Gitte – Bleib noch bis zum Sonntag ! (1980)

FrontCover1Die Gitte hat ja ne wirklich bemerkenswerte Karriere hingelegt. Angefangen hat sie halt als Schlagersängerin und wer kennt nicht „Ich will ne Cowboy als Mann“ (ein bemerkenswertes Frühwerk weiblicher Emanzipation !).

Aber die Gitte hatte viel mehr drauf. Und davon kann man sich z.B. bei dieser LP überzeugen. Nach diversen (Un)Taten als Schlagersängerin (u.a. mit Rex Gildo) schlug sie dann Ende der 70er Jahre einen neuen Weg ein.

„Ein Imagewechsel hin zur ernsthaften Pop-Interpretin Anfang der 1980er Jahre brachte ihr nun auch die Aufmerksamkeit der Kritik. Freu dich bloß nicht zu früh (die deutsche Version des Andrew-Lloyd-Webber-Hits „Take that look off your face“) wurde 1980 ein großer Erfolg (Platz 10). Das Musikstück war Teil des von Lloyd Webber geschriebenen und im Original von Marti Webb aufgenommenen Ein-Akt-Musicals für eine Person Tell me on a Sunday. Gitte Hænning nahm eine deutsche Version des Musicals unter dem Titel Bleib noch bis zum Sonntag auf. Für dieses Konzeptalbum erhielt sie 1980 den Deutschen Schallplattenpreis.“ (evertim)

Die deutsche Texte zu diesem Andrew-Lloyd-Webber verfasste Michael Kunze und – man glaubt es kaum – er hatte dabei ein mehr als glückliches Händchen (und fast jeder Text, ob zärtlich, nachdenklich oder zornig lädt zum Nachdenken ein) … und so ist dieses Album rundherum gelungen, denn auch die Musik, eingespielt von Cracks wie … man lese einfach mal nach …  ist einfach nur angemessen und gut …

Und deshalb ist ein für mich kein Wunder, dass dieses Album den „Deutschen Schallplattenpreis 1981“ erhalten hat.

Interessant auch, dass diese LP auch in der damalige DDR auf dem Amiga-Label erschien … ob das ein Ritterschlag war … ich weiß es nicht … aber immerhin … auch aus der „sozialistischen“ Warte war dieses Album für die DDR-Bürger zumutbar.

Schlicht und ergreifend: ein reifes Album !

AmigaAusgabe

Front+Back Cover der Amiga-Ausgabe

Besetzung:
Lance Burton (saxophone, flute)
Curt Cress (drums, percussion)
Stephan Diez (guitar)
Howard Katz (trumpet)
Dave King (bass)
James Polivka (trumpet)
George Roetzer (trumpet)
Kristian Schultze (keyboards)
Giuseppe Solera (flute, saxophone, harmonica)
Michael Thatcher (keyboards)
Paul Vincent (guitar)

BackCover

Titel:
01. Freu Dich bloß nicht zu früh 3.31
02. Würdest du mich mal ausreden Lassen 2.16
03. Ich sterb nicht dran (I) 1.41
04. Ein Brief nach Hause 1.15
05. Sheldon Bloom 3.28
06. Have A Nice Day 2.58
07. Ich hab geglaubt, du bist verliebt 2.30
08. Ich sterb nicht dran (II) 2-18
09. Ein zweiter Brief nach Hause 1.18
10. Komm bald mit demselben Blick zurück 3.16
11. Erzähl mal von dir 2.16
12. Freu dich bloß nicht zu früh (Reprise) 0.57
13. Bleib noch bis zum Sonntag 3.36
14.  Ich sterb nicht dran (III) 2.17
15. Ich bin wie du, du bist wie ich 2.44
16. Was dir niemand vorher gab 3.14
17. Würdest du mich bitte ausreden lassen 2.46

Musik: Andrew Lloyd Webber
Originaltexte: Don Black
Deutsche Texte: Michael Kunze

Label1

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MC1A

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Udo Jürgens – Das Blaue Album (1988)

FrontCover1Ich weiß nicht, das wievielte Album das jetzt ist …  Die Zahl seiner Alben ist ja nur noch für hartgesottene Udo Jürgens zu überscheuen …

Aber ich weiß, dass ist wieder mal so ein Album, das den Udo Jürgens als bemerkenswerten Entertainer ausweist, wenngleich die ganz zündenden Songideen hier nicht zu finden sind. Dafür aber hören wir wieder so etliche Liedertexte, die es in sich haben …

Das geht schon mit dem ersten Song los … Musik als Überlebensstrategie … Oder aber auch „Hallo, ich bin’s“ … der von einem Telefonat zwischen Sohn und Vater handelt …

Und dann natürlich noch jenes Lied, das damals für ziemlich viel Wirbel ausgelöst hat: „Gehet hin und vermehret euch“ eine unverhohlene und bittere Anklage gegen jene katholische Kirche, die Geburtenverhütung für Teufelszeug hält und entsprechendes an die Gläubigen kommuniziert … bis zum heutigen Tage …

Und das Saxophon bei „Flieg‘, Flamingo“ ist ganz und gar großartig …

Und das Album endet mit dem nachdenklichem „“Da Capo“ … man weiß ja, dass Udo Jürgens seine Texte intensiv ausgesucht hat und so ist es auch sein Verdienst (wenngleich er die Texte ja nicht selbst geschrieben hat), dass wir sie zu hören bekommen.

