Chiemgauer Akkordeonorchester – Chiemgauer Akkordeonorchester (1989)

FrontCover1Einerseits ist diese MC schon ein wenig drollig, andererseits weiß sie durchaus zu überraschen und mit bestimmten bayuwarischen Klischees aufzuräumen.

Fangen wir mal mit dem Ende des Chiemgauer Akkordenorchesters an:

„Meine Ära ist jetzt zu Ende“

Ulrich Membré legte nach 32 Jahren die Leitung des Chiemgauer Akkordeonorchesters nieder

Traunstein (awi). Rocco Granatas 50er-Jahre Evergreen „Marina“ gab mit seinem markanten Akkordeonsolo den Ausschlag für eine besondere musikalische Tätigkeit: „Papa, ich möchte gern Akkordeon lernen“, sagte der vierjährige Bub Ulrich Membré zu seinem Vater. Aus dem lernwilligen jungen Akkordeonspieler wurde ein Vollblutmusiker, den die regionalen Musikfreunde vor allem als Leiter des Chiemgauer Akkordeonorchester kennen. 32 Jahre leitete Membré das beliebte Orchester. Jetzt hat er die Leitung des Orchesters niedergelegt.

Es ist eine ganz eigene Geschichte, die den musikalischen Werdegang des Orchesters – und damit auch seines Leiters – prägte. Kein Verein, keine Musikschule, in der begabte Schüler spielen konnten, und auch keine öffentlichen Zuschüsse stehen hinter dem Erfolg der Künstler, in deren Repertoire Gospels und jazzige wie auch klassische Stücke sind. Laut Orchesterchronik wurde bereits 1975 ein Akkordeonorchester gegründet, das aber nach einigen Jahren wieder aufgelöst werden sollte. Das änderte sich, als Membré den Taktstock und die Organisation der Konzerte übernahm. Schon bald stellten sich landesweite und internationale Erfolge und Auftrittsmöglichkeiten ein.

Das Orchester habe sich stets durch eigenes Engagement der Mitglieder getragen, erklärte Membré. „Es war letztlich mein eigenes Orchester“, sagt er und ist stolz, viele junge Musiker über einen langen Zeitraum mitbegleitet und geführt zu haben. „Ich fühle mich schon ein bisschen als Steigbügelhalter für die Jugend und konnte so manches Kind musikalisch bis zur Studienreife bringen“, sagt er.

Membre2013_02

Nach dem Ende der  »Chiemgauer Akkordeonorchesters«. gründete Ulrich Membré dann 2013 ein Ensemble das sich  »Amici Fisarmonica« nannte.

Der gebürtige Planegger, der nach der Schulzeit Geige und Klavier studierte, zog in den 70ern nach Vachendorf und arbeitete zunächst bei der Musikschule Traunwalchen, bevor er mehr als zwei Jahrzehnte Akkordeonlehrer in der Musikschule Inzell war. Im Deutschen Harmonikaverband wurde er zum ehrenamtlichen Bezirksvorsitzenden ernannt.

„Neben der Ausbildung und dem Fördern der Teamfähigkeit war mir soziales Engagementimmer wichtig. Die Einnahmen aus den Auftritten wurden fast ausschließlich wohltätigen Zwecken zur Verfügung gestellt“, so Membré. Das Orchester hat mit seinen vielen Konzerten, die bis auf wenige internationale Einsätze in der Region stattfanden, stets soziale Projekte unterstützt und finanzielle Hilfen für Menschen in Notlagen im Landkreis „erspielt“.

Für den „Macher“ des Akkordeonorchester wichtig und zugleich mit einer schweren persönlichen Zeit verbunden war das Benefizkonzert für die Krebspatienten der Kreiskliniken Traunstein und Trostberg, das einen Reinerlös von 8000 Euro erbrachte. Auch Membrés Frau ist an Krebs verstorben. Das Orchester habe weitergemacht, ihn in der schweren Zeit „mitgetragen“.

Fast schon wehmütig klingt es, wenn er nach 32 Jahren Leitung des einzigen symphonischen Akkordeonorchesters im südostbayerischen Raum, das Originalsätze gespielt hat, kurz und knapp betont: „Meine Ära ist zu Ende und mein Orchester gibt es jetzt nicht mehr.“ Er hat seine Arbeit aus persönlichen und gesundheitlichen Gründen beendet. Ein „weiter so wie bisher“ wird es beim Chiemgauer Akkordeonorchester nicht mehr geben, auch wenn Dr. Martin Schultheiß als Nachfolger zur Verfügung steht. „Aber die Gruppierung muss sich neu bilden“, betont Membré.

Die Verantwortung für das Orchester sei etwas Wertvolles in seinem Leben gewesen, habe aber auch viel Zeit und Kraft gekostet. Jede Woche wurde im Vachendorfer Pfarrheim geübt, dazu immer ein bis zwei Monate intensive Vorarbeit vor den Konzerten. Das Orchester habe vor jedem Konzert immer rund ein Jahr Vorbereitungs- und Übungszeit gebraucht – „und dann ist alles in zwei Stunden vorbei“. (Chiemgauer Heimatzeitung)

Das klingt alles schon ein wenig frustriert und auch verbittert … Dabei ist zumindest diese MusikCassette durchaus ambitioniert gewesen: Der musikalische Bogen spannt sich von einem Präfugium über ein West Side Story – Medley über den Radetzky Marsch bis hin zuRock Around The Clock … da kann man schon sagen: Respekt für diese musikalische Bandbreite ! Und von daher freue ich mich mal wieder, ein musikalisches Schmankerl der raren Art hier präsentieren zu können.

Und immerhin: 2013 trat Ulrich Membré wieder mal musikalisch in Erscheinung und zwar in einem Konzert im Café Tres, Traunstein/Obb. und bot dort wieder mal sehr abwechslungsreiche Musik: „Almwalzer, steirische Polka, sizilianische Walzer, Musettewalzer, Tangos, Rumba, Czardas, sogar Bluesmusik mit dem Gastmusiker Gerhard Mayer an der Bluesharp und einen »Boogie Chromatica« mit dem kleinen Max, einem Buben im Grundschulalter, stellten die Musikanten dem meist andächtig lauschendem Publikum vor.“ (Traunsteiner Tagblatt, 10.Mai 2013)

BackCover1

 

Besetzung:
Chiemgauer Akkordeonorchester unter der Leitung von Ulrich Membré

 

Membre2013

Ulrich Membré (3. v.l.) im Café Tres, Traunstein/Obb

Titel:
01. West Side Story (Medley) Bernstein) 10.10
02. Eine Nacht in Monte Carlo (Herold) 2.38
03. Valencia (Padilla) 2.22
04. Espana (unbekannt) 2.32
05. Präfugium (Bach) 5.00
06. La Danza (Rossini) 3.22
07. Radetzky Martsch (Strauß) 2.35
08. Alles Macht mit (unbekanntz) 3.58
09. Rock Around The Clock (Freedman) 2.41

MC1A

*
**

Da kann es einer nicht lassen:

Membre2013_03

Quelle: berchtesgadener-anzeiger.de