Blechschaden – BrassOmania (1998)

FrontCover1Also was „Blechschaden“ so veranstaltet, darf man getrost – verrückt, skurill, aberwitzig und genial – nennen:

Blechschaden ist ein Blechbläserensemble aus Deutschland.

Die Gruppe setzt sich aus den Blechbläsern der Münchner Philharmoniker zusammen, die bei den klassischen Konzerten der Philharmoniker für den weltweit berühmten, runden und schönen Klang verantwortlich sind, der als „Bruckner-Klang“ eine lange Tradition hat. Blechschaden wurde 1985 von Bob Ross gegründet. Das breit gefächerte Repertoire des Ensembles reicht von klassischer Musik über Unterhaltungs- und Rockmusik bis hin zu traditioneller Blasmusik.

Überregionale Aufmerksamkeit rief Blechschaden durch die tatkräftige Unterstützung bei den Heimspielen der Spielvereinigung Unterhaching in der ersten Bundesliga hervor. Die Solidarität mit der SpVgg Unterhaching reichte so weit, dass Blechschaden sich bei der Verleihung des ersten Echo Klassik den Preis nicht in der Live-Sendung im ZDF, sondern bei einem Bundesligaspiel in der Pause abholte. (Quelle: wikipedia)

Aber, um „Blechschaden“ zu verstehen, kommt man um den Gründer Bob Ross nicht herum:

Bob Ross (* 25. April 1954 in Kirkcaldy, Schottland) ist ein schottischer Hornist der Münchner Philharmoniker, Dirigent, Entertainer, Moderator sowie Gründer des Ensembles „Blechschaden“.

BobRossErste musikalische Erfahrungen sammelte der junge Bob Ross in seiner Heimatstadt als Mitglied verschiedener Brassbands (Blaskapellen), bevor er schließlich sein Musikstudium am Royal College of Music in Glasgow aufnahm. Dort lernte er nicht nur Horn spielen, er erhielt auch den Dirigier- und Kompositionspreis. Als Stipendiat des DAAD beendete Ross seine Ausbildung an der Musikhochschule in Köln, bevor er 1975 sein erstes Engagement als Hornist am Hessischen Staatstheater Wiesbaden erhielt. Nach einem kurzen Zwischenspiel beim Philharmonischen Orchester Essen landete der Schotte schließlich 1979 bei den Münchner Philharmonikern unter Sergiu Celibidache.

1985 rief er das Ensemble Blechschaden ins Leben. Unter seinen Musikerkollegen fand er elf Gleichgesinnte, die sich für Brassmusik interessierten. Was als musikalischer Freizeitspaß begann, entwickelte sich im Laufe der Jahre zu einem erfolgreichen Nebenjob mit etwa 50 Auftritten pro Jahr. Dafür mussten selbst die Bayreuther Festspiele, in deren Orchester er zwischen 1981 und 1986 spielte, auf Bob Ross verzichten. Konzerte von Blechschaden zeichnen sich durch die Verschmelzung von E- und U-Musik aus und sind durch den Humor und die energiegeladene Bühnenpräsenz ihres Dirigenten geprägt. Bereits zweimal, 1999 und 2002, erhielten Bob Ross und Blechschaden den begehrten Echo Klassik für ihre CDs „Brassomania“ und „Blechschaden in Blech“. 2007 kehrte er im Rahmen des Bayreuther Osterfestivals in die Wagner-Stadt zurück. Unter seiner musikalischen Leitung trat das Festival-Brass der Internationalen Jungen Orchesterakademie im Markgräflichen Opernhaus auf.

Seit 9. Januar 2011 präsentiert Bob Ross jeden Sonntagabend die Sendung Musikgeschichte(n) mit Bob Ross – Von der Knochenflöte bis zur Rockmusik auf BR-alpha, in der er die Zuschauer unterhaltsam durch die (europäische) Musikgeschichte führt. (Quelle: wikipedia)

Hier ihr drittes Album … und man muss es hören, um diese aberwitzige Kombination aus Barock, Beat, Volksmusik und Jazz zu geniessen.

Irgendwie vermute ich, dass so eine Musik nur möglich ist, wenn eine Schotte in München landet ….

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Besetzung:
Werner Binder (trumpet)
Dany Bonvin (trombone)
Hermann Göss (trumpet)
David Moltz (horn)
Arnold Riedhammer (drums, percussion)
Erich Rinner (trumpet)
Dankwart Schmidt (euphonium)
Guido Segers (trumpet)
Franz Unterrainer (trumpet)
Tom Walsh (tuba)
Bernhard Weiß (trombone)

Blechschaden

Titel:
01. Fanfare (Buxtehude) 0.34
02. Rocky – Gonna Fly Now (Conti) 2.30
03. Concerto für zwei Trompeten (Vivaldi) 2.52
04. Walküre für Blechschaden (Etzel/Wagner),3.25
05. Tiger Rag (La Rocca) 2.15
06. Beethovens`s Beano (Beethoven) 2.33
07. Marsch F-Dur KV 408 (Mozart) 2.32
08. Steingadener Musikantenmarsch (Traditional) 2.25
09. Czardas für Posaune solo (Monti) 3.40
10. Blue Brass (Etzel) 2.52
11. Zwiefache (Traditional) 3.02
12. Der Alpenblaus (Etzel)  3.13
13. Bad Medicine (Jovi/Sambora/Child) 2.10
14. Brassery (Etzel) 1.41
15. Carioca für Tuba solo (Youmans) 3.15
16. Hey Jude (Lennon/McCartney) 2.55
17. Drums & More (Riedhammer) 2.45
18. Time To Say Goodbye (Satori) 2.47
19. Bolero (Ravel) 4.39
20. Baumkirchner Jodler (Etzel) 2.46

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Münchner Behördenorchester – Beethoven + Bizet (1998)

FrontCover1Sachen gibt´s, die gibt´s gar nicht: Wie z.B. das „Münchner Behördenorchester“ … da staunt man doch schon ein wenig.

