Berluc – Hunderttausend Urgewalten (1981)

FrontCover1Für mich eine musikalisch wirklich interessante Rockand aus der DDR.

Berluc ist eine Rockband, die ihre großen Hits in der DDR hatte.

 

Berluc wurde 1974 gegründet. Der Bandname leitet sich aus den Anfangsbuchstaben der Herkunftsstädte der Gründungsmitglieder Berlin und Luckenwalde ab. Die erste DDR-weite Aufmerksamkeit erlangten sie 1978 mit dem Lied Hallo Erde, hier ist Alpha, das einem Faible der Bandmitglieder für Science-Fiction-Literatur entsprang. Die Komposition stammt von Alexander Stehr, der Text von Sabine Heese. Siebenmal belegte der Titel Platz eins der Radio-DDR-Tip-Parade, in der Tip-Disko von Stimme der DDR war der Titel viermal auf Platz eins zu finden und in den DDR-Jahrescharts 1978 notierte das Lied auf Platz 7. 1979 erschien mit Reise zu den Sternen das Debütalbum beim DDR-Label Amiga, das als sehr hardrocklastig beschrieben wurde. Es folgte 1981 ein Album beim westdeutschen Label Teldec, das eine Zusammenstellung von Liedern des Debütalbums sowie weiterer Rundfunkaufnahmen enthielt, die zum Teil später auf der 1982er Amiga-LP Hunderttausend Urgewalten enthalten waren.

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Ihren nächsten Erfolg feierte Berluc 1983 mit dem Lied No Bomb, der als einer der ersten Metal-Hits der DDR bezeichnet wurde und Platz 1 der DDR-Jahreshitparade 1983 belegte.[3] Im April 1984 tourte die Gruppe durch die Sowjetunion und begleitete im Sommer das tschechoslowakische Auto-Rodeo durchs Land. Das Lied Die Erde lebt gelangte im selben Jahr auf Platz 4 der Jahreshitparade. Ihr bislang erfolgreichstes Album erschien 1985 unter dem Titel Rocker von der Küste, der Titel bezog sich auf ihre Wahlheimat Rostock. Ihre letzten Hits in der DDR-Hitparade hatte Berluc 1988 mit Ganz nah (Platz 5) und Nach Hause (Platz 6).

Nach der Wende löste sich die Gruppe vorerst auf und startete 1993 ein Comeback. Sie geben wieder Konzerte, vorrangig in den neuen Bundesländern. Kopf der Band ist seit ihrer Gründung der Schlagzeuger Dietmar Ränker, der nach wie vor in Rostock lebt. Die übrigen Bandmitglieder leben in Halle und Berlin. (Quelle: wikipedia)

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Und hier ihr 2. Album, dass damals in der DDR zumindest von dem Musikmagazin „Melodie & Rhythmus“ so ziemlich zerrissen wurde:

Die zweite BERLUC – LP „Hunderttausend Urgewalten“ ist mir rätselhaft. Da hört man von zählebigen BERLUC – Titeln auf vorderen Hitparaden – Plätzen und von Veranstaltern, das sich die Nordbezirksband selbst in der Abgeschiedenheit des Erzgebirges riesiger Beliebtheit erfreut – und legt sich dann mit Vorfreude diese Titelsammlung auf den Plattenteller.
Dank der AMIGA – Veröffentlichung wird man unabhängig von Sendezeit und Veranstaltungsorten, kann in Ruhe den BERLUC – Rock genießen. Und da beginnt dieses rätselhafte. Mal so gehört sind „Bermuda-Dreieck“, „Hunderttausend Urgewalten“ oder „Bernsteinlegende“ recht reizvoll, doch an einem Faden, sprich Plattenlänge, wirkt alles derart uniform und arm an Ideen, das man gar nicht mehr an den Einzelerfolg glauben will.

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Die Ausgabe 11/1982

Trotzdem muss ja etwas dran sein an der BERLUC – Musik. Für mich sind es die stimmungsvollen Deutungen der naturwissenschaftlichen Phänomene auf und in unserer Erde, die sich Kurt Demmler einfallen ließ. Sicherlich schlagen sich Experten nicht vor Begeisterung an den Kopf, wenn sie die BERLUC – Bermuda –Dreieck – Variante oder die Bernsteinlegende hören. Doch das ist eine rockmusikalische Freiheit mit Phantasie und Originalität.
Die geschlossene erste Plattenseite unterstreicht die Absicht der Autoren, Naturphänomene auf Rock-Art zu beschreiben. Allerdings sieht das eben nur per Text bzw. auf der Plattenhülle gut aus. Musikalisch passiert da kaum etwas Aufregendes. Vom Sänger bis zum Komponisten, von den Arrangements bis zur Interpretation ist alles durchschaubar, weil von einfachster Machart.
So sind zum Beispiel  die Titel 1 und 3 sowie 2 und 4 in ihrer Grundkonzeption von verblüffender Ähnlichkeit. Eine Erscheinung, die sich auf Plattenseite zwei fortsetzt. Weiterhin fällt auf, das Manfred Kählers Stimme zwar zur Interpretation der Texte geeignet ist, aber sich sehr schnell in einer gepressten, kraftstrotzenden Art erschöpft. Nuancierungen konnte ich nicht heraushören.
Sehr deutlich wird seine Stärke in „Öffne ich mein Fenster“. Kompositorisch besinnlich angelegt, ähnlich wie „Bernsteinlegende“, schleudert einem die Worte förmlich um die Ohren und das, obwohl der instrumentale Part in beiden Titeln verhalten und durchaus feinfühlig wirkt. Trotz dieser kleinen Einschränkung sind für mich die beiden Titel die einzigen musikalischen Farbtupfer dieser Platte.

