Vince Weber – The Boogie Man (1975)

FrontCover1.jpgAls ich mich hier neulich ein wenig mit Vince Ebert beschäftigte, kam mir natürlich auch der Vince Weber in den Sinn.

Und damit war ich nicht allein. Ein Leser dieses Blogs schrieb mir nämlich:

„Der Weg von Vince Ebert zu Vince Weber ist nicht weit (Musikalisch schon) aber ich such schon ewig I’m the Boogie Man.“

Voila … hier ist das Album:

Weber erhielt mit 10 Jahren den ersten Klavierunterricht. Seine Schwester machte ihn mit Platten von Lightnin’ Hopkins, Champion Jack Dupree, Taj Mahal und vielen anderen Blues- und Boogie-Größen bekannt. Mit 16 Jahren spielte er in diversen Hamburger Kneipen im Hafen. So entstand ein zufälliges Treffen mit Otto Waalkes und ein Auftritt Webers in dessen Vorprogramm. 1976 erhielt Vince Weber den deutschen Schallplattenpreis für sein Album The Boogie Man auf dem Label von Waalkes Rüssel-Räckords. Die LP wurde teilweise in der Fabrik aufgenommen, wo er ab 1976 14 Jahre lang an jedem letzten Freitag im Monat auftrat. 1978 und 1979 unternahm er zwei Reisen in die USA – „Back to the Roots“, wie er sagte – und traf dort viele gute Leute und benutzte viele Pianos. 1980 wurde Weber Redakteur und Moderator beim NDR mit der Sendung Blues am Dienstag. Zwischenzeitlich unternahm er weitere Reisen in die USA nach Chicago, L.A. und San Francisco.

Weber spielte auf Festivals und Clubgigs unter anderem mit Big Joe Williams, Abi Wallenstein, Henry Heggen, Axel Zwingenberger, Jay McShann, James Booker, Chuck Berry und Champion Jack Dupree.

Er organisiert seit dem 8. August 1988 gemeinsam mit Axel Zwingenberger das internationale Festival The Hamburg Boogie Woogie Connection.

Krankheitsbedingt hat Vince Weber in den letzten Jahren seine Bühnenaktivitäten eingeschränkt. (Quelle: wkipedia)

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Rares Konzertplakat aus dem Jahr 1979

Und so erinnert sich Vince Weber an seine frühen Jahre:

„Also, 1963 – mit 10 Jahren – der erste Klavierunterricht. Habe leider wenig begriffen, hatte aber zwei Ohren. Dank meiner toleranten und liebevollen Eltern konnte ich Tag und Nacht improvisieren. Drei Jahre später habe ich den Blues erfunden. Meine Schwester zeigte mir Akkorde auf dem Klavier und brachte mir Aufnahmen von Lightnin‘ Hopkins, Champion Jack Dupree, Taj Mahal und vielen anderen Blues- und Boogie-Größen mit.

Die Bluenotes trafen mich mit voller Wucht. Mit 16 strolchte ich durch die Kneipen am Hafen (Zwiebel, Tante Hermine, River-Kassematten, u.s.w.). Zu der Zeit traf ich Hans-Georg Möller, der mir nun gänzlich die Ohren für Piano-Blues und Boogie öffnete. Die Musik wurde mein Leben. Ich machte alle Clubs unsicher, in denen ein Klavier rumstand. In einem dieser Läden traf ich eines Tages Otto Waalkes, der mich als sein Vorprogramm mit in die große weite Welt nahm. Nicht ganz einfach, aber lehrreich!

1976 dann die ersten offiziellen Lorbeeren: Ich wurde staatlich anerkannter Boogiefreak, d.h. ich bekam den deutschen Schallplattenpreis für mein erstes Album „The Boogie Man“ – auf Otto’s Label Rüssel-Räckords. Teilweise wurde das Album in Hamburg’s legendärer „Fabrik“ aufgenommen, wo ich von nun an 14 Jahre lang (!) jeden letzten Freitag im Monat spielte.“

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Und hier erklingt es noch einmal, dieses fulminante Debütalbum, das damals mächtig viel Eindruck machte.

Ich erinnere mich noch, dass ich – als Südstaatler – immer ein wenig nach Hamburg blickte, denn Mitte der 70er Jahre steppte dort wirklich der Bär, auch wegen eines Vince Werbers (Stichworte: Hamburger Szene, Onkel Pö & Co.)

Okay … let´s boogie all night long …  !

