Lutz Görner – Trunken von Gedichten (2000)

FrontCover1.jpgAlso eigentlich bin ich mit der deutschen und sonstigen Lyrik weder vertraut, noch wurde ich bisher mit ihr  besonders warm (mit wenigen Ausnahmen) … Das änderte sich ziemlich schlagartig, als ich diese Doppel-CD hörte:

Lutz Görner (* 1. Januar 1945 in Zwickau) ist ein deutscher Rezitator.

Görner wuchs im Rheinland auf und stand als Schüler in Statistenrollen und als Tänzer im Stadttheater Aachen auf der Bühne. Er wollte zunächst Theaterintendant werden, studierte in Köln Theaterwissenschaft, Germanistik, Kunstgeschichte, Philosophie und Soziologie und besuchte dort die Schauspielschule. Es folgten Tätigkeiten an verschiedenen deutschen Bühnen als Bühnenarbeiter, Requisiteur, Schauspieler und Regisseur. Politisch organisierte sich Görner viele Jahre in der DKP.

LutzGörner1977

Lutz Görner, ca. 1977

Mitte der 1970er Jahre war Görner zunächst in München als Rezitator der Werke Heinrich Heines tätig. 1981 unternahm er zusammen mit Tahsin İncirci eine Tournee durch Deutschland unter dem Titel Ich liebe mein Land als Rezitator der Werke Nâzım Hikmets. Bis 1988 arbeitete er eng mit Ulrich Türk zusammen, der seine Programme und LPs musikalisch ausgestaltete. Programme wie Goethe für alle öffneten ihm die Stadttheater und Spielstätten auf der ganzen Welt. Görners Interpretation von Heinrich Heines Gedicht Deutschland – Ein Wintermärchen hatte im Großen Saal der Glocke in Bremen seine 1.000 Aufführung. Görner ging mit Programmen wie Droste für alle, einem Brecht-Programm (musikalisch begleitet von Oliver Steller, Dietmar Fuhr und Bernd Winterschladen) und über Friedrich Schillers Opiumschlummer und Champagnerrausch (mit Stefan Sell) auf Tournee. Von 1992 bis 1999 leitete Görner in Köln sein eigenes „Rezitheater“.

LutzGörner1994

1994 – Lasker-Schüler: Deutsche Dichterin

Im Fernsehen war Görner von 1993 bis 2010 durch die 200-teilige Serie „Lyrik für alle“ vertreten, eine kleine gesprochene Literaturgeschichte der Lyrik vom Barock bis heute, die jeden Sonntagmorgen bei 3sat gesendet wurde.

Seit 2012 tritt Görner im Rahmen von ihm inszenierter und begleiteter Klavierabende auf. Diese Abende sind eine Mischung aus Literatur und Musik von Komponisten, meist des 19. Jahrhunderts. Bisher sind Programme über Franz Liszt, Frédéric Chopin, Richard Wagner, Ludwig van Beethoven und Franz Schubert sowie italienische Musik von Rossini, Donizetti, Bellini, u. a. unter dem Titel Eine italienische Nacht entstanden.

Lutz Görner lebt im Oberbergischen bei Köln. (Quelle: wikipedia)

LutzGörner1998

1998 – Zauberlehrling & Co von li Gerd Harder, Marcel Mader, Lutz Görner, Oliver Steller.

Und hier ein Querschnitt seines Schaffens … diese Doppel-CD trägt daher auch den Untertitel „Die fünfzig schönsten Texte aus fünfundzwanzig Jahren Rezitation“. Und es entfaltet sich vor uns ein wahrlich prachtvolles Kaleidoskop überwiegend deutscher Sprachgewalt, gewaltig diese Brandbreite … veredelt durch diesen Lutz Görner … ein Meister seines Fachs, wie er all diese Sprachklänge modulieren kann … betonen und somit den Kern einer Lyrik herausarbeitet … das ist wirklich famos !

Doch damit nicht genug: Görner nutzt dieses Best Of Album auch für sehr persönliche Rückschau auf seine Karriere wirft und dabei auch die Rückschläge nicht unter den Tisch fallen lässt.

Interessant auch sein Wandel vom politischen Rezitator hin zu einem, der sich auch an die deutschen Klassiker heranwagte. Und Görner bezeichnet sich im übrigen auch weiterhin als ein „68er“. Da steht mal wieder einer zu seiner Biographie und seinen Prägungen.

