Franz-Josef Antwerpes – Wer nicht fühlen will, muss hören (1999)

FrontCover1Eigentlich dachte ich mir ja, ich könnte mir mal wieder was amüsantes anhören … Weit gefehlt !

Aber der Reihe nach: Franz-Josef Antwerpes war für viele Jahre Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Köln. Und er war wohl eine schillernde Persönlichkeit:

Franz-Josef Antwerpes (* 27. November 1934 in Viersen) ist ein ehemaliger deutscher Politiker (SPD). Er war von 1970 bis 1978 Mitglied im Landtag Nordrhein-Westfalen und danach bis 1999 Regierungspräsident des Regierungsbezirkes Köln.

Antwerpes entstammt einer Bäckerfamilie, führte aber auf Anraten seines Vaters die Familientradition nicht fort und studierte stattdessen Volkswirtschaft, worin er auch promoviert wurde.

Mit 21 Jahren trat er in die SPD ein und bekleidete verschiedene leitende kommunale Ämter, unter anderem leitete er von 1962 bis 1975 den Planungsstab der Stadt Duisburg. Von 1970 bis 1978 saß er für seine Partei im Landtag Nordrhein-Westfalen. 1978 wurde er zum Regierungspräsidenten in Köln ernannt. In diesem Amt erlangte er infolge seines sehr selbstbewussten Charakters und zahlreicher umstrittener Entscheidungen eine gewisse, für das Amt ungewohnte, überregionale Bekanntheit. 1999 trat er als dienstältester Kölner Regierungspräsident in den Ruhestand.

Eines von Antwerpes Hauptanliegen war die Sicherheit im Straßenverkehr, insbesondere der Kampf gegen Alkohol am Steuer und überhöhte Geschwindigkeit, oft auch gegen den Widerstand von Bevölkerung und Verbänden. So war er an Wochenenden häufig bei Verkehrskontrollen auf Autobahnen des Regierungsbezirkes anzutreffen, wo er Autofahrer eigenhändig von der Fahrbahn winkte. Er setzte ein Tempolimit von 100 km/h auf dem Kölner Autobahnring durch und sperrte 1987 bei starkem Nebel die Autobahn A4 Köln-Aachen, nachdem es auf den Autobahnen im Regierungsbezirk Köln allein zwischen Anfang 1985 und Februar 1987 nebelbedingt zu schweren Verkehrsunfällen mit 20 Toten gekommen war. Dies brachte ihm zwar Proteste bis zum Bundesverkehrsminister ein, doch Antwerpes konnte feststellen, dass es dank seiner Vollsperrung nicht mal eine Beule gegeben habe. Selbst im Karneval war er noch verkehrserzieherisch aktiv: Am Ende einer Büttenrede winkte er mit einem Alkoholtestgerät und verabschiedete sich mit dem Hinweis, man würde sich ja später noch auf der Straße treffen.

Verkehrskontrolle

Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes mit einem Polizeibeamten bei einer Kontrolle auf der Autobahn.

Als der Aktionskünstler HA Schult 1991 im Rahmen der Aktion „Fetisch Auto“ einen vergoldeten, mit Flügeln versehenen Ford Fiesta auf dem Turm des historischen Zeughauses platzierte, forderte Antwerpes im Hinblick auf den Denkmalschutz des Gebäudes die Entfernung. Sein Engagement in der Sache schlug in der Lokalpresse zwar hohe Wellen, scheiterte jedoch an einer Ausnahmegenehmigung des zuständigen Ministeriums.

Von 1998 bis 2000 moderierte er gemeinsam mit Marijke Amado im WDR-Fernsehen die Sendung Amado und Antwerpes – Die Talkshow für Genießer. In der Spielzeit 2005/06 übernahm er in der Kölner Oper in Konrad Beikirchers Neufassung des Offenbach-Stückes Orpheus in der Unterwelt die Rolle des Hans Styx, wobei er auf der Bühne auch einige seiner bekannten Amtshandlungen aufzählen sollte. Als das Publikum teilweise negativ reagierte, suchte er „ebenso beleidigt wie belehrend die Diskussion mit dem Publikum“, was zu weiteren Protesten führte.

Dem Kölner Domkapitel versagte er die bestattungsrechtliche Ausnahmegenehmigung, um verstorbene Domherren weiter im Dom beizusetzen. 1996 setzte er durch, dass die Mitglieder der Kelly Family, die zu dieser Zeit provisorisch auf einem Hausboot im Kölner Hafen lebten, sich ordnungsgemäß in Köln anmeldeten, und dass deren damals vierzehnjähriger Sohn Angelo eine öffentliche Schule besuchte. In diesem Zusammenhang verkündete er sein Motto „Streiten statt gleiten“, und dass es ihn nicht störe, wenn er sich dabei unbeliebt mache. Dem Vorwurf, er mische sich in alles ein, nur um in die Medien zu kommen, entgegnete er: „Unfug! Die Themen kommen zu mir wie das Kind zur Jungfrau.“ Zudem verstehe er sich „als ein Ombudsmann für die kleinen Leute, der das Recht vertritt und nicht ein Amigo-System.“ Eitel zu sein stritt er nicht ab. Auf kritische Veröffentlichungen reagierte er bisweilen eher ungehalten. Als der in der publizistischen Aufarbeitung des Kölner Klüngels aktive Werner Rügemer, der Antwerpes u.a. wegen der Genehmigung und Auftragsvergabe der Kölner Müllverbrennungsanlage und des Kanalprojektes „Vorfluter Süd“ kritisiert hatte, vor Antwerpes‘ Wohnung sogar eine „Klüngel-Führung“ abhielt, beschimpfte ihn der als Lügner und drohte zunächst mit Klage. Keiner der beiden zog jedoch vor Gericht.

Eine vom Landesfinanzministerium aufgrund einer Beanstandung durch den Landesrechnungshof 1998 angeordnete Erhöhung der ausgesprochen günstigen Miete von Antwerpes’ Dienstwohnung in Köln-Lindenthal scheiterte an einem fehlenden Mietwertgutachten. Den Kauf der Wohnung zu einem durch unabhängiges Wertgutachten ermittelten Preis lehnte er ab, für den Fall eines Verkaufs des Objekts an Dritte hätte er einen Kündigungsschutz von zehn Jahren gehabt.

1981 setzte Antwerpes vor seinem Amtssitz einige Rebstöcke, deren Wein er später scherzhaft als „Klein-Kölnhausener Zuckerberg“ bezeichnete. Dieser wird zugunsten gemeinnütziger Organisationen verkauft oder versteigert. Der völlig ungenießbare Jahrgang 1988 wurde für 300 Mark pro Flasche verkauft, obwohl es sich nach Antwerpes’ Worten um den „schlechtesten Wein aller Zeiten“ handelte.

1998 wurde Antwerpes für die Organisation medizinischer Hilfstransporte nach Kuba von Fidel Castro persönlich mit dem Orden der Freundschaft ausgezeichnet. Während mehrerer Urlaube pflegte Antwerpes persönlichen Kontakt zu Castro und dessen Ministern.

CastroAntwerpes

Antwerpes mit Fidel Castro

Antwerpes ist Autor einer Reihe von Büchern, vorwiegend über sein Leben und Wirken als Kölner Regierungspräsident. Er ist geschieden und hat vier Kinder. Sein Großneffe Michael (* 1963) ist Journalist. (Quelle: wikipedia)

Das klingt alles nach einer zwar eigenwilligen, aber souveränen Persönlichkeit. Denkste !

