Checkpoint Charlie – Frühling der Krüppel (1978)

FrontCover1Checkpoint Charlie war eine der ersten deutschsprachigen Rockbands und hauptsächlich aktiv in den späten 1960er, 1970er und frühen 1980er Jahren, die vor allem sozialkritische und satirische Texte in der Rockmusik verwendete. Durch zahlreiche Auftritte gehörte Checkpoint Charlie Ende der 1960er Jahre zum festen Bestandteil der studentischen Oppositionsbewegung.

Checkpoint Charlie entstand 1966 in Karlsruhe aus einer Begegnung von Harald Linder und Uwe von Trotha. Schnell kam die Idee lyrisches u. a. von Bertolt Brecht und François Villon mit Beatmusik zu verbinden.[1] Neue Bandmitglieder waren Joachim „Krebssalat“ Krebs und Werner Heß. 1969 traten sie auf dem letzten Burg Waldeck Festival auf. Ihre erste LP erschien 1970 in Eigenproduktion und enthielt einen Mitschnitt eines Konzertes an der Uni Erlangen. In ihrer damaligen Rock-Operette „Scheiße“ befassten sie sich mit Problemen des Umweltschutzes.

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Checkpoint Charlie, 1971

Es folgte der erste Prozess gegen die Band aufgrund einer Schwarz-Rot-Goldenen Kloschüssel. Als Beispiel für die deutsche Rockszene und den Begriff „Rock und der Anspruch kultischer Aufklärung“ fand Checkpoint Charlie 1971 Eingang in die 13-teilige NDR-Sendereihe Sympathy for the Devil, wurde allerdings größtenteils nachträglich herausgeschnitten. Nach einer kurzzeitigen Auflösung der Gruppe probte Checkpoint Charlie 1972 auf der Burg Waldeck für ihr Programm „Notwehr“. Die Tournee sollte vom Verband der Kriegsdienstverweigerer finanziert werden, dieser sprang jedoch kurz vor Beginn ab, was große finanzielle Probleme zur Folge hatte. Trotzdem spielte Checkpoint Charlie in kleinerer Besetzung in über 100 Städten der BRD, löste sich aber 1973 auf.

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Checkpoint Charlie als Teil einer Kommune

1977 gründeten Uwe von Trotha und Joachim Krebs die Gruppe neu und beteiligten sich an dem Umsonst und Draußen Festival 1977 in Vlotho und den Folgeveranstaltungen in Porta Westfalica 1978[2] und 1979.[5] Die zweite LP entstand acht Jahre nach der ersten unter dem Namen Frühling der Krüppel auf dem unabhängigen Label Schneeball,[2] bei dem auch befreundete Gruppen wie Embryo, Ton Steine Scherben und Missus Beastly mitwirkten.[6] Die Band gründete die „Familie Hesselbach Kommune“ im nordpfälzischen Bisterschied.[7] Die 1979 erschienene LP, aufgrund des transparenten Vinyls und Covers meist „Die Durchsichtige“ genannt, enthielt neben zwei Studioaufnahmen drei Liveaufnahmen. 1980 kamen sie aufgrund eines „Franz Josef“ genannten Pappschweines in erneute rechtliche Schwierigkeiten. Die Staatsanwaltschaft nahm ein Konzert vom 28. Juli 1979 beim „Burghaldefest“ in Kempten zum Anlass, die Gruppe wegen Beleidigung des bayrischen Ministerpräsidenten Franz Josef Strauß zu verklagen. Die 1981 erschienene LP Krawall im Schweinestall griff diesen Vorfall sowohl in den Liedern als auch im 8-Seitigen Booklet auf. 1982 erschien die LP Feuer und Flamme, danach zog sich die Band zurück.

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In den 1990er Jahren ging Uwe von Trotha mit Musiker Therofal erneut auf Tournee und veröffentlichte mit weiteren Freunden das Album Echtes Liveblocking Gurglersinfonie.[9]

2002 kam es zur erneuten Wiederbelebung der Band mit einem Konzert beim Burg-Herzberg-Festival und einer kleinen Tournee. (wikipedia)

Und so stellten sie sich selbst dar:

Seit 1967 nehmen die Mannen um Uwe von Trotha „Spießer, kalte Krieger, verkalkte Offiziere, ganz bestimmte Politiker und Schreibtischtäter mit Unterleibern von Käthe-Kruse-Puppen“ aufs Korn – in wechselnden Besetzungen und mit längeren Schaffenspausen. Aber es gibt den Checkpoint Charlie trotz Wiedervereinigung noch immer, demnächst mit neuer CD.

