Verschiedene Interpreten – Swing tanzen verboten (Teil 2) (2004)

FrontCover1Nun Teil 2 dieser spannenden Edition von Jazzaufnahmen, die obwohl es sich um „unerwünschte Musik“ handelte im III. Reich erschienen sind.

Gott sei Dank hat die Forschung über dieses Thema sehr intensiv eingesetzt und so finden sich vielfältige Artiekl undBeiträge zu diesem Thema auch in diversen Internagt blogs. Beispielhaft dafür folgender Beitrag:

„Unter dem dem Titel „Artfremde Kunst und Musik unerwünscht – Jazz im Dritten Reich“ hat Horst H. Lange für die Darmstädter Jazzforschung einen kenntnisreichen Aufsatz verfasst, den ich mir nach langer Zeit wieder einmal zu Gemüte geführt habe. Zitate aus dem Artikel (That’s Jazz – Der Sound des 20. Jahrhunderts, Darmstadt 1988 ) bilde ich kursiv ab.

Vergegenwärtigen wir uns vorweg den Stand des Jazz im Mutterland dieser Musik in jener Zeit, erkennt man, dass er weit davon entfernt war, die Massen zu erreichen und in breite Schichten vorzudringen. Vergessen wir nicht, dass in Amerika tiefgreifender Rassismus und ethnische Trennung vorherrschten und um 1930 der Jazz auch jenseits des Atlantiks rassistischen Vorurteilen ausgesetzt war. Nicht unbedingt von oben angeordnet, aber inmitten der Gesellschaft tief verwurzelt. Schwarze Musiker arbeiteten unter unwürdigen Bedingungen oder wurden gar daran gehindert, ihre Musik auszuüben.

Nun nach Deutschland: Berlin war Ende der 20er-Jahre durchaus ein Zentrum des internationalen Jazz, angeblich nach New York und London möglicherweise das drittgrößte, da habe ich allerdings meine Zweifel. Die Weltwirtschaftskrise und die „damit verbundene sinkende Kaufkraft und Rückgang der Vergnügungsindustrie“ setzten dem Jazz hierzulande bereits mächtig bei. Und auch vor 1933, zum Ende der Weimarer Zeit, gab es bereits offizielle „Ächtungen“ und wohl auch ein Verbot der Ausstrahlung und Aufführung des Jazz in Thüringen. Die Nazis hingegen haben den Jazz zu keiner Zeit gesetzlich verboten. Das einzige Verbot, ohne allzu augenfällige Verbindlichkeit, erließ der „Reichssendeleiter“ im Jahre 1935. Dazu ein Auszug aus dem „Völkischen Beobachter“: „Der Niggerjazz ist von heute ab im deutschen Rundfunk endgültig ausgeschaltet.“ (… es folgt eine Aufführung, welche Gremien und Personen in Zukunft zu entscheiden haben, was gespielt werden darf…) „Alle Sender des deutschen Rundfunks bringen heute zu noch unbestimmter Zeit innerhalb eines Unterhaltungskonzerts eine Jazzparodie, der Art, wie sie in Deutschland zukünftig nicht mehr geduldet werden. Eine gleich darauf folgende, der deutschen Tanzmusik entsprechende Instrumentierung der gleichen Melodie soll die Unterschiede klar machen, die zwischen Niggersang und deutschem Tanzlied bestehen.“

NaziPlakatAngesichts solcher Zitate meine Frage im oben erwähnten Thread: Wie soll in solch einer Atmosphäre Kunst entstehen, sich der kreative Geist entfalten, wenn von kleinbürgerlichem, angstvollem, rassistisch verseuchtem Gedankengut so etwas verordnet wird? Zu meiner Überraschung: Es ging! Nehmen wir die Verbreitung von Schallplatten: Deutsche Plattenfirmen waren vertraglich international gebunden, dass „selbst die Nazis aus devisenrechtlichen Gründen nichts gegen die Einfuhr amerikanischer und englischer (auch Jazz-)Schallplatten unternehmen konnten“ (…)

Und dann nahm der Jazz kurz nach der Machtergreifung auch noch jene Wende zum allseits gefälligen und unglaublich populären Swing, erstmals auch von weißen Musikern in Amerika entscheidend geprägt, dass er „nunmehr als kultivierter Überwinder des alten „wilden“ Jazz der dekadenten 20er Jahre angesehen wurde.“ Um 1936 erlebte die „reinliche“ Swing-Welle gar eine Blütezeit in Deutschland, man nehme beispielsweise Teddy Stauffer, „von den Nazis als schräge Musik bezeichnet, aber zunächst noch halbwegs toleriert, da man ja das internationale Flair Berlins erhalten wollte.“ Und hier revidiere ich meine Meinung gerne: Dass nämlich auch in Deutschland ganz hervorragende Musiker zugange waren, die sowohl instrumentalistisch, als auch vom Ausdruck hervorragende Leistungen gebracht haben.

Swing war – nahezu einmalig in der Jazz-Geschichte – nicht zuletzt auch ehrliche Tanzmusik. Laut Horst H. Lange stieß den Nazis vor allem das „undeutsche Niggergebaren“ beim Ausüben des Tanzes, weniger die Musik selbst derart übel auf, dass es Ermahnungen der Reichsmusikkammer hagelte. Man konnte sich aber anscheinend dennoch einigermaßen durchlavieren, was nicht zuletzt an der Cleverness der Jazz-Ausübenden und der Bräsigkeit der Funktionäre lag, denen man „die Swingmusik oft als neuen deutschen Tanzstil aufschwatzen konnte.“

Kriegsbeginn. Die Lage ändert sich entscheidend. Jazz – von den deutschen Machthabern immer wieder auch mit England in Verbindung gebracht – war jetzt endgültig die Musik des Feindes. „Feindsender“ hören konnte man mit dem Leben bezahlen. Die in Deutschland tätigen Jazzorchester stellten ihre Arbeit ein, nicht zuletzt dadurch, dass ihre Mitglieder zur Wehrmacht einberufen wurden. Außerdem hatte sich im Ursprungsland des Jazz der Wind musikalisch entscheidend gedreht. Die jungen Wilden machten Furore: Charlie Parker, Thelonious Monk, die die Grundfesten der leichten Muse Swing erschütterten und das Tor zum modernen Jazz aufzustoßen begannen.