LutzGörner2003

2003 – Pessefoto Brecht-Programm. (v.l. Oliver Steller, Lutz Görner, Bernd Winterschladen, Dietmar Fuhr)

Von daher ein ganz besonderes Album. Leider lag meinem Exemplar (gebraucht erworben) kein Begleitheft bei, eigentlich ganz und gar nicht vorstellbar bei dem hochwertigem Naxos Label … Sehr schade !

Na, jedenfalls wird sich hier zukünftig mehr Lyrik tummeln und der Lutz Görner ist daran schuld !

Zwei erste und zwar dringende Empfehlungen: „Die Wahlesel“ (Heinrich Heine, passend zur Landtagswahl in Bayern) und „Krieg dem Kriege“ (Kurt Tucholsky, passend zur Weltlage).

LutzGörner2013

2013: Lutz Görner im Wagner-Museum in Bayreuth

Besetzung:
Lutz Görner (Sprecher)

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Titel:

CD 1:
01. Robert Gernhardt: Seht mich an, der Fuß der Zeit… 2.21
02. Christian Hoffmann: Von Hoffmannswaldau bei Antretung des 55. Jahres 1.49
03. Heinrich Heine: Vorrede zu „Geschichte der Philosophie“ 2.23
04. Johann Wolfgang von Goethe: Gedichte 1.04
05. Novalis: Wenn Nicht Mehr Zahlen Und Figuren… 0.41
06. Joseph von Eichendorff: Schläft ein Lied in allen Dingen… 0.29
07. Robert Gernhardt: Gedichte sind Beschissen… 2.57
08. Heinrich Heine: Die Wahlesel 6.08
09. Kurt Tucholsky: Krieg dem Kriege 6.03
10. Bertolt Brecht: Diese Arbeitslosigkeit 2.11
11. Theodor Storm: Der Lump 2.23
12. Nazim Hikmet: Ich liebe mein Land 1.58
13. Nazim Hikmet: Die Mehrzahl der Menschen 1.34
14. Nazim Hikmet: Das Meer muß man sein 1.35
15. Louis Fürnberg: Das Nußbaumblatt 2.25
16. Johann Wolfgang von Goethe: Monolog aus Faust II.Teil 7.12
17. Unbekannt König Salomo: Aus dem Buch Prediger: Es ist alles ganz eitel… 6.32
18. Wilhelm Busch: Vorwort aus „Maler Klecksel“ 6.36
19. Wilhelm Busch: Der alte Narr 1.35
20. Wilhelm Busch: Verlust der Ähnlichkeit 1.49
21. Heinrich Heine: Die Launen der Verliebten 3.20
22. Johann Wolfgang von Goethe: Über allen Gipfeln ist Ruh… 1.15
23. Theodor Fontane: Herr von Ribbeck auf Ribbeck… 3.07
24. Peter Maiwald: Das Meer 0.56

CD 2:
01. Robert Gernhardt: Folgen der Trunksucht 1.46
02. Berns: Lob der Schwarzen Kirschen 2.02
03. Robert Gernhardt: Ein Gleichnis 1.18
04. Robert Gernhardt: Monolog des Prinzen von Hamburg 3.14
05. F. W. Bernstein: Aus dem Schmatzkästlein… 4.32
06. Hadamar von Laber: Kometorik 1.47
07. Gotthold Ephraim Lessing: Der über uns 3.52
08. Clemens Brentano: Singet leise, leise, leise… 0.43
09. Clemens Brentano: Hörst du, wie die Brunnen rauschen… 2.18
10. Eduard Mörike: An einem Wintermorgen vor Sonnenaufgang 2.28
11. Matthias Claudius: Der Mensch 1.19
12. Matthias Claudius: Die Sternseherin Lise 2.20
13. Else Lasker-Schüler: Ein Alter Tibetteppich 1.16
14. Else Lasker-Schüler: Mein blaues Klavier 1.43
15. Annette von Droste-Hülshoff: Mondesaufgang 4.45
16. Joachim Ringelnatz: Seepferdchen 2.13
17. Joachim Ringelnatz: Überall 1.01
18. Joachim Ringelnatz: Cassel 2.33
19. Christian Morgenstern: Die Schildkröte 1.08
20. Christian Morgenstern: Der Hecht 0.43
21. Christian Morgenstern: Das Wasser 0.39
22. Christian Morgenstern: Das Butterbrotpapier 2.47
23. Christian Morgenstern: Drei Hasen 2.03
24. Johann Wolfgang von Goethe: An Den Mond 3.01
25. Joachim Ringelnatz: Zum Aufstellen der Geräte (live) 2.33
26. Kurt Tucholsky: Ein deutsches Volkslied (live) 8.57
27. Johann Wolfgang von Goethe: Umsonst (live) 2.25
28. Patrizia Fortenkopp: Ohne Titel (live) 1.36

