Jens Kommnick – Kommick spielt Mey (2011) – Kommick spielt Mey (2011)

FrontCover1.jpgUnd nun wieder mal was ganz besonderes … der Begriff „Schmankerl“ ist fast schon eine Untertreibung:

Da haben wir den Reinhard Mey (den brauc´ich nicht weiter vorstellen) und dann haben wir den Jens Kommnick und der stellt sich mal selber vor:

Jens Kommnick lebt in Wremen – einem Fischerdorf an der Nordsee – und arbeitet als Musiker, Komponist, Arrangeur, Produzent und freier Autor. Er begann mit 11 Jahren begeistert das Gitarrespielen zu erlernen und orientierte sich dabei zunächst an Persönlichkeiten der Liedermacher- und Folkgitarristen-Szene (Reinhard Mey, Hannes Wader, Werner Lämmerhirt, etc.). Mit 15 Jahren hatte er seine ersten Soloauftritte als Gitarrist in deutschen Folkclubs. Zudem bekam er ein 4-jähriges Engagement beim Stadttheater Bremerhaven. Mit 17 kam er in Kontakt mit irischen Musikern, wodurch seine Liebe für die keltische Musik ausgelöst wurde und bis heute anhält.

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Seine Instrumente erlernte er hauptsächlich autodidaktisch. Zeitgleich mit seiner wachsenden Faszination für die keltische Musik studierte er klassische Gitarre und Kirchenorgel in Köln und lernte zudem Musiker/innen aus der lokalen Jazz-Szene kennen, wodurch er mit weiteren musikalischen Einflüssen in Berührung kam, die seinen Stil prägten. Es ergaben sich die verschiedensten Live- und Studioprojekte mit Persönlichkeiten wie Reinhard Mey, Liam O’Flynn, Werner Lämmerhirt, Klaus Weiland, Gerry O’Connor, Brendan Power, Allan Taylor, Tom McConville, Charlie McGettigan, Helmut Debus, John McSherry, Dónal O’Connor, Kevin Crawford, Cillian Vallely, Peter Kerlin oder Frank Bode sowie mit Gruppen wie Iontach, Limerick Junction, Liederjan und Lá Lugh. Jens ist an über 60 CD-Produktionen unterschiedlichsten akustischen Stils (Celtic Fingerstyle Guitar, Traditional & Contemporary Irish Music, Singer-Songwriter, Liedermacher, Musik für Kinder) beteiligt und dürfte landesweit der wohl meistgefragteste Studiomusiker dieser Szene sein.

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2012 wurde er – als erster und einziger Deutscher in der Geschichte überhaupt – „All Ireland Champion“; und das gleich doppelt: sowohl als Solist als auch als Begleiter. 2015 erhielt er für sein 3. Soloalbum „redwood“ den begehrten „Preis der deutschen Schallplattenkritik“. Schließlich arbeitet er als Gitarren- , Bouzouki- und Whistle-Lehrer auf zahlreichen Workshops in der ganzen Republik und im europäischen Ausland. (Selbstdarstellung)

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Und wann auch immer der Reinhard Mey den Jens Kommnick getroffen hat …. der Mey hatte jedenfalls im Jahr 2011 die Idee, dass just dieser Jens Kommnick mal ein Album mit akustischer Gitarrenmusik aufnehmen sollte … und dafür so etliche seiner Kompositionen als Basis nehmen sollte.

Gesagt, getan !

Und die Kompositionen von Reinhard Mey sind wirklich nur die Basis (und wahrlich keine schlechte Basis) … was der Jens Kommnick dann daraus gemacht ist schlicht und ergreifend sensationell. Und dabei bediente er sich niccht nur seiner Gitarre, sondern fügte nnoch diverse und ergänzende andere Instrumente hinzu … so entstand kein Album mit Klampfen-Musik, sondern ein Album, das voller musikalischer Überraschungen steckt.

Wenn´s nach mir ginge, müsste so ein Album wochenlang die Nummer 1 in den Charts sein … aber mich fragt ja keiner …

Ach ja … das Cover wurde von Jim Rakete fotografiert-.

Jens Kommnick03.jpg

Besetzung:
Jens Kommnick (guitar, bouzouki, mandolin, bass, cello, viola, violin, harp, piano, low whistle, uilleann pipes)

BackCover

Titel:
01. Die erste Stunde 3.09
02. Kleines Mädchen 3.04
03. Ich bin Klempner von Beruf 2.28
04. Berlin tut weh 2.55
05 Mein Kanapee 2:58
06. Ein Stück Musik von Hand gemacht 2.45
07. Es gibt keine Maikäfer mehr 4.12
08. Menschenjunges 3.51
09. Nachtflug 3.39
10. Die Kinderhosenballade 2.52
11. Drei Jahre und ein Tag 3.21
12 Danke, Liebe Gute Fee 4:17
13. Frühlingslied 2.37
14. Selig sind die Verrückten 3.36
15. Lebewohl, adieu, gute Nacht 4.39

Musik: Reinhard Mey

CD1

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Sebastian Engelbrecht – Oktoberfest in Taybeh (Radio-Reportage) (2011)

Beispiel01AEs gibt ja viele „Oktoberfeste“ auf der ganzen Welt: Naürlich in den USA, aber auch in Asien erfreut man sich an Oktoberfest-Plagiaten … Am meisten beeidnruckt hat mich allerdings jenes kleine Oktoberfest in Palästina, das es seit dem Jahre 2005 ausgerichtet wird.