Der Krieg tobte an vielen Fronten, im Westen rückten Harry James, Glenn Miller & Co im Zuge der allierten Truppenbetreuung vor, Jazz wurde zum Soundtrack der Befreiung. Und auch in Deutschland selbst war es plötzlich wieder möglich, Jazz zu hören. Musiker wie Kurt Widmann, Michael Jary oder Helmut Zacharias hatten hörenswerte Ensembles, durchaus eigenständig musizierend im Vergleich zu ihren amerikanischen Vorbildern. Nicht zuletzt Goebbels veranlasste „nicht so hart gegen die Landserwünsche von schräger Musik vorzugehen, um in ernsten Zeiten eine Lebensfreude zu erhalten.“ Ein absurder Zynismus. Der brachte immerhin sogar wieder deutsche Rundfunk-Swing-Orchester auf den Plan. Selbst im Elend von Theresienstadt, wo auch Krasa noch wirken „durfte“, tolerierte man die „Ghetto Swingers“, deren berühmtestes Mitglied, Gitarrist Coco Schumann, noch bis vor nicht allzu langer Zeit beredtes Zeugnis jener Tage ablegen konnte. Der „totale Krieg“, der Kampf ums nackte Überleben in nahezu jeder deutschen Großstadt, beendete dann das Jazzleben, wohl auch nahezu sämtliches andere kulturelle Leben.

AdalbertLutter

Adalbert Lutter & sein Orchester

Meine Lektüren, die ich hier nur in kurzen Schlagworten zusammenfassen kann, überraschten mich selbst, ob der Komplexität, wie der Jazz im Dritten Reich gegängelt wurde, sich Nischen gesucht hat, dann wieder gefördert wurde und sich immer seinen Weg bahnen konnte. Klar ist aber auch – und da wären wir noch einmal bei Werner Egk: Wirkliche Größe kann sich nur in Freiheit entfalten. Das Ranwanzen an die Herrschenden ging eigentlich immer einher mit der Aufgabe der eigenen künstlerischen Souveränität und Klasse. In der Grauzone, in der Subversivität und mit der Intelligenz, die kulturlosen Machthaber mit größter Intelligenz zu übertölpeln, sind durchaus große Leistungen machbar gewesen. Ich denke da z.B. an Schostakowitsch.“ (Carsten)

Einen weiteren Überblick zum Thema „Jazz in totalitären Diktaturen der 30er Jahre“, verfasst von Martin Lücke lege ich dieser Präsentation bei.

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Titel:
01. Lothar Brühne & das UFA Tanzorchester:  Ein Zug fährt ab (Brühne) (1943)  2.43
02. Orchester Willi Stech: Wenn froh ein Lied erklingt (Berking) (1942) 2.42
03. Dreigroschenband: Truxa Foxtrott (Leux) (1937) 3.03
04. The Admirals: Puttin’ On The Ritz (Berlin) (1930) 3.16
05. Adalbert Lutter & sein Orchester: Weißt du, wie lieb du bist? (Drabek/Walter) (1939) 3.17
06. Willy Berking & sein Tanzorchester: Tempo Tempo (Berking) (1943) 2.34
07. Stan Brenders & sein Tanzorchester: An mein Herz (Jary) (1942) 2.27
08. Willi Stech & sein Orchester: Hochzeitsnacht im Paradies 1 (Schröder) (1943) 3.23
09. Willi Stech & sein Orchester: Hochzeitsnacht im Paradies 2 (Schröder) (1943) 3.10
10. Willy Berking & seine Solisten: Tonleiter (Berking) (1944) 2.39
11.  Dreigroschenband: Wenn ich einmal traurig bin (Reisfeld/Marbot) (1932) 2.46
12.  Elite Tanzorchester & Corny Ostermann: Allerschönste aller Frauen (Grothe/Dehmel) (1943) 3.09
13.  Adalbert Lutter & sein Tanzorchester: Oh Marie, oh Marie (Di Ceglie/Schwenn/Schaeffers) (1944) 2.46
14.  Kurt Widmann & sein Orchester: Schwarze Augen (Ferrari) )1942)  2.58
15.  Willy Berking & sein Tanzorchester: Immer wieder Rhythmus (Berking) (1942) 2.29
16.  Kurt Widmann & sein Orchester: Ja, das ist meine Melodie (Bochmann/Balz) (1941) 2.43
17.  Adalbert Lutter & sein Orchester: Rhythmus der Freude (Kennedy/Carr) (1937) 3.13
18.  Willy Berking & seine Solisten: Rauf und runter (Berking) (1944) 2.39
19.  Dreigroschenband: Ich liebe dich und kenn dich nicht (Grothe/Dehmel) (1934) 3.04
20. Orchester James Kok: Fensterpromenade (Mohr/Walter) (1933) 2.52
21.  Julian Fuhs & sein Jazzorchester: Stella (Michaeloff) (1927)  3:05
22. Kurt Widmann & sein Orchester: Ja, das ist nun mal mein Rhythmus (Widmann) (1942)  2.42
23.  Adalbert Lutter & sein Orchester: Nächte am La Plata (Estvilla) (1933)  3.17
24. Willy Berking & seine Solisten: Synkope (Berking) (1944) 2.45
25. Dreigroschenband:Es war einmal ein Musikus (Schwarz) (1932)  2.39

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Verschiedene Interpreten – Zu schön um wahr zu sein (ca. 1966)

FrontCover1.JPGUnd jetzt wird es wieder mal gnadenlos nostalgisch. Willy Fritsch präsentiert Tonfilmmelodien der zwanziger und dreißiger Jahre … Das Kino-Schlagerprogramm !

Willy Fritsch, geboren als Wilhelm Egon Fritz Fritsch (* 27. Januar 1901 in Kattowitz; † 13. Juli 1973 in Hamburg), war ein deutscher Schauspieler und Sänger. Von 1921 bis 1964 spielte er in fast 130 Kinofilmen und zählte zeitweise zu den beliebtesten Filmstars in Deutschland.

Willy Fritsch war der Sohn des Inhabers der Maschinenfabrik Fritsch & Brattig, Lothar Fritsch. Nach dem Konkurs der Firma zogen seine Eltern mit ihm 1912 nach Berlin, wo der Vater seit 1910 als Betriebsleiter bei Siemens tätig war. Dort begann Willy Fritsch 1915 eine Mechanikerlehre, die er allerdings abbrach. Nach Hilfstätigkeiten am Berliner Landgericht hatte er kleine Einsätze als Komparse im Chor des Großen Schauspielhauses.