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Besetzung:
Vince Weber (piano, vocals)

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Titel:
01. I’m The Boogie Man (Weber) 3.34
02. Chicago Breakdown (Merriweather) 3.05
03. Dust My Broom (James) 3.37
04. Another Babe (Weber) 5.22
05. Talk To Me, Baby (Dixon) 2.58
06. Mr. Pinetop’s Job (Smith) 2.59
07. Days Began To Drive Me Down (Weber) 7.24
08. Boogie Woogie Runner (Weber) 6.06
09. Roll’em Pete (Williams) 4.05

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Tiger Willi – Pfui deifi is des Leben schee (2003)

TigerWilliFrontCoverUnd jetzt hat uns ein bayrisches Original verlassen … und deshalb dieser kenntnisreiche und liebevolle  Nachruf:

Zum Tod von Tiger Willi:
Ordinär und derb, „weil das Leben auch so ist“

Musiker Tiger Willi, mit bürgerlichem Namen Wilhelm Raabe, ist im Alter von 70 Jahren von der Bühne des Lebens abgetreten.

Leben heißt Leiden. Aber ohne Leid gäbe es keine Geilheit, keine Schönheit, keine Poesie – zumindest in der Philosophie eines Tiger Willi. Eines Künstlers, der für derb-brachialen Wortwitz ebenso stand wie für philosophischen Tiefgang. Ein Gratwanderer am Abgrund des Seins, wie er in Presseberichten genannt wurde. Ein Menschenfreund, ein Original und ein Gesamtkunstwerk. Eben ein Ereignis.

Vielleicht, weil er ein Mensch war, der in keine Schubladen passte. Ehrlich war er, authentisch und immer bizarr-komisch. Es konnte zum Beispiel gut passieren, dass sein Publikum Geduld haben musste, bis er sich seine Gitarre schnappte und die Vorstellung beginnen konnte: „I kumm glei, ich muaß ganz schnei no bies’ln“, murmelte er dann von der Bühne herunter und verschwand noch mal kurz. Weil er immer so nervös war, wenn er auftreten musste.

Schüchtern wirkte dieses kräftig gebaute Mannsbild manchmal, gerade in seinen Anfängen. Nachvollziehbar war das, wenn man bedenkt, dass das, was der Tiger Willi da so vor all den wildfremden Menschen herausließ, so etwas wie ein echter Seelenstriptease war. Ordinär, derb ging es in seinen Liedern zu, nicht, weil er selbst so gewesen wäre. Sondern „weil das Leben auch so ist“, sagte er immer wieder mal. Und widersprechen konnte man ihm da nicht.

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Der Tiger Willi mit Bonzo Keil

Der Tiger Willi begegnete Menschen stets mit Respekt, ausgesprochener Höflichkeit und Sensibilität. Er hatte ein großes Herz für die Schwachen, die Unterdrückten und die am Leben Gescheiterten – was auch Eingang in seine Texte fand. Zum Beispiel, wenn er in „Das Leben is a Schindermatz“ den Tod eines Heroinsüchtigen besang, dem der gesellschaftliche Absturz vorausging. Leise Töne schlug er da an. Ohne sich ein Urteil zu erlauben, weder über den Drogensüchtigen, den Dealer, die Prostituierte oder gar den Mörder, die ihn zu seinen Liedern inspirierten. Tiger Willi suchte vielmehr nach den Gründen, die Menschen dazu bringen, so zu handeln wie sie handeln.

Vielleicht war das so, weil er gar nicht anders konnte. Weil ihm selbst viel Schlimmes widerfahren ist. Der Tiger Willi, der im wirklichen Leben Wilhelm Raabe hieß, ist in Steinebach am Wörthsee aufgewachsen. Der „Kirchenwirt“ direkt im Zentrum des Ortes gehörte seiner Familie seit 1911. Tiger Willis Großvater Carl hatte das Lokal erworben, in dem später, 1947, der Tiger Willi geboren wurde. Im Alter von 15 Jahren verliert er den Vater, mit 18 die Mutter.

Der Tiger Willi hatte zu dieser Zeit schon fünf Jahre Kinderheim hinter sich: „Eine Folter war das“, erzählte er einmal. „Da hast erfahren, was Christentum heißt. Die Sünd’n haben’s dir da eingeredet, unglaublich.“ Nach dem Tod der Eltern wurde das Lokal verpachtet. Doch für den Tiger Willi blieb es sein Wohnzimmer, sein Zuhause. Oft saß er dort, erzählte von früher. Von prominenten Gästen wie Franz Beckenbauer oder dem RAF-Mitglied Günter Sonnenberg, der 1977 im Lokal übernachtete.