Dass eine Ehe scheitern kann, ist nun erstmal nichts ungewöhnliches. Dass das Ende einer Ehe aber in einem aberwitzigem Rosenkrieg endet, dass ist schon ein Hinweis auf eine arg unreife Persönlichkeit.

Dazu zwei Auszüge aus entsprechenden Presseartikeln:

„Die SPD-Politikerin Elfi Scho-Antwerpes (52) macht aus dem Rosenkrieg mit ihrem Noch-Ehemann, dem ehemaligen Regierungspräsidenten Franz-Josef Antwerpes (69), kein großes Geheimnis mehr. In ihrer heutigen Ausgabe berichtet die Zeitschrift „Bunte“ über die neue Kölner Bürgermeisterin, die „vom Volk geliebt, vom Mann gedemütigt“ werde. Selbst Einzelheiten aus der Endphase der 19-jährigen Ehe bleiben dem Leser nicht verborgen.

Im September 2002 zog Elfi Scho-Antwerpes mit den beiden Kindern (heute 21, 18) aus der gemeinsamen Eigentumswohnung am Stadtwald in eine Mietwohnung. Weil sich ihr Mann weigere, ihr die Hälfte der Einrichtung zu überlassen, habe ihr Anwalt ein allgemein sehr seltenes „Hausratsteilungsverfahren“ beantragt: „Mein Anwalt musste eine Liste mit Gegenständen, die ich gern hätte, bei Gericht einreichen. Beispielsweise die Hälfte unseres Kleiderschranks, einen Stabmixer oder unsere Brotschneidemaschine, da es mir schwer fällt, das Brot mit der Hand zu schneiden.“

Mittlerweile hätten weder sie selber noch ihre Kinder Kontakt zu ihrem Mann, sagt Scho-Antwerpes in dem Interview. Ihr Mann habe ihr auch nicht zur Wahl als Bürgermeisterin gratuliert. Sie hätte ihn „schon viel früher“ verlassen müssen. Das sei ihr klar geworden, als sie krank wurde. „Wenn es einem schlecht geht und man vom Partner allein gelassen wird, ist das ein tiefer Schnitt in der Seele.“ Die studierte Architektin leidet seit mehr als drei Jahren an Darmkrebs; dass später zudem eine schwere Überfunktion und Entzündung der Schilddrüse hinzukam, schreibt sie dem „privaten Stress“ zu. Ihr neues Ehrenamt habe den Vorteil, dass sie ihre Termine selber planen könne. „Wenn es meinem Körper nicht gut geht, kann ich mir meine nötigen Pausen gönnen, ohne ein schlechtes Gewissen haben zu müssen.“ Der Krebs sei zwar zum Stillstand gekommen. Doch könne man erst nach fünf Jahren von einer endgültigen Genesung sprechen.Ihr Ehemann wollte sich zu dem Bericht gestern nicht äußern. „Familienangelegenheiten gehören nicht in die Öffentlichkeit, was immer meine Frau behaupten mag“, sagte der Ex-Regierungspräsident. Für ihn sei „das Verhalten meiner Frau seit längerem nicht nachvollziehbar“. (Kölner Stadtanzeiger, 04.11.2004)

„Der Rosenkrieg scheint endlich beendet. Seit August 2006 lieferten sich Bürgermeisterin Elfi Scho-Antwerpes und Ex-Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes eine beispiellose Schlammschlacht vor dem Kölner Landgericht (Az.: 30 O 50/06). Am Freitag einigten sich die beiden gütlich.

Nach der schon schwierigen Scheidung, die sich um die Herausgabe von Stabmixern aus dem gemeinsamen Hausrat, um Unterhaltszahlungen und Versorgungsausgleiche drehte, hatte Franz-Josef Antwerpes einen neuen Prozess angestrebt. Er wollte 17.367 Euro von Elfi zurück.

Zuletzt hatte sich das Ex-Ehepaar (waren 20 Jahre verheiratet) um einen roten VW Polo gestritten. Die Schenkung des Autos an Weihnachten 2001 wollte Franz-Josef nämlich nicht mehr anerkennen. Vor Gericht musste am Freitag sogar der Geschäftsführer von Fleischhauer in Mülheim, Detlef Dröge, aussagen.

„Herr Antwerpes sagte mir, er würde seiner Frau den Polo gerne zu Weihnachten schenken“, so der Autohändler, „wir haben den Wagen dann mit einer großen Schleife vor der Wohnung der Familie abgestellt.“ Als Elfi das hörte, kullerten Tränchen über ihre Wange.

Die Richterin regte am Freitag einen Vergleich an. Zögerlich stimmte Franz-Josef zu. Elfi muss demnach nur 3800 Euro bezahlen. Damit ist der Rechtsstreit beendet.

„Dieser Prozess macht mich auf Dauer nur krank“, so der Politiker zum EXPRESS, dessen Sohn Jan sich erst kürzlich das Leben nahm. Jetzt müssen Elfi Scho-Antwerpes und Franz-Josef Antwerpes nur noch den Verkauf ihrer Eigentumswohnung regeln. (Express, 05.06.2009)

Man achte auf die Jahreszahlen: Trennung 2002, gerichtliche Auseinandersetzungen der abwitzigen Art bis 2009. Im Mai des Jahres 2009 nahm sichdann auch noch Sohn Jan Antwerpes das Leben.

Eigentlich wollte ich mir ja ne vergnügliche Stunde gönnen … Angesichts solcher menschlicher Tragödien ist mir der Humor ein wenig abhanden gekommen.

Und zudem erschließt sich mir der Humor das Franz-Josef Antwerpes in keinster Weise. Sein „Blick für die grotesken und skurillen Situationen des Alltags“ sind ist eher bemüht als geistreich und hört man sich seine Texte an, drängt sich der Verdacht auf, dass da jemand auf Teufel komm raus versucht hat, den feinsinnigen Humor von Loriot zu imitieren. Wie heißt es immer so schön in Arbeitszeugnissen: Er gab sich Mühe.

Summa sumarum ist dieses Hörbuch ein Dokument des Scheiterns. All die wohlfeilen Texte (auch im booklet) klingen für meine Ohren mittlerweile wie Hohn, wie die Worte eines selbstgefälligen, alten Mannes, der eben nicht jene Weisheit erlangt hat, die man dieser Altersgruppe einfach attestieren möchte.

AntwerpesSchwarzer1996

Für ihren Einsatz für die Frauenrechte erhält Schwarzer das Verdienstkreuz am Bande des Verdienstordens der Bundesrepublik Deutschland.
Überreicht hat es ihr der Kölner Regierungspräsident Franz-Josef Antwerpes 1996.