Im Jahr 1919 nahm Willy Fritsch privaten Schauspielunterricht an der Max-Reinhardt-Schule und erhielt bald kleinere Rollen am Deutschen Theater. Ab 1920 drehte er regelmäßig Filme und spielte vorzugsweise in Komödien den jugendlichen, eleganten

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Willy Fritsch 1927 auf einer Fotografie von Alexander Binder

Charmeur und Liebhaber an der Seite berühmter Kolleginnen seiner Zeit wie Olga Tschechowa, Ossi Oswalda und Lilian Harvey. Seit 1923 festangestellter Schauspieler der UFA, erlangte er 1925 auch erstmals internationale Beachtung durch seine Hauptrolle in der stummen Operettenverfilmung Ein Walzertraum von Ludwig Berger. Sie brachte ihm ein Angebot der United Artists ein, das er mangels Englischkenntnissen jedoch ausschlug. Durch seine Mitwirkung in den Fritz Lang-Filmen Spione (1928) und Frau im Mond (1929) gelang Fritsch zwischenzeitlich auch der Spagat ins ernsthafte Rollenfach.

Ab 1929 drehte Willy Fritsch Tonfilme, meist mit Lilian Harvey oder Käthe von Nagy. Da es sich häufig um Musikkomödien handelte, nahm er auch Gesangsunterricht. In Melodie des Herzens (1929) sprach er den ersten Satz des deutschen Tonfilms: „Ich spare nämlich auf ein Pferd.“ Jetzt und in den folgenden Jahren wurden viele Melodien aus seinen Filmen zu bekannten und erfolgreichen Schlagern, wie Ein Freund, ein guter Freund oder Liebling, mein Herz lässt dich grüßen (Die Drei von der Tankstelle, 1930), Das gibt’s nur einmal (Der Kongreß tanzt, 1931), Ich wollt‘ ich wär‘ ein Huhn (Glückskinder, 1936) oder Ich tanze mit dir in den Himmel hinein (Sieben Ohrfeigen, 1937). Fritsch spielte außerdem die Hauptrolle in Ihre Hoheit befiehlt (1931) sowie Ein blonder Traum (1932), jeweils nach einem Drehbuch von Billy Wilder. 1935 drehte er unter der Regie von Reinhold Schünzel die von ihm stets als persönlicher Lieblingsfilm bezeichnete, satirische Komödie Amphitryon. Seine Gagen erreichten inzwischen Rekordhöhen. 1937 heiratete Willy Fritsch die artistische Tänzerin Dinah Grace (Ilse Schmidt), mit der er die Söhne Michael und Thomas Fritsch (letzterer ebenfalls Schauspieler) bekam.

WillyFritsch02.jpgWilly Fritsch wurde auf Druck seines Ortsverbandes NSDAP-Mitglied, blieb aber in den Filmen – bis auf zwei Ausnahmen (die Propagandafilme Anschlag auf Baku und Junge Adler) – unpolitisch. Als Parteimitglied wurde er zum Ehrenmitglied der Kameradschaft der Deutschen Künstler sowie in den Beirat der Reichsfachschaft Film berufen, aufgrund seines mangelnden Engagements jedoch nicht mehr mit weiteren Aufgaben betraut. Im August 1944, in der Endphase des Zweiten Weltkriegs nahm ihn Goebbels in die Gottbegnadeten-Liste der Schauspieler auf, die er für die Filmproduktion brauchte, womit Fritsch vom Kriegsdienst freigestellt wurde.

Im Jahr 1939 endete seine Zusammenarbeit mit Lilian Harvey mit dem Film Frau am Steuer, da diese nach Frankreich emigrierte. An der Seite von Marika Rökk spielte er kurz darauf im ersten deutschen Farbspielfilm Frauen sind doch bessere Diplomaten (1940) und wurde allgemein ab 1940 wieder öfter für Kostümfilme besetzt. In dem erfolgreichen, an frühe Tonfilm-Operetten angelehnten und in Wien hergestellten Film Wiener Blut (1942) übernahm Fritsch unter der Regie von Willi Forst neben Theo Lingen und Hans Moser die dritte Hauptrolle. Zusammen mit Hertha Feiler spielte er 1943 außerdem in der Komödie Der kleine Grenzverkehr nach einem Roman von Erich Kästner, der für diesen Film unter Pseudonym auch das Drehbuch verfasste. Die letzten Kriegsmonate verbrachte der Schauspieler in Prag, wo er unter anderem zusammen mit Johannes Heesters für den Film Die Fledermaus vor der Kamera stand und trotz seiner Parteizugehörigkeit wegen „politischer Unzuverlässigkeit“ von der Gestapo überwacht wurde.

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Nach Kriegsende zog Fritsch nach Hamburg und spielte Ende der 1940er Jahre unter anderem in den satirischen Nachkriegsproduktionen Film ohne Titel (1947) an der Seite von Hildegard Knef sowie Herrliche Zeiten (produziert von Heinz Rühmann, Drehbuch Günter Neumann), der 1950 den Silbernen Lorbeer des David O. Selznick-Preises als „bester, der Völkerverständigung dienender Film in deutscher Sprache“ erhielt.[4] Anschließend wandelten sich seine Rollen mehr und mehr vom Geliebten zum Vater, wie seine Rolle als Romy Schneiders Vater in deren Filmdebüt 1953, Wenn der weiße Flieder wieder blüht. Ferner wirkte er in diversen Heimatfilmen mit, u.a. in dem mit dem Bambi als geschäftlich erfolgreichster Film der Spielzeit 1951/1952 prämierten Film Grün ist die Heide. Mit einer Hauptrolle in dem 1958 nach einem Drehbuch von Dieter Hildebrandt produzierten Film Mit Eva fing die Sünde an, der 1962 durch Francis Ford Coppola als dessen Regiedebüt um weitere Szenen ergänzt und unter dem Titel The Bellboy And The Playgirls wiederveröffentlicht wurde, begab sich Fritsch noch einmal ins kabarettistische Fach. An der Seite von Peter Kraus war er außerdem in dem seinerzeit kommerziell sehr erfolgreichen Film Was macht Papa denn in Italien? (1961) zu sehen. Nach dem Tod seiner Frau (1963) zog er sich jedoch bald vollständig von Film und Öffentlichkeit zurück. Seinen letzten Film drehte er an der Seite seines Sohnes Thomas Fritsch im Jahre 1964 (Das hab ich von Papa gelernt). Er hinterlässt ein Werk von fast 130 Filmen. Willy Fritsch starb im Alter von 72 Jahren an einem Herzinfarkt und wurde auf dem Friedhof Ohlsdorf in Hamburg beerdigt. Sein schriftlicher Nachlass befindet sich im Archiv der Akademie der Künste in Berlin(Quelle: wikipedia)

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Ilse Werner

Und dieser illy Fritsch führt mit launigen Worten durch diese Filmschlager-Revue … und natürlich war jene Genreration, die sich durch das III. Reich zu quälen hatte, die Zielgruppe für diese LP (Es war bereits die 4. LP dieser Reihe).