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Vielleicht war seine genaue Beobachtungsgabe seiner Kindheit, seiner Jugend, seinem Erwachsenenleben in einem Wirtshaus zuzuschreiben. Dort begriff er schnell, dass Menschen anders sind, als sie sein sollten. Sondern dass sie getrieben sind von ihren Begierden und besessen davon, kaputt zu machen, was sie eigentlich lieben.

So muss er es selbst empfunden haben, damals, als er sich gezwungen sah, den Beruf des Metzgers zu ergreifen. Einer wie er, der keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte. Zwischen Schinken und Kotelett hätten sich alle Belange des menschlichen Lebens abgespielt, hat er mal über diese Zeit gesagt. Er selbst überstand das alles mit Hilfe der Philosophie. Mit Schopenhauer maßgeblich. Und auch mit Nietzsche. Bisweilen stand er damals hinter der Theke, schnitt Bierwurst oder Schnitzel, erklärte dabei den dialektischen Materialismus oder rezitierte den Faust. Klar, dass so jemand eine andere Bühne als eine Fleischerei brauchte.

Mit 27 Jahren holte er das Abitur nach und studierte Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Sozialpädagogik. Seine Metzgerei in Steinebach gab er ab und betreute stattdessen junge Handwerker im Wohnheim des Bayerischen Bauindustrie Zentrums in Stockdorf. Dort trat er auch auf – weil die Handwerker seine Lieder mochten. Vor allem den „Isele Rock“, den er schon mit 19 Jahren geschrieben hatte, benannt nach seinem Lehrherrn.

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Viele andere Lieder und Gedichte sollten folgen, die er in seinem Wirtshaus zum Besten gab, aber auch auf vielen Bühnen in der Stadt. Etwa dem Heppel&Ettlich oder dem Theater im Fraunhofer. Fünf CDs hat er aufgenommen. Kritiker lobten ihn als Philosophen, der die fleischliche Lust auf recht eigene, teils skurrile, teils recht direkte Art thematisierte. Gleich mehrmals wurde er dafür ausgezeichnet – unter anderem 2012 mit dem Tassilo-Preis der SZ.

2011 wurde bei ihm Alzheimer diagnostiziert. Am Sonntag ist der Tiger Willi von der Bühne des Lebens abgetreten. Er wäre am 9. April 71 Jahre alt geworden. Am Freitag, 11 Uhr, soll er in seiner Heimatgemeinde beerdigt werden. Er hinterlässt seine Ehefrau Andrea. (Astrid Becker, Süddeutsche Zeitung, 12.03.18)

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Der Tiger Willi mit seiner Ehefrau Andrea

Und natürlich auch ein wenig Musik von diesem Querdenker … Hier sein drittes Album „Pfui deifi is des Leben schee“ aus dem Jahr 2003:

Das weißblaue Bundesland hat ja in den letzten 20 Jahren eine ganze Reihe singender Individualisten hervorgebracht: Willy Michl, Ringsgwandl, Haindling — sie alle haben ihre eigene Vorstellung vom Leben, von der Wirklichkeit und davon, wie man Lieder darüber singt.

Tiger Willi, ursprünglich von Beruf Metzger und heute Dichter, Sänger und Philosoph, passt in diese Reihe gut herein: Irgendwo zwischen Elvis, Bukowski und Schopenhauer singt er zur Gitarre seine Lieder über das Leben an und für sich — selbstredend auf Bayrisch. „Wie ein Tiger“ schreit er seine Lebenslust heraus und bringt uns zum Lachen über sein „Tigerhosl“ oder den „Mo ohne Kopf“, dichtet eine Ballade über Verführungen der Macht („Herr der Welt“), die fast ein verschollenes Goethe-Fragment sein könnte, und lässt und an den etwas derberen Niederungen männlicher Lebenslust teilhaben („Arsch und Mond“, „Leberfleck“). Tiger Willi ist dabei, wie er ist, nichts ist gekünstelt, konstruiert oder gewollt: Dieser Mann singt uns seinen Blues vor, lässt uns an seinem Seelenleben teilhaben und sorgt dafür, dass wir einen Riesenspaß haben.

