Matrosenchor Crew X 62 – Rolling Home (50er Jahre)

FrontCover1Und jetzt mal wieder ein Blick in den hohen Norden, an die Waterkant also … und da tummeln sich quasi seit Menschengedenken jene „Shanties§ und Seemannslieder, die wohl zu dieser Region gehören wie die Luft zum atmen.

Und hier hören wir vier Klassiker dieses Benres, dargeboten von einemEnsemble mit dem etwas rätselhaften Namen „Matrosenchor Crew X 62“, na ja, zumindest rätselhaft für ein Landei wie ich es bin.

Und das klingt schon ziemlich gut: fein, sauber und stimmungsvoll intoniert hören wir einen Männerchor, sparsam hin und wieder mit einer Gitarre begleitet.

Interessant ist die Geschichte des Klassiker „De Hamborger Veermaster“

De Hamborger Veermaster (hochdeutsch: Der Hamburger Viermaster) ist ein Shanty auf Plattdeutsch mit englischem Refrain.

Das Lied ist eine Adaption des englischen Shantys „The Banks Of Sacramento“. Die Melodie stammt von einem Kirchenlied, einem Minstrel (Vers), der Refrain des Textes aus der englischen Ballade „Ten thousand miles away“. Es handelt sich um einen Capstan-Shanty (auch Gangspill-Shanty), der von der Besatzung während des VeermasterHeraufhievens der Ankerkette gesungen wurde. Der Gangspill, die handbetriebene zylindrische Ankerwinde auf dem Vorschiff, um die sich die Kette dabei legte, hieß damals auch „Capstan“.

Das Lied wurde zwischen 1934 und 1936 durch das Liederbuch „Knurrhahn“, eine Sammlung deutscher und englischer Seemannslieder, bekannt. Zudem wurde es in studentische Kommersbücher, beispielsweise im Wingolf des Wingolfsbundes, und in den Liedschatz der Jugendbewegung aufgenommen, danach in zahlreiche Liederbücher und Alben.

Der „Hamborger Veermaster“ hat einen sozialkritischen Hintergrund. Derlei Texte über Schiff, Kapitän, Ausrüstung und Verpflegung (der Schiffszwieback kann wegen der Brotmaden von selber laufen) zu singen, gehört zu den aus der Ethnologie bekannten Spottbräuchen (joking relationships), und was über diesen Hamburger Großsegler ausgesagt wird, kann auch auf Missstände des eigenen Schiffs bezogen werden.

Der durch den kalifornischen Gold Rush von 1848/49 im Refrain näher datierbare Shanty könnte sich eventuell auf die „Deutschland“ beziehen, die 1847 von der Hapag in Dienst gestellt wurde. Die Hapag war auf Auswanderertransporte spezialisiert, daher dürfte die „Deutschland“ notorisch überfüllt gewesen sein und kaum in Schuss zu halten (vgl. die Strophen 2 und 3).

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Und so schaut´s dann in einem Hamburger Lokal aus, das sich „Hamborger Veermaster“ nennt.

Während der Text des originalen amerikanischen Vorbildes die Reise um Kap Hoorn beschreibt, wurde die Melodie auch für das Lied „The camptown ladies“ mit dem gleich gebliebenen Refrain verwendet. Dabei geht es um die Damen, die zum Amusement der Männer in den Goldgräberzeltstädten lebten.

Und das Titelbild (eine Reproduktion eines Gemäldes von Johannes „Joh´s“ Holst) schaut einfach nur Klasse aus !

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Besetzung:
Matrosenchor Crew X 62 unter der Leitung von Rolf Martens + Heiner Glitsch

BackCover1

Titel:
01. De Hamborger Veermaster (Vullrigger) 3.22
02. Johnny – Johnny (Traditional) 3.42
03. Good-night Ladies (Traditional) 2.13
04. Rolling Home (Magelhan) 4.05

LabelB1

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Anton Karas – In Grinzing beim Heurigen (60er Jahre)

FrontCover1Die Geschichte von Anton Karas ist und bleibt unweigerlich mit seinem „Harry Lime Theme“ verknüpft, jener legendäre Soundtrack zu dem nicht minder legendären Film „Der dritte Mann“ verknüpft:

Anton Karas (* 7. Juli 1906 in Wien; † 10. Jänner 1985 im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling) war ein österreichischer Zitherspieler, Komponist und Gastwirt. Seine erfolgreichste Komposition war das Harry-Lime-Thema (englisch: The Third Man Theme) zu Carol Reeds Film Der dritte Mann.

Karas wurde als typisches Kind der Arbeiterklasse im Wiener Stadtteil Zwischenbrücken geboren und lebte dort bis zum 19. Lebensjahr in der Leystraße 46 , dem Teil von Zwischenbrücken, der 1900 von der Leopoldstadt als Brigittenau (heute 20. Wiener Gemeindebezirk) abgetrennt worden war. Seine Eltern waren der Fabrikarbeiter Karl (1883–1959) und dessen Frau Theresia Karas (1884–1946). Er hatte vier Geschwister (Karl, Friedrich, Hermine und Maria).

Karas’ musikalisches Talent wurde zwar bereits in der Volksschulzeit erkannt, doch sein Berufswunsch Kapellmeister war unfinanzierbar. Stattdessen entschied der Vater, den Sohn ab 1920 eine Lehre zum Werkzeugschlosser absolvieren zu lassen, finanzierte ihm jedoch, wie auch seinen anderen Kindern, Musikunterricht. In der Umgebung erfreuten sich die fünf musizierenden Kinder einiger Bekannt- und Beliebtheit.

Autogrammkarte, 1951

Bereits neben der Lehre besuchte Anton Karas Abendkurse an der privaten Pollux-Musikschule. Nach der Gesellenprüfung, 1924, hatte er zwar kurzzeitig eine Beschäftigung bei der Fross-Büssing KG im Fahrzeugbau, wurde jedoch bereits im Jänner 1925 „aus Mangel an Arbeit“ gekündigt. Da er aber 1924 an der Wiener Musikakademie zu studieren begonnen hatte (was er bis 1928 auch weiter betrieb), scheint ihn dieses Problem wenig belastet zu haben: Er begann, als Partner des damals höchst berühmten Adolf Schneer, in Sieveringer Heurigenlokalen Zither zu spielen, und sein Einkommen war bald höher als das seines Vaters.