Und so stellte man sich 1998 anlässlich der Veröffentlichung dieser CD dar:

„Das Münchner Behördenorchester ist 1971 entstanden. Der damalige Initiator und Dirigent, Günter Maier ist auch heut noch musikalischer Leiter des Orchesters.

Das Orchester besteht aus etwa 55 Mitgliedern in der Besetzung des klassischen Sinfonieorchesters, d.h. Streicher, Holzbläsern, Hörnern, Trompeten, Posauen und Pauken. Die Mitglieder des Orchesters sind in der Mehrzahl Mitarbeiter von Behörden und Gerichten. Aber auch andere Berufe wie z.B. Lehrer, Freiberufler und Hausfrauen sind vertreten.

Entsprechend der Besetzung liegt der Schwerpunkt der Programme in Werken der Wiener Klassikund der Romantik, jedoch sind auch Werke des Barocks und zeitgenössischer Komponisten aufgeführt worden. Jährlich werden – meist in der Aula der Ludwig-Maximilian-Universität in München – zwei bis drei Konzerte veranstaltet. Solokonzerte werden bevorzugt mit jungen Künstlern aufgeführt, die damit kurz vor oder nach Beendigung ihrer Ausbildung die Gelegenheit zu einem öffentlichen Auftritt erhalten.“

Für diese Aufnahme holte man sich dann den Pianisten Fritz Schwinghammer, der damals bereits einen Lehrauftrag für Klavier an der Musikhochschule München hatte. Und Schwinghammer konnte damals bereits auf eine Zusammenarbeit mit Sängern wie Dietrich Henschel und Hermann Prey zurückblicken. An der Musikhochschule München ist er immer noch aktiv und hat inzwischen diverse CD´s eingespielt.

Und man glaubt es kaum, der Leiter des Münchner Behördenorchesters, Günter Maier leitet dieses Orchester noch immer … Maier war früher als Verwaltungsjurist Leitender Regierungsdirektor bei der Regierung von Oberbayern …vielleicht bin ich im früher mal über den Weg gelaufen, da ich zeitlang aus beruflichen Gründen mit der Regierung von Oberbayern relativ viel zu tun hatte …

Wie auch immer: Diese Aufnahme kann sich sehen, bzw. hören lassen …

 

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Günter Maier & Fritz Schwinghammer

 

Besetzung:
Münchner Behördenorchester unter der Leitung von Günter Maier
+
Fritz Schwinghammer (piano)

 

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*schmunzel“ … ein Behördenorchester eben …

 

Titel:

Ludwig van Beethoven – Klavierkonzert Nr. 4 in G-Dur, op. 58:
01. Allegro moderato 19.26
02. Andanta con moto 4.54
03. Rondo (Vivace) 11.13

George Bizet – Scénes bohémienns:
04. Prelude (Molto moderato) 4.12
05. Sérénade (Allegro moderato) 2.13
06. Marche (Allegro moderato) 3.13
07. Danse bohémienne 3.43

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Marius Müller-Westernhagen – Radio Maria (1998)

FrontCover1Doch, doch, der Mann hat schon was zu sagen, wenngleich mir seine Musik nur bedingt zusagt.

Funky-Marius: Der Rockstar singt über traurige Cowboys, alte Männer und den Heiland – und kombiniert knifflige Texte mit seiner typisch gradlinigen Musik.

Westernhagen – was für eine Institution. Ein feststehender Begriff wie Tempos, Nutella oder Maggi. Nur für was steht er? Für die Urväter der deutschen Popmusik oder für besonders deutsche Musik im allgemeinen? Oder gar für Tradition? Für Westernhagen will ich das mal nicht hoffen, obwohl es ja leider so ist, daß das Publikum am liebsten sein eigenes Gedächtnis beklatscht, wie das der tolle Humorschreiber Max Goldt so schön formuliert hat. Und weil das Publikum immer nur bei den Stücken applaudiert, die es auch kennt und erwartet, ist es ein schlechter Kritiker.

Ich nehme mal an, daß Marius sich selbst als flexiblen Künstler betrachtet, als einen Fan des amerikanischen Grooves. An seinen Status als Markenprodukt hat er sich hoffentlich gewöhnt. Ich stelle mir den großen Marius vor, wie er zu Hause an Songideen arbeitet und natürlich auch sein Image und sein Älterwerden auf der Schulter sitzen hat – wie ein Papagei, der ständig dazwischenquasselt und so für einen enormen kreativen Druck sorgt.

Werden Tausende von Kritikern krächzen, er sei mit knapp 50 langsam zu alt für den Rock’n’Roll? Werden die Fans mal wieder behaupten, daß ihnen die alten Sachen besser gefallen haben? In meinen Alpträumen sehe ich ein opportunistisches, halb devotes Heer von Managern, Produzenten und Studiomusikern, die zu fast allem, was Westernhagen vorschlägt, immer gerne „Super, Marius, machen wir so“ sagen. Führt so was auf Dauer zu einem überzogenen oder verkümmerten oder gesunden Ego? Wie setzt sich wohl die Motivation zur Albumproduktion zusammen? Wie ist das Entscheidungsvieleck aus Gewohnheit, Geld, Lust, Vertragsverpflichtung, Gruppenzwang und Ego gewichtet?

