Weihnachten 2018 (11): Pe Werner – Ne Prise Zimt (2013)

FrontCover1.jpgAlso, ich bin schon ein ziemlicher Pe Werner Fan, fast bin ich geneigt zu sagen:Ich bin ganz schön vernarrt ihn sie und da kommt mir dieses ganz spezielle Weihnachts/Winter-Album genau recht.

Als „Feinkost für die Ohren“ wurde Pe Werners Repertoire einmal bezeichnet. Mit ihrem Album Ne Prise Zimt nuanciert Sängerin mit der herzerwärmenden Stimme nun auch die kalte Jahreszeit. Die CD beinhaltet swingendes Winterrepertoire mit Ganzjahrestauglichkeit und würzt natürlich auch die weihnachtliche Vorfreude. Das Klangbild ist perfekt dafür geschaffen: Die hr Bigband co-produzierte und spielte mit partieller Unterstützung des Deutschen Filmorchesters Babelsberg 13 winterzauberhafte Popjazz-Titel ein. Soulig, groovy und poppig glitzernd. Das klug betextete Repertoire zwischen Big Band-Brenner und Ballade entstammt mit zwei Ausnahmen der Feder Pe Werners. Jeder, der im Winter seinen Platz in der Küche vor der heißen Platte liebt, wird in dieser Platte mehr als nur eine geschmackvolle musikalische Begleitung zum Backen und Braten finden:  Meisterkoch Alfons Schuhbeck steuerte dem Digipak nämlich ein entnehmbares Kochbuch mit ausgewählten Zimtrezepten bei. Man darf es also ruhig vorab einmal sagen: Ob am Herd, vorm Kamin oder auf ausgedehnter Dezember-Tournee, Pe Werners Prise Zimt wird ihre Fans – so oder so – zum Kochen bringen. (Werbetext)

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Aus dem Schuhbeck Begleitheft mit diversen Zimt-Rezepten

Pe Werner ist seit rund einem Vierteljahrhundert eine feste, eigene Größe der deutschen Musiklandschaft und kann mich mit ihrem neuen Album „Ne Prise Zimt“ endlich wieder voll vom Konzept Weihnachtsalbum überzeugen. Doch das kommt nicht von ungefähr. Die 13 Songs des Sets sind Eigenkompositionen, haben Schmiss.

Dabei sind sie überaus unterhaltsam und akkurat, aber nie bedeutungsschwanger und steril produziert. Sie leben natürlich in erster Linie von Werners oft augenzwinkernden Texten, die mal süß und verträumt, mal nachdenklich und sorglos zugleich scheinen. Eine kleine Kunst für sich, diese textliche Gratwanderung.

Booklet04A.jpgDabei klingt das Album trotz aller schnittigen Bläsersätze und samtener Einspieler der HR Bigband auch wie ein Pop-Album, dass man grundsätzlich sehr leicht verstehen kann, ohne gleich – ein noch immer real existierendes Problem deutscher Popularmusik – in Fremdschämen zu versinken. So etwas schafft eben nur eine Galionsfigur von Format einer Pe Werner.

„Ne Prise Zimt“ kommt auch haptisch sehr überzeugend und weihnachtlich rüber, offeriert neben der fast edlen Optik und dem dicken, schicken Booklet auch gleich ein kleines Weihnachtskochbuch von Starkoch Alfons Schuhbeck.

Pe Werners neues Album „Ne Prise Zimt“ dürfte sicher eines der besten deutschsprachigen Weihnachtsalben im Zeichen von Jazz aber auch von Pop sein, das es bis heute auf dem Markt gibt: süffisant, selbstironisch und musikalisch einfach wunderbar. (Michael Arensa)

„Ne Prise Zimt“ gehört sicher zu den schönsten und fesselndsten deutschsprachigen Weihnachtssongs, die je im Zeichen von Jazz und Pop komponiert wurden. Das Lied ist romantisch, süffisant, selbstironisch und musikalisch einfach wunderbar. Erstmals veröffentlicht wurde der Song auf dem gleichnamigen Album aus dem Jahr 2013. Arrangiert und eingespielt wurde der Titel mit der HR-Bigband und zusätzlicher Unterstützung des Deutschen Filmorchesters Babelsberg.

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Herausgekommen ist diese zauberhafte, weihnachtliche Popjazz-Ballade, die uns Weihnachten nicht nur als besinnliches, sondern auch sinnliches Fest im Kopfkino hervorzaubert. Es ist ein Lied, das von Anfang bis zum Ende berührt, verführt und auch zum Schmunzeln animiert. (smago.de)

Eines der interessantesten Weihnachtsalben überhaupt, aber, habe ich eigentlich schon erwähnt, dass ich in die Pe Werner ganz schön vernarrt bin ?

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Von diesem Konzert hätte ich doch gerne einen Mitschnitt … es wurde nämlich im Rundfunk überragen

Besetzung:
Per Werner (vocals)
+
HR Big-Band unter der Leitung von Manfred Honetschläger
Martin Auer (trumpet, flugelhorn)
Günter Bollmann (trombone)
Peter Feil (trombone)
Achim Hartmann (trombone)
Thomas Heidepriem (bass)
Rainer Heute (saxophone, flute, clarinet)
Jean-Paul Höchstädter (drums)
Christian Jaksjo (trombone)
Tony Lakatos (saxophone)
Oliver Leicht (saxophone, flute, clarinet)
Roland Peil (percussion)
Peter Reiter (keyboards)
Heinz-Dieter Sauerborn (saxophone, flute, clarinet)
Martin Scales (guitar)
Axel Schlosser (trumpet, flugelhorn)
Frank Siegemund (accordion)
Thomas Vogel (trumpet, flugelhorn)
Steffen Weber (saxophone, flute, clarinet)
Frank Wellert (trumpet, flugelhorn)
+
Deutsches Filmorchester Babelsberg

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Titel:
01. Nikolaus (Honetschläger/Werner) 2.21
02. Ne Prise Zimt (Werner) 3.38
03. Das Weihnachts-ABC (Kaempfert/Gabler/Werner) 2.25
04. Lass es schnein (Werner) 4.44
05. Die Bahnhofsdrogerie (Werner) 3.17
06. Geparkte Männer (Langer/Gwildis/Neumann/Werner) 4.05
07. Glaube an den Weihnachtsmann (Werner) 3.53
08. Viel zu kalt (Werner) 3.12
09. Gans oder gar nicht (Werner) 2.49
10. Fasten im Advent (Honetschläger/Werner) 3.11
11. Schnee von gestern (Werner) 4.03
12. Ich zünd die Kerzen nicht mehr an (Werner) 4.06
13.01.Segler aus Papier  (Werner) 2.53
13.02. Merry Christmas (*) (Werner) 3.40

(*) Hidden Track live aufgenommen im Kurhaus Wiesbaden. (Der Hidden Track folgt nach ca. drei Minuten Stille nach dem Ende von „Segler Aus Papier“.)

