Verschiedene Interpreten – Lingen Verlag – Ihr Erfolg braucht gute Partner (ca. frühe 70er Jahre)

FrontCover1„Ja hoppla, was ist denn das ?“ werde ich mir wohl gedacht haben, als ich diese Scheibe in so einer Krabbelkiste das erste mal in der Hand hielt.

Wir reden hier von einer Werbeplatte des Lingen Verlages,  Köln:

Der Helmut Lingen Verlag ist ein Buchverlag mit Sitz in Köln.

Die Geschichte des Lingen-Verlags ist untrennbar mit Köln verbunden. Helmut Lingen, 1927 in Köln geboren, war ein Vertriebs- und Marketing-Profi. Er verstand sich vor allem auf Leserwerbung für Tageszeitungen und erfand Anfang der 1960er-Jahre ein völlig neues Vertriebskonzept für Bücher: Ähnlich wie bei einem Buchclub, aber ohne Abonnement, wurden Lingen-Bücher (z. B. Unterhaltungsromane, Kochbücher oder Ratgeber) über Tageszeitungen beworben und als günstige Sonderausgaben an die Leser verkauft – oft in hohen Auflagen.

LingenVerlag01

So ein typisches Buch aus dem damaligen Lingen-Verlag

Was einst mit einem Büro auf der Schildergasse begann, entwickelte sich über Jahrzehnte zu einem Medienunternehmen, das lange Zeit in Marienburg ansässig war und seit 2003 in Deutz zu Hause ist. Bis heute arbeitet Lingen eng mit Tageszeitungen zusammen, entwickelt und vertreibt Bücher für große Handelsketten und hat neue Geschäftsfelder aufgebaut: Unter anderem die Kinderbuchreihe „Leo Lausemaus“. Seit 2003 (zunächst gemeinsam mit Helmut Lingen, seit 2013 als alleiniger Gesellschafter) wird Lingen von Werner Schulte geführt. 2016 verstarb Helmut Lingen, der mit seiner Vaterstadt Köln durch die bereits 1994 gegründete Lingen-Stiftung über seinen Tod hinaus verbunden bleibt. (wikipedia)

Nun gut … Und hier diese eher obskure Werbe-LP … mit fidelen Melodien … aus der welt des Musicals und noch aus der Welt jener Schlager, die in den 20er Jahre des letzten Jahrhunderts für Furore sorgten …

Und so lieblos dieses Album gestaltet wurde, die Musik kann man sich gut und gerne auch heute noch anhören, sofern man natürlich über eine gewisse nostalgische Ader verfügt (so wie sie mir eben gegeben ist).

Insbesondere die Musical-Seite weiß zu überzeugen … man lausche mal der Instrumentalfassung von „Summertime“ !

Hinter dem Pseudonym „Jerry Wilton“steckt natürlich der Tausendsassa Gerd Wilden. Und wer der „Charles Parker“ eigentlich war, ist mir grad entfallen.

Gerd Wilden

Besetzung:
Jerry Wilton & his Oldtimers (bei 01. – 06.)
Jerry Wilton & his Oldtimers

Berlin20erJahre

Berlin in den 20er Jahren

Titel:

Musicals, die die Welt eroberten:
01. I Could Have Danced (Loewe) 2.07
02. Maria (Bernstein) 3.10
03. Hava nagila (Idelsohn) 4.03
04. Summertime (Gershwin) 3.49
05. So On Love (Porter) 2.45
06. In Foolish Mood (Parker) 3.04

Die großen Schlagererfolge der 20er Jahre:

07. Medley 01 (2.20)
07.1. Ich hab´das Fräulein Helen baden gesehen (Rymond/Beda)
07.2. Ausgerechnet Bananen (Silver-John/Beda)
07.3. Oh Susnna (Traditional)

08. Medley 02 (2.29)
08.1. Sonny Boy (de Sylva/Brtown/Henderson/Jolson)
08.2. Carry Me Back To Old Virginia (Traditional)
08.3. Dinah (Akst/Beda)

09. Medley 03 (3.52)
09.1. Ich küsse ihre Hand, Madame (Rotter/Erwin)
09.2. Nachts ging das Telefon (Kollo)

10. Medley 04 (3.05)
10.1. O sole mio (di Capua)
10.2. In einer kleinen Konditorei (Raymond/Neubach)
10.3. Ramona (Wayne/Gilbert)

11. Medley 05 (2.06)
11.1. Pozalej (Traditional)
11.2. Valencia (Padilla/Grey)
11.3. Was macht der Maier am Himalaya (Rotter-Profes/Stransky)
11.4. Wo sind deine Haare, August, August (Fall/Beda)

LabelB1

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Verschiedene Interpreten – Bye Bye, Lübben City (2008)

FrontCover1Also, im Jahr 2008 erschien so ein Buch mit dem Titel „Bye Bye, Lübben City. Bluesfreaks, Tramps und Hippies in der DDR“ und dieses Buch war eine längst überfällige, und sorgsam recherchierte der Blues-Szene in der DDR:

Lübben hat genauso wenig eine City wie Hintertupfingen und Kleinkleckersdorf. Es ist ein verschlafenes Nest im Brandenburgischen, fernab vom Schuss – ein Ort, wo der Blues lauert. »Bye bye, Lübben City«, die Hymne der ostdeutschen Langhaarigen-Szene, erklärt diese Stadt zum Synonym für den grauen, tristen Alltag in der DDR. Wer nicht den schleichenden Tod vor der Glotze sterben will, geht auf die Piste und hält den Daumen in den Wind.

Das haben seit den Sechzigern unzählige Jeans- und Parka-Träger getan, so, wie es die Berliner Band Monokel in ihrem Song beschreibt: Fünf lange Tage fordern Schule oder Arbeit Tribut, doch am Freitagabend wird Gas gegeben. Und zwar richtig! Montag reiht man sich mit schwerem Schädel, aber voller Batterie wieder in die Tretmühle ein.

Sie nennen sich ›Kunden‹ oder ›Blueser‹, tragen Jesuslatschen, Fleischerhemden und den obligatorischen Shelli. An den Wochenenden sind sie ständig auf Achse. Ausgedehnte Tramptouren führen sie kreuz und quer durch den Osten.

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Zwiebelmarkt in Weimar, Oktober 1971

Sie feiern in abgeschiedenen Dorfsälen ihre Happenings mit Love & Peace & Suff, okkupieren den Weimarer Zwiebelmarkt oder das Schmöllner Pfefferbergfest. Zu Ostern pilgern sie nach Prag, im Sommer ans Schwarze Meer und im Herbst nach Krakau. Ihr Leitbild bleiben bis in die achtziger Jahre die Ideale der Hippie-Bewegung, der Geist von Woodstock.

Musik ist der Motor. Sie lieben das ›Handgemachte‹, ›Authentische‹: Folk, Southern Rock, vor allem aber siedend heißen, elektrischen Blues. Die Rolling Stones, Doors und ZZ Top sind ihre Helden, Jimi Hendrix, John Mayall und Bob Dylan ihre Götter. (danielweissbrodt.de)

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Und hier der passende und auch dringend notwendige Soundtrack zum Buch, denn nur so kann man sich davon überzeugen, mit welcher Kraft und Leidenschaft hier dem Blues mit all seinen unterschiedliche Varianten und Spielarten gefrönt wird.

Und ich sag´s mal so … da hören wir nun wirklich einen Knaller nach dem anderen … das geht schon mit dem titelgebenden Song los … mit einer kleinen Verneigung vor Cream und deren „Crossroads“ Interpretation:

Das Leben der Anderen:
Einige kannte ich ja schon, aber wer bitte ist/war Klaus Renft oder Alexander Blume!? Dass die DDR über eine ganz vorzügliche (Blues-)Musikszene verfügte, die gelegentlich oder öfter so gar nicht dem offiziellen Kulturbild der Funktionäre entsprechen wollte, wussten auch im Westen einige. Aber – und das legt dieser Sampler zum gleichnamigen Buch deutlich genug nahe -, „das Leben der Anderen“ scheint doch einiges mehr gewesen zu sein als die subkulturellen Gitarren- und Harmonikaergüsse ein paar versprengter Freaks, Hippies und Tramps. 16 blues-rockmusikalische Perlen von 16 verschiedenen Bands/Interpreten aus dem einstigen Arbeiter- und Bauernstaat finden sich da, fast alle mit deutschen Texten und in durchgängig ober-erstklassigem Remastering. Das lässt sich hören – in jeder Hinsicht! (Romulus)Was sind wir gepilgert – von Peitz nach Altenburg, vom Freyburger Winzerfest bis in die Samariter Kirche – und immer war er bei uns – der BLUES. Wer wirklich wissen will wer uns neben Canned Heat und Janis Joplin begleitet hat sollte hier reinhören – eine CD nicht nur für Freaks, aber unbedingt für sie…. (amigoberlin)

VorwortBuchausgabe

Aus dem Vorwort des Buches

Was hier gespielt wird,das ist einfach die Bundesliga des DDR Blues,wobei sicher auch die Auswechselbank ihr Mitsagen hat.Schade find ich nur,dass grad die Bluesfans aus dem Westen kaum Ahnung davon haben und wohl auch nicht wollen ? (das ist gelinde gesagt, völliger Quatsch). In Verbindung mit dem Buch stellt es einen wunderbaren Flair des Blueses in der DDR her,der sich leider seine Eigenständigkeit nicht erhalten konnte.Jungs,ich hab Euch schon live erlebt und war davon mehr als beeindruckt!Im Blues wohnt die Seele der Musik und das gilt es zu bewahren ! (Ralf Ackermann)

Und gerde weil ich mich als klassischer Wessi aus den Südstaaten der Republik sehr für diesenn „DDR-Blues“ interessiere …werde ich mich z.B. mit der Band „Panta Rhei“ (für mich eine ganz wertvolle Neuentdeckung und die großarige Veronika Fischer ist auch dabei !) vertiefter beschäftigen.

