Julian Doepp im Gespräch mit Carl-Ludwig Reichert – Stereo Revolution (2008)

CLR2ADem einen oder anderen wird der Carl-Ludwig Reichert ein Begriff sein. Zum einen war er Mitbegründer der bayerischen Kultband „Sparifankal“ und zum anderen war er freier Mitarbeiter des Bayerischen Rundfunks und zwar als Autor und Moderator diverser Musiksendungen. Zudem hat er  im Lauf der Jahre eine Flut von kompetenten Musikbüchern (von Blues bis zu Frank Zappa) veröffentlicht.

Vielfalt ist sein Metier.

Carl-Ludwig Reichert (* 1946 in Ingolstadt) ist ein deutscher Musiker, Radiomoderator, Übersetzer und Schriftsteller.

Reicherts Publikationen reichen von Themen der Jugend- und Popkultur bis hin zu bayerischer Kultur- und Literaturgeschichte. Zusammen mit Michael Fruth schrieb er unter dem Gemeinschafts-Pseudonym Benno Höllteufel avantgardistische Mundartlyrik im Gefolge Artmanns und Jandls, erschienen in den Bänden warum nacha ned? und friss wos i sog. Mit diesem Material wurde auch eine Schallplatte aufgenommen.

Reichert war Mitbegründer, Texter, Sänger und Gitarrist der Band Sparifankal.

Von 1970 bis zu seinem Ruhestand 2011 arbeitete er als Autor, Moderator und Regisseur für Bayern 2, beispielsweise für die Sendungen Zündfunk, „bluessession“ und „Nachtsession“.

Ab 2000 trat Reichert als Sänger und Gitarrist der akustischen Band Wuide Wachl mit Ulrich Bassenge auf. Nach Auflösung der Gruppe spielt er mit neuen Musikern unter dem Namen Sparifankal 2. (Quelle: wikipedia)

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Diese Zeilen von wikipedia kommentierte der Carl-Ludwig Reichert auf seine website so:

„ich werde diese seite in zukunft als eine art unregelmässiges wochen-monats- und tagebuch führen. nicht aus eitelkeit, sondern aus gegebenem anlass stelle ich davor meine kurzbiographie ein, insbesondere für herausgeber und journalisten, die somit nicht mehr auf den schwachsinn angewiesen sind, den einige vollpfosten in wikipedia über meine wenigkeit verbrochen haben. don`t use wikipedia, folks! never ever! it sucks!“

Nun gut, hier also seine „Kurzbiographie:

Carl-Ludwig Reichert.
Schriftsteller, Musiker, Privatgelehrter.
Freier Mitarbeiter des BR als Autor, Moderator und Regisseur von 1970 bis 2011.
Publikationen zur Jugend- und Popkultur.
Rundfunksendungen, literarische Texte (u.a. bairische Mundart-Lyrik, nhd. Prosa). Biographien und Psychogramme zu den Ducks, Frank Zappa, Marieluise Fleißer; Sachbücher zu Rock, Blues und Folk), Schallplatten/CDs etc. (u.a. Bayern Rock, huraxdax drudnhax, dahoam is wo andas mit Sparifankal, babbalababb mit Wuide Wachl).
Veröffentlichungen zur bayrischen Kultur- und Literaturgeschichte.
Übersetzungen (u.a. Jim Morrison, Bob Marley, Paul McCartney, Hunter S. Thompson und Asterix ins Bairische.)
Macht derzeit mit beim Gaudiblatt (www.gaudiblatt.de) und spielt bei Sparifankal 2 (www.sparifankalzwoa.de)
Lebt in München.

Hier können wir ihn als Zeitzeugen der 60er Jahre hören … in dem Gespräch mit Julian Doepp („Die Stereo-Revolution – Umwälzung der 60er Jahre“) gibt er seine Sicht und Erinnerungen dieses Jahrzehnts wieder … Ganz sicher ein spannendes Gespräch, aber und diese kritische Anmerkung sei mir erlaubt: A bisserl arg selbstverliebt ist er schon, der Carl-Ludwig Reichert, insbesondere wenn über sein Kunstverständnis referiert … aber so isser halt. Das Gespräch lief übrigens in der Serie „Gesprächsreihe zur kulturellen, technischen und politschen Umwälzung der 1960er Jahre.“

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Buddy Hudziak & Die Ginsberger Heidekinder – Jedes Ding braucht einen Namen (2008)

FrontCover1Jetzt hatten wir eben einen flötenden und rockenden Benedikter-Mönch und nun präsentiere ich einen singenden Beamten der Kriminalpolizei … es wird ja immer doller, könnte man da ja sagen. Und in der Tat: In mir ist wohl eine gewisse Neigung für musikalische Skurriliäten vorhanden und um genau eine solche handelt es sich hier bei diesem Projekt.

Hier hören wir den „Titelsong zum Förderprojekt 2008 der Fleischer-Innung Rhein-Erft zu Gunsten von Kindergärten und Kindertagesstätten am Rhein-Erft-Kreis“. Und weiter:

Mehr als 200 Kinder aus verschiedenen Einrichtungen im Kreis waren der Einladung der Fleischer-Innung Rhein-Erft in den Abteipark in Brauweiler gefolgt, um die ersten Würstchen zu kosten und an der Preisverleihung teilzunehmen. Die Jury hatte Schwerstarbeit zu verrichten, um aus 600 Vorschlägen verschiedener Kindertagesstätten im Kreis die 17 besten auszuwählen. Und davon kamen schließlich drei in die engere Wahl. Obermeister Wolfgang Axer bedankte sich bei den Jungen und Mädchen für ihre kreative Arbeit. Die Dirmerzheimer bekamen einen Scheck in Höhe von 250 Euro. Schimherrin Angelika Rüttgers erinnerte sich an die Zeit, als sie selbst einen Kindergarten geleitet hatte. Sie gratulierte der Innung zu ihrer Idee. Alle Teilnehmer hätten großen Spaß gehabt. Das zeige auch die Vielzahl der Vorschläge, die von Schlangenwürstchen bis Franz-Würstchen gereicht hätten. Besonderen Spaß hatten die Gruppen an den Vorführungen von Clown und Zauberer Jacomo. Sänger Buddy Hudziak sang mit den Besuchern das eigens für diesen Tag produzierte Lied „Jedes Ding braucht einen Namen“.(Kölner Stadt-Anzeiger, 23.04.2008)

Grußwort
Spontan stellte ich mir gerade die Frage, was eigentlich ihr Gatte, Jürgen Rüttgers wohl gerade so treibt.