SingleFront+BackCover

Die Single zum Album

Besetzung:
Franz Bartzsch (keyboards)
Udo Jürgens (vocals, piano)
Frank Lüdeke (saxophone)
Ralph Rudnik (guitar)
George Walther (keyboards)
+
Das Orchester Pepe Lienhard
+
Streicher der Deutschen Oper Berlin
+
Blue Voices Chor
Gropiuslerchen Chor
+
Madeleine Lang (vocals bei 03.)
Katharina Lehmann (vocals bei 10.)
+
Hans Joachim Friedrichs (Sprechstimme bei 06.)

BackCover1

Titel:
01. Die Welt braucht Lieder (Jürgens/Lehmann) 4.43
02. Thema in Blau I  (Jürgens) 1.55
03. Eis zu Feuer (Jürgens/Kunze) 4.35
04 .Die Zeit der Zärtlichkeit (Jürgens/Kunze) 3.41
05. Flieg‘, Flamingo (Jürgens/Lehmann) 3.51
06. Gehet hin und vermehret euch (Jürgens/Lehmann) 5.20
07. Hast du heute schon gelebt (Jürgens/Walther/Kunze) 4.16
08. Die verbotene Stadt (Jürgens/Kunze) 3.06
09. Wir zwei (Jürgens/Christen) 4.13
10. Hallo, ich bin’s  (Jürgens/Lehmann) 4.31
11. Thema in Blau II (Jürgens) 1.36
12. Moskau – New York (Jürgens/Christen) 5.10
13. Da Capo (Jürgens/Christen) 4.22

LabelB

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Es ist Zeit Alarm zu schlagen:
An jedem Tag wächst die Zahl der Menschen
auf unserem Planeten um 300.000,
in jeder Woche über 2 Millionen.
In jedem Monat kommen mehr Menschen
neu auf diese Welt,
als in New York zuhause sind.
Aber wir wollen das nicht wissen,
noch ist es nicht unser Problem,
und was uns nicht berührt,
das geht uns auch nichts an.

Wenn wir es merken, wird es zu spät sein.
Wo die Menschen am ärmsten sind,
vermehren sie sich am schnellsten.
Es ist schon jetzt zu wenig Platz auf dieser Erde.
Und es wird immer weniger Platz sein.
Nicht Kriege, Seuchen und Naturkatastrophen,
es sind die Menschen selbst,
die ihren Lebensraum vernichten.
Wer die Umwelt schützen will,
der muß die Welt bewahren:
Fünf Milliarden sind genug!

Hurra, die 5. Milliarde ist voll!
Und die Bild-Zeitung jubelt: „Ist das nicht toll?“
Neuer Geburtenweltrekord!
Lieb‘ deinen Nächsten und pflanze dich fort!
Jetzt wird dem Hunger der Welt vorgebeugt!
Jetzt wird die nächste Milliarde gezeugt!

Und da hat einer gütige Hände
und ein gutes, kluges Gesicht,
aber denkt er das Diesseits zuende,
wenn er vom Jenseits spricht?

Kondom tabu und Pille verpönt –
denn aus beruf’nem Munde ertönt:
Gehet hin und vermehret euch!
Gehet hin und vermehret euch!

Im Nu ist die 6. Milliarde erreicht.
Aller Anfang ist schwer – alles Ende ist leicht.
Jetzt wird die Erde mit Menschen besatzt,
bis sie aus sämtlichen Nähten platzt.
Die Mächtigen tun, als gäb’s keine Gefahr,
als wäre der Globus aufblasbar.

Und die Welt hat so herrliche Kinder.
Viele nagen am Hungertuch.
Trotzdem freuen sich die armen Sünder
auf den nächsten hohen Besuch.

Noch ist die Show nicht aus und vorbei –
noch sind genügend Stehplätze frei:
Gehet hin und vermehret euch!
Gehet hin und vermehret euch!

Die 10. Milliarde ist vorprogrammiert.
So schnell ist die Menschheit noch nie explodiert.
Werft ja keinen Blick in die Zukunft zurück,
nach uns die Sintflut – vor uns das Glück!
Zum Leben zuwenig, zum Sterben zuviel!
Hat da nicht der Teufel die Hände im Spiel?

Denn der hat ja soviele Gesichter –
schöne Masken der Niedertracht.
Und der Schöpfer wird zum Vernichter,
wenn er so weiter macht.

Hereinspaziert – ob arm oder reich!
Rein ins Vergnügen, alle zugleich!
Gehet hin und vermehret euch!
Gehet hin und vermehret euch!

MCCover

Verschiedene Interpreten – Weißt Du noch (70er Jahre)

FrontCover1Also, dieser Sampler, der unter dem Motto „Das teuerste Programm der Welt“ vermarktet wurde, ist schon eine besonders drollige Angelegenheit.

Das Album enthält „Goldene Schallplatten und Super-Oldies der 50er- und 60er Jahre“ und dabei ist eine höchst skurille Mixtur aus unterschiedlichsten musikalischen Stilrichtungen entstanden.

Da ist zum einen das höchst laszive „Fever“ von Peggy Lee zu geniessen, um anschließend den albernen Fred Bertelmann mit seinem „Singenden Vagagund“ zu hören.

Im Prinzip hören wir hier eben jede Menge jener Lieder, die sich oftmals ins kollektive Gedächtnis eingeprägt haben wie z.B. „Milord“ von Edith Piaf oder „Ein Schiff wird kommen“ (Lale Andersen)

Aber dann auch Knaller wie den „Babysitter-Boogie“ (von dem unvergessenem Ralf Bendix) oder gar das exotische, weil aus Japan stammende „Sukiyaki“ Lied.