Sprecher:
Franz-Josef Antwerpes

Booklet02A

Titel:
01. Ansage 0.32
02. Wo arbeitet der Bundeskanzler 3.09
03. Brillensuche 2.55
04. Kaputter Samstag 3.14
05. Das Galadiner 2.42
06. Wetter war Spitze 2.56
07. Der Düsseldorfer und der Kölner 4.41
08. An der Ampel 2.16
09. Ein spannender Film 1.51
10. Die Lügen 1.09
11. Das kalte Büffet 2.16
12. Glück im Unglück 2.20
13. Hexenschuß 2.03
14. In der Badewanne 3.29
15. Unter der Dusche 2.42
16. Pech im Haushalt 2.37
17. Mein Friseur und ich 2.55
18. In der Tanzschule 2.38
19. Neulich im Möbelhaus 3.43
20. Wandern in Roturua 3.09
21. Auf der Sonnenbank 2.24
22. Der Service-Wahn 2.03
23. Ich finde jede Büroklammer 2.04
24. Mit der Taxe zum Termin 3.26
25. Lehmanns Zimmer 3.27

Alle Texte: Franz-Josef Antwerpes

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Klaus Kordon – Die roten Matrosen (Hörbuch) (1999)

FrontCover1Ein bemerkenswertes Hörbuch für Jugendliche …das fand auch die Zeitung „Die Zeit“:

November 1918. Helle, der eigentlich Helmut Gebhard heißt, wohnt in der Ackerstraße, der ärmsten Straße des Wedding. Hier wohnen die Menschen auf engstem Raum in hohen Mietskasernen, in feuchten, schimmeligen Kellerwohnungen, zugigen Dachkammern, in Schuppen auf den dunklen Hinterhöfen, Tbc-krank, frierend, hungrig: Der Krieg dauert schon vier Jahre. Hier erlebt Arbeiterkind Helle, etwa dreizehn Jahre alt, die Novemberrevolution, jene „gescheiterte Revolution“ –

Klaus Kordon: „Die roten Matrosen oder Ein vergessener Winter“; Beltz Verlag, Weinheim; 487 S., 24,80 DM.

Der Autor greift damit ein Stück deutscher Geschichte auf, die in der Literatur für junge Leute im Gegensatz zu der, die das Dritte Reich behandelt – bisher nahezu vergessen worden ist. Die aber zum Verständnis der Nazizeit so wichtig, ja unumgänglich ist.

Helles Vater kehrt von der Front zurück, verletzt an Körper und Seele, verändert, illusionslos. Er war „stolz und lachend“ in den Krieg gezogen, um sein Vaterland zu verteidigen. Er hat auf dem Schlachtfeld das Grauen und die Sinnlosigkeit kennengelernt, weiß, daß „die wahren Nutznießer eines Krieges nur die sind, die an ihm verdienen – die Industrieherren“, die Kanonen, Bomben, Granaten herstellen.

PortrŠt Autor Klaus Kordon

Klaus Kordon

Auch das hat sich bei Helles Vater geändert: Aus einem gemäßigten Sozialdemokraten ist ein radikal denkender und handelnder Sozialist geworden. Er schließt sich den Spartakisten um Karl Liebknecht und Rosa Luxemburg an, nimmt teil an Demonstrationen und Kämpfen, um „den Kaiser fortzujagen und den Krieg zu beenden“. Es sind schwere Kämpfe von Dezember 1918 bis Januar 1919, angeführt und ausgelöst durch die Kieler Matrosen, die auch nach Berlin kamen. Bürgerkriegsähnliche Straßenkämpfe, an deren Ende zunächst der Sieg (Arbeiter- und Soldatenrat, „Rat der Volksbeauftragten“) stand, dann aber doch „die Niederlage“. Denn mit einem Friedrich Ebert, der mit dem Militär paktierte, wollten die Spartakisten nichts zu tun haben.

Helle erlebt, beobachtet, hört alles mit, im Haus, auf der Straße, in Verstecken, beim Marsch aufs Schloß, beim Verteilen von Flugblättern und der Besetzung der Zeitungsgebäude. Er wird hautnah konfrontiert mit den Grausamkeiten der Straßenschlachten, lernt den Tod kennen, das Leben im Untergrund, den Mut und die Verzweiflung der Kollegen seines Vaters. Er erlebt die Liebe, Freundschaft und Solidarität in der Familie, von Freunden und Nachbarn.

Diverse Buchausgaben

Für Helle ist besonders wichtig, daß er fragen kann: In seiner Familie diskutiert man offen, trägt Konflikte aus, auch Helles Zweifel und Widersprüche werden ernst genommen. Das ist nicht selbstverständlich – sein Freund Fritz, bürgerlicher Beamtensohn und Gymnasiast, wird zu Hause nur mit Phrasen abgespeist oder mit Stubenarrest und Schlägen bestraft. Gerade um diese Freundschaft, gegen alle väterlichen Widerstände, bemühen sich die beiden. Obwohl so viel Fremdes zwischen ihnen steht: große Mietskaserne, winzige Räume, stinkende Abflüsse mit Ratten, Petroleumbeleuchtung, ein Klo für mehrere Mietparteien – das ist Helles Realität.

Mietskasere

Berliner Mietskasernen

Treppengeländer mit Engelsköpfen, Fenster mit bunten Glasstücken, bleigefaßt, elektrisches Licht, Wohnungen mit hohen Fenstern, Balkon, weißen Tischdecken, gehäkelten Deckchen, Bildern an den Wänden, Sofas mit bestickten Kissen – das gehört zu Fritz. Nach aller Mühe umeinander endet diese Freundschaft mit der bitteren Erkenntnis, daß die Unterschiede unüberbrückbar sind.

Nicht nur der Vater von Fritz hatte einen Stock zum Schlagen: Der kaisertreue Lehrer Förster („Ordnung, Fleiß und Sauberkeit sind die Grundregeln für jeden, der ein brauchbarer Mensch werden will“) in Helles Volksschule schlägt täglich und gern, besonders „das rote Pack der Vaterlandsverräter Aber da gibt es auch eine Rechenlehrerin, die lieber nicht mit U-Booten rechnen würde, sondern mit Dampfmaschinen, die im Lehrbuch „aus Granaten lieber Birnen machen würde“. Und es ist der Lehrer Flechsig da, der sich offen in der Klasse zur Revolution bekennt, am Ende den Schuldienst quittiert, weil „er keine Kompromisse mehr schließen will“. Die Rechenlehrerin dagegen bleibt im Beruf, weil sie glaubt, „daß wir trotz aller Rückschläge einen Schritt vorwärts gemacht haben – mir ist ein Ebert lieber als ein Kaiser…“ Wie hatte Lehrer Flechsig am 9. November gesagt? „Entweder verändert sich heute eine ganze Menge, oder wir gehen düsteren Zeiten entgegen.“

Küche

Küche in einer Berliner Meitskaserne

Die Frage, ob Adolf Hitler und die Nationalsozialisten je an die Macht gekommen wären, wenn „Ebert und seine Gefolgsmänner die Revolution von 1918/19 nicht erstickt hätten“, stellt Klaus Kordon in seinem (sehr sorgfältigen) Nachwort und historischen Anhang auch. Er verneint sie, drückt sich aber auch nicht vor der Frage, was im Falle eines Sieges der Männer um Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht gekommen wäre. Eine Räterepublik sowjetischer Prägung? Wohin die Entwicklung im ersten Arbeiter-und-Bauern-Staat der Welt geführt hat, nennt er klar beim Namen: Diktatur, Verfolgung Andersdenkender, Menschenrechtsverletzungen. „Doch es wäre falsch, den Revolutionären von 1918/19 zu unterstellen, ein solcher Staat wäre ihr Ziel gewesen.“ Helles Vater, seine Freunde und Mitkämpfer jedenfalls hatten anderes im Sinn: Beendigung des Sterbens und Hungerns, mehr Gerechtigkeit, ein besseres Leben. Helle hat sich in diesen schweren Wochen verändert, hat Denken gelernt, Selbstvertrauen und Mut.

