Max Herre – Geschenkter Tag + Blick nach vorn (2009)

FrontCover1Jetzt werd´ ich auch mal modern -… Ich präsentiere einen Rapper:

Maximilian Herre (* 22. April 1973 in Stuttgart) ist ein deutscher Rapper, Singer-Songwriter und Musikproduzent. Zudem ist er A&R bei dem Label Nesola, einer gemeinsamen Unternehmung u. a. mit seiner Frau Joy Denalane.

Max Herre wuchs in seiner Geburtsstadt Stuttgart auf. Seine ersten Erfahrungen mit (amerikanischem) Hip-Hop machte er in der Schule. Nachdem er Advanced Chemistry gehört hatte, beschloss er, selbst Hip-Hop auf Deutsch zu machen. Seine erste Band Seedless Jam gründete er im Alter von 15 Jahren, sein erstes Hip-Hop-Projekt Agit Jazz vier Jahre später mit dem Instrumentalmusik-Produzenten Philippe A. Kayser (Don Philippe). Um ihre Stücke auch live aufführen zu können, bildeten sie 1993 zusammen mit dem Stuttgarter Produzenten DJ Friction (Martin Welzer) die Band Maximilian und sein Freundeskreis. Im selben Jahr gründete Max zusammen mit anderen Stuttgarter Künstlern die Kolchose.

Nachdem die drei Freunde 1997 bei dem frisch gegründeten Label Four Music der Deutsch-Rap-Pioniere Die Fantastischen Vier unterzeichneten, gelang ihnen mit A-N-N-A der musikalische und kommerzielle Durchbruch das Lied verkaufte sich über 250.000-mal. Das Debüt-Album der in Freundeskreis umbenannten Band trug den Titel Die Quadratur des Kreises und verkaufte sich 170.000-mal.

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Freundeskreis, 1999

Vom 1999 erschienenen zweiten Album Esperanto wurden über 300.000 Exemplare abgesetzt. Im selben Jahr wurde auch das Doppel-Livealbum En Directo der FK Allstars aufgenommen. Es enthält Mitschnitte von vier Konzerten, die im Dezember 1999 stattfanden, inklusive Stücke des Freundeskreis als auch Neuinterpretationen der Allstars.

Nachdem der Freundeskreis im Jahr 2000 seine vorerst letzten Konzerte gegeben hatte, war die Band 2007 wieder auf verschiedenen Festivals zu sehen, u. a. in Stuttgart, der Heimatstadt der Band, wo sie auf dem Festival MTV HipHop Open ihr 10-jähriges Bestehen feierten.

Max Herre hat das Konzept der FK-Allstars, einem Zusammenschluss von mehr als 15 Künstlern, darunter Gentleman, Afrob, Sékou, Joy Denalane und Brooke Russell, entwickelt. Im Jahre 2000 spielten diese auf einigen der größten Festivals Mitteleuropas wie Rock im Park, Rock am Ring oder dem Splash vor bis zu 70.000 Besuchern. Nach der Tour verließ er die Band als aktives Mitglied.

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Max Herre + Joy Denalane

Unter dem zunehmenden Druck durch seine wachsende Prominenz zog sich Herre aus dem öffentlichen Rummel weitgehend zurück und kümmerte sich nach der Geburt seines ersten Sohnes hauptsächlich um die Produktion des Debütalbums seiner Frau Joy Denalane. 2002 war Mamani fertig. Das Top-10-Album verkaufte sich 130.000-mal und wurde dreifach für den Echo nominiert.

Fast fünf Jahre nach dem letzten Freundeskreis-Studioalbum veröffentlichte Max Herre im September 2004 sein nach ihm selbst benanntes Solo-Album Max Herre, auf dem er eine Vielzahl verschiedener Genres miteinander vermischte. Mit diesem Konzept-Album zeigte Herre seine große Offenheit und seine musikalische Bandbreite. Er verband dabei Soul und Reggae, aber auch Rock-Elemente flossen ein. Herres Debütalbum war kommerziell sehr erfolgreich. Im April 2006 gründeten Herre, Joy Denalane, Götz Gottschalk und Sophie Raml ein neues Label namens Nesola.

Am 11. August 2006 erschien das zweite von Herre produzierte Denalane-Album Born & Raised auf Four Music.

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Am 24. August 2012 veröffentlichte er sein drittes Album Hallo Welt!. Zuvor wurde bereits der Freetrack Jeder Tag zuviel mit Antonino von Mega! Mega! und die Single Wolke 7, ein Duett mit Philipp Poisel, veröffentlicht. Diese konnte sich bis auf Platz 6 der Media-Control-Charts etablieren. Es ist der erste Top-10-Single-Hit für Max Herre. Bei der Aufzeichnung einer Sendung von Roche & Böhmermann verließ Herre nach Kritik der Moderatorin Charlotte Roche wutentbrannt die Talkshow, wurde aber von der Moderatorin zurück geholt, so dass die Aufzeichnung der Sendung fortgesetzt werden konnte.

Max Herre wirkte 2013 als Coach an der dritten Staffel der Castingshow The Voice of Germany des Senderverbunds ProSiebenSat.1 mit. Sein Schützling Andreas Kümmert gewann die Show.