Und dann schoss mir noch so ein Gedanken durch den Kopf … vielleicht ist diese Musik auch deshalb so intensiv, dann all diese Musiket erlebten ne ganz andere Form der Repression … als ir sie hier als Wessis erlebt haben. Und Blues und Repression … diese Begriffe gehören schon zusammen.

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Titel:
01. Monokel: Bye Bye, Lübben City (Kühnert/Linke) 4.22
02. Keimzeit: Ratten (Leisegang) 3.39
03. Engerling: Mama Wilson (Bodag) 4.56
04. Hansi Biebl Band: Für Chuck Berry (Biebel/Schmidt) 5.23
05. Karussell: Autostop (Huth/Demmler) 3.09
06. Stefan Diestelmann Folk Blues Band: Reichsbahn-Blues (Diestelmann) 4.14
07. Jürgen Kerth: Geburtstag im Internat (Kerth) 4.31
08. Panta Rhei; Blues (Swillms/Gerlach) 5.54
09. Klaus Renft Combo: Cäsars Blues (Gläser/Pannach) 5.28
10. Zenit: Dr. Blues (Stolle) 3.24
11. Alexander Blume: Honky Tonk Train Blues (Lewis) 2.55
12. Gitarreros: Johnny B. Goode (live) (Berry) 4.48
13. Jonathan Blues Band: Daddy’s Boogie (Pabst) 5.27
14. Engerling: Der Zug oder die weiße Ziege (Bodag) 4.33
15. Bayon Blues: Vom Gras (Theusner/Gerlach) 4.20
16. Amiga Blues Band: Hoochie Coochie Man (Morganfield) 3.54

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  • (demnächst)
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Viel geiler geht´s nicht … 

United Jazz + Rock Ensemble – Zwischenbilanz – Das Beste aus den Jahren 1977 – 1981 (1981)

FrontCover1Jetzt behaupte ich ganz einfach mal, was viel besseres (mit Ausnahme von Klaus Doldinger) konnte dem deutschen Jazz-Rock nicht passieren, als dass sich genaz dieses Ensemble zusammengefunden hat:

Das United Jazz + Rock Ensemble (abgekürzt United oder UJRE) war eine Fusion-Band, die von 1977 bis 2002 bestand und Größen des Jazz und Jazzrock aus ganz Europa vereinigte.

In seiner mit fünf bis sechs Bläsern annähernden Bigband-Besetzung spielte das Ensemble überwiegend Eigenkompositionen. Die Stilistik der Stücke ist vor allem dem Jazzrock verbunden, aber auch andere Musikstilrichtungen sind vertreten. Insbesondere Charlie Mariano brachte durch seine Erfahrung mit indischer Musik gelegentlich ethnische Einflüsse in das Repertoire der Band.

Im Jahre 1975 plante der Regisseur Werner Schretzmeier, die Jugendserie Goldener Sonntag für den Süddeutschen Rundfunk zu drehen. Für diese Serie sollte eine Studiogruppe gegründet werden. Schretzmeier wandte sich an Wolfgang Dauner, für den er schon früher, als Manager der Avantgarde-Gruppe et cetera, gearbeitet hatte. Wegen der Zielgruppe sollte die Musik rockiger und kein „reiner“ Jazz sein. Dauner sprach Bekannte an, die rock-orientierter waren als er, wie zum Beispiel Schlagzeuger Jon Hiseman. So entstand die Formation, mit bereits fast allen späteren Mitgliedern von United.

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Die einzelnen Mitglieder der Band hatten bereits vor der Gründung und auch parallel zur Existenz des United Jazz + Rock Ensemble erfolgreich Musik in unterschiedlichen Stilrichtungen gemacht, weshalb das UJRE auch „Band der Bandleader“ genannt wurde. Die fachlich herausragende künstlerische Stellung der Musiker wird auch dadurch belegt, dass einige von ihnen an (Musik-)Hochschulen lehrten bzw. noch lehren. Diese prägende Vielfalt aus verschiedenen, gleichwertigen Musikern, von denen jeder eigene Kompositionen – oft aus der Arbeit mit eigenen Ensembles – zum Repertoire beisteuerte, sorgte für viel Abwechslung und gab der Band einen gewissen experimentellen Touch.

Im Jahre 2002 kam mit der „Farewell Tour 2002“ der Abschied der Gruppe von gemeinsamen Auftritten. Dieses war nicht zuletzt durch die Parkinson-Erkrankung von Barbara Thompson begründet. (Quelle; wikipedia)

Und hier nun als Beleg für meine Anfangsthese ein erstes Beispiel für die Schaffenskunst dieses Ensemble, und zwar ein Sampler, der Live- und Studio – Aufnahmen aus den Jahren 1977 und 1981 enthält.

Was schreib ich da: Dass man mit der Zunge schnalzen muss ? Dass man ungläubig zuhört, dass man sich wundert, dass so ein hochkarätiges Ensemble so lange existieren konnte (mit der Gewissheit, dass hie noch öfters von diesem Ensemble die Rede sein wird) ?

Oder ganz einfach. Reinhören !

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Besetzung:

Ian Carr (trumpet, flugelhorn)
Wolfgang Dauner (piano, synthesizer)
Jon Hiseman (drums)
Volker Kriegel (guitar)
Albert Mangelsdorff (trombone)
Charlie Mariano (saxophone)
Ack Van Rooyen (trumpet, flugelhorn)
Barbara Thompson (saxophone)
Eberhard Weber (bass)
Kenny Wheeler (trumpet, flugelhorn)

BackCover1Titel:
01. Ausgeschlafen (Dauner)
02. Storyboard (Kriegel)
03. Gone With The Weed (Carr)
04. Circus Gambert (Kriegel)
05. South Indian Line (Mariano)
06. Be-Bop Rock (Dauner)
07. Wart G’Schwind (Mangelsdorff)

LabelA1*
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Udo Jürgens – Lieder, die im Schatten stehen (1 + 2) (1978)

FrontCover1Wenn ich ehrlich sein darf: Als Udo Jürgens am 21.12.2014 verstarb, hab ich mich -als ich die Nachricht vernahm – irgendwie in einer Art Schockstarre befunden. Zu wichtig war mir dieser Musiker in all den Jahrzehnten geworden, als dass ich schulterzuckend sagen konnte: Na ja, der Tod gehört halt zum Leben.

Und diese Schockstarre hat damals  wohl auch dazu geführt, dass ich um seine Musik all die letzten Monate einen Bogen gemacht habe … Aber immer wieder kehre ich zu diesem Musiker gedanklich und emotional zurück

Und es gab mal ne Serie von Alben, die sich „Lieder, die im Schatten stehen“ nannte und die erste Ausgabe diese famosen Serie erschien im Jahr 1978.

Das Doppelalbum „Lieder, die im Schatten stehen“ enthält keine Hits, sondern 24 Titel aus der Feder des Komponisten und Sängers Udo Jürgens, die bis dahin stets im Schatten seiner Erfolgsnummern standen. Lieder wie „Auf meinem Tisch ein weißer Bogen“, „Ihr Lieben daheim“, „Kind einer Nacht“, „Mein Bruder ist ein Maler“, „Mein Freund der Clown“, „Deine besten Jahre“, „Ein Narr sagt dankeschön“ oder „Eine Hand ist keine Faust“ sind, wie Udo Jürgens selbst sagt, „in vielen Stunden der Besinnung entstanden und sollen dem Publikum ein paar Minuten der Besinnung geben“8Produktinfo)

Das 1979 mehr oder weniger gewagte Experiment, eine Compilation herauszubringen, ohne die großen Hits und Nr 1.-Titel der Schlagerparaden, hatte einen durchschlagenden Erfolg. Ruhige Songs – Lieder zum Träumen und Nachdenken.
Inzwischen ist diese Zusammenstellung auch als Doppel-CD erschienen. (udofan)

:Und beim mehrfachen hören dieser eher unbekannten Lieder wird mir wiedermal (auch schmerzhaft) bewußt, wie viel seine Lieder mit meinem eigenen Leben zu tun haben …  Bei „Vier Stunden in der Woche“ habe ich mich meiner Tränen stolz geschämt, denn dieser Text erzählt ganz einfach die Geschichte meiner größten Narbe, die ich mir im Laufe meines Lebens eingehandelt habe:

Samstagnachmittag um vier hol‘ ich sie ab,
da wartet sie schon an der Tür;
ihre Mutter sieht mir selten ins Gesicht,
wenn ich sie frag‘:“Wie geht es dir?“
Sie sagt nur:“Paß‘ auf die Kleine auf,
und bring‘ sie pünktlich heim.“
Und dann nehm‘ ich meine Tochter bei der Hand
und darf wieder Vater sein.

Vier Stunden in der Woche,
vier Stunden zählen kaum,
vier Stunden sind geblieben
von einem großen Traum.
Ich kann ihr nicht viel geben
in dieser Zeit – doch immerhin:
Vier Stunden in der Woche
hat mein Leben einen Sinn.

