Schorsch H. + Dr. Will – Together (2011)

FrontCover1Beide Musiker sind weitere Lokalmatadoren der Münchner/Oberbayerischen Blueszene: Schorsch H. sorgte mit seiner „Bagasch“ seit Jahren für Furore und Dr. Will hatte seine „Wizards“ und die waren auch nicht von schlechten Eltern.

Bereits im Dezmber 1980 stehen Schorsch H. und Dr. Will zum ersten Mal gemeinsam auf der Bühne. In den folgenden drei Jahrzehnten entwickeln die beiden ihre eigenen Projekte. Auf der Bühne wie auch im Studio finden immer wieder Begegnungen der „familiären Art“ statt.

Zu ihrem 30jährigen Bühnenjubiläum haben die Münchner Bluesbrüder im Heimstudio Nummern von Tom Waits, den Stones, CCR, u.a.,
eigene Songs und Chicago-Blues aufgenommen! Das Ergebnis ist mal pur und handgemacht, mal mit Loops und originellen Sounds unter
legt, dabei immer rau und authentisch.

Die Vorfreude in der Münchner Szene war groß und sie wurde nicht enttäuscht:

Als Nordlicht wusste ich bislang nicht, wer oder was ein „Boandlkramer“ ist. Mir reichte es, wenn die Münchner Dialektmusiker Schorsch H. und Dr. Will davon sangen. In den Linernotes zu ihrer CD Together fragen sie, ob oberhalb der Donau überhaupt jemand wisse, wer der Boandlkramer ist. Nicht ohne, dass Schorsch dieser Frage die Schilderung eines eigenes Erlebnisses voran stellt: „Den Song hab ich geschrieben nach einem längeren Krankenhausaufenthalt, wo der ‚Boandlkraner’ schon einmal angeklopft hat. So schnell kriegst Du mich noch nicht – schleich dich wieder!“

Der Rest kommt mit Dialektgesang, schwerem Schlagzeug und einem dem Deltablues entlehnten Bottleneck-Gitarrenspiel daher. Der Text über die Ablehnung des Boandlkamers ist unspektakulär einfach und hält sich, was nicht unbedingt zu deutschen Liedformen passt, an das AAB-Bluesschema. Derlei Annäherungen an afroamerikanische Musikformen gehen SchorschWillin deutschen Landen meistens schief, diesmal aber passt es, ermöglicht durch die Lässigkeit des Vortrages und die Einfachheit der Aussage: Schorsch will den Boandlkamer nicht, aus Empathie für den Sänger will ich den Boandlkamer auch nicht, besonders nachdem die Recherche ergibt, dass der Boandlkamer der Tod ist. Nein, den will ich nicht. So einfach ist das. Ich bin dagegen, dass mir das Lebenslicht ausgeblasen wird. Und ich bin gegen alle Personifikationen derer, die mir das Lebenslicht ausblasen könnten, eben gegen alle Knochenhändler. (Was eine genauere Übersetzung des „Boandlkramers“ ist.) Davon muss der Schorsch aber nicht singen. Es reicht ein „Schleich di“ und der in einfache Worte und simple Kalenderweisheiten gefasste Wunsch, zu überleben. Jeder weiß, wer die Händler des Todes sind, um ihnen ein „Schleich di“ entgegen zu rufen.

Es ist eine Kunst, so etwas singen zu können. Keine gute ist es hingegen, Leitartikel oder Parteiprogramme zu vertonen, lehrpädagogische Lyrik mit Musik zu versetzen. In das Fettnäpfchen „Bedeutungsschwangere Belehrungslyrik“, tappen Schorsch und Dr. Will glücklicherweise nicht, diese Malaise deutscher Liedermacher lassen sie hinter sich, weil sie die Lehren aus afroamerikanischer Blues-, Folk- und Populärmusik gezogen haben. Das Erfolgsrezept dieser Musiken lautet: „Finde einfache Worte und einen individuellen Ausdruck, der so individuell ist, dass sich viele, viele Hörer damit identifizieren können.“ Aus Hank Williams wurde so der vielgerühmte „Shakespeare der amerikanischen Musik“, aus Robert Johnson ein „Meisterpoet der afroamerikanischer Erfahrung“. Eine kleine Pretiose wie „Schleich Di Boandlkramer“ lässt hören, was an (Protest-) Kultur in deutscher Sprache möglich ist, gerade auch, wenn nicht jedes Wort sofort verständlich ist. (Harald Justin)

Hach, und es gäbe noch soviel mehr über dieses famose Album zu erzählen … z.B., dass Bluesklassiker wie „Let´s Work Together“ oder „Early In The Morning“ auf köstliche Weise eingedeutscht wurden (allerdings arg boarisch gesungen sind) und dass das liebevolle booklet auch kleine Statements der beiden Musiker zu den einzelnen Songs enthölt (diesmal allerdings in hochdeutsch !)

Also: wer auf schräg-anarchische Bluesmusik mit bayerischer Prägung steht … dem kann ich nur empfehlen: zugreifen !

Booklet03A

Besetzung:
Schorsch H.(ampel) (all instruments, vocals)
Dr. Will (all instruments, vocals)
+
The Voodoo Dolls (background vocals bei 04. + 14.)

BookletBackCover1

Titel:
01. Candy Man (Hurt) 0.32
02. Alle Mitnander (Lets Work Together) (Harrison) 2.42
03. Red Rooster (Dixon) 2.57
04. Boom Boom (Hooker) 4.3
05. Blues Stay Away From Me (Delmore/Rainey/Glover) 2.33
06. Neili fruea am Moing (Early In The Morning) (Hickman/Jordan/Bartley) 2.27
07. Medley: Born On The Bayou and Suzie Q (Fogerty/Hawkins/Lewis/Broadwater) 4.47
08. Dead Flowers (Jagger/Richards) 3.59
09. Bo Diddley Blues + Jedn Dog (McDaniels/Hampel)  3.07
10. Union Square (Waits) 1.59
11. Little Sister (Leiber/Stoller) 2.48
12. The Moon Is Full Again (Bakker/Hampel) 3.40
13. Schleich di Boandlkramer (Hampel) 2.18
14. Iko Iko (Crawford) 1.51
15. You Got To Move (McDowell) 3.12
16. I Don´t Wanna Grow Up (Waits/Brennan) 4.03

CD1

 

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Zither-Manä – Coole Zeid (2013)

FrontCover1Der „Zither Manä“ ist schlicht und ergreifend ein Urgestein der bayerischen Kleinkunstszene …

Der Zither-Manä (* 6. März 1947 in München als Manfred Zick) ist ein bayerischer Zitherspieler, pensionierter Berufsschullehrer und ein Vertreter der sogenannten Neuen Volksmusik.