Als dritter deutscher Hip-Hop-Act nach den Fantastischen Vier und Sido veröffentlichte Max Herre ein Album der MTV-Unplugged-Reihe namens MTV Unplugged Kahedi Radio Show. Zur Titelliste gehörten neben aktuellen Liedern auch Songs seiner ehemaligen Band Freundeskreis. Für das Album erhielt er bei der Echoverleihung 2014 die Auszeichnung als Hip-Hop-Künstler des Jahres. 14 Tage nach VÖ (13. Dezember 2013) erhielt sein „MTV Unplugged“ bereits eine Gold- & wenige Wochen später eine Platin-Auszeichnung.

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Max Herre in der „Skandal-Sendung“ mit Charlotte Roche

Auf der Suche nach einer Sängerin zur Single Mit Dir lernte Herre 1999 Joy Denalane kennen, die er später heiratete. 2001 kam Herres erster Sohn zur Welt. 2002, während der Produktion des Albums seiner Frau, zog Herre für Familie und Karriere nach Berlin. 2003 wurde sein zweiter Sohn geboren. Das Paar trennte sich im Februar 2007,[6] ist jedoch seit 2011 wieder liiert. Max Herre ist außerdem Vater einer 2008 geborenen Tochter,[7] dieser widmete er den Song Vida seines Albums Hallo Welt![8]
Einflüsse
Zu seinen Einflüssen zählt Max Herre Künstler wie Jay-Z, aber auch Black Thought, Bob Marleys Natty Dread über Al Greens Let’s stay together, die englische 70s Rockband Free, Ostbeat-Musiker wie Hansi Biebl und den Singer/Songwriter Nick Drake. Musiker wie Jimi Hendrix und Led Zeppelin zählen hierzu ebenso wie Udo Lindenberg, der als sein wohl stärkster Einfluss gilt. (Quelle: wikipedia)

Wie schrieb ich vorhin: „Ich präsentiere einen Rapper“ … Was für ein Quatsch !

Hier wird nicht gerappt, wahrlich nicht … nein heier werden gute alte deutsche Liedermacher-Tugenden beschworen und das durchaus überzeugend.

Bei „Geschenkter Tag“ hat sich der Herre schon sehr arg an den Rolling Stones Song „Sympathy For The Devil“ erinnert (um es mal sehr diplomatisch auszudrücken) … textlich superb …

Nicht minder überzeugend die B-Seite dieser Single … da singt einer über die Tücken des Lebens, sowas von beeindruckend und authentisch … das weiss einer von was er singt. Respekt !

Von daher interessiert mich nun die CD „Ein geschenkter Tag“, aus der diese beiden Lieder stammen.

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Besetzung:
Christian Diener (bass)
Roberto di Gioia (piano)
Earl Harvin (drums, percussion)
Max Herre (vocals)
Frank Kuruc (guitar)
+
Jo Ambros (pedal steel guitar bei 02.)
Clueso (vocals bei 02.)
Jemma Endersby (vocals bei 02.)
Marko Jovanovic (harmonica bei 01.)

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Titel:
01. Geschenkter Tag (Aladag/Herre/Hübner/Kuruc) 3.49
02. Blick nach vorn (Aladag/Herre/Hübner/Kuruc) 4.00

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Ania Jools – Bilder von mir (2009)

FrontCover1Als Ania Jools 2009 mit diesem Debütalbum auf den Markt kam, galt sie als eine der ganz großen neuen Hoffnungen in der deutschprachigen Musikszene.

So konnte man damals z.B. diese Zeilen lesen:

Gerade 21 Jahre alt ist Ania Jools aus München, die in diesen Tagen ihr Debutalbum Bilder von mir veröffentlicht. Zugleich wird sie bereits durch große Magazine wie den Focus und Zeitungen wie die SZ als „die neue deutsche Soulhoffnung“ gehandelt.

Auf den ersten Blick irritiert so manches. Zum einen der Nachname – gut, sehr schnell läßt sich feststellen, dass „Jools“ (sprich: „Dschuuls“) ein Künstlername ist, man also keinen imaginären Stammbaum wohin auch immer zu konstruieren braucht. Zum anderen das noch recht zarte Alter von Ania Jools, wenn man dieses auf einen recht großen Titel wie Bilder von mir bezieht. Und dann ist da noch dieser Sound, der seltsam vertraut und nach einer Mischung von Roger Cicero und Annett Louisan klingt.

Letzteres ist am schnellsten erklärt: Produziert wird Ania Jools nämlich von Gunnar Graewert, der eben auch für Annett Louisan und Patrick Nuo schreibt, dazu kam Frank Ramond, der Kopf hinter den Texten von Annett Louisan und Roger Cicero. Der Schaffensprozeß von Bilder von mir, so erzählten es beide dem „Focus“ in einem Interview, verlief derart, dass Ania Jools aus ihrem Leben erzählte und Graewert diese dann in Songs umwandelte.
An dieser Stelle kommt dann wieder Ania Jools als eigentlich Protagonistin ins Spiel: Die wunderschöne Münchnerin interpretiert diese durch die Brille eines Anderen gesehenen, aber trotzdem eigenen Lebensbilder mit ihrer Stimme quasi neu. Dieses Bild bekommt für den ganz gewöhnlichen Hörer jedoch durchaus seine Risse, wenn er etwa den Text zu „Egal“ hört und sich angesichts dieser „Dreiecksgeschichte“ fragt, ob das wirklich noch autobiographisch sein soll…