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Zugegeben, ich bin ein ziemlicher Westernhagen-Laie. Einmal beim Durchzappen „Theo gegen den Rest der Welt“ für zehn Minuten angesehen, die Singles kenne ich aus Radio und Musikfernsehen. Immer wenn ein neues Album erscheint, erzählen mir zwei Dutzend Freunde und Musikbranchisten ihre Meinung dazu. Dabei interessieren mich deren Ansichten eigentlich weniger. Viel toller ist der Phantasie-Spielraum zwischen dem Künstler, den ich nicht persönlich kenne, und seinem Werk, und diesen Spielraum kann ich selbst mit Personality-Mutmaßungen und wilden Theorien über lustlose Zwangskreativität füllen.

Direkte Begegnungen zwischen Westernhagen und mir fanden nur hinter irgendwelchen Bühnen im Vorübergehen statt und beschränkten sich auf gegenseitige Sympathiebekundungen. Es ist sehr einfach und auch bequem, einander einfach nur gut zu finden. Zum einen beweist das eine gewisse Höflichkeit, zum anderen dient es dem Erhalt meiner Interpretationsmöglichkeiten: Rummäkeln kann man immer, aber das Album von jemandem zu loben, den man eigentlich doof findet, ist ziemlich schwer.

Natürlich habe ich uneingeschränkten Respekt vor der Person Westernhagen. Ich höre aus früheren Liedern wie „Dicke“ oder „Sexy“ das raus, was auch ich selbst gern in deutschsprachiger Musik höre und sehr stark in ihr vermisse. Nämlich groovy und funky zu sein. Eine gewisse schwingende Schwärze zu haben und auch mal soulig einfach „Yeah“ zu sagen oder sonstige Tanz- und Groove-Geräusche wissentlich in die Aufnahme zu plappern. Die deutsche Popmusik ist mir zu steril, und für die Aufweichung gängiger Vortragsmethoden bin ich der Marke Westernhagen dankbar.

Endlich drängt mir der SPIEGEL ein Album von ihm auf und zwingt mich mit Geld und Ruhm, es mir von vorne bis hinten anzuhören. Den kleinen Zweifel, ob ich überhaupt kompetent genug bin, beiseite gefegt: Letztendlich sollte es um die neue Platte gehen. Und die ist interessant.

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Textlich habe ich durchaus meinen Spaß. Natürlich nicht durchgehend. „Durch deine Liebe“ ist – wie die ungeile Single „Jesus“ – ein Religionsthema, allerdings textlich mit Abstand das Trivialste auf dem Album. Wenn ein solcher Titel mit den Worten beginnt „Du machst Blinde sehn, du machst Lahme gehn“, dann brauche ich nicht mehr weiterzuhören, weil ich ohnehin schon weiß, was passiert. So wie der Text der Langeweile-Koeffizient dieses Gottvater-Songs ist, so klingen für mich, den Rockgeschichts-Laien, die Gitarren der Sohnemann-Jesus-Single: öde. Wie die heutigen Rolling Stones.

Das ist schade, denn große Teile der Platte sind sehr unterhaltsam. Ganz weit vorne ist „Walkman“, welches sich zwischen Paul-Simon-Graceland-Sound und Rock-Ragtime abspielt. Das paßt in mein Bild vom Funky-Marius und paßt zu seiner Art, Deutsch zu einer griffigen Unterhaltungsmusiksprache zu machen. Das Wort „Walkman“ wirkt in dem Lied sogar ein wenig deplaziert, und das will was heißen, schließlich ist der Begriff inzwischen so englisch wie deutsch.

Das Stück schildert ein klassisches Altehen-Schicksal: Ein dicker Bankier angelt sich in seinem Alter noch eine Lolita („ein Mädchen mit Hang zum Personal“). Die Ehefrau will sich daraufhin scheiden lassen. Ihm ist das egal. Magic Word: Ehevertrag. Der Ätsch-Refrain: „Ich sitz‘ in deinem Walkman und schreie dir ins Ohr – ich trage keine Waffen; das ist nicht mein Ressort.“ Und dann: „Ich bin kein Schwarzenegger, kein Bombenmuselmann, eher wie Boris Becker, dem du blind vertrauen kannst.“ Bomben, Boris, Becker, blind, alle B auf den Punkt – das macht Laune.

„Alleine“ geht ähnlich ab: Black-Crowes-Südstaaten-Bluesrock mit Druck und einer kleinen Prise Popmusikhochschule. „Alleine – ohne Aufschub – ohne Elfmeter“. Da wird gebrüllt und geschrien. Yeah. Kurz beschleicht mich der Gedanke, daß ich hier in eine Zielgruppenfalle für die ewigen Marius-Rock-Fans getappt bin. Aber aus eigener Erfahrung weiß ich, daß der Hörer immer komplizierter denkt als der Sänger.

Bei der rockerfrivolen Bonnie-und-Clyde-Variante „Rosamunde“, welche in den ersten zwei Zehntelsekunden an „Hurra, hurra, die Schule brennt“ von Extrabreit erinnert, komme ich dann aber wieder ins Grübeln. „Rosamunde – geiles Biest – ohne Höschen nach Paris“ klingt mir zu sehr nach Pose und dem Wunsch, das frühe Publikum zu bedienen.

