Gregor Bloeb – Heinrich Heine in Paris (Hörbuch) (2006)

FrontCover1Der Heinrich Heine hat ja auch heute noch einen klangvollen Namen:

Heinrich Heine (eigentlich: Harry Heine) wurde wahrscheinlich am 13. Dezember 1797 in Düsseldorf geboren. (Das Datum ist nicht ganz sicher, weil die entsprechenden Dokumente, die darüber Auskunft geben könnten, verschollen sind.) Sein Vater war der jüdische Textilhändler Samson Heine. Seine Mutter, die mit ihrem Mädchennamen Elisabeth („Betty“) van Geldern hieß, brachte nach ihm noch seine Geschwister Charlotte (1800), Gustav (1805) und Maximilian (1807) zur Welt.

Von 1807 bis 1814 besuchte Heinrich Heine ein katholisches Lyzeum und eine Handelsschule in Düsseldorf. Dann fing er in Frankfurt am Main eine Banklehre an, die er 1816 bei seinem Onkel Salomon Heine, einem erfolgreichen Bankier in Hamburg, fortsetzte, obwohl er lieber Gedichte schrieb. Er verliebte sich in seine Cousine Amalie Heine, die seine Gefühle jedoch nicht erwiderte.

HeinrichHeine01Mit dem Kommissionsgeschäft für englische Tuche, das ihm der reiche Onkel 1818 einrichtete, machte Heinreich Heine innerhalb eines Jahres Bankrott, aber Salomon Heine finanzierte ihm auch noch ein Jurastudium in Bonn (1819/20), wo August Wilhelm Schlegel zu Heinrich Heines Dozenten gehörte. Bücher von Dieter Wunderlich Im Wintersemester 1820/21 wechselte der Student an die Universität Göttingen, wurde jedoch am 23. Januar 1821 wegen eines Duells relegiert. Daraufhin immatrikulierte Heinrich Heine sich in Berlin, wo er Vorlesungen von Georg Wilhelm Friedrich Hegel hörte und zu den Besuchern des Salons von Rahel Varnhagen gehörte, die er als „geistreichste Frau des Universums“ verehrte. Im Oktober 1824 besuchte er Johann Wolfgang von Goethe in Weimar. Obwohl Heine religiös indifferent war, konvertierte er am 28. Juni 1825 vom Judentum zum Protestantismus und ließ sich in Heiligenstadt auf den Namen Christian Johann Heinrich taufen. Sarkastisch bezeichnet er den Taufschein als „Entreebillet zur europäischen Kultur“. Im Juli 1825 schloss er sein Jura-Studium in Göttingen mit der Promotion ab.

Nach Aufenthalten u. a. auf Norderney, in Lüneburg, Hamburg und München sowie Reisen nach England (1827) und Italien (1828) kehrte Heinrich Heine wegen des Todes seines Vaters am 2. Dezember 1828 vorübergehend nach Hamburg zurück.

Weil er wegen seiner politischen Ansichten immer wieder angefeindet wurde, übersiedelte Heinrich Heine am 1. Mai 1831 nach Paris, wo er seinen Lebensunterhalt als Korrespondent der Augsburger „Allgemeinen Zeitung“ von Johann Friedrich Cotta verdiente und Honoré de Balzac, Alexandre Dumas d. Ä., Victor Hugo und George Sand, Hector Berlioz, Frédéric Chopin und Franz Liszt kennen lernte. 1834 begegnete er Créscence Eugénie („Mathilde“) Mirat (1815 – 1883), die am 31. August 1841 seine Frau wurde. 1841 duellierte Heinrich Heine sich aufgrund eines Streits mit dem Frankfurter Kaufmann Salomon Strauß und wurde an der Hüfte verletzt. Ende 1843 lernte er Karl Marx kennen, mit dessen Ansichten er sympathisierte.

