Klaus Schulze – Body Love (Original Filmmusik) (1977)

FrontCover1Ja hoppla … jetzt wird´s aber schlüpfrig … Musik zu einem Porno … und das in der Adventszeit … sowas aber auch:

Body Love ist ein Pornofilm aus den 1970er Jahren, gedreht und produziert von dem italienischen Regisseur Lasse Braun. Body Love gilt neben Sensations als einer der bedeutendsten Filme von Braun und stellt einen der Klassiker der Stilrichtung Porno Chic dar.

Baron von Goeneveld sorgt sich um seine Familie. Seine nymphomanische Ehefrau Glenda überrascht er, indem er ihr in einem verlassenen Haus zwei Liebhaber zur Verfügung stellt. Und zum 18. Geburtstag der Tochter lässt er eine Party organisieren, die in eine Orgie ausartet.

Der Film wurde von der deutschen Love Film aus Bochum finanziert und kostete rund eine Million DM. Er wurde 1976 im Schloss Groeneveld in der niederländischen Gemeinde Baarn gedreht, die Dreharbeiten dauerten rund eine Woche.

Während der Dreharbeiten wurde das Album Moondawn von Klaus Schulze gespielt, ein sequenzerorientiertes Berliner-Schule-Album. Während des Schnitts stellte Braun fest, dass sich die Darsteller im Rhythmus der Musik bewegt hatten, so dass ein Soundtrack mit einem anderen Rhythmus nicht passen würde. Schließlich beauftragte er Klaus Schulze mit der Komposition der Filmmusik, die den Rhythmus von Moondawn haben sollte. Die LP erreichte den 2. Platz in den Importcharts des US-Magazins Billboard. Der Soundtrack ist bis heute erhältlich, allerdings wurde die ursprüngliche Gestaltung des Covers (mit Szenen aus dem Film) durch eine neutralere Gestaltung ersetzt. (Quelle: wikipedia)

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Und die Musik zu diesem Film wurde hochgelobt:

Gleich nach dem phantastischen „Moondawn“ legte Klaus Schulze 1977 mit dem Soundtrack „Body Love“ ein nächstes faszinierendes Highlight vor.
Bei dem Film von Lasse Braun handelt es sich um einen Porno,weshalb das Cover der Schallplatte keine Bilder aus dem Film zeigt,was dem Verkauf der Scheibe,gerade beim Export,eventuell hinderlich gewesen wäre.
Das Genre des Films konnte den Pionier der elektronischen Musik und Sounds nicht davon abhalten,hier eine seiner schönsten Arbeiten abzuliefern.
Alle drei Tracks begeistern mit sphärischen,atmosphärisch wirkenden Klängen und erzeugen so eine geradezu anheimelnde Magie.
Daß Harald Großkopf,wie schon bei „Moondawn“,an den Drums den wabernden,sanften Klangwolken von Schulze Kontur verleiht,steigert das wohlig-verträumte Gefühl beim hören nur noch.

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Trotz des umschmeichelnden Schönklangs wirkt „Body Love“ intensiv,hypnotisch,trotz der elektronischen Erzeugung warm und weich.
Verfremdete,geheimnisvolle Sounds,künstliche Chöre runden einen Musikgenuß ab,der den,der sich darauf einläßt,zum tiefen Eintauchen in die Musik einlädt und dort verwöhnt.
„Body Love“ mag nicht das innovativste Album von Schulze sein,er geht hier nicht vorwärts,allerdings macht er hier das,was er für mein Dafürhalten am besten kann,und das in seltener Intensität und Perfektion.
Für mich ist daher „Body Love“ klar eines seiner besten,weil emotional fesselndsten Alben.
Ein absolutes Highlight des Künstlers. (high end)

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Das alternative Front + Back Cover

Und der Film zur Musik wurde ebenfalls hochgelobt:

Vorhang auf für einen Porno, dessen Soundtrack von Klaus Schulze komischerweise berühmter ist als der Film selbst. Klaus Schulze, der mit Künstlern wie Kraftwerk oder Jean Michel Jarre häufig in einem Atemzug genannt wird und der die Band Tangerine Dream zum Erfolg führte, gilt bis heute als einer der bedeutendsten Vertreter der elektronischen Musik. Und der Soundtrack für Body Love gilt vielen Klaus Schulze-Fans als sein wichtigstes Werk. Dementsprechend groß war die Neugier auf den Film der sich hinter der Musik versteckt, doch nur wenige trauten sich bislang den Film anzuschauen oder zuzugeben, dass sie ihn gesehen haben. Erschwerend kommt hinzu, dass der Film über lange Zeit sehr schwer nur zu bekommen war und zudem wenig über ihn geschrieben steht, obwohl z.B. die Deutschland-Premiere von Body Love damals in einem angesehenen Großkino, dem Holi in Hamburg, mit großen Tam Tam über die Bühne ging. Und so wurde schließlich viel darüber fantasiert, was es denn für Pornofilm

Filmplakat

Das Filmplakat

ist, der Klaus Schulze dazu bewegen konnte seine ganze musikalische Kreativität zu entfalten.

Um es kurz zu machen: Der Film verdient den gleichen Ruhm wie sein Soundtrack, denn wir haben es hier wieder einmal mit einem ganz und gar ungewöhnlichen Porno von Meisterregisseur Lasse Braun zu tun, der jedem, der ihn anschaut, lange im Gedächtnis bleiben wird. Das Spezielle an Body Love ist diese unheimliche New Age-Atmosphäre die der Film ausstrahlt. Alles wirkt irgendwie unwirklich und entrückt und dieser Eindruck wird natürlich verstärkt durch die abgefahrene Synthie-Mucke von Klaus Schulze, doch sind es auch und vor allem die seltsamen Bilder, die den Zuschauer in eine lustvoll-meditative Trance versetzen. (Quelle: pornoklassiker.de)

Nun … ich teile die Auffassung, dass dies ein ganz und gar exquisites Album von Klaus Schulze ist … ich höre es allerdings bedeutend lieber, wenn ich die Bilder des Films nicht sehe …

Dass es überhaupt zu einer solchen Kooperation zwischen Pornographie und elektronischer Musik der Avantgarde kommen konnte, ist für mich der faszinierendste Aspekt dieser Aufnahmen …

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Die 70er Jahre … die „sexuelle Revolution“ entließ ihre Kinder, der pornographische Film wurde in bestimmten Kreisen salonfähig und ganz sicherlich zählte dieser Lasse Braun zu jenen Akteueren dieses Genres, die zumindest ein Mindestmaß an einen gewissen Anspruch hatten … Sein Film „Sensations“ verdeutlich noch viel mehr jene Zeit, in der „Porno, Kunst und Hippietum auf leichte und fast surealistische Art“ kombiniert werden konnte.

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Besetzung:
Harald Grosskopf (drums)
Klaus Schulze (electronics)

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Lasse Braun, 1976

Tracklist:
01. Stardancer 3.38
02. Blanche 11.43
03. P.T.O. 27.12
+
04. Lasse Braun 22.21

Musik: Klaus Schulze

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Die Musik zum Film:

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Der Film zur Musik (des englischen sollte man mächtig sein … aber vielleicht auch nicht):

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Heiner Goebbels, Ensemble Modern, Josef Bierbichler – Eislermaterial (2002)

FrontCover1»Ich glaube, daß meine Entscheidung, professionell Musik zu machen, wesentlich mit seiner [Hanns Eislers] Arbeit zu tun hat. […] Ich war fasziniert von der ganzen Bandbreite, in der Eisler diskutiert hat, über Literatur, Politik, Mathematik, Philosophie, bildende Kunst, Musik natürlich..«.. (Heiner Goebbels)

Eislermaterial ist eine Hommage des Komponisten Heiner Goebbels an Hanns Eisler, der in Goebbels‘ künstlerischer und politischer Biografie eine große Rolle gespielt hat: Schon Eisler selbst stand als Schönberg-Schüler und gleichzeitig linkspolitisch engagierter Agitprop-Komponist im scharfen Spannungsfeld zwischen bourgeoiser Kunst- und klassenkämpferisch funktionalisierter Gebrauchsmusik; in ähnlicher Weise scheint sich auch Goebbels, der nicht nur Musik, sondern auch Soziologie studiert hat, hinsichtlich seiner Entscheidung für den Musikerberuf zwischen den Extremen orientiert zu haben.

