Spider Murphy Gang – Unplugged – Skandal im Lustspielhaus (2004)

FrontCover1Jetzt mal – auf guad boarisch – „the other side of The Spider Mursphy Gang including the Chuck Berry of Schwabing“:

Die ganz große Zeit für die Spider Murphy Gang war längst vorbei, da änderte aber nichts daran, dass sie unverdrossen wieterhin ihre Liveauftritte vor einem begeistertem Publikum zelebrierte.

und, noch viel, viel besser, sie kamen auf ne neue Idee:

„Neben unseren Livekonzerten hatten Barny und ich schon seit längerer Zeit die Idee, unsere Bandgeschichte, die ja eng mit dem Rock n Roll verbunden ist, in einer etwas anderen Form, nämlich unplugged, auf die Bühne zu bringen. Dabei wollten wir nicht nur unsere eigenen Songs spielen, sondern auch die Titel, die uns in den 26 Jahren unserer Geschichte beeinflusst haben. So entstand dieses Programm mit Titeln von Chuck Berry, Elvis, Hank Williams, Carl Lee Perkins bis hin zu Canned Heat und Rocco Granata.“ (Günher Sigl)

KonzertplakatUnd die Münchner Medien überschlagen sich vor Begeisterung ob dieses Konzeptes.

Und in der Tat … dieses Album ist ein Leckerbissen … Da führt ein launiger Günther Sigl augenzwinkernd durch durch das Programm, da wechseln sich die Solisten (Barny Murphy, Ludwig Seuss, Otto Staniloi und Willie Duncan) in bunter Reihenfolge ab, und wir hören Rock N Roll Geschichte …

Und wer glaubt, die Spider Murphy Gang sein musikalisch eher eindimensional, der höre sich mal den Klassiker „Johnne Be Good“ an … hier erklingt er – man traut kaum seinen Ohren – im Sound von Santana. Und auch ihren eigenen Hit „Rock N Roll Rendevouz“ wurde auf das köstlichste gänzlich interpretiert …

Und wer hätte gedacht, dass sie von Canned Heat „Going Up The Country“ spielen würde … natürlich einschließlich des markanten Flötenspiels … ! Ach ja, einen Western-Swing hatten sie auch im Gepäck … einen bayerischer Landler („Renate -Du konnst me gern ham“) kann man dann auch hören und die deutsche Schlagerherrlichkeit der 50er Jahre gibt´s dann mit dem Peter Kraus Song „Wenn“ zu hören.

Ungemein erfrischend … deshalb meine dringende Hörempfehlung !

Ach ja … im Oktober 2017 feierte die and ihr 40jähriges Bühnenjubiläum … mit zwei ausverkauften Konzerten in der Münchner Olympiahalle …ich kam zu spät beim Kauf einer Karte … *seufz*

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Besetzung:
Paul Dax (drums)
Willie Duncan (guitar, bass, steel-guitar, background vocals)
Barny Murphy (guitar, background vocals)
Günter Sigl (vocals, bass, guitar, ukulele)
Ludwig Seuss (piano, accordion, melodica)
Otto Staniloi (saxophone, flute, tuba)

Booklet03A

Titel:

CD1:
01. Honky Tonk Blues (Willims) 6.41
02. Blue Suede Shoes (Perkins) 4.59
03. Rock And Roll Music (Berry) 3,52
04. Rock ‚N Roll Schuah (Sigl) 3.11
05. Johnny B.Goode (Berry) 6.58
06. That’s All Right (Crudup) / Schickeria (Sigl) 13.17
07. Mir san prominent (Sigl/Murphy/Kleiner) 5.29
08. Sommer in der Stadt (Sigl) 4.36
09. Du machst mi high (Sigl) / Marina (Granata) 6.02
10. Pfüati Gott Elisabeth (Sigl) 5.53
11. Wer wird denn woana (Sigl) 5.52

CD 2:
12. Spann Stomp (Spann) 6.28
13. Rag Mop (Wills/Andersen) 4.09
14. Blue Moon Of Kentucky (Monroe) 5.34
15. Going Up The Country (Wilson) / Ich grüße alle und den Rest der Welt (Sigl) 7.31
16. Wenn (Evans/Reardon/May/Blecher) 5.23
17. Mit’n Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia (Sigl) 6.47
18. Renate (Du konnst me gern ham) (Sigl) 7.11
19. Ich schau dich an (Sigl) 4.19
20. Rock’n Roll Rendevous (Sigl) / Jailhouse Rock (Leiber/Stoller) 6.18
21. Mir san a bayrische Band (Sigl) 4.51
22. Rock Around The Clock (Freedman/Knight)/ Skandal Im Sperrbezirk (Sigl) 6.37
23. Sch-Bum (’s Leb’n Is Wiar A Traum) (Keyes/Feaster/Sigl) 5.25
24. Unterm Kastanienbaum (Studioaufnahme) (Sigl) 4.08

CD2A

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Tray1

Und so schaut´s im Lustspielhaus, München aus

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Hans Söllner – Oiweis I + Bayaman´ Sissdem (2004)