Im Februar 1848 brach Heinrich Heine zusammen. Er litt vermutlich an myatropischer Lateralsklerose. Zunehmend gelähmt, konnte er seine „Matratzengruft“ schließlich nicht mehr verlassen. Nur mit Morphium konnte er seine Schmerzen ertragen. 1855 besuchten ihn seine Freundin Elise („Mouche“) Krinitz sowie seine Geschwister Charlotte und Gustav. Am 17. Februar 1856 starb Heinrich Heine. Drei Tage später wurde er auf dem Montmartre-Friedhof beerdigt.

Heinrich Heine gilt als romantischer Dichter und zugleich als Überwinder der Romantik. Der politisch engagierte Journalist und Schriftsteller, der eine elegante deutsche Sprache pflegte, versuchte, Kunst und Realität zur Deckung zu bringen.(Dieter Wunderlich)

HeinrichHeine03Und dieses Hörbuch bietet einerseits eine große Auswahl seiner Gedichte (78 an der Zahl !) und dann aber – fast noch spannender – eine ausführliche Darstellung seiner Pariser Zeit und damit seines letzten Lebensabschnitts. Ungemein spannend, all diese Facetten des Heinrich Heines zu lauschen (allein seine Beziehungen zu Frauen – innerhalb und außerhalb von Bordellen – wäre ein mehr als ausführliches Thema; bereits seine Gedichte zeigten ja, dass er wahrlich kein Kostverächter war). Und wie es sich für eine gute Biographie gehört, werden die politischen Wirrnisse jener Jahre deutlich und konkret im Zusammenhang mit Heines Entwicklungen gestellt.

Vorlage für diesen 2. Teil des Hörbuches ist das Buch „Heinrich Heine in Paris“ von Jörg Aufenanger, das allerdings nicht ganz unumstritten war:

„Heinrich Heine hat selbst in seinem Brief an Ferdinand Hiller das Bonmot geprägt:
„Fragt Sie jemand wie ich mich hier befinde, so sagen Sie: wie ein Fisch im Wasser. Oder vielmehr, sagen Sie den Leuten; daß, wenn im Meere ein Fisch den anderen nach seinem Befinden fragt, so antworte dieser: ich befinde mich wie Heine in Paris.“
Damit wollte er zum Ausdruck bringen, dass er sich in Paris zunächst am Ziel seiner Wünsche angekommen glaubte. Hier konnte er Flaneur und Genießer, Liebhaber und Korrespondent sein und ein Leben führen, wie es ihm in den beengten und rückständigen deutschen Verhältnissen nicht möglich schien.

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Die Buchvorlage für den biographischen Teil des Hörbuches

Dennoch ist es ein empfehlenswertes Hörbuch geworden und verantwortlich für dieses Projekt ist wohl federführend der Sprecher, Gregor Bloeb: Im Laufe der Zeit verflog die Euphorie und die „Hauptstadt der Welt“ zeigte auch ihre Schattenseiten, die Fassade des Juste-Milieu wurde rissig und ließ neue soziale Spannungen hervortreten. Verbote und Haftbefehle in Preußen und anderen deutschen Staaten machten eine Rückkehr in die Heimat unmöglich und aus seinem Auslandsaufenthalt ein dauerhaftes Exil. Am Ende wurde für ihn auch Paris im wahrsten Sinne des Wortes unzugänglich, weil eine tückische Krankheit ihn die letzten acht Lebensjahre an sein Lager fesselte.
Aufenanger schildert Heines Pariser 25 Jahre mit ihren Höhen und Tiefen und verbindet damit auch einige Informationen über die Stadt, ihre Bewohner, politische Verhältnisse und historische Veränderungen während der Julimonarchie.
Beim Vergleich mit einigen jüngeren Gesamtdarstellungen Heines habe ich allerdings den Eindruck, dass Aufenanger deren Ergebnisse weitgehend ignoriert und eher ein Heine-Bild vermittelt, wie es vor Jahrzehnten vorherrschte. Er zieht den Dichter Heine dem Journalisten, Essayisten und Prosaschriftsteller vor, die in den Text eingestreuten Zitate stammen überwiegend aus den Gedichten. Er kritisiert eine ganze Reihe von Schwächen und Inkonsequenzen Heines, was mich an die alte These: „Ein Talent – doch kein Charakter“ erinnert. Politisch ortet Aufenanger Heine als Anhänger der konstitutionellen Monarchie, dem weiter reichende revolutionäre Bestrebungen nicht geheuer waren. Dementsprechend wird auch Heines Kontakt mit Karl Marx nur sehr flüchtig behandelt und in Zusammenhang mit Ferdinand Lassalle scheinen die gemeinsamen Bordellbesuche das erwähnenswerteste zu sein… (B. Gutleben)