Kordons Roman, eine besondere Art der Geschichtsschreibung von unten, ist ein Glücksfall: Er verkündet keine Thesen, sondern beschreibt Menschen, ihre Gedanken und Gefühle, witzig, nachdenklich, einfach, aber nicht vereinfachend, fast ohne Klischees. Er bezieht Position. Auch das lernen die jungen Leser: Freiheit ist immer die Freiheit des Andersdenkenden“ (Rosa Luxemburg). Die Berliner Ackerstraße gibt es übrigens heute noch, zweigeteilt durch eine Mauer – das (vorläufige) Ende der Revolution im vergessenen Winter 1918/19. (Anne Linsel)

Mittlerweile ist die Ackerstraße nicht mehr zweigeteilt.

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Revolutionäre Arbeiter besetzen Teile der Innenstadt von Berlin

Nun zur Hörbuch-Fassung (gekürzte Fassung): Wenn einem die Sprache zuweilgen arg schlicht vorkommt, wenn einem die Typen des Romans gelegentlich arg heroisierend dargestellt vorkommen, sollte man berücksichtigen, dass es sich hier um einen Roman für Kinder ab 12 Jahren handelt.

Aber ansonsten kann man nur voll des Lobes sein:

„Was kostet eigentlich ein Arm?” Als Helle das im Rechenunterricht fragt, hält die ganze Klasse den Atem an. Die Jungen sollten ausrechnen, wie viele Mark die U 9 mit drei Schüssen vernichtet hat, als sie drei englische Panzerkreuzer in den Grund bohrte. Immer nur die Verluste der anderen, findet aber der dreizehnjährige Helle, nie die der eigenen Truppen. Dabei haben von den dreiundzwanzig Jungen in Helles Klasse schon neun ihren Vater verloren, zwei sind Krüppel, einer sitzt im Gefängnis, weil er gegen den Krieg gestreikt hatte. Helles Vater gehört zu den zwei Krüppeln, er ist wenige Tage zuvor von der Front zurückgekehrt, zum letzten Mal, mit diesem seltsam
leeren Ärmel. Der Stumpf wackelt komisch hin und her, weil die Ärzte den
zersplitterten Knochen entfernen mussten, und Helle mag am Anfang gar nicht hinsehen. Doch der Vater zwingt ihn dazu. Immer wegschauen bringt nichts, sagt er.

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Spartakisten hinter Barrikaden aus Papierrollen, Berlin, 11. Januar 1919

Auch Klaus Kordon schaut hin, und zwar ganz genau. Mit Akribie zeichnet er die Ereignisse der letzten Kriegswochen und der Revolution von 1918 nach, ein unbestechlicher Chronist der Geschichte kleiner Leute. „Die roten Matrosen” sind der erste und packendste Teil der Trilogie über die Arbeiterfamilie Gebhardt, die er mit „Mit dem Rücken zur Wand” (die Jahre 1932/33) und „Der erste Frühling” (1945) fortgesetzt hat. Kordon erzählt lebendig, die Geschichten hinter der Geschichte, für Jugendliche. Seine jungen Leser verschont er nicht, und deshalb fühlen sie sich ernst genommen.
Wie ein Lauffeuer verbreitet sich im Berliner Arbeiterbezirk Wedding, dass in Kiel die Matrosen streiken. Helles Vater schließt sich den Spartakisten an, die am 9. November 1919 Arbeiter und Soldaten zum Generalstreik aufrufen, um den Kaiser zum Rücktritt zu zwingen. Ihnen schwebt freilich eine andere Regierung vor als die unter dem Reichskanzler Friedrich Ebert.
Dass die Unabhängigen „auf Ebert reingefallen sind”, wie Helles Vater sagt, zieht sich wie ein tiefer Riss durch das vierte Hinterhaus der Ackermannstr. 37, so tief wie der Bruderzwist unter den Sozialisten. Hautnah bekommt der Leser ihn mit, wenn Helles Vater sich mit sei-nen einstigen Freunden darüber entzweit. Noch tiefer verlaufen die Gräben zwischen den Kaisertreuen und den Sozialdemokraten, etwa den Lehrern Förster und Flechsig, von denen der eine seine Schüler mit dem Rohrstock maßregelt und der andere sie politisch aufklärt. Oder auch zwischen Helle und seinem früheren Freund Fritz, jetzt als Gymnasiast etwas Besseres, dem der konservative Vater verbietet, mit dem „roten Pack” aus der Ackermannstraße zu spielen.

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Besetzung des Berliner Zeitungsviertels, 1919

Kordons Sympathie, man spürt es, liegt auf der Seite der Armen, der Ver-folgten, der Diskriminierten. Doch er bedient keine Klischees, dafür hat er selbst genug unter dem Realsozialismus gelitten. Zwölf Monate saß er als Republikflüchtiger im Knast, 1973 wurde er vom Westen freigekauft. Kordon ist ein moralischer Erzähler, ohne moralisch zu sein. Mit „Die roten Matrosen” rettet er die Ehre der Revolutionäre von 1918 und lässt ein oft vergessenes Kapitel deutscher Geschichte aufleben. (Jeanne Rubner, Süddeutsche Zeitung, 3. November 2005)

Und hier knapper Abriß der Biographie von Klaus Kordon:

Klaus Herbert Kordon (* 21. September 1943 in Berlin-Pankow) ist ein deutscher Schriftsteller im Bereich der Kinder- und Jugendliteratur.

Klaus Kordon wuchs im Ost-Berliner Stadtbezirk Prenzlauer Berg auf. Da sein Vater im Krieg umgekommen war, wurde er alleine von seiner Mutter erzogen. Nach dem Tod der Mutter im Jahr 1956 lebte Kordon in verschiedenen Heimen. Klaus Kordon absolvierte in der DDR eine Ausbildung als Fernsehmechaniker, arbeitete in verschiedenen Berufen und machte schließlich das Abitur. Nach einem Fernstudium der Volkswirtschaft unternahm er als Exportkaufmann berufliche Reisen, die ihn unter anderem nach Indien, Indonesien und Nordafrika führten. Zu dieser Zeit begann er mit dem Schreiben. Seine zunehmende Distanz zur politischen Praxis in der DDR mündete 1972 in einem Fluchtversuch über Bulgarien in den Westen. Kordon wurde festgenommen und in das zentrale Untersuchungsgefängnis des Ministeriums für Staatssicherheit im geheimen Sperrgebiet von Berlin-Hohenschönhausen eingeliefert; er blieb ein Jahr in Stasi-Haft. Nach eigener Aussage überlebte er die fünf Monate in Einzelhaft, indem er sich im Kopf Romane ausdachte.[2] 1973 kaufte ihn die Bundesrepublik Deutschland frei. Sein erstes Buch, der Jugendroman Tadaki, erschien 1977. In seinem autobiographischen Roman Krokodil im Nacken verarbeitete er die Hafterfahrung.

Klaus Kordon ist Mitglied des PEN-Zentrums Deutschland und der Deutschen Akademie für Kinder- und Jugendliteratur.

Klaus Kordon		(Foto: sis) Jugendbuchautor Geschichtslesesommer

Kordon schreibt Romane, Erzählungen, Märchen und Gedichte. In seinen Büchern verarbeitet er geschichtliche Stoffe. Seine Akteure sind meist Arbeiter oder von der Gesellschaft marginalisierte Gruppen. Andere Werke sind von seinen Reisen inspiriert. Mit Die Zeit ist kaputt schrieb Kordon eine Biografie von Erich Kästner für Jugendliche und Erwachsene. Die Mehrfachadressierung seiner Werke ist jedoch nicht auf diesen Text beschränkt; vielmehr lässt sie sich als kennzeichnendes Merkmal verstehen, wie Julian Kanning ausführt:

Kordons von der Lust am Erzählen durchdrungenes, vielfältiges Werk hat viele begeisterte Leser/innen aller Altersstufen gefunden und wird nicht ausschließlich von Kindern und Jugendlichen, sondern auch von Erwachsenen rezipiert, die an fiktionalisierter historischer und zeitgeschichtlicher Erfahrung interessiert sind. (Quelle: wikipedia)

Und wenn ich das nächste mal in Berlin sein werde, wid mich der Weg auch ganz sicher in die Ackermannstraße führen.