Aber zurück zu diese Mini-CD:  Nachdem nun der Anlaß für diese CD geklärt ist, stellt sich nun die Frage: Wer um Himmels Willen ist Buddy Hudziak ? Nun, die Frage kann nur einer stellen, der tief im Süden der Republik wohnt … In Köln und Umgebung ist er wohl weitaus besser bekannt:

„Buddy Hudziak wurde im Münsterland im Sternzeichen „Waage“ 1952 geboren. Er absolvierte das Gymnasium in der Kreisstadt Coesfeld und ging dann in die Ausbildung bei der Polizei.

BuddyHudziak01Über so viele Ausbildungsorte wie Münster, Bochum, Stukenbrock, Selm kam er dann schließlich nach Köln.

Zunächst bei der Schutzpolizei und dann kam 1976 der Wechsel zur Kriminalpolizei, wo er jahrelang als Sachbearbeiter für Erpressungen / Entführungen / Waffendelikten tätig war. Im Laufe der Jahre kam das ganze Spektrum von Gewaltkriminalität auf ihn zu.

1999 wechselte er dann als Kriminalhauptkommissar von der Repression zur Prävention und war seitdem zuständig für Kölner Schülerinnen und Schüler, für Lehrerkollegien und diverse Kölner  Ämter im Bereich Gewaltprävention.

Darüber hinaus verfügt er  noch über einige qualifizierte Ausbildungen im Bereich „Emanzipatorische Jugendarbeit“.

Auch als Gast-Dozent an der Volkshochschule war und ist er noch tätig. Ebenso an der Thomas-Morus-Akademie für Lehrerfortbildungen.

Und dieser Polizeidienst sucht irgendwo einen Ausgleich…

Was lag da näher als sich dem zu widmen, was er als kleiner Junge schon gelernt hat: seiner Gitarre, die er seit dem 8. Lebensjahr als „klassische Gitarre“ und dann ab dem 12. Lebensjahr als „rock-guitar“ kennen und lieben gelernt hatte.

Über Schülerbands ( Buddy Holly wurde ge-covert ), Solo-Auftritte als Liedermacher  und diversen Gruppen und Bands wollte es der Zufall oder eine überirdische Fügung  irgendwann, dass er Lieder und Texte am laufenden Band schrieb.

BuddyHudziak02Impressionen aus dem Beruf, expressive Emotionen, tiefgründige Lyrik in Verbindung mit einfachen Gitarrengriffen und / oder fast schon orchestralen Arrangements waren die Basis für Lieder, die demZuhörer nicht mehr aus dem Gedächtnis gehen.

Und die Ideen für die Lieder kommen:

…aus Erlebtem…

…aus Anregungen und Phantasien, die das Leben schenkt…

…von ganz lieben Menschen, die ihr Herz ausschütten…

Nach vielen Versuchen, bei der Musikindustrie Aufmerksamkeit zu erregen,  kreuzten sich in Köln die Wege von Buddy Hudziak und dem studierten Kölner Musiklehrer Martin Ermen. Mit Martin als Coach und nach 1 Jahr harter und intensiver  Arbeit und Training lernte er über eine Demo-CD  den Musikverleger Jürgen Hofius aus Siegen kennen, der ihn sofort ins Studio von Henning Gehrke, Iserlohn, schickte.

Henning, ein professioneller Studio-Musiker  und ein Supertalent als Arrangeur und Produzent (u.a. aktuell für Udo Lindenberg)  gibt den Liedern von Buddy Hudziak den brillanten Feinschliff.

Buddy ist verheiratet, und zwar mit seiner „Sandkastenliebe Jenny“, der er unzählige Anregungen und Inspirationen für Lieder, Texte, Melodien und für sein Leben verdankt.

Daher sind ganz viele Lieder aus der Feder von Buddy geschriebene Komplimente und ein „Dankeschön“  an Jenny und an all die guten Geister, die sich mit ihm seelenverwandt fühlen und fühlen dürfen.“ (Selbstportrait)

Ergänzend darf berichtet werden, dass er mittlerweile so einige eigene Tonträger veröffentlicht hat.

Musikalisch hat man sich auf den Rolf Zuckowski – Sound konzentriert und dementsprechend nett ist dann auch dieses Album ausgefallen. Und natürlich durfte man – bedenkt man den Auftraggeber dieser Scheibe, das frühliche Liedchen „Wer will fleißige Handwerker sehen“ nicht fehlen …

Und abschließend noch ein großes Lob an die Sängerinnen und Sänger der „Ginsberger Heidekinder“ – sie machen wirklich einen verdammt guten Job !

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Besetzung:
Buddy Hudziak (vocals, guitar bei 01.)
+
Die Ginsberger Heidekinder (choir)
+
ein kleiner Haufen unbekannter Studiomusiker

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Titel:
01. Das Würstchenlied (Udziak) 3.37
02. Fleißige Handwerker (Traditional) 2.42
03. Kleine Lerche, liebe Lerche (Traditional) 2.42
04. Vogelhochzeit (Traditional) 2.30
05. Weißt du, wieviel Sternlein stehen ? (Traditional) 2.09
06. Das Würstchenlied (Karaoke) 3.37

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Sven Regener – Sven Regener liest Herr Lehmann (2008)

FrontCover1Es gibt so Bücher, die pflanzen sich bei mir ein … und werden dann irgendwie in Teil von mir … das sind zumeist Bücher, die für mich exemplarisch für eine bestimmte Zeit, für eine bestimmte Generation sind. Und der „Herr Lehmann“ ist so ein Buch.

Herr Lehmann ist der Titel des Romandebüts von Sven Regener, des Gründers und Sängers der Band Element of Crime. Das Buch wurde 2001 bei Eichborn veröffentlicht und wenig später im Literarischen Quartett positiv besprochen. Die gleichnamige Verfilmung folgte im Jahr 2003.

Das erste Kapitel von Herr Lehmann erschien bereits 1997 im Salmoxisboten unter dem Titel Der Hund. Laut Sven Regener existierte dieser Text bereits seit 1991, er sei anlässlich des 30. Geburtstages einer Freundin geschrieben worden.

Die Handlung von Herr Lehmann ist in Berlin-Kreuzberg im Sommer und Herbst des Jahres 1989 angesiedelt. Das Buch ist der Beginn einer Reihe, zu der die später erschienenen Bände Neue Vahr Süd, Der kleine Bruder und Wiener Straße gehören, deren Handlungen zeitlich vor den Ereignissen des Buches Herr Lehmann liegen, sowie der Roman Magical Mystery oder: Die Rückkehr des Karl Schmidt, dessen Handlung nach Herr Lehmann spielt.

