Verschiedene Interpreten – Das neue Lied – Auswahl I (1968)

FrontCover1Wenn ich mal viel Zeit, könnte ich ja mal so ne Art Seminararbeit schreiben mit dem Thema „Das christliche Lied im Laufge der Zeit“ (unter besonderer Berücksichtigung der 60er Jahre *ggg*)

Hier hätten wir ein ganz besonders feines Beispiel:

Da haben wir massenhaft religiöse Texte (unter Einbeziehung der Schuld, die dann von Gott vergeben wird) … und dieses für mich naive Gottesvertrauen bleibt mir weiterhin fremd. Aber anhand dieser Texte lässt sich sehr gut, die christliche Philosophie bzw. Ideologie studieren.

Dann haben wir aber zum anderen die Musik … und die kann sich z.T. zumindest hören lassen.

Dies gilt insbesondere für die Aufnahmen des Wolfgang Lauth Sextett:

Wolfgang Lauth (* 15. Mai 1931 in Ludwigshafen; † 30. August 2011 in Mannheim) war ein deutscher Jazzmusiker (Pianist, Bandleader, Komponist).
Inhaltsverzeichnis

Nach dem Studium an der Musikhochschule in Mannheim gründete er ein Quartett, dem zunächst Werner Pöhlert (Gitarre), Wolfgang Wagner (Bass) und Joe Hackbarth (Schlagzeug) angehörten, und das sich dem Cool Jazz widmete. Für den Hauspianisten des Heidelberger Cave 54 wurden die Jazzfestivals in Frankfurt am Main zum Sprungbrett in die nationale Szene: 1955 und 1956 wurde er zum Jazzmusiker des Jahres gewählt. Das Wolfgang-Lauth-Quartett erinnerte nun nicht nur von der Besetzung her an das Modern Jazz Quartet, da Lauth auch eine Vorliebe für Barockmusik pflegte. 1956/57 ging Lauth mit Joachim-Ernst Berendt auf eine Tournee unter dem Motto „Jazz und Alte Musik“, die mit 150 Vorstellungen zum erfolgreichsten Projekt der deutschen

Wolfgang Lauth

Wolfgang Lauth

Jazzföderation wurde und für den LP-Mitschnitt 1958 den Preis der Deutschen Schallplattenkritik erhielt. 1957 veränderte sich der Sound der Band: Anstelle der Gitarre ertönte nun das Vibraphon von Fritz Hartschuh; als Bassist war nun Wolfgang Wagner tätig. Für eine Erweiterung der Gruppe zum Septett wurden Albert Mangelsdorff, Joki Freund und Gerald Weinkopf verpflichtet.

Statt amerikanische Standards zu spielen, spezialisierte sich Lauth auf Originalkompositionen, verjazzte aber auch deutsche Operetten- und Schlagermelodien wie „Kauf Dir einen bunten Luftballon“. Durch seine Verbindung von Jazz und Barockmusik sowie Musical- und Schlagermelodien erlangte Lauth große Popularität. Zwischen 1965 und 1967 schuf Lauth drei viel beachtete Ballett-Kompositionen für das Nationaltheater Mannheim, die er mit seinem Jazz-Ensemble, dem neben Hartschuh auch Emil Mangelsdorff und Sigi Schwab angehörten, mehr als 130 Mal aufführte. Bei den Donaueschinger Musiktagen 1967 wurde seine Kantate „Denn Liebe ist stark wie der Tod“ für Chor und Jazz-Ensemble uraufgeführt (Schallplatte 1968). Daneben nahm er auch mit dem Organisten Klaus Wunderlich auf. Ende der 1960er Jahre zog er sich zunächst aus dem aktiven Jazz-Geschehen zurück. In den letzten Jahren ist Lauth wieder mit den Jazz Seniors von Fritz Münzer aufgetreten.

Wolfgang Lauth2.jpgWolfgang Lauth war für die Musik von Manfred Baiers für die BASF produzierten Dokumentarfilm „Um Jahrmillionen voraus“ („Millions of Years Ahead of Man“) über die südamerikanische Blattschneiderameise verantwortlich, der 1976 für den Oscar für den besten Dokumentar-Kurzfilm nominiert war.

Etwa 30 Jahre arbeitete Lauth unter der Leitung des Redakteurs Sigurd König für den damaligen SDR, Sendestelle Heidelberg, als musikalischer Leiter und Hauskomponist. Er schrieb in dieser Zeit unzählige Chansons für Interpreten wie Karin Eickelbaum, Doris Gallart, Iska Geri, Edith Hancke, Hanns Dieter Hüsch, Hans Korte, Otto Stern, Gerd Vespermann u. v. a.