Bereits im Alter von neuen Jahren erlernte er zunächst das Zither-, später das Gitarrespielen. Erste Bühnenerfahrung sammelte er im volkstümlichen Bereich, als er zusammen mit seinem Vater als Gitarrist auftrat. Nach der Mittleren Reife (heute: Realschulabschluss) begann er am Münchener Polytechnikum zu studieren, um später für einen Diplomstudiengang an die Technische Universität zu wechseln. Sein Ingenieurstudium der Elektroakustik finanzierte er als Rockmusiker. Nach einem ergänzenden Lehramtsstudium für Quereinsteiger begann er 1974/75 seine Beamtenlaufbahn als Referendar am Staatlichen Studienseminar Südbayern. Danach arbeitete der verbeamtete Berufsschullehrer bis zu seinem Vorruhestand im Jahr 2010 als Mathematik- und EDV-Lehrer sowie in der Lehrerfortbildung, zuletzt in der Position eines Studiendirektors. Daneben betrieb er weiterhin seine Karriere als Musiker. Zu seinen musikalischen Vorbildern zählt er so widersprüchliche musikalische Persönlichkeiten wie Chuck Berry, Freddy Quinn, Hannes Wader, Dieter Süverkrüp, Kiem Pauli und den Kraudn Sepp.

Der Zither-Manä war zunächst als Interpret von Volksmusik unterwegs, bis es am 6. Januar 1980 im Gasthof Nägele in Wörnsmühl bei Miesbach zu einer Session mit zwei Rockgitarristen kam. Der Zither-Manä erkannte die Möglichkeiten, die Zither als Improvisationsinstrument für Rock- und Bluesmusik zu nutzen. Das erste Solokonzert mit der Mischung aus traditioneller Volksmusik und Anleihen aus der Rockmusik und dem typischen Zither-Manä-Sound der elektronisch verstärkten und verzerrten Zither erfolgte in der Liederbühne Robinson in München.

Ab 1988 arbeitete der Zither-Manä hauptsächlich mit dem Bassisten H. H. Babe alias Hartmut Hotzel zusammen. Seit 2007 ist er nur noch solo auf Tournee. 2012 erhielt er die „Goldene Zither“, ein Ehrenpreis für seine Verdienste um die Weiterentwicklung der Zither und der Technik. Die Laudatio kam von Günther Sigl von der Spider Murphy Gang. (Quelle: wikipedia)

ZitherManäLive2010

Als der Zither Manä im letzten Jahr dieses Album veröffentlichte … ja es war sein erstes Album nach 15 Jahren, aber das warten hatte sich gelohnt :
Als ich diese CD in die Hand bekam, war ich erst einmal recht skeptisch. Zither Manä – Album „Coole Zeid“ … Das klingt recht stark nach Volksmusik, dachte ich. Mehr noch, irgendwie nach Mainstreamvolksmusik, Möchtegernkunst und Ähnlichem. Damit wir uns nicht falsch verstehen: traditionelle Musik, auch und gerade mit traditionellen Instrumenten gespielt und in Mundart, kann wirklich richtig gut sein, ist aber mindestens genauso oft eher Lärm als Musik. Wenn ich dann an Zither und bayrischen Dialekt oder Dudelsack und Plattdeutsch und ähnliches denke, kommt mir eine Flut von aktuellen Produktionen in den Sinn, die bei mir alles andere als Entzücken hervorrufen. Beim Album „Coole Zeid“ stellte mich also auf sowas wie das Harry-Lime-Thema aus „Der dritte Mann“, vielleicht sogar mit einem Jodler oder ähnlichen Stilmitteln angereichert, ein. Ich staunte nicht schlecht, wie weit das, was es auf dem Album zu hören gibt, von meinem Klischee abweicht.

Kaum klingen die ersten Töne des Titelsongs „Coole Zeid“ wird klar: Das ist musikalisch ganz starker, lupenreiner Rhythm & Blues. Daran haben zwar vor allem auch die Musiker, die Manfred Zick alias Zither Manä begleiten, einen riesigen Anteil. Denn von der typischen Zither hört man nur eingangs etwas, bevor sie hinter den super zusammenspielenden Instrumenten der Band (Mundharmonika: Ferdl Eichner | Gitarre: Frank Schimann | Schlagzeug: Thomas Bittner) zu verschwinden scheint. Man hört sie erst wieder in der Schlusssequenz des Songs, wo sie dann doch irgendwie nach dem „dritten Mann“ klingt. Doch schon in diesen kurzen Passagen wirkt die Zither originell und ist nicht nur „zu verkraften“.
Was den Gesang angeht, so ist Zick unüberhörbar Bayer. Doch nicht nur wegen der unverkennbaren Sprachfärbung sollte man genau hinhören. Trotz des bayrischen Akzents sind alle Texte sehr gut zu verstehen und es lohnt vor allem wegen deren Inhalten gut zuzuhören. Diese reichen von Alltagsthemen bis zu recht scharfzüngiger Gesellschaftskritik, und sind verpackt in feinstem Blues. Nicht selten ist eine ordentliche Portion Humor dabei, die allerdings gelegentlich etwas übertrieben wirkt. So sind die beiden Sprach- und Witzpassagen („Beamtenstilblüten“ und „Frauen über Männer“) auf der CD nicht wirklich nach meinem Geschmack. Das wirkt wie „fishing for compliments“, auch wenn die Themen sich in Liedern auf der CD wiederfinden. Für meine Begriffe hätte Zither Manä das nicht nötig gehabt.

