Verschiedene Interpreten – Musik erklingt (1965)

FrontCover1.jpgDa gab es mal – in grauer Vorzeit – den „Bertelsmann Schallplattenring“, der es sich (ganz sicher total uneigennützig) zur Aufgabe gemacht hat, Musik unters Volk zu bringen … und zwar preislich günstig.

Und so kam es dazu:

Nachdem der Unternehmer Reinhard Mohn bereits 1950 seinen Bertelsmann Lesering (heute Der Club) gegründet hatte, der es den Mitgliedern ermöglichte, aktuelle Bücher preiswert zu beziehen, wollte er sein Angebot Mitte der 50er Jahre auch auf Schallplatten ausweiten. 1956 gründete man unter der Devise „Zum guten Buch gehört ein schöner Klang“ den Bertelsmann Schallplattenring. Das junge Unternehmen hatte jedoch mit Startschwierigkeiten zu kämpfen. So wollten die Plattenfirmen anfangs die erforderlichen Lizenzen zum Vertrieb der Platten über den Schallplattenring nicht vergeben. Darüber hinaus war es anderen Presswerken mitunter aus vertraglichen Gründen nicht möglich, Aufträge von Bertelsmann anzunehmen. Aus diesem Grund errichtete man 1957 das Presswerk Sonopress in Gütersloh.

Am 22. April 1958 kam es zur Gründung der Ariola Sonopress GmbH sowie eines österreichischen Tochterunternehmens, die mit einer Presskapazität von 225.000 Platten monatlich ausgestattet waren. Die erste Veröffentlichung unter dem neuen Namen war Die Regenbogenkinder von Josephine Baker. Anfangs umfasste das Repertoire nur insgesamt 72 Titel von sechs Interpreten, was es dem Unternehmen schwer machte, in der Branche Fuß zu fassen. Langsam stellten sich jedoch erste Erfolge ein und in Berlin, Düsseldorf, Frankfurt am Main, Hamburg und Stuttgart wurden Geschäftsstellen gegründet, 1961 wurde in Köln eine weitere Musikproduktion eröffnet. Zuvor hatte Ariola 1960 mit dem Kölner Volksschauspieler Willy Millowitsch seinen bisher umsatzstärksten Erfolg mit dem Stimmungslied „Schnaps, das war sein letztes Wort“, von dem 900.000 Exemplare umgesetzt wurden. (Quelle: wikipedia)

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Die Kataloge des Schallplattenrings nannten sich „Schallplattenring Illustrierte“

Und um diese „Schallplatten-Ring“ zu promoten, gab es immer wieder Promo-Singles („unverkäufliche Werbeplatte“), die auf das aktuelle Programm des Rings hinwiesen. Hier ein Exemplar aus dem Jahr 1965. Mittlerweile hatte man auch die Akzeptanz der anderen Schallplatten-Firmen, denn auf der Rückseite dieser Single (die man allerdings mit 33 Umdrehungen abzuspielen hatte) wird stolz verkündet:

GanzSchönStolz

Musikalisch wendete man sich eher an die „reifere Jugend“, die Hildegard Knef mit ihrem Lied „Aber schön war es doch“ war schon ganz schön progressiv für diese Promo-Single.

Aber es gibt dann auch noch diesen Peter Kreuder Titel namens „Du gehts mir durch all meine Träume“, der wirklich ne Wucht ist … ansonsten kann man sich in die Welt der Oper und der Klassik verführen lassen, wobei der „Tanz der Stunden (Finale)“ überraschend gut daher kommt …

Hier also in 18 1/2 Minuten ein Schnelldurchlauf von 12 Musikstücke die damals Deutschland erfreut haben, während ich damals mit offenem Mund „Midnight To Six Man“ von den Pretty Things hörte … mit offenem Mund und geröteten Backen.

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Titel:
01. Mario Lanza: Maria, Mari (Russo/Di Capua) 1.41
02. Mantovani und sein Orchester: Fascination (Marchetti) 1.31
03. Hildegard Knef: Aber schön war es doch (Niessen/Relin/Wilden) 1.27
04. Peter Kreuder: Du gehst durch all meine Träume (Kreuder/Beckmann) 1.44
05. Hans Albers: Auf der Reeperbahn nachs um halb eins (Roberts) 1.06
06. Nini Rosso: Il silencia (Rosso/Celeste/Brezza) 1.43
07. Walter Berry: Der Vogelhändler bin ja ich (Mozart) 1.15
08. Fritz Wunderlich: Man wird ja einmal nur geboren (Lortzing) 1.20
09. Ingeborg Hallstein: Frag´ ich mein beklomm´nes Herz (Rossini) 1.10
10. Artur Rubinstein: Minutenwalzer (Chopin) 1.53
11. Renata Tebaldi: Es glänzte schon das Sternenheer (Verdi) 1.40
12. Arturo Toscanni &  das NBC Orchester: Tanz der Stunden (Finale) (Ponchielli) 1.59

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Promo1965

Werbung für den Schallplattenring

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Sinfonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf + Die Toten Hosen – Entartete Kunst – Willkommen in Deutschland (2015)

FrontCover1.jpgVon engagierten Projekten wie diesem kann ich gar nicht genug kriegen:

Entartete Musik – Willkommen in Deutschland ist ein Live-Album des Sinfonieorchesters der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf und der Band Die Toten Hosen. Es erschien am 30. Oktober 2015, produziert von Hans Steingen als Doppel-CD und Dreifach-Vinyl beim bandeigenen Label JKP. Die Ausgabe beinhaltet zudem eine DVD mit einer Dokumentation über die Entstehung.

Das Album wurde an drei Konzertabenden aufgenommen, welche Die Toten Hosen und das Sinfonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf im Oktober 2013 in der Düsseldorfer Tonhalle gaben. Die Konzerte waren zur Erinnerung an die Künstler veranstaltet worden, die unter anderen mit der Propaganda-Schau Entartete Musik, eröffnet am 24. Mai 1938 im Ehrenhof in Düsseldorf durch die Kulturpolitik der Nationalsozialisten verunglimpft und verfolgt wurden.

Auf dem Frontcover steht die Inhaltsangabe in weißen und schwarzen Buchstaben auf rotem Hintergrund. Das Begleitheft zeigt schwarzweiße Fotos der Interpreten während der Konzerte in der Tonhalle im Oktober 2013. Es enthält die Texte zu den Titeln A Survivor From Warsaw op. 46 und Sog nit Kejnmal zuzüglich einer deutschen Übersetzung, sowie Informationen über den historischen Hintergrund sämtlicher Originaltitel sowie biografische Angaben über die an der Entstehung beteiligten Künstler.

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Nach dem Konzept von Thomas Leander, Professor an der Robert-Schumann-Hochschule, gaben die Band Die Toten Hosen zusammen mit dem Sinfonieorchester der Universität unter der Leitung des Dirigenten Rüdiger Bohn am 19., 20. und 21. Oktober 2013 je ein dreistündiges Gedenkkonzert in der ausverkauften Tonhalle in Düsseldorf. Des Weiteren war der Kinderchor des Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf unter der Leitung von Dennis Hansel an den Aufführungen beteiligt.