Ach … es gäbe ja so viel zu schreiben, zu vielen Liedern gäbe es zu viele persönliche Geschichten …

Aber, die Macher dieser LP schwankten wohl ein wenig hin und her: So etliche der Lieder (oder auch Schmachtfetzen) waren alles andere als Hits … Wer kennt z.B. die Chaplin Komposition „Konzert für Dirigent und Orchester“ inder Fassung des Das Hoffnung Sinfonie Orchester (anhören !), oder eine Alma Cogan, die den „Tennessee Waltz“ auf deutsch trällert … oder gar einen Hans-Arno Simon ?

Alma Cogan

Alma Cogan

Und zum anderen hat man all die Hits und Schlager so zusammengeschnitten, dass daraus letztlich nur kleine Appetithäppchen geworden sind … kein Wunder, wenn man versucht sage und schreibe 28 Lieder auf eine LP zu bringen.

Das nenn´ ich dann einen musikalischen coitus interruptus … oder aber auch: eine musikalische Reise der besonderen Art, die Lust darauf macht … so manch, so etliche der Künstler wieder mal genauer unter die Lupe zu nehmen … Belina, Esther Ofarim und Gilbert Becaud z.B. …

Und dann am Ende dieser abenteuerlichen, schon fast aberwitzigen Reise (bei der dann u.a. plötzlich auch noch Yehudi Menuhin & Stephane Grapelli auftauchen) dann auch noch das Lied „Kinderspiele“ von Esther Ofarim … und da taucht in meiner Erinnerung meine erste Ehefrau auf, die damals, in den 80er Jahren dieses Lied mit all ihrer mütterlichen Liebe unseren Töchtern immer und immer wieder vorgesungen hat …. und ich empfinde für all diese Stunden des gemeinsamen musizierens (ich war als Gitarrist beteiligt) tiefe Dankbarkeit.

Und so kommt es, dass ich dieses Album, so billig es auch konzipiert wurde (diese LP war Teil einer 5 LP´s umfassenden Box) , in mein Herz geschlossen habe.

BackCover1

Titel:
01. Les Paul & Mary Ford: The World Is Waiting For The Sunrise (Seitz/Lockhart) 1.40
02. Die Schaumburger Märchensänger: Der fröhliche Wanderer (Müller/Siegesmund) 1.13
03. Hans-Arno Simon: Anneliese (Simon) 1.39
04. Peggy Lee: Fever (Davenport/Cooley) 1.30
05. Fred Bertelmann: Der lachende Vagabund (Lowe/Moesser) 1.34
06. Tony Renis: Quando, Quando, Quando (Renis/Testa) 1.37
07. Ralf Bendix und die kleine Elisabeth: Babysitter-Boogie (Parker/Relin) 1.09
08. Edith Piaf: Milord (Moustaki/Monnot) 1.37
09. Nat King Cole: Ramblin´Rose (J.Sherman/N.Sherman) 1.25
10. Lale Andersen: Ein Schiff wird kommen (Hadjidakis/Busch) 1.44
11. Kyu Sakamot: Sukiyaki (Ei/Nakamura) 1.46
12. Heino: Jenseits des Tales (Götz/Münchhausen) 1.40
13. Bobbie Gentry: Ode To Billie Joe (Gentry) 1.01
14. Christian Anders: Geh nicht vorbei (Heider/Relin) 1.40
15. Das Hoffnung Sinfonie Orchester: Konzert für Dirigent und Orchester (Chaplin) 1.04
16. 3 Travellers: Cement Mixer (Gaillard/Ricks) 1.40
17. Marlene Dietrich: Puff, der Zauberdrachen (Yarrow/Lipton/Oldorp) 1.40
18. Golden Gate Quartett: Joshua Fit The Battle Of Jericho (Traditional) 1.41
19. Yehudi Menuhin & Stephane Grapelli: Jealousy (Gade) 1.41
20. Liza Minelli: Gypsy In My Soul (Bolland(Jaffe) 1.59
21. Larry Adler: Le Rififi (Phillipe/Gérard) 1.36
22. Botho Lucas Chor: Danke (Schneider) 1.42
23. Alma Cogan: Tennessee Waltz (Stuart/King/Hansen) 1.42
24. Adamo: Inch´Allah (Adamo) 1.39
25. Belina: Man hat uns nicht gefragt (Hollaender) 1.44
26. Gilbert Becaud: Nathalie (Becaud/Delanoe) 1.38
27. The Beach Boys: Sloop John B. (Traditional) 1.03
28. Esther Ofarim: Kinderspiele (Ferstl/Heine) 1.34

LabelB1

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Verschiedene Interpreten – Es lag in der Luft – Chansons der 20er Jahre (1965)

FrontCover1Irgendwie tröstlich, dass „wir Deutschen“ gar nicht so tugendhaft waren, wie man sich das mal früher gedacht hat … denn diese Sammlung durchaus auch frivoler Chansons aus den 20er Jahren ist schon erstaunlich, bedenkt man, dass sie Mitte der 60er Jahre erschien, also zu einer Zeit, als ein Oswald Kolle erst in den Startlöchern stand.

Aber zurück zu dieser LP. Es handelt sich nicht um einen Sampler, sondern die Aufnahmen wurden eigenes für diese Produktion aufgenommen, die musikalische Leitung hatte Nils Sustrate (* 01.09.1931) … Auch wenn der Name nur wenigen geläufig ist, fast jeder hat seine Kompositonen schon mal gehört, denn er hat u.a. bei diversen Tatorten die Musik komponiert.

Und neben all den frechen Chansons kann man dann auch die bis heute witzig-sarkastischen Gedichte aus der Feder von Erich Kästner hören, gesprochen von dem Schauspieler Wilhelm Borchert.

