Frank Fröhlich – Aus gutem Holze – Das Gitarren Hörbuch (2017)

FrontCover1.jpgUnd jetzt darf ich mal wieder ein ganz und gar exquisites Album präsdentieren:

Frank Fröhlich (* 29. März 1964 in Frankfurt (Oder)) ist ein deutscher Akustik-Gitarrist, Komponist und Verleger.

Frank Fröhlich absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Koch, studierte von 1985 bis 1988 Kulturmanagement in Meißen und leitete danach als Programmchef den legendären Club Scheune in Dresden.

Parallel zum Studium absolvierte er eine sechsjährige Gitarrenausbildung bei Wolfgang Kühn in Radebeul bei Dresden und begann 1989 eine Konzertkarriere, die ihn mit vielen wichtigen Jazzmusikern zusammenbrachte: unter anderem Volker Schlott (Saxophon), Joe Sachse (Gitarre), Katrin May (Flöte), Michael Henkel (Piano), Andreas Böttcher (Vibraphon). „Frank Fröhlich“, schrieb das Dresdner Kulturmagazin SAX im Mai 1999, „hat es sich zwischen allen Stühlen bequem gemacht. Sein Spiel ist ständiges Grenzgängertum durch Klassik, Jazz und Folk“.

Seit 1993 gibt Fröhlich in verschiedenen Besetzungen jährlich circa 100 Konzerte in Deutschland, der Schweiz, Österreich, England und Polen.

Weiteres wichtiges Betätigungsfeld Fröhlichs ist die Zusammenarbeit mit Schauspielerinnen und Schauspielern wie Rolf Hoppe, Otto Mellies, Günter Grabbert, Gunter Schoß, Gunther Emmerlich, Andreas und Petra Schmidt-Schaller und Schriftstellerinnen und Schriftstellern wie Peter Härtling, Kerstin Hensel und Walter Kempowski, die Fröhlich unter anderem bei Lesungen musikalisch begleitete.

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Neben seiner Konzerttätigkeit in diversen Besetzungen komponierte Fröhlich Filmmusik zu Stummfilmen von Buster Keaton und Musik für Hörbücher, die er auch verlegte. (Quelle: wikipüedia)

Und der Frank FRöhlich hat ja eine Unzahl von wunderbaren Aufnahmen veröffentlicfht, da weiss man so gar nicht, mit welcher man eigentlich anfangen soll …

Aber ich fang jetzt mal mit diesem Album an (d.h. diverse weitere Alben liegen bei mir auf Halde):

Und hier mal ein wenig „Produktinformation“:

„Die Gitarre kann alles – man muss sie nur lassen!“ Davon ist Frank Fröhlich überzeugt. Und davon will er auch seine Zuhörer überzeugen. Dafür nimmt er sie mit auf einen Streifzug durch die Welt der Konzertgitarre. Viele berühmte Schriftsteller und Musiker hielten ihre Erlebnisse mit diesem wundervoll vielseitigen Instrument in Romanen, Gedichten und Tagebüchern fest. Frank Fröhlich spielt, immer feinfühlig abgestimmt auf die Texte, in der ihm eigenen Spielfreude und Virtuosität. Kaum zu glauben, dass da nur eine(r) Gitarre spielt!

Die CD wurde eingespielt mit vier Gitarren von Armin Hanika.Das Besondere an ihnen ist, dass in ihnen kein Tropenholz verbaut wurde. Sie bestehen aus einheimischem Holz, u.a. der Elsbeere, das thermisch behandelt wurde. Die TU Dresden, an der in den vergangenen zwei Jahren die thermische Behandlung einheimischer Hölzer erforscht wurde, begleitete dieses Projekt der Firma Hanika-Gitarren. Thermoholz ist eine echte Alternative für Gitarrenbauer, denn die behandelten Hölzer weisen eine größere Dimensionsstabilität, höhere Dauerhaftigkeit sowie ein verbessertes Klangverhalten auf, das mit einer künstlichen Alterung verglichen werden kann, ohne dass negative Auswirkungen wie die Versprödung des Holzes auftreten. (Pressetext)

