Martin Vatter – Klangbilder (2009)

FrontCover1Selten hat in der letzten Zeit ein mir bis dato unbekanntes Album einen derartigen Hörgenuss geschenkt wie dieses.

Der Pianist Martin Vatter hat anlässlich einer Ausstellung im Franz Marc Museum Klangkompositionen zu Bildern von Lovis Corinth kreiert. Um die berühmten Walchenseebilder im Original auf sich wirken zu lassen, verbrachte er einige Stunden mit einem Konzertflügel im Corinth-Saal des Franz Marc Museums inmitten der Corinth-Sonderausstellung „Seelenlandschaften“

Martin Vatter lässt diese intensiven sinnlichen Eindrücke zu einzigartigen Klangbildern verschmelzen. Naturerfahrung und Kunstwahrnehmung vermischen sich in seiner außergewöhnlichen Klaviermusik zu neuem Hör-Erlebnis. Der Klang des Bildes erfasst den Raum und wird zu Musik.

„Anlässlich einer Lovis-Corinth-Ausstellung hat sich der Pianist Martin Vatter zu Kompositionen zu drei Walchenseebildern des Malers inspirieren lassen….Von MBL-Entwickler Jürgen Reis in einem hervorragend klingenden Raum der Bauer Studios aufgenommen, kommt der 1929 gebaute Steinway-Flügel kraftvoll, farbig sowie reich an Zwischentönen und räumlich plastisch ‚rüber. Eine audiophile Perle!‘ (Sterei 1/2010)

Eingespielt wurden die Kompositionen in den Bauer-Studios in Ludwigsburg auf einem Steinway-D-Konzertflügel aus dem Jahre 1929. Der Eindruck ist erstklassig, ebenso wie die ausgezeichnete Klangqualität mit hohem audiophilen Anspruch. Prädikat: musikalisch wohltuend, klanglich exzellent.  (Hörerlöebnis 69)

MartinVatter
„Abseits der Mainstream-Marketing-Musikindustrie gedeihen oftmals musikalische Pflänzchen, die den Zuhörer verzaubern können. Martin Vatter, Komponist und Pianist, hat sich in der vergangenen Jahren in audiophilen Kreisen einen sehr guten Ruf erspielt. Auch die US-Amerikaner sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Dass Vatter’s Produktionen herausragend klingen, dürfte hinreichend bekannt sein. Das gerade erschienene Album „Klangbilder“ beweist indes eindrucksvoll, in welch großen Schritten sich der Künstler musikalisch weiterentwickelte. Wundervolle Melodiebögen, behutsam und energisch zugleich gesetzt, lassen Bilder im Kopf entstehen, die authentisch und bar jeden Kitsches sind. Effekte, die Grenzen und Möglichkeiten einer HiFi-Anlage aufzeigen, beinhaltet  „Klangbilder“ ebenso. Dass sie von Profis (Jürgen Reis und Tonstudio Bauer in Ludwigsburg) mit natürlichem Instrument (Steinway Grand Piano, Baujahr 1929) erzeugt wurden, freut…” (Joachim Pfeiffer)

Aufgenommen: Bauer Studios in Ludwigsburg bei Jürgen Reis, 2009, Re-mastered 2012

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Wenn sich moderne Klassik so anhört, dann krieg ich davon nie genug. Und dies ist ein kleiner Hinweiss, dass hier von diesem Martin Vatter noch öfters die Rede sein wird !

Ich habe dieser kleinen aber feinen EP noch eine kleine Broschüre (im pdf-Format) über Martin Vatter beigelegt. Dieser kann man weitere biographische wie diskographische Informationen entnehmen.

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Besetzung:
Martin Vatter (piano)
+
Edi Schönach (flügelhorn bei 01.)

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Lovis Corinth „Mondnacht“

Titel:
01. Walchenseelandschaft (Vatter) 5.50
02. Walchensee, Gelbe Wiese (Vatter) 7.53
03. Walchensee, Mondnacht (Vatter) 9.16

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Dieter Hildebrandt – Politiker – Märchen (2009)