Darüber hinaus wird auch englisch gesungen. Auch hier hört man mitunter die landsmännische Färbung heraus. Doch das stört – mich zumindest – wenig, besonders wenn wie beim zweiten Titel „Come on in my kitchen“ ein fantastisch bluesender Satzgesang zu hören ist. Je länger man zuhört, je mehr wird man mitgerissen. Zugleich kann man hören, dass die Zither, wenn man sie denn spielen kann, gar kein so exotisches oder langweiliges Instrument ist, wie man vielleicht annimmt. Und spielen kann Manfred Zick die Zither. Wenn er sein Instrument so richtig traktiert, dann kommen mir Gedanken an die amerikanische Volksmusik in den Sinn. Bei „Die Wüste lebt“ kann man sich schon mal fragen, ob die amerikanische Steel Guitar und spezielle Spielweisen im Blues vielleicht bayrische Wurzeln haben könnten. Ein grandioses Stück deutschen Blues. Zudem ist es beim genaueren Hinhören interessant, wie vielfältig die verschiedenen Zithern klingen können. Wie von Zick gespielt, macht die Zither jeder Gitarre große Konkurrenz.

Natürlich gibt es auch Songs, die das Zither- und Bayernklischee für das ungeübte Ohr 100%-ig bestätigen. So kann ich mit dem Titel „Faschingsnacht“ ganz und gar nichts anfangen. Auch „Andreas Trischberger“ ist ein Folklorestück, aber viel ansprechender als das Stück „Faschingsnacht“. Im Stück „Andreas Trischberger“ wird Zither in Perfektion gespielt. Das Stück ist dadurch sehr stimmig und erinnert sehr an ein gutes altes Bänkellied. Doch es gibt weit mehr, was mir musikalisch gut gefallen hat, und das soll nicht unerwähnt bleiben. Zugegeben, ich halte die CD nicht für das ultimative Meisterwerk schlechthin oder den Überflieger der Musikszene, doch sie ist in vielerlei Hinsicht hörenswert. Nicht nur für den Fankreis des Zither Manä. Wer sich auf „Coole Zeid“ einlässt, wird überrascht sein von dem, was er zu Gehör bekommt. Die CD in eine Schublade zu packen ist schlicht unmöglich. Dazu ist sie musikalisch und inhaltlich viel zu weit gefasst und abwechslungsreich. Mehrfach werden bekannte Titel aller Genres gecovert. So ist „Es dunkelt schon wieder in Deutschland“ eine gekonnte, tolle Fassung des Volksliedes „Es dunkelt schon in der Heide“, mit bissigem Text und einem sensationellen Übergang zum Blues. Leider ist es gesangstechnisch nicht das stärkste Stück der CD. Ein anderes tolles Cover ist „Cry to me“, ein Blues von Solomon Burke, der quasi 1:1 gecovert wurde und bei dem ich mich fast bis zum Ende gefragt habe, warum das Stück auf dem Album ist. Das klärt Zick auf, indem er aus dem alten Blues einen Landler macht und darauf verweist, dass es da wirklich Parallelen gibt.

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Gewissermaßen gecovert ist auch „Ja, in Bayern wohnt die Freiheit“. Kaum erklingt die Melodie, die an alte, „gar traurigen Moritaten“ auf einem Jahrmarkt erinnert, weiß man: Es wird gleich ein gewichtiges Thema recht locker dargeboten. Ich finde, Zick nimmt in diesem Stück die heile bayrische Welt so extrem auf die Schippe, wie in keinem anderen Lied auf dem Album. Und dazu passt seine Zither wie kein zweites Instrument. Prinzipiell ist es schön zu hören, wie er verschiedene bekannte Melodien in seine Stücke einfließen lässt. Oft nutzt er diese, um die Inhalte der jeweiligen Titel extra zu betonen. So wird mit dem Lied „Ja, in Bayern wohnt die Freiheit“ die Bayernhymne verrockt. Klasse!

Noch verrückter ist das Cover eines echten Klassikers. Das „Konzert C-Dur“ basiert auf dem 2. Satz (Andante) aus Mozarts Klavierkonzert Nr. 21 in C Dur. Zick entwickelt das Stück nach und nach zum Blues. Toll zu erleben, dass auch so etwas mit einer Zither gespielt werden kann, wenngleich das Werk insgesamt etwas gewöhnungsbedürftig klingt. Nicht wirklich gecovert ist hingegen „Walzing Matilda“, das hier in der Zither Manä-Fassung mit einem eigenen Text versehen ist. Es hat wenig mit dem bekannten Tom Tauberts Blues zu tun. So recht weiß ich nicht, warum gerade das Stück die CD abschließt. Ein Stück, das ich mir da gut hätte vorstellen können ist „Manä’s Harp Blues“. Meine Güte, ist das Stück stark! Mehrere Mundis, dazu ein paar Schläge auf der großen Trommel und so etwas wie angedeutetes Beatboxing. Spätestens bei diesen Stück zeigt sich sehr deutlich, dass der Zither Manä alles, nur kein volkstümlicher Möchtegernmusiker ist! Auch wenn man hier alles, nur keine Zither hört, aber das liegt bestimmt daran, dass der Manä sein Instrument mehrfach wie eine Gitarre klingen lässt.  Die CD umreist musikalische ein riesiges Feld.  Man findet neben „The mary of the wild moor“, das ein sehr stimmiges folkloristisches Stück ist und das vor allem durch das perfekte Zusammenspiel von Gitarre und Zither wirkt, einen Titel wie „Fields of Athenry“, eine gnadenlose, vor allem sprachliche Übertreibung eines weiteren Klassikers.

Beeindruckend ist auch die „Eröffnungshymne“. Hier covert der Manä ein Lied von 1905 mit einem sehr spitzen Text, für den Ludwig Thoma fünf Wochen Gefängnis bekam, und der an Aktualität nichts verloren hat. Allerdings hört man dabei ganz deutlich, dass Zick gesangstechnisch ein paar Probleme mit großen Höhen hat. Von der inhaltlichen Tiefe steht dem Thomatext der „Zither-Rock“ entgegen. Das Stück beginnt als Klassiker, um dann zu einem tollen 50er Jahre Rock’n Roll zu mutieren. Dazu hat es leider einen Text, der aus der Familie „reim dich oder ich fress dich“ zu stammen scheint. Musikalisch ist es allerdings perfekt, auch wenn wieder einige Passagen an große Vorbilder erinnert. Aber das hat klassischer Rock’n Roll wohl immer so an sich. Schließlich möchte ich noch auf den „Adventsblues“ verweisen. Da besticht Zick noch einmal mit einem musikalisch großen Stück Blues und starken, nicht nur bayrischen Lebensbetrachtungen.