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Sven Regener

Der 29-jährige Frank Lehmann, der zu seinem Missfallen von seinen Freunden nur immer „Herr Lehmann“ genannt wird, lebt in Berlin-Kreuzberg und arbeitet dort in einer kleinen Kneipe, dem „Einfall“. Die Geschichte um den Herrn Lehmann und seine Freunde thematisiert ein Lebensgefühl junger Erwachsener in West-Berlin im Herbst 1989 kurz vor dem Fall der Berliner Mauer.
Kapitel 1–7:
An einem Sonntagmorgen macht sich Herr Lehmann nach einer Schicht im „Einfall“ betrunken auf den Heimweg. Dabei trifft er auf einen Hund, der ihm den Weg versperrt. Herr Lehmann hat Angst und ist mit der Situation überfordert.

Der Leser hat hier, wie auch an zahlreichen anderen Stellen des Romans, direkten Anteil an Lehmanns Gedanken. Die Situationskomik ergibt sich aus der Differenz zwischen Herrn Lehmanns Denken und Handeln. Durch die subjektive Erzählperspektive kann der Leser den Widerspruch gut nachvollziehen.

Die Konfliktsituation mit dem Hund löst Herr Lehmann, indem er ihn mit Whiskey betrunken macht. Eine Polizeistreife droht ihm deshalb, ihn wegen Tierquälerei zu belangen, sieht jedoch davon ab und wird von dem Hund auch noch gebissen, wie Herr Lehmann beim Weggehen bemerkt. So findet Herr Lehmann schließlich doch noch nach Hause.

Am Vormittag reißt ihn der Anruf seiner Mutter aus dem Schlaf. Die in Bremen lebenden Eltern wollen ihren Sohn nun erstmals in Berlin besuchen. Verkatert und von dem Buchausgabebevorstehenden Ereignis wenig begeistert, macht sich Herr Lehmann auf in das Lokal „Markthalle“, wo er seinen besten Freund Karl trifft. In seiner schlechten Laune ärgert er sich über die „Sonntags-Frühstücker“, die alle Tische besetzt halten. Aus Trotz verlangt er einen Schweinebraten, was der neuen Köchin Katrin angesichts der frühen Uhrzeit wiederum nicht passt. Sie verwickelt Herrn Lehmann in eine Diskussion, die zu philosophisch anmutenden Themen wie „Lebenssinn“ oder „Zeit“ führt. Herr Lehmann verliebt sich dabei in Katrin. Er trifft sie am selben Tag noch zweimal kurz, am Nachmittag im Freibad und am Abend erneut im „Einfall“.

Kapitel 8–20:
Während das erste Drittel des Buches einen Tag erzählte Zeit abdeckt, erstreckt sich die Handlung der folgenden Kapitel über mehrere Wochen. Im Mittelpunkt stehen Lehmanns Beziehungen zu Katrin, seinen Eltern und seinem besten Freund Karl.

Die Erzählperspektive bleibt weiter auf den Protagonisten fokussiert. Der Autor behält einen eingeschränkten Blick auf die Lebenswirklichkeit des Milieus in Berlin-Kreuzberg bei, ohne dabei Bezüge zur historisch-politischen Situation herzustellen. Letzteres geschieht nur dann, wenn es unvermeidbar ist. So etwa wenn Herr Lehmann nach Ost-Berlin reisen muss und dort von Zollbeamten der DDR festgehalten wird. Dies stört ihn nur insofern, als seine persönliche Freiheit eingeschränkt wird und der Tag nicht verläuft wie geplant. Er ist fixiert auf seine Lebenswelt, seine Freunde und seine Umgebung. Und er lebt in dem „eingemauerten“ West-Berlin, sozusagen auf einer gedanklich abgeschotteten Insel.

Auf dieser „Insel des Lebens“ erreichen die drei Hauptaspekte der Handlung ihren jeweiligen Höhepunkt beim Zusammensein mit Katrin, mit Herrn Lehmanns bestem Freund Karl und beim Berlin-Besuch der Eltern. Karl gerät über eine geplante Kunstausstellung in eine Lebenskrise und erleidet einen Nervenzusammenbruch.

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Alle drei Handlungsstränge führen mehr oder weniger in eine Sackgasse. War Herr Lehmann ursprünglich einmal hergekommen, um sich zu verwirklichen und ein eigenständiges, erfülltes Leben zu führen, spürt er nun, dass er auf seiner „begrenzten“ Insel an seine Grenzen stößt. Lehmann zweifelt immer wieder an sich selbst und den ihm Nahestehenden. Die Beziehung zu Katrin geht in die Brüche; es stellt sich heraus, dass beide völlig unterschiedliche Erwartungen an den anderen haben.

Der Besuch seiner Eltern entlarvt sein vermeintlich bodenständiges, solides Leben als Selbsttäuschung. Mit dem Zerbrechen seines Selbstbildes wird ihm klar, dass er im Grunde gerne aus seiner „Lebensinsel“ ausbrechen würde. Seinen Freund Karl muss er am Ende angesichts dessen akuter psychischer Probleme ins Krankenhaus bringen. Lehmann muss sich eingestehen, dass er nicht mehr in der Lage ist, die große Verantwortung seinem Freund gegenüber zu tragen.

So findet sich Herr Lehmann im Grunde allein im nächtlichen West-Berlin wieder. Er gibt sich in seiner Verzweiflung dem Fluchtpunkt hin, der sich wie ein roter Faden durch den ganzen Roman zieht – der Alkohol. Er beginnt eine Sauftour durch Kreuzbergs Kneipenwelt, möchte alles vergessen und muss zu allem Überfluss noch hinnehmen, dass er in dieser Nacht dreißig Jahre alt wird. Herr Lehmann hat jedoch überhaupt kein Problem damit, seinen Geburtstag alleine zu feiern.

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Schluss:
Die Geschichte endet mit dem Fall der Berliner Mauer am 9. November 1989. Herr Lehmann nimmt teils interessiert, teils gelangweilt daran Anteil und sieht sich das Geschehen aus der Nähe an. Ob angesichts seiner Lebenssituation auch für ihn Mauern fallen werden und er die Herausforderung, aus seiner beschützten Lebensinsel auszubrechen, annimmt, bleibt offen. Der Roman endet mit Herrn Lehmanns folgenden Gedanken: „Ich gehe erst einmal los […]. Der Rest wird sich schon irgendwie ergeben.“

Am 17. August 2001 wurde der Roman in der ZDF-Fernsehsendung Das Literarische Quartett sehr positiv besprochen. Hellmuth Karasek sprach von einem „kleinen Wunder“, Marcel Reich-Ranicki bekannte, „schallend gelacht“ zu haben (und das will was heißen, Anmerkung Riffmaster) über den „hochbeachtlichen Roman“. Auch in der Presse wurde das Buch größtenteils gelobt.

