Wolfgang Reisinger – Live At Porgy & Bess (2018)

FrontCover1.jpgAlso, das „Porgy & Bess“ ist ein mehr als rühriger Jazz-Club in Wien:

Und so ging´s los:

Es war Wiens erstes Raucherkino – und als Pornolichtspieltheater „legendär“ (kein Chronist war aufzutreiben, der das Legendäre daran ein wenig ausführlicher hätte benennen können). 1991 dann Schluss mit halblustig in Opas volksaufklärerischer Handwagerlremise, Big Sleep für „Deep Throat“ – der innerstädtische Lustkurort schloss seine Pforten.

Hier betrat nun Rudolf Scholten die Bühne (der Geschichte) des Hauses: Als soignierter Kulturminister hatte er mit dem Rondell statt ermüdender Lendenmechanik wohl Belebenderes im Sinn. Er dachte an, das Rondell für die freie Theaterszene adaptieren zu lassen, um die zahlreichen freien Gruppen in einem gemeinsamen Haus zu bündeln.

Allein: Die Rechnung ging nicht auf, der Plan, ein konsensuales Paket an Lösungen für die „Freien“ zu schnüren, scheiterte – allzu sehr fürchteten die Theaterschaffenden um ihre Autonomie. Das Rondell verfiel in einen mehrjährigen Dornröschenschlaf.

Scholtens Nachfolger Peter Wittmann (das Kulturressort war mittlerweile von einem Ministerium auf ein Staatssekretariat zurückgestuft und solcherart „zur Chefsache aufgewertet“ worden, wie uns die offizielle Sprachregelung mit entwaffnender Logik belehrte) nahm 1997 einen Anlauf, die in seine Agenden fallende „Altlast“ loszuwerden, und sprach nach einem nicht ganz unproblematischen Entscheidungsprozess (sowohl was das politische als auch das mediale Handling betraf) im Mai 1998 das Rondell dem Porgy & Bess zu. (Selbstdarstellung)

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Und so definieren die Clubbetreiber ihren Ansatz:

Der gemeinnützige Verein Porgy & Bess versteht sich als Jazz & Musicclub mit pluralistischem Programmangebot. Das Porgy & Bess fungiert als Ort der musikalischen Begegnung, Auseinandersetzung und Konfrontation für Musiker und Publikum. Hauptaugenmerk liegt auf der Realisierung einer Struktur, welche die vielfältigen Artikulationsmöglichkeiten der heimischen (Jazz-)Szene bzw. neue Entwicklungsperspektiven berücksichtigt (z. B. die Arbeit mit internationalen Gastmusikern). Des Weiteren ermöglicht ein Club, der als „meeting point“ der heimischen kreativen Szene fungiert, Erfahrungsaustausch über stilistische und ästhetische Grenzen hinweg, ist Experimentierfeld für unterschiedlichste Projekte, die nicht dem Diktat eines „ultimativen Statements“ unterliegen müssen, ein Podium für kontinuierliche Weiterarbeit und -entwicklung. Eine Hauptintention des Porgy & Bess ist die Kooperation heimischer Musikerinnen und Musiker unterschiedlichster künstlerischer Herkunft, was der Tendenz einer musikalischen Ghettoisierung entgegenwirkt. (Selbstdarstellung)

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Und das ist der Wolfgang Reisinger:

Wolfgang Reisinger (* 16. Juli 1955 in Wien) ist ein österreichischer Jazz­schlagzeuger.

Reisinger erhielt im Alter von fünf Jahren seine erste musikalische Ausbildung bei den Wiener Sängerknaben. Er studierte dann am Konservatorium Wien Klavier und an der Hochschule für Musik Schlagzeug bei Richard Hochrainer.

Von 1975 bis 1977 war Reisinger Mitglied des Trios Medaya (mit dem Gitarristen Voja Brkovitc und dem Pianisten Beat Furrer), mit dem er Tourneen durch Österreich, die Schweiz und Jugoslawien unternahm. 1979 wurde er Perkussionist des Vienna Art Orchestra, dem er bis 1989 angehörte. 1981 gründete Reisinger die Gruppe Part of Art, der mit Wolfgang Puschnig, Uli Scherer, Herbert Joos und Jürgen Wuchner weitere Solisten aus dem Vienna Art Orchestra angehörten. Er trat mit Part of Art in Deutschland, Österreich, der Schweiz und Frankreich auf und nahm seine ersten CDs als Bandleader auf. Nach einer Tournee mit Hans Koller gründete er die Gruppe Air Mail (mit Harry Pepl), Wolfgang Puschnig und Mike Richmond. 1986 wurde er Mitglied von Wolfgang Mitterers Quartett Pat Brothers (mit Linda Sharrock und Wolfgang Puschnig), deren Album Pat Brothers No. 1 den Preis der deutschen Schallplattenkritik erhielt.