Klaus Kordon2

Klaus Kordon in Köln am 26. Februar 2008

Besetzung:
Christian Baumann (Sprecher)
Klaus Kordon (Sprecher)

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Titel:
01. Die roten Matrosen (Teil 1) 40.56
02. Die roten Matrosen (Teil 2) 37.51
03. Die roten Matrosen (Teil 3) 43.47
04. Die roten Matrosen (Teil 4) 42.07

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Heinrich Zille

Heinrich Zille: Berlin – Ackerstraße, 1907

Michael Mittermeier – Michael Mittermeier ist Zapped! – Ein TV-Junkie knallt durch (Austria Edition) (1999)

FrontCover1Und wieder mal so ein Unikum aus der deutschen Humor /Comedy / Kabarett-Szene:

Michael Fritz Mittermeier (* 3. April 1966 in Dorfen, Oberbayern) ist ein deutscher Komiker und Autor. In seinen Programmen verbindet er moderne Stand-up-Comedy mit Elementen des klassischen Kabaretts.

Nach seinem Abitur am Gymnasium in Gars am Inn begann Mittermeier Politologie und Amerikanistik an der Ludwig-Maximilians-Universität in München zu studieren. 1994 schrieb er seine Magisterarbeit über das Thema Amerikanische Stand-up-Comedy.

Mittermeier ist seit seiner Jugend Fan von U2. Bei einem Konzert in der Olympia-Halle in München am 21. Juli 1987 stand er in der ersten Reihe und erlebte, wie Bono das Lied People Get Ready von den Impressions anstimmte. Als Bono sich auf der Gitarre aber zweimal verspielte und dann das Publikum fragte, ob jemand Gitarre spielen könne, meldete sich Mittermeier und wurde daraufhin von der Security auf die Bühne gezogen. Nachdem Bono ihm kurz die drei Akkorde gezeigt hatte, spielte Mittermeier den Song gemeinsam mit Bono. Laut Mittermeiers eigener Aussage sei ihm in diesem Moment klar geworden, dass er als Bühnenkünstler arbeiten wolle und für ihn kein anderes Leben mehr in Frage komme. 20 Jahre später übergab Mittermeier als Laudator beim Echo 2007 Bono den Sonderpreis für globales Engagement.

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Bekannt geworden durch sein Programm Zapped (1996) tourte Michael Mittermeier durch Deutschland, Österreich und die Schweiz und nahm an diversen Fernsehsendungen im Comedy-Bereich, aber auch bei Wetten, dass..? teil. Die bekanntesten Teile von Zapped sind Parodien auf Werbungen von Yogurette und AOK sowie auf die Sendung Aktenzeichen XY … ungelöst und die US-Fernsehserie MacGyver. Letzterer wurde zum Running Gag. Auch in den aktuellen Programmen gibt es immer wieder Anspielungen auf MacGyver. (Quelle: wikipedia)

Na ja … und die deutsche Version von „Zapped“ war damals so erfolgreich, dass er dann ein paar Jahre später auch eine schweizerische bzw. österreichische Version des Programms entwickelte.

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Und hier mal – quasi zum Einstieg – die österreichische Version dieses Programms … dem ich das Prädikat aberwitzig verleihe, frei nach dem Motto: auf sowas muss man erstmal kommen !

Das ist die erste Comedy-CD, bei der ich mich auch bei mehrfachem Hören noch kaputtgelacht habe. Da Mittermeier intensiv auf das Kult-TV-Programm der letzten 40 Jahre eingeht, hat man natürlich nur halb so viel Spaß, wenn man noch nie Star Trek, die Waltons oder Lassie gesehen hat. Aber wenn man das getan hat, dann hat man Spaß ohnegleichen. Selbst, wenn man einen Witz nicht komisch findet, dann ist es trotzdem nicht langweilig, da man sich gerne von Dingen erzählen lässt, die man noch von früher kennt. Viel Stimmspiel (Mittermeier johdelt, flüstert oder schreit energisch, je nach Situation)und Unmengen Pointen tun ihr Übriges. Viele Parodien und eine Menge Satire auf das TV-Geschehen. Dabei bezieht er sich (immer öfter zum Schluss hin) auf bereits erwähnte Details und erzählte Witze, wodurch viele Running Gags erzeugt werden, und das Programm wirkt nicht so abgehackt, sondern mehr wie aus einem Guss. Schade nur, dass die Mimik und Gestik bei so einem Mitschnitt natürlich außen vor bleibt. (Fabian Königam)

Mittermeier03

Besetzung:
Michael Mittermeier (Sprecher)

BackCover1

Titel:
01. Hier spricht Edgar Wallace 2.27
02. Ein echter Soapler geht nicht unter 0.59
03. Ösi HardCore Japanese Dialekt 1.56
04. Der Auslandskrankenschein featuring GKK 5.39
05. Harfe Kiberer und weiche Gendarme 2.12
06. O.B. (Austria Legere Mix) 1.33
07. Holzdeckenlamellenerotik contra Hausbesorger 3.33
08. TV-Junkie Meets Petzi Bär 2.10
09. Red Bull Wahnsinn auf der Ponderosa 0.57
10. Return Of The Auslandskrankenschein 1.18
11. Aktenzeichen XY gelöst (Wien Morbid Mix) 2.28
12. Bitte melde dich nicht! (Edith Klinger Mix) 1.09
13. Ösi TV 2.03
14. Obsession (Hüftknochen Mix) 1.46
15. Das letzte Pfeifen im Atlantik (I) 1.11
16. MacGyver – Schweizer Taschenveiflgott 3.13
17. Das letzte Pfeifen im Atlantik (II) 1.39
18. Lassie und das furzende Eichhörnchen 1.00
19. Winnetou im Tal der Bluter 2.24
20. Keiner will mich ficken 1.09
21. Living Life The Easy Way 1.27
22. Kopfhörer-Härtetest 0.31
23. Titanic vs. Ösi Speed 1.22
24. Schwarzenegger – The Alpen Eraser 1.21
25. Schweinchen Babe Meets Baywatch 1.22
26. Wiener Musicalmania
27. Schau dir nie mit einer Frau einen Actionfilm an! 1.09
28. Love Story
29. Pudern mit Gerti
30. Michls Einsatz in Manhattan
31. Gangsta Rap in Ösi Bronx
32. Cartoon Sex
33. Star Trek MM: Der Zorn fes Kirk
34. Das Tex Mex Chilli Massaker
35. Fuck 1.34
36. Katholiken-Kiffer und die Heiligen Drei Königsdealer 3.41
37. Zapped 2.21
38- Ba Ba Österreich 2.08

Alle Texte: Michael Mittermeier

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Vogelfrei – Stiefeljungs – Lieder 1984 – 1989 (1999)

FrontCover1Jetzt gibt´s was auf die Ohren … Anfangs dachte ich ja, hier handelt es sich um eine Art „rechte Rockmusik“ … und die hätte dann den Weg in diesen blog definitiv nicht gefunden. Aber nein, „Vogelfrei“ kommen aus einer anderen Ecke:

Wenn man den Namen Vogelfrei hört, denkt manch einer spontan an Mittelalterrock, wie ihn Subway To Sally und In Extremo früher fabrizierten. Dabei haben Sänger und Gitarrist Ricky Alex und Drummer Steve Rabe im Frühjahr 1992 ganz anderes in Sinn, als sie die Band in Torgau gründen: Punkrock.Wenn man den Namen Vogelfrei hört, denkt manch einer spontan an Mittelalterrock, wie ihn Subway To Sally und In Extremo früher fabrizierten. Dabei haben Sänger und Gitarrist Ricky Alex und Drummer Steve Rabe im Frühjahr 1992 ganz anderes in Sinn, als sie die Band in Torgau gründen: Punkrock.
Zu der Zeit heißt die Band allerdings noch Parole Lärm und da sich keine feste Bandbesetzung finden lässt, bleiben Konzerte vorerst nur ein Traum. Als sich bis 1998 immer noch nichts an diesem Zustand ändert, gehen beide eben allein ins Studio, um dort die in der Zeit zwischen 1994 und 1998 entstandenen Lieder aufzunehmen.
Im Sommer 1999 stößt mit Krystian Furmanek endlich ein passender Bassist dazu und im selben Jahr erscheint das Debüt „Stiefeljungs Lieder 1994-1998“ über Asphalt Records. Aufgrund des Titels, der deutschen Texte und eines Druckfehlers auf der LP (dort steht „Lieder 1984-1998“) finden sich Vogelfrei schnell in einer letztendlich haltlosen Diskussion um rechtsradikale Hintergründe wieder, da sie ebenfalls dem Oi-Punk entstammen.

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Mit Thomas Richter holen sie sich einen zweiten Gitarristen in die Band und trauen sich endlich auch live auf die Bretter. Gleichzeitig arbeiten sie am zweiten Album „Mutmacher“, das Anfang 2002 erscheint und dem eine ganze Reihe an Konzerten folgt. Zwar verlassen Krystian und Thomas Vogelfrei bald wieder, doch Ricky und Steve arbeiten konsequent weiter.

Auf der EP „Irgendwohin“ ist Gitarrist Daniel Reinhardt mit dabei und nachdem Basser Dirk Sickert das Line-Up aufgestockt hat, legen sie 2004 „Zwischen Sehnsucht Und Rebellion“ in die Regale. Kurz nach der Veröffentlichung ist jedoch Schluss mit Vogelfrei, da Ricky mit gesundheitlichen Problemen zu kämpfen hat und auch die vielen Besetzungswechsel wenig Spaß machen.

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Über drei Jahre liegt die Band auf Eis, doch im Frühjahr 2008 steht Ricky mit Drummer Carsten Müller zum ersten Mal im Proberaum. Wie nicht anders zu erwarten, klingen die Songs von Ricky immer noch zu 100 Prozent nach Vogelfrei. „Der Dämmerung Entgegen“ erscheint Mitte Mai 2011 über Street Justice Records und knüpft nahtlos an die Vorgänger-Scheiben an. (Quelle: laut.de)

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Hier also ihr Debütalbum mit den falschen Jahreszahlen … vielleicht typisch für so eine Punkproduktion.

Stilistisch bewegt sich die Band zwischen Punk und Oi (was das genau ist, habe ich noch nicht kapiert, ist mir aber auch nicht so wichtig).

Es ist Musik von zornigen jungen Männern … die mit vielem, wenn nicht gar mit allem unzufrieden sind:

Alles was ich nicht machen will
ist verschenkte Zeit für mich
Für die Freiheit braucht man Geld
Und das habe ich nicht

Nun ja, über diese Aussage könnte man trefflich streiten.
Diese Punk-Attitüden sind mir eher fremd (na ja, man wird halt älter) … aber seien wir mal ehrlich. Frühere Bands wie die MC5 oder Stooges traten schon auch mit ähnlichen Inhalten auf … wenngleich mir bei etlichen Texten die latent gewaltbereite Stimmung auf den Sack geht.

Und  … Ich frag mich grad mal wieder, was aus den Jungs gewworden ist … denn ihr Revival aus dem Jahr 2013 war nur von kurzer Dauer … leben sie nun auch angepasst oder was ?

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Besetzung:
Ricky Alex (guitar, vocals)
Alfons Horvinek (bass)
Stev Rabe (drums)

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Titel:
01. Intro 0.32
02. Parole Spass 2.05
03. Er hat gelernt zu kämpfen 2.58
04. Verschenkte Zeit 2.36
05. Bullenflut 3.08
06. Stiefeljungs 3.04
07. Partylied 2.35
08. Entäuschung 2.21
09. Dieses Leben 2.37
10. Immer zu dir stehen 2.33
11. Unrecht 2.59
12. Widerstand 2.54
13. Ich stehe auf 2.50

Musik und Texte: Ricky Alex

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Thilo Wolf Quintet + Windsbacher Knabenchor – Von Bach bis Ellington (1999)

FrontCover1Und da haben wir wieder mal ein ganz besonderes Projekt … ich nenn´ es jetzt einfach mal ein Leuchtturm-Projekt.

Das Thilo Koch Qunitet musiziert gemeinsam mit den Windsbacher Knabenchor … und zwar von Bach bis Ellington …

Aufgenommen wurde diese musikalische Spezialität 1999 und zwar live im Konzertsaal des Kongresszentrums, Bad Windsheim, im Rahmen eines Festivals des Bayerischen Rundfunks mit dem Namen „Musikzauber Franken“.

Thilo Wolf (* 8. September 1967) ist ein deutscher Jazzmusiker. Der Pianist, Komponist und Arrangeur leitet seine eigenen Formationen „Thilo Wolf Big Band“, „Thilo Wolf Jazz-Quartett“ und „Groove Selection“.

Mit seinen Formationen konzertierte Thilo Wolf in Deutschland, Österreich, der Schweiz und England, in Konzerthäusern wie der Philharmonie in München oder Dortmund, aber auch auf zahlreichen Jazzfestivals wie Burghausen, Oberkochen, Erding oder dem Augsburger Jazzsommer. Die Crossoverprojekte führten zu Konzerten bei Klassikfestivals wie „MDR-Kultursommer“, „Rheingau-Musikfestival“ oder „Internationales Beethovenfest“ in Bonn.

ThiloWolf

Der Windsbacher Knabenchor (gegründet 1946) ist ein in Windsbach in Mittelfranken ansässiger deutscher Knabenchor. Er steht in der Tradition der großen deutschen Knabenchöre, deren Aufgaben nicht allein in ihrer Konzerttätigkeit liegen, sondern gleichermaßen in der Erfüllung liturgischer Aufgaben. Dazu zählen bei den Windsbachern die Gottesdienste in Windsbach und die Motetten in der Sankt-Lorenz-Kirche in Nürnberg. Der Chor ist eine Einrichtung der Evangelisch-Lutherischen Kirche in Bayern. (Quelle: wikipedia)

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Und darum ging´s bei diesem ganz und gar außergewöhnlichem Projekt:

Hüllentext

Mag ja gelegentlich gewöhnungsbedürftig klingen … aber sich auf diese musikaliche Spannbreite mal einzulassen ist durchaus lohnenswert … denn hier verschmelzern Musikrichtungen ganz unterschiedlicher Dekaden … Und das allein ist schon bemerkenswert.

Musik abseits ausgetrampelter Pfade … das weckte in mir schon immer (na ja, seit geraumer Zeit) mein Interesse.

