Helmut Griem – Spricht Georg Büchner (1998)

frontcover1Ein ganz, ganz wichtiger … der Georg Büchner:

Der Schriftsteller trug maßgeblich zur Entwicklung der deutschen Dramatik bei. Er revolutionierte nicht nur den literarischen Themenbereich, sondern beteiligte sich auch an politischen Revolutionen. Seine literarische Modernität – die Wahrnehmung des Hässlichen – war vorausweisend und ist noch heute aktuell, revolutionären Demokraten gilt er als politischer Vordenker. Georg Büchner ist vor allen Dingen bekannt als Verfasser des „Woyzeck“ und als Mitverfasser des „Hessischen Landbotens“ sowie anderer Stücken. Der bedeutendste Literaturpreis der Bundesrepublik trägt seinen Namen; „Georg-Büchner-Preis“..

Georg Büchner wurde am 17. Oktober 1813 in Goddelau bei Darmstadt geboren.

Er lebte ab 1816 in Darmstadt als sein Vater zum Assessor des Großherzoglichen Medizinkollegs ernannt wurde. Bereits als Schüler schloss sich Georg Büchner den Ideen der Freiheit in der Französischen Revolution an. Sein Oppositionsverhalten wird oft mit der väterlichen Härte begründet. Nach dem Schulabschluss studierte Büchner ab 1831 in Straßburg Medizin. Er blieb dort fast zwei Jahre und fand Unterkunft bei der Familie des Pfarrers Jaegelé. Mit seiner Tochter Minna Jaeglé verlobte er sich im Frühjahr 1832 heimlich, denn auf die Verbindung mit einer unbegüterten Pfarrerstochter konnte er nicht mit dem Gutheißen des Vaters rechnen. Im Gegenteil, er lehnte sie nach Bekannt werden strikt ab.

In seinem fast zweijährigen Aufenthalt in Straßburg hatte Büchner ausreichend Gelegenheit, die Entwicklung und Macht des Geldbürgertums kennen zu lernen, die den Interessen der sozial unteren Volksmassen entgegenstanden. Sein politisch-sozial-gesellschaftliches Denken war längst geschärft. Es war ausgerichtet auf Freiheit, Gleichheit und Gerechtigkeit sowie auf die Umwälzung bestehender Verhältnisse durch die Massen und für sie. Von dieser Gesinnung zeugen seine Briefe aus Gießen, wo er seit Herbst 1833 gemäß den Vorschriften des Großherzogtums sein Medizinstudium an der Landesuniversität fortsetzte.
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Im Winter 1833/34 beschäftigte er sich intensiv mit der Lektüre über die Französische Revolution, die er als Sieg des Bürgertums aburteilte.

In seinen brieflichen Nachrichten äußerte er aufs schärfste seine Unzufriedenheit und sein Unbehagen an den politisch-gesellschaftlichen Verhältnissen in Gießen und Deutschland. Er freundete sich mit dem Butzbacher Rektor Friedrich Ludwig Weidig an, der sich als führender oberhessischer Agitator im Vormärz für die deutsche Einheit und Freiheit und gegen die regierende Politik einsetzte. Im Frühjahr 1834 schloss sich Büchner dieser sozialrevolutionären Bewegung an, die Sektionen von Gesellschaften für Menschenrechte in Darmstadt und Gießen gründete. Es wurde die revolutionäre Flugschrift „Der Hessische Landbote“ verfasst, woran sich Büchner beteiligte. Wegen seiner politischen Aktivitäten wurde Büchner polizeilich verfolgt.

Daraufhin ging er im September 1834 nach Darmstadt zurück. Nach außen hin beschäftigte er sich mit wissenschaftlichen Studien, in Wirklichkeit leitete er die Sektion der Menschenrechte. In dieser Zeit schrieb er das Revolutionsdrama „Dantons Tod“, das in einer von Karl Gutzkow abgeänderten Form ohne behördliche Behinderung erschien. Im Frühjahr 1835 setzte er sich ab nach Straßburg, nachdem er gerichtliche Vorladungen unbeachtet verstreichen ließ und steckbrieflich von der Behörde gesucht wurde. Dort widmete er sich nicht nur medizinischen, naturwissenschaftlichen und philosophischen Studien, sondern arbeitete außerdem literarisch.
Er übersetzte die Dramen „Lucrèce Borgia“ und „Marie Tudor“ von Victor Hugo, um sich so ein wenig Geld zu verdienen.
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Die Entstehung der Stücke „Leonce und Lena“, „Lenz“ sowie „Woyzeck“ fallen ebenfalls in diese Zeit. Anstatt den „Lenz“ zu beenden, verfasste Büchner Schriften über Cartesius, Spinoza und fertigte teilweise kommentierte Auszüge aus Wilhelm Gottlieb Tennemanns „Geschichte der griechischen Philosophie“ an. Büchners Revolutionsdrama „Dantons Tod“ ist äußerlich durch die teilweise Montage von Quellenzitaten gekennzeichnet. In ihm werden die späte Jakobinerherrschaft und ihre Akteure samt ihrer Motivation entlarvt als Rollenspiel, Selbsttäuschung und Phrasen. „Leonce und Lena“ ist eine melancholische Komödie mit vielen Anspielungen im Sinne einer gesellschaftlichen Satire auf deutsche Gesellschaftsverhältnisse, entstanden aus einem Wettbewerb des Cotta-Verlages.