HansSöllnerFrontCoverSeit mehr als 20 Jahren erspielt sich Hans Söllner ein eigenes, riesiges Publikum mit steigender Tendenz und gegen alle Regeln des Geschäfts. Man muss es erleben, wie er – der ansonsten Verfehmte und Totgeschwiegene – auf grossen Festivals von 25Tausend Leuten als Hauptact gefeiert wird. Und die ihm, dem 49jährigen da zujubeln sind immer noch zwischen 15 und 25, ohne dass sie ihn verlassen, wenn sie älter werden. Ein “Phänomen”, das es in Deutschland kaum gibt, wir kennen sonst eine solche Einheit von Existentiellem und Populärkunst eher aus der Ferne. Er lässt die Leute teilnehmen an den Wegen seiner Person und macht das zu einer Kunst, in der sie sich wieder finden, an der sie sich reiben können. Hans Söllner spielt keine Rolle, er ist sie, lebt in ihr, zeigt Haltung. Er folgt sich selbst, statt Wege zu weisen; unterwirft sich seinen eigenen Gedanken und Gefühlen, statt etwas heraufzubeschwören oder zu lehren. Er gehört zu den Typen, die wie Einsiedler wirken aber den Menschen lieben und ihn nie einem System unterordnen würden. Daher ihre widersprüchliche, unberechenbare Popularität.
Hans SöllnerUnd diese Beliebtheit bei den Leuten macht die im Übrigen mit Ausschließen befassten Apparate zunehmend williger, Söllner zu präsentieren. Er wird als Zugpferd geholt für Festivals, im Fernsehen sieht man zum wiederholten Male 45minütige Live-Mitschnitte und im Frühjahr soll es eine Dokumentation über ihn im Kino geben.
HansSöllnerSöllner ist der Heroe eines rauen, gesellschaftlichen Untergrunds im deutschsprachigen Süden, von dem der feinere “Underground” gerne auch etwas unter den Füssen hätte. Mit Stimme, Gitarre, verblüffender keltischer Erzählkunst, wurde Söllner zum Idol für 100Tausende. Gerade weil dieWelt der Medien, von Geld und Macht und der feinen Gesellschaft ihn ignoriert und bekämpft. Aus solchen emotionalen Energien, aus Direktheit im Zugreifen, Freiheitssehnsucht, Sozialkitsch, politischem Weltschmerz und privatem Drang entsteht Popmusik, die trifft.
Irgendwo zwischen Bob Dylan, Johnny Cash, Kurt Cobain und einem bayrischen Wilderer treibt Söllner sein Wesen. Ein schlagfertiges Bündel Wut mit Gitarre, mit seinem starken Gerechtigkeitsgefühl und einer sich immer mehr auslebenden instinktiven Musikalität.
Der beste Beweis dafür ist diese CD mit einer excellenten, neu formierten Band “Bayaman´Sissdem”: “Owei I”. Auch diesmal schleudert er wieder Grobheiten mit hohem Wiedererkennungswert heraus. Er kennt den Druck und den Dreck einer Existenz, in der Menschen zu Insassen einer Weltordnung gemacht werden oder sich selber machen, zur Genüge – ohne jedes Ghetto-Getue. Er hat sich selbst aus diesem Loch herausgebuddelt mit Worten und Stimme und auf der Bühne. Und deshalb ist bei ihm die andere Seite, Hoffnung, Zärtlichkeit und Liebe immer stärker als die Wut.
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Seine Sprache gehört zu ihm nicht wie ein zufälliger Dialekt, sondern wie ein Ur-laut, den ihm niemand nehmen kann und wird (das ist auch seine Botschaft an seine staatlichen Kontrahenten!), eine Art süddeutsches Patois. Und in dieses faszinierende Innenleben der sprachlichen Aneignung seiner Lebenswelt lädt er die Zuhörer mit ein, als würden sie zu sich selbst hinabsteigen.
Die anarchische Lust am selbstbestimmten Leben offenbart seinen Sinn für die Metaphysik der Underdogs. Söllner singt um sein Leben. In Liedern über die Liebe, übers Vatersein, übers Sterben fallen Sätze, wie sie wahrhaftiger nicht sein könnten.
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Sein Blick umarmt die Welt, seine Sprache rührt am Wesentlichen, ist genau und intensiv, gewitzt und tränenlos traurig.

Trotz aller lobenden Worte dieses Promotion-Textes: Gelegentlich drängt sich bei mir der Gedanke auf, dass Söllner gerne provoziert, um des provozieren willens.

P.S. Für die Nichtbayern: Oiwei I heißt auf deutsch „Immer ich“.

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Besetzung:
Stefan Hofer (drums)
Perter Pichler (accordion)
Manfred Puchner (guitar)
Denis Rieger (bass)
Hans Söllner (guitar, vocals)
Stefan Zept (keyboards)

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Titel:

01. A Drecksau is a Drecksau (Söllner) 3.24
02. Hoffnung (Söllner) 6.21
03. Dad i liang (Söllner) 5.07
04. Josefina Marie (Söllner) 9.19
05. Krautmo (Söllner) 9.56
06. Mei guada Freind (Söllner) 5.59
07. Freiheit (Söllner) 3.27
08. Ned Alda (Söllner) 4.17
09. Paradies (Söllner) 4.33
10. Saalach (Söllner) 7.05
11. Oiwei I (Söllner) 4.44
12. I sig a Grea (Söllner) 5.13
13. Do hob i’s troffa (Söllner) 5.38

CD

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Uwe Friedrichsen – Die Entdeckung der Currywurst (Hörbuch) (Uwe Timm) (2004)

FrontCover1Eine ganz und gar dringende Empfehlung meinerseits:

Die Entdeckung der Currywurst ist eine Novelle mit Rahmenerzählung von Uwe Timm aus dem Jahr 1993.

Ein nicht mehr ganz junger Mann fährt nach Hamburg, der Stadt seiner Kindheit. Dort besucht er siebenmal Frau Brücker, die ehemalige Besitzerin einer Imbissbude, im Altenwohnheim und lässt sich von ihr eine längere Episode ihres Lebens erzählen.

