Adamo – Kieselsteine (1972)

FrontCover1Ganz sicher gehöre ich zu jenen, die Adamo früher falsch einschätze, und ihn „nur“ als Schlager-Fuzzi definitiert habe … Das ist aber ne gewaltige Täuschung …

Salvatore Adamo (* 1. November 1943 in Comiso auf Sizilien) ist ein belgischer Musiker, Liedermacher und Schlagersänger italienischer Herkunft. Adamo singt in neun Sprachen.

Als Salvatore vier Jahre alt war, zog seine Familie ins belgische Kohlerevier nach Mons, da der Vater dort Arbeit fand. Da in Belgien eine doppelte Staatsbürgerschaft nicht möglich war, behielt er, nach eigenem Bekunden aus Respekt und in Erinnerung an seinen Vater, die italienische. Neben seiner schulischen Laufbahn sang er noch im Kirchenchor und lernte Gitarre spielen.

1962 wurde in Belgien seine erste Schallplatte veröffentlicht, nachdem er zuvor in Frankreich einen Musikwettbewerb gewonnen hatte. Alsbald spielte er seine Kompositionen, obwohl der Sprache kaum mächtig, auch auf Deutsch ein. Bereits 1966 trug ein Viertel aller Schlager-Platten, die in Frankreich verkauft wurden, seinen Namen. Ein Jahr später führte ihn eine Tournee auch durch Deutschland. Seinen größten Hit in Deutschland hatte er 1968 mit Es geht eine Träne auf Reisen (die deutsche Version von Une larme aux nuages), der sich 15 Wochen in den Top 10 hielt und dort den zweiten Platz erklomm. Im März 1969 war er gemeinsam mit der deutschen Sängerin Alexandra auf Deutschland-Tournee. Sie schrieb den deutschen Text Walzer des Sommers für ihn und Adamo komponierte und Alexandra textete Kinderjahre gemeinsam. Nach Alexandras Tod 1969 nahm Adamo das Lied auf und veröffentlichte es 1978. Einen aus heutiger Sicht der Tatsachen ausgesprochen bemerkenswerten Titel stellt die Single Les gratte-ciel aus dem Jahre 1969 dar. Der Titel wurde 1972 ins Deutsche übersetzt.

Adamo60sIn den siebziger Jahren zeichneten sich seine LPs Kieselsteine, gefolgt von Seiltanz – Kieselsteine 2 und Hinter den Herzen – Kieselsteine 3 durch anspruchsvolle Texte aus. Lieder wie In deinen Armen sterben, Der Gehängte, Die Feen sterben nicht, Was soll ich da noch für Euch singen? und Wenn Du wiederkommst (übersetzt von Reinhard Mey) waren gelungene Übersetzungen seiner französischen Chansons. Kieselsteine erschien in den achtziger Jahren auch als CD, aber nur in geringer Auflage.

Adamo musste am 28. Mai 2004 seine geplante Tournee abbrechen und sich wegen gesundheitlicher Probleme in Behandlung begeben. Nach fast einem Jahr Erholungspause gab Adamo dann wieder Konzerte in Belgien und Frankreich. Zu dem ersten Konzert dieser Reihe, das in Mons, der Stadt seiner Jugend, stattfand, kamen Menschen aus ganz Europa und aus Übersee. Im Jahr 2007 nahm Adamo unter anderem an verschiedenen Musikfestivals in Frankreich teil und tourte durch das Land, sowie durch Belgien und den französischsprachigen Teil Kanadas. 2008 wurde die CD „Le bal des gens bien“ veröffentlicht, auf der 18 bekannte und weniger bekannte Adamo-Titel neu aufgenommen wurden. Jedes Lied singt Adamo im Duett mit einem anderen Künstler der französischen Chanson-Szene. Die CD wurde nach wenigen Wochen mit Platin in Belgien und Gold in Frankreich ausgezeichnet. Im November 2010 erschien eine CD mit neuen französischen Liedern „De toi à moi“, auf der unterem anderem ein Duett mit seiner Tochter Amélie „T’aimer quelque part“ zu hören ist. Zu seinem 50. Bühnenjubiläum tourte Adamo in 2011 durch Belgien und Frankreich, gab aber auch Konzerte in Athen, den Niederlanden und Rumänien. Es folgte eine erfolgreiche Tournee durch Chile (u.a. Festival Viña del Mar, wo das Publikum ihn mit 3 Preisen belohnte) und nach über 40 Jahren das erste Konzert wieder in Buenos Aires Anfang 2012. Über das ganze Jahr 2012 gab er diverse Konzerte. Im November 2012 erschien eine CD mit 12 neuen Titeln „La grande roue“. 2013 wurde Adamo 70 Jahre alt und feierte 50-jähriges Bühnenjubiläum. Konzerte in Belgien, Luxemburg, Frankreich und Russland sind bereits geplant. Im März trat er im Pariser Olympia auf. (Quelle: wikipedia)

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Hier nun die erste LP aus seiner TRiologie „Kieselsteine“ aus dem Jahr 1972. Und da finden sich wahrliche Perlen des Chansons, beeindruckt haben mit insbesondere die Lieder „Was einem Kinde sagen, wenn es glaubt, daß sein Bleisoldat im Krieg gefallen ist “ und „Der Gehenkte“ … und auch wenn Adamo natürlich einen gewissen Hang zur Theatralik hat, das ändert nichts daran, dass er hier eine Fülle von Chansons mit Substanz und Tiefgang vorlegt und von daher der Begriff Schlager-Fuzzi“ nun wahrlich nicht mehr gerechtfertigt ist.