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Am besten man besucht Frank Fröhlich im Konzert und wird selbst Augenzeuge, wie er mit seiner Akustikgitarre regelrecht verschmilzt. Gar keine Frage, dass ihm bewusst ist, wie hervorragend er sein Instrument beherrscht. Dennoch verkümmert seine Virtuosität niemals zum Selbstzweck, sondern steht voll und ganz im Dienst eines komödiantischen oder poetischen Elements. Wenn das keine Weltklasse ist, was dann. Armin Hanika, dem Gitarrenbauer im fränkischen Baiersdorf, der ihm seine Instrumente anfertigt, hält Frank Fröhlich seit fünfzehn Jahren die Treue. (…) Bleibt festzuhalten, dass Thermoholzgitarren von Hanika seit Spätsommer 2017 Realität sind. Diese Gitarren werden angefertigt und über den regulären Musikfachhandel angeboten. Sogar eine CD wurde schon eingespielt. Die Rede ist von Frank Fröhlichs jüngstem Hörbuch „Aus gutem Holze“, das sein exzellentes Gitarrenspiel mit Texten von Heinrich Cotta, Wilhelm Busch, BB King oder Keith Richards den Bogen vom Thema Nachhaltigkeit zu Gitarrenbau und namhaften Gitarristen schlägt. Gelesen werden die Texte von Gunter Schoß. Klingt gut, das alles. (Bernd Gürtle, Dresdner Neueste Nachrichten)

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Frank Fröhlich + Gunter Schoß

Nicht unerwähnt bleiben darf der Sprecher mit der markanten Stimme, Gunter Schoß

Gunter Schoß (* 2. Dezember 1940 in Berlin) ist ein deutscher Schauspieler, Moderator, Rundfunk- und Synchronsprecher.

Nach einigen Auftritten in freien Theatergruppen besuchte der gelernte Werkzeugmacher von 1962 bis 1965 das Nachwuchsstudio des Deutschen Fernsehfunks. Mit seiner markanten Stimme stand er für mehr als 150 Rollen vor der Kamera.

Gunter Schoß moderierte von 2007 bis 2011 das Geschichtsmagazin Barbarossa und von 1999 bis 2015 die MDR-Dokumentationsreihe Geschichte Mitteldeutschlands.

Schoß lebt in Berlin, ist verheiratet und hat zwei Töchter. (Quelle: wikipedia)

Dieses Album … es ist eine Hommage an die akustische Gitarre und an die Hölzer, die man zum Gitarrenbau braucht … vielfältig und inspirierend !

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Besetzung:
Frank Fröhlich (guitar)
Gunter Schoß (Sprecher)

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Titel:
01. Ein Kind des Waldes — Frank Fröhlich 0.59
02. Es heisset — Hannß-Carl von Carlowitz (1645 – 1714) 0.26
03. Theorie und Praxis — Heinrich Cotta (1763 – 1844) 1.42
04. Anweisungen zum Waldbau – Heinrich Cotta
05. Ein Kind des Waldes II — Frank Fröhlich 1.17
06. Hochschule für Nachhaltigkeit — Ulrich Grober (geb. 1949) 3.34
07. Menuett in A-Moll —Johann Krieger (1651 – 1735) 1.04
08. Der Lautenmacher — Hans Sachs (1494-1576) 0.34
09. Feuerfeder — Frank Fröhlich 1.07
10. Elsbeere — Elisabeth Kreisl (geb. 1940) 1.44
11. Schöne Else — Frank Fröhlich 1.52
12. An die Lautenistin — Christian Heege (um 1827) 1.20
13. Madrigal – Hommage an John Dowland — Michael Groißmeier (geb. 1935) 0.35
14. Mr. Dowlands Midnight — John Dowland (1563 – 1626) 0.59
15. An seine Laute — Johann von Besser (1654-1729) 0.40
16. Der alte Garten — Joseph von Eichendorff (1788 – 1857) 1.12
17. Ich gehe im Gauklerkleide — Elsa Laura von Wolzogen (1876-1945) 0.46
18. Wandlungsreisender — Frank Fröhlich 1.51
19. Lieb‘ und Lob der Schönen — Gottfried August Bürger (1747-1794) 2.35
20. All mein Gedanken die ich hab — (Volkslied von 1450) 1.45
21. Aus dem Liederbuch Zupfgeigenhansel (1909) 1.24
22. Willst Du Dein Herz mir schenken — J.S. Bach (1685 – 1750) 0.44
23. Musik ist schon die halbe Disziplin… — Martin Luther (1483 -1546) 0.33
24. Lied vom Loslassen — Frank Fröhlich 4.08
25. Der Gitarrist — Frank Fröhlich (geb. 1964) 4.14
26. Trostlied — Frank Fröhlich 1.39