Und hier wurde es nicht enttäuscht.

Und ich will die Gelegenheit nutzten, um hier wieder mal eine Lanze für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk zu schlagen. Ohne ihn hätte es diese Aufnahmen nicht gegeben.

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Besetzung:
(Andreas Blüml (guitar)
Christian Diener (bass)
Stephan Eppinger (drums)
Norbert Nagel (saxophone)
Thilo Wolf (piano)
+
Windsbacher Knabenchor unter der Leitung von Karl-Friedrich Beringer

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Titel:
01. Sur Le Pont QA’Avignon (Traditional) 3.46

Sacred Concerts Medley (Ellington) 9.58
02.Come Sunday 1.50
03. In The Beginning God 1.45
04. Will You Be There ? 1.32
05. Almighty God 2.59
06. Heaven 1.53

Singet dem Herrn ein neues Lied (Bach) 13.30
07. Singet dem Herren ein neues Lied 4.46
08. Wie sich ein Vater erbarmet 4.36
09. Lobet den Herren in seinen Taten 1.35
10. Alles was Odem hat, lobet den Herren 2.33

11. Pater Noster (Vater unser) (Baumenn) 4:22

Begegungen (Zoller/Mehnert) 8.40
12. Es kehrt der Wind zurück 5.27
13. Meerhygiene 3.13

14. They Can’t Take That Away (Geshwin) 4.31
15. In A Sentimental Mood (Ellington) 4.09
16.. Odi Et Amo (Carl Orff) 3.05
17. Without There Is No Way (Wolf/Neumann) 13.08

Tribute An Duke Ellington (Ellington) 11:02
18. Satin Doll 3.44
19. I Got It Bad 3.16
20. Creole Love Call 4.02

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Jan Josef Liefers – Jack´s Baby (1999)

FrontCover1Jan Josef Liefers ist ja nur ein seit vielen Jahren sehr angsagter Schaupieler (nicht nur wegen seiner skurillen Rollen im Münsteraner Tatort), sonder der Liefers ist auch immer auch als Musiker aktiv und unterwegs.

Wenn ich das richtig überblicke, ist diese EP seit Erstlingswerk als Musiker und diese EP ist zugleich auch der Soundtrack zu dem gleichnamigen Film (den er auch als Regisseur zu verantworten hatten), der 1999 auf SAT1 ausgestrahlt wurde. Der Film mit Verinica Ferres in der 2. Hauptrolle (vermutlich habe ich ihn mir damals deshalb nicht angesehen) hat dann folgende Handlung:

Jack (Veronica Ferres) ist die Chefin einer Werbeagentur ­ erfolgreich, eiskalt und einsam. Genau das will sie ändern. Aber nicht etwa durch einen Liebhaber: Ein Baby soll her. Weil frau dazu ’nen Erzeuger braucht, handelt Jack mit dem abgebrannten Musiker Max (Jan Josef Liefers) einen Deal aus. Er soll sie schwängern, 30 000 Mark kassieren und hernach bitte schön verschwinden. Max schlägt ein. Doch der Zeugungsakt erweist sich als verdammt anspruchsvolle Aufgabe… Jan Josef Liefers betritt in seinem Regiedebüt das ausgetretene Feld romantischer TV-Komödien ­ und bringt auch nicht mehr als gängige Klischees und wohlfeile Gesangseinlagen (mit „Fury in the Slaughterhouse“) zustande. (TV Spielfilm)

Jan Josef Liefers hat immer wieder mal in seinen Filmen einen Musiker dargestellt (besonders eindrucksvoll: „Halt mich fest“, 2000) und hört man sich diese 4 Songs an, dann kann man das auch verstehen. Ich behaupte mal, diese vier Songs sind deutlich besser als der Film … aber ist nur ne These. Auf jedenfall gibt´hier knackige Rock-Balladen zu hören, bei der Liefers mit einer wirklich starken Stimme zu überzeugen weiss. Und dass Fury In The Slaughterhouse ihr Handwerk verstehen, setzte ich mal als bekannt voraus.

Kurz und schmerzlos: Ein mehr als gelungenes Debüt !

BackCover1

Besetzung:
Jan Josef Liefers (vocals)
+
Fury In The Slaughterhouse

LiefersVerres

Titel:
01. Jack’s Baby (Radio Version) (Liefers/Krause) 3.27
02. Understand (Schumann) 3.11
03. Runaway (Liefers) 3.40
04. Jack’s Baby (Film Version) (Liefers/Krause) 3.57

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Die Prinzen – So viel Spass für wenig Geld (1999)

FrontCover1Zu den „Prinzen“ bin ich quasi gekommen, wie die Jungfrau zum Kind. Es waren meine begeistert durch das Wohnzimmer hopsenden Töchter, die mich dazu brachten.

Und ihre ersten Alben fand ich dann überraschend ganz schön pfiffig:

Die Prinzen sind eine aus Leipzig stammende deutsche Musikgruppe. Mit fast 6 Millionen verkauften Tonträgern gehören sie zu den erfolgreichsten deutschen Bands. Ihre bekanntesten Hits sind unter anderem Millionär (1991), Mann im Mond (1991), Küssen verboten (1992), Alles nur geklaut (1993), Du musst ein Schwein sein (1995) und Deutschland (2001).

In ihrer Jugend waren Tobias Künzel, Sebastian Krumbiegel, Wolfgang Lenk sowie Henri Schmidt bis in die erste Hälfte der 1980er-Jahre Mitglieder des Leipziger Thomanerchors, Jens Sembdner sang im Dresdner Kreuzchor.

Nach der Gesangsausbildung gründeten Krumbiegel und Lenk im Jahr 1981 die Band Phönix. 1985 nannte sich die Band Phönix in Rockpol um. Weil sie keinen großen Erfolg hatten, wurde im Jahr 1987 mit Krumbiegel, Lenk und Dirk Schrot das Trio Die Herzbuben gegründet. Auf Anraten des Managers Joachim Zetzmann versuchte das Trio mit A-cappella-Stücken in der DDR Fuß zu fassen. Die Produzenten des DDR-Rundfunks produzierten mit den Herzbuben 1987 ein Dutzend Titel, welche bis zum Ende der DDR nur im deutschen Rundfunkarchiv und auf diversen Amiga-Samplern zu finden waren. Sie coverten den Song Du hast den Farbfilm vergessen sowie die Hymne My Generation von The Who (übrigen: auch sehr pfiffig gemacht)

Herzbuben

Als sie noch die „Herzbuben“ waren …

Noch im Gründungsjahr stieß Jens Sembdner zur Band. Von nun an hatte die Band folgende Besetzung: Sembdner, Lenk, Krumbiegel und Schrot. Als die Band mit ihrer Show einen nicht unerheblichen Popularitätsschub erreicht hatte, wurde Sembdner im Herbst 1988 zur NVA eingezogen. Ihn ersetzte Kai Oliver, den die Band an der Leipziger Musikhochschule entdeckt hatte, aber die Zusammenarbeit hielt nur ein Jahr, weil er sich entschlossen hatte, die DDR zu verlassen. Als Ersatz folgte Henri Schmidt. Auch Dirk Schrot verließ im November 1989 die Band und das Land. Aufgrund der häufigen Personalwechsel war die Band bis zur Rückkehr von Jens Sembdner im Januar 1990 inaktiv. Manager Zetzmann hatte Beziehungen zum ZDF und zum Musikverleger George Glueck, sodass sie in der Nachwuchsshow Hut ab auftraten. George Glueck saß in der Jury und stellte den Kontakt zu Annette Humpe her.

