Marc Rothemund – Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit (1998)

FilmplakatFür mich ein Klassiker der komödiantischen Bearbeitung all der Liebe und all der Triebe, die das Leben zumindest von ein paar Generationen begleitet hat:

Das merkwürdige Verhalten geschlechtsreifer Großstädter zur Paarungszeit ist eine deutsche Liebeskomödie aus dem Jahr 1998, die unter der Regie von Marc Rothemund (es war sein Debüt-Film) entstanden ist.

Die Geschichte des Films besteht aus mehreren Einzelgeschichten, die alle miteinander verbunden sind:

Der erfolglose und verzweifelte Autor Charly bekommt durch Zufall den Ferrari seines Verlegers in die Hände.
Charlys Ex-Frau Manuela verliebt sich in Sven, von dem sie zuerst annimmt, er habe ihre Tochter Hanna entführt.
Sven hat sich das Kind von Manuelas eigentlicher Babysitterin Birgit aber nur als Flirtfaktor ausgeliehen.
Birgit wiederum hat für das „Kind-Ausleihen“ eine Freikarte für ein Fitnessstudio bekommen, wo sie den Fitnesstrainer Jimmy kennenlernt.

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Die verklemmte Cornelia lernt beim Einkaufen die extrovertierte Hilde kennen und beide stehlen gemeinsam Charlys Wagen.
Cornelias Sohn Paul bereitet sich inzwischen mit seiner Freundin Sandra auf sein „erstes Mal“ vor.
Jimmy verliebt sich auf den ersten Blick in Peter, der im Fitnessclub Handzettel für einen Tanzwettbewerb austeilt. Da an diesem Wettbewerb nur gemischtgeschlechtliche Paare teilnehmen dürfen, sucht er händeringend nach einer Tanzpartnerin, um Peter auf dem Wettbewerb näherzukommen. Er findet eine solche schließlich in Birgit. Beim Tanzwettbewerb verlieben sich allerdings Birgit und Peter.

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Manuelas Schwester Tamineh hat Geburtstag und muss diesen alleine verbringen. Auf dem Dach ihres Hauses lernt sie den Italiener Marcello kennen. Dieser ist im Begriff sich umzubringen, da ihn seine Freundin wegen eines anderen Mannes verlassen hat; dieser entpuppt sich wiederum als Taminehs chronisch untreuer Freund. (Quelle: wikipedia)

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„Eine reigenartig entwickelte Komödie von spielerisch-verspielter Absichtslosigkeit, die mit eher beiläufigem Charme momenthafte Zustandsbeschreibungen zu einer kurzweiligen, freilich nicht sonderlich tiefschürfenden Unterhaltung verbindet.“ (Lexikon des internationalen Films)

Nun ja … nix gegen dieses Lexikon, aber da hat einer wohl den grundlegenden Charakter einer Komödie verkannt … und überhaupt: diese Komödie bringt auf sehr markante Weise so etliche Torheiten im Paarungsverhalten sowas von treffend auf den Punkt. Jedenfalls jene Torheiten, die bei der ach so aufgeklärte und emanzipierte Generation (zu der ich mich wohl auch zählen muss) an der Tagesordnung war.

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Dass der Film aus meiner Sicht so zündet, hat nur natürlich auch mit den Schauspielern zu tun und da lesen wir Namen wie

Cosma Shiva Hagen – Oliver Korittke – Ann-Kathrin Kramer – Gudrun Landgrebe – Dieter Landuris – Michaela May -und Christoph Waltz … u.v.m.

Und sie alle können ihr komödiantisches Talent ausspielen, allen voran der Christoph Waltz aber auch der von mir sehr geschätzte Dieter Landuris (seine Karriere begann übrigens im Grips Theater, Berlin).

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Und dann mag ich noch an Frank Giering erinnern. In diesem Film spielte er den Jung-Verleger Henrik jr. … viele Rollen folgten und dann starb er im Juni 2019 (er war gerade mal 38 Jahre alt) an den Folgen einer Alkoholvergiftung (4 Flaschen Wodka soll er in dieser Zeit täglich getrunken haben).

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Frank Giering als Henrik jr.

