Achim Bogdahn – Interview mit Harry Rowohlt (Eins zu Eins – Der Talk – Bayerischer Rundfunk) (2009)

FrontCover1Jetzt ist es auch schon wieder knapp 5 Jahe her, dass er uns verlassen hat:

Harry Rowohlt (* 27. März 1945 als Harry Rupp in Hamburg; † 15. Juni 2015 ebenda) war ein deutscher Schriftsteller, Kolumnist, Übersetzer, Rezitator und Schauspieler.

Seine Mutter, die Schauspielerin Maria Pierenkämper, war in dritter Ehe mit dem Maler Max Rupp verheiratet, als sie 1945 vom Verleger und Verlagsbuchhändler Ernst Rowohlt ihren Sohn Harry bekam. Erst Mitte der 1950er Jahre ließ sie sich von Rupp scheiden und heiratete 1957 den über 20 Jahre älteren Ernst Rowohlt, der bereits 1960 starb.

Harry Rowohlt wuchs an verschiedenen Orten auf, besuchte das Walddörfer-Gymnasium in Hamburg und machte dort sein Abitur. Anschließend absolvierte er eine Lehre als Verlagsbuchhändler beim Suhrkamp Verlag in Frankfurt am Main und war Volontär im nunmehr von seinem Halbbruder Heinrich Maria Ledig-Rowohlt geleiteten Rowohlt Verlag und bei der New Yorker Grove Press. Nach seiner Rückkehr nach Deutschland arbeitete er zeitweise als Werbetexter in einer Werbeagentur. Ab 1971 war er freiberuflicher Übersetzer aus dem Englischen. Daneben wurde er bekannt als Vorleser der von ihm übersetzten Werke, als Autor der Kolumne Pooh’s corner in der Wochenzeitung Die Zeit und als Darsteller des Obdachlosen Harry in der Fernsehserie Lindenstraße. Zu hören war er außerdem als Sprecher des Bären in Wenzel Storchs Spielfilm Die Reise ins Glück.

HarryRowohlt01Er erbte 49 Prozent des Verlags von seinem Vater, lehnte es aber ab, in das Verlagsgeschäft einzusteigen. 1982 verkauften die beiden Brüder schließlich das Unternehmen an die Verlagsgruppe Georg von Holtzbrinck. Anfragen zum Verlag wehrte er mit einem Formschreiben ab: „Ich habe drei Rundschreiben. Rundschreiben 1 lautet: Ich bin ja schon froh, dass ich nicht Kiepenheuer und Witsch heiße. Wenn Sie was vom Rowohlt-Verlag wollen, wenden Sie sich an den Rowohlt-Verlag und nicht an mich. Weitersagen!“.

HarryRowohlt02Rowohlts Kolumne Pooh’s Corner erschien bis 1998 in Abständen von drei bis zehn Wochen. Zwischen der ersten 1998er Corner (in der zweiten Kalenderwoche) und der zweiten lag über ein halbes Jahr, danach verfasste Rowohlt ohne weitere Erklärung zunächst keine weiteren Kolumnen mehr. Ohne vorherige Ankündigung erschien in der Zeit Nr. 51/2005 vom 15. Dezember 2005 eine neue Pooh’s Corner, in der Rowohlt einleitend erklärte, er habe seine letzten Kolumnen mit wachsendem Unmut gelesen, weshalb er sie niemandem mehr zumuten mochte. Seitdem erschienen in loser Folge weitere von Rowohlts Corner-Beiträgen, der letzte im März 2013.

Rowohlt lebte zuletzt in Hamburg-Eppendorf. Er wurde 1996 zum Ambassador of Irish Whiskey ernannt und erhielt u. a. folgende Auszeichnungen: 1997 den Brüder-Grimm-Preis der Stadt Hanau, 1998 den Kurd-Laßwitz-Preis (für seine Übersetzung von Kurt Vonneguts Zeitbeben), 1999 den Johann-Heinrich-Voß-Preis für Übersetzung, 2000 eine Goldene Schallplatte für 250.000 verkaufte Exemplare der CD Pu der Bär, 2001 den Satirepreis Göttinger Elch und 2003 den Heinrich Maria Ledig-Rowohlt-Preis und den Deutschen Jugendliteraturpreis in der Sparte Kinderbuch für seine Übersetzung von Philip Ardaghs Schlimmes Ende. 2005 wurde er mit dem mit 10.000 Euro dotierten Sonderpreis des Deutschen Jugendliteraturpreises für sein Gesamtwerk als Übersetzer geehrt. „Ein All-Age-Übersetzer wie Rowohlt, der im erwachsenen und kinderliterarischen Bereich tätig ist“, so die Jury in ihrer Begründung, „kann den Blick für literarische Qualitäten schärfen, die Werke der Kinder- wie die der Allgemeinliteratur gleichermaßen auszeichnen und so die ohnehin durchlässige Grenze zwischen den Bereichen überschreiten. Es sind Qualitäten wie ausladende Komik, Schrägheit, Hintersinn, Skurrilität, Absurdität, Übertreibung und Genialität, die das gesamte Übersetzungs-Oeuvre Rowohlts durchdringen. Sein ganzes Schaffen zeichnet sich aus durch höchste Ansprüche an sich selbst und Sprachverliebtheit bis zur Sprachbesessenheit.“ 2011 erhielt er den Ehrenpreis des Prix Pantheon in der Kategorie Reif & Bekloppt. Ab 2013 war Rowohlt Mitglied der Freien Akademie der Künste in Hamburg.

HarryRowohlt03Rowohlt war außerdem für seine exzessiven Solo-Bühnenauftritte bekannt, die selten weniger als vier, manchmal sogar mehr als sechs Stunden dauerten. Er unterbrach die Lesungen häufig mit Kommentaren zu den Texten, abschweifenden Bemerkungen, Anekdoten, autobiografischen Erzählungen, Dialogen mit dem Publikum und vielem mehr, sodass die gelesenen Texte eher im Hintergrund standen. Die solcherart aufgelockerten Veranstaltungen nannte er lange Zeit „Schausaufen mit Betonung“, da er während der Lesung alkoholische Getränke zu sich nahm.

Im Juni 2007 gab Rowohlt bekannt, dass er an der nicht heilbaren Krankheit Polyneuropathie leide, die seine Gehfähigkeit stark beeinträchtigte. Die eigene Krankheit kommentierte er sarkastisch: „Ich brauch’ mich als passionierter Stubenhocker nicht groß umschulen zu lassen.“ Seine Rolle in der Lindenstraße wollte Rowohlt weiterführen, notfalls im Sitzen, wie er dem Produzenten unverzüglich mitteilte. Nach längerer weitgehender Alkoholabstinenz gab Harry Rowohlt seit 2009 wieder Lesungen. Da ausschließlich Wasser auf dem Tisch stand, nannte er die Veranstaltungen nun „Betonung ohne Schausaufen“.

Rowohlt starb am 15. Juni 2015 in seiner Geburtsstadt Hamburg im Alter von 70 Jahren nach langer, schwerer Krankheit.(Quelle: wikipedia)

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Im Mai 2013 nimmt der Autor auf dem Campus der Hamburger Uni an einer Lesung aus Büchern teil, die1933 von den Nazis verbrannt wurden.

Nun, die deutschen Kulturgazetten waren angesichts seines Todes im Jahr 2015 voll der Worte, von daher spare ich mir diese … aber ich stelle mal ein Gespräch mit ihm aus dem Jahr 2009 zur Verfügung: In dem sog. „Eins zu Eins – Der Talk des bayerischen Rundfunks“ erzählt er von seinem Leben und in seiner unnachahmlichen Art erzählt er eben von seinem Leben …

Ich mochte ihn gar furchtbar gern … auch wenn ich dann doch den schottischen Whisky dem irischen Whisky vorziehe …

Cheers Harry !

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Besetzung:
Achim Bogdahn + Harry Rowohlt

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Titel:

01. Interview mit Harry Rowohlt 41.39

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Harry Rowohlt mit Gregor Gysi im März 2009 in Berlin.

Eins zu Eins Talk (Bayern 2) (Teil 1): Dieter Hildebrandt (19.06.2013)

LogoHildebrandtIch will mit diesem Interview eine neue Serie starten, die ich in unregelmässigen Folgen hier präsentieren will. Es handelt sich um Interviews, die der Bayerische Rundfunk in seinem Kanal “Bayern 2″ regelmässig veröffentlicht.

Das Konzept dieser Serie:

“”Eins zu Eins” bedeutet: Gespräche unter vier Augen. Über Erfahrungen und Einsichten, über einschneidende Erlebnisse und große Erfolge. Biografische Gespräche mit Menschen, die eine spannende Lebensgeschichte oder einen außergewöhnlichen Beruf haben. Menschen, die etwas bewegen – aus persönlichem Engagement heraus oder durch ihre Position in Politik, Kultur und Wissenschaft. Zu Wort kommen bislang Unbekannte, aber auch Stars und Prominente. Es geht um die Person und die Persönlichkeit.”

 

Und nur zu gerne beginne ich diese Serie mit einem Interview mit Dieter Hildebrandt vom 19.06.2013 … :

Ohne ihn wäre das Kabarett nicht, was es heute ist. Dieter Hildebrandt hat mit seinem wachen Geist und seiner pointierten Art das politische Personal der Bundesrepublik wie kein anderer kritisiert und vorgeführt.

Kurz nach diesem Interview erhielt er wohl die Diagnose Prostatakrebs, am Morgen des 20. November 2013 starb Hildebrandt im Alter von 86 Jahren in einem Münchner Krankenhaus an den Folgen dieser Krankheit.

Daher ist dieses Interview wohl eines der letzten akustischen Dokumente von Hildebrandt … Und er gibt Auskunft über den Lauf seines Lebens … und dass Dieter Hildebrandt viel zu erzählen hat, bräuchte man eigentlich gar nicht zu erwähnen … und man kann ihn rappen hören …

Die Moderation hatte Achim Bogdahn

 

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