Sternschnuppe – Die bayerische Vogelhochzeit (Rolf Zuckowski) (2003)

FrontCover1.jpgEin ganz und gar bezauberndes Album für große und kleine Kinder. eingespielt von dem Duo Sternschnuppe:

Sternschnuppe ist der Name eines 1993 gegründeten Kinderliedermusikprojekts von Werner Meier und Margit Sarholz. Das Künstlerduo hat bis 2017 26 CDs veröffentlicht und drei Musicals geschrieben.

Werner Meier (* 24. Mai 1953 in Reichertsheim) wurde als das siebte von acht Kindern einer Bauernfamilie geboren. Meier besuchte das Gymnasium Gars und erwarb dort die allgemeine Hochschulreife. Anschließend studierte Meier Sozialpädagogik und schloss das Studium mit der Diplomarbeit ab. Er spielte neben dem Studium in verschiedenen Bands Gitarre und schrieb sein erstes Kabarettprogramm aus den Randnotizen seiner Diplomarbeit. Nach dem Abschluss des Studiums trat Meier auch mit zunehmendem Erfolg als Kabarettist auf. Neben der Arbeit bei den Sternschnuppen und als Kabarettist schreibt Meier auch Theaterstücke, so zum Beispiel Mir san mir – Ein starkes Stück Bayern für das Theater Ingolstadt.

Margit Sarholz (* 31. Januar 1959 in Nassau an der Lahn) gründete 1986 das Kindertheater Sternschnuppe und schrieb für dieses Theaterstücke und stand selbst auf der Bühne. Meier und Sarholz leben seit mehr als 30 Jahren zusammen und haben eine gemeinsame Tochter.

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Meier und Sarholz werden auf ihren Tourneen von einer Liveband begleitet, bestehend aus den Musikern Wolfgang Lohmeier und Csaba Schmitz (Schlagzeug, Percussion), Knud Mensing (E-Gitarre, Akkordeon), Christof von Haniel und Andreas Sterr (Keyboard) sowie Joe Warrlich (Bass). Im Studio wird das Projekt von Gastmusikern wie der Geigerin Martina Eisenreich, der Harfenistin Evelyn Huber und Mulo Francel am Saxophon unterstützt. Die CDs werden außerdem auch immer mit Kindern eingesungen.

Sarholz spielte und schrieb Anfang der 1990er für das Kindertheater Sternschnuppe, das sie 1986 gegründet hatte. Mit ihrem Lebensgefährten Werner Meier textete und komponierte sie 1993 erste gemeinsame Lieder. Noch im selben Jahr erschien die erste CD Taxi Maxi des neu gegründeten Sternschnuppe-Projekts. Die zweite CD Die Brez’n-Beißer-Bande erschien wie die erste CD im Patmos-Verlag. Die dritte CD wurde dann beim 1997 von Sarholz und Meier gegründeten Sternschnuppe-Verlag veröffentlicht.

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Das Künstlerduo hat bis 2011 drei Musicals geschrieben und auf die Bühne gebracht. Die Musicals Die Kuh, die wollt ins Kino gehn und Ritterland erlebten ihre Uraufführung jeweils am Theater Ingolstadt und stehen seitdem auf dem Spielplan des Münchner Lustspielhauses. Das Musical Ristorante Allegro wurde im Oktober 2011 in München uraufgeführt. Sarholz und Meier arbeiten bei diesem Stück mit den Münchner Philharmonikern zusammen. Dirigiert wird das Musical von Ludwig Wicki.  2018 feiert das Künstler-Duo Margit Sarholz und Werner Meier 25 Jahre Sternschnuppe Kinderlieder.

Illustration01Meier und Sarholz bedienen sich in ihren Kompositionen von Lied zu Lied bei verschiedenen Musikrichtungen. Das Sternschnuppeprojekt spielt Tango, Rap, Salsa, Reggae, Jazz und Walzer ebenso wie traditionelle bayerische Volksmusik. Die Sprache ist zumeist oberbayerisch gefärbt, manche Lieder sind vollständig im oberbayerischen Dialekt gesungen, wie zum Beispiel Die Kuh, die wollt ins Kino gehn. Die Musiker greifen bei der Produktion gerne auf kleine Hörspiele zurück, gesprochen von Sarholz, Meier und den Kindern im Studio. Die Hörspiele haben eine Länge von 20 bis circa 60 Sekunden und bereiten auf das folgende Lied vor oder beziehen sich auf das Grundthema der CD.

Die Schlaflieder-CD Nina Nana wurde im Jahr 2001 mit dem Medienpreis Leopold ausgezeichnet. Im Dezember 2009 kürte das Institut für angewandte Kindermedienforschung an der Hochschule der Medien in Stuttgart die Produktion Wer hat die Kokosnuss geklaut? zur CD des Monats. Im September 2011 gewann das Sternschnuppe-Kinderliederprojekt zum zweiten Mal den Leopold, diesmal für die CD Wer hat die Kokosnuss geklaut? (Quelle: wikipedia)

Statements

In diesem wikipedia wird aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen, dieses Album nicht erwähnt. Denn mit diesem Album haben sie ein ganz besonderes Album produzert.

Ausgehend von dem Klassiker „Rolf´s Vogelhochzeit“ aus dem Jahre 1977 prouzierten sie eine „boarische“ Version … unglaublich, aber wahr:

Dem Klassiker aus dem Jahre 1977 in nichts nachstehend, die bayerische Jubiläums-Variante der Vogelhochzeit. Liebevoll wurden Melodien für Hackbrett, Harfe, Akkordeon und Klarinette umarrangiert und durch südamerikanische Rhythmen dezent aufgepeppt. Zusammen mit dem lebendigen Gesang der Sternschnuppe-Kinder und der einfühlsamen Stimme des Sprechers Harry Täschner – einem würdigen Anwärter als Nachfolger Gustl Bayrhammers? – ist diese CD ein wahres Geschenk für den Vogelhochzeit-Fan.

Illustration02Eine Gelegenheit, sich an die Urfassung zu erinnern und bei ‚Briatn, briatn…’ der Verwandlung von ‚Immer nur brüten’ nachzuspüren. Besonderes Plus: Die Instrumental-Playbacks zu allen Sogs machen Spaß auf Mitsingen im Kinderzimmer, Kindergarten und Schule. Nicht umsonst ausgezeichnet mit dem Deutschen Musikeditionspreis 2003 in der Sonderkategorie!“ (Elisabeth Kirschner)

Und in der Tat: hier ist den beiden eine weitere Meisterleistung gelungen … geholfen haqben ihnen dabei eine Schar von superben Musikern (man lese nur mal die Besetzungsliste) und dem Erzähler Harry Täschner, der in der Tat auf ganz besondere Weise an den unvergessenen Gustl Bayrhammer erinnert.

Und all die schmeichelenden Melodien kann man dann noch in Reinkultur hören … eben als Instrumental-Version (ursprünglich dachte ich ja … da sei eher überflüssig), und wem es dann z.B. bei „Schau nur, die Nacht kimmt“ nicht warm ums Herz wird … dann weiß ich auch nicht weiter; hier spielt der deutsche Jazzmusiker Andy Mulo Franzl (Quadro Nuevo) die Klarinette … und wie er sie spielt !

Ein Kleinod der musikalischen Literatur für Kinder … wie gut, dass ich das Kind im Manne noch kenne.

Na ja … und jetzt wandert dieses Album in die Hände meiner 6jährigen Enkeltochter … auch wenn bedauerlicherweise das Begleitheft (gamnz bezaubernd illustriet von Stefan Bertchold) ein wenig ramponiert ist.