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Musikalisch entsteht bei dieser Zusammenarbeit Pop heraus, der sehr leicht konsumierbar, aber trotzdem (deswegen?) schön ist. Zahlreiche Stilelemente vom Chanson über den Soul bis hin zum Swing kommen dabei zum Tragen. Da machen der Opener „Schön Dich wieder zu sehen“ und auch sein Nachfolger „Viel zu weit weg“ schnell klar, wohin der Weg geht. „Bilder von ihr“ ebenso wie „Fang mich“ (für mich der beste Song des Albums!) unterscheiden sich durchaus wohltuend durch ein mehr an Gitarren oder Beat, und auch „Es geht vorbei“ ist eher lässiger Gitarrenpop.
Daneben finden sich eine ganze Reihe von balladesken Stücken wie „Egal“, das sehr zarte „Bei dir gehts mir gut“ oder auch „Du lebst“ und das abschließende „Fühl das Leben nur bei dir“, das sogar unaufdringliche Countryelemente enthälten. Einziger Totalausfall ist das Mambostück „Tanz mit mir“.
Mehr als erwähnenswert ist aber natürlich die großartige, variantenreiche Stimme von Ania Jools, die tief und warm und sehr, sehr, sehr sexy ist. Im Verlauf des Albums verlieren sich auch weitgehend die unnötigen Ausschmückungen, die etwa in „Schön dich wieder zu sehen“ in keinem guten Sinn noch äußerst dominant sind.

Bilder von mir ist ein überwiegend leichtes Sommeralbum geworden, das auch nebenher konsumierbar ist. Wer sich auf die (vor allem lyrischen) Untertöne einläßt wird angesichts der Person von Ania Jools bzw. dem, was man in der Regel von einer Frau ihres Alters zu wissen glaubt, an der einen oder anderen Irritation nicht vorbeikommen. Man darf wohl wirklich gespannt sein, was von ihr in nächster Zeit noch zu hören sein wird. (Andreas Matena)

Keine Frage: Ania Jools (natürlich ein Künstlername) hat eine beeindruckende Stimme und auch wenn mir die Texte wie so oft ein wenig auf den Keks gehen (als gäbe es nichts anderes als das Thema „Liebe“; ich weiss nicht wie oft ich das hier schon anmerken mußte !), so galt sie damals ganz sicher zu recht als großes Talent.

Und es ging auch weiter … diverse Auftritte etc. p.p … und ihre Facebook-webiste ist voll von solchen Events. Doch Ende 2013 enden dann die Einträge … und das hinterlässt bei mir irgendwie in verdammt ungutes Gefühl …

Live

Besetzung:
Gunnar Graewert (keyboards, vocals, ukulele, drums, percussion)
Anja Jools (vocals)
Mario Schönhofer (bass)
Titus Vollmer (guitar, lap-steel-guitar)
+
Heinrich Haas jr. (organ bei 01
Dirk Janoske (trombone bei 09.)
Peter Kraus (drums bei o2., 04., 08., 12)
Oscar Kraus (background vocals)
Manni Müller (drums bei o1., 06., 09., 10.)
Martin Kursawe (guitar bei 03., 04., 08., 11.)
Tom Reinbrecht (saxophone bei 09.)
Florian Sager (trumpet bei 09.)
Otto Schellinger (bass bei 04., 05., 06., 11.)
Thorsten Skrinner (saxophone bei o1., 09.)
Wolfgang Vetter (trumpet bei 09.)
Jan Zehrfeld (guitar bei o4., 11.)
+
Modern String Quartet (strings bei 11.)

Inlet1Titel:
01. Schön dich wieder zusehen (Graewert) 3.58
02. Viel zu weit weg (Graewert) 3.47
03. Bilder von ihr (Graewert/Koreck) 4.09
04. Es geht vorbei (Graewert/Kraus) 3.51
05. Egal (Graewert) 4.00
06. Amelie (Graewert) 3.02
07. Fang mich (Graewert/Koreck) 3.40
08. Bei dir geht’s mir gut (Graewert) 3.51
09. Tanz mit mir (Graewert) 3.25
10. Stell mir vor (Graewert) 4.47
11. Du lebst (Graewert) 3.50
12. Fühl‘ das Leben nur bei dir (Graewert/Rammond) 4.46

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Stefan Parrisius – In memoriam Chris Howland, Sänger und Schauspieler (Radiomitschnitt) (2013)

ChrisHowlandIm Dezember 2013 ist ja das Unikum Chris Howland verstorben. Anlässlich dieses Todes wiederholte der Bayrische Rundfunk auf seinem Kanal Bayern 2 ein ausführliches Gespräch mit ihm. Es er wurde ein Ein Rückblick auf 60 Jahre Showbusiness …

Er war der erste britische Gastarbeiter im Nachkriegsdeutschland: Chris Howland: Radiostar, Sänger, Schauspieler, Fernsehmoderator mit dem ganz typisch englisch-trockenen Humor. Er starb in der Nacht zum 1. Dezember 2013. Aus diesem Anlass wiederholt Bayern 2 den Talk aus dem Jahr 2009 mit der Moderatorenlegende.