Wenn das Wetter schön ist, geh’n wir in den Zoo,
oder wir fahren an den See.
Wenn es regnet, sitzt sie bei Kakao und Kuchen
mit mir meistens im Cafe,
und ich frag‘ sie nach der Schule und den Freunden,
doch sie redet nicht sehr viel mit mir;
und ich will doch alles wissen über sie,
damit ich sie nicht ganz verlier‘.

Vier Stunden…

Manches Mal hab‘ ich versucht ihr zu erklären,
was ich selber nie verstand‘;
warum Menschen, die sich lieben, plötzlich tun,
als hätten sie sich nie gekannt.
Dann erzählt sie mir von ihrem neuen Vater,
der gesagt hat, er sei immer für sie da.
Und dann weiß‘ ich nicht, was ich sagen soll,
und streich‘ ihr nur über’s Haar.

Vier Stunden…

UdoJürgens01

Und bei „Der Schuft“ habe ich in den Spiegel schauen müssen … und bei „Auf meinem Tisch ein weißer Bogen“ dachte ich mir, das kommt mir sehr bekannt vor.

Und dann noch Lieder/Texte wie „Mein Freund, der Clown“, „Eine Hand ist keine Faust“, “ Mein Bruder ist ein Maler“ (einfach nur großartig).und da gibt es noch so etliches, was auf eine Entdeckung wartet.

Klar, der Udo Jürgens zelebriert seine Kompostionen mit dem ihm eigenen Pathos

BookletBackCover1

Besetzung:
Udo Jürgens (vocals, piano)
+
Orchester Johnny Harris (bei 02., 04.
Orchester Hans Hammerschmid (bei 10.
Orchester Boris Jojic (bei 03.
Orchester Robert Opratko
Orchester Mike Vickers (bei 09.
+
Die Rosy Singers (background vocals bei 03., 17.

Tray1Titel:
01. Meine Lieder (Brauneck/Jürgens) 5.23
02. Auf meinem Tisch ein weißer Bogen (Mey/Jürgens) 3.34
03. Mayerling (Kunze/Jürgens) 3.05
04. Die Leute (Jürgens/Brandin) 3.06
05. Der Schuft (Kunze/Jürgens) 3.48
06. Morgen weht ein anderer Wind (Brauneck/Jürgens) 3.18
07. Ihr Lieben daheim (Jürgens) 5.07
08. Kind einer Nacht (Kunze/Jürgens) 6.13
09. Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint (Fuchsberger/Jürgens) 2.56
10. Mein Freund, der Clown (Jürgens/Brandin) 3.02
11. Deine besten Jahre (Hachfeld/Jürgens) 3.56
12. Auf der Straße der Vergessenheit (Hachfeld/Jürgens) 4.52
13. Du allein (Hachfeld/Jürgens) 3.22
14. Weißt du, wie krank dich Liebe machen kann? (Jürgens) 5.21
15. Mein Bruder ist ein Maler (Jürgens/Hofer) 4.08
16. Vier Stunden in der Woche (Kunze/Jürgens) 4.33
17. Als die Musik erklang (Hachfeld/Jürgens) 4.21
18. Ein Narr sagt Dankeschön (Jürgens) 3.48
19. Ein kleines Lied für mich (Kunze/Jürgens) 2.55
20. Und dabei könnt‘ sie meine Tochter sein (Kunze/Jürgens) 3.49
21. Eine Hand ist keine Faust (Kunze/Jürgens) 3.42
22. Nur einen Sommer lang (Alexandra/Jürgens) 4.16
23. Ein paar Worte, ein paar Töne (Jürgens) 4.21
24. Der große Abschied (Fuchsberger/Jürgens) 3.39

Label1

 

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Kindheit, des Lebens zarte Luft,
der Tag, der dich zum spielen ruft,
wobei oft nur ein Glas zerbricht,
mehr weißt du nicht.

Der kleine Zug, der dir gefällt,
fährt nur im Kreis nicht in die Welt.
So klein fängst du dein Leben an
und was kommt dann?

Dann kommt der große Abschied von der Zeit.
Es gibt kein Wiedersehen,
war sie auch noch so schön.
Dann kommt der große Abschied, sei bereit.
Denn alles wird vergehen,
die Welt, die muß sich drehen.

Schule, des Lebens erste Pflicht,
wobei schon mehr als Glas zerbricht.
Erste Liebe und erstes Leid,
dein Weg ist weit.

Sommer des Lebens, du weißt genug,
hast viel erreicht undt so klug.
Hörst oft mit Stolz: Was für ein Mann,
und was kommt dann?

Dann kommt der große Abschied von der Zeit.
Es gibt kein Wiedersehen,
war sie auch noch so schön.
Dann kommt der große Abschied, sei bereit.
Denn alles wird vergehen,
die Welt, die muß sich drehen.

Künden sich Herbst und Winter an,
dann lächelst Du, wie es begann.
Weiß ist dein Haar, so weit dein Blick,
siehst du zurück.

Nichts ist so wichtig und nichts so groß,
wie deine friedliche Hand im Schoß.
Nichts fängt im Leben noch mal an
und was kommt dann?

Dann kommt der große Abschied von der Zeit.
Es gibt kein Wiedersehen,
war sie auch noch so schön.

Verschiedene Interpreten – Trompetenkonzerte (70er Jahre ?)

FrontCover1Na, dann wenden wir uns mal wieder der von mir so heiß geliebten Trompetenmusik zu:

Schon die Ägypter spielten vor 3500 Jahren trompetenartige Instrumente (snb/sprich: scheneb) aus Metall, die gleiche Bauform dürfte auch die altjüdische Chazozra gehabt haben. Frühe Trompeten, wie die griechische Salpinx oder die Römische Tuba, waren langgestreckt und ohne Windungen. Die Hakenform des römischen Lituus und des keltischen Carnyx entstanden vermutlich durch die Verbindung eines geraden Rohrs mit einem krummen Tierhorn als Schallbecher. In der Form eines großen G war das römische Cornu gewunden. Die immer paarweise verwendeten Luren der Germanen erhielten ihre Form wahrscheinlich durch die Nachahmung von Mammutstoßzähnen. Vorrangig verwendetes Material für antike Blechblasinstrumente war Bronze, die im Wachsausschmelzverfahren bearbeitet wurde.

Ob die Kunst des Rohrbiegens von der Antike durch das Mittelalter tradiert wurde oder im Abendland neu entdeckt werden musste, ist nicht mit Sicherheit geklärt. Frühmittelalterliche Trompeten waren gestreckt. Gewundene Formen sind erst ab dem 14. Jahrhundert in ikonografischen Quellen nachzuweisen. Schriftlich wurde der Begriff Drometten bereits 1470 (in einem Dokument in Pirna) oder später Drommete (von Martin Luther bei seiner Bibelübersetzung zum Prophet Jesaja 18,3) verwendet.

Trompete01

Diverse TRompetenmodelle

Als Standardform bildete sich im ausgehenden Mittelalter die einmal gewundene Langtrompete heraus, die als Barocktrompete bis zum Ende des 18. Jahrhunderts praktisch unverändert blieb. Der Tonumfang dieser Instrumente war auf die Naturtonreihe beschränkt, deren vierte Oktave (Clarinregister) eine vollständige Skala bereitstellt. Die Beherrschung dieser hohen Lage, das sogenannte Clarinblasen, gilt als die hohe Kunst barocker Trompetenmusik. Die Existenz einer mittelalterlichen Zugtrompete ist nach wie vor umstritten.

Vom ausgehenden Mittelalter bis ins Barock galt die Trompete als Herrschaftssymbol. Trompeter waren hoch angesehene Beamte. Nur zu hohen kirchlichen Festen war es erlaubt, dass sie mit anderen Musikern zusammen zu anderen Zwecken spielten.

Trompete02Der durch das Kornett begonnene Verdrängungsprozess der Trompete aus den Orchestern wurde ab etwa 1890 wieder zugunsten der Trompeten umgekehrt. Die heute gebräuchliche B-Trompete, die zuvor bereits 1828 in die preußische Militärmusik eingeführt wurde, hielt Einzug als Orchestertrompete und löste ab 1860–70 die (tiefere) F-Trompete ab. Obwohl z. B. der Militärkapellmeister Johann Heinrich Saro wiederholt betonte, dass B-Trompeten nicht den fülligen und kernigen Klang der F-Trompete hätten, sondern eher ähnlich dem Cornet à pistons klängen, nahmen viele Komponisten wenig Rücksicht auf die Möglichkeiten der Instrumente. Folglich spielten die Musiker immer öfter auf der sicherer zu handhabenden B- oder C-Trompete. Zunächst nur die hohen Spieler, dann auch immer mehr die zweiten und dritten Spieler. Nikolai Rimski-Korsakow versuchte zwar die F-Trompete als Tromba alta wieder im Orchester zu etablieren – einzelne russische Komponisten, u. a. Schostakowitsch, taten dies ebenso – aber sie mussten die Partien immer so einrichten, dass diese auch auf der nunmehr gängigen B-Trompete spielbar blieben.