Gregor Bloéb (* 3. Jänner 1968 in Innsbruck, Österreich) ist ein österreichischer Theater-, Film- und Fernsehschauspieler.

Bekanntheit erlangte Bloéb erstmals durch die Verkörperung des Bürgermeister- und Hoteliersohns „Stefan Wechselberger“ in Felix Mitterers Piefke-Saga, in der auch sein Bruder Tobias Moretti mitwirkte.

Nach sechs Jahren Intendanz beim Theatersommer Haag übergab Adi Hirschal Ende 2008 diese Funktion an Gregor Bloéb, der 2008 den „Phileas Fogg“ in In 80 Tagen um die Welt gab. Bloéb spielte im ersten Jahr der Intendanz die Hauptrolle in dem Stück Cyrano de Bergerac.

Abseits der Schauspielerei widmet sich Bloéb auch der Musik. Seine Band Gregor Bloéb und seine Tantiemen ist mit ihrem aus Musik und Comedy bestehenden Programm mittlerweile weit über die Landesgrenzen Tirols hinaus bekannt.

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Gregor Bloeb

Ab März 2006 wirkte Gregor Bloéb an der Seite seiner Tanzpartnerin Michaela Heintzinger als Promitänzer in der 2. Staffel der ORF-Show Dancing Stars mit, die er nach der 5. Runde, am 7. April, verlassen musste.

Im Film Keinohrhasen (2007) spielt er mit seiner Frau Nina Proll, in einer Gastrolle, ein Paar.

2010 spielte er in der Bushido-Biographie Zeiten ändern dich dessen Tourmanager Marek Lieberberg.

2013 ahmte er in dem gleichnamigen Drama „Jägerstätter“ von Felix Mitterer Franz Jägerstätter nach, die Uraufführung war am 20. Juni 2013 im Theater in der Josefstadt. Im gleichen Jahr gab er den Sigismund in der Neuverfilmung des Singspiels von Ralph Benatzky Im weißen Rössl – Wehe Du singst!. Als Vorlage diente das gleichnamige Alt-Berliner Lustspiel von Oskar Blumenthal und Gustav Kadelburg. Bloéb steht somit in den Fußstapfen der Verfilmungen von 1952 eines Ulrich Beiger und von Gunther Philipp, der noch mit dem legendären Hugo Lindinger – er gab den Bürgermeister – über die Leinwand flimmerte. Beim Bockbierfest von Stiegl in der Stadt Salzburg waren die ersten Ausschnitte der Neubebilderung mit Bloéb zu sehen.

Bloéb hat zwei Kinder mit seiner ehemaligen Lebensgefährtin Ute. Er lebt in Berlin und Pfaffenhofen. 2008 wurde der gemeinsame Sohn von Bloéb und Nina Proll geboren, kurz davor haben die beiden geheiratet, 2010 kam der zweite Sohn zur Welt. Bloéb ist ein Bruder des Schauspielers Tobias Moretti und Christoph Bloeb.