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Natürlich kann ich leicht ein paar Lieder in Schubladen ablegen. Festen Willens, keine abgegriffenen Grönemeyer-Parallelen zu bemühen, drängt sich mir bei „Wieder hier“ doch der Eindruck auf, die Marius-Variante eines Ruhrpott-Heimatlieds wie „Bochum“ zu hören – auch wenn die sich hier subtiler als Lovesong tarnt. Wird im Westfalenstadion sicher der Live-Knaller.

Auch meine Vorstellung vom Altersproblem des Künstlers und der daraus resultierenden Imagefrage kann ich, so scheint es, bei der Ballade „Kind von gestern“ unterbringen. „Ich bin ein Kind von gestern – ich hab mein Herz verkauft an einen Mann von morgen, er war nicht mal getauft.“ Aber Irrtum, alles falsch verstanden. Die Erkenntnis kommt erst beim dritten Hörversuch. Da singt Westernhagen: Als „meine erste Frau mir einen Sohn gebar, als sie noch Jungfrau war … Ich bin verkleidet als Prophet“. Es geht also gar nicht um den älter gewordenen Mann von morgen, sondern: schon wieder um den Heiland. Durch Kniffligkeit der Verse hat der Songschreiber den Kritiker blamiert. Hier steckt der Unterhaltungswert im Text: zuhören, nachdenken, verstehen. Zuhören allein reicht nicht.

Schön ist das ergreifende „Hoffnung“, weil ich finde, daß Lieder über die Liebe nicht einfach zu schreiben sind, wenn sie Substanz haben sollen. Trotz kitschigen Liederjan-Sounds und Barclay-James-Harvest-trifft-Pink-Floyd-Refrains gehört die Wird-aus-unserer-langen-Up-and-down-Beziehung-noch-mal-was- Geschichte zu meinen Textfavoriten, die ich obendrein grübellos verstanden habe.

Manch anderes habe ich allerdings nicht begriffen. Warum betrauert Westernhagen beispielsweise den geplatzten Traum von wahrer Liebe, indem er ausgerechnet die Geschichte eines Cowboys erzählt? Der erschießt den Freier der Saloontänzerin „Lola Blue“ aus Liebeskummer und wird dann zur Strafe erhängt („kein Happy-End spielte die Band, und selbst mein Pferd hat die Hinrichtung verpennt“). Die Musik klingt wie eine Roger-Whittaker-Country-Ballade. Der Popstar als Westernheld? Oder der Westernheld als Popstar? Jetzt hätte ich gern eines dieser Reclam-Interpretationshilfe-Bändchen.

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Musikalisch wird für mich mit „Radio Maria“ in keinster Weise das Rad neu erfunden. Vielleicht haben Westernhagen und seine Mitspieler aber nur an alten Tugenden festgehalten, statt sich mit aufgesetzten Experimenten musikalisch für Leute wie mich zu liften. Vielleicht ist ihm die ganze Grüblerei und Taktiererei auch vollkommen egal. Das würde ich ihn gerne mal fragen. Passenderweise bei einem Glas Nutella.(Der Spiegel 33/1998)

Soweit so gut, aber da will ich doch nochmals ganz laut und deutlich darauf hinweisen, dass der Song „Jesus“ für mich in die Kategorie „Killersong“ gehört … Hammerakkride und dann diese triumphale Orgel und dann als Sahnehäubchen – man glaubt es kaum – mit einem entfesselt aufspielendem Mundharmonikaspieler namens Marius Müller-Westernhagen …

Und sein „Du hast dich nie gewehrt“ lässt einen einfach verstummen …

Und dann – zumindest für mich ziemlich verblüffend, lese ich dass ein gewisser Pete Wingfield nicht nur die Tasten bediente, sondern auch gleich noch als Co-Produzent (neben Westernhagen) fungierte. Pete Wingfield, der mich seit Ende der60er Jahre musikalisch begleitete und dessen Aufnahmn mit Jellybread einfach nur ganz großartig sind (müsste ich mal auf meinem internationalem blog präsentieren *ggg*)

Also, der Mann hat schon was zu sagen …

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Besetzung:
Julie Andrews (bassoon)
Julian Crampton (bass)
Blair Cunningham (drums)
Martin Ditcham (percussion)
Marius Müller-Westernhagen (vocals, harmonica, omnichord)
Nico Ramsden (guitar)
Jay Stapley (guitar)
Pete Wingfield (keyboards)
Helmut Zerlett (organ)
+
Madeleine Lang (vocals bei 11.)
Chris Laurence (double bass)

Background vocals:
Billy King – Madeleine Lang – Marion Schwaiger – Rolf Köhler

Cello:
Martin Loveday – Paul Kegg – Tony Lewis

Viola:
Garfield Jackson – Kate Wilkinson – Pete Lale

Violin:
Alison Dodds – Boguslav Kostecki – Dave Woodcock – Eddie Roberts – Gavyn Wright – Pat Kiernan – Perry Montague-Mason –  Tom Bowes – Vaughn Armon

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Titel:
01. Jesus  4.03
02. Lola Blue 4.51
03. Supermann 4.44
04. Walkman 2.46
05. Hoffnung 4.26
06. Alleine 3.05
07. Durch deine Liebe 6.11
08. Rosamunde 3.40
09. Du hast dich nie gewehrt 4.31
10. Wo ist Behle? 3.06
11. Wieder hier 6.26
12. Kind von Gestern 4.34