Trompeten (oder ähnliche Instrumente) wurden praktisch immer auch als Signalinstrumente verwendet. Beispielsweise mussten alle Türmer in den Städten (Signal-) Trompete spielen können. Daraus resultierte eine hohe gesellschaftliche Anerkennung der Trompeter, die sich meist auch finanziell bemerkbar machte. Oftmals waren die Türmer/Trompeter bereits seit dem Mittelalter als Berufsgruppe anerkannt – anders als alle anderen Musiker. Verdi ließ für seine Oper Aida eine spezielle Fanfarentrompete, die Aida-Trompete, herstellen.

Auch im Militär-Handwerk spielten die Trompeter seit jeher als Signalgeber (Datenüberträger) eine wichtige Rolle.

In den letzten Jahrzehnten ist das Spielen der Trompete sehr populär geworden. Die Nachfrage nach Instrumenten wird heute meist durch große Betriebe mit industrieller Instrumentenproduktion gedeckt. Natürlich gibt es nach wie vor eine Reihe von Blechblasinstrumentenbaumeistern in kleineren Firmen, die in der Lage sind, individuell dem Musiker angepasste Instrumente zu bauen. (Quelle: wikipedia)

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Basstrompete in C

Und hier liegt auf meinem Schreibtisch nun so ne Doppel-LP in einer Box vor, die sich schlicht „Trompetenkonzerte“ nennt und auf dem Label FSM-Vox erschienen ist. Dieses Label war wiederum ein Sublabel von FSM Records ( Fono Schallplattengesellschaft Münster). Das Erscheinungsjahr dieser Box konnte ich nicht herausfinden.

Das ändert jedoch nicht daran, dass wir hier ganz und gar hochwertige Trompetenmusik aus der Barockzeit hören, wenn gleich die beiden Orchester eher in die Kategorie „kennt kein Schein“ fallen.

Und in dem 4seitigem Begleitheft finden wir dann auch noch biographische Angaben über die Komponisten, wie z.B. über den Tomaso Albinoni:

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Nachdenklich gemacht haben mich dann allerdings jene einführenden Worte, die Auskunft über die Geschichte und Bedeutung der Trompete im allgemeinen und besonderen geben:

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Bin ich am Ende ein verkappte Monarchist, war ich in meinem früheren Leben gar ein Kriegsführer.

Fragen über Fragen und ich habe mich dazu entschlossen, all die drängenden Fragen Fragen sein zulassen und mich einfach an den pachtvollen Klängen zu erfreuen. Eine wunderbare Art, einen Sonntag Morgen zu beginnen.

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Die Vorderseite des Begleitheftes

Besetzung:
Mainzer Kammerorchester unter der Leitung von Günter Kehr (bei 02., 03., 08., 09., 10. + 11.)
Württembergisches Kammerorchester unter der Leitung von Jörg Faerber (bei 01., 04., 05.- 07.
+
Wilhelm Ackermann (trumpet bei 01.
Edward H. Tarr (trumpet bei 04., 05., 06.
Wolfgang Pasch (trumpet bei 01.
Hellmut Schneidewind (trumpet bei 06.)
Heinz Zickler (trumpet bei 01. – 03., 06., 08., 09. – 11.)

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Titel:

Gottfried Heinrich Stölzel:
01. Konzert D-Dur für 6 Trompeten und Streichorchester 11.36

Heinrich Ignaz Franz Biber:
02. Konzert C-Dur für Trompete, Streicher und B. C. 5.12

Johann Friedrich Fasch:
03. Konzert D-Dur für Trompete, 2 Oboen, Streicher und B. C. 6.52

Giuseppe Torelli:
04. Konzert D-Dur für Trompete, Streicher und B. C. 6.39

Tomaso Albinoni:
05. Konzert C-Dur für Trompete und Orchester 7.19

Antonio Vivaldi:
06. Konzert C-Dur für 2 Trompeten und Streichorchester F IX, 1 7.19

Francesco Manfredini:
07. Konzert D-Dur für 2 Trompeten und Streichorchester 7.04

Georg Friedrich Händel:
08. Suite D-Dur für Trompete, 2 Oboen und Streichorchester 18.45

Henry Purcell:
09. Sonate D-Dur für Trompete und Streicher 4.37

Georg Philipp Telemann:
10. Konzert D-Dur für Trompete und Streicher 7.52

Georg Philipp Telemann:
11. Konzert D-Dur für Trompete, 2 Oboen und B. C. 14,57

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Die Rückseite der Box

Edition Deutsche Zeitgeschichte (I) – Vom Kaiserreich zu Republik (70er Jahre)

FrontCover1Es gab da mal die „Miller International Schallplatten GmbH“, die den meistern Sammlern als jene Firma bekannt ist, die auf ihrem „Erupa“ Label diverse Leckerbissen herausgegeben hat (und das betrifft nicht nur jene Hörspiele für Kinder, die heute einen Kultstatus haben).

Nein, das Miller Label brachte auch Sondereditionen heraus, wie diese eine ist:

Deutsche Zeitgeschichte heißt die 3teilige LP Serien und sie umfasst folgende Dekaden:

1. Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924)

2. Der Weg zur Machtergreifung (1928 – 19339

3. 10 Jahre Wiederaufbau (1945 – 1954)

Völlig unverständlich, warum man die Jahre 1933 – 1945 ausgeblendet hat (Tondokumente aus diesen Jahren gibt es ja nun wahrlich genug). Wieder mal ein kleines Beispiel von fast schon kollektiver Verdrängung.

Nun, hier die erste LP dieser Edition (die beiden anderen liegen mir noch nicht vor, was nicht ist, kann aber noch kommen).

Anhand von Tondokumenten jener Jahre versucht man sich an eine Rekonstruktion jener Jahre. Eine intensive geschichtle Auseinandersetzung erfolgt aber nicht, so bleibt es ein narratives Tondokument.

Wenn man sich all die kriegsgeilen Zitate anhört, dann krieg ich noch heute ne Gänsehaut … Und klar: Die klangliche Qualität muss bescheiden sein … dennoch … diese Präsentation mag für den einen oder anderen schon von Interesse sein.

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Titel:

01. Deutsche Zeitgeschichte I – Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924) (Teil 1) (16.01)
01.1. Ablösung der Wache am kaiserlichen Schloß zu Berlin
01.2. Kaiser Wilhelm II. spricht auf einer Edison-Walze: „Deutsch sein ist das… „, 1904.
01.3. Ferdinand Graf von Zeppelin ruft zur Nationalspende auf, 1908
01.4. „Aus großer Zeit“ – eine Erinnerung an 1813 mit vaterländischen Gesängen, zusammengestellt 1913
01.5. Kaiser Wilhelm II: Aufruf „An das deutsche Volk“, 1915
01.6. Marsch: Battaillon Garde
01.7. Hindenburg: Aus dem Dankerlaß an die Truppen der 8. Armee nach der Schlacht von Tannenberg, 1914 ‚
01.8. Marsch: Finnländischer Reitermarsch
01.9. Kapitän König, Kommandant des Handels-U-Bootes „Deutschland“, nach seiner Rückkehr aus den USA, 1916
01.10. Marsch: Unsere Marine

02. Deutsche Zeitgeschichte I – Vom Kaiserreich zur Republik (1904 – 1924) (Teil 2) (16.09)
02.11. Philipp Scheidemann: „Friedensrede“ im Reichstag
02.12. Scheidemann: Erinnerung an den 9. November 1918 mit der Bekanntgabe des Thronverzichts Wilhelms I. und dem – nicht völlig wortgetreuen – Text der Ausrufung der deutschen Republik
02.13. Lied: Ich hab mich ergeben
02.14. Gustav Noske über die Kämpfe in Berlin im Januar 1919
02.15. Friedrich Ebert, Ansprache vor der Nationalversammlung in Weimar am 21.8.1919 nach seiner Wahl zum Reichspräsidenten
02.16. Ansage aus dem Berliner Vox-Haus: Alfred Braun
02.17. Hans Bredow, Weihnachtsansprache an das amerikanische Volk 1924
02.18. Hugo Eckener, Bericht von der Amerika-Fahrt mit dem Luftschiff ZR II („Zeppelin“) Oktober 1924
02.19. Marsch: Pepita-Marsch

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Verschiedene Interpreten – Der Wind gehört zum Wandern (1977)

FrontCover1.JPGJetzt wird´s zünftig und fidel … denn eine kleine Schar von DDR Musikgruppen singen das hohe Lied auf das Wandern !

Dabei verwenden sie nicht die klassischen deutschen Volkslieder zum Thema wandern („Das Wandern ist des Müllers Lust & Co.), sondern verwenden eigene Neukompositionen rund ums Wandern und bezieht dabei vermutlich wunderbare Fleckchen Erde in der DDR aus …

Viele Texte sind dabei eher schlicht und auch musikalisch betritt man kein Neuland … von daher eine LP die man getrost als durch und durch konservativ nennen kann.

Die Musikanten sind überwiegend unbekannt …  das trällert z.B. der „Eisenbahner-Kinderchor Berlin“ (die Nachtigallen der DDR), die Scherbelberger Musikanten oder die „Ilmtaler Musikanten“.

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Die Scherbelberger Musikanten

Ziemlich bekannt waren allerdings Waltraut Schulz & Herbert Roth, das waren wohl die unbestrittenen Stars der Volksmusik in der DDR:

Herbert Roth (* 14. Dezember 1926 in Suhl; † 17. Oktober 1983 ebenda) war ein deutscher Komponist und Interpret volkstümlicher Musik.