„Kein Zweifel, daß hier ein glänzender Wenderoman aus westlicher Sicht vorliegt, der ebendeshalb so überzeugt, weil die Ereignisse in der DDR im Bewußtsein der Hauptfigur, aus deren Perspektive durchgängig erzählt wird, nur in Spurenelementen vorkommen – um westliches Desinteresse darzustellen, so scheint es, hätte man kein besseres Milieu als Kreuzberg, keinen besseren Romanhelden als Lehmann wählen können.“ (Tilman Spreckelsen: Frankfurter Allgemeine Zeitung)

„Lehmann säuft sich durch die Kreuzberger Kneipengemeinde, und irgendwann steckt ihnen einer am Tresen, die Mauer sei offen. „Ach du Scheiße“, lallt Lehmann, und sein Kumpel echot: „Ach du Scheiße.“ Bei diesem ebenso banalen wie weltbewegten Befund bleibt der Roman praktisch stehen, und das ist schon mal genial. Denn was danach kam, wissen wir noch ziemlich genau, was davor aber war, haben wir einigermaßen gründlich vergessen. Deshalb wirkt zwölf Jahre später der Blick zurück wieder spannend – und Sven Regeners Blick, so frech wie frisch wie forschend, macht die Zeitreise zu einem mal zwerchfellerschütternden, mal melancholischen, immer aber anstrengungslos erkenntnisfördernden Vergnügen.“ (Jan Schulz-Ojala: Der Tagesspiegel)

„Herr Lehmann“ ist ein freundliches, leichtes und gekonnt belangloses Buch, das es im einzelnen nicht an Originalität und Kraft fehlen lässt.“ (Thomas Steinfeld: Süddeutsche Zeitung)

Ach ja … 1989 … da wurde der Herr Lehmann 30 Jahre … und ich 34 Jahre … 4 Jahre Unterschied und 100 Jahre Unterschied hinsichtlich der Lebensumstände … Herr Lehmann, Single und voller lapidarer Flausen im Kopf, ich -… Vater von 2 Töchtern, lebend in einer Ehe … die erste Bruchstellen aufswies …

Und dennoch: der Herr Lehmann war auch ein Teil von mir …

Und von daher sind Szenarien wie die mit dem Hund, die philiosophischen Gespräche mit Katrin („die schöne Köchin“), die Turbulenzen mit Karl, dem treuen Freund, die Begegnung mit den Eltern … u.v.m. mir sowas von vertraut …

Von daher: Ein weiterer Roman aus der Serie „talkin´`bout my generation“ … gelesen vom Autor höchstpersönlich und zwar sowas von treffend, zu treffend und souverän … frei nach dem Motto „Das Leben ist ein Tollhaus“.

Na ja … und dann war ja auch noch der Film … nicht minder genial (demnächst in diesem Theater).

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Besetzung:
Sven Regener (Sprecher)

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Titel:

CD 1:
01. Der Hund 20.27
02. Mutter 18.16
03. Frühstück 23.20
04. Mittagessen 16.43

CD 2:
01. Kaffee und Kuchen 27.22
02. Abendbrot 26.40
03. Später Imbiss 19.40

CD 3:
01. Star Wars 25.36
02. Zigarette 8.18
03. Kudamm 14.03
04. Hotelfoyer 13.14

CD 4:
01. Gastmahl 19.04
02. Kunst 10.43
03. Wiedervereinigung 16.17
04. Hauptstadt 12 52
05. Klare Worte 19.46

CD 5:
01. Überraschung 12.28
02. Zivildienst 23.51
03. Urban 14.16
04. Party 16.29

Text: Sven Regener

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Gustav – Verlass die Stadt (2008)

FrontCover1Ganz schön schräg, ganz schön avantgardistisch, ganz schön pfiffig … Gustav alias Eva Jantschitsch:

Gustav ist ein Musikprojekt aus Wien, das am ehesten dem Pop mit elektronischen Einflüssen zuzurechnen ist. Eva Jantschitsch ist die Musikerin, die hinter dem Namen Gustav steht. Der Name des Projekts rührt vom ursprünglichen Kinderwunsch ihres Vaters, nach einem Sohn, welcher dann den Namen Gustav bekommen hätte.

Jantschitsch wuchs in Graz auf und lebt seit 1997 in Wien. Sie studierte an der Universität für Angewandte Kunst visuelle Mediengestaltung und digitale Kunst bei Peter Weibel und Karel Dudesek. Ihren ersten Auftritt als Musikerin absolvierte sie beim Frauenbandenfest im Ernst-Kirchweger-Haus 2002. In diesem feministischen Kontext entstanden Netzwerke, die bis heute bestehen.

2005 wurde Gustav mit dem Amadeus Austrian Music Award als „FM4 Alternative Act des Jahres“ ausgezeichnet. Im Rahmen einer Auftragsarbeit für die Wiener Festwochen komponierte sie Teile der Musik für das Stück Draußen tobt die Dunkelziffer von Kathrin Röggla. 2009 trat sie neben Dulce Pontes, Juliette Gréco, Wolfgang Ambros und Willi Resetarits bei der Eröffnung der Wiener Festwochen auf. Für den Faust-Schwerpunkt der Salzburger Festspiele 2011 komponierte sie im Auftrag der Freunde der Salzburger Festspiele den 12-teiligen Liederzyklus Unterhaltungsmusik zur Suche nach Erkenntnis, der am 10. August unter Mitwirkung von Ben Becker uraufgeführt wurde. Im Jänner 2013 erhielt sie den Österreichischen Filmpreis in der Kategorie Beste Musik für den Film Grenzgänger. Im selben Jahr wurde sie für den österreichischen Theaterpreis Nestroy, für die Musik zu Der Alpenkönig und der Menschenfeind nominiert. (Quelle: wikipedia)

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„Verlass die Stadt“ war ihr zweites Album und man konnte über dieses Album z.B. folgendes lesen:

„Gustav aka Eva Jantschitsch wünschte ich mir schon 2005 zur besten Freundin. „Rettet Die Wale“ hieß das Debüt, dessen Textzeilen offenherziger, provokativer, revolutionärer, liebevoller, krasser und ehrlicher nicht sein konnten. Ihre Laptop-Kompositionen führten sie schon damals auf den Thron der feministischen Musikszene.