Am 14. Dezember 1930, keine drei Monate vor der Geburt seiner Tochter, heiratete er Katharina Perger (1901–1986). Von 1939 bis 1945 war er zur Flugabwehr der Wehrmacht eingezogen und zeitweise in Russland eingesetzt. Eine Zither hatte er stets dabei, wie unter anderem durch Fotos belegt ist, auf denen er vor Offizieren spielt. Mehrere Instrumente soll er im Zuge von Kriegshandlungen verloren haben, doch verstand er stets, sich Ersatz zu beschaffen.

1948 wurde er vom englischen Filmregisseur Carol Reed entdeckt, der für seinen in Wien spielenden Film Der dritte Mann eine Begleitmusik suchte. Mit einem für diese Zeit gut dotierten Vertrag – Karas erhielt ein wöchentliches Honorar von 30 Pfund Sterling sowie 20 Pfund Taschengeld und sämtliche andere Spesen – ging er 1949 nach London, um in den Londons-Films-Studios der Brüder Alexander und Zoltan Korda die gesamte Filmmusik zu schaffen. Dabei entstand das weltberühmte Harry-Lime-Thema, benannt nach der Filmfigur Harry Lime, das wesentlich zum legendären Erfolg dieses Films beitrug. Andere musikalische Neuschöpfungen, die Karas zu diesem Film beisteuerte, werden üblicherweise kaum zur Kenntnis genommen. Karas’ Arbeitsaufwand wird für die zwölf Wochen, die er dort beschäftigt war, mit „bis zu 14 Stunden täglich“ angegeben. Der unter Heimweh leidende Wiener wollte öfters aus dem Vertrag aussteigen und heimreisen, was Reed jedoch stets zu verhindern verstand. Karas formulierte später, gelegentlich „wie ein Sklave gehalten worden zu sein“.

Die eindringliche Melodie wurde zum Erfolg, und der bis dahin außerhalb Wiens völlig unbekannte Interpret und Komponist zum umjubelten Star. Bereits drei Wochen nach Erscheinen des Films waren 100.000 Schallplatten verkauft; in anglophonen Ländern wurde der Film mitunter bloß The Zither Film genannt. In den USA war Karas der erste Österreicher, der die Hitliste anführte. Er ging auf mehrere längere Tourneen, auf denen er u. a. vor Prinzessin Margaret, Königin Juliana, Mitgliedern des schwedischen Königshauses, Papst Pius XII. und dem japanischen Kaiser Hirohito auftrat, und litt nach eigenen Angaben dabei stets unter Heimweh. Nach der ersten größeren Tournee durch Europa und die USA wurde er im Juli 1950 von Bundeskanzler Leopold Figl und anderen Regierungsmitgliedern am Flughafen begrüßt.

In Wien eröffnete er 1954 in Sievering das Nobelheurigenlokal Zum dritten Mann, das zwar zum „verpflichtenden“ Programmpunkt internationaler Stars und zur internationalen Touristenattraktion wurde, den Künstler Karas jedoch nicht befriedigte: Anlässlich seiner Pensionierung 1966 gab er es auf. Er notierte später, dass es ihm lieber gewesen wäre, in gewöhnlichen Lokalen vor gewöhnlichem Wiener Publikum aufzutreten, das ihn, seine Sprache und seine Musik verstünde. Nach seinem Tod wurde Karas in einem ehrenhalber gewidmeten Grab auf dem Sieveringer Friedhof (Gruppe 28, Reihe 9, Nummer 9/10) bestattet. (Quelle: wikipedia)

AntonKaras

Hier einer seiner unzähligen Veröffentlichungen … auf dem Elite Label aus der Schweiz … und ich habe es einfach nicht herausgebracht, wnn diese LP veröffentlicht wurde … der Archivar in mir hat dabei einen Tobsuchtsanfall bekommen … eine Quelle spricht von den 70er Jahren … glaube ich aber nicht aufgrund der Covergestaltung … ich gehe eher von den 60er Jahren aus … die Aufnahmen sind wohl in den 50er Jahren entstanden.

Apropos Covergestaltung: Das Cover schaut ja wirklich heimelig, kuschelig aus … Also: wer sich von Wiender Klängen ala Anton Karas an der Zither verzaubern lassen will, sollte zugreifen … (Und nachdem die Stücke derart eng geschnitten sind auf dieser LP, habe ich mir die Mühe gespart und präsentiere hier einfach nur Seite 1 + 2 durchgehend …  )

Single

Besetzung:
Anton Karas (zither)
+
Die 2 Rudis:
Rudi Kurtzmann (bass)
Rudi Schipper (accordeon)

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Titel:
01. Seite 1: (15.42)
– Café Mozart Waltz (Karas)
– Hinter Grinzing (Jelinek)
– Ja, ja, der Wein ist gut (Strecker)
– Lichtenthaler (Jelinek)
– Auf der Lahmgrub´n (Strecker)
– Jetzt trink ma noch a Flascherl Wein (Lorenz)
– Wiener Pascher-Marsch (Hornischer)
– Da draussen in der Wachau (Arnold)
– I bin halt a Weana (Pillinger)
– `s greane Kranzerl (Hohenberger)
– Fesch und resch (Kronegger)

02. Seite 1: (15.52)
– Harry Lime Theme (Karas)
– A Bankerl und a Tisch (Foederl)
– Da fahr´n ma halt nach Grinsing `naus (Lorenz)
– Ich weiss auf der Wieden ein kleines Hotel (Benatzky)
– Mariandl (Lang)
– Sieveringer Klänge (Karas)
– Erst wenn´s aus wird sein (Frankowsky)
– Jeder Mensch (Schmidseder)
– So geht´s zua (Hornischer)
– Heut´ kommen d´Engerln auf Urlaub nach Wien (Wunsch)

LabelB1

 

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Mantovani und sein Orchester – Charmaine (1973)

FrontCover1.JPGUnd jetzt bring ich mal den genialen musikalischen Schleimer (wenn ich das mal so ruppig sagen darf):

Annunzio Paolo Mantovani (* 15. November 1905 in Venedig, Italien; † 29. März 1980 in Royal Tunbridge Wells, Kent, Großbritannien), bekannter einfach als Mantovani, war ein italienischer Orchesterleiter, der in England wirkte und mit einem eigenen Orchester und einem eigenen Stil (sog. „cascading strings“) großen Erfolg hatte.
Leben

Er wurde in ein musikalisches Elternhaus geboren. Sein Vater war erster Violinist an der Mailänder Scala bei Arturo Toscanini und später langjähriger Konzertmeister am Royal Opera House Covent Garden in London, wohin die Familie 1912 gezogen war. „Monty“, wie er von seinen Freunden genannt wurde, erhielt Geigenunterricht durch seinen Vater und studierte zwei Jahre lang Musik und Kontrapunkt am Trinity College of Music. Auch nach dem Studium spielte die Familie eine große Rolle in frühen Erfolgen seines „Tipica Orchestra“. Er nahm sogar Musikstücke mit seinem Vater als Musiker im Orchester und seiner Schwester als Gesangssolistin auf.