Die Band bestand zum Zeitpunkt der Aufnahmen aus den Gitarristen Andreas von Holst und Michael Breitkopf, dem Bassisten Andreas Meurer, dem Schlagzeuger Vom Ritchie und dem Sänger und Frontmann der Gruppe Campino. Die Arrangements für Die Toten Hosen schrieb Hans Steingen, mit dem die Band seit 1996 zusammenarbeitet, und der bereits einige Titel für das Unplugged-Album Nur zu Besuch umgeschrieben hatte.

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Als Solisten traten Inge Du, Vita Gajevska, Thomas Leander und Hans Steingen am Klavier, Micea Gogoncea an der Gitarre, Christina Marzi an der Klarinette, Georg Sarkisjan an der Violine Alexander Kovalev am Violoncello, und Linda Hergarten und Susanne Storck als Sängerinnen auf. Die Stimmen im a-cappella-Vokalstück Ich muss heute singen, der unter dem Titel Les fenêtres chantent von den Comedian Harmonists im Jahr 1937 erstmals in Frankreich veröffentlicht wurde, übernahmen Keno Brandt, Julian Freibott, Gereon Grundmann, Jin-Su Park und Campino.

Die Veröffentlichung der Konzerte als Tonträger war zunächst nicht geplant und wurde erst zwei Jahre später durch Hans Steingen initialisiert, der die Aufnahmen in seinem Big Noise Studio in Düsseldorf abmischte und masterte. Bei verschiedenen Stücken erfolgte eine weitere Abmischung durch Vincent Sorg.

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Alle an den Konzerten künstlerisch Beteiligten, verzichten auf ihre Honorare, sowie das Schallplattenunternehmen JKP auf sämtliche Gewinne. Die Einnahmen aus dem Projekt werden zur Unterstützung von Stipendiaten und Konzertprojekten der Robert-Schumann-Hochschule zur Verfügung gestellt.

Neben dem 16-minütigen Instrumentalstück aus dem Spielfilm Der Herr der sieben Meere und Arnold Schönbergs Melodram Ein Überlebender aus Warschau, dem 11-minütigen Werk Kol Nidrei op. 47 von Max Bruch und Remembrances von John T. Williams aus dem Soundtrack zu Schindlers Liste, dem Kanonensong, der Zuhälter-Ballade und der Moritat von Mackie Messer aus Die Dreigroschenoper, dem Alabama Song aus Aufstieg und Fall der Stadt Mahagonny, den Stücken Seht ihr den Flieger dort und Ihr müsst auf Freundschaft bau’n aus Brundibár, Deutsches Miserere aus Schweyk im Zweiten Weltkrieg, dem Vokalstück Ich muss heute singen von den Comedian Harmonists, den Liedern Einen großen Nazi hat sie!, Komm, Zigany aus der Operette Gräfin Mariza, Sog nit Kejnmal und Sholem-Alekhem, Rov Feidman! enthält das Album die von Campino vertonten Gedichte Stimmen aus dem Massengrab von Erich Kästner, Im Nebel von Hermann Hesse, das Lied Die Moorsoldaten, erschaffen von den von Häftlingen des Konzentrationslagers Börgermoor und das Schlaflied Wiegala von Ilse Weber.

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Zudem sind auf dem Album die bandeigene Kompositionen Willkommen in Deutschland und Sascha … ein aufrechter Deutscher vom Album Kauf mich! aus dem Jahr 1993, Das Mädchen aus Rottweil vom Album Auswärtsspiel aus dem Jahr 2002 und Ballast der Republik, Drei Kreuze (dass wir hier sind) und Europa vom Album Ballast der Republik aus dem Jahr 2012 vertreten. Die Stücke wurden eigens für die Gedenkkonzerte in Zusammenarbeit mit dem Sinfonieorchester neu eingespielt.

Das Album erreichte auf Anhieb Platz zwei der Charts in Deutschland, den siebten Platz in Österreich[4] und den siebten Platz der Schweizer Hitparade.

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Alexander Austel rechnet der Band in seinem Artikel auf laut.de hoch an, wie „selbstlos“ sie sich „in das Gefüge eines Orchesters einreiht“, es zeige, „dass sich aus den einstigen Autodidakten Berufsmusiker entwickelten“.

Arno Frank hingegen hält in seinem Review vom Oktober 2015 im Musikexpress „das Crossover aus Hochkultur, Politik und Punk das sich vor einst verfemtem Liedgut verbeugt“ für einen „Bärendienst“. Es sei „als Platte nur schwer zu ertragen“. Die Präsenz der Toten Hosen sei „problematisch“ und „eher dumpfwalzenhafte Ästhetik“ (Quelle: wikipedia)

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Da kann ich dem Arno Frank so gar nicht folgen, da finde ich folgende Zeilen weitaus passender:

Vor zwei Jahren initiierten die Toten Hosen ein Konzert mit Musik, die die Nazis als „entartet“ gebrandmarkt hatten. Nun erscheint es auf CD und DVD – und ist von erschreckender Aktualität.

Zur Unzeit kommt diese Veröffentlichung nun wirklich nicht, auch wenn das Ereignis, auf das sie sich bezieht, inzwischen 77 Jahre her ist. 1938 nämlich wurde im Düsseldorfer Kunstpalast die Ausstellung „Entartete Musik“ eröffnet, mit der die Nationalsozialisten die Hetzjagd auf unliebsame Komponisten rechtfertigen wollten.
Gnadenlos verfolgt wurde, was jüdisch, kommunistisch oder „undeutsch“ war,

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Vor zwei Jahren, anlässlich des 75. Jahrestags, hat das Orchester der Düsseldorfer Robert-Schumann-Musikhochschule auf Initiative des Prorektors Thomas Leander zusammen mit den Toten Hosen ein Gedenkkonzert mit Werken verfolgter Musiker veranstaltet. Jetzt erst, zwei Jahre später, kommt dieses Konzert auf den Markt, in Form zweier CDs und einer DVD sowie als Non-Profit-Projekt zugunsten der Stipendiaten und des Orchesters der Musikhochschule.

Die zweieinhalb Stunden sind ein beeindruckender Querschnitt durch die Musikgeschichte im ersten Drittel des 20. Jahrhunderts. Denn was den Nazis als „entartet“ galt, ließ sich nicht einmal durch irgendwie greifbare, ästhetische Kategorien begründen. Die treffen am ehesten noch auf den Jazz zu, auf die verhasste „Negermusik“. Ansonsten aber wurde gnadenlos verfolgt, was jüdisch, kommunistisch oder auf andere Weise „undeutsch“ war.