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Nach Verlassen des Vienna Art Orchestra wurde Reisinger 1989 Mitglied des European Jazz Trio mit François Couturier und Jean-Paul Céléa. Daneben arbeitete er in Paris mit Dominique Pifarély, Yves Robert und Philippe Deschepper und trat beim Moers-Festival mit Louis Sclavis auf. Im gleichen Jahr entstand in Zusammenarbeit mit Mitterer das Album Matador. Zwischen 1994 und 1996 arbeitete er mit Musikern wie Enrico Rava, John Abercrombie, Evan Parker, Michel Godard, Herb Robertson und Peter Kowald zusammen.

1996 gründete Reisinger das Trio Céléa Liebman Reisinger. Ihre erste CD World View erhielt den französischen Kritikerpreis choc de la musique, die zweite (Missing a Page) den Diapason d’or. 1999 folgte die Gründung der Gruppe Spirits, die in wechselnder Besetzung u. a. mit Karl Ritter, Peter Herbert, Andy Manndorff, Klaus Dickbauer, John Schröder und Franz Hauzinger auftrat.

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2000 wurde er (neben Jean Paul Céléa) Mitglied des neuen Trios von Joachim Kühn. Daneben arbeitete er weiterhin in der Trioformation mit Céléa und Dave Liebman. Seit 2002 bildete er mit Liebman das Duo Double Night. 2004 gründete er die Gruppe Refusion, deren gleichnamiges Debütalbum 2006 erschien.

Neben seiner Tätigkeit als Jazzmusiker war Reisinger auch stets auf dem Gebiet der klassischen und der Improvisationsmusik aktiv. Bereits 1973 gehörte er der experimentellen Gruppe Erster Wiener Musikzirkus an, die Musik zu Tanzperformances machte. Seit Mitte der 1970er Jahre arbeitete er mit dem Komponisten Thomas Pernes zusammen. 1978 entstand als Auftragskomposition für das Wiener Burgtheater Hippodrome. Mit dem 1990 gegründeten Quintett Passagio (mit Armand Angster, Françoise Kubler, Francois Couturier und Jean-Paul Céléa) entstanden die CDs Passagio und L’Ibere. Reisinger konzertierte mit Passagio Mitte der 1990er Jahre in Frankreich. Beim Festival Töne & Gegentöne trat Reisinger mit der japanischen Kotospielerin Kazue Sawai auf; auch spielte er im Duo mit Agustí Fernández.

1987 arbeitete er mit dem London Symphony Orchestra zusammen, 1991 wirkte er an der österreichischen Erstaufführung von Luciano Berios Circles mit. 2001 schrieb er Bühnenmusik für das Theater k.l.a.s. auf der Heunburg in Kärnten. Hier begründete er auch das Festival m.u.s.i.c, das klassische Musik, Avantgarde, Jazz und ethnische Musik zusammenführen soll. Seit 2003 arbeitet er auch mit dem Komponisten Franz Koglmann zusammen. 2009 wurde Reisinger in zwei Kategorien des Hans-Koller-Preises ausgezeichnet. (Quelle: wikipedia)

Und hier hören wir den Wolfgang Reisinger. Ich sag´s mal so: gepflegter Avantgarde/Free Jazz … ganz sicher nicht jedermanns Sache … Aber so ist es halt mit der Vielfalt der Musik …

Dieses Konzert wurde am 9. April 2018 aufgenommen und dann am 17. März 2019 im Österreichischem Rundfunk ausgestrahlt. 

