Verschiedene – Skandal! – 30 Jahre Spider Murphy Gang -Mir feiern a bayerische Band (2007)

FrontCover1Es gibt wohl nicht viel deutsche Bands, die ein ‚“Tribute“ Album spendiert beko9mmen haben.

Die Spider Murphy Gang ist eine davon:

Die schelmisch-freche Hommage von Michael Mittermeier, „Ein Skandal wird 30!“ am Schluss des Albums Skandal! Wir feiern a bayerische Band – 30 Jahre Spider Murphy Gang, bringt es auf den Punkt. Neben den 17 Künstlern, die sich auf teils verblüffende Weise die Ohrwürmer der bayerischsten aller Rock n Roll-Band zur Brust nehmen, umreißt der Comedystar das Phänomen und dessen immensen Einfluss auf bayerischen Blues, Rock, Punk – und auch Comedy. Die Lieder der Spider besitzen hohe Elastizität, doch selbst bei Versionen, die stilistisch enorm vom Origianl abrücken, wie etwa Blumentopf mit einer Hip-Hop-Variante von „Amerika“ oder String of Pearls „Herzklopfen“ als Couplet, blitzt noch der gradlinige Rock‘n‘Roll-Witz durch.

Die stilistische Vielfalt von Bananafishbones bis Rainhard Fendrich, von läßigem Country bis krachigem Punk ist so riesig, dass sich viele Highlights aneinanderreihen. Zeitgenossen wie Werner Schmidbauer, Willy Michl, EAV schlüpfen nahtlos ins Spider-Kostüm, wobei Hans-Jürgen Buchner (Haindling) auf seine einzigartig wehmütige Weise die „Rosmarie“ interpretiert, Dr. Will den „Cadillac“ zu einem schrägen New-Orleans-Krimi ausmalt, und die Ludwig Seuss Band „Vic-a-vis“ als Cajun hört.

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Den größten SMG-Hit „Skandal im Sperrbezirk“ rotzt die junge Band Killerpilze so frisch und enthusiastisch hin, als wäre er ihr gerade selber eingefallen. Dieses Tribute-Album zeigt, wie viele zeitlose Klassiker á la „Schickeria“ die Münchner über ihre Heimatstadt geschrieben haben und damit längst in die Alltagssprache eingegangen sind. (Ingeborg Schober)

Neben einem lustigen Schlusswort vom Michael Mittermeier, finden sich hier 17 Künstler der untschiedlichsten Art ein, um eine Band zu würdigen, die im letzten Jahr ihr 30jähriges Jubiläum feiern durfte.

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Die Spider Murphy Gang, die in den Achtzigern einen Hit nach dem anderen hatte und dessen „Skandal im Sperrbezirk“ und „Schickeria“ auch heute noch zu den Klassikern im Radio und auf Konzerten zählen.

Neben meiner Meinung nach einigen leichten Durchhängern wie beispielsweise die Fassung vom „Cadilac“ (Dr. Will) oder „Autostop“ (Claas Vogt) findet man hier einen gelungen Überblick über das Schaffen der Spider Murphy Gang und das in oftmals ungwohnter musikalischer Art, die einem die Frage stellt, warum haben die Spiders nicht selber einmal ihre alten Hits im neuen Gewand aufgenommen?

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„Zwoa Zigaretten“ von den Bananafishbones im coolen Countrystyle, „Rock’n’Roll Rendezvous“ vom EAV Frotnman Klaus Eberhartinger, der diesem genialen Song ein völlig neues Leben einhaucht mit seiner lässigen Art seines Gesanges, „Schickeria“ (Rainhard Fendrich im sympathischen Wiener Schmäh) sowie „Vis-a-Vis“ vom Spiderskeyboarder Ludwig Seuss sind in meinen Augen die Höhepunkte dieser, wie ich finde genialen, CD. Auch die mir zunächst ungewohnte Art „Amerika“ (Blumentopf), die mit dem Orginal nur noch der Sample „Amerika“ vom Günther gemein hat oder der „Skandal“ von den Killerpilzen, gefällt einem nach mehrfachen hören, da hier diese Songs völlig anders, frisch und jung daher kommen. Respekt an die Spiders, das sie diese Songs so abgenommen haben. Auch „Herzklopfen“ im 50ties Style von String of Pearls, die „Rock’n’Roll Schuah“ von der bayerischen Rock’n’Roll Combo „Cagey Strings“ oder die geniale Umsetzung von „Rosemarie“ vom Hans Jürgen Buchner (Haindling) sowie das Instrumentalstück „Sommer in der Elisabeth“ vom Wortakrobaten Willy Astor, der hier gekonnt die beiden Hits „Sommer in der Stadt“ und „Pfiat di Gott Elisabeth“ kombiniert sind wahre Ohrenperlen.

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Durch und durch ein Sampler, der auf den ersten Blick überraschend daherkommt aber – vor allem durch mehrmaligen Hörens – seine Vielfalt aufzeigt, da er völlig andere musikalische Wege geht und den Songs ein neues und frisches sowie modernes Leben einhaucht ohne den Song in seiner Art und Weise, wie er im Orginal klingt, zu zerstören.