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In einem seiner frühen Orchester spielte auch der Theaterorganist, Arrangeur und Komponist Ronald Binge mit: Sein nur kurzes Stück „Sailing By“ wurde eine bekannte Komposition, und auch seine Elisabethserenade trug zum großen Erfolg von Mantovanis Orchester bei. Binge half Mantovani bei der Ausarbeitung eines eigenen Musikstils, der im Englischen „Cascading Strings“ genannt wird und auf einem durcharrangierten (also ohne aufnahmetechnische Mittel erzeugten) Nachhalleffekt mittels sich überlappender Streicherstimmen beruht. Diesen Mantovani-Sound hatte man für einen amerikanischen Auftrag zur Produktion langsamer Walzer entwickelt, und dieser Sound wurde zu seinem Markenzeichen. Der wohl größte Erfolg in diesem Stil wurde 1951 der von Ernö Rapée und Lew Pollack komponierte Instrumentaltitel Charmaine.

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Auch die Interpretation von Greensleeves, einem Traditional arrangiert von Binge, wurde ein großer Erfolg, und Mantovani war so von diesem Titel begeistert, dass er sogar seinen Wohnsitz danach benannte. Lange in den Billboard-Charts waren 1957 Around The World, 1960 das Filmthema aus The Sundowners und 1961 das Thema aus Exodus. Unzählige Plattenveröffentlichungen und Konzerte machten aus Mantovani einen wohlhabenden Mann.

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Außer für die Konzerthallen war Mantovani auch für das Theater tätig und produzierte unter anderem Arrangements für Noël Coward. Er wirkte auch in Spielfilmen mit, so im deutschen Musikfilm Gitarren der Liebe (1954) neben Vico Torriani und Harald Juhnke und in Ein Herz voll Musik (1955), ebenfalls mit Vico Torriani und Boy Gobert.

Mantovanis Piccolo Bolero (im Stil an Maurice Ravel angelehnt) wurde von Loriot zur Untermalung des Drei-Minuten-Sketches Das Bild hängt schief verwendet.

Mantovani war mit Winifred Kathleen Moss verheiratet und hatte zwei Kinder. (Quelle: wikipedia)

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Mantovani mit dem „Bournemouth Women’s Choir“

Und wen jemand bei dem Lauschen dieser mehr als geigenlästigen Klänge zu dem Urteil käme, „ziemlich unvererträglich“ hätte ich dafür jede Menge Verständnis.

Aber dennoch: Annunzio Paolo Mantovani hatte auch in Deutschland eine große Fangemeinde und so überrascht es nicht, dass bei dieser Zusammenstellung auch eltiche deutsche Titel und Melodien zu hören sind (dabei ist mir natürlich „Oh, mein Papa“ der liebste).

Ansonsten kann man hier einen der größten musikalischen Weichspüler der Unterhaltungsmusik hören … und quasi die volle Dröhnung … sage und schreibe 24 Titel a8s den 50er, 60er und 70er Jahren sind zu hören).

Aber: ein etwas anspruchsvolleres Cover hätte man ihm schon spendieren können … diese hier gehört für mich in die Kategorie „geschmacklos“.

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Besetzung:
Mantovani und sein Orchester

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Titel:
01. Charmaine (Pollack/Rapée) 3.00
02. Limelight (Chaplin) 2.57
03. Jalousie (Bloom/ade) 3.14
04. Ich tanze mit dir in den Himmel hinein (Schröder) 3.13
05. Hello Dolly (MendlD’Amato) 2.31
06. Those Were The Days (Raskin) 3.20
07. Moon River (Mercer/Mancini) 2.28
08. Tammy (Livingston/Evans) 3.35
09. Strangers In The Night (Kaempfert/Snyder/Singleton) 3.37
10. O mein Papa (Burkhard) 4.07
11. True Love  (Porter) 3.09
12. Was kann schöner sein ((Livingston/Evans) 2.01
13. Come Prima (Panzeri/Di Paola/Taccani) 2.43
14. La vie en Rose (Louiguy) 2.56
15. Lara’s Theme (Webster/Jarre) 2.21
16. Greensleeves (Traditional) 3.18
17. Capri-Fischer (Winkler) 3.38
18. Fascination (Marchetti) 323
19. Moulin Rouge (Larue/Auric/Larue) 2.49
20. Kaiserwalzer (Strauss) 3.12
21. An der schönen blauen Donau (Strauss) 3.38
22. Elisabeth Serenade (Binge) 3.11
23. Answer Me (Winkler) 3.45
24. Auf Wiederseh’n (Turner/Storch/Sexton) 2.59

LabelB1

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Verschiedene Interpreten – Herzen öffnen – Die schönsten Schlager der 50er Jahre (2005)

FrontCover1Jede Menge klassischer Schmalzfetzen und Schnulzenmusik aus den 50er Jahren. Veröffentlicht zugunsten des „Roten Kreuzes“ im Jahre 2005.

Ursprünglich dachte ich mir, ne nette kleine Ergänzung für alle Nostalgiker, die sich eben auch an jenen Illusuionsmelodien der 50er Jahre erfreuen können, denn bei Interpreten wie Bill Ramsey, Fred Bertelsmann, Caterina Valente, Vico Torriani etc. kann man ja nix falsch machen.

Und in der Tat, dieser Sampler bietet eine netten kleinen Rückblick, und auch mir noch nicht so vertraute Aufnahmen von Lou van Burg oder Lys Assia sind enthalten und von daher, wollte ich eigentlich schreiben „eine nette Sammlung von Schmankerl der musikalischen Art“.

Und dann stieß ich auf das Lied „Die süssesten Früchte fressen nur die grossen Tiere“ von Peter Alexander, das er mit einer gewissen „Leila Negra“ im Jahre 1952 aufnahm.