Mit dem Fragment „Woyzeck“ öffnete Büchner in der Literatur Neuland, sowohl in thematischer als auch stilistischer Hinsicht. Hierin fand sein revolutionäres literarisches Schaffen Parallelen zu seiner politischen Lebenstätigkeit als aktiver Anhänger der Sozialrevolution. Der in der vorindustriellen Zeit verarmte Stadtsoldat Woyzeck ist der Hauptprotagonist des Stückes – ein durch die wirtschaftlich-gesellschaftlichen Umstände Geisteskranker, der einen Mord begeht, als Sinnbild für die Verantwortlichkeit von Gesellschaft, Moral und Religion. Lange Jahre bleibt das Fragment unveröffentlicht, erst 1875 geht es durch Karl Emil Franzos der Öffentlichkeit zu. In der fragmentarischen Erzählung „Lenz“ wird die Krankheitsgeschichte des Dichters Jakob Michael Reinhold Lenz aus der Sturm-und-Drang-Zeit dargestellt.

Büchner realisierte die Leidensgeschichte in psychologischer Weise als wahrnehmbare Veräußerungen innerer Vorgänge, wobei Innen- und Außenperspektive ineinander übergehen zu scheinen; die Abgrenzung zwischen Vernunft und Wahnsinn scheint zu verschwimmen.
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Zu dieser Geschichte nutzte Büchner den Krankheitsbericht des Steintaler Pfarrers Johann Friedrich Oberlin als Vorlage für seine Geschichte. Kranke als Literaturhelden, ihr Denken und Sprechen als literarischer Stil war damals eine unerhörte Sache. Darin bestand das Neue, das Georg Büchner gestaltete. Ihm ging es darum, das Hässliche des Menschen, der gesellschaftlichen Menschen wahrnehmbar und erfahrbar zu machen. Während Büchners Lebzeiten erschienen die Flugschrift, die Hugo-Übersetzungen und „Dantons Tod“.
Alle anderen Werke wurden posthum veröffentlicht. Am 3. September 1836 erlangte er mit seiner Abhandlung „Sur le systéme nerveux du barbeau“ die Doktorwürde der Philosophischen Fakultät der Züricher Universität.

Einen Monat später zog er nach Zürich und hielt an der dortigen Universität die Probevorlesung „Über die Schädelnerven“, die ihm den Zugang als Privatdozent bescherte. Im Januar 1837 erkrankte er an Typhus.

Georg Büchner starb am 19. Februar 1837 in Zürich an Typhus. (Quelle: whoswho.de)
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Und kann man sich auf eine sehr ansprechende Weise in die Gedankenwelt, in die leidenschaftliche Gedankenwelt des Georg Büchners hineinfinden, denn die Texte wurde von Helmut Griem gesprochen:

Helmut Griem (* 6. April 1932 in Hamburg; † 19. November 2004 in München) war ein deutscher Schauspieler und Theaterregisseur. Er trat in großen Rollen an fast allen großen deutschsprachigen Bühnen auf, verschaffte sich aber auch als Film- und Fernsehschauspieler internationale Anerkennung.
Helmut Griem wurde als Sohn eines Funkoffiziers in Hamburg geboren. Er studierte ursprünglich Literaturwissenschaften und Philosophie mit dem Vorhaben, Journalist zu werden.[1] Um etwas Geld für sein Studium zu verdienen, arbeitete Griem nebenbei als Darsteller in halbprofessionellen Schauspielgruppen. Während eines Engagements bei den Buchfinken wurde Griem, der nach eigenen Angaben nie zuvor an eine Schauspielkarriere gedacht hatte, zum professionellen Theater nach Lübeck verpflichtet. Prompt erhielt er in Lübeck die Titelrolle im Theaterstück Die Regenmacher. Finanziell über Wasser hielt er sich in dieser Zeit mit dem Verfassen von Kurzgeschichten für Zeitungen und Hörspielen fürs Radio.