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Sternschnuppe mit Rolf Zuckowski

Besetzung:
Werner Meier (guitar, vocals)
Margit Sarholz (vocals)
+
Evelyn Huber (harp)
Andy Mulo Franzl (clarinet)
Wolfgang Lohmeier (percussion)
Knut Mensing (guitar)
Robert Sautter (guitar, mandolin)
Joe Warrlich (bass)
Rudi Zapf (dulcimer, accordeon)
+
Harry Täschner (narrator)

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Titel:

Die Lieder:
01. Die bayerische Vogelhochzeit 3.43
02. Schaug, in der Luft! 1.53
03. Griaß di Gott und Hallo! 3.21
04. Vogerl komm, danz mit mir! 2.22
05. Du und i 2.51
06. Briatn, briatn… 3.00
07. Tock, tock, tock 1.58
08. Griaß di Mama, griaß di Papa! 3.21
09. Mei, so a Vogerl! 2.25
10. Schau nur, die Nacht kimmt 3.51
11. Immer, wenn a kloana Vogel größer wird 2.44
12. Die bayerische Vogelhochzeit 2.48

Die Instrumental-Versionen:
13. Atmo 1 (Instrumental) 1.38
14. Die bayerische Vogelhochzeit 1 2.48
15. Schaug, in der Luft! 1.26
16. Griaß di Gott und Hallo! 3.16
17. Vogerl komm, danz mit mir! 2.10
18. Du und i 2.04
19. Briatn, briatn… 2.43
20. Tock, tock, tock 1.30
21. Griaß di Mama, griaß di Papa! 2.49
22. Mei, so a Vogerl! 1.58
23. Schau nur, die Nacht kimmt 3.15
24. Immer, wenn a kloana Vogel größer wird 1.40
25. Die bayerische Vogelhochzeit 2 2.48
26. Atmo 2 0.35

Musik: Rolf Zuckowski (unter Verwendung des Volksliedes „Vogelhochzeit)
Texte: Rolf Zuckowski – Werner Meier – Margit Sarholz

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Frank Muschik (Jazzhausschule Köln) – Gateway Voices (2003)

FrontCover1Hier ein weiteres Beispiel engagierter „Amateur“-Musik. Diesmal eine EP, aufgenommen von Schülern des Jazzchors der  Jazzhausschule Köln unter der Leitung des Pianisten Frank Muschik.

Ein paar Infos zu dieser Jazzhausschule Köln:

„Mit innovativen Arbeitsansätzen etablierte sich 1980 die Offene Jazz Haus Schule als freies Zentrum für Improvisierte und Populäre Musik Köln – initiiert von Musikern aus dem Kreis der Initiative Kölner Jazz Haus e.V. Seit über 30 Jahren geht von den Aktivitäten dieser Musikerinitiative in den Bereichen Präsentation [Konzertsaal – Kölner Stadtgarten], Produktion [Label »Jazz Haus Musik«], Vermittlung von Musik [Offene Jazz Haus Schule] landes- und bundesweite Signalwirkung aus.

Als kulturpädagogische Facheinrichtung konzipiert und organisiert die Offene Jazz Haus Schule heute im Bereich kultureller Bildung Kursangebote für Kinder, Jugendliche und Erwachsene, soziokulturelle Projekte, berufliche Weiterbildung, Veranstaltungen, sowie diverse Serviceleistungen. Ziel ist, den kreativen, verantwortungsvollen und selbständigen Umgang mit Musik zu unterstützen. Die Förderung der Gesamtpersönlichkeit, die Auseinandersetzung mit aktuellen künstlerischen und gesellschaftlichen Entwicklungen, die Arbeit mit Mädchen und Jungen sowie die Integration ethnischer, religiöser und sozialer Gruppen charakterisieren die Arbeit der Offenen Jazz Haus Schule.“ (Selbstdarstellung) (mehr in der beigelegten pdf Datei)

Da sag ich einfach mal: Respekt !

Programm2014

Jahresprogramm 2014 (liegt der Präsentation bei)

Und eine der Facetten dieser bunten Musikschule ist der Chor „Gateway Voices“. Es handelt sich dabei um einen gemischten Chor mit den Stilrichtungen „Gospel, Soul, Pop, Jazz“ … aber: „Neben Jazz, Pop und Gospel unternimmt der Chor gelegentlich auch Ausflüge in die Musikgeschichte, z.B. ins Repertoire der Romantik, der Klassik oder des Barock.“

Diese EP konzentriert sich jedoch auf Klassiker des vokalen Jazz; die Aufnahmen entstanden im Dezember 2002 mit Ausnahme der Live-Aufnahme „A Child Is Born“, diese ist beim Winterfestival 2001 im Stadtgarten der Stadt Köln entstanden.

Mir gefällt diese EP, mir gefällt der Enthusiamus der beteiligten Sänger/innen und ich zolle dem Chorleiter Frank Muschik einfach mal meinen Respekt.

FrankMuschik

Frank Muschik

Was ich jedoch einfach nicht verstehe, warum man eine solche Produktion so spärlich ausstattet. Nein, es muss kein üppiges booklet sein, aber die Rückseite des Covers mit dem exakt gleichen Motiv zu „schmücken“, anstatt dieses Platz für erläuternde Texte zu nutzten … ich will und kann es nicht verstehen. Einfach nur schade, dass sich solch wertvolle Amateurproduktionen damit selbst entwerten … Einfach nur schade … Und auf der website dieser Musikschule findet man auch keinen Hinweis auf diese CD … ich kapier´s nicht …

Ach ja, Chorleiter Frank Muschik hat sich scheinbar mittlerweile von diesem Projekt getrennt (jedenfalls taucht er nicht mehr in der Liste der Dozenten dieser Musikschule auf); aber er spielt als Pianist scheinbar regelmässig im „Grandhotel Schloss Bensberg“ (Bergisch Gladbach) … nun ja …

Besetzung:
Gateway Voices unter der Leitung von Frank Muschik

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Titel:
01. Black Orpheus (Bonfa) 2.26
02. Cry My A River (Hamilton) 2.57
03. It´s Only A Papermoon (Arlen) 2.21
04. Agua de Beber (Jobim) 3.00
05. A Child Is Born (Jones/Lewis) 2.40

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Thomas Hettche – Der Fall Arbogast (Hörbuch) (2004)

FrontCover1.jpgDas Buch von Thomas Hechte habe ich in meinem letztem Urlaub gelesen … Au die Hörbuch-Fassung war ich dann sehr gespannt.

Der Fall Arbogast war ja eigentlich der Fall Hans Hetzel:

Hans Hetzel (* 29. April 1926; † 1988) war ein Metzgermeister, der 1955 wegen Mordes zu lebenslanger Haft verurteilt wurde. Vierzehn Jahre später wurde Hetzel nach einer erfolgreichen Wiederaufnahme des Verfahrens in einer erneuten Hauptverhandlung freigesprochen. Der Fall Hetzel ging in die Rechtsgeschichte ein, weil er zum einen das Dilemma sich widersprechender Sachverständigen-Gutachten und darauf gründender richterlicher Urteile offenbarte, und weil er zum anderen eine große Aufmerksamkeit durch die Presse erfahren hatte. Dem Schriftsteller Thomas Hettche diente dieser Fall eines Justizirrtums als stoffliche Vorlage für den 2001 erschienenen Roman Der Fall Arbogast. Details zum Fall Hetzel werden ausführlich in der Autobiografie des Gerichtsmediziners Albert Ponsold (1980) geschildert.