Mein Fazit: „Coole Zeid“ vom Zither Manä ist eine CD, die man sich erst erhören muss. Konzeptionell ist sie mehr ein Querschnitt über die musikalischen Möglichkeiten der Zither die von Zick gekonnt, teilweise virtuos, vorgestellt werden. Neben lupenreinem Blues der Extraklasse finden sich Stücke, die ins volkstümliche und sogar in Richtung Klassik gehen. Die Texte sind größtenteils wirklich hörenswert und in ihrer Bedeutung mindestens gleichrangig der Zithermusik. „Coole Zeid“ ist sicher keine alltägliche CD und auch nicht nach jedermanns Geschmack. Doch wer sich darauf einlässt, kann hochinteressante Stücke entdecken und seinen Spaß an einem tollen Instrument und einem Könner seines Metiers finden. (Fred Heiduk)

So isses !

BookletBackCover1

Besetzung:
Thomas Bittner (drums)
Ferdl Eichner (harmonica)
Zither-Manä (zither, vocals, harmonica)
Frank Schiman (guitar)
+
H.H. Babe (bass bei 19. + 20.)

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Titel:
01. Coole Zeid (Zick) 4.40
02. Come On In My Kitchen (Johnson) 2.53
03. Frauen über Männer (live) (Zick) 2.34
04. Faschingsnacht (Traditional) 1.57
05. Es dunkelt schon wieder in Deutschland (Traditional/Zick) 2.44
06. Die Wüste lebt (Zick) 3.57
07. Andreas Trischberger (Traditional) 3.06
08. Manäs Harp Blues (Zick) 2.22
09. The Mary Of The Wild Moor (Traditional/Zick) 2.19
10. Ja, in Bayern wohnt die Freiheit (Rasin/Zick) 4.09
11. Fields Of Athenry (St.John) 4.17
12. Beamtenstilblüten (live) (Zick) 2.55
13. Eröffnungshymne (Thoma/Zick) 2.21
14. Schaftlacher Landler (Zick) 1.43
15. Zither-Rock (Zick) 4.46
16. Cry To Me (Russell) 5.08
17. Adventsblues (Zick) 3.09
18. Nimm mi mit (Holzer/Specht) 3.29
19. Konzert C-Dur (live) (Mozart) 4.54
20. Waltzing Mathilda (live) (Bogle/Zick) 6.10

CD1

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ZitherManä

Vince Weber – The Boogie Man (1975)

FrontCover1.jpgAls ich mich hier neulich ein wenig mit Vince Ebert beschäftigte, kam mir natürlich auch der Vince Weber in den Sinn.

Und damit war ich nicht allein. Ein Leser dieses Blogs schrieb mir nämlich:

„Der Weg von Vince Ebert zu Vince Weber ist nicht weit (Musikalisch schon) aber ich such schon ewig I’m the Boogie Man.“

Voila … hier ist das Album:

Weber erhielt mit 10 Jahren den ersten Klavierunterricht. Seine Schwester machte ihn mit Platten von Lightnin’ Hopkins, Champion Jack Dupree, Taj Mahal und vielen anderen Blues- und Boogie-Größen bekannt. Mit 16 Jahren spielte er in diversen Hamburger Kneipen im Hafen. So entstand ein zufälliges Treffen mit Otto Waalkes und ein Auftritt Webers in dessen Vorprogramm. 1976 erhielt Vince Weber den deutschen Schallplattenpreis für sein Album The Boogie Man auf dem Label von Waalkes Rüssel-Räckords. Die LP wurde teilweise in der Fabrik aufgenommen, wo er ab 1976 14 Jahre lang an jedem letzten Freitag im Monat auftrat. 1978 und 1979 unternahm er zwei Reisen in die USA – „Back to the Roots“, wie er sagte – und traf dort viele gute Leute und benutzte viele Pianos. 1980 wurde Weber Redakteur und Moderator beim NDR mit der Sendung Blues am Dienstag. Zwischenzeitlich unternahm er weitere Reisen in die USA nach Chicago, L.A. und San Francisco.

Weber spielte auf Festivals und Clubgigs unter anderem mit Big Joe Williams, Abi Wallenstein, Henry Heggen, Axel Zwingenberger, Jay McShann, James Booker, Chuck Berry und Champion Jack Dupree.

Er organisiert seit dem 8. August 1988 gemeinsam mit Axel Zwingenberger das internationale Festival The Hamburg Boogie Woogie Connection.

Krankheitsbedingt hat Vince Weber in den letzten Jahren seine Bühnenaktivitäten eingeschränkt. (Quelle: wkipedia)

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Rares Konzertplakat aus dem Jahr 1979

Und so erinnert sich Vince Weber an seine frühen Jahre:

„Also, 1963 – mit 10 Jahren – der erste Klavierunterricht. Habe leider wenig begriffen, hatte aber zwei Ohren. Dank meiner toleranten und liebevollen Eltern konnte ich Tag und Nacht improvisieren. Drei Jahre später habe ich den Blues erfunden. Meine Schwester zeigte mir Akkorde auf dem Klavier und brachte mir Aufnahmen von Lightnin‘ Hopkins, Champion Jack Dupree, Taj Mahal und vielen anderen Blues- und Boogie-Größen mit.

Die Bluenotes trafen mich mit voller Wucht. Mit 16 strolchte ich durch die Kneipen am Hafen (Zwiebel, Tante Hermine, River-Kassematten, u.s.w.). Zu der Zeit traf ich Hans-Georg Möller, der mir nun gänzlich die Ohren für Piano-Blues und Boogie öffnete. Die Musik wurde mein Leben. Ich machte alle Clubs unsicher, in denen ein Klavier rumstand. In einem dieser Läden traf ich eines Tages Otto Waalkes, der mich als sein Vorprogramm mit in die große weite Welt nahm. Nicht ganz einfach, aber lehrreich!