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Konzertankündigung

Besetzung:
Wolfgang Reisinger (drums, percussion, electronics)
Mario Rom (trumpet)
John Schröder (guitar)
Christian Weber (bass)

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Titel:
01. Wotruba (Reisinger) 17.35
02. Ansage 0.27
03. FFF (Reisinger) 20.19
04. Ansage 0.12
05. Constellation (Liebmann) 6.24
06. Double Image (Zawinul) 10.30
07. Take It Ir Leave It (Zawinul)  7.41
08. MIR (unbekannt) 6.33
09. Bon (unbekannt) 10.00

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Siegfried Fink – Drums + Orchestra (Benguerel / Soler) (1977)

FrontCover1.JPGUnd gleich noch ein Requiem … zumindest teilweise … und Dreh- und Angelpunkt dieser avantgardistischen Aufnahmen ist Siegfried Fink:

Siegfried Fink (* 8. Februar 1928 in Zerbst/Anhalt; † 3. Mai 2006 in Würzburg) war ein deutscher Schlagzeuger und Komponist. Er gilt als wichtiger Impulsgeber für die Entwicklung der Perkussion in Deutschland.

Siegfried Fink studierte von 1948 bis 1951 an der Musikhochschule Weimar bei Alfred Wagner Pauken / Schlagzeug und bei Helmut Riethmüller Komposition. Über Orchester- und Lehrtätigkeiten in Weimar, Magdeburg, Lübeck und Hannover kam er 1965 als Dozent für Pauken und Schlaginstrumente an das damalige Bayerische Staatskonservatorium für Musik in Würzburg. 1974 folgte die Berufung zum Professor an die neu gegründete Hochschule für Musik Würzburg, an der er bis 1993 das renommierte „Studio für Perkussion“ führte.

Unter seiner Leitung entwickelte sich das Fach in Würzburg zu einem internationalen Anziehungspunkt für Perkussionisten. Während seiner dreißigjährigen Hochschularbeit durchliefen mehr als 100 Studenten aus aller Welt seine Ausbildungs-, Fortbildungs- und Meisterklassen. Er ist auf mehr als 20 Schallplatteneinspielungen als Konzertschlagzeuger zu hören, sowie auf zahlreichen weiteren Tonträgern als Leiter und Dirigent verschiedener Ensembles.

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Siegfried Fink

Er gründete Perkussionsserien bei mehreren europäischen Musikverlagen und wurde damit einer der meist veröffentlichten Perkussionisten der Welt. Unter seiner Federführung entstand der erste Lehrplan für Schlaginstrumente des Verbandes deutscher Musikschulen. Er unterstützte in Kooperation mit Instrumentenherstellern die Gründung von Fortbildungseinrichtungen wie der Internationalen Gesellschaft für musikpädagogische Fortbildung, beteiligte sich am Aufbau der Perkussionsabteilungen an den Berufsfachschulen für Musik sowie des Diplomstudiengangs Musiktherapie in Heidelberg.

Schwerpunkte in seinen über 160 Kompositionen, für Schlagzeug solo und Percussionensembles über Kammermusik bis hin zu Ballett- und Filmmusik, liegen in der Emanzipation der Klangfarbe sowie der rhythmischen Struktur.

Viele seiner ehemaligen Studenten arbeiten als international bekannte Soloperkussionisten oder als Solopaukist oder Schlagzeuger im Orchester oder sind im Bereich der Musikpädagogik tätig.

Am 3. Mai 2006 starb Siegfried Fink in seiner Heimatstadt Würzburg.

Seine Arbeit wird heute von seiner Tochter Cornelia C. Fink fortgesetzt. (Quelle: wikipedia)

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Auf diesem Album hören wir zwei Urauführungen zeitgenössischer Avantgardmusik, die ursprünglich vom Hessischen Rundfunk durchgeführt und mitgeschnitten wurden.

Das ist zum einen ein Werk von Xavier Benguerel i Godó:

Xavier Benguerel i Godó (* 9. Februar 1931 in Barcelona; † 10. August 2017) war ein spanischer Komponist.

Xavier Benguerels Vater, der Schriftsteller Xavier Benguerel i Llobet, war nach Beendigung des spanischen Bürgerkriegs gezwungen, ins Exil nach Südamerika zu gehen. Sein Sohn Xavier Benguerel erhielt seine erste musikalische Ausbildung 1941 bis 1945 in Santiago de Chile. Auf dem Gebiet der Komposition war er jedoch weitgehend Autodidakt. Nach seiner Rückkehr nach Barcelona 1954 erhielt er Unterricht bei Cristòfor Taltabull. 1955 gewann er den ersten Preis beim Kompositionswettbewerb der Juventudes Musicales de Barcelona, deren Mitglied er 1959 wurde. Benguerels Karriere begann 1960 mit einer Aufführung während des Festivals der Internationalen Gesellschaft für Neue Musik in Köln.