Und man gab sich mit der Produktion wirklich viel Mühe … Das zeigt sich nicht nur daran, dass sie Spieldauerbei  über 55 Minuten liegt – bedenkt man mal, dass damals so manche Beat-LP´s knapp 30 Minuten dauerte … da staunt man dann schon wenig …

Ich kenne nicht alle der Interpreten, aber so manchen Namen sind mir schon noch geläufig: Hannelore Schroth, Martin Held, Theo Lingen, Victor de Kowa oder Heinz Reincke … das waren damals schon klangvolle Namen.

Ich wünsche also viel Vergnügen bei diesen pfiffigen Interpretationen … charmant, frivol, beschwingt … zuweilen bissig und sarkastisch … zuweilen ein wenig schräg … Herz, was willst Du mehr ?

BackCover1

 

Besetzung:

Hannelore Schroth – Ursula Sieg – Karl John- Reiner Brönneke – Andrea Dahmen – Lore Calvies – Martin Held – Joana Maria Gorvin – Theo Lingen – Victor de Kowa – Elfriede Ott – Werner Riepel – Manfed Steffen – Carla Hagen – Christa Bernhardt – Heinz Reincke

Arrangements und musikalische Leitung: Nils Sustrate

Sprecher: Wilhelm Borchert

ReinckeSchroth

Heinz Reincke & Hannelore Schroth

Titel:
01. Es liegt in der Luft (Schiffer/Spoliansky) 2.34
02. Die Zeit fährt Auto (Kästner) 0.53
03. Die Trommlerin (Hollaender) 2.53
04. Koks (Markiewicz/Sustrate) 3.11
05. Die Zunge der Kultur reicht weit (Kästner) 1.08
06. Duett im Romanischen Café (Hollaender) 5.10
07. Hymne an die Zeit (Kästner) 1.18
08. Eine gewisse Republik (Kerr/Sustrate) 1.38
09. Berlin in Zahlen (Kästner) 1.25
10. Tamerlan (Tucholsky/Nelson) 3.58
11. In der Bar zum Krokodil (Beda/Fritz/Engel-Berger) 3.20
12. Wenn die beste Freundin (Schiffer/Spoliansky) 3.17
13. Meine Schwester liebt den Buster (Hollaender) 3.18
14. Legende nicht ganz stubenrein (Kästner) 1.49
15. Eine kleine Sehnsucht (Hollaender) 4.01
16. Besuch vom Lande (Kästner) 0.59
17. Robes, Modes (Beda/Jaffe/Bronx) 2.31
18. Auf einer kleinen Bank vor einer großen Bank (Kästner) 1.25
19. Die Kleptomanin (Hollaender) 2.19
20. Misanthropologie (Kästner) 1.13
21. Das Tauentzienmädel (Tucholsky/Hollaender) 4.01
22. Ballade vom Nachahmungstrieb (Kästner/Sustrate) 3.24
23. Finale (Schiffer/Spoliansky) 0.38

LabelA1
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Variete Silvester 1928 in Berlin

Franz-Josef Degenhardt – Zwischen null Uhr null und Mitternacht – Baenkel-Songs (1963)

FrontCover1Erstmal ganz lapidar:

Franz Josef Degenhardt (* 3. Dezember 1931 in Schwelm, Provinz Westfalen; † 14. November 2011 in Quickborn, Schleswig-Holstein) war ein deutscher Liedermacher, Schriftsteller sowie promovierter Jurist und Rechtsanwalt.

Franz Josef Degenhardt veröffentlichte seine erste Platte im Jahre 1963, also noch während der letzten Monate der Kanzlerschaft Konrad Adenauers. Anfangs eher ein Bänkelsänger mit Ruhrpott-Einschlag, wurden seine Aussagen und Liedtexte zunehmend schärfer und pointierter, bis er schließlich zum musikalischen Sprachrohr der 68er-Generation avancierte. Für die damals 18- bis 25-jährigen (soweit sie politisch dachten) war Degenhardt der Exponent einer Protesthaltung, die die Normen und Werte der bürgerlichen Gesellschaft in Frage stellte oder ganz abschaffen wollte.

Hier nun sein Erstlingswerk aus dem Jahr 1963.

Zwischen Null Uhr Null und Mitternacht ist Degenhardts erste Scheibe (1963). Und so erläutert er seinen Ansatz seiner „Baenkel-Songs“ auch noch schriftlich. Dass er schon FJD01noch juristischer wissenschaftlicher Mitarbeiter sei, bewusst eingängige Melodien mit leicht widerborstigen Texten kombiniere etc. Doch eigentlich spricht bereits die Debutplatte für sich. Rumpelstilzchen ist die gängigste Geschichte: einer bricht die bürgerliche erstarrte Welt subversiv auf, und die Melodie pfeift wohl der härteste Spießer sofort mit. Tarantella und Weintrinker sind dann noch meine musikalischen Lieblinge, während etwa Armer Jonas einen fast tonlosen Refrain zu haben scheint. (Serenus Zeitblom)

Das ist die erste LP des bis heute wichtigsten deutschsprachigen Liedermachers, Franz Josef Degenhardt, vor nun 40 Jahren, 1963, aufgenommen und veröffentlicht. Damals ging es dem „Bänkelsänger“, der sich noch gegen das politische Lied abgrenzte, um die Artikulation des Unbehagens an der bürgerlichen Gesellschaft der zunehmend gesättigten Adenauer-Ära. „Rumpelstilzchen“ will schon Ärger bringen gegen die scheinbar befriedete Gesellschaft; einige Lieder verweisen zwischen den Zeilen auf Ungenanntes Bedrohliches aus den verdrängten „1000 Jahren“ zuvor.
Nur Stimme und Gitarre; eine heute vielleicht veraltete Zeile ist mir nicht aufgefallen! (Jürgen Köster)