Und dann wollte ich wissen, wer eigentlich diese „Leila Negra“ war/ist … und ich wurde fündig und ich gestehe, mir blieb, angesichts ihrer Biographie erstmal der Mund offen:

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Leila Negra & Peter Alexander, 1954

Marie Nejar (* 20. März 1930 in Mülheim an der Ruhr; Künstlername Leila Negra) ist eine ehemalige deutsch-französische Schlagersängerin und Schauspielerin, die während der Zeit des Nationalsozialismus als dunkelhäutige Statistin in Filmen der UFA spielte und mit dem Beginn der 1950er Jahre, ungeachtet ihres wahren Alters, zu einem Kinderstar avancierte. Ihre kurze mehrjährige Laufbahn im Rampenlicht beendete sie Ende 1957 und begann eine Ausbildung zur Krankenschwester.

Marie Nejar ist die Enkelin einer Dame aus einer großbürgerlichen Hamburger Familie, die – als sie sich mit einem Kreolen aus Martinique verheiratete – von ihrer Familie verstoßen wurde. Das Paar bekam keine sonderliche Unterstützung und zog von Zeit zu Zeit von einem Ort zum anderen, auf der Suche nach einer Anstellung. Die gemeinsame Tochter Cécilie wurde geboren, als sich die Kleinfamilie in Riga niederließ, wo der Großvater Marie Nejars in einer Kneipe erschossen wurde.

Die verwitwete Großmutter zog daraufhin nach Hamburg zurück, wo sie sich niederließ. Ihre erwachsene Tochter Cécilie – Maries Mutter – arbeitete seinerzeit als Musikerin und zog singend von Bar zu Bar. Maries Vater war Kapitänssteward auf einem Schiff aus Liverpool und stammte aus Ghana. Er kehrte sehr bald nach England zurück und sah seine Tochter später nur wenige Male. Ihre Mutter versuchte die Schwangerschaft geheim zu halten und gebar das Baby in einem Waisenhaus in Mülheim an der Ruhr. Marie Nejar ist – entgegen landläufiger Meinung – somit kein so genanntes „Besatzungskind“ – zumal sie 1930 geboren wurde. Drei Jahre später wurde sie auf Drängen der Großmutter, die zwischenzeitlich von der unehelichen Tochter Cécilies erfahren hatte, nach Hamburg geholt.

Marie Nejar wuchs im Stadtteil St. Pauli auf, als die Nationalsozialisten an die Macht kamen. Aufgrund ihrer dunklen Hautfarbe war sie einer Verfolgung sowie Anfeindung offen ausgesetzt, jedoch lag das Augenmerk der Nazis bei den Juden und Regimekritikern, so dass sie vorerst verschont blieb. Aufgrund der Nürnberger Rassengesetze von 1935 konnte sie jedoch ihre Schulausbildung nicht beenden und wurde zur Zwangsarbeit in einer Fabrik verpflichtet. Mit Hilfe einer liberalen Klassenlehrerin, eines jüdischen Arztes und der Menschlichkeit von Polizisten der Davidswache konnte sie die ersten Jahre überleben.

Der damalige Propagandaminister Joseph Goebbels suchte schwarze Kinder, die in diversen UFA-Filmen sogenanntes „Buschvolk“ spielen sollten. So wurde Marie Nejar ebenfalls angeschrieben und bald nach Potsdam-Babelsberg eingeladen, wo sie schließlich 1942 in einer Szene im aufwändig produzierten Münchhausen-Film an der Seite von Hans Albers eine schwarze Dienerin mit einem Palmenwedel spielte. „Entschuldigen Sie. Damals war ich ein Kind. Ich fand das toll, und außerdem hatte ich zwei Wochen schulfrei. Mit Unterschrift und auf Anweisung von Herrn Goebbels.“

Ein paar Monate später verkörperte sie neben Heinz Rühmann eine weitere kleine Rolle als Tochter eines Stammeshäuptlings in dem Streifen Quax in Afrika.

Nach Kriegsende 1945 arbeitete sie zunächst in Hamburg in der Er & Sie-Bar. Nach dem Tod ihrer Großmutter (1949) war sie Zigarettenverkäuferin am Timmendorfer Strand, als sie zufällig aufgefordert wurde, ein Mikrofon zu testen, das zur Unterhaltung der Abendgäste diente. Bei dieser „Probe“ sang sie ein damals populäres Lied von Horst Winter, das die Musiker von ihrem Talent überzeugte. In Wien übernahm sie in einer Revue eine Nebenrolle, wobei sie auch singen musste. Daraufhin erhielt die inzwischen erwachsene Frau einen Vertrag mit einer Schallplattenfirma.

Marie Nejar wurde dennoch als 15-Jährige ausgegeben und startete zu Beginn der 1950er Jahre eine Karriere als singender Kinderstar, der zahlreiche deutsche Schlager veröffentlichte. Aufgrund ihrer Hautfarbe war das Interesse an ihr als Nachkriegskuriosität groß, genau wie bei Josephine Baker vor dem Krieg und dem in Tunis geborenen Afrokubaner Roberto Zerquera (Roberto Blanco) sowie dem Trinidad-Deutschen Peter Mico Joachim (Billy Mo) nach dem Krieg.

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Leila Negra, 2010 (bei einer Veranstaltung der Evangelische Akademie im Rheinland , Bonn)

Marie Nejar hatte ihren größten Schlager-Erfolg unter dem Künstlernamen Leila Negra 1952 zusammen mit Peter Alexander unter dem Titel Die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere, produziert von ihrem – und Alexanders – Entdecker Gerhard Mendelson. Doch auch andere Lieder wie Mach nicht so traurige Augen oder das Toxi-Lied aus dem gleichnamigen Film (Premiere am 15. August 1952) errangen die Gunst des Publikums und landeten auf guten Mittelplätzen bei der Hitparade. Gemeinsam mit Peter Alexander und anderen Musikern tourte sie in den 1950er Jahren durch Deutschland mit einem großen Teddybären im Arm, was so etwas wie ihr Markenzeichen werden sollte. In einem Interview vom 20. April 1955 bezeichnete sie sich als „Hamburgerin durch und durch“, auch wenn sie die französische Staatsangehörigkeit habe.

Nach Mitwirkung in fünf Filmen und den Aufnahmen von etwa 30 Schlagern endete Leila Negras aktive Karriere Ende der 1950er Jahre. Sie begann 1957 eine Ausbildung zur Krankenschwester und war dann später in diesem Beruf in Hamburg tätig. Marie Nejar lebt heute als Rentnerin in Hamburg (Quelle: wikipedia)

Und so wurde für mich aus einem kleinen, billigem Sampler eine bewegende Zeitreise, die mich gelehrt hat, dass wir unserer Geschichte nicht entfliehen können und sollten …

Ein interessantes Interview mit Leila Negra mit der „taz“ habe ich beigelegt.