Unzählige Radiohörer kannten ihn als legendären Discjockey Heinrich Pumpernickel.

In den 50er und 60er Jahren unterhielt er sie mit Musik, aber auch mit seinem radebrechenden Deutsch, was zu einer Art Markenzeichen von Chris Howland wurde.

Hinzu kamen die Fernsehsendungen „Musik aus Studio B“ und das legendäre „Vorsicht Kamera“, mit kleinen Filmen, wo zum Beispiel ein umgebauter Kleinwagen an einer Tankstelle vorfuhr und mehr Benzin tankte, als in einen Lastwagen gepasst hätte.
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Auch als Schauspieler war Chris Howland erfolgreich, so wurde er zum Beispiel für fünf Karl-May-Filme engagiert und spielte unter anderem den Butler Archie in „Der Schut“. Darüber hinaus hatte er mit Titeln wie „Das hab‘ ich in Paris gelernt“ und „Fräulein“ auch Erfolg als Schlagersänger.
In „Eins zu Eins. Der Talk“ mit Gastgeber Stefan Parrisius blickte Chris Howland im September 2009 zurück auf 60 Jahre Leben in der Welt der Medien, im Showbusiness.

Aber er erzählte auch aus dem Blickwinkel des jungen Mannes, der als britischer Soldat 1946 ins zerstörte Hamburg kam.

Ein wirklich interessantes Tondukument und zugleich auch ein wenig Werbung für das Medium Radio ! Und als kleine musikalische Erinnerung habe ich den ersten Chris Howland Hit „Fräulein“ beigelegt … Und ich verrate kein Geheimnis, wenn ich ankündige, dass von diesem ganz besonderem Entertainer hier noch mehr zu hören sein wird.

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Stefan Parrisius & Chris Howland

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Fräulein

Mame-Loshn – Der Rebe tanzt (2009)

FrontCover1Vielleicht gar keine so schlechte Idee, zum Osterfest 2014 eine CD vorzustellen, die sich aus den Wurzeln der Kelzmer Musik speist.

Ursprünglich ist Klezmer (sprich „Klesma“, mit weichem s) die jüdische Musik Osteuropas der letzten Jahrhunderte, die v.a. zu Hochzeiten und anderen Festen gespielt wurde. Klezmer hat also nichts mit israelischer Musik zu tun, wie manchmal vermutet wird, sondern ist zwar jüdisch, aber eben eine Musik aus Osteuropa, mit vielen Verbindungen zur rumänischen, russischen und zur Roma-Musik.

Im 19. Jahrhundert lebten an die 7 Millionen Juden in Osteuropa, vom Baltikum im Norden über Russland, Polen und die Ukraine bis nach Rumänien im Süden. Als Wiege der Klezmermusik wird Moldawien angesehen.

Die Juden lebten meist abgesondert, in eigenen Stadtviertel (den „shtetls“) oder Dörfern, mit ihrer eigenen Kultur, Religion, Sprache (dem Jiddischen) und Musik. Sie waren immer wieder politischer Willkür, wirtschaftlichen Benachteiligungen, Übergriffen, Pogromen und Vertreibungen ausgesetzt und so kam es schon lange vor dem Holocaust, v.a. in der Zeit zwischen 1880 und 1920, zu großen Auswanderungswellen.

Das Hauptziel der Auswanderer war Amerika, und hier v.a. New York. Für lange Zeit war New York die Stadt mit der weltweit größten jüdischen Bevölkerung. Die Musik veränderte sich hier natürlich allmählich, sie wurde urbaner, griff Jazz-Elemente auf, und die Klarinette, die schon in Osteuropa Anfang des 20. Jahrhunderts die Geige zu verdrängen begann, wurde endgültig zum typischen Hauptinstrument des Klezmer.

Aber hier fand die Klezmermusik eine Nische, wo sie überleben konnte. Denn die osteuropäische jüdische Kultur, so wie sie jahrhunderlang bestanden hatte, würde von den Nazis mit dem Holocaust vollständig ausgelöscht.

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„Old Klezmer Band“ (Gemälde von Leon Zernitzky)

Mit dem Klezmer-Revival, das in den 60/70ger Jahren begann, machten sich amerikanische Klezmermusiker der jüngeren Generation auf, ihre Wurzeln in Osteuropa zu erforschen, letzte noch lebende Musiker kennenzulernen, die Musik aufzunehmen und zu notieren.

So haben wir heute doch einen ziemlich reichen Schatz an Noten- und Aufnahmematerial, sowohl des ursprünglichen europäischen als auch des neueren amerikanischen Klezmers. Und das Revival ist immer noch nicht zu Ende: Klezmer wird heute weltweit von jüdischen wie von nicht-jüdischen Musikern gespielt und hat sich fest in der Weltmusik-Szene etabliert. (Daniel Marsh)

Und hier nun ein Beispiel das vor allem dadurch besticht, dass der Bandleader Leonid Khenkin nicht nur über eine bewegte Vita zurückblicken kann, sondern zudem auch ein Virtuose auf seinem Instrument ist. Und das macht dann die Musik einfach noch mitreißender.