Wie schon eingangs erwähnt, frage ich mich, warum haben die Spiders diesen Weg nie eingeschlagen? Mut zu neuem. Warum nicht eimal die eigenen alten Hits im neuen Gewand? (Matty)

Vielleicht deshalb, weil die Originalversionen dann doch die feinsten Versionen bleiben, das trübt aber nichts an diesem netten Tribute Album. Allerdings fehlte mir dann doch der großartige, textlich so ganz andere Song „FFB“ !

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Titel:
01. Bananafishbones: Zwoa Zigaretten (Sigl) 2.21
02. Werner Schmidbauer: Sommer in der Stadt (Sigl) 3:18
03. Klaus Eberhartinger: Rock’N’Roll Rendezvous 3:03
04. Killerpilze: Skandal Im Sperrbezirk (Berry/Sigl) 3:04
05. Hans-Jürgen Buchner (Haindling): Rosmarie (Busse) 2:58
06. Rainhard Fendrich: Schickeria 3:37
07. Willy Michl: Schuitog 4:33
08. Willy Astor: Sommer in der Elisabeth 3:31
09. Ludwig Seuss Band: Vis-A-Vis 3:57
10. Blumentopf: Amerika 3:38
11. United Balls: Mit’m Frosch im Hois und Schwammerl in de Knia 3:27
12. Viva Voce: Ich Grüße Alle Und Den Rest Der Welt 2:59
13. Dr. Will: Cadillac 4:12
14. The Fabulous Braincandy: Uh Uh I Fancy You (Oh Oh I Mog Di So) 2:08
15. Cagey Strings: Rock’N’Roll Schuah 2:54
16. String Of Pearls: Herzklopfen 4:08
17. Claas Vogt feat. B. Flintstone: Autostop (Berry/Sigl) 424
18. Michael Mittermeier: Ein Skandal wird 30! (Mittermeier/Kemmler) 7.48

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Die Spider Murphy Gang im Jahre 2007

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Nevo Mavar – Das angenehme Piano No. 3 (2007)

FrontCover1Wer kennt sie nicht: Jene namenslose Pianisten, die in Bars, Restaurant oder im Lounge-Bereich eines Hotels aufspielen … Notiz nimmt man eigentlich kaum von ihnen, aber wäre diese perlende Klaviermusik nicht da, da würde so einem wie mir was fehlen. Und immer wieder haben ich sie heimlich beobachten, wie sie im feinen Frack und mit einer ewig guten Laune im Gesicht ihren sicherlich nicht sonderlich gut bezahlten Job verrichten. Und wenn ich dann begleitet von oftmals sentimentalen Klängen mir so vorstellte, wie diese Pianisten abseits der glänzenden Fassade eines solche Etablisements ihr Leben „fristen“ (so kam es immer in den Sinn), konnte ich selbst ein wenig schwermütig werden.

Nevo Mavar schreibt über diese CD: „Die Idee war: Musik zum Dinner so angenehm wie möglich zu machen, denn wenn man ißt, möchte man nicht durch zu eindringliche Musik vom kulinarischen Genuss abgelenkt werden. Es sind außerdem mit Sicherheit Gäste da, die naturgemäß jeder für sich einen eigenen musikalischen Geschmack haben, verschiedenen Alters sind und somit nicht so leicht unter einen Hut zu bringen sind.

So lag der Gedanke nahe, nicht Musik zum zuhören zu spielen, sondern vielmehr eine Art Atmosphäre im Raum zu schaffen, die nicht ein bewusstes Zuhören verlangt, sondern nebenbei aufgenommen wird. Für mich hieß es folglich: nicht auf den Rhythmus zu setzen, sondern auf eine beinahe chanson- oder romanzenartige musikalische Präsentation zu achten.

Diese dritte CD dieser Reihe setzt die Schöpfung der Atmosphäre eines Galadinners fort, denn jedes Dinner ist für den jeweiligen Pianisten immer ein Galadinner.

Zum Programm: Eine bunte Mischung bekannter Melodien und eigener Titel, mit vielen kleinen Übergängen die eine fast pausenlose Darbietung ermöglichen und jeden Tag ein anderes Gesicht zeigen. Wie im richtigen Leben!

Sollten Sie mit Freunden einmal einen Kaffeenachmittag verbringen, legen Sie diese CD auf und Sie werden merken: Es liegt was in der Luft!“

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Nun, um es kurz zu machen, diese CD ist ein Kleinod dieser Gattung von Musik; nicht nur weil Nevo Mavar etliche eigene und durchaus hörenswerte Kompositionen zum besten gibt (sogar ein flotter Senioren-Boogie ist mit im Programm), sondern weil er sie wirklich kunstvoll mit den Fremdkompositionen verknüpft … Insgesamt sind mindestens 4 Ausgaben dieser „Das angenehme Piano … “ erschienen.

Leider habe ich über diesen Pianisten so gut wie nichts an weiteren Informationen gefunden,; er ist in Bad Reichenhall zu Hause, ich glaube aufgrund des Namens nicht, dass er Deutscher ist … irgendwie und irgendwann hat ihn sein Lebensweg eben in die bayerische Alpen verschlagen …

Und irgendwie gehörte er mal  zu der Firma Amaz-Music Factory e.U. in Mattighofen/Österreich, einer Musikagnetur, die ihren eigentlichen Schwerpunkt im Bereich österreichische Country-Musik hat.