Single

Besetzung:
Adamo (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker

BackCover
Titel:
01. Kavalier ohne Schuhe (Adamo/Relin) 3.53
02. Was einem Kinde sagen, wenn es glaubt, daß sein Bleisoldat im Krieg gefallen ist (Adamo/Brandin) 2.57
03. Kieselsteine (Adamo/Hachfeld) 4.41
04. Was soll ich da noch für euch singen? (Adamo/Hachfeld) 3.14
05. Die alte Dame, der Sänger und die Spatzen (Adamo/Brandin) 3.59
06. Warum fanden wir uns erst heut‘ (Adamo/Relin) 4.05
07. Der Gehenkte (Adamo/Hachfeld) 5.42
08. Und du gehst fort! (Adamo/Brandin) 3.43
09. Die Feen sterben nicht (Adamo/Brandin) 3.47
10. Zärtlichkeit (Adamo/Brandin) 4.15
11. Ein Lächeln (Adamo/Hachfeld) 3.36

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AdamoMC

Hildegard Knef – Und ich dreh´ mich nochmal um (1972)

FrontCover1.JPGEin weiteres Album von Hildgard Knef, das sie als eine ganz große Künstlerin ausweist:

1972 wechselte Hildegard Knef von ihrer alten Plattenfirma Decca zur Konkurrenzfirma Philips. Im selben Jahr schon erschien das erste Album „Und ich dreh mich nochmal um“. Nach dem eher experimentiellen und schrillen, aber brilliantem Decca- Vorgängeralbum „Worum geht`s hier eigentlich“, welches in Zusammenarbeit mit den Les Humphrie- Singers entstand,wurde dieses Album etwas zurückhaltender und mit vorwiegend orchestraler Begleitung auch konventioneller als der Vorgänger. Alle Texte aus „Und ich dreh mich nochmal um“ stammen von Hildegard Knef höchstpersönlich, in gewohnter Weise wird sie wunderbar von ihrem Arrangeur Hans Hammerschmid musikalisch begleitet. Auf diesem Album finden sich viele Klassiker der Knef, welche des öfteren auf diversen Compilations erscheinen. Da sind beispielweise die großartige Hymne über das „Sichselbstakzeptieren“ „Natascha“, das sanfte „Wie war deine Stimme“, das ihrer Mutter gewidmet ist, der witzige Bürokratensong „Fragebogen“ oder das traurige „Sie sah nach garnichts aus“. Mein persönlicher Lieblingssong des Albums ist der Titelsong, mit dem Hildegard Knef mal wieder ein LIebeslied auf ihre Heimatstadt Berlin geglückt ist. (Thomas Lau)

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Und „Wenn das alles ist“ ist eine großartige Hymne auf den ungehemmten Wunch zu leben, zu überleben …

Nachdem ja alle Texte von der Hildegard Knef stammen, kann man mit Fug und Recht vermuten, dass da auch viel autobiographischen Erfahrungen/Prägungen enthalten sind und genau dies macht dieses Album so persönlich und die leisen Töne, die von XXX dazu komponiert wurden, sorgen ein ums andere mal für eine Gänsehaut.

Und kurze Zeit nach der Veröffentlichung dieses Album erhielt Hildegard Knef die Diagnose Brustkrebs.

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Alternatives Frontcover („Club-Ausgabe“)

Besetzung:
Hildegard Knef (vocals)
+
Hans Hammerschmid Orchester

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Titel:
01. Natascha (Hammerschmid/Knef) 2.28
02. Wie war deine Stimme? (Hammerschmid/Knef) 3.15
03. Fragebogen (Hammerschmid/Knef) 3.31
04. Ich sing‘ dein Lied (Hammerschmid/Knef) 2.49
05. Jene irritierte Auster (Hammerschmid/Knef) 1.44
06. Wenn das alles ist (Leiber/Stoller/Knef) 4.08
07. Ich weiß nur noch seinen Namen (Hammerschmid/Knef) 2.25
08. Mutlosigkeit (Hammerschmid/Knef) 3.15
09. Von A bis Z (Hammerschmid/Knef)3.11
10. Scheu geworden (Hammerschmid/Knef) 3.13
11. Sie sah nach gar nichts aus (Hammerschmid/Knef) 2.28
12. Und ich dreh‘ mich nochmal um (Die Linden) (Hammerschmid/Knef) 2.34

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Hildegard Knef (* 28. Dezember 1925 in Ulm; † 1. Februar 2002 in Berlin)

Verschiedene Interpreten – Vive la France – Frankreichs große Chansons (1979)

FrontCover1.JPGGanz sicher ist die Musik nicht „typisch deutsch“, aber sie hat in unseren Breitengraden viele Eindruck hinterlassen: Der Chanson:

Chanson (frz. Lied) bezeichnet im deutschen Sprachraum ein im französischen Kulturkreis verwurzeltes, liedhaftes musikalisches Genre, das durch einen Sänger oder eine Sängerin sowie instrumentale Begleitung gekennzeichnet ist. Ab dem 19. Jahrhundert als klar konturierte, „typisch“ französische Variante der internationalen Popkultur präsent, diffundierte das Chanson in den vergangenen Jahrzehnten immer stärker in Richtung Pop, Rock sowie andere zeitgenössische Stile aus.

Die Ursprünge des Chansons reichen bis weit ins Mittelalter zurück. Schon früh entwickelten sich zwei unterschiedliche Ausprägungen – eine literarische, höfische, von mittelalterlichen Troubadoren abgeleitete und eine volkstümliche.[2] Aufgrund seiner langen Geschichte, seiner über den französischsprachigen Raum herausgehenden Verbreitung und aufgrund der unterschiedlichen Stile, mit denen es sich im Lauf der Zeit vermengt hat, ist eine eindeutige Abgrenzung zu anderen Musikgenres schwer. Nicht eindeutig festgelegt ist insbesondere die Abgrenzung:

  • zum deutschsprachigen Lied beziehungsweise zur deutschen Liedermacherszene
  • zum deutschen Schlager
  • zum Kabarett- oder Varieté-Lied als Bestandteil eines Programms oder einer Show
  • zur angelsächsischen Folkmusik beziehungsweise dem im angelsächsischen Raum gängigen Singer-Songwritertum und zur angelsächsischen Popmusik.
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Jean-Claude Pascal

Weitestgehende Einigkeit herrscht darüber, dass das moderne Chanson vor allem eine französische Errungenschaft ist. Obwohl es auch in Deutschland eine vielfältige Chanson-Tradition gibt, stand es dort stets im Schatten des Schlagers. Starke Chanson-Traditionen gibt es zum Teil in den Benelux-Ländern, in der Schweiz und in den französischsprachigen Teilen Kanadas, bedeutsame Parallelen darüber hinaus auch zum italienischsprachigen Canzone.