Ausführlich werden die letzten Kriegstage ab dem 29. April 1945 und die zeitgeschichtlich geprägten privaten Erlebnisse der zu diesem Zeitpunkt 43-jährigen Frau geschildert:

Bei einem Kinobesuch lernt Frau Brücker den Bootsmann Hermann Bremer kennen, sucht zusammen mit ihm in einem Luftschutzkeller Schutz und nimmt ihn nach der Entwarnung mit zu sich nach Hause, wo er auch als Fahnenflüchtiger bleibt. Sie ist verheiratet und hat zwei Kinder, 16 und 20 Jahre alt. Er ist verheiratet und hat ein neugeborenes Kind. Diese Tatsachen verschweigt er ihr allerdings, was sie später immer wieder als Ausflucht dafür benutzen wird, ihm ihrerseits das Kriegsende verschwiegen zu haben. Bremer versteckt sich in Lena Brückers Wohnung. An den Abenden und nachts widmen sie sich ihrer Liebe. Obwohl Bremer vom Fenster aus den Einmarsch der Engländer sehen kann, dichtet er sich eine Wunschwelt, in der die Engländer mit den Deutschen gemeinsam gegen die Russen ziehen. Zu Bremers Konstrukt muss Lena Brücker nur einige „Notlügen“ beisteuern.

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Uwe Timm is(s)t ne Currywurst

Als Lena Brücker dann Bilder vom Massenmord an den Juden in der Zeitung sieht und dies Bremer etwas verändert erzählt, kann sie sich nicht zurückhalten. Sie schreit Bremer an und teilt ihm mit, dass der Krieg verloren ist. Später ist Bremer fort.

Nach dem Krieg muss Lena Brücker eine neue Methode zum Überleben finden, und im Zuge ihrer Anstrengungen und als Folge zahlreicher Verwicklungen und Zufälle wird sie schließlich die Currywurst erfinden. Die Erlebnisse mit Bremer haben den Schlusspunkt für ihre Liebesmöglichkeiten gesetzt und ihre Imbissbude wird die Grundlage für ihren weiteren Lebensunterhalt, die Currywurst ihr Markenzeichen. Als der Erzähler Frau Brücker zum letzten Mal besuchen will, erfährt er, dass sie verstorben ist.

Von großem symbolischen Wert ist das Motiv des Strickens: Die Protagonistin Lena Brücker fertigt während der Erzählung einen blauen Pullover an, dessen Farbe für ihre Verbundenheit mit Bremer steht. Der Leser erfährt mit fortschreitender Handlung, dass sie aus nostalgischen Gründen versucht, die ebenfalls blaue Uniform ihres einstigen Geliebten nachzustricken. Mit der Vollendung des Pullovers endet schließlich die gemeinsame Geschichte von Bremer und Lena Brücker – wie auch die Rahmenhandlung des Werks.

In der Novelle werden die großen politischen Ereignisse mit den privaten Beweggründen der Protagonisten verbunden. Die im Krieg selbstständig gewordene Frau nimmt ihren zurückkehrenden Ehemann zwar zunächst wieder in die Wohn- und Lebensgemeinschaft auf, wirft ihn aber bald hinaus und schlägt sich weiter zusammen mit ihren Kindern, aber ohne Ehemann, durchs Leben. Es wird beschrieben, dass die Nachkriegszeit nicht unbedingt ein Wiederaufbau sein musste, sondern dass auch neue soziale Strukturen entstanden. Ob die Entdeckung der Currywurst tatsächlich wie beschrieben stattfand, ist dabei eher nebensächlich. (Quelle: wikipedia)

Plakat

Plakat aus der Realschulabschlussprüfung. Deutsch, Thema: „Die Entdeckung der Currywurst“ von Uwe Timm (Lernzentrum am Killesberg, Stuttgart)

„Das Hohelied auf ein unspektakuläres Frauenleben […] Der Autor versteht es, das Geflecht menschlicher Beziehungen auszuleuchten. Sinnlichkeit, Heiterkeit, Bitternis und Trauer sind in dieser Geschichte so ineinander verwoben, dass sie zum nachhaltigen Lektüreerlebnis wird.“ (Ursula Reinhold in Neuen Deutschland)
„Uwe Timm erzählt dies alles unprätentiös und unsentimentalmit großer Sympathie für
seine Figuren. Ein Buch, in dem das Komische und das Tragische in Balance gehalten  werden. Ein seltener Glücksfall.“ (Jeanette Stickler „Hamburger Abendblatt“)

Und der Autor versteht es darüber hinaus … anhand der Biographie von zwei verlorenen Seelen … Geschichte begreifbar zu machen … Atemberaubend gut ….

Diverse Buchausgaben

Diverse Buchausgaben

Und hier die ungekürzte Hörbuchfassung, gelesen von Uwe Friedrichsen:

Uwe Friedrichsen erzählt diese ruhige Geschichte mit einer Hingabe und zuweilen gut hörbaren Schalk in der Stimme – perfekt erzählt mit liebenswertem Dialekt und viel Leichtigkeit der Stimme. (PetraSausHam)

DieAnderenHörbücher

Die anderen Hörbücher

Die Bedeutung dieses Buches wird vielleicht auch dadurch deutlich, dass es zwei weitere Hörbuchfassungen gibt … eine von Uwe Timm selbst gelesen und dann noch eine Version, gelesen von Devid Striesow … Da lohnt sich ein Werkvergleich …

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Uwe Timm

Besetzung:
Uwe Friedrichsen (Sprecher)

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Uwe Friedrichsen (* 27. Mai 1934 in Altona; † 30. April 2016 in Hamburg

Titel:

CD 1:
01. Kapitel 01 / 8.54
02. Kapitel 02 / 7.20
03. Kapitel 03 / 8.18
04. Kapitel 04 / 10.21
05. Kapitel 05 / 8.15
06. Kapitel 06 / 9.12
07. Kapitel 07 / 7.50
08. Kapitel 08 / 7.01
09. Kapitel 09 / 6.49