Auf den CDs hört man zum Beispiel ebenso „Komm, Zigány“ aus Emmerich Kálmáns „Gräfin Mariza“ wie Filmmusik zum „Herrn der Sieben Meere“ von Erich Wolfgang Korngold, das der nicht mehr in seine Heimat zurückkehrende Wiener Jude 1940 in Hollywood schrieb, einen Song der Comedian Harmonists oder Arnold Schönbergs Zwölfton-Melodram „A Survivor from Warsaw“. Es finden sich Kurt Weills Moritaten aus der Dreigroschenoper und ergreifende Zeugnisse von Musik aus den KZs und Vernichtungslagern, wie den Kinderchor „Ihr müsst auf Freundschaft baun“ aus der in Theresienstadt weiterentwickelten Kinderoper „Brundibár“ des tschechoslowakischen Komponisten Hans Krása oder das Lied von den „Moorsoldaten“ aus dem KZ Börgermoor.

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Beklommen macht auch die Erkenntnis, dass die wenigen Stücke der Toten Hosen auf dem Album, wie das 20 Jahre alte „Willkommen in Deutschland“, entstanden unter dem Eindruck brennender Flüchtlingsheime, kaum etwas von ihrer Aktualität verloren haben. (Franz Kotteder)

Ein eminent wichtiges und eindrucksvolles Album … und ich bilde mir ein, ich muss das nicht weiter ausführen.

Hinweisen will ich dann noch auf das wirklih fulminante Begleitheft und die dem Album beigelegte DVD Dokumentation dieses Ereignisses gibt es dann demnächst …

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Besetzung:
Michael Breitkopf (guitar)
Andreas „Campino“ Frege (vocals)
Andreas von Holst (guitar)
Andreas Meurer /bass)
Vom Ritchie (drums)
+
Sinfonieorchester der Robert-Schumann-Hochschule Düsseldorf unter der Leitung von Rüdiger Bohn
+
Kinderchor des Humboldt-Gymnasiums Düsseldorf unter der Leitung von Dennis Hansel

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Titel:

CD 1:
01. The Sea Hawk-Suite (Korngold) 16.28
02. Die Moorsoldaten (Goguel/Esser/Langhoff) 6.01
03. Einen großen Nazi hat sie! (Weiss/Grünbaum) 3.35
04. Kanonensong (Brecht/Weill) 2.34
05. Zuhälter-Ballade (Brecht/Weill) 4.38
06. Die Moritat von Mackie Messer /Brecht/Weill) 4.09
07. Seht ihr den Flieger dort (Krása/Hoffmeister/Harre/Harders-Wuthenow) 2.23
08. Ihr müsst auf Freundschaft bau’n (Krása/Hoffmeister/Harre/Harders-Wuthenow) 3:29
09. Stimmen aus dem Massengrab (Frege/Kästner) 3.33
10. Deutsches Miserere (Brecht/Eisler) 2.14
11. Wiegala (Weber) 4.42
12. A Survivor From Warsaw op. 46 (Schönberg/Monod) 7.25

CD 2:
13. Kol Nidrei op. 47 (Bruch) 11.17
14. Komm, Zigany (Kálmán/Grünwald/Brammer) 5.27
16. Sog nit Kejnmal (Pokrass/Glik) 3.10
17. Ich muss heute singen (Marbot/Reisfeld/Cab/Varna) 2.51
18. Sholem-Alekhem, Rov Feidman! (Kovács) 7.04
19. Remembrances (Williams) 6.54
20. Im Nebel (Frege/Hesse) 4.51
21. Willkommen in Deutschland (Breitkopf/Frege) 4.30
22. Alabama Song (Brecht/Weill) 5.25
23. Sascha … ein aufrechter Deutscher (FregeMüller) 3.00
24. Drei Kreuze (dass wir hier sind) (v.Holst/Sorg) 1.41
25. Ballast der Republik (Frege/Marteria) 3.18
26. Europa (Breitkopf/Frege) 4.21
27. Das Mädchen aus Rottweil (Frege/v.Holst/Meurer) 4.32
28. Drei Kreuze (dass wir hier sind) (Reprise)n (v.Holst/Sorg) 2.21

CD2A

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Bei diesem Lied krieg ein aufs andere mal ne Gänsehaut:

Wohin auch das Auge blicket, Moor und Heide nur ringsum,
Vogelsang uns nicht erquicket, Eichen stehen kahl und krumm.

Wir sind die Moorsoldaten und ziehen mit den Spaten ins Moor

Hier in dieser öden Heide ist das Lager aufgebaut,
wo wir ferne jeder Freude hinter Stacheldraht verstaut.

Wir sind die Moorsoldaten …

Morgens ziehen die Kolonnen in das Moor zur Arbeit hin
Graben bei dem Brand der Sonne, doch zur Heimat steht der Sinn.

Wir sind die Moorsoldaten …

Heimwärts, heimwärts, jeder sehnet zu den Eltern, Weib und Kind.
Manche Brust ein Seufzer dehnet, weil wir hier gefangen sind.

Wir sind die Moorsoldaten …

Auf und nieder gehen die Posten. Keiner, keiner kann hindurch.
Flucht wird nur das Leben kosten! Vierfach ist umzäunt die Burg.

Wir sind die Moorsoldaten …

Doch für uns gibt es kein Klagen. Ewig kann ’s nicht Winter sein.
Einmal werden froh wir sagen: Heimat, du bist wieder mein!

Dann ziehn die Moorsoldaten nicht mehr mit den Spaten ins Moor

 

Udo Jürgens – Deinetwegen (1986)

FrontCover1In den 80er Jahren war der Udo Jürgens mit seinen Schallplattenaufnahmen nicht mehr so erfolgreich, aber die „Maschinerie Udo Jürgens“ lief weiterhin wie geschmiert … und seine Alben dienten meist dazu, eine weitere große Udo Jürgens Tournee anzukündigen, und die waren weiterhin mehr als gut besucht.

Hier also nun ein Album aus den 80er Jahren:

Mit dem Album „Deinetwegen“ setzte Udo seinen musikalischen Stil den er zu Beginn der 1980er eingefahren hat weiter erolgreich fort. Eingängige Songs (eine Mischung zwischen Pop-Rock-Orchester-Schlager) verbunden mit Swing und wunderbaren Balladen. Einzig der Opener „Narrenschiff“ mit seinem doch schrägem Intro will nicht so richtig zünden. Anspieltipps sind auf alle Fälle „Sperr mich nicht ein“, „Guten Morgen mein Liebes“ und „Unsichtbar“. Ach ja und der Swing-Song „Ladies and Gentleman“. Neben einer sprissigen Melodie ist hier Udo textlich On Top vom Superstar der immer sein Bestes gibt um oben zu bleiben. Als bekanntestes Lied ist hier „Jeder so wie er mag“ vertreten. Gute Laune Song mit Reaggie Einflüssen. Selbstverständlich hat auch Udo seine Balladen im Album mit eingestreut, davon wirklich positiv hervorzuheben ist der o.g. Song „Guten Morgen, mein Liebes“, welcher vom Sorgen des Alltags handelt.

