Eden – Erwartung (1978)

FrontCover1Bandname (Eden) und Titel des Albums (Erwartung) lassen es schon ein wenig erahnen.

Hier begegnen wir einem jener Versuche, die christliche Botschaft mit Rockmusik zu kombinieren und das – um es mal vorwegzunehmen, gar nicht mal so schlecht … zumindest im Bezug auf das musikalische Erlebnis.

Schon lange vor einem Neal Morse gab es in deutschen Landen mit Eden eine Gruppe, die in symphonisch-rockigen Klangbildern ihre Musik dem christlichen Glauben unterordnete. Die Band kam aus Lüdenscheid und formierte sich 1977, um die europäische Artrocktradition mit christlichen Texten zu verbinden. Das Debütalbum „Erwartung“ stammt aus dem Jahre 1978 und lässt sich stilistisch irgendwo zwischen Novalis sowie Hölderlin einordnen. Romantische Melodiebögen, die mit elegischem Flötenspiel und beherzten Geigeneinsätzen eine klassische Komponente besitzen, dominieren das Album.

Bereits der getragene Opener „Spätregen“ überzeugt mit breitflächigen Synthieteppichen, auf denen sich entrückt vorgetragene Flöteneinsätze betten. Ganz behutsam wird hier im noch leichten Pathos eine wehleidig-romantische Stimmung aufgebaut. Das E-Piano perlt bedächtig vor sich hin und ebnet angenehmen Gesangslinien den Weg, die sich hier noch in verhaltener Lobpreisung präsentieren. Wohl akzentuierte Gitarrenriffs erweitern das ausgewogene Klangbild.

Nachfolgend wird im Titelsong „Erwartung“ eine Bibelpassage zitiert, die wohl aus der Apokalypse stammt. Unerwartet tritt auch mit einer Sitar ein fernöstliches Element in das musikalische Geschehen ein. Schöner Chorgesang unterstreicht die religiöse Ausrichtung des musikalischen Gesamtkonzepts und rückt das Album in federleichter Symphonik vollends in sakrale Gefilde.

Es darf nicht verschwiegen werden, dass es Eden mit ihrem religiösen Eifer und Überschwang insgesamt doch übertrieben haben. Der nachfolgende Textausschnitt unterstreicht, dass die biblische Botschaft zu sehr in den Vordergrund gerückt wurde.

„Weißt Du, was dort geschah, damals auf Golgatah? unser Herr starb für dich, vergoss sein Blut für dich, bahnte den Weg zurück, den Weg zum ewgen Glück, zum Vater.“

Auch die Rezitation im Fall der musikalischen Umsetzung der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies ist mit einem kaum in Worte zu fassenden Pathos versehen, das den Hörer unweigerlich von dem schönen symphonischen Wohlklang ablenkt. Vor allem der süßliche Chorgesang wirkt in seiner verklärten Eindringlichkeit reichlich übertrieben und scheint wohl auf eine damalige Livedarbietung vor diversen freikirchlichen Gemeinden prädestiniert gewesen zu sein.

Eden

Versucht man das Für und Wider der religiösen Ausrichtung der Musik von Eden ganz auszuklammern, hinterlässt dieses Erstlingswerk durchaus einen positiven Eindruck und bietet typischen Symphonic Rock der ausklingenden 70er Jahre. Mit dem Longtrack „Ein anderes Land“ klingt die Platte im standesgemäßen Überschwang aus. Kurzzeitig driftet das Ganze auch ein wenig in den Bereich eines religiösen Edelkitsches. (Horst Straske)

Und in der Tat: die Texte sind mehr als ärgerlich. Ich lass mir ja die christliche Botschaft eingehen (wenn´s denn sein muss), aber diese pathetische Jenseits-Sehnsucht hat sich mir noch nie entschlossen … denn die christliche Botschaft hat erstmal mit dem irdischen Dasein zu tun … und nicht mit kitschigen Phantasien ala Zeugen Jehovas (wo dann der Löwe friedlich neben dem Schaft im Gras liegt)

Und die unsägliche Vertreibung aus dem Paradies derartig grobschlächtig (wohl gemerkt: ich meine den entsprechenden Text !) zu thematisieren, spottet schon fast jeder Beschreibung … man erinnerte sich: Eva wollte vom „Baum der Erkenntnis“ essen … pfui Deibel … soweit kommt´s noch …

Aber: wenn die christlichen Gesängen endlich mal schweigen … dann hört man z.T. großartige Musik … Prog-Rock auf hohem, z.T. sehr hohem Niveau … umso ärgerlicher, dass einem selbst dies verleidet wird, ob der hanebüchenen Texte …
Hüllentext1

Aha …

Besetzung:
Michael Claren (bass, vocals)
Michael Dierks (keyboards, strings vocals)
Hans Fritzsch (guitar)
Hans Müller (drums, percussion)
Mario Schaub (flute, clarinet, saxophone, vocals)
Dirk Schmalenbach (violin, piano, Synthesizer, guitar, sitar, percussion, vocals)
+
Michael Wirth (percussion)
+
background vocals:
Anne Dierks – Annette Schmalenbach – Markus Egger

BackCover1
Titel:
01. Spätregen (Schmalenbach) 7.14
02. Erwartung (Schmalenbach) 6.47
03. Eden, 1. Teil (Dierks) 4.39
04. Eden, 2. Teil (Dierks) 6.17
05. Ein anderes Land (Schmalenbach) 16.37

LabelB1

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AnotherEden

Another Eden … ist mir dann doch lieber … kleiner derber Scherz meinerseits (Albumcover von „East Of Eden“)

 

 

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