Verschiedene Interpreten – Trompetenkonzerte (70er Jahre ?)

FrontCover1Na, dann wenden wir uns mal wieder der von mir so heiß geliebten Trompetenmusik zu:

Schon die Ägypter spielten vor 3500 Jahren trompetenartige Instrumente (snb/sprich: scheneb) aus Metall, die gleiche Bauform dürfte auch die altjüdische Chazozra gehabt haben. Frühe Trompeten, wie die griechische Salpinx oder die Römische Tuba, waren langgestreckt und ohne Windungen. Die Hakenform des römischen Lituus und des keltischen Carnyx entstanden vermutlich durch die Verbindung eines geraden Rohrs mit einem krummen Tierhorn als Schallbecher. In der Form eines großen G war das römische Cornu gewunden. Die immer paarweise verwendeten Luren der Germanen erhielten ihre Form wahrscheinlich durch die Nachahmung von Mammutstoßzähnen. Vorrangig verwendetes Material für antike Blechblasinstrumente war Bronze, die im Wachsausschmelzverfahren bearbeitet wurde.

Ob die Kunst des Rohrbiegens von der Antike durch das Mittelalter tradiert wurde oder im Abendland neu entdeckt werden musste, ist nicht mit Sicherheit geklärt. Frühmittelalterliche Trompeten waren gestreckt. Gewundene Formen sind erst ab dem 14. Jahrhundert in ikonografischen Quellen nachzuweisen. Schriftlich wurde der Begriff Drometten bereits 1470 (in einem Dokument in Pirna) oder später Drommete (von Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung zum Prophet Jesaja 18,3) verwendet.

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Diverse TRompetenmodelle

Als Standardform bildete sich im ausgehenden Mittelalter die einmal gewundene Langtrompete heraus, die als Barocktrompete bis zum Ende des 18. Jahrhunderts praktisch unverändert blieb. Der Tonumfang dieser Instrumente war auf die Naturtonreihe beschränkt, deren vierte Oktave (Clarinregister) eine vollständige Skala bereitstellt. Die Beherrschung dieser hohen Lage, das sogenannte Clarinblasen, gilt als die hohe Kunst barocker Trompetenmusik. Die Existenz einer mittelalterlichen Zugtrompete ist nach wie vor umstritten.

Vom ausgehenden Mittelalter bis ins Barock galt die Trompete als Herrschaftssymbol. Trompeter waren hoch angesehene Beamte. Nur zu hohen kirchlichen Festen war es erlaubt, dass sie mit anderen Musikern zusammen zu anderen Zwecken spielten.

Trompete02Der durch das Kornett begonnene Verdrängungsprozess der Trompete aus den Orchestern wurde ab etwa 1890 wieder zugunsten der Trompeten umgekehrt. Die heute gebräuchliche B-Trompete, die zuvor bereits 1828 in die preußische Militärmusik eingeführt wurde, hielt Einzug als Orchestertrompete und löste ab 1860–70 die (tiefere) F-Trompete ab. Obwohl z. B. der Militärkapellmeister Johann Heinrich Saro wiederholt betonte, dass B-Trompeten nicht den fülligen und kernigen Klang der F-Trompete hätten, sondern eher ähnlich dem Cornet à pistons klängen, nahmen viele Komponisten wenig Rücksicht auf die Möglichkeiten der Instrumente. Folglich spielten die Musiker immer öfter auf der sicherer zu handhabenden B- oder C-Trompete. Zunächst nur die hohen Spieler, dann auch immer mehr die zweiten und dritten Spieler. Nikolai Rimski-Korsakow versuchte zwar die F-Trompete als Tromba alta wieder im Orchester zu etablieren – einzelne russische Komponisten, u. a. Schostakowitsch, taten dies ebenso – aber sie mussten die Partien immer so einrichten, dass diese auch auf der nunmehr gängigen B-Trompete spielbar blieben.

Trompeten (oder ähnliche Instrumente) wurden praktisch immer auch als Signalinstrumente verwendet. Beispielsweise mussten alle Türmer in den Städten (Signal-) Trompete spielen können. Daraus resultierte eine hohe gesellschaftliche Anerkennung der Trompeter, die sich meist auch finanziell bemerkbar machte. Oftmals waren die Türmer/Trompeter bereits seit dem Mittelalter als Berufsgruppe anerkannt – anders als alle anderen Musiker. Verdi ließ für seine Oper Aida eine spezielle Fanfarentrompete, die Aida-Trompete, herstellen.

Auch im Militär-Handwerk spielten die Trompeter seit jeher als Signalgeber (Datenüberträger) eine wichtige Rolle.

In den letzten Jahrzehnten ist das Spielen der Trompete sehr populär geworden. Die Nachfrage nach Instrumenten wird heute meist durch große Betriebe mit industrieller Instrumentenproduktion gedeckt. Natürlich gibt es nach wie vor eine Reihe von Blechblasinstrumentenbaumeistern in kleineren Firmen, die in der Lage sind, individuell dem Musiker angepasste Instrumente zu bauen. (Quelle: wikipedia)

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Basstrompete in C

Und hier liegt auf meinem Schreibtisch nun so ne Doppel-LP in einer Box vor, die sich schlicht „Trompetenkonzerte“ nennt und auf dem Label FSM-Vox erschienen ist. Dieses Label war wiederum ein Sublabel von FSM Records ( Fono Schallplattengesellschaft Münster). Das Erscheinungsjahr dieser Box konnte ich nicht herausfinden.

Das ändert jedoch nicht daran, dass wir hier ganz und gar hochwertige Trompetenmusik aus der Barockzeit hören, wenn gleich die beiden Orchester eher in die Kategorie „kennt kein Schein“ fallen.

Und in dem 4seitigem Begleitheft finden wir dann auch noch biographische Angaben über die Komponisten, wie z.B. über den Tomaso Albinoni:

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Nachdenklich gemacht haben mich dann allerdings jene einführenden Worte, die Auskunft über die Geschichte und Bedeutung der Trompete im allgemeinen und besonderen geben:

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Bin ich am Ende ein verkappte Monarchist, war ich in meinem früheren Leben gar ein Kriegsführer.

Fragen über Fragen und ich habe mich dazu entschlossen, all die drängenden Fragen Fragen sein zulassen und mich einfach an den pachtvollen Klängen zu erfreuen. Eine wunderbare Art, einen Sonntag Morgen zu beginnen.

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Die Vorderseite des Begleitheftes

Besetzung:
Mainzer Kammerorchester unter der Leitung von Günter Kehr (bei 02., 03., 08., 09., 10. + 11.)
Württembergisches Kammerorchester unter der Leitung von Jörg Faerber (bei 01., 04., 05.- 07.
+
Wilhelm Ackermann (trumpet bei 01.
Edward H. Tarr (trumpet bei 04., 05., 06.
Wolfgang Pasch (trumpet bei 01.
Hellmut Schneidewind (trumpet bei 06.)
Heinz Zickler (trumpet bei 01. – 03., 06., 08., 09. – 11.)

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Titel:

Gottfried Heinrich Stölzel:
01. Konzert D-Dur für 6 Trompeten und Streichorchester 11.36

Heinrich Ignaz Franz Biber:
02. Konzert C-Dur für Trompete, Streicher und B. C. 5.12

Johann Friedrich Fasch:
03. Konzert D-Dur für Trompete, 2 Oboen, Streicher und B. C. 6.52

Giuseppe Torelli:
04. Konzert D-Dur für Trompete, Streicher und B. C. 6.39

Tomaso Albinoni:
05. Konzert C-Dur für Trompete und Orchester 7.19

Antonio Vivaldi:
06. Konzert C-Dur für 2 Trompeten und Streichorchester F IX, 1 7.19

Francesco Manfredini:
07. Konzert D-Dur für 2 Trompeten und Streichorchester 7.04

Georg Friedrich Händel:
08. Suite D-Dur für Trompete, 2 Oboen und Streichorchester 18.45

Henry Purcell:
09. Sonate D-Dur für Trompete und Streicher 4.37

Georg Philipp Telemann:
10. Konzert D-Dur für Trompete und Streicher 7.52

Georg Philipp Telemann:
11. Konzert D-Dur für Trompete, 2 Oboen und B. C. 14,57

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Die Rückseite der Box

Edition Deutsche Zeitgeschichte (I) – Vom Kaiserreich zu Republik (70er Jahre)

FrontCover1Es gab da mal die „Miller International Schallplatten GmbH“, die den meistern Sammlern als jene Firma bekannt ist, die auf ihrem „Erupa“ Label diverse Leckerbissen herausgegeben hat (und das betrifft nicht nur jene Hörspiele für Kinder, die heute einen Kultstatus haben).