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Der kranke Heinrich Heine (Bleistiftzeichnung von Gleyre um 1851)

Sprecher:
Gregor Bloeb

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Titel:

CD 1 (Gedichte):
01. Ich halt ihr die Augen zu 0.41
02. Den Tag, den hab ich so himmlisch verbracht 0.38
03. Diese schönen Gliedmaßen 0.32
04. Das Hohelied 1.59
05. Nimmer glaub ich, junge Schöne 0.25
06. In welche soll ich mich verlieben 0.34
07. Und bist du erst mein eh’lich Weib 0.25
08. Meinen schönsten Liebesantrag 0.23
09. Die Launen der Verliebten 3.10
10. Die Flaschen sind leer 0.42
11. Ich liebe solche weiße Glieder 0.43
12. Schöne, wirtschaftliche Dame 0.31
13. Welch ein zierlich Ebenmaß 0.49
14. Es kommt der Lenz 0.24
15. Der Kampf 3.18
16. Welcher Frevel 0.33
17. Liebste, sollst mir heute sagen 0.47
18. Donna Clara 3.44
19. Du liebst mich nicht 0.22
20. Ein Weib 0.54
21. Auf meiner Herzliebsten Äugelein 0.47
22. O schwöre nicht und küsse nur 0.32
23. Die Welt ist dumm 0.25
24. Saphire sind die Augen dein 0.43
25. Sie saßen und tranken am Teetisch 0.56
26. Der Schmetterling 0.39
27. Wie entwicklen sich doch schnelle 0.40
28. Gellert hab ich nach Herzenswunsch 0.26
29. Mir redet ein die Eitelkeit 0.42
30. Das Glück ist eine leichte Dirne 0.27
31. Ich hab‘ dich geliebet 0.15
32. Sag mir, wer einst die Uhren erfund 0.35
33. Der Brief 0.24
34. Kind! Es wöre dein Verderben 0.21
35. Habe mich mit Liebesreden 0,25
36. Wir fuhren allein im Dunkeln 0.23
37. Auf deinen schneeweißen Busen 0.32
38. Über die Berge o.32
39. Sie tanzt 0.51
40. Mädchen 0.30
41. Glaube nicht, dass ich aus Dummheit 0.39
42. Laß mich mit glüjmden Zangen 0.49
43. Citronia 3.26
44. Emma 0.25
45. Hast du die Lippen mir wundgeküßt 0.20
46. Der Ungläubige 0.51
47. Andre beten zur Madonne 0.20
48. Zum Hausfrieden 0.25
49. Heut Nacht, im Traum 0.17
50. Das Fräulien stand am Meere 0.17
51. Ich wandle unter Blumen 0.22
52.  In meiner Erinnrung 0.33
53. Wenn junge Herzen brechen 0.32
54. Die Liebe begann 0.53
55. Du hast Diamanten und Perlen 0.30
56. Sie haben heut abend Gesellschaft 0.34
57. Theurer Freund ! 0.24
58. Einst sah ich 0.54
59. Ich wollte bei dir weilen 0.36
60. Dass du mich liebst 0.29
61. Zu der Lauheit und der Flauheit 0.21
62. Küsse, die man stiehlt im Dunkeln 0.31
63. Wechsel 0.41
64. Sie liebten sich beide 0.22
65. Die Welt war mir 0.55
66. Ein Jüngling liebt ein Mädchen 0.29
67. Wenn ich in deine Augen seh 0.21
68. Es geht am End 0.28
69.  Ich kann es nicht vergessen 0.27
70. Es war ein alter König 0.32
71. Erfahrung 0.35
72. Wer zum erstenmal liebt 0.22
73. In den Küssen welche Lüge 0.20
74. Der Abgekühlte 1.02
75. Alte Rose 0.56
76. Nun ist es Zeit 0.55
77. Die Liebesgluten o.18
78. Narretei 0.27

Texte: Heinrich Heine

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CD 2 (Biographie Heinrich Heine in Paris):
01. Kapitel 01 / 6.01
02. Kapitel 02 / 8.57
03. Kapitel 03 / 4.21
04. Kapitel 04 / 10.11
05. Kapitel 05 / 4.42
06. Kapitel 06 / 8.28
07. Kapitel 07 / 6.15
08. Kapitel 08 / 2.00
09. Kapitel 09 / 3.01
10. Kapitel 10 / 2.43
11. Kapitel 11 / 2.49
12. Kapitel 12 / 2.43
13. Kapitel 13 / 8.03

Text: Jörg Aufenanger

CD1A

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Heinrich Heine Collage (Klaus Oppermann)