Seit sieben Jahren feiern die Bewohner von Taybeh im Herbst das Oktoberfest. Das palästinensische Dorf liegt bei Ramallah im Westjordanland, wo das Biertrinken eigentlich überhaupt nicht zur Tradition gehört.

Taybeh hat 2000 Einwohner und ist einer der wenigen christlichen Orte in der Region inmitten muslimischer Dörfer und Städte.

In dem Dorf steht seit 1995 die einzige palästinensische Brauerei. Sie stellt ein hervorragendes Bier nach deutscher Braumethode her, das zwischen Mittelmeer und Jordan unübertroffen ist. Beim zweitägigen Oktoberfest genießen nicht nur die Bewohner von Taybeh ihr Bier, sondern auch bis zu 14 000 Gäste, darunter offiziell eingeladene Diplomaten aus 20 Ländern. In diesem Jahr spielt eine Band aus Brasilien, tanzen palästinensische Schüler – und die Festrede hält die palästinensische Tourismus-Ministerin.

Die Blaskapelle Leonberg hat beim Oktoberfest in Ramallah während ihres Auftrittes in Lederhosen und Tirolerhut sichtlich Spaß (2013)

Die Blaskapelle Leonberg hat beim Oktoberfest in Ramallah während ihres Auftrittes in Lederhosen und Tirolerhut sichtlich Spaß (2013)

Initiator des Oktoberfests ist die Unternehmerfamilie Khoury. Sie stellt den Bürgermeister und den Brauereidirektor.

Sebastian Engelbrecht hat die Familie und das Unternehmen in Taybeh besucht – und das Oktoberfest.

Die Radio-Reportage (24 Minuten) wurde 2011 u.a. im Bayerischen Rundfunk ausgestrahlt und natürlich ist dieses ganz spezielle Oktoberfest immer wqieder Anlaß um darüber speziell in bayerischen Zeitungen zu berichten, so wie z.B. in der „Mittelbayerischen Zeitung“(Oktober 2013):

„Ein Pro-hosit, ein Pro-hosit“ trompetet die bayerische Musikkapelle Leobendorf, das Bier fließt in Strömen und ein paar Lederhosen sind auch zu sehen. Soweit alles in Ordnung beim mittlerweile neunten Taybeh-Oktoberfest im Westjordanland. Erstmals fand es an diesem Wochenende nicht mehr in der kleinen Ortschaft Taybeh statt, sondern musste in ein Luxushotel in Ramallah verlegt werden.

Seit 2005 floss einmal im Jahr in Taybeh östlich von Ramallah fässerweise Bier aus den Zapfhähnen. Palästinenser, Israelis und Ausländer zog es in den einzigen überwiegend christlichen Ort im Westjordanland. 2000 Menschen leben hier, bis zu 16 000 Besucher trafen sich einmal im Jahr in den engen Gassen und tranken – undenkbar in anderen muslimischen Orten der Region – Bier auf offener Straße.

Der neuen Gemeindeverwaltung war dieses jährliche Treiben nun nicht mehr so recht. „Das Problem könnte das Bier sein“, sagt Nadim Khoury, der in Taybeh das gleichnamige Bier braut und das Fest ausrichtet, „nicht jeder hier mag Alkohol.“ Seine Schwägerin Maria Khoury versteht die Haltung der Verantwortlichen trotzdem nicht: „Wir reden hier von der erfolgreichsten Veranstaltung in Palästina.“ Ausgewichen sind sie nun in ein Nobel-Hotel in Ramallah. Dort drängen sich die Gäste am Pool. Es ist schwer, im muslimisch geprägten Westjordanland einen passenden Ort für ein Bierfest zu finden.

In Taybeh in Palästina ist 2008 die Blaskapelle Dürnbach vom Tegernsee zu Gast, um ein Oktoberfest zu feiern, bei dem auch die Nonnen des Ortes mitfeiern.

In Taybeh in Palästina ist 2008 die Blaskapelle Dürnbach vom Tegernsee zu Gast, um ein Oktoberfest zu feiern, bei dem auch die Nonnen des Ortes mitfeiern.

Darunter leidet die Atmosphäre des Festes, die Preise wurden erhöht, die Besucher aus den Dörfern um Taybeh fehlen. „Ich bin enttäuscht“, sagt Besucher Ahmed Alnasser. „Beim Oktoberfest geht es eigentlich darum, dass Menschen aller Religionen und Nationalitäten zusammen feiern.“ Eine Nationalität fehlt in diesem Jahr: Israelis wird von ihrem eigenen Staat untersagt, in die ganz unter palästinensischer Verwaltung stehenden Gebiete wie Ramallah zu fahren.

Madees Khoury

Madees Khoury

Maria Nieder (27) aus Kiel war schon in den vergangenen zwei Jahren beim Oktoberfest in Taybeh. Auch sie ist in diesem Jahr nicht zufrieden, aber: „Es ist besser, sie veranstalten das Fest hier als zum Beispiel in Nazareth“, sagt sie, „dort könnte ich nicht zusammen mit meinen palästinensischen Freunden hingehen.“

Die cleveren Bierbrauer aus Palästina haben nicht nur ihr Sortiment erweitert, sondern mittlerweile auch ihre erste Bierbrauerin:

Die Taybeh-Brauerei bietet jetzt sogar vier verschiedene Biersorten an: Ein dunkles, ein bitteres und ein alkoholfreies sind zum Golden noch hinzugekommen. Braucht ein Staat Palästina wirklich vier Biere? 98,5 Prozent seiner Bewohner sind Muslime, die keinen Alkohol trinken dürfen. »Das ist richtig«, sagt Khoury verschmitzt, »aber es halten sich nicht alle dran. Jedes Mal im Fastenmonat Ramadan bricht unser Absatz beim Bier ein.« Nun ist auch noch ist Davids Nichte Madees Khoury in den Betrieb eingestiegen. »Sie ist die erste arabische Bierbrauerin überhaupt«, sagt der Onkel voller Stolz: »Unser Bier ist unser Widerstand mit friedlichen Mitteln.«

Irgendwie kann man sich das so gar nicht vorstellen, aber auch das gehört in den bunten Geschichtsreigen des Oktoberfestes …

Und hier noch ein paar Bilder bevor es dann zur Präsentation geht:

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Beispiel07

Beispiel10

Beispiel11

Beispiel12

Und nun, 2014 musste das Oktoberfest in Taybeh abgesagt werden … kein Wunder bei der aktuellen politischen Lagen:

Beispiel05

Zu dieser Präsentation gehört der Radiomitschnitt, ein Beitrag aus der „Zeit“ (2012) sowie ein TV-Beitrag des Bayerischen Fernsehens aus dem Jahr 2014 über diese Brauerei in Palästina, die sich dem bayerischen Reinheitsgebot angeschlossen hat.

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Schorsch H. + Dr. Will – Together (2011)

FrontCover1Beide Musiker sind weitere Lokalmatadoren der Münchner/Oberbayerischen Blueszene: Schorsch H. sorgte mit seiner „Bagasch“ seit Jahren für Furore und Dr. Will hatte seine „Wizards“ und die waren auch nicht von schlechten Eltern.

Bereits im Dezmber 1980 stehen Schorsch H. und Dr. Will zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. In den folgenden drei Jahrzehnten entwickeln die beiden ihre eigenen Projekte. Auf der Bühne wie auch im Studio finden immer wieder Begegnungen der „familiären Art“ statt.

Zu ihrem 30jährigen Bühnenjubiläum haben die Münchner Bluesbrüder im Heimstudio Nummern von Tom Waits, den Stones, CCR, u.a.,
eigene Songs und Chicago-Blues aufgenommen! Das Ergebnis ist mal pur und handgemacht, mal mit Loops und originellen Sounds unter
legt, dabei immer rau und authentisch.

Die Vorfreude in der Münchner Szene war groß und sie wurde nicht enttäuscht:

Als Nordlicht wusste ich bislang nicht, wer oder was ein „Boandlkramer“ ist. Mir reichte es, wenn die Münchner Dialektmusiker Schorsch H. und Dr. Will davon sangen. In den Linernotes zu ihrer CD Together fragen sie, ob oberhalb der Donau überhaupt jemand wisse, wer der Boandlkramer ist. Nicht ohne, dass Schorsch dieser Frage die Schilderung eines eigenes Erlebnisses voran stellt: „Den Song hab ich geschrieben nach einem längeren Krankenhausaufenthalt, wo der ‚Boandlkraner’ schon einmal angeklopft hat. So schnell kriegst Du mich noch nicht – schleich dich wieder!“

Der Rest kommt mit Dialektgesang, schwerem Schlagzeug und einem dem Deltablues entlehnten Bottleneck-Gitarrenspiel daher. Der Text über die Ablehnung des Boandlkamers ist unspektakulär einfach und hält sich, was nicht unbedingt zu deutschen Liedformen passt, an das AAB-Bluesschema. Derlei Annäherungen an afroamerikanische Musikformen gehen SchorschWillin deutschen Landen meistens schief, diesmal aber passt es, ermöglicht durch die Lässigkeit des Vortrages und die Einfachheit der Aussage: Schorsch will den Boandlkamer nicht, aus Empathie für den Sänger will ich den Boandlkamer auch nicht, besonders nachdem die Recherche ergibt, dass der Boandlkamer der Tod ist. Nein, den will ich nicht. So einfach ist das. Ich bin dagegen, dass mir das Lebenslicht ausgeblasen wird. Und ich bin gegen alle Personifikationen derer, die mir das Lebenslicht ausblasen könnten, eben gegen alle Knochenhändler. (Was eine genauere Übersetzung des „Boandlkramers“ ist.) Davon muss der Schorsch aber nicht singen. Es reicht ein „Schleich di“ und der in einfache Worte und simple Kalenderweisheiten gefasste Wunsch, zu überleben. Jeder weiß, wer die Händler des Todes sind, um ihnen ein „Schleich di“ entgegen zu rufen.

Es ist eine Kunst, so etwas singen zu können. Keine gute ist es hingegen, Leitartikel oder Parteiprogramme zu vertonen, lehrpädagogische Lyrik mit Musik zu versetzen. In das Fettnäpfchen „Bedeutungsschwangere Belehrungslyrik“, tappen Schorsch und Dr. Will glücklicherweise nicht, diese Malaise deutscher Liedermacher lassen sie hinter sich, weil sie die Lehren aus afroamerikanischer Blues-, Folk- und Populärmusik gezogen haben. Das Erfolgsrezept dieser Musiken lautet: „Finde einfache Worte und einen individuellen Ausdruck, der so individuell ist, dass sich viele, viele Hörer damit identifizieren können.“ Aus Hank Williams wurde so der vielgerühmte „Shakespeare der amerikanischen Musik“, aus Robert Johnson ein „Meisterpoet der afroamerikanischer Erfahrung“. Eine kleine Pretiose wie „Schleich Di Boandlkramer“ lässt hören, was an (Protest-) Kultur in deutscher Sprache möglich ist, gerade auch, wenn nicht jedes Wort sofort verständlich ist. (Harald Justin)

Hach, und es gäbe noch soviel mehr über dieses famose Album zu erzählen … z.B., dass Bluesklassiker wie „Let´s Work Together“ oder „Early In The Morning“ auf köstliche Weise eingedeutscht wurden (allerdings arg boarisch gesungen sind) und dass das liebevolle booklet auch kleine Statements der beiden Musiker zu den einzelnen Songs enthölt (diesmal allerdings in hochdeutsch !)