DieterHildebrandtFrontCoverDieter Hildebrandt serviert die Tondokumente der Mitschnitte aus Fernseh- und Rundfunknachrichten chronologisch; jedenfalls beginnt er mit Konrad Adenauer (1949), gefolgt von Franz Josef Strauß 1962), Hans Filbinger (1978), der Flick-Affaire (1984), Uwe Barschel (1987), Helmut Kohl (1990), Roland Koch (2000), Norbert Blüm (2001), Andrea Ypsilanti(2008).
Immer geht es um den Verdacht, dass da Menschen am Werk sind und in der politischen Arena agieren, mit dem Anspruch, die „absolute Wahrheit“ zu vertreten. Das aber, so lehrt uns die alte und neue Menschheitsgeschichte, ist immer von Übel und baut auf Lügengebäuden auf und mündet ein in das, was auch als „Arroganz der Macht“ bezeichnet wird. Hildebrandt beginnt sein „Politiker-Märchen“ denn auch mit: „Es war einmal…“ ein Volk, das auserwählt wurde von einem Kaiser, einem Führer…; und als dann die große Zeit der Amnesie, äh, Amnestie anbrach, als der Krieg zu Ende war und Deutschland in Schutt und Asche lag, da „hatten die Opfer beim Neubeginn keine Chance gegen die Täter“. Und so kamen dann viele von denjenigen (wieder) an die Macht, deren politisches Denken und Handeln wurzelte in den vergangenen, autoritären, monarchistischen und faschistischen Strukturen – eine notwendige Erinnerung angesichts der Schnellvergessenheit der Zeit und Geschichte.
Booklet
Natürlich wird es Widerspruch geben gegen die tönende Erinnerung; natürlich der Hildebrandt, der Linke, werden die einen sagen. Die Auswahl zeigt es ja: Bis auf den „Ausrutscher“ Ypsilanti, alles Konservative und Rechte. Die „Bösewichter“ werden von dem kabarettistischen Gauckler lautstark und unfair vorgeführt, wird es heißen. Und dann folgt (vermutlich) die Biertisch-Parole: „Alle Politiker lügen, … sind korrupt, … unehrlich, … unglaubwürdig… Die Anderen aber, die im Kabarett eine wichtige und notwendige Korrektur gegen politische Manipulation, Lügen und Machtmissbrauch erkennen (und das ist hoffentlich die Mehrheit der Bevölkerung!), werden, mit Genuss, einem Schmunzeln und einem Kopfnicken, dankbar sein für das Hervorholen von vielleicht vergessenen und verdrängten Sprüchen, die Lügen waren und bleiben. Sicherlich will Hildebrandt mit seinem Werk keine Retourkutschen fahren, auch kein „Ätsch-Ätsch“ ist dahinter zu vermuten; und schon gar kein erhobener Zeigefinger. Es ist eher der Versuch, „aus Lügen zu lernen“ und dabei mitzuhelfen, dass in unserer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft, die mittlerweile 60 Jahre hält, Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit gegen Lügen, Manipulationen, Irrtümern und vermeintlichen politischen Strategien siegen und zum alltäglichen, politischen und gesellschaftlichen Umgang miteinander werden. Das könnte ein Wunsch und ein Ziel sein für den 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland, sicherlich auch im Sinne von Dieter Hildebrandt. Kabarettisten mit wachen Augen und Ohren und kritischem Blick brauchen wir weiterhin! (Jos Schnurer)
DieterHildebrandtPolitikerMärchen

Und man muss schon ein wenig die bundesdeutsche Geschichte kennen, um den wortgewaltigen Dieter Hildebrandt zu verstehen … für alle die daran Freude haben: Viel Vergnügen !

Und: ein unverzichtbares Hörbuch zum Verständnis der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland … zumindest bis in das Jahr 2008.

BackCover

Titel:
01. Konrad Adenauer: Wiederbewaffnung der Bundesrepublik (1949) 6.48
02. Franz Josef Strauß: Spiegel-Affäre und Panzergeschäft (1962) 6.44
03. Hans Filbinger: Persönliche Schuld im Zweiten Weltkrieg ? (1978) 2.40
04. Das Celler Loch (1978)  3.20
05. Flick-Affäre (1984) 4.59
06. Uwe Barschel: „Mein Ehrenwort“ (1987) 3.29
07. Helmut Kohl: Blühende Landschaften (1990) 4.07
08. Roland Koch: „Brutalmögliche Aufklärung“ (2000) 2.50
09. Norbert Blüm: „Die Rente ist sicher“  (2001) 1.14
10. Andrea Ypsilanti: „Eigene Mehrheit ohne die Linkspartei“ 2008) 3.48
11. 60 Jahre Bundesrepublik – Eine Lobpreisung 7.35

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Mario Adorf & Christian Bruhn – Flügel der Liebe (2010)

FrontCover1Jetzt wird es für mich ein wenig kniffelig … Denn:

Einerseits schätze ich den Mario Adorf  (* 1930) als Schauspieler ganz enorm … er ist für mich einer der bedeutendsten Schauspieler des deutschen Sprachraumes in all den vergangenen Jahrzehnten … und so etliche Filme mit ihm, sind mir besonders ans Herz gewachsen.