Besonderes Merkmal des Chansons ist seine starke Konzentration auf die Textaussage, die Anforderung, in „drei Minuten“ eine Aussage auf den Punkt zu bringen. Prägend für das moderne Chanson ist die Arbeitsaufteilung in auteur (Textschreiber), compositeur (Musikkomponist) und interprète (Interpret) – eine Dreigliederung, die dem im Angelsächsischen verbreiteten Singer-Songwriter entspricht. Oft bedienen sich Chanson-Schreiber einer poetischen Bildsprache und verwenden abschnittsweise Sprechgesang oder komplett gesprochene Texte im Wechsel mit gesanglichen Passagen. Die Texte selbst decken eine Vielzahl von Themen und Stimmungen ab: Vom politisch geprägten Chanson über komische Situationen bis zu den häufigen Liebesliedern berichten Chansons von allen Situationen des Lebens, oft mit den Mitteln der Ironie und der Satire. Ein Zeitzeuge aus der Ära vor dem Ersten Weltkrieg skizzierte die Themenbreite mit den Worten: „Man sang Chansons aller Art: skandalöse, ironische, zarte, naturalistische, realistische, idealistische, zynische, lyrische, nebulöse, chauvinistische, republikanische, reaktionäre – nur eine Sorte nicht: langweilige Chansons.“

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Nicole Croisille

Ab den 1960er Jahren passte sich das Genre zunehmend an international populäre Musikstile wie Rock ’n’ Roll, Funk und New Wave an. Zunehmend öffnete es sich auch Einflüssen aus dem Jazz-Bereich, der Weltmusik und des Hip-Hop, seit der Jahrtausendwende auch der elektronischen Musik. Damit zeichnen sich Chansons nicht durch einen typischen Musikstil aus. Formal kann ein Chanson ein Blues, ein Tango, ein Marsch oder eine Rockballade sein, Swing und Flamenco verarbeiten oder sich an der schlichten walzerartigen Musette orientieren. Da die Abgrenzung zu benachbarten Stilen schwer ist, behelfen sich Rezensenten öfter mit dem Hinweis, ob es sich bei einem Lied um ein Chanson handele, werde man schon heraushören. Praktisches Hauptkriterium ist meist die Frage, ob ein Lied oder Künstler im weiteren Sinn in die Traditionslinie des Chanson einzuordnen ist. Je nach Kontext, in dem man über „das Chanson“ oder eine bestimmte Chanson-Epoche spricht, können unterschiedliche historische Bezüge oder Musikstile gemeint sein:

  • historische Formen des Chansons. Die älteren, bis auf das Mittelalter zurückgehenden Formen spielen vor allem für die Lied-Historie eine große Rolle. Interessant sind sie darüber hinaus als Objekt kulturhistorischer und literaturwissenschaftlicher Betrachtung
  • das in Richtung Kabarett gehende, literarisch anspruchsvolle Chanson – die Chanson-Form, die sich vor allem im deutschsprachigen Raum etabliert hat
  • das von volkstümlichen Musikformen wie der Musette beeinflusste Volkslied
  • das klassische französische Chanson, wie es bis in die 1960er Jahre vorzufinden ist. Merkmal: oft (aber nicht nur) klassische kleine Besetzung beziehungsweise Akustik-Band mit Gitarre, Piano und Kontrabass
  • das Pop-Chanson bzw. French Pop: französische Variante der angloamerikanischen Popmusik
  • Chanson als Genre-Oberbegriff für alle möglichen Musikstile, sofern sie erkennbar Song-Strukturen beinhalten. Dieser Chanson-Begriff ist vor allem im modernen Nouvelle Chanson vorherrschend.

Im Verlauf seiner Entwicklung hat das Chanson unterschiedliche Ausprägungen und Formen durchlaufen. Die Anfänge reichen zurück ins Mittelalter. Das moderne Chanson als französische Variante der Pop-Kultur bildete sich im 20. Jahrhundert heraus. Aktuelle Formen und Trends firmieren häufig unter Begriffen wie Nouvelle Chanson oder

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Charles Trenet

Nouvelle scène française. Weitere Neben-, Unter- und Spezialformen sind bekannt unter den Bezeichnungen Chanson à danser (einfaches volkstümliches Tanzlied), Chanson d’amour (Liebeslied), Chanson à boire (Trinklied), Chanson de marche (Marschlied), Chanson de travail (Arbeitslied), Chanson engagée (engagiertes, häufig sozialkritisches Lied), Chanson noir (Chanson mit pessimistischem Inhalt), Chanson populaire (in allen Gesellschaftsschichten bekanntes und beliebtes Chanson), Chanson religieuse (religiöses Lied) und chant révolutionaire (revolutionäres Kampflied).[2] Als stilbildende, prägende Richtungen für das Chanson des 20. Jahrhunderts erwiesen sich vor allem das in der Tradition des Naturalismus stehende Chanson réaliste am Anfang des 20. Jahrhunderts und das Chanson picturesque, das malerische Chanson, das vor allem in der Nachkriegszeit stark populär war. (Quelle: wikipedia)

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Soweit ein paar Basics … und die TV-Zeitschrift „Hör zu“ spendierte mit dem EMI/Electrola Label Ende der 70er Jahre dem deutschen Publikum diesen Sampler, der ein erste Übersicht über dieses Genre geben sollte.

Und das erfreuliche ist, dass neben all den bekannten Namen auch jede Menge unbekanntere Interpreten vertreten sind … na, zumindest für mich.

Da hören wir eine großartige Nicole Croisille

In den Innenseite des Albums finden sich dann Kurzinformationen über die einzelnen Künstler … so gesehen ein wirklich feiner Einstieg in die Welt des Chansons.

Dieses Album wurde dann scheinbar so erfolgreich, dass es sage und schreibe drei weitere Ausgaben dieser Serie gab !