CD 2:
10. Kapitel 10 / 8.02
11. Kapitel 11 / 6.59
12. Kapitel 11 / 8.01
13. Kapitel 13 / 9.19
14. Kapitel 14 / 8.47
15. Kapitel 15 / 6.54
16. Kapitel 16 / 7.22
17. Kapitel 17 /  9.23
18. Kapitel 18 / 6.45

CD 3:
17, Kapitel 17 / 7.29
18. Kapitel 18 / 8.34
19. Kapitel 19 / 6.57
20. Kapitel 20 / 5.42
21.Kapitel 21 / 6.56
22. Kapitel 22 / 4.16
23. Kapitel 23 / 4.54
24. Kapitel 24 / 6.01
25. Kapitel 25 / 6.27
26. Kapitel 26 / 6.16
27. Kapitel 27 / 9.38

Vorschau

Vorschau: Der Film zu diesem Buch … demnächst hier …

CD 4:
28. Kapitel 28 / 6.43
29. Kapitel 29 / 3.59
30. Kapitel 30 / 6.41
31. Kapitel 31 / 6.10
32. Kapitel 32 / 5.04
33. Kapitel 33 / 10.22
34. Kapitel 34 / 3.45
35. Kapitel 35 / 5.43
36.Kapitel 36 / 7.15
37. Kapitel 37 / 4.39
38. Kapitel 38 / 5.03
39. Kapitel 39 / 5.49
40. Kapitel 40 / 5.14

CD 5:
41. Kapitel 41 / 4.26
42. Kapitel 42 / 5.39
43. Kapitel 43 / 7.10
44. Kapitel 44 / 6.40
45. Kapitel 45 / 4.43
46. Kapitel 46 / 7.00
47. Kapitel 47 / 8.52
48. Kapitel 48 / 6.49
49. Kapitel 49 / 5.20
50. Kapitel 50 / 7.25
51. Kapitel 51 / 4.26
52. Kapitel 52 / 7.27

Currywurst

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Furiopolis – Dornröschenwecker (2004)

FrontCover1Jetzt mal wieder was aus der Abteilung: skurill, schräg und bedauerlicherweise ziemlich unbekannt.

Furiopolis = Volkslieder-Jazz – Mythen unter Hüten oder: Fidiralala Fidiralala Fidiralalalala

„Über Phrasenphänomenologie bei Blaustimmungsverschiebung ist schon viel diskutiert worden. Auch im Loft in Köln. Und in gewissen Bevölkerungsgruppen mit differierenden Agregatzutänden ist man längst der Meinung: Die Wahrheit ist blau wie das linke Bein von Sydne Rome in „Was?“ (1972).
Zur Sache. In der Domstadt (es kann nur eine geben) entstanden 13 der unangepasstesten musikalischen Gefühlsverstärker für Dornröschendarsteller und -darstellerinnen, die man sich überhaupt vorstellen kann. Jazzer treffen aufs Volk; Trompeten, Piano, Kontrabass, Schlagzeug, Kölsch, Tenorhorn, Berimbau, Didgeridoo und Posaunen die richtigen Töne. Die Herren der Wolkenkratzer und Zwiebeltürme von Furiopolis erklären auch gleich, weshalb Trompeten von außen wie dahinfließendes Quecksilber wirken und innen voll dunkler Melancholie stecken. Das ist alles im Preis inbegriffen. Die wilden Jazzgesellen – alle mit Hüten und Mützen – machen sich in unterschiedlichen Schräglagen über deutsche Volkslieder her. Blechgelage jagen schmachtende Wiegenlieder und beschwippste Walzer verstolpern sich auf dem Parkett. Dreispitz, Fuchs du hast die Gans, ach du lieber Augustin, alle Vöglein sind schon, das Wandern ist des Müllers und viele andere ähnliche Gossen- und Gassenhauer werden verjazzt. Vince Guaraldis Charlie Brown trifft auf Spike Jones. Schabernack und Tiefgang geben sich die Hand. Die Furiopolis-CD ist lustig und macht durstig. Gut, dass die Getränke frei sind.“ (Gerald Windl)

Aha

Und wie ich das mag: Volklieder gegen den Strich gebürstet, mit viel anarchistischem Witz und auf einem hohen musikalischem Niveau, das sind so die Entdeckungen, die man im Laufe der Jahre macht und die einen dann so recht erfreuen !

Und man glaubt es kaum, diese 5 wilden Jazzgesellen gibt es immer noch … momentan touren sie mit dem Programm „“Wildweihnachtsfahrt” durch die Lande …

Furiopolis

Besetzung:
Achim Fink (trombone, horn, trumpet)
Dietmar Fuhr (bass)
Manfred Heinen (piano)
Hans Kanty (drums, percussion, vocals)
Markus Türk (trombone, trumpet, digeridoo)

Furiopolis

Titel:
01. Fuchs, du hast den Groove gestohlen 5.07
02. Dreispitz 5.12
03. Vogelehe 2.49
04. Aristokratendrama 2.50
05. Dornröschenwecker 7.55
06. Alle Vöglein sind schon weg 4.51
07. Bier da? 3.58
08. Frau Luna 7.25
09. Das Wandern 4.20
10. Sieben Affen 3.51
11. Eisenbahn 9.12
12. Die Getränke sind frei 3.05
13. Der Augustin 5.03

Musik: Manfred Heinen und Markus Türk unter Verwendung alter Volks- und Kinderlieder

CD1

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Achim Reichel – 100% Leben – Das Jubiläumskonzert (2004)