Und, das muss man dem Christian Bruhn (* 1934) schon zu gute halten: Er hat doch diverse pfiffige Schlager in den 60er Jahren komponiert (von „Mamor, Stein und Eisen bricht“ bis hin zu „Wunder gibt es immer wieder“)

Und gegen die Textdichterin Claire Din (* 1958) habe ich auch nichts einzuwenden, sie hat z.B. für die Puhdys ein paar interessane Texte geschrieben.

Von daher, war ich eigentlich recht positiv gegenüber dieser Scheibe eingestellt … aber allein das Cover hätte mich warnen müssen:

Hier hören wir pathetische Belanglosigkeiten, gepaart mit einer Musik, die man sonst in Fahrtstühlen hört ..

Beispiele gefällig ?

TextFlügelDerLiebe

TextDieKarte

Nun denn … vielleicht fehlt mir ja auch die entsprechende lyrische Ader … das mag ich ja gar nicht ausschließen.

Andererseits beschleicht mich da so ein dumpfes Gefühl, das wohl eher aus der Schmuddelecke kommt.

ClaireDin

Claire Din

Kann es sein, dass zwei alte Männer, am Ende ihres Lebens angelangt …  von einer bezaubernden Frau derartig fasziniert waren … dass, ja, dass sie diese Produktion einfach machen mussten ?

Aber halt: einer der Texte ht mich dann doch tatsächlich angesprochen … „Glück“ …

Aber vielleicht wehre ich mich gegen dies Album ja auch so sehr, weil die Zeiten, dass ich auch so ein sentimentaler alter Mann werde … nicht mehr ganz so weit weg sind …

AdorfDin

Mario Adorf & Claire Din

Besetzung:
Mario Adorf (Sprecher)
Christian Bruhn (alle Instrumente)
+
Claire Din (vocals bei 13.)

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Titel:
01. Flügel der Liebe 3.00
02. Sonnenaufgang 2.12
03. Die Karte 1.25
04. Berührungen 1.10
05. Das Fenster 2.43
06. Erwartung (diesmal) 1.33
07. Hoffnung 1.40
08. Glück 1.54
09. Leere Stunden 3.40
10. Rosen in den Träumen 2.57
11. Ich ruf dich jetzt an 2.06
12. Tränen in den Augen 2.44
13. Wut im Bauch 2.23
14. Schon vorbei 2.56
15. Kleiner Zettel 3.21
16. Abschied 3.11
17. Die Stille 0.48

Musik: Christian Bruhn
Texte: Claire Din

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Das Cover einer limitierten Sonderauflage (100 Stück)

Glück:

Glück haben
Das Glück ist unterwegs
Menschen setzten es leichtfertig aufs Spiel
Menschen vertun und verspielen es

Weil sie sich selbst nicht trauen
Glück braucht offene Türen
Platz und Gelegenheit

Agatha Christie – Hercule Poirots Weihnachten (Hörbuch) (2009)

FrontCover1Jetzt wurmt es mich doch sehr, dass ich diesen Dezember nicht dazu genutzt habe, um meinen Faible für Krimis und dann natürlich auch für Weihnachtskrimis auszutoben.

Nun, zumindst jetzt will ich das nachholen … und zwar mit der großen alten Dame des britischen Krimis: Agatha Christie.

Hier ihr Weihnachtskrimi „Hercule Poirots Weihnachten“ (aus dem Jahre 1938):

Der Kriminalroman spielt an Weihnachten und anstatt guter Stimmung, leuchtender Familienzeit und einem liebevoll bestückten Gabentisch gibt es als Geschenk eine Leiche. Dazu Familienstreitigkeiten und ein Verwirrspiel um den Mörder….

