Verschiedene Interpreten – Songs gegen Sucht (1993)

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Tja, da gab´s mal ein engagiertes Kreisjugendamt im oberbayerischen Landkreis Starnberg … und das lobte einen Wettbewerb aus; dieser „sollte über das Medium Rockmusikeine Auseinandersetzung mit dem Thema ermöglichen und zu einer positiven Lebenseinstellung führen“ (Hüllentext).

Und so kamen drei Amateurbands aus dediesem Landkreis dann in den Genuss, in einem Studio ihre Songs gegen Drogen usw. einzuspielen.

Aufnahmeort waren dann die „Red Rooster Studios“ in Tutzing und der Kenner der deutschen Musikszene ahnte bereits, wer da als  musikalischer Schirmherr fungiert hat: Kein anderer als Peter Maffay, dem Eigner der Red Rooster Studios …

Und mit dem großartigem Drummer Pete York (der damals ebenfalls im Landkreis Starnberg lebte) hatte man gleich ein zweites Schwergewicht der (internationalen) Musikszene im Boot.

Und so entstanden dann drei Aufnahmen, die dann als CD veröffentlicht und verkauft wurden …  Diese CD wurde dann auch noch in ein flott gestaltetes Begleitheft verpackt …  … Soweit so gut und auch wenn die Texte ein wenig bemüht klingen, musikalisch sind hier überzeugende Beispiele aus der deutschen Amateuer-Szene jener Jahre entstanden.

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Tja, da gab´s mal einen engagierte Kreisjugendpfleger im oberbayerischen Landkreis Starnberg, der dieses Projekt ausgeheckt hat und sich auch den Arsch aufgerissen hat, um die Finanzierung beim Kreiskämmmerer durchzubringen. Und er war damit erfolgreich. Und dieser Kreisjugendpfleger hieß Eduard Zenger … und ab hier wird´s nun sehr persönlich, denn ich nenn den Eduard von nun an Edi … denn ich habe ihn bereits in den 80er Jahren, als er noch in Weilheim arbeitete …

Und ich erinnere mich an so etliche durchzechte Nächte, bei denen wir aus dem Lachen nicht mehr herauskamen ,,, einfach weil der Edi ein Supertyp war und er und sein Humor sowas von ansteckend war …

Und in den 90er Jahren sind wir uns immer wieder mal um über den Weg gelaufen, haben uns angegrinst, ob unserer früheren Nächten voller Lebenslust … aber beruflich gingen wir dann halt unterschiedliche Wege … und so verlor ich ihn ein wenig aus den Augen … bis ich dann erfuhr, dass er an der Parkinsonschen Krankheit litt …  aber das hielt ihn nicht ab, seine geliebte Jugendarbeit weiter zu betreiben:

Er ist eine Institution im Landkreis Starnberg. Der Profi-Jugendliche ist seit 25 Jahren im Dienst. Kreisjugendpfleger Eduard „Edi“ Zenger will noch zwei Jahre im Amt bleiben.

Ehe der gebürtige Burgweintinger, Sohn eines Postbeamten, am 1. Januar 1988 sein Amt beim Fachbereich Jugend und Sport im Landratsamt Starnberg antrat und damit eine ganze Ära einläutete, hatte er seit 1981 bereits das Weilheimer Jugendzentrum geleitet. Für den damals selber noch jungen Mann ein ziemliches Kontrastprogramm zu den eigenen, „wilden Jahren“. Eigentlich wollte er ja Nautik studieren, erzählt Zenger und schaut wie ein Seebär, der nur kurz an Land gegangen ist: „Ich habe bei der Bundeswehr eine Marinetaucher-Ausbildung gemacht und bin dann zu einer Reederei im norwegischen Stavanger gegangen.“

Bevor Zenger sein Studium begann und nach Weilheim ging, hat er sich aber noch fremde Länder und Menschen angeschaut und seine Sinne geschärft – zum Beispiel in Indien, Indonesien und Südamerika. In Peru lernte er einen Pater kennen, der die von den Machthabern des Landes äußerst misstrauisch beäugte Befreiungstheologie lehrte. Edi, wie ihn Freunde und Mitarbeiter nennen, brachte also seinen weiten Blick auf die Welt und eine starke Verbundenheit zum Meer mit in seine Arbeit ein.

Unter der Überschrift Erlebnispädagogik wurde gleich mal Segeln ins Programm des Jugendamtes aufgenommen. „In jahrelanger Arbeit haben wir uns einen 20er Jollenkreuzer, die Shanty, selber hergerichtet“ – Jugendarbeit am Wasser sozusagen. Reisen nach Frankreich, Ungarn, Italien/Sizilien gehörten damals auch zum Angebot des Jugendamtes.

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Mittlerweile haben sowohl die institutionalisierte Jugendarbeit (Jugendamt und übergeordnete Ebenen, Jugendherbergswerk, Suchtberatung) wie auch die offene Jugendarbeit (Jugendhäuser) auf die vielschichtige Problematik in den Familien reagiert. Es gibt auf Anregung von Eduard Zenger auf Kreisebene das Internationale Jugendcamp, den Arbeitskreis Sucht, es gibt die Suchtpräventionsberatung bei Condrobs, es gibt Programmangebote für Alleinerziehende und deren Nachwuchs. Die hohe Scheidungsrate hat ihre Auswirkungen auch auf die Jugendarbeit. „Am Anfang war es relativ einfach, für diese Herausforderungen ein Konzept zu schreiben und es dem damaligen Leiter des Kreisjugendamtes, Bernhard Frühauf, vorzulegen“, erinnert sich Zenger, „heute ist der Verwaltungsaufwand mehr geworden.“
„Wichtig für Effektivität war die Vernetzung zwischen Schulen, offener und Verbandsjugendarbeit“, stellt Zenger fest. Er kann stolz sein auf das in fast drei Jahrzehnten Erreichte: Der von ihm mit konzipierte Jugendhilfe-Plan von 1990 für den Landkreis Starnberg hat als Vorbild für ganz Bayern gedient.

