Udo Jürgens – Lieder, die im Schatten stehen (1 + 2) (1978)

FrontCover1Wenn ich ehrlich sein darf: Als Udo Jürgens am 21.12.2014 verstarb, hab ich mich -als ich die Nachricht vernahm – irgendwie in einer Art Schockstarre befunden. Zu wichtig war mir dieser Musiker in all den Jahrzehnten geworden, als dass ich schulterzuckend sagen konnte: Na ja, der Tod gehört halt zum Leben.

Und diese Schockstarre hat damals  wohl auch dazu geführt, dass ich um seine Musik all die letzten Monate einen Bogen gemacht habe … Aber immer wieder kehre ich zu diesem Musiker gedanklich und emotional zurück

Und es gab mal ne Serie von Alben, die sich „Lieder, die im Schatten stehen“ nannte und die erste Ausgabe diese famosen Serie erschien im Jahr 1978.

Das Doppelalbum „Lieder, die im Schatten stehen“ enthält keine Hits, sondern 24 Titel aus der Feder des Komponisten und Sängers Udo Jürgens, die bis dahin stets im Schatten seiner Erfolgsnummern standen. Lieder wie „Auf meinem Tisch ein weißer Bogen“, „Ihr Lieben daheim“, „Kind einer Nacht“, „Mein Bruder ist ein Maler“, „Mein Freund der Clown“, „Deine besten Jahre“, „Ein Narr sagt dankeschön“ oder „Eine Hand ist keine Faust“ sind, wie Udo Jürgens selbst sagt, „in vielen Stunden der Besinnung entstanden und sollen dem Publikum ein paar Minuten der Besinnung geben“8Produktinfo)

Das 1979 mehr oder weniger gewagte Experiment, eine Compilation herauszubringen, ohne die großen Hits und Nr 1.-Titel der Schlagerparaden, hatte einen durchschlagenden Erfolg. Ruhige Songs – Lieder zum Träumen und Nachdenken.
Inzwischen ist diese Zusammenstellung auch als Doppel-CD erschienen. (udofan)

:Und beim mehrfachen hören dieser eher unbekannten Lieder wird mir wiedermal (auch schmerzhaft) bewußt, wie viel seine Lieder mit meinem eigenen Leben zu tun haben …  Bei „Vier Stunden in der Woche“ habe ich mich meiner Tränen stolz geschämt, denn dieser Text erzählt ganz einfach die Geschichte meiner größten Narbe, die ich mir im Laufe meines Lebens eingehandelt habe:

Samstagnachmittag um vier hol‘ ich sie ab,
da wartet sie schon an der Tür;
ihre Mutter sieht mir selten ins Gesicht,
wenn ich sie frag‘:“Wie geht es dir?“
Sie sagt nur:“Paß‘ auf die Kleine auf,
und bring‘ sie pünktlich heim.“
Und dann nehm‘ ich meine Tochter bei der Hand
und darf wieder Vater sein.

Vier Stunden in der Woche,
vier Stunden zählen kaum,
vier Stunden sind geblieben
von einem großen Traum.
Ich kann ihr nicht viel geben
in dieser Zeit – doch immerhin:
Vier Stunden in der Woche
hat mein Leben einen Sinn.

Wenn das Wetter schön ist, geh’n wir in den Zoo,
oder wir fahren an den See.
Wenn es regnet, sitzt sie bei Kakao und Kuchen
mit mir meistens im Cafe,
und ich frag‘ sie nach der Schule und den Freunden,
doch sie redet nicht sehr viel mit mir;
und ich will doch alles wissen über sie,
damit ich sie nicht ganz verlier‘.

Vier Stunden…

Manches Mal hab‘ ich versucht ihr zu erklären,
was ich selber nie verstand‘;
warum Menschen, die sich lieben, plötzlich tun,
als hätten sie sich nie gekannt.
Dann erzählt sie mir von ihrem neuen Vater,
der gesagt hat, er sei immer für sie da.
Und dann weiß‘ ich nicht, was ich sagen soll,
und streich‘ ihr nur über’s Haar.

Vier Stunden…

UdoJürgens01

Und bei „Der Schuft“ habe ich in den Spiegel schauen müssen … und bei „Auf meinem Tisch ein weißer Bogen“ dachte ich mir, das kommt mir sehr bekannt vor.

Und dann noch Lieder/Texte wie „Mein Freund, der Clown“, „Eine Hand ist keine Faust“, “ Mein Bruder ist ein Maler“ (einfach nur großartig).und da gibt es noch so etliches, was auf eine Entdeckung wartet.

Klar, der Udo Jürgens zelebriert seine Kompostionen mit dem ihm eigenen Pathos

BookletBackCover1

Besetzung:
Udo Jürgens (vocals, piano)
+
Orchester Johnny Harris (bei 02., 04.
Orchester Hans Hammerschmid (bei 10.
Orchester Boris Jojic (bei 03.
Orchester Robert Opratko
Orchester Mike Vickers (bei 09.
+
Die Rosy Singers (background vocals bei 03., 17.

Tray1Titel:
01. Meine Lieder (Brauneck/Jürgens) 5.23
02. Auf meinem Tisch ein weißer Bogen (Mey/Jürgens) 3.34
03. Mayerling (Kunze/Jürgens) 3.05
04. Die Leute (Jürgens/Brandin) 3.06
05. Der Schuft (Kunze/Jürgens) 3.48
06. Morgen weht ein anderer Wind (Brauneck/Jürgens) 3.18
07. Ihr Lieben daheim (Jürgens) 5.07
08. Kind einer Nacht (Kunze/Jürgens) 6.13
09. Dann kann es sein, dass ein Mann auch einmal weint (Fuchsberger/Jürgens) 2.56
10. Mein Freund, der Clown (Jürgens/Brandin) 3.02
11. Deine besten Jahre (Hachfeld/Jürgens) 3.56
12. Auf der Straße der Vergessenheit (Hachfeld/Jürgens) 4.52
13. Du allein (Hachfeld/Jürgens) 3.22
14. Weißt du, wie krank dich Liebe machen kann? (Jürgens) 5.21
15. Mein Bruder ist ein Maler (Jürgens/Hofer) 4.08
16. Vier Stunden in der Woche (Kunze/Jürgens) 4.33
17. Als die Musik erklang (Hachfeld/Jürgens) 4.21
18. Ein Narr sagt Dankeschön (Jürgens) 3.48
19. Ein kleines Lied für mich (Kunze/Jürgens) 2.55
20. Und dabei könnt‘ sie meine Tochter sein (Kunze/Jürgens) 3.49
21. Eine Hand ist keine Faust (Kunze/Jürgens) 3.42
22. Nur einen Sommer lang (Alexandra/Jürgens) 4.16
23. Ein paar Worte, ein paar Töne (Jürgens) 4.21
24. Der große Abschied (Fuchsberger/Jürgens) 3.39

Label1

 

*
**

Kindheit, des Lebens zarte Luft,
der Tag, der dich zum spielen ruft,
wobei oft nur ein Glas zerbricht,
mehr weißt du nicht.

Der kleine Zug, der dir gefällt,
fährt nur im Kreis nicht in die Welt.
So klein fängst du dein Leben an
und was kommt dann?

Dann kommt der große Abschied von der Zeit.
Es gibt kein Wiedersehen,
war sie auch noch so schön.
Dann kommt der große Abschied, sei bereit.
Denn alles wird vergehen,
die Welt, die muß sich drehen.

Schule, des Lebens erste Pflicht,
wobei schon mehr als Glas zerbricht.
Erste Liebe und erstes Leid,
dein Weg ist weit.

Sommer des Lebens, du weißt genug,
hast viel erreicht undt so klug.
Hörst oft mit Stolz: Was für ein Mann,
und was kommt dann?

Dann kommt der große Abschied von der Zeit.
Es gibt kein Wiedersehen,
war sie auch noch so schön.
Dann kommt der große Abschied, sei bereit.
Denn alles wird vergehen,
die Welt, die muß sich drehen.

Künden sich Herbst und Winter an,
dann lächelst Du, wie es begann.
Weiß ist dein Haar, so weit dein Blick,
siehst du zurück.

Nichts ist so wichtig und nichts so groß,
wie deine friedliche Hand im Schoß.
Nichts fängt im Leben noch mal an
und was kommt dann?

Dann kommt der große Abschied von der Zeit.
Es gibt kein Wiedersehen,
war sie auch noch so schön.

Georg Kreisler – Unheilbar gesund (1964 – 1989)

FrontCover1Der Kreisler Georg war schon ein ganz besonders skuriller Vogel, aber das ist vielleicht angesichts seiner Biographie auch kein Wunder:

Georg Franz Kreisler (* 18. Juli 1922 in Wien; † 22. November 2011 in Salzburg) war ein Komponist, Sänger und Dichter, der aus einer österreichischen jüdischen Familie stammte und als Emigrant 1943 die Staatsbürgerschaft der Vereinigten Staaten angenommen hatte. Dagegen, vorrangig als Kabarettist bezeichnet zu werden, hat sich Kreisler, der diesen Beruf in jungen Jahren zur Bestreitung seines Lebensunterhalts ausgeübt hatte, immer wieder gewehrt. Ebenso verwahrte er sich dagegen, als Österreicher bezeichnet zu werden: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher… Ich bin seit 1943 amerikanischer Staatsbürger, obwohl mir der Clinton noch nie zum Geburtstag gratuliert hat.“

Die Anfänge seiner Karriere lagen in den USA. Seit Mitte der 1950er Jahre wurde er im deutschen Sprachraum durch Lieder wie „Tauben vergiften“, „Der Tod, das muss ein Wiener sein“ und „Wie schön wäre Wien ohne Wiener“ populär. Mit seinem schwarzen, tiefsinnigen und poetischen Humor und Sprachwitz hat Kreisler das musikalische deutschsprachige Kabarett seiner Zeit als Interpret und Verfasser eigener Werke stark geprägt.

Georg Kreisler wurde als Sohn des jüdischen Rechtsanwaltes Siegfried Kreisler (1884–1970) und dessen Frau Hilda (1895–1942) im Wiener Sanatorium Hera geboren. Er war das einzige Kind seiner Eltern, aber es gab viel Verwandtschaft: sein Vater hatte acht Geschwister, seine Mutter vier. Er besuchte das Gymnasium Kandlgasse in Wien-Neubau und begann als Siebenjähriger Klavierspielen, später auch Geige und Musiktheorie, zu lernen.

Ausweis
1938, nach dem „Anschluss“ Österreichs, waren auch österreichische Juden den Repressalien gemäß der Rassengesetze des Nationalsozialismus ausgesetzt. Es gelang seinem Vater, noch rechtzeitig Ausreisepapiere zu erlangen und unter Verlust fast des gesamten Vermögens mit der Familie über Genua und Marseille in die USA zu emigrieren. Auf der Überfahrt fand Georg Kreisler einen Schachpartner in dem auf der Überfahrt als Schiffbrüchigen aufgenommenen Bugsy Siegel.

In Hollywood unterstützte ihn sein Vetter, der erfolgreiche Drehbuchautor Walter Reisch, finanziell und vermittelte Kontakte zum Filmgeschäft. Kreisler wurde mit einer Vielzahl deutsch-jüdischer Exilanten bekannt, die ebenfalls im Filmgeschäft unterzukommen suchten, allerdings kein Englisch sprachen. Mit 19 heiratete er die Tochter des Kabarettisten und Komponisten Friedrich Hollaender, Philine, trennte sich jedoch bald wieder von ihr. Arnold Schoenberg versuchte ihn an der University of California, Los Angeles unterzubringen, wo er wegen mangelnder Zeugnisse abgelehnt wurde.

Kreisler wurde 1943 US-amerikanischer Staatsbürger und gleich darauf für den Zweiten Weltkrieg zur US-Armee eingezogen. Nach der Grundausbildung wurde er nach England verlegt und war in Yeovil und Devizes stationiert, wo er in Veranstaltungen, die er teilweise zusammen mit Marcel Prawy vorbereitete, Soldaten der D-Day-Truppen unterhielt. Als Soldat war er unmittelbar nach Kriegsende dolmetschend in Deutschland tätig, verhörte Julius Streicher und begegnete Hermann Göring sowie Ernst Kaltenbrunner.

GeorgKreisler01
In die USA zurückgekehrt, war er in Hollywood beim Film beschäftigt und arbeitete dort unter anderem mit Charlie Chaplin zusammen. Chaplin pfiff ihm die Filmmusik für Monsieur Verdoux – Der Frauenmörder von Paris vor, die Kreisler auf Notenpapier schrieb und dann zu Hanns Eisler brachte, der die Orchestrierung besorgte. Auch war es Kreislers Klavierspiel, das aufgenommen wurde, wenn man Chaplin am Klavier sah. Da sein Erfolg insgesamt nur mäßig war, zog er im Oktober 1946 nach New York um.

Während seiner dort verbrachten Zeit trat er als Unterhalter in Nachtclubs auf und ging als Interpret eigener, in englischer Sprache verfasster Lieder auf Tournee durch die USA. Drei dort 1947 aufgenommene Schallplatten sind nicht erschienen, weil die Verantwortlichen der Produktionsfirma die teils morbiden oder makabren Lieder für „unamerikanisch“ hielten. Für Titel wie Please Shoot Your Husband oder My psychoanalyst is an idiot war die Zeit noch nicht reif. Der mangelnde Erfolg einer vielfach geäußerten Kulturkritik zog sich von da an durch Kreislers gesamte künstlerische Laufbahn. Er selbst sah das als typische Ignoranz der Zeitgenossen gegenüber dem Satiriker. Erst im Jahr 2005 kamen die verloren geglaubten Aufnahmen von 1947 als Beilage zu seiner Biografie in Form einer CD heraus. 1950 bekam er ein Angebot, in der New Yorker Monkey Bar zu singen, und trat dort allabendlich auf.

GeorgKreisler03Im Jahr 1955 hoffte er auf mehr Erfolg in Europa, ging zurück nach Wien und traf dort unter anderem mit Hans Weigel, Gerhard Bronner, Peter Wehle und Helmut Qualtinger zusammen. In der Marietta-Bar in der Wiener Innenstadt trat er erstmals mit deutschsprachigen Chansons auf und wurde zeitweise Mitglied des „Namenlosen Ensembles“ um Bronner, Wehle und Qualtinger. Er musste allerdings die Erfahrung machen, dass das Publikum von Liedern wie Tauben vergiften keineswegs nur begeistert war. Eine Zeitlang durften seine Lieder im Österreichischen Rundfunk nicht gesendet werden.

1958 zog er nach München, wo er, frisch verheiratet, mit seiner dritten Ehefrau Topsy Küppers Chansonabende gab. 1972 spielte er mit dem Gedanken, nach Israel auszuwandern, fuhr hin und kam nach wenigen Monaten wieder zurück. 1975 trennten sich Kreisler und Topsy Küppers. 1976 ging er nach Berlin. Ab 1977 trat er mit seiner Lebensgefährtin und späteren Ehefrau Barbara Peters auf, hauptsächlich bei den Wühlmäusen und den Stachelschweinen. 1988 zog er von Berlin nach Hof bei Salzburg, lebte von 1992 bis 2007 in Basel und von Mai 2007 an wieder in Salzburg. Kreisler hatte einen Sohn von Philine Hollaender und von Topsy Küppers einen weiteren Sohn und eine Tochter, Sandra, die als Chansonsängerin und Sprecherin tätig ist. Er war weitläufig verwandt mit dem Violinvirtuosen und Komponisten Fritz Kreisler.

Seit 2001 trat Georg Kreisler nicht mehr mit seinen Liedern auf. Stattdessen schrieb er Romane, Kurzgeschichten und Essays, komponierte und engagierte sich für eine eigenständige Schweiz und gegen einen EU- bzw. EWR-Beitritt (siehe dazu auch sein Lied Der Euro). In einem offenen Brief an die Repräsentanten des Staates Österreich verbat er sich vor seinem 75. Geburtstag Gratulationen, „weil sich die Republik Österreich in den über vierzig Jahren, seit ich nach Europa zurückgekehrt bin, noch nie um mich geschert hat.“

Seine Tochter Sandra Kreisler wies darauf hin, es sei „in den letzten 60 Jahren noch nicht einmal jemand auf die Idee gekommen, dem Emigranten Kreisler ehrenhalber seine österreichische Staatsbürgerschaft zurückzugeben“. Kreisler selbst sah sich nicht mehr als Österreicher und warf dem Staat vor, die Staatsbürgerschaft nur jenen wieder verliehen zu haben, die sich nach dem Anschluss arrangiert hätten: „Aber auf keinen Fall bin ich Österreicher, denn im Jahre 1945, nach Kriegsende, wurden die Österreicher, die 1938 Deutsche geworden waren, automatisch wieder Österreicher, aber diesmal nur diejenigen, die die Nazizeit mitgemacht hatten. Wer unter Lebensgefahr ins Ausland geflüchtet wurde, also auch ich, bekam seine österreichische Staatsbürgerschaft nicht mehr zurück.“

Im Jahr 2007 übernahm die Berliner Akademie der Künste Kreislers Vorlass. 2009 erschien seine Autobiographie Letzte Lieder.

Im November 2011 starb Georg Kreisler im Alter von 89 Jahren in Salzburg, nach Angaben seiner Ehefrau Barbara an den Folgen „einer schweren Infektion“. Er wurde am 1. Dezember 2011 auf dem Friedhof Salzburg Aigen beigesetzt; eine Trauerrede hielt Eva Menasse.

GeorgKreisler04Kreisler war ein virtuoser Meister der Sprache, Mimik und Gestik. Er schlüpfte in dutzende verschiedene Sprachmasken, als verführerischer Frauenmörder (Bidla Buh, Machs dir bequem, Lotte) oder als gewalttätiger Unternehmer mit rechter Gesinnung (Kapitalistenlied), er konnte „jüdeln“ in jiddisch gefärbtem Deutsch (Lieder eines jüdischen Gesellen), böhmakeln wie ein tschechischer Wiener Hausmeister (Telefonbuch-Polka, Der Bluntschli) und im sentimentalen Wienerisch das schmalzige Wienerlied makaber parodieren (Am Totenbett, Der guade alte Franz). Er hat sich als Nestbeschmutzer mit schwyzerdütschem Tonfall in der Schweiz unbeliebt gemacht (Der Ausländer) und imitierte parodierend pathetische Schnulzensänger (Mütterlein) und Seemannslieder (Der Paule).

Stilistisch stand Kreisler in der Tradition des singenden Klavierhumoristen, der sich zu eigenkomponierten Liedern selbst begleitet; diese Kunstform wurde bereits Mitte der 1920er Jahre im deutschsprachigen Raum durch Künstler wie Willy Rosen, Austin Egen oder Hermann Leopoldi etabliert.

Seine Lieder, manchmal surrealistisch und der absurden Lyrik zuzurechnen (Zwei alte Tanten tanzen Tango, Frühlingsmärchen, Bessarabien), sind von hintergründigem, oftmals schwarzem Humor geprägt und üben oft, mit den Jahren immer stärker, beißende Kritik an Gesellschaft und Politik.

Viele seiner Lieder sind Klassiker geworden wie Taubenvergiften im Park, Als der Zirkus in Flammen stand, Zwei alte Tanten tanzen Tango, Der Musikkritiker, Der General, Kapitalistenlied, Meine Freiheit, Deine Freiheit, Wir sind alle Terroristen sowie das „Ein-Frau-Musical“ Heute Abend – Lola Blau.

Georg Kreisler war bekennender Anarchist, was auch in einigen seiner Lieder zum Ausdruck kommt, beispielsweise in Kapitalistenlied, Meine Freiheit, Deine Freiheit, Sie sind so mies, Ihr wißt gar nichts, Wir sind alle Terroristen oder Wenn alle das täten. (Quelle: wikipedia)

Und ja, man muss diese so ganz spezielle Variante das bitterbösen, schwarzen Humors schon mögen … und ich mag sie !

Hier präsentiere ich ein Album, das ursprünglich 1964 erschien und dann bei der Wiederveröffentlichung dann noch um einige „bonus-tracks“ aus dem Jahre 1971 ergänzt wurden … Wir hören also überwiegend den frühen Kreisler …

Nicht verschwiegen werden soll nicht, dass er in seinem Leben auch ziemlich viel Scherereien hatte (Plagiatsvorwürfe, Streitereien mit diversen ehemaligen Weggefährten usw.) … Vermutlich war er keine so einfache Persönlichkeit, aber das ist vielleicht angesichts seiner Biographie auch kein Wunder …

LPFront+BackCover

LP Front+BackCover der Originalausgabe (1964)

Besetzung:
Georg Kreisler (vocals, piano)

BookletA

Titel:
01. Max auf der Rax 4.54
02. Das Mädchen mit den drei blauen Augen 2.42
03. Wenn du mich liebst 4.31
04. Wien Ohne Wiener 4.45
05. Die Wanderniere 3.22
06. Unheilbar gesund 7.05
07. Lied für Kärtner Männerchor 5.48
08. Ich hab ka Lust 3.25
09. Mütterlein 5.39
10. Opernboogie 6.17
11. Alpenglühn 5.13
+
12. Die Hexe 2.27
17. Mein Sekretär 2.43
18. Telephonbuchpolka 4.19
19. Der Liebesbrief 2.52

Musik und Texte: Georg Kreisler

CD1

*
**

GeorgKreisler02

Katja Ebstein – Witkiewicz (2005)

FrontCover1Für meine Ohren und für mich ein unglaublich wichtiges, enormes Album und mit der Einschätzung bin ich auch nicht ganz allein:

Rothaarig, grünäugig, endlos lange Beine — und eine unverkennbare Stimme, mit der sie einfach alles singen kann, und zwar glaubwürdig. Als Katja Witkiewicz wurde sie 1945 in Schlesien geboren, als Katja Ebstein wurde sie zu einem der wenigen deutschen Superstars. „Wunder gibt es immer wieder“ war 1970 sozusagen der Startschuss: 3. Platz beim Grand Prix, 1971 folgte abermals der 3. Platz mit „Diese Welt“. Danach reihten sich Hit an Hit, Lieder wie „Der Stern von Mykonos“, „Es war einmal ein Jäger“, „Theater“, Songs, die heute schon zu den Evergreens gehören. Doch das war nur die eine Seite der Katja Ebstein. Sie sang daneben ebenso erfolgreich Musicals und interpretierte Gedichte von Heinrich Heine und Bertold Brecht; sie stand vor der Fernsehkamera und auf der Theaterbühne; sie brachte uns internationale Songpoeten wie Bob Dylan, Leonard Cohen und Stevie Wonder auf deutsch nahe; sie sang in sieben Sprachen und war auch da erfolgreich. Und ihr geliebtes Berlin, in dem sie nach der Flucht aufwuchs, besang sie liebevoll mit Couplets von Otto Reuter, Erich Kästner und Kurt Tucholsky. Eine faszinierende, ungeheuer vielseitige Künstlerin.

Booklet01A
Vor acht Jahren hat Katja Ebstein ihr letztes Album eingesungen. Diese neue CD zeigt, dass Katja Ebstein immer noch und immer wieder zu den Allerbesten gehört. Da gibt es das zarte Liebeslied „Unrasiert“, da gibt es die wunderschöne hochdeutsche Version von Fendrichs „Bergwerk“, da gibt es Jacques Brels Chanson „Flaches Land“ als Hymne an die Nordsee. Von Pe Werner stammt die eingängige Ballade „Rosen unterm Schnee“, Manfred Maurenbrecher schrieb mit Katja die Pop-Ballade „In diesem Land“, eine deutsche Bestandsaufnahme im Jahr 2005, und Xavier Naidoo ließ sich für sie das ungewöhnliche „Schlaf in meinen Armen ein“ einfallen. Bitterböse und traurig ist die Selbstmörderballade „Was geht’s mich an“, bei der Katja von Michael Janz stimmlich unterstützt wird. Dazu singt Katja Klassiker wie „Wilde Wasser“ und „Funny Valentine. „Die schlesischen Weber“ und „Wunder gibt es immer wieder“ sind übrigens in neuer Version zu hören. Fazit: Mit diesem Album hat sich Katja Ebstein selbst das schönste Geburtstagsgeschenk gemacht. Eine rundum gelungene CD, mit Liedern, die man sich mehr als einmal anhören kann. Und ein erneuter Beweis dafür, dass Katja Ebstein auch mit 60 noch zu unseren Topstars gehört — und stimmlich war sie noch nie so gut und eindringlich und überzeugend wie heute. (Julia Edenhofer)

CDPräsentation

Pe Werner, Dieter Falk und Katja Ebstein bei der Präsentation der Cd „Witkiewicz“

Und selbst auf der Jazz website jazzdimensions findet dieses Album eine prachtvolle Würdigung:
Katja Ebstein meldet sich nach einigen Jahren mit einem neuen Album zurück: Auf „Witkiewicz“, benannt nach ihrem Mädchennamen, präsentiert die Ebstein Songs unterschiedlicher Songwriter – und vom Schlager bis zu Chansons über sozialkritsche Liedermacherstücken ist alles dabei.

Die Künstlerin, die dieser Tage ihren 60. Geburtstag feiert – was man ihr nicht ansieht – hat eine Stimme, der man nur zuhören kann, die Herzen und Seelen erweicht. Mit dieser Popgesangsstimme (von der manch Gesangssternchen nur träumen kann) setzt sie insbesondere bei „Ungläubig“, dem Maurenbrecher-Song „In diesem Land“ oder „Was geht´s uns an“ so kraftvolle, wie kritische Akzente – die Ebstein als sozialpolitische Botschafterin, die sich in dieser Rolle auch gut gefällt.

Katja Ebstein gehört auf die Bühne, pflegt einen natürlich-herzlichen Umgang mit dem Publikum und ist dennoch ganz Showdame. „Witkiewicz“ ist ein Album mit größtenteils wunderbaren Songs, aber auch mal einem Ausrutscher wie „Unrasiert“, der etwas stark in die Liebeslied-Schlager-Schmonzette abgleitet. Insgesamt: erstklassig – Hut ab vor dieser begnadeten Sängerin mit Herz und Engagement. (Carina Prang)

BookletBackCover1

Dani Fromm auf laut.de hatte aber auch was zu meckern:

„Einzig zwei Nummern stoßen wirklich übel auf: „In meinen Armen“ – komponiert, getextet und angerichtet von Xavier Naidoo – ist kaum auszuhalten. Der Mann ist, wenn er nicht gerade mit Jan Delay zusammenarbeitet, einfach eine unerträgliche Heulsuse, der mich mit seiner plakativst zu Markte getragenen Religiosität von einem Würgereiz in den nächsten treibt. „Herr, Du musst das Größte sein, das auch im Kleinsten ist. Du hauchst das Leben ein. Herr, Du bist, der Du bist.“ Halleluja. Ich bitte um einen Eimer.

Und „Bergwerk“, das mir in der von Dieter Falk arrangierten Version musikalisch wesentlich besser gefällt, als Reinhard Fendrichs Original (Zugegeben: Das ist auch nicht besonders schwer.), verliert durch die 1:1-Übertragung des Textes aus Bergsprache ins Hochdeutsche sehr. Wenn sich „weinst“ auf „lehnst“, und „weißt“ auf „hast“ reimen muss, fühlt man sich zwangsläufig an Reim-dich-oder-ich-fress-Dich-Lyrik der Kampfklasse „Kaum zu glauben, aber wahr: der Schmidthuber-Opa wird heut 97 Jahr“ erinnert. Naidoo jault übrigens auch in „Was Geht’s Uns An“ im Refrain mit; hier allerdings nicht ganz so störend.“

Da mag ja jemand den Xaver besonders gut *g*

Ergänzend will ich noch darauf hinweise, dass die beteiligten Musiker wirklich ganz famos aufspielen (Thomas Simmerl und Christian von Kaphengst gehören z.B. zur Till Brönner Band). Und das booklet besticht auch durch die intensive Fotographien von Jim Rakete !

BackCover1

Besetzung:
Dieter Falk (keyboards)
Wolfgang Haffner  (drums, percussion)
Christian von Kaphengst (bass)
Berthold Matschat (harmonica)
Ossi Schaller (guitar)
Thomas Simmerl (drums, percussion)
Christoph Titz (trumpet)
+
German Pops Orchestra

Booklet04ATitel:
01. Ungläubig (Falk/Ebstein/Winkelmann) 4.28
02. Unrasiert (Sacher/Hofer) 3.04
03. In diesem Land (Rau/Ebstein/Maurenbrecher) 4.29
04. Die schlesischen Weber (Bruhn/Heine) 3.00
05. Sei nicht alt (Sacher/Demmler) 3.07
06. Wildes Wasser (Traditional/Werner/Ebstein) 3.53
07. Was geht’s uns an (Sacher/Demmler)
08. Bergwerk (Fendrich) 3.16
09. Funny Valentine (Rodgers/Hart/Maurenbrecher) 4.40
10. In meinen Armen (Naidoo/Herberger) 4.12
11. Rosen unter’m Schnee (Werner) 3.51
12. Flaches Land (Brel/Grasshoff) 3.31
13. Wunder gibt es immer wieder (Bruhn/Loose) 3.23

CD1

*
**

Booklet02A

Und ja, sexy ist die Katja Ebstein schon auch … Und mit Verlaub: wenn sie (man)  sich so ablichten lässt, dann  weiß sie (man) sehr wohl was sie (man) tut.

Mehr von Katja Ebstein:

Mehr

 

Georg Kreisler + Helen Vita – Du bist neurotisch + La malade à la mode (1960)

FrontCover1Wieder mal so eine kleine Werbeplatte, die man damals wohl an Mediziner verteilte, den die Firma „Pro Medico“ warb ein wenig verschämt „gegen quälenden Husten: Tussipect und Embrocin“. Aha !

Und man bediente sich zweier Künstler mit mit Witz und Hunor das Thema Gesundheit auf die Schippe nahmen:

Charmant und zugleich bitterböse der Georg Kreisler (wir kennen ihnen nicht anders).

Liebreizend und spitzbübisch dann die unverwüstliche Skandalnudel Helen Vita …

Beide waren damals für ein aufgeklärtes Publikum ganz sicher ein Renner, denn in dem musikalischem Allerlei jener Jahre stachen sie eben durch ihre Individualität deutlich heraus.

Man lasse sich nicht von den anfänglichen Knistergeräuschen bei Kreisler irritieren … Das kleine Vergnügen an dieser kleinen Schallplatte wird dadurch nicht wirklich getrübt.

BackCover1
Besetzung:

Georg Kreisler (piano vocals be 01.)
+
Paul Burkhard (piano bei 02.)
Helen Viata (vocals bei 02.)

Titel:
01. Du bist neurotisch (Kreisler) 3.30
02. La malade à la mode (Burkhard/Witt) 3.41

Labels

*
**

Mehr vom Georg Kreisler:

MehrKreisler

Manfred Krug + Gunther Fischer-Quintett – No. 3 – Greens (1974)

FrontCover1.jpgFür mich war der Manfred Krug nicht nur ein vertitabler Schauspieler (klar: Tatort !), sondern auch ein starker Sänger:

Manfred Krug (* 8. Februar 1937 in Duisburg; † 21. Oktober 2016 in Berlin) war ein deutscher Schauspieler, Sänger und Schriftsteller. Als Pseudonyme verwendete er zu DDR-Zeiten Clemens Kerber (als Liedtexter) und Isa Karfunkelstein (als Interviewer seiner selbst).

Und hier sein vorletztes Album, dass r in seinen DDR-Zeiten aufgenommen hat:

Wenn ich vorhin schrie, dass der Mnred Krug auch ein starker Sänger war, denntritt er bei dieser LP leider keinen überzeugenden Beweis an. Er interprtiert überwiegen Songmaterial des Klassenfeindes aus den USA … ne Gilbert O’Sullivan Komposition ist auch mit dabei.

ManfredKrug

Manfred Krug 1974 während einer Autogrammstunde in der Buchhandlung „Internationale Buch“ am Alexanderplatz in Ost-Berlin.

Das Album bleibt arg blaß, arg farblos…von der seiner Dynmaik und dem Schwung seiner früheren Aufnahmen ist er doch ziemlich weit entfernt. Und so wird selbst ein ansich feiner Blues wie „Machs gut, ich muß gehn“ ziemlich verhunzt.

Mag das am Gerd Michaelis-Chor oder an der Streichergruppe Otto Karl Beck liegen … keine Ahnun, aber auf der Hüllen finden wir noch den Namen  Siegbert Schneider und er fungierte bei den Aufnahmen als „Sound Designer“  … hier liegt w0hl die Wurzel allen Übels …

Sei´s drum, zu em Gesamtkunstwerk des Manfred Krugs gehören dann halt auch solche Alben.

BackCover1.jpg

Besetzung:
Fred Baumert (guitar)
Günther Fischer (flute, piano, saxophone)
Joachim Graswurm (trumpet, flugelhorn)
Wolfgang „Eddie“ Greiser (bass)
Hubert Katzenbeier (trombone)
Siegfried Krause (violin)
Masnfred Krug (vocals)
Mario Peters (keyboards)
Wolfgang „Zicke“ Schneider (drums)
+
Gerd Michaelis-Chor
Streichergruppe Otto Karl Beck

Labewls (UdSSR)

Dieses Album erschien wohl auch in der UdSSR

Titel:
01. Que Serà (Migliacci/Fontana) 3.33
02. The More I See You (Warren/Gordon) 3.49
03. I Can’t Give You Anything But Love (McHugh/Fields) 4.38
04. Mame (Herman) 3.42
05. Niemand liebt dich so wie ich (Lehár/Jenbach/Knepler) 3.51
06. Alone Again (Naturally) (O’Sullivan) 3.36
07. Parlez Moi D’amour (Lenoir) 3.18
08. Greensleeves (Traditional/Hacks) 3.14
09. Machs gut, ich muß gehn (Baby, It’s Cold Outside) (Loesser/Krug/Barwandt) 4.16
10. There’s A Boat That’s Leavin‘ Soon For New York (G.Gershwin/Dubois/Heyward/ I.Gershwin) 2.18
11. Alles geht einmal zu Ende (When It’s Sleepy Time Down South) (Muse/Rene/Krug) 1.47

LabelB1.jpg
*
**

Mehr vom Manfred Krug:

Mehr.jpg

Katja Ebstein – Was ich noch singen wollte (1974)

FrontCover1.JPGIch gestehe, ich bin in diese FRau ein wenig vernarrt:

Katja Ebstein, bürgerlicher Name Karin Ilse Überall (* 9. März 1945 als Karin Ilse Witkiewicz in Girlachsdorf), ist eine deutsche Sängerin und Schauspielerin. International bekannt wurde sie mit dem dritten Platz beim Eurovision Song Contest 1970, dem 1971 ein weiterer dritter und 1980 ein zweiter Platz folgten, was sie zur damals erfolgreichsten deutschen ESC-Teilnehmerin machte. Sie veröffentlichte bisher über 30 Alben in den Bereichen Schlager, Popmusik, Chanson, Kabarett und Musical.

Ebstein kam im niederschlesischen Girlachsdorf (heute Gilów, Gmina Niemcza, Polen) zur Welt. Sie wuchs im West-Berliner Bezirk Reinickendorf in der Epensteinstraße auf,

KatjaEbstein1965

Katja Ebstein, 1966

Noch durch Gaze lernte sie um 1967 den Komponisten und Produzenten, ihren späteren Lebensgefährten und ersten Ehemann Christian Bruhn kennen, der von nun an ihre Produktionen begleitete. Auf dem Festival Chanson Folklore International auf Burg Waldeck im Hunsrück traf sie auf Siegfried Loch, den damaligen Deutschlandchef der US-amerikanischen Schallplattenfirma Liberty/United Artists, der nach neuen Talenten für den internationalen Markt suchte. Er verhalf ihr zu einem festen Vertrag bei Liberty/United Artists Records mit Sitz in München.

Nach Achtungserfolgen mit den beiden ersten Singles, Der Draht in der Sonne und … und wenn der Regen fällt, sowie ihrem ersten Fernsehauftritt als „Katja Ebstein“ im April 1969 in der Sendung Sing and swing – Ein Abend mit internationalen Gaststars erschien im Herbst 1969 die erste LP Katja, insbesondere promotet durch die Jugendzeitschrift Twen und das von Truck Branss, dem Macher der ZDF-Hitparade, produzierte Fernsehporträt Katja – Die Stimme, das allerdings erst 1970 nach ihrer erfolgreichen Teilnahme an der Vorentscheidung zum Grand Prix Eurovision de la Chanson ausgestrahlt wurde. Im Spätherbst 1969 sang sie mit Wovon träumt ein Weihnachtsbaum im Mai den deutschen Original-Soundtrack des Titels Do You Know How Christmas Trees

Booklet02A

Katja Ebstein, 1974

Are Grown? der Sängerin Nina aus dem James-Bond-Film Im Geheimdienst Ihrer Majestät und war mit der zugehörigen Single-A-Seite Warum ist die Welt so schön erstmals häufiger im deutschen Fernsehen präsent.

Am 16. Februar 1970 gewann Ebstein die deutsche Vorentscheidung mit dem von Christian Bruhn komponierten und von Günter Loose getexteten Wunder gibt es immer wieder und erreichte damit beim Eurovisionsfestival in Amsterdam den dritten Platz. Dies war der Start in ihre internationale Karriere. Ihre Lieder erschienen weltweit auf Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Japanisch. Noch zweimal nahm Ebstein am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil. Den Titel für den Wettbewerb 1971 in Dublin, Diese Welt, komponierte Dieter Zimmermann, der Text stammte von Fred Jay. Mit dem Umweltsong erreichte sie erneut den dritten Platz. Bei ihrer dritten und letzten Teilnahme im Jahr 1980 mit Theater, geschrieben von Ralph Siegel und Bernd Meinunger, belegte sie den zweiten Platz. Auch diese beiden Titel wurden Evergreens in Deutschland und kamen weltweit in verschiedenen Sprachen auf den Markt. Aufgrund ihrer Verdienste um den Grand Prix moderierte sie die Vorentscheidung 1981 und war gern gesehener musikalischer und Gesprächsgast in diversen diesbezüglichen Sendungen.

1970 wurde sie beim Internationalen Songfestival in Rio de Janeiro zur besten Sängerin gewählt. Eine Tournee mit dem Orchester James Last schloss sich von September bis November 1970 an, weitere Tourneen – unter anderem auch mit dem Orchester Paul Kuhn durch die Sowjetunion – folgten in den Jahren darauf, in denen Ebstein mit Titeln wie Und wenn ein neuer Tag erwacht, Ein kleines Lied vom Frieden, Der Stern von Mykonos oder Ein Indiojunge aus Peru zu einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersängerinnen avancierte. 1972 trat sie in der Sendung Ein Kessel Buntes erstmals in der DDR auf. (Quelle: wikipedia)

KatjaEbstein01

Und zwei Jahre später erschien dann diese LP und natürlich hatte auch ihr ihr damaliger Ehmann Christian Bruhn gewaltig mitgemischt.

Und so ist ein Album entstanden, das ein wenig zerrissen wirkt … da sind natürlich jede Menge betrörrender Melodien, jede Menge Texte, die auch heute noch ihre Wirkung haben können („Und dein Zug, der geht in 5 Minuten“), ein Album, das zwischen ambitioniertem Schlager und Chanson pendelt … und das auenzwinkernde „Nostalgie“ könnte auch als kleines Motto über diesem blog schweben.

Und bei „Aranjuez“ versucht man etwas ganz ambitioniertes: Auf den weltbekannten Melodien von Joaquín Rodrigo versuchte sich Walter Brandin als Texter … nun ja … der Versuch hat mich nun nicht überzeugt.

Und dass die Ebstein auch mal „Sag mir, wo die Blumen sind“ singen wollte, versteht sich chon fast von selber, wenn man ihr durchaus politischen Wurzeln kennt … im Berlin der 60er Jahre kannte sie u.a. auch den Benno Ohnsorg …

Aber auch eine zuweilen arg heftige Prise Sozialkitsch (z.B. bei“Ein Indiojunge aus Peru“)

Aber über allem schwebt dann diese wunderbare Stimme der Katja Ebstein … und das versöhnt dann auch ein wenig für dieses „zerrissen“ wirkendes Album.

Singles.jpg

Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
+
eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

Booklet01.JPG

Titel:
01. Athena (Hadjidakis/Bradtke) 3.34
02. Und dann fühlen sie sich nicht mehr so alleine (Bruhn/Colpet) 3.18
03. Nostalgie (Bruhn/Kunze) 2.46
04. Aranjuez (Rodrigo/Brandin) 4:44
05. Wölfe und Schafe (Daniel/Kunze) 2.59
06. Wie ein Vogel fliegen (Bruhn/Kunze) 3.47
07. Mississippi Jane (Heider/Kunze) 2.50
08. Sag mir, wo die Blumen sind (Seeger/Colpet) 4.18
09. Schreib an Dr. Klugmann (Bruhn/Kunze) 3.19
10. Ein Indiojunge aus Peru (Bruhn/Buschor) 3.13
11. Jedes Lied ist einmal zu Ende (Sedaka/Kunze) 3.58
12. Und dein Zug, der geht in 5 Minuten (Bruhn/Brandin) 3.36

LabelB1.JPG

*
**

Mehr von Katja Ebstein:

Mehr.jpg

Adamo – Hinter den Herzen (Kieselsteine 3 ) (1977)

FrontCover1.jpgGanz sicher gehöre ich zu jenen, die Adamo früher falsch einschätze, und ihn „nur“ als Schlager-Fuzzi definitiert habe … Das ist aber ne gewaltige Täuschung …

Salvatore Adamo (* 1. November 1943 in Comiso auf Sizilien) ist ein belgischer Musiker, Liedermacher und Schlagersänger italienischer Herkunft. Adamo singt in neun Sprachen.

Als Salvatore vier Jahre alt war, zog seine Familie ins belgische Kohlerevier nach Mons, da der Vater dort Arbeit fand. Da in Belgien eine doppelte Staatsbürgerschaft nicht möglich war, behielt er, nach eigenem Bekunden aus Respekt und in Erinnerung an seinen Vater, die italienische. Neben seiner schulischen Laufbahn sang er noch im Kirchenchor und lernte Gitarre spielen.

1962 wurde in Belgien seine erste Schallplatte veröffentlicht, nachdem er zuvor in Frankreich einen Musikwettbewerb gewonnen hatte. Alsbald spielte er seine Kompositionen, obwohl der Sprache kaum mächtig, auch auf Deutsch ein. Bereits 1966 trug ein Viertel aller Schlager-Platten, die in Frankreich verkauft wurden, seinen Namen. Ein Jahr später führte ihn eine Tournee auch durch Deutschland. Seinen größten Hit in Deutschland hatte er 1968 mit Es geht eine Träne auf Reisen (die deutsche Version von Une larme aux nuages), der sich 15 Wochen in den Top 10 hielt und dort den zweiten Platz erklomm. Im März 1969 war er gemeinsam mit der deutschen Sängerin Alexandra auf Deutschland-Tournee.

Adamo01

Sie schrieb den deutschen Text Walzer des Sommers für ihn und Adamo komponierte und Alexandra textete Kinderjahre gemeinsam. Nach Alexandras Tod 1969 nahm Adamo das Lied auf und veröffentlichte es 1978. Einen aus heutiger Sicht der Tatsachen ausgesprochen bemerkenswerten Titel stellt die Single Les gratte-ciel aus dem Jahre 1969 dar. Der Titel wurde 1972 ins Deutsche übersetzt.

In den siebziger Jahren zeichneten sich seine LPs Kieselsteine, gefolgt von Seiltanz – Kieselsteine 2 und Hinter den Herzen – Kieselsteine 3 durch anspruchsvolle Texte aus. Lieder wie In deinen Armen sterben, Der Gehängte, Die Feen sterben nicht, Was soll ich da noch für Euch singen? und Wenn Du wiederkommst (übersetzt von Reinhard Mey) waren gelungene Übersetzungen seiner französischen Chansons. Kieselsteine erschien in den achtziger Jahren auch als CD, aber nur in geringer Auflage. (Quelle: wikipedia)

Von seinem ersten Kieselsteine war ich ja nicht angetan, sondern ziemlich begeistert.

Das gleiche gilt auch für dieses 3. Kieselstein-Album, wenngleich sich dies nur auf die Texte bezieht.

Musikalisch hat sich dann doch eher für schlagerbetonte Melodien entschieden, der eigentlich große Chansonnier hat sich zurück gezogen und das tat diesem Album alles andere als gut … schade, denn die anspruchsvollen Tete hätten eine andere Musik verdient. So bleiben jedoch viele Melodien eher belanglos.

BackCover1.jpg

Besetzung:
Adamo (vocals)
+
Eine kleine Schar unbekannter Studiomusiker

Inlet01.jpg

Titel:
01. Du bist (Adamo/Hachfeld) 4.18
02. Der Zirkus Antony (Adamo/Hachfeld) 3.43
03. Werde nicht gross mein Sohn (Adamo/v.Hülse) 4.04
04. Zu spät (Adamo/v.Hülse) 4.04
05. Alle Bänke sind feucht (Adamo/Hachfeld) 4.10
06. Immer das alte Lied (Adamo/Hachfeld) 3.06
07. Lili und das Kind (Adamo/Hachfeld) 3.00
08. Der Hund (Adamo/Hachfeld) 3.23
09. Du Unbekannte (Adamo/Hachfeld) 4.09
10. Es gibt Tage wo man nicht leben möcht‘ (Adamo/Hachfeld) 3.22
11. Die Zeit in einer Flasche (Adamo/Hachfeld) 4.10

LabelB1.jpg

*
**

Adamo02