Wie gut, dass es Hercule Poirot gibt. Denn wie wir wissen – ihm entgeht nichts. Er speichert alle Eindrücke und zieht messerscharfe Schlüsse. Er sieht Verbindungen, die der Allgemeinheit entgehen. Aber der belgische Privatdetektiv möchte den Mord an Simeon Lee unbedingt aufklären…

Dieser hatte seine gesamte Nachkommenschaft zum Weihnachtsfest geladen. Aber nicht, um ein schönes Fest zu verbringen- Nein! Im Gegenteil, er unterstrich einmal mehr, welch fürchterliches Familienoberhaupt er ist und dass es ihm mehr Spaß macht, die Familie gegen sich aufzubringen als ihr Gutes zu tun. So ist es nicht besonders verwunderlich, dass der alte Herr das Weihnachtsfest nicht überlebt.

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Diverse Buchausgaben (1)

Ein Motiv hätte jeder schon allein durch das Verhalten des Despoten gehabt. Alibis gab es reichlich, aber waren sie wirklich schlüssig, hieb- und stichfest? Poirot mit seinem feinen Näschen, seinem Gespür für Fallen und den unglaublich fixen grauen Zellen hatte es zu guter Letzt geschafft…. Der Mord wurde aufgeklärt!

Der Sprecher Klaus Dittmann unterstreicht mit seiner betonten und ruhigen Vortragsweise sowie der individuellen Umsetzung der einzelnen Charaktere die einzigartige Stimmung, die während der Weihnachtstage im Hause Lee herrschte. (Heike auf irveliest.wordpress.com)

Oder:
Eine schöne Bescherung für Hercule Poirot:
Der alte Simeon Lee hat zu Weihnachten den Familien-Clan zusammengerufen – doch das ist alles andere als eine traute Runde. Das ungeliebte Familienoberhaupt bringt mit seinem despotischen und provozierenden Verhalten alle gegen sich auf. Als er am Heiligen Abend mit durchschnittener Kehle aufgefunden wird, bedauert niemand seinen Tod. Ein Motiv hätten alle Anwesenden gehabt. Doch Hercule Poirots kleine graue Zellen arbeiten auf Hochtouren und lassen ihn auch diesmal nicht im Stich…

Na sowas  … der Mord wird aufgeklärt !

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Die Autorin:
Als „Queen of Crime“ wird Agatha Christie, 1890 bis 1976, allein schon wegen ihres gigantischen Publikumserfolges bezeichnet: Die geschätzte Gesamtauflage ihres Werkes beläuft sich auf über zwei Milliarden. Neben Theaterstücken und „gewöhnlichen Romanen“, die unter dem Pseudonym Mary Westmacott erschienen, hat Christie im Laufe eines halben Jahrhunderts etwa achtzig Kriminalromane und dreißig Bände mit Kurzgeschichten publiziert.
In den 50er Jahren begann sie, ihre Krimistories für das Theater zu adaptieren. Ihr bekanntestes Kriminaldrama The Mousetrap wird noch heute, nach über 40-jähriger Laufzeit, im St. Martin’s Theatre im Londoner Westend gespielt.
1971 wurde Agatha Christie eine der höchsten Auszeichnungen Englands verliehen – der Titel „Dame Commander of the British Empire“.

Agatha Christie, surrounded by some of her 80-plus crime novels.

Der Sprecher:
Klaus Dittmann (* 15. August 1939 in Köln; † 20. Dezember 2016), spielte nach seiner Schauspielausbildung an verschiedenen Bühnen, u. a. am Thalia-Theater Hamburg, den Städtischen Bühnen Frankfurt und dem Schillertheater sowie am Deutschen Theater Berlin. Zwischen 1988 und 1989 tourte er mit Giorgio Strehler und dessen berühmten Mailänder Piccolo Teatro durch Europa. Seit 1970 hat er viele Rollen in Film und Fernsehen, darunter Serien wie „Tatort“, „Alphateam“ und „Großstadtrevier“, Klaus Dittmannübernommen. Neben seiner Arbeit beim Rundfunk ist Klaus Dittmann außerdem als Synchronsprecher sowie als Regisseur tätig. Für den Hörverlag wirkte er in der „Wolkenvolk“-Trilogie von Kai Meyer mit sowie in den Hörspielen zu Daniel Defoes „Robinson Crusoe“ und Charles Dickens‘ „Oliver Twist“; von Agatha Christie las er bereits „Rendezvous mit einer Leiche“ und „Mit offenen Karten“.

Jetzt mal unabhängig von der Story (wir hören eine leicht gekürzte Fassung)  … bei diesem Krimi hat mir fast mehr als der Plot, die Schilderung jener bürgerlichen Familien, bei denen hinter der Fassade Neid und Missgunst tobt, gefallen.