CD2A

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Das Schönste an Lutz Görner ist, dass er unprätentiös mit ein paar gebrochenen verspielten Gesten seine gut pointierten Texte spricht und mit ironischem Spaß die Dichtung und das Leben der Dichter zu trennen und aufeinander zu beziehen weiß. (Süeddeutsche Zeitung)

 

Die Viel-Harmoniker – Max und Moritz (1982/2008)

FrontCover1Immer wieder gab es so Vokal-Ensembles, die an die große Zeit dieser Musikrichtung und zwar in den 20er und 30er Jahre erinnern oder gar anknüpfen wollten.

Ein ganz besonderes Ensemble dieser Art sind Die Viel-Harmoniker und das hat was mit ihrem Gründer zu tun:

Die Viel-Harmoniker waren eine deutsche Musikgruppe auf dem Gebiet des Schlagers.

Die Gruppe wurde 1976 von Gert Wilden als Vokalensemble mit Klavierbegleitung in München gegründet. Das Ensemble singt im Stil der Comedian Harmonists hauptsächlich Lieder der 1920er und 1930er Jahre, sowie Neukompositionen im Stil dieser Zeit.

Mitglieder waren zunächst Toni Rosner, Siegfried Hussner, Alo Schnurrer, Wolfgang Schultz und Walter Leykauf. Letzterer war bereits bei den Nilsen Brothers erfolgreich und ist seit 1984 ein erfolgreicher Sänger der volkstümlichen Musik. Nach seinem Austritt aus der Gruppe wurde Günther Graf sein Nachfolger, der bis zur Auflösung der Gruppe ein fester Bestandteil dieser als 2. Bariton blieb. Gründer und Komponist Gert Wilden begleitete die Sänger am Klavier.

Viel-Harmoniker01

Die Viel-Harmoniker nahmen zahlreiche Titel der Comedian Harmonists, aber auch andere bekannte Hits, neu auf und waren bald über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt. Sie traten in Frack und Zylinder auf und waren in zahlreichen Musiksendungen des Rundfunks und Fernsehens zu Gast wie zum Beispiel in der Unterhaltungsshow Zum Blauen Bock. Darüber hinaus gaben sie zahlreiche Konzerte in ganz Europa, sogar in China und Südamerika. Insgesamt wurden 18 Langspielplatten gemacht.

1980 beteiligten sich die Vielharmoniker an der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest. Ihr Lied In der Oper belegte Platz zehn. (Quelle: wikipedia)

Beschäftigt man sich näher mit diesem Ensembles, so kann man feststellen, dass die eine wahre Flut von Aufnahmen veröffentlicht haben. Die meisten sind in Vergessenheit geraten, so auch diese.

Urspürnglich erschienen diese Aufnahmen wohl bei Global/Metronome und zwar im Jahr 1982 … Erst viele Jahre später gab´s dann diese Neuauflage auf dem Billig-Label Bell, die eigens für den Onlineversand Jokers veröffentlicht wurde.

Mit der nötigen Theatralik (augenzwinkern, natürlich) werden die sieben Streiche von beiden treffsicher intoniert … begleitet vom Komponisten Gert Wilden am Piano.

 

GertWilden

Gert Wilden

 

Besetzung:
Siegfried Hussner (tenor)
Toni Rosner (tenor)
Alo Schnurrer (bariton)
Wolfgang Schultz (bass)
+
Gert Wilden (piano)

Booklet1

Titel:
01. Vorwort 1.32
02. 1. Streich: Witwe Bolte 3.49
03. 2. Streich: Witwe Bolte 3.58
04. 3. Streich: Schneider Böck 2.48
05. 4. Streich: Lehrer Lämpel 4.23
06. 5. Streich: Onkel Fritz 3.35
07. 6. Streich: Meister Bäcker  Die Vielharmoniker 2.10
08. Letzter Streich: Bauer Meckle 2.45
09. Schluss 1.22
10. Das Bad am Samstag Abend 2.26
11. Der Virtous  5.51

Texte: Wilhelm Busch
Musik. Gert Wilden

CD1

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Erich Ponto – Humor des Herzens – Erich Ponto liest Wilhelm Busch (1957)

FrontCover1Ich behaupte man ganz keck, die meisten der Blog-Leser hier, haben Erich Ponto schon mal gesehen. Und zwar als Professor Crey in dem Klassiker „Die Feuerzangenbowle“.