Und irgendwann mal hatte er in dem Nobelhotel Axelmannstein, Bad Reichenhall ein längeres Engagement (zumindest weist eine eigene CD mit dem Titel „Memories Of Axelmannstein“ darauf hin). Und viel mehr habe ich dann auch nicht mehr herausfinden können … nun denn …

… und weil ich gleich wieder ein wenig sentimental werde, widme ich diesen Eintrag all jenen namenslosen Pianisten auf der ganzen Welt …

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Besetzung:
Nevo Mavar (piano)

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Titel:

01. Medley 1: 13.18
1. Ein Schiff Am Königssee (Mavar) 3.01
2. I Could Have Danced All Night (Loewe) 2.10
3. Jedesmal wenn der Regen kommt (Mavar) 2.54
4. Das kleine Kirchlein (Mavar) 2.00
5. C´est si bon (Betti) 3.10

02. Medley 2: 14.31
1. Bossa In The Night (Mavra) 3.11
2. Around The World (Young) 2.53
3. If You Think (Mavra) 2.46
4. Die einsame Trompete (Mavra)
5. Carbaret (Kander) 2.30

03. Medley 3: 14.00
1. Ein Abend ohne dich (Mavra) 3.25
2. Singing In The Rain (Brown) 2.42
3. Der Weg zu dir ist ein Regenbogen (Mavra) 3.18
4. Charmaine (Rapee/Pollack) 2.05
5. Good Morning Mr. Boogie (Mavra) 2.26

04. Medley 4: 17.29
1. Traum (Pavlov) 3.05
2. Closing Time (P.Mavar) 2.573. Letitia (Lazar) 3.18
4. Raindrops Keep Falling On My Head (Bacharach) 2.08
5. Eine Liebe geht zu Ende (Mavar) 3.02
6. Night In Casablanca (Mavar) 2.58

05. Medley 5: 17.48

1. Du, immer wieder (Mavar) 3.10
2. Sie hiess Doreen (Mavar) 3.35
3. Yorki (Lazar) 2.19
4. Dezember (Mavar) 3.31
5. Finally Home (P.Mavar) 3.01
6. Honeysuckle Rose (Waller) 2.10

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Die Ärzte – Jazz ist anders (2007)

FrontCover1Mit diesem Album wollten es Die Ärzte wohl wieder mal wissen. Auf jeden Fall war der Promotionsaufwand für diese Scheibe ganz schön enorm.

Zur Promotion wurde das Album vor der Veröffentlichung mit „Jazz isst anders“ betitelt, was einige Fans über ein zweites Konzeptalbum nach Le Frisur, diesmal übers Kochen und Essen, spekulieren ließ. Nicht nur, dass die einzelnen Titel des Albums umbenannt wurden (z. B. Küchenjunge, statt Junge oder Schimmelblau statt Himmelblau), auch die komplette Diskographie wurde passend zum Thema Kochen geändert, ähnlich dem Löschen von Bela aus der Bandbiographie zur Veröffentlichung von der Single „Dinge von denen“ aus dem Album Geräusch.

Die Verpackung der CD-Version ähnelt einem Pizzakarton und hat ca. die Maße 130 x 130 x 20 mm. Der ebenfalls in einem Pizzakarton erhältlichen Vinyl-Version liegt ein Internetgutschein bei, mit dem der Käufer sich die Lieder kostenlos im MP3-Format (256 kbps) herunterladen kann. Die Schallplatte selbst ist eine Picture-LP, wobei die A-Seite einen Pizzabelag darstellt und die B-Seite einen Pizzaboden. Die 7″-Bonus-EP stellt eine Tomatenscheibe dar.

Die Bonus-EP verfügt zusätzlich über den Hidden Track „Nimm es wie ein Mann (a.k.a Kurt Cobain)“, welcher sich auf der CD vor dem eigentlich ersten Stück befindet bzw. beim MP3-Download als vierter Song der EP erscheint. Auf der Vinyl-Version befindet sich der Hidden Track auf der B-Seite nach dem dritten Titel. Quelle: wikipedia)

PizzapackungAAber damit noch nicht genug:

Zur Tournee „Es wird eng“ und „jazzfäst“ verkauften die Ärzte exklusiv für 7,00 € eine CD, welche eine alternative Version des Albums ist, die den Titel „Jazz ist anders Economy“ trägt. Hierbei handelt es sich um eine Version des Albums, die die Ärzte unter Live-Bedingungen im Proberaum einspielten und dabei sowohl Melodien als auch Texte massiv veränderten.[8] Neben den – wie auch auf dem originalen Album enthaltenen – 16 Titeln findet sich ein kurzer Hidden Track auf dem Album, bei dem es sich um eine Kurzfassung des Liedes „Was hat der Junge doch für Nerven“ handelt. (Quelle: wikipedia)

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Jetzt aber endlich zur Musik:

„Es war derart viel von einer Krise der Ärzte zu lesen, dass mancher gleich den Marburger Bund einschalten wollte. Verschwörungstheoretiker wähnten „Jazz ist anders“ nach langer Pause und diversen Nebenjobs bereits als Schwanengesang. Ein Kollege vom Musikexpress fühlte sich sogar dazu hingerissen, den Beatles-Vergleich zu zücken: Das elfte Album der Ärzte sei ihr „Let it be“, mit Songs so hingebungsvoll romantisch und sowieso voller Anspielungen auf das baldige Ende. „Vorbei ist vorbei.“ Und dann steckt auf der Bonus-Tomate im Pizzakarton von „Jazz ist anders“ auch noch ein Lied titels „Wir waren die Besten“. Das Präteritum als Abschied.