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Mit „Ich will-ich kann, I can-I will“ ist Udo eine hervorragende Melodie gelungen, doch mit dem Deutsch Englischem wirkt der Song doch schon arg am Kitsch, getreu dem Motto Deutsche Lieder müssen sich international behaupten. Aber naja Unfälle können jedem Künstler passieren. Das Album im Ganzem ist aber rundherum gelungen und klingt auch nach beinahe 30 Jahren top. Udo R.I.P. Danke für all Deine Lieder und dieser CD. (Volker Nagel)

Der ganz große Wurf ist dieses Album nun nicht, aber der Text zu „Narrenschiff“ ist wirklich wieder mal ein Höhepunkt (siehe unten)

Weitere Lieder, die ich guten Gewissens empfehlen kann wären dann noch „Nach all‘ den Jahren„;

Gleich Segelschiffen, die die Anker lichten,
geh’n mir Erinnerungen durch den Sinn.
Und märchenhafte Weißt-du-noch-Geschichten
begleiten mein „Woher“ in mein „Wohin“:

Ich denk‘ an euch, ihr Freunde meiner Jugend,
an Eltern, Brüder, Nachbarn nebenan;
ich denke an die Not und an die Tugend,
die ich nicht voneinander trennen kann.

Ich denk‘ an Szenen, die im Gestern spielen,
an Liebe, die ich nur im Traum umwarb,
an Sehnsucht nach zu hoch gesteckten Zielen,
an Glück, das nicht in der Erfüllung starb.

Ich denk‘ an jeden Sturz ins Bodenlose,
an jeden Tiefenrausch im Höhenflug.
Ich atme noch den Duft von jeder Rose,
die je in meinem Herzen Wurzeln schlug.

Ich denk‘ an die, die anders weiterleben,
an meine Kinder, die erwachsen sind,
an Menschen, die auf meiner Strecke blieben –
nicht miterfaßt von meinem Rückenwind.

An alle, die mir unentbehrlich waren
und sind und bleiben – nach all den Jahren.

Ich denke an euch Musiker und Dichter
Heinz, Walter, Willy, Bob – wie ihr auch alle heißt,
an hunderttausend Publikumsgesichter
mit Liebe, die noch heut‘ mein Herz zerreißt.

Oh ja, auch an die Liebe muß ich denken,
die so manches Spielchen mit mir trieb,
ich ließ mich allzuleicht von ihr beschenken,
wobei ich sicher vieles schuldig blieb.

Stößt mancher Anruf auch auf taube Ohren,
haut auch ein Wiedersehen mit euch nicht hin,
aus meinen Augen hab‘ ich euch verloren –
doch ich verlor euch niemals aus dem Sinn.

Ich denk‘ an euch, ihr Freunde meines Lebens,
wo ihr auch seid, ihr seid ein Stück von mir.
Der Teufel nimmt es und die Götter geben’s.
Erinnerung beflügelt mein Klavier.

Ich denk‘ an Wunder, die sich heut erst offenbaren –
nach all den Jahren – nach all den Jahren.

Aber auch der Ttelsong „Deinetwegen“ lässt aufhorchen:

Meinetwegen – ich träume
ganz egal, was ihr denkt,
ich spiele weiter verrückt!

Wie ein Clown ohne Zirkus,
trotzdem ist mir bis heut‘
fast jedes Lachen geglückt!

Wer auf mich baut ist verlor’n,
wer mit mir tanzt ist nie allein
auf dem Seil ohne Halt.
Ich werd‘ nie wieder geboren,
bin nie der, den ihr meint.
Und vor allem – wer spinnt,
wird nie alt!
Ich hab‘ genau so wie du
meine Karte am Eingang bezahlt!

Meinetwegen – ich lebe.
Glaubt keinem Träumer wie mir,
der doch nur macht, was er will.

Ist es leeres Gerede?
Ist es Ernst oder Spiel?
Wer’s glaubt ist früher am Ziel!

Wer auf mich baut ist verlor’n…

Meinetwegen – ich falle,
das Orchester spielt auf.
Ich bin der letzte im Saal.

Es erklingt das Finale,

ich steh‘ auf und ich tanz‘
nur deinetwegen nochmal.

Ich werd‘ nie wieder geboren.
Ich bin nie der, den ihr meint.
Und vor allem – wer spinnt,
wird nie alt!
Ich hab‘ genau so wie du
meine Karte am Eingang bezahlt!

Wie gesagt, kein Album mit durchschlagender musikalischen Wucht … aber ein Album, dass wieder mal eine kleine Schar von hörenswerten Titeln enthält. Und, na ja … sein „Sperr mich nicht ein“ war wohl eine, seine kleine Hymne auf sein doch ziemlich ausschweifendes Leben …

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Besetzung:
Udo Jürgens (piano, vocals)
+
Orchester Pepe Lienhard:
Osvldo Aden (trumpet)
Francesco Castellani (trombone)
Tom Howard (trumpet)
Peter Lübke (drums)
Capo Mayer (bass)
Billy Prosper (percussion)
Don Randolph (trombone)
Steven R. Rentschler (trumpet)
Laszlo Spiro (guitar)
Kudjoe Todzo (percussion)
Georges Walther (keyboards)
+
Franz Bartzsch (keyboards)
Francis Colena (guitar)
Sonja Kimmons (vocals bei 07.)
Frank Ludecke (saxophone)
Eddie Taylor (saxophone)
+
background vocals:
Claudia Garden – Draga Hoffmann – Agnes Skolud – Angelika Henschen – Norman Ascot – Achim Götz – Frank Turba

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Titel:
01. Narrenschiff (Jürgens/Hofer) 4.30
02. Sperr mich nicht ein (Jürgens/Kunze) 4.31
03. Jeder so wie er mag (Jürgens/Kunze) 4.09
04. Guten Morgen, mein Liebes (Jürgens/Christen) 4.33
05. Stolze Verlierer (Jürgens/Kunze) 4.28
06. Ladies And Gentlemen (Jürgens/Lehmann) 3.36
07. Ich will – ich kann, I Can – I Will (Jürgens(Christen) 3.49
08. Radio (Jürgens/Kunze) 4.11
09. Weißt du noch (Sternstunden) (Jürgens/Kunze) 4.56
10. Nach all‘ den Jahren (Jürgens/Lehmann) 4.34
11. Unsichtbar (Jürgens/Kunze) 4.13
12. Deinetwegen (Jürgens/Christen) 4.14

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Fern am Horizont,
auf dem Meer der Zeit,
schwebt ein Schiff zu neuen Gestaden.
Nur mit Zuversicht
und mit Menschlichkeit
und mit Licht und Liebe beladen.

Und wenn die Nächte wie aus Glas sind
und die Silberwinde wehn,
kannst du die letzten Idealisten
in ihren bunten Kleidern seh’n.

Auf dem Narrenschiff

Es trägt den Dichter,
der die Worte weiß,
welche Herzen öffnen und Türen.
Und den Musiker,
der die Töne kennt,
die an’s Innerste in dir rühren.

Auf dem Narrenschiff…

Es trägt den Maler,
der die Hoffnung malt,
und die Seelen der Menschen und Bäume.
Und den Weisen,
der die Wege kennt,
in das Land aller Träume.

