Burschenquartett Alt Heidelberg – Deutsche Studetentenlieder (1971)

FrontCover1Und jetzt kommen wir mal zu einer Unterkategorie des deutschen Volksliedes, dem deutschen Studenentenlied:

Ein Studentenlied ist ein Lied, das traditionell hauptsächlich oder ausschließlich von Studenten bei studentischen Freizeitveranstaltungen – manchmal mit Instrumentalbegleitung – gemeinschaftlich gesungen wurde und wird.

 

Obwohl Textspuren von Studentenliedern bis ins Mittelalter zurückgehen, erschien erst im Jahre 1781 die erste deutsche Studentenliedersammlung im Druck. Im 19. Jahrhundert wurden immer mehr Studenten-Liederbücher veröffentlicht, was eine Standardisierung und Kanonisierung bewirkte. Es entstanden spezielle Liederbuch-Ausgaben, als Textvorlage für das Singen am Biertisch geeignet, die so genannten Kommersbücher.

In dieser Zeit wurde das Studentenlied auch zum Erkennungsmerkmal der seit 1800 neu entstehenden Studentenverbindungen, die eine Liedtradition aufbauten, entwickelten und bewahrten. Im Laufe des 19. Jahrhunderts strahlte diese Liedkultur auch in benachbarte Länder aus, vor allem in den Benelux-Raum, nach Osteuropa und nach Skandinavien. Um das Jahr 1900 war die Entstehung des festgefügten Corpus von Studentenliedern für den deutschsprachigen Raum im Wesentlichen abgeschlossen.

Liederbuch

Studentenlieder – Titelblatt des ersten gedruckten Studentenliederbuchs Deutschlands von 1781

Auch die ab der Mitte des 19. Jahrhunderts nach dem Vorbild der Studentenverbindungen gegründeten Schülerverbindungen nahmen die Studentenlieder für sich an und pflegen sie bis heute.

 

Traditionell behandeln die Studentenlieder vor allem Themen, die junge Leute interessieren, die fern der Heimat, der Aufsicht der Eltern und anderer Autoritätspersonen zumindest für eine gewisse Zeit entkommen sind: Feiern, Trinken, Wandern und andere Freizeitvergnügen spielen die Hauptrolle, aber auch ernstere Themen kommen im Laufe des 19. Jahrhunderts zunehmend zur Geltung.

Heute gelten diese traditionellen Studentenlieder in Deutschland, Österreich und der Schweiz als Kulturgut fast ausschließlich der Studentenverbindungen, denen in Deutschland zwei bis drei Prozent aller Studenten angehören.

Die Lieder behandeln in ihren Texten traditionell Themen, die junge Männer bewegen, die ihrem Elternhaus zumindest für eine gewisse Zeit entkommen konnten. Typisch für diese soziale Gruppe sind die in früheren Jahrhunderten unübliche individuelle Freiheit und Ungebundenheit sowie eine besonders ausgeprägte Lebenslust. Das spiegelt sich wider in den Themen: Feiern (Essen, Trinken, Rauchen), Liebe/Sexualität – vgl. die filia hospitalis – sowie Freude an der Natur und ihren Jahreszeiten.

Bei gewissen Themen bestand ein fließender Übergang zwischen Studenten- und Volkslied. Auch Soldatenlieder hatten – auf Grund der Biographien vieler Studenten – Einfluss auf das Studentenlied. Die später entstandenen und im studentischen Gebrauch verwendeten Landsknechtslieder sind jedoch eher historisierenden Ursprungs und hiervon abzugrenzen.

Mühlberg - Cantus

Georg Mühlberg: Cantus (um 1900): Verbindungsstudenten beim Singen auf einer Kneipe

Auch trugen fachspezifische Ausbildungsstätten wie Forst- und Bergakademien entsprechendes traditionelles Liedgut bei, so dass bis heute Jäger- und Bergmannslieder, wie zum Beispiel das Steigerlied, zum Repertoire der Kommersbücher gehören.

An Technischen Universitäten hat sich bis heute eine gewisse Nähe zu den Liedern der Handwerksgesellen gehalten. Während das Verhältnis von Studenten und Handwerksburschen an den wissenschaftlichen Hochschulen sehr feindselig war, standen die Studenten an den neuen polytechnischen Hochschulen des 19. Jahrhunderts dieser Kultur näher, was auch zu einem Austausch von Liedgut führte.