Doch, Moment! Bonus-Tomate? Pizzakarton? Genau, schon das Artwork des elften Albums von Die Ärzte albert herum, als hätte es seit „Geräusch“ keine vier Jahre gut gefüllter Pause gegeben. Da muß niemand erst warm laufen, das zündet direkt. Der gestandene Ärzte-Hörer wird es sogar verkraften, dass die Berliner es vom Start weg überraschend ernst meinen. Ob es die hoffnungsfrohe Melancholie von „Himmelblau“ ist oder das selbstbewusste „Lied vom Scheitern“ – Ironie ist anders. Moll sind die Akkorde, und die Hoffnung stirbt zuletzt. Aber natürlich mogeln sich die Debilitäten dann doch wieder hinterrücks in die Texte: „Ich bin immer dann am besten / Wenn mir keiner ins Regal pisst.“

Die Zielgruppenbefriedigung auf „Jazz ist anders“ geht eben so: Rod gibt sich „Breit“, Bela sieht zu „Hämoglobin, Weib und Gesang“ ein „Licht am Ende des Sarges“, und Farin hüpft Ballermann-kompatibel durch „Lasse redn“. Denn dort lauert zwischen Elektronikzwitschern und den abstrusen Verleumdungen der lieben Nachbarn eine ewige Wahrheit: „Die meisten Leute haben ihre Bildung aus der Bild / Und die besteht nun mal, wer wüsste das nicht / Aus Angst, Hass, Titten und dem Wetterbericht.“

Die neue Ernsthaftigkeit, die sich schon im wunderbaren „Junge“ Gedanken über die Zukunft macht, war schon auf „Geräusch“ keineswegs ein schicker Ersatz fürs Erwachsenwerden. Die eingebauten Hintertürchen zeigen einen dritten Weg jenseits von Ha-Ha-Lustigkeit und Düsseldorfer Betroffenheit. Da ist eben eine mörderische Tragödie wie „Nur einen Kuss“ ebenso möglich wie die bittere Beziehungsabrechnung „Heulerei“ oder das selbstmitleidige „Living hell“. Und weil aus dem Nebenher wieder ein Miteinander geworden ist, passen die Songs zueinander wie Arsch auf Eimer.

Die Lust steckt nämlich in den Details. Im Zappelfunk von „Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend)“ mit seinem herrlichen „Pflegeleicht“-Refrain, im Schallala-Kitsch von „Niedliches Liebeslied“ oder im tollwütigen Kreischen der herrlichen Raubkopiererbestrafungsphantasie „Tu das nicht“: „Und es läuft keine Musik auf Deiner Beerdigung / So.“ Aber „Jazz ist anders“ ist ohnehin viel zu lebendig für den Friedhof. „Dracula wohnt nicht mehr hier / Hier gibt’s nur noch den lustigen Vampir.“ Jetzt muss sich nur noch die Schinkenformscheibe aus dem neuen Die-Türen-Album mit der Tomate von „Jazz ist anders“ vermählen. Alles wird guten Appetit.“ (Oliver Ding)

Nicht verschwiegen werden soll allerdings auch, dass die webnsie laut.de zu einem ganz anderem Urteil kommt.

Mir ist das eher wurscht, denn ich gehöre eh nicht zur Zielgruppe dieser Band. Aber dennoch: Die Ärzte bleiben eine ganz schön schwergewichtige Formation unter dem deutschen Himmel.

Aber jetzt beschäftige ich mich dann doch lieber mit der 4. Folge der Edition „Swing tanzen verboten“.

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Besetzung:
Bela B. (Dirk Felsenheimer) (drums, vocals, guitar)
Rodrigo González (bass, vocals, guitar, piano)
Farin Urlaub (Jan Vetter) (vocals, guitar, bass)

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Titel:
01. Himmelblau (Urlaub) 3.16
02. Lied vom Scheitern (Felsenheimer) 3.29
03. Breit (Urlaub/González) 3.14
04. Lasse redn (Urlaub) 2.49
05. Die ewige Maitresse (González/Felsenheimer) 2.24
06. Junge (Urlaub) 3.07
07. Nur einen Kuss (Urlaub) 4.25
08. Perfekt (Felsenheimer) 2.35
09 . Heulerei (Urlaub) 2.13
10. Licht am Ende des Sarges (Felsenheimer) 2.47
11, Niedliches Liebeslied (González/Felsenheimer) 3.40
12. Deine Freundin (wäre mir zu anstrengend) (Urlaub) 2.13
13. Allein (Urlaub) 3.50
14. Tu das nicht (Felsenheimer) 3.52
15. Living Hell (Urlaub) 3.41
16. Vorbei ist vorbei (Urlaub) 3.04
17.  Nimm es wie ein Mann (a.k.a. Kurt Cobain) (Felsenheimer/González) 1.54

+ die EP:

18. Wir sind die Besten (Urlaub) 2.29
19. Wir waren die Besten (Felsenheimer) 4.14
20. Wir sind die Lustigsten (González) 4.35

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Michael Wollny – Piano Works VII – Hexentanz (2007)