Schon früh nahm Herbert Roth Musikunterricht (Klavier, Akkordeon, Klarinette) und trat bereits als Jugendlicher öffentlich auf. 1948 legte er nach einer Friseurlehre seine Meisterprüfung ab und arbeitete zunächst im Salon seiner Eltern. Herbert Roth begann als Amateurmusiker und gründete 1950 die Suhler Volksmusik. Der erste öffentliche Auftritt des Ensembles fand am 15. April 1951 in Hirschbach statt, der letzte am 3. März 1983 in Oberhof.

Von 1951 bis 1983 stand er gemeinsam mit Gesangspartnerin Waltraut Schulz und seiner Instrumentalgruppe in etwa 10.000 Veranstaltungen auf der Bühne, ab 1980 auch mit Tochter Karin Roth. Als seine wichtigste und schönste Aufgabe betrachtete er laut eigener Aussage in diversen Interviews die musikalische Betreuung der Urlauber in den Ferienorten des Thüringer Waldes.

Waltraut Schulz & Herbert Roth1959

Waltraut Schulz & Herbert Roth

In den Herbst- und Wintermonaten ging die Gruppe meistens auf Tournee durch zahlreiche Bezirke der DDR. Herbert Roth war mit seiner Instrumentalgruppe oft in diversen Rundfunkveranstaltungen präsent und hatte bei Stimme der DDR eine eigene wöchentliche Sendung, in der ausschließlich seine Titel gespielt wurden. Ab 1974 war er Stammgast in der TV-Show Oberhofer Bauernmarkt. Kurz vor seinem frühen Tod produzierte er für Fernsehen („Von der Wartburg bis zur Saale“) und Schallplatte noch einige Gesangstitel gemeinsam mit seiner Frau Edelgard. (Quelle: wikipedia)

Nun denn: ich bin zwar kein ausgesprochener Wandervogel (allerdings war einer meiner schönsten Urlaube ein Wanderurlaub mit meinem bestem Freund auf dem sog. Whisky-Trail/Speyside in Schottland), ich kann mir allerdings kaum vorstellen, dass diese Musik die Bereitschaft zum Wandern fördern könnte.

Und diese Anmerkung muss ich auch noch los werden:

„Wir kennen keine Sorgen, wie schön ist doch unsere Welt“ …

Das nenn´ ich Beschwichtigungsmusik … eigentlich kaum erträglich. Und „Volkslieder im Marschrhythmus“ brauch´ ich auch nicht … aber das Cover ist nett.

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Titel:
01. Die fröhlichen Sänger mit den Pleißtaler Musikanten: Der Wind gehört zum Wandern (Röser/Wilhelm) 2.37
02. Ilmtaler Musikanten: Im Morgenwind (Röser) 2.00
03. Waltraut Schulz & Herbert Roth: So ziehn wir durch die Wälder (Traditional) 2.03
04. Ilmtaler Musikanten: Specht-Polka (Schier) 2.37
05. Eisenbahner-Kinderchor Berlin & Orchester Kurt Beyer: Wir laden euch zum Wandern ein (Roth/Müller) 2.23
06. Die fröhlichen Sänger mit den Scherbelberger Musikanten: Wenn hell die Sonne erwacht (Hugo/Schneider) 2.09
07. Waltraut Schulz & Herbert Roth: Weiße Wolken und Wind (Lutz/Müller) 2.05
08. Eisenbahner-Kinderchor Berlin & Orchester Kurt Beyer: Mit Der Mi- Mit der Ma-, mit der Mundharmonika (Schier/Harnisch) 2.11
09. Die Rosentaler: Wandern und Singen (Traditional) 2.05
09.1. Auf, du junger Wandersmann
09.2. Es zogen auf sonnigen Wegen
09.3. Heute wollen wir das Ränzlein schnüren
10. Waltraut Schulz & Herbert Roth: Vergiß das Wandern nicht (Roth) 2.21
11. Ilmtaler Musikanten: Gut zu Fuß (Röser) 2.26
12. Die fröhlichen Sänger mit den Pleißtaler Musikanten: Wie schön ist doch die Welt (Apfelmann/Herde) 2.03
13. Ilmtaler Musikanten: Der Kickelhahner (Herrmann) 1.57
14. Eisenbahner-Kinderchor Berlin & Orchester Kurt Beyer: Wenn am Himmel Schwalben ziehn (Schier/Bohlke) 2.12
15. Die fröhlichen Sänger mit den Scherbelberger Musikanten: Zittauer Wandermarsch (Löhnert/Bauer) 1.50
16. Ilmtaler Musikanten: Jodlergruß (Röser) 2.12
17. Waltraut Schulz & Herbert Roth: Rennsteiglied (Roth/Müller) 3.06
18. Die Rosentaler: Volkslieder im Marschrhythmus (Traditional) 2:05
18.1. Alle Vögel sind schon da
18.2. Horch, was kommt von draußen rein
18.3. Das Wandern ist des Müllers Lust
18.4. Die Vöglein im Walde

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Rennsteig

Das Rennsteig Gebiet in Thüringen

Verschiedene Interpreten – Juwelen des Barock (80er Jahre)

FrontCover1Einerseits nur ein Billig-Sampler mit „Juwelen der Barockmusik“:

Barockmusik, auch bezeichnet als Generalbasszeitalter, ist eine Periode in der abendländischen Kunstmusik, die sich an die Renaissancemusik anschließt und sich vom Beginn des 17. bis etwa zur Mitte des 18. Jahrhunderts erstreckt. Sie zählt heute zur Alten Musik.

Der Beginn des musikalischen Barocks wird durch die Einführung des Generalbasses in den Kompositionen Claudio Monteverdis markiert. Die Verwendung des durchgehenden Generalbasses kennzeichnet die Barockmusik sowie die Musik der nachfolgenden Übergangszeit, des Rokoko. Eine mögliche weitere Unterteilung, die jedoch nur als ungefähr betrachtet werden kann, ist:

Frühbarock (etwa 1600 bis 1650), unter italienischer Dominanz;
Hochbarock (etwa 1650 bis 1710), mit bedeutenden französischen Einflüssen;
Spätbarock (etwa 1710 bis 1750), mit Tendenz zur Vereinigung regionaler Stile.

Häufig werden Johann Sebastian Bach und Georg Friedrich Händel als Vollender des musikalischen Barocks betrachtet. Bei den Bachsöhnen und ihrem Umkreis etablierte sich bereits ab den 1730er-Jahren der so genannte empfindsame Stil, der über die Vorklassik der Mannheimer Schule zur Wiener Klassik mit Joseph Haydn und Wolfgang Amadeus Mozart führte.

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Schon damals gab´s langhaarige Musiker … 

Zu Beginn des 17. Jahrhunderts aufkommende Merkmale, die als Beginn eines neuen Musikzeitalters betrachtet werden können, sind außer dem Generalbass die Monodie (Sologesang oder -instrumentalstimme mit Begleitung) und die neu entstandenen Gattungen Oper sowie später Instrumentalkonzert und Oratorium. (Quelle: wikipedia)

Wie gesagt: Einerseits nur ein billiger Sampler, andererseits zum einen eine prachtvolle Einführung in diese Musikgattung und dann andererseits (und da freut sich der Archivar) eher seltene Aufnahmen aus den Jahren 1964 – 1975.

Man lasse sich von dieser Musik betören ….

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Besetzung:
Bachorchester des Gewandhausorchesters Leipzig unter der Leitung von Helmut Koch (01. – 03.)
Die Wiener Solisten unter der Leitung von Wolfrid Boettcher (04.)
Zagreber Solisten unter der Leitung von Antonio Janigro
Züricher Kammerorchester unter der Leitung von Edmond de Stoutz (05. – 07., 09., 10. – 14.)

BookletA

Titel:

Johann Sebastian Bach Brandenburgisches Konzert Nr. 2 (1966):
01. 1. Satz 5.36
02. 2. Satz 4.03
03. 2. Satz 2.57

Georg Philipp Telemann (1964):
04. Konzert a-moll für Altblockflöte in F 16.03

Georg Friedrich Händel: Concerto grosso D-dur op. 6 Nr. 5 (1965):
05. 1. Satz 2.27
06. 2. Satz 2.21
07. 3. Satz 2.51

Antonio Vivaldi (1975):
08. Die vier Jahreszeiten: 1. Der Frühling 9.26

Henry Purcell (1965):
09. Chaconne g-moll für 3 Violinen und Baß 7.42

Jean Philippe Ramaeu: Suite für Streichorchester (1968):
10. 1. Satz 2.36
11. 2. Satz 2.36
12. 3. Satz 3.46
13. 4. Satz 1.31
14. 5. Satz 2.30

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Die damals üblichen „Verbraucherinformationen“ zum neuen Medium  CD

Verschiedene Interpreten – 40 Years Of Enja Records (2011)

FrontCover1.jpgWir haben hier in Deutschland ja schon einige Labels, die man nun wahrlich „renommiert“ nennen darf.

Dazu gehört ganz sicherlich auch Enja Records:

Enja ist ein unabhängiges Plattenlabel für Modern Jazz.