Und dann möchte ich noch ein ganz besonderen Augenmerk auf das Lied „Göttingen“ von Barbara (Monique Andrée Serf) lenken:

Göttingen ist ein Chanson der französischen Sängerin Barbara, das diese 1964 während ihres Konzertbesuches in Göttingen komponierte und in einer französischen und deutschen Fassung aufnahm. Es gilt als eines ihrer bekanntesten und wichtigsten Werke und als ein wesentlicher Beitrag zur Völkerverständigung und Aussöhnung zwischen Frankreich und Deutschland nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges.

Respekt !

Aber nicht nur deshalb erhält dieses Album eine Hörempfehlung meinerseits (und selbst Johnny Hallyday kann Chanson!)

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Titel:
01. Gilbert Bécaud: Nathalie (Bécaud) 4.02
02. Dalida: Il Venait D’avoir 18 Ans (Auriat/Sevran/Lebrail) 2.55
03. Michel Sardou; La Maladie D’Amour (Revaux/Sardou/Dessca) 3.30
04. Juliette Gréco; Les Feuilles Mortes (Kosma/Prévert) 3.57
05. Charles Aznavour: Tu T’Laisses Aller (Aznavour) 3.41
06. Jacques Brel: Amsterdam (live) (Brel) 3.31
07. Nicole Croisille: Parlez Moi De Lui (Giraud/Lang) 3.19
08. Gérard Lenorman: Un Ami (Stern/Barbelivien) 3.19
09. Jean Ferrat: La Montagne (Ferrat) 3.07
10. Charles Trenet: La Mer (Trenet) 3.43
11. Salvatore Adamo: La Vieillem L’idole Et Les Oiseaux (live) (Adamo) 4.43
12. Sylvie Vartan; L’Amour C’est Comme Lex Bateaux (Popp/Thibaut) 3.49
13. Michel Fugain et le „Big Bazar“: Chante (Fugain) 3.13
14. Johnny Hallyday: J’ai Oublié De Vivre (Revaux/Billon) 4.40
15. Daniel Guichard: Je T’aime Tu Vois (Assous/Guichard/Demarny) 2.55
16. Georges Moustaki: Un Jupon D’italie (Moustaki) 2.59
17. Jean-Claude Pascal: Göttingen (Barbara) 3.09
18. Hervé Vilard: Rêveries (Vilard) 4.20
19. Jeane Manson: Anant De Nous Dire Adieu (Renard/Mallory) 3.57
20. Alain Barriere: Tu T’en Vas (Barrière) 4.22

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Gisela Jonas – Bei Gisela (1959)

FrontCover1Die Gisela aus Schwabing ist tot … Sie starb am 25. Juli 2014 im Alter von 85 Jahren in ihrer Münchner Wohnung …

1929 wurde sie in Moers am Rhein geboren. Später kehrte sie von einem Einkaufsgang nicht mehr nach Hause zurück, sondern gelangte über Frankfurt, Heidelberg und Garmisch 1949 nach München. Sie hatte in der Zwischenzeit im Kirchenchor gesungen, bei Meister Jansen als Schmiermaxe und im “Garmischer Hof“ als Tellerwäscherin gearbeitet – man weiß, dass dies die Vorbereitungen auf große Karrieren sind: Gespannweltmeister oder Präsident eines großen Landes – und fand nun in dem Künstlerlokal „Mutti Bräu“ in Schwabing Unterschlupf, wo sie die Wirtin, eben Mutti Bräu, willkommen hieß. Dort stand Gisela hinter dem Tresen, sang auch das eine oder andere Liedchen für die dort versammelte Künstlerschar.

1952 suchte sie auf Anraten von Freunden ein eigenes Lokal und fand dieses auch – das „Flimmerzelt“. Sie baute und modelte es mit Hilfe ihrer Schwabinger Freunde und Maler, vor allem mit Mac Zimmermann, um, schrieb „Bei Gisela“ darüber und stand von nun an jeden Abend auf der kleinen Bühne neben der krummen Schwabinger Laterne, um dem immer größer werdenden Kreis von Gästen mit ihrer „verruchten“ tiefen Stimme ihre Lieder und Chansons vorzusingen. Es begann eine beispiellose Karriere.

Neben Klassikern („Warum soll eine Frau kein Verhältnis haben“ oder „Klein Madeleinchen“) sang Gisela viele, zum Teil für sie geschriebene Lieder im Stil des damaligen deutschen Chansons. Das Publikum, das diese Lieder hören wollte, ergab allabendlich eine stimmungsvolle Melange aus Interessierten und Interessanten, aus Studierenden und Musizierenden, aus Schönen und Reichen und denen, die sich für all das hielten.

Gisela05Es gab eine richtige Band, man redete, trank und tanzte – 20 Paare auf acht Quadratmetern Tanzfläche – man rezitierte, verkaufte selbst gefertigten Schmuck, Bildchen und in Schokolade getauchte Erdbeeren, sang und setzte sich in Szene, so gut es eben ging, man ließ Gisela und sich selbst hoch leben. Als dann aber noch der „Nowak“ dazu kam, war der Ruhm nicht mehr aufzuhalten.

Die Melodie und die ersten Strophen des „Nowak“ stammen von Hugo Wiener und wurden 1952 für seine Frau Sissi Craner geschrieben. Das Lied war allerdings in …Österreich verboten. Erst im Jahre 1954 brachte Philipps-Hildebrandt das Lied nach München, wo Gisela es in ihrem Nachtlokal „Bei Gisela“ allabendlich sang. Von den Strophen, die Hugo Wiener geschrieben hatte, sang sie allerdings immer nur die erste, die dann weltberühmt wurde:

„Ich habe einen Mann, den viele möchten,
Der immer mich bewahrt vor allem Schlechten.
Ein jeder kennt ihn, „Nowak“ ist sein Name,
Ihm danke ich, daß heut‘ ich eine Dame.
Ob angezogen oder als ein Nackter,
Der Nowak hat am ganzen Leib Charakter.
Ich hätt’ schon längst ein böses End` genommen,
Aber der Nowak läßt mich nicht verkommen.“

Es ist erstaunlich, wer alles gerade diesen Refrainvers kennt – und nur diesen – auch wenn er das Lied nie selbst gehört hat.