1976 dann die ersten offiziellen Lorbeeren: Ich wurde staatlich anerkannter Boogiefreak, d.h. ich bekam den deutschen Schallplattenpreis für mein erstes Album „The Boogie Man“ – auf Otto’s Label Rüssel-Räckords. Teilweise wurde das Album in Hamburg’s legendärer „Fabrik“ aufgenommen, wo ich von nun an 14 Jahre lang (!) jeden letzten Freitag im Monat spielte.“

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Und hier erklingt es noch einmal, dieses fulminante Debütalbum, das damals mächtig viel Eindruck machte.

Ich erinnere mich noch, dass ich – als Südstaatler – immer ein wenig nach Hamburg blickte, denn Mitte der 70er Jahre steppte dort wirklich der Bär, auch wegen eines Vince Werbers (Stichworte: Hamburger Szene, Onkel Pö & Co.)

Okay … let´s boogie all night long …  !

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Besetzung:
Vince Weber (piano, vocals)

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Titel:
01. I’m The Boogie Man (Weber) 3.34
02. Chicago Breakdown (Merriweather) 3.05
03. Dust My Broom (James) 3.37
04. Another Babe (Weber) 5.22
05. Talk To Me, Baby (Dixon) 2.58
06. Mr. Pinetop’s Job (Smith) 2.59
07. Days Began To Drive Me Down (Weber) 7.24
08. Boogie Woogie Runner (Weber) 6.06
09. Roll’em Pete (Williams) 4.05

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Tiger Willi – Pfui deifi is des Leben schee (2003)

TigerWilliFrontCoverUnd jetzt hat uns ein bayrisches Original verlassen … und deshalb dieser kenntnisreiche und liebevolle  Nachruf:

Zum Tod von Tiger Willi:
Ordinär und derb, „weil das Leben auch so ist“

Musiker Tiger Willi, mit bürgerlichem Namen Wilhelm Raabe, ist im Alter von 70 Jahren von der Bühne des Lebens abgetreten.

Leben heißt Leiden. Aber ohne Leid gäbe es keine Geilheit, keine Schönheit, keine Poesie – zumindest in der Philosophie eines Tiger Willi. Eines Künstlers, der für derb-brachialen Wortwitz ebenso stand wie für philosophischen Tiefgang. Ein Gratwanderer am Abgrund des Seins, wie er in Presseberichten genannt wurde. Ein Menschenfreund, ein Original und ein Gesamtkunstwerk. Eben ein Ereignis.

Vielleicht, weil er ein Mensch war, der in keine Schubladen passte. Ehrlich war er, authentisch und immer bizarr-komisch. Es konnte zum Beispiel gut passieren, dass sein Publikum Geduld haben musste, bis er sich seine Gitarre schnappte und die Vorstellung beginnen konnte: „I kumm glei, ich muaß ganz schnei no bies’ln“, murmelte er dann von der Bühne herunter und verschwand noch mal kurz. Weil er immer so nervös war, wenn er auftreten musste.

Schüchtern wirkte dieses kräftig gebaute Mannsbild manchmal, gerade in seinen Anfängen. Nachvollziehbar war das, wenn man bedenkt, dass das, was der Tiger Willi da so vor all den wildfremden Menschen herausließ, so etwas wie ein echter Seelenstriptease war. Ordinär, derb ging es in seinen Liedern zu, nicht, weil er selbst so gewesen wäre. Sondern „weil das Leben auch so ist“, sagte er immer wieder mal. Und widersprechen konnte man ihm da nicht.

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Der Tiger Willi mit Bonzo Keil

Der Tiger Willi begegnete Menschen stets mit Respekt, ausgesprochener Höflichkeit und Sensibilität. Er hatte ein großes Herz für die Schwachen, die Unterdrückten und die am Leben Gescheiterten – was auch Eingang in seine Texte fand. Zum Beispiel, wenn er in „Das Leben is a Schindermatz“ den Tod eines Heroinsüchtigen besang, dem der gesellschaftliche Absturz vorausging. Leise Töne schlug er da an. Ohne sich ein Urteil zu erlauben, weder über den Drogensüchtigen, den Dealer, die Prostituierte oder gar den Mörder, die ihn zu seinen Liedern inspirierten. Tiger Willi suchte vielmehr nach den Gründen, die Menschen dazu bringen, so zu handeln wie sie handeln.

Vielleicht war das so, weil er gar nicht anders konnte. Weil ihm selbst viel Schlimmes widerfahren ist. Der Tiger Willi, der im wirklichen Leben Wilhelm Raabe hieß, ist in Steinebach am Wörthsee aufgewachsen. Der „Kirchenwirt“ direkt im Zentrum des Ortes gehörte seiner Familie seit 1911. Tiger Willis Großvater Carl hatte das Lokal erworben, in dem später, 1947, der Tiger Willi geboren wurde. Im Alter von 15 Jahren verliert er den Vater, mit 18 die Mutter.

Der Tiger Willi hatte zu dieser Zeit schon fünf Jahre Kinderheim hinter sich: „Eine Folter war das“, erzählte er einmal. „Da hast erfahren, was Christentum heißt. Die Sünd’n haben’s dir da eingeredet, unglaublich.“ Nach dem Tod der Eltern wurde das Lokal verpachtet. Doch für den Tiger Willi blieb es sein Wohnzimmer, sein Zuhause. Oft saß er dort, erzählte von früher. Von prominenten Gästen wie Franz Beckenbauer oder dem RAF-Mitglied Günter Sonnenberg, der 1977 im Lokal übernachtete.

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Vielleicht war seine genaue Beobachtungsgabe seiner Kindheit, seiner Jugend, seinem Erwachsenenleben in einem Wirtshaus zuzuschreiben. Dort begriff er schnell, dass Menschen anders sind, als sie sein sollten. Sondern dass sie getrieben sind von ihren Begierden und besessen davon, kaputt zu machen, was sie eigentlich lieben.

So muss er es selbst empfunden haben, damals, als er sich gezwungen sah, den Beruf des Metzgers zu ergreifen. Einer wie er, der keiner Fliege etwas zu Leide tun konnte. Zwischen Schinken und Kotelett hätten sich alle Belange des menschlichen Lebens abgespielt, hat er mal über diese Zeit gesagt. Er selbst überstand das alles mit Hilfe der Philosophie. Mit Schopenhauer maßgeblich. Und auch mit Nietzsche. Bisweilen stand er damals hinter der Theke, schnitt Bierwurst oder Schnitzel, erklärte dabei den dialektischen Materialismus oder rezitierte den Faust. Klar, dass so jemand eine andere Bühne als eine Fleischerei brauchte.