Und ich mag einfach mal hoffen, dass all die Groschen, die dem Deutschen Kreuz zugeflossen sind, auch wirklich  dort angekommen sind, wo sie hingehören …

Booklet1

Titel:
01. Bill Ramsey: Souvenirs, Souvenirs (Cohen/Bartels) 1.57
02. Fred Torr: Der lachende Vageabund (Lowe/Mösser) 2.47
03. Rene Carol: Rote Rosen, rote Lippen, roter Wein (Harden/Hoff) 3.05
04. Caterina Valente: Ganz Paris träumt von der Liebe (Porter/Feltz) 2.52
05. Vico Torriani: Kalkutta liegt am Ganges (Gaze/Bradtke) 2.42
06. Rudi Schurike: Capri Fischer (Winkler/Siegel) 3.11
07. Bruce Low: Das alte Haus von Rocky Docky (Hamblin/Feltz) 3.04
08. Peter Alexander & Leila Negra: Die süssesten Früchte fressen nur die grossenTiere (Mascheroni/Rastelli/Panzeri/Feltz) 2.27
09. Chris Howland: Fraulein (Williams/Fleming) 2.24
10. Gerhard Wendland: Das machen nur die Beine der Dolores (Jary/Balz) 2.26
11. Lale Andersen: Blaue Nacht,o blaue Nacht am Hafen (Carson/Scharfenberger/Wilke) 3.45
12. Lou van Burg: Nicolo, Nicolo, Nicolino (Winkler/Feltz) 2.48
13. Lys Assia: Wenn die Glocken hell erklingen (Villard/Schwenn/Frytag) 2.49

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Verschiedene Interpreten – Schnitzelbeat Vol. 1 (2013)

FrontCover1Also dieses Album kann man mit Fug und Recht als wahres Schmankerl bezeichnen. Oder anders gefragt:

Was kommt Ihnen denn in den Sinn beim Stichwort Österreichische Populärmusik der 50er- und 60er-Jahre? Freddy Quinn? Peter Alexander? Lederhosen? Oder gar das Schlagerschlösschen am Wolfgangsee? Der g´schupfte Ferdl? Oder war da vielleicht doch noch mehr, vielleicht sogar was richtig Wildes? Aber sicher, Sie haben’s bisher bloß noch nicht gehört… In diesem Sinne, herzlich willkommen in der wundersamen Welt des Schnitzelbeat!

Der Wiener Musikjournalist, DJ und Subkulturforscher Al Bird Sputnik hat im Rahmen der Kulturinitiative Trash Rock Archives in jahrelanger und mühevoller Arbeit unglaubliche Vinyl-Schätze ans Licht geholt: Fundstücke, die belegen, dass es in Österreich ebenso einen vitalen Rock-N-Roll-Underground wie auch spektakuläre Vorboten des Austropop gegeben hat, ehe dieser seinen langen Schatten über die kleinen Sünden der Vergangenheit ausbreiten konnte.

Der erste Teil dieser CD- und LP-Serie startet in den späten 1950er Jahren, als der Wiener Teenager Werner Gavac im Sinnentaumel sein “I love you, Baby” in einen “Voice-O-Graph”-Aufnahmeautomaten rotzt und damit eine erste, verrauschte Tonspur echter österreichischer Rock-N-Roll-Gegenkultur hinterlässt. Und damit geht sie los, die Tour de Force durch die juvenilen Erregungs- und Erschöpfungszustände im grauen Wien der Nachkriegsjahre.

Da singt uns etwa der spätere Erotikdarsteller und Grünen-Politiker Frank Roberts von Suff, Schlägereien und Prostituierten in Cuba (“Maloja“) – ein subversiver Angriff auf sämtliche Unerträglichkeiten des deutschsprachigen Fernwehschlagers. Die 4 Bambis – jawohl, das sind die mit der Weltballade “Melancholie” – setzen mit “Inka City” noch einen weiteren Exotica-Knaller drauf. Wir dürfen hier die seltene, bisher unveröffentlichte Demo-Version aus dem Jahr 1960 präsentieren, von der damals genau ein (in Zahlen: 1) Exemplar gefertigt wurde.

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Die Bambis (backstage mit Ted Herold und Will Brandes)

In dieser Fasson bewegen wir uns durch eine Parade obskurer Musikstile, die man so in der österreichischen Musikgeschichte nicht vermutet hätte: Harte Beat-Balladen mit schroff hingeschluderter R-N-B-Begleitung (The Hubbubs, “Nachts in Chicago“) treffen auf Surfbeat, der den Tornadoes zur Ehre gereicht hätte (The Austrian Evergreens, “Olymp“). Ein Doo-Wop-Welthit, den leider niemand je gehört hat (Franco Runa, “Komm little Girl“) paart sich mit knüppelhartem Garagenrock, der auf Augenhöhe steht mit den besten britischen und amerikanischen Bands der frühen 1960er Jahre (Hannes Patek & The Vienna Beatles, “Jeanny, Jeanny, Jeanny“; Jerry & The Cannons, “Rosalie“).

Und es hat schon einen Sänger vom Format eines Ferry Graf gebraucht, um der Welt klarzumachen, dass das “Hotel zur Einsamkeit” am Ende einer Wiener Vorstadtstraße steht und nicht in Memphis, Tennessee. Bei dieser Gelegenheit sei bemerkt, dass Österreich in den frühen Sixties auch einen formidablen Cowboy-/Hillbilly-Entertainer namens Rockie Jackson am Start hatte, der “Baby let´s play house” auch nicht schlechter bringt als der King of Rock-N-Roll, der ihm sogar einmal persönlich die Hand geschüttelt hat.

Falls Ihnen nun der Lokalkolorit fehlt, auch da können wir Sie beruhigen und Ihnen Dolf Kauer´s “Blue-Jean-Jack aus Meidling” ans Herz legen: gegen den ersten echten Rock-N-Roll-Song auf Wienerisch wirkt Der Halbwilde wie ein brav frisierter kleiner Bub beim Kinderfreunde-Wandertag.

