Wolfsmehl – Der Ideenfabrikant (Hörspiel) mit Ben Becker u.a.) (2009)

FrontCover1Jetzt wird es ganz schön vertrackt … denn hier hören wir ein Hörspiel, das im Jahr 2130 spielt …

„Es ist das Jahr 2130 und die Phantasie ist so gut wie ausgelöscht, die Ideenfabrik steht über allem. Doch der Mangel an Phantasie ist das große Problem, die Ideen bleiben aus, der Ideenfabrikant (Ben Becker) gerät immer mehr in Bedrängnis. Dann droht der der Weltbotschaftler Dr. Webwablü (Hans Neuenfels) auch noch seinen Besuch an, denn der Ausschuss der Ideenfabrik ist einfach viel zu hoch. Wird Dr. Webwablü sie vielleicht sogar schließen lassen oder wird es noch die rettende Idee geben? Plötzlich ist die Phantasie doch wieder sehr gefragt!

Der Autor Wolfsmehl scheint selber sowas wie eine personifizierte Ideenfabrik zu sein, denn er hat in diesem Fall eine Geschichte verfasst, die sich erneut von all seinen anderen Werken abhebt und ihre ganz eigenen Ansätze zu bieten hat. Hier geht es um den sogenannten „phantastischen Realismus“ und die gigantischen Bauten der Ideenfabrik werden durch die lautmalerischen Beschreibungen vor dem geistigen Auge der Hörerschaft lebendig. Wuchtig, furchteinflößend, aber auch kalt und unheimlich kommt diese Fabrik rüber und wirkt wie ein grauenvolles Dystopia, das hoffentlich niemals Realität werden wird.

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Teilweise habe ich mir auch eine Art Animationsfilm vorgestellt, den Moebius oder Frazetta in Szene hätten setzen können oder eine Reihe von Bildern Dalis kombiniert oder Dantes Inferno. Diese Geschichte ist eine Mischung aus all diesen Komponenten, un- und außergewöhnlich, teilweise sogar verstörend. Eine knappe Stunde niveauvolle Unterhaltung, mit künstlerischem Anstrich versehen und dazu wird der Medienlandschaft der Spiegel vorgehalten, sehr interessant.

Die Besetzungsliste ist kurz und mindestens so ungewöhnlich wie die Geschichte an sich. Ben Becker ist hier Erzähler und der Ideenfabrikant zugleich und das verleiht dieser Produktion schon fast den Anstrich einer Lesung, da er logischerweise den meisten Text zu bewältigen hat. Mit seiner tiefen, brummenden Stimme zieht er die Hörerschaft ganz gekonnt und souverän in seinen Bann und ihm zu lauschen ist ein Genuss. Ihm stehen mit Konrad Halver auch gleichzeitig der Regisseur als Sprecherkollege zur Seite und er ist auch gleichzeitig der einzige weitere bekannte Name, was die Sprecherzunft betrifft. Trotzdem ist seine Rolle als Produktionsleiter Orplid recht klein gehalten, doch Halver macht das Beste daraus und überzeugt in dieser Rolle als Untertan des mächtigen Fabrikanten. Mit Hans Neuenfels, Prof. Ernst Fuchs und Wolfsmehl sind eher Künstler am Werk, die sich bisher nicht Sprecher ausgezeichnet haben und ihre Profession eher in anderen Bereichen gefunden haben. Doch sie hinterlassen allesamt einen positiven Eindruck und an diesem Bereich gibt es nichts auszusetzen.

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Lediglich bei der Untermalung hätte ich mir gezieltere und besser integriertere Einsätze der ausgewählten Musiken gewünscht. Klassische Klänge werden verwendet, doch das alles wirkt zu gewollt und zu sehr auf Kunst getrimmt. Das klingt teilweise so, als hätte man die Musiken einfach ins Hörspiel geworfen, ein weniger hölzerner Einbau hätte mehr Sinn gemacht. Sicher, schlecht ist die Untermalung nicht und es kommt auch reichlich Atmosphäre auf, schließlich entstehen die Bilder vor dem geistigen Auge ohne Probleme, aber Luft nach oben ist hier noch genug vorhanden.