Mit 27 Jahren holte er das Abitur nach und studierte Geschichte, Kunstgeschichte, Philosophie und Sozialpädagogik. Seine Metzgerei in Steinebach gab er ab und betreute stattdessen junge Handwerker im Wohnheim des Bayerischen Bauindustrie Zentrums in Stockdorf. Dort trat er auch auf – weil die Handwerker seine Lieder mochten. Vor allem den „Isele Rock“, den er schon mit 19 Jahren geschrieben hatte, benannt nach seinem Lehrherrn.

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Viele andere Lieder und Gedichte sollten folgen, die er in seinem Wirtshaus zum Besten gab, aber auch auf vielen Bühnen in der Stadt. Etwa dem Heppel&Ettlich oder dem Theater im Fraunhofer. Fünf CDs hat er aufgenommen. Kritiker lobten ihn als Philosophen, der die fleischliche Lust auf recht eigene, teils skurrile, teils recht direkte Art thematisierte. Gleich mehrmals wurde er dafür ausgezeichnet – unter anderem 2012 mit dem Tassilo-Preis der SZ.

2011 wurde bei ihm Alzheimer diagnostiziert. Am Sonntag ist der Tiger Willi von der Bühne des Lebens abgetreten. Er wäre am 9. April 71 Jahre alt geworden. Am Freitag, 11 Uhr, soll er in seiner Heimatgemeinde beerdigt werden. Er hinterlässt seine Ehefrau Andrea. (Astrid Becker, Süddeutsche Zeitung, 12.03.18)

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Der Tiger Willi mit seiner Ehefrau Andrea

Und natürlich auch ein wenig Musik von diesem Querdenker … Hier sein drittes Album „Pfui deifi is des Leben schee“ aus dem Jahr 2003:

Das weißblaue Bundesland hat ja in den letzten 20 Jahren eine ganze Reihe singender Individualisten hervorgebracht: Willy Michl, Ringsgwandl, Haindling — sie alle haben ihre eigene Vorstellung vom Leben, von der Wirklichkeit und davon, wie man Lieder darüber singt.

Tiger Willi, ursprünglich von Beruf Metzger und heute Dichter, Sänger und Philosoph, passt in diese Reihe gut herein: Irgendwo zwischen Elvis, Bukowski und Schopenhauer singt er zur Gitarre seine Lieder über das Leben an und für sich — selbstredend auf Bayrisch. „Wie ein Tiger“ schreit er seine Lebenslust heraus und bringt uns zum Lachen über sein „Tigerhosl“ oder den „Mo ohne Kopf“, dichtet eine Ballade über Verführungen der Macht („Herr der Welt“), die fast ein verschollenes Goethe-Fragment sein könnte, und lässt und an den etwas derberen Niederungen männlicher Lebenslust teilhaben („Arsch und Mond“, „Leberfleck“). Tiger Willi ist dabei, wie er ist, nichts ist gekünstelt, konstruiert oder gewollt: Dieser Mann singt uns seinen Blues vor, lässt uns an seinem Seelenleben teilhaben und sorgt dafür, dass wir einen Riesenspaß haben.

Wer die oben genannten Willy Michl, Ringsgwandl oder Haindling zu schätzen weiß, der wird mit Pfui Deifi, is des Lebn schee seine Freude haben. (Hanno Güntsch)

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Eine ganz außergewöhnliche CD, die in Richtung schwarzer Humor geht und die für Fans des skurillen Geschmacks gemacht ist. Einmal reingehört, läßt sie süchtig werden. Der Tiger Willi ist die wohl schillerndste Figur der bayerischen Kabarettlandschaft. Zwischen Elvis und Schopenhauer – unter diesem Motto faßt der Tiger Willi seine Erkenntnisse über Lust und Leid zusammen. Geschichten, über Geschundene und Betrogene, über Liebe, Gewalt, Geilheit und Tod. Aber bei aller Verzweiflung ist der Tiger Willi ein Verführer, seinen Liedern liegen eingängige Melodien zugrunde, bayrischer Blues und Rock, gewürzt mit einer gehörigen Portion Erotik, denn der Einfluß von Elvis ist nicht zu überhören. Bemerkenswert auch die geniale Begleitung durch Bonzo Keil, dem Mann an der Gitarre. (Polly Polster)

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Der Tiger Willi bei einem Benefiz-Konzert für Ecuador (rechts ein weiteres bayerisches Blues-Ur-Vieh:  Georg „Schorsch“ Hampel

Tiger Willi ist die herausragende Figur unter den deutschsprachigen Liedermachern, seine Musik und vor allem seine Texte kleben nicht an der Oberfläche, auch wenn es manchmal beim ersten Hören so scheinen mag. Hinter vordergründig lustigen Bildern werden Abgründe Schopenhauerscher Provenienz deutlich, da muss er „schrein wia a Tiger“, um den Widerspruch zwischen dem menschlichen Anspruch auf das Göttliche und der tierisch quälenden Realität auszuhalten.
Nicht nur die Auftritte Tiger Willis, die er mit humorigen Erzählungen aus seinem bewegten Leben würzt, sind einsame Spitze, auch die CD „Pfui deifi is des Leben schee!“ muss man unbedingt gehört haben. (Gustl M.)

GasthausRaabe

Besetzung:
Bonzo Keil (guitar)
Tiger Willi (guitar, vocals)

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Titel:
01. Schrein wia r’a Tiger 2.37
02. Herr der Welt 5.17
03. Tigerhoserl 4.23
04. Mo Ohne Kopf 6.12
05. Allergie 2.21
06. Wurstsalat 4.47
07. Leberfleck 2.23
08. Lisi 2.55
09. Florenze und Mausebär 6.10
10. Stalingrad 6.09
11. Arsch und Mond 4.23
12. I sitz auf d’Nocht alloa 4.28

Musik und Texte: Tiger Willi

CD

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The Crossroad Blues Band – Smell The Tubes (1993)

FrontCover1Also … gibt man in Google „The Crossroad Blues Band – Smell The Tubes“ ein,  so findet man so gut wie nichts.