Und hier ein paar Informationen zu seiner Biographie:

LeonidKhenkinGeboren in Kemerovo in Russland. Abschluss der Musikschule und Musikfachschule in Tomsk im Fach Klarinette.

Abschluss der Musikhochschule in Novosibirsk . Sehr gute Musikalische Ausbildung brachte Leonid zu den besten Jobs in Sibirien. So spielte er im führenden Militär Orchester Sibiriens, im Opernhaus Nowosibirsk. Solierte mit Städtischem Philarmonieorchester Tomsk. Unterrichtete Klarinette an der Musikfachschule Tomsk und dirigierte im Musiktheater Sewersk.

Ab dem Jahr 2000 in Deutschland als Freiberuflicher Musiker tätig.

Verheiratet, hat fünf Kinder. (Selbstdarstellung)

Nun, ganz so einfach war es nicht in Deutschland:

„»Warum sollen wir auf der Couch liegen? Wir wollen spielen!« Für Leonid Khenkin war die Sache klar, als er 2007 beim Jobcenter vorsprach: Arbeitslose Musiker aus den Staaten der ehemaligen Sowjetunion sollten sinnvoll tätig werden und beispiels­weise in Kindergärten und Altenheimen auftreten.

Aus der Idee wurde die Musikwerkstatt der gemeinnützigen Beschäftigungsgesell­schaft Noris Arbeit (NoA) geboren. Sie hat zeitweise 80 ausgebildeten Sängern und Instrumentalisten eine Anstellung auf Basis von Ein-Euro-Jobs geboten und organi­siert jährlich rund 2000 Auftritte. Weil nun die Eingliederungsmittel drastisch gekürzt worden sind, droht ihr Ende März 2012 das Aus – dies wäre das Ende für ein unge­wöhnliches Projekt, welches soziale Integration und gesellschaftlichen Auftrag auf vorbildliche Weise verbindet. (Quelle: medienpraxis.tv)

Das eben genannte Beschäftigungsprojekt gibt es noch, aber die dazugehörige Musikwerkstatt wurde eingestampft … Manchmal möchte ich ne Bombe sein und einfach explodieren …

Angesichts dieser traumhaft schönen Musik von Mame-Loshn (auf deutsch: Muttersprache) kann ich nur hoffen, dass Lenonid Khenkin und seine Gefährten ihren Weg einfach weitergehen können und werden …

Für mich ist diese Musik eher noch Neuland, aber ein Land das mich fasziniert … das es zu bereisen und zu entdecken gilt. Wer will kann sich ja dieser Reise anschließen.

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Besetzung:
Lenonid Khenkin (clarinet)
Boris Kupin (bass)
Michael Winnizkij (accordeon)
+
Serafina Khenkina (vocals bei 06.)
Diana Liberova (vocals bei 02.)
Eugen Wasinger (guitar bei 02.)
Michael Winnizkij (vocals bei 04., 08., 10. 14.)

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Titel:
01. Shalom Alechem (Traditional) 4.08
02. Guando El Rey (Traditional) 3.07
03. Besarabichr Bulgar (Traditional) 2.23
04. Tum – Balalaika (Traditional) 2.51
05. Sher – Budapest (Traditional) 1.42
06. Der Rebe (Traditional) 3.05
07. Street Melody (Traditional) 4.17
08. Chiri Bim – Chiri Bom (Traditional) 2.30
09. Josel – Josel (Traditional) 4.17
10. Ose Shalom (Traditional) 2.37
11. If I Were A Rich Man (Bock) 2.44
12. Klesmeron (Traditional) 2.59
13. Bei mir bist du schön (Skunda) 3.16
14. Hava Nagila (Traditional) 3.27
15. Israels Weinen (Traditional) 2.55

CD1

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Camerata München – Camerata München (2009)

FrontCover1Wieder mal so ne Privatpressung, organisiert von diesem Ensemble und seinem Leiter Bernhard Koch:

Das Kammerorchester Camerata München
wurde im Herbst des Jahres 1998 auf Initiative der Münchner Streichervirtuosen gegründet, welche sich unter der Leitung des Dirigenten Bernhard Koch in den Konzerten der Jungen Münchner Symphoniker engagierten. Am 26. Dezember 1998 stellte sich das Ensemble erstmalig überaus erfolgreich dem Münchner Publikum vor und fand sogleich begeisterte Aufnahme.
Höhepunkt des Debütkonzertes war sicherlich die gemeinsame Interpretation von Bachs Violinkonzert in E-Dur durch Sréten Kristic (1. Konzertmeister der Münchner Philharmoniker) und Camerata München.

Unter der künstlerischen Leitung Bernhard Kochs konnte sich Camerata München mittlerweile fest im Münchner Musikleben etablieren. Das Repertoire des Ensembles erstreckt sich von den Meistern der Spätrenaissance wie Dowland und Purcell über die Bach-Familie und Mozart bis hin zu klassischen Werken Mendelssohn Bartholdys.