FrontCover1.jpgDie dunkle Saite Hexentanz – das ACT-Soloalbum von Klavier-Jungstar Michael Wollny mit einer „Gothic Music“ von enormer Sogkraft Was hat Jazz mit Mary Shelleys „Frankenstein“ zu tun? Normalerweise nicht so viel, aber in diesem Fall gibt es spannende Berührungspunkte. Michael Wollny bezeichnet die Musik dieses Albums als “Gothic Music” – und spielt dabei auf den Begriff der „Gothic Novel“ an, zu deutsch: Schauerroman. Eine persönliche und farbenreiche Klangsprache, in deren Universum die Filme eines Ken Russell oder Vincent Price ebenso ihren Platz haben wie die ambivalente Klangwelt von Franz Schubert und die tiefgründigen Popsongs von Björk. Nicht etwa mit vordergründigen Grusel-Effekten hat das also zu tun, sondern es geht um die erweiterte Dimension des Schauerns. Um die Gänsehaut im Zwielicht. Und vor allem: um fesselnd… (Werbetext)

Der Pianist Michael Wollny liebt Schauergeschichten. Seine erste Solo-CD „Hexentanz“ klingt düstern, spannend, entrückt, ganz wie die Romane von Sir Arthur Conan Doyle

Wenn man ihn in seiner Dachwohnung im Kreuzberger Chamisso-Kiez besucht, kommt man dem Titel seiner neuen CD Hexentanz schnell auf die Schliche. Auf dem Flügel liegt ein Adorno-Buch, an der Wand hängt ein Plakat für den Film A Clockwork Orange. Die Bücherwand verrät, wie sehr Michael Wollny für Sir Arthur Conan Doyle und Dracula schwärmt. Horrormärchen, Schauerfilme… Diese Leidenschaft begleitet den 28-jährigen Pianisten schon seit der Jugendzeit.

Michael Wollny

Sein Hexentanz bleibt musikalisch nah am Thema, er spielt mit den gängigen Genre-Klischees, fällt aber nicht auf sie hinein. Verminderte Akkorde schaffen eine düstere Grundstimmung, Pausen markieren Spannungsbögen, elektronische Effekte suggerieren gediegene Entrücktheit, rhythmische Attacken unterlaufen von tief unten das Geplänkel an der Oberfläche.

Die Klavierimprovisationen sind von dem Pianisten Joachim Kühn beeinflusst. Seine Methode des Diminished Augmented System wandte Wollny beim Titelstück an. Kühn geht in seinem Spiel von Klängen aus, nicht von Akkorden.

Im Jahr 2005 hatte Wollny das außergewöhnliche Trio-Album call it [em] mit Eva Kruse und Eric Schaefer herausgebracht. Certain Beauty, seine Duo-CD mit dem Saxofonisten Heinz Sauer, wurde in Frankreich als eine der besten CDs des vergangenen Jahres gefeiert. Nach den beiden intensivsten Jahren seiner Karriere zog er sich für ein paar Wochen in den hohen Norden zurück, um die Musik für Hexentanz zu komponieren.

Auf dem Album hat er auch drei Stücke von Björk neu interpretiert. Er bekennt, ein Anhänger der isländischen Sängerin zu sein, besonders ihre letzte CD Medúlla habe ihn sehr inspiriert. Ihn reizen Stücke wie ihr Anchor Song und Jóga, die Klassiker des Jazz spielt er kaum. Die Musik soll etwas mit seinem Leben zu tun haben und nicht schon von den Kollegen abgegrast worden sein. (Die Zeit, 28. Februar 2007)

Solange es solche Musiker und solche atemberaubenden Aufnahmen gibt, braucht man sich über die Zukunft des Jazz in Deutschland wahrlich keine Sorgen machen !

AlternativeCover

Alternative Hüllengestaltung

Besetzung:
Michael Wollny (piano)

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Titel:
01. Initiation (Wollny) 4.26
02. Schubertiade: Der Doppelgänger (Wollny) 2.38
03. Schubertiade: Das Irrlicht (Wollny) 2.40
04. Schubertiade: Der Schatten (Wollny) 2.01
05. Schubertiade: Der Wanderer (Wollny) 2.30
06. Anchor Song (Björk) 2.31
07. Hexentanz: Teil 1 (Wollny) 2.57
08. Hexentanz: Teil 2 (Wollny) 3.41
09. Hexentanz: Teil 3 (Wollny) 2.13
10. Hexentanz: Teil 4 (Wollny) 2.01
11. Hexentanz: Teil 5 (Wollny) 3.04
12. Spell / Enchantment (Wollny) 4.48
13. Augmented Time (Wollny) 4.13
14. Where Is The Line (Björk) 3.26
15. Spuk (Wollny) 2.39
16. Die lebenden Puppen (Wollny) 3.09
17. Joga (Björk) 3.38

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Matti Geschonneck – Duell in der Nacht (2007) (TV rip)

Beispiel03Mein lädierter Zustand erlaubt es mir z.B., meine digitale Vidothek zu sichtn … und da bin auf diesen Fil hestossen … ein Film, der sich nun wirklich lohnt:

Der Polizeibeamte Mettich in Frankfurt am Main ermordet aufgefunden. Bevor Polizeipräsident Hans-Joachim Lehm (Peter Lerchbaumer) am Abend des nächsten Tages zu einem Empfang des steinreichen Immobilienhändlers Wellingsen (Thomas Thieme) in einem Hotel in der Innenstadt geht, beauftragt er seinen neuen Mitarbeiter Jonas Birke (Jürgen Vogel), den Tatverdächtigen Wolfram Ernst (Uwe Kockisch) im Polizeipräsidium zu verhören. Er will noch in der Nacht ein Geständnis, um am nächsten Morgen mit der Erfolgsmeldung vor die Presse treten zu können, die seit einiger Zeit Gerüchten über Korruption in der Frankfurter Polizei nachgeht.