Erich Johannes Bruno Ponto (* 14. Dezember 1884 in Lübeck; † 4. Februar 1957 in Stuttgart) war ein deutscher Schauspieler.
Erich Johannes Bruno Ponto wurde am 14. Dezember 1884 als jüngstes von vier Kindern in Lübeck geboren. Seine Mutter Ida Albers aus Reinbek ehelichte Ludwig Ponto, der von seinem Vater Heinrich Ponto einen Manufakturwarenladen vermacht bekam. Die Pontos waren Kaufleute aus Norddeutschland. Seine Eltern wohnten erst in Lübeck und zogen dann nach Hamburg-Eimsbüttel. Erich Ponto besuchte die Schule in Altona.
Studienzeit
Zunächst begann er ein Studium der Pharmazie. Unter seinen Hochschullehrern befand sich auch Wilhelm Conrad Röntgen. Ponto hatte immer den Drang nach der Schauspielerei; mit Freunden probte er Klassiker, beteiligte sich an Literaturzirkeln und entwickelte fortan die Personen in seinen Stücken. Im Jahr 1905 machte er sein Provisor-Examen. Von 1905 bis 1907 arbeitete er in der Beueler Hirschapotheke. Seine Ausbildung zum Schauspieler bekam er bei Hans Lackner im Jahre 1908.

Erich Ponto01

Erich Ponto und Heinz Rühmann in dem Film „Die Feuerzangenbowle“

Ponto erhielt sein erstes Engagement 1908 am Stadttheater Passau, später in Reichenberg/Nordböhmen (1910/11). Im Jahr 1916 heiratete er Tony Kresse, mit der er seine Tochter Eva Ponto (* 1918, verheiratete Doering) und seinen Sohn Klaus Ponto (* 1927, ebenfalls Schauspieler) bekam. Erich Ponto war mit Tonys Brüdern befreundet und ging im Hause Kresse ein und aus. In den 1910er (?) Jahren hatte Ponto bereits kurze Erfahrungen mit dem Stummfilm gemacht, so in Der Geiger von Meißen (1921/1922).
Seit 1914 spielte Ponto in Dresden, wo er bis 1947 lebte. Im Jahr 1920 hatte er seinen ersten Kontakt mit dem Film; aber erst ab 1930, mit einer zehnjährigen Unterbrechung, begann seine Karriere als Filmschauspieler. Im Dritten Reich wirkte er in mehreren NS-Propagandafilmen mit, darunter Die Rothschilds (1940), Blutsbrüderschaft (1941) und Ich klage an (1941). Besonders herausragend war seine Rolle als Professor Crey in dem Film Die Feuerzangenbowle. In Frauenarzt Dr. Prätorius spielte er den Pathologen Professor Speiter. Neben seinen zahlreichen Filmrollen spielte er Theater und pendelte fast täglich zwischen Berlin und Dresden.

Als bei ihm in der Zeit des Nationalsozialismus eine Hausdurchsuchung stattfand, wollte man bei ihm Kollwitz-Zeichnungen beschlagnahmen. Ponto stellte lakonisch fest, er brauche diese noch für seine Arbeit, und so wurden sie wieder in den Schrank gestellt.

Ponto betätigte sich nach dem Krieg politisch in seiner damaligen Wahlheimat Dresden, in der er sehr beliebt war. Unmittelbar nach Kriegs-Ende wurde er 1945 Intendant am Dresdner Schauspielhaus. Als bereits am 10. Juli 1945 im damaligen Haus der Kirchgemeinde „Die Erste Kirche Christi, Wissenschafter“ (das spätere „Kleine Haus“) die erste Dresdner Nachkriegs-Schauspiel-Aufführung mit Nathan der Weise stattfand, verkörperte Ponto die Titelrolle.
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Eine seiner Entdeckungen war der Dresdner Schauspieler Rolf Ludwig, der als ehemaliger Luftwaffenpilot aus dem Krieg zurückgekehrt war und bei Ponto vorsprach. Ludwig wollte hierbei sein sportliches Geschick unter Beweis stellen und sprang am Ende des Vorsprechens seiner Rolle aus dem Fenster. Wie sich herausstellte, hatte er fälschlicherweise angenommen, dass sich der Raum im Erdgeschoss befand. Jedoch sprang er aus dem ersten Stock. Als Ludwig mit gebrochenem Arm auf der Straße lag, rief Ponto aus dem Fenster: „Junger Mann, Sie sind engagiert.“