AchimReichelFrontCoverAchim Reichel ist wie kaum ein anderer das Synonym für Rockmusik aus deutschen Landen und das seit ca. 1962. Wie allgemein bekannt war der der Frontman der Rattles, bevor er sich dann nach ein paar Jahren der Experiemente (Wonderland & Co.) auf deutschsprachige Rockmusik konzentrierte und dabei insbesondere auch die Volkslieder des hohen Nordens als Inspiration nutze, denn …

… Der Deutsch Rock ist die Volksmusik des Nordens. Die Melancholie des Kiez spielt fernwehbelastet den „St. Pauli Blues“, während die Leder-bejackten Seebären in der verrauchten Kneipe einsam am Tresen „Steaks, Bier und Zigaretten“ ordern. Die bärbeißigen Typen flüchten sich in Karten- und Glücksspiele. „Spieler, Spieler, Spieler komm rüber“ flüstern die Automaten und Skatrunden.

Wer nicht aufpasst, landet bei Wurstbrötchen essenden Großstadtrevierpolizisten wie Jan Fedder – wenn er Glück hat. Den Gesetzeshütern der Davidswache kann er dann seinen Seemannsgarn und Sagen vertellen, denn große Geschichtenerzähler sind sie alle, diese Deutsch Rocker.

Da kommen „fliegende Pferde übers Meer“, in dem die „Meerweiber“ und „Klabautermänner“ hausen. „Regenballaden“ ziehen durch den Raum wie Nebelschwaden. Das Leben ist hart an der Küste und auf dem Meer, wenn sich Steuermann „Nis Randers“ „Höllentänze“ auf meterhohen Wellen liefert.

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Kein Wunder also, dass den Deutsch Rock eine musikalische Seelenverwandtschaft mit dem ebenfalls rauhbeinigen, meergeprägten Irish- und Scotish Folk verbindet. Neben den üblichen Leichtmatrosen Gitarre und Piano schunkeln vor allem Geige, Akkordeon und Mundharmonika und zeigen in Shantys und Traditionals natürliche, naturverbundene Spielfreude.

Ein weiterer Schwerpunkt im nordischen Volksrock liegt auf der Vertonung von Gedichtgut. Goethes „Erlkönig“, Heines „Die Ballade Von der Loreley“ und Ringlnatz‘ „Lied von der Hochseekuh“ entfalten mit der deutsch-folkrockigen Hafenvariante eine ganz neue Bedeutung.

AchimReichelLiveDas zweite, große Thema für Deutsch Rocker ist natürlich die Liebe. „Liebe kommt von unten“ sang schon Genre-Gott Rio Reiser. Oder von oben. „Auf der Rolltreppe“. Meistens scheitert die „für immer“ gedachte Zweisamkeit „immer und immer wieder“. Trotzdem gehen die tätowierten Kerle oft und gerne „heute Nacht vor Anker“ beim anderen Geschlecht.

Achim Reichel, einer dieser Ankerjungs, feierte am 24. und 25. August 2003 in der Hamburger Fischauktionshalle stilecht sein 40-jähriges Bühnenjubiläum. Unterstützt von seetauglichen Gästen wie Jan Fedder, Lotto King Karl, Klaus Lage oder Heinz-Rudolf Kunze war der 60-jährige Liedermacher „Hart am Ball“ des Deutsch Rocks, der Volksmusik des Nordens. (Stefan Johannesberg)

Mit anderen Worten: Ein Galakonzert der ganz besonderen Klasse !

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Besetzung:
Steve Baker (harmonica)
Andreas Böther (saxophone, flute)
Pablo Escayola (percussion)
Uew Granitza (trombone, tuba)
Martin Langer (drums)
Michael Leuscher (trumpet, fluegelhorn)
Achim Rafain (bass)
Achim Reichel (vocals, guitar)
Peter Sage (violin, mandoline, guitar)
Berry Sarluis (keyboards, accordeon)
Frank Wolf (hurdy-gurdy, mandoline, ukule, bouzouki, slide-guitar, guitar, flute, whistle)
+
Gottfried Böttcher (piano bei CD 1 – 03.)
Jan Fedder (vocals bei CD 1 – 03. + CD 2 – 14.)
Lotto King Karl (vocals bei CD 2 – 14.)
Piet Klocke (vocals bei CD 2 – 14.)
Heinz Rudolf Kunze (vocals bei CD 2 – 14.)
Klaus Lage (vocals bei CD 2 – 14.)
Boris Matchin (violoncello)
Thomas Oepen (viola)
Stefan Pintev (violin)
Rodrigo Reichel (violin)
Inga Rumpf (vocals bei CD 2 – 14.)
Stoppok (banjo bei CD 2 – 05.)
Joja Wendt (piano bei CD 2 – 14.)
Pe Werner (vocals bei CD 2 – 14.)
+
S.O.U.L (50 voices) (background vocals) conducted by Detlef Bösche
+
The Rattles (CD 2 – 01. – 03.):
Herbert Hildebrandt (bass, vocals)
Haja Kreutzfeld (guitar)
Dicky Tarrach (drums)

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Titel:

CD 1 (Akustischer Teil):
01. Pest an Bord (Traditional/Reichel) 3.07
02. Nis Randers (Reichel/Ernst) 3.43
03. Das Lied von der Hochseekuh (Reichel/Ringelnatz) 3.02
04. Der Lindenbaum (Reichel/Müller) 2.00
05. Das Sklavenschiff (Reichel/Heine) 4.06
06. Die Ballade von der Loreley (Reichel/Heine) 4.01
07. Exxon Yaldez (Reichel) 4.49
08. Das Meerweib (Reichel/Heyse) 4.30
09. Regenballade (Reichel/Seidel) 7.53
10. Der Erlkönig (Reichel/Goethe) 4.47
11. Der Spieler (Reichel/Fauser) 5.26
12. Fliegende Pferde (Reichel) 5.58
13. La-Pa-Lo-Ma (Reichel) 6.26
14. Für immer und immer wieder (Reichel)
15. Leben Leben (bonus track – studio version) 4.15