Aber unabhängig davon … der Film erschien 1998 … und wenn ich an jenes Jahr zurück denke … nun ja … ähm … da war ich mit all diesen Torheiten aber sowas von mit von der Partie … ähm …

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Besetzung:
Anica Dobra (Tamineh)
Frank Giering (Henrik jr.)
Christoph Hagen Dittmann (Moritz)
Cosma Shiva Hagen (Sandra)
Mavie Hörbiger (Nina)
Markus Knüfken (Peter)
Oliver Korittke (Jimmy)
Ann-Kathrin Kramer (Manuela)
Gudrun Landgrebe (Cornelia)
Dieter Landuris (Marcello)
Michaela May (Hilde)
Isabella Parkinson (Birgit)
Tobias Schenke (Paul)
Sebastian Schipper (Andi)
Heio von Stetten (Sven)
Julia Thurnau (Tusse)
Christoph Waltz (Charly)
Maria Wördemann (Hanna)

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Regie: Marc Rothemund
Drehbuch: Peter Gersina
Produktion: Ewa Karlström, Andreas Ulmke-Smeaton
Musik: Reinhard Besser
Kamera: Hans-Günther Bücking
Schnitt; Barbara von Weitershausen

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Marc Rothemund

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Heiner Goebbels, Ensemble Modern, Josef Bierbichler – Eislermaterial (2002)

FrontCover1»Ich glaube, daß meine Entscheidung, professionell Musik zu machen, wesentlich mit seiner [Hanns Eislers] Arbeit zu tun hat. […] Ich war fasziniert von der ganzen Bandbreite, in der Eisler diskutiert hat, über Literatur, Politik, Mathematik, Philosophie, bildende Kunst, Musik natürlich..«.. (Heiner Goebbels)

Eislermaterial ist eine Hommage des Komponisten Heiner Goebbels an Hanns Eisler, der in Goebbels‘ künstlerischer und politischer Biografie eine große Rolle gespielt hat: Schon Eisler selbst stand als Schönberg-Schüler und gleichzeitig linkspolitisch engagierter Agitprop-Komponist im scharfen Spannungsfeld zwischen bourgeoiser Kunst- und klassenkämpferisch funktionalisierter Gebrauchsmusik; in ähnlicher Weise scheint sich auch Goebbels, der nicht nur Musik, sondern auch Soziologie studiert hat, hinsichtlich seiner Entscheidung für den Musikerberuf zwischen den Extremen orientiert zu haben.

Im Zentrum des Eislermaterials stehen einige Lieder von Hanns Eisler, die Goebbels für die Ausführung durch das Ensemble Modern praktisch nur eingerichtet oder arrangiert hat. Gesungen werden sie von dem Schauspieler Josef Bierbichler, dessen Stimme keine

HeinerGoebbels2

Heiner Goebbels

sängerische Ausbildung erfahren hat, worauf Goebbels im Sinne einer jeglicher sängerischen Eitelkeit entkleideten Vortragsweise besonderen Wert legt. Wandlungsfähig und teils mit einer faszinierend androgynen Stimmgebung trägt Bierbichler die Gesänge völlig unprätentiös und wohl gerade dadurch sehr eindrucksvoll vor. Verbunden sind sie durch instrumentale Abschnitte, die Goebbels teilweise aus Werken Eislers zusammenschnitt, darüber hinaus aber auch mit eigenen Ideen überlagerte. Dazwischen sorgen zwei „Hörstücke“ für noch unmittelbarere Bekanntschaft mit Eisler, denn es handelt sich hierbei um Collagen aus originalen Eisler-Interviews. Der Ton kommt dabei aus verschiedenen Richtungen bzw. im Wechsel aus beiden Kanälen des Verstärkers, so dass man mitunter den Eindruck hat, Eisler befinde sich im Dialog mit sich selbst.

Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Hier wie auch andernorts im Eislermaterial ergeben sich auch komische Effekte, die mit der Ernsthaftigkeit und Radikalität vieler Aussagen in den Interview- und Liedertexten kontrastieren. Dies sorgt nicht nur für ein kurzweiliges Hörerlebnis, sondern trägt auch zu Goebbels‘ Absicht bei, die Musik Eislers einerseits durchaus konkret, andererseits gleichzeitig auch mit der für heutige Rezipienten angebrachten Distanz in Erscheinung treten zu lassen. (Michael Wersin)

Wir haben es hier mit einer Aufzeichnung des SWR zu tun … live im Hebbel-Theater, Berlin (Oktober 1998).