Nein, das Miller Label brachte auch Sondereditionen heraus, wie diese eine ist:

Deutsche Zeitgeschichte heißt die 3teilige LP Serien und sie umfasst folgende Dekaden:

1. Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924)

2. Der Weg zur Machtergreifung (1928 – 19339

3. 10 Jahre Wiederaufbau (1945 – 1954)

Völlig unverständlich, warum man die Jahre 1933 – 1945 ausgeblendet hat (Tondokumente aus diesen Jahren gibt es ja nun wahrlich genug). Wieder mal ein kleines Beispiel von fast schon kollektiver Verdrängung.

Nun, hier die erste LP dieser Edition (die beiden anderen liegen mir noch nicht vor, was nicht ist, kann aber noch kommen).

Anhand von Tondokumenten jener Jahre versucht man sich an eine Rekonstruktion jener Jahre. Eine intensive geschichtle Auseinandersetzung erfolgt aber nicht, so bleibt es ein narratives Tondokument.

Wenn man sich all die kriegsgeilen Zitate anhört, dann krieg ich noch heute ne Gänsehaut … Und klar: Die klangliche Qualität muss bescheiden sein … dennoch … diese Präsentation mag für den einen oder anderen schon von Interesse sein.

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Titel:

01. Deutsche Zeitgeschichte I – Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924) (Teil 1) (16.01)
01.1. Ablösung der Wache am kaiserlichen Schloß zu Berlin
01.2. Kaiser Wilhelm II. spricht auf einer Edison-Walze: „Deutsch sein ist das… „, 1904.
01.3. Ferdinand Graf von Zeppelin ruft zur Nationalspende auf, 1908
01.4. „Aus großer Zeit“ – eine Erinnerung an 1813 mit vaterländischen Gesängen, zusammengestellt 1913
01.5. Kaiser Wilhelm II: Aufruf „An das deutsche Volk“, 1915
01.6. Marsch: Battaillon Garde
01.7. Hindenburg: Aus dem Dankerlaß an die Truppen der 8. Armee nach der Schlacht von Tannenberg, 1914 ‚
01.8. Marsch: Finnländischer Reitermarsch
01.9. Kapitän König, Kommandant des Handels-U-Bootes „Deutschland“, nach seiner Rückkehr aus den USA, 1916
01.10. Marsch: Unsere Marine

02. Deutsche Zeitgeschichte I – Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924) (Teil 2) (16.09)
02.11. Philipp Scheidemann: „Friedensrede“ im Reichstag
02.12. Scheidemann: Erinnerung an den 9. November 1918 mit der Bekanntgabe des Thronverzichts Wilhelms I. und dem – nicht völlig wortgetreuen – Text der Ausrufung der deutschen Republik
02.13. Lied: Ich hab mich ergeben
02.14. Gustav Noske über die Kämpfe in Berlin im Januar 1919
02.15. Friedrich Ebert, Ansprache vor der Nationalversammlung in Weimar am 21.8.1919 nach seiner Wahl zum Reichspräsidenten
02.16. Ansage aus dem Berliner Vox-Haus: Alfred Braun
02.17. Hans Bredow, Weihnachtsansprache an das amerikanische Volk 1924
02.18. Hugo Eckener, Bericht von der Amerika-Fahrt mit dem Luftschiff ZR II („Zeppelin“) Oktober 1924
02.19. Marsch: Pepita-Marsch

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Verschiedene Interpreten – Der Wind gehört zum Wandern (1977)

FrontCover1.JPGJetzt wird´s zünftig und fidel … denn eine kleine Schar von DDR Musikgruppen singen das hohe Lied auf das Wandern !

Dabei verwenden sie nicht die klassischen deutschen Volkslieder zum Thema wandern („Das Wandern ist des Müllers Lust & Co.), sondern verwenden eigene Neukompositionen rund ums Wandern und bezieht dabei vermutlich wunderbare Fleckchen Erde in der DDR aus …

Viele Texte sind dabei eher schlicht und auch musikalisch betritt man kein Neuland … von daher eine LP die man getrost als durch und durch konservativ nennen kann.

Die Musikanten sind überwiegend unbekannt …  das trällert z.B. der „Eisenbahner-Kinderchor Berlin“ (die Nachtigallen der DDR), die Scherbelberger Musikanten oder die „Ilmtaler Musikanten“.

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Die Scherbelberger Musikanten

Ziemlich bekannt waren allerdings Waltraut Schulz & Herbert Roth, das waren wohl die unbestrittenen Stars der Volksmusik in der DDR:

Herbert Roth (* 14. Dezember 1926 in Suhl; † 17. Oktober 1983 ebenda) war ein deutscher Komponist und Interpret volkstümlicher Musik.

Schon früh nahm Herbert Roth Musikunterricht (Klavier, Akkordeon, Klarinette) und trat bereits als Jugendlicher öffentlich auf. 1948 legte er nach einer Friseurlehre seine Meisterprüfung ab und arbeitete zunächst im Salon seiner Eltern. Herbert Roth begann als Amateurmusiker und gründete 1950 die Suhler Volksmusik. Der erste öffentliche Auftritt des Ensembles fand am 15. April 1951 in Hirschbach statt, der letzte am 3. März 1983 in Oberhof.

Von 1951 bis 1983 stand er gemeinsam mit Gesangspartnerin Waltraut Schulz und seiner Instrumentalgruppe in etwa 10.000 Veranstaltungen auf der Bühne, ab 1980 auch mit Tochter Karin Roth. Als seine wichtigste und schönste Aufgabe betrachtete er laut eigener Aussage in diversen Interviews die musikalische Betreuung der Urlauber in den Ferienorten des Thüringer Waldes.

Waltraut Schulz & Herbert Roth1959

Waltraut Schulz & Herbert Roth

In den Herbst- und Wintermonaten ging die Gruppe meistens auf Tournee durch zahlreiche Bezirke der DDR. Herbert Roth war mit seiner Instrumentalgruppe oft in diversen Rundfunkveranstaltungen präsent und hatte bei Stimme der DDR eine eigene wöchentliche Sendung, in der ausschließlich seine Titel gespielt wurden. Ab 1974 war er Stammgast in der TV-Show Oberhofer Bauernmarkt. Kurz vor seinem frühen Tod produzierte er für Fernsehen („Von der Wartburg bis zur Saale“) und Schallplatte noch einige Gesangstitel gemeinsam mit seiner Frau Edelgard. (Quelle: wikipedia)

Nun denn: ich bin zwar kein ausgesprochener Wandervogel (allerdings war einer meiner schönsten Urlaube ein Wanderurlaub mit meinem bestem Freund auf dem sog. Whisky-Trail/Speyside in Schottland), ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass diese Musik die Bereitschaft zum Wandern fördern könnte.

Und diese Anmerkung muss ich auch noch los werden:

„Wir kennen keine Sorgen, wie schön ist doch unsere Welt“ …

Das nenn´ ich Beschwichtigungsmusik … eigentlich kaum erträglich. Und „Volkslieder im Marschrhythmus“ brauch´ ich auch nicht … aber das Cover ist nett.