Obwohl er nie eine Schauspielschule besucht hatte, konnte sich Griem innerhalb weniger Jahre als hochgeschätzter Theaterschauspieler etablieren. Ende der 1950er-Jahre arbeitete er für Oscar Fritz Schuh am Kölner Theater, was ihm den endgültigen Durchbruch brachte. In den folgenden Jahrzehnten war Griem an allen großen deutschsprachigen Bühnen tätig. So stand er in Engagements am Thalia-Theater und am Deutschen Schauspielhaus in Hamburg, am Wiener Burgtheater, an den Staatlichen Schauspielbühnen Berlin, an den Münchner Kammerspielen und zuletzt am Residenztheater (Bayerisches Staatsschauspiel) in München. Er spielte etwa die großen Rollen aus den Stücken von Lessing, Kleist und Goethe, trat aber auch in moderneren Stücken wie von Tennessee Williams auf. Sein Faust – Vom Himmel durch die Welt zur Hölle unter Regie von Dieter Dorn wurde sogar 1988 für eine Fernsehausstrahlung aufgezeichnet.
Verleihung der Berliner Kunstpreise

Helmut Griem (links) 1968 bei der Verleihung des Berliner Kunstpreises

Seit 1960 war Griem auch als Filmschauspieler tätig und er gewann gleich für seinen ersten Film Fabrik der Offiziere einen Bambi als Bester Nachwuchsdarsteller. Seinen anschließenden Filmen war dagegen nur geringer Erfolg beschieden, weshalb er sich zeitweise vom Film abwandte.

Der internationale Durchbruch auf der Kinoleinwand gelang ihm schließlich 1969 als SS-Obersturmbandführer Aschenbach im Filmklassiker Die Verdammten unter Regie von Luchino Visconti. Mit dem Italiener Visconti sollte Griem drei Jahre später nochmal die Filmbiografie Ludwig II. drehen. Nach dem Erfolg mit Die Verdammten spielte Griem in zahlreichen hochkarätigen Filmproduktionen aus dem In- und Ausland. Im Oscar-prämierten Filmmusical Cabaret von Bob Fosse aus dem Jahr 1972 spielte er etwa an der Seite von Liza Minnelli und Michael York den reichen Baron Maximilian von Heune. Eine seiner bedeutenden Filmrollen war der Hans Schier in Ansichten eines Clowns (1975), der Verfilmung von Heinrich Bölls gleichnamigen Roman. Zu weiteren bedeutenden Regisseuren, mit denen Griem arbeitete, zählen Volker Schlöndorff (Die Moral der Ruth Halbfass), Hans W. Geißendörfer (Die gläserne Zelle), Rainer Werner Fassbinder (Berlin Alexanderplatz) und Jacques Rouffio (Die Spaziergängerin von Sans-Souci).

Trotz großer Filmerfolge blieb das Theater Zentrum seiner Arbeit. Vor allem in der Spätphase seiner Karriere inszenierte Helmut Griem auch selbst, so etwa an den Münchner Kammerspielen Eines langen Tages Reise in die Nacht von Eugene O’Neill. Mit der Arbeit an dem Botho-Strauß-Stück Die eine und die andere konnte er nicht mehr beginnen.
Helmut Griem starb 2004 im Alter von 72 Jahren nach kurzer schwerer Krankheit.[5] Seine Grabstätte befindet sich auf dem Friedhof Ohlsdorf. (Quelle: Wikipedia)
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Helmut Griem mit Liza Minelli in „Cabaret“

Und wenn dann dieser Griem liest … dann packt er einen mit Haut und Haaren …  die Briefe geben einen tiefen Einblick in das vom Gerechtigkeitssinn getriebene Seelenleben des Georg Büchners …

Besonders beeindruckend seine z.T. tobende, fauchende Interpretation von „Dantons Tod“, hier – er spricht verschiedene Rollen – bleibt einem der Mund offen stehen … ob der Sprachgewalt dieses großen Schauspielers !

Es ist nicht nur seelisch anstrengend … diese Intensität kann man dann schon fast körperlich spüren !
Und so ist dieses Hörbuch (das Begleitheft enthält die Rede von Heinrich Böll anlässlich der Entgegenahme des Büchnr Preises am 21. Oktober 1967 in Darmstadt) mehr als stimmig und eine großartige Hommage an einen ganz großartigen Menschen der Vergangenheit.
Meine Verbeugung !
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Ja, und auch dieser Weckruf stammt von Georg Büchner

Besetzung:
Helmut Griem (Sprecher)
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Titel:
01. Steckbrief 1.30
02. Der hessische Landbote 13.20
03. Briefe 18.15
04. Zwei Briefe über Dantons Tod 4.07
05. Szenen aus Dantons Tod 29.15

Texte: Georg Büchner
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