Musik und Texte: Marius Müller-Westernhagen

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Susanne Grütz & Hubertus Schmidt – Cafe Knax (1998)

FrontCover1Jetzt mal was ganz besonderes … irgendwie magisch … irgendwie altmodisch … irgendwie betörrend:

Das Duo Grütz/Schmidt, das seit 1985 für Furore und Innovation in der Chansonszene sorgte, führt uns in die heiter-frivole und seltsame Welt des Café Knax und überzeugt mit stimmgewaltiger Interpretation großer Literatur von gestern und heute. Dabei finden sie die entspannend-spannende Mischung aus Obszön-Deftigem mit Sentimental-Leichtem.
Live zieht Susanne Grütz das Publikum hinein ins Café Knax und verzaubert es mit ihrer erotisch bis deftigen Ausstrahlung.

… und die Reaktionen waren begeistert:

„Café Knax“ – bei wem assoziiert das nicht eine bestimmte Art von Großstadtcafé, in denen welche mit und ohne Knacks hocken, palavern, die Welt umstürzen und dies letztlich doch bloß mit der Kaffeetasse? Um ein solches Mit – und Gegeneinander von Leuten und Leidenschaften ging es in dem Liederprogramm „Café Knax“ mit Susanne Grütz und Hubertus Schmidt aus Leipzig. Sie kamen vorige Woche (9.3.1988) in die Schweriner Galerie am Pfaffenteich, die überfüllt war, so daß die Schlange draußen länger war als die des benachbarten Lesecafés (wo es Disco gibt). Ein äußerst seltener, ermutigender Anblick.
GrützSchmidtZwei Leute treffen sich: Sie, die Intellektuelle und zugleich Mädchen, er, der Aussteiger mit Lebensweisheit und Überlebensphilosophie. Um dieses Zufällige einer Cafébekanntschaft spinnt sich der Abend. Nicht nur singend, auch spielend schlüpfen das Mädchen und der Mann in verschiedene Häute. Balladen, Moritaten, Liebeslieder – die Texte sind geborgt von Ringelnatz, Fritz Grasshoff, Erich Kästner, Andreas Reimann, bis Wenzel und Mensching; die Musik ist von Hubertus Schmidt.
Hubertus Schmidt hat es: Er ist Musikant und Komödiant in einem. Das Sammelsurium von Liedern, die mit Pep vorgetragen wurden (am Klavier H. Schmidt, an der Gitarre Sigmund Kiesant, Schmidt und Grütz Gesang) ist Spiegel des Menschensammelsuriums im Café oder anderswo.
Dem einen “ kam die Liebe abhanden wie anderen Leuten ein Stock oder Hut“ (Kästner) ein anderer träumt von einer heilen Landschaft und „faltet sich einen Schmetterling aus einem Umwelterlaß“ (Reimann), die nächsten sind „die alten, wackligen Männer, mein Lieb, die ihr Tot-Sein verkünden als Lebensprinzip“ (Reimann), und wieder andere, auch nicht mehr ganz junge, fragen sich: „Was ist aus uns geworden, die wir schon lang die früheren Sätze morden, dass man uns nicht erkennt?“ (Reimann)
Die Lieder in ihrer Folge hatten etwas Wärmendes: Sie tolerieren den Menschen so, wie er ist. Man könnte den Abend auch mit einer Gedichtzeile von André Heller überschreiben: „Weil ich will, dass es das alles gibt, was es gibt.“  (Norddeutsche Zeitung 15.3.1988„)

Es ist einfach nur großartig, dass es Künstler abseits des mainstreams gibt … reinhören lohnt sich einfach …

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Besetzung:
Susanne Grütz (vocals)
Hubertus Schmidt (keyboards, vocals)

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Titel:
01. Die Minderwertigen (Bernauer/Grütz/Schmidt) 2.05
02. Der Henker von Paris (Grasshof/Schmidt) 3.12
03. Landschaftsgründung (Reimann/Schmidt) 2.50
04. Der Mann am Gürtel (Grasshof/Schmidt) 4.06
05. Rosshaar zerschnitten (Grasshof/Schmidt) 2.13
06. Träume eines Küchenmädches (Brecht/Weill) 4.19
07. Pizza extravaganza (Gruwe/Grütz/Schmidt) 4.42
08. Lied von der Unersättlichkeit (Bartsch/Schmidt) 2.30
09. Angenehme Dampferfahrt (Dege/Schmidt) 2.31
10. … und sprach des Noah Weib (Reimann/Schmidt) 3.44
11.  Ballade von der schiefen Käthe (Reimann/Schmidt) 2.54
12. Die guten Drogen (Hardekopf/Schmidt) 1.48
13. Madame Arthur (de Kock/Grütz/Schmidt) 4.34
14. Kitty, die Gangsterbraut (Grasshof/Schmidt) 4.52
15. Kleine Banditenballade (Grasshof/Schmidt) 2.30
16. Innocent When You Dream (Waits) 4.01
17. Shimmy in Grün (Hacks/Schmidt) 3.33
18. Moritat vom eiskalten Gasanstaltsdirektor (Traditional) 1.48

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Comeback

Leipziger Volkszeitung, 8,1.2016

 

Herbert Grönemeyer – Bleibt alles anders (1998)

FrontCover1.jpgMit dem Herbert Grönemeyer bin ich ja nie warm geworden … und bei diesem Album geht´s mir nicht anders:

Bleibt alles anders ist das zehnte Studioalbum des deutschen Rockmusikers Herbert Grönemeyer. Es wurde am 17. April 1998 bei Grönland Records veröffentlicht. Es war das erste deutschsprachige Studioalbum des Künstlers nach fünf Jahren.