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Titel:
01. Die fröhlichen Sänger mit den Pleißtaler Musikanten: Der Wind gehört zum Wandern (Röser/Wilhelm) 2.37
02. Ilmtaler Musikanten: Im Morgenwind (Röser) 2.00
03. Waltraut Schulz & Herbert Roth: So ziehn wir durch die Wälder (Traditional) 2.03
04. Ilmtaler Musikanten: Specht-Polka (Schier) 2.37
05. Eisenbahner-Kinderchor Berlin & Orchester Kurt Beyer: Wir laden euch zum Wandern ein (Roth/Müller) 2.23
06. Die fröhlichen Sänger mit den Scherbelberger Musikanten: Wenn hell die Sonne erwacht (Hugo/Schneider) 2.09
07. Waltraut Schulz & Herbert Roth: Weiße Wolken und Wind (Lutz/Müller) 2.05
08. Eisenbahner-Kinderchor Berlin & Orchester Kurt Beyer: Mit Der Mi- Mit der Ma-, mit der Mundharmonika (Schier/Harnisch) 2.11
09. Die Rosentaler: Wandern und Singen (Traditional) 2.05
09.1. Auf, du junger Wandersmann
09.2. Es zogen auf sonnigen Wegen
09.3. Heute wollen wir das Ränzlein schnüren
10. Waltraut Schulz & Herbert Roth: Vergiß das Wandern nicht (Roth) 2.21
11. Ilmtaler Musikanten: Gut zu Fuß (Röser) 2.26
12. Die fröhlichen Sänger mit den Pleißtaler Musikanten: Wie schön ist doch die Welt (Apfelmann/Herde) 2.03
13. Ilmtaler Musikanten: Der Kickelhahner (Herrmann) 1.57
14. Eisenbahner-Kinderchor Berlin & Orchester Kurt Beyer: Wenn am Himmel Schwalben ziehn (Schier/Bohlke) 2.12
15. Die fröhlichen Sänger mit den Scherbelberger Musikanten: Zittauer Wandermarsch (Löhnert/Bauer) 1.50
16. Ilmtaler Musikanten: Jodlergruß (Röser) 2.12
17. Waltraut Schulz & Herbert Roth: Rennsteiglied (Roth/Müller) 3.06
18. Die Rosentaler: Volkslieder im Marschrhythmus (Traditional) 2:05
18.1. Alle Vögel sind schon da
18.2. Horch, was kommt von draußen rein
18.3. Das Wandern ist des Müllers Lust
18.4. Die Vöglein im Walde

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Rennsteig

Das Rennsteig Gebiet in Thüringen

Verschiedene Interpreten – Juwelen des Barock (80er Jahre)

FrontCover1Einerseits nur ein Billig-Sampler mit „Juwelen der Barockmusik“:

Barockmusik, auch bezeichnet als Generalbasszeitalter, ist eine Periode in der abendländischen Kunstmusik, die sich an die Renaissancemusik anschließt und sich vom Beginn des 17. bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts erstreckt. Sie zählt heute zur Alten Musik.

Der Beginn des musikalischen Barocks wird durch die Einführung des Generalbasses in den Kompositionen Claudio Monteverdis markiert. Die Verwendung des durchgehenden Generalbasses kennzeichnet die Barockmusik sowie die Musik der nachfolgenden Übergangszeit, des Rokoko. Eine mögliche weitere Unterteilung, die jedoch nur als ungefähr betrachtet werden kann, ist:

Frühbarock (etwa 1600 bis 1650), unter italienischer Dominanz;
Hochbarock (etwa 1650 bis 1710), mit bedeutenden französischen Einflüssen;
Spätbarock (etwa 1710 bis 1750), mit Tendenz zur Vereinigung regionaler Stile.

Häufig werden Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel als Vollender des musikalischen Barocks betrachtet. Bei den Bachsöhnen und ihrem Umkreis etablierte sich bereits ab den 1730er-Jahren der so genannte empfindsame Stil, der über die Vorklassik der Mannheimer Schule zur Wiener Klassik mit Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart führte.

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Schon damals gab´s langhaarige Musiker … 

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufkommende Merkmale, die als Beginn eines neuen Musikzeitalters betrachtet werden können, sind außer dem Generalbass die Monodie (Sologesang oder -instrumentalstimme mit Begleitung) und die neu entstandenen Gattungen Oper sowie später Instrumentalkonzert und Oratorium. (Quelle: wikipedia)

Wie gesagt: Einerseits nur ein billiger Sampler, andererseits zum einen eine prachtvolle Einführung in diese Musikgattung und dann andererseits (und da freut sich der Archivar) eher seltene Aufnahmen aus den Jahren 1964 – 1975.

Man lasse sich von dieser Musik betören ….

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Besetzung:
Bachorchester des Gewandhausorchesters Leipzig unter der Leitung von Helmut Koch (01. – 03.)
Die Wiener Solisten unter der Leitung von Wolfrid Boettcher (04.)
Zagreber Solisten unter der Leitung von Antonio Janigro
Züricher Kammerorchester unter der Leitung von Edmond de Stoutz (05. – 07., 09., 10. – 14.)

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Titel:

Johann Sebastian Bach Brandenburgisches Konzert Nr. 2 (1966):
01. 1. Satz 5.36
02. 2. Satz 4.03
03. 2. Satz 2.57

Georg Philipp Telemann (1964):
04. Konzert a-moll für Altblockflöte in F 16.03

Georg Friedrich Händel: Concerto grosso D-dur op. 6 Nr. 5 (1965):
05. 1. Satz 2.27
06. 2. Satz 2.21
07. 3. Satz 2.51

Antonio Vivaldi (1975):
08. Die vier Jahreszeiten: 1. Der Frühling 9.26

Henry Purcell (1965):
09. Chaconne g-moll für 3 Violinen und Baß 7.42

Jean Philippe Ramaeu: Suite für Streichorchester (1968):
10. 1. Satz 2.36
11. 2. Satz 2.36
12. 3. Satz 3.46
13. 4. Satz 1.31
14. 5. Satz 2.30

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Die damals üblichen „Verbraucherinformationen“ zum neuen Medium  CD

Verschiedene Interpreten – 40 Years Of Enja Records (2011)

FrontCover1.jpgWir haben hier in Deutschland ja schon einige Labels, die man nun wahrlich „renommiert“ nennen darf.

Dazu gehört ganz sicherlich auch Enja Records:

Enja ist ein unabhängiges Plattenlabel für Modern Jazz.

Enja wurde 1971 in München von Matthias Winckelmann und Horst Weber ins Leben gerufen. Weber und Winckelmann gründeten damals ihr Label mit geliehenem Geld und konnten damit Mal Waldron im Domicile aufnehmen und die Lizenzen nach Japan verkaufen. Zu den frühen Künstlern des Labels zählen auch Albert Mangelsdorff, Attila Zoller und der japanische Trompeter Terumasa Hino. Anfangs war eine Konzentration auf den neuen europäischen Jazz beabsichtigt (Enja steht für European New Jazz). Doch schon bald wurde sehr viel breiter produziert. Beispielsweise „entdeckten“ die Labelchefs John Scofield (der allerdings mit zunehmendem Erfolg zu einem größeren Label wechselte) und führten im Katalog schon bald weitere US-amerikanische Musiker wie Chet Baker, Freddie Hubbard, Dizzy Gillespie und Gene Ammons. Diese Aufnahmen wurden teilweise für Nordamerika in Lizenz durch Inner City Records bzw. Naxos veröffentlicht. Auch nahmen sie Archivmaterial hinzu, etwa von Eric Dolphy und von Charles Mingus.

In den 1970er Jahren hatten sie Erfolge mit Chet Baker und Abdullah Ibrahim, in den 1980er Jahren besonders mit dem Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil. 1986 entschieden die beiden Labelgründer, ihre Geschäfte zu trennen. Sie teilten den Katalog (der damals rund 350 Titel umfasste und zurzeit (2012) etwa 800) und gründeten zwei voneinander unabhängige Tochterlabel, die beide bis heute bestehen. In Winckelmanns Enja-Zweig erscheinen rund 15 Titel pro Jahr; er hat sich auch weiter in Richtung World Jazz geöffnet und um das Klassiklabel Marsyas und die Booking-Agentur Enja Booking erweitert. Mehrfach wurde Alben aus dem Katalog der ECHO Jazz verliehen, aktuell (2017) der Saxophonistin und Flötistin Anna-Lena Schnabel für ihr Debütalbum Books, Bottles & Bamboo. (Quelle: wikipedia)

Also, da haben wir den Horst Weber:

Horst Weber (* 21. Februar 1934 in Aachen; † 24. Februar 2012 in Garmisch-Partenkirchen) war ein deutscher Jazzproduzent und Mitbegründer des Jazzlabels enja.