Wer die oben genannten Willy Michl, Ringsgwandl oder Haindling zu schätzen weiß, der wird mit Pfui Deifi, is des Lebn schee seine Freude haben. (Hanno Güntsch)

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Eine ganz außergewöhnliche CD, die in Richtung schwarzer Humor geht und die für Fans des skurillen Geschmacks gemacht ist. Einmal reingehört, läßt sie süchtig werden. Der Tiger Willi ist die wohl schillerndste Figur der bayerischen Kabarettlandschaft. Zwischen Elvis und Schopenhauer – unter diesem Motto faßt der Tiger Willi seine Erkenntnisse über Lust und Leid zusammen. Geschichten, über Geschundene und Betrogene, über Liebe, Gewalt, Geilheit und Tod. Aber bei aller Verzweiflung ist der Tiger Willi ein Verführer, seinen Liedern liegen eingängige Melodien zugrunde, bayrischer Blues und Rock, gewürzt mit einer gehörigen Portion Erotik, denn der Einfluß von Elvis ist nicht zu überhören. Bemerkenswert auch die geniale Begleitung durch Bonzo Keil, dem Mann an der Gitarre. (Polly Polster)

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Der Tiger Willi bei einem Benefiz-Konzert für Ecuador (rechts ein weiteres bayerisches Blues-Ur-Vieh:  Georg „Schorsch“ Hampel

Tiger Willi ist die herausragende Figur unter den deutschsprachigen Liedermachern, seine Musik und vor allem seine Texte kleben nicht an der Oberfläche, auch wenn es manchmal beim ersten Hören so scheinen mag. Hinter vordergründig lustigen Bildern werden Abgründe Schopenhauerscher Provenienz deutlich, da muss er „schrein wia a Tiger“, um den Widerspruch zwischen dem menschlichen Anspruch auf das Göttliche und der tierisch quälenden Realität auszuhalten.
Nicht nur die Auftritte Tiger Willis, die er mit humorigen Erzählungen aus seinem bewegten Leben würzt, sind einsame Spitze, auch die CD „Pfui deifi is des Leben schee!“ muss man unbedingt gehört haben. (Gustl M.)

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Besetzung:
Bonzo Keil (guitar)
Tiger Willi (guitar, vocals)

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Titel:
01. Schrein wia r’a Tiger 2.37
02. Herr der Welt 5.17
03. Tigerhoserl 4.23
04. Mo Ohne Kopf 6.12
05. Allergie 2.21
06. Wurstsalat 4.47
07. Leberfleck 2.23
08. Lisi 2.55
09. Florenze und Mausebär 6.10
10. Stalingrad 6.09
11. Arsch und Mond 4.23
12. I sitz auf d’Nocht alloa 4.28

Musik und Texte: Tiger Willi

CD

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The Crossroad Blues Band – Smell The Tubes (1993)

FrontCover1Also … gibt man in Google „The Crossroad Blues Band – Smell The Tubes“ ein,  so findet man so gut wie nichts.

Man findest einen link zur Seite musik-sammler.de … aber da erfährt man auch nicht viel ….

Dabei gab es diese Band ja mal … Und dann wollte ich es wieder mal genauer wissen … na ja und jetzt weiss ich a bisserl mehr.

Also … Die Band stammt aus Bayern, genauer gesagt aus Palzing (Palzing wiederum ist ein Gemeindeteil von Zolling und Zolling liegt dann im Landkreis Freising, nördlich von München).

Von daher könnte man sage: ist halt ne Provinzband …

Treibende Kraft bei dieser Band war dann wohl ein  Andreas Kilger … und wenn er auch einer Band aus der Provinz vorstand … es spielten Enthusiasten. Und das hört man nicht nur der Musik an, sondern davon zeugen auch Anmerkungen zu den einzelnen Texten … da sind welche aus dem Donau-Delta ganz tief in die Geschichte und in ddie Botschaften des Blues eingestiegen und haben so auch ihre eigenen Lieder geformt und geschmiedet.

Und man gönnte sich auch den Gag zwei Songs von Peter Green einzuspielen, man verwendete dabei allerdings nur die jeweiligen Texte … die Musik stammte dann von der Band.

Und sie interpretierten ein Lied von der mir bis dato völlig unbekannten Gaye Adegbalola.

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Und so ist das Album einerseits ein wunderbar traditionelles Bluesalbum geworden, andererseits steckt es auch voller kleiner musikalischer Überraschungen …

Der Andreas Kilger war dann noch längere Zeit in der bayerischen Bluesszene aktiv, gründete auch ein eigenes Label (“

Später gab es dann eine gänzlich andere Orientierung: Zusammen mit seiner Frau Franka gründete er das  „Theater KnuTh“ („Kilgers nutzloses unsinniges Theater“) und widmete sich fortan dem Puppenspiel auf der Bühne.

Und der Elmar Mader spielt heute noch … und zwar in einer Country-Band namens „Traveling Bones“ … hm …

Zurück in das Jahr 1993 … da spielte so eine bayerische Provinzband den Blues … mit so viel Herzblut, dass ich ganz gerührt bin.