Ja … hier hören wir die poetische Seite des Franz-Josef Degenhardt … aber schon damals mit einem gepfefferten schwarzen Humor ausgestattet, dem auch surrealistische Textideen nicht fremd waren:

Es liegen drei glänzende Kugeln,
ich weiß nicht, woraus gemacht,
in einer niedrigen Kneipe
neun Meilen hinter der Nacht.
Sie liegen auf grünem Tuch,
und an der Wand hängt der Spruch:
Wer die Kugeln rollenläßt,
den überkömme die schwarze Pest.

Der Wirt, der hat nur ein Auge,
und das trägt er hinter dem Ohr.
Aus seinem gespaltenen Kopfe
ragt eine Antenne hervor.
Er trinkt aus einer Seele
und ruft aus roter Kehle:
Wer die Kugeln rollen läßt …

Die einen sagen, die Kugeln
sind die Sonne, die Erde, der Mond.
Die anderen glauben, sie seien
das Feuer, die Angst und der Tod.
Und wenn sie beisammen sind,
dann summen sie in den Wind:
Wer die Kugeln rollen läßt …

Und dann kam einer geritten,
es war in dem Jahr vor der Zeit,
auf einer gesattelten Wolke
von hinter der Ewigkeit.
Er nahm von der Hand einen Queue,
der Wirt rief krächzend: „He!“
Wer die Kugeln rollen läßt …

Doch jeder, der lachte zwei Donner
Und wachste den knöchernen Stab,
visierte und stieß, und die Kugeln
prallten aneinander, der Wirt grub ein Grab.
Fäulnis flatterte auf,
so nahm alles seinen Lauf:
Wer die Kugeln rollen läßt …

Und wie schrieb Michael Lohr (in Akustik Gitarre 6/11):

Text Michael Lohr

Und darüber hinaus hat er wohl eine ganze Generation von Liedermachern (sagte man Amals noch nicht) … und seine poetische Ader war sicher auch für einen Reinhard Mey Ansporn, ebenfalls auf die Bühne zu klettern.

Und die sinnliche Seite des Leben, die konnte er damals auch zelebrieren und zwar in „Manchmal, dann sagst du mir…„.

Wie gesagt … ein wahrlich feines Debütalbum … denn auch musikalisch hören wir immer wieder mal feine Klänge auf der Gitarre.

Schade nur, dass der Degenhardt sich dann später politisch verrannt hat … Sein Engagement für die DKP, ja auch darüber muss geschrieben werden … aus meiner Sicht wahrlich kein Ruhmesblatt !

Das Album erschien dann später unter dem Titel „Rumpelstilzchen„.

Und die nächste Präsentation in diesem blog enthält dann das Original Liedheft aus dem Jahr 1963 zu dieser LP …

RumpelstilzchenFront+BackCover

Besetzung:
Franz-Josef Degenhardt (guitar, vocals)

BackCover1
Titel:
01. Rumpelstilzchen 4.16
02. Zwischen zwei Straßenbahnen 3.04
03. Manchmal, dann sagst du mir… 2.49
04. Armer Felix 4.07
05. Sentimentaler Hund 3.34
06. Drei Kugeln 3.09
07. Armer Jonas 3.33
08. Der Bauchladenmann 4.07
09. Manchmal des Nachts 3.27
10. Tarantella 5.45
11. Weintrinker 3.15
12. Wiegenlied 2.41

Musik und Texte: Franz Josef Degenhardt

LabelA1
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Ein kleiner, verschmutzter Bauchladenmann
schritt durch die Straße beim Fluß
und pries seine seltsame Ware an:
Einen Bauchladen voller Tabus.
Und die Menschen standen vor ihren Türen
und ließen sich seine Waren vorführen.
Und Kinder auf Rollschuhn fuhren herum,
und der kleine, verschmutzte Mann zeigte stumm:
Ein halbes Pfund Ehre, eine Ehe, einen Gott
und eine Tüte voll Angst vor dem Tod,
einen Zwiebelkranz Pflichten, Verdienstkreuz am Band,
zwölf Kilo Ehrgeiz, ein Schälchen Verstand.

Ein Straßenmädchen kaufte die Ehre,
schlich glücklich damit zum Tanz.
Eine Frau ohne Kind schnitt mit der Schere
drei Pflichten vom Zwiebelkranz.
Und der Priester des Viertels erbat sich den Gott,
und der Krüppel erstand die Angst vor dem Tod,
der Ganove stahl das Verdienstkreuz am Band,
und der Trottel erhielt das Schälchen Verstand.
Und schließlich, da hatte der Bauchladenmann
alles verhökert bis auf ein Ding,
das schaute er lange und traurig an,
dann warf er es in die Gosse und ging.
Dort fand es ein Kind, trat es mit dem Fuß,
und das sah der Bauchladenmann.
Er setzte sich auf das Geländer am Fluß,
lachte lange und laut, und dann
kamen die Menschen aus ihren Türen
und sagten, er wolle die Kinder verführen.
Und Kinder auf Rollschuhn fuhren herum,
und der kleine, verschmutzte Mann wurde stumm.
Sie zogen seine Tabus hervor,
die Frau ohne Kind zerschnitt sein Ohr.
Das Mädchen spuckte ihm auf den Mund,
der Ganove schlug ihm die Hände wund.
Der Priester schrie: Ein gemeiner Augur,
und der Krüppel trat mit dem Fuß.
Der Trottel zog das Gesetzbuch hervor
und warf ihn dann in den Fluß.
Und Kinder auf Rollschuhn fuhren herum,
und der kleine, verschmutzte Mann versank stumm.
Und die Menschen gingen zu ihren Türen
und taten sich ihre Tabus vorführen:
Ein halbes Pfund Ehre, eine Ehe, einen Gott
und eine Tüte voll Angst vor dem Tod,
einen Zwiebelkranz Pflichten, Verdienstkreuz am Band,
zwölf Kilo Ehrgeiz, ein Schälchen Verstand.