Weber lernte das Schneiderhandwerk. Zunächst arbeitete er als Entwurfsschneider und Modedesigner, unter anderem freiberuflich für das Deutsche Mode-Institut, für das er während der 1960er Jahre auch nach Japan reiste; dabei knüpfte er Kontakte zur japanischen Jazzszene. Daneben war er in der Region Aachen als Konzertveranstalter

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Horst Weber

aktiv, bevor er Ende der 1960er Jahre nach München zog. 1971 gründete er dort gemeinsam mit Matthias Winckelmann das Plattenlabel enja; als erstes Album veröffentlichten sie Black Glory, eine Aufnahme des Pianisten Mal Waldron aus dem Münchner Jazzclub Domicile. Später folgten Alben von Albert Mangelsdorff, Terumasa Hino, Masahiko Sato, Chet Baker, Charles Mingus oder Abdullah Ibrahim. Mit Gerd Filtgen schrieb Weber eine Biographie über Charles Mingus. 1986 trennten sich Winckelmann und er, weil sie zu unterschiedliche Vorstellungen von der Arbeitsintensität und der weiteren Ausrichtung der Produktionen hatten, und gründeten eigenständige Labels unter der alten Dachmarke. Den gemeinsamen Katalog von damals 350 Alben teilten sie sich auf, indem sie auswürfelten, wer künftig auf seinem Enja-Label welche Künstler veröffentlichen dürfe. Weber setzte zunächst weiter auf Produktionen aus Japan und aus München. Anfang der 2000er Jahre übergab Weber die Leitung seines Labels an Werner Aldinger und zog sich aus dem laufenden Geschäft zurück.

Und dann natürlich noch den Matthias Winckelmann:
Matthias Winckelmann (* 1941 in Berlin) ist ein deutscher Jazzproduzent und Mitbegründer des Jazzlabels enja.

Winkelmann, der in Frankfurt am Main aufwuchs, lernte als Jugendlicher Trompete und begeisterte sich für Jazzmusik. Er studierte in München Volkswirtschaftslehre und

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Matthias Winckelmann

Soziologie und interessierte sich zunächst für die Arbeit als Entwicklungshelfer. 1971 gründete er gemeinsam mit Horst Weber das Plattenlabel enja. Als erstes Album veröffentlichten sie Black Glory, eine Aufnahme des Pianisten Mal Waldron aus dem Münchner Jazzclub Domicile, die Winckelmann persönlich aus dem Auto heraus bei den deutschen Plattenläden vertrieb. Später produzierte er Alben von Attila Zoller, George Gruntz, Walter Norris, Chet Baker, Bennie Wallace, Abbey Lincoln oder Abdullah Ibrahim, der Winckelmann für World Jazz begeisterte. 1986 trennten sich Weber und er und gründeten eigenständige Labels unter der alten Dachmarke. Den gemeinsamen Katalog teilten sie sich auf, indem sie auswürfelten, wer künftig auf seinem Enja-Label welche Künstler veröffentlichen dürfe. Winckelmann setzte zunehmend auch auf europäischen und auch orientalisch beeinflussten Jazz und produzierte Musiker wie Rabih Abou-Khalil, Dhafer Youssef, Renaud Garcia-Fons, Gianluigi Trovesi oder Daniel Schnyder. Auch gründete er mehrere Sublabels wie Blues Beacon, Tiptoe und Marsyas. (Qulle: wikipedia)

Und anlässlich des 40jährigen Jubiläums dieses Ausnahmelabels gab es in der Jazzszene natürlich etliche Jubiläumsbeiträge … stellvertretend für die vielen hier ein Beitrag aus dem Magazin „Jazz Thing“, die sich auch gleich an diesem hier präsentiertem Jubiläumssampler („Promotional copy – Not for sale !“) beteiligten:

Nur an Matthias Winckelmann scheint die Zeit spurlos vorbeigegangen zu sein. Der Gründer von Enja Records geht auch nach 40 Jahren mit unvermindertem Enthusiasmus ans Werk, gräbt weltweit weiter nach guter Musik und plaudert herrlich enthusiastisch über seine Veröffentlichungen im Slang der 70er-Jahre. Weil vieles davon immer noch „dufte“, „frech“ und „großartig“ ist, gibt es nun in Jazz thing exklusiv einen Sampler mit 16 Highlights aus der Enja-Geschichte.

Jazz thing presents 40 Years Of Enja Records„European New Jazz“ oder kurz „Enja“: Hinter diesen Buchstaben verbirgt sich eines der vitalsten Independent-Labels des Kontinentes. Der Name könnte jedoch zu falschen Schlüssen führen. Matthias Winckelmann, der die in München ansässige Plattenfirma 1971 mit Horst Weber aus der Taufe hob, suchte nach einem kurzen, einprägsamen Begriff, der in viele Sprachen übertragbar war und eine weibliche Endung besitzen sollte. „Enja“ erfüllte all diese Voraussetzungen, die Definition wurde später nachgeschoben.

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Das Enja Team im Jahr 2011 (v.l.n.r.): Sebastian Schreiner, Milena Albrecht, Matthias Winkelmann, Olga Spathelf, Werner Aldinger.

In der Tat hielten Winckelmann und Weber früher allenfalls sporadisch in der Alten Welt nach neuen Klängen Ausschau. Doch im Laufe der Zeit haben sich die Parameter merklich erweitert. Inzwischen stellt der Jazz klassischer Prägung nur mehr eine von vielen Facetten der über 700 Produktionen dar. Enja sieht es 2011 als seine Aufgabe an, die Gegenwart der modernen Musik abzubilden und den Entdeckergeist von einst ins fünfte Jahrzehnt hinüberzutransportieren.

Ein durchaus schwieriges Unterfangen, hat sich doch nicht nur der Tonträgermarkt im Laufe der Zeit radikal verändert, sondern auch die grundsätzliche Auffassung über Jazz. Als Matthias Winckelmann und Horst Weber anfingen, ließ sich die Zahl der Labels noch an einer Hand abzählen. Der Frankfurter Winckelmann studierte in München, der Aachener Weber besaß als gelernter Schneider und Konzertveranstalter gute Kontakte nach Japan. „Wir waren begeisterte Amateure ohne jede Kenntnis vom Business. Trotzdem beschlossen wir, es wenigstens mal mit einer Platte zu versuchen.“ Die hieß „Black Glory“ und stammte von dem Pianisten Mal Waldron.

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Anlässlich des Jubiläums im Jahr 2011: Enja-Chef Matthias Winckelmann posiert hier vor einem Eric-Dolphy-Porträt

Während der folgenden Jahre erwarben sich die beiden Freunde mit einem guten Gespür für den Zeitgeist, einer gesunden Portion kaufmännischem Geschick, Aufrichtigkeit und Stehvermögen einen glänzenden Ruf als verlässliche Partner. Zu den Besonderheiten von Enja gehört, dass die Gründer von 1986 an getrennte Wege gingen und sich den damaligen Katalog teilten. Keiner wollte jedoch auf den liebgewonnenen Namen verzichten. Nach Jahren der räumlichen Distanz arbeiten beide Enjas heute wieder unter einem Dach in der Münchner Frundsbergstraße. Horst Weber (79) hat die Geschäfte mittlerweile an Werner Aldinger abgegeben und lebt in Garmisch, Matthias Winckelmann (70) ist nach wie vor aktiv. Von ihm und Aldinger stammt auch die Auswahl der Enja-Jubiläums-Compilation für Jazz thing. (Reinhard Köchl)

Und dann gab´s dann natürlich eine Galaveranstaltung … und zwar am20. Oktober 2011 im Münchner Gasteig (Carl-Orff-Saal), dabei gab´s dann nicht nur die üblichen Festreden, sondern auch Liveauftritte des italienische Brass-Ensemble La Banda (Ruvo di Puglia) und Kontrabassvirtuose Renaud García-Fons (Prädikat: außergewöhnlich).

Und hier kann man sich nun anhören … wie sich 40 Jahre Ejna Rcords anhören …  und gleich noch ein Prädikat: Zeitlos ! Diese Auswahl zu erstellen war vermutlich arg mühsam … bedenkt man all die Schätze des Labels.

Und dann bin ich gespannt was los ist, denn dieses >Label 2021 ihr 50jähriges Jubiläum feiert … denn ein Ende ist nicht abzusehen … und das ist gut so !