Musiker erzählen von ihrer ersten Gitarre:
27. Bruce Springsteen (geb. 1949) — „In eigenen Worten“ 0.28
28. B.B. King (1925 – 2015) — “Ein Leben mit dem Blues” 1.45
29. John Lennon (1940 – 1980) — „In eigenen Worten“ 0.27
30. Keith Richards (geb. 1940) — „In eigenen Worten“ 0.46
31. C-Rag — Reverend Gary Davis 1.19
32. Lucille — B.B. King (1925 – 2015) “Ein Leben mit dem Blues” 4.36
33. Jagdfieber — Frank Fröhlich 2.58

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Hanika Gitarren

Hanika Gitarren … eine kleine Auswahl

Die 68er und die Folgen (8): GrooveCityTalk – Eine Kiste Platten & eine Kiste Bier mit dir – Teil 16 (Trikont Verlag) (Radio-Doku) (2017)

Die RadioCrew1.jpgHeute vor 50 Jahren war ja das Attentat auf Rudi Dutschke und justament heute habe ich erst davon erfahren, dass Achim Bergmann Bayrischer Anarchist und das Herz des Trikont-Verlags am 01.März 2018 verstorben ist.

Diese Nachricht hat mich schon schwer getroffen, denn so alt war er ja nun wirklich nicht.

Und so habe ich mich entschlossen, eine ganz spezielle Radiosendung über Trikont Verlag zu präsentieren. Entstanden ist sie im Hamburger Plattenladen Groove-City (dort entstehen in schöner Regelmäßigkeit solche Live-Radiosendungen mit schräger Musik aus aller Welt … veröffentlicht werden sie dann auf der Internetplattform „soundcloud“.

Der Trikont Musikverlag ist ein Independent-Plattenverlag und Musiklabel aus München, das 1967 innerhalb des gleichnamigen Trikont-Verlages entstanden ist. 1980 löste sich der Verlag auf. In der Folge gründete sich das eigenständige Plattenlabel Trikont-Unsere Stimme-Our own Voice. Markenzeichen des Labels ist es, „Musik von unten“ zu veröffentlichen, die der vorherrschenden Expertenkultur sowie der kommerziellen Glätte entgegenwirken soll.
Das Label Trikont wurde Ende der 1960er Jahre ursprünglich als Buchverlag gegründet. Es galt als eines der bekanntesten Publikationshäuser der Protest- und Alternativ-Bewegung der 1968er Jahre. Einige Jahre später kam dann die Musik dazu. Als sich der alte Verlag auflöste, wurde die eigenständige Schallplattenreihe: Trikont – Unsere Stimme – Our own Voice, gegründet.
Etwa 425 Platten und CDs von Musikern und Bands haben das Haus in München-Giesing seither verlassen.
50 Jahre Trikont geben den Anlass für einen Plausch bei Groove City mit DJ MAD & Prof Dr Booty Carrell & DJ RITA – viel Spaß (Groove City Radio)

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Eva Mair-Holmes

Und bei diesem Plausch erzählt dann die Partnerin und ebenfalls Trikont Aktivistin Eva Mair-Holmes  jede Menge interessantes Zeug über die Geschichte das Labels (z.B. dass Joschka Fischer Übersetzer für Trikont Bücher war). Und wir hören jede Menge Klangbeispiele (Achtung: schräg und exotisch !) aus den 50 Jahren Trikont Verlag …

Und nach dem Tod von Achim Bergmann  .. gab´s dann auf der Website des Verlages folgende Botschaft:

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Ein Label, gegen den Strich gebürstet … hier kann man mal reinhören … und dann wird man ganz sicher feststellen, dass dieses Label aus München-Giesing nun wirklich was ganz besonderes war und ist.