Sie merken also, hier werden sich Genre-Plattensammler (Rock-N-Roll, Beat, Garage Punk), Freunde der etwas abseitig geneigten Klänge (Incredibly Strange Music) sowie auch all jene, die immer schon der Meinung waren, dass man dem Österreicher an sich stets viel zu wenig zutraut (Austropop) ausgiebig bedient: Al Bird Sputnik hat für Sie nur die schönsten und ausgefallensten musikalischen Alpenblumen zusammengetragen. (Quelle:)

Booklet02AAlso, eine derartige Sammlung, eine derartige Fundgrupe von obskuren Raritäten hält man selten in der Hand. Und so etliche Songs sind derart durchgeknallt, dass es eine wahre Freunde ist … da kann man nur dringend empfehlen: Reinhören und ungläubig staunen.

Ach ja, Mr. Jancy hat mir diese Leihgabe zur Verfügung gestellt und wieder mal kann man feststellen: Ein Volltreffer !

Dazu gepackt habe ich mal wieder 2 pdf Dateien, die sich ebenfalls mit diesem Thema beschäftigen.

Singelhüllen

Original Single-Hüllen

Titel:
01. Werner Gavac: I love you, Baby! (1958) 1.48
02. Frank Roberts: Maloja (1957) 3.17
03. Die 4 Bambis: Inka City 60 (1960) 2.41
04. Uzzi & Bill Grab´s Olympia Band: Geisterstunden Cha-Cha (1960) 2.09
05. The Hubbubs: Nachts in Chicago (1964) 3.07
06. Johnny & The Shamrocks: Biggy’s Little Car (1965) 2.06
07. Franco Runa: Komm, little Girl (1965) 2.20
08. Ferry Graf: Hotel zur Einsamkeit (1958) 2.38
09. The Austrian Evergreens: Tabu (1962) 2.43
10. The Austrian Evergreens: Olymp (1964) 2.08
11. Dold Kader: Blue-Jean-Jack aus Meidlinq (1962) 2.38
12. Errol Ribiere & The Vienna Beatles: Sick And Tired (1965) 2.23
13. The Tramps: Gran Chaco (1964) 2.15
14. Jerry & The Cannons: Rosalie (Shake, Shake) (1965) 2.35
15. Bannes Patek & The Vienna Beatles: Jeannie, Jeannie, Jeannie (1965) 2.04
16. Rockie Jackson: Baby, Let’s Play House (1960) 2.06

CD1

 

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Karl Münchinger + Stuttgarter Kammerorchester – Brandenburgische Konzerte Nr. 3 und 5 (Bach) (1961)

FrontCover1Ich kann mir einfach nicht helfen … von den „Brandenburgischen Konzerten“ krieg ich einfach nicht genug:

Die Brandenburgischen Konzerte sind eine Gruppe von sechs Instrumentalkonzerten von Johann Sebastian Bach (BWV 1046–1051). Die erhaltene Partitur von 1721 ist dem Markgrafen Christian Ludwig von Brandenburg-Schwedt (1677–1734) gewidmet, den Bach im Winter 1718/1719 in Berlin kennengelernt hatte.

Der Titel Brandenburgische Konzerte wurde von Philipp Spitta in seiner 1873–1879 verfassten Bach-Biografie geprägt und hat sich heute allgemein durchgesetzt. Bachs Originaltitel lautet „Sechs Konzerte mit mehreren Instrumenten“, auf französisch:

Six Concerts Avec plusieurs Instruments.
Dediées A Son Altesse Royalle Monsigneur
CRETIEN LOUIS. Marggraf de Brandenbourg &c:&c:&c:
par Son tres-humble & tres obeissant Serviteur
Jean Sebastien Bach, Maitre de Chapelle de S. A. S.
Prince regnant d’Anhalt-Coethen.

Auf der Rückseite des Titelblatts folgt eine Widmung an den Markgrafen, ebenfalls in französischer Sprache.

Christian Ludwig, Markgraf von Brandenburg-Schwedt

Christian Ludwig, Markgraf von Brandenburg-Schwedt

Christian Ludwig, Markgraf von Brandenburg-Schwedt

Die sechs Konzerte weisen eine hohe stilistische und strukturelle Vielfalt auf. In ihrer Mischung der verschiedenen historischen und zukunftsweisenden Elemente bilden sie eine persönliche und trotzdem allgemeingültige Ausdrucksform.

Als Bach 1721 die Partitur der sechs Konzerte an den Markgrafen von Brandenburg-Schwedt schickte, hatte er die Werke zu diesem Anlass nicht eigens komponiert. Vielmehr hatte Bach die Sammlung aus Kompositionen zusammengestellt, die nicht alle erst in Köthen, sondern zum Teil wohl bereits in seiner Weimarer Amtszeit (1708–1717) entstanden waren.

Es ist davon auszugehen, dass Bach die am Köthener Hof entstandenen Werke nur mit Erlaubnis seines Arbeitgebers Fürst Leopold einem anderen Fürsten widmen durfte. Doch besteht kein Grund, an dessen Einverständnis zu zweifeln – von ihm kann sogar die Initiative ausgegangen sein, da er nur ein halbes Jahr zuvor dem Fürsten schon einen kristallenen Kronleuchter hatte überreichen lassen.

In Köthen begann Bach, seine Kompositionen zu umfangreichen Zyklen zusammenzustellen, die Ordnungsprinzipien folgten, wie etwa planvolle Abfolgen von Tonarten oder Einzelsätzen – Beispiele sind das Wohltemperierte Clavier oder die Englischen und Französischen Suiten. Von einer derartigen durchgehenden Gestaltung eines Zyklus ist bei den Brandenburgischen Konzerten aber noch nichts zu bemerken – außer in dem Bestreben, jedes damals gängige Instrument mit einer – in vielen Fällen auch solistischen – Partie zu bedenken.

Von fünf der Konzerte sind Abschriften unabhängig von der Widmungspartitur erhalten; keine davon enthält aber mehrere Werke. Man darf davon ausgehen, dass Bach die Sammlung nur für die Widmungspartitur zusammenstellte und die Einzelkonzerte weder davor noch danach als zusammengehörig betrachtete. Die Konzerte bilden also nur eine lose Sammlung ohne jeden Versuch einer weiteren Gestaltung als eine Gesamtheit – Bach wäre es wohl nicht in den Sinn gekommen, die Konzerte zusammen aufzuführen.