1999 veröffentlichte Lauth seine Erinnerungen mit dem Titel These Foolish Things. (Quelle: wikipedia)

Und so hören wir gekonnt in Szene gesetzte Jazzmusik mit eltoichen solisitschen Ausflügen, da kann man doch glatt über den Text hinweghören.

Und dann ist noch die Eva Vargas:

Eva Vargas (* 20. September 1930 in Freiburg im Breisgau; † 28. Juni 2010 in Heidelberg) war eine deutsche Sängerin, Komponistin, Journalistin und bildende Künstlerin.

Eva Vargas lebte seit 1965 in Heidelberg, seit 1984 im Trafohaus des Heidelberger Stauwehrs bei Wieblingen. Sie nannte ihre selbst kreierte Kunst „Rest-Art“ und führte damit verbundene Ausstellungen und Aktionen mit ökologischen, humanitären und politischen Zielsetzungen durch. Ihre Tätigkeiten umfassten die Bereiche Literatur, Musik, Malerei, Gestaltung und Aktion. Sie war Inhaberin und Leiterin des Kleinsttheaters auf Rädern „Heidelberger Lumpen-Paradies“. Sie initiierte wiederholt Förderprogramme in Schulen, Jugend- und Strafanstalten.

Am 28. Juni 2010 starb sie an den Folgen einer Krebserkrankung. (Quelle: wikipedia)

Eva VargaS hat eine wirklich beeindruckende Entwicklung hingelegt … da gibt es z.B. ihr Bild „Orgasmus in grün“ …. ein weiter Weg  von christlichen Texten bis hin zu einer freien künstlerischen Entfaltung.

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Na ja, und dann noch „The Believers“, die gewannen beim 4. Preisausschreiben der Evangelischen Akademie Tutzing/Obb. den Förderpreis für christliche Beatmusik …

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Vermutlich aufgrund dieses Erfolges spendierte man ihnen diese Single, die auch auf diesem Sampler zu hören ist.

Musikalische Archäologen der 60er Jahren können hier also jede Menge rares Zeug entdecken … wenngleich man da dann doch textliche Banalitäten billgend in Kauf zu nehmen hat.

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Titel:
01. Wolfgang Lauth Sextett (*): Das Alte ist vergangen (Lauth/Lehmann/Jourdan) 3.27
02. Eva Vargas: Von Zeit zu Zeit (Vargas) 2.09
03. Wolfgang Lauth Sextett (*): Draußen vor der Kirchentür (Lauth/Lehmann/Jourdan) 3.26
04. The Believers: Er offenbart sich überall (Hein/Bader) 2.04
05. Eva Vargas: Wenn Gott es will (Vargas) 2.05
06. The Believers: Einst war sie Welt (Stremmel) 2.17
07. Uwe-Borns-Chor: Diesen Tag, Herr (Schneider) 3.00
08. Musica Nova Chor Regensburg: Gott meint es gut mit dir (Schneider) 1.40
09. Wolfgang Lauth Sextett (*): Beth-Lehem (Lauth/Lehmann/Juhre) 3.33
10. Uwe-Borns-Chor: Bleibe bei uns, Herr (Schneider) 3.34
11. Wolfgang Lauth Sextett (*): Keiner kann von Worten leben (Lauth/Lehmann/Jourdan) 3.30
12. Motettenchor Pforzheim: Herr, wohin sollen wir gehen (Schweizer/Valentin) 2.37
13. Musica Nova Chor Regensburg: Laß uns spüren, daß du da bist (Zoller) 2.17
14. Musica Nova Chor Regensburg: Weil du „Ja“ zu mir sagst (Blarr/Heuser) 1.34
15. Motettenchor St. Matthäus München: Danke (Schneider) 1.47

(*) Das Wolfgang Lauth Sextet wird gesanglich unterstützt von der „Hann. Mündener Kantorei“.

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Unfreiwillig komisch … dieser Text zur Existenzbererechtigung der „Beat Musik“

 

Eden – Erwartung (1978)

FrontCover1Bandname (Eden) und Titel des Albums (Erwartung) lassen es schon ein wenig erahnen.

Hier begegnen wir einem jener Versuche, die christliche Botschaft mit Rockmusik zu kombinieren und das – um es mal vorwegzunehmen, gar nicht mal so schlecht … zumindest im Bezug auf das musikalische Erlebnis.

Schon lange vor einem Neal Morse gab es in deutschen Landen mit Eden eine Gruppe, die in symphonisch-rockigen Klangbildern ihre Musik dem christlichen Glauben unterordnete. Die Band kam aus Lüdenscheid und formierte sich 1977, um die europäische Artrocktradition mit christlichen Texten zu verbinden. Das Debütalbum „Erwartung“ stammt aus dem Jahre 1978 und lässt sich stilistisch irgendwo zwischen Novalis sowie Hölderlin einordnen. Romantische Melodiebögen, die mit elegischem Flötenspiel und beherzten Geigeneinsätzen eine klassische Komponente besitzen, dominieren das Album.