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Titel:
01. Blairman/Warren/Mangelsdorff/Sato:  Intro (excerpt) (1971) (Mangelsdorff) 1.39
02. Bobby Jones: Bringin‘ In The Sheep (1974) (Jones) 3.22
03. Tommy Flanagan: Maybe September (1982) (Faith) 4.57
04. John Scofield Monk’s Mood: (Solo) (Monk) (1979) 6.02
05. Chet Baker: My Funny Valentine (1988) (Rodgers) 9.34
06. Bennie Wallace: My Heart Belongs To Daddy (1982) (Porter) 5.55
07. Abdullah Ibrahim: Calypso Minor (1979) (Ibrahim) 5.00
08. Archie Shepp/Mal Waldron: Lady Sings The Blues (2002) (Holiday/Nichols) 3.34
09. Dusko Goykovich/Ekrem Sajdic Gypsy Groovz: Ĉoĉek Sréce (2001) (Sajdic) 6.04
10. Glenn Ferris: Qui? (excerpt) (1997) (Aznavour) 4.21
11. Aki Takase: Ain’t Misbehavin‘ (2003) (Razaf/Waller/Brooks) 4.52
12. Susi Hyldgard: Blush (2006) (Garner/Hyldgaard) 4.26
13. Florian Weber: Alone Together (2009) (Dietz/Schwartz) 5.35
14. Dhafer Youssef: Yabay (2000) (Youssef/Muthspiel) 3.16
15. Renaud García-Fons: Jam Bulería (1997) (García-Fons) 3.04
16. Rabih Abou-Khalil: Afterthought (excerpt) (2002) (Abou-Khalil) 1.27

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Konstantin Wecker – Sage Nein! (Antifaschistische Lieder – 1978 bis heute) (2018)

FrontCover1.jpgKann man auch als Kommentar zur Europawahl nehmen …

Sage Nein! Antifaschistische Lieder 1978 bis heute ist das 24. Studioalbum des Sängers und Liedermachers Konstantin Wecker aus dem Jahr 2018. Es umfasst Lieder der letzten 50 Jahre und neue Lieder. Zwei Live-Versionen ergänzen die Studioaufnahmen.

Umrahmt wird die neu aufgenommene Liedersammlung von Willy, beginnend mit der Version von 2018 und abgeschlossen mit dem Originaltext von 1977. Es ist mittlerweile die sechste Version dieses Liedes. Als Bonustracks werden Bella Ciao und Blümlein stehn am Waldessaum angehängt.

Die 2018er-Fassung von Sage Nein leitet Wecker mit einer Ansage ein, die instrumentiert ist. Auch das Bonus-Lied Blümlein stehn am Waldessaum erläutert er. Bei Den Parolen keine Chance verwendet er für den Refrain als musikalisches Zitat Beethovens Ode an die Freude. Neuaufnahmen sind u. a. Das Leben will lebendig sein und Sturmbannführer Meier.

Das macht mir Mut wurde im Juli 2016 bei Songs an einem Sommerabend aufgenommen.

Seit 40 Jahren kämpft Konstantin Wecker gegen Faschismus. Die Ausschreitungen in Chemnitz 2018 zeigten ihm, dass in Deutschland die Nazi-Ideologie aufkeimt: „Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass auch meine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit so aktuell sind wie nie.“

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Ein Teil des Erlöses wird der Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet.

Shekib Mosadeq übersetzte und sang auf Farsi Empört euch und Bella Ciao.
Produktion

Jo Barnikel übernahm die Arrangements von Ich habe Angst und Bella Ciao. Produzent des Albums war Florian Moser, Stefan Gienger übernahm die Tontechnik. Die Aufnahmen fanden im September 2018 im Mastermixstudio Unterföhring statt.

Das Titelfotos des CD-Covers stammt von Dominik Beckmann, für Grafik und Design war Uwe Liesmann zuständig. (Quelle: wikipedia)

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Lieder gegen den Wahnsinn:

Es ist mehr als ein Weckruf, es ist ein Aufschrei. Seit 40 Jahren kämpft Konstantin Wecker mit seinen Liedern gegen drohenden Faschismus. Doch die Vorfälle in Chemnitz machten dem Münchner Liedermacher deutlich, dass sein Heimatland von keinem Rechtsruck betroffen ist, sondern von einem Aufkeimen der Nazi-Ideologie: „Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass auch meine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit so aktuell sind wie nie“, so der Sänger und bekennende Pazifist, der mit dem Satz großgeworden ist: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Aus diesem Grund entschloss sich Konstantin Wecker 16 seiner antifaschistischen Lieder auf der aktuellen CD „Sage Nein!“ zu vereinen. Darauf finden sich unter anderem die erste Version des Wecker-Kultliedes „Willy“ sowie eine ganz neu eingespielte Aufnahme der Zwiesprache mit seinem Freund, der einst von Neonazis erschlagen wurde.

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Neben dem ebenso brandneuen Song „Das Leben will lebendig sein“ bilden Klassiker wie „Sage nein!“, „Vaterland“, „Die weiße Rose“ und „Ich habe Angst“ eine starke Mischung antifaschistischer Wecker-Lieder, die den Menschen Mut machen sollen. Mut, um aufzustehen, sich einzumischen, Mut, zu widerstehen. Es sind Lieder, die gegen Ängste, Resignation und gegen den bedrohlichen Nazi-Wahnsinn anklingen. Ton für Ton, Wort für Wort. Die CD, aus deren Erlösen auch der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet wird, ist für nur zehn erschwingliche Euro erhältlich. Auch damit leistet der Musiker einen Beitrag, dass noch mehr Menschen erreicht werden können, die ganz einfach Nein sagen. (Quelle: wecker.de)

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Vermutlich sind Konstantin Wecker und seine nachdenklichen, rebellischen, antifaschistischen Lieder in der heutigen Zeit relevanter denn je. Er weiß sehr wohl, dass er mit seinen Texten nur diejenigen erreicht, bei denen die Worte ohnehin auf fruchtbaren Boden fallen. Um so höher ist es im anzurechnen, dass er nicht aufgibt. Unermüdlich erzählt er aus seinem Leben, von dem friedvollem Vater, der ihm so viel mitgegeben hat, von eigenen Erfolgen und Niederlagen.

Der Song „Willy“ hätte Konstantin Wecker fast zum Verhängnis werden können. Weil er damit in eine Ecke gestellt wurde, die zwar großen Erfolg brachte, ihn aber musikalisch sehr einengte. Protestsongs ja – doch Weckers Devise war es immer, sie mit romantischen Liedern zu verknüpfen. Poesie und Widerstand. Wut und Zärtlichkeit. So gab es die ruhigen Chanson-Alben mit Wurzeln in Italien und Südfrankreich, die in Weckers mittlerer Lebensphase manche Fans verprellten, inzwischen aber doch so deutlich zu seinen Livekonzerten hinzu gehören.

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Nur mal zur Erinnerung: Das brachte uns Deutschen der Faschismus (hier Tote im KZ Buchenwald)

Auf „Sage Nein! Antifaschistische Lieder 1978 bis heute“ ist „Willy“ wieder stark vertreten. Der Song rahmt das Album ein: Mit der ursprünglichen Version am Schluss und der 2018er Version ganz am Anfang, die vor allem eine energische Ansprache an die heutige Gesellschaft darstellt und vor internationalen Tyrannen und nationalen Gestalten wie Seehofer und Gauland warnt.

Romantisch wird es auf dem Album nicht, aber melancholisch. Neben dem brandneuen Song „Das Leben will lebendig sein“ bilden Klassiker wie „Sage nein!“, „Empört euch“, „Vaterland“, „Die weiße Rose“ und „Ich habe Angst“ eine starke Mischung antifaschistischer Wecker-Lieder, die den Menschen Mut machen sollen. Mut, um aufzustehen, sich einzumischen, Mut, zu widerstehen. Es sind Lieder, die gegen Ängste, Resignation und gegen den bedrohlichen Nazi-Wahnsinn anklingen. Ton für Ton, Wort für Wort. Auch das Loblied an die Anarchie „Anna R. Chie“ darf nicht fehlen.

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Die CD, deren Erlös zu einem Teil auch der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet wird, ist für nur zehn erschwingliche Euro erhältlich. Auch damit leistet der Musiker einen Beitrag, dass noch mehr Menschen erreicht werden können, die ganz einfach Nein sagen.

Die Mischung zwischen Neuaufnahmen, Originalen und Live-Mitschnitten ist stimmig. Fanny Kammerlander und Jo Barnikel leisten als Instrumentalisten einen fantastischen Job. Und Konstantin Wecker ist in Topform. Als Bonus gibt es „Bella Ciao“ im weltmusikalische Duett mit Shekib Mosadeq. Und der letzte Song lässt das Album nicht mit einem Knaller enden, sondern mit dem als Volkslied getarnten Trauersong der KZ-Häftlinge „Blümlein stehn am Waldessaum“. Sehr berührend! (musicheadquarter.de)

Und für mich schlicht und ergreifend ein unverzichtbares Album !

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Besetzung:
Jo Barnikel (keyboards, percussion)
Fanny Kammerlander (cello)
Konstantin Wecker (vocals, piano)
+
Shekib Mosadeq (vocals bei 09. + 15.)