Ab etwa 1800 wurden die studentischen Traditionen an deutschen Hochschulen zunehmend von den Studentenverbindungen im heutigen Sinne gepflegt und weiterentwickelt. Das führte dazu, dass in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus der allgemeinstudentischen Kultur die Kultur der Studentenverbindungen wurde. Diese Verbindungen verloren ab etwa 1848 den Nimbus der verbotenen Zusammenschlüsse von ungehorsamen Jugendlichen und wurden zu etablierten Institutionen der außerwissenschaftlichen Erziehung der Studenten. Durch die Bildung von Altherrenschaften, also den Organisationen der nicht mehr studierenden Mitglieder, entstand eine neue Art von Studentenlied, die mehr aus dem Alter auf die „schöne Jugendzeit“ zurückblickte (O alte Burschenherrlichkeit).

Mühlberg

Landesvater von Georg Mühlberg (1863–1925)

Durch diese zunehmenden Kontakte zum Bildungsbürgertum entwickelten sich auch neue Themen im Studentenlied. Besonders typisch ist dabei eine Liedform, die sich in scherzhafter Form mit historischen Themen auseinandersetzte. Berühmtester Dichter dieser Liedgattung war Joseph Victor von Scheffel.

Seit den Befreiungskriegen und besonders nach der Reichsgründung 1871 wurden „vaterländische“ Lieder, also Lieder über die deutsche Nation und ihre Wehrhaftigkeit zu beliebten Liedern deutscher Studenten. Sie wurden zum festen Programmpunkt feierlicher studentischer Veranstaltungen. (Quelle: wikipedia)

Ohne die gesangliche Leistung dieses Burschenquartetts schmälern zu wollen (da werden doch glatt 20 Klassiker im Schweinsgalopp gesungen !) … so ganz wohl fühle ich mich nicht bei hören dieser Lieder … zusehr verbinde ich sie mit studentischen Verbindungen (nicht nur der schlagenden Zunft) und dem dort oftmals anzufindenden nationalistischem Gedankengut … oftmals eine Keimzelle für braunen Dreck … und wo das hinführt, wissen wir.

Und Lieder mit rätselhaften Titeln wie „Krambambuli“ oder „Ca, ca, geschmauset“ habe ich ja noch nie gehört.

Ach ja, die sog. „Perl-Serie“ war das Billiglabel von Metronome.

Allers - Beim_Gesang

Christian Wilhelm Allers: Beim Gesang, 1902

Besetzung:
Rolf Behrens (Bariton)
Wolfgang Christian (Tenor)
Konrad Jur (Tenor)
Wolf Nicolai (Baß)
+
musikalische Begleitung

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Titel:
01. O alte Burschenherrlichkeit (Traditional) 1.51
02. Wenn man beim Wein sitzt (Traditional/Kopisch) 0.52
03. Im Krug zum grünen Kranze (Traditional/Müller) 1.14
04. Wohlauf, die Luft geht frisch und rein (Müller/v.Scheffel) 1.56
05. Der Jäger aus Kurpfalz (Traditional) 0.39
06. Krambambuli (Traditional) 2.01
07. Burschen heraus (Traditional) 0.56
08. Der Mai ist gekommen (Traditional/Geibel) 1.26
09. Studio auf einer Reise (Traditional) 1.25
10. Wer niemals einen Rausch gehabt (Müller/Perinet) 1.44
11. Vom hohen Olymp herab (Schnoor) 1.30
12. Wem Gott will rechte Gunst erweisen (Fröhlich/v.Eichendorff) 0.53
13. An der Saale hellem Strande (Fesca/Kugler) 1.55
14. Im Wald und auf der Heide (Traditional/Bornemann) 1.34
15. Das Lieben bringt groß´Freude (Traditional) 0.57
16. Einst hat mir mein Leibarzt empfohlen (Traditional/Langbein) 1.27
17. Wenn ich einmal der Herrgott wär´ (Binde/Amthor) 2.24
18. Grad´ aus dem Wirtshaus heraus (v.Müller) 1.00
19. Ca, ca, geschmauset (Traditional) 1.52
20. Gaudeamus Igitur (Traditional/Kindleben) 3.18

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Alte Postkarte

Studentischer Umzug mit einem Zitat von „Gaudeamus igitur“ auf einer alten Postkarte