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Xavier Benguerel

Seitdem wurden seine Werke regelmäßig aufgeführt und vielfach in Deutschland verlegt. 1963 gründete er das Festival Internacional de Música de Barcelona mit. In den folgenden Jahren erhielt er bedeutende Kompositionsaufträge, unter anderem der Stadt Den Haag, des Schütz Festivals in Berlin, des Südwestfunks Baden-Baden, der Biennale in Noten1Zagreb, des English Bach Festivals in London sowie des Orquesta National Madrid und des spanischen Rundfunks RTVE. 1977 wurde ihm für sein Gesamtwerk der Premio Luigi Dallapiccola verliehen. Benguerel war Mitglied von Confluèncias, einer unabhängigen Gruppe katalanischer Komponisten. Er lebte als freischaffender Komponist in Barcelona. (Quelle: wikipedia)

Sein Werk „Concierto para Percusion“ erhält von mir das Prädikat „sperrig“, aber war natürlichfür den Siegfried Fink auch eine besondere Herausforderung.

Gleiches gilt wohl auch für das nächste Werk, „Requiem para Percusion, Orchestra y Chorus“ aus der Feder von Josep Soler:

Josep Soler (*1935 in Vilafranca del Penedès, Spanien) war nicht nur ein zeitgenössischer  und fleißiger Komponist (u.a. 16 Opern, 7 Symphoniekonzerte, diverse Streich- und Piano-Konzerte …. ), er veröffentlichte zudem auch jede Menge musiktheoretische Abhandlungen.

Als Schüler von Rosa Lara, René Leibowitz und C. Taltabull wurde er dann später nachhaltig von Komponisten wie Arnold Schönberg und Alban Berg beeinflußt.

Sein „Requiem“ ist keine Vertonung des liturgischen Textes, wie der Titel zunächst vermuten läßt. „Requiem“ deutet auf einen geistlichen Gehalt dieses Konzer-:-tes für Schlagzeug und Orchester hin und entspricht, nach den Worten des Komponisten, sei-nen „Gefühlen bei der Komposition des Werkes“, dessen Beginn und Schluß von je einem musikalischen Zitat gebildet wird, als bekenntnishafte Bekräftigung der Intentionen des

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Josep Soler

Komponisten sowohl in inhaltlicher als auch in musikalisch-technischer Hinsicht. So ist am Schluß ein Teil einer „Improperia“ -ein Gesang aus der Karfreitagsliturgie -von Tomas Luis de Victoria in das Werk eingefügt. Diese Totenklage des stilistisch in großer Nähe zu Palestrina stehenden spanischen Renaissance-Komponisten verdeutlicht durch ihre Ruhe und Klarheit die geistliche Aussage des Werkes. Die Kompositionsweise dagegen wird durch ein einleitendes Schönberg-Zitat gleichsam deklariert: die ersten beiden Takte des „Requiem“ sind identisch mit denen der Oper „Von heute auf morgen“. Wie diese beruht auch das Werk Solers auf der Zwölftontechnik, wobei die ersten beiden Töne der Schönberg-Reihe von Soler beibehalten werden. Auf der Zwölftontechnik als kompositorischem Mittel aufbauend, entwickelt Soler eine expressive Musik, die sich vor allem durch großintervallige Melodik und vielfältiges Instrumentarium auszeichnet: neben dem Schlagzeug-Solo, Streichern und zahl-reichen Bläsern umfaßt dieses einen großen Schlagzeugapparat -u.a. Vibraphon, Glocken-spiel, javanische Gongs, antike Zimbeln -, Klavier, Celesta, Orgel, Harfen, Windmaschine und zwei Chöre. Das Stück ist Siegfried Fink gewidmet. (Quelle: aus dem Programmheft der „Kassler Musiktage“, 1977)

Mit beiden Werken werd´ ich nicht wirklich warm (manche behaupten doch glatt, man bekäme bei dieser Musik Zahnweh !), aber zumindest eins haben beide gemeinsam:

Will man sich der eigenen Zerrissenheit stellen, sind beide der fast optimale Soundtrack dazu.