Auf dem Narrenschiff…

Und wir sogenannten Klugen
merken nicht die Ironie,
daß wir dümmer und verlass’ner
und viel ärmer sind als die.

Auf dem Narrenschiff…
Und bevor die Welt
noch an Hochmut stirbt
und die weißen Tauben fliehen,
möchte ich mit dir
zu den Narren geh’n,
um mit ihnen fortzuziehen!

Auf dem Narrenschiff…

MC

Milva – Meisterstücke (1998)

FrontCover1Eigentlich kann ich ja Sampler der billigen Art gar nicht leiden. Aber bei der Milva mache ich da gerne mal ne Ausnahme … denn sie ist für mich (und ganz sicher nicht nur für mich) eine ganz und gar bemerkenswerte Sängerin aus Italien, die sich auch hier in Deutschland einen Namen gemacht hat.

Maria Ilva Biolcati, als Milva international bekannt, ist eine äußerst vielseitige Sängerin. Egal ob Chansons, Schlager, Opernarien oder Brecht/Weill-Kompositionen – die Frau mit dem dramatischen roten Haar (daher ihr Spitzname „La Rossa“) beherrscht all dies gleichermaßen virtuos.

Geboren als Tochter einer Fischhändlerfamilie, musste sie früh mitarbeiten; der Vater hatte das Vermögen weitgehend verspekuliert. Nach einer Gesangsausbildung begann Milva als Nachtclubsängerin, gewann mit 21 den Talentwettbewerb der RAI und kam so zum ersten Plattenvertrag. 1961 schaffte sie mit Platz 3 beim San Remo-Festival den Durchbruch in Italien, trat erstmals als Schauspielerin auf und heiratete ihren Manager Maurizio Corgnati. Die einzige Tochter Martina kam 1963 zur Welt.

Milva01In den folgenden Jahrzehnten stieg Milva zum international gefeierten Star auf: sie sang in vielen Sprachen, wurde aber besonders in Deutschland und Frankreich sehr beliebt. Die Zusammenarbeit mit Giorgio Strehler brachte Milva zur intensiven Beschäftigung mit Brecht-Interpretationen, auch selten gehörten und wieder entdeckten Kostbarkeiten. Daneben ist sie bis heute Astor Piazzollas Lieblingssängerin – keine andere haucht seinen Tangoschöpfungen so viel Leben ein. An der Mailänder Scala war Milva in Opernhauptrollen zu sehen, in Paris gab sie die „Seeräuber-Jenny“ in Brechts Dreigroschenoper. Eine ihrer Tourneen widmete Milva den Chansons der Edith Piaf. Namhafte Komponisten wie Theodorakis und Morricone schrieben Lieder für sie, an ihren deutschen Plattenproduktionen arbeiteten u.a. Herbert Grönemeyer und Udo Lindenberg mit. Als Schauspielerin trat sie in mehreren Filmen auf, u.a. an der Seite Gina Lollobrigidas und unter der Regie von Werner Herzog.

Privat dagegen hat Milva viel Leid erfahren. Die Ehe mit Corgnati zerbrach 1969. Von 1986-96 lebte sie mit dem Schauspieler Luigi Pistilli zusammen, der zunehmend unter Depressionen litt und im April 1996 Selbstmord beging. Eigentlich wollte sich die Künstlerin 1992 ins Privatleben zurückziehen, feierte aber zwei Jahre später ein grandioses Comeback und steht seitdem wieder auf Bühnen in aller Welt. (Quelle: fembio)

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Nun ja, 2009 war dann Schluss mit den großen Tourneen ….

Beeindruckend die Namen der Komponisten: Klaus Doldinger, Mikis Theodorakis, Dario Farina, Vangelis, Ennio Morricone, Udo Lindenberg und Peter Maffay !

Beeindruckend aber auch die deutschen Übersetzungen, insbesondere von Thomas Woitkewitsch.

Auch wenn die große Zeit der Milva nun vorbei ist … diese Frau hat auch heute noch was zu sagen !

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Alternatives Front + Back Cover

Besetzung:
Milva (vocals)
+
diverse Studiomusiker

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Titel:
01. Hurra, wir leben noch (Doldinger/Woitkewitsch) 3.11
02. Vielleicht war es Liebe (Conte/Woitkewitsch) 4.27
03. Zusammenleben (Theodorakis/Woitkewitsch) 3.46
04. Helden (Farina/Kunze) 3.59
05. Gefühl und Verstand (Farina/Kunze) 4.17
06. Ich hab‘ keine Angst (Woitkewitsch/Vangelis) 4.16
07. Der Morgen danach (Woitkewitsch/Vangelis) 2.36
08. Ich bin ganz ich (Bartzsch/Buckow/Heinen/Kaiser) 3.18
09. Du bist sehr müde, Liebling (Lauzi/Cassano/Woitkewitsch) 3.27
10. Ich weiss, was ich will (Kunze/Vangelis) 3.04
11. Er stand da und weinte (Jannacci/Woitkewitsch) 4.15
12. Ein kommen und gehen (Lindenberg) 4.41
13. Freiheit in meiner Sprache (Morricone/Lucignani/Woitkewitsch) 3.07
14. Keine Stunde tut mir leid (Brozat/Maffay) 4.48

CD1

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Meisterstücke

 

LetzteTournee

Die Ankündigung zur letzten Deutschland Tournee, 2009

Maria Bill – Maria Bill (1983)

FrontCover1.JPGManchmal lang ich mir ja an Hirn … wie konnte es nur dazu kommen, dass ich diese Maria Bill erst jetzt entdecke … ist sie doch eine der profiliertesten Sängerinnen Österreichs (auch wenn sie eigentlich aus der Schweiz kommt) … und als Schauspielerin wusste sie wohl auch zu glänzen:

Maria Bill (* 15. November 1948 in Trogen, Schweiz) ist eine Schweizer Schauspielerin und Sängerin.

Maria Bill ist eine von vier Töchtern von Arthur Bill und seiner Frau Berta. Ihre Eltern arbeiteten im internationalen Kinderdorf Pestalozzi in Trogen im Appenzeller Mittelland, deshalb wuchsen die vier Schwestern auch dort auf. Aufgrund der Internationalität im Dorf lernte Bill die Lust an Sprachen und am Imitieren dieser. Einmal jährlich wurde den Kinderdorfpaten eine Tanz- und Singvorstellung der Kinder geboten, wodurch Bills Interesse am Schauspiel geweckt wurde.

Anfang der 1970er Jahre wurde Maria Bill von ihrer Mutter, die ihrerseits daheim Lieder der Piaf gesungen hatte (vgl. Abschnitt Musikkarriere unten), nach Zürich auf die Schauspielschule geschickt. 1971 bis 1974 hatte sie ihr erstes Engagement am Zürcher Theater am Neumarkt. Nach drei Jahren als Ensemblemitglied wurde sie von den Kollegen per Ensemblebeschluss hinausgeworfen: „Du fühlst dich als Küken im Nest zu wohl. […] Du musst raus in die Provinz und die Scheiße kennenlernen!“

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Maria Bill und  Michael Schottenberg, 1980

Auf Anregung des damals noch jungen, späteren Regisseur Christoph Marthaler, den Bill als Straßenmusiker in Zürich kennenlernte, kam sie anschließend auf die Theaterschule von Jacques Lecoq in Paris: „Lecoq hat mich befreit und mir die Hemmungen genommen.“ Dort setzte sie sich auch mit ihrem komödiantischen Talent auseinander.