Nicht für den Otto-Normal-Hörer von nebenan gedacht, eine nicht gerade einfache Geschichte, die alles andere als heiter ist und zum Nachdenken anregen soll. Gekonnt inszeniert und vorgetragen, eine Ausnahmeproduktion, die all denen empfohlen werden kann, die eine Affinität für das Außergewöhnliche mitbringen und sich dem „phantastischen Realismus“ hingeben wollen.“ (Captain Jack)

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Tja … und wer ist nun um Himmels Willen dieser „Wolfsmehl“:

Wolfsmehl, bürgerlich Michael Kumeth (* 18. Januar 1960 in Bad Berneck), ist ein deutscher Lyriker, Schriftsteller, Hörspielautor, Dramaturg und Drehbuchautor.

 

Kumeth wurde geboren als Sohn des Braumeisters Helmuth Kumeth (1934–2013) und seiner Frau Marianne. Er hat einen Bruder und zwei Schwestern und wuchs auf Schloss Fronberg auf. An der Technischen Universität München studierte er von 1981 bis 1985 Verfahrenstechnik.

Wolfsmehl

Seit 1984 ist er künstlerisch tätig, seit 2000 erfolgreich unter dem Pseudonym „Wolfsmehl“, der Hauptfigur in seiner Roman-Satire „Aus dem Tagebuch eines deutschen Toten“.  Er gilt als Vertreter des Phantastischen Realismus. 2001 erhielt er ein Stipendium für das Virginia Center for the Creative Arts. Für die Vertonung der Erzählung Zeit der Unübertrefflichkeit wurde Konrad Halver 2003 für den Hörspiel Award in den Kategorien „Bester Sprecher“, „Beste Regie“ und „Bestes Hörspiel“ nominiert.

Kumeth ist Mitglied im Freundes- und Förderkreis des PEN-Zentrums Deutschland. (Quelle: wikipedia)

Nicht unwichtig zum Verständnis des Autors ist dann noch, dass er in freundschaftlicher Beziehung zu dem Künstler Prof.  Ernst Fuchs stand.

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Wolfsmehl mit Prof. Ernst Fuchs

Zurück zu dem Hörspiel:

Das ist schon starker Tobak … mehr als einmal fröstelte es mich … ob der  industriell fabrizierten „Phantasie“ im Jahre 2130 …

Zur hohen Qualität dieses Hörspiels gehört dann auch ein aufwendig gestaltetes Begleitheft, das mit Ernst fuchs Gemälden illustriert wurde.

Von daher: keine leichte Kost … aber ein Gewinn allemal !

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Besetzung:
Ben Becker (Erzähler, Ideenfabrikant)
Ernst Fuchs (Ganymed)
Ernst Halver (Produktionsleiter Orplid)
Konrad Neuenfels (Weltbotschafter Dr. Webwablü)

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Titel:
01. Der Ideenfabrikant (Kapitel 01) 04.56
02. Der Ideenfabrikant (Kapitel 02) 05.35
03. Der Ideenfabrikant (Kapitel 03) 06.42
04. Der Ideenfabrikant (Kapitel 04) 06.54
05. Der Ideenfabrikant (Kapitel 05) 04.17
06. Der Ideenfabrikant (Kapitel 06) 05.27
07. Der Ideenfabrikant (Kapitel 07) 02.57
08. Der Ideenfabrikant (Kapitel 08) 11.17
09. Der Ideenfabrikant (Kapitel 09) 05.43
10. Der Ideenfabrikant (Kapitel 10) 05.43

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Schönherz & Fleer – Hesse Projekt (2007)

frontcover1Dass auf einem wirklich mehr als ambitioniertem CD Projekt Künstler mit so unterschiedlichen Prägungen wie Caterina Valente, Trilok Gurtu, Xavier Naidoo, Roger Willemsen, Annett Louisan, Ben Becker oder Matthias Habich mitwirken ist eher ungewöhnlich. Ungewöhnlich wie die gesamte Produktion.

Zu verdanken haben wir diese Produktion dem Künstlerteam Angelica Fleer und Richard Schönherz, die zuvor schon mit ihrem „Rilke Projekt“ für Aufmerksamkeit gesorgt haben.

Schönherz & Fleer sind ein Musiker- und Produzententeam bestehend aus Richard Schönherz und Angelica Fleer. Ihre erfolgreichste Produktion ist das Schönherz & Fleer – Rilke Projekt. Hiervon wurden vier CDs veröffentlicht, drei von ihnen haben Goldstatus erreicht. Im November 2010 ist die vierte CD des Rilke Projekts namens Weltenweiter Wandrer erschienen. Zudem haben die beiden Komponisten auch das Schönherz & Fleer – Hesse Projekt gegründet. Hiervon sind zwei CDs erschienen.