CD 2: Elektrischer Teil:
01. Lalala (Paul) 2.52
02. Mashed Potatoes (Rozier) 1.43
03. Come On And Sing (Reichel) 3.32
04. Moscow (Reichel/Dostal) 3.50
05. Dat Shanty Medley (Reichel) 9.41
06. Der Klabautermann (Reichel) 4.20
07. St. Pauli Blues (Reichel/Peters-Steil) 4.46
08. Kreuzworträtsel (Reichel) 4.46
09. Der wilde Wassermann (Traditional/Reichel) 3.32
10. Herr von Ribeck (Achim Reichel/Fontane) 2.52
11. Kuddel Daddel Du (Reichel) 4.44
12. Steaks und Bier und Zigaretten (Reichel/Stingl) 4.15
13. Aloha Heja He (Reichel) 5.33
14. Hart am Ball (Reichel/Fauser) 7.41
15. Auf der Rolltreppe (Reichel) 4.43
16. Leben Leben (Reichel) 4.37

CD1A
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Mulo Franzl & Evelyn Huber – Rendezvous (2004)

FrontCover1Und nun ein großartiges Beispiel für die Intimität vo Musik, dargeboten von zwei ganz und gar großartigen Musikern:

Mulo Francel (* 21. September 1967 in München) ist ein deutscher Saxophonist und (Film)komponist, der im Grenzbereich zwischen Jazz, Klassik und Weltmusik tätig ist. Das Magazin Kulturnews schrieb ihm den „derzeit sinnlichsten Saxophonsound Europas“ zu.

Francel wuchs am Chiemsee auf. In früher Jugend holte er sich Platten aus der Jazz-Sammlung seines früh verstorbenen Vaters ins Kinderzimmer und spielte zu dieser Musik Gitarre. Mit 16 Jahren kaufte er ein Saxophon, das er als Autodidakt lernte. Er studierte zunächst Linguistik, brach das Studium aber ab, um Musiker zu werden. Mit Lisa Wahlandt gründete er die Gruppe Mind Games, die mit Claudio Roditi ihr Debütalbum einspielte; mit dem zweiten Album Mind Games Plays the Music of Stan Getz and Astrud Gilberto erreichte die Gruppe Platz 1 der Jazz-Charts in Singapur.

Parallel spielte er seit 1996 im Quartett Quadro Nuevo, das mit ihren Tonträgern sehr erfolgreich war und mehrfach mit dem German Jazz Award und dem europäischen Mulo02Impala-Preis ausgezeichnet wurde. Darüber hinaus produzierte Quadro Nuevo unter Francels Federführung Hörbücher. Auch mit den Formationen wie Tango Lyrico, Mulo Francel & Friends oder dem Trio Blasirello war er international auf Konzerttournee.

Daneben hat Francel auch mehrere Alben unter eigenem Namen veröffentlicht, zuletzt (2014) das Album The Sax & the Sea, in dem er ohne weitere Begleitung direkt am Wasser aufgenommen wurde. Als Solist spielte er ferner mit dem Münchner Rundfunkorchester, dem NDR-Orchester, dem Deutschen Filmorchester Babelsberg und dem zeitgenössischen Ensemble Resonanz. Darüber hinaus schrieb er zahlreiche Kompositionen, auch für den Film.

Francel erhielt den Kulturpreis der Stadt Rosenheim. Mit Quadro Nuevo wurde ihm zweimal der Echo Jazz verliehen. Außerdem erhielt er zweimal gemeinsam mit Evelyn Huber aufgrund der guten Verkäufe den German Jazz Award der deutschen Musikindustrie für die Alben Tango Lyrico und Songs of Spices.

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Evelyn Huber (* 1970) ist eine deutsche Harfenistin.

Evelyn Huber entstammt einer Landwirtsfamilie. Durch eine ihrer beiden Schwestern kam sie schon mit neun Jahren zum Harfespiel. Sie sollte aber den elterlichen Hof übernehmen, besuchte die Mädchenrealschule in Erding und absolvierte unter anderem eine Lehre in ländlicher Hauswirtschaft. Mit vierzehn verlor sie zwischenzeitlich das Interesse an der Harfe, entschied sich aber später, als eine Jazz-Harfenistin sie fasziniert hatte, doch gegen den Bauernhof.

Daraufhin studierte sie Harfe bei Helga Storck an der Hochschule für Musik und Theater München und schloss im Jahr 2000[3] ihr Studium mit dem Meisterklassendiplom ab. Von 1998 bis 2009 war sie dort als Lehrbeauftragte für Harfe tätig. 2007 wurde sie als Gastprofessorin an die Guildhall School of Music London berufen.

Huber01Sehr früh begann sie, die musikalischen Möglichkeiten der Großen Konzertharfe auszuloten und konventionelle Grenzen zu überschreiten. Jazz-Workshops in den USA, Konzerttätigkeiten in aller Welt mit unterschiedlichen Ensembles und nicht zuletzt ihre Solovorstellungen machten sie zu einer Virtuosin in den Genres Jazz und World Music. Der weltbekannte Klezmer-Klarinettist Giora Feidman holte sie auf die Bühne, mit dem Hackbrettvirtuosen Rudi Zapf tourte sie durch Europa, Afrika und Lateinamerika und im Jahr 1997 gründete sie mit dem Jazz-Saxophonisten Mulo Francel ein außergewöhnliches Duo aus Harfe und Saxophon, jazzige Rhythmen, orientalische Arabesken, Tango und Bossa Nova und immer wieder die Lust am Improvisieren.