Bereits der getragene Opener „Spätregen“ überzeugt mit breitflächigen Synthieteppichen, auf denen sich entrückt vorgetragene Flöteneinsätze betten. Ganz behutsam wird hier im noch leichten Pathos eine wehleidig-romantische Stimmung aufgebaut. Das E-Piano perlt bedächtig vor sich hin und ebnet angenehmen Gesangslinien den Weg, die sich hier noch in verhaltener Lobpreisung präsentieren. Wohl akzentuierte Gitarrenriffs erweitern das ausgewogene Klangbild.

Nachfolgend wird im Titelsong „Erwartung“ eine Bibelpassage zitiert, die wohl aus der Apokalypse stammt. Unerwartet tritt auch mit einer Sitar ein fernöstliches Element in das musikalische Geschehen ein. Schöner Chorgesang unterstreicht die religiöse Ausrichtung des musikalischen Gesamtkonzepts und rückt das Album in federleichter Symphonik vollends in sakrale Gefilde.

Es darf nicht verschwiegen werden, dass es Eden mit ihrem religiösen Eifer und Überschwang insgesamt doch übertrieben haben. Der nachfolgende Textausschnitt unterstreicht, dass die biblische Botschaft zu sehr in den Vordergrund gerückt wurde.

„Weißt Du, was dort geschah, damals auf Golgatah? unser Herr starb für dich, vergoss sein Blut für dich, bahnte den Weg zurück, den Weg zum ewgen Glück, zum Vater.“

Auch die Rezitation im Fall der musikalischen Umsetzung der Vertreibung von Adam und Eva aus dem Paradies ist mit einem kaum in Worte zu fassenden Pathos versehen, das den Hörer unweigerlich von dem schönen symphonischen Wohlklang ablenkt. Vor allem der süßliche Chorgesang wirkt in seiner verklärten Eindringlichkeit reichlich übertrieben und scheint wohl auf eine damalige Livedarbietung vor diversen freikirchlichen Gemeinden prädestiniert gewesen zu sein.

Eden

Versucht man das Für und Wider der religiösen Ausrichtung der Musik von Eden ganz auszuklammern, hinterlässt dieses Erstlingswerk durchaus einen positiven Eindruck und bietet typischen Symphonic Rock der ausklingenden 70er Jahre. Mit dem Longtrack „Ein anderes Land“ klingt die Platte im standesgemäßen Überschwang aus. Kurzzeitig driftet das Ganze auch ein wenig in den Bereich eines religiösen Edelkitsches. (Horst Straske)

Und in der Tat: die Texte sind mehr als ärgerlich. Ich lass mir ja die christliche Botschaft eingehen (wenn´s denn sein muss), aber diese pathetische Jenseits-Sehnsucht hat sich mir noch nie entschlossen … denn die christliche Botschaft hat erstmal mit dem irdischen Dasein zu tun … und nicht mit kitschigen Phantasien ala Zeugen Jehovas (wo dann der Löwe friedlich neben dem Schaft im Gras liegt)

Und die unsägliche Vertreibung aus dem Paradies derartig grobschlächtig (wohl gemerkt: ich meine den entsprechenden Text !) zu thematisieren, spottet schon fast jeder Beschreibung … man erinnerte sich: Eva wollte vom „Baum der Erkenntnis“ essen … pfui Deibel … soweit kommt´s noch …

Aber: wenn die christlichen Gesängen endlich mal schweigen … dann hört man z.T. großartige Musik … Prog-Rock auf hohem, z.T. sehr hohem Niveau … umso ärgerlicher, dass einem selbst dies verleidet wird, ob der hanebüchenen Texte …
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Aha …

Besetzung:
Michael Claren (bass, vocals)
Michael Dierks (keyboards, strings vocals)
Hans Fritzsch (guitar)
Hans Müller (drums, percussion)
Mario Schaub (flute, clarinet, saxophone, vocals)
Dirk Schmalenbach (violin, piano, Synthesizer, guitar, sitar, percussion, vocals)
+
Michael Wirth (percussion)
+
background vocals:
Anne Dierks – Annette Schmalenbach – Markus Egger

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Titel:
01. Spätregen (Schmalenbach) 7.14
02. Erwartung (Schmalenbach) 6.47
03. Eden, 1. Teil (Dierks) 4.39
04. Eden, 2. Teil (Dierks) 6.17
05. Ein anderes Land (Schmalenbach) 16.37

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AnotherEden

Another Eden … ist mir dann doch lieber … kleiner derber Scherz meinerseits (Albumcover von „East Of Eden“)