Warum nur ist mir heute Abend nur nach dieser Musik ? Ich vermute mal, dass dies an der Zerrissenheit der Kompositionen liegt …

Oder: Denk ich an Deutschland heut´ Nacht …

BookletBackCover

Besetzung:
Josef Bierbichler (vocals)
Uwe Dierksen (trombone, helicon)
Roland Diry (clarinet)
Thomas Fichter (bass)
William Forman (trumpet)
Michael M. Kasper (violoncello)
Hermann Kretzschmar (piano, harmonium)
Catherine Milliken (oboe)
Jagdish Mistry (violin)
Franck Ollu (french horn, tuba)
Rainer Römer (percussion)
Noriko Shimada(bassoon)
Geneviève Strosser (viola)
Wolfgang Stryi (clarinet, saxophone)
Dietmar Wiesner (flute)
Ueli Wiget (piano, sampler)

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Titel:
01. Anmut sparet nicht noch Mühe 7.02
02. Allegro Assai ‎– Aus: Jleine Sinfonie / Moment Musical 4:05
03.  Andante ‎– Aus: Suite Für Septett Nr. 1 2:01
04. Und ich werde nicht mehr sehen 2.49

Vier Wiegenlieder für Arbeitermütter
05. I 1.56
06. II 1:27
07. III 1.40
08. IV 3.35
09. Hörstück I („Einen Moment, gnädige Frau …“) 4.36
10. Ballade von der haltbaren Graugans 2.53
11. Mutter Beimlein 1.56
12. Vom sprengen des Gartens 3.39
13. Ballade vom zerrissenen Rock 3.15
14. Horatios Monolog / Bericht vom 1. Mai 2.56
15. Hörstück II („Ich möchte ihnen einen Vorschlag machen …“) 3:30
16. Kleine Passacaglia ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 0:53
17. Finale: Improvisation ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 3:29
18. Über den Selbstmord 2.54
19 Kriegslied „Großvater Stöffel“ 1.27
20. „Die Fabriken“ ‎– Aus: Orchestersuite Nr. 3. / Streichquartett-Fragment 5:44
21. Und endlich stirbt die Sehnsucht doch 1.24

Musik: Hanns Eisler und Heiner Goebbels
Texte: Berthold Brecht außer bei 20.: Peter Altenberg

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Katja Ebstein – Berlin… trotz und alledem! (1999)

KatjaEbsteinFrontCover1Katja Ebstein machte eine wirklich erstaunliche Entwicklung im Laufe ihrer Karriere:

Ebstein wuchs in West-Berlin auf. Nach dem Abitur studierte sie Archäologie und Romanistik. In der Jazz- und Liedermacher-Szene sang sie bisweilen in Studenten- und Künstlerkneipen. 1964 engagierte der Sender Freies Berlin Katja Ebstein zusammen mit drei Begleitmusikern, unter anderem Bodo von Greiff, für die ARD-Sendung Marmeladentopf. In der Gruppierung Die Kreuzberger sang sie den spanischen Fandango de Huelva.

Nach ihrer Heirat mit dem Komponisten und Produzenten Christian Bruhn entwickelte sie sich stärker in Richtung Schlager, Songs wie „Warum ist die Welt so schön“ oder „Wunder gibt es immer wieder“ machten sie zu einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersängerinnen.

Trotzdem behielt sie ihre Liebe zu einer anderer Musik bei; so richtig deutlich wurde das bei ihrer 1975 erschienen LP „Katja Ebstein singt Heinrich Heine“.

Dannach orientierte sie sich immer stärker in Richtung Chansons, Kabarett und Schauspiel.

In den 1990er Jahren feierte der deutsche Schlager ein Revival. Neben ihren literarisch-engagierten Auftritten war Katja Ebstein immer wieder in Musiksendungen zu Gast, um ihre älteren Hits zu präsentieren. In der Folge erschienen immer wieder CD-Kompilationen mit ihren Titeln aus den 1970er und 1980er Jahren. Von literarischen Veröffentlichungen abgesehen, gab es nur 1994 einen einzigen Ausflug in die Popmusik. Das Album Ebstein und die zugehörige Single Nur ein Blick (With One Look) beinhalteten weltbekannte Musicalthemen in deutscher Sprache.