Letztlich ist dieser Krimi eine bitterböse Anklage gegen jene verlogene Welt des Bürgertums … die mich heute noch aufwühlen kann.

Un wenn wir dann morgen auf das Christkind warten … hier eine Möglichkeit, die Zeit zu verkürzen.

Titel:
Hercule Poirots Weihnachten (40 Kapitel; Gesamtlaufzeit: 253 Minuten)

EnglischeOriginalausgabe

Englische Originalausgabe von 1938

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Johann Mattheson – Das größte Kind (Weihnachtsoratorium) (2009)

FrontCover1Eine interessante Neuentdeckung aus der Epoche des Georg Friedrich Händel:

„Der Vollkommene Capellmeister“ (1739) heißt die wohl bekannteste musiktheoretische Schrift von Johann Mattheson. Er gilt als ein Universalgenie des Barock und machte nicht nur als Operntenor und begabter Musiker von sich Reden, sondern auch als Schriftsteller und herausragender Sprachenkenner.

Johann Mattheson (1681–1764) komponierte u.a. Opern, Kantaten und Oratorien, allerdings waren seine Partituren nach dem 2. Weltkrieg lange verschollen. Erst vor rund zehn Jahren gelangten sie aus Armenien nach Hamburg. Das Weihnachtsoratorium „Das größte Kind“ schrieb Mattheson 1720 während seiner Zeit als Hamburger Domkantor. Die Handlung spielt in Bethlehems Stall nach der Geburt Christi.

Die Meinung unserer Musikkritiker:

Johann Mattheson01

Johann Mattheson

Matthesons „Das größte Kind“ besticht durch seine feierlichen, lebendig fließenden Arien und Chöre. Und dazu tragen alle Mitwirkenden, sängerisch wie instrumental, bei.
(Claudia Dasche)

Zwar ist Mattheson im Vergleich zu seinem Hamburger Konkurrenten Händel aus heutiger Sicht der unbekanntere Komponist. Und man mag seine Äußerung, Händel habe sich vieles von ihm abgeschaut, im Nachhinein als Arroganz werten. Aber sein Weihnachtsoratorium beweist, dass er tatsächlich ein äußerst geschickter Dramatiker war, der seine Figuren lebendig werden ließ. Dem immer wieder etwas Neues einfiel, um seinem Publikum ausreichend Abwechslung zu bieten. Eine Neuentdeckung für mich, die sowohl spannende entstehungsgeschichtliche Fragen aufwirft und gleichzeitig sinnlicher Hörgenuss ist.(Haino Rindler)

»Das größte Kind« ist ein Oratorium im wahren Sinne, sprich ein vollständig gedichtetes Werk, dessen Text auf verschiedene handelnde Personen verteilt ist. Die formale Nähe zur zeitgenössischen Oper ist unüberhörbar. Bei dem Text handelt es sich nicht um eine Originaldichtung, sondern basiert auf einem Dialogus von der Geburt Christi. Das größte Kind gehört zu Matthesons am reichsten besetzten Partituren. Besonders auffällig ist die gleichzeitige Verwendung von Hörnern und Trompeten in den Chorsätzen, die sonst in keinem Werk Matthesons zu finden ist.

KölnerAkademie

Die „Kölner Akademie“

Die klingende Denkmäler-Reihe Musica sacra Hamburgensis 1600–1800 möchte ein nachhaltiges Interesse für diese Glanzzeit der Hamburger Kirchenmusik wecken. Anhand exemplarisch ausgewählter, oftmals unbekannter Kompositionen, dargeboten von renommierten Ensembles aus dem Bereich der Alten Musik, sollen die Vielfalt wie auch manche Besonderheiten der in Hamburg entstandenen Kirchenmusik von der frühen Neuzeit an bis zur beginnenden Romantik vermittelt werden. Die Reihe wurde von der ZEIT-Stiftung Ebelin und Gerd Bucerius initiiert. Beratende Unterstützung erfährt sie von Seiten der Staats- und Universitätsbibliothek Hamburg, weitere Kooperationspartner sind Deutschlandradio Kultur sowie das Klassiklabel cpo. (Quelle: jpc.de)

Michael Alexander Willens

Michael Alexander Willens

Besetzung:
Ulrich Cordes (Tenor)
Thilo Dahlmann (Bass)
Wolf Matthias Friedrich (Bass)
Nele Gramss (Sopran)
Melissa Hegney (Alt)
Susanne Rydén (Sopran)
Anne Schmid (Alt)
Gerd Türk (Tenor)
+
Kölner Akademie unter der Leitung von Michael Alexander Willens