EvaJantschitsch01A2008 breitet die Wienerin ihre Protest-Popsongs weiter aus. Medienkritisch zeigt sich Gustav auf der neuen Platte zunächst gegenüber beliebten Samstagabend-Shows („Neulich Im Kanal“). Wetten, dass sich Frau Jantschitsch mit diesem Nachfolger noch höher in den deutschen Pophimmel ballert?

Während die Texte weiterhin mit Doppelbödigkeit und Überspitzungen jedes Tabu aussprechen, bleibt die Musik stets fröhlich und gelassen. Ihren verbalen Ideenreichtum vermischt Jantschitsch mit jeder Menge Humor, der aber niemals ins Alberne abrutscht.

Neben Casio-Sounds vergnügt sie erneut mit volkstümlichen Traditionen. Der Titeltrack lädt zum Duett mit MP Kopflos von Glutamat. Sein düsterer Sprechgesang erinnert ein wenig an Neubauten-Mann Blixa Bargeld.

„Verlass Die Stadt“ antwortet auf die Idee Stadt an sich, auf menschenfeindliche Sozialbauten, die unbeachtet von der Masse allerorts wuchern. Die Bibel zitiert Gustav in „Alles Renkt Sich Wieder ein“ und kombiniert die geistlichen Worte mit einem Blasinstrument. Ein trostspendender Schlager.

Den etwas anderen Geburtstagssong gibt es in „Happy Birthday“ zu hören. Die Endzwanzigerin erinnert uns charmant an die Gewissheit, dass das Leben eben doch kein Wunschkonzert ist. Bitte nie vergessen. Alles Gute auch dir, Gustav!“ (Jasmin Lütz)

Also … ganz so euphorisch bin ich bei diesem Album nicht … aber es beschleicht mich das Gefühl, dass ich für diese Art von Musik allmählich zu alt bin (auch wenn die Texte wirklich sehr anspruchsvoll sind) .. auch eine interessante Erfahrung !

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Besetzung:
Eva Jantschitsch (synthesizer, organ, violin, accordion, flute, ukulele, e-bow, vocals)
+
Chra (background vocals bei 07.)
Ddkern (drums bei 04.)
Manfred Hofer (bass bei 02., 04., 08.)
Peter Hörmanseder (background vocals bei 07.)
M.P. Kopflos (vocals bei 06., background vocals bei 07.)
Clara Luzia (background vocals bei 07.)
Sabine Marte (background vocals bei 07.)
Sabine Mayr (background vocals bei 07.)
Elise Mory (piano bei 02., 04., 08.)
Oliver Stotz (guitar bei 02., 04., 08.)
+
Aber das Leben lebt (Florian Emerstorfer, Wolfgang Wiesbauer, Martin Wiesbauer, Ralph Wakolbinger) (background vocals bei 07.)
Trachtenkapelle Dürnstein unter der Leitung von Alfred Agis (bei 05.)

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Titel:
01. Abgesang (Jantschitsch)  3.58
02. Neulich im Kanal (Jantschitsch) 3.49
03. Total Quality Woman (Jantschitsch) 3.36
04. Soldat_in oder Veteran (Jantschitsch) 5.45
05. Alles renkt sich wieder ein (Jantschitsch) 3.45
06. Verlass die Stadt (Jantschitsch) 4.24
07.  At The Rivers‘ Edge (Jantschitsch) 6.17
08. Ifall (Mory/Jantschitsch/Stotz) 5.50
09. Happy Birthday (Jantschitsch) 13.50

CD1

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Münchner Symphoniker – Robert Schumann + Franz Schubert (2008)

FrontCover1Auch die klassische Musik kann sich gut als Werbeträger eignen, wie ich hier in diesem Blog schon mehrfach dokumentiert habe, siehe Rubrik „Werbeplatten“ „.

Hier nun ein weiteres Beispiel: Die Stadtsparkasse München produzierte in ihrer „Edition 6“ zwei Aufnahmen mit den Münchner Symphonikern (die beeits 1945 gegründet wurde und zu den vier Symphonieorchestern der bayerischen Landeshauptstadt zählt).

Und selbstredend ließ es sich der Vorstand der Stadtsparkasse München nicht nehmen, gleich selbst den Text für das Booklet zu schreiben:

„Die Interpretationen der Münchner Symphoniker von Robert Schumanns „Frühlingssymphonie“ spiegelt die ganze Leichtigkeit wider, die wir mit dem Erwachen der Natur, den ersten warmen Sonnenstrahlen und einem beschwingten Lebensgefühl verbinden.

Dem gegenüber steht Franz Schuberts „Unvollendete“, ein Werk von bemerkenswerter Eindringlichkeit und Dramatik. Genießen Sie die Spannung, die sich zwischen diesen beiden Kompüositionen der sechsten Edition der Stadtsparkasse München entfaltet.

Bereits seit 2004 sind wir Partner dieses hervorragenden Münchner Orchesters. Wir sind stolz darauf, die Symphoniker dabei zu unterstützen, vielen Musikliebhabern ein besonderes Konzerterlebnis zu bieten.

Wir wünschen Ihnen viel Freude mit dieser CD und viele Stunden Musikgenuss mit den Münchner Symphonikern.“

MünchnerSymphoniker

Na, diesen frommen Wünschen schließe ich mich dann nur zu gerne an … Mit hat´s insbesondere die „Unvollendete“ von Franz Schubert angetan…

GeorgSchmöhe

Georg Schmöhe

Besetzung:
Münchner Symphoniker unter der Leitung von Georg Schmöhe

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Titel:

Robert Schumann: Symphonie Nr. 1 B-Dur, op. 38 „Frühlingssymphonie“:
01. Andante un porco maestoso – Allegro molto vivace 11.12
02. Larghetto 6.33
03. Scherzo, Molto vivace 5.09
04. Allegro animato e grazioso 6.58

Franz Schubert: Symphonie Nr 7 in h-Moll, D 759 „Unvollendete“:
05. Alegro moderato 16.12
06. Andante con motzo 12.29

CD1

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Die 68er und die Folgen (9): Uli Edel – Der Baader Meinhof Komplex (DVD rip) (2008)

BaaderMeinhof00Also, mich hat dieser Film ziemlich aufgewühlt, weil … nun ja …

Der Spielfilm Der Baader Meinhof Komplex aus dem Jahr 2008 schildert Vorgeschichte und Aktionen der linksextremistischen Terrorgruppe Rote Armee Fraktion (RAF) von 1967 bis 1977. Das von Produzent Bernd Eichinger verfasste Drehbuch folgt weitgehend dem gleichnamigen Sachbuch von Stefan Aust (erstmals erschienen Ende 1985). Das Drehbuch verzichtet auf identifikatorische Figuren und einen durchgehenden Handlungsbogen. Unter der Regie von Uli Edel spielten in dem Film – auch in Nebenrollen – einige der bekanntesten deutschen Darsteller mit. Er ist eine der teuersten deutschsprachigen Produktionen und zählte zweieinhalb Millionen Kinobesucher. Die ARD, die den Film kofinanzierte, strahlte ihn ein Jahr nach der Kinopremiere als längeren Fernsehzweiteiler aus. Die Kritik nahm den Film sehr gespalten auf. Sie war uneins darüber, ob er den Zuschauer mitreißt oder unbeteiligt lässt, ob er die RAF-Mitglieder nüchtern darstellt oder mythisch überhöht und ob er Neues zur Debatte über die RAF beiträgt. Wegen der Art der Darstellung einiger realer Personen gab es einige Gerichtsprozesse gegen die Verantwortlichen.