Ihr Soloprogramm Berlin … trotz und alledem! ist eine deutsche Lehrstunde am Beispiel Berlins mit Texten von Kurt Tucholsky bis Konstantin Wecker.

Die ehemalige Schlagerinterpretin erwies sich dabei als stimmgewaltige Chansonette. Das Album ist eine Hommage an ihre Lieblingsstadt und ihre Künstler. Die goldnen Zwanziger stehen im Vordergrund.
Scherzhaft-satirische Couplets von Otto Reutter, bissige Chansons von Friedrich Hollaender, Songs von Bertold Brecht, Lieder von Kurt Tucholsky, Erich Kästner und natürlich Claire Waldorff, dem „Berliner Herz mit Schnauze“ sind zu hören, aber auch Lieder der 30er und 40er Jahre, sowie Texte neueren Datums haben ihren Platz, so lange sie sich eben mit Berlin befassen. Ebenso facettenreich wie das Programm zeigt sich auch die Künstlerin. Mal ist sie das freche Berliner Gör, mal die melancholisch ernsthafte Chansonette.

KatjaEbsteinLive

Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
Martin Gärtner (piano)
Wolfgang Schmid (guitar, bass, percussion)

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Titel:
01. Einleitung „Wir wollen unseren Kaiser Wilhelm“ / Die blonde Dame singt (Tucholsky) 0.48
02. Berlin dein Tänzer ist der Tod (Mehring/Hollaender) 1.46
03. Berliner Weihnacht 1918 (Klabund) 2.04
04. Das Wunderkind (Hollaender) 3.09
05. Heinrich Zille (Tucholsky/Winkel) 2.12
06. Wenn Vata wieder aus Zuchthaus kommt (Version 1999) (Neumann) 2.21
07. Das grüne Streifchen hinter Mietskasernen (Schnoog) 1.01
08. Raus mit den Männern aus’m Reichstag (Hollaneder) 1.53
09. In fünfzig Jahren ist alles vorbei (Reutter) 2.14
10. Herbst 1932 (Finck) 0.52
11. An allem sind die Juden schuld (Hollaender/Bizet) 2.53
12. Bücherverbrennung (Brecht) 0.52
13. Rosen auf den Weg gestreut (Tucholsky/Eisler) 1.42
14. Das dritte Reich (Tucholsky) 2.24
15. Berlin 1940 (Gilbert) 1.02
16. Lili Marleen (Anonym/Schulze) 2.45
17. Brief aus Russland (Borchert) 1.20
18. Die goldenen zwanziger Jahre (Wiens/Tabbert) 1.50
19. Die andere Möglichkeit (Kästner) 1.28
20. Marschlied 1945 (Kästner/Nick) 2.54
21. Die Trümmerfrauen (Schreiner) 1.58
22. Der Heimkehrer (Kästner) 1.10
23. Kein Kinderlied (Kaléko/Brück) 2.29
24. Die Hakenrune (Wienert) 2.08
25. Zweierlei Deutschland (Wiener/Pfeiffert) 3.45
26. Gebrannte Kinder (Hildebrandt) 1.26
27. Wiedersehen in Berlin (Kaléko) 2.45
28. Die aus’m Osten (Biermann) 3.13
29. Das Stempellied (Weber) 2.12
30. Königskinder (Ensikat/Traditional) 0:24
31. Berlin… trotz und alledem ! (Rabe) 6.46
32. Prost Deutschland (Wecker) 3.52

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Manni von Bohr – Mannifest (1998)

FrontCover1Und jetzt mal eine ganz exquisite Außenseiter CD …

Manfred „Manni“ von Bohr (* 5. November 1950 im Saarland) ist ein deutscher Schlagzeuger.

Er spielte ab 1977 bei Birth Control, bei Lenny Mac Dowell, später bei Alex Oriental Experience und mit der Randy-Hansen-Band und Peter Burschs Bröselmaschine. Seit 2016 spielt er wieder bei Birth Control.