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Besetzung:
Andreas Kilger (guitar, vocals, harmonica)
Elmar Mader (guitar, slide-guitar, vocals)
Rainer Ostermeier (drums)
Sexy Sax (bass, vocals)

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Titel:
01. Watch Out (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Green) 4.25
02. Story (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 4.46
03. Talk To Your Daughter (Lenoir) 3.17
04. Breakman (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Smith) 8.03
05. Black Cat Blues (Kilger/Mader/Sax) 9.44
06. Rolling & Tumbling (Traditional) 3.44
07. Crossroad Train (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 5.46
08. Love That Burns (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Green) 7.00
09. Oneway Ticket (Kilger) 5.16
10. Captain (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Traditional) 5.10
11. Silent Thunder In My Heart (Adegbalola) 4.11
12. Crossroad (Johnson) 4.51
13. Drunken Blues (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 4.02
14. Going Down To Memphis (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 5.27

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Na ja, und dann stecke in der Hülle zu dieser CD noch dieser Zettel:

Grüsse

Erstanden habe ich die CD ja sehr günstig auf irgendeinem Flohmarkt und so ganz verstanden habe ich es nicht, warum man dann so eine Scheibe veräußert, ohne den sehr persönlichen Gruß vorher herauszunehmen. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass es der Gabriele auf ihrem weiterem Weg gut erging.

Engerling – So oder so (1988)

EngerlingFrontCover1Keine Frage:Engerling – eine meiner Lieblings Blues-Rock Bands, deren Wurzeln in der DDR waren:

„Wir wünschen Ihnen einen Guten Morgen“ grüßen Engerling mit dem Frühprogramm. Das Eröffnungsstück ihres 1988 erschienenen Albums „So oder so“ zeigt wo es langgeht: lyrisch und rockend durch den grauen Alltag.

Es ist die große Stärke von Engerling, dass sie Geschichten erzählen, die zwar irgendwie immer in der DDR zu Hause waren die aber auch jenseits der Mauerzeiten noch immer Alltagssituationen bis in den Kern treffen. Die laute Musik die man braucht, um wieder runter zu kommen nach einem harten Tag, die verschlossenen Gesichter am morgen, die verzweifelte Suche nach dem Unmöglichen.

Musikalisch hatte Engerling die Blueswurzeln zwar nicht verraten. Doch spielen die zwölf Takte in den Liedern nicht mehr diese Rolle, wie noch auf den ersten Alben. Doch dafür hatte Bodag Melodien gefunden, die ohne Anbiederung an irgendwelche jemals aktuellen Trends einfach zeitlos und gut sind.

Engerling1986

Engerling, 1986

Als 1988 „So oder so“ erschien, da waren es vor allem Lieder wie „Nr. 48“ und der „Narkose Blues“, die nicht nur im Radio nicht zu überhören waren. Sie waren auch bei der Bluesgemeinde echte Hits wegen ihrer Texte. (Nur das Muschellied von der „Tagtraum“ und „Gleichschritt“ vom ersten Album sind in ihrer Vieldeutigkeit dem zu vergleichen.) Als die Platte nach der Wende auf CD wiederveröffentlicht wurde, spendierte man ihr als Bonus zwei Titel: Die weiße Ziege und Da hilft kein Jammern waren bislang nur als Single erschienen und die wurde offiziell nicht mehr gespielt. Denn bei einer Melodie hatte sich Bodag zu deutlich bei einer Komposition von Willie Dixon bedient. (Quelle: wasser-prawda.eu)

Und der Wolfram Bodag konnte ja nicht nur komponieren, seine Texte sind auch heute noch mehr als hörenswert.

Und wenn man weiß, dass Engerling die europäische Tourband von Mitch Ryder ist … man wundert sich nicht …

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Alternative Frontcover

Besetzung:
Wolfram Bodag (keyboards, vocals, harmonica)
Manfred Pokrandt (bass)
Friedemann Schulz (drums)
Heiner Witte (guitar, slide-guitar)

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Titel:
01. Frühprogramm 5.33
02 Pfeif drauf 3.24
03 Moll’s Party 3.41
04 Nr. 48 4.21
05. Hat nichts gebracht 3.50
06. Narkose Blues 5.34
07. So oder so 4.27
08. Die anderen 5.03
09. Das letzte Lied 4.47

Musik + Texte: Wolfram Bodag

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Und hier ein Portrait der Band aus ihren frühen Jahren, einfach nur ganz und gar großartig … man lausche z.B. der slide-guitar bei er Instrumentalfassung von „Can´t Find My Way Home“ von Blind Faith !) … man lausche, was Wolfram Bodag über den Blues zu saen hat ….  Aufgenommen überwiegend in ihrem Proberaum in der Dunckerstraße, Berlin)

Dieter Kropp – Eine schöne Bescherung (2012)

FrontCover1Und nun zum Abschluß meiner diesjährigen Advents- und Weihnachtpräsentationen ein ganz besonderes Schmankerl:  „Süßer die Glocken nie klingen“ auf der Blueshhamonika intoniert !