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Besetzung:
Siegfried Fink (drums, percussion)
+
Radio Sinfonie-Orchester des Hessischen Rundfunks unter der Leitung von Eliahu Inbal (bei 01.)
Orchester des Staatstheaters Kassel unter der Leitung von James Lockhart (bei 02.)
Berner Bachchor (bei 02.)

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Titel:

Xavier Benguerel:
01. Concierto para Percusion 21.33

Josep Soler:
02. Requiem para Percusion, Orchestra y Chorus 31.02

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Illustration

Inga Rumpf & Dagmar Krause – ID Company (1970)

FrontCover1Dagmar Krause und Inga Rumpf spielte ja gemeinsam bei den „City Preachers“, gingen dann aber wieder getrennte Wege. Bei diesem Kultalbum sind wieder vereint, allerdings nur im Titel.Jede der beiden Sängerinnen bestreitet eine LP – Seite:

Auf der einen Seite des Albums singt Inga Rumpf, auf der anderen ihre City-Preachers-Kollegin Dagmar Krause. Daraus resultiert der Albumtitel „I.D. Company“ (Inga Dagmar).

Inga Rumpf ist für die Texte und die Musik der ersten Seite verantwortlich. Ihre Stimme bietet keine Überraschungen, was nicht negativ gemeint ist. Die Instrumentierung ist ungewöhnlich, die Musik jazzig und fernöstlich angehaucht, melodiös und entspannt. Das zweite Stück, Bum-Bum, besitzt schon fast den Zauber früher Embryo-Produktionen. Ein Pflichtkauf für jeden Frumpy-Fan!

Dagmar Krause ist für die deutschen Texte der zweiten Seite verantwortlich und hat auch mitkomponiert. Die Band spielt nun feinsten progressiven, häufig ins experimentelle abdriftenden Jazzrock. Dagmars Stimme muß man gehört haben: mit Gesang hat das nichts mehr zu tun, das ist ein fantastisches Experiment! So etwas Extremes und gleichzeitig Gutes kenne ich eigentlich nur von manchen Peter Hammill-Stücken. Oft wird Dagmars Stimme durch Effekte verfremdet.

Fazit: Ein Meisterwerk, das in keiner Krautrocksammlung fehlen darf. (Rudi Vogel)

Dem Album ist die Auf- und Umbruchphase der beiden Sängerinnen  anzuhören. Das Album ist ein durch und durch experiementelles Album, suchend, forschend (Dagmar Krause geht da noch wesentlich weiter als Inga Rumpf)… ganz so euphorisch wie mein Vorredner („Meisterwerk“) bin ich allerdings nicht, wenn ich dieses Album dennoch als „unverzichtbar“ bezeichnen möchte, dann deshalb, weil es ein eindrucksvolles Dokument jener Zeit ist, in der eben Auf- und Umbruch an der Tagesordnung war.

Wie´s mit den beiden weiterging ist hinlänglich bekannt:

Inga Rumpf brillierte dann mit Frumpy -> Atlantis und dann auch solo: für  mich ist sie bis heute eine der beeindruckendsten deutschen Rock/Blues/Soul Sängerinnen.

Dagmar Krause festigte ihren Ruf als Jazz/Avantgarde Sängerin dann vornehmlich in England, spielte u.a. bei Slapp Happy, Art Bears und Henry Cow. Darüber hinaus hat sie eine Vielzahl von intensiven Solo-Alben vorgelegt.

RumpfKrause

Besetzung:
Hans Hartmann (bass, sitar)
Dagmar Krause (bei 05. – 05.)
Wolfgang Kliegel (violin)
Joe Nay (drums, percussion)
Frank St. Peter (saxophone)
Inga Rumof (vocals bei 01. – 03.)