Überrascht war ich, wie viele der Filmtitel und die dazu passenden Schlager mir „irgendwie“ bekannt erschienen … Stichwort: kollektives Bewusstsein ….

Und natürlich hören wir keine Worte über jene Zeit, die z.B. dazu führte, dass ein Joseph Schmidt als Jude unser Land im Jahre 1933 verlassen musste … um dann nach einer Odyssee  im Jahr 1942 in einem schweizerischem Lager letztlich qualvoll sterben musste.

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Ein weiteres Beispiel dafür, wie man all diese geschichtlichen Ereignisse so locker vom Hocker verdrängen konnte und wollte.

Also: hier jede Menge Filmhits jener Dekaden … in einer gelegentlich wahrlich „knackigen“ Qualität … mit einem gelegentlich bitterem Beigeschmack.

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Titel:

01. Zu schön um wahr zu sein (Teil 1) 29.42
01.01. Willy Fritsch: Bin kein Hauptmann (aus: „Melodie des Herzens“, 1929)
01.02. Lilian Harvey: Das gibt’s nur einmal (aus: „Der Kongreß tanzt“, 1931)
01.03. Jan Kiepura: Ob blond, ob braun (Ich liebe alle Frau’n, 1935)
01.04. Gitta Alpar: Wir sind jung (aus: „Die oder keine“, 1930)
01.05. Anny Ondra & Hans Söhnker: Auf der Rue Madeleine (aus: „Der Unwiderstehliche“)
01.06. Horst Schimmelpfennig: Donkey Serenade (aus: „Tarantella“)
01.07. Victor de Kowa: Guten Morgen, liebe Sonne (aus: Vielleicht war’s nur ein Traum“)
01.08. Marlene Dietrich: Ich bin von Kopf bis Fuß (aus: „Der Blaue Engel“, 1930)
01.09. Pola Negri: Nur eine Stunde (aus: „Mazurka#“, 1935)
01.10. Jenny Jugo: Ich bin lustig (aus: „Pygmalion), 1935)
01.11. Zarah Leander: Nur nicht aus Liebe weinen (aus: „Es war eine rauschende Ballnacht“, 1939)
01.12. Joseph Schmidt: Ein Lied geht um die Welt (aus: „Ein Lied geht um die Welt„, 1933)

02.Zu schön um wahr zu sein (Teil 2) 29.47
02.01. Evelyn Künnecke: Weißt du noch, Liebling
02.02. Willy Fritsch: Warum hat die Adelheid (aus: „Frau am Steuer“, 1939)
02.03. Comedian Harmonists: Kleiner Mann was nun (aus: „Kleiner Mann was nun„, 1933)
02.04. Rudi Schuricke: Stern von Rio (aus: „Stern von Rio“ 1940)
02.05. Wilhelm Strienz: Steig ein in die Gondel (aus: „Casanova heiratet“, 1939)
02.06. Marika Rökk: Lieder, die uns der Zigeuner spielt (aus: „Heißes Blut“, 1936)
02.07. Willi Forst: Ich liebe, du liebst (aus: „Burschenlied aus Heidelberg“)
02.08. Lizzi Waldmüller: Du hast Glück (aus: „Bel Ami“, 1939)
02.09. Richard Tauber: Dein ist mein ganzes Herz (aus: „Land des Lächelns“ 1932)
02.10. Hans Albers: Das ist die Liebe der Matrosen (aus: „Bomben auf Monte Carlo“, 1931) + Flieger, grüß mir die Sonne (aus: „FP 1 antwortet nicht“, 1931)
02.11. Heinz Rühmann & Hertha Feiler: Mir geht’s gut (aus: „Lauter Lügen“, 1938)
02.12. Ilse Werner: Wir machen Musik (aus: „Wir machen Musik„, 1942)
02.13. Will Glahé Orchester; Können sie schon Fernsehen (aus: „Es geht um mein Leben)

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Verschiedene Interpreten – Swing tanzen verboten (Teil 1) (2004)

FrontCover1Das mit dem Jazz im III. Reich ist schon eine recht vertrackte Geschichte, die man schon sehr differenziert betrachten muss, um dem Thema gerecht zu werden.

So beschreibt man es im üppigen Begleitheft diese 4 CD Edition:

„Nachdem die Nationalsozialisten 1933 an die Macht gekommen waren, widmeten sie sich sehr schnell der „Säuberung“ der Kulturszene von sogenannten „artfremden“ Einflüssen. Neben der Malerei, dem Film und Theater begannen die braunen Machthaber, auch alle
Bereiche der Musik und Unterhaltung in ihrem Sinne zu steuern.
Im Würgegriff der nationalsozialistischen Machthaber haben sich inige der großen Musiker, die auf diesen CDs vertreten sind, nicht gebeugt und aus Überzeugung die Musik gespielt, die ihnen und einem aufgeklärten Publikum Spaß machte. Viele dieser standhaften Musikschaffenden haben dafür teuer bezahlen müssen: Emigration
– Folter – Flucht – Tod waren die Folge von unliebsamer politischer Gesinnung, von „falscher“ Religion, Hautfarbe oder Homosexualität.“

Keine Frage, Jazzmusik war grundsätzlich „unerwünschte Musik“, doch dies reichsweit durchzusetzen, war alles andere als leicht. In den großen Metropolen gab es durchaus noch Swing-Tanz-Abende, im ländlichen Raum konnten man die Menschen mit Verboten schon leichter schikanieren.

Das bringt mich zu dem bekanntem Schild „Swing tanzen verboten – Reichskulturkammer“:

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Ein solches Verbotsschild gab es im III. Reich nicht … die Historie, wie sich dieses Schild dennoch als „authentisches“ Schild seinen Namen machte, kann man in dem hochinteressanten Artikel von Bodo Mrozek nachlesen (liegt als pdf Datei bei; Quelle: pophistory.hypotheses.org).

Ich werde diesem Thema in der nächsten Zeit immer wieder mal ansprechen … denn im Laufe der nächsten Zeit sollen hier alle Titel diese 4 CD´s vorgestellt werden. Weiteres Begleitmaterial wird dann jeweils dazugepackt.