 

EPFront+BackCover

Ein Teil der Lieder erschien damals auch als EP

 

Verschiedene Interpreten – Kästner für Zuhörer (1969)

FrontCover1Ein für mich ganz besonderes Literaturprojekt ist diese mir vorliegende LP aus dem Jahr 1959.

Ein Bert Grund hat sich 16 texte von Erich Kästner vorgenommen, um diese zu vertonen un sie dann miz unterschiedlichen Mitstreitern als „16 Chansons“ zu veröffentlichen.

Bert Grund (* 21. Januar 1920 in Dresden; † 30. März 1992 in München) war ein deutscher Filmkomponist.

Nach einer Ausbildung an der Musikhochschule Dresden wurde er 1943 Assistent des Filmkomponisten Theo Mackeben. Er spezialisierte sich zunächst auf die Komposition von Filmmusiken und war in dieser Funktion an zahlreichen Produktionen des deutschen Nachkriegskinos beteiligt.

Grund komponierte später auch Ballette, Musik zu Einaktern und Chansons für Margot Werner. Er wirkte zudem als Arrangeur und leitete 1964 in Kopenhagen das Orchester bei Schallplattenaufnahmen, als Marlene Dietrich Alt-Berliner Lieder sang. Er schrieb die Musik zu den erfolgreichen Fernsehserien Funkstreife Isar 12 und Kommissar Freytag. Einige Zeit lehrte er an der Hochschule für Fernsehen und Film München. (Quelle: wikipedia)

Tja und der Erich Kästner … der hatte sehr viele Facetten … eine davon ist seine lyrische Ader: Melancholisch, ironisch, zärtlich, sarkastisch, hoffnungslos romantisch, bitterböse und zuweilen auch leicht frivol … – Erich Kästners Lyrik führt uns durch ein Universum der Emotionen.

KästnerEnderle

Erich Kästner und Luiselotte Enderle, frühe 50er Jahre

Bei seinen zuweilen sehr spöttischen Texten über das Uralt Thema „Mann-Frau“ zeigt sich auch durchaus deutlich, dass der Erich Köstner wohl zeitlebens eine „Lebemann“ war … wie das wohl früher ausgedrückt hätte.

Das Thema Erich Kästner und die Frau wäre wohl abendfüllend. Zeitweilig hatte er wohl 4 Geliebte zeitgleich … Vielleicht komme ich auf das Thema später nochmals zu sprechen (in der Präsentation befindet sich auch ein ausführlicher Artiekl über dieses Thema …)

Aber es gibt auch andere Texte, wie z.B. „Das Eisenbahngleichnis“

Wir sitzen alle im gleichen Zug
und reisen quer durch die Zeit.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir fahren alle im gleichen Zug
und keiner weiß, wie weit.

Ein Nachbar schläft; ein andrer klagt;
ein dritter redet viel.
Stationen werden angesagt.
Der Zug, der durch die Jahre jagt,
kommt niemals an sein Ziel.

Wir packen aus, wir packen ein.
Wir finden keinen Sinn.
Wo werden wir wohl morgen sein?
Der Schaffner schaut zur Tür herein
und lächelt vor sich hin.

Auch er weiß nicht, wohin er will.
Er schweigt und geht hinaus.
Da heult die Zugsirene schrill!
Der Zug fährt langsam und hält still.
Die Toten steigen aus.

Ein Kind steigt aus, die Mutter schreit
Die Toten stehen stumm
am Bahnsteig der Vergangenheit.
Der Zug fährt weiter, er jagt durch die Zeit,
und keiner weiß, warum.

Die erste Klasse ist fast leer.
Ein feister Herr sitzt stolz
im roten Plüsch und atmet schwer.
Er ist allein und spürt das sehr
Die Mehrheit sitzt auf Holz

Wir reisen alle im gleichen Zug
zur Gegenwart in spe.
Wir sehen hinaus. Wir sahen genug.
Wir sitzen alle im gleichen Zug
und viele im falschen Coupé.

Und dann auch noch die „Fantasie von Übermorgen“:

Und als der nächste Krieg begann
da sagten die Frauen: Nein
und schlossen Bruder, Sohn und Mann
fest in der Wohnung ein.

Dann zogen sie in jedem Land
wohl vor des Hauptmanns Haus
und hielten Stöcke in der Hand
und holten die Kerls heraus

Sie legten jeden über’s Knie
der diesen Krieg befahl:
die Herren der Bank und Industrie,
den Minister und General.

Da brach so mancher Stock entzwei
und manches Großmaul schwieg.
In allen Ländern gab’s Geschrei,
doch nirgends gab es Krieg.

Die Frauen gingen dann wieder nach Haus
zu Bruder und Sohn und Mann
und sagten ihnen: der Krieg sei aus.