Umgekehrt zeigt sich Bachs sorgfältige Arbeit und damit die Wertschätzung, die er den Konzerten entgegenbrachte, in der Überarbeitung vieler Details der zugrundeliegenden Partituren – etwa die feine Differenzierung der Partien von Violoncello, Violone und Continuo, die er oft mit getrennten Stimmen bedenkt. Auch die gründliche Schreibweise der Partitur lässt sein Engagement für das Werk deutlich erkennen: Die Taktstriche sind fast ausnahmslos mit dem Lineal gezogen. Bach mag sich von der Widmung den Titel eines Hofkapellmeisters und die damit verbundenen lukrativen Kompositionsaufträge versprochen haben.

Neben dem Widmungsexemplar besaß Bach von den einzelnen Konzerten auch Kompositionspartituren, die er in einigen Fällen für spätere Fassungen, etwa als Einleitungssinfonien in Kantaten, nutzte. Keine dieser Kompositionspartituren ist erhalten. Indizien sprechen dafür, dass sein Sohn Carl Philipp Emanuel von einigen Konzerten Abschriften besaß und diese Musik in Berlin bekannt machte. Die Widmungspartitur lag zunächst bis 1850 unentdeckt in der Bibliothek des Markgrafen von Brandenburg-Schwedt und dann in der Königlichen Bibliothek in Berlin (heute Staatsbibliothek zu Berlin). Sie wurde erst bei Erscheinen der Bach-Gesamtausgabe allgemein bekannt. (Quelle: wikipedia)

Briefmarke

Hier eine Einspielung von Karl Münchinger:

Karl Münchinger (* 29. Mai 1915 in Stuttgart; † 13. März 1990 ebenda) war ein deutscher Dirigent.

Karl Münchinger studierte nach jugendlichem Violinunterricht Orchesterleitung bei Carl Leonhardt an der Musikhochschule Stuttgart und arbeitete an der Stuttgarter Marienkirche als Chorleiter und Organist. Nach anschließenden Dirigierstudien bei Hermann Abendroth am Leipziger Konservatorium und Sommerkursen bei Clemens Krauss verhalf ihm die Unterstützung Wilhelm Furtwänglers zur Leitung des Niedersächsischen Symphonieorchesters Hannover (1941–1943). Nach der Rückkehr aus der Kriegsgefangenschaft gründete er aus eigener Initiative heraus 1945 das Stuttgarter Kammerorchester, das er rasch zu internationalem Ansehen brachte und bis 1987 leitete. 1953 erhielt Karl Münchinger den Professorentitel des Landes Baden-Württemberg und das Großkreuz der Bundesrepublik Deutschland, »in Anerkennung seiner künstlerischen Verdienste«.

Karl Münchinger

Auch wenn Münchinger nicht zu den Verfechtern der historischen Aufführungspraxis gehörte, vertrat er von Anbeginn an ein von romantischen Vorstellungen befreites und entschlacktes Klangbild. Geringstimmige Besetzungen, rigorose Einhaltung von Tempovorgaben sowie stilistische und interpretatorische Maßgaben der Komponisten galten ihm als Leitfäden seiner Interpretationen, die durchweg von einem transparenten und homogen schlanken Klangbild geprägt waren.

Der Name Münchinger wurde rasch zum Synonym für exemplarische (d. h. anti-romantische) Interpretationen der Orchesterwerke Johann Sebastian Bachs. Die Grundpfeiler der Arbeit mit dem Stuttgarter Kammerorchester bildeten ein weit gefächertes Repertoire frühbarocker und barocker Kompositionen, von denen zahlreiche Schallplattenaufnahmen mit nationalen wie internationalen Preisen bedacht wurden.

Inlets

Die Innenhüllen dieser 10″ LP

In der unmittelbaren Nachkriegszeit standen zudem verstärkt Kompositionen zeitgenössischer Komponisten auf den Konzertprogrammen. Erst zu Beginn der 1960er Jahre wurde das Barock-Repertoire um Kompositionen der Wiener Klassik erweitert; dazu gründete Münchinger 1966 die Klassische Philharmonie Stuttgart. Seither wurde er auch verstärkt als Dirigent ins europäische Ausland und in die USA verpflichtet. (Quelle: wikipedia)

Bonn, Konzert Landesvertretung Baden-Württemberg

Das Stuttgarter Kammerorchester mit Karl Münchinger

Und, schon irgendwie witzig … es war nicht mein bildungsbürgerliches Elternhaus, das mir diese Konzertreihe nahegebracht hat, nein es war ein gewisser Mr. Keith Emerson mit der Gruppe „The Nice“ der mich mit seiner Version des Allegros (3. Konzert) angefixt hat … und seitdem krieg ich eben nicht genug davon.

Keith Emerson

Keith Emerson (einfach weil er für mich stilprägend war)

Besetzung:
Stuttgarter Kammerorchester unter der Leitung von Karl Münchinger

BackCover1.JPG

Titel:

Brandenburgisches Konzert Nr. 5 D-Dur:
01. Allegro 10.43
02. Affetuoso 5.37
03. Allegro  5.49

Brandenburgisches Konzert Nr. 3 G-dur:
04. Allegro 6.33
05. Adagio – Allegro 3.58

Kompositionen: Johann Sebastian Bach

LabelB1

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AlternativesFrontCover

Vermutlich das Cover der Originalausgabe (irgendwann in den 50er Jahren)

Peter Alexander – Peter Alexander (1964)

FrontCover1.JPGEinerseits so ein Billig-Sampler aus den 60er Jahren, andererseits dennoch ganz interessant:

Peter Alexander, eigentlich Peter Alexander Ferdinand Maximilian Neumayer, seit Mitte der 1970er Jahre auch Peter der Große genannt, (* 30. Juni 1926 in Wien; † 12. Februar 2011 ebenda) war ein österreichischer Sänger, Schauspieler und Entertainer. Von Mitte der 1950er bis Mitte der 1990er-Jahre gehörte er zu den populärsten Unterhaltungskünstlern im deutschsprachigen Raum.