Zudem spielt er Duo-Konzerte mit Drummern oder Percussionisten wie Hakim Ludin, Tyronne Silva oder Aaron Thier.

Manni von Bohr entwickelte die sogenannte „Quad-Pedal“-Technik, bei der er auf vier Pedalen mit Ferse und Zehenballen spielt. Diese verwendet er für Ostinatofiguren. Er spielt Doublebass mit zwei unterschiedlich großen Bassdrums (24″ und 22″ oder 20″ und 22″).

Von Bohr verwendet ein 16″ großes Tom-Tom zur Linken und einen 8″ oder 10″ großen Piccolo TympTom zu seiner Rechten. Sein zweites Hi-Hatpedal befindet sich auf der rechten Seite, sodass er beide Hi-Hats gleichzeitig spielen kann. Seine Pedale hat er in der Tiefe versetzt angeordnet, um mit Hacke und Spitze spielen zu können und schräg gestellt, damit die Kardangelenkwellen der beiden Doppelfußmaschinen übereinander passen.

BohrLange Zeit war er Mitglied der Künstler-Familie des deutschen Schlagzeugherstellers Sonor.

Der „German pope of drumming“ (so der Titel eines Interviews im amerikanischen Modern Drummer Magazine) ist Endorser von dw Drums, Anatolian-Cymbals mit eigener Signature-Beckenserie, Beyerdynamic-Mikrofonen. Seit 2011 spielt er Drumsticks von Vater Sticks USA.

Er war viele Jahre Autor von Testberichten und Workshops zum Thema Schlagzeugspiel im Fachblatt Musikmagazin. Heute ist er Chefredakteur des ältesten deutschen Schlagzeugmagazins drums&percussion. Er unterrichtet am Drummer’s Institute in Düsseldorf das Fach „Studio Drums“. (Quelle: wikipedia)

Ein Angel.of.darkness schreibt üb er dieses Album:

Ich habe Manni letztens live und unplugged erlebt und muss sagen er ist einsame Spitze. Er selber bevorzugt häufig ungerade Rhytmen, am Anfang klingt es ungewohnt, doch man gewöhnt sich schnell dran und dann denkt man einfach nur noch WOW! Wer selber gerne Schlagzeug spielt, oder einfach gerne Schlagzeugmusik hört sollte hier mal reinhören.

Hinweisen möchte ich noch auf den Text im Begleitheft … hier gibt Manni von Bohr ausführlich Auskunft über die Entstehung dieser Scheibe … lesenswert !

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Besetzung:
Manni von Bohr (drums, percussion, xylophone)
+
Hakim Ludin (drums, percussion bei 01., 02., 03., 05.
Brigitte Volkert (percussion bei 03., keyboards bei 09.)

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Titel:
01 Earth Connection1 Earth Connection (Ludin) 3.12
02. African Call (v.Bohr) 3.41
03. Broomflash (v.Bohr) 9.48
04. Chaos & Ether (v.Bohr) 5.10
05. Kaleidoskop (v.Bohr) 9.56
06. Merlin’s Kitchen (v.Bohr) 4.29
07. Recalling The Ancient (v.Bohr) 5.19
08. Blue Waves (v.Bohr) 4.18
09. Drums From Outer Space (v.Bohr) 11.19
10. Eye Of The Hurricane (v.Bohr) 7.41

CD1
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Helmut Griem – Spricht Georg Büchner (1998)

frontcover1Ein ganz, ganz wichtiger … der Georg Büchner:

Der Schriftsteller trug maßgeblich zur Entwicklung der deutschen Dramatik bei. Er revolutionierte nicht nur den literarischen Themenbereich, sondern beteiligte sich auch an politischen Revolutionen. Seine literarische Modernität – die Wahrnehmung des Hässlichen – war vorausweisend und ist noch heute aktuell, revolutionären Demokraten gilt er als politischer Vordenker. Georg Büchner ist vor allen Dingen bekannt als Verfasser des „Woyzeck“ und als Mitverfasser des „Hessischen Landbotens“ sowie anderer Stücken. Der bedeutendste Literaturpreis der Bundesrepublik trägt seinen Namen; „Georg-Büchner-Preis“..

Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren.