Eine weitere seiner Entdeckungen für die Bühne und den Film war Gert Fröbe. Fröbe hatte allen Mut zusammengenommen, um Ponto etwas vorzusprechen. Dieser winkte zunächst wegen Fröbes unüberhörbaren sächsischen Dialektes ab, nahm ihn später aber doch als Schüler. Das Vorsprechen des Gert Fröbe kommentierte Ponto mit den Worten: „Mephisto war kein Sachse.“

Wegen der für ihn unerträglichen Zustände in der sowjetischen Besatzungszone verließ Ponto Dresden im Jahr 1947 und ließ sich in Stuttgart nieder, wo er mit Curt Goetz in Kontakt trat. Er verließ Dresden, weil er, wie er an Kollegen schrieb, „in dieser Stadt nicht frei spielen könne, wenn er nicht einer bestimmten politischen Haltung angehörte“.
Im Jahr 1947 kam Erich Ponto an das Staatstheater Stuttgart. 1949 drehte er den international bekannten Film Der dritte Mann mit Orson Welles und Joseph Cotten. Für die Spielzeit 1950/51 holte ihn Heinz Hilpert an das Deutsche Theater Göttingen. Hier spielte er unter anderem die Hauptrolle in Der Bauer als Millionär von Ferdinand Raimund. Vergnüglich waren auch die sonntäglichen Matinée-Veranstaltungen, abwechselnd gestaltet von Erich Ponto und Heinz Hilpert.

1952 wurde er zum Württembergischen Staatsschauspieler ernannt. Zu seinem 70. Geburtstag 1954 wünschte er sich die Titelrolle in Lessings „Nathan der Weise“. Im Jahr 1954 erhielt er das Bundesverdienstkreuz am Bande und 1956 das Filmband.

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Ponto verfasste zu öffentlichen und privaten Anlässen gerne und häufig Gedichte. In seinen letzten Lebensjahren lebte er mit einer früheren Schülerin, der Schauspielerin Edith Heerdegen (1913–1982) zusammen. Er starb am 4. Februar 1957 in Stuttgart nach langer Krankheit, die ihn nicht daran hinderte, zu spielen. So sah man ihn noch 1957 bereits todkrank in seinem letzten Kinofilm Der Stern von Afrika. Er wurde zunächst auf dem Waldfriedhof Stuttgart beigesetzt und später auf den Hamburger Friedhof Nienstedten umgebettet. Heute erinnern in Stuttgart eine Straße im Stadtteil Vaihingen (Erich-Ponto-Weg) und ein Gedenkstein auf dem Grab der Familie Böhm (Ehemann von Edith Heerdegen) an ihn.

Fünfzig Jahre später, im März 2007, wurde er nach Dresden in den Urnenhain Tolkewitz umgebettet. Auch in Dresden ist eine Straße nach ihm benannt. Der Förderverein Staatsschauspiel Dresden e. V. vergibt seit 1999 in Würdigung und Erinnerung an Pontos langjährige Zeit am Staatsschauspiel Dresden den der Nachwuchsförderung dienenden Erich-Ponto-Preis für herausragende darstellerische Leistungen an ein Mitglied des Ensembles.

Erich Ponto war ein Onkel von Jürgen Ponto, dem 1977 von RAF-Terroristen ermordeten Vorstandssprecher der Dresdner Bank. (Quelle: wikipedia)
Hier hören wir ihn am Ende seiner Karriere … er interpretiert Gedichte von Wilhelm Busch, jenem spitzfindigem Humoristen ….
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Wilhelm Busch

Heinrich Christian Wilhelm Busch (* 15. April 1832 in Wiedensahl; † 9. Januar 1908 in Mechtshausen) war einer der einflussreichsten humoristischen Dichter und Zeichner Deutschlands. Seine erste Bildergeschichte als Tafeln erschien 1859 und als ein Buch Bilderpossen 1864. Schon in den 1870er Jahren zählte er zu den bekannten Persönlichkeiten Deutschlands. Zu seinem Todeszeitpunkt galt er als ein „Klassiker des deutschen Humors“, der mit seinen satirischen Bildergeschichten eine große Volkstümlichkeit erreichte.