Man findest einen link zur Seite musik-sammler.de … aber da erfährt man auch nicht viel ….

Dabei gab es diese Band ja mal … Und dann wollte ich es wieder mal genauer wissen … na ja und jetzt weiss ich a bisserl mehr.

Also … Die Band stammt aus Bayern, genauer gesagt aus Palzing (Palzing wiederum ist ein Gemeindeteil von Zolling und Zolling liegt dann im Landkreis Freising, nördlich von München).

Von daher könnte man sage: ist halt ne Provinzband …

Treibende Kraft bei dieser Band war dann wohl ein  Andreas Kilger … und wenn er auch einer Band aus der Provinz vorstand … es spielten Enthusiasten. Und das hört man nicht nur der Musik an, sondern davon zeugen auch Anmerkungen zu den einzelnen Texten … da sind welche aus dem Donau-Delta ganz tief in die Geschichte und in ddie Botschaften des Blues eingestiegen und haben so auch ihre eigenen Lieder geformt und geschmiedet.

Und man gönnte sich auch den Gag zwei Songs von Peter Green einzuspielen, man verwendete dabei allerdings nur die jeweiligen Texte … die Musik stammte dann von der Band.

Und sie interpretierten ein Lied von der mir bis dato völlig unbekannten Gaye Adegbalola.

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Und so ist das Album einerseits ein wunderbar traditionelles Bluesalbum geworden, andererseits steckt es auch voller kleiner musikalischer Überraschungen …

Der Andreas Kilger war dann noch längere Zeit in der bayerischen Bluesszene aktiv, gründete auch ein eigenes Label (“

Später gab es dann eine gänzlich andere Orientierung: Zusammen mit seiner Frau Franka gründete er das  „Theater KnuTh“ („Kilgers nutzloses unsinniges Theater“) und widmete sich fortan dem Puppenspiel auf der Bühne.

Und der Elmar Mader spielt heute noch … und zwar in einer Country-Band namens „Traveling Bones“ … hm …

Zurück in das Jahr 1993 … da spielte so eine bayerische Provinzband den Blues … mit so viel Herzblut, dass ich ganz gerührt bin.

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Besetzung:
Andreas Kilger (guitar, vocals, harmonica)
Elmar Mader (guitar, slide-guitar, vocals)
Rainer Ostermeier (drums)
Sexy Sax (bass, vocals)

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Titel:
01. Watch Out (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Green) 4.25
02. Story (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 4.46
03. Talk To Your Daughter (Lenoir) 3.17
04. Breakman (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Smith) 8.03
05. Black Cat Blues (Kilger/Mader/Sax) 9.44
06. Rolling & Tumbling (Traditional) 3.44
07. Crossroad Train (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 5.46
08. Love That Burns (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Green) 7.00
09. Oneway Ticket (Kilger) 5.16
10. Captain (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier/Traditional) 5.10
11. Silent Thunder In My Heart (Adegbalola) 4.11
12. Crossroad (Johnson) 4.51
13. Drunken Blues (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 4.02
14. Going Down To Memphis (Kilger/Mader/Sax/Ostermeier) 5.27

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Na ja, und dann stecke in der Hülle zu dieser CD noch dieser Zettel:

Grüsse

Erstanden habe ich die CD ja sehr günstig auf irgendeinem Flohmarkt und so ganz verstanden habe ich es nicht, warum man dann so eine Scheibe veräußert, ohne den sehr persönlichen Gruß vorher herauszunehmen. Ich hoffe jetzt einfach mal, dass es der Gabriele auf ihrem weiterem Weg gut erging.

Engerling – So oder so (1988)

EngerlingFrontCover1Keine Frage:Engerling – eine meiner Lieblings Blues-Rock Bands, deren Wurzeln in der DDR waren:

„Wir wünschen Ihnen einen Guten Morgen“ grüßen Engerling mit dem Frühprogramm. Das Eröffnungsstück ihres 1988 erschienenen Albums „So oder so“ zeigt wo es langgeht: lyrisch und rockend durch den grauen Alltag.

Es ist die große Stärke von Engerling, dass sie Geschichten erzählen, die zwar irgendwie immer in der DDR zu Hause waren die aber auch jenseits der Mauerzeiten noch immer Alltagssituationen bis in den Kern treffen. Die laute Musik die man braucht, um wieder runter zu kommen nach einem harten Tag, die verschlossenen Gesichter am morgen, die verzweifelte Suche nach dem Unmöglichen.

Musikalisch hatte Engerling die Blueswurzeln zwar nicht verraten. Doch spielen die zwölf Takte in den Liedern nicht mehr diese Rolle, wie noch auf den ersten Alben. Doch dafür hatte Bodag Melodien gefunden, die ohne Anbiederung an irgendwelche jemals aktuellen Trends einfach zeitlos und gut sind.

Engerling1986

Engerling, 1986

Als 1988 „So oder so“ erschien, da waren es vor allem Lieder wie „Nr. 48“ und der „Narkose Blues“, die nicht nur im Radio nicht zu überhören waren. Sie waren auch bei der Bluesgemeinde echte Hits wegen ihrer Texte. (Nur das Muschellied von der „Tagtraum“ und „Gleichschritt“ vom ersten Album sind in ihrer Vieldeutigkeit dem zu vergleichen.) Als die Platte nach der Wende auf CD wiederveröffentlicht wurde, spendierte man ihr als Bonus zwei Titel: Die weiße Ziege und Da hilft kein Jammern waren bislang nur als Single erschienen und die wurde offiziell nicht mehr gespielt. Denn bei einer Melodie hatte sich Bodag zu deutlich bei einer Komposition von Willie Dixon bedient. (Quelle: wasser-prawda.eu)

Und der Wolfram Bodag konnte ja nicht nur komponieren, seine Texte sind auch heute noch mehr als hörenswert.