Im Zentrum des Eislermaterials stehen einige Lieder von Hanns Eisler, die Goebbels für die Ausführung durch das Ensemble Modern praktisch nur eingerichtet oder arrangiert hat. Gesungen werden sie von dem Schauspieler Josef Bierbichler, dessen Stimme keine

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Heiner Goebbels

sängerische Ausbildung erfahren hat, worauf Goebbels im Sinne einer jeglicher sängerischen Eitelkeit entkleideten Vortragsweise besonderen Wert legt. Wandlungsfähig und teils mit einer faszinierend androgynen Stimmgebung trägt Bierbichler die Gesänge völlig unprätentiös und wohl gerade dadurch sehr eindrucksvoll vor. Verbunden sind sie durch instrumentale Abschnitte, die Goebbels teilweise aus Werken Eislers zusammenschnitt, darüber hinaus aber auch mit eigenen Ideen überlagerte. Dazwischen sorgen zwei „Hörstücke“ für noch unmittelbarere Bekanntschaft mit Eisler, denn es handelt sich hierbei um Collagen aus originalen Eisler-Interviews. Der Ton kommt dabei aus verschiedenen Richtungen bzw. im Wechsel aus beiden Kanälen des Verstärkers, so dass man mitunter den Eindruck hat, Eisler befinde sich im Dialog mit sich selbst.

Josef Bierbichler

Josef Bierbichler

Hier wie auch andernorts im Eislermaterial ergeben sich auch komische Effekte, die mit der Ernsthaftigkeit und Radikalität vieler Aussagen in den Interview- und Liedertexten kontrastieren. Dies sorgt nicht nur für ein kurzweiliges Hörerlebnis, sondern trägt auch zu Goebbels‘ Absicht bei, die Musik Eislers einerseits durchaus konkret, andererseits gleichzeitig auch mit der für heutige Rezipienten angebrachten Distanz in Erscheinung treten zu lassen. (Michael Wersin)

Wir haben es hier mit einer Aufzeichnung des SWR zu tun … live im Hebbel-Theater, Berlin (Oktober 1998).

Warum nur ist mir heute Abend nur nach dieser Musik ? Ich vermute mal, dass dies an der Zerrissenheit der Kompositionen liegt …

Oder: Denk ich an Deutschland heut´ Nacht …

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Besetzung:
Josef Bierbichler (vocals)
Uwe Dierksen (trombone, helicon)
Roland Diry (clarinet)
Thomas Fichter (bass)
William Forman (trumpet)
Michael M. Kasper (violoncello)
Hermann Kretzschmar (piano, harmonium)
Catherine Milliken (oboe)
Jagdish Mistry (violin)
Franck Ollu (french horn, tuba)
Rainer Römer (percussion)
Noriko Shimada(bassoon)
Geneviève Strosser (viola)
Wolfgang Stryi (clarinet, saxophone)
Dietmar Wiesner (flute)
Ueli Wiget (piano, sampler)

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Titel:
01. Anmut sparet nicht noch Mühe 7.02
02. Allegro Assai ‎– Aus: Jleine Sinfonie / Moment Musical 4:05
03.  Andante ‎– Aus: Suite Für Septett Nr. 1 2:01
04. Und ich werde nicht mehr sehen 2.49

Vier Wiegenlieder für Arbeitermütter
05. I 1.56
06. II 1:27
07. III 1.40
08. IV 3.35
09. Hörstück I („Einen Moment, gnädige Frau …“) 4.36
10. Ballade von der haltbaren Graugans 2.53
11. Mutter Beimlein 1.56
12. Vom sprengen des Gartens 3.39
13. Ballade vom zerrissenen Rock 3.15
14. Horatios Monolog / Bericht vom 1. Mai 2.56
15. Hörstück II („Ich möchte ihnen einen Vorschlag machen …“) 3:30
16. Kleine Passacaglia ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 0:53
17. Finale: Improvisation ‎– Aus: Fünf Orchesterstücke 3:29
18. Über den Selbstmord 2.54
19 Kriegslied „Großvater Stöffel“ 1.27
20. „Die Fabriken“ ‎– Aus: Orchestersuite Nr. 3. / Streichquartett-Fragment 5:44
21. Und endlich stirbt die Sehnsucht doch 1.24

Musik: Hanns Eisler und Heiner Goebbels
Texte: Berthold Brecht außer bei 20.: Peter Altenberg

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