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Titel:
01. Bhagavad Gita  (Rumpf) 6.01
02. Bum-Bum (Rumpf) 5.45
03. I Watched The Women (Rumpf) 4.43
04. He’s Out Now (Krause/Maronn/Arnoldi) 5.01
05. Dünne, gäserne Frauen (Krause/Maronn/Arnoldi) 4.31
06, Schneeweiße Hände (Krause/Maronn/Arnoldi) 3.19
07. Schwarzes Insekt  (Krause/Maronn/Arnoldi)  4.51

Label

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Klaus Schulze – Body Love (Original Filmmusik) (1977)

FrontCover1Ja hoppla … jetzt wird´s aber schlüpfrig … Musik zu einem Porno … und das in der Adventszeit … sowas aber auch:

Body Love ist ein Pornofilm aus den 1970er Jahren, gedreht und produziert von dem italienischen Regisseur Lasse Braun. Body Love gilt neben Sensations als einer der bedeutendsten Filme von Braun und stellt einen der Klassiker der Stilrichtung Porno Chic dar.

Baron von Goeneveld sorgt sich um seine Familie. Seine nymphomanische Ehefrau Glenda überrascht er, indem er ihr in einem verlassenen Haus zwei Liebhaber zur Verfügung stellt. Und zum 18. Geburtstag der Tochter lässt er eine Party organisieren, die in eine Orgie ausartet.

Der Film wurde von der deutschen Love Film aus Bochum finanziert und kostete rund eine Million DM. Er wurde 1976 im Schloss Groeneveld in der niederländischen Gemeinde Baarn gedreht, die Dreharbeiten dauerten rund eine Woche.

Während der Dreharbeiten wurde das Album Moondawn von Klaus Schulze gespielt, ein sequenzerorientiertes Berliner-Schule-Album. Während des Schnitts stellte Braun fest, dass sich die Darsteller im Rhythmus der Musik bewegt hatten, so dass ein Soundtrack mit einem anderen Rhythmus nicht passen würde. Schließlich beauftragte er Klaus Schulze mit der Komposition der Filmmusik, die den Rhythmus von Moondawn haben sollte. Die LP erreichte den 2. Platz in den Importcharts des US-Magazins Billboard. Der Soundtrack ist bis heute erhältlich, allerdings wurde die ursprüngliche Gestaltung des Covers (mit Szenen aus dem Film) durch eine neutralere Gestaltung ersetzt. (Quelle: wikipedia)

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Und die Musik zu diesem Film wurde hochgelobt:

Gleich nach dem phantastischen „Moondawn“ legte Klaus Schulze 1977 mit dem Soundtrack „Body Love“ ein nächstes faszinierendes Highlight vor.
Bei dem Film von Lasse Braun handelt es sich um einen Porno,weshalb das Cover der Schallplatte keine Bilder aus dem Film zeigt,was dem Verkauf der Scheibe,gerade beim Export,eventuell hinderlich gewesen wäre.
Das Genre des Films konnte den Pionier der elektronischen Musik und Sounds nicht davon abhalten,hier eine seiner schönsten Arbeiten abzuliefern.
Alle drei Tracks begeistern mit sphärischen,atmosphärisch wirkenden Klängen und erzeugen so eine geradezu anheimelnde Magie.
Daß Harald Großkopf,wie schon bei „Moondawn“,an den Drums den wabernden,sanften Klangwolken von Schulze Kontur verleiht,steigert das wohlig-verträumte Gefühl beim hören nur noch.

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Trotz des umschmeichelnden Schönklangs wirkt „Body Love“ intensiv,hypnotisch,trotz der elektronischen Erzeugung warm und weich.
Verfremdete,geheimnisvolle Sounds,künstliche Chöre runden einen Musikgenuß ab,der den,der sich darauf einläßt,zum tiefen Eintauchen in die Musik einlädt und dort verwöhnt.
„Body Love“ mag nicht das innovativste Album von Schulze sein,er geht hier nicht vorwärts,allerdings macht er hier das,was er für mein Dafürhalten am besten kann,und das in seltener Intensität und Perfektion.
Für mich ist daher „Body Love“ klar eines seiner besten,weil emotional fesselndsten Alben.
Ein absolutes Highlight des Künstlers. (high end)

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Das alternative Front + Back Cover

Und der Film zur Musik wurde ebenfalls hochgelobt:

Vorhang auf für einen Porno, dessen Soundtrack von Klaus Schulze komischerweise berühmter ist als der Film selbst. Klaus Schulze, der mit Künstlern wie Kraftwerk oder Jean Michel Jarre häufig in einem Atemzug genannt wird und der die Band Tangerine Dream zum Erfolg führte, gilt bis heute als einer der bedeutendsten Vertreter der elektronischen Musik. Und der Soundtrack für Body Love gilt vielen Klaus Schulze-Fans als sein wichtigstes Werk. Dementsprechend groß war die Neugier auf den Film der sich hinter der Musik versteckt, doch nur wenige trauten sich bislang den Film anzuschauen oder zuzugeben, dass sie ihn gesehen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film über lange Zeit sehr schwer nur zu bekommen war und zudem wenig über ihn geschrieben steht, obwohl z.B. die Deutschland-Premiere von Body Love damals in einem angesehenen Großkino, dem Holi in Hamburg, mit großen Tam Tam über die Bühne ging. Und so wurde schließlich viel darüber fantasiert, was es denn für Pornofilm

Filmplakat

Das Filmplakat

ist, der Klaus Schulze dazu bewegen konnte seine ganze musikalische Kreativität zu entfalten.

Um es kurz zu machen: Der Film verdient den gleichen Ruhm wie sein Soundtrack, denn wir haben es hier wieder einmal mit einem ganz und gar ungewöhnlichen Porno von Meisterregisseur Lasse Braun zu tun, der jedem, der ihn anschaut, lange im Gedächtnis bleiben wird. Das Spezielle an Body Love ist diese unheimliche New Age-Atmosphäre die der Film ausstrahlt. Alles wirkt irgendwie unwirklich und entrückt und dieser Eindruck wird natürlich verstärkt durch die abgefahrene Synthie-Mucke von Klaus Schulze, doch sind es auch und vor allem die seltsamen Bilder, die den Zuschauer in eine lustvoll-meditative Trance versetzen. (Quelle: pornoklassiker.de)

Nun … ich teile die Auffassung, dass dies ein ganz und gar exquisites Album von Klaus Schulze ist … ich höre es allerdings bedeutend lieber, wenn ich die Bilder des Films nicht sehe …

Dass es überhaupt zu einer solchen Kooperation zwischen Pornographie und elektronischer Musik der Avantgarde kommen konnte, ist für mich der faszinierendste Aspekt dieser Aufnahmen …

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Die 70er Jahre … die „sexuelle Revolution“ entließ ihre Kinder, der pornographische Film wurde in bestimmten Kreisen salonfähig und ganz sicherlich zählte dieser Lasse Braun zu jenen Akteueren dieses Genres, die zumindest ein Mindestmaß an einen gewissen Anspruch hatten … Sein Film „Sensations“ verdeutlich noch viel mehr jene Zeit, in der „Porno, Kunst und Hippietum auf leichte und fast surealistische Art“ kombiniert werden konnte.

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Besetzung:
Harald Grosskopf (drums)
Klaus Schulze (electronics)

LasseBraun

Lasse Braun, 1976

Tracklist:
01. Stardancer 3.38
02. Blanche 11.43
03. P.T.O. 27.12
+
04. Lasse Braun 22.21

Musik: Klaus Schulze

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Die Musik zum Film:

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Der Film zur Musik (des englischen sollte man mächtig sein … aber vielleicht auch nicht):

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Heiner Goebbels, Ensemble Modern, Josef Bierbichler – Eislermaterial (2002)

FrontCover1»Ich glaube, daß meine Entscheidung, professionell Musik zu machen, wesentlich mit seiner [Hanns Eislers] Arbeit zu tun hat. […] Ich war fasziniert von der ganzen Bandbreite, in der Eisler diskutiert hat, über Literatur, Politik, Mathematik, Philosophie, bildende Kunst, Musik natürlich..«.. (Heiner Goebbels)

Eislermaterial ist eine Hommage des Komponisten Heiner Goebbels an Hanns Eisler, der in Goebbels‘ künstlerischer und politischer Biografie eine große Rolle gespielt hat: Schon Eisler selbst stand als Schönberg-Schüler und gleichzeitig linkspolitisch engagierter Agitprop-Komponist im scharfen Spannungsfeld zwischen bourgeoiser Kunst- und klassenkämpferisch funktionalisierter Gebrauchsmusik; in ähnlicher Weise scheint sich auch Goebbels, der nicht nur Musik, sondern auch Soziologie studiert hat, hinsichtlich seiner Entscheidung für den Musikerberuf zwischen den Extremen orientiert zu haben.