Zurückgekehrt nach Zürich wollte sie gemeinsam mit einem Clownkollegen und einem Kastenwagen durch die Lande touren. Zu dieser Zeit gastierte in Zürich auch Hans Gratzer mit seinem „Flittertheater“, den Bill dort ebenso kennenlernte, wie sein „Truppenmitglied“ Michael Schottenberg, ihren späteren Ehemann:

„Ich dachte mir: Eigentlich ist es genau das, was ich machen möchte! Da will ich mit! Ich bin also mit dem Clown nach der Vorstellung zum Gratzer, um ihm das zu sagen. Er hat es eingesehen und uns beide tatsächlich gleich mit auf Tour genommen. So habe ich dann auch den Schottenberg kennengelernt, und als mich der Gratzer mit nach Wien nehmen wollte, hatte ich gar nichts dagegen.“ (Maria Bill)

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Maria Bill im Jahr 1985 beim Austria Rockfestival in Voitsberg

Bill war sodann ab Gründung im Jahr 1978 beim ersten Ensemble des Wiener Schauspielhauses dabei. Der Gründer Gratzer hatte fünf Premieren hintereinander angesetzt, wobei das Haus nach der Adaption auf Theater vom Ensemble selbst noch fertig hergerichtet werden musste: „Wir haben gehackelt wie die Wahnsinnigen – und hinten noch die Häusln geputzt, während vorn schon das Publikum mit den Sektgläsern in der Hand herumstand.“ Breitere Bekanntheit erlangte die Bill im Jahr 1982 mit einem am Schauspielhaus gespielten und gesungenen Stück über das Leben der Édith Piaf, für das sie mit der Kainz-Medaille der Stadt Wien ausgezeichnet wurde. Es folgte 1982/83 eine Tournee in die Schweiz und nach Deutschland mit Auszeichnung mit dem Goldenen Theatertaler der Stadt Berlin.

In der Folge spielte sie unter anderem im Theater in der Josefstadt, am Burgtheater und in Michael Schottenbergs Theater im Kopf. 1995 bis 2004 wurde sie von Emmy Werner ans Volkstheater geholt. Für ihre Darstellung der Salome Pockerl in Nestroys Der Talisman erhielt sie den Karl-Skraup-Preis, als Bertolt Brechts Mutter Courage feierte sie ebenfalls Erfolge. Auch in der Direktionszeit ihres Ehemanns Michael Schottenberg ab der Spielsaison 2005/06 war Maria Bill auf der Bühne des Volkstheaters zu sehen, darunter als Sally Bowles in Cabaret (2007), in Wer hat Angst vor Virginia Woolf sowie in Hiob. In der Spielzeit 2013/2014 stand sie „in einer der wunderbarsten Rollen auf ‚ihrer‘ Bühne“ (ORF/Ö1[3]): Sie spielte in Glorious (Regie: Michael Schottenberg) die „berühmteste Falschsängerin aller Zeiten“ (ORF/Ö1), Florence Foster Jenkins. Ab Februar 2014 spielte sie mit Der aufhaltsame Aufstieg des Arturo Ui (Regie: Schottenberg) in einem weiteren Stück von Bertolt Brecht.

Bei den Salzburger Festspielen in den Jahren 1999 und 2010 verkörperte sie im Jedermann die Guten Werke.

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Im September 2010 fasste Maria Bill in ihren Dankesworten anlässlich des ihr verliehenen Goldenen Verdienstzeichen des Landes Wien ihre Zeit in Wien zusammen mit:

„Eigentlich wollte ich nur kurz bleiben, und heute, nach 30 Jahren, bin ich immer noch hier. Wien hat mich mit offenen Armen empfangen und aufgenommen. Ich habe hier tolle Menschen kennengelernt und wichtige Rollen gespielt.Ausgangspunkt ihrer musikalischen Karriere waren Bills Auftritte über die Piaf:

„Andere schreiben ihre Sehnsüchte und Verzweiflungen als Jugendliche in Tagebücher, bei mir waren es Lieder. Sie sollten aber lange Zeit mein Geheimnis bleiben. Als ich 1982 im Schauspielhaus dann dieses Stück über Edith Piaf spielen und singen durfte, hat mir diese Alte irrsinnig Mut gemacht. ‚Wenn ich singe, bin das ich‘, hat sie gesagt, und das hielt ich für eine gute Idee. Die Plattenfirmen haben mir damals die Tür eingerannt! Ich sollte allerdings Piaf-Lieder singen, und das fand ich absurd – denn die gab es ja im Original. Also habe ich meine eigenen Lieder aus der Schublade geholt.

Christian Kolonovits als ihr Produzent und Maria Bill sichteten daraufhin ihren vorhandenen Liederbestand und sortierten aus. Trotzdem die beiden am nächsten Tag aus den aussortierten Liedern wieder welche hinzunahmen, blieben es für eine (erste) Langspielplatte zu wenige, woraufhin Kolonovits meinte, Bill müsse noch etwas schreiben. Als „Geschenk des Augenblicks passiert[e]“ ihr dann an einem weiteren Tag der zukünftige Hit „I mecht landen“.

Single

Die Single. 1983

Mit dem 1983 veröffentlichten Debütalbum (LP) Maria Bill gelang es ihr, im folgenden Jahr in den Spitzenbereich der Hitparade vorzudringen. Der darauf enthaltene Titel I mecht landen gilt als erfolgreicher Vertreter des Austropop. Im September 2012 wurde ihr schon seit längerer Zeit vergriffenes Album von 1983 unter dem Titel Anniversary Edition sowie mit ihren Liedern bis 1987 auf einer Doppel-CD neu veröffentlicht. Mit einem Großteil dieser Lieder ging der „Kurzzeit-Austropop-Star“ (Falter), beginnend ab 5. Oktober im Wiener Konzerthaus, auf Abschiedstournee.

Neben der Interpretation der eigenen Lieder zählen ihre musikalischen Programme mit Chansons von Édith Piaf und Jacques Brel zu ihren Erfolgen. Immer wieder singt sie weiterhin unter den Titeln Maria Bill singt Edith Piaf, Maria Bill singt Jacques Brel, sowie Maria singt Bill[2] auf verschiedenen Bühnen im deutschsprachigen Raum.

Im Oktober 2014 – in der Abschiedssaison von Michael Schottenberg – war Maria Bill mit Liedern von Kurt Weill und Bertolt Brecht auf der Bühne des Volkstheaters.