Im Herbst 1990 besuchte Humpe die Band, um sie kennenzulernen. Danach buchte sie im November 1990 das Tonstudio von Anselm Kluge, um erste Aufnahmen zu machen. Um einer Verwechslung mit den zur selben Zeit plötzlich sehr bekannt gewordenen Wildecker Herzbuben zu entgehen, nahm die Band im April 1991 den neuen Namen Die Prinzen an.

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Die Prinzen Anfang der 90er Jahre

Einen Tag vor der Fotosession für das Single-Cover stieg Tobias Künzel ein, der bis 1989 Mitglied in der Band Amor & Die Kids gewesen war und anschließend eine Solokarriere versucht hatte. Ali Zieme stieg im August 1991 als Schlagzeuger in die Band ein. Gleich darauf hatten sie ihren Durchbruch mit ihrem ersten Hit Gabi und Klaus. Im September desselben Jahres brachten sie ihr erstes Album Das Leben ist grausam heraus und gingen mit Udo Lindenberg auf Tournee.

Die Prinzen gingen im Frühjahr 1992 auf ihre eigene Clubtour, dabei wurden sie vom Schlagzeuger Ali Zieme begleitet. Im Herbst veröffentlichten sie die Single und das Album Küssen verboten. Im Dezember 1992 standen die Prinzen in Frankfurt am Main beim Festival Heute die! Morgen Du! auf der Bühne, um ihr Engagement gegen rechte und ausländerfeindliche Tendenzen mit ihrem Titel Bombe zu repräsentieren.

 

Von Februar bis Mai 1993 gingen sie auf Tour. Mathias Dietrich stieg im Jahr 1994 als Bassist in die Band ein. Außerdem kamen in diesem Jahr die Single und das Album Alles nur geklaut auf den Markt, auf die 1994 die zugehörige Tour folgte. Von der erfolgreichsten Tour wurde in Leipzig ein Video mitgeschnitten und herausgebracht. Ein Jahr später erschienen die Single Du musst ein Schwein sein und das Album Schweine. Dabei änderte die Band ihren Stil, denn die Musik wurde rockiger und sie benutzten vermehrt elektronische Hilfsmittel. Die Texte beschäftigten sich mehr mit Sex und Gesellschaft, die Wortwahl wurde aggressiver. Die zentrale Aussage („Du musst ein Schwein sein in dieser Welt“), wenn auch teilweise ironisch gemeint, stand im krassen Gegensatz zu den Texten der ersten drei Alben.

Von November bis Dezember 1995 gingen sie auf Tour durch Deutschland. 1996 erschienen die nächste Single und das nächste Album Alles mit’m Mund, welches von Stefan Raab und Lenk produziert wurde. 1997 folgte die Tour. Dazu gab es im selben Jahr noch ein Best-of-Album Ganz oben: Hits MCMXCI – MCMXCVII. Nach diesen vielen Alben im Jahrestakt legten Die Prinzen eine schöpferische Pause ein. 1999 wurde das Album So viel Spaß für wenig Geld veröffentlicht; noch im selben Jahr folgte das Weihnachtsalbum Festplatte. Im Anschluss gab es eine Weihnachtsclubtour zur Festplatte. (Quelle: wikipedia)

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Hier ihr 99er Album ..  Die Prinzen hatten die erste Jahre, die ja mega erfolgreich waren hinter sich gebracht … ihre schöpferische Pause hatten sie hinter sich gebracht und nun versuchten sie ein Album ohne Anette Humpe als Produzentin.

„Zu DDR-Zeiten in den 80ern nannten wir uns ‚Die Herzbuben‘, tingelten mit zwei Trabbis durchs Land. Heute sind wir mit einem 16 Meter langen 16 Tonner unterwegs. Damals hatten wir bei 30 Auftritten insgesamt nur 3000 Zuschauer, jetzt kommen 150.000 Fans pro Konzert.“ Diese Aussage von Sebastian Krumbiegel, dem Ober-Prinzen, drückt eigentlich alles aus.

Aus der DDR-Combo mit ehemaligen Thomaner-Chorknaben wurde eine erfolgreiche Pop-Band, die nicht nur fantastisch singen, sondern auch eben solche fantastischen Lieder schreiben kann. Für „Küssen verboten“ gab’s zum Beispiel Platin, für „Das Leben ist grausam“ Triple-Gold. Und für ihr Gesamtwerk erhielten die Prinzen dieses Jahr den begehrten Fred-Jay-Preis.

Abgesehen von den excellenten A-Capella-Gesängen bietet die neue CD wieder das, was man von den Prinzen erwartet: witzige, unmögliche, urkomische, sagenhafte, boshafte, satirische und ganz und gar ungewöhnliche Texte. Wer sonst im deutschen Schlagergeschehen wagt solche Reime: „So viel Spaß für wenig Geld, von Tokio bis Bitterfeld“ oder „Oh Bella Ragazza gib mir einen Schmatza“ oder „Ich sage ja zu deutschem Wasser, und ich sage ja zu Dir“ und — der Höhepunkt der Fred-Jay-Preisverleihung — „Mein Hund ist schwul, die dumme Sau, er macht nicht kläff, er macht nur wau!“ Der Titel ist Programm: So viel Spaß für wenig Geld!  (Julia Edenhofer)

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Aber nicht alle waren so begeistert:

So kann man dann auf Amazon auch folgendes lesen:

„Nachdem die Prinzen meinen, ohne ihre alten Produzenten (A. Humpe, Stefan Raab) auszukommen, ist ihr Stern merklich am sinken.
Die wirklich guten Songs auf dieser CD kann man sich an einer Hand abzählen – und benötigt noch nicht einmal alle Finger dafür. Positive Ausnahmen: So Viel Spaß…, Hasso, Du hast ge**** im Schlaf.
Zu wenig Spaß fürs Geld.“

„Die Texte der Prinzen waren immer gut ,genauso ist es auch bei dieser Platte. Aber der Sound.Technobeats nein danke,die ganzen Lieder werden da durch verschändet.Die Prinzen sollten lieber wieder mit Gitarren arbeiten.Einzig gelungen sind Bello und Siegmud Jähn.“

Und in der Tat: die Musik haut einen nicht unbedingt vom Hocker (aber ich bin ja auch nicht die Zielgruppe der Prinzen) … Textlich schließe ich mich dem an, was die charmante Juliane Edenhofer geschrieben hat.

 

Singles

Die Singles von diesem Album

Besetzung:
Sebastian Krumbiegel – Tobias Künzel – Wolfgang Lenk – Henri Schmidt – Jens Sembdner
+
Ali Zieme (drums)

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Titel:
01. So viel Spass für wenig Geld 3.13
02. Bella Ragazza 3.16
03. Du müsstest jetzt hier sein 2.48
04. Sie will mich 3.06
05 Doris K. 3:41
06. Hasso (Mein Hund ist schwul) 1.50
07. Meine Welt 3.00
08. Geh bitte raus (Aus meinen Träumen) 3.23
09. Ungesund 2:57
10. 1000 Liebe Worte 3.10
11. Du wirst mich niemals heulen seh’n 4.09
12. Manager 2.15
13. Wer ist Sigmund Jähn? 2.00
14. Gefühl 8.41

Musik + Texte: Sebastian Krumbiegel – Tobias Künzel – Wolfgang Lenk – Henri Schmidt – Jens Sembdner – Ali Zieme

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