Der größte Teil der Handlung dreht sich um die Entstehung und die Aktionen der RAF im Zeitraum 1967 bis 1977. Beim Staatsbesuch des Schahs Mohammad Reza Pahlavi in West-Berlin kommt es zur gewaltsamen Auflösung einer Demonstration, bei der Kriminalobermeister Karl-Heinz Kurras den Studenten Benno Ohnesorg vor der

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Dem Spiegel war dieser Film eine Titelstory wert

Deutschen Oper erschießt. Ein knappes Jahr später wird Studentenführer Rudi Dutschke, Redner am Vietnam-Kongress im Audimax der TU Berlin, auf offener Straße von einem jungen Hilfsarbeiter angeschossen und schwer verletzt. Als Reaktion folgt ein Protest gegen den Axel-Springer-Verlag, an dem auch Ulrike Meinhof teilnimmt. Nach der Brandstiftung in zwei Frankfurter Kaufhäusern als Protest gegen den Vietnamkrieg werden die Täter am nächsten Tag festgenommen. Meinhof schreibt als Journalistin über den Prozess und lernt dabei die angeklagten Studenten Gudrun Ensslin, Thorwald Proll und Andreas Baader kennen.

Die Angeklagten werden zu drei Jahren Haft verurteilt, aber schon im Juni 1969 wieder entlassen, bis das Gericht über die Revision ihrer Urteile entscheidet. Als im November 1969 ihre Revision abgelehnt wird, tauchen Andreas Baader und Gudrun Ensslin in den Untergrund ab, unter anderem in Rom. Nach Berlin zurückgekehrt, wohnen sie zeitweise bei Meinhof. Während einer Fahrzeugkontrolle wird Baader festgenommen und inhaftiert, aber einen Monat später gelingt Meinhof und Ensslin die so genannte „Baader-Befreiung“ in Berlin. Damit wechselt Meinhof in die Illegalität und lässt ihre zwei Töchter zurück. Im Sommer 1970 lässt sich die Gruppe in einem Camp der Fatah militärisch ausbilden. Noch im selben Jahr verüben sie in Berlin fast gleichzeitig drei Banküberfälle, bei denen sie insgesamt über 200.000 DM erbeuten. Es kommt zu Verhaftungen, unter anderem von Horst Mahler und Astrid Proll. Als erste Tote auf RAF-Seite wird Petra Schelm in einem Hinterhof von der Polizei erschossen. Die RAF verübt mehrere Bombenanschläge, unter anderem auf das V. US-Korps in Frankfurt am Main, auf die Polizeidirektion Augsburg und auf das Verlagshaus der Axel Springer AG. BKA-Präsident Horst Herold wendet zur Ergreifung der Terroristen eine Rasterfahndung an. Schließlich – im Sommer 1972 – werden die wichtigsten Leitpersonen, darunter Baader, Ensslin, Meinhof und Holger Meins, gefasst und im Hochsicherheitstrakt von Stuttgart-Stammheim inhaftiert.

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Nachdem Meins in einem kollektiven Hungerstreik der RAF-Gefangenen stirbt, erschießen Terroristen den Berliner Kammergerichtspräsidenten von Drenkmann. Zwecks Freipressung sämtlicher Gesinnungsgenossen besetzt das „Kommando Holger Meins“ die deutsche Botschaft in Stockholm und nimmt zwölf Geiseln („Geiselnahme von Stockholm“). Während dieser Aktion ermorden sie Oberstleutnant Andreas von Mirbach und Wirtschaftsattaché Heinz Hillegaart. Bei einer Befreiungsaktion kommt es zu einer Explosion; alle sechs Kommandomitglieder werden verletzt. Während des Prozesses versuchen die Häftlinge, den Ablauf zu boykottieren, indem sie sich fortwährend als verhandlungsunfähig darstellen, den Richter beleidigen und damit den Prozess stören. Meinhof überwirft sich mit ihren Mithäftlingen und tötet sich im Mai 1976. Nach Verbüßung ihrer Haftstrafe wird Brigitte Mohnhaupt zum führenden Kopf der Gruppe, die weitere Attentate begeht. Die RAF ermordet Generalbundesanwalt Siegfried Buback, seinen Fahrer und einen weiteren Begleiter in Karlsruhe. Mohnhaupt und Christian Klar erschießen bei einem Entführungsversuch Jürgen Ponto, den Vorstandssprecher der Dresdner Bank AG, in seinem Haus in Oberursel. Nachdem die Stammheimer Häftlinge erfahren haben, dass die Entführung des Flugzeugs Landshut durch die PFLP zu ihrer Freipressung fehlgeschlagen ist, nehmen sie sich in der Todesnacht von Stammheim das Leben. Daraufhin erschießen die letzten Anhänger der Gruppe in einem Waldstück den Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer, den sie 43 Tage zuvor entführt hatten (siehe Deutscher Herbst).

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Stefan Aust

Der Film folgt weitgehend dem gleichnamigen Sachbuchbestseller von Stefan Aust. Eichinger und Edel erhoben den Anspruch größtmöglicher Authentizität. Sie betonten, mit welcher Akribie sie die Bilder nachgestellt hätten. Man brachte an Fahrzeugen übereinstimmende Kfz-Zeichen an und zählte die Schüsse gemäß den Polizeiberichten präzise ab. Das Regal in Meinhofs Zelle wurde mit jeder LP und jedem Buch in genau derselben Reihenfolge aufgebaut, und bei Nacktauftritten sorgten Schamhaar-Perücken für Übereinstimmung mit damaligen Gepflogenheiten. Wo immer Gespräche wörtlich überliefert sind, übernahm sie Eichinger; viele andere Dialoge entstammen schriftlichen Äußerungen, etwa bei der Herold-Figur. Die Auseinandersetzungen der Inhaftierten wurden aus Kassibern rekonstruiert. Echt sind auch die Sätze von Pastor Ensslin im Interview, das aber nicht – wie im Film dargestellt – Stefan Aust führte.