Dem Publikum ist sie auch durch Rollen in den Fernsehserien Kottan ermittelt und Trautmann bekannt, in den Filmen Das Geheimnis (1992), Averills Ankommen (1992) und Das zehnte Jahr (1995) spielte sie Hauptrollen. 2006 spielte sie die Prostituierte Herta im Spielfilm Slumming von Michael Glawogger.

Maria Bill beteiligte sich auch an Hörspielen. Das 1981 erschienene Kinderbuch Valerie und die Gute-Nacht-Schaukel von Mira Lobe und Winfried Opgenoorth wurde 1993 von Erich Meixner vertont. Sie leiht darin der Hauptfigur Valerie ihre Stimme.

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Gemälde von Alfred Biber

Maria Bill war 35 Jahre mit dem Schauspieler, Regisseur und ehemaligen Direktor des Volkstheaters Michael Schottenberg verheiratet. Ende 2011 machten sie die Trennung öffentlich. Maria Bill spricht von ihm, ohne den Vornamen zu nennen, als (den) Schottenberg.

Deren beider Sohn ist der österreichisch-schweizerische Schauspieler und Musiker Tany Schottenberg (* 1988), der aus seinen beiden Vornamen seinen Künstlernamen Tany Gabriel gebildet hat.

Maria Bill lebt in Wien-Neubau und fährt in der Stadt mit dem Fahrrad, unter anderem zu Interviews. Sie beherrscht die im Appenzeller Raum Talerschwingen genannte Technik, wobei eine 5-Franken-Münze in einer Tonschüssel kreisen gelassen wird. (wikipedia)

Das nenn ich ein pralles Leben !

Hier ihr Erstlingswerk und ich sag´s mal, wie es ist: Dieses Album ist einfach ne Wucht !

Da haben wir eine großartige Stimme, da haben wir Texte, die unter die Haut gehen („Lass dich nicht schrecken„, „Ich will keine Angst haben„, „Kaktus“). Bestimmte Textzeilen möchte man am liebsten in den Arm  und mit in den Schlaf nehmen.

Die Musik … mal zärtlich, mal stürmisch, mal zornig, mal sehnsüchtig …  die Facetten all jener intensiven Emotionen einfangend … und eine Band, die dazu aufmerksam, kraftvoll und zugleich sensibel aufspielt.

Das Album: Ein Triumph intensiver Emotionen … !

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Besetzung:
Maria Bill (vocals)
Christian Felke (saxophone)
Christian Kolonovits (keyboards)
Mischa Krausz (bass)
Jürgen Zöller (drums, percussion)

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Titel:
01. Lass dich nicht schrecken (Kolonovits/Bill) 3.42
02. I Mecht landen (Kolonovits/Bill) 4.31
03. Meine Schuhe (Bill) 3.06
04. Café De Flore (Bill) 4.38
05. May Be (Bill) 3.36
06. Was ist los (Bill) 2.59
07. Kaktus (Kolonovits/Bill) 5.31
08. Ich will keine Angst haben (Bill) 4.43
09. Amsterdam (Bill) 1.31
10. Der letzte Gspritzte (Bill) 4.15

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Michael Heltau – Wienerische Lieder – himmelhoch jauchzend, zu Tode betrübt (1979)

FrontCover1.JPGNicht wegzudenken von der österreichischen Musikszene ist ganz sicher dieser Michael Heltau, der ja eigentlich sich vorrangig als Schauspieler einen Namen gemacht hat. Und mittlerweile (Jahrgang 1933) ist er über 80 Jahre alt:

Frack und Zylinder wurden zu seinem Markenzeichen: Michael Heltau wurde auf der Theaterbühne und im TV berühmt. Seine Leidenschaft sind aber die Chansons. Mit 80 will der Wahl-Wiener nicht kürzer treten.

Michael Heltau kann auf ein bewegtes Leben zurückblicken. Der Österreicher mit bayerischer Herkunft spielte sich als Schauspieler auf der Bühne und im TV in die Herzen der Zuschauer. Als Chansonnier lebt er nun seine Leidenschaft. „Ich weiß um die Sympathie, die das Publikum seit Jahrzehnten für mich hat“, sagte Heltau einmal zum ORF. Daher ist für den Wahl-Wiener auch noch lange nicht Schluss. Kurz vor seinem 80. Geburtstag, den er am Freitag (5. Juli) feiert, begeistert er das Publikum noch immer.

Heltau selbst sah sich immer mehr als „Bühnenmensch denn als Schauspieler“. In den vergangenen Jahren trat er fast nur noch als Chansonnier und Entertainer auf. Im vergangenen Jahr führte er das Publikum im Wiener Burgtheater in das Paris der 1950er und 60er Jahre bei seinem bereits 33. Soloprogramm „Es ist immer jetzt“. Damit tourt Heltau, dem man sein wahres Alter kaum ansieht, bis heute.

Heltau01Michael Heltau wurde am 5. Juli 1933 als Heribert Michael Huber in Ingolstadt geboren. Seine Großeltern und Urgroßeltern erzogen Heltau, der schon früh mit seiner künstlerischen Begabung auffiel und stark gefördert wurde. Mit Kriegsausbruch übersiedelte seine Familie von Bayern ins Salzkammergut, sie wurde 1945 aber wieder aus Österreich ausgewiesen. Sein Abitur absolvierte er in Ingolstadt.

Danach kehrte er wieder in seine Wahlheimat Österreich zurück und besuchte das renommierte Max-Reinhardt-Seminar in Wien. Sein erstes Engagement ergatterte er 1953 am Stadttheater Würzburg, danach folgten das Bayerische Staatsschauspiel München und das Wiener Theater in der Josefstadt. Innerhalb weniger Jahre avancierte der vielseitige Schauspieler zum Publikumsliebling auf Wiens Bühnen.

1967 gelang ihm auch der Durchbruch als Charakterdarsteller. Er wurde im Wiener Burgtheater engagiert, wo er in den folgenden Jahrzehnten alle großen Rollen der klassischen und modernen Bühnenliteratur spielte. Die Verbindung zum Burgtheater ist bis heute sehr eng. Als langjähriges Mitglied des Ensembles wurde er zuerst zum „Doyen des Burgtheaters“ befördert, dann zum Ehrenmitglied. 1968 bekam er auch die österreichische Staatsbürgerschaft verliehen.

Doch Heltau, dessen Auftritte in Frack und Zylinder zum Markenzeichen wurden, wollte sich nie festlegen. Schon Mitte der 50er Jahre begann er, auch für den Film zu arbeiten. In den 70er Jahren kamen Erfolge mit Schallplatten dazu. Das deutsche TV-Publikum lernte ihn als Moderator der ZDF-Serie „Liederzirkus“ kennen. Seit dieser Zeit begeistert er eine beachtliche internationale Fangemeinde mit seinen Soloprogrammen. Besondere Anerkennung finden seine deutsche Interpretationen der Lieder des Belgiers Jacques Brel.