Die Männer starrten zum Fenster hinaus
und sahen die Frauen nicht an…

Kästner

Nicht minder politisch „Das Spielzeuglied“ … Melancholie stellt sich bei „Gewisse Ehepaare“ (wunderbare das begleitende Saxophon) … „Man sprach sich aus, man hat sich ausgeschwiegen … “ aber auch bei „Hotelsolo“ ein …

Vorgetragen werden die Texte durch eine Schar von damals sehr bekannten Unterhaltungskünstlern … von Helen Vita über Günter Pfitzmann und Rudolf Platte und, und, und.

Besonders bemerkensert ist die Musik … meist sehr sparsam und intim instrumentiert (außer bei „Eine Animierdame stösst Bescheid“), Chansons vorgetragen in einer kleinen Bar … *seufz* …

Ein kleines Meisterwerk … wenngleich meine Beschäftigung mit Erich Kästner mich schon auch ein wenig nachdenklich gemacht hat …

Große Hörempfehlung meinerseits ! Denn textlich wie musikalisch handelt es sich hier um eine Perle deutschsprachiger Chansons …

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Titel:
01. Uwe Friedrichsen: Das Eisenbahngleichnis 2.20
02. Helen Vita: Das Gebet keiner Jungfrau 2.29
03. Arno Assmann: Kleines Solo 2.32
04. Ursula Herking: Gewisse Ehepaare 2.49
05. Uwe Friedrichsen: Abschied in der Vorstadt 2.26
06. Edith Hancke + Helen Vita; Chor der Fräuleins 1.47
07. Günter Pfitzmann: Hotelsolo 3.14
08. Illo Schieder: Eine Animierdame stösst Bescheid 2.14
09. Ursula Herking: Plädoyer einer Frau 3.02
10. Arno Assmann: Sachliche Romanze 2.15
11. Kate Kühl: Fantasie von Übermorgen
12. Günter Pfitzmann: Polly oder das jähe Ende 1.27
13. Ursula Herking: Das Spielzeuglied 3.56
14. Arno Assmann: Exemplarische Herbstnacht 3.15
15. Illo Schieder: Ballgeflüster 2.04
16. Rudolf Platte: Die Existenz im Wiederholungsfalle 2.38

Texte: Erich Kästner
Musik: Bert Grund

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Ich sitze nachts auf hohen Hockern,
berufen, Herrn im Silberhaar
moralisch etwas aufzulockern.
Ich bin der Knotenpunkt der Bar.

Sobald die Onkels Schnaps bestellen,
rutsch ich daneben, lad mich ein
und sage nur: „Ich heiße Ellen.
Laßt dicke Männer um mich sein!“

Man darf mich haargenau betrachten.
Mein Oberteil ist schlecht verhüllt.
Ich habe nur darauf zu achten,
daß man die Gläser wieder füllt.

Wer über zwanzig Mark verzehrt,
der darf mir in die Seiten greifen
und (falls er solcherlei begehrt)
mich in die bessre Hälfte kneifen.

Selbst wenn mich einer Hure riefe,
obwohl ich etwas Beßres bin,
das ist hier alles inklusive
und in den Whiskys schon mit drin.
So sauf ich Schnaps im Kreis der Greise
und nenne dicke Bäuche Du
und höre, gegen kleine Preise,
der wachsenden Verkalkung zu.

Und manchmal fahr ich dann mit einem
der Jubelgreise ins Hotel.
Vergnügen macht es zwar mit keinem.
Es lohnt sich aber finanziell.

Falls freilich einer glauben wollte,
mir könne Geld im Bett genügen,
also: Wenn ich die Wahrheit sagen sollte,
müßt ich lügen!

GrabKästnerEnderle

Das Grab von Erich Kästner und Luiselotte Enderle

Evelyn Künnecke – Evelyn II. (1976)

FrontCover1Die Evelyn Künnecke war schon so ne ganz besondere Marke:

Evelyn Künneke, eigentlich Eva-Susanne Künneke (* 15. Dezember 1921 in Berlin; † 28. April 2001 ebenda) war eine deutsche Sängerin, Tänzerin und Schauspielerin. Sie wurde in Szene-Kreisen als die letzte Überlebende der Lili-Marleen-Generation bezeichnet.

Die Tochter des Operettenkönigs Eduard Künneke und seiner Ehefrau, der Opernsängerin Katarina Garden (eigentlich Katarina Krapotkin) erhielt Ballettunterricht bei Victor Gsovsky, Schauspielunterricht bei Ilka Grüning, Lucie Höflich und Leslie Howard sowie Gesangsunterricht bei Maria Ivogün. Daneben arbeitete sie als Fotomodell. Im Stepstudio Edmont Leslie erlernte sie den Stepptanz. 1935 erwarb sie die Mittlere Reife an der Fleckschen Privatschule in Berlin. Nach Abschluss ihrer Ausbildung wurde sie zweite Solotänzerin der Berliner Staatsoper, doch für Furore sorgte sie als Steptänzerin „Evelyn King“ in Berliner Cabarets und Varietés. Siebzehnjährig gründete sie 1938 zusammen mit Horst Matthiesen ihr eigenes Tanzstudio in Berlin.

1939 wurden ihre derartigen Auftritte untersagt. Sie nannte sich nun Evelyn Künneke und begann eine Karriere als Sängerin. Dabei wirkte sie mit namhaften Komponisten wie Peter Igelhoff und Michael Jary zusammen. Sie hatte ihren ersten großen Erfolg im Jahr 1941 mit Sing, Nachtigall, sing (aus dem Film Auf Wiedersehn, Franziska), das Wolfgang Borchert sein Lieblingslied genannt hat. Evelyn Künnekes Schlager wie Haben Sie schon mal im Dunkeln geküßt? waren wie bei keiner anderen deutschsprachigen Sängerin dieser Zeit unüberhörbar von der damals in Deutschland politisch verpönten Musikrichtung Swing beeinflusst.