Booklet02ATitel:
01 Choral: Gelobet seyst du Jesu Christ (1. Teil) 2.32
02. Duett und Chor: Sey willkommen tausendmahl 2.36
03. Rezitativ: So ist durch mich das Heil der Welt 1.00
04. Arie und Chor: Israel! Freue dich 4.13
05. Rezitativ: Erstarre doch verfinsterte Natur 1.10
06. Arie: Heller Glanz von’s Vaters Licht 2.53
07. Choral: Das ewge Licht geht da herein 0.47
08. Duett: Wer kann dieses Recht erwegen? 3.21
09. Choral: Er kömmt aus Vaters Schooß 2.14
10. Choral: Er äußert sich all sein‘ Gewalt (2. Teil) 2.18
11. Rezitativ: O allerliebstes Kind 0.17
12. Arie: Weg, du Kostbarkeit der Erden 4.47
13. Rezitativ: Ist dies der Ort? 2.11
14. Terzett: Es klopft noch unsre volle Brust 3.46
15. Rezitativ: Ja, was noch mehr 0.31
16. Choral: In dulci jubilo 1.14
17. Arie und Chor: Großer Gott der du deine Allmacht neigest 2.17
18. Accompagnato: Gott hat mein Fleisch an sich genommen 1.08
19. Choral: O Jesu parvule 2.17
20. Accompagnato: Und will der Tod mir meine Augen brechen 0.42
21. Arie: Was schad’t mir der Tod 2.49
22. Choral: Ubi sunt gaudia 1.15
23. Rezitativ: O frohe Nacht 0.26
24. Arie: Komme dann erwehlte Seele 6.45
25. Rezitativ: So laßet uns der Herren Güte 0.44
26 Choral: Das hat er alles uns gethan 2.34

Musik: Johann Mattheson
Texte: unbekannt

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Michael Fitz – Solo Live (2009)

MichaelFitzFrontCoverMichael Fitz stammt aus der bekannten Münchner Künstlerfamilie Fitz. Sein Vater ist der Volksschauspieler Gerd Fitz; er ist Neffe von Veronika Fitz sowie Cousin von Lisa Fitz und Ariela Bogenberger. Florian David Fitz ist sein Cousin zweiten Grades. (Quelle: wikipedia)

Ende der Achtziger ist das erste Album des Münchner Schauspielers und Musikers Michael Fitz erschienen. Solo Live ist seine zehnte CD und seine Erste bei Trikont. Ein Livemitschnitt der Fitz so zeigt, wie er inzwischen hauptsächlich auf der Bühne zu sehen ist, Solo. Michael Fitz, der alle seine Lieder selbst schreibt, spielt Gitarre und singt – mehr braucht er nicht. Er geht dabei nicht zimperlich vor. Da fehlt jede Idylle, auch die bayrische, obwohl er genau so singt. Natürlich geht es auch um die Liebe, um Trauer und Verlorenheit – die ewig gleichen Themen also. Nur weil sie sich immer und immer wiederholen, heißt das ja noch lange nicht, dass wir sie verschweigen sollten. Das tut er dann auch nicht, der Michael Fitz, da fängt es bei ihm erst an. Er schaut rein in die Tiefen und Abgründe zwischen zwei Menschen. Besingt poetisch die Bilder die wir mit uns rumtragen von dem, was wir Liebe nennen um uns und sich dann schonungslos mit der gerne verdrängten Realität zu konfrontieren. Da geht’s um die Alltäglichkeit unserer Gefühle um unsere Ängste und unser Unvermögen, unsere Erwartungen und unsere Ansprüche. Das Dilemma der Liebe, die Angst vor Nähe und der ewige Versuch des Neuanfangs. All das legt Michael Fitz auf den Tisch, schaut genau hin, wertet nicht und löst nichts. Macht aber nix, denn schon allein die Tatsache, dass wir uns wiederfinden in diesem ganzen Wahnsinn macht manches leichter und ein Lächeln des Wiedererkennens ist immer drin. „Wenns’d as du net machst dann mach`s halt i, und zwar ohne di“ – ein trotziges Mantra am Ende, eine kräftig geschlagene Gitarre – so isses, das Leben. »Hier hat einer seinen ganz eigenen Weg gefunden – und dabei heimlich, still und leise die gesamte deutschsprachige Konkurrenz abgehängt. Und wenn Michael Fitz in seiner Muttersprache Liebe macht, wird es doppelt intensiv und nicht einmal im Ansatz peinlich. (Quelle: Musikexpress)