Die restlichen Strophen bezogen sich auf bestimmte Personen der Münchner Szene oder auf immer wiederkehrende Ereignisse wie Handwerks- oder Gastronomenmesse, auf Chirurgen- oder andere Kongresse – aber auch auf Einzelereignisse wie den ersten Weltraumflug eines Menschen oder die Erfindung der Pille. Die meisten jedoch dienten der Selbstdarstellung einer „Verruchten“. Manche der Verse wurden auch wohl nur ein einziges Mal gesungen, manche vielleicht gar nicht.

Aus heutiger Sicht sind viele Texte nur noch um ihrer historischen Aussage oder Komik willen interessant, da die meisten Menschen – auch die Schwabinger – die Zusammenhänge nicht mehr kennen.

Es ist nur schwer verständlich, was damals, in den fünfziger bis siebziger Jahren, als besonders verrucht oder obszön angesehen wurde, – ja, sogar bis vor den Kadi führte. Heute würde es nur ein müdes Lächeln hervorrufen.

Zeitungsartikel

Allerdings war es nicht der „Nowak“, der Gisela vor den Richter brachte, sondern die Rückseite einer Nowak-Platte – „Späte Reue“ und „Morgengrauen“ – derentwegen ein Hamburger Jugendpfleger Anzeige erstattet hatte. Der „Nowak“ wurde, weil bekannter, zur Überschrift heran- und so in Mitleidenschaft gezogen. Der Richter, auch er Gast bei Gisela, bescheinigte ihr, die später viel zitierte „gebildete Dame mit unzüchtigem Charakter“ zu sein und verdonnerte sie dazu, einige ihrer „jugendgefährdenden“ Platten mit einem kleinen Schloss zu versehen, dessen Schlüssel dem Zugriff von Kindern und Jugendlichen zu entziehen war. Ein Werbegag, den Gisela nie hätte bezahlen können.

Nachdem sie mit ihrem Mann 1974 in die bayerische Provinz ausgewandert war, um herauszufinden, wer ihrer vielen Gäste und Freunde ihr folgen und sie besuchen würde – wie viele waren es wohl, was glauben Sie? – blieb sie dort in Dinkelsbühl und später Wallenstein, um ein Restaurant zu betreiben.

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Nach zehn Jahren aber wurde das Heimweh größer – sie kam zurück nach München, arbeitete zunächst bei Gerd Käfer im Deutschen Theater und mit Konstantin Wecker im Café Giesing. 1986 aber hatte sie wieder ein eigenes Lokal, eine neue „Schwabinger Gisela“, allerdings in der Herzog-Heinrich-Straße, ein „Wohnzimmer“, in dem die alten und neuen Freunde wieder zusammenkamen, rauchten, tranken, erzählten und musizierten. 1991 musste sie aus gesundheitlichen Gründen das Lokal aufgeben.

Es wurde still um sie. Seitdem lebt sie in München, der Stadt ihres Lebens, wo sie ihre Freunde trifft, und im hinteren Alpbachtal in einer Hütte, um sich herum ein großartiges Panorama aus steilen Wiesen, Bergen, Wäldern, Almen und schönen Holzhäusern, wo einige ihrer Freunde sie besuchen und von ihr mit einem Schnapsl und einer Tiroler Brotzeit bewirtet werden.
Gelegentlich mal ein Interview: Frau Dialer? Wer war denn gleich Frau Dialer? Ach, die Schwabinger Gisela! Herrje, was waren das für schöne Zeiten!

Dann kam der 24. Januar 1999. Die Frau, die so sehr mit dem Münchner Stadtteil Schwabing verbunden war, dass beide Begriffe in einem Atemzug genannt wurden, die „Schwabinger Gisela“, wurde 70. Sie stand wieder im Schwabinger Rampenlicht!

Der Oberbürgermeister der Stadt München, Dr. Christian Ude, feierte sie mit einer stilvollen Einladung in der schönen Seidl-Villa in Schwabing, bei der sich dann Freunde, Gäste, Musiker, Künstler und Verwandte trafen und den alten Liedern aus dem Lautsprecher lauschten, ein wenig nostalgisch zwar, aber immer noch neugierig und sich an das Alte erinnernd, aber nicht daran hängend.
Man erzählt vom heutigen Schwabing – es war natürlich alles ganz furchtbar!

Die Jungen aber haben ihr eigenes, wie immer ganz anderes Schwabing und die Traumtänzer und Luftschlossarchitekten gibt es immer noch. Man hat Ideen und Vorhaben und so war dies auch zugleich die Geburtsstunde der Idee, Giselas Lieder einem interessierten Kreis wieder zugänglich zu machen und diese CD herauszugeben. Sponsoren und Tonstudio wurden gefunden, alte Platten und Bänder tauchten wunderbarerweise wieder auf.
So schließt sich der Kreis, denn, wie Gisela in einem Interview meinte: „Von Schwabing kommt man nicht los!“ (Pit Seng)

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Gisela Jonas-Dialer, die noch im Februar 2014 einen letzten öffentlichen Auftritt in der Schwabinger Galerie Roucka hatte, verstarb nach langer schwerer Krankheit am 25. Juli 2014 in ihrer Münchner Wohnung.

Hier nun zum Auftakt ihre „Skandal-EP“ aus dem Jahre 1959 … und in der Tat: sie gibt ganz schön frivoles von sich und befindet sich letztlich in der Tradtion jener zweideutigen Lieder, die wir ja schon aus den 20er und 30er Jahren kennen …

Und wenn ich lese, dass die oben erwähnte CD mittlerweile für 150 € angeboten wird … dann krieg ich das Kotzen … und von daher sind ganz sicher weitere Raritäten von diesem Schwabinger Urgestein hier zu erwarten … Derweil bearbeite ich gerade so eine Art „Material-Band“ vor … der demnächst das Licht der digitalen Öffentlichkeit erblicken wird. Bis dahin viel Vergnügen mit dem Novak und weiteren frivolen Erkenntnissen.