Das Ensemble konzertiert regelmässig in der Münchner Markuskirche, im Grossen Saal der Musikhochschule und, als besonderer Höhepunkt seines Wirkens, mit festlicher Barockmusik in den Sommerserenaden im Brunnenhof der Residenz. Weitere repräsentative Verpflichtungen erfuhr das Ensemble in Serenaden-Veranstaltungen im Nymphenburger Schlossgarten, in der Blutenburg, in Oberschleißheim und beim Theatron-Festival im Münchner Olympiagelände.

Camerata München01

Camerata München, 2001

Das Ensemble, welches sich mittlerweile regulär aus Solisten des Bayerischen Staatsorchesters, des Münchner Kammerorchesters sowie des Staatstheaters am Gärtnerplatz zusammensetzt, konzertiert in den Virtuosenkonzerten der Barockmusik oftmals mit namhaften Orchestersolisten wie Sréten Kristic, Henrik Wiese (1. Solo-Flötist des Bayerischen Staatsorchesters) und Christoph Hartmann (Oboist der Berliner Philharmoniker).

Darüber hinaus stellt es regelmässig hochbegabte junge Solisten des Münchner Musiklebens wie Franziska Pertler – Violine und Bundespreisträgerin von ‚Jugend musiziert‘, Saskia Hein – Violine, oder Antonio Hölzl – Barockflöte vor. (Selbstdarstellung)

Und ohne ihn, wäre dieses ambitionierte Projekt eh nie zustande gekommen.

Bernhard Koch01Bernhard Koch leitet seit 20 Jahren als Chefdirigent das Studentenorchester Junge Münchner Symphoniker und ist des weiteren als künstlerischer Leiter des professionellen Münchner Kammerorchesters Camerata tätig. Die langjährige musikalische Leitung des Karlsfelder Sinfonieorchesters und Verpflichtungen als freier Dirigent sind weitere Schwerpunkte von Bernhard Kochs künstlerischem Engagement. Neben der Erarbeitung der grossen symphonischen Literatur konnte sich Herr Koch in München auch als gefragter Spezialist in der Leitung repräsentativer symphonischer Bälle und konzertanter Opern-Galas profilieren.
So gelten die illustren Konzertbälle des Rosenmontags im renommierten Deutschen Theater und die Italienischen Sommernächte im Brunnenhof der Residenz unter der Stabführung Bernhard Kochs den Musikfreunden Münchens seit vielen Jahren als besondere Höhepunkte der Konzertsaison.
Des Weiteren engagiert sich Bernhard Koch als Dirigent und Mentor von Jeunesses Musicales seit vielen Jahren in der Förderung hochbegabten solistischen Nachwuchses aus München und Oberbayern. Zahlreiche herausragende Talente (darunter oftmals Landes- und Bundespreisträger des Wettbewerbes „Jugend musiziert“) debütierten unter seiner musikalischen Anleitung in den klassischen Solo-Konzerten von Mendelssohn, Chopin, Saint-Saens, Schumann etc. auf den Podien grosser Konzertsäle wie jenem des Herkulessaales in der Münchner Residenz.
Desgleichen debütierte der hochbegabte Sängernachwuchs, oftmals nunmehr fest an Bühnen des deutschsprachigen Raumes verpflichtet, im Rahmen der Italienischen Sommernächte in den gängigen, grossen Partien des Opernrepertoires.
Herr Koch fördert den musikalischen Nachwuchs darüber hinaus seit vielen Jahren als gefragter Volinpädagoge.

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Bernhard Koch kam als Kind Münchner Musikpädagogen zur Welt und fand somit rasch Zugang zur Welt der Musik. Bereits im Alter von 5 Jahren widmete er sich Klavierstudien; mit 10 Jahren begann er mit dem Erlernen des Geigenspiels.
Weitere Stationen seiner musikalischen Laufbahn stellten Meisterstudien beim damaligen Konzertmeister der Münchner Philharmoniker und das Studium der Musikwissenschaft und Tontechnik dar. Als Instrumentalist wirkte Bernhard Koch u. a. an der Violine und der Viola in mehreren Münchner Orchestern; seine besondere Liebe zum Gesang verhalf ihm zu mehrjährigem Engagement als Bassist im Chor des Münchner Nationaltheaters.

Die Dirigentenpraxis erwarb sich Bernhard Koch unter der Supervision so bedeutender Musikerpersönlichkeiten wie Wolfgang Seeliger und GMD Sergiu Celibidache; weitere Ausbildung erhielt er von GMD Lutz Herbig in Münster und von Herrn Professor Karl-Heinz Bloemke an der Hochschule für Musik in Detmold. (Selbstdarstellung)

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Und seit geraumer Zeit veröffentlicht das Ensemble selbst gefertigte CD´s … allerdings davon aus der Homepage nichts zu lesen (absolut unverständlich !), erwerben kann mn sie so nur bei den Konzerten von Camerata München.

Dieses Exemplar (es handelt sich dabei um einen Livemitschnitte vom 26. Dezember 2009 in der Allerheiligen Hofkirche, München) beginnt mit Auszügen aus dem III. Brandenburgische Konzert von Bach . da kann man nie was falsch machen (ich erinnere da mal an die Version von Keith Emserson von The Nice !).