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Titel:
01. Willy 2018 – 8:08
02. Sage Nein (2018) – 4:30
03. Das Leben will lebendig sein – 2:09
04. Vaterland – 3:43
05. Die Weiße Rose – 4:35
06. Sturmbannführer Meier – 3:13
07. Stilles Glück, trautes Heim – 2:26
08. Vaterland? (live) – 4:54
09. Empört euch – 6:49
10. Anna R. Chie – 3:47
11. Den Parolen keine Chance – 3:12
12. Das macht mir Mut (live) – 3:06
13. Ich habe Angst – 5:57
14. Willy (Originalversion) – 7:42
+
15. Bella Ciao – 4:46
16. Blümlein stehn am Waldessaum – 2:22

Musik und Texte: Konstantin Wecker

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Mei Willy, jetzt is fast scho a hoibs Jahrhundert her, dass ich in meiner Verzweiflung und Wuat des Lied über dich rausgschrien hab. A halbs Jahrhundert und ich hätt mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können damals, dass das heut wieder so erschreckend aktuell sein könnt.

Woasst os no Willy, damals 68 habn ma hauptsächlich die oidn Nazis aufspürn woiln, die immer no fett in ihre Vorstandsetagen oder in christlich sozialen Parteien ghockt san und Herrn Frahm -unsern Willy Brandt – Vaterlandsverräter gschimpft habn, weil er eben koa Nazi gwesen is, da Willy.

Und heit?

Du werst as ned glaubn, du konnst as ned glaubn Willy – heit drucka die neuen Nazis ins Parlament und erklären die unmenschlichste Epoche der Menschheitsgeschichte zu einem Vogelschiss in Anbetracht der 1000jährigen erfolgreichen Geschichte des deutschen Volkes.

Hähhh?

1000 Jahre deutsche Geschichte? Da sind dem Herrn Gauland wohl die Wahnvorstellungen seines Führers dazwischengekommen.

Ja, es gab dann einen Aufschrei hier und da – aber der is ja eh kalkuliert von denen, dann gibst eine halbherzige Entschuldigung und es war ja „alles nicht so gemeint“ und das wars dann – denn die potentiellen Faschisten des Landes sind ja erreicht worden mit dieser kalkulierten Ungeheuerlichkeit.

Was is passiert Willy? Wia hat des jemals soweit komma kenna?

Warn mia alle zu behäbig, zu eingeigelt in unser sattes Weltbild? In den Kokon unserer Selbstsicherheit gute Demokraten zu sein?

Währenddessen hat sich der Kapitalismus wie ein Monster auf die Menschheit gestürzt um alle die zu verschlingen, die keine „Leistungsträger“ sein können oder wollen, nicht wirklich rücksichtslos genug sind, nicht wirklich ellbogig genug um alles niederzuwalzen was sich ihnen in den Erfolgsweg stellt.

Neoliberalismus heißt diese Monster, das es geschafft hat uns einzureden, dass wir all das aus freiem Willen tun, was das Monster mästet, was dieser Hydra immer wieder neue Köpfe wachsen lässt und damit einen kleinen Prozentsatz der Menschheit immer reicher und gieriger macht und alle anderen in tiefste Verunsicherung, Verarmung, Verzweiflung stürzt.

Was is passiert Willy???

Alle zwei Sekunden wird ein Mensch auf dieser unserer Erde zur Flucht gezwungen.

Einer von 110 Menschen weltweit ist von Flucht und Vertreibung betroffen.

Und neun von zehn Flüchtlingen leben in Entwicklungsländern.

Und vor was fliehen die denn wohl?

Du woaßt as Willy: vor unsere Waffen, vor unseren Finanzspekulationen, vor unserer Ausbeutung der Erde auf der sie leben!

„Wenn man sich die europäische Geschichte ansieht“, schreibt der von mir geschätzte Philosoph Jürgen Wertheimer, „wirkt es weit eher so, als seien wir die Erfinder eines Perpetuum mobile der Kriege, die wir seit Jahrtausenden in allen Variationen durchdeklinierten.

Und in die Welt hinaustrugen.

Die europäische Kolonisation erfasste die gesamte Welt und stellt eine einzige „Grenzüberschreitung“ der Außengrenzen anderer Länder dar.

Und jetzt rufen ausgerechnet wir nach strikter Wahrung und Sicherung unserer Außengrenzen – nachdem wir über Jahrhunderte das Gefüge der Welt aus dem Lot gebracht haben… Bei all dem berufen wir uns gebetsmühlenartig auf unsere „christlich-abendländischen“ Werte – die nota bene allesamt orientalischer Herkunft sind. Jedenfalls wüsste ich nicht, dass die Bibel und das Neue Testament in Tübingen, Gelsenkirchen oder Straßburg geschrieben wurden.“

Was ist nur geschehen seit jener großartigen Bürgerbewegung der „Willkommenskultur“, die uns hoffen ließ, dass der Neoliberalismus doch nicht den letzten Rest von Mitgefühl aus den Herzen der Menschen verjagt hat? Ein eigentlich völlig selbstverständliches Mitgefühl für gejagte, verfolgte, hungernde, gepeinigte, verletzte Menschen, das nur psychisch völlig verrohten und gestörten Wesen nicht zu eigen ist. Und natürlich ideologisch Verblendeten, die ihr ach so gut durchdachtes starres Weltbild scheinbar aus freiem Willen wie eine Zwangsjacke über alles Lebendige ziehen.

Gewissenlose Potentaten, die schnell die Chance erkannten, ihre bröckelnde Machtposition wieder zu festigen, schlugen erbarmungslos zu: mit Parolen und Fake News, mit vorgeschobener Bürgernähe und fahnenschwenkendem Unsinn. Sie wussten wohl, was für Ängste in den von einem gnadenlosen Kapitalismus verunsicherten BürgerInnen lauerten und weckten den Leu, der in allen Verängstigten lauert: Denn wer seine Identität nicht in seinem tiefsten Selbst wahrnehmen kann, sucht sich Identität bei „Identitären“. In etwas „Größerem“, “Hehren“ – in Volk, Nation und Vaterland.

Wir waren auf einem guten Weg, diesen gefährlichen, ja tödlichen Wahn zu besiegen. Haben wirs versaut???

Gaulands „Vogelschiss“ ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, das schon vorher bis zum Rand gefüllt war mit Herzlosigkeit und Verharmlosung der Nazi-Diktatur. Es wird Zeit, dass wir dafür sorgen, dass die braune Brühe nicht noch weitere Landstriche überschwemmt.

Vielleicht erscheint der Widerstand vielen sinnlos. Und mancher mag sich sagen: „Was kann ich denn schon tun, alleine, ohne Gleichgesinnte?“Denen gilt es nun Mut zu machen, denn die mit dem Herzen denken sind – und da bin ich mir sicher – immer noch in der Überzahl. Aber schrecklich verunsichert und vor allem: nicht annähernd so lautstark.

Nach wie vor glaube ich, dass eine spirituelle Revolution am Wachsen ist, und mir kommt dieses ganze Machogehabe verunsicherter Männlein wie Trump, Erdogan, Putin, Kim, Orban, Gauland, Strache, Kurz und Söder und wie sie alle heißen mögen wie das – hoffentlich! – letzte große, fast verzweifelte Aufbäumen des Patriarchats vor.

Nicht jeder, der jetzt begeistert den Neofaschisten, Identitären und Nationalisten hinterherhechelt ist ein Nazi. Aber: sie haben sich in ihrer zunehmenden Blindheit die Nazibrille aufsetzen lassen von den Höckes und Straches und Salvinis und Le Pens.

Lassen wir uns von ihnen nicht ins Bockshorn jagen. Lassen wir uns nicht verführen von den sogenannten „Führern“.

Widerstehen wir mit all dem, was uns als menschlichen Wesen gegeben ist an Mitgefühl und Verstand, Poesie und Zärtlichkeit!

Lassen wir uns nicht entmutigen! Deutschland weint, wenn Mexiko im Fußball gewinnt und schaut weg, wenn 600 Flüchtende im Meer ausharren und Italien die Häfen dicht macht.

Danke den Spaniern und den 2.320 Helfern, die am Hafen von Valencia bereitstanden, um die Menschen aufzunehmen.

Jeder einzelne von ihnen ist wertvoller für eine menschliche Gesellschaft als Ihr unmenschliches Taktieren, Herr Seehofer!

Gestern habns an Willy daschlagn, aber heit halt ma endlich zamm.