DVD1Wolfram Ernst verbüßte vor einiger Zeit eine achtjährige Haftstrafe, weil er an der Erpressung eines Kaufhauses beteiligt gewesen war. Mettich hatte ihn damals überführt. War der Mord ein später Racheakt? Jonas Birke und seine Kollegin Mechthild Adler (Ina Weisse) stellen rasch fest, dass die von Ernst angegebenen Alibis falsch sind. Daraufhin behauptet er, zur Tatzeit bei Isabel Wellingsen (Iris Berben) gewesen zu sein, mit der er seit vier Jahren ein „semi-erotisches Verhältnis“ habe. Allerdings möchte er nicht, dass die Millionärsgattin und bekannte Kunstmäzenin in den Schmutz gezogen wird.

Birke hält es für seine Pflicht, Isabel Wellingsen sofort zu vernehmen. Mechthild Adler begleitet ihn zu dem Empfang. Die Ehefrau des Gastgebers folgt den beiden Polizeibeamten willig in eine leer stehende Suite des Hotels. Zuerst leugnet sie, Wolfram Ernst zu kennen, doch von Birke in die Enge getrieben, gibt sie zu, den vorigen Abend mit Ernst verbracht zu haben, und aufgrund des Alibis ordnet Birke an, dass Ernst das Polizeipräsidium als freier Mann verlassen darf. (dieterwunderlich.de)

Mehr verrate ich hier nicht, denn es beginnt nund in diesem Kammerspiel eine atemberaubendes Verwirrspiel … perfide und diabolisch …

Einen solch klaren Handlungsaufbau, solch gestochen scharfe Dialoge und ein solch prägnantes Genrestück wie dieses „Duell in der Nacht“ gewärtigen wir selten im Fernsehen. Alles und jedes stimmt in diesem Film. Die Regie von Matti Geschonneck, die Bilder des Kameramanns Martin Langer, das Buch von Daniel Nocke. Und dann erst die Besetzung: Jürgen Vogel als trauriger Kommissar Birke, Uwe Kockisch als gedungener Mörder und Verlierer vom Dienst, Iris Berben als Isabel Wellingsen, die von allen das gefährlichste Spiel treibt, Thomas Thieme als ihr verschlagener Gatte, Ina Weisse als innerlich zerbrochene Helfershelferin und Peter Lerchbaumer, der den Polizeichef spielt, als der wahre Mephisto. (Michael Hanfeld, „Frankfurter Allgemeinen Zeitung“, 7. Januar 2008)

Beispiel45

Besetzung:
Hans-Jörg Assmann (Polizeipräsident Peter)
Iris Berben (Isabel Wellingsen)
Ulrich Cyran (Lästernder Partygast mit Brille)
Jürgen Haug (Lästernder (Partygast ohne Brille)
Alexander Hörbe (Herr Naul)
Peter Lerchbaumer (Hans-Joachim ‚Hajo‘ Lehm)
Uwe Kockisch (Wolfram Ernst)
Thomas Thieme (Ludwig Wellingsen)
Jürgen Vogel (Jonas Birke)
Ina Weisse (Mechthild Adler)

Regie: Matti Geschonneck
Drehbuch: Daniel Nocke
Musik: Ralf Wienrich
Kamera: Martin Langer
Schnitt: Inge Behrens

Beispiel01

Die Spurensicherung am Tatort

Beispiel02

Beispiel04

Wie fast immer: atemberaubend, diese Iris Berben

Beispiel05

Ein feines Pärchen

Beispiel06

Beispiel07

Beispiel08

So schaut ein Zweifler …

Beispiel09

Vordergründig sehr freundlich …

Beispiel10

Na klar, der Blick in die Polizeiakte

Beispiel11

Vorbereitung auf das Verhör

Beispiel12

Gibt sich kooperativ

Beispiel13

Beispiel14

Beispiel15

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Beispiel44

Beispiel20

Beispiel21

Beispiel22

Beispiel23

Beispiel24

Beispiel25

Beispiel26

Beispiel27

Gib eine Beschriftung ein

Beispiel28

Due Duell, Teil 2 beginnt

Beispiel29

Ja, ja … und ewig lockt das Weib …

Beispiel30

Beispiel31

Beispiel32

Beispiel33

Beispiel34

Beispiel35

Beispiel36

Beispiel37

Dieses Schild ist entscheidend, ganz und gar entscheidend …

Beispiel38

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Beispiel40

Beispiel41

Das war´s dann wohl …

Beispiel42

Aus der Kategorie: „blondes Gift“

Beispiel43

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Verschiedene Interpreten – Meine Welt (2007)

FrontCover1Die Stadt Mannheim feierte im Jahr 2007 den 400. Geburtstag der Stadt … und zu diesem Anlass ließ man es so richtig krachen. Initiert von dem „Stadtmarketing Mannheim“ wurde eigens für diesen Anlass eine Maxi-CD produziert und dabei ließ man sich nicht lumpen.