Bleibt alles anders entstand zwischen November 1996 und März 1998, hauptsächlich in London. Es war das erste Album, das Herbert Grönemeyer mit seinem Produzenten Alex Silva produzierte. Das Album erschien sowohl als CD[1] als auch als LP, wobei die ersten sechs Lieder auf der A-Seite und die anderen fünf auf der B-Seite zu finden sind.

Im Mai 1998 begann Grönemeyer eine Tournee zum Album, unterbrach diese allerdings, da im November sein Bruder Wilhelm und seine Ehefrau Anna starben. Im Frühjahr 1999 setzte er die Tournee fort.

Grönemeyer selbst hält Bleibt alles anders für seine „komplexeste und traurigste Platte“. Bei den Titeln Nach mir und Stand der Dinge hat Grönemeyers damalige Ehefrau Anna Henkel die Songtexte mitgeschrieben. Der Titel Reines Herz soll laut Aussage von Grönemeyer das „zynische Machtdenken von Politikern“ behandeln. (Quelle: wikipedia)

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Wer so groß ist wie Grönemeyer, der muß nicht auf Verkaufszahlen schielen und kann in Ruhe so ein Album machen wie es Bleibt alles anders ist. Da wird dem Hörer schon einiges abverlangt. Die Stimme läßt keinen Zweifel zu: Das ist schon Herbert aus Bochum — aber in großer Experimentierstimmung. So erinnert „Fanatisch“ musikalisch sehr stark an „Riders on the storm“ von den Doors, während Herbert seinen bedrohlichen Text offenbar in einen Telefonhörer hineinsingt. Das Titelstück wiederum ist ungeheuer dynamisch und intensiv. Beide vereint die Tatsache, daß man der „Message“ wirklich nur mit Hilfe des CD-Booklets folgen kann. „Ich dreh mich um dich“ erschließt sich hingegen sofort: Der Komponist von „Flugzeuge im Bauch“ hat das Balladenschreiben nicht verlernt.

Bleibt alles anders ist ein komplexes Kunstwerk. Man muß sich sehr darauf einlassen und wird dafür mit wachsendem Hörgenuß belohnt. Was Grönemeyer über die Dauer von mehr als einem Jahr in enger Zusammenarbeit mit dem Programmierer Alex Silva geschaffen hat, findet man auf dem deutschen Markt so schnell nicht noch einmal. (Wolfram Lumpe)

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Herbert Grönemeyer ließ diese Platte das erste Mal von Alex Silva produzieren, und man hört es. Die Produktion bezieht sehr viele elektronische Elemente ein, die aber das tun, was sie idealerweise tun sollen, nämlich (nur) die Qualität der Songs unterstreichen, und die ist hier überwiegend sehr hoch. Der Opener „Nach mir“ klingt nach „klassischem“ Grönemeyer circa „Chaos“ – rockig, geradeaus, mit einem Text, der jedenfalls meiner Meinung nach die Gefühlswelt eines gerade verlassenen Mannes satirisch überzeichnet. „Bleibt alles anders“ ist schon elektronischer, ist aber in seiner Grundanlage auch ein Track des Songwriters Grönemeyer. Ausgesprochen überzeugend ist „Fanatisch“, ein Song, bei dem Musik und Text kongenial zusammenpassen. Es wird das Psychogramm eines Stalkers aus seiner Innensicht dargestellt, die Musik untermalt eine schaurig-schwüle-gefährliche Stimmung, die immer wieder in hymnenhaften Momenten die Euphorie des Stalkers einfängt – wenn er nämlich besonders genießt, wie sich sein Opfer fürchtet. Das ist ganz großartig. Auch zu empfehlen sind „Energie“, „Stand der Dinge“ und besonders „Selbstmitleid“ – beim letztgenannten Song schlüpft Grönemeyer wieder in eine Rolle, nämlich die des modernen Mannes, der seine Rolle vor lauter Selbstmitleid nicht mehr findet. Insgesamt sehr überzeugend. (Cinema Showam)

Nun ja … überzeugt hat mich auch dieses Album nicht … abee … ich bin ja auch nie recht warm geworden mit dem Herbert Grönemeyer …. Und die arg wirre Gestaltung des Booklets ist wohl auch Ausdruck der damaligen Zerrissenheit des Herbert Grönemeyer.

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Besetzung:
Norbert Hamm (bass)
Herbert Grönemeyer (vocals, keyboards)
Jakob Hansonis (guitar)
Alfred Kritzer (keyboards)
Mike Rowe (organ)
Armin Rühl (drums, percussion)
Stephan Zobeley (guitar)
+
Christian Neander (guitar bei 03.)