Martin Böttcher – Deutsche Filmkomponisten (Folge 1) (2000)

FrontCover1.jpgDa kann so ein oller Knabe wie ich schon arg sentimental werden:

Martin Hermann Böttcher (* 17. Juni 1927 in Berlin; † 19. April 2019[1]; Pseudonyme: Michael Thomas, Renardo) war ein deutscher Filmkomponist, Dirigent und Arrangeur. In einem Zeitraum von über 60 Jahren verfasste er die Musik zu mehr als 50 Kinofilmen und 300 Fernsehproduktionen. Große Bekanntheit und Charterfolge erlangte Böttcher in den 1960er-Jahren durch seine Musik zu den Karl-May-Verfilmungen.

Martin Böttcher ist Urenkel eines Weimarer Hofkapellmeisters und erwarb schon früh durch Klavierunterricht musikalische Kenntnisse. Zunächst wollte er indes Pilot werden. Knapp 17 Jahre alt, wurde er im Krieg bei der Luftwaffe ausgebildet. Zu einem Einsatz kam es aber aus Mangel an Treibstoff nicht mehr. Während der Kriegsgefangenschaft gelang es Böttcher, eine Gitarre zu organisieren und autodidaktisch das Gitarrenspiel zu erlernen. Wegen eines Unfalls mit Schädelbasisbruch und Gehörnerv-Quetschung war Martin Böttcher auf dem linken Ohr taub.

MartinBöttcher2.jpgNach der Entlassung aus der Gefangenschaft führte ihn der Weg nach Hamburg. Dort spielte Martin Böttcher Gitarre unter Alfred Hause und Franz Thon im von Willi Steiner neu formierten Tanz- und Unterhaltungsorchester des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks, das selbst im Big-Band-verwöhnten England mit Hochachtung erwähnt wurde. Nebenbei eignete sich Böttcher sein musikalisches Rüstzeug bei Generalmusikdirektor Richard Richter und auf dem Gebiet der U-Musik bei Kurt Wege an. Auch spielte er in den kleinen Besetzungen von Kurt Wege und Günter Fuhlisch, bei Benny de Weille und Helmut Zacharias.

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Bei der Soundtrack EP zu demFilm „Die Halbstarken“ spielte ein Herr H. Last den Bass …

Seine bevorzugte Musikgattung war zunächst der Jazz, wo es Martin Böttcher schaffte, als Gitarrist zur Nummer 2 beim deutschen Jazz-Poll aufzusteigen. Schon in dieser Zeit sammelte er Erfahrungen als Arrangeur bei Filmkomponisten wie Michael Jary oder Hans-Martin Majewski, für den er Teile der Musik zum Film Liebe 47 arrangierte.

Bereits ab 1946 schrieb Böttcher Arrangements. 1954 nahm er Abschied vom NWDR und wechselte vom Notenpult zum Skizzenpapier. Dank Produzent Artur Brauner debütierte Böttcher 1955 mit der Musik zur Militärsatire Der Hauptmann und sein Held. Seine zweite Filmmusik schrieb er zu einem Meilenstein des deutschen Films der Nachkriegszeit: Die Halbstarken (1956) von Georg Tressler, in der Hauptrolle Horst Buchholz. Es spielte seine eigens hierfür gegründete Formation Mister Martin’s Band, in der Musiker wie der Klarinettist Fatty George, der Vibraphonist Bill Grah, der Posaunist Ernst Mosch und, noch als „Hans Last“, der Bassist James Last mitwirkten.

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Martin Böttcher mit Romy Schneider, 1959

Für Hans Albers schrieb Martin Böttcher drei Lieder in 13 kleine Esel und der Sonnenhof (1958), ebenso die Musik für Heinz Rühmanns Pater-Brown-Filme Das schwarze Schaf und Er kann’s nicht lassen. In Max, der Taschendieb fand die zuvor unter dem Pseudonym „Michael Thomas“ geschriebene und nach kurzer Zeit weltberühmt gewordene Melodie Hawaii Tattoo Verwendung, die später auch in die amerikanischen Billboard-Charts aufstieg.

Daneben schrieb Böttcher Chansons für Françoise Hardy, Romy Schneider, Peggy March, Elisabeth Flickenschildt und andere. Am 6. Februar 1960 nahm Martin Böttcher an der deutschen Endausscheidung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson Européenne mit dem Titel Oh, wie schön teil. Den Titel sang der belgische Entertainer Tony Sandler, der später in Las Vegas Karriere machte. Das Lied schlug sich achtbar auf einem vorderen Platz, es gewann allerdings „Bonne nuit, ma cherie“ von Wyn Hoop vor Wir wollen niemals auseinandergehn von Heidi Brühl. Der Titel von Wyn Hoop wurde dann im eigentlichen Grand Prix Eurovision Vierter.

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Martin Böttcher mit Pierre Brice

Im Jahr 1967 produzierte Oswalt Kolle den ersten Aufklärungsfilm Oswalt Kolle: Das Wunder der Liebe in Deutschland. Martin Böttcher wurde mit der Komposition der Musikuntermalung beauftragt. Die Titel lehnte dann der wissenschaftliche Berater des Films, der Sexualforscher Hans Giese, als „nicht unterkühlt genug“ ab (er befürchtete, dass sich das männliche Publikum zu unzüchtigen Handlungen hinreißen lassen könnte). Die Musik ging aber nicht verloren. Kolle verwendete sie als Hintergrundmusik für seine Hörplatte Das Wunder der Liebe, und das Titelthema Wonderland of Love wurde ein oft verwendeter Titel auf Sampler-Platten von Martin Böttcher.

Autogrammkarten

Autogrammkarten

Anfang der 1960er Jahre beauftragte der Rialto-Film-Chef Horst Wendlandt den Komponisten mit Filmmusiken für seine Edgar-Wallace-Reihe. Mit seiner Musik für die ebenfalls zu jener Zeit von Rialto Film produzierten Karl-May-Verfilmungen avancierte Martin Böttcher in den 1960er Jahren zum erfolgreichsten deutschen Filmkomponisten. Zu insgesamt zehn Karl-May-Kinofilmen komponierte er die Musik, außerdem in den 1970er Jahren zur 26-teiligen ZDF-Karl-May-Serie Kara Ben Nemsi Effendi. „An dem Erfolg des Films ist zur Hälfte die Musik beteiligt“, schrieb ein Kritiker nach der Uraufführung von Der Schatz im Silbersee. Die Musikstücke werden als Medley in den 1970er und 1980er Jahren mehrfach in den damals populären Musik- und Galashows des Fernsehens wie Musik ist Trumpf gespielt und zu dieser Zeit erstmals auf Samplern herausgebracht. Auch heute noch ist die Karl-May-Filmmusik erfolgreich und wird immer wieder in Coverversionen oder auf CDs herausgegeben.

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„Für mich war es eine besonders schöne Zeit, als ich die Musik zum Schatz im Silbersee und all den anderen Filmen komponieren durfte. Es hat wahnsinnig viel Freude gemacht – nicht nur, weil mir die Melodien so viel Erfolg brachten, sondern weil die Filme meiner Mentalität entgegenkamen. Das Grundmotiv war die Freiheit und die Ungebundenheit des Menschen. Ich musste nicht lange überlegen, bis mir die passenden Noten einfielen, die Musik kam aus dem Bauch. Vielleicht ist sie gerade deshalb so ein Erfolg geworden.“

Mit dem Kinosterben Ende der 1960er Jahre verlegte Martin Böttcher seinen Wirkungskreis verstärkt auf das Fernsehen. So ertönte in der allerersten Krimiserie, die im frisch gegründeten ZDF lief, Das Kriminalmuseum, als Titelmelodie eine Böttcher-Komposition. Es folgten in den 1960er Jahren die Serien Gertrud Stranitzki und Ida Rogalski mit Inge Meysel und in den 1970er Jahren eine Vielzahl weiterer Musiken, wie die zur Krimiserie Sonderdezernat K1, 1977 zu 13 Teilen der Serie Es muß nicht immer Kaviar sein mit Siegfried Rauch, 1994 zu 26 Teilen der Serie Air Albatross oder für diverse Episoden von Der Alte und Derrick, z. B. die Salzburg-Melodie aus der Derrick-Episode Ein Koffer aus Salzburg von 1975. Böttcher komponierte seither regelmäßig für Fernsehserien, zuletzt für Pfarrer Braun mit Ottfried Fischer. Insgesamt schrieb Böttcher die Musik zu 56 Spielfilmen und rund 400 Fernsehspielen und -serien.