Und ich hoffe jetzt doch schon sehr, dass da keiner ernsthaft behauptet, der Achim Bergmann und das Trikont Label hätten mit den 68ern nix zu tun.

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Besetzung:
Eva Mair-Holmes
+
DJ MAD & DJ Rita & Booty Carrell

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Eva & Achim

Titel:
01. Eine Kiste Platten & eine Kiste Bier mit dir – Teil 16 (Trikont Verlag) 1.46.29

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Achim Bergmann (16.05.1943 – 01.03.2018)

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Bayerischer Rundfunk – Exklusiv Interview mit Dr. Angela Merkel (2017)

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Tilmann Schöberl und Christine Rose sprechen mit Bundeskanzlerin Angela Merkel unter anderem über Flüchtlinge, über das Internet und Mieten. Sie reichen auch Fragen von Hörern weiter.

Da waren die Macher des Bayerischen Rundfunks sicherlich mächtig stolz, dass sie ein Exklusiv Interview mit der jetzigen und zukünftigen Kanzlerin Berliner Kanzleramt führen konnten.

Und das wenige Tage vor der Wahl und zwar am 21.9.2017

Und es gibt sogar ein paar „persönliche Fragen“ … „Sind sie ein Morgelmuffel“ ? … usw, usw.

Den politischen Teil des Interviews spult die Kanzlerin routiniert ab (ist ja auch kein Wunder). Immerhin stellt sie in Aussicht, dass man hinsichtlich der Gleichheit von Lohn für Männer und Frauen nachbessern könnte, müsste … und es gibt sogar ne Hörerfrage, wie er den die CSU wählen könne, wenn er zwar für Merkel sei, aber gegen die Flüchtlings-Obergrenze, die der Seehofer ja weiterhin fordert.

Und … wir wissen nach dem Interview auch, das Merkelsche Spezialrezept für eine deftige Kartoffel-Suppe …

Letzlich ein Gefälligkeits-Interview, da helfen auch die eingespielten Fragen von Hörern des Bayerischen Rundunks nichts.

Und am 25.9. wird sie glücklich aufwachen.

Besetzung
Dr. Angela Merkel
+
Christine Rose
Tilmann Schöberl

Karikatur

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Arno Schmidt – Die Umsiedler (Hörspiel) (2017)

FrontCover1Seit dem letzten Wochenende beschäftige ich mich ein wenig mit dem Schriftsteller Arno Schmidt:

Arno Otto Schmidt (* 18. Januar 1914 in Hamburg-Hamm; † 3. Juni 1979 in Celle) war ein deutscher Schriftsteller.

Schmidt wuchs in Hamburg und Lauban bei Görlitz auf. Seit 1938 lebte er in Greiffenberg. Von 1946 an lebte er als freier Schriftsteller zunächst in Cordingen, dann in Gau-Bickelheim, Kastel an der Saar und in Darmstadt und seit 1958 schließlich im Heidedorf Bargfeld bei Celle. Sein erster Band mit Erzählungen, Leviathan, erschien 1949. Dieser und seine Werke der 1950er Jahre sind sprachlich von einer ungewöhnlichen, sich oft am Expressionismus orientierenden Wortwahl geprägt. Formal kennzeichnet sie das Bemühen um neue Prosaformen, inhaltlich sind sie von einer kulturpessimistischen Weltsicht und einer angriffslustigen Gegnerschaft gegen das Westdeutschland der Adenauer-Ära geprägt.

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Arno Schmidt, ca. 1950

Seine theoretischen Überlegungen zu Prosa und Sprache entwickelte Schmidt in den 1960er Jahren in Auseinandersetzung vor allem mit James Joyce und Sigmund Freud weiter und suchte seine Ergebnisse in den in dieser Zeit entstandenen Werken (Ländliche Erzählungen im Band Kühe in Halbtrauer, KAFF auch Mare Crisium) umzusetzen. Als Summe dieser Entwicklung erschien 1970 das monumentale Hauptwerk Zettel’s Traum. Sein Spätwerk (Die Schule der Atheisten, Abend mit Goldrand und das Fragment gebliebene Werk Julia, oder die Gemälde) erschien wie Zettel’s Traum in großformatigen Typoskriptbänden.