Peter Alexander war Sohn des Bankrates Anton Neumayer (1900–1947) und dessen Ehefrau Bertha, geb. Wenzlick (1896–1987), Tochter eines Musikalienhändlers aus Pilsen; die Eltern wohnten 1926 in Wien 9., Sechsschimmelgasse 4.[2] Bereits während seiner Schulzeit zeigte sich Alexanders Hang zum Parodieren. Nach dem Besuch der Volksschule wechselte er auf das humanistische Gymnasium in Döbling (19. Bezirk), das er jedoch wegen diverser Streiche per Schulverweis vorzeitig verlassen musste. Daraufhin schickte ihn sein Vater nach Znaim, wo Alexander 1944 kriegsbedingt per Notabitur die Matura ablegte. Peter Alexander widmete der Zeit, als sein Vater seine Mutter kennenlernte, das Lied „Wie Böhmen noch bei Österreich war“. Im selben Jahr wurde er Flakhelfer, kam danach zum Arbeitsdienst nach Breslau und meldete sich auf seine Einberufung hin schließlich zur Kriegsmarine. 1945 geriet er in britische Kriegsgefangenschaft. Die Monate in nach seiner eigenen Aussage „vier oder fünf Gefangenenlagern in Ostfriesland“[3] nutzte er, um seine Talente in Form von Theaterabenden (unter anderem Aufführungen des Dramas Jedermann von Hugo von Hofmannsthal) oder musikalischen Improvisationen zu erproben.

Peter Alexander 1952.jpg

Peter Alexander mit Erni Bieler (1952)

Zurück in Wien, 1946, sollte Alexander nach dem Willen seiner Eltern ein Studium der Medizin beginnen und immatrikulierte an der Universität Wien, besuchte aber nur eine Vorlesung. Er wollte Schauspieler werden, strebte ein Engagement am Burgtheater in Wien an und absolvierte daher eine Schauspiel-Ausbildung am Max-Reinhardt-Seminar in Wien, die er 1948 mit Auszeichnung abschloss. (1947 war sein Vater gestorben.) Dabei nannte er sich erstmals unter Weglassung aller weiteren Namen (Maximilian Ferdinand Neumayer) nur noch „Peter Alexander“. Zu seiner Klasse gehörten unter anderem Ernst Stankovski, Erwin Strahl und Gerhard Riedmann. Schon hier zeichnete sich ab, dass Alexander eher für das komödiantische Fach bestimmt war. Er brachte sich Gesang und Klavierspiel autodidaktisch bei. So trat er etwa 1949 gemeinsam mit Waltraut Haas in Ludwig Schmidseders Operette Abschiedswalzer im Wiener Bürgertheater auf.[4] Seit den Nachkriegsjahren verehrte er Frank Sinatra, den er 1950in London zum ersten Mal sah. Sodann wandte er sich von seiner Idee, ein Engagement am Burgtheater zu erreichen, ab und strebte Entertainment, Gesang, Orchester und Jazz an.

Peter Alexander50erJahre

Bereits 1951 erschien bei der Plattenfirma Austrophon Alexanders erste Schallplatte („Das machen nur die Beine von Dolores“). 1953 wechselte er zu Polydor, wo das Erfolgsduo Kurt Feltz und Heinz Gietz viele Lieder für ihn schrieb. Für Polydor nahm Alexander nicht nur Schlager, sondern auch mit großem Erfolg Operettenquerschnitte, jeweils dirigiert von Franz Marszalek, auf. Hier waren Sängerinnen wie Herta Talmar, Renate Holm und Rita Bartos seine Partnerinnen. Im selben Jahr gewann er auch den Münchner Schlagerwettbewerb. Ende 1965 schließlich ging er zu Ariola. (Quelle: wikipedia)

Peter Alexander50erJahre2Soweit ein paar Infors zu seinen Anfängen. Und genau davon handelt diese LP. Sie enthält nämlich Lieder vom Peter Alexander aus den 50er Jahren …

Un deshalb heißt dieses Album in einer Pressung des Schallplattengilde Gutenberg auch „Seine ersten Erfolge“.

Und das geht schon mit „La Bella Musica“, einer ersten Single aus dem Jahr 1951.

Und dann geht´s quasi Schlag auf Schlag … heitere, kitschige und mit viel Fernweh garnierte Schlager … wobei da der Pter Alexander eigentlich an diese Schlagertradtion der 20er und 30er Jahre anknüpfen möchte und auch anknüpfen kann. Begleitet wird er dabei von diversen Orchestern und Gesangs-Ensembles mit so feinen Namen wie „Die Shunshines“ oder „Das Cornel Trio“.

Und nachdem mir diese Dekaden musikalische gelegentlich ganz gelegen kommen, so gilt dies dann daher auch für diesen billigen Sampler … erschienen auf dem Elite Label aus der Schweiz.

Sehnsuchtsmelodien … denn auch diese gehören zu unserem Leben … Und natüröoch ist der Peter Alexander schon damals ein Schmeichler und Charmeur gewesen …. und wenn er dann singt:

Ein Musikus, ein Musikus
Weis immer was er spielen muss
Und wenn er schöne Frauen sieht
Spielt er ein Liebeslied

Mal spielt er laut, mal spielt er zart
Er spielt auf ganz verschied?ne Art
Und wenn er schöne Frauen sieht
Spielt er ein Liebeslied

Er träumt, dass ihm die Schönen
Mit Küssen verwöhnen
Doch schenken sie statt Küsse
Doch leider nur ihr Ohr

hach … dann wird er mir fast sympathisch …

Peter Alexander50erJahre3.jpg

Besetzung:
Peter Alexander (vocals)
+
Peter Cramer Orchester bei 06.)
Orchester Karl Loubé (bei 01., 02., 04.)
Comedien-Quartett (bei 03. + 11.)
Metropol-Tanzorchester (bei 03.. 07., 09. – 11.)
Österreichische Rundfunk-Tanzorchester unter der Leitung von E. Halletz (bei 05.
Die Sunshines (bei o8.)
Kölner Tanz- und Unterhaltungsorchester unter der Leitung von A. Luczkowski (bei 08.
Das Cornel-Trio (bei 09.)

BackCover1

Titel:
01. La Bella Musica (Werner/Fontenoy) 2.56
02. Ich küsse ihre Hand, Madame (Rotter/Erwin) 2.55
03. Die Frau kommt direkt aus Spanien (Hoff/Zeisner) 2.45
04. Das machen nur die Beine von Dolores (Balz/Hary) 3.02
05, Jede Frau in Bogotá (Meder/Lang) 3.01
06. Ein Italiano (Werner/Maluck) 2.55
07. Ein Musikus, ein Musikus (Gaze/Feltz) 2.50
08. In Sorrent (Hiller/Scharfenberger) 3.24
09. Wo am Weg die Äpfel reifen (Hoff/Fiedler/Petrak/Harden) 2.49
10. Isabella (Hoff/Halletz) 3.03
11. Ich lieb dich so, wie du bist (Hoff/Heisterkamp) 3.04

LabelB1

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