Also: wer auf schräg-anarchische Bluesmusik mit bayerischer Prägung steht … dem kann ich nur empfehlen: zugreifen !

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Besetzung:
Schorsch H.(ampel) (all instruments, vocals)
Dr. Will (all instruments, vocals)
+
The Voodoo Dolls (background vocals bei 04. + 14.)

BookletBackCover1

Titel:
01. Candy Man (Hurt) 0.32
02. Alle Mitnander (Lets Work Together) (Harrison) 2.42
03. Red Rooster (Dixon) 2.57
04. Boom Boom (Hooker) 4.3
05. Blues Stay Away From Me (Delmore/Rainey/Glover) 2.33
06. Neili fruea am Moing (Early In The Morning) (Hickman/Jordan/Bartley) 2.27
07. Medley: Born On The Bayou and Suzie Q (Fogerty/Hawkins/Lewis/Broadwater) 4.47
08. Dead Flowers (Jagger/Richards) 3.59
09. Bo Diddley Blues + Jedn Dog (McDaniels/Hampel)  3.07
10. Union Square (Waits) 1.59
11. Little Sister (Leiber/Stoller) 2.48
12. The Moon Is Full Again (Bakker/Hampel) 3.40
13. Schleich di Boandlkramer (Hampel) 2.18
14. Iko Iko (Crawford) 1.51
15. You Got To Move (McDowell) 3.12
16. I Don´t Wanna Grow Up (Waits/Brennan) 4.03

CD1

 

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Thorsten Otto – Mensch Otto (ein Gespräch mit Hella Schwerla) (2011)

FrontCover1Da trinkt ein kleines Mädchen Schnaps, damit der Vater nicht soviel davon trinkt … und hört dann im Alter von 11 Jahren auf, Schnaps zu trinken. Das ist nur eine kleine biographische Notiz aus dem Leben der Hella Schwerla, einer absolut ungewöhnlichen Frau.

In diesem Radiogespräch mit dem Bayerischem Rundunk (hier: B3) gibt sie Auskunft über ihr facettenreiches Leben, bei dem einem mehr als einmal die Spucke wegbleibt.

Geboren im Emsland als viertes Kind eines Kleinbauern in einem Fünfhundert-Seelen-Dorf, einer katholischen Diaspora.Mit elf Jahren erster Roman für die Mitschüler, eine Fortsetzungsgeschichte, im vierzehntenJahrhundert angesiedelt.

Hospitanz bei einer Tageszeitung mit Buchverlag.In England und Frankreich als Au-Pair.
Reporterin der Illustrierten „Quick“, danach Redakteurin der Zeitschrift „Bunte“.
Erste Liebe, Heirat, Kind. Nach fünf Jahren Scheidung und freiberufliche Arbeit, als Möglichkeit,sich um das Kind kümmern zu können.

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Hella Schwerla, 22 Jahre im Biergarten

Seit den 80er Jahren:Reporterin und Autorin für den Hörfunk.An die fünfhundert Features und Hörspiele.Gleichzeitig und dann ausschließlich Autorin im Fernsehen, hauptsächlich in der „Unterhaltung“.Texte für Moderatoren, redaktionelle Arbeit, aber auch „vor“ der Kamera, wie für das Porträt über O. W. Fischer.

Begegnungen mit Heilern und Schamanen aus aller Welt.

Buchveröffentlichungen:
1988 „Catch your dreams“ Pseudonym Helena Kayn – Sachbuch

Autobiographisch gefärbte Romane:
1997 – „Auch Hexen können weinen“
2007 – „Prinzen, Parias und wilde Tiere – eine indische Reise“
2011 – „Der Polizist und die Frau“ über Sexualität älterer Frauen.
2014 – „Hitze, Dreck und Erleuchtung“ Im Kral eines afrikanischen Schamanen

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Hella Schwerla, 30 Jahre

Anlass für dieses Gespräch im Rahmen der BR-Sendereihe „Mensch Otto“ war der eben auch biographisch gefärbte Roman „Der Polizist und die Frau“ :

Regina Rosenthal, Psychologin, 63, eine attraktive, charismatische Frau, hat ein Leben hinter sich, in dem sie eines gelernt hat: Hinfallen und Wiederaufstehen. Freunde, Musik, Literatur und ihr Hund – genug für ein erfülltes Leben allein. Eine Beziehung, einen Mann hält sie inzwischen für überflüssig. Erotik: da reichen ihr die Fantasien.