Aber dann werde – bevor mit Mozart die CD endet – die italienischen Brockkomponisten gwürdigt … und die Velfalt all dieer Melodien überrascht mich immer wieder aufs Neue … Balsam für die Seele …

Ach ja, demnächst spielen sie mal wieder in München … da werd´ ihwohl dabei sein:

Brunnenhof

Besetzung:
Camerata München unter der Leitung von Bernhard Koch
+
Thomas Berg (trumpet)
Mario Kuronic (violin)
Philipp von Morgen (violoncello)

Booklet1

Titel:

Johann Sebastian Bach: Brandenburgisches Konzert Nr. 3 BWV 1048:
01. Adagio 6.19
02. Allegro 5.39

Antonio Vivaldi; Sinfonia für Streichorchester RV 146
03. Allegro 2.07
04. Andante Vivace 3.11
05. Allegro – Tempo di Menuetto 1.08

Georg Phillip Telemann: Konzert in D Dur:
06. Vivace – Adagio 7.17
07. Allegro 5.19

Giovanni Battista Pergolesi: Konzert für Violine, Streicher und basso continuo:
08. Allegro 5.3ß
09. Largo 6.46
10. Allegro 3.55

Giuseppe Torelli: Concerto „Estienne Roger“:
11. Allegro – Adagio – Presto – Adagio 4.53
12. Allegro 1.30

Wolfgang Amadeus Mozart: Salzburger Sinfonie in B-Dur KV 137:
13. Andante 5.41
14. Allegro di molto 2.36
15. Allegro assai 3.27

CD1

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Martin Vatter – Klangbilder (2009)

FrontCover1Selten hat in der letzten Zeit ein mir bis dato unbekanntes Album einen derartigen Hörgenuss geschenkt wie dieses.

Der Pianist Martin Vatter hat anlässlich einer Ausstellung im Franz Marc Museum Klangkompositionen zu Bildern von Lovis Corinth kreiert. Um die berühmten Walchenseebilder im Original auf sich wirken zu lassen, verbrachte er einige Stunden mit einem Konzertflügel im Corinth-Saal des Franz Marc Museums inmitten der Corinth-Sonderausstellung „Seelenlandschaften“

Martin Vatter lässt diese intensiven sinnlichen Eindrücke zu einzigartigen Klangbildern verschmelzen. Naturerfahrung und Kunstwahrnehmung vermischen sich in seiner außergewöhnlichen Klaviermusik zu neuem Hör-Erlebnis. Der Klang des Bildes erfasst den Raum und wird zu Musik.

„Anlässlich einer Lovis-Corinth-Ausstellung hat sich der Pianist Martin Vatter zu Kompositionen zu drei Walchenseebildern des Malers inspirieren lassen….Von MBL-Entwickler Jürgen Reis in einem hervorragend klingenden Raum der Bauer Studios aufgenommen, kommt der 1929 gebaute Steinway-Flügel kraftvoll, farbig sowie reich an Zwischentönen und räumlich plastisch ‚rüber. Eine audiophile Perle!‘ (Sterei 1/2010)

Eingespielt wurden die Kompositionen in den Bauer-Studios in Ludwigsburg auf einem Steinway-D-Konzertflügel aus dem Jahre 1929. Der Eindruck ist erstklassig, ebenso wie die ausgezeichnete Klangqualität mit hohem audiophilen Anspruch. Prädikat: musikalisch wohltuend, klanglich exzellent.  (Hörerlöebnis 69)

MartinVatter
„Abseits der Mainstream-Marketing-Musikindustrie gedeihen oftmals musikalische Pflänzchen, die den Zuhörer verzaubern können. Martin Vatter, Komponist und Pianist, hat sich in der vergangenen Jahren in audiophilen Kreisen einen sehr guten Ruf erspielt. Auch die US-Amerikaner sind mittlerweile auf den Geschmack gekommen. Dass Vatter’s Produktionen herausragend klingen, dürfte hinreichend bekannt sein. Das gerade erschienene Album „Klangbilder“ beweist indes eindrucksvoll, in welch großen Schritten sich der Künstler musikalisch weiterentwickelte. Wundervolle Melodiebögen, behutsam und energisch zugleich gesetzt, lassen Bilder im Kopf entstehen, die authentisch und bar jeden Kitsches sind. Effekte, die Grenzen und Möglichkeiten einer HiFi-Anlage aufzeigen, beinhaltet  „Klangbilder“ ebenso. Dass sie von Profis (Jürgen Reis und Tonstudio Bauer in Ludwigsburg) mit natürlichem Instrument (Steinway Grand Piano, Baujahr 1929) erzeugt wurden, freut…” (Joachim Pfeiffer)

Aufgenommen: Bauer Studios in Ludwigsburg bei Jürgen Reis, 2009, Re-mastered 2012

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Wenn sich moderne Klassik so anhört, dann krieg ich davon nie genug. Und dies ist ein kleiner Hinweiss, dass hier von diesem Martin Vatter noch öfters die Rede sein wird !

Ich habe dieser kleinen aber feinen EP noch eine kleine Broschüre (im pdf-Format) über Martin Vatter beigelegt. Dieser kann man weitere biographische wie diskographische Informationen entnehmen.

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Besetzung:
Martin Vatter (piano)
+
Edi Schönach (flügelhorn bei 01.)