Diese Harfenkunst trägt auch zum Erfolg der Band Quadro Nuevo bei, zu der sie seit 2008 gehört. Das Ensemble wurde 2010 und 2011 mit dem deutschen Musikindustriepreis ECHO Jazz in der Kategorie „Live-Act des Jahres“ ausgezeichnet.

Außerdem erhielt Huber weitere renommierte Preise, unter anderem den Kulturpreis Bayern sowie zweimal zusammen mit Mulo Francel aufgrund der Verkäufe die Goldene Schallplatte im German Jazz Award der deutschen Musikindustrie für die Alben Tango Lyrico und Songs of Spices.

Zahlreiche CD-Einspielungen in den unterschiedlichsten Formationen zeugen von der großen Bandbreite ihres Harfenspiels. Der Bayerische Rundfunk sendete 2002 in der Reihe Lebenslinien einen Porträtfilm von Uli Kick über sie mit dem Titel „Die Verwandlungen der Evelyn Huber“.

Huber spielt meist auf einer Doppelpedalharfe der französischen Harfenmanufaktur Camac. Sie hat einen Sohn und lebt in Ottersberg bei München. (Quelle: wikipedia)

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Und hier das Debütalbum dieses Duo´s das in ihrer Intensität wohl einmalig ist.

Harfe und Saxophon – zwei Instrumente mit auf den ersten Blick völlig unterschiedlichen Charakteren – und doch gelingt es dem Duo aus Mulo Francel und Evelyn Huber eindrucksvoll, seine Instrumente in einem faszinierenden Rendezvous zusammenzuführen. Wenn sich Harfe und Saxophon sowohl bei bekannten Melodien als auch bei Eigenkompositionen elegant und einfühlsam umspielen, möchte man sogleich glauben, es könne wohl kaum eine harmonischere Begegnung geben! (Pressetext)

Und in der Tat: Was einem hier entgegenschallt ist sowas von beeindruckend …

Wer mag kann hier schwelgen … in traumhaft schöner Musik voller Tiefgang … intensiv und intim …

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Besetzung:
Mulo Francl (saxophone, clarinet)
Evelyn Huber (harp)

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Titel:
01. Susannata (Francl) 3.29
02. Nostalgia (Francl) 5.53
03. Nature Boy (Ahbez) 2.13
04. Rendezvous (Francl) 5.53
05. Für mich soll´s rote Rosen regnen (Hammerschmid) 3.19
06. Aquatintes – Coloured water (Andrès/Huber) 7.19
07. Valse lento (Francl/Ludwig) 3.47
08. Kauf dir einen bunten Luftballon (Profes) 4.44
09. Little Sunflower (Hubbard) 6.14
10. Flambée montalbanaise (Viseur) 3.39
11. Fata Morgana (Laar/Walter-Ney/Lichtenberger) 5.22
12. Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt (Hollaender) 1.52

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FranclHuber

Mulo Francl + Evelyn Huber

Pigor singt, Benedikt Eichhorn muß begleiten – Volumen 4 (2004)

FrontCover1Tja und das ist der Pigor:

Thomas Pigor (* Mai 1956 in Alzey) ist ein deutscher Kabarettist, Liedermacher, Buchautor und Komponist. Seit 1995 tritt er als Sänger von Pigor & Eichhorn auf.

 

Thomas Pigor wurde 1962 in der katholischen Volksschule in Unsleben (Unterfranken) eingeschult. Von 1966 bis 1975 erhielt er Violinunterricht und war Autodidakt an der Gitarre. Sein Abitur legte er 1975 am Neusprachlichen Gymnasium in Bad Neustadt an der Saale ab. Sein Studium an der Universität Würzburg schloss er 1982 als Diplom-Chemiker ab, ohne jemals in diesem Bereich zu arbeiten. Von 1988 bis 1991 erhielt er Gesangsunterricht bei L. Meichsner.

Pigor ist seit Ende der 1970er Jahre als Musikkabarettist mit verschiedenen Bühnenprogrammen unterwegs, z.B. 1991 gemeinsam mit Irene Rindje im Nummernprogramm Pigor und Rindje. Seine Texte beziehen sich oftmals auf aktuelle Ereignisse.

Seit 1995 arbeitet er regelmäßig mit dem Pianisten und Kabarettisten Benedikt Eichhorn zusammen. Das erste Programm Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten wird regelmäßig fortgesetzt, zuletzt als Pigor singt, Benedikt Eichhorn muss begleiten,

Pigor01Pigor war von 1983 bis 1992 Mitglied der Berliner Musicaltruppe College of Hearts. Bei den ersten vier Produktionen New York muss brennen (1983), King Kurt (1985), Casanova (1987) und Blutiger Honig (1988) sowie beim Rotlichtmärchen Der Gestiefelte (1992) stand er auch selbst auf der Bühne, beim Metzgermusical Harry Stark (1989) führte er Regie. Er schrieb einen großen Teil der Texte und war auch an Buch und Musik mitbeteiligt.

Weitere von ihm geschriebene Musicals sind Die falschen Fuffziger (Neuköllner Oper, 1993) Im Schatten der Hochbahn (Theater am Halleschen Ufer, 1994), 30 60 90 (Theater des Westens, 1998) sowie Erhöhte Temperatur (2008) und Roulette (2010), beide im Staatstheater Saarbrücken. Im Jahre (2011) schrieb er für die Berliner Staatsoper eine Bearbeitung des Librettos der Offenbach-Operette Orpheus in der Unterwelt.