Bis sie Mathias Sailer, 42, Streifenpolizist im Schichtdienst begegnet. Seit mehr als einem Jahrzehnt ist er Single und braucht eigentlich keine Frau, wie er gern betont. Sex-Affären ja, aber nichts, was nach Bindung aussieht. Er ist Autoerotiker wie Regina, lebt neben dem anstrengenden Dienst nahezu isoliert. Dann verliebt er sich in Regina und geht, ganz gegen seine Art, zum Sturmangriff über. Regina kapituliert. Beide sind glücklich, genießen die Sexualität, die Gefühle füreinander. Gleichzeitig haben sie Angst, ihre Freiheit zu verlieren. Mathias reagiert mit Rückzug, Regina gerät in ein Gefühlschaos wie in jungen Jahren. Sie erinnert sich an die Zeit der sexuellen Revolution und ihren Lieblingsspruch: „Wenn du nicht mit Buchdem sein kannst, den du liebst, liebe den, mit dem du bist.“ So verlässt sie Mathias, hat Liebeleien, versucht offene Beziehungen, lebt ihre Erotik mehr aus als vorher. Heftpflaster für den Schmerz.

Mathias vergräbt sich in den Beruf: „arbeiten, essen, schlafen, arbeiten“. Er spürt sich nicht mehr in seinem inneren Gefängnis. Die gedankliche Verbindung zu Regina reißt nie ab, und sie spürt seine Gedanken. Dann überschlagen sich die Ereignisse, und die hoffnungslose Romanze bekommt eine neue Wendung …

Es geht also auch um Erotik und Sexualität, und zwar bei einer älteren Frau … auch darüber gibt die Autorin in diesem Gespräch Auskunft, wenngleich auch nur andeutungsweise.

Die Autorin spricht also über ein Tabu (wenngleich in der heutigen Zeit dieses Tab „ältere Frau liebt deutlich jüngeren Mann“schon deutlich kleiner geworden ist) … und übrhaupt: Ihr ganzes Leben cheint ein einziger Tabubruch gewesen zu sein … gelegentlicht argwöhnte ich allerdings, dass wir es hier auch mit einer Frau zu tun haben, die eine sehr üppige Phantasie hat (der Begriff „Münchhausen“ kam mir hin und wieder in den Sinn, ob all der schier unglaublichen Erlebnisse).

Und ich gestehe: So faszinierend diese Biographie auch sein mag, so wichtig auch dieser Tabubruch auch sein mag … so ganz geheuer ist mir diese Frau nicht …

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Artikel in der Münchner Boulevard-Zeitung „tz“

Besetzung:
Hella Schwerla und Thomas Otto

Hella Schwerla01

Titel:
01. Thorsten Otto – ein Gespräch mit Hella Schwerla) 40.13

Thorsten Otto

Thorsten Otto

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Ermunterung

Mediation – Sehnsucht Leben (2011)

FrontCover1Nicht dass ich ein großer Freund christlicher Musik bin, wahrlich nicht. Aber ich akzeptiere sie halt als nicht wegzudenkenden teil unserer Geschichte und Kultur. Und von daher interessiert es mich gelegentlich, was sich auf dem Gebiet der christlichen Musik so alles tut.

Ein relativ aktuelles Beispiel ist diese CD der Formation „Mediation“.

Beworben wird sie so:

Mit der CD „Sehnsucht Leben“ präsentiert „Mediation“ eine große musikalische Vielfalt von afrikanischen Liedern bis hin zu rockigen Kirchensongs.

Die neue CD „Sehnsucht Leben“ kann nicht nur für „Insider“ des NGL (was auch immer das ist) eine Bereicherung sein, sondern für viele, die sich nach einem erfüllten Leben sehnen und die sich über den Zugang zur Musik neue Impulse für das eigene (Glaubens)leben erwünschen.
Außerdem ist sie vielseitig im pastoralen Kontext (Katechese, Exerzitien, Gottesdienst…) einsetzbar.“ (Quelle: Diözesanstelle Berufe in der Kirche, Bamberg)

Und so präsentiert sich die Band selber:

„Unter diesem Motto musiziert die Band Mediation seit ihrem ersten Auftritt am 24.12.1981 in der Christmette auf Burg Feuerstein.

Unser Name „Mediation“ kommt aus dem Lateinischen und bedeutet übersetzt „Vermittlung“. Unser Name ist für uns Programm. Wir wollen mit unserer Musik dem Zuhörer vermitteln, dass Kirche nicht konservativ und langweilig sein muss.

Unsere Aufgabe sehen wir darin, mit neuen geistlichen Liedern den Kirchen-besuchern eine stimmungsvolle Alternative zur klassischen Kirchenmusik zu bieten. Wir wünschen uns, dass die Zuhörer begeistert mitsingen und der Funke überspringt – wir wollen kein Konzert geben.

Mediation

Unsere Musik wird getragen vom mehrstimmigen Gesang, begleitet von Keyboards, Bass, Gitarren, Schlagzeug und Panflöte. Besonderen Spaß haben wir an reinen A-capella-Stücken. Neben der großen Auswahl an „Neuen geistlichen Liedern“ (NGL) haben wir auch Gospels, Spirituals, Eigenkompositionen und Lieder in senegalesischen Stammessprachen (Wolof, Serrer und Diola) im Repertoire. Für neue Liedwünsche sind wir offen.

Unsere Besetzung besteht derzeit aus acht aktiven Musikern.

Unsere Zuhörer sind der Grund dafür, dass es die Band nach über 25 Jahren immer noch gibt. Sie bestätigen uns mit ihrem Lob darin, unser musikalisches Hobby weiter auszuüben.