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Titel:
01. Nach mir 3.59
02. Bleibt alles anders 4.42
03. Fanatisch 4.06
04. Letzte Version 4.49
05. Ich dreh mich um dich 4.43
06. Energie 4.06
07. Neue Welt 5.14
08. Selbstmitleid 2.43
09. Stand der Dinge 4.23
10. Reines Herz 4.37
11. Schmetterlinge im Eis 6.31

Musik + Texte: Herbert Grönemeyer
Texte bei 01. + 09.: Anna Henkel

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Marc Rothemund – Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit (1998)

FilmplakatFür mich ein Klassiker der komödiantischen Bearbeitung all der Liebe und all der Triebe, die das Leben zumindest von ein paar Generationen begleitet hat:

Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit ist eine deutsche Liebeskomödie aus dem Jahr 1998, die unter der Regie von Marc Rothemund (es war sein Debüt-Film) entstanden ist.

Die Geschichte des Films besteht aus mehreren Einzelgeschichten, die alle miteinander verbunden sind:

Der erfolglose und verzweifelte Autor Charly bekommt durch Zufall den Ferrari seines Verlegers in die Hände.
Charlys Ex-Frau Manuela verliebt sich in Sven, von dem sie zuerst annimmt, er habe ihre Tochter Hanna entführt.
Sven hat sich das Kind von Manuelas eigentlicher Babysitterin Birgit aber nur als Flirtfaktor ausgeliehen.
Birgit wiederum hat für das „Kind-Ausleihen“ eine Freikarte für ein Fitnessstudio bekommen, wo sie den Fitnesstrainer Jimmy kennenlernt.

Paarungsverhalten01
Die verklemmte Cornelia lernt beim Einkaufen die extrovertierte Hilde kennen und beide stehlen gemeinsam Charlys Wagen.
Cornelias Sohn Paul bereitet sich inzwischen mit seiner Freundin Sandra auf sein „erstes Mal“ vor.
Jimmy verliebt sich auf den ersten Blick in Peter, der im Fitnessclub Handzettel für einen Tanzwettbewerb austeilt. Da an diesem Wettbewerb nur gemischtgeschlechtliche Paare teilnehmen dürfen, sucht er händeringend nach einer Tanzpartnerin, um Peter auf dem Wettbewerb näherzukommen. Er findet eine solche schließlich in Birgit. Beim Tanzwettbewerb verlieben sich allerdings Birgit und Peter.

Paarungsverhalten02

Manuelas Schwester Tamineh hat Geburtstag und muss diesen alleine verbringen. Auf dem Dach ihres Hauses lernt sie den Italiener Marcello kennen. Dieser ist im Begriff sich umzubringen, da ihn seine Freundin wegen eines anderen Mannes verlassen hat; dieser entpuppt sich wiederum als Taminehs chronisch untreuer Freund. (Quelle: wikipedia)

Paarungsverhalten03

„Eine reigenartig entwickelte Komödie von spielerisch-verspielter Absichtslosigkeit, die mit eher beiläufigem Charme momenthafte Zustandsbeschreibungen zu einer kurzweiligen, freilich nicht sonderlich tiefschürfenden Unterhaltung verbindet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Nun ja … nix gegen dieses Lexikon, aber da hat einer wohl den grundlegenden Charakter einer Komödie verkannt … und überhaupt: diese Komödie bringt auf sehr markante Weise so etliche Torheiten im Paarungsverhalten sowas von treffend auf den Punkt. Jedenfalls jene Torheiten, die bei der ach so aufgeklärte und emanzipierte Generation (zu der ich mich wohl auch zählen muss) an der Tagesordnung war.

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Dass der Film aus meiner Sicht so zündet, hat nur natürlich auch mit den Schauspielern zu tun und da lesen wir Namen wie

Cosma Shiva Hagen – Oliver Korittke – Ann-Kathrin Kramer – Gudrun Landgrebe – Dieter Landuris – Michaela May -und Christoph Waltz … u.v.m.

Und sie alle können ihr komödiantisches Talent ausspielen, allen voran der Christoph Waltz aber auch der von mir sehr geschätzte Dieter Landuris (seine Karriere begann übrigens im Grips Theater, Berlin).

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Und dann mag ich noch an Frank Giering erinnern. In diesem Film spielte er den Jung-Verleger Henrik jr. … viele Rollen folgten und dann starb er im Juni 2019 (er war gerade mal 38 Jahre alt) an den Folgen einer Alkoholvergiftung (4 Flaschen Wodka soll er in dieser Zeit täglich getrunken haben).

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Frank Giering als Henrik jr.

Aber unabhängig davon … der Film erschien 1998 … und wenn ich an jenes Jahr zurück denke … nun ja … ähm … da war ich mit all diesen Torheiten aber sowas von mit von der Partie … ähm …

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Besetzung:
Anica Dobra (Tamineh)
Frank Giering (Henrik jr.)
Christoph Hagen Dittmann (Moritz)
Cosma Shiva Hagen (Sandra)
Mavie Hörbiger (Nina)
Markus Knüfken (Peter)
Oliver Korittke (Jimmy)
Ann-Kathrin Kramer (Manuela)
Gudrun Landgrebe (Cornelia)
Dieter Landuris (Marcello)
Michaela May (Hilde)
Isabella Parkinson (Birgit)
Tobias Schenke (Paul)
Sebastian Schipper (Andi)
Heio von Stetten (Sven)
Julia Thurnau (Tusse)
Christoph Waltz (Charly)
Maria Wördemann (Hanna)

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Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Peter Gersina
Produktion: Ewa Karlström, Andreas Ulmke-Smeaton
Musik: Reinhard Besser
Kamera: Hans-Günther Bücking
Schnitt; Barbara von Weitershausen

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Marc Rothemund

Heiner Goebbels, Ensemble Modern, Josef Bierbichler – Eislermaterial (2002)