Und das ist nicht der einzige Knaller auf diesem quietschfidelen Weihnachts-Album. Da gibt es dann noch „O Tannenbaum“ als Rock N Roll Schmachtfetzen … und dann noch „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ und natürlich ist auch „Stille Nacht, Heilige Nacht“ (als Blues-Instrumental) zu hören …

Hier weitere Gedanken zu dieser CD:

Sie alle haben es getan – von Elvis bis zu Billy Idol, und da darf Lippes Schmalztolle Nummer Eins natürlich nicht fehlen: Dieter Kropp hat eine Weihnachts-CD gemacht. „Eine schöne Bescherung …“ lautet der Titel.

Inlet02AIm Booklet erklärt Kropp direkt seine ganz persönliche Beziehung zu Weihnachtsplatten. Da gab es zunächst die, die in der Familie aufgelegt worden sind – und bald schon fand Klein-Dieter, früh infiziert vom Rock’n’Roll-Virus, heraus, „dass so ziemlich alle Künstler, die ich mochte und schätzte, schon mal Weihnachtsplatten gemacht hatten.“ Später auch Götz Alsmann & The Sentimental Pounders. Und damit gelangt man direkt zum Kropp von heute, dem adventlich gestimmten, der deutsch singt und es dazu ganz uramerikanisch swingen lässt.

Viele Gastmusiker waren bei den Aufnahmen dabei: Mickey Meinert spielte Gitarre, Zacky Tsoukas auf einem Stück die Drums, Anette Gebauer singt mal mit – präsent sind ansonsten häufig Bläser-Sektionen, die Tom Müller arrangierte, und flotte Doo-Wop-Chöre, die Peter-Andreas Stolle organisiert hat.

Zu hören gibt es Klassiker wie „Süßer die Glocken nie klingen“, „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Oh Tannebaum“ sowie moderne Klassiker wie „Rockin’ Around The Christmas Tree“ in der deutschen Version als „Wir tanzen um den Tannenbaum“, was auch für „Weißer Winterwald“ („Jingle Bells“) gilt, und Stücke aus der Feder von Mickey Meinert („Schöne Bescherung“) sowie Götz Alsmann („Der Weihnachtsumtausch“). Einige Nummern spielt Kropp als Instrumentals auf der Blues-Harp.

BookletFrontCover1Gut, gleich zum Auftakt klingt er da mit Glockengeläut bei „Süßer die Glocken…“ und beim Rauswerfer „Stille Nacht…“ arg traditionell, aber das ist gewollt, und man darf sich nicht davon in die Irre führen lassen. Dazwischen aber swingt es wie beim Brian-Setzer-Orchestra mit saftigen Bläsersätzen, da jammert Meinerts Slide-Gitarre mit Kropps Harp um die Wette. Stilistisch gibt es Swing, Blues, Country, Tex-Mex-Mambo und Rockabilly auf die Ohren – alles gespielt von versierten Musikern, und da ist das Lauschen schon eine wahre Freude. Ein Weihnachtsprogramm, das Spaß macht. (Sven Koch)

Eine weitere, ganz ausführlich Besprechung von Christian Reder habe ich dieser Präsentation beigelegt.

Also: ein ganz spezielles, besonderes Weihnachts – Album, das ich – kurz vor dem Ende meiner weihnachtlichen Entdeckungsreise durch deutsche Klänge dieser Art keinem vorenthalten wollte.

