Carolina Brauckmann – Lesbisch makes the world go round (1994)

FrontCover1Gestern war ja ein großer Tag für die Schwulen- und Leben-Bewegung in Deutschland. Der deutsche Bundestag verabschiedete mit großer Mehrheit das sog. „Ehe für alle“ Gesetz. Dass es dazu dann plötzlich so schnell kam … nun das ist ein Lehrstück politischer, machtpolitischer Raffinesse …

Aber das interessiert die von dieser Entscheidung betroffenen Menschen erstmal nicht … Ihr lange Kampf um wirklich Gleichstellung beim Thema Ehe ist Geschichte.

Und da dachte ich mir, diese CD ist wie geschaffen für den heutigen Tag.

Carolina Brauckmann (* 26. Juni 1954) ist eine deutsche Liedermacherin und Historikerin. Sie produzierte seit Beginn der 1980er Jahre mehr als 100 deutschsprachige Stücke und gilt als bekannteste lesbische Liedermacherin Deutschlands oder auch „Grande Dame des lesbischen Chansons“.

Brauckmann wuchs als jüngstes von sechs Kindern in Lüdenscheid auf. Nach dem Abitur studierte sie in Freiburg im Breisgau Germanistik, Geschichte und Anglistik an der Albert-Ludwigs-Universität. In dieser Zeit war sie u. a. sechs Jahre lang Mitglied in der Redaktion der Freiburger Frauenzeitung. und engagierte sich in der Frauenrechtsszene. Gemeinsam mit Sully Roecken forschte sie im Stadtarchiv Freiburg, die beiden Wissenschaftlerinnen publizierten 1989 das Werk Margaretha Jedefrau, das sich mit Frauengeschichte auseinandersetzt und überregional beachtet wurde. Danach arbeitete sie sieben Jahre im Feministischen Archiv in Köln und war u. a. Mitinhaberin einer Internetagentur.

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1982 veröffentlichte sie ihr erstes Album Satirische Lesbengesänge rund um die Lebenswelt lesbischer Frauen und gab 1983 ihr Bühnendebüt als Sängerin. Als Besonderheit ihres Stils wird in der Rückschau die Kombination aus lesbischem Leben und Humor herausgestellt. Es folgte 1986 das zweite Album als LP und nach einer Pause von zehn Jahren vier CDs. Im Laufe ihrer mehr als dreißigjährigen Laufbahn als Komponistin und Musikerin gab sie zahlreiche Konzerte in Deutschland, Österreich und der Schweiz sowohl in alternativen oder subkulturellen Räumen – wie etwa noch in den 80ern in besetzten Häusern – als auch überregional in etablierten Häusern wie dem Jazzhaus Freiburg oder dem Kulturzentrum Schlachthof in Kassel.

Brauckmann022003 erhielt sie den Osnabrücker Rosa-Courage-Preis des ältesten kontinuierlich stattfindenden schwul-lesbischen Kulturfestivals in Deutschland. Sie trat bei der Eröffnung der Gay Games in Köln auf, außerdem gab sie zur Eröffnung der Women Pride im Rahmen der Cologne Pride 2012 ein Konzert.

In jüngerer Zeit ist Brauckmann auch als selbstständige Kommunikationstrainerin und Moderatorin tätig; ihr politisches Engagement entwickelte sich von der feministischen Frauenpolitik hin zur lesbisch-schwulen Emanzipationsbewegung, so etwa als Landeskoordinatorin für ältere Schwule und Lesben in Nordrhein-Westfalen.

Carolina Brauckmann lebt und arbeitet in Köln. (Quelle: wikipedia)

Hier eines ihrer früheren Werke …

Und sie stellt dann gleich mal klar, was Sache ist:

Schwein gehabt

Und da mir vielleicht der richtige Zugang zu diesem Album fehlt, mal ein paar Worte aus der „Szene“:

„Carolina Brauckmann hat eine phantastische, sehr erotische Stimme, sie erfindet wunderbare Melodien und Arrangements Marke Ohrwurm, sie begleitet sich selbst auf Klavier oder Gitarre und schreibt ihre Texte selbst, sehr intelligente, witzig-melancholische Texte. Wieso also verkauft dieses Super-Multitalent ihre CDs über einen kleinen Vertrieb, wieso ist sie nicht so bekannt wie die Knef oder Marlene in ihren Spitzenzeiten? Hilde und Marlene konnten beide nicht singen, Hilde komponierte ihre Songs nicht selbst, und Marlene dichtete weder noch komponierte sie.

Warum also ist die so viel bessere Brauckmann nur Insiderinnen bekannt? Weil es in der Musikbranche wie überall nicht nur um Talent geht, sondern auch um (Selbst)vermarktung. Dem Massenappeal steht bei Brauckmann ihre Kompromisslosigkeit als politische Künstlerin im Weg. Carolina ist Lesbe, und sie ist sich zu schade, diese Tatsache zugunsten einer besseren Vermarktung zu verbergen, im Gegenteil:

Der Lesbenalltag ist ihr Thema und ihre Inspiration. Ähnlich wie bei Marlene und Knef der Heteroalltag. Die Frauen-Lesben-Szene dankt es Carolina mit rauschenden Erfolgen bei ihren Veranstaltungen. Wir sind hingerissen von ihren Songs. Wir freuen uns, daß wir in unseren Reihen sowas Tolles haben. Was aber die KonsumentInnen der Mainstreamkultur betrifft, so sind sie zu bedauern. (Quelle: www.fembio.org)

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Aber nein … ich habe schon auch Zugang zu diesen Aufnahmen … Das liegt nicht nur daran, dass Caroline Braiuckmann ne wirklich profunde Musikerin ist und das Handwerk des Chansons perfekt beherrscht. Nein, das hat auch mit den Texten zu tun … die durchaus dem Anspruch „satirische Lesbengesänge“ zu produzieren, gerecht werden.

Und ihr sehr nachvollziehbares Lied „Lesbenehe“ thematisiert genaus das … das gestern dann zu einem guten Ende geführt hat.

Ein beeindruckendes Album … und mit all jenen kritischen Zeilen, dies sich dem männlich Geschlecht kann man schon ganz gut leben … denn: so verkehrt sind diese ja auch nicht.

VokerBeck

Für Volker Beck freut mich die gestrige Entscheidung ganz besonders: Seit 29 Jahren kämpfe er für diese „Ehe für alle“ und an seinem letzt Tag als Parlamentarier (er kandidiert nicht mehr zum nächsten Bundestag) konnte er nun jubeln !

Besetzung:
Carolina Brauckmann (vocals, piano, guitar)

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Titel:
01. Schwein gehabt 2.35
02. Lesbenehe 2.40
03. Quattro Stagioni 3.47
04. Isebill und Rosamund 3.44
05. Früher schon 2.58
06. Die Geschlechterforscherin 3.09
07. An einem Tag im November 3.40
08. Basic Instincts 3.51
09. Tschibo Affaire 3.57
10. Deja vu 3.34
11. Butch und Femme 4.09
12. Sub 4.42
13. Darling 5.25

Texte und Musik: Caroline Brauckmann
Musik bei 08.: Präludium Nr 1. aus Das wohltemperierte Klavier“ von Johann Sebastian Bach

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