Und ja; mich friert es, insbesondere bei jenen Aufnahmen aus dem II. Weltkrieg, als Europa bereits in Schutt und Asche lag … und dann diese Musik … das gleiche gilt allerdings auch für den köstlichen Heinz Rühmann Film „Die Feuerzangenbowle“, der ja 1944 entstand … es gruselt mich …

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Efim Schachtmeister mit seinem Jazz Symphonie Orchester

Titel:
01. Ben Berlin & sein Orchester: Fliegerlied (Zamecnik) (1928) 2.43
02. Paul Godwin & das Künstlerensemble: Das Lied vom Angeln (Kollo) (1926) 3.16
03. Haller Revue Orchester: Komm ins Grüne, Karoline (Kollo/Haller) (1927) 4.44
04. Ludwig Rüth & seine Band: Lassen Sie mal sehn (Shay/Tobias) (1928)   3.02
05. Efim Schachmeister & sein Tanzorchester: Ausgerechnet Bananen (Youmans) (1923) 3.20
06. Emanuel Rambour: Ich bring dich um die Ecke, zum Autobus (Igelhoff/Dehmel) (1938)  2:23
07. Dreigroschenband: Der tanzende Tambourin (Pollo/Ponce) (1928) 3.20
08. Ludwig Rüth & seine Band: Der Duft, der eine schöne Frau begleitet (May) (1928) 3.17
09. Julian Fuhs & sein Orchester: Kannst du Charleston, tanzt du Charleston (Myers) (1926) 2.37
10. Adalbert Lutter & sein Orchester: Fifi (Garcia) (1935)  3.18
11. Kurt Widmann & sein Orchester: Schönes Wetter (Funk/Niepel) (1941) 2.28
12. Dreigroschenband: Der Song von Mandelay (Weill/Brecht) (1929) 3.05
13. Ludwig Rüth & sein Orchester: Czardas, Czardas (Plessow/Halton/Schwenn) (1938) 2.03
14. Adalbert Lutter & sein Orchester: Poor Dinah (Morrow) (1937) 3.22
15. Michael Jary & sein Orchester: Karo-Sieben (Munsonius) (1943) 2.49
16. Willy Berking & sein Orchester: Hexentanz (Winkler/Balz) (1940) 2.29
17. Franz Thon & seine Tanzrhythmiker: Golfstrom (Wernicke) (1941) 2.34
18. Dreigroschenband: Im Radio gibt es heute Tanzmusik (Profes/Beckmann) (1937) 2.54
19. Tanzorchester Oskar Joost: Tanz noch einmal (Radtke) (1939) 2.42
20. Michael Jary & sein Orchester: Fenstergucker (Munsonius) (1940) 2.40
21. Willy Berking & sein Tanzorchester: Ein Stern ist vom Himmel gefallen (Kreuder) (1943)  2.28
22. Willi Stech & sein Orchester: Wir machen Musik (Igelhoff/Steimel) (1944) 2.38
23. Orchester Stan Brenders: Ja und nein (Grothe) (1940) 2.55
24. Orchester Fud Candrix: Mit einer kleinen Melodie (Heinz/Weiss/Pfrötschner) (1940) 2.57
25. Willy Berking & seine Solisten: Legato (Berking) (1944) 2.57

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Verschiedene Interpreten – Hits aus der Flimmerkiste 1 (1978)

FrontCover1Also irgendwie ist mir dieses Amiga-Album sehr sympathisch.

Das hat nicht nur damit zu tun, dass man hier Film-Schlager der Marke Asbach uralt hören kann, sondern dass die Amiga Verantwortlichen hier wohl aus der Not eine Tugend gemacht haben.

Vermutlich hatte meinen keinen Zugang zu den Original-Tonspuren (ich habe keine Ahnung, wo die damals lagerten) und so schnipselte man einfach die Tonspur aus den vorhandenen Filmstreifen heraus.

Und so kann man dann auf der Rückeite der LP-Hülle folgendes lesen:

Bei den auf dieser LP veröffentlichten Titeln handelt es sich um den Original Lichtton aus den genannten Spielfilmen, vereinzelte abrupte Anfänge bzw. Schlüsse ergeben sich aus der Filmhandlung.

Da haben also die Tontechniker der Amiga Studios ganze Arbeit geleistet.

Maria Cebotari

Maria Cebotari

Und so hören wir nun jede Menge Schmachtfetzen, ein paar Frivolitäten (natürlich nur zwischen den Zeilen) und ein Wiederhören mit den damals angesagten Stars.

Als da wären:
Heinz Rühmann, Hans Albers, Marlene Dietrich, Marika Rükk, Johannes Heesters, Hans Moser uviele mehr.

Aber dann auch eher unbekannter Künstler wie: Lilian Harvey, Jan Kiepura oder Margot Hielscher („Frauen sind keine Engel“, wie wahr, wie wahr … kicher).

Hereinspaziert … es ist angerichtet … Vorhang auf für nostalgische Klängen aus einer schaurigen Zeit. Ein Titel wie „Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein“ ist ntaürlich Zynismus pur … für das Jahr 1936.

Man konzipierte dieses Album als Nehrteiler, denn Folge 2 und 3 sind dann auc noch erschienen … spricht wohl dafür, dass für diese „ollen Kamellen“ in der damaligen DDR durchaus auch ein Markt vorhanden war.

Und das Cover ist wirklich Klasse !

Margot Hielscher

Margot Hielscher

Titel:
01. Heinz Rühmann & Hans Albers; Jawoll, meine Herrn (Sommer/Gusch) 2.11
02. Marlene Dietrich: Ich bin von Kopf bis Fuß auf Liebe eingestellt (Hollaender) 1.37
03. Paul Hörbiger: Das muß ein Stück vom Himmel sein (Heymann/Gilbert) 1.37
04. Lilian Harvey: Das gibt’s nur einmal (Heymann/Gilbert) 2.18
05. Hans Albers: Auf der Reeperbahn nachts um halb eins (Roberts) 1.09
06. Jan Kiepura: Mein Herz ruft nach dir, oh Marita (Stolz/Marischka) 3.34
07. Marika Rökk: Für eine Nacht voller Seligkeit (Kreuder/Schwenn) 1.15
08. Hans Moser:  Reblaus-Lied (Förderl/Marischka) 3.18
09. Lizzi Waldmüller: Laßt den Kopf nicht hängen (Lincke/Bolten-Baeckers) 1.17
10. Joseph Schmidt: Ein Lied geht um die Welt (May/Neubach) 1.50
11. Johannes Heesters: Man müßte Klavier spielen können (Schröder/Beckmann) 2.46
12. Margot Hielscher: Frauen sind keine Engel (Mackeben/Beckmann) 1.11
13. Willi Forst: Ich bin heute ja so verliebt (Schmidt-Gentner/Beckmann) 1.35
14. Ursula Herking & Theo Lingen: Schenk mir doch ein kleines bißchen Liebe (Lincke/Bolten-Baeckers) 1.18
15. Grete Weiser: Ja, ja, das männliche Geschlecht (Grothe/Dehmel) 2.17
16. Hans Moser & Paul Hörbiger: Ich trag‘ im Herzen drin (Profes/Petrak) 2.22
17. Peter Igelhoff: Der Onkel Doktor hat gesagt… (Igelhoff/Richter) 1.45
18. Maria Cebotari: Ich bin auf der Welt, um glücklich zu sein (Mackeben/Beckmann) 2.31
19. Marika Rökk: Sing‘ mit mir (Grothe/Dehmel) 3.17

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Joseph Schmidt

Joseph Schmidt (* 4. März 1904 in Dawideny, österreichisches Kronland Bukowina; † 16. November 1942 im Internierungslager Girenbad oberhalb von Hinwil, Kanton Zürich, Schweiz) war ein österreichischer Opernsänger (lyrischer Tenor). Um 1930 gehörte er zu den bekanntesten Sängern in Deutschland. Nachdem er 1933 als Jude aus Deutschland fliehen musste, gelangte er schließlich in die Schweiz, wo er in einem Lager erkrankte und mangels Hilfeleistungen starb.