Außerdem schrieb er mehrere Kindermusicals: Cinderella (1990), Des Kaisers neue Kleider (1997) und Anton, das Mäusemusical (2004), Edgar, der Schrecken der Briefträger (2015) letztere gemeinsam mit seiner Schwester Gertrud Pigor.

Pigor schreibt außerdem Texte und Musik für andere Künstler, u.a. für Tim Fischer, Max Raabe, Walter Moers, Queen Bee (Ina Müller), Desiree Nick, die Missfits und die Berlin Comedian Harmonists. Lieder von Pigor sangen unter anderen auch Thomas Quasthoff und Jan Böhmermann

Seit 2010 komponiert Thomas Pigor für den SWR regelmäßig das Chanson des Monats rund um Themen der Zeitgeschichte, das später dann auch von anderen ARD-Anstalten und dem Deutschlandfunk ausgestrahlt wird. (Quelle: wikipedia)

PigorEichhorn

Thomas Pigor & Benedikt Eichhorn

Und hier sein 4. Album, das in Zusammenarbeit mit Benedikt Eichhorn entstand.

Zwar heißt es auch auf „Volumen 4“ immer noch: „Pigor singt – Benedikt Eichhorn muss begleiten“, doch der Ulf lauert mit allerlei Gerätschaften der Unterhaltungselektronik und diversen Zupfinstrumenten im Hintergrund, und Eichhorn darf auch (einmal) singen. Anno 1995/96 haben Pigor und Eichorn das Chanson neu erfunden und den Beweis im fahrenden „club existentialiste“ aufgezeichnet. Damals hatten sie Nadja und Jaqueline. Heute haben sie den Ulf. Der hat sich spätestens seit 2002 und dem Album „Pigor und die Pigoretten“ völlig unentbehrlich gemacht und mischt sich nun dauernd ein. Pigor und Eichhorn nehmen das hin. Weil sie ihn brauchen.

Pigors anscheinend unbegrenzte Kreativität bei der Suche nach delikaten Details des täglichen Irrsinns und seinen vordergründig normalen Erscheinungsformen zeichnet auch „Volumen 4“ mit seinen 14 Titeln aus. Eichhorn hat es sich nicht nehmen lassen, auch für dieses Album und Pigors typischen Sprechgesang wieder kongenial die Musik zu schreiben. Es ist – und darum bin ich auch für das Booklet mit allen Texten dankbar – mal wieder ein schönes Stück literarisches Kabarett (oder kabarettistische Literatur) mit intelligenten Texten und feinen Tönen. Pigors Hassballade auf die Wurstverkäuferin, seine Manifestation der Feststellung, dass sich die Geländer von Rolltreppen schneller bewegen als die Stufen und die unmissverständliche Weigerung, bei einem Umzug zu helfen, kann wohl jeder nachvollziehen. Da singt Pigor Allgemeingut.

Die herrlich dekadente Boheme-Samba „Verrucht“ im Stil Fritz Brauses hätten Buddy Deppenschmidt und Charlie Byrd auch nicht besser hinbekommen und die Forderung nach einem neuen Lärmschutzgesetz unterschreibe ich sofort. Das Lachen über „Historische Vergleiche (mit dem Dritten Reich)“ schmerzt und enthält mehr Zündstoff, vor allem Wahrheit, als manche Bundestagsrede, sowie die Bitternis, die Pigor und Eichhorn ihren Gästen nie ersparen, auch nicht in „Petra K.“. „Wir sind Pigor und Eichhorn: die SS der deutschen Kleinkunst!“, relativieren sie flugs: „Wir sind zu weit gegangen! (…) Wir haben kokettiert mit dem Tabu-Bruch! (…) Es wäre besser, wir hätten geschwiegen!“ Oh nein – weitermachen, politisch unkorrekt bleiben und alles in Grund und Boden heideggern! (Quelle: Frank Becker)

Viel Lob und damit stand Frank Becker wahrlich nicht alleine …

Und ich steh da ganz und gar abseits … und das ganz dringend.

Denn was einem hier geboten wird, spottet jeder Beschreibung … geschmacklos wäre fast ne Untertreibung.

Höhepunkt dieser CD (ist das eventuell so ne Art „Punk-Comedy ?) ist dann das Lied „Petra K.“

KellyText

Ich weiß nicht, was soll das bedeuten … oder: Billige Scherze dieser Art finde ich eben geschmacklos und abstoßend.

Gelegentliche durchaus geistreiche Textideen werden dann durch die an Banalität nicht zu unterbietende Musik der Garaus gemacht. Die CD ist völliger Quatsch !

Wer wissen will, wie stark sein Nervenkostüm ist … kann sich die Scheibe ja mal anhören … ich werde sie schleunigst entsorgen. Und zwar mit größtem Vergnügen !

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Besetzung:
Bendedikt Eichhorn (vocals, piano)
Thomas Pigor (vocals)
+
Ulf Henrich (guitar, bass, background vocals)
Martin Lillich (bass)
Torsten Puls (guitar)
Harald Thiemann (drums)

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Titel:
01. Umzug (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3.05
02. Hypochondrie (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 5.02
03. Amerikaner (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3.10
04. Quatsch (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 2,22
05. Petra K. (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 4,34
06. Lärmschutzgesetz (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3,58
07. Hauptbahnhof (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 3,26
08. Gehen bevor es hell wird (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 5.13
09. Historische Vergleiche (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 6,35
10. Verrucht (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 4.10
11. Wurstverkäuferin (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 2.49
12. Fliegen (Eichhorn/Pigor) 3.32
13. Rolltreppengeländer (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 1.44
14. Rheinländer (Eichhorn/Pigor/Hendrich) 2.58

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