Im September 1953 wurde an einer Bundesstraße in der Nähe von Offenburg die unbekleidete Leiche der 25-jährigen Magdalena Gierth gefunden. Kurz darauf meldete sich der junge Schlachter Hans Hetzel bei den örtlichen Behörden und gab an, er habe die junge Frau vor kurzem als Anhalterin mitgenommen und es sei an jenem Abend zu mehrmaligem Geschlechtsverkehr gekommen. Hetzel erklärte, dass er beim Analverkehr, bei dem er gänzlich unerfahren gewesen sei, plötzlich verspürt habe, dass Magdalena tot sei. Er versuchte sie wiederzubeleben, schaffte es aber nicht. In seiner Panik habe er dann die Leiche in nahegelegenen Büschen versteckt. Keiner der Beamten glaubte ihm seine Version des Geschehens, so dass es zum Prozess kam.

Dieser Prozess erregte große Aufmerksamkeit in der westdeutschen Öffentlichkeit, insbesondere deswegen, weil zum ersten Mal in einem deutschen Gericht pikante sexuelle Details besprochen wurden. So wurde auch die angeblich besondere Größe von Hetzels Penis in die Beweiskette aufgenommen – ein Schock in der Prüderie der 1950er Jahre. Dass Hetzel trotz seiner Ehe als Schürzenjäger galt, öfter Anhalterinnen mitnahm und wegen eines Unfalls mit Todesfolge vorbestraft war, wirkte sich im Prozess zu seinen Ungunsten aus. Besonderes Vertrauen brachte das Gericht dem Mediziner Professor Albert Ponsold, dem damaligen Star der westdeutschen Gerichtsmedizin, entgegen. Sein Gutachten gründete auf dem Sektionsprotokoll und dazugehörigen Obduktionsfotos der Leiche, an deren Kieferwinkelknochen scheinbar deutliche Abdrücke eines Stricks und nach Ponsolds Meinung typische Drosselmerkmale zu erkennen waren. Für einen Erstickungstod durch Erdrosseln sprach auch die bei der Obduktion festgestellte Erweiterung des Herzens.

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Berichterstattung im „Spiegel“

Die Obduktion ergab insgesamt 20 verschiedene Befunde, die von besagten Drosselmerkmalen bis hin zu zahlreichen Blutungen an verschiedenen Körperstellen reichten. Ponsold schloss aus dem Obduktionsbefund und Fotografien auf einen sukzessiven Tathergang: Das Opfer wurde mit der Faust ins Gesicht bewusstlos geschlagen, atmete Blut ein (Befund „Blut in der Lunge“), wurde anal penetriert und schließlich mit einem Strick erwürgt. Ponsolds Schlüsselargument war, dass jeder der Einzelbefunde verschiedene, zum Teil auch postmortale Ursachen haben konnte, dass jedoch die Kombination der Einzelbefunde zu einer zusammenhängenden Befundkette das Spektrum möglicher Ursachen erheblich einschränkte.

Auch nach der Verurteilung beharrte Hans Hetzel auf seiner Unschuld und versuchte mit Hilfe seines Anwalts, ein neues Verfahren anzustrengen. Mehrere Wiederaufnahmeverfahren waren zuvor gescheitert. Zum Schluss gab es elf weitere Gutachten, die Ponsold widersprachen, aber das Gericht lehnte die Wiederaufnahme mit dem Hinweis auf die höhere Kompetenz Ponsolds ab. Die Wiederaufnahme gelang erst 1969 – 14 Jahre nach dem Urteil und 16 Jahre nach dem Tod von Magdalena Gierth sowie gegen den energischen Protest der Staatsanwaltschaft. Mit Hilfe des aus Österreich stammenden und in der DDR lehrenden Professors Otto Prokop, der in seinem entscheidenden Gegengutachten argumentierte, dass die angeblichen „Drosselmerkmale“ nach Eintreten des Todes entstanden und von einer Astgabel stammten, in welcher der Kopf nach dem Tode lag, sowie dass die junge, durch einen gerade versuchten Schwangerschaftsabbruch im dritten Monat und eine unmittelbar vorher überwundene Syphilis geschwächte Frau wahrscheinlich durch eine Lungenembolie einen plötzlichen Herztod erlitt, wurde Hetzel in diesem Verfahren freigesprochen. Prokop beschuldigte dabei Ponsold der groben Fahrlässigkeit. Darüber hinaus rügte er das Gericht von 1955, weil es einem Gutachten gefolgt sei, das nicht auf einer Untersuchung der Toten fußte, sondern nur auf Grund eines mangelhaften SW-Fotos entstand.

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Gerade hierin gründet der gerichtsmedizinisch und rechtsgeschichtlich heikle Fall, denn auch Prokop war 16 Jahre nach dem Tod des Opfers auf dieselben, angeblich mangelhaften Fotos und den ersten Obduktionsbericht angewiesen. Für Ponsolds Argumentation ungünstig und im zweiten Verfahren entscheidend war der Obduktionsbericht, in dem Herztod als Todesursache festgestellt wurde. Die damaligen Obduzenten hatten jedoch wichtige Druckmale am Hals und Kieferknochenbereich übersehen und deshalb ähnliche Spuren im Nackenbereich als Würgemale fehlinterpretiert. Ponsold hingegen bezog alle sichtbaren Male im Hals- und Nackenbereich in seine Beobachtungen mit ein und deutete sie als Drosselmerkmale, die in der Regel im oberen Halsbereich auftreten, wohingegen Würgemale im unteren Halsbereich zu erwarten wären. So gesehen musste das Opfer mit einem Strick (sogenannter „Kälberstrick“) erwürgt worden sein. Im zweiten Prozess wurden die auf den Fotos sichtbaren Drosselmerkmale als postmortale Spuren gewertet, als deren hypothetische Ursache z. B. eine Astgabel angegeben wurde, auf der die Tote vielleicht zu liegen gekommen sein konnte – wenngleich zu bemerken ist, dass das symmetrische Auftreten der Spuren auf beiden Gesichtsseiten am Kieferwinkel-Knochen unterhalb der Ohren die Astgabel-Version als unwahrscheinliche Konstruktion erscheinen lassen, auch wenn Fotos vom Fundort der Leiche dies zu zeigen scheinen. Dennoch wurde Ponsold, der im zweiten Verfahren als Zeuge nicht mehr zugelassen war, der Vorwurf gemacht, er habe die Möglichkeit postmortaler Unterhautblutungen nicht gekannt, obwohl er diese bereits in seinem Lehrbuch von 1950 ausführlich diskutiert, nur im konkreten Fall als Möglichkeit ausschloss.

Das Gericht sah es mit dem Gutachten Prokops schließlich als erwiesen an, dass das Gutachten von Ponsold oberflächlich und falsch war. Alle Verletzungen, die an der Toten festgestellt wurden, wurden nunmehr mit den vergeblichen Wiederbelebungsversuchen, die Hetzel angab, aber auch mit dem danach erfolgten Transport der Toten und deren Lagerung auf einer Astgabel in einem Gebüsch erklärt. Die von Ponsold erkannten Drosselmerkmale (Kälberstrick) wurden ebenfalls durch die dementsprechende Lagerung der Toten durch Hetzel zugeordnet.

Prokop bewies mit eigenen Versuchsreihen, dass die Verletzungen erst nach dem Tod entstanden sein könnten, und verwies dabei auch auf ebensolche Studien von Dr. R. Schulz aus dem Jahre 1896, die gleiches bewiesen und allgemein zum Grundwissen jedes Gerichtsmediziners gehörten. Auf diese Erkenntnisse hatte Ponsold in seinem bereits erwähnten Lehrbuch aus dem Jahr 1950 längst hingewiesen. Sie waren ihm nicht, wie von Prokop behauptet, unbekannt, sondern schienen ihm im konkreten Fall höchst unwahrscheinlich.