Verschiedene Interpreten – Programm für Millionen – Original-Dokumentation zum Thema 50 Jahre Deutscher Rundfunk (1973)

FrontCover1Also, wer sich für die Geschichte des deutschen Rundfunks auch nur annähernd interessiert, kommt an dieser Präsentation eigentlich nicht vorbei !

Am 29. Oktober 1923 ging der deutsche Rundfunk seinen Weg in das Land.

Und von daher kam es, dass man dann 1973 – man feierte das 50. Jubiläum – diese aufwendig gestaltete Box auf den Markt brachte.

Und wir hören „wichtige und interessante Höhepunkte aus Rundfunksendungen der Vergangenheit. Zwei Langspielplatten und ein reichbebildertes Beilageheft. Ein radioaktiver Report über ein erregendes Stück Zeitgeschicht 1923 – 1949“.

So kann man es auf der Hülle lesen. Und damit nicht genug … es gibt dann noch als Drauf- bzw. Zugabe eine Bonus-Single mit den Titeln „Liebes altes Dampfradio“ (Bully Buhlan) und „Ti-Pin-Tin“ (Teddy Stauffer mit der Sängerin Rosita Serrano – live in Berlin am 22. November 1938 in Berlin).
Dieses Werk konnte nur entstehen in der Zusammenarbeit mit dem „Deutschen Rundfunkarchiv“… und die Zusammenstellung (was für eine Wahnsinnsarbeit) lag bei Walter Haas (damals Redakteur des NDR).

Was soll ich da noch schreiben … außer, dass diese Box einfach ne Wucht ist … unglaublich, was hier zusammengetragen wurde (ich hätte die Auswahl nicht treffen wollen).

Zu hören gibt es

Ergreifendes, sportliches, politisches, amüsantes, literarisches aus 5 Jahrzehnten, eine schier unglaubliche Fülle … Prädikat: atemberaubend !

 

Hier ein paar Beispiele aus dem ausführlichem Begleitheft (liegt der Präsentation bei, versteht sich ja von selbst)

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Titel:

01. 1.Teil: 1923-1930  (27.29)
02. 2.Teil: 1930-1932  (27.10)
03. 3.Teil: 1933-1934  (27.14)
04. 4.Teil: 1935-1949  (28.03)
+
05. Bully Buhlan: Liebes, altes Dampfradio (Jary/Haas) 5.20
06. Teddy Stauffer + Rosita Serrano: Ti-Pi-Tin (Grever) 3.41

Und so schaut dann die Titelliste von Teil 1 aus:

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Der geneigte Leser wird es nachvollziehen, dass ich hier nicht alle Titel abtippen wollte …

Weitere Informationen befinden sich dann im Begleitheft.

Wer hier nicht zuschlägt, dem kann ich auch nicht mehr helfen.

 

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Die Extra Single

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Zarah Leander – Yes Sir ! (Ende 50er Jahre)

FrontCover1Ein wahrlich schillender Lebenslauf:

Die schwedische Diva mit der Baritonstimme wurde 1936 von der Ufa engagiert, um Marlene Dietrich, die Nazi-Deutschland den Rücken gekehrt hatte, zu ersetzen und der siechen deutschen Filmindustrie einen zugkräftigen Star zu verschaffen. Zarah enttäuschte nicht – ihre Filme zählten mit wenigen Ausnahmen zu den beliebtesten und profitabelsten im Dritten Reich. Sie selbst bekam eine höhere Gage als jedeR andere Ufa-AngestellteR, sogar mehr als Emil Jannings, Hans Albers oder Gustaf Gründgens. Ihre dunkle Stimme, ihr “Kuhgesicht” (Detlev Sierck) und ihr geheimnisvoller, schräg nach oben gerichteter Blick wurden zu ihrer Signatur; sie ließen auf lodernde Sinnlichkeit, verborgene Leidenschaft, unendliche Sehnsucht, Läuterung durch Verzicht – und was die Augen betrifft, starke Kurzsichtigkeit schließen

ZarahLeander01Zarah spielte fast immer die melodramatische Rolle einer glamoureusen, leicht verruchten Schauspielerin oder Sängerin, die sich in der Liebeswahl irrt und den ganzen Film hindurch dafür büssen muss, bis sie schliesslich einem einfacheren Glück und einem geraden, durchschnittlichen Mann nachgibt. Sie verkörpert dadurch beides – die verführerische Femme fatale und die treue, sich aufopfernde Märtyrerin. Ihrem Publikum bot sie einerseits die Möglichkeit zum Phantasieren durch die exotischen Kostüme und Schauplätze ihrer Filme, zugleich aber die Botschaften von Tugend und Durchhaltemoral.

FrauenbildZarah Stina Hedburg wuchs mit vier Brüdern in einer gutbürgerlichen Familie in Karlstad, Schweden, auf. Sie bekam schon mit vier Jahren Klavierunterricht und versuchte 1926 die Aufnahmeprüfung an der Schauspielschule in Stockholm. Sie fällt durch, heiratet den jungen Schauspieler Nils Leander und bekommt zwei Kinder. Die Ehe geht bald schief (Leander ist Trinker), und Zarah tritt 1929 ihr erstes Engagement in einer Unterhaltungsrevue an. Die nächsten fünf Jahre wird sie durch ihre Auftritte in Revuen, Lustspielen und Operetten in ganz Skandinavien berühmt. Der wahre Durchbruch kam 1936 in Wien, wo Zarah in einer neuen Operette einen gefeierten Hollywood-Star vom Typ Garbo spielte. Wegen ihrer dunklen, “unweiblichen” Stimme wurde sie zur Sensation, die auch den deutschen Filmbonzen nicht entging. Sie machten ihr ein grosszügiges Angebot, das Zarah akzeptierte. Nun begann die Ufa einen grossangelegten Werbefeldzug, um Zarah Leander systematisch zum neuen Star des deutschen Films aufzubauen.