Enja wurde 1971 in München von Matthias Winckelmann und Horst Weber ins Leben gerufen. Weber und Winckelmann gründeten damals ihr Label mit geliehenem Geld und konnten damit Mal Waldron im Domicile aufnehmen und die Lizenzen nach Japan verkaufen. Zu den frühen Künstlern des Labels zählen auch Albert Mangelsdorff, Attila Zoller und der japanische Trompeter Terumasa Hino. Anfangs war eine Konzentration auf den neuen europäischen Jazz beabsichtigt (Enja steht für European New Jazz). Doch schon bald wurde sehr viel breiter produziert. Beispielsweise „entdeckten“ die Labelchefs John Scofield (der allerdings mit zunehmendem Erfolg zu einem größeren Label wechselte) und führten im Katalog schon bald weitere US-amerikanische Musiker wie Chet Baker, Freddie Hubbard, Dizzy Gillespie und Gene Ammons. Diese Aufnahmen wurden teilweise für Nordamerika in Lizenz durch Inner City Records bzw. Naxos veröffentlicht. Auch nahmen sie Archivmaterial hinzu, etwa von Eric Dolphy und von Charles Mingus.

In den 1970er Jahren hatten sie Erfolge mit Chet Baker und Abdullah Ibrahim, in den 1980er Jahren besonders mit dem Oud-Spieler Rabih Abou-Khalil. 1986 entschieden die beiden Labelgründer, ihre Geschäfte zu trennen. Sie teilten den Katalog (der damals rund 350 Titel umfasste und zurzeit (2012) etwa 800) und gründeten zwei voneinander unabhängige Tochterlabel, die beide bis heute bestehen. In Winckelmanns Enja-Zweig erscheinen rund 15 Titel pro Jahr; er hat sich auch weiter in Richtung World Jazz geöffnet und um das Klassiklabel Marsyas und die Booking-Agentur Enja Booking erweitert. Mehrfach wurde Alben aus dem Katalog der ECHO Jazz verliehen, aktuell (2017) der Saxophonistin und Flötistin Anna-Lena Schnabel für ihr Debütalbum Books, Bottles & Bamboo. (Quelle: wikipedia)

Also, da haben wir den Horst Weber:

Horst Weber (* 21. Februar 1934 in Aachen; † 24. Februar 2012 in Garmisch-Partenkirchen) war ein deutscher Jazzproduzent und Mitbegründer des Jazzlabels enja.

Weber lernte das Schneiderhandwerk. Zunächst arbeitete er als Entwurfsschneider und Modedesigner, unter anderem freiberuflich für das Deutsche Mode-Institut, für das er während der 1960er Jahre auch nach Japan reiste; dabei knüpfte er Kontakte zur japanischen Jazzszene. Daneben war er in der Region Aachen als Konzertveranstalter

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Horst Weber

aktiv, bevor er Ende der 1960er Jahre nach München zog. 1971 gründete er dort gemeinsam mit Matthias Winckelmann das Plattenlabel enja; als erstes Album veröffentlichten sie Black Glory, eine Aufnahme des Pianisten Mal Waldron aus dem Münchner Jazzclub Domicile. Später folgten Alben von Albert Mangelsdorff, Terumasa Hino, Masahiko Sato, Chet Baker, Charles Mingus oder Abdullah Ibrahim. Mit Gerd Filtgen schrieb Weber eine Biographie über Charles Mingus. 1986 trennten sich Winckelmann und er, weil sie zu unterschiedliche Vorstellungen von der Arbeitsintensität und der weiteren Ausrichtung der Produktionen hatten, und gründeten eigenständige Labels unter der alten Dachmarke. Den gemeinsamen Katalog von damals 350 Alben teilten sie sich auf, indem sie auswürfelten, wer künftig auf seinem Enja-Label welche Künstler veröffentlichen dürfe. Weber setzte zunächst weiter auf Produktionen aus Japan und aus München. Anfang der 2000er Jahre übergab Weber die Leitung seines Labels an Werner Aldinger und zog sich aus dem laufenden Geschäft zurück.

Und dann natürlich noch den Matthias Winckelmann:
Matthias Winckelmann (* 1941 in Berlin) ist ein deutscher Jazzproduzent und Mitbegründer des Jazzlabels enja.

Winkelmann, der in Frankfurt am Main aufwuchs, lernte als Jugendlicher Trompete und begeisterte sich für Jazzmusik. Er studierte in München Volkswirtschaftslehre und

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Matthias Winckelmann

Soziologie und interessierte sich zunächst für die Arbeit als Entwicklungshelfer. 1971 gründete er gemeinsam mit Horst Weber das Plattenlabel enja. Als erstes Album veröffentlichten sie Black Glory, eine Aufnahme des Pianisten Mal Waldron aus dem Münchner Jazzclub Domicile, die Winckelmann persönlich aus dem Auto heraus bei den deutschen Plattenläden vertrieb. Später produzierte er Alben von Attila Zoller, George Gruntz, Walter Norris, Chet Baker, Bennie Wallace, Abbey Lincoln oder Abdullah Ibrahim, der Winckelmann für World Jazz begeisterte. 1986 trennten sich Weber und er und gründeten eigenständige Labels unter der alten Dachmarke. Den gemeinsamen Katalog teilten sie sich auf, indem sie auswürfelten, wer künftig auf seinem Enja-Label welche Künstler veröffentlichen dürfe. Winckelmann setzte zunehmend auch auf europäischen und auch orientalisch beeinflussten Jazz und produzierte Musiker wie Rabih Abou-Khalil, Dhafer Youssef, Renaud Garcia-Fons, Gianluigi Trovesi oder Daniel Schnyder. Auch gründete er mehrere Sublabels wie Blues Beacon, Tiptoe und Marsyas. (Qulle: wikipedia)

Und anlässlich des 40jährigen Jubiläums dieses Ausnahmelabels gab es in der Jazzszene natürlich etliche Jubiläumsbeiträge … stellvertretend für die vielen hier ein Beitrag aus dem Magazin „Jazz Thing“, die sich auch gleich an diesem hier präsentiertem Jubiläumssampler („Promotional copy – Not for sale !“) beteiligten:

Nur an Matthias Winckelmann scheint die Zeit spurlos vorbeigegangen zu sein. Der Gründer von Enja Records geht auch nach 40 Jahren mit unvermindertem Enthusiasmus ans Werk, gräbt weltweit weiter nach guter Musik und plaudert herrlich enthusiastisch über seine Veröffentlichungen im Slang der 70er-Jahre. Weil vieles davon immer noch „dufte“, „frech“ und „großartig“ ist, gibt es nun in Jazz thing exklusiv einen Sampler mit 16 Highlights aus der Enja-Geschichte.

Jazz thing presents 40 Years Of Enja Records„European New Jazz“ oder kurz „Enja“: Hinter diesen Buchstaben verbirgt sich eines der vitalsten Independent-Labels des Kontinentes. Der Name könnte jedoch zu falschen Schlüssen führen. Matthias Winckelmann, der die in München ansässige Plattenfirma 1971 mit Horst Weber aus der Taufe hob, suchte nach einem kurzen, einprägsamen Begriff, der in viele Sprachen übertragbar war und eine weibliche Endung besitzen sollte. „Enja“ erfüllte all diese Voraussetzungen, die Definition wurde später nachgeschoben.

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Das Enja Team im Jahr 2011 (v.l.n.r.): Sebastian Schreiner, Milena Albrecht, Matthias Winkelmann, Olga Spathelf, Werner Aldinger.

In der Tat hielten Winckelmann und Weber früher allenfalls sporadisch in der Alten Welt nach neuen Klängen Ausschau. Doch im Laufe der Zeit haben sich die Parameter merklich erweitert. Inzwischen stellt der Jazz klassischer Prägung nur mehr eine von vielen Facetten der über 700 Produktionen dar. Enja sieht es 2011 als seine Aufgabe an, die Gegenwart der modernen Musik abzubilden und den Entdeckergeist von einst ins fünfte Jahrzehnt hinüberzutransportieren.

Ein durchaus schwieriges Unterfangen, hat sich doch nicht nur der Tonträgermarkt im Laufe der Zeit radikal verändert, sondern auch die grundsätzliche Auffassung über Jazz. Als Matthias Winckelmann und Horst Weber anfingen, ließ sich die Zahl der Labels noch an einer Hand abzählen. Der Frankfurter Winckelmann studierte in München, der Aachener Weber besaß als gelernter Schneider und Konzertveranstalter gute Kontakte nach Japan. „Wir waren begeisterte Amateure ohne jede Kenntnis vom Business. Trotzdem beschlossen wir, es wenigstens mal mit einer Platte zu versuchen.“ Die hieß „Black Glory“ und stammte von dem Pianisten Mal Waldron.

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Anlässlich des Jubiläums im Jahr 2011: Enja-Chef Matthias Winckelmann posiert hier vor einem Eric-Dolphy-Porträt

Während der folgenden Jahre erwarben sich die beiden Freunde mit einem guten Gespür für den Zeitgeist, einer gesunden Portion kaufmännischem Geschick, Aufrichtigkeit und Stehvermögen einen glänzenden Ruf als verlässliche Partner. Zu den Besonderheiten von Enja gehört, dass die Gründer von 1986 an getrennte Wege gingen und sich den damaligen Katalog teilten. Keiner wollte jedoch auf den liebgewonnenen Namen verzichten. Nach Jahren der räumlichen Distanz arbeiten beide Enjas heute wieder unter einem Dach in der Münchner Frundsbergstraße. Horst Weber (79) hat die Geschäfte mittlerweile an Werner Aldinger abgegeben und lebt in Garmisch, Matthias Winckelmann (70) ist nach wie vor aktiv. Von ihm und Aldinger stammt auch die Auswahl der Enja-Jubiläums-Compilation für Jazz thing. (Reinhard Köchl)

Und dann gab´s dann natürlich eine Galaveranstaltung … und zwar am20. Oktober 2011 im Münchner Gasteig (Carl-Orff-Saal), dabei gab´s dann nicht nur die üblichen Festreden, sondern auch Liveauftritte des italienische Brass-Ensemble La Banda (Ruvo di Puglia) und Kontrabassvirtuose Renaud García-Fons (Prädikat: außergewöhnlich).