BookletBackCover1

Lovis Corinth „Mondnacht“

Titel:
01. Walchenseelandschaft (Vatter) 5.50
02. Walchensee, Gelbe Wiese (Vatter) 7.53
03. Walchensee, Mondnacht (Vatter) 9.16

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Dieter Hildebrandt – Politiker – Märchen (2009)

DieterHildebrandtFrontCoverDieter Hildebrandt serviert die Tondokumente der Mitschnitte aus Fernseh- und Rundfunknachrichten chronologisch; jedenfalls beginnt er mit Konrad Adenauer (1949), gefolgt von Franz Josef Strauß 1962), Hans Filbinger (1978), der Flick-Affaire (1984), Uwe Barschel (1987), Helmut Kohl (1990), Roland Koch (2000), Norbert Blüm (2001), Andrea Ypsilanti(2008).
Immer geht es um den Verdacht, dass da Menschen am Werk sind und in der politischen Arena agieren, mit dem Anspruch, die „absolute Wahrheit“ zu vertreten. Das aber, so lehrt uns die alte und neue Menschheitsgeschichte, ist immer von Übel und baut auf Lügengebäuden auf und mündet ein in das, was auch als „Arroganz der Macht“ bezeichnet wird. Hildebrandt beginnt sein „Politiker-Märchen“ denn auch mit: „Es war einmal…“ ein Volk, das auserwählt wurde von einem Kaiser, einem Führer…; und als dann die große Zeit der Amnesie, äh, Amnestie anbrach, als der Krieg zu Ende war und Deutschland in Schutt und Asche lag, da „hatten die Opfer beim Neubeginn keine Chance gegen die Täter“. Und so kamen dann viele von denjenigen (wieder) an die Macht, deren politisches Denken und Handeln wurzelte in den vergangenen, autoritären, monarchistischen und faschistischen Strukturen – eine notwendige Erinnerung angesichts der Schnellvergessenheit der Zeit und Geschichte.
Booklet
Natürlich wird es Widerspruch geben gegen die tönende Erinnerung; natürlich der Hildebrandt, der Linke, werden die einen sagen. Die Auswahl zeigt es ja: Bis auf den „Ausrutscher“ Ypsilanti, alles Konservative und Rechte. Die „Bösewichter“ werden von dem kabarettistischen Gauckler lautstark und unfair vorgeführt, wird es heißen. Und dann folgt (vermutlich) die Biertisch-Parole: „Alle Politiker lügen, … sind korrupt, … unehrlich, … unglaubwürdig… Die Anderen aber, die im Kabarett eine wichtige und notwendige Korrektur gegen politische Manipulation, Lügen und Machtmissbrauch erkennen (und das ist hoffentlich die Mehrheit der Bevölkerung!), werden, mit Genuss, einem Schmunzeln und einem Kopfnicken, dankbar sein für das Hervorholen von vielleicht vergessenen und verdrängten Sprüchen, die Lügen waren und bleiben. Sicherlich will Hildebrandt mit seinem Werk keine Retourkutschen fahren, auch kein „Ätsch-Ätsch“ ist dahinter zu vermuten; und schon gar kein erhobener Zeigefinger. Es ist eher der Versuch, „aus Lügen zu lernen“ und dabei mitzuhelfen, dass in unserer demokratischen und freiheitlichen Gesellschaft, die mittlerweile 60 Jahre hält, Wahrheit, Wahrhaftigkeit und Ehrlichkeit gegen Lügen, Manipulationen, Irrtümern und vermeintlichen politischen Strategien siegen und zum alltäglichen, politischen und gesellschaftlichen Umgang miteinander werden. Das könnte ein Wunsch und ein Ziel sein für den 60. Geburtstag der Bundesrepublik Deutschland, sicherlich auch im Sinne von Dieter Hildebrandt. Kabarettisten mit wachen Augen und Ohren und kritischem Blick brauchen wir weiterhin! (Jos Schnurer)
DieterHildebrandtPolitikerMärchen

Und man muss schon ein wenig die bundesdeutsche Geschichte kennen, um den wortgewaltigen Dieter Hildebrandt zu verstehen … für alle die daran Freude haben: Viel Vergnügen !

Und: ein unverzichtbares Hörbuch zum Verständnis der Geschichte der Bundesrepublik Deutschland … zumindest bis in das Jahr 2008.

BackCover

Titel:
01. Konrad Adenauer: Wiederbewaffnung der Bundesrepublik (1949) 6.48
02. Franz Josef Strauß: Spiegel-Affäre und Panzergeschäft (1962) 6.44
03. Hans Filbinger: Persönliche Schuld im Zweiten Weltkrieg ? (1978) 2.40
04. Das Celler Loch (1978)  3.20
05. Flick-Affäre (1984) 4.59
06. Uwe Barschel: „Mein Ehrenwort“ (1987) 3.29
07. Helmut Kohl: Blühende Landschaften (1990) 4.07
08. Roland Koch: „Brutalmögliche Aufklärung“ (2000) 2.50
09. Norbert Blüm: „Die Rente ist sicher“  (2001) 1.14
10. Andrea Ypsilanti: „Eigene Mehrheit ohne die Linkspartei“ 2008) 3.48
11. 60 Jahre Bundesrepublik – Eine Lobpreisung 7.35

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