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Das Buch

Eichinger erklärte, dass man sich der historischen Wirklichkeit lediglich annähern könne. Manchmal erlaubte er sich, von den historischen Fakten im Sinne einer dramaturgischen Verdichtung abzuweichen, sofern dies die Geschichte nicht verzerrte.[8] Beispielhaft ist die Spielfilmszene, in der Baader seine Freundin mit Peter-Jürgen Boock in der Badewanne antrifft. Tatsächlich war Boock mit Ensslin in der Badewanne. Tatsächlich hat Baader dem jungen Boock einmal eine Lederjacke geschenkt. Doch Eichinger fasste zwei voneinander getrennte Ereignisse zu einem zusammen. Die Verhaftung Baaders wird zeitlich stark gerafft wiedergegeben. Eine erfundene Figur ist Herolds Assistent Koch, die dazu dient, dass Herold seine Gedanken einer anderen Person und damit dem Publikum mitteilen kann. Des Weiteren werden beim Stammheim-Prozess zwar einige Anwälte gezeigt, die aber weder in Sprechrollen auftreten noch namentlich genannt werden. Die seinerzeit beim Prozess involvierten Anwälte und späteren Politiker Hans-Christian Ströbele und Otto Schily treten im Film nicht in Erscheinung. (Quelle: wikipedia)

Da hätten Eichinger und Edel machen können, was sie wollten, sie hätte es ganz sicher nicht allen recht machen können.

So wurde in der Kritik öfters moniert, dass zuviel Gewalt- und Actionszenen verwendet wurden: Das Geschrei hätte ich hören wollen, hätte man nicht jene brutale Seite des Terrors gezeigt hätte … von Verharmlosung wäre die Rede gewesen. Allein die Entführung von Schleyer war ein barbarisches Gemetzel … das ist belegt.

Die Sicht der Angehörigen der Opfer ist nachzuvolziehen:

„Michael Buback, der Sohn des 1977 von der RAF ermordeten Generalbundesanwalts Siegfried Buback, moniert, dass Uli Edel und Bernd Eichinger in „Der Baader Meinhof Komplex“ zu wenig auf die Opfer eingingen, und es sich sich um einen reinen „Täterfilm“ handele.“

Also, mich hat dieser Film ziemlich aufgewühlt, weil … nun ja … in jenen Jahren befand ich mich in den Jahren der Politisierung, und die zynische, menschenverachtende und völlig unrealitische Einstellung von Baader & Co. hat mich schon damals geschmerzt, denn … dass Akteure wie Gudrun Ensslin und Ulrike Meinhof ja eigentlich sehr idealistisch und menschlich geprägt waren, ist bekannt. Sie haben diese Haltung eingetauscht: Von der Schreibmaschiene zur Waffe ….

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Besetzung:

In der Reihenfolge ihres Auftretens:

Martina Gedeck: Ulrike Meinhof
Hans-Werner Meyer: Klaus Rainer Röhl
Jasmin Tabatabai: Hanne
Volker Bruch: Stefan Aust
Jan Josef Liefers: Peter Homann
Christian Näthe: Jochen
Martin Glade: Benno Ohnesorg
Leonie Brandis: Friederike Dollinger
Johanna Wokalek: Gudrun Ensslin
Michael Gwisdek: Helmut Ensslin
Thomas Winter: Bernward Vesper
Moritz Bleibtreu: Andreas Baader
Johannes Suhm: Thorwald „Thorsten“ Proll
Tom Schilling: Josef Bachmann
Sebastian Blomberg: Rudi Dutschke
Simon Licht: Horst Mahler
Vinzenz Kiefer: Peter-Jürgen Boock
Katharina Wackernagel: Astrid Proll
Bruno Ganz: Horst Herold
Heino Ferch: Herolds Assistent
Susanne Bormann: Petra „Peggy“ Schoenau
Peter Schneider: Gerhard Müller
Anna Thalbach: Ingrid Schubert
Alexandra Maria Lara: Petra Schelm
Nina Eichinger: Telefonistin Springer Verlag
Smail Mekki: Abu Hassan
Daniel Lommatzsch: Christian Klar
Andreas Tobias: Manfred Grashof
Annika Kuhl: Irmgard Möller
Stipe Erceg: Holger Meins
Niels Bruno Schmidt: Jan-Carl Raspe
Sunnyi Melles: Frau Buddenberg
Nadja Uhl: Brigitte Mohnhaupt
Hannah Herzsprung: Susanne Albrecht
Michael Schenk: Siegfried Haag
Britta Hammelstein: Hanna Krabbe
Sandra Borgmann: Sieglinde Hofmann
Christian Blümel: Siegfried Hausner
Hans Peter Hallwachs: Günter von Drenkmann
Thomas Thieme: Richter Dr. Prinzing
Alexander Held: Siegfried Buback
Hubert Mulzer: Jürgen Ponto
Kirsten Block: Ignes Ponto
Hannes Wegener: Willy Peter Stoll
Bernd Stegemann: Hanns Martin Schleyer
Andreas Borcherding: Pastor
Alexander Grünberg: Polizeibeamter
Albert Mollenkopf: Anwalt

Regie: Uli Edel
Drehbuch: Bernd Eichinger
Produktion: Bernd Eichinger
Musik: Peter Hinderthür,Florian Tessloff
Kamera: Rainer Klausmann
Schnitt: Alexander Berner

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Die Schläger des Schahs schreiten zur Tat (unten den Augen der Polizei)

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Wendepunkt 1: Der Tod von Benno Ohnsorg

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Ulrike Meinhof agiert im deutschen Fernsehen

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Gudrun Ensslin empört sich

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Sie diskutiert mit ihrem Vater, der Pastor ist

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Ulrike Meinhof trennt sich von ihrem Ehemann, Klaus Rainer Röhl (Herausgeber von „konkret“), da er als Playboy es nicht lassen kann

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Bader und Ensslin sind inzwischen ein Paar

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Das Kaufhaus brennt

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Es folgt die Verhaftung

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Der Vietnam-Krieg löst bei vielen Bestürzung aus

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Josef Bachmann schaut sich den Dutschke im Fernsehen an

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Josef Bachmann schreitet zur Tat

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Der Springer Verlag und die Zeitung „Bild“ …