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Auch wenn es nicht einfach ist, dem Hard Rock – als solch einen Vertreter bewerte ich BERLUC – Abwechslung abzuringen, reichen zaghafte Andeutungen nicht aus. Die Uniformität zerschlägt kleinste Regungen.
Das, was Demmler an textlicher Phantasie einbringt, ziehen die Komponisten Kähler, Stehr und Pöppel über einen Leisten, unterstütz durch die Kollektiv – Arrangements. So sägt der neue Gitarrist Detlef Brauer munter im alten Trott weiter, Schlagzeuger Dietmar Ränker bietet ein bescheidenes Repertoire an Breaks und rhythmischen Finessen an; Keyboarder Alexander Stehr findet auch nur die sattsam bekannten elektronischen Klänge, Bassist Wolfgang Hoffmann spielt brav seinen Bass ohne auch nur einmal aufzufallen.
Damit soll nicht gesagt sein, das BERLUC kaum zur Sache geht oder fad spielt, da fährt schon etwas ab, doch es wird eine Fahrt durch die Einöde. Wenn sich aus musikalischer Sicht Plattenseite eins und zwei kaum unterscheiden, so bietet Seite zwei  immerhin Texte, die sich mit dem Leben und einigen Verhaltensschattierungen beschäftigen. Die beiden letzten Titel  dieser Seiten schreckten mich dann durch einen erhobenen Zeigefinger auf. In „Sind wir allein“ noch verhalten, streckt er sich einem in „Glaube an dich“ förmlich unter die Nase.
„Glaube an dich“ ist ein Mutmacher in der Art, wie ihn unsere erste Rockgeneration zu Zeiten von „Team 4“ oder „Joco Dev“ ausprobiert und später aufgegeben haben. Im Konzert mag so etwas durchaus noch mitreißen, ein Plattenfinale ist es nicht.
Machte mich die erste BERLUC – LP seinerzeit neugierig, so riefen die „Hunderttausend Urgewalten“ eher Skepsis hervor. Das Grundkonzept mag wohl stimmen, doch seine Umsetzung bedarf schon einiger Überlegungen, um nicht plötzlich in einer musikalischen Sackgasse zu geraten, aus der ein schweres Herauskommen ist. Bei aller Freude über eine zweite eigene LP wird auch deutlich, das damit Ansprüche steigen, das Vielseitigkeit, Interpretation und Farbigkeit gefordert sind, und dass auch die Titelauswahl kritisch beleuchtet werden muss. (Stefan Lasch in Melodie & Rhythmus 11 / 1982)

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Also, diesen Zeilen kann ich so gar nie nicht zustimmen. Klar, die Puhdys grinsen jede Minue frech um die Ecke … aber das waren ja auch nicht die schlechtesten Vorbilder … diese wiederum hatten in ihren Anfängen ganz viel Uriah Heep im Ohr (auch nicht von schlechten Eltern zumindest bis 1972 oder so).

Und klar, …an den Texten kann man rummäkeln … oftmals mystisch überhöhtes und zugleich banales Zeug von anderen Welten … hin und wieder ganz nett … aber auf Dauer:

War eine Zeit, da war ein Gott verliebt
in eine Taube, weiß und rein.
Hast sie gejagt, jedoch die Taube flog
in einen Wald ganz tief hinein.
Es war ein Wald, ein alter guter Wald.
Und einen Gast verrät er nie.
Da kam der Gott mit Blitz und Donnerschlag
und goß den Regen über sie.
Ohohohoho, Wald, lieber Wald,
Ohohohoho, mir ist so kalt.
Ohohohoho, Wald, lieber, du,
ohohohoho, du, deck mich zu. … 

(aus „Bernsteinlegende“)

Aber bei der Musik gibt es so gar nichts zu meckern … vorausgesetzt man mag jeden 70er Jahre Hardrock (und ich mag ihn halt noch immer) … mit knackigen Gitarrenriffs- und solos … dass nur die Schwarte so kracht … stampfend-brüllender Rock eben.

Passend dazu der druckvolle Sound … Ha ! Berluc haben einen neuen Fan !

Singles

Die Singles von diesem Album

Besetzung:
Wolfgang Hoffmann (bass)
Manfred Kähler (vocals, guitar)
Gerd Pöppel (guitar bei 01. + 04.)
Dietmar Ränker (drums)
Alexander Stehr (keyboards)
+
Detlef Brauer (guitar bei 07. + 08.)
Uwe Karsten (bass (bei 02. + 03.)

BackCover1

Titel:
01. Hunderttausend Urgewalten (Kähler/Stehr) 3.19
02 Bermuda-Dreieck (Pöppel) 5.18
03. Fliegen vor der Zeit (Stehr/Kähler) 4.38
04. Bernsteinlegende (Üöüüel/Stehr) 6.26
05. Asphalttraum (Kähler) 4.58
06. Öffne ich mein Fenster (Stehr) 6.13
07. Sind wir allein (Kähler) 4.30
08. Glaube an dich (Kähler/Stehr) 3.49

Alle Texte: Kurt Demmler

LabelB1
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