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Besetzung:
Dieter Kropp (vocals, harmonica)
Micky Meinert (guitar)
Jochen Reich (drums, percussion)
Dirk Vollbrecht (bass)
+
Annete Gebauer (background vocals)
Stefan Gössinger (trumpet)
Martin Grünzweig (trombone)
Dennis Koeckstadt (piano)
Achim Meier (organ)
Tom Müller (saxophone)
Peter Andreas Stolle (background vocals)
Athanasios Tsoukas (drums)

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Titel:
01. Süßer die Glocken nie klingen (Traditional) 1.54
02. Ein kleiner weißer Schneemann (Jingle Bells) (Piermont/Twardy) 2.04
03. Weißer Winterwald (Winter Wonderland) (Bernard/Schwielow) 2.10
04. Schöne Bescherung (Meinert) 2.48
05. Frohe Weihnacht, Baby (Meinert/Vollbrecht/Reich/Kropp/Janosa) 3.30
06. Schneeflöckchen, Weißröckchen (Traditional) 2.47
07. Morgen, Kinder, wird’s was geben (Hering/’Bartsch) 3.27
08. Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum (Traditional/Zarnack/Anschütz) 2.19
09. Weiße Weihnacht (White Christmas) (Berlin/Balz) 4.02
10. Leider nur ein Traum (Janosa) 2.58
11. Der Weihnachtsumtausch (Alsmann/Striepens) 3.03
12. Sonderangebote (Janosa/Kropp) 4.01
13. Rockin‘ Around The Christmas Tree (Wir tanzen um den Tannenbaum) (Marks) 2.36
14. Stille Nacht, Heilige Nacht (Gruber) 3.40

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Blues Co. – Ich hab den Blues schon´n bißchen länger (1982)

FrontCover1Nicht wegzudenken von der deutschen Blues-Szene, die „Blues Company“ … die sich auf diesem Frühwerk noch „Blues Co.“ nannten.

Die Blues Company ist eine deutsche Bluesband aus Osnabrück. Die Band hat über 20 Tonträger veröffentlicht, die beim Musiklabel Inakustik erscheinen. Mit der Frankfurt City Bluesband, der Pee Wee Bluesgang und der Band Das dritte Ohr gehört sie zu den Wegbereitern des Blues in Deutschland.

Die Band wurde 1976 von Todor „Toscho“ Todorovic und Christian Rannenberg als „Christian Rannenbergs Bluesband“ gegründet und kurze Zeit später in Blues Company umbenannt. Sie hat über 3000 Konzerte in ganz Europa gespielt.

Anfangs spielte die Band als Begleitband für die Bluesmusiker, die vom Veranstalter Rolf Schubert nach Europa geholt wurden. Die erste Platte entstand mit „Live“ im Jahr 1980. Seitdem sind noch zahlreiche Tonträger erschienen, welche die Band zur langlebigsten und erfolgreichsten deutschen Bluesband machten. (Quelle: wikipedia)

Ein bisschen dürftig diese wikipedia Zeilen … zumindest hätte doch dieses Album erwähnt werden müssen, denn dieses Album ist das einzige deutschsprachige Bluesalbum der Blues Company. Und musikalische waren sie bereits damals ziemlich hochwertig und die Text, hm, die bedienen sich ein wenig arg von gängigen Bluesklischees (besonders dürftig: „Boogie Typ“)… aber da finden sich auch Zeilen wie „Ich hab´ im Kopf nicht viel begriffen, doch mein Bauch verstand den Blues“. Feine Erinnerung, mir ging´s am Anfang meiner Musikbegeisterung ganz sicher nicht viel anders ! Und musikalisch ist die LP ne Wucht !

Also: zugreifen !

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Besetzung:
Rudi Marhold (drums)
jan Schäfer (piano)
Michael Schürmann (bass)
Todor Todorovic (guitar, vocals)
+
Günther Eschkotte (harmonica)

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Titel:
01. Ich hab´ den Blues schon ´n bisschen länger (Todorovic/Miller) 3.10
02. Lahmer Zahn (Todorovic/Michaelis) 7.01
03. Voll Breit (Todorovic/Michaelis) 4.14
04. Hey Bedienung (Todorovic/Dulisch) 4.35
05. Eifersucht (Todorovic) 3.44
06. Mag schon sein… (Todorovic/Miller) 6.13
07. Boogie Typ (Todorovic/Michaelis) 4.28
08. Ich komm´mir vor wie´n Blöder (Todorovic/Michaelis) 5.23

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Günther Wölfle – I möcht so gern a Rockstar sei (1978)

FrontCover1Ja, da hat der Hermann wieder mal zugeschlagen … und zwar mit einer ganz besonderen Mundart-LP aus dem Schwäbischen.