Unser Honorar ist grundsätzlich Nebensache, da wir kein kommerzielles Interesse verfolgen. Wir freuen uns natürlich über freiwillige Spenden und Spritgeld.“

Das Album ist handwerklich blitzsauber produziert (und der Gesang ist mehr als kompetent !) und die bunte Vielfalt der Lieder ist schon beeindruckend; insbesondere die Songs aus den USA oder Afrika erlebe ich schon als Bereicherung, auch wenn mich die „christliche“ Botschaft eher kalt lässt. Hat nicht auch Bob Dylan einen ganzen Songzyklus christlicher Lieder aufgenommen ? Hier findet man übrigens auch eine Komposition von Robbie Robertson (The Band) … Also: wahrlich kein schlechtes Album

Und dem Motto der Band kann ich nur zu 100% zustimmen:

„Musik, die die Seele nicht berührt, ist letztlich nur Geräusch!“

Booklet04A

Besetzung:
Johannes Berner (keyboards, vocals)
Karin Gerwien (guitar, vocals)
Michael Klecker (drums, vocals)
Ursula Niedermayer (guitar, vocals)
Michael Poßer (keyboards, vocals)
Helmut Voß (bass, vocals)
Marianne Walter (guitar, vocals)
Gabi Wunderlich (flute, vocals)

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Titel:
01. Freude (Etwas in mir) (Frey) 2.19
02. Laudate omnes gentes (Berthier) 1.16
03. Du unser Vater (Schönfelder/Wickendick) 1.50
04. Simjeno (Senegalesisches Marienlied) (Jouga) 1.45
05. Ein Licht in Dir geborgen (Linßen) 3.43
06. Shine Your Light (Robertson) 2.55
07. In Gottes Namen (Barth/Horst/Janssens) 2.55
08. Freunde, dass der Mandelzweig (Ben-Chorim/Baltruweit) 2.17
09. Gamano N`etam (Senegalesisches Danklied) (Jouga) 3.20
10. Da wohnt ein Sehnen tief in uns (Eckert/Quigley) 4.25
11. A tau u (Kyrie aus Südafrika) (Traditional) 1.18
12. Ich bin der Weinstock (Stimmer-Salzeder) 2.26
13. Let Us Break (Traditional) 1.54
14. Schritte wagen (Bittlinger) 4.43
15. Fear Not (Pringle) 3.29
16. Si ya hamba (v.Tonder) 1.40
17. Dies ist mein Gebot (Traditional/Schreiber/Tommek) 2.09
18. I Believe In Jesus (Nelson) 2.54
19. Jesus, wir sehen auf dich (Strauch) 1.54
20. Ein guter Geist (Bayer) 4.12

CD1

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Werner Pomrehn und Günther Jacob – Franz Josef Degenhardt ist tot (Radiomitschnitt) (2011)

Degenhardt1Es gibt sie noch: interessante Rundfunk-Sendungen und hier will ich mal ein passendes Beispiel präsentieren. Zum Tode von Franz-Josef Degenhardt gab es bei dem Sender FSK (Freies Sender Kombinat, Hamburg) eine 2stündige (!) Sondersendung … hier kann man sie nachhören, aber erstmal eine kleine Einführung:

„Für all diejenigen, die zu den Hochzeiten der BRD groß geworden sind, gehörte er zum Inventar. In der DDR war er als Teilnehmer an den Festivals des politischen Liedes präsent. Er sang über das Leben der Boheme und den kommunistischen Widerstand im 3. Reich, er hoffte auf die Kämpfe junger Arbeiter und Angestellter gegen Autoritarismus, Wiederbewaffnung und alte Nazis.

Werner Pomrehn (recycling-Redaktion) und Günther Jacob haben sich in einer Sendung auf dem FSK zwei Stunden lang dem Leben, Wirken und der Musik Franz Josef Degenhardts gewidmet, der am 14.11.2011 verstorben ist. Empfehlenswert auch der Nachruf von Beatpunk (ebenfalls in der Präsentation enthalten). Danke an W. für’s Zuspielen.“ (audioarchiv.blogsport.de)

Auch wenn ich wahrlich nicht alle Einschätzungen der Autoren dieser Sendung teile (ich halte weiterhin diese dumpf-kommunistische Haltung von DKP-Anhängern für auf tragische Weise falsch), so ist es dennoch ein Dokument engagierten Radios … und davon krieg ich irgendwie nie genug.

Aber, wenn ich mir den Degenhardt so in dieser Sendung höre, stelle ich fest, dass ich ihn eigentlich schleunigst hier mal ausführlicher präsentieren sollte. Denn seine bissige Art entspricht mir dann doch schon sehr …

Degenhardt2

Besetzung:
Günther Jacob (Sprecher)
Werner Pomrehn (Sprecher)
+
natürlich Franz Josef Degenhardt und seine Lieder

Werner Pomrehn im Studio des FSK. Er wurde 18 Jahre lang vom Verfassungsschutz beobachtet.

Werner Pomrehn

Titel:
01. Franz Josef Degenhardt ist tot 2.00.24

Redaktionelle Texte: Günther Jacob und Werner Pomrehn
Musik und Liedertexte: Franz Josef Degenhardt

Logo

Logo des Senders FSK

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David Garrett – Legacy (2011)

FrontCover1An diesem Typen scheiden sich wohl die Geister…

David Garrett (* 4. September 1980 als David Christian Bongartz in Aachen) ist ein deutscher Geiger.