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Che Guevara

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Black Power

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Der Prozess gegen die Brandstifter beginnt

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Horst Mahler, der Anwalt

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Noch ist die Schreibmaschine ihre Waffe

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Ulrike Meinhof trifft Gudrun Ensslin im Gefängnis

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So sahen damals Fürsorge-Zöglinge aus

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Die legendäre Regierungserklärung von Willy Brandt („Mehr Demokratie wagen“)

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BKA Chef Herold

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Man plant die Befreiung von Baader

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Mit diesem Sprung entsheidet sich Meinhof für die Illegalität

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In einem palästinesischem Lager beginnt die paramilitärische Ausbildung

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Zur Finanzierung dienen Banküberfälle

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Zur Rechtfertigung werden Grundsatzpapiere veröffentlicht

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Kennzeichen werden gestohlen

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Die Fahndung läuft nun auf Hochtouren

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Herold erläutert die Prinzipien der Rasterfahndung

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Straßenkontrollen bestimmen bald den Alltag

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Erste Verhaftungen

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Erste Tote auf Seiten der RAF

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US Kasernen werden mi selbst gebastelten Bomben angegriffen

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Ulrike Meinhof schreibt weiter …

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Die Rasterfahndung läuft

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Dieses Attentat trifft die Frau eines Gerichtspräsidenten

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An weiteren Sprengsätzen wird fieberhaft gearbeitet

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Bader und Raspe, die Garage ist das Ende ihrer Freiheit

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Ensetzen bei Gudrun Ensslin& Co. …

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… Verzweiflung bei Ulrike Meinhof

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Raspe wird von der Polizeit gedemütigt und geqäult

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Ulrike Meinhof wird verhaftet

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Holger Meins beginnt seinen Hungerstreik

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Telegramm des Innenministers: Der glaubt, mit den Verhaftungen sein der Terror zu Ende … welch Irrtum

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Holger Meins wird zwangsernährt … und stirbt

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Und dann dieser unsägliche Auftritt von Rudi Dutschke am Grab von Holger Meins. Er ruft mit erhobener Faus „Holger, der Kampf geht weiter“ …

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Die Botschaft in Stockholm brennt

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Der Prozess in Stammheim beginnt

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Ulrike Meinhof erklärt sich für verhandlungsunfähig

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Ulrike Meinhof begehrt auf und bestimmt den Vorsitzenden Richter als „Arschloch“

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Gudrun Ensslin legt nach und tituliert den Richter als „alte Sau“

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Der lässt sich das nicht gefallen

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Die Einigkeit in der Gruppe beginnt zu bröckeln

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Weitere Attentate der 2. Generation der RAF folgen

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Die Ermordung von Ponto

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Schließlich wird Hans Martin Schleyer entführt …

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Sein Begleitpersonal wird erschossen

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Es wird eine Flugzeugentführung geplant

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Tod in Stammheim

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Die grausame Logik: Hans Martin Schleyer wird ermordet

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Michael Fitz – Nackert (2008)

FrontCover1Der Michael Fitz …. weitaus mehr als der „dritte“ bei dem Münchner Tatort-Ensemble … dort ist er ja im Jahr 2007 ausgeschieden …

„Neben den Ensembleauftritten gehe ich mit dem neuen Programm 2008 erstmals auch ganz Solo, also eben „nackert“ nur mit Gitarre, meiner Stimme, meinen Texten und meiner Musik auf das Publikum zu“, sagt Michael Fitz „ein Schritt, der in meiner künstlerischen Entwicklung schon lange fällig war und der für mich natürlich eine ganz große Herausforderung ist, auf die ich mich sehr freue“.

Michael Fitz, bestens bekannt als Ex-Tatort-Kommissar Carlo Menzinger und Gewinner des deutschen und bayerischen Fernsehpreises, hat sich auch in der deutschen Musikszene fest etabliert: Das Fachblatt Musikexpress meint: „Hier hat einer seinen ganz eigenen Weg gefunden – und dabei heimlich, still und leise die gesamte deutschsprachige Konkurrenz abgehängt.“ Michael Fitz bringt das neue Programm Nackert ab Frühjahr 2008 von solo bis Sextett auf Ihre Bühne.
„Nackert“ wird das neue Programm und das gleichnamige, im Frühsommer 2008 erscheinende neue Album des 49jährigen Liedermachers und Schauspielers heißen. Auch hinter dem Titel „Nackert“ verbirgt sich wie schon bei „Hoam“ ein nächster konsequenter Schritt des Songpoeten, dessen HOAM-Konzerte viele Fans 2005 bis 2007 begeistert gefeiert und gern auch als Seelenmassage beschrieben haben.

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Wer das „Hoam“ – Programm 2005 bis 2007 gesehen hat, weiß, dass es Michael Fitz sich und seinem Publikum mit seinen tiefsinnigen, einfühlsamen und manchmal auch eigenwilligen Liedern nicht leicht macht und auch sein neues Programm „Nackert“ ist, wenn auch unter anderen Vorzeichen als bei „Hoam“, wieder ein Streifzug durch die spannende, aufregende und manchmal auch irritierende Welt der zwischenmenschlichen und vor allem zwischengeschlechtlichen Gefühle, in all ihren Facetten und Schattierungen. „Von himmelhoch jauchzend bis zu Tode betrübt, ist da alles dabei, was das Leben lebendig und lebenswert macht“, sagt er und das alles ohne Netz und doppelten Boden, ganz direkt und authentisch – nackert eben!

Ein sehr persönliches, intenives und sehr sparsam instrumentiertes Album … oder: ein großartiges Album !

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Besetzung:
Thomas Bogenberger (guitar)
Maria Ebersberger (hackbrett)
Martina Eisenreich (violin)
Yvo Fischer (bass)
Karin Fitz (vocals)
Michael Fitz (guitar, vocals)
Mulco Francel (clarinet)
Rainhard Greiner (trumpet)
Andreas Hinterseer (vibraneeum)
Martin Kälberer (accordeon)
Klaus Lamac (violin)
Wolfgang Lohmeier (drums)
Jacok Schmid (violincello)
Sebastiano Tramontana (trombone)

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Titel:
01. Was mach i mit meim Lebn 3.13
02.  Lass ned los  5.44
03. Nackert  4.46
04. Briaf 4.32
05. Du bist schee 5.17
06. Ganz oben 5.01
07. Die Liab 3.29
08. Wohie 3.51
09. Mantra  5.57
10. Paradies 4.36
11. Wenn du fliagst 5.15
12. So vui 2.57
13. In mir 6.32

Musik + Texte: Michael Fitz

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