Deller Consort London & Collegium Aureum – Musik an Notre Dame in Paris um 1200 (1966)

FrontCover1Das sind schon so die faszinierenden Seiten der Musikgeschichte und in die steigen wir im heutigen Sonntagsunterricht tief ein:

Die Notre-Dame-Epoche oder Notre-Dame-Schule ist der Zeitraum der ersten Hochblüte mehrstimmiger mitteleuropäischer Musik, etwa von 1160/1180 bis 1230/1250.

Der Name bezeichnet sogleich das (bzw. ein) Zentrum der gemeinten Musikpraxis: Die Kathedrale Notre Dame in Paris. Der Bau von Notre Dame wurde 1160/61 durch Bischof Maurice de Sully beschlossen. Baubeginn war im Jahre 1163, Altarweihe im Jahre 1182. Zu jener Zeit wurde allerdings auch an anderen Orten die Weiterentwicklung mehrstimmiger Musik betrieben, etwa an der Kathedrale St. Martial zu Limoges, die dem vorangegangenen Zeitabschnitt ihren Namen gegeben hat (St.-Martial-Epoche oder St.-Martial-Schule), aber auch in Beauvais und Sens.

Doch Paris wurde zum Zentrum der Weiterentwicklung der Polyphonie. Die dort entstandenen Werke wurden bis ans Ende des 14. Jahrhunderts in ganz Europa kopiert. Theoretiker setzten sich mit der Satztechnik der Pariser Meister auseinander und dokumentierten die Regeln der Komposition.

Auch in der Literatur, der Philosophie und in weiteren Wissenschaften nahm Paris eine Spitzenposition ein, weswegen man auch von „Paris expers Paris“ (Paris ohne Gleichen), „Mater artium“ (Mutter der Künste) oder einem „Secunda Athena“ (ein zweites Athen) sprach. Die Pariser Universität wurde zur bedeutendsten im westlichen Europa, die besten Denker jener Zeit sammelten sich dort. Handel, Stadtbau und städtisches Leben führten zu einem neuen Lebensstil. König und Kirche organisierten ihre Macht zentralistisch um die junge Metropole. Die Vormachtstellung in Wissenschaft und Kunst strahlte in das christliche Abendland hinein, Paris wird zum Vorbild für Europa.

In der Notre-Dame-Epoche treten erstmals Komponisten aus dem Schatten der Anonymität heraus. Es sind dies vor allem Leonin (Leo, Leoninus magnus) und Perotin (Pierre, Perotinus magnus), die an Notre Dame de Paris tätig waren. Auch Philippe le Chancelier gehört in dieses Umfeld.

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Das Organum erreicht in der Notre-Dame-Epoche seinen Höhepunkt mit bis zu vierstimmigen Gattungsexemplaren. Ferner entstehen Conductus und Motetten. – Auch die weltlichen Gattungen Chanson und Estampie werden gepflegt. Als Satztechnik kommt der Hoquetus auf, manchmal wird dieser auch als Gattungsname verwendet. (Vergleiche „Kanon“ oder „Fuge“ – auch das sind zunächst Satztechniken, aber auch Gattungen.) Auch die Clausula, ein mehrstimmiger melismatischer Abschnitt in einem Gregorianischen Choral, gehört zu den Phänomen der Notre-Dame-Schule. Vielleicht will man hier aber nicht unbedingt von einer Gattung sprechen. (capriccio-kulturforum.de)

Und hier hören wir Werke aus dieser sog. „Notre-Dame-Epoche“, aufgeführt von dem Deller Consort und Mitgliedern des des Collegium Aureum.

Alfred Deller (* 31. Mai 1912 in Margate; † 16. Juli 1979 in Bologna) war ein englischer Sänger (Countertenor).

Alfred Deller sang zuerst als Knabensopran. Später entwickelte er sich zum Altus und trat in den Chören der Canterbury-Kathedrale und in St. Paul auf. 1948 hatte er in London unter seinem Förderer Michael Tippett seinen ersten Soloauftritt. 1946 sang er erstmals im britischen Rundfunk, seit 1947 wirkte er als Chordirigent der St. Paul’s Cathedral. Seine Countertenor-Stimme erlernte er autodidaktisch, indem er mit seiner Tenorstimme in Alt-Lage sang.

Deller setzte in seinem Repertoire zunächst einen Schwerpunkt auf die englische Musik des Barock. Um 1950 gründete er das Deller Consort, ein Vokal- und Instrumentalensemble, das sich der frühen englischen Musik widmete.

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Alfred Deller

Mehr als zwanzig Jahre lang ging das Ensemble auf Tournee und feierte mit seinen Interpretationen der englischen Renaissancemusik große Erfolge. Daneben umfasste sein Repertoire auch andere Kastratenpartien, etwa aus Opern von Georg Friedrich Händel. 1960 sang er bei Uraufführung A Midsummer Night’s Dream von Benjamin Britten, mit dem er befreundet war, den Oberon.

Deller, der erste wieder solistisch auftretende Counter-Tenor des 20. Jahrhunderts, machte seine Stimmlage auch außerhalb Englands wieder populär und war wesentlich dafür verantwortlich, dass Countertenöre heute in der Alten Musik eine bedeutende Rolle spielen.

Er starb auf einer Urlaubsreise in Italien. Er ist zusammen mit seiner Frau Peggy (1913–2006) begraben auf dem Dorffriedhof von Boughton Aluph bei Ashford, Kent. (Quelle: wikipedia)

Und zum besseren Verständnis dieser Musik noch folgende Informationen:

Das wichtigste Merkmal der Musik aus der Zeit zwischen 1160 und 1250 ist die Notation. Erstmals in der abendländischen Musikgeschichte war es möglich, rhythmische Verläufe exakt in Noten festzuhalten. Und das war die entscheidende Voraussetzung dafür, dass ein wirklich mehrstimmiger Gesang entstehen konnte. Nun konnten die Komponisten verschiedene Stimmen zueinander in Beziehung setzen.

Noten

Jede Stimme sollte für sich als Linie einen Sinn ergeben – und gleichzeitig einen harmonischen Zusammenklang mit den anderen Stimmen. Erreicht wurde diese neue Architektur der Töne durch die Anordnung von kurzen und langen Notenwerten in wiederkehrenden rhythmischen Mustern. Diese wurden übereinander gelegt wie „die Ziegel auf dem Dach“, wie es in einem zeitgenössischen Traktat heißt. Das Bild wirkt stimmig: Wie das Bauwerk selbst – in seinem ursprünglichen Zustand – besteht diese Musik aus Querverbindungen. (br-klassik.de)

Veröffentlicht wurde das Album von dem französischem Label „harmonia mundi“, das in Deutschland als „harmonia mundi Schallplattengesellschaft“ firmierte. Und deshalbt gibt es diese musikalische Kostbarkeit auch in diesem blog.

Die Innigkeit dieser Gesänge, aber auch der Begleitinstrumente mit den komischen Namen wie Diskantpommer (1) oder Regal (2) sind beeindruckend und bewegend. Und mit einer gewissen Verblüffung stelle ich fest, dass es für diese „alt Musik“ auch schon damals einen Kreis von Liebhabern gegeben hat, sonst wäre solche LP mit deutschem