Er lebte ab 1816 in Darmstadt als sein Vater zum Assessor des Großherzoglichen Medizinkollegs ernannt wurde. Bereits als Schüler schloss sich Georg Büchner den Ideen der Freiheit in der Französischen Revolution an. Sein Oppositionsverhalten wird oft mit der väterlichen Härte begründet. Nach dem Schulabschluss studierte Büchner ab 1831 in Straßburg Medizin. Er blieb dort fast zwei Jahre und fand Unterkunft bei der Familie des Pfarrers Jaegelé. Mit seiner Tochter Minna Jaeglé verlobte er sich im Frühjahr 1832 heimlich, denn auf die Verbindung mit einer unbegüterten Pfarrerstochter konnte er nicht mit dem Gutheißen des Vaters rechnen. Im Gegenteil, er lehnte sie nach Bekannt werden strikt ab.

In seinem fast zweijährigen Aufenthalt in Straßburg hatte Büchner ausreichend Gelegenheit, die Entwicklung und Macht des Geldbürgertums kennen zu lernen, die den Interessen der sozial unteren Volksmassen entgegenstanden. Sein politisch-sozial-gesellschaftliches Denken war längst geschärft. Es war ausgerichtet auf Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sowie auf die Umwälzung bestehender Verhältnisse durch die Massen und für sie. Von dieser Gesinnung zeugen seine Briefe aus Gießen, wo er seit Herbst 1833 gemäß den Vorschriften des Großherzogtums sein Medizinstudium an der Landesuniversität fortsetzte.
steckbrief
Im Winter 1833/34 beschäftigte er sich intensiv mit der Lektüre über die Französische Revolution, die er als Sieg des Bürgertums aburteilte.

In seinen brieflichen Nachrichten äußerte er aufs schärfste seine Unzufriedenheit und sein Unbehagen an den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen in Gießen und Deutschland. Er freundete sich mit dem Butzbacher Rektor Friedrich Ludwig Weidig an, der sich als führender oberhessischer Agitator im Vormärz für die deutsche Einheit und Freiheit und gegen die regierende Politik einsetzte. Im Frühjahr 1834 schloss sich Büchner dieser sozialrevolutionären Bewegung an, die Sektionen von Gesellschaften für Menschenrechte in Darmstadt und Gießen gründete. Es wurde die revolutionäre Flugschrift „Der Hessische Landbote“ verfasst, woran sich Büchner beteiligte. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde Büchner polizeilich verfolgt.

Daraufhin ging er im September 1834 nach Darmstadt zurück. Nach außen hin beschäftigte er sich mit wissenschaftlichen Studien, in Wirklichkeit leitete er die Sektion der Menschenrechte. In dieser Zeit schrieb er das Revolutionsdrama „Dantons Tod“, das in einer von Karl Gutzkow abgeänderten Form ohne behördliche Behinderung erschien. Im Frühjahr 1835 setzte er sich ab nach Straßburg, nachdem er gerichtliche Vorladungen unbeachtet verstreichen ließ und steckbrieflich von der Behörde gesucht wurde. Dort widmete er sich nicht nur medizinischen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Studien, sondern arbeitete außerdem literarisch.
Er übersetzte die Dramen „Lucrèce Borgia“ und „Marie Tudor“ von Victor Hugo, um sich so ein wenig Geld zu verdienen.
briefmarke
Die Entstehung der Stücke „Leonce und Lena“, „Lenz“ sowie „Woyzeck“ fallen ebenfalls in diese Zeit. Anstatt den „Lenz“ zu beenden, verfasste Büchner Schriften über Cartesius, Spinoza und fertigte teilweise kommentierte Auszüge aus Wilhelm Gottlieb Tennemanns „Geschichte der griechischen Philosophie“ an. Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“ ist äußerlich durch die teilweise Montage von Quellenzitaten gekennzeichnet. In ihm werden die späte Jakobinerherrschaft und ihre Akteure samt ihrer Motivation entlarvt als Rollenspiel, Selbsttäuschung und Phrasen. „Leonce und Lena“ ist eine melancholische Komödie mit vielen Anspielungen im Sinne einer gesellschaftlichen Satire auf deutsche Gesellschaftsverhältnisse, entstanden aus einem Wettbewerb des Cotta-Verlages.