CHECKPOINT CHARLIE:
Die Undercover ROCK Agenten
Wenn man den Namen Checkpoint Charlie hört, denkt man natürlich als Erstes an den
ehemaligen Grenzübergang in Berlin. Aber der ist hier natürlich nicht gemeint.

CHECKPOINT CHARLIE ist eine Pfälzer-Band aus den hippigen 70ziger Jahren, die 1978 als neues Bandmitglied eine rosa Pappsau mit dem Namen „Franz-Josef“ in den Bandbus packte und sie bei ihren Konzerten immer einmal über die Bühne trieben, damit ihr nicht die Füsse einschliefen. Irgendwo in Bayern geschah es dann, dass sich ein aufrechter Landsmann durch den Anblick der Sau und die Namensgleichheit mit dem damaligen Ministerpräsidenten, so in seiner Ehre verletzt fühlte, dass er die Begebenheit dem Verfassungsschutz meldete und dieser zu dem Schluss kam, es müsse sich dabei tatsächlich um eine Verschwörung gegen ihren so geliebten Ministerpräsidenten handeln.
Nach langem Hin + Her wurde CPC vom dem Kemptener Amtsgericht verurteilt in Zukunft die Sau zuhause zu lassen und eine Geldstrafe von damals 15000.- DM wegen Beleidigung an Herrn Franz-Josef Strauss zu zahlen. Dies ging damals natürlich durch die deutsche Presse und war ein positiver Beitrag für die Popularität der Anarcho-Kapelle CHECKPOINT CHARLIE. Aber nicht nur durch diese Aktion, sondern auch durch ihre eigenwilligen Texte und unverblümten Interpretationen waren die Konzerte von CPC ein Happening der anderen Art. Die Shows von Jürgen Bräutigam, Lothar Stahl, Wilfried Sahm um den Frontmann Uwe von Trotha waren prägend für den Begriff „Subkultur von unten“ ! (schneeball-records.de)

Hier ihr zweites Album aus dem Jahr 1978 (das erste erschien bereits 1970 unter dem Titel „Grüß Gott mit hellem Klang“)

Ihre LP „Frühling der Krüppel“ erschien 1978 bei Schneeball Records (Musik im Vertrieb der Musiker) und hat Beschreibungen vom „Wahnsinn des deutschen Alltags“ zum Inhalt. Auf nur drei Titeln prangern sie mit hintergründiger Ironie den Konsumterror an („Wenn sie dich verkaufen wollen, laß dich nicht von ihrem Wahnsinn überrollen“, zeichnen das Leben „Vom Fritzle“ nach („Er gewöhnt sich jetzt das denken ab“) und offerieren unverständliche Philosophien („Du schwarzer Spaziergänger mit den unparfümierten Gesichtszügen; der Stein in deinem Kopf, ein versteinerter Traum, ist wie die Steine dieser Stadt“) (Günter Ehnert)

In der Tat: Die Texte sind mehr als einmal eher sperrig, zuweilen platt … okay, nennen wir sie anarchistisch … und das ist ja mal per se auch eine Form, sich künstlerisch auszudrücken.

Zufriedener macht mich jedoch die Musik, die kann man als durchaus veritablen Rock, gelegentlich auch als Jazz-Rock benennen.

Auf jeden Fall sind und bleiben Checkpoint Charlie schon ne rechte Chaos-Truppe …

BackCover

Besetzung:
Jürgen Bräutigam (bass, vocals, noises)
Joachim Krebs (keyboards, synthesizer)
Wilfried Sahm (guitar, effect (Lemon Sound Phasing), background vocals)
Lothar Stahl (drums, percussion, noises)
Uwe von Trotha (vocals)

Booklet

Titel:
01. Haben Rock 9.31
02. Die Geschichte vom Fritzle 13.03
03. Frühling der Krüppel 22.53

Musik: Jürgen Bräutigam – Joachim Krebs – Wilfried Sahm – Lothar Stahl – Uwe von Trotha
Texte: Uwe von Trotha

LabelB1

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