ZarahLeander03Bis zu ihrer Rückkehr nach Schweden 1943 spielte Zarah in 10 Filmen der Ufa, darunter “Zu neuen Ufern” und “La Habanera”, beide 1937 unter der Regie von Detlef Sierck (der später in Hollywood als Douglas Sirk mit seinen Melodramen Karriere machte); “Heimat” (1938, Regie Carl Frölich); und drei Filmen unter dem Regisseur Rolf Hansen, “Der Weg ins Freie” (1941), “Die grosse Liebe” (1941/42) und “Damals” (1943). Ihre Lieder (am häufigsten vom schwulen Texter Bruno Balz) – z.B. “Kann denn Liebe Sünde sein?” (1938), “Davon geht die Welt nicht unter” (1942), “Ich weiss, es wird einmal ein Wunder gescheh’n” (1942) – wurden die beliebtesten Schlager der Nazi-Zeit.

Obwohl sie lange wegen ihrer guten Beziehungen zu den Nazis von ihren schwedischen Landsleuten geächtet wurde, gelang Zarah Leander ab den 1950er Jahren ein Comeback als Sängerin und (weniger erfolgreich) als Schauspielerin. Ihre grössten Fans waren wieder Deutsche – vor allem verehrt das schwule Publikum sie, hingerissen von ihrer androgynen Stimme, ihrem exzessiven Stil, opulenten Aussehen und ihrer sinnlichen, offen zur Schau gestellten Sehnsucht. (Quelle: http://www.fembio.org)

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Hier einer der unzähligen Zarah Leander LP´s, die als Zusammenstellung auf den Markt kamen.

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Ariola Originalausgabe

Ursprünglich wurde sie auf Ariola Records veröffentlicht (vermutlich Ende der 50er Jahre); mein Exemplar ist eine Ausgabe für den sog. „Europäischen Phonoclub“, der von Bertelsmann ins Leben gerufen wurde.

Schon erstaunlich wie offenherzig und z.T. nicht nur dezent frivol damals gesungen werden konnte („Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“) … das greift das Thema „Sexualität und Nationalsozialismus“ auf … kulturgeschichtlich ein interessantes Thema … aber das würde hier zu weit führen …

Es bleiben all die Lieder … diverse Schmachtfetzen sind auch dabei … es bleibt mein Grübeln über die Rolle der Zarah Leander im III. Reich … ein heiß diskutiertes Thema übrigens …

„Sie war das große Filmidol im Dritten Reich, besonders Joseph Goebbels verehrte sie. Später wurde sie auch zur Schwulenikone. Die vor 100 Jahren geborene Zarah Leander führte ein widersprüchliches und unangepasstes Leben.“ (Quelle: Stern, 2007)

ZarahLeander05

Besetzung:
Zarah Leander (vocals)
+
FFB Tanzorchester unter der Leitung von Friedrich Schröder, Arna Hülphers, Macky Kaspar, Simon Krapp, Werner Eisbrenner
Orchester Charles Nowa
Die Starlets

BackCover1

Titel:
01. Yes, Sir ! (Benatzky) 2.17
02. Kann denn Liebe Sünde sein? (Balz/Brühne) 3.01
03. Ein Leben ohne Liebe (Olias/Colpet) 2.32
04. Ich steh´ im Regen (Benatzky) 3.11
05. Nur nicht aus Liebe weinen (Beckmann/Mackeben)
06. Er heißt Waldemar (Balz/Jary) 3.07
07. Davon geht die Welt nicht unter (Balz/Jary) 2.30
08. Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben (Grünwald/Straus) 3.20
09. Ich hab‘ eine tiefe Sehnsucht in mir (Benatzky) 3.52
10. Nachts ging das Telefon (Kollo)
11. Wenn der Herrgott will (Schwabach/Jary) 2.14
12. Ich weiß, es wird einmal ein Wunder geschehn (Balz/Jary) 3.27

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Ludwig Manfred Lommel – Das Neueste aus Runxendorf (1969)

frontcover1Er galt und gilt vielleicht auch noch als er größte schlesische Humorist im letzten Jahrhundert:

Dem Ludwig Manfred Lommel (* 10. Januar 1891 in Jauer/Niederschlesien; † 19. September 1962 in Bad Nauheim) ) war die Komik keineswegs in die Wiege gelegt:

Geboren am 10. Januar 1891 im schlesischen Jauer, wuchs er in Neukirch an der Katzbach (heute Nowy Kosciol) auf, wo sein Vater eine Tuchfabrik betrieb. Für künstlerische Ambitionen war in dieser Welt kaum Raum, doch während seiner kaufmännischen Ausbildung in Bremen nahm Lommel heimlich Schauspielunterricht. Sehr zum Missfallen des Vaters, der ihn prompt nach Manchester verbannte, wo er in der gestrengen Obhut von väterlichen Geschäftsfreunden weiter lernen und arbeiten sollte. Aber auch hier ließ er sich nicht davon abhalten, nebenher Theater zu spielen, was zum völligen Zerwürfnis mit seinen Eltern führte.

Mittellos reiste er in seine Heimat zurück, wo er sich unter sehr bescheidenen Umständen mit ersten solistischen Auftritten verdingte, wie er später selbst schilderte: „Ganz einfach, ich nahm ein Fahrrad und fuhr damit von Dorf zu Dorf. Ich war mein eigener Plakatankleber, mein eigener Billettverkäufer und Kontrolleur, mein eigener Vorhangzieher und natürlich auch mein eigener Vortragskünstler mit eigenem Repertoire. Zwei Stunden lang musste ich allein das Programm in dem jeweiligen Dorfgasthaus oder Gerichtskretscham bestreiten, bis meine lieben Bauern eingeschlafen waren, sofern das nicht schon beim Hochziehen des Vorhangs der Fall war.“
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Siegfried Klupsch (links) und Ludwig Manfred Lommel in dem Sketch „Pauline im Wohlfahrtsamt“ in der Berliner Scala 1937.