Mit dem Fragment „Woyzeck“ öffnete Büchner in der Literatur Neuland, sowohl in thematischer als auch stilistischer Hinsicht. Hierin fand sein revolutionäres literarisches Schaffen Parallelen zu seiner politischen Lebenstätigkeit als aktiver Anhänger der Sozialrevolution. Der in der vorindustriellen Zeit verarmte Stadtsoldat Woyzeck ist der Hauptprotagonist des Stückes – ein durch die wirtschaftlich-gesellschaftlichen Umstände Geisteskranker, der einen Mord begeht, als Sinnbild für die Verantwortlichkeit von Gesellschaft, Moral und Religion. Lange Jahre bleibt das Fragment unveröffentlicht, erst 1875 geht es durch Karl Emil Franzos der Öffentlichkeit zu. In der fragmentarischen Erzählung „Lenz“ wird die Krankheitsgeschichte des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz aus der Sturm-und-Drang-Zeit dargestellt.

Büchner realisierte die Leidensgeschichte in psychologischer Weise als wahrnehmbare Veräußerungen innerer Vorgänge, wobei Innen- und Außenperspektive ineinander übergehen zu scheinen; die Abgrenzung zwischen Vernunft und Wahnsinn scheint zu verschwimmen.
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Zu dieser Geschichte nutzte Büchner den Krankheitsbericht des Steintaler Pfarrers Johann Friedrich Oberlin als Vorlage für seine Geschichte. Kranke als Literaturhelden, ihr Denken und Sprechen als literarischer Stil war damals eine unerhörte Sache. Darin bestand das Neue, das Georg Büchner gestaltete. Ihm ging es darum, das Hässliche des Menschen, der gesellschaftlichen Menschen wahrnehmbar und erfahrbar zu machen. Während Büchners Lebzeiten erschienen die Flugschrift, die Hugo-Übersetzungen und „Dantons Tod“.
Alle anderen Werke wurden posthum veröffentlicht. Am 3. September 1836 erlangte er mit seiner Abhandlung „Sur le systéme nerveux du barbeau“ die Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Züricher Universität.

Einen Monat später zog er nach Zürich und hielt an der dortigen Universität die Probevorlesung „Über die Schädelnerven“, die ihm den Zugang als Privatdozent bescherte. Im Januar 1837 erkrankte er an Typhus.

Georg Büchner starb am 19. Februar 1837 in Zürich an Typhus. (Quelle: whoswho.de)
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Und kann man sich auf eine sehr ansprechende Weise in die Gedankenwelt, in die leidenschaftliche Gedankenwelt des Georg Büchners hineinfinden, denn die Texte wurde von Helmut Griem gesprochen:

Helmut Griem (* 6. April 1932 in Hamburg; † 19. November 2004 in München) war ein deutscher Schauspieler und Theaterregisseur. Er trat in großen Rollen an fast allen großen deutschsprachigen Bühnen auf, verschaffte sich aber auch als Film- und Fernsehschauspieler internationale Anerkennung.
Helmut Griem wurde als Sohn eines Funkoffiziers in Hamburg geboren. Er studierte ursprünglich Literaturwissenschaften und Philosophie mit dem Vorhaben, Journalist zu werden.[1] Um etwas Geld für sein Studium zu verdienen, arbeitete Griem nebenbei als Darsteller in halbprofessionellen Schauspielgruppen. Während eines Engagements bei den Buchfinken wurde Griem, der nach eigenen Angaben nie zuvor an eine Schauspielkarriere gedacht hatte, zum professionellen Theater nach Lübeck verpflichtet. Prompt erhielt er in Lübeck die Titelrolle im Theaterstück Die Regenmacher. Finanziell über Wasser hielt er sich in dieser Zeit mit dem Verfassen von Kurzgeschichten für Zeitungen und Hörspielen fürs Radio.