Anfangs gab es hauptamtlich betreute Jugendzentren nur in Starnberg und Gauting, während die Jugendhäuser in Seefeld, Inning und Wörthsee in Selbstverwaltung liefen. Erst das „zweite Standbein“, die offene Jugendarbeit, habe den Stellenwert der Jugendarbeit insgesamt gehoben, lautet die heutige Einschätzung. Inzwischen kümmert man sich in Pöcking, Seefeld, Gilching und Krailling hauptamtlich um Jugendliche, in Tutzing und Feldafing gebe es immerhin Ansätze, nur Andechs und die etwas zersiedelte Gemeinde Berg seien noch weiße Flecken auf der Karte.

„Ich selber möchte heute trotz des verbesserten Angebots kein Jugendlicher sein“, sagt Zenger. Früher habe man zum Beispiel auf dem Dorf nur die Vereine gehabt und „halt genommen, was da ist“ – heutzutage gerieten die jungen Leute dagegen eher in Freizeitstress, was wiederum mit dem Anspruchsdenken mancher Eltern in Starnberg und Umgebung zu tun habe: Das „Kind“ soll Reiten lernen, Klavier/Geige, Ballett, Taekwondo, es soll Fußball spielen und Ski fahren können, rudern und segeln – und außerdem noch gute Schulnoten haben.

Junge Leute bis 25 Jahre können sich an dem vom Landratsamt, dem Kino Breitwand und der Peter Maffay Stiftung ausgelobten Wettbewerb beteiligen. Sie sollen einen Kurzfilm drehen zum Thema "Landkreis Starnberg - Ort der Vielfalt" mit einer Länge von 90 Sekunden. (auch bei diesem Projekt hatte der Edi seine Finger im Spiel)

Junge Leute bis 25 Jahre können sich an dem vom Landratsamt, dem Kino Breitwand und der Peter Maffay Stiftung ausgelobten Wettbewerb beteiligen. Sie sollen einen Kurzfilm drehen zum Thema „Landkreis Starnberg – Ort der Vielfalt“ mit einer Länge von 90 Sekunden. (auch bei diesem Projekt hatte der Edi seine Finger im Spiel)

So oder so hat Zenger ein gewisses Statusdenken beobachtet am Starnberger See: „Die Eltern setzen sich selbst und ihre Kinder unter einen bestimmten materiellen Druck.“ In der Schule heißt derlei „Markenklamotten-Terror“. Er habe schon mit Eltern zu tun gehabt, die ihren Sprösslingen 50 Euro Taschengeld für die Jugendfreizeit in Oberammergau mitgeben und auf Einzelzimmer bestehen, berichtet Zenger.

Die Jugend von heute: Unpolitischer soll sie angeblich sein, überwiegend eine Scheu vor Gremien und dauerhaftem Engagement haben. „In bestimmten Entwicklungsphasen eines jungen Menschen ist es völlig untypisch, sich festzulegen“, weiß Zenger längst. Kurzzeitige Projekte spiegelten viel eher das wahre Leben und seinen rasanten Wandel wider. Was aber die „neuen Medien“ propagieren, habe mit der Wirklichkeit nichts zu tun, wecke nur nicht erfüllbare Sehnsüchte, kritisiert der erfahrene Jugendbegleiter. „Zu unserer Aufgabe ist es auch geworden, die Medienkompetenz junger Menschen als Schlüsselqualifikation zu fördern.“ Das kann schon mit Kinderkino beginnen, wie es das Jugendamt vor einiger Zeit sogar in Dörfern wie Machtlfing ins Leben gerufen hat. „Andere Sehgewohnheiten“ lautet die Zielsetzung – man könnte auch sagen: Kritisch-selektives Fernsehen.

Bis 63 will er noch arbeiten, obwohl ihm seit 2012 eine Parkinson-Erkrankung zusetzt: „Ich werde mich auch danach noch in der Jugendarbeit engagieren, vielleicht als Coach für Mittelschüler“, sagt Zenger, „den Bezug zur Jugend möchte ich nicht verlieren.“ (Münchner Merkur, 23.02.2013)

Tja … die letzten Jahre waren dann sehr schlimm … ich konnte seinen Verfall, der wöchentlich fortschritt kaum ertragen … die letzten Wochen in der Arbeit waren für alle Beteiligten wohl eine Qual, und gut 2 Jahre nach dem oben zitierten Artikel ist der Edi dann gestorben:

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Und so widme ich diese 3Track CD dem Edi … und man glaube mir … diesen Beitrag zu schreiben, fiel mir nicht leicht …denn er war ein ganz besonderer Edi …

Und wer jetzt den Eindruck hat, ich habe dem Edi hier ein kleines Denkmal gesetzt … ja, der hat recht, denn wer ihn einmal kennengelernt hat, den Edi … der weiss, dass er genau das verdient hat !

Besetzung:

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Titel:
01. Troubadour: Der Zug (Ziegleder) 5.57
02. Klabund: In der Hand (Friedrich/Steinbrecht) 7.01
03. Celsius Allstar Project: Einmal ist keinmal (Steffes/Thalmeier) 5.31

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(diesmal ohne Passwort)

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