Nach dem ersten Weltkrieg, den Lommel als Offizier der Reserve überstand, versuchte er noch einmal, einem Beruf fernab des Künstlertums nachzugehen und als Weinhändler Fuß zu fassen. Er blieb wohl der bessere Humorist, begann von Neuem zu tingeln und wurde für die Schlesische Funkstunde verpflichtet. Für dieses Engagement erfand er „Runxendorf auf Welle 0,5“, betrieben vom Ehepaar Pauline und Paul Neugebauer und vom Kutscher „Herrmoann“, der auch – wenn nötig – am Klavier begleitete: „Wenn Rom auch nicht an einem Tag erbaut worden ist, so ist Runxendorf doch in einer Nacht entstanden. […] Es ging mir damals nicht gerade gut, als der Breslauer Sender mir eines Abends auftrug, eine ganz neue Sache zu bringen. Das war eine große Chance. Also setzt ich mich noch in derselben Nacht hin, und da fiel mir das alles ein, was Sie als 50. Stiftungsfest der Freiwilligen Feuerwehr zu Runxendorf kennen. Die Funkleute wollten zuerst gar nicht an das Zeug heran. Aber dann konnte ich auf einmal nicht genug Neuigkeiten aus Runxendorf fabrizieren.“

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Dieser Fantasieort Runxendorf mit seinen teils autobiographisch beeinflussten Geschichten und Gesichtern – wie dem Kantor Stockschnupfen oder dem Baron Rülps von Kullrich – wurde zu Lommels Dauerbrenner. In den Hörspielen, die als Mehrpersonensketche angelegt waren, lieh Lommel bis zu zwölf verschiedenen Figuren seine wandlungsfähige Stimme. Seine Fähigkeiten ließen ihn nach dem Funkdebüt 1924 zu einem der beliebtesten Humoristen des Radios aufsteigen.

1927 folgten die ersten von zahlreichen Schallplattenaufnahmen, hier wie auf Live-Tourneen gab bis zu seinem frühen Tod Siegfried Klupsch den Klavierbegleiter und Herrmoann.

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Filmbildkarten aus den 30er Jahren

Lommels Karriere führte ihn auf Gastspielreisen durch zahlreiche Städte Deutschlands bis nach Berlin, wo er an verschiedenen Theatern tätig war. Auch die Filmbranche wurde vorstellig und engagierte ihn allein bis zum Kriegsende für zwölf Streifen, darunter vier Spielfilme. Er betätigte sich als Autor, ab September 1938 auch als Theaterleiter am Großen Lustspielhaus in der Friedrichstraße.

In der Nachkriegszeit engagierte sich Lommel in besonderer Weise für seine heimatvertriebenen schlesischen Landsleute. Er war stolz, als ihm Bundespräsident Theoder Heuss Mitte 1956 für seine „Lommel-Hilfe“ das Bundesverdienstkreuz erster Klasse verlieh. Sein Name zog nachwievor, seine Auftritte waren bestens besucht: Er gastierte als „Hauptmann von Köpenick“ an mehreren deutschen Bühnen, trat im Zirkus auf, kam mit der „Christel von der Post“ (1956) noch einmal auf die Leinwand und arbeitete für viele deutsche Rundfunksender

Während einer seiner Gastspielreisen starb Ludwig Manfred Lommel am 19. September 1962 in Bad Nauheim. Lommel war zweimal verheiratet und hatte fünf Kinder, die teils in künstlerischen Berufen die Familientradition eines großen Humoristen fortführten … .(Josef Westner)

Und das waren dann:
Hans (1916–2000)
Ruth Lommel (1918–2012) war Schauspielerin
Werner (1922–1944), im Zweiten Weltkrieg hingerichtet
Ulli Lommel (* 1944) ist Schauspieler und Regisseur
Manuel Lommel (* 1949) ist Kameramann

Und hier hören wir zum einen das keifende Ehepaar Paul und Pauline Neugebauer, aber wir hören auch den die Obrigkeiten und auch das Militär verulkenden Lommel  … von daher ist er einer jener „anarchistischen“ Unterhaltungskünstler der 30er Jahren … der wohl als Mitläufer den Nationalsozialismus überlebt hat ….

Und wir hören diesen gewaltigen Stimmakrobaten Lommel … teilweise unglaublich (z.B bei „Meinen sie nicht, daß das stört“ dem definitiven Höhepunktes dieser Doppel-LP)

Und auch wenn er nicht ganz an dem Karl Valentin herankommt … der Humor des Ludwig Manfred Lommel – auch wenn man ihn erstmal als „antiquiert“ abtun könnte – hat was zeitloses.

Die Aufnahmen entstanden zwischen 1928 und der Mitte dreißiger Jahre … und das feine Album stammt aus der Schallplattensammlung meines Vaters.

Und daher, eignet sich dieses Doppelalbum ganz gut … die Faschings und Karnevalszeit ausklingen zu lassen …

Und morgen beginnt dann die Fastenzeit, die wir hier in Bayern gerne mit Starkbier zelebrieren.

schellack

Schellack-Aufnahmen aus den 30er Jahren

 Besetzung:
Ludwig Manfred Lommel (Sprecher bei allen Rollen)
+
Siegfried Klupsch (piano)
Werner König (piano)
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Titel:
01. Lachen in Runxendorf  6.09
02. Ärger mit dem Finanzamt 5.39
03. Pauline als Sekretärin 6.14
04. Pauline und der Kirschkuchen 3.00
05. Pauline geht schlafen 2.45
06. Neugebauer am Fahrkartenschalter 4.49
07. Neuestes aus Runxendorf  5.51
08. Dr. Paul Neugebauer hat Sprechstunde  5.31
09. Garnison Runxendorf 5.23
10. Pauline und die Gallenverkalkung 5.35
11. Lommels neueste Erfindung und sein Brief an Lehrer Stockschnupfen 5.16
12. Mein früherer Beruf 3.48
13. Pauline lernt schwimmen 6.08
14. Probesingen in Runxendorf 7.18
15. Pauline läßt sich scheiden 6.47
16. Meinen sie nicht, daß das stört 6.17
17. Bahnhof Runxendorf  5.31
18. Treibjagd in Runxendorf  5.59
19. Neugebauers hören Radio 5.24
20. Auf einer Bank 2.40
21. Und das war Pauline 3.10
22. Mir ist schon alles ganz egal 3.35
Texte: Ludwig Manfred Lommel
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Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net

Otto Reutter verfasste folgende Zeilen über Ludwig Manfred Lommel:

„Ihr saht den Lommel oft am Mikrophone stehen.
Der Hörer hört ihn, ohne ihn zu sehen.
Doch seine Neider verfolgen ihn mit Flüchen,
sie könn’n ihn – weder seh’n noch hör’n, sie könn’n ihn nicht ‘mal riechen.
Eins möcht‘ gern Prosa, das andre schätzt ein Liedchen.
Es ist unmöglich, alle zu befried’gen,
drum freut er sich, wenn jetzt Applaus ausbricht, –
bei uns am Rundfunk hört man’s leider nicht.“