Axel Zwingenberger & Vince Weber – The Boogiemeisters (1996)

ZwingenbergerWeberFrontCover1.jpgHier darf ich mal die Floskel „Zwei Urgesteine des deutschen Boogie Woogie“ bemühen:

Vince Weber (* 1953 in Hamburg) ist ein deutscher Blues- und Boogie-Pianist.

Weber erhielt mit 10 Jahren den ersten Klavierunterricht. Seine Schwester machte ihn mit Platten von Lightnin’ Hopkins, Champion Jack Dupree, Taj Mahal und vielen anderen Blues- und Boogie-Größen bekannt. Mit 16 Jahren spielte er in diversen Hamburger Kneipen im Hafen. So entstand ein zufälliges Treffen mit Otto Waalkes und ein Auftritt Webers in dessen Vorprogramm. 1976 erhielt Vince Weber den deutschen Schallplattenpreis für sein Album The Boogie Man auf dem Label von Waalkes Rüssel-Räckords. Die LP wurde teilweise in der Fabrik aufgenommen, wo er ab 1976 14 Jahre lang an jedem letzten Freitag im Monat auftrat. 1978 und 1979 unternahm er zwei Reisen in die USA – „Back to the Roots“, wie er sagte – und traf dort viele gute Leute und benutzte viele Pianos. 1980 wurde Weber Redakteur und Moderator beim NDR mit der Sendung Blues am Dienstag. Zwischenzeitlich unternahm er weitere Reisen in die USA nach Chicago, L.A. und San Francisco.

VinceWeber1

Weber spielte auf Festivals und Clubgigs unter anderem mit Big Joe Williams, Abi Wallenstein, Henry Heggen, Axel Zwingenberger, Jay McShann, James Booker, Chuck Berry und Champion Jack Dupree.

Er organisiert seit dem 8. August 1988 gemeinsam mit Axel Zwingenberger das internationale Festival The Hamburg Boogie Woogie Connection.

Krankheitsbedingt hat Vince Weber in den letzten Jahren seine Bühnenaktivitäten eingeschränkt. (Quelle: wikipedia)

ZwingenbergerWeber3

Axel Zwingenberger (* 7. Mai 1955 in Hamburg) ist ein deutscher Boogie-Woogie- und Blues-Pianist und -Komponist.

Zwingenberger, Sohn eines Arztes, erhielt ab seinem 6. Lebensjahr Klavierunterricht, kam aber erst mit 17 Jahren mit dem Boogie-Woogie in Berührung. Bis dahin habe er (Zitat) „nicht gewusst, dass man so Klavier spielen kann“. Von diesem Zeitpunkt an stand diese Stilrichtung im Mittelpunkt seiner musikalischen Arbeit.
Axel und Torsten Zwingenberger, 2011.

Nach dem Abitur an der Gelehrtenschule des Johanneums in Hamburg (1974) erhielt Zwingenberger 1975 seinen ersten Plattenvertrag. Im Laufe der Jahre trat er zusammen mit einer Reihe bekannter US-amerikanischer Jazzmusiker (Big Joe Turner, Lionel Hampton, Champion Jack Dupree, Mama Yancey, Jay McShann und viele mehr) auf. Diese Zusammenarbeit führte meist auch zu Plattenaufnahmen. Die Serie der aufgenommenen Sessions umfasst rund 30 Schallplatten oder CDs. Er hat auch an Alben von Bill Wyman’s Rhythm Kings (Just For A Thrill) oder Ludwig Hirsch (In Meiner Sprache) mitgewirkt. Gerne und regelmäßig tritt er auch mit seinem Bruder, dem Jazz- und Blues-Schlagzeuger Torsten Zwingenberger, auf.

Axel Zwingenberger bereichert den Boogie Woogie mit eigenen Kompositionen und auch der Herausgabe von Musikalien.

Zwingenberger1

Axel Zwingenberger auf der Beerdigungsfeier von Blues-Legende Champion Jack Dupree in Hannover, 1992.

Im Frühjahr 2009 – vermittelt durch den Pianisten Ben Waters – erneuerte Zwingenberger seine musikalische Zusammenarbeit mit Charlie Watts. Seitdem spielen Zwingenberger, Waters, Watts und der Kontrabassist Dave Green zusammen in der Band „The ABC&D of Boogie Woogie“. Der Bandname leitet sich von den Vornamen Axel, Ben, Charlie und Dave ab. (Quelle: wikipedia)

ZwingenbergerWeber2

Axel Zwingenberger & Vince Weber, 2014

Und hier toben die beiden nun also über die 88 Tasten des Klaviers … und zwar so, dass es eine Freude ist !

Man mag einwenden, dass dieser Boogie Wooie doch ein wenig limitiert ist, und das stimmt ja auch … aber gelegentlich ne fetzige Boogie WoogieSesion ist schon was Feines … Nach hören kann man das z.B. hier.

Und, soviel Zeit muss  sein … überall die Jahren sind sie in Verbindung geblieben und so zelebrierten sie ihre Musik auch wieder 2019  auf dem jährlich stattfindendem „Boogie Woogie Connection“ Festival in Hamburg.

Konzertposter

Nach einem Schlaganfall konnte Vince Weber jedoch nur noch als Sänger auftreten …

Aber auf diesem Live-Album kann man ihn natürlich auch noch als Pianisten hören …

BookletBackCover1

Besetzung:
Vince Weber (piano, vocals)
Axel Zwingenberger (piano)

ZwingenbergerWeber4

Titel:
01. Boogie Woogie Country Girl (Pomus/Ashby) 4.23
02. Welcome To Boogie City (Weber/Zwingenberger) 4.03
03. The Boogiemeisters (Weber/Zwingenberger) 3.05
04. I’ve Got To Move (James) 3.56
05. The Dirty Dozens (Perryman) 4.37
06. Fantasy In Blues (Zwingenberger) 5.29
07. Boogie For Real (Zwingenberger) 3.34
08. Foot Pedal Boogie (Johnson/Ammons) 3.50
09. Sixth Avenue Express (Johnson/Ammons) 3.42
10. Midnight Hour Blues (Carr) 5.58
11. Roll ‚Em Pete (Turner/Johnson) 6.19
12. The Higher We Jump (Weber/Zwingenberger) 5.32
13. Low Down Dog (Carr)

BackCover1.jpg

*
**

Ludwig Seuß & Friends – Marilyn Sessions – Keys To The Blues (1991)

FrontCover1.jpgErst neulich habe ich von einem Konzert der Ludwig Seuß Band berichtet und zwar hier.

Und nun möchte ich sein Debütalbum aus dem Jahr 1991 präsentieren:

Der 1964 geborene Bayer Ludwig Seuß ist im Hauptjob Keyboarder der Spider Murphy Gang. Seit 1991 betreibt der Musiker als Nebenjob aber auch seine eigene Ludwig Seuß Band. Die CD „Marilyn Sessions“ dokumentiert das Platten-Debüt dieser Truppe, hier noch unter dem Namen Ludwig Seuß & Friends. Die fünfzehn in unterschiedlichen Besetzungen eingespielten Titel bieten Blues im weitesten Sinne des Wortes. Das Spektrum reicht vom traditionellen Blues über Boogie Woogie, Zydeco bis hin zu jazzigen und souligen Songs. Eigenkompositionen von Seuß und seinen wechselnden Mitmusikern stehen dabei Coverversionen gegenüber, ebenso Instrumental-Nummern Vokal-Tracks. Seuß präsentiert sich als routinierter Pianist, Organist und Akkordeon-Spieler. Zur Seite stehen ihm u.a. Kumpel wie die Gitarristen Nick Woodland und Al Jones. Und auch Günther Sigl von der Spider Murphy Band gibt sich auf einem Song als Sänger und Bassist die Ehre. Die Tracklist der Scheibe ist- wie bereits angedeutet – durchaus abwechslungsreich. Herausragend sind die drei Boogie Woogie-Titel („Pete’s Boogie“; „Cow-Cow Blues“; „Spann’s Stomp“). Seuß hämmert darauf Ludwig Seuß01in die 88 Tasten, dass es eine wahre Freude ist. Auf „Jim’s Gumbo“ begibt sich der Künstler im Duett mit Bassist Jim Klopfenstein locker-lässig auf die Spuren von Dr. John’s New Orleans-R&B. Einen beeindruckenden Solo-Auftritt auf der Hammond-Orgel liefert Seuß bei Jimmy Smith’s „T-Bone Steak“ ab. Schließlich sammelt der Mann Pluspunkte mit einem weiteren Duett. Auf der Ballade „Full moon mood“ zeigt er zusammen mit dem Saxophonisten Michael Außerbauer, dass er auch zurückhaltend agieren kann. An diese Top-Titel reichen die anderen Songs nicht ganz heran. Solide interpretiert ist der munter vor sich hin shufflende R&B-Klassiker „Night Train“ und der jazzige Late Night-Blues „Sad Louis‘ Blues“. Beim charmant dargebotenen Fats Domino-Rock’n Roll „I’m ready“ lässt Günther Sigl seine typischen Vocals erklingen. Ansprechend kommen zudem das Soul-Jazz-Instrumental „Cool one“, der vitale Cajun-Ausflug „Big Seven“, die muntere Zydeco-Song „I feel so good“ und der am Ende der Tracklist stehende Laid Back Blues „Blues for Stevie Ray“ rüber. Eher wenig Eindruck hinterlassen das funky daher kommende Instrumental „Fonky Dee“ und der ziemlich ruppig interpretierte Smiley Lewis-Song „Down the road“. Man merkt dem Album an, dass Ludwig Seuß und seine Jungs bei ihren Blues-Sessions ihren Spaß hatten. Dieser überträgt sich auch auf den Zuhörer, was bei solchen Session-Scheiben nicht immer der Fall ist. (birddog)

Also nochmal: hier präsentiert der Ludwig Seuß nicht nur verdammt guten Boogie und guten  Blues, nein er präsentiert auch so etliche der Münchner Bluesheroes aus all den kleinen Clubs in der Stadt, allen voran der wunderbare Nick Woodland.

Und Paul Dax und der Günter Sigl … klar … die sind von der Spider Murphy Gang …

Und auch ein solches Album kann man verdammt gut an einem lauen Sommerabend hören !

Okay Baby … let´s play the Blues and boogie all night long …

BackCover1.jpg

Besetzung:
Michael Außerbauer (saxophone)
Jim Klopfenstein (bass)
Ludwig Seuß (keyboards, vocals)
+
Paul Dax (drums)
Henrik Ferstl (drums)
Achim Gutbrod (percussion)
Al Jones (guitar)
Jörgen Nitsch (drums)
Oskar Pöhnl (drums)
Günther Sigl (bass, vocals)
Bluesharp Slim (harmonica)
Oliver Stephan (guitar)
Sven von Strauch (bass)
Nick Woodland (guitar)

Booklet1.jpg

Titel:
01. Night Train (Forrest) 4.00
02. Sad Louis´ Blues (Seuß/Jones/Klopfenstein/Pöhnl) 4.22
03. I´m Ready (Domino/Bartholomew) 2.55
04. Jim´s Gumbo (Klopfenstein/Seuß) 3.09
05. T-Bone Steak (Smith) 2.08
06. Fonky Dee (Seuß) 3.54
07. Down The Road (Lewis/Bartholomew) 2.19
08. Full Moon Mood (Außerbauer/Seuß) 2.25
09. Pete´s Boogie (Johnson) 2.28
10. Cool One (Seuß) 3.43
11. Big Seven (Lemon/Hughes/Lee) 5.26
12. Cow-Cow Blues (Davenport) 2.45
13. Spann´s Stomp (Spann) 2.22
14. I Feel So Good (Ferstl/Seuß/Adams) 2.42
15. Blues For Stevie Ray (Seuß/Kriegl/Klopfenstein) 5.31

CD1

*
**

Günstiger

Geht auch günstiger

 

Vince Weber – The Boogie Man (1975)

FrontCover1.jpgAls ich mich hier neulich ein wenig mit Vince Ebert beschäftigte, kam mir natürlich auch der Vince Weber in den Sinn.

Und damit war ich nicht allein. Ein Leser dieses Blogs schrieb mir nämlich:

„Der Weg von Vince Ebert zu Vince Weber ist nicht weit (Musikalisch schon) aber ich such schon ewig I’m the Boogie Man.“

Voila … hier ist das Album:

Weber erhielt mit 10 Jahren den ersten Klavierunterricht. Seine Schwester machte ihn mit Platten von Lightnin’ Hopkins, Champion Jack Dupree, Taj Mahal und vielen anderen Blues- und Boogie-Größen bekannt. Mit 16 Jahren spielte er in diversen Hamburger Kneipen im Hafen. So entstand ein zufälliges Treffen mit Otto Waalkes und ein Auftritt Webers in dessen Vorprogramm. 1976 erhielt Vince Weber den deutschen Schallplattenpreis für sein Album The Boogie Man auf dem Label von Waalkes Rüssel-Räckords. Die LP wurde teilweise in der Fabrik aufgenommen, wo er ab 1976 14 Jahre lang an jedem letzten Freitag im Monat auftrat. 1978 und 1979 unternahm er zwei Reisen in die USA – „Back to the Roots“, wie er sagte – und traf dort viele gute Leute und benutzte viele Pianos. 1980 wurde Weber Redakteur und Moderator beim NDR mit der Sendung Blues am Dienstag. Zwischenzeitlich unternahm er weitere Reisen in die USA nach Chicago, L.A. und San Francisco.

Weber spielte auf Festivals und Clubgigs unter anderem mit Big Joe Williams, Abi Wallenstein, Henry Heggen, Axel Zwingenberger, Jay McShann, James Booker, Chuck Berry und Champion Jack Dupree.

Er organisiert seit dem 8. August 1988 gemeinsam mit Axel Zwingenberger das internationale Festival The Hamburg Boogie Woogie Connection.

Krankheitsbedingt hat Vince Weber in den letzten Jahren seine Bühnenaktivitäten eingeschränkt. (Quelle: wkipedia)

Konzertplakat.jpg

Rares Konzertplakat aus dem Jahr 1979

Und so erinnert sich Vince Weber an seine frühen Jahre:

„Also, 1963 – mit 10 Jahren – der erste Klavierunterricht. Habe leider wenig begriffen, hatte aber zwei Ohren. Dank meiner toleranten und liebevollen Eltern konnte ich Tag und Nacht improvisieren. Drei Jahre später habe ich den Blues erfunden. Meine Schwester zeigte mir Akkorde auf dem Klavier und brachte mir Aufnahmen von Lightnin‘ Hopkins, Champion Jack Dupree, Taj Mahal und vielen anderen Blues- und Boogie-Größen mit.

Die Bluenotes trafen mich mit voller Wucht. Mit 16 strolchte ich durch die Kneipen am Hafen (Zwiebel, Tante Hermine, River-Kassematten, u.s.w.). Zu der Zeit traf ich Hans-Georg Möller, der mir nun gänzlich die Ohren für Piano-Blues und Boogie öffnete. Die Musik wurde mein Leben. Ich machte alle Clubs unsicher, in denen ein Klavier rumstand. In einem dieser Läden traf ich eines Tages Otto Waalkes, der mich als sein Vorprogramm mit in die große weite Welt nahm. Nicht ganz einfach, aber lehrreich!

1976 dann die ersten offiziellen Lorbeeren: Ich wurde staatlich anerkannter Boogiefreak, d.h. ich bekam den deutschen Schallplattenpreis für mein erstes Album „The Boogie Man“ – auf Otto’s Label Rüssel-Räckords. Teilweise wurde das Album in Hamburg’s legendärer „Fabrik“ aufgenommen, wo ich von nun an 14 Jahre lang (!) jeden letzten Freitag im Monat spielte.“

Notenblatt.jpg

Und hier erklingt es noch einmal, dieses fulminante Debütalbum, das damals mächtig viel Eindruck machte.

Ich erinnere mich noch, dass ich – als Südstaatler – immer ein wenig nach Hamburg blickte, denn Mitte der 70er Jahre steppte dort wirklich der Bär, auch wegen eines Vince Werbers (Stichworte: Hamburger Szene, Onkel Pö & Co.)

Okay … let´s boogie all night long …  !

Vince Weber01.jpg

Besetzung:
Vince Weber (piano, vocals)

BackCover.jpg

Titel:
01. I’m The Boogie Man (Weber) 3.34
02. Chicago Breakdown (Merriweather) 3.05
03. Dust My Broom (James) 3.37
04. Another Babe (Weber) 5.22
05. Talk To Me, Baby (Dixon) 2.58
06. Mr. Pinetop’s Job (Smith) 2.59
07. Days Began To Drive Me Down (Weber) 7.24
08. Boogie Woogie Runner (Weber) 6.06
09. Roll’em Pete (Williams) 4.05

LabelB1.jpg
*
**

MC.jpg

 

Gottfried Böttger – Gottfried Goes Happy (1973)

FrontCover1.jpgMan darf ihn, nein, man muss ihn als Urgestein der Hamburger Musik-Szene der 70er Jahre bezeichnen … und jetzt ist er gestorben … viel zu früh:

Gottfried Böttger (* 21. Dezember 1949 in Hamburg; † 16. Oktober 2017 ebenda) war ein deutscher Boogie-Woogie- und Ragtime-Pianist.

 

Böttger erhielt ab 1955 eine klassische Klavierausbildung, 1957 hatte er sein erstes öffentliches Konzert. 1969 gründete er nach dem Abitur am Wilhelm-Gymnasium Hamburg mit Uli Salm und Ulf Krüger die Jazz-Pop-Gruppe Leinemann, 1971 veröffentlichte er die Solo-Schallplatte Gottfried goes happy, 1973 erfolgten die Gründung der Rentnerband und des Panikorchesters mit Udo Lindenberg. Böttger wurde 1973 durch Udo Lindenberg in dessen Hit Alles klar auf der Andrea Doria mit der Liedzeile „Gottfried heißt der Knabe, da hinten am Klavier, und für jede Nummer Ragtime, kriegt er ’n Korn und ’n Bier“ verewigt. 1974 nahm er unter dem Pseudonym „Raggi Ragtime“ eine deutsche Version des Ragtime-Hits The Entertainer aus dem Film Der Clou auf. Ebenfalls 1974 nahm er mit seinem langjährigen Weggefährten Lonzo Westphal die Single Hamburg ’75 auf. In diesem bekannten Stück, das Hans Scheibner für sie getextet hat, blicken die beiden als Greise wehmütig zurück auf ihre große Zeit in der Hamburger Szene rund um das Onkel Pö, zu der sie damals gehörten.

Böttger01

Die Musik-Wohngemeinschaft in der „Villa Kunterbunt“ 1975: Marius Müller- Westernhagen (li.), Otto Waalkes (5. v.li), Udo Lindenberg (6.v. li.) und Gottfried Böttger mit Schnauzer (r.)

Im weiteren veröffentlichte er zahlreiche Plattenaufnahmen, unter anderem mit dem amerikanischen Blues-Pianisten Memphis Slim, und schrieb Musik für Fernsehserien wie Tatort und Großstadtrevier. 1997 machte er auch eine Aufnahme mit dem südafrikanischen Spiritual-Interpreten Joe Curtis.

Seit 1997 war er Dozent für Mediendidaktik in der Studienrichtung Medieninformatik im Fachbereich Informatik an der Fachhochschule Anhalt und wurde dort später zum Honorarprofessor für Digitale Audiotechnik berufen.

In der Fernseh-Talkshow III nach 9 von Radio Bremen war Böttger seit der ersten Sendung am 19. November 1974 ständiger Pianist, teilweise auch im Duo mit Joe Pentzlin. Zum 40-jährigen Bestehen der Talkshow mit der Ausgabe am 14. November 2014 nahm der Musiker seinen Abschied aus der Sendung.(Quelle: wikipedia)

Böttger03

Gottfried Böttger mit Axel Zwingenberger

Ach ja …

Er war Mitbegründer der Gruppe Leinemann, der Rentnerband und des Panikorchesters mit Udo Lindenberg – und 40 Jahre lang Pianist der Fernseh-Talkshow „3 nach 9“. Am Montagabend verstarb der 67-jährige.

Gottfried heißt der Knabe – da hinten am Klavier/ und für jede Nummer Ragtime – kriegt er ’n Korn und ’n Bier“, sang Lindenberg 1973 in seinem „Andrea Doria“-Hit. Der so verewigte und geschätzte Gottfried Böttger ist am Montag in Hamburg im Alter von 67 Jahren gestorben. Der Musiker, der im Grindelviertel aufwuchs, hatte sich nach einer lange überwunden geglaubten Krebserkrankung vergangenen Woche in die Asklepios-Klinik Barmbek begeben müssen. Nach einer Operation sei er am Abend friedlich im Beisein seiner Lebensgefährtin Ellen von Spanyi und seines Sohnes Bendix, 18, (aus seiner 2008 geschiedenen Ehe mit Ehefrau Dagmar) eingeschlafen, hieß es von einem Freund der Familie.

Böttger04

Das Panikorchester in Urbesetzung im Onkel Pö: Judith Hodosi (sax), Karl Allaut (git) . Gottfried Böttger (p), Steffi Stephan (bass), Peter Backhausen (dr), Udo Lindenberg

Gottfried Böttger zählte in den 70er-Jahren mit zur „Hamburger Szene“. Zusammen mit Udo Lindenberg, Marius Müller-Westernhagen und Otto Waalkes wohnte er in der „Villa Kunterbunt“ in Winterhude. 40 Jahre lang begleitete Böttger als Pianist die Talkshow „3nach9“ von Radio Bremen – kurz vor seinem 65. Geburtstag hatte er Abschied von der Sendung genommen. Dies sei nicht wegen des runden Geburtstages geschehen, sagte er damals: „Wenn man 40 Jahre in derselben Sendung spielt – das ist nicht zu übertreffen.“
„Er war und ist ein Stück Radio-Bremen-Geschichte“

Außerdem habe er über seinen Abschied von dieser Zeit, „die sehr lebhaft und bestimmend“ für sein Leben gewesen sei, selbst entscheiden wollen. „Wenn Gottfried Böttger im Studio am Klavier saß, war ‚3nach9‘-Zeit. Er hat sie unmittelbar miterlebt, die Gespräche mit mehr als 3000 Gästen und – vor allem – nationale wie internationale Stars am Klavier begleitet. Er war und ist ein Stück Radio-Bremen-Geschichte“, sagte Thomas von Bötticher, Leitung Fernsehen und Redaktionsleiter „3nach9“. Zu den Stars, die der Pianist in der Zeit begleitete, zählten unter anderem Klaus Doldinger, Tom Jones, Sting, Udo Lindenberg, Peter Maffay oder der Klassikpianist Lang Lang.

Böttger05

Gottfried Böttger mit Hans-Georg Möller

Bereits mit sechs Jahren nahm Böttger Klavierunterricht, nachdem er seiner Mutter zu Weihnachten die erste eigene Komposition geschenkt hatte: „Eine Variation von Hänschen klein“. Bald trat der Hamburger Jung in einem öffentlichen Konzert auf, auch ein Junge namens Justus Frantz (später Stardirigent) war damals dabei.

Nach dem Abitur am Hamburger Wilhelm-Gymnasium gründete Böttger gemeinsam mit Uli Salm und Ulf Krüger die Jazz-Pop-Gruppe Leinemann (1969), danach mit Udo Lindenberg das Panikorchester (1973), und er war Teil der Rentnerband. Er nahm als Boogie-Woogie- und Ragtime-Pianist zahlreiche Schallplatten auf und schrieb TV-Musik, unter anderem für den „Tatort“ oder das „Großstadtrevier“. Seit 1997 lehrte Böttger als Dozent für Mediendidaktik im Fachbereich Informatik an der Fachhochschule Anhalt. Im Wintersemester 1999/2000 wurde er zum Professor ernannt.

„Mit Gottfried Böttger verlieren wir einen absolut duften Kumpel“, sagte der Hamburger Journalist Menso Heyl, der mit Böttger Abitur gemacht hatte, der WELT.

Hier sein – so weit ich es überblicke … sein erstes Solo-Album … Boogie Woogie und Skiffle … macht einfach nur gute Laune … auch heute noch ! Dafür mein Dankeschön !

Böttger06

Besetzung:
Gottfried Böttger (piano, vocals)
Kurt Griese (drums)
Ingo Kröger (bass)
Heinz-Peter Meyer (banjo)

BackCover

Titel:
01. Over In The Gloryland (Traditional) 2.21
02. Flat Foot Floogie ( Gaillard/Stewart/Green) 3.16
03. Boogie (Traditional) 3.21
04. Somebody Stole My Gal (Wood) 3.54
05. Blues For Peter (Traditional) 4.19
06. Margie (Robinson/Davis) 3.21
07. Bill Baily  3:34 I
08. Alabama Jubilee (Traditional) 2.57
09. Careless Love (Traditional) 3.46
10. Jingle Bells (Traditional) 3.05
11. All Of Me (Traditional) 4.00
12. Bye, Bye Blues (Hamm/Bennet/Lown/Gray) 3.05

LabelB

*
**

Böttger02

Gottfried Böttger (* 21. Dezember 1949 in Hamburg; † 16. Oktober 2017 ebenda)

Ein wenig skurrill … Udo Lindenberg‘ s musikalischer Abschied von seinem Freund im Ahrensburger Restaurant Strehl am 92.11.2017:

Peter Heger – Mein Gold (2011)

frontcover1Nein, so bekannt wie Axel Zwingenberger ist er nicht, aber dennoch ist seine Musik mindestens genauso famos:

Und so stellt er sich selbst auf seiner Homepage dar:

„Peter Heger, dieser Name ist aus der deutschen Boogie-Woogie und Ragtime Szene längst nicht mehr wegzudenken. Wer ihn kennt ist fasziniert, wie unglaublich flink seine Hände über die Tasten rasen. Gerade Tempo und Virtuosität des Pianisten faszinieren das Publikum. Seine Verknüpfung von klassischer Klaviermusik und fetzigen Boogie-Rhythmen ist unnachahmbar.

Heger absolvierte ein klassisches Musikstudium und ist heute als Klavierlehrer an der Kreismusikschule Erding tätig. Außerdem leitet er zwei Chöre im Landkreis.

Das Spektrum seiner musikalischen Karriere spannt sich vom Rockkeyboarder bis zum Begleiter bei Liederabenden und zum Interpret klassischer Komponisten wie Bach und Chopin. Seine Liebe gehört bereits seit seiner Kindheit dem Boogie-Woogie und Ragtime – einfach, weil diese Rhythmen schnell und temperamentvoll sind. Der Boogie-Woogie – eine Piano-Spielform der nordamerikanischen Schwarzen – erfordert eine außerordentliche rhythmische Energie, große Inspiration und Erfindergabe und ungewöhnliches technisches Können.

Für ihn ist diese Musik eine Lebensauffassung – Ausgleich zu all den Unwägbarkeiten des Lebens, Spaß an grauen Novembertagen.“

Auch wenn wir noch nicht November haben (Gott sei dank !): seine kuzweilige Musik macht einfach gute Laune und  seine Spezialität, klassische Klaviermusik in Windeseile in einen bravorösen Boogie zu verwandeln  hat natürlich seinen besonderen Reiz. Also: Anhören !

heger

Besetzung:
Peter Heger (piano, vocals)
Edi Karhammer (drums)
+
Christian Gumbiller (piano bei 10.)
Ulli Kron (piano bei 13.)
Georg Schroeter (piano bei 05.)

booklet02a

Titel:
01. Boogie praeludium in C (Bach/Heger)  5.06
02. All Of Me (Marks) 4.18
03. Friedrich’s Sonatinen Woogie (Kuhlau/Heger) 2.26
04. Frantic (Price)  3.32
05. Rag It Way (Schroeter/Heger) 2.33
06. Boernowski Stomp (Heger) 3.09
07. Dark Eyes Boogie (Traditional/Heger) 3.15
08. Clementini Swing (Clementi/Heger) 2.51
09. Wahnfried’s Kasatschok (Heger) 3.02
10. Gum Boogie’s Hegie Woog (Gumbiller/Heger) 2.38
11. Man(n) müsste Klavier spielen können (Schröder) 2.56
12. Wam’s Boogie Joke (Mozart/Heger) 2.27
13. Take The A-Train (Strayhorn) 3.35
14. Die Getränke sind frei (Traditional/Heger)  1.50
15. Minuten All of Me /(Marks) 1.55

cd1

*
**

Wer an weiterführenden Informationen, die zur Vertiefung
der einzelnen blog-Beiträgen dienen, interessiert ist,  benötigt ein Passwort.
Dazu schreibe man an

post-fuer-sammelsurium@gmx.net