1997 trafen Richard Schönherz und Angelica Fleer erstmals zusammen. Der Produzent Richard Schönherz war von dem Instrumentalalbum Waiting for the big rain, das Angelica Fleer im gleichen Jahr veröffentlicht hatte, begeistert. Er lud Fleer zu einem Treffen in Bolinas ein, um gemeinsam Texte des Dichters Rainer Maria Rilke zu vertonen.

SchönherzFleer

Angelica Fleer ´Richard Schönherz

In den folgenden Jahren komponierten Schönherz & Fleer Musik zu Gedichten Rilkes und ließen die Texte von deutschsprachigen Schauspielern und Sängern, u. a. Ben Becker, Xavier Naidoo, Hannelore Elsner und Peter Maffay, einsprechen. 2001 erschien die erste CD des Rilke Projekts unter dem Titel Bis an alle Sterne bei BMG Ariola Classics. Die Verkaufserwartungen für ein musikalisches Lyrikprojekt wurden dabei übertroffen. Bis 2010 wurden von dem ersten Album des Rilke Projekts über 150.000 Exemplare verkauft. Für dieses Ergebnis wurden Schönherz & Fleer mit einer Goldenen Schallplatte ausgezeichnet.

Danach vertonten Schönherz & Fleer 16 weitere Gedichte Rilkes für eine zweite CD des Rilke Projekts mit dem Titel In meinem wilden Herzen. Die CD erschien 2002 und wurde ebenfalls ein Erfolg. Die Veröffentlichung erreichte mit mehr als 100.000 verkauften CDs in Deutschland erneut Goldstatus. Die dritte CD des Rilke Projekts mit dem Titel Überfließende Himmel erschien 2004 und erreichte ebenfalls Goldstatus.

Im Herbst 2004 tourte das Rilke Projekt unter dem Titel Zwischen Tag und Traum mit einer großen Produktion durch 24 deutsche Städte. Die multimediale Bühnenfassung des Rilke Projekts mit den Schauspielern Jürgen Prochnow, Nina Hoger, Robert Stadlober und der Sängerin Zabine sahen sich insgesamt mehr als 30.000 Zuschauer an. Ein Tour-Mitschnitt wurde als DVD unter dem gleichnamigen Tourtitel Schönherz & Fleer Rilke Projekt – Live – Zwischen Tag und Traum“ bei BMG Classics (heute Sony Music) im gleichen Jahr veröffentlicht.

2005 gaben Schönherz & Fleer ein Buch beim Insel-Verlag über ihr Rilke Projekt heraus. Neben Informationen zur Tournee, zu den beteiligten Schauspielern und Musikern sowie einem biografischen Essay über Rainer Maria Rilke enthielt die Buchveröffentlichung auch Tagebuchnotizen über die Konzertreise.

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Nach drei CD-Alben mit Werken von Rainer Maria Rilke beschlossen Schönherz & Fleer 2005 sich einem neuen Autor zu widmen – Hermann Hesse. Das Interesse der beiden galt dem lyrischen Werk von Hesse. Im Jahr 2007 erschien die erste CD des Schönherz & Fleer – Hesse Projekts mit dem Titel Die Welt unser Traum. Diese CD wurde annähernd 80.000 mal verkauft. Für diese Produktion hatten Schönherz & Fleer wiederum Schauspieler und Musiker als Sprecher und Mitwirkende eingeladen, u. a. Till Brönner, Annett Louisan, Caterina Valente und Roger Willemsen. 2008 erschien die zweite CD des Hesse-Projekts mit dem Titel Verliebt in die verrückte Welt. Neben der Auswahl der Texte hatten Schönherz & Fleer sämtliche Musiktitel komponiert, produziert, die Sprecher ausgewählt und an verschiedenen Orten aufgenommen. Von dieser CD wurden circa 45.000 Stück verkauft.

Am 5. November 2010 erschien die vierte CD des Rilke Projekts Weltenweiter Wandrer. Bei dieser CD wirkten unter anderem Ben Becker, Clueso, Hannelore Elsner, Tim Fischer, Katja Flint, Sol Gabetta, Hannah Herzsprung, Patricia Kaas, Salif Keïta, David Kross, Hardy Krüger und Peter Maffay mit.