Musiker wie die unverwüstliche Joy Fleming, Uwe Ochsenknecht (der allerdings mittlerweile im Münchner Nobel-Vorort Grünwald lebt) und Rolf Stahlofen (ex-Söhne Mannheims – übrigens: dieser Bandname ist natürlich ne Art Dauer-Promotion für diese Stadt) gingen ins Studio, um diese ganz spezielle CD aufzunehmen.

Und so las sich das damals in den Medien:

„Es ist schon eine echte Weltpremiere, wenn am 24. April 2007 im Capitol in Mannheim der Jubiläumssong „Meine Welt“ vorgestellt wird – veranstaltet vom Stadtmarketing Mannheim in Zusammenarbeit mit dem KulturNetz Mannheim-Rhein-Neckar e.V.. Ab 20.30 Uhr (Einlass ab 19.30 Uhr) werden Joy Fleming und Rolf Stahlhofen – stellvertretend für das „Gesangsteam“, zu dem auch Xavier Naidoo gehört – nicht „nur“ den „Song für Mannheim“, singen, sondern 100 Minuten lang volles Programm bieten. Wer will, kann den Song dann auch mit nach Hause nehmen, denn die CD mit dem Song in verschiedenen Variationen ist an diesem Abend exklusiv und ab dem 27. April dann im Handel erhältlich. (schneckenhof)

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Der Song ist Teil des Kultur- und Kommunikationsprojektes „Klang der Quadrate“ der Stadtmarketing Mannheim GmbH und wird ab dem 02. Juni 2007 zusammen mit einem überdimensional großen, begehbaren Multimediawürfel auf Tournee gehen.

FlemmingGeschrieben hat den Song der junge Mannheimer Komponist Mathias Grosch, zusammen mit Fola Dada und Martin Simon. Rolf Stahlhofen und Joy Fleming werden zusammen insgesamt fünf Live-Konzerte geben, um den Jubiläumssong zu präsentieren, in den Tour-Orten und vor allem zum Auftakt der Tournee in Mannheim. So tragen sie von Mannheim aus den „Klang der Quadrate“ in drei deutsche Großstädte: nach Berlin, nach München und nach Köln.
An den Tournee-Orten wird sich der Song dann wieder verändern, denn in einem interaktiven Klanglabor sind alle Besucher des Würfels eingeladen, mit dem Mannheim-Song zu spielen, ihn selbst zu verändern oder auch einfach nur zuzuhören. Und die Mannheimer können ihren Song natürlich zuerst bearbeiten, beim Start der „Klang der Quadrate“-Tournee am 2. Juni 2007 vor dem Wasserturm“ (schneckkenhof)

Und herausgekommen ist eine wirklich spannende Sache: nicht das mir unbedingt diese „Xavier Naidoo“Musik  auf den Leib geschnitten wäre … aber … spürbar bleibt, dass hier neben all dem Spaß … eine wirkliche Nähe zu der Heimatstadt Mannheim vorhanden ist …

Und der Uwe Ochsenknecht Song „Mannheim City Blues“ ist eine wirklich feine Blues-Rock-Ballade …

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Besetzung:
Joy Fleming (vocals)
Uwe Ochsenknecht (vocals)
Rolf Stahlofen (vocals)
+
Les Sauvignons
+
viele weitere Mitwirkende (schaut euch das booklet an .. . )

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Titel:
01. Rolf Stahlofen + Joy Fleming: Meine Welt (Grosch/Dada/Naidoo/Simon) 5.41)
02. Rolf Stahlofen + Joy Fleming: Meine Welt (Radio Version) (Grosch/Dada/Naidoo/Simon) 3.39
03. Uwe Ochsenknecht: Mannheim City Blues (Mrozeck/Lupp/Ochsenknecht) 4.14
04.  Les Sauvignons feat. Henning Wehland:  Mann sein in Mannheim (Wehland) 3.50
05. Hans Wiesnandt & Decomposed Subsonic: Meine Welt (Köln-Ehrenfelder Mix) (Grosch/Dada/Naidoo/Simon) 5.49
06. Angel – Shave Randle – Vanesse Kraft – Rainer Kraft: Meine Welt (Youngstar Version) (Grosch/Dada/Naidoo/Simon) 4.24

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Johann Nepomuk Hummel – Der Durchzug durchs Rote Meer (2007)

FrontCover1Hinter diesem Album steckt eine wahrlich interessante Geschichte:

„Lange galt das Oratorium „Der Durchzug durchs Rote Meer“ als verschollen, denn weithin war unbekannt, dass die British Library in London die Original-Niederschrift des Komponisten archiviert hatte. Mit dieser Aufnahme wurde das Chorwerk, das die Geschichte Moses‘ am Roten Meer thematisiert, nun wieder neu zugänglich gemacht.“ (Planet Wissen)

Dieses Werk Werken Haydn-Nachfolgers Hummel bildet also eine kleine „werkgeschichtliche“ Sensation: Zum ersten Mal in Süddeutschland – und folgerichtig in Stuttgart(!) – wird heute ein vor Kurzem (das war im Jahre 2004 !) in der British Library in London entdecktes, noch unveröffentlichtes Oratorium von Johann Nepomuk Hummel erklingen, das die musikgeschichtliche Lücke zwischen dem oratorischen Schaffen von Haydn und dem Mendelssohns kleiner machen könnte, das Oratorium für Chor, Solisten und Orchester „Der Durchzug durchs rote Meer“.