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Am 17. Mai 1996 wurde die Komposition Friedensmelodie im Rahmen der Radebeuler Karl-May-Festtage im Rahmen eines Benefizkonzertes für das Kinderkrankenhaus in Mostar live uraufgeführt.

Die deutsche Gruppe Superboys erreichte am 12. September 1998 den ersten Platz in der ZDF-Hitparade mit einer Adaption der Winnetou-Melodie unter dem Titel Wish U Were Here – wünscht’, Du wärst bei mir. In Tschechien erhielt im März 2000 eine Coverversion mit dem Titel Vinetů der Gruppe Těžkej Pokondr aus dem Album Vypusťte Krakena Doppel-Platin. Ein weiterer Erfolgstitel der Gruppe war der Titel Vontové, eine Gesangsfassung der Old-Shatterhand-Melodie auf dem Album Ježek v peci. (Quelle: wikipedia)

Von all seinen Ehrngen ganz zu schweigen.

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Martin Böttcher mit Mario Adorf

Vermutlich hätte es ihn gefreut, dass der Bayerische Rundfunk ihm auf ihrer Klassik-Seite im web einen Nachruf schenkt:

Er war einer der ganz Großen der deutschen Unterhaltungs-, Fernseh- und Filmmusik. Unverkennbar ist seine kompositorische Handschrift, unverwechselbar sein Sound: Die Melodien seiner Winnetou-Filmmusiken sind legendär. Martin Böttcher hat die Musik zu über 50 Kinofilmen und 300 Fernsehproduktionen geschrieben. Am 19. April ist der Komponist im Alter von 91 Jahre gestorben, wie BR-KLASSIK aus engem Familienkreis erfahren hat.

Die Melodien der Winnetou-Filmmusiken kennt jeder, das gilt auch für viele seiner Fernsehmusiken, die ihn gewissermaßen in jedes deutsche Wohnzimmer brachten: „Sonderdezernat K1“, „Forsthaus Falkenau“, „Pfarrer Braun“. Martin Böttcher erhielt für seine Arbeit zahlreiche Preise und Auszeichnungen, darunter das Bundesverdienstkreuz am Bande, der „Look & Listen – Telepool-BR-Music-Award“ und die Ehrenmitgliedschaft in der US-amerikanischen Max Steiner Society – neben Benny Goodman, Frank Sinatra und anderen.

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Martin Böttcher im Studio (60er Jahre)

Die musikalische Heimat des 1927 in Berlin geborenen Urenkels eines Weimarer Hofkapellmeisters war der Jazz. Kurz vor Kriegsende wurde er noch zur Luftwaffe eingezogen und auf dem raketenangetriebenen Abfangjäger Messerschmidt Me 163 „Komet“ ausgebildet. Zum Fliegen kam er nicht mehr, aber die Fliegerei blieb einer seiner Leidenschaften. In der Kriegsgefangenschaft begann er mit dem Gitarrenspiel, übte jeden Tag an die 16 Stunden und begann dann seine professionelle musikalische Laufbahn als Rhythmus-Gitarrist im Tanz- und Unterhaltungsorchester des damaligen Nordwestdeutschen Rundfunks in Hamburg. Bereits 1952 schrieb er für einen Dokumentarfilm eine erste Filmmusik.

„Vorbilder? Für mich war Henry Mancini ein toller Komponist und Arrangeur.“ (Martin Böttcher)

1954 später verabschiedete sich Martin Böttcher von seinem Tanzorchester und gab die Gitarristentätigkeit auf, um sich am Schreibtisch über dem Notenpapier vornehmlich dem Komponieren und Arrangieren zu widmen. Anders als beispielsweise seine Kollegen Werner Müller und Bert Kaempfert, die sich neben dem Komponieren und Arrangieren auch als Big-Band-Leader profilierten, absolvierte Martin Böttcher eher wenige Live-Auftritte als Orchesterleiter.

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In stetem Fluss komponierte er für den Film. Erste berühmte Titel waren „Die Halbstarken“ und „Endstation Liebe“, beide mit Horst Buchholz in den Hauptrollen, später die Pater-Brown-Krimis mit Heinz Rühmann, eine Reihe von Edgar-Wallace-Thrillern und natürlich die insgesamt zehn „Winnetou“-Filme mit Pierre Brice und Lex Barker in den Hauptrollen, deren Erkennungsmelodien Martin Böttcher in den 1960er-Jahren internationale Berühmtheit bescherten. Das „Old Shatterhand“-Thema von 1962 stand 17 Wochen lang an der Spitze der Charts und wurde mehr als 100.000 Mal verkauft, damals eine echte Sensation.

Die Reihe der Fernsehmusiken Böttchers ist lang: Sie umfasst noch beliebte Serien wie „Das Kriminalmuseum“, „Gertrud Stranitzki“ mit Inge Meysel, „Es muss nicht immer Kaviar sein“ mit Siegfried Rauch, „Air Albatross“ mit Wolf Roth, „Schöne Ferien“ mit Claudia Rieschel, Simone Rethel und Sigmar Solbach sowie „Pfarrer Braun“ mit Ottfried Fischer.

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In all diesen Film- und Fernsehmusiken kultivierte Martin Böttcher einen Sound, der von großer Originalität und Eigenständigkeit geprägt ist. Es sind einprägsame diatonische Melodien, gepaart mit einer klangsinnlichen Harmonik über kräftigen Basslinien, eingebettet in einen warmen, weichen, volltönenden Gesamtklang. In der Tat dürfte es schwer fallen, ein Böttcher-Stück zu finden, bei dem man nicht schon nach 15 Sekunden die unverkennbare Handschrift des Komponisten erkennen würde. (Quelle_ BR-Klassik)

Hier zum Gedenken ein wunderbarer Querschnitt seines Schaffens … denn er hatte ja weit mehr drauf als „nur'“ all die bezaubernden Winnetou-Melodien zu komponieren … Insbesondere bei seinen Krimi- und Thriller Melodien kann man schon auch ne Gänsehaut kriegen …

Wie gesagt: Da kann so ein oller Knabe wie ich schon arg sentimental werden …

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Titel:

Der Schatz Im Silbersee:
01. Old-Shatterhand-Melodie 3.30
02. Tramp-Melodie 2.45

Winnetou 2. Teil:
03. Winnetou-Melodie 3.08

Der Schut:
04. Schut-Melodie 2.34

Unter Geiern:
05. Old-Shurehand-Melodie 2.31

Winnetou 3. Teil:
06. Banditen-Thema 2.44

Winnetou und Shatterhand im Tal der Toten:
07. Grand-Canyon-Melodie 3.23

Endstation Liebe:
08. Titelmusik 2.03

Die Halbstarken:
09. Sissy-Blues 2.12

Er kann’s nicht lassen:
10. Pater-Brown-Thema 2.11

Max, der Taschendieb:
11. Moonlight Guitar 2.57
12. Joe’s Melody 2.02

Das Geheimnis der schwarzen Witwe:
13. Die schwarze Witwe (Instrumental) 3.24

Mörderspiel:
14. Opus für Blondinen 2.59
15 Slowly, Slowly 1:47

Wartezimmer zum Jenseits:
16. Serenade für Laura 3.10

Das Ungeheuer von London-City:
17. Doodle Dandy 2.35
18. Walking Jack 2.32

Die Diamantenhölle am Mekong:
19. Midnight In Bangkok 1.42

Der Fälscher von London:
20. Titelmusik 2.47

Der schwarze Abt:
21. Titelmusik 2.32

Die blaue Hand:
22 Titelmusik 2:29

Der Mönch mit der Peitsche:
23. Terrible 1.43

Das Gasthaus an der Themse:
24. Besonders in der Nacht (Instrumental) 1.19
25. Mekka-Blues 1.47

Lange Beine – Lange Finger:
26. Lange Beine – Lange Finger (Instrumental) 2.31

Die Ente Klingelt um 1/2 8:
27. Hauptthema (Single-Version) 2.09

Klassenkeile:
28. Titelmusik 1.54

Dr. Med Fabian – Lachen ist die beste Medizin:
29. Titelmusik 1.48

Willy, der Privatdetektiv:
30. Pst, Willy 2.51

Musik: Martin Böttcher

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Martin Hermann Böttcher (* 17. Juni 1927; † 19. April 2019)