Die Tatsache, dass Otto Prokop in der DDR lehrte und dem bundesrepublikanischen Gerichtsmediziner fehlerhafte Arbeitsweisen nachwies, machte den Prozess zum Politikum und erschütterte das Vertrauen in die bundesdeutsche Justiz immens. Immerhin hatte ein Gutachter aus dem „Unrechtsstaat“ DDR mit seinem offensichtlichen Nachweis die westdeutsche Justiz der Voreingenommenheit überführt.

Hetzel erhielt eine Entschädigung von ca. 75.000 DM. 1974 lernte er seine zweite Frau kennen. Aus der Ehe der beiden stammen zwei Kinder. Beruflich wie privat fasste Hetzel jedoch nie wieder richtig Fuß. Er war oft depressiv, schloss sich teilweise zwei bis drei Tage ein und starb 1988 an Krebs. Er hinterließ seiner Familie 560.000 Mark Schulden. (Quelle: wikipedia)

Buchausgabe

Die Buchausgabe: Selten hat mich – angesichts der schrecklichen Thematik des Buches – die Titelabbildung gestört wie hier.

Wie schon vorhin erwähnt, wurde dieser ganz und gar tragische Fall eines Justizirtums von Thomas Hechte schriftstellerisch aufgegriffen. Sein Roman „Der Fall Arbogast“ erschien 2001.:

Der Fall Arbogast, erschienen 2001, basiert auf dem historischen Kriminalfall um Hans Hetzel und erzählt die Geschichte eines Aufsehen erregenden Justizirrtums in den 1950er Jahren. Der Roman, der zum Besteller und in zwölf Sprachen übersetzt wurde, galt der Literaturkritik wegen der dramaturgisch durchkomponierten und filmhaften Erzählweise, bei der Hettche erstmals stark mit Dialogen arbeitet und mit unterschiedlichsten Figuren detailgenau ein Stück bundesrepublikanischer Nachkriegsgeschichte entwirft, als Zäsur im Werk des Autors, als Hinwendung zu neuen Themen und einem realistischeren Erzählen.

Felicitas von Lovenberg sieht in der „Schilderung von beklemmender Intensität (…) einen Schriftsteller, der gelernt hat, souverän mit seiner Kunst umzugehen. Jeder Satz steht wie gemeißelt“, schreibt sie in ihrer Rezension in der FAZ. Der Autor habe sich „einen ungewöhnlichen Stoff ausgesucht, um sein zentrales Thema von Körper und Gewalt fortzuführen“; der Roman zeige aber, „daß der Sprachvirtuose Hettche seine Themen nicht mehr nur kaltblütig inszeniert und seziert, sondern den Menschen neben Obsessionen auch Gefühle zugesteht“. Wobei er es „geschickt (vermeide), uns Arbogast so nah zu bringen, daß er einem geheuer würde“ – zwischen der „mächtigen Gestalt“ „Arbogast und seiner Umwelt, zwischen Hettche und seinem Protagonisten und letztlich auch zwischen Roman und Leser bleibt eine Distanz wie zu einem Raubtier im Zoo, das man durch die Stäbe bewundert“.

Für Ijoma Mangold besteht der „künstlerische Coup dieses großen Buches“ in der Installation eines allwissenden Erzählers, „der alles und zugleich doch nicht mehr als jeder andere wache Mensch auch sieht und weiß“. Diese „transempirische Autorperspektive“ schaffe einen „schillernd-faszinierende(n) Realismus, der weit mehr umfasst, als einer bloßen Dokumentation zugänglich wäre“, schreibt er in der Berliner Zeitung. Durch den „Reichtum an Beobachtungen, den Hettche in seinem Meisterwerk zusammenträgt“, verschlösse er den Roman „gegen die Interpretationsanmutungen unserer Lektüregewohnheit“: „Indem Hettche seinen Kriminalroman so vollständig vor Symbolisierungen abdichtet, gerät die gesamte, so realistisch dargestellte Wirklichkeit ins Schwirren, schlägt um in einen neuen Status und wird greifbarer und übermächtiger, als es nur je irgendein Symbol vermöchte“. So bliebe ein „uneinholbarer Rest“, „für (den) es in den Begriffen unserer Wirklichkeit keinen Ort gibt“.

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Thomas Hettche

Auch Heinrich Detering ist in seiner Besprechung für Literaturen voll des Lobes für Hettches „perspektivische(n) Realismus“. Sein „ernste(r), aufmerksame(r), jederzeit konzentriert beobachtende(r) und selbst nie zu fixierende(r)“ Erzähler führe „souveräne Zeitregie“ und vermittele „jene Nuancen des Empfundenen und Gedachten, die sich der Sprache nur widerstrebend fügen, zuweilen so eindringlich, dass man über diesen Schilderungen deren eigene Sprachgebundenheit streckenweise vergisst“. Hettches Wille zum Stil sei nur „ganz selten (…) überanstrengt oder anachronistisch“, „die erzähltechnische Perfektion dieses Buches (…) so auffallend, dass man manchmal befürchtet, sie auf der nächsten Seite als bloße Artistik vorgeführt zu sehen – und jedesmal wahrt der Erzähler gelassen die Balance“. „In der reinen Suggestionskraft dieser Prosa“ liege „der tiefste Grund aller Spannung“: „Was sich hier sagen lässt, wird möglichst offen gesagt – und markiert gerade so die Grenzen zu jener geheimnisvollen Weite, die von der Sprache kaum erreicht wird“. Hettches „Geschichte ohne Auflösung (ist) ein perfekter Kriminalroman: eine Überbietung des Genres“. „Etwas Besseres als dieser Autor konnte dem Stoff gar nicht passieren“. (Quelle: Wikipedia)

Die Zeitschrift „Literaturen“ verstieg sich bei diesem Buch zu dem Urteil „Der beste Krimi seit Dürrenmatt“.

Das ist natürlich vollkommener Quatsch, denn zum einen ist dieses Buch eigentlich gar kein Krimi (jedenfalls nicht im herkömmlichen Sinne), sondern ein Roman, der sich mit vielfältigsten Facetten der bundesdeutschen Nachkriegszeit beschäftigt (von der Prüderie, dem damaligen Strafvollzug,  bis hin zu den Mühlen der Justiz und „verständnisvoll“ schleimenden Gefängnispfarrern.

Und zum anderen erlaubte sich Thomas Hettche im Rahmen seiner schriftstellerischen Freiheit Ausschmückungen, die aus meiner Sicht gänzlich überflüssig, wenn nicht gar ärgerlich sind.

So dichtete er der ostdeutschen Gutachterin Katja Lavans (in der Realität war es ein männlicher Gutachter) eine morbide Faszination zu dem „Täter“ Arbogast (sie besorgt sich sogar eine Perücke mit rötlichem Haar, um dem „Opfer“, Magdalena Gierth ähnlicher zu sein) , die dann schließlich in einem eher widerlichem Sexualakt auf der Kühlerhaube eines ganz speziellen Autos endet.

Die Hörbuchfassung (stark gekürzt) lebt neben der souveränen Sprechern und Sprecherinnen auch durch die zeitgeschichtlichen Collagen (von Adenauer bis Brandt), die das Hörbuch einerseits auflockern, andererseits die zeitliche Dimension von 14 Jahren Haft verdeutlichen sollte.

Auch wenn die amourösen Abenteuer der Katja Lavans ein Ärgernis sind … das Hörbuch schildert ein bewegende Geschichte von Lust, Moral und tragischen Irrtümern.