Obwohl er nie eine Schauspielschule besucht hatte, konnte sich Griem innerhalb weniger Jahre als hochgeschätzter Theaterschauspieler etablieren. Ende der 1950er-Jahre arbeitete er für Oscar Fritz Schuh am Kölner Theater, was ihm den endgültigen Durchbruch brachte. In den folgenden Jahrzehnten war Griem an allen großen deutschsprachigen Bühnen tätig. So stand er in Engagements am Thalia-Theater und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Wiener Burgtheater, an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, an den Münchner Kammerspielen und zuletzt am Residenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel) in München. Er spielte etwa die großen Rollen aus den Stücken von Lessing, Kleist und Goethe, trat aber auch in moderneren Stücken wie von Tennessee Williams auf. Sein Faust – Vom Himmel durch die Welt zur Hölle unter Regie von Dieter Dorn wurde sogar 1988 für eine Fernsehausstrahlung aufgezeichnet.
Verleihung der Berliner Kunstpreise

Helmut Griem (links) 1968 bei der Verleihung des Berliner Kunstpreises

Seit 1960 war Griem auch als Filmschauspieler tätig und er gewann gleich für seinen ersten Film Fabrik der Offiziere einen Bambi als Bester Nachwuchsdarsteller. Seinen anschließenden Filmen war dagegen nur geringer Erfolg beschieden, weshalb er sich zeitweise vom Film abwandte.

Der internationale Durchbruch auf der Kinoleinwand gelang ihm schließlich 1969 als SS-Obersturmbandführer Aschenbach im Filmklassiker Die Verdammten unter Regie von Luchino Visconti. Mit dem Italiener Visconti sollte Griem drei Jahre später nochmal die Filmbiografie Ludwig II. drehen. Nach dem Erfolg mit Die Verdammten spielte Griem in zahlreichen hochkarätigen Filmproduktionen aus dem In- und Ausland. Im Oscar-prämierten Filmmusical Cabaret von Bob Fosse aus dem Jahr 1972 spielte er etwa an der Seite von Liza Minnelli und Michael York den reichen Baron Maximilian von Heune. Eine seiner bedeutenden Filmrollen war der Hans Schier in Ansichten eines Clowns (1975), der Verfilmung von Heinrich Bölls gleichnamigen Roman. Zu weiteren bedeutenden Regisseuren, mit denen Griem arbeitete, zählen Volker Schlöndorff (Die Moral der Ruth Halbfass), Hans W. Geißendörfer (Die gläserne Zelle), Rainer Werner Fassbinder (Berlin Alexanderplatz) und Jacques Rouffio (Die Spaziergängerin von Sans-Souci).

Trotz großer Filmerfolge blieb das Theater Zentrum seiner Arbeit. Vor allem in der Spätphase seiner Karriere inszenierte Helmut Griem auch selbst, so etwa an den Münchner Kammerspielen Eines langen Tages Reise in die Nacht von Eugene O’Neill. Mit der Arbeit an dem Botho-Strauß-Stück Die eine und die andere konnte er nicht mehr beginnen.
Helmut Griem starb 2004 im Alter von 72 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.[5] Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf. (Quelle: Wikipedia)
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Helmut Griem mit Liza Minelli in „Cabaret“

Und wenn dann dieser Griem liest … dann packt er einen mit Haut und Haaren …  die Briefe geben einen tiefen Einblick in das vom Gerechtigkeitssinn getriebene Seelenleben des Georg Büchners …

Besonders beeindruckend seine z.T. tobende, fauchende Interpretation von „Dantons Tod“, hier – er spricht verschiedene Rollen – bleibt einem der Mund offen stehen … ob der Sprachgewalt dieses großen Schauspielers !

Es ist nicht nur seelisch anstrengend … diese Intensität kann man dann schon fast körperlich spüren !
Und so ist dieses Hörbuch (das Begleitheft enthält die Rede von Heinrich Böll anlässlich der Entgegenahme des Büchnr Preises am 21. Oktober 1967 in Darmstadt) mehr als stimmig und eine großartige Hommage an einen ganz großartigen Menschen der Vergangenheit.
Meine Verbeugung !
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Ja, und auch dieser Weckruf stammt von Georg Büchner

Besetzung:
Helmut Griem (Sprecher)
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Titel:
01. Steckbrief 1.30
02. Der hessische Landbote 13.20
03. Briefe 18.15
04. Zwei Briefe über Dantons Tod 4.07
05. Szenen aus Dantons Tod 29.15

Texte: Georg Büchner
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