Garrett wurde als mittleres der drei Kinder des deutschen Juristen und Geigenauktionators Georg Paul Bongartz und der US-amerikanischen Primaballerina Dove-Marie Garrett geboren. Im Alter von vier Jahren machte er seine ersten Versuche auf der Geige. Ersten Geigenunterricht erteilte ihm sein Vater, der nebenberuflich als Geigenlehrer arbeitete. Im Alter von fünf Jahren gewann Garrett einen Preis im Wettbewerb Jugend musiziert. Als er acht Jahre alt war, entschieden die Eltern, den Jungen unter dem Namen der Mutter auftreten zu lassen, da Garrett geläufiger klang als Bongartz. Im Alter von neun Jahren debütierte er beim Festival Kissinger Sommer. Mit zwölf erhielt er einen ersten Plattenvertrag und stand im Alter von 13 Jahren bereits exklusiv bei der Deutschen Grammophon unter Vertrag. Zusammen mit Claudio Abbado spielte er Mozart-Violinkonzerte ein. Als „größten Geiger seiner Generation“ bezeichnete ihn Yehudi Menuhin. Garrett gibt an, jeden Tag acht Stunden Geige geübt zu haben.[6] Von 1990 bis 1991 wurde Garrett von Zakhar Bron unterrichtet. Ab 1992 war er Schüler von Ida Haendel.

Garrett03Nach dem Abitur am Aachener Einhard-Gymnasium schrieb sich Garrett seinen Eltern zuliebe am Royal College of Music im nahen London ein, obwohl er eigentlich nach New York wollte. Er musste aber bald die Schule verlassen, da er die Vorlesungen nie besuchte, und zog mit 19 Jahren zu seinem Bruder, der damals in New York lebte und dort studierte. Garrett sagte in einem Interview: „Mir wurde immer alles aufoktroyiert: Was ich spielen sollte, wo ich auftreten sollte, was ich in Interviews sagen und nicht sagen sollte.“

1999 wechselte er nach New York, um die Juilliard School zu besuchen, wo er unter Itzhak Perlman studierte. 2003 gewann er den Kompositionswettbewerb der Schule mit einer Fuge im Stil von Johann Sebastian Bach.

In den folgenden Jahren versuchte er, sich trotz Widerständen als Musiker neu zu etablieren. Als sein nunmehr eigener Karrieremanager dachte er sich das Konzept für ein Crossover-Album aus, das er zusammen mit dem Londoner Plattenlabel Decca produzierte. Das Album aber wurde nie veröffentlicht, da die Plattenfirma nicht überzeugt war, dass das funktionieren würde. Den Durchbruch in Deutschland schaffte er 2006 mit dem Berliner Konzertveranstalter DEAG, der stark auf den Event-Charakter klassischer Konzerte setzt und Garretts Cross-Over-Projekt übernahm. Ein neues Image wurde für ihn geschneidert, das des Geigenrebellen. 2014 wird sein Crossover-Projekt mit einer Tour quer durch Deutschland fortgesetzt.

2009 entwarf er eine T-Shirt-Kollektion für das Modehaus s.Oliver und 2010 kam ein eigenes Parfum mit passendem Duschgel namens Rock Symphonies heraus.

Im Jahr 2013 spielte Garrett die Hauptrolle als Niccolò Paganini in Bernard Roses Literaturverfilmung Der Teufelsgeiger. Garrett war hier gleichzeitig Executive Producer.

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David Garrett mit Zubin Metha

Im Alter von 13 Jahren wurde ihm von der Aachener Talbot-Stiftung für mehrere Jahre eine von Antonio Stradivari gefertigte Violine, die sogenannte San Lorenzo Stradivarius von 1718, zur Verfügung gestellt. Seit 2003 besitzt er eine Violine von Giovanni Battista Guadagnini aus dem Jahre 1772 (diese wurde im Jahre 2008 bei einem Sturz schwer beschädigt). Seit 2010 spielt er wieder eine Stradivari (zur Verfügung gestellt vom anonym bleibenden Eigentümer): Die Ex A. Busch von 1716, die von 1913 bis 1933 im Besitze des Violinisten Adolf Busch war.

Von Ende Mai 2008 bis April 2010 war er im Guinness-Buch der Rekorde als schnellster Geiger der Welt eingetragen. Bei einem Auftritt in der britischen Fernsehshow Blue Peter spielte Garrett den Hummelflug von Rimski-Korsakow fehlerfrei in nur 66,56 Sekunden, das sind 13 Noten pro Sekunde. Seinen eigenen Rekord unterbot er am 20. Dezember 2008 bei der Guinness-World-Records-Show um 1,3 Sekunden mit einer Zeit von 65,26 Sekunden. Am 7. April 2010 wurde er von Ben Lee geschlagen: Lee benötigte 64,21 Sekunden für dasselbe Stück. Von 2008 bis 2009 war Garrett Botschafter der UNESCO.

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1996

Am 17. Oktober 2010 wurde Garrett in Essen der Echo Klassik, der renommierte Musikpreis der Deutschen Phono-Akademie, für seinen Spitzenplatz im Plattenverkauf als Bestseller des Jahres verliehen. Nur wenige Monate später erhielt er bei der 20. Echo-Musikverleihung am 24. März 2011 zwei Echos, einen in der Kategorie Erfolgreichste Musik-DVD-Produktion (national) und den anderen in der Kategorie Künstler Rock/Pop (national). Am 26. Oktober 2014 wurde er mit einem weiteren Echo Klassik in der Kategorie Bestseller des Jahres für sein Album Garrett vs. Paganini ausgezeichnet.
Kritik

In der Presse wurde er als ein „besonders schrilles Beispiel für einen genialischen Geiger, der trotzdem scheitert“,[18] als „Fernsehgeiger“, „Jörg Pilawa der klassischen Musik“, oder „David Hasselhoff der Klassik“[20] bezeichnet. Seine Musik wird unter anderem als „Softpornopopklassikjunkfood“ kritisiert.