Auch wenn die Aufführung des Oratoriums seltsamerweise nicht nachweisbar ist und das Autograph auch keine Datierung enthält, ist die Aufführung am Esterhazy’schen Hof während Hummels Zeit als Konzertmeister doch sehr wahrscheinlich, was auch die „Nicht-Wahrnehmung“ der öffentlichen Musikpresse am ehesten erklären könnte. Andererseits wurde am 12. Juli 1806 im Wiener Augartensaal die Aufführung einer Kantate von der Komposition des Herrn Hummel in der Allgemeinen Musicalischen Zeitung erwähnt, bei der es sich durchaus um sein Oratorium Der Durchzug durchs rote Meer gehandelt haben könnte.

HummelDass Hummel seinen Durchzug durchs rote Meer für den Ester-hazy’schen Hof komponiert haben mag, liegt noch aus einem anderen Grund sehr nahe: 1804 dirigierte er Haydns Schöpfung im Eisenstädter Schloss. Inspiriert von der farbigen, illustrativen und dennoch weit gespannten Haydn’schen Musik, die den bilderreichen Genesis-Text auf unvergleichliche und neuartige Weise umzusetzen verstand, mag Hummel auf die Idee gekommen sein, es seinem großen Kollegen und Mentor Haydn gleich zu tun: Er „blätterte“ zum nächsten der Moses-Bücher und fand im 2. Buch Moses, Exodus, einen ebenso bilderreichen wie dramatischen Text, der in der musikalischen Umsetzung so etwas wie eine Fortsetzung der „Schöpfungs-Arbeit“ von Haydn zu werden versprach.

Der Durchzug durchs Rote Meer ist ein dramatisches Oratorium, in dem der Chor eine eminent wichtige Rolle spielt. Hummel schrieb es zu Beginn des 19. Jahrhunderts auf einen Text, der weitgehend dem biblischen Bericht aus dem 2. Buch Mose folgt. Die Aufnahme besticht durch das engagierte Vorgehen des Dirigenten Hermann Max, der Chor wie Solisten zu energiegeladenem Musizieren und Singen bringt. So viel Feuereifer ist nicht selbstverständlich, wenn ein vergessenes Werk ausgegraben wird. Das wiegt die Tatsache auf, dass der Chor nicht immer homogen klingt. Unter den durchweg guten Solisten ragt besonders der Bass Friedrich in der Rolle des Israeliten heraus. (Remy Franck)

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Noch kurz ein paar Informationen zu diesem Johann Nepomuk Hummel:

Der aus Bratislava stammende Johann Nepomuk Hummel gehörte zu den wenigen nachgewiesenen Schülern W. A. Mozarts. Er wirkte am Esterházyschen Hof und wurde später Kapellmeister in Weimar.

Besondere Aufmerksamkeit genossen zu seiner Zeit seine vielen Klavierkompositionen und Kammermusikwerke. So blieb das Oratorium ‚Der Durchzug durchs Rote Meer‘ zunächst unbeachtet und wurde erst 2004 in London wiederentdeckt. Das Werk – wenn auch nicht vom Umfang her – lehnt sich an Haydns Schöpfung, an Oratorien Händels und CPE Bachs an, doch es erweist sich in der melodischen Erfindung und formalen Ausgestaltung als ganz eigenständige Arbeit.

Soweit, so gut … es ist ein durchaus anspruchsvolles Unterfangen sich diesem Werk zu nähern … aber es ist zugleich auch ein lohnenswertes Unterfangen !

HermannMax

Hermann Max

Besetzung:
Ekkehard Abele (bass)
Wolf Matthias Friedrich (bass)
Simone Kermes (soprano)
Hans-Jörg Mammel (tenor)
Veronika Winter (soprano)
+
Rheinische Kantorei (Chor)
+
Das Kleine Konzert Orchester unter der Leitung von Hermann MaxBooklet13A.jpg

Titel:
01. Intrada (1. Teil) 7.30
02. Chor: Aus der Tiefe unsers Elends 3.34
03. Recitativo accompagnato: Und immer schwerer lastet das Joch der Sklaverei 1.11
04. Arie und Chor: Ich, euer Väter Gott 5.09
05. Fuga: Der Herr hat unser Geschrei erhört 3.23
06. Duett: Es macht der Herr durch unsern Mund, dir König, seinen Willen kund 1.52
07. Recitativo accompagnato: Verblendet war des Königs Sinn 2.45
08. Arie und Chor: Ich schwebe auf des Todes Fittich 2.37
09. Recitativo accompagnato: Ein groß Geschrei ging aus (2. Teil) 1.28
10. Quartett mit Chor: Der Herr hat unser Trübsal geseh’n 5.53
11. Recitativo accompagnato: Sie zogen aus, gewaffnet durch die Wüste 1.17
12. Arie und Chor: Und Moses streckte aus die Hand 5.42
13. Rezitativ: Es warf das Meer die Toten ans Gestade 0.31
14. Chor: Jehova ist ein Kriegesheld 7.46

Komposition: Johann Nepomuk Hummel

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