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Zur Truppenbetreuung unternahm sie während des Krieges häufig Tourneen. Von 1942 bis 1944 trat sie an der Ostfront auf, Anfang 1944 auch an der Westfront. 1944 wurde sie wegen Defätismus verhaftet und im Januar 1945 in die Haftanstalt Berlin-Tegel eingeliefert. Kurz vor Kriegsende wurde sie jedoch wieder freigelassen, um zusammen mit dem geheimen Propaganda-Orchester Charlie and His Orchestra anti-amerikanische Swing-Titel zu singen.

Nach dem Krieg hatte sie noch einige Jahre Erfolg als Schlagersängerin, zunächst auch in dem Show-Orchester von Walter Jenson 1945 in Hamburg. Zu ihren Hits gehörten unter anderem Winke-winke, Allerdings – sprach die Sphinx (mit dem Orchester Wolf Gabbe) und Egon. 1953 tourte sie durch die USA. Drei Jahre später feierte sie ihren einzigen Hit in den deutschen Single-Charts, die erst 1955 eingeführt worden waren: Künnekes deutschsprachige Version von Hernando’s Hideaway erreichte Platz 8. 1958 trat sie in der deutschen Vorentscheidung zum Eurovision Song Contest an. In den späten 1950er und 1960er Jahren verblasste ihr Stern, mehrere Versuche, sich neu zu etablieren, scheiterten. Mitte der 1970er Jahre feierte Evelyn Künneke ihr großes Comeback als Schauspielerin im Wirkungskreis von Rainer Werner Fassbinder und Rosa von Praunheim. Bis ins hohe Alter tingelte sie als Chansonsängerin durch die Berliner Szenelokale, unter anderem gemeinsam mit Brigitte Mira und Helen Vita als Drei Alte Schachteln. Auch veröffentlichte Künneke einige Alben, so Sensationell (1975), Evelyn II. (1976) und Sing, Evelyn, sing! – Das Beste von Evelyn Künneke (1978).

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Evelyn Künneke war zunächst mit einem Engländer verheiratet, dem Vater ihrer Tochter. Ihr zweiter Ehemann war von 1963 bis 1972 der Diplomkaufmann Reinhard Thomanek. Ihre dritte Ehe ging sie 1979 mit ihrem Manager Dieter Hatje ein.

Sie starb 2001 im Alter von 79 Jahren in ihrer Heimatstadt Berlin an Lungenkrebs. In der Charlottenburger Giesebrechtstraße, wo sie in der Wohnung ihres Vaters bis zuletzt lebte, erinnert eine Gedenktafel an sie.

Sie ruht auf dem Friedhof Heerstraße in Berlin, neben ihrem Vater. (Quelle: wikipedia)

Hier also ihr 2. Album im Rahmen ihres 70er Jahre Comebacks. 1976 war sie wirklich in aller Munde, auch wegen des TV -Films „Ich bin ein Antistar. Das skandalöse Leben der Evelyn Künneke“ (Regie: Rosa von Praunheim). Der Berliner Abend schrieb damals: „Die Callas der Subkultur“.

Aber nun zur Musik: Arrangiert wurde sie von Rudi Bohn und Paul Vincent (einem anderen sehr interessanten Hans-Dampf-in-allen-Gassen der deutschen (Rock) Musik.

Und die Künnecke präsentiert sich als eine Art „frivole“ Hildegard Knef und das macht sie mit Bravour ! Schmissige Melodien, ein verruchter Gesang … durfchaus ansprechende Texte. Das Material wurde wohl überwiegend eigens für diese LP geschrieben aber auch Klassiker der deutschen Kleinkunst-Musik („Ich kann dem Emil seine Hände nicht vergessen“ oder „Bei mis bist de scheen“) sind zu hören. Ein durchaus empfehlenswertes Album für den geneigten Hörer, der mal wieder „die Künnecke“ entdecken will.

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Besetzung:
Evelyn Künnecke (vocals)
+
Chor und Orchester Rudi Bohn
+
Jonny Müller (harmonica, flute)
Die Rose Singers (background vocals)

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Live 1976

Titel:
01. Meine tausend Kneipen (Bohn/Haas) 2.52
02. Antistar (Bohn/Haas) 2.16
03. Bei mis bist de scheen (Secunda/Cahn/Chaplin/Jacobs) 2.51
04. Hey, Mister Tango (d´Alsegno/Pacher) 2.18
05. Menschen im Hotel (Bohn/Haas) 2.54
06. Ein rosaroter Elefant (Bohn/Haas) 2.24
07. Ich kann dem Emil seine Hände nicht vergessen (Alrbrecht-Peer/Günther) 3.16
08. Heino´s Walküre (Bohn/Haas) 3.17
09. Gestorben ist die Sünderin (Adamo/Hachfeld) 2.51
10. Es war einmal Liebe (Jack/Balz) 3.13
11. Mozart, wo wohnst du ? (Jary/Haas) 3.04
12. Die Alten (Les viieux) 4.01
13. Kikilala Hawaii (Vincent/Pacher) 3.38
14. Die Bluse (Bohn/Haas) 2.46
15. I´mJust On The Road (Eduard Künnecke/Haas) 1.58
+
16. Interview mit Evelyn Künnecke (Deutsche Welle, 1973) 15.51

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