ein ganz, ganz besonderes, denn es zeugt von der Wiedergeburt der Erika Pluhar als Sängerin:

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Aber das Leben geht weiter …

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Nun denn … auch wenn das Programm dieses Auftritts überwiegend aus jenen längt vergangenen Jahren mit António Victorino de Almeida und Peter Marinoff stammt (also so ne Art „Best Of“ jener Zeit) stammt … es ist ein berauschendes Album.

Bei der Erika Pluhar könnte man fast auf den Gedanken kommen, sie ist wie ein Whisky … der eben reifen muss … und hier hören wir eine Sängerin – die nach all den Erschütterungen ihres Lebens – wie ein Phönix aus der Asche steigt … und uns teilhaben lässt an ihren Erkenntnissen des Lebens … mal zärtlich, mal liebevoll, mal sarkastisch mal zeitkritisch … aber immer authentisch …

Ein unglaublich intensives Album … und ganz sicher nicht das letzte Album jener Erika Pluhar … die zu verzaubernd weiß.

Und über den Klaus Trabitsch wird auch noch zu berichten sein … dringend und unverzichtbar.

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Besetzung:
Erika Pluhar (vocals)
Klaus Trabitsch (guitar)

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Titel:

CD 1:
01. Begrüßung 1.30
02. Trotzdem (Pluhar/D´Almeida) 4.00
03. Skeptisches Liebeslied (Pluhar/Marinoff) 3.01
04. Weiter (Pluhar/D´Almeida) 1.46
05. Wahrnehmen und freigeben (Pluhar) 0.57
06. Was meinst du (Pluhar/Afonso) 3.30
07. Lied vom Weltgeschehen (Pluhar/Marinoff) 3.13
08. Der geschenkte Abschied (Pluhar/D´Almeida) 3.19
09. Solo Klaus (Trabitsch) 4.15
10. Aber wie (Pluhar/Marinoff) 3.15
11. Dagegen (Pluhar/Buarque) 3.29
12. Mehr denn je (Pluhar/Marinoff) 3.44
13. Lied von der falschen Leiter (Pluhar/Marinoff) 2.28
14. Eine Frau von heute (Pluhar/Trabitsch) 3.21
15. Märchen von Marie mit dem Holzbein (Pluhar/Traditional) 3,07
16. Lied vom schönen Unsinn (Pluhar/Marinoff) 3.28

CD 2:
01. Einleitende Worte nach der Pause 1.59
02. Akazibam-Lied (Pluhar/Marinoff) 2.17
03. Engellied (Pluhar/D´Almeida) 3.23
04. Sat’s As E A (Pluhar) 1.17
05. Hupf‘ in Gatsch… (Pluhar) 3.00
06. L’amour-Hatscher (Pluhar/Marinoff) 3.18
07. Geh‘ die Gass’n nauf (Pluhar/Marinoff) 1.59
08. A bisserl (Pluhar/Marinoff) 3.16
09. Laß die Jugend verfliagn (Pluhar/Marinoff) 3.37
10. Des brauch i net (Pluhar) 2.04
11. Des versteh‘ i net (Pluhar) 4.59
12. Dieses Wien (Pluhar/D´Almeida) 2.05
13. Amol (Einmal) (Pluhar/Marinoff) 4.21
14. Immer wieder Frankfurt (Pluhar/Marinoff) 2.36
15. Gesellschaftsleben (Pluhar/Marinoff) 2.11
16. Vergänglichkeitslied (Pluhar/D´Almeida) 3.53

CD2A
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Pluhar03