Und hier kann man sich nun anhören … wie sich 40 Jahre Ejna Rcords anhören …  und gleich noch ein Prädikat: Zeitlos ! Diese Auswahl zu erstellen war vermutlich arg mühsam … bedenkt man all die Schätze des Labels.

Und dann bin ich gespannt was los ist, denn dieses >Label 2021 ihr 50jähriges Jubiläum feiert … denn ein Ende ist nicht abzusehen … und das ist gut so !

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Titel:
01. Blairman/Warren/Mangelsdorff/Sato:  Intro (excerpt) (1971) (Mangelsdorff) 1.39
02. Bobby Jones: Bringin‘ In The Sheep (1974) (Jones) 3.22
03. Tommy Flanagan: Maybe September (1982) (Faith) 4.57
04. John Scofield Monk’s Mood: (Solo) (Monk) (1979) 6.02
05. Chet Baker: My Funny Valentine (1988) (Rodgers) 9.34
06. Bennie Wallace: My Heart Belongs To Daddy (1982) (Porter) 5.55
07. Abdullah Ibrahim: Calypso Minor (1979) (Ibrahim) 5.00
08. Archie Shepp/Mal Waldron: Lady Sings The Blues (2002) (Holiday/Nichols) 3.34
09. Dusko Goykovich/Ekrem Sajdic Gypsy Groovz: Ĉoĉek Sréce (2001) (Sajdic) 6.04
10. Glenn Ferris: Qui? (excerpt) (1997) (Aznavour) 4.21
11. Aki Takase: Ain’t Misbehavin‘ (2003) (Razaf/Waller/Brooks) 4.52
12. Susi Hyldgard: Blush (2006) (Garner/Hyldgaard) 4.26
13. Florian Weber: Alone Together (2009) (Dietz/Schwartz) 5.35
14. Dhafer Youssef: Yabay (2000) (Youssef/Muthspiel) 3.16
15. Renaud García-Fons: Jam Bulería (1997) (García-Fons) 3.04
16. Rabih Abou-Khalil: Afterthought (excerpt) (2002) (Abou-Khalil) 1.27

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Konstantin Wecker – Sage Nein! (Antifaschistische Lieder – 1978 bis heute) (2018)

FrontCover1.jpgKann man auch als Kommentar zur Europawahl nehmen …

Sage Nein! Antifaschistische Lieder 1978 bis heute ist das 24. Studioalbum des Sängers und Liedermachers Konstantin Wecker aus dem Jahr 2018. Es umfasst Lieder der letzten 50 Jahre und neue Lieder. Zwei Live-Versionen ergänzen die Studioaufnahmen.

Umrahmt wird die neu aufgenommene Liedersammlung von Willy, beginnend mit der Version von 2018 und abgeschlossen mit dem Originaltext von 1977. Es ist mittlerweile die sechste Version dieses Liedes. Als Bonustracks werden Bella Ciao und Blümlein stehn am Waldessaum angehängt.

Die 2018er-Fassung von Sage Nein leitet Wecker mit einer Ansage ein, die instrumentiert ist. Auch das Bonus-Lied Blümlein stehn am Waldessaum erläutert er. Bei Den Parolen keine Chance verwendet er für den Refrain als musikalisches Zitat Beethovens Ode an die Freude. Neuaufnahmen sind u. a. Das Leben will lebendig sein und Sturmbannführer Meier.

Das macht mir Mut wurde im Juli 2016 bei Songs an einem Sommerabend aufgenommen.

Seit 40 Jahren kämpft Konstantin Wecker gegen Faschismus. Die Ausschreitungen in Chemnitz 2018 zeigten ihm, dass in Deutschland die Nazi-Ideologie aufkeimt: „Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass auch meine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit so aktuell sind wie nie.“

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Ein Teil des Erlöses wird der Antifaschistische Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet.

Shekib Mosadeq übersetzte und sang auf Farsi Empört euch und Bella Ciao.
Produktion

Jo Barnikel übernahm die Arrangements von Ich habe Angst und Bella Ciao. Produzent des Albums war Florian Moser, Stefan Gienger übernahm die Tontechnik. Die Aufnahmen fanden im September 2018 im Mastermixstudio Unterföhring statt.

Das Titelfotos des CD-Covers stammt von Dominik Beckmann, für Grafik und Design war Uwe Liesmann zuständig. (Quelle: wikipedia)

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Lieder gegen den Wahnsinn:

Es ist mehr als ein Weckruf, es ist ein Aufschrei. Seit 40 Jahren kämpft Konstantin Wecker mit seinen Liedern gegen drohenden Faschismus. Doch die Vorfälle in Chemnitz machten dem Münchner Liedermacher deutlich, dass sein Heimatland von keinem Rechtsruck betroffen ist, sondern von einem Aufkeimen der Nazi-Ideologie: „Mit Erschrecken muss ich feststellen, dass auch meine älteren Lieder gegen rechte Gewalt, Fremdenhass und Unmenschlichkeit so aktuell sind wie nie“, so der Sänger und bekennende Pazifist, der mit dem Satz großgeworden ist: „Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen.“ Aus diesem Grund entschloss sich Konstantin Wecker 16 seiner antifaschistischen Lieder auf der aktuellen CD „Sage Nein!“ zu vereinen. Darauf finden sich unter anderem die erste Version des Wecker-Kultliedes „Willy“ sowie eine ganz neu eingespielte Aufnahme der Zwiesprache mit seinem Freund, der einst von Neonazis erschlagen wurde.

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Neben dem ebenso brandneuen Song „Das Leben will lebendig sein“ bilden Klassiker wie „Sage nein!“, „Vaterland“, „Die weiße Rose“ und „Ich habe Angst“ eine starke Mischung antifaschistischer Wecker-Lieder, die den Menschen Mut machen sollen. Mut, um aufzustehen, sich einzumischen, Mut, zu widerstehen. Es sind Lieder, die gegen Ängste, Resignation und gegen den bedrohlichen Nazi-Wahnsinn anklingen. Ton für Ton, Wort für Wort. Die CD, aus deren Erlösen auch der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet wird, ist für nur zehn erschwingliche Euro erhältlich. Auch damit leistet der Musiker einen Beitrag, dass noch mehr Menschen erreicht werden können, die ganz einfach Nein sagen. (Quelle: wecker.de)

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Vermutlich sind Konstantin Wecker und seine nachdenklichen, rebellischen, antifaschistischen Lieder in der heutigen Zeit relevanter denn je. Er weiß sehr wohl, dass er mit seinen Texten nur diejenigen erreicht, bei denen die Worte ohnehin auf fruchtbaren Boden fallen. Um so höher ist es im anzurechnen, dass er nicht aufgibt. Unermüdlich erzählt er aus seinem Leben, von dem friedvollem Vater, der ihm so viel mitgegeben hat, von eigenen Erfolgen und Niederlagen.

Der Song „Willy“ hätte Konstantin Wecker fast zum Verhängnis werden können. Weil er damit in eine Ecke gestellt wurde, die zwar großen Erfolg brachte, ihn aber musikalisch sehr einengte. Protestsongs ja – doch Weckers Devise war es immer, sie mit romantischen Liedern zu verknüpfen. Poesie und Widerstand. Wut und Zärtlichkeit. So gab es die ruhigen Chanson-Alben mit Wurzeln in Italien und Südfrankreich, die in Weckers mittlerer Lebensphase manche Fans verprellten, inzwischen aber doch so deutlich zu seinen Livekonzerten hinzu gehören.

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Nur mal zur Erinnerung: Das brachte uns Deutschen der Faschismus (hier Tote im KZ Buchenwald)

Auf „Sage Nein! Antifaschistische Lieder 1978 bis heute“ ist „Willy“ wieder stark vertreten. Der Song rahmt das Album ein: Mit der ursprünglichen Version am Schluss und der 2018er Version ganz am Anfang, die vor allem eine energische Ansprache an die heutige Gesellschaft darstellt und vor internationalen Tyrannen und nationalen Gestalten wie Seehofer und Gauland warnt.

Romantisch wird es auf dem Album nicht, aber melancholisch. Neben dem brandneuen Song „Das Leben will lebendig sein“ bilden Klassiker wie „Sage nein!“, „Empört euch“, „Vaterland“, „Die weiße Rose“ und „Ich habe Angst“ eine starke Mischung antifaschistischer Wecker-Lieder, die den Menschen Mut machen sollen. Mut, um aufzustehen, sich einzumischen, Mut, zu widerstehen. Es sind Lieder, die gegen Ängste, Resignation und gegen den bedrohlichen Nazi-Wahnsinn anklingen. Ton für Ton, Wort für Wort. Auch das Loblied an die Anarchie „Anna R. Chie“ darf nicht fehlen.

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Die CD, deren Erlös zu einem Teil auch der antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München (a.i.d.a.) gespendet wird, ist für nur zehn erschwingliche Euro erhältlich. Auch damit leistet der Musiker einen Beitrag, dass noch mehr Menschen erreicht werden können, die ganz einfach Nein sagen.