Und natürlich kennen ihn die meisten als „drittes Rad am Wagen“ bei den Münchner Tatort Krimis (die Zeiten sind aber schon lange vorbei)

Aufgenommen zwischen November 2008 und März 2009

MichaelFitz
Besetzung:
Michael Fitz (vocals, guitar)

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Titel:
01. Wohie (Fitz)4.09
02. Was I bin (Fitz) 4.22
03. Briaf an mi seiba (Fitz) 4.19
04. Hoam (Fitz) 5.22
05. Ganz oben (Fitz) 5.44
06. Die Liab (Fitz) 3.36
07. Paradies (Fitz) 4.22
08. Du Bist schee (Fitz) 5.21
09. Dumma Bua (Fitz) 5.58
10. Nackert (Fitz) 4.48
11. Lass ned los (Fitz) 5.29
12. Mantra (Fitz) 5.19

CD

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Wolfsmehl – Der Ideenfabrikant (Hörspiel) mit Ben Becker u.a.) (2009)

FrontCover1Jetzt wird es ganz schön vertrackt … denn hier hören wir ein Hörspiel, das im Jahr 2130 spielt …

„Es ist das Jahr 2130 und die Phantasie ist so gut wie ausgelöscht, die Ideenfabrik steht über allem. Doch der Mangel an Phantasie ist das große Problem, die Ideen bleiben aus, der Ideenfabrikant (Ben Becker) gerät immer mehr in Bedrängnis. Dann droht der der Weltbotschaftler Dr. Webwablü (Hans Neuenfels) auch noch seinen Besuch an, denn der Ausschuss der Ideenfabrik ist einfach viel zu hoch. Wird Dr. Webwablü sie vielleicht sogar schließen lassen oder wird es noch die rettende Idee geben? Plötzlich ist die Phantasie doch wieder sehr gefragt!

Der Autor Wolfsmehl scheint selber sowas wie eine personifizierte Ideenfabrik zu sein, denn er hat in diesem Fall eine Geschichte verfasst, die sich erneut von all seinen anderen Werken abhebt und ihre ganz eigenen Ansätze zu bieten hat. Hier geht es um den sogenannten „phantastischen Realismus“ und die gigantischen Bauten der Ideenfabrik werden durch die lautmalerischen Beschreibungen vor dem geistigen Auge der Hörerschaft lebendig. Wuchtig, furchteinflößend, aber auch kalt und unheimlich kommt diese Fabrik rüber und wirkt wie ein grauenvolles Dystopia, das hoffentlich niemals Realität werden wird.

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Teilweise habe ich mir auch eine Art Animationsfilm vorgestellt, den Moebius oder Frazetta in Szene hätten setzen können oder eine Reihe von Bildern Dalis kombiniert oder Dantes Inferno. Diese Geschichte ist eine Mischung aus all diesen Komponenten, un- und außergewöhnlich, teilweise sogar verstörend. Eine knappe Stunde niveauvolle Unterhaltung, mit künstlerischem Anstrich versehen und dazu wird der Medienlandschaft der Spiegel vorgehalten, sehr interessant.

Die Besetzungsliste ist kurz und mindestens so ungewöhnlich wie die Geschichte an sich. Ben Becker ist hier Erzähler und der Ideenfabrikant zugleich und das verleiht dieser Produktion schon fast den Anstrich einer Lesung, da er logischerweise den meisten Text zu bewältigen hat. Mit seiner tiefen, brummenden Stimme zieht er die Hörerschaft ganz gekonnt und souverän in seinen Bann und ihm zu lauschen ist ein Genuss. Ihm stehen mit Konrad Halver auch gleichzeitig der Regisseur als Sprecherkollege zur Seite und er ist auch gleichzeitig der einzige weitere bekannte Name, was die Sprecherzunft betrifft. Trotzdem ist seine Rolle als Produktionsleiter Orplid recht klein gehalten, doch Halver macht das Beste daraus und überzeugt in dieser Rolle als Untertan des mächtigen Fabrikanten. Mit Hans Neuenfels, Prof. Ernst Fuchs und Wolfsmehl sind eher Künstler am Werk, die sich bisher nicht Sprecher ausgezeichnet haben und ihre Profession eher in anderen Bereichen gefunden haben. Doch sie hinterlassen allesamt einen positiven Eindruck und an diesem Bereich gibt es nichts auszusetzen.