Und wenn man weiß, dass Engerling die europäische Tourband von Mitch Ryder ist … man wundert sich nicht …

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Alternative Frontcover

Besetzung:
Wolfram Bodag (keyboards, vocals, harmonica)
Manfred Pokrandt (bass)
Friedemann Schulz (drums)
Heiner Witte (guitar, slide-guitar)

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Titel:
01. Frühprogramm 5.33
02 Pfeif drauf 3.24
03 Moll’s Party 3.41
04 Nr. 48 4.21
05. Hat nichts gebracht 3.50
06. Narkose Blues 5.34
07. So oder so 4.27
08. Die anderen 5.03
09. Das letzte Lied 4.47

Musik + Texte: Wolfram Bodag

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Und hier ein Portrait der Band aus ihren frühen Jahren, einfach nur ganz und gar großartig … man lausche z.B. der slide-guitar bei er Instrumentalfassung von „Can´t Find My Way Home“ von Blind Faith !) … man lausche, was Wolfram Bodag über den Blues zu saen hat ….  Aufgenommen überwiegend in ihrem Proberaum in der Dunckerstraße, Berlin)

Dieter Kropp – Eine schöne Bescherung (2012)

FrontCover1Und nun zum Abschluß meiner diesjährigen Advents- und Weihnachtpräsentationen ein ganz besonderes Schmankerl:  „Süßer die Glocken nie klingen“ auf der Blueshhamonika intoniert !

Und das ist nicht der einzige Knaller auf diesem quietschfidelen Weihnachts-Album. Da gibt es dann noch „O Tannenbaum“ als Rock N Roll Schmachtfetzen … und dann noch „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Morgen, Kinder, wird’s was geben“ und natürlich ist auch „Stille Nacht, Heilige Nacht“ (als Blues-Instrumental) zu hören …

Hier weitere Gedanken zu dieser CD:

Sie alle haben es getan – von Elvis bis zu Billy Idol, und da darf Lippes Schmalztolle Nummer Eins natürlich nicht fehlen: Dieter Kropp hat eine Weihnachts-CD gemacht. „Eine schöne Bescherung …“ lautet der Titel.

Inlet02AIm Booklet erklärt Kropp direkt seine ganz persönliche Beziehung zu Weihnachtsplatten. Da gab es zunächst die, die in der Familie aufgelegt worden sind – und bald schon fand Klein-Dieter, früh infiziert vom Rock’n’Roll-Virus, heraus, „dass so ziemlich alle Künstler, die ich mochte und schätzte, schon mal Weihnachtsplatten gemacht hatten.“ Später auch Götz Alsmann & The Sentimental Pounders. Und damit gelangt man direkt zum Kropp von heute, dem adventlich gestimmten, der deutsch singt und es dazu ganz uramerikanisch swingen lässt.

Viele Gastmusiker waren bei den Aufnahmen dabei: Mickey Meinert spielte Gitarre, Zacky Tsoukas auf einem Stück die Drums, Anette Gebauer singt mal mit – präsent sind ansonsten häufig Bläser-Sektionen, die Tom Müller arrangierte, und flotte Doo-Wop-Chöre, die Peter-Andreas Stolle organisiert hat.

Zu hören gibt es Klassiker wie „Süßer die Glocken nie klingen“, „Schneeflöckchen, Weißröckchen“, „Stille Nacht, heilige Nacht“ und „Oh Tannebaum“ sowie moderne Klassiker wie „Rockin’ Around The Christmas Tree“ in der deutschen Version als „Wir tanzen um den Tannenbaum“, was auch für „Weißer Winterwald“ („Jingle Bells“) gilt, und Stücke aus der Feder von Mickey Meinert („Schöne Bescherung“) sowie Götz Alsmann („Der Weihnachtsumtausch“). Einige Nummern spielt Kropp als Instrumentals auf der Blues-Harp.

BookletFrontCover1Gut, gleich zum Auftakt klingt er da mit Glockengeläut bei „Süßer die Glocken…“ und beim Rauswerfer „Stille Nacht…“ arg traditionell, aber das ist gewollt, und man darf sich nicht davon in die Irre führen lassen. Dazwischen aber swingt es wie beim Brian-Setzer-Orchestra mit saftigen Bläsersätzen, da jammert Meinerts Slide-Gitarre mit Kropps Harp um die Wette. Stilistisch gibt es Swing, Blues, Country, Tex-Mex-Mambo und Rockabilly auf die Ohren – alles gespielt von versierten Musikern, und da ist das Lauschen schon eine wahre Freude. Ein Weihnachtsprogramm, das Spaß macht. (Sven Koch)

Eine weitere, ganz ausführlich Besprechung von Christian Reder habe ich dieser Präsentation beigelegt.

Also: ein ganz spezielles, besonderes Weihnachts – Album, das ich – kurz vor dem Ende meiner weihnachtlichen Entdeckungsreise durch deutsche Klänge dieser Art keinem vorenthalten wollte.

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Besetzung:
Dieter Kropp (vocals, harmonica)
Micky Meinert (guitar)
Jochen Reich (drums, percussion)
Dirk Vollbrecht (bass)
+
Annete Gebauer (background vocals)
Stefan Gössinger (trumpet)
Martin Grünzweig (trombone)
Dennis Koeckstadt (piano)
Achim Meier (organ)
Tom Müller (saxophone)
Peter Andreas Stolle (background vocals)
Athanasios Tsoukas (drums)

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Titel:
01. Süßer die Glocken nie klingen (Traditional) 1.54
02. Ein kleiner weißer Schneemann (Jingle Bells) (Piermont/Twardy) 2.04
03. Weißer Winterwald (Winter Wonderland) (Bernard/Schwielow) 2.10
04. Schöne Bescherung (Meinert) 2.48
05. Frohe Weihnacht, Baby (Meinert/Vollbrecht/Reich/Kropp/Janosa) 3.30
06. Schneeflöckchen, Weißröckchen (Traditional) 2.47
07. Morgen, Kinder, wird’s was geben (Hering/’Bartsch) 3.27
08. Oh Tannenbaum, Oh Tannenbaum (Traditional/Zarnack/Anschütz) 2.19
09. Weiße Weihnacht (White Christmas) (Berlin/Balz) 4.02
10. Leider nur ein Traum (Janosa) 2.58
11. Der Weihnachtsumtausch (Alsmann/Striepens) 3.03
12. Sonderangebote (Janosa/Kropp) 4.01
13. Rockin‘ Around The Christmas Tree (Wir tanzen um den Tannenbaum) (Marks) 2.36
14. Stille Nacht, Heilige Nacht (Gruber) 3.40

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