Die Mischung zwischen Neuaufnahmen, Originalen und Live-Mitschnitten ist stimmig. Fanny Kammerlander und Jo Barnikel leisten als Instrumentalisten einen fantastischen Job. Und Konstantin Wecker ist in Topform. Als Bonus gibt es „Bella Ciao“ im weltmusikalische Duett mit Shekib Mosadeq. Und der letzte Song lässt das Album nicht mit einem Knaller enden, sondern mit dem als Volkslied getarnten Trauersong der KZ-Häftlinge „Blümlein stehn am Waldessaum“. Sehr berührend! (musicheadquarter.de)

Und für mich schlicht und ergreifend ein unverzichtbares Album !

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Besetzung:
Jo Barnikel (keyboards, percussion)
Fanny Kammerlander (cello)
Konstantin Wecker (vocals, piano)
+
Shekib Mosadeq (vocals bei 09. + 15.)

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Titel:
01. Willy 2018 – 8:08
02. Sage Nein (2018) – 4:30
03. Das Leben will lebendig sein – 2:09
04. Vaterland – 3:43
05. Die Weiße Rose – 4:35
06. Sturmbannführer Meier – 3:13
07. Stilles Glück, trautes Heim – 2:26
08. Vaterland? (live) – 4:54
09. Empört euch – 6:49
10. Anna R. Chie – 3:47
11. Den Parolen keine Chance – 3:12
12. Das macht mir Mut (live) – 3:06
13. Ich habe Angst – 5:57
14. Willy (Originalversion) – 7:42
+
15. Bella Ciao – 4:46
16. Blümlein stehn am Waldessaum – 2:22

Musik und Texte: Konstantin Wecker

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Mei Willy, jetzt is fast scho a hoibs Jahrhundert her, dass ich in meiner Verzweiflung und Wuat des Lied über dich rausgschrien hab. A halbs Jahrhundert und ich hätt mir in meinen schlimmsten Albträumen nicht vorstellen können damals, dass das heut wieder so erschreckend aktuell sein könnt.

Woasst os no Willy, damals 68 habn ma hauptsächlich die oidn Nazis aufspürn woiln, die immer no fett in ihre Vorstandsetagen oder in christlich sozialen Parteien ghockt san und Herrn Frahm -unsern Willy Brandt – Vaterlandsverräter gschimpft habn, weil er eben koa Nazi gwesen is, da Willy.

Und heit?

Du werst as ned glaubn, du konnst as ned glaubn Willy – heit drucka die neuen Nazis ins Parlament und erklären die unmenschlichste Epoche der Menschheitsgeschichte zu einem Vogelschiss in Anbetracht der 1000jährigen erfolgreichen Geschichte des deutschen Volkes.

Hähhh?

1000 Jahre deutsche Geschichte? Da sind dem Herrn Gauland wohl die Wahnvorstellungen seines Führers dazwischengekommen.

Ja, es gab dann einen Aufschrei hier und da – aber der is ja eh kalkuliert von denen, dann gibst eine halbherzige Entschuldigung und es war ja „alles nicht so gemeint“ und das wars dann – denn die potentiellen Faschisten des Landes sind ja erreicht worden mit dieser kalkulierten Ungeheuerlichkeit.

Was is passiert Willy? Wia hat des jemals soweit komma kenna?

Warn mia alle zu behäbig, zu eingeigelt in unser sattes Weltbild? In den Kokon unserer Selbstsicherheit gute Demokraten zu sein?

Währenddessen hat sich der Kapitalismus wie ein Monster auf die Menschheit gestürzt um alle die zu verschlingen, die keine „Leistungsträger“ sein können oder wollen, nicht wirklich rücksichtslos genug sind, nicht wirklich ellbogig genug um alles niederzuwalzen was sich ihnen in den Erfolgsweg stellt.

Neoliberalismus heißt diese Monster, das es geschafft hat uns einzureden, dass wir all das aus freiem Willen tun, was das Monster mästet, was dieser Hydra immer wieder neue Köpfe wachsen lässt und damit einen kleinen Prozentsatz der Menschheit immer reicher und gieriger macht und alle anderen in tiefste Verunsicherung, Verarmung, Verzweiflung stürzt.

Was is passiert Willy???

Alle zwei Sekunden wird ein Mensch auf dieser unserer Erde zur Flucht gezwungen.

Einer von 110 Menschen weltweit ist von Flucht und Vertreibung betroffen.

Und neun von zehn Flüchtlingen leben in Entwicklungsländern.

Und vor was fliehen die denn wohl?

Du woaßt as Willy: vor unsere Waffen, vor unseren Finanzspekulationen, vor unserer Ausbeutung der Erde auf der sie leben!

„Wenn man sich die europäische Geschichte ansieht“, schreibt der von mir geschätzte Philosoph Jürgen Wertheimer, „wirkt es weit eher so, als seien wir die Erfinder eines Perpetuum mobile der Kriege, die wir seit Jahrtausenden in allen Variationen durchdeklinierten.

Und in die Welt hinaustrugen.

Die europäische Kolonisation erfasste die gesamte Welt und stellt eine einzige „Grenzüberschreitung“ der Außengrenzen anderer Länder dar.

Und jetzt rufen ausgerechnet wir nach strikter Wahrung und Sicherung unserer Außengrenzen – nachdem wir über Jahrhunderte das Gefüge der Welt aus dem Lot gebracht haben… Bei all dem berufen wir uns gebetsmühlenartig auf unsere „christlich-abendländischen“ Werte – die nota bene allesamt orientalischer Herkunft sind. Jedenfalls wüsste ich nicht, dass die Bibel und das Neue Testament in Tübingen, Gelsenkirchen oder Straßburg geschrieben wurden.“

Was ist nur geschehen seit jener großartigen Bürgerbewegung der „Willkommenskultur“, die uns hoffen ließ, dass der Neoliberalismus doch nicht den letzten Rest von Mitgefühl aus den Herzen der Menschen verjagt hat? Ein eigentlich völlig selbstverständliches Mitgefühl für gejagte, verfolgte, hungernde, gepeinigte, verletzte Menschen, das nur psychisch völlig verrohten und gestörten Wesen nicht zu eigen ist. Und natürlich ideologisch Verblendeten, die ihr ach so gut durchdachtes starres Weltbild scheinbar aus freiem Willen wie eine Zwangsjacke über alles Lebendige ziehen.

Gewissenlose Potentaten, die schnell die Chance erkannten, ihre bröckelnde Machtposition wieder zu festigen, schlugen erbarmungslos zu: mit Parolen und Fake News, mit vorgeschobener Bürgernähe und fahnenschwenkendem Unsinn. Sie wussten wohl, was für Ängste in den von einem gnadenlosen Kapitalismus verunsicherten BürgerInnen lauerten und weckten den Leu, der in allen Verängstigten lauert: Denn wer seine Identität nicht in seinem tiefsten Selbst wahrnehmen kann, sucht sich Identität bei „Identitären“. In etwas „Größerem“, “Hehren“ – in Volk, Nation und Vaterland.

Wir waren auf einem guten Weg, diesen gefährlichen, ja tödlichen Wahn zu besiegen. Haben wirs versaut???

Gaulands „Vogelschiss“ ist der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt, das schon vorher bis zum Rand gefüllt war mit Herzlosigkeit und Verharmlosung der Nazi-Diktatur. Es wird Zeit, dass wir dafür sorgen, dass die braune Brühe nicht noch weitere Landstriche überschwemmt.

Vielleicht erscheint der Widerstand vielen sinnlos. Und mancher mag sich sagen: „Was kann ich denn schon tun, alleine, ohne Gleichgesinnte?“Denen gilt es nun Mut zu machen, denn die mit dem Herzen denken sind – und da bin ich mir sicher – immer noch in der Überzahl. Aber schrecklich verunsichert und vor allem: nicht annähernd so lautstark.

Nach wie vor glaube ich, dass eine spirituelle Revolution am Wachsen ist, und mir kommt dieses ganze Machogehabe verunsicherter Männlein wie Trump, Erdogan, Putin, Kim, Orban, Gauland, Strache, Kurz und Söder und wie sie alle heißen mögen wie das – hoffentlich! – letzte große, fast verzweifelte Aufbäumen des Patriarchats vor.

Nicht jeder, der jetzt begeistert den Neofaschisten, Identitären und Nationalisten hinterherhechelt ist ein Nazi. Aber: sie haben sich in ihrer zunehmenden Blindheit die Nazibrille aufsetzen lassen von den Höckes und Straches und Salvinis und Le Pens.

Lassen wir uns von ihnen nicht ins Bockshorn jagen. Lassen wir uns nicht verführen von den sogenannten „Führern“.

Widerstehen wir mit all dem, was uns als menschlichen Wesen gegeben ist an Mitgefühl und Verstand, Poesie und Zärtlichkeit!

Lassen wir uns nicht entmutigen! Deutschland weint, wenn Mexiko im Fußball gewinnt und schaut weg, wenn 600 Flüchtende im Meer ausharren und Italien die Häfen dicht macht.

Danke den Spaniern und den 2.320 Helfern, die am Hafen von Valencia bereitstanden, um die Menschen aufzunehmen.

Jeder einzelne von ihnen ist wertvoller für eine menschliche Gesellschaft als Ihr unmenschliches Taktieren, Herr Seehofer!

Gestern habns an Willy daschlagn, aber heit halt ma endlich zamm.