Ich habe der Präsentation ein paar Spiegel-Artikel zu dem realen Fall beigelegt, verfasst von dem großartigen Gerhard Mauz.

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Besetzung:
Christian Berkel (Hans Arbogast)
Klaus Dittmann (Wärter)
Peter Fitz (Fritz Sarrazin)
Wilfried Freitag (Kaser)
Volker Hanisch (Bernhard Curtius)
Gerhard Hinze (Ansgar Klein)
Kai Hufnagel (Journalist)
Anna-Maria Kuricová (Marie)
Christian Redl (Erzähler)
Andrea Sawatzki (Katja Lavans)
Stephan Schwartz (Horst Lindner)
Brita Subklev-Hildebrandt (Elke)

Regie und Bearbeitung: Ulrich Lampen

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Titel:

CD 1:
01. Kapitel 01 / 03.45
02. Kapitel 02 / 03.37
03. Kapitel 03 / 12.07
04. Kapitel 04 / 10.31
05. Kapitel 05 / 12.07
06. Kapitel 06 / 10.57

CD 2:
01. Kapitel 07 / 10.04
02. Kapitel 08 / 04.15
03. Kapitel 09 / 02.15
04. Kapitel 10 / 07.40
05. Kapitel 11 / 08.09
06. Kapitel 12 / 07.55
07. Kapitel 13 / 09.57
08. Kapitel 14 / 02.52
09. Kapitel 15 / 01.10

CDs

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Ergänzende Hinweise zu jenem Gutachter, der sich so gründlich geirrt hatte:

Durch Friedrich Herbers Buch „Gerichtsmedizin unterm Hakenkreuz“ wissen wir, dass Ponsold zum 1. Oktober 1941 auf den Lehrstuhl für gerichtliche Medizin an der „Reichsuniversität Posen“ (im okkupierten Poznań) berufen wurde, den er bis 1945 innehatte. In seinen von einem Ghostwriter geschriebene Memoiren unter dem Titel „Der Strom war die Newa. Aus dem Leben eines Gerichtsmediziners“ (1980) behauptet er, nie einer Partei angehört zu haben. Friedrich Herber wies nach, dass Ponsold seit 1937 Mitglied der NSDAP war (Nr. 4 047 403), seit 1933 schon der SA. Er war auch Mitglied des NS-Ärztebundes und des NS-Dozentenbundes, besaß die Zulassung als Arzt im Amt für Volksgesundheit der NSDAP, war „Sturmarzt“ des Nationalsozialistischen Deutschen Kraftfahrer-Korps, „Sturmführer“ im NS-Fliegerkorps und arbeitete in einem Erbgesundheitsgericht mit.
In dem von Ponsold unterschriebenen Formular zur Aufnahme in die NSDAP heißt es: „Ich bin deutscher Abstammung und frei von jüdischem oder farbigem Rasseeinschlag … Ich verspreche, als treuer Gefolgsmann des Führers die Partei mit allen meinen Kräften zu fördern.“
60 Jahre sind seit dem tragischen Ereignis im Walde, für das der stürmische Liebhaber Hans Hetzel 14 Jahre unschuldig im Gefängnis saß, vergangen. (Quelle: Das Blättchen)

Weitere Informationen hier.

Rüdiger Hoffmann – Ekstase (2003)

FrontCover1Einer, der ne ganz spezielle Art hat und ja, einer jener Humoristen … die mich mehr als einmal ganz und gar köstlich unterhalten hat:

Rüdiger Hoffmann (* 30. März 1964 in Paderborn) ist ein deutscher Kabarettist und Musiker.

Rüdiger Hoffmann wuchs in Paderborn auf und besuchte dort das Reismann-Gymnasium. Schon während der Schulzeit trat er mit mehreren Rock- und Theatergruppen auf, u. a. gemeinsam mit Ralf Kabelka in einer Kabarettgruppe mit dem Namen „Die Pappnasen“. Nach dem Abitur begann er, Musik für das Lehramt zu studieren. Nach Abbruch des Studiums trat er mehrere Jahre lang bei verschiedenen kleineren Veranstaltungen auf.

Bekannt wurde er Anfang der 1990er Jahre unter anderem durch gemeinsame Auftritte mit Jürgen Becker und in der Sendung Quatsch Comedy Club auf ProSieben. Er war auch einer der Stammgäste in der Comedy-Serie RTL Samstag Nacht. Am 12. August 1995 trat er im Vorprogramm der Voodoo Lounge Tour der Rolling Stones beim Schüttorfer Open-Air auf. In der Komödie 7 Zwerge – Männer allein im Wald aus dem Jahre 2004 spielte er die Rolle des Zauberspiegels, ebenso im Nachfolgefilm von 2006, 7 Zwerge – Der Wald ist nicht genug. Seit 2004 hat Hoffmann vereinzelte Auftritte in der RTL-Comedy-Improvisationsshow Frei Schnauze.

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Seine Markenzeichen sind eine sehr langsame und entspannte Sprechweise, trockener Humor und der unverwechselbare Eingangssatz: „Ja, hallo erst mal! Ich weiß gar nicht, ob Sie’s wussten, aber …“. Ein weiteres Markenzeichen ist ein Stuhl, allerdings gibt es auch Auftritte, bei denen er steht. Gelegentlich begleitet er sich selbst am Klavier.

2007 brachte Hoffmann sein erstes rein musikalisches Album Sex oder Liebe heraus. Neben normalen Pop-Songs spielte er auch härtere Rhythmen. Der Song Testosteron ist stark an die Band Rammstein angelehnt. 2010 trat er im Roncalli-Zirkus auf, wo er sein Programm „Das Beste aus 25 Jahren“ präsentierte, das aufgezeichnet und auf DVD veröffentlicht wurde.

Rüdiger Hoffmann ist seit 1998 verheiratet, ist seit 2007 Vater eines Sohnes und wohnt in Bonn. (Quelle: wikipedia)

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Ich weiß ja nicht, ob Sie es schon wussten, aber es gibt etwas Neues: Rüdiger Hoffmann befindet sich in Ekstase und lässt uns wieder „gaaanz ruhich“ an seinem haarsträubenden Leben teilhaben.

Der Westfale mit seiner geruhsamen Art baut mit dem neuen Programm Ekstase auf dem Erfolg von Ich komme…! auf. Es ist schon erstaunlich, wenn jemand auf die Bühne kommt — in diesem Fall bei einem Live-Mitschnitt in Marburg — und allein durch das „Hallo erstmal…“ schon begeisterte Heiterkeit auslöst. Wenn Rüdiger Hoffmann in Ekstase verfällt, dann geht es um so essenzielle Dinge wie die Beziehung zu seiner Bekannten, die so völlig andere Ansichten vom Leben hat als er. Unberechtigterweise, versteht sich. Aber Rüdiger nimmt das alles ganz „Locker und frei“: Die Tücken des „Navigationssystems“ ebenso wie gescheiterte Beziehungen oder verunglückte Werbungsrituale („Die Orangenhaut“). Richtig umwerfend wird Hoffmann als „Anwalt“, wenn er in Schuljungen-Manier darüber jammert, von seinen Eltern zum Auszug aus dem geliebten Kinderzimmer gezwungen zu werden. Ob er wohl als Anwalt die eigenen Eltern verklagen kann?