Gisela Jonas (Januar 2014)

Besetzung:
Gisela Jonas (vocals)
+
ein Haufen unbekannter Studiomusiker (vielleicht waren es die „Occamstreet Footwarmers“, die damals die Hausband in dem Nachtlokal „Bei Gisela“ waren.

UdoGisela

Titel:
01. Der Novak (Parodie) (Forsell/Wiener) 4.45
02. Späte Reue (Forsell/Brüning) 2.41
03. Morgengrauen (Gorski/Forsell) 3.30
+
04. Schwabinger Laterne (Buschor) 2.27

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Ein Fax von Udo Jürgens

Katja Ebstein – Freunde (1971)

FrontCover1Mr. Jancy hat mich völlig zurecht darauf hingewiesen, dass dieses „Inch Allah“ Album kein Original-Album ist, sondern einfach ein Sampler mit Musik aus den Anfängen der 70er Jahre sein. Wie wahr und es tut mir natürlich leid, dass ich da schlampig recherchiert habe. Quasi zum Trost (er ahnte vielleicht, dass ich zerknirscht sein werde) hat dann Mr. Jancy dann gleich ein Original-Album von Katja Ebstein spendiert und zwar ihr 71er Album „Freunde“.

Natürlich war ihr Ehemann Christian Bruhn und Texter Michael Kunze auch bei diesem Projekt federführend beteiligt und sie steuerten so manche Komposition bei und Michael Kunze war fraglos der „Cheftexter“ für Katja Ebstein in diesen Jahren.

Aufgenommen wurde das Album in den I.B.C. Studios, London und bei den Begleitmusikern findet man so etliche Cracks aus der damaligen englischen Musikszene … erwähnen will ich dabei u.a. Chris Spedding, Kevin Peek und Clem Cattini.

Und nicht nur die Musiker waren quasi international, auch etliche der Songs stammten aus der Feder internationaler Künstler, wie z.B. die Bee Gees, Jerry Jefff Walker oder Bob Darin …

Und es ist wohl ein typischer Katja Ebstein Album für diese Zeit: Der ewige Spagat zwischen hitparadentauglichem Material und anspruchsvolleren Liedern … Und auch wenn ich mich heute als bekennender Ebstein-Fan bezeichnen mag … damals hatte die Dame einfach keine Chance bei mir … dröhnender Hardrock ala Mountain oder Humble Pie oder fulminanter Jazz-Rock alaColosseum oder The Flock standen bei mir damals hoch im Kurs … da hatte die Ebstein wahrlich keine Chance … aber gut, dass man im Leben mehr als einmal ne Chance bekommt … heute mag ich sie nicht mehr missen.

Kleine Ergänzung (soviel Zeit muss sein): Im inlet des Albums zeigte die Katja Ebstein ja nicht nur viel von ihren Beinen … mein männlicher Blick erkennt natürlich auch messerscharf, dass ihr Mini-Rock so mini war, dass man auch noch ihren Slip sehen kann … mich wundert es ein wenig, dass dies damals kein Skandal war … oder hatte Oswald Kolle schon so erfolgreich seine Botschaften unter das Volk gebracht ?

BackCover1

Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
+
Alan Beever (saxophone, flute)
Sheila Bromberg (harp)
Nick Bush (horn)
Tony Camp (bass)
Clem Cattini (drums)
Eric Ford (guitar)
Steve Gray (piano)
Barry Guard (percussion)
Cliff Hicks (guitar)
Gordon Huntley (guitar)
Martin Kershaw (guitar)
Richard Lee (recorder)
Richard Morgan (oboe)
Al Newman (flute)
Kevin Peek (guitar)
Ken Salmon (piano)
Reiner Schuelein (recorder)
Chris Spedding (guitar)
Trevor Spencer (drums)
Wally Smith (trombone)
Richard Tattersal (guitar)
+

violin:
Tony Gilbert – Bill Miller – Charles Vorsanger – Homi Kanger – Paul Scherman – Peter Poole – John Kirkland – Raymond Keenlyside – Gerald Emms – David Katz – George Lauland – Geoffrey Wakefield – Larry Rossi

viola:
Kenneth Essex – Chris Wellington – John Graham

cello:
Boris Rickelman – Peter Willison – Charles Tunnell

trumpet:
Tony Fisher – Paul Tongay – Leon Calvert – Ian Hammer

(hoffentlich habe ich keinen vergessen !)

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Titel:
01. Freunde (Kunze/Bruhn) 2.52
02. Gibt es ein Herz das niemals bricht? (How Can You Mend A Broken Heart?) (Kunze/B.Gibb/R. Gibb) 4.00
03. Johnny Callaghan (Mr. Callaghan) (Kunze/Marnay/Monay) 3.20
04. Dr. Faustus (Bruhn/Kunze/Doucet) 3.37
05. Seit du nicht mehr bei mir bist (Kunze/Bruhn) 3.43
06. Ein kleines Lied vom Frieden (Hertha/Darin) 3.26
07. Nur beim Abschied nicht weinen (Loose/Bruhn) 2.38
08. Das alles war ich ohne dich (Mey) 3.20
09. Mr. Bojangles (Kunze/Walker) 4.28
10. Muss das Leben so hart sein? (Kunze/Maffay) 3.23
11. Das kleine Glück einer kleinen Liebe (Schäuble/Kunze/Christopher/Thompson) 3.45
12. Frieden in mir (Peace In My Mind) (Kunze/Gibb) 3.55

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Katja Ebstein – Inch Allah (1973)

FrontCover1Anfang der 70erJahre hatte die Katja Ebstein ganz sicher einen prall gefüllten Terminkalender. Und es war ganz sicher auch kommerziell ihre erfolgreichste Zeit … hier ein paar Stationen aus dieser Zeit:

Am 16. Februar 1970 gewann Katja Ebstein die deutsche Vorentscheidung mit dem von Christian Bruhn komponierten und von Günther Loose getexteten Wunder gibt es immer wieder und erreichte damit beim Eurovisionsfestival in Amsterdam den dritten Platz. Dieser Wettbewerb war der Start in Ebsteins internationale Karriere. Ihre Lieder erschienen weltweit auf Englisch, Französisch, Spanisch, Portugiesisch, Italienisch und Japanisch. Noch zweimal nahm Katja Ebstein am Grand Prix Eurovision de la Chanson teil. Den Titel für den Wettbewerb 1971 in Dublin, Diese Welt, komponierte Dieter Zimmermann, der Text stammte von Fred Jay. Mit dem Umweltsong erreichte sie erneut den dritten Platz. Bei ihrer dritten und letzten Teilnahme im Jahre 1980 mit Theater, geschrieben von Ralph Siegel und Bernd Meinunger, belegte sie den zweiten Platz. Auch diese beiden Titel wurden Evergreens in Deutschland und sind weltweit in verschiedenen Sprachen auf den Markt gekommen. Aufgrund ihres Verdienstes um den Grand Prix moderierte sie die Vorentscheidung 1981 und war des Öfteren gern gesehener musikalischer und Gesprächsgast in diversen Grand-Prix-zugehörigen Sendungen.

Ebenfalls noch 1970 wurde sie beim Internationalen Songfestival in Rio de Janeiro zur besten Sängerin gewählt. Eine Tournee mit dem Orchester James Last schloss sich von September bis November 1970 an, weitere Tourneen – unter anderem auch mit dem Orchester Paul Kuhn – durch die damalige Sowjetunion folgten in den Jahren darauf, in denen Ebstein mit Titeln wie Und wenn ein neuer Tag erwacht, Ein kleines Lied vom Frieden, Der Stern von Mykonos oder Ein Indiojunge aus Peru in Deutschland zu einer der erfolgreichsten deutschen Schlagersängerinnen avancierte. 1972 trat sie erstmals in der DDR in der Sendung Ein Kessel Buntes auf.

KatjaEbsteinDie Musikbranche ehrte sie derweil mit zahlreichen Auszeichnungen: „Beste Sängerin“ beim internationalen Song-Festival in Rio de Janeiro, beliebteste ausländische Sängerin in Spanien, sie erhielt in Italien die Rose von Rom – aber auch in Deutschland wurde sie mehrfach geehrt, unter anderem wurde sie zweimal mit der „Goldenen Europa“ ausgezeichnet und erhielt die Goldene Stimmgabel, später den Lale Andersen- und den Fred-Jay-Preis.

1975 veröffentlichte sie gemeinsam mit der Heinrich-Heine-Gesellschaft einen Heine-Zyklus in der Vertonung von Christian Bruhn (Katja Ebstein singt Heinrich Heine, EMI Electrola). (Quelle: wikipedia)

Und genau aus dieser Zeit stammt diese LP, die für mein dafürhalten sträflich unterbewertet ist … Denn: dieses Album bietet so einige Überraschungen. Das geht schon mal los mit dem stimmungsvollen Titelsong, dere über 5 Minuten dauert und damit ein klares Signal ausstrahlt, das da lautet: Ich bin alles andere als eine einfache Schlagersängerin … die 2 – 3 Minuten Lieder trällern will.

Auch wenn sie an Schlagern auch bei diesem Album nicht vorbeikam („Ich will ihn“), so setzt sie doch ein ums andere Mal auch andere Akzente … Spürbar die innere künstlerische Anspannung zwischen Chanson und Schlager …

Und natürlich kann man auch auf treffliche Weise ihren ganz speziellen Gesangsstil studieren, diese jubilierend-triumphale Stimmung. Am besten kommt diese bei der James Last Komposition „Wind in der Nacht“ zur Geltung.

Eine weitere Überraschung mag sein, dass diese Album von Klaus Doldinger produziert wurde … da wundert es einen nicht, dass die Musik sehr überzeugend eingespielt wurde.

Ärgerlich wieder mal, dass man es seites UA Records nicht für nötig hielt, die beteiligten Musiker zu erwähnen …

Ändert aber nichts daran, dass ich wieder mal total begeistert bin … ich hab´ wohl einen Narren an der Katja Ebstein gefressen …

Single - Auskoppelungen

Single – Auskoppelungen

Besetzung:
Katja Ebstein (vocals)
+
Ein Haufen unbekannter Studiomusiker
BackCover1

Titel:
01.  Inch Allah (Adamo/Brandin) 5.10
02.  Nur der Wind kennt meine Träume (Gaze/Bradtke) 3.09
03. Ich will ihn (Moesser) 3.17
04. Sie geht fort (Bruhn/Loose) 3.36
05. Port Of Spain (Moesser/Relin) 3.00
06. So viel Liebe fehlt (Bacherach/David/Loose) 3.00
07. Rosen (Bruhn/Kunze) 3.30
08. Das kleine Glück einer kleinen Liebe (Thompson/Christopher/Kunze) 3.45
09. Wind in der Nacht (Last/Hertha) 4.58
10. Ein kleines Lied vom Frieden (Darin/Hertha) 3.26

LabelA1

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Milva – Tango – Gefühl und Leidenschaft (1984)

FrontCover1Über einen ziemlich langen Zeitraum hat Milva auch in Deutschland für ziemlich viel Furore gesorgt:

Milva (* 17. Juli 1939 in Goro, Italien; bürgerlich Maria Ilva Biolcati) ist eine italienische Sängerin und Schauspielerin.

Milva wurde 1961 Siegerin eines Wettbewerbs bei der italienischen Fernsehgesellschaft RAI und avancierte bald darauf zum erfolgreichen Star in Italien. 1978 nahm sie die Single Zusammenleben mit der Musik von Mikis Theodorakis auf und wurde dadurch auch im deutschen Sprachraum bekannt. Es folgten zahlreiche Konzerte, Tourneen und weitere deutschsprachige Aufnahmen, von denen Freiheit in meiner Sprache und Hurra, wir leben noch die erfolgreichsten waren.

In den 1980er Jahren wirkte sie in mehreren Spielfilmen mit. Auch mit Songs von Bertolt Brecht machte sich die überzeugte Sozialistin einen Namen. Milva war bei zahlreichen Musiksendungen in den Fernsehprogrammen Mittel-, West- und Südeuropas zu Gast. Sie singt ihre Lieder nicht nur auf Italienisch, sondern auch auf Deutsch, Französisch und Englisch.

Neben dem Chanson ist Milva Interpretin von Astor Piazzolla und hat für vielfältige Tango-Aufnahmen mit ihm selbst und Gruppen in seiner Tradition zusammengearbeitet. Ihr in Deutschland erfolgreichstes Album (in den Charts bis auf Platz 7) war „Von Tag zu Tag“ mit Liedern des griechischen Komponisten Mikis Theodorakis, das auch in einer italienischen („La mia età“) und in einer französischen („Attends, la vie“) Version produziert wurde.

Am 2. August 2008 trat Milva zusammen mit Montserrat Caballé und Angelika Milster auf dem Theaterplatz in Dresden zu Diva Maxima auf.

Im September 2010 teilte Milva mit, dass sie aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr auftreten wird. (Quelle: wikipedia)

Am 3. März 2012 trat sie wieder im Musikantenstadl auf.

Live

Aus Sicht einer Frau kommt man dann zu folgender Biographie:

Maria Ilva Biolcati, als Milva international bekannt, ist eine äußerst vielseitige Sängerin. Egal ob Chansons, Schlager, Opernarien oder Brecht/Weill-Kompositionen – die Frau mit dem dramatischen roten Haar (daher ihr Spitzname „La Rossa“) beherrscht all dies gleichermaßen virtuos.

Geboren als Tochter einer Fischhändlerfamilie, musste sie früh mitarbeiten; der Vater hatte das Vermögen weitgehend verspekuliert. Nach einer Gesangsausbildung begann Milva als Nachtclubsängerin, gewann mit 21 den Talentwettbewerb der RAI und kam so zum ersten Plattenvertrag. 1961 schaffte sie mit Platz 3 beim San Remo-Festival den Durchbruch in Italien, trat erstmals als Schauspielerin auf und heiratete ihren Manager Maurizio Corgnati. Die einzige Tochter Martina kam 1963 zur Welt.

In den folgenden Jahrzehnten stieg Milva zum international gefeierten Star auf: sie sang in vielen Sprachen, wurde aber besonders in Deutschland und Frankreich sehr beliebt. Die Zusammenarbeit mit Giorgio Strehler brachte Milva zur intensiven Beschäftigung mit Brecht-Interpretationen, auch selten gehörten und wieder entdeckten Kostbarkeiten. Daneben ist sie bis heute Astor Piazzollas Lieblingssängerin – keine andere haucht seinen Tangoschöpfungen so viel Leben ein. An der Mailänder Scala war Milva in Opernhauptrollen zu sehen, in Paris gab sie die „Seeräuber-Jenny“ in Brechts Dreigroschenoper. Eine ihrer Tourneen widmete Milva den Chansons der Edith Piaf. Namhafte Komponisten wie Theodorakis und Morricone schrieben Lieder für sie, an ihren deutschen Plattenproduktionen arbeiteten u.a. Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg mit. Als Schauspielerin trat sie in mehreren Filmen auf, u.a. an der Seite Gina Lollobrigidas und unter der Regie von Werner Herzog.

Privat dagegen hat Milva viel Leid erfahren. Die Ehe mit Corgnati zerbrach 1969. Von 1986-96 lebte sie mit dem Schauspieler Luigi Pistilli zusammen, der zunehmend unter Depressionen litt und im April 1996 Selbstmord beging. Eigentlich wollte sich die Künstlerin 1992 ins Privatleben zurückziehen, feierte aber zwei Jahre später ein grandioses Comeback und steht seitdem wieder auf Bühnen in aller Welt. (Anna Eunike Röhrig)

Hier ein Album mit Tangos, das 1984 veröffentlicht wurde; die Aufnahmen stammen freilich aus den Jahren 1968 und 1969 (und zwar von den Alben „Tango“ und „Milva singt Tangos deutsch und italienisch“) und man stellt mit einer gewissen Verblüffung fest, dass die Aufnahmen verdammt gut klingen; das spricht für die Qualität von Milva und den Orchestern, die sie damals begleitet haben, und somit darf man getrost von einem zeitlosen Album jener Diva sprechen, die für viele Jahre auch in Deutschland für Furore sorgte … hört man sich das Album an, dann weiss man auch warum !

Live2

Besetzung:
Milva (vocals)
+
Iller Pattacini Orchester

BackCover1

Titel:
01. Lass mich frei [La Cumparsita] (Rodríguez/Hillmann) 3.18
02. A Media Luz [Guardando Intorno A Te] (Lonzi/Donato) 2.32
03. Poema [So Cho Nol Cielo] (Melfi/Bianco*) 3.20
04. Inspiracion [La Mia Vita Cambiera] (Paulus/Rondinella) 3.25
05. El Choclo [All’Osteria] (Villoldo) 2.56
06. Das sind die Männer mit den graumelierten Schläfen [Kiss Of Fire] (Frank/Allen/Hill) 2.22
07. Adios, Pampa Mia (Canaro/Pelay/Larici/Mores) 4.15
08. Blaue Himmel [Cielo Azzurro] (Rixner/Hillmann) 4.05
09. Adio Muchachos (Vedani/Sanders) 2.58
10. Der alte Bandonero [Bandoneon Arrabalero] (Bachicha/Hillmann) 2.40
11. Rodriguez [Rodriguez Pema] (Volich/Hillmann/Greco) 2.45
12. Blue Tango (Anderson/Hillmann) 2.45
13. Duelo Criollo [La Donna Del Buono A Nulla] (Rezzano/Bayardo) 2.57
14. Adios Caballero [Adios, Pampa Mia] (Canaro/Belay/Morea/Siegel) 4.16

LabelB1

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MilvaAlbum1969