Außer den für den Autor wichtigen Prosaarbeiten entstanden zahlreiche Übersetzungen aus dem Englischen, Kurzgeschichten, literaturgeschichtliche und -theoretische (Radio-)Essays, eine detaillierte Biografie Friedrich de la Motte Fouqués sowie eine durch die Psychoanalyse angeregte Studie über Karl May (Sitara). (Quelle: wikipedia)

Auslöser für meine Beschäftigung war das experiementelle „Konzert für Arno Schmidt“ … starker Tobak … und da beschloss ich einfach mal, mich von einer anderen Seite diesem Schriftsteller anzunähern.

Und dann fiel mir dieses Hörspiel in die Hände … und obwohl die Basis für dieses Hörspiel, eine Kurzgeschichte aus dem Jahr 1954 ist … könnte es nicht aktueller sein:

Diverse Buchausgaben

Diverse Buchausgaben von „Die Umsiedler“

Vertreibung, Flucht und Hoffnung auf ein neues Leben. Das ist das gegenwärtige Thema. Und das war es einst. 1953 schrieb Arno Schmidt auf Grundlage eigener Erlebnisse den Kurzroman „Die Umsiedler“.

Eine verregnete Dezembernacht des Jahres 1950: Ein Mann verlädt sein spärliches Hab und Gut auf einen Güterzug. Wie viele andere erhofft er sich mit der Übersiedlung aus dem Niedersächsischen nach Rheinhessen einen neuen Anfang. Nach dem zweiten Weltkrieg hatte Deutschland eine Flüchtlingswelle ungeheuren Ausmaßes zu bewältigen – über 12 Millionen Menschen mussten untergebracht werden, in einigen Gebieten verdoppelte sich die Bevölkerungszahl binnen kürzester Zeit. In „Die Umsiedler“ schildert Arno Schmidt die Entbehrungen und Strapazen der erzwungenen Auswanderung: Sture Behörden, bornierte Leidensgenossen, voreingenommene Nachbarn, kernige Flüchtlingsbetreuer, deutsches Organisationswunder und -chaos. Und eine Liebesgeschichte, die für die Entstehungszeit des Romans skandalös war. All das erzählt in der ebenso präzisen wie expressiven Sprache und mit der bissigen Komik dieses großen Autors der deutschen Nachkriegsliteratur. Arno Schmidt verwendete in „Die Umsiedler“ erstmals die von ihm sogenannte Fotoalben-Technik, die literarisch den Prozess des Erinnerns nachbildet: Es „erscheinen zunächst, zeitrafferisch, einzelne sehr helle Bilder (meine Kurzbezeichnung: »Fotos«), um die herum sich dann im weiteren Verlauf der »Erinnerung« ergänzend erläuternde Kleinbruchstücke (»Texte«) stellen […]. Im Leser würde theoretisch solchermaßen zwangsweise die Illusion eigener Erinnerung suggestiv erzeugt werden! (Natürlich muß man ihm hierzu auch schärfste Wortkonzentrate injizieren; cela va sans dire!)“ (Quelle: wdr.de/radio)

Katharina Marie Schubert

Katharina Marie Schubert (Sprecherin)

Die Zeit schreibt im Jahr 2002 über dieses Buch:

„Die Umsiedler“ ist ein früher Roman von Arno Schmidt, von dem uns Reinhard Jirgl erzählt, dass er 1953 ursprünglich erschienen ist. Dann holt er weit aus, um uns Arno Schmidt zu erklären, der selbst ein „Umsiedler“ war und aus Schlesien über Niedersachsen nach Rheinhessen kam. Jirgl stellt uns den Großmeister vor als „Kleinbürger“, der über das schrieb, was er „am besten kannte“, das Milieu, das er früh zu „verachten“ lernte. Aber, so Jirgl, Schmidt schrieb mit „plebejischem Ernst“ und wurde zum „Meister eines neuen Realismus“, dessen „vollkommen neuartige Prosaformen“ zu Anfang „als manieriert und pessimistisch verkannt“ werden mussten, weil keiner es so genau wissen wollte. Es geht in diesem „Kurzroman“ um „die Tage und Wochen auf dem Treck“, auf dem der namenlose Held, Bücherliebhaber und Übersetzer, eine „resolute Frau“ trifft, die sich mit ihm verbündet. So geht es, schreibt Jirgl, „einerseits“ um das „kleinbürgerliche Leben: Monogamie und ein eigenes Heim unterm Regiment des Hauslöwen“, andererseits aber auch um „die geistige Kraft“ der beiden, um die „vereinte Renitenz gegen das falsche Leben“. Das „Geheimnis“ dieses Textes liegt für Jirgl „im Entstehen einer zweiten, unmittelbar bei der Lektüre im Kopf des Lesers sich entfaltenden Gegenwart“. Aus den „strikten Ich-Perspektive des Erzählers“ kann der Leser zu einem „Gesamteindruck einer konkreten sozialen Wirklichkeit“ gelangen. Im „Sprachschöpferischen“ fand Arno Schmidt, so Jirgl, über das „Kleinbürgerliche“ hinaus und zu seiner „Autonomie“. (Die Zeit, 24.10.2002)

Oliver Sturm

Oliver Sturm (Regie)

Flucht und Vertreibung – das Thema ist aktuell. Bemerkenswert, findet es der Regisseur des Hörspiels, Oliver Sturm „dass es nämlich in Deutschland nach dem Krieg eine Flüchtlingskrise innerhalb der deutschen Bevölkerung gegeben hat, die ein viel größeres Ausmaß hatte, als das, was wir heute als Flüchtlingskrise bezeichnen. Es waren nämlich 14 Millionen auf der Flucht, die auch untergebracht und organisiert werden mussten. Und dass es innerhalb der Deutschen einen ausgesprochenen Rassismus gegeben hat, für den es gar keine Ausländer brauchte.“ (Quelle:
Auch Katharina Marie Schubert fühlt sich an vieles aus den Nachrichten von heute erinnert. Sie stellt im Hörspiel Kathrin dar und ist begeistert von Schmidts witziger und wortspielreicher Sprache: „Die macht unglaublich Lust zu sprechen. Diese Metaphern: ‚Die wollüstige Wolke‘, ‚ Mäntel, die sich selber erhängen‘ – das ist ganz schön toll. Und so was würde ich mir im Theater auch viel öfter wünschen, so eine Sprache, die man so kauen kann. Und jetzt meine Rolle, sie ist so etwas wie die belebende Kohlensäure.“ ndr.de/kultur/hoerspiel)

Besonders lebendig wird dieses Hörspiel durch die integrierten Klangimprovisationen und die historischen Radiomitschnitte der damaligen Zeit. Aber zentral bleibt natürlich diese unglaubliche Wortgewalt des Arno Schmidt für das Gelingen dieses engagierten Hörspiels.

Wer Ohren hat, der höre … ein dreifaches Hoch auf das gute alte Hörspiel im Radio !!!

Arno Schmidt: Ich komme …

Eine Co-Produktion NDR/WDR 2017
Nach dem gleichnamigen Kurzroman von Arno Schmidt
in der Bearbeitung von Anna Pein
Erstausstrahlung: 26. April 2017

Tilo Werner

Tilo Werner (Sprecher)

Besetzung:
Katharina Marie Schubert (Katrin)
Jürgen Uter (Sprecher B)
Tilo Werner (Erzähler/Ich/Inneres Ich)
Werner Wölbern (Sprecher A)

Komposition: Sabine Worthmann
Gesang: Almut Kühne
Klarinetten: Silke Eberhard

Regie: Oliver Sturm
Regieassistenz: Anne Abendroth
Dramaturgie und Redaktion: Christiane Ohaus

Titel:
01. Die Umsiedler (Hörspiel) 52.57

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