Hoffmann gibt sich ganz harmlos, doch in seinen Worten brodelt es. Er unterstellt seiner Umgebung zahllose Gemeinheiten gegen sich, die zuerst vollkommen berechtigt erscheinen. Bis man zwischen den Sätzen mehr und mehr die Ursache erkennt. Die steht nämlich auf der Bühne und schafft es, mit sparsamster Mimik und Rhetorik, den Saal zum Brüllen zu bringen. Ein echter Hoffmann! (Daniela Lochner)

Mag ja sein, dass so manche Gags „unter der Gürtellinie“ sind … aber ich bin da nicht katholischer als der Papst, und wenn dann beide Geschlechter ihr Fett abbekommen … dann kann ich damit wunderbar leben …

Von der Scheidung und Joseph Beuys zum Pumuckl-Schlafanzug …. auf diese Ideen muss man erstmal kommen …  schwarzer Humor inklusive.

Zitat über einen Zungenkuss: Das fühlte sich an wie eine Nacktschnecke auf Ecstasy ..

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Besetzung:
Rüdiger Hoffmann (vocals, piano, guitar)

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Titel:
01. Das neue Navigationssystem 9.41
02. Der Nachbarkillerblues 4.51
03. Die Scheidung 7.47
04. Locker und frei 8.07
05. Du brauchst Zeit 2.51
06 Die Orangenhaut 6.15
07. Der Anwalt 4.30
08. Der kleine Egoist 4.24
09. Der Seelenfänger 2.48
10. Die Unsensible 6.10
11. Am Baggersee 13.02
12. Wenn der letzte Vorhang fällt 4.14

Musik und Texte: Rüdier Hoffmann

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Tiger Willi – Pfui deifi is des Leben schee (2003)

TigerWilliFrontCoverUnd jetzt hat uns ein bayrisches Original verlassen … und deshalb dieser kenntnisreiche und liebevolle  Nachruf:

Zum Tod von Tiger Willi:
Ordinär und derb, „weil das Leben auch so ist“

Musiker Tiger Willi, mit bürgerlichem Namen Wilhelm Raabe, ist im Alter von 70 Jahren von der Bühne des Lebens abgetreten.

Leben heißt Leiden. Aber ohne Leid gäbe es keine Geilheit, keine Schönheit, keine Poesie – zumindest in der Philosophie eines Tiger Willi. Eines Künstlers, der für derb-brachialen Wortwitz ebenso stand wie für philosophischen Tiefgang. Ein Gratwanderer am Abgrund des Seins, wie er in Presseberichten genannt wurde. Ein Menschenfreund, ein Original und ein Gesamtkunstwerk. Eben ein Ereignis.

Vielleicht, weil er ein Mensch war, der in keine Schubladen passte. Ehrlich war er, authentisch und immer bizarr-komisch. Es konnte zum Beispiel gut passieren, dass sein Publikum Geduld haben musste, bis er sich seine Gitarre schnappte und die Vorstellung beginnen konnte: „I kumm glei, ich muaß ganz schnei no bies’ln“, murmelte er dann von der Bühne herunter und verschwand noch mal kurz. Weil er immer so nervös war, wenn er auftreten musste.

Schüchtern wirkte dieses kräftig gebaute Mannsbild manchmal, gerade in seinen Anfängen. Nachvollziehbar war das, wenn man bedenkt, dass das, was der Tiger Willi da so vor all den wildfremden Menschen herausließ, so etwas wie ein echter Seelenstriptease war. Ordinär, derb ging es in seinen Liedern zu, nicht, weil er selbst so gewesen wäre. Sondern „weil das Leben auch so ist“, sagte er immer wieder mal. Und widersprechen konnte man ihm da nicht.

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Der Tiger Willi mit Bonzo Keil

Der Tiger Willi begegnete Menschen stets mit Respekt, ausgesprochener Höflichkeit und Sensibilität. Er hatte ein großes Herz für die Schwachen, die Unterdrückten und die am Leben Gescheiterten – was auch Eingang in seine Texte fand. Zum Beispiel, wenn er in „Das Leben is a Schindermatz“ den Tod eines Heroinsüchtigen besang, dem der gesellschaftliche Absturz vorausging. Leise Töne schlug er da an. Ohne sich ein Urteil zu erlauben, weder über den Drogensüchtigen, den Dealer, die Prostituierte oder gar den Mörder, die ihn zu seinen Liedern inspirierten. Tiger Willi suchte vielmehr nach den Gründen, die Menschen dazu bringen, so zu handeln wie sie handeln.

Vielleicht war das so, weil er gar nicht anders konnte. Weil ihm selbst viel Schlimmes widerfahren ist. Der Tiger Willi, der im wirklichen Leben Wilhelm Raabe hieß, ist in Steinebach am Wörthsee aufgewachsen. Der „Kirchenwirt“ direkt im Zentrum des Ortes gehörte seiner Familie seit 1911. Tiger Willis Großvater Carl hatte das Lokal erworben, in dem später, 1947, der Tiger Willi geboren wurde. Im Alter von 15 Jahren verliert er den Vater, mit 18 die Mutter.

Der Tiger Willi hatte zu dieser Zeit schon fünf Jahre Kinderheim hinter sich: „Eine Folter war das“, erzählte er einmal. „Da hast erfahren, was Christentum heißt. Die Sünd’n haben’s dir da eingeredet, unglaublich.“ Nach dem Tod der Eltern wurde das Lokal verpachtet. Doch für den Tiger Willi blieb es sein Wohnzimmer, sein Zuhause. Oft saß er dort, erzählte von früher. Von prominenten Gästen wie Franz Beckenbauer oder dem RAF-Mitglied Günter Sonnenberg, der 1977 im Lokal übernachtete.

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Vielleicht war seine genaue Beobachtungsgabe seiner Kindheit, seiner Jugend, seinem Erwachsenenleben in einem Wirtshaus zuzuschreiben. Dort begriff er schnell, dass Menschen anders sind, als sie sein sollten. Sondern dass sie getrieben sind von ihren Begierden und besessen davon, kaputt zu machen, was sie eigentlich lieben.

So muss er es selbst empfunden haben, damals, als er sich gezwungen sah, den Beruf des Metzgers zu ergreifen. Einer wie er, der keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte. Zwischen Schinken und Kotelett hätten sich alle Belange des menschlichen Lebens abgespielt, hat er mal über diese Zeit gesagt. Er selbst überstand das alles mit Hilfe der Philosophie. Mit Schopenhauer maßgeblich. Und auch mit Nietzsche. Bisweilen stand er damals hinter der Theke, schnitt Bierwurst oder Schnitzel, erklärte dabei den dialektischen Materialismus oder rezitierte den Faust. Klar, dass so jemand eine andere Bühne als eine Fleischerei brauchte.

Mit 27 Jahren holte er das Abitur nach und studierte Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Sozialpädagogik. Seine Metzgerei in Steinebach gab er ab und betreute stattdessen junge Handwerker im Wohnheim des Bayerischen Bauindustrie Zentrums in Stockdorf. Dort trat er auch auf – weil die Handwerker seine Lieder mochten. Vor allem den „Isele Rock“, den er schon mit 19 Jahren geschrieben hatte, benannt nach seinem Lehrherrn.

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Viele andere Lieder und Gedichte sollten folgen, die er in seinem Wirtshaus zum Besten gab, aber auch auf vielen Bühnen in der Stadt. Etwa dem Heppel&Ettlich oder dem Theater im Fraunhofer. Fünf CDs hat er aufgenommen. Kritiker lobten ihn als Philosophen, der die fleischliche Lust auf recht eigene, teils skurrile, teils recht direkte Art thematisierte. Gleich mehrmals wurde er dafür ausgezeichnet – unter anderem 2012 mit dem Tassilo-Preis der SZ.

2011 wurde bei ihm Alzheimer diagnostiziert. Am Sonntag ist der Tiger Willi von der Bühne des Lebens abgetreten. Er wäre am 9. April 71 Jahre alt geworden. Am Freitag, 11 Uhr, soll er in seiner Heimatgemeinde beerdigt werden. Er hinterlässt seine Ehefrau Andrea. (Astrid Becker, Süddeutsche Zeitung, 12.03.18)

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Der Tiger Willi mit seiner Ehefrau Andrea

Und natürlich auch ein wenig Musik von diesem Querdenker … Hier sein drittes Album „Pfui deifi is des Leben schee“ aus dem Jahr 2003:

Das weißblaue Bundesland hat ja in den letzten 20 Jahren eine ganze Reihe singender Individualisten hervorgebracht: Willy Michl, Ringsgwandl, Haindling — sie alle haben ihre eigene Vorstellung vom Leben, von der Wirklichkeit und davon, wie man Lieder darüber singt.

Tiger Willi, ursprünglich von Beruf Metzger und heute Dichter, Sänger und Philosoph, passt in diese Reihe gut herein: Irgendwo zwischen Elvis, Bukowski und Schopenhauer singt er zur Gitarre seine Lieder über das Leben an und für sich — selbstredend auf Bayrisch. „Wie ein Tiger“ schreit er seine Lebenslust heraus und bringt uns zum Lachen über sein „Tigerhosl“ oder den „Mo ohne Kopf“, dichtet eine Ballade über Verführungen der Macht („Herr der Welt“), die fast ein verschollenes Goethe-Fragment sein könnte, und lässt und an den etwas derberen Niederungen männlicher Lebenslust teilhaben („Arsch und Mond“, „Leberfleck“). Tiger Willi ist dabei, wie er ist, nichts ist gekünstelt, konstruiert oder gewollt: Dieser Mann singt uns seinen Blues vor, lässt uns an seinem Seelenleben teilhaben und sorgt dafür, dass wir einen Riesenspaß haben.

Wer die oben genannten Willy Michl, Ringsgwandl oder Haindling zu schätzen weiß, der wird mit Pfui Deifi, is des Lebn schee seine Freude haben. (Hanno Güntsch)

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Eine ganz außergewöhnliche CD, die in Richtung schwarzer Humor geht und die für Fans des skurillen Geschmacks gemacht ist. Einmal reingehört, läßt sie süchtig werden. Der Tiger Willi ist die wohl schillerndste Figur der bayerischen Kabarettlandschaft. Zwischen Elvis und Schopenhauer – unter diesem Motto faßt der Tiger Willi seine Erkenntnisse über Lust und Leid zusammen. Geschichten, über Geschundene und Betrogene, über Liebe, Gewalt, Geilheit und Tod. Aber bei aller Verzweiflung ist der Tiger Willi ein Verführer, seinen Liedern liegen eingängige Melodien zugrunde, bayrischer Blues und Rock, gewürzt mit einer gehörigen Portion Erotik, denn der Einfluß von Elvis ist nicht zu überhören. Bemerkenswert auch die geniale Begleitung durch Bonzo Keil, dem Mann an der Gitarre. (Polly Polster)

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Der Tiger Willi bei einem Benefiz-Konzert für Ecuador (rechts ein weiteres bayerisches Blues-Ur-Vieh:  Georg „Schorsch“ Hampel

Tiger Willi ist die herausragende Figur unter den deutschsprachigen Liedermachern, seine Musik und vor allem seine Texte kleben nicht an der Oberfläche, auch wenn es manchmal beim ersten Hören so scheinen mag. Hinter vordergründig lustigen Bildern werden Abgründe Schopenhauerscher Provenienz deutlich, da muss er „schrein wia a Tiger“, um den Widerspruch zwischen dem menschlichen Anspruch auf das Göttliche und der tierisch quälenden Realität auszuhalten.
Nicht nur die Auftritte Tiger Willis, die er mit humorigen Erzählungen aus seinem bewegten Leben würzt, sind einsame Spitze, auch die CD „Pfui deifi is des Leben schee!“ muss man unbedingt gehört haben. (Gustl M.)

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Besetzung:
Bonzo Keil (guitar)
Tiger Willi (guitar, vocals)

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Titel:
01. Schrein wia r’a Tiger 2.37
02. Herr der Welt 5.17
03. Tigerhoserl 4.23
04. Mo Ohne Kopf 6.12
05. Allergie 2.21
06. Wurstsalat 4.47
07. Leberfleck 2.23
08. Lisi 2.55
09. Florenze und Mausebär 6.10
10. Stalingrad 6.09
11. Arsch und Mond 4.23
12. I sitz auf d’Nocht alloa 4.28

Musik und Texte: Tiger Willi

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Die Geschwister Pfister – Have A Ball (2003)

FrontCover1Retro-Sound in Reinkultur ging mir durch den Kopf als ich mir dieses vergnügliche Album anhörte.

Die Geschwister Pfister sind eine Gruppe schweizerisch-deutscher Musikkabarettisten.

Das Projekt wurde Anfang der 1990er Jahre von den Schauspielern Christoph Marti, Tobias Bonn, Max Gertsch und Lilian Naef in Berlin gegründet. Die Ursprungsformation bestand aus den vier Charakteren Ursli, Toni, Lilo und Willi Pfister, der erfundenen Biografie nach vier Waisenkinder aus Zermatt. Nachdem Lilo (Lilian Naef) und Willi (Max Gertsch) ausgestiegen waren, kam Fräulein Schneider (Andreja Schneider) dazu und heiratete Toni (Tobias Bonn), so dass die Truppe weiterhin eine Bühnenfamilie blieb.

Im wahren Leben sind Christoph Marti und Tobias Bonn miteinander verpartnert; Andreja Schneider ist zwar in Kroatien geboren, lebt jedoch schon seit frühester Jugend in Deutschland. (Quelle: wikipedia)

Geboten wird Musik aus längst vergangenen Epochen … Schmalziges Glück … was willst Du mehr ! Aufgenommen wurde das Ganze übrigens im „Tipi“ Berlin im Februar 2003. Und auch wenn der Untertitel dieses Albums „Abschiedgala“ heißt … keine Sorge dieses kurzweilige Trio ist weiterhin aktiv !

Im Oktober und November 2017 kann man sie an diversen Abend in der „Bar jeder Vernunft“ in Berlin bestaunen …

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Besetzung:
Ursli Pfister (vocals)
Toni Pfister (vocals)
Fräulein Schneider (vocals)
+
Jo Roloff Big Band:
Paul Brody (trumpet)
Andreas David (guitar, banjo, steelguitar, vocals)
Tilman Ehrhorn (reeds & woodwinds)
Sören Fischer (trombone)
Jürgen Hahn (trumpet)
Herbie H. Hart (reeds & woodwinds)
Immo „Billie“ Hofmann (drums, vocals)
Thomas Loup (trombone)
Johannes Roloff (keyboards)
Jürgen „Speedy“ Schäfer (bass, vocals)
Florian Trübsbach (reeds & woodwinds)
Marcus Voges (trombone, tuba)
Pete Wilcox (trumpet)
Mark Wyand (reeds & woodwinds)

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Titel:
01. Und die Musik spielt dazu (Raymondo/Wallner/Feltz) 3.14
02. You Do Something To Me (Porter) 2.41
03. Don’t Bring Lulu (Henderson/Rose/Brown) 2.38
04. Roter Mohn (Jary/Balz) 3.15
05. Mausi, süss warst du heute Nacht (Abraham/Grünwald/Löhner) 2.20
06. Perdon (Flores) 3.00
07. Tike Tike Tak (Körbler) 2.47
08. Dieses Lied hat keinen Text (Igelhoff/Meder/Robinger) 2.26
09. Smoke Rings (Gifford/Washington) 4.13
10. Sentimental Journey (Green/Brown/Homer) 2.52
11. Wives And Lovers (Bacherach/David) 3.01
12. Red Roses For A Blue Lady (Tepper/Bennett) 2.27
13. Ragtime Cowboy Joe (Abrahams/Muir/Clarke) 2.32
14. So allein (Mösser) 2.35
15. Curry Curry Paprika (I Love Onions) (Hill/Cochrane/Röckelein) 2.09
16. Yellow Beach Umbrella (Doerge/Henske) 4.25
17. Take The „A“ Train (Strayhorn) 2.25
18. One O’clock Jump (Basie) 3.42
19. Komm zurück! (Olivieri/Siegel) 2.27
20. I Happen To Like New York (Porter) 3.25
21. Blue Bayou (Orbinson/Melson) 3.04
22. Sag beim Abschied leise Servus (Kreuder/Lengsfelder) 3.19

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Rosenstolz – Herz (2004)

FrontCover1Herz ist das am 22. März 2004 veröffentlichte neunte Studioalbum der Berliner Popband Rosenstolz.

Herz wurde vom Januar bis Dezember 2003 in Hamburg aufgenommen. Das Album weist deutliche Unterschiede zum 2002 erschienenen Vorgängeralbum Macht Liebe auf. Während bei diesem eine eher derbe Sprache herrscht und die Rhythmen eher elektronisch geprägt sind, wirkt Herz insgesamt sehr melancholisch. Das Album bietet eine Mischung aus Rock- und Popsongs, hinzu treten Balladen.

Das Album bietet zwei Facetten: eine fröhliche Seite, die besonders in den Pop- und Rocksongs zum Vorschein kommt und Themen wie Sex (Eine Frage des Lichts), Neid (Das gelbe Monster, das stark an die frühen Punkzeiten Nina Hagens erinnert) oder Glück (Willkommen) behandelt, und eine traurige Seite, die vor allem aus Balladen mit tiefsinnigen Texten besteht. Es geht um Partnerschaft (Liebe ist alles), Hoffnung (Gib mir mehr Himmel), aber auch Schmerz (Die Liebe ist tot) und Verlust (Augenblick). (Quelle: wikipedia)

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„Fang das gelbe Monster!“ rockt es aus den Boxen. Wer glaubt, hinter dem CD-Titel „Herz“ verbirgt sich eine triefende Balladen-Lawine von Herz und Schmerz, an deren Endmoräne ein Tränentümpel in der Sonne schimmert, hat sich getäuscht: Das neue Album der Berliner Kultband besticht durch Vielseitigkeit und Reife, die auch lauteren Tracks Raum lassen. Während sich im Keller die Ratten erhängen, heißt das Credo: „Willkommen in unserer Welt.“

Die Singleauskopplung „Liebe ist Alles“ ließ bereits erahnen, was inhaltlich auf einen zu kommt. AnNa R. und Peter Plate lassen tief in ihr Inneres blicken. Dass der Videoclip unter der Regie von Philipp Stölzl (Madonna, Evanescene, James Bond Clips) bei VIVA & Co. so unerhört gut ankam, unterstreicht die Wirkung, die der Stil hat: So sieht die Liebe – auch körperlich – in Wahrheit aus. Da wird geknutscht und gefummelt, und zwar nicht in einer Traumwelt aus Glitter und Glamour, sondern in ganz normalen Schlafzimmern und zerwühlten WG-Betten. Spieglein deckt euch.

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Der unheimlich schöne Song spielte sich nach kurzem Hören in vielen Ohren fest und zeigte rasch, dass er in Einfachheit und Emotion das Zeug für einen hohen Einstieg hat. Erstmals horchten selbst Schmähsender und Teile des Mainstream-Äthers auf, und nahmen den Song in Rotation. Mit Spannung durfte man die CD erwarten.

Nun ist sie da. Für das Album „Herz“ gingen AnNa, Peter und Crew mal wieder neue Wege: sie verließen die geliebte Heimat an der Spree und produzierten in Hamburg, um losgelöst von Umfeld, Freunden und Plattenfirma die zentrale Frage musikalisch zu beantworten: „Was haben wir mitzuteilen nach so langer Zeit und so vielen CDs? Was ist uns wichtig?“ Am Ende blieb die Erkenntnis, dass es an der Zeit ist, über sich selbst zu schreiben. Peter Plate sagt es so: „Ich wurde gefesselt, verschnürt, eingesperrt und zur Wahrheit gezwungen“. Und dann fingen sie an.

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Heraus kam eine Scheibe, die eine Art seelischen Zustandsbericht der Musiker abgibt. Sie spiegelt keine Momentaufnahmen oder zynischen Reflexe wider, sondern dringt zur Substanz vor. Die Musik folgt dem Text und stellt den Körper dar – jedoch der Text bleibt das ‚Herz‘. „Es ist zum ersten Mal in all den Jahren ein merkwürdiges Gefühl, sie anderen Menschen vorzuspielen“, stellen die Berliner zur neuen CD fest.

Welche Gesichter hat die Liebe? Die zwölf Tracks geben hierauf musikalisch gut umgesetzte Antworten: Glück, Sex, Partnerschaft („Liebe ist alles“), aber auch Schmerz („Die Liebe ist tot“), Verlust, Trauer, Hoffnung („Gib mir mehr Himmel“) und ganz profaner Neid („Das gelbe Monster“). Das sind die Gefühlsebenen, um die es geht. Die Texte sind einfach und verständlich, keine schwülstig-puren (sic!) LSD-Wortgebilde, wie so häufig in Balladen. Dennoch – oder gerade deshalb – kommt die Botschaft ungefiltert an. Umschlossen wird sie von dem Körper, der Musik.

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Die einzelnen Songs zu kommentieren oder gar zu zerpflücken, wäre müßig. Denn sie sind allesamt emotional, und Gefühle in Text und Ton kommen bei jedem Menschen anders an. Man kann nur sagen: selber hören und urteilen.

Wie es Rosenstolz immer wieder gelingt, Neues zu schaffen, ist verblüffend. Sie setzen die eigene Messlatte stets noch ein wenig höher und vor allem in anderes Terrain. So viel Kreativität, Eigensinn und positive Energie kann fast neidisch machen. Huch – das gelbe Monster bin ja ich! (Linus Schwanke)

Auch wenn ich nicht zur Zielgruppe von Rosenstolz gehöre … dieses Duo hatte schon verdammt viel Substanz, musikalisch wie textlich !

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Besetzung:
Jens Carstens (drums, percussion)
Daniel Faust (keyboards)
Zoran Grujovski (keyboards, piano)
Thomy Jordi (bass)
Peter Koobs (guitar)
Ralf Lübke (guitar)
Peter Plate (vocals, keyboards)
AnNa R (vocals)
+
Stephan Garde (bass bei 01.)
Oliver Pinelli (vocals bei 09.)
+
Hamburg Strings unter der Leitung von Stefan Pintev

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Titel:
01. Willkommen 4.18
02. Liebe ist alles 3.29
03. Ausgesperrt 4.06
04. Eine Frage des Lichts 3.47
05. Das gelbe Monster 2.22
06. Die Liebe ist tot 3.41
07. Ich will mich verlieben 4.38
08. In den Sand gesetzt 2.34
09. Ich komm an dir nicht weiter 4.40
10. Das Beste im Leben 5.27
11. Gib mir mehr Himmel 4.37
12. Augenblick 4.38

Musik: Peter Plate + Ulf Leo Sommer
Texte: Peter Plate + Ulf Leo Sommer + AnNa R

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