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Dabei behielt sich Heltau immer den Ruf des bescheidenen Künstlers. Starallüren wurden ihm nie nachgesagt. „Ich interessiere mich überhaupt nicht für mich selbst“, wird er in dem Buch „Auf Stichwort: Michael Heltau“, das zu seinem 75. Geburtstag erschien, zitiert. Für den Österreicher ist laut eigenen Aussagen die Beziehung zu seinen Musikern auf der Bühne eine Liebesgeschichte. „Er sagt immer, wir sind seine Vitamine“, sagte eine Violinistin einmal über die Zusammenarbeit mit Heltau.

Die Rolle des Doktor Brinkmann in der Schwarzwaldklinik lehnte er aber bewusst ab: „Ich kann nicht ein Jahr Leuten den Puls messen und das dazu passende Gesicht machen“, sagte er der Tageszeitung „Die Presse“ dazu. Aber bei den vielen Fernsehengagements, die er im Laufe seines Lebens abgesagt hat, ging es um mehr als einzelne Rollen. Er hielt immer eine kritische Haltung zum Fernsehen: „In der Distanz zwischen Schauspieler und Zuschauer, da spielt sich alles ab, was Theater aufregend macht, in der Luft dazwischen“, sagte er der österreichischen Nachrichtenagentur APA einmal.

Doch auch bei anderen Projekten und Posten war Heltau immer sehr wählerisch. Er lehnte Hollywood- und Broadway-Angebote ebenso ab wie Leitungsfunktionen in großen Theaterhäusern. Als Theaterdirektor hätte er vieles machen müssen, was ihm nicht gefallen hätte: „Ein Theaterdirektor ist ein Ermöglicher. Und selbst spielen hätte ich nicht können: Wenn ich gut bin, blockiere ich das Haus, wenn ich schlecht bin, beschädige ich es“, sagte er zur APA.

Rückblickend hätte er bis heute nichts anders machen wollen: „Ich erfülle mir einen Kindheitstraum“, schreibt er auf seiner Homepage. (Salzburger Nachrichten, 2013)

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Hier sein 3. Album bei dem er sich auf kleine Wiener Spezialitäten konzentriert. Was so das ganz spezielle an „wienerischer Musik“ ist, lässt sich – zumindest für mich – schwer in Worte fassen. Das ist so ne ganz spezielle Melange aus schwermütigen, sentimentalen aber auch spitzfindigen Liedern. Und davon bekommt man hier mehr als genug. Und beim letzten Lieder „Alles is hin“ (= O du lieber Augustin) musste ich schmunzeln, erinnerte ich mich doch plötzlich an die Jazz-Rock Version von Blood, Sweat & Tears … so schließen sich die Kreise …

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Das Album erhielt eine feine Verpackung und enthält auch eine wohlfeile Jubelaria von Andre Heller auf den Mensch und Künstler Michael Heltau …

Und: auch in der DDR fand diese Scheibe gefallen, denn sie wurde auch auf Amiga Records veröffentlich … na dann … ran an den Speck !

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Besetzung:
Michael Heltau (vocals)
+
Orchester unter der Leitung von Toni Stricker

 

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Amiga Frontcover

Titel:
01. Schön ist so ein Ringelspiel (Heller/Herz/Leopoldi) 3.50
02. Aschenlied (Raimund/Drechsler) 3.18
03. Mir is alles ans (Traditional) 1.45
04. Und die Zeit (Heller/Stricker) 2.36
05. In einem kleinen Café in Hernals (Herz/Leopoldi) 4.18
06. Wann i nimmer singen kann (Weigel/Steinbrecher) 2.46
07. Lannermusik (Heller/Domanig-Roll) 2.48
08. Hobellied (Raimund/Kreutzer) 2.08
09. I hab die schönen Maderln ned erfunden (Prosel/Schmidseder) 3.29
10. Der Wiener Troubadour (Domanig-Roll) 3.35
11. Sagt er (Traditional) 2.02
12. Alles Is Hin (Traditional/Heller/Stricker) 2.16

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Verschiedene Interpreten – Kinder erwünscht (1980)

FrontCover1.JPGUnd wieder einmal ne Benefiz-LP; diesmal ist sie dem Thema „Kinder“ gewidmet und das Anliegen ist klar: „Kinder brauchen das Gefühl, erwünscht zu sein. Kinder sind die Stiefkinder unserer Gesellschaft“. Hinter dem Projekt steht „Eine Aktion der privaten Initiative für die Familie“ und hinter diesem etwas sperrigen Titel verbergen sich Firmen wie Allianz Versicherung, BAT Cigaretten Fabriken, Fisher-Price Spielware, Gruner # Jahr AG, Lego, Dr. August Oetker und, und und … Bei so mancher Firma würde man sich wünschen, dass sie der guten Absicht auch guten Taten folgen lassen, z.B. was familienfreundliche Arbeitsbedingungen in ihren Konzernen betrifft. Und der Schalk in mir lacht hämisch auf … Doch noch ein paar Worte zu ausgewählten Musik. Klar stehen kinderbezogene Themen im Mittelpunkt und da hatte man durchaus ein gutes Händchen und so manch rare Sachen kann man da auch hören. So z.B. Lieder von Su Kramer, Julia Migenes, Nina Lizell, Nadja Tiller + Walter Giller, Hildegard Knef oder Erika Pluhar …

Aber, und das muss auch gesagt werden: Gelegentlich wird die Schmerzgrenze zum Kitsch ganz gewaltig überschritten („Hey Yvonne“ oder „So wie dein Daddy“)

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Bedauerlicherweise ist die Qualität dieses Vinyl-Rips gelegentlich arg durchwachsen …  aber so ist das halt bei alten Schallplatten … überwiegend lässt sie sich aber ziemlich störungsfrei anhören … Viel Vergnügen !

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Titel:
01. Su Kramer: Wo liegt m Sommer der Schnee (Rehbein/Kramer/Francis) 4.12
02. Julia Migenes mit Tochter Martina:  Aba Heidschi-Bumbeidschi (Volksweise) 3.35
03. Gunter und Yvonne Gabriel: Hey, Yvonne (Warum weint die Mammi) (G.Gabriel/Y.Gabriel) 3.45
04. Nina Lizell: Ich Wünsch mir ein Kind von dir (Siegel/Meinunger/Daum) 4.00
05. Nadja Tiller + Walter Giller: Meine Tochter, deine Tochter (Niessen/Weyrich) 3.58
06. Mary Roos:  Paff, der Zauberdrache (Yarrow/Coplet/Wilden) 3.58
07. Hildegard Knef: Christina (Humphries/Knef) 3.48
08. Wencke Myhre: So wie dein Daddy (Adrian/Dahmen/Faltermeier) 3.00
09. Michael Holm: Wunschkind (Pietsch/Holm) 2.46
10. Lena Valaitis: O Mein Papa (Burkhardt/Rödelberger) 4.12
11. Michael Schanze: Das Kind mit dem Tambourin (Weindorf/Kuntze) 5.02
12. Erika Pluhar: Die Lehren Einer Mutter An Ihre Töchter (Datin/Dabadie/Heller/Wolf) 4.30

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