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Nun zu dieser 1. CD des „Hesse Projekts“:

Hermann Hesse – Kultautor für die einen, belächelt von den anderen – ist dieses Projekt gewidmet. Darauf zu hören sind symbolische Klänge, aufgefettet mit chilligen Zauberkunststücken, eingejazzt mit braven Soli, gesprochen und gesungen von beliebten und geliebten Künstler/innen für die einen, belächelten von den anderen. Ein Projekt also, das man entweder mag oder eben nicht. Dazwischen wird wohl nur wenig Spielraum sein. Andreas Vollenweider, Annett Louisan, Xavier Naidoo, Roger Willemsen, Till Brönner, Juliane Köhler, Caterina Valente und viele mehr gehen dabei ziemlich entspannt an die ganze Sache ran, die, initiiert, komponiert, arrangiert und produziert von Richard Schönherz & Angelica Fleer, wie ein Schlummertrunk wirkt. „Schleier von Schönheit und Trauer/Über dem Abgrund der Welt“ spricht Juliane Köhler in „Kleiner Gesang“, und damit trifft sie die Stimmung vom „Hesse Projekt“ auch schon ziemlich gut. Was besonders auffällt ist das perfekte Soundbild, perfekt in jeder Situation der 18 darauf enthaltenen Stücke – derart perfekt, dass kein Platz für Überraschungen bleibt. Ziemlich schlimm „Blauer Schmetterling“ von Annett Louisan, das wie esoterische Hintergrundmusik für einen Naturfilm, das Adler im Sonnenuntergang – oder eben Schmetterlinge im Frühtau – zeigt, daherkommt. Überraschend gut hingegen Caterina Valente und Till Brönner in „Wo wir etwas finden, das wie Musik ist“. Hier erinnert sich die Schlagersängerin wieder einmal, woher sie eigentlich kommt: aus dem Jazz, und möglicherweise erinnerte sie sich auch daran, dass sie einmal gemeinsam mit Chet Baker Lieder einspielte. Till Brönner jedenfalls musste davon gewusst haben, so wie er hier versucht Chet Baker nachzuempfinden. Zu gute halten muss man dieser Produktion eindeutig die Textauswahl. So darf z.B. Roger Willemsen den Hesse-Text „Mein Leben“ rezitieren – „Mein Leben“, heißt es darin, „so etwa nahm ich mir vor,/sollte ein Transzendieren sein, ein/Fortschreiten von Stufe zu Stufe…“, und Juliane Köhler darf gemeinsam mit Andreas Vollenweider im „Regen“ wandeln: „Herz, wie bist du wundgerissen/Und wie selig, blind zu wühlen/Nicht zu denken, nicht zu wissen/Nur zu fühlen, nur zu fühlen!“ (Manfred Horak)

Ich gestehe: Es sind genau solche Projekte, die mich anspornen, genau einen solchen blog am Leben zu erhalten !

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Hermann Hesse Illustration

Besetzung:
Christoph Aupperle (vibraphone)
Steve Baker (harmonica)
Tommy Baldu (drums, percussion)
Till Brönner (flugelhorn)
Ani Choying Drolma (vocals bei 16.)
Angelica Fleer (keyboards)
Trilok Gurtu (percussion, vocals)
Stephen Kent (digeridoo)
Paul McCandless (oboe, clarinet, english horn, flute)
Ali Neander (guitar)
Andreas Neubauer (drums, percussion)
Ossi Schaller (guitar)
Members Of Söhne Mannheims (vocals bei 10.)
Richard Schönherz (keyboards)
Caterina Valente (vocals bei 11.)
Andreas Vollenweider (harp)
Martin Wagner (accordion)
Willy Wagner (bass)

Sprecher:
Ben Becker (05., 18.)
Matthias Habich (01., 08., 16.)
Juliane Köhler (04., 09., 13., 17.)
Annett Louisan (06., 14.)
Xavier Naidoo (03.)
Roger Willemsen (02., 07., 12.)

HermannHesseTitel:
01. Die Welt unser Traum 5.41
02. Daß Gott in jedem von uns lebt… 1.07
03. Der Liebende 3.51
04. Kleiner Gesang 2.31
05. Abends 4.08
06. Blauer Schmetterling 2.19
07. Je differenzierter… 2.23
08. Im Nebel 3.42
09. Flötenspiel 2.55
10. Sprache 4.30
11. Wo wir etwas finden… 2.49
12. Mein Leben… 1.26
13. Regen 4.04
14. In Sand geschrieben 4.33
15. Jede Erscheinung… 0.24
16. Der Erhobene Finger 5.50
17. Glück 3.36
18. Liebeslied 3.14

Musik: Angelica Fleer und Richard Schönherz – Text: Hermann Hesse

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