Er gilt heute als einer der Pioniere des Comics. Zu seinen bekanntesten Werken zählen die Bildergeschichten Max und Moritz, Die fromme Helene, Plisch und Plum, Hans Huckebein, der Unglücksrabe und die Knopp-Trilogie. Viele seiner Zweizeiler wie „Vater werden ist nicht schwer, Vater sein dagegen sehr“ oder „Dieses war der erste Streich, doch der zweite folgt sogleich“ sind zu festen Redewendungen geworden. Seine Satiren verspotten häufig Eigenschaften einzelner Typen oder Gesellschaftsgruppen. So greift er in seinen Bildergeschichten die Selbstzufriedenheit und zweifelhafte Moralauffassung des Spießbürgers und die Frömmelei bürgerlicher und geistlicher Personen an.

Briefmarke

Busch war ein ernster und verschlossener Mensch, der viele Jahre seines Lebens zurückgezogen in der Provinz lebte. Seinen Bildergeschichten, die er als „Schosen“ (französisch chose = Sache, Ding, quelque chose = etwas, irgendwas) bezeichnete, maß er wenig Wert bei. Sie waren am Beginn für ihn nur ein Broterwerb, mit dem er nach einem nicht beendeten Kunststudium und jahrelanger finanzieller Abhängigkeit von den Eltern seine drückende wirtschaftliche Situation aufbessern konnte.

Sein Versuch, sich als ernsthafter Maler zu etablieren, scheiterte an seinen eigenen Maßstäben. Die meisten seiner Bilder hat Wilhelm Busch vernichtet, die erhaltenen wirken häufig wie Improvisationen oder flüchtige Farbnotizen und lassen sich nur schwer einer malerischen Richtung zuordnen. Seine von Heinrich Heine beeinflusste lyrische Dichtung und seine Prosatexte stießen beim Publikum, das mit dem Namen Wilhelm Busch Bildergeschichten verband, auf Unverständnis. Die Enttäuschung seiner künstlerischen Hoffnungen und das Ablegen überhöhter Erwartungen an das eigene Leben sind Motive, die sich sowohl in seinen Bildergeschichten als auch in seinem literarischen Werk wiederfinden. (Quelle: wikipedia)


Und dass Busch eben noch wesentlich mehr drauf hatte als „Max und Moritz“ kann man hier hören .. .genial interpretiert von Erich Ponto-

Diese 10″ LP ist kurz vor seinem Tode erschienen … Aufgenommen so um 1955/1956

AlternateFront+BackCover

EP mit einem Teil der Texte

Besetzung:
Erich Ponto (Sprecher)
+
unbekannter Pianist

BackCover1

Titel:

Balduin Bählamm:
01  Balduin Bählamm 1. Kapitel 6.32

9 Gedichte aus Kritik des Herzens und zu guter Letzt:
02. Die erste Tante sprach 0.52
03  Zwei Knaben, Fritz und Ferdinand 1.36
04. Selig sind die Auserwählten 0.37
05. Sie war ein Blümlein hübsch und fein 0.46
06. Die Liebe war nicht heringe 0.38
07. Wonach du sehnlich ausgeschaut 0.31
08. Wer möchte diesen Erdenball 0.39
09. Wirklich, er war untentbehrlich 0.35
10. Die Tugend will nicht immer passen 0.35

11. Musikalisches Vorspiel 0.34

Der Nöckergreis:
12. Der Nöckergreis 5.30

8 Gedichte:
13. Früher, da ich znerfahren 0.37
14. Der Ruhm wie alle Schwindelware 1.21
15. Ganz unverhofft an einem Hügel 0.48
16. Ein Künstler auf dem hohen Seil  0.59
17. Wenn alles sitzen bliebe 0.19
18. Er stand vor seines Hauses Tür 0.41
19. Als ich in Jugendtagen 0.36
20. Es sitzt ein Vogel auf dem Leim 0.45

Alle Texte: Wilhelm Busch

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(Diesmal ohne Passwort)