Im Zentrum des Eislermaterials stehen einige Lieder von Hanns Eisler, die Goebbels für die Ausführung durch das Ensemble Modern praktisch nur eingerichtet oder arrangiert hat. Gesungen werden sie von dem Schauspieler Josef Bierbichler, dessen Stimme keine

HeinerGoebbels2

Heiner Goebbels

sängerische Ausbildung erfahren hat, worauf Goebbels im Sinne einer jeglicher sängerischen Eitelkeit entkleideten Vortragsweise besonderen Wert legt. Wandlungsfähig und teils mit einer faszinierend androgynen Stimmgebung trägt Bierbichler die Gesänge völlig unprätentiös und wohl gerade dadurch sehr eindrucksvoll vor. Verbunden sind sie durch instrumentale Abschnitte, die Goebbels teilweise aus Werken Eislers zusammenschnitt, darüber hinaus aber auch mit eigenen Ideen überlagerte. Dazwischen sorgen zwei „Hörstücke“ für noch unmittelbarere Bekanntschaft mit Eisler, denn es handelt sich hierbei um Collagen aus originalen Eisler-Interviews. Der Ton kommt dabei aus verschiedenen Richtungen bzw. im Wechsel aus beiden Kanälen des Verstärkers, so dass man mitunter den Eindruck hat, Eisler befinde sich im Dialog mit sich selbst.

Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Hier wie auch andernorts im Eislermaterial ergeben sich auch komische Effekte, die mit der Ernsthaftigkeit und Radikalität vieler Aussagen in den Interview- und Liedertexten kontrastieren. Dies sorgt nicht nur für ein kurzweiliges Hörerlebnis, sondern trägt auch zu Goebbels‘ Absicht bei, die Musik Eislers einerseits durchaus konkret, andererseits gleichzeitig auch mit der für heutige Rezipienten angebrachten Distanz in Erscheinung treten zu lassen. (Michael Wersin)

Wir haben es hier mit einer Aufzeichnung des SWR zu tun … live im Hebbel-Theater, Berlin (Oktober 1998).

Warum nur ist mir heute Abend nur nach dieser Musik ? Ich vermute mal, dass dies an der Zerrissenheit der Kompositionen liegt …

Oder: Denk ich an Deutschland heut´ Nacht …

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Besetzung:
Josef Bierbichler (vocals)
Uwe Dierksen (trombone, helicon)
Roland Diry (clarinet)
Thomas Fichter (bass)
William Forman (trumpet)
Michael M. Kasper (violoncello)
Hermann Kretzschmar (piano, harmonium)
Catherine Milliken (oboe)
Jagdish Mistry (violin)
Franck Ollu (french horn, tuba)
Rainer Römer (percussion)
Noriko Shimada(bassoon)
Geneviève Strosser (viola)
Wolfgang Stryi (clarinet, saxophone)
Dietmar Wiesner (flute)
Ueli Wiget (piano, sampler)

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Titel:
01. Anmut sparet nicht noch Mühe 7.02
02. Allegro Assai ‎– Aus: Jleine Sinfonie / Moment Musical 4:05
03.  Andante ‎– Aus: Suite Für Septett Nr. 1 2:01
04. Und ich werde nicht mehr sehen 2.49

Vier Wiegenlieder für Arbeitermütter
05. I 1.56
06. II 1:27
07. III 1.40
08. IV 3.35
09. Hörstück I („Einen Moment, gnädige Frau …“) 4.36
10. Ballade von der haltbaren Graugans 2.53
11. Mutter Beimlein 1.56
12. Vom sprengen des Gartens 3.39
13. Ballade vom zerrissenen Rock 3.15
14. Horatios Monolog / Bericht vom 1. Mai 2.56
15. Hörstück II („Ich möchte ihnen einen Vorschlag machen …“) 3:30
16. Kleine Passacaglia ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 0:53
17. Finale: Improvisation ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 3:29
18. Über den Selbstmord 2.54
19 Kriegslied „Großvater Stöffel“ 1.27
20. „Die Fabriken“ ‎– Aus: Orchestersuite Nr. 3. / Streichquartett-Fragment 5:44
21. Und endlich stirbt die Sehnsucht doch 1.24

Musik: Hanns Eisler und Heiner Goebbels
Texte: Berthold Brecht außer bei 20.: Peter Altenberg

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