FrontCover1»Ich glaube, daß meine Entscheidung, professionell Musik zu machen, wesentlich mit seiner [Hanns Eislers] Arbeit zu tun hat. […] Ich war fasziniert von der ganzen Bandbreite, in der Eisler diskutiert hat, über Literatur, Politik, Mathematik, Philosophie, bildende Kunst, Musik natürlich..«.. (Heiner Goebbels)

Eislermaterial ist eine Hommage des Komponisten Heiner Goebbels an Hanns Eisler, der in Goebbels‘ künstlerischer und politischer Biografie eine große Rolle gespielt hat: Schon Eisler selbst stand als Schönberg-Schüler und gleichzeitig linkspolitisch engagierter Agitprop-Komponist im scharfen Spannungsfeld zwischen bourgeoiser Kunst- und klassenkämpferisch funktionalisierter Gebrauchsmusik; in ähnlicher Weise scheint sich auch Goebbels, der nicht nur Musik, sondern auch Soziologie studiert hat, hinsichtlich seiner Entscheidung für den Musikerberuf zwischen den Extremen orientiert zu haben.

Im Zentrum des Eislermaterials stehen einige Lieder von Hanns Eisler, die Goebbels für die Ausführung durch das Ensemble Modern praktisch nur eingerichtet oder arrangiert hat. Gesungen werden sie von dem Schauspieler Josef Bierbichler, dessen Stimme keine

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Heiner Goebbels

sängerische Ausbildung erfahren hat, worauf Goebbels im Sinne einer jeglicher sängerischen Eitelkeit entkleideten Vortragsweise besonderen Wert legt. Wandlungsfähig und teils mit einer faszinierend androgynen Stimmgebung trägt Bierbichler die Gesänge völlig unprätentiös und wohl gerade dadurch sehr eindrucksvoll vor. Verbunden sind sie durch instrumentale Abschnitte, die Goebbels teilweise aus Werken Eislers zusammenschnitt, darüber hinaus aber auch mit eigenen Ideen überlagerte. Dazwischen sorgen zwei „Hörstücke“ für noch unmittelbarere Bekanntschaft mit Eisler, denn es handelt sich hierbei um Collagen aus originalen Eisler-Interviews. Der Ton kommt dabei aus verschiedenen Richtungen bzw. im Wechsel aus beiden Kanälen des Verstärkers, so dass man mitunter den Eindruck hat, Eisler befinde sich im Dialog mit sich selbst.

Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Hier wie auch andernorts im Eislermaterial ergeben sich auch komische Effekte, die mit der Ernsthaftigkeit und Radikalität vieler Aussagen in den Interview- und Liedertexten kontrastieren. Dies sorgt nicht nur für ein kurzweiliges Hörerlebnis, sondern trägt auch zu Goebbels‘ Absicht bei, die Musik Eislers einerseits durchaus konkret, andererseits gleichzeitig auch mit der für heutige Rezipienten angebrachten Distanz in Erscheinung treten zu lassen. (Michael Wersin)

Wir haben es hier mit einer Aufzeichnung des SWR zu tun … live im Hebbel-Theater, Berlin (Oktober 1998).

Warum nur ist mir heute Abend nur nach dieser Musik ? Ich vermute mal, dass dies an der Zerrissenheit der Kompositionen liegt …

Oder: Denk ich an Deutschland heut´ Nacht …

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Besetzung:
Josef Bierbichler (vocals)
Uwe Dierksen (trombone, helicon)
Roland Diry (clarinet)
Thomas Fichter (bass)
William Forman (trumpet)
Michael M. Kasper (violoncello)
Hermann Kretzschmar (piano, harmonium)
Catherine Milliken (oboe)
Jagdish Mistry (violin)
Franck Ollu (french horn, tuba)
Rainer Römer (percussion)
Noriko Shimada(bassoon)
Geneviève Strosser (viola)
Wolfgang Stryi (clarinet, saxophone)
Dietmar Wiesner (flute)
Ueli Wiget (piano, sampler)

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Titel:
01. Anmut sparet nicht noch Mühe 7.02
02. Allegro Assai ‎– Aus: Jleine Sinfonie / Moment Musical 4:05
03.  Andante ‎– Aus: Suite Für Septett Nr. 1 2:01
04. Und ich werde nicht mehr sehen 2.49

Vier Wiegenlieder für Arbeitermütter
05. I 1.56
06. II 1:27
07. III 1.40
08. IV 3.35
09. Hörstück I („Einen Moment, gnädige Frau …“) 4.36
10. Ballade von der haltbaren Graugans 2.53
11. Mutter Beimlein 1.56
12. Vom sprengen des Gartens 3.39
13. Ballade vom zerrissenen Rock 3.15
14. Horatios Monolog / Bericht vom 1. Mai 2.56
15. Hörstück II („Ich möchte ihnen einen Vorschlag machen …“) 3:30
16. Kleine Passacaglia ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 0:53
17. Finale: Improvisation ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 3:29
18. Über den Selbstmord 2.54
19 Kriegslied „Großvater Stöffel“ 1.27
20. „Die Fabriken“ ‎– Aus: Orchestersuite Nr. 3. / Streichquartett-Fragment 5:44
21. Und endlich stirbt die Sehnsucht doch 1.24

Musik: Hanns Eisler und Heiner Goebbels
Texte: Berthold Brecht außer bei 20.: Peter Altenberg

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