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Lediglich bei der Untermalung hätte ich mir gezieltere und besser integriertere Einsätze der ausgewählten Musiken gewünscht. Klassische Klänge werden verwendet, doch das alles wirkt zu gewollt und zu sehr auf Kunst getrimmt. Das klingt teilweise so, als hätte man die Musiken einfach ins Hörspiel geworfen, ein weniger hölzerner Einbau hätte mehr Sinn gemacht. Sicher, schlecht ist die Untermalung nicht und es kommt auch reichlich Atmosphäre auf, schließlich entstehen die Bilder vor dem geistigen Auge ohne Probleme, aber Luft nach oben ist hier noch genug vorhanden.

Nicht für den Otto-Normal-Hörer von nebenan gedacht, eine nicht gerade einfache Geschichte, die alles andere als heiter ist und zum Nachdenken anregen soll. Gekonnt inszeniert und vorgetragen, eine Ausnahmeproduktion, die all denen empfohlen werden kann, die eine Affinität für das Außergewöhnliche mitbringen und sich dem „phantastischen Realismus“ hingeben wollen.“ (Captain Jack)

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Tja … und wer ist nun um Himmels Willen dieser „Wolfsmehl“:

Wolfsmehl, bürgerlich Michael Kumeth (* 18. Januar 1960 in Bad Berneck), ist ein deutscher Lyriker, Schriftsteller, Hörspielautor, Dramaturg und Drehbuchautor.

 

Kumeth wurde geboren als Sohn des Braumeisters Helmuth Kumeth (1934–2013) und seiner Frau Marianne. Er hat einen Bruder und zwei Schwestern und wuchs auf Schloss Fronberg auf. An der Technischen Universität München studierte er von 1981 bis 1985 Verfahrenstechnik.

Wolfsmehl

Seit 1984 ist er künstlerisch tätig, seit 2000 erfolgreich unter dem Pseudonym „Wolfsmehl“, der Hauptfigur in seiner Roman-Satire „Aus dem Tagebuch eines deutschen Toten“.  Er gilt als Vertreter des Phantastischen Realismus. 2001 erhielt er ein Stipendium für das Virginia Center for the Creative Arts. Für die Vertonung der Erzählung Zeit der Unübertrefflichkeit wurde Konrad Halver 2003 für den Hörspiel Award in den Kategorien „Bester Sprecher“, „Beste Regie“ und „Bestes Hörspiel“ nominiert.

Kumeth ist Mitglied im Freundes- und Förderkreis des PEN-Zentrums Deutschland. (Quelle: wikipedia)

Nicht unwichtig zum Verständnis des Autors ist dann noch, dass er in freundschaftlicher Beziehung zu dem Künstler Prof.  Ernst Fuchs stand.

WolfsmehlFuchs

Wolfsmehl mit Prof. Ernst Fuchs

Zurück zu dem Hörspiel:

Das ist schon starker Tobak … mehr als einmal fröstelte es mich … ob der  industriell fabrizierten „Phantasie“ im Jahre 2130 …

Zur hohen Qualität dieses Hörspiels gehört dann auch ein aufwendig gestaltetes Begleitheft, das mit Ernst fuchs Gemälden illustriert wurde.

Von daher: keine leichte Kost … aber ein Gewinn allemal !

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Besetzung:
Ben Becker (Erzähler, Ideenfabrikant)
Ernst Fuchs (Ganymed)
Ernst Halver (Produktionsleiter Orplid)
Konrad Neuenfels (Weltbotschafter Dr. Webwablü)

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Titel:
01. Der Ideenfabrikant (Kapitel 01) 04.56
02. Der Ideenfabrikant (Kapitel 02) 05.35
03. Der Ideenfabrikant (Kapitel 03) 06.42
04. Der Ideenfabrikant (Kapitel 04) 06.54
05. Der Ideenfabrikant (Kapitel 05) 04.17
06. Der Ideenfabrikant (Kapitel 06) 05.27
07. Der Ideenfabrikant (Kapitel 07) 02.57
08. Der Ideenfabrikant (Kapitel 08) 11.17
09. Der Ideenfabrikant (Kapitel 09) 05.43
10. Der Ideenfabrikant (Kapitel 10) 05.43

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