Günther Wölfle – Jahrgang 1951, ist hauptberuflich als Rechtsanwalt in Böblingen tätig.
Seit etwa 1973 erste Auftritte mit schwäbischen Lieder, 1975 belegte er Platz zwei beim Liedermacherwettwerb des SDR mit den Liedern „I mecht so gern a Rockstar sei“ und dem „Skat Blues“. Platz eins machte damals Wolle Kriwanek mit dem „Badewannenblues“.
Danach erschien die erste LP „I mecht so gern a Rockstar sei“, es folgten der Live-Mitschnitt „I glaub i werd so langsam alt“, zusammen mit dem Fingerpicking-Gitarristen Harry Häussel eingespielt, mit dem er dann auch viele Jahre zusammen auftrat.
1981 folgte die LP „Goischderfahrer“, ebenfalls mit Harry Häussel, aber auch mit Rockmusikern wie Werner Dannenmann aufgenommen.
Sein bekanntestes Lied ist sicherlich „Yeschderday“, doch auch der „Schwobakarle“ war oft im Rundfunk zu hören.

Günther Wölfle, im Zeitalter der Beatles und Stones aufgewachsen, hat derzeit viele Songs dieser Band auf schwäbisch im Programm. So wird aus „When I`m 64“ der Beatles schwäbisch – typisch „Wenn mir 40 sen“, oder aus „Angie“ von den Stones wird „Oh Marie Zuckerle“. Penny Lane wird zur „Marktgass“ und die Route 66 führt als Radweg von Kirchheim-Teck nach Oberlenningen.

Auch eigene neue Lieder sind im Programm, so das „Keller-Lied“ zu Stuttgart 21 oder das App-Lied“ zum Handy-Wahn. (Wolfgang Wutz)

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Günther Wölfle, Anfang der 80er Jahre

Und so blickt der Günther Wölfle zurück:

„Damals – lang, lang ist‘s her – studierte der Liedermacher und Schwaben-Blueser Günther Wölfle Jura in Tübingen. 1973, sein Studium hatte gerade begonnen, entstanden die ersten schwäbischen Texte und Lieder. So richtig bekannt, „dr Necker nauf on nonter“, wurde der langhaarige, lockige Barde nach dem Liedermacherwettbewerb beim Süddeutschen Rundfunk (SDR) 1977. Wolle Kriwanek belegte mit dem „Badewanna-Blues“ Platz eins, gefolgt von Günther Wölfle mit „I möcht‘ so gern a Rockstar sei“, und dem „Skat-Blues“. Danach nahm ihn die Schallplattenfirma EMI unter Vertrag und brachte den „Rockstar“ groß heraus.
Wölfle03„Des war mei beschte Zeit zwischa ‘77 ond ‘82. Damit hab‘ i mei Schtudium finanziert“, erinnert sich der inzwischen etwas ergraute, kurzhaarige Rechtsanwalt. War er bereits vor dem SDR-Wettbewerb in kultur-politischen Klubs, Jugendhäusern und ähnlichen als subversiv geltenden Einrichtungen zugange, so hatte er nach dem Schwaben-Contest zwischen Mannheim und dem Bodensee so richtig gut zu tun. Besonders der „Schwoba Karle“, der auf der ersten Wölfle-LP zu hören ist, hatte es seinen Zuhörern angetan.“

Und hier erschallt nun seine zutiefst sympthises Debütalbum … die Musik ist buesgetränkt, aber auch Anleihen von Barry McGuire sind zu hören, seine Begleitmusiker veredeln ein ums andere mal die Kompositionen mit feinen, nie aufdringlichen Beiträgen. Man lausche mal dem Saxophon bei „Frtagelied“.

Und die Texte … ja … die hat einer geschrieben, der ein so ganz aufmerksamer Beobachter des Alltags war (und vermutlich noch ist). Manchmal ein wenig sperrig, manchmal augenzwinkernd, manchmal poetisch, manchmal aber auch kritisch und bissig.

Oder, in anderen Worten: genau meine Kragenweite … und diesen Leckerbissen der besonderen Art haben wir dem Hermann zu verdanken … Vielen Dank !

Nürtinger Zeitung 1978

Besetzung:
Bodo Feldmann (bass)
Peter Finger (guitar)
Matthias Frey (piano, synthesizer)
Kurt Hummel (drums)
Günther Wölfle (vocals, guitar, harmonica, autoharp)
+
Peter Claasen (drums bei 01.)
Wilfried Kunkler (saxophone)
Volkmar Zimmermann (guitar bei 01.)

BackCover1

Titel:
01. I möcht so gern a Rockstar sei 2.20
02. Der Erlkönig 3.00
03. Schwobakarle 4.45
04. Skat-Blues 3.24
05. Isch es dann soweit 3.33
06. Spielautomaten-Blues 4.14
07. Käsblättle 3.56
08. Lied vom Warta 2.55
09. Fragelied 5.57
10. Wieder mol ischs achte 4.58

Musik und Texte: Günther Wölfle

LabelB1
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Wölfle02

Der aktuelle Günther Wölfle … still alive and well