Garrett06Garrett weist die Kritik regelmäßig als „Musik-Snobismus“ zurück und betont seinen Anspruch, mit seinem Mix aus E- und U-Musik Bevölkerungsgruppen erreichen zu wollen, die der Klassik sonst fernblieben. (Quelle: wikipedia)

Hier mal sein siebtes Album … und auch die seriöse Kritik kam nicht daran vorbei … lobende Worte zu finden:

David Garrett, ehemaliges Wunderkind der Violine, knüpft nach drei Crossover-Alben mit “Legacy” wieder an seine Wurzeln als Klassischer Musiker an. Dabei beruft er sich auf den musikalischen Grenzgänger Fritz Kreisler.

Auf seinem neuen Album “Legacy” hat David Garrett ein Programm zusammengestellt, das von Geschmack, Intelligenz und Humor zeugt. Mit einem Augenzwinkern könnte man sogar sagen, dass er auch diesmal wieder ein Crossover-Album abgeliefert hat – nun allerdings eines mit gehobenerem Anspruch: Klassik-Gigant Ludwig van Beethoven trifft auf den Meister der leichten musikalischen Unterhaltung Fritz Kreisler. Es ist ein Album, das voller Referenzen an große Vorbilder steckt und die eigene Arbeit der vergangenen Jahre reflektiert. David Garretts persönlichstes Werk ist es insofern, als er sich mit der Aufnahme des Violinkonzerts in D-dur von Beethoven einen Lebenstraum erfüllt hat, wie er im eigenhändig verfassten Begleittext des Albums schreibt. Und auch deshalb, weil er einen der eigenwilligsten Geigenvirtuosen der Geschichte ins Zentrum des Albums stellt und als geistigen Vater präsentiert: Fritz Kreisler.

Das Beethovensche Violinkonzert gilt heute als Höhepunkt seiner Gattung. Allerdings bedurfte es nach der Vollendung und Uraufführung einiger Jahrzehnte, bis die nachhaltige Bedeutung und Wirkung dieser Komposition erkannt wurden. Denn es hatte nicht den oberflächlichen, effektvollen Glanz der seinerzeit modischen Showstücke für Virtuosen, sondern ist einem Ideal verpflichtet, in dem Solostimme und Orchester einander gleichberechtigt gegenüber stehen. Damit ist das Werk mit dem tief bewegenden Mittelsatz ein idealer Repräsentant des künstlerischen Selbstverständnisses des Klassischen Musikers David Garrett. Die Wiederentdeckung des Konzerts verdanken wir übrigens einem der Wunderkinder in der Geschichte der Violine, dem damals erst 12-jährigen Joseph Joachim. Seine 1844er Londoner Aufführung unter der Leitung des Dirigenten Felix Mendelssohn war ein Triumph und half, das Werk im Repertoire zu verankern.

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Die so genannte Kadenz ist ein Formteil in Klassischen Konzerten, der ursprünglich der freien Gestaltung des Solisten überlassen war, ähnlich wie die Soloparts in der Jazzmusik. David Garrett hat für seine Einspielung des Beethoven-Violinkonzerts eine überlieferte Kadenz gewählt, die er für besonders gelungen hält. Sie stammt von dem Violinisten Fritz Kreisler, vor 100 Jahren Publikumsliebling der Massen. Und wie David Garrett heute ist auch jener stets lustvoll auf dem schmalen Grat zwischen so genannter trivialer und anspruchsvoller Musik balanciert. Doch trotz der in seinen eigenen Kompositionen deutlich werdenden Vorliebe für leichtere musikalische Kost gab es kaum Zweifel an seiner Kompetenz als Interpret Klassischer Musik. Es waren aber seine leichten eigenen Stücke, mit denen er die Welt erobert habe, so Margaret Campbell in ihrem Buch “Die großen Geiger”. Es sei diese Musik gewesen, die das Publikum habe hören wollen und die auf Schallplatten millionenfach verkauft wurde. Seine Stücke seien dabei alles andere als trivial, sondern in ihrer Art oft kleine Meisterwerke gewesen.

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Für das neue Album hat David Garrett eine persönliche Auswahl seiner Kreisler-Favoriten arrangiert und eingespielt. Und auf sehr unterhaltsame Weise erzählt er uns auf “Legacy” im Grunde auch einen Teil seiner eigenen musikalische Geschichte. (Quelle: klassikakzente.de)

Und natürlich kann man über seine Gehabe geteilter Meinung sein (Mein holdes Eheweib spricht seinen Namen so aus, als hätte sie E 605 auf der Zunge …)

Aber eins muss man ihn lassen … er kann spielen wie der Teufel …

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Besetzung:
David Garrett (violin)
+
The Royal Philharmonic Orchestra unter der Leitung von Ion Marin

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Titel:

Ludwig Van Beethoven – Concerto for Violin And Orchestra In D, Op. 61:
01. Allegro Ma Non Troppo 25.05
02. Larghetto 9.39
03. Rondo (Allegro) 10.05

Fritz Kreisler:
04. Praeludium And Allegro in the Style of Pugnani 6.16
05. Variation 18 From Rhapsody on a Theme Of Paganini for Piano and Orchestra, Op. 43 by Sergei Rachmaninov 3-08
06. Caprice Viennoise, Op. 2 4.32
07. Variations on a Theme of Corelli in the Style of Tartini 3.40
08. Romance: Larghetto on a Theme by Carl Maria Von Weber 3.23
09- Tambourin Chinois, Op. 3 4.02
10. Liebeslied 4.37

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Live in Baden Baden, 2011

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