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Weil sie naht, die Nacht der Nächte
wär es vorteilhaft man dächte
so ab Mitte, Ende Mai
an die Weihnachts-Shopperei
man neigt in Geschenke-Fragen
gern dazu, sie zu vertagen
dann stehst du da am stillen Abend
nicht ein kleines Päckchen habend

Für´ n Juwelier viel zu spät
oder für´ s ordern im Internet
alle Läden längstens dicht
nur eine Goldgrube nicht:

Die, die, die Bahnhofsdrogerie (es lebe)
die, die, die Bahnhofsdrogerie
bist du kein do–it-your-Selfer
dann ist sie dein Freund und Helfer
die, die, die Bahnhofsdrogerie

Pralinen, Socken, Hundefutter
Duschgel für die Schwiegermutter
Schaumwein, Kerzen, Froteeware
alles für und gegen Haare
soll es was mit Schleifchen sein
packt´ s die Azubine ein
wer sagt denn, dass es schlecht ausgeht,
wenn einer nur Bahnhof versteht

Die, die, die Bahnhofsdrogerie (ein Hoch auf)
die, die, die Bahnhofsdrogerie
bist du ein fünf-vor-Zwölfer,
dann ist sie dein Freund und Helfer
die, die, die Bahnhofsdrogerie

Hast du zum Gutscheindrucken kein Papier
für´ s Plätzchen backen wollen kein Ei mehr
kriechst du Geschenke-arm auf allen Viern
kommst Du hier sicher untern Rettungsschirm

(Denn Gott schuf)
die, die, die Bahnhofsdrogerie (es lebe)
die, die, die Bahnhofsdrogerie
die, die, die Bahnhofsdrogerie (die,die,die)
die, die, die Bahnhofsdrogerie
sie kann dein Weihnachtsblättchen wenden
du kommst nie mit leeren Händen
denn da ist die Bahnhofsdrogerie
die Bahnhofsdrogerie

Weihnachten 2018 (05): Quadro Nuevo – Bethlehem (2013)

FrontCover1Das Ausnahme-Ensemble Quadro Nuevo hatte ja bereits im Jahr 2008 mit ihrem Album „Weihnacht“ überrascht, denn es gelang ihnen damals schier mühelos, ihr komplexes Musikverständnis auf traditionelle Weihnachtslieder zu übertragen. Und erfolgreich war dieses Album wohl auch … (hören kann man es hier)

Was lag also näher, nach geraumer Zeit ein weiteres Weihnachtsalbum zu veröffentlichen:

Einerseits sind sie vielfältig, andererseits unverwechselbar: Quadro Nuevo, vier Welt-Musiker aus Bayern, die spielen, was ihnen gefällt und zwar so, wie es ihnen gefällt. In einer Stilmischung aus Tango, Jazz, Klezmer und alpenländischer oder auch mal orientalisch angehauchter Folklore. Zutaten und Mischungsverhältnis sind immer wieder ein bisschen anders. Der Sound bleibt dabei aber immer typisch Quadro Nuevo.

Schon vor fünf Jahren hat das Quartett ein Weihnachtsalbum herausgebracht. Das bestand zum größten Teil aus Neuversionen bekannter deutscher Weihnachtslieder wie „Stille Nacht“, „Es ist ein Ros entsprungen“ oder „Süßer die Glocken nie klingen“.

Die neue CD von Quadro Nuevo mit dem Titel „Bethlehem“ widmet sich ebenfalls dem Weihnachtsthema, allerdings nicht nur auf solchen ganz breit ausgetretenen Wegen.

Auf sanft schaukelnden Wellen kommt es angefahren: das Schiff, das im alten Adventslied „Es kommt ein Schiff geladen“ eine teure Last trägt, und dessen Segel gewoben sind aus lauter Liebe.

QuadroNuevo
Weihnachtliche Musik aus verschiedenen Himmelsrichtungen: Das ist die Fracht, mit der das Quadro Nuevo bei uns anlegen will – und auch hier ist eine Menge Liebe mit an Bord. Das Thema Weihnachten ist den vier Musikern aus Bayern offenbar eine Herzensangelegenheit. Besinnlich bis sehr besinnlich gestalten sie insgesamt die Atmosphäre auf ihrem Weihnachtsalbum „Bethlehem“. Das reicht von der ernst-andächtigen Frage „Wie soll ich dich empfangen“ bis hin zur Schmusestimmung vor dem Kamin in „Christmas Time Is Here“.

Wie viel Gefühligkeit jemand um Weihnachten herum verträgt, das ist von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich. Zu allergisch sollte man jedenfalls nicht darauf reagieren, wenn man an dieser CD Freude haben will. Allerdings verträgt sich der typische weiche Quadro-Nuevo-Sound tatsächlich am besten mit den hierzulande weniger bekannten Stücken, die eben nicht ganz so vordergründig das Thema bedienen.

Der Charme des Programms besteht eindeutig in seiner Vielseitigkeit, nicht nur, was die geografische Herkunft der Musik angeht. Jedes Band-Mitglied hat eigene Arrangements beigesteuert. Und am Anfang eines Stücks weiß man als Zuhörer nie, ob aus einer gut-bayrischen Zither-Musik nicht doch noch ein Bossa Nova wird oder umgekehrt. Das Quadro Nuevo balanciert mit seiner neuen CD kunstvoll zwischen Christmas-Mainstream und Weltmusik-Nische – gelegentliches leichtes Schwanken mit einbegriffen. (Franziska v. Busse)

Und nachdem ich ja durchaus auch eine Ader für romantisch-kitschige Momente haben, stören mich diese leichten Schwankung in keinster Weise. Und besonders erwähnenswert finde ich, dass man zu den einzelnen Melodien liebevoll und kenntnisreich zusammengetragene Informationen erhält. Genauso so es sein !

Und damit beende ich meinen Reigen weihnachtlicher Texte und Klänge … und vieles fand keine Berücksichtigung (von Lolita bis Gerhard Polt) … Also packe ich die Sachen zusammen und werde sie dann nächstes Jahr im Dezember (so Gott will) wieder an meinen Schreibtisch stellen …

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Besetzung:
Mulo Francel (saxophone, clarinet, sansula, mandoline, mandola, guitar, flute)
Andreas Hinterseher (accordeon, bandoneon, vibrandoneon, indian drum, glockenspiel)
Evelyn Huber (harp, salterio)
D.D. Lowka (bass, percussion, xylophon, steel drum, flute)
+
Chris Gall (piano bei 01., 13., 15. + 19.)
Joscho Stephan (guitar bei 03. + 10.)

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Titel:
01. Ich steh´ an deiner Krippe hier (Traditional) 4.15
02. Shtil di Nakht is oysgesternt (Glik) 3.05
03. Tochter Zion (Traditional) 6.07
04. Es kommt ein Schiff geladen (Traditional) 4.08
05. Jul, jul, strålande jul (Nordquist) 4.45
06. Fröhliche Weihnacht (Traditional) 3.17
07. Leise rieselt der Schnee (Traditional) 2.21
08. Alle Jahre wieder (Traditional) 3.54
09. Seht, die gute Zeit ist nah (Traditional) 2.50
10. Christmas Time Is Here (Guaraldi) 7.08
11. Wie soll ich dich empfangen (Bach) 4.37
12. There Is No Rose Of Such Virtue (Traditional) 5.05
13. Schtschedryk: Carol Of The Bells (Traditional) 4.35
14. Noël (Fauré) 5.02
15. Pip pip pip prez woknjesko (Traditional) 3.10
16. Als Maria übers Gebirge ging (Traditional) 2.06
17. Huron Carol (Traditional) 4.06
18. Sieh die Morgenröte (Traditional) 2.16
19. Rorate (Traditional) 3.42
20. Oj Maluśki, Maluśki, Maluśki (Traditional) 3.00

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Eins zu Eins Talk (Bayern 2) (Teil 1): Dieter Hildebrandt (19.06.2013)

LogoHildebrandtIch will mit diesem Interview eine neue Serie starten, die ich in unregelmässigen Folgen hier präsentieren will. Es handelt sich um Interviews, die der Bayerische Rundfunk in seinem Kanal “Bayern 2″ regelmässig veröffentlicht.

Das Konzept dieser Serie:

“”Eins zu Eins” bedeutet: Gespräche unter vier Augen. Über Erfahrungen und Einsichten, über einschneidende Erlebnisse und große Erfolge. Biografische Gespräche mit Menschen, die eine spannende Lebensgeschichte oder einen außergewöhnlichen Beruf haben. Menschen, die etwas bewegen – aus persönlichem Engagement heraus oder durch ihre Position in Politik, Kultur und Wissenschaft. Zu Wort kommen bislang Unbekannte, aber auch Stars und Prominente. Es geht um die Person und die Persönlichkeit.”

 

Und nur zu gerne beginne ich diese Serie mit einem Interview mit Dieter Hildebrandt vom 19.06.2013 … :

Ohne ihn wäre das Kabarett nicht, was es heute ist. Dieter Hildebrandt hat mit seinem wachen Geist und seiner pointierten Art das politische Personal der Bundesrepublik wie kein anderer kritisiert und vorgeführt.

Kurz nach diesem Interview erhielt er wohl die Diagnose Prostatakrebs, am Morgen des 20. November 2013 starb Hildebrandt im Alter von 86 Jahren in einem Münchner Krankenhaus an den Folgen dieser Krankheit.

Daher ist dieses Interview wohl eines der letzten akustischen Dokumente von Hildebrandt … Und er gibt Auskunft über den Lauf seines Lebens … und dass Dieter Hildebrandt viel zu erzählen hat, bräuchte man eigentlich gar nicht zu erwähnen … und man kann ihn rappen hören …

Die Moderation hatte Achim Bogdahn

 

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Zither-Manä – Coole Zeid (2013)

FrontCover1Der „Zither Manä“ ist schlicht und ergreifend ein Urgestein der bayerischen Kleinkunstszene …

Der Zither-Manä (* 6. März 1947 in München als Manfred Zick) ist ein bayerischer Zitherspieler, pensionierter Berufsschullehrer und ein Vertreter der sogenannten Neuen Volksmusik.

Bereits im Alter von neuen Jahren erlernte er zunächst das Zither-, später das Gitarrespielen. Erste Bühnenerfahrung sammelte er im volkstümlichen Bereich, als er zusammen mit seinem Vater als Gitarrist auftrat. Nach der Mittleren Reife (heute: Realschulabschluss) begann er am Münchener Polytechnikum zu studieren, um später für einen Diplomstudiengang an die Technische Universität zu wechseln. Sein Ingenieurstudium der Elektroakustik finanzierte er als Rockmusiker. Nach einem ergänzenden Lehramtsstudium für Quereinsteiger begann er 1974/75 seine Beamtenlaufbahn als Referendar am Staatlichen Studienseminar Südbayern. Danach arbeitete der verbeamtete Berufsschullehrer bis zu seinem Vorruhestand im Jahr 2010 als Mathematik- und EDV-Lehrer sowie in der Lehrerfortbildung, zuletzt in der Position eines Studiendirektors. Daneben betrieb er weiterhin seine Karriere als Musiker. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählt er so widersprüchliche musikalische Persönlichkeiten wie Chuck Berry, Freddy Quinn, Hannes Wader, Dieter Süverkrüp, Kiem Pauli und den Kraudn Sepp.

Der Zither-Manä war zunächst als Interpret von Volksmusik unterwegs, bis es am 6. Januar 1980 im Gasthof Nägele in Wörnsmühl bei Miesbach zu einer Session mit zwei Rockgitarristen kam. Der Zither-Manä erkannte die Möglichkeiten, die Zither als Improvisationsinstrument für Rock- und Bluesmusik zu nutzen. Das erste Solokonzert mit der Mischung aus traditioneller Volksmusik und Anleihen aus der Rockmusik und dem typischen Zither-Manä-Sound der elektronisch verstärkten und verzerrten Zither erfolgte in der Liederbühne Robinson in München.

Ab 1988 arbeitete der Zither-Manä hauptsächlich mit dem Bassisten H. H. Babe alias Hartmut Hotzel zusammen. Seit 2007 ist er nur noch solo auf Tournee. 2012 erhielt er die „Goldene Zither“, ein Ehrenpreis für seine Verdienste um die Weiterentwicklung der Zither und der Technik. Die Laudatio kam von Günther Sigl von der Spider Murphy Gang. (Quelle: wikipedia)

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Als der Zither Manä im letzten Jahr dieses Album veröffentlichte … ja es war sein erstes Album nach 15 Jahren, aber das warten hatte sich gelohnt :
Als ich diese CD in die Hand bekam, war ich erst einmal recht skeptisch. Zither Manä – Album „Coole Zeid“ … Das klingt recht stark nach Volksmusik, dachte ich. Mehr noch, irgendwie nach Mainstreamvolksmusik, Möchtegernkunst und Ähnlichem. Damit wir uns nicht falsch verstehen: traditionelle Musik, auch und gerade mit traditionellen Instrumenten gespielt und in Mundart, kann wirklich richtig gut sein, ist aber mindestens genauso oft eher Lärm als Musik. Wenn ich dann an Zither und bayrischen Dialekt oder Dudelsack und Plattdeutsch und ähnliches denke, kommt mir eine Flut von aktuellen Produktionen in den Sinn, die bei mir alles andere als Entzücken hervorrufen. Beim Album „Coole Zeid“ stellte mich also auf sowas wie das Harry-Lime-Thema aus „Der dritte Mann“, vielleicht sogar mit einem Jodler oder ähnlichen Stilmitteln angereichert, ein. Ich staunte nicht schlecht, wie weit das, was es auf dem Album zu hören gibt, von meinem Klischee abweicht.

Kaum klingen die ersten Töne des Titelsongs „Coole Zeid“ wird klar: Das ist musikalisch ganz starker, lupenreiner Rhythm & Blues. Daran haben zwar vor allem auch die Musiker, die Manfred Zick alias Zither Manä begleiten, einen riesigen Anteil. Denn von der typischen Zither hört man nur eingangs etwas, bevor sie hinter den super zusammenspielenden Instrumenten der Band (Mundharmonika: Ferdl Eichner | Gitarre: Frank Schimann | Schlagzeug: Thomas Bittner) zu verschwinden scheint. Man hört sie erst wieder in der Schlusssequenz des Songs, wo sie dann doch irgendwie nach dem „dritten Mann“ klingt. Doch schon in diesen kurzen Passagen wirkt die Zither originell und ist nicht nur „zu verkraften“.
Was den Gesang angeht, so ist Zick unüberhörbar Bayer. Doch nicht nur wegen der unverkennbaren Sprachfärbung sollte man genau hinhören. Trotz des bayrischen Akzents sind alle Texte sehr gut zu verstehen und es lohnt vor allem wegen deren Inhalten gut zuzuhören. Diese reichen von Alltagsthemen bis zu recht scharfzüngiger Gesellschaftskritik, und sind verpackt in feinstem Blues. Nicht selten ist eine ordentliche Portion Humor dabei, die allerdings gelegentlich etwas übertrieben wirkt. So sind die beiden Sprach- und Witzpassagen („Beamtenstilblüten“ und „Frauen über Männer“) auf der CD nicht wirklich nach meinem Geschmack. Das wirkt wie „fishing for compliments“, auch wenn die Themen sich in Liedern auf der CD wiederfinden. Für meine Begriffe hätte Zither Manä das nicht nötig gehabt.

Darüber hinaus wird auch englisch gesungen. Auch hier hört man mitunter die landsmännische Färbung heraus. Doch das stört – mich zumindest – wenig, besonders wenn wie beim zweiten Titel „Come on in my kitchen“ ein fantastisch bluesender Satzgesang zu hören ist. Je länger man zuhört, je mehr wird man mitgerissen. Zugleich kann man hören, dass die Zither, wenn man sie denn spielen kann, gar kein so exotisches oder langweiliges Instrument ist, wie man vielleicht annimmt. Und spielen kann Manfred Zick die Zither. Wenn er sein Instrument so richtig traktiert, dann kommen mir Gedanken an die amerikanische Volksmusik in den Sinn. Bei „Die Wüste lebt“ kann man sich schon mal fragen, ob die amerikanische Steel Guitar und spezielle Spielweisen im Blues vielleicht bayrische Wurzeln haben könnten. Ein grandioses Stück deutschen Blues. Zudem ist es beim genaueren Hinhören interessant, wie vielfältig die verschiedenen Zithern klingen können. Wie von Zick gespielt, macht die Zither jeder Gitarre große Konkurrenz.

Natürlich gibt es auch Songs, die das Zither- und Bayernklischee für das ungeübte Ohr 100%-ig bestätigen. So kann ich mit dem Titel „Faschingsnacht“ ganz und gar nichts anfangen. Auch „Andreas Trischberger“ ist ein Folklorestück, aber viel ansprechender als das Stück „Faschingsnacht“. Im Stück „Andreas Trischberger“ wird Zither in Perfektion gespielt. Das Stück ist dadurch sehr stimmig und erinnert sehr an ein gutes altes Bänkellied. Doch es gibt weit mehr, was mir musikalisch gut gefallen hat, und das soll nicht unerwähnt bleiben. Zugegeben, ich halte die CD nicht für das ultimative Meisterwerk schlechthin oder den Überflieger der Musikszene, doch sie ist in vielerlei Hinsicht hörenswert. Nicht nur für den Fankreis des Zither Manä. Wer sich auf „Coole Zeid“ einlässt, wird überrascht sein von dem, was er zu Gehör bekommt. Die CD in eine Schublade zu packen ist schlicht unmöglich. Dazu ist sie musikalisch und inhaltlich viel zu weit gefasst und abwechslungsreich. Mehrfach werden bekannte Titel aller Genres gecovert. So ist „Es dunkelt schon wieder in Deutschland“ eine gekonnte, tolle Fassung des Volksliedes „Es dunkelt schon in der Heide“, mit bissigem Text und einem sensationellen Übergang zum Blues. Leider ist es gesangstechnisch nicht das stärkste Stück der CD. Ein anderes tolles Cover ist „Cry to me“, ein Blues von Solomon Burke, der quasi 1:1 gecovert wurde und bei dem ich mich fast bis zum Ende gefragt habe, warum das Stück auf dem Album ist. Das klärt Zick auf, indem er aus dem alten Blues einen Landler macht und darauf verweist, dass es da wirklich Parallelen gibt.

DieBand

Gewissermaßen gecovert ist auch „Ja, in Bayern wohnt die Freiheit“. Kaum erklingt die Melodie, die an alte, „gar traurigen Moritaten“ auf einem Jahrmarkt erinnert, weiß man: Es wird gleich ein gewichtiges Thema recht locker dargeboten. Ich finde, Zick nimmt in diesem Stück die heile bayrische Welt so extrem auf die Schippe, wie in keinem anderen Lied auf dem Album. Und dazu passt seine Zither wie kein zweites Instrument. Prinzipiell ist es schön zu hören, wie er verschiedene bekannte Melodien in seine Stücke einfließen lässt. Oft nutzt er diese, um die Inhalte der jeweiligen Titel extra zu betonen. So wird mit dem Lied „Ja, in Bayern wohnt die Freiheit“ die Bayernhymne verrockt. Klasse!

Noch verrückter ist das Cover eines echten Klassikers. Das „Konzert C-Dur“ basiert auf dem 2. Satz (Andante) aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 in C Dur. Zick entwickelt das Stück nach und nach zum Blues. Toll zu erleben, dass auch so etwas mit einer Zither gespielt werden kann, wenngleich das Werk insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig klingt. Nicht wirklich gecovert ist hingegen „Walzing Matilda“, das hier in der Zither Manä-Fassung mit einem eigenen Text versehen ist. Es hat wenig mit dem bekannten Tom Tauberts Blues zu tun. So recht weiß ich nicht, warum gerade das Stück die CD abschließt. Ein Stück, das ich mir da gut hätte vorstellen können ist „Manä’s Harp Blues“. Meine Güte, ist das Stück stark! Mehrere Mundis, dazu ein paar Schläge auf der großen Trommel und so etwas wie angedeutetes Beatboxing. Spätestens bei diesen Stück zeigt sich sehr deutlich, dass der Zither Manä alles, nur kein volkstümlicher Möchtegernmusiker ist! Auch wenn man hier alles, nur keine Zither hört, aber das liegt bestimmt daran, dass der Manä sein Instrument mehrfach wie eine Gitarre klingen lässt.  Die CD umreist musikalische ein riesiges Feld.  Man findet neben „The mary of the wild moor“, das ein sehr stimmiges folkloristisches Stück ist und das vor allem durch das perfekte Zusammenspiel von Gitarre und Zither wirkt, einen Titel wie „Fields of Athenry“, eine gnadenlose, vor allem sprachliche Übertreibung eines weiteren Klassikers.

Beeindruckend ist auch die „Eröffnungshymne“. Hier covert der Manä ein Lied von 1905 mit einem sehr spitzen Text, für den Ludwig Thoma fünf Wochen Gefängnis bekam, und der an Aktualität nichts verloren hat. Allerdings hört man dabei ganz deutlich, dass Zick gesangstechnisch ein paar Probleme mit großen Höhen hat. Von der inhaltlichen Tiefe steht dem Thomatext der „Zither-Rock“ entgegen. Das Stück beginnt als Klassiker, um dann zu einem tollen 50er Jahre Rock’n Roll zu mutieren. Dazu hat es leider einen Text, der aus der Familie „reim dich oder ich fress dich“ zu stammen scheint. Musikalisch ist es allerdings perfekt, auch wenn wieder einige Passagen an große Vorbilder erinnert. Aber das hat klassischer Rock’n Roll wohl immer so an sich. Schließlich möchte ich noch auf den „Adventsblues“ verweisen. Da besticht Zick noch einmal mit einem musikalisch großen Stück Blues und starken, nicht nur bayrischen Lebensbetrachtungen.

Mein Fazit: „Coole Zeid“ vom Zither Manä ist eine CD, die man sich erst erhören muss. Konzeptionell ist sie mehr ein Querschnitt über die musikalischen Möglichkeiten der Zither die von Zick gekonnt, teilweise virtuos, vorgestellt werden. Neben lupenreinem Blues der Extraklasse finden sich Stücke, die ins volkstümliche und sogar in Richtung Klassik gehen. Die Texte sind größtenteils wirklich hörenswert und in ihrer Bedeutung mindestens gleichrangig der Zithermusik. „Coole Zeid“ ist sicher keine alltägliche CD und auch nicht nach jedermanns Geschmack. Doch wer sich darauf einlässt, kann hochinteressante Stücke entdecken und seinen Spaß an einem tollen Instrument und einem Könner seines Metiers finden. (Fred Heiduk)

So isses !

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Besetzung:
Thomas Bittner (drums)
Ferdl Eichner (harmonica)
Zither-Manä (zither, vocals, harmonica)
Frank Schiman (guitar)
+
H.H. Babe (bass bei 19. + 20.)

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Titel:
01. Coole Zeid (Zick) 4.40
02. Come On In My Kitchen (Johnson) 2.53
03. Frauen über Männer (live) (Zick) 2.34
04. Faschingsnacht (Traditional) 1.57
05. Es dunkelt schon wieder in Deutschland (Traditional/Zick) 2.44
06. Die Wüste lebt (Zick) 3.57
07. Andreas Trischberger (Traditional) 3.06
08. Manäs Harp Blues (Zick) 2.22
09. The Mary Of The Wild Moor (Traditional/Zick) 2.19
10. Ja, in Bayern wohnt die Freiheit (Rasin/Zick) 4.09
11. Fields Of Athenry (St.John) 4.17
12. Beamtenstilblüten (live) (Zick) 2.55
13. Eröffnungshymne (Thoma/Zick) 2.21
14. Schaftlacher Landler (Zick) 1.43
15. Zither-Rock (Zick) 4.46
16. Cry To Me (Russell) 5.08
17. Adventsblues (Zick) 3.09
18. Nimm mi mit (Holzer/Specht) 3.29
19. Konzert C-Dur (live) (Mozart) 4.54
20. Waltzing Mathilda (live) (Bogle/Zick) 6.10

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ZitherManä

David Wonschewski – Interview mit Reinhard Mey (2013)

ImStudio1Es gibt da so ein online-Magazin namens „einachtellorbeerblatt“ … und dieses Magazin widmet sich der Liedermacher-, Chanson- und Kleinkunst -Szene und es ist ein großartiges Magazin … liebevolle und mit Enthiasmus gestaltet.

Teil dieses Magazins ist die online abrufbare „Radiosendung“ namens „Herbstgewitter“.

Und im April 2013 erschien ein „Herbstgewitter spezial“ und zwar mit einem ausführlichem Interview mit Reinhard Mey und zwar anläßlich der Veröffentlichung seines Albums „Danns machs gut“.

Und der ist nun natürlich eine ganz, ganz wichtige Figur der deutschen Liedermacher/Chanson-Szene und das seit den 60er Jahren.

Und just dieses Interview litt unter „technischen Problemen“ (die so schlimm eigentlich gar nicht waren).

Jedenfalls gibt es zu diesen Problemen eine ausführliche Erläuterung auf dieser website:

„Fast wäre dieser Schnappschuss in der Ablage gelandet, gebrandmarkt als “nicht gelungen”. Gut, dass wir ihn aufbewahrt haben, drückt er doch weit mehr aus als gemeinhin zu vermuten wäre. Denn, wie wir sehen, sind es hier vor allem zwei Personen, die im kreativen Gewusel den Überblick behalten: Toningenieur Jörg Surrey (rechts) und Hella Mey (hinter der Kamera). Ein Zufall? Mitnichten, wie Ihnen unser Herbstgewitter spezial mit Reinhard Mey  vor Augen führen wird. Denn dass Hella Mey ihrem Mann eine große Stütze ist, das ist selbstredend nicht neu und war auch schon bei all den vorherigen Platten der Fall. Diesmal ist es jedoch allein ihrem Überblick und ihrem Instinkt zu verdanken, dass Reinhard Mey, bekanntlich ein Großmeister der deutschen Sprache, einen kleinen, aber doch recht ärgerlichen Wortlapsus gerade noch ausbügeln konnte. Und Jörg Surrey? Nun, auch er ist ein Meister seines Faches. Und hätten Reinhard Mey und EAL-Redakteur David Wonschewski ihn während ihres Gesprächs dabei gehabt, nun, ein kleiner technischer Lapsus hätte mit Sicherheit vermieden werden können. Welcher das ist – auch das erfahren Sie in diesem Herbstgewitter spezial.

Reinhard Mey 2013

Reinhard Mey, 2013

Allen Hörern, die das Herbstgewitter bisher über Kopfhörer verfolgen, möchten wir vorab jedoch klar ans Herz legen, für diese eine Ausgabe eine Ausnahme zu machen. Denn einige – je nach Hörempfindlichkeit – unliebsame Hintergrundgeräusche werden just durch die geliebten Horchmuscheln potenziert. “Freihörig” hingegen werden sie wesentlich weniger davon wahrnehmen.

Und so nehmen wir was genau mit aus unserem Gespräch mit Reinhard Mey? Nun, vermutlich, dass gerade die kostbaren und kostbarsten Momente unseres Lebens stets auch die zerbrechlichsten sind. Und es vielleicht sogar erst just diese porzellanartige Beschaffenheit des Moments ist, der dem Leben einen Zauber zu verleihen vermag.

Wohlan: Frische Sätze und frische Songs – Reinhard Mey im Herbstgewitter.“

ImStudio

Der oben genannte Schnappschuss

Das Interview führt der Begründer dieser website, David Wonschewski und ich weiß nicht recht, sein z.T. sehr betuchlicher (oder auch: überkandidelter) Sprachstil ist gewöhungsbedürftig … ändert aber nichts daran, dass dieses Interview einfach sehr interessant und aufschlussreich ist. Reinhard Mey gibt zu seiner Musik Auskunft … und das weckt natürlich Interesse …

Und: In dieser Sendung gibt es auch einen köstlichen Beitrag von Hanns-Dieter Hüsch … der mich wieder mal so richtig vom Hocker gehauen hat.

Voila … wieder mal so eine Präsentation, die Auskunft gibt … über vieles was uns auch mal bewegt hat.

David Wonschewski

David Wonschewski

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Interview: 1.31.35

David Füsgen – Entartete Musik (Filmdokumentation) (2015)

FrontCover1.jpgWie neulich angekündigt (und zwar hier) , nun die filmische Dokumentation des Konzertes der Toten Hosen mit dem Sinfonieorchester der Robert Schumann Hochschule.

Für diese Musikdokumentation der ganz besonderen Art war der Regisseur David Füsgen verantwortlich und herausgekommen ist eine mehr als vorbildliche Dokumentation eines Ereignisses, das nun wirklich zu den bedeutensten „Crossover“ Projekten der letzten Jahrzenten gezählt werden muss.

Einfach nur faszinierend, wie er das Projekt, seine Entstehung. all die Proben, all die Überlegungen zu diesem Projekt einfängt.

Da gibt es Interviews mit all den Beteiligten (auf und hinter der Bühne), da gibt es jede Menge Szenen von der Proben, da reflektiren die Musiker von den Toten Hosen, wie sich ihr Blick auf die Musik gewandelt hat … von einer „reinen“ Punkband bis hin zu einer Band, die mit einem Sinfonieorchester musizieren kann und auch dringend will.

Und dann all die eindringlichen  Großaufnahmen von den beteiligen Musikern …ihre Gesichter, ihre Emotionen angesichts von Liedern, die früher einmal eben als „entartete Musik“ gebranntmarkt wurden … und auch die ganze notwendige Logistik für so ein Konzert wird filmisch festgehalten.

Höhepunkt dieser Musikdokumentation ist dann ganz sicher, das fulminante Ende der Konzertes … was sich sich hier in den Gesichtern, in den Gesten der Musiker abspielt …
ist mehr als beeindruckend …

Von daher erwartet nun den geneigten Leser dieses blogs eine kleine Flut von Vorschaubildern … ich konne nicht anders … denn hier werden wir Zeuge von dem Triumph der Musik …

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Sinfonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf + Die Toten Hosen – Entartete Kunst – Willkommen in Deutschland (2015)

FrontCover1.jpgVon engagierten Projekten wie diesem kann ich gar nicht genug kriegen:

Entartete Musik – Willkommen in Deutschland ist ein Live-Album des Sinfonieorchesters der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und der Band Die Toten Hosen. Es erschien am 30. Oktober 2015, produziert von Hans Steingen als Doppel-CD und Dreifach-Vinyl beim bandeigenen Label JKP. Die Ausgabe beinhaltet zudem eine DVD mit einer Dokumentation über die Entstehung.

Das Album wurde an drei Konzertabenden aufgenommen, welche Die Toten Hosen und das Sinfonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf im Oktober 2013 in der Düsseldorfer Tonhalle gaben. Die Konzerte waren zur Erinnerung an die Künstler veranstaltet worden, die unter anderen mit der Propaganda-Schau Entartete Musik, eröffnet am 24. Mai 1938 im Ehrenhof in Düsseldorf durch die Kulturpolitik der Nationalsozialisten verunglimpft und verfolgt wurden.

Auf dem Frontcover steht die Inhaltsangabe in weißen und schwarzen Buchstaben auf rotem Hintergrund. Das Begleitheft zeigt schwarzweiße Fotos der Interpreten während der Konzerte in der Tonhalle im Oktober 2013. Es enthält die Texte zu den Titeln A Survivor From Warsaw op. 46 und Sog nit Kejnmal zuzüglich einer deutschen Übersetzung, sowie Informationen über den historischen Hintergrund sämtlicher Originaltitel sowie biografische Angaben über die an der Entstehung beteiligten Künstler.

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Nach dem Konzept von Thomas Leander, Professor an der Robert-Schumann-Hochschule, gaben die Band Die Toten Hosen zusammen mit dem Sinfonieorchester der Universität unter der Leitung des Dirigenten Rüdiger Bohn am 19., 20. und 21. Oktober 2013 je ein dreistündiges Gedenkkonzert in der ausverkauften Tonhalle in Düsseldorf. Des Weiteren war der Kinderchor des Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf unter der Leitung von Dennis Hansel an den Aufführungen beteiligt.

Die Band bestand zum Zeitpunkt der Aufnahmen aus den Gitarristen Andreas von Holst und Michael Breitkopf, dem Bassisten Andreas Meurer, dem Schlagzeuger Vom Ritchie und dem Sänger und Frontmann der Gruppe Campino. Die Arrangements für Die Toten Hosen schrieb Hans Steingen, mit dem die Band seit 1996 zusammenarbeitet, und der bereits einige Titel für das Unplugged-Album Nur zu Besuch umgeschrieben hatte.

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Als Solisten traten Inge Du, Vita Gajevska, Thomas Leander und Hans Steingen am Klavier, Micea Gogoncea an der Gitarre, Christina Marzi an der Klarinette, Georg Sarkisjan an der Violine Alexander Kovalev am Violoncello, und Linda Hergarten und Susanne Storck als Sängerinnen auf. Die Stimmen im a-cappella-Vokalstück Ich muss heute singen, der unter dem Titel Les fenêtres chantent von den Comedian Harmonists im Jahr 1937 erstmals in Frankreich veröffentlicht wurde, übernahmen Keno Brandt, Julian Freibott, Gereon Grundmann, Jin-Su Park und Campino.

Die Veröffentlichung der Konzerte als Tonträger war zunächst nicht geplant und wurde erst zwei Jahre später durch Hans Steingen initialisiert, der die Aufnahmen in seinem Big Noise Studio in Düsseldorf abmischte und masterte. Bei verschiedenen Stücken erfolgte eine weitere Abmischung durch Vincent Sorg.

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Alle an den Konzerten künstlerisch Beteiligten, verzichten auf ihre Honorare, sowie das Schallplattenunternehmen JKP auf sämtliche Gewinne. Die Einnahmen aus dem Projekt werden zur Unterstützung von Stipendiaten und Konzertprojekten der Robert-Schumann-Hochschule zur Verfügung gestellt.

Neben dem 16-minütigen Instrumentalstück aus dem Spielfilm Der Herr der sieben Meere und Arnold Schönbergs Melodram Ein Überlebender aus Warschau, dem 11-minütigen Werk Kol Nidrei op. 47 von Max Bruch und Remembrances von John T. Williams aus dem Soundtrack zu Schindlers Liste, dem Kanonensong, der Zuhälter-Ballade und der Moritat von Mackie Messer aus Die Dreigroschenoper, dem Alabama Song aus Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, den Stücken Seht ihr den Flieger dort und Ihr müsst auf Freundschaft bau’n aus Brundibár, Deutsches Miserere aus Schweyk im Zweiten Weltkrieg, dem Vokalstück Ich muss heute singen von den Comedian Harmonists, den Liedern Einen großen Nazi hat sie!, Komm, Zigany aus der Operette Gräfin Mariza, Sog nit Kejnmal und Sholem-Alekhem, Rov Feidman! enthält das Album die von Campino vertonten Gedichte Stimmen aus dem Massengrab von Erich Kästner, Im Nebel von Hermann Hesse, das Lied Die Moorsoldaten, erschaffen von den von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor und das Schlaflied Wiegala von Ilse Weber.

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Zudem sind auf dem Album die bandeigene Kompositionen Willkommen in Deutschland und Sascha … ein aufrechter Deutscher vom Album Kauf mich! aus dem Jahr 1993, Das Mädchen aus Rottweil vom Album Auswärtsspiel aus dem Jahr 2002 und Ballast der Republik, Drei Kreuze (dass wir hier sind) und Europa vom Album Ballast der Republik aus dem Jahr 2012 vertreten. Die Stücke wurden eigens für die Gedenkkonzerte in Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester neu eingespielt.

Das Album erreichte auf Anhieb Platz zwei der Charts in Deutschland, den siebten Platz in Österreich[4] und den siebten Platz der Schweizer Hitparade.

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Alexander Austel rechnet der Band in seinem Artikel auf laut.de hoch an, wie „selbstlos“ sie sich „in das Gefüge eines Orchesters einreiht“, es zeige, „dass sich aus den einstigen Autodidakten Berufsmusiker entwickelten“.

Arno Frank hingegen hält in seinem Review vom Oktober 2015 im Musikexpress „das Crossover aus Hochkultur, Politik und Punk das sich vor einst verfemtem Liedgut verbeugt“ für einen „Bärendienst“. Es sei „als Platte nur schwer zu ertragen“. Die Präsenz der Toten Hosen sei „problematisch“ und „eher dumpfwalzenhafte Ästhetik“ (Quelle: wikipedia)

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Da kann ich dem Arno Frank so gar nicht folgen, da finde ich folgende Zeilen weitaus passender:

Vor zwei Jahren initiierten die Toten Hosen ein Konzert mit Musik, die die Nazis als „entartet“ gebrandmarkt hatten. Nun erscheint es auf CD und DVD – und ist von erschreckender Aktualität.

Zur Unzeit kommt diese Veröffentlichung nun wirklich nicht, auch wenn das Ereignis, auf das sie sich bezieht, inzwischen 77 Jahre her ist. 1938 nämlich wurde im Düsseldorfer Kunstpalast die Ausstellung „Entartete Musik“ eröffnet, mit der die Nationalsozialisten die Hetzjagd auf unliebsame Komponisten rechtfertigen wollten.
Gnadenlos verfolgt wurde, was jüdisch, kommunistisch oder „undeutsch“ war,

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Vor zwei Jahren, anlässlich des 75. Jahrestags, hat das Orchester der Düsseldorfer Robert-Schumann-Musikhochschule auf Initiative des Prorektors Thomas Leander zusammen mit den Toten Hosen ein Gedenkkonzert mit Werken verfolgter Musiker veranstaltet. Jetzt erst, zwei Jahre später, kommt dieses Konzert auf den Markt, in Form zweier CDs und einer DVD sowie als Non-Profit-Projekt zugunsten der Stipendiaten und des Orchesters der Musikhochschule.

Die zweieinhalb Stunden sind ein beeindruckender Querschnitt durch die Musikgeschichte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Denn was den Nazis als „entartet“ galt, ließ sich nicht einmal durch irgendwie greifbare, ästhetische Kategorien begründen. Die treffen am ehesten noch auf den Jazz zu, auf die verhasste „Negermusik“. Ansonsten aber wurde gnadenlos verfolgt, was jüdisch, kommunistisch oder auf andere Weise „undeutsch“ war.

Auf den CDs hört man zum Beispiel ebenso „Komm, Zigány“ aus Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ wie Filmmusik zum „Herrn der Sieben Meere“ von Erich Wolfgang Korngold, das der nicht mehr in seine Heimat zurückkehrende Wiener Jude 1940 in Hollywood schrieb, einen Song der Comedian Harmonists oder Arnold Schönbergs Zwölfton-Melodram „A Survivor from Warsaw“. Es finden sich Kurt Weills Moritaten aus der Dreigroschenoper und ergreifende Zeugnisse von Musik aus den KZs und Vernichtungslagern, wie den Kinderchor „Ihr müsst auf Freundschaft baun“ aus der in Theresienstadt weiterentwickelten Kinderoper „Brundibár“ des tschechoslowakischen Komponisten Hans Krása oder das Lied von den „Moorsoldaten“ aus dem KZ Börgermoor.

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Beklommen macht auch die Erkenntnis, dass die wenigen Stücke der Toten Hosen auf dem Album, wie das 20 Jahre alte „Willkommen in Deutschland“, entstanden unter dem Eindruck brennender Flüchtlingsheime, kaum etwas von ihrer Aktualität verloren haben. (Franz Kotteder)

Ein eminent wichtiges und eindrucksvolles Album … und ich bilde mir ein, ich muss das nicht weiter ausführen.

Hinweisen will ich dann noch auf das wirklih fulminante Begleitheft und die dem Album beigelegte DVD Dokumentation dieses Ereignisses gibt es dann demnächst …

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Besetzung:
Michael Breitkopf (guitar)
Andreas „Campino“ Frege (vocals)
Andreas von Holst (guitar)
Andreas Meurer /bass)
Vom Ritchie (drums)
+
Sinfonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf unter der Leitung von Rüdiger Bohn
+
Kinderchor des Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf unter der Leitung von Dennis Hansel

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Titel:

CD 1:
01. The Sea Hawk-Suite (Korngold) 16.28
02. Die Moorsoldaten (Goguel/Esser/Langhoff) 6.01
03. Einen großen Nazi hat sie! (Weiss/Grünbaum) 3.35
04. Kanonensong (Brecht/Weill) 2.34
05. Zuhälter-Ballade (Brecht/Weill) 4.38
06. Die Moritat von Mackie Messer /Brecht/Weill) 4.09
07. Seht ihr den Flieger dort (Krása/Hoffmeister/Harre/Harders-Wuthenow) 2.23
08. Ihr müsst auf Freundschaft bau’n (Krása/Hoffmeister/Harre/Harders-Wuthenow) 3:29
09. Stimmen aus dem Massengrab (Frege/Kästner) 3.33
10. Deutsches Miserere (Brecht/Eisler) 2.14
11. Wiegala (Weber) 4.42
12. A Survivor From Warsaw op. 46 (Schönberg/Monod) 7.25

CD 2:
13. Kol Nidrei op. 47 (Bruch) 11.17
14. Komm, Zigany (Kálmán/Grünwald/Brammer) 5.27
16. Sog nit Kejnmal (Pokrass/Glik) 3.10
17. Ich muss heute singen (Marbot/Reisfeld/Cab/Varna) 2.51
18. Sholem-Alekhem, Rov Feidman! (Kovács) 7.04
19. Remembrances (Williams) 6.54
20. Im Nebel (Frege/Hesse) 4.51
21. Willkommen in Deutschland (Breitkopf/Frege) 4.30
22. Alabama Song (Brecht/Weill) 5.25
23. Sascha … ein aufrechter Deutscher (FregeMüller) 3.00
24. Drei Kreuze (dass wir hier sind) (v.Holst/Sorg) 1.41
25. Ballast der Republik (Frege/Marteria) 3.18
26. Europa (Breitkopf/Frege) 4.21
27. Das Mädchen aus Rottweil (Frege/v.Holst/Meurer) 4.32
28. Drei Kreuze (dass wir hier sind) (Reprise)n (v.Holst/Sorg) 2.21

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Bei diesem Lied krieg ein aufs andere mal ne Gänsehaut:

Wohin auch das Auge blicket, Moor und Heide nur ringsum,
Vogelsang uns nicht erquicket, Eichen stehen kahl und krumm.

Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit den Spaten ins Moor

Hier in dieser öden Heide ist das Lager aufgebaut,
wo wir ferne jeder Freude hinter Stacheldraht verstaut.

Wir sind die Moorsoldaten …

Morgens ziehen die Kolonnen in das Moor zur Arbeit hin
Graben bei dem Brand der Sonne, doch zur Heimat steht der Sinn.

Wir sind die Moorsoldaten …

Heimwärts, heimwärts, jeder sehnet zu den Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet, weil wir hier gefangen sind.

Wir sind die Moorsoldaten …

Auf und nieder gehen die Posten. Keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten! Vierfach ist umzäunt die Burg.

Wir sind die Moorsoldaten …

Doch für uns gibt es kein Klagen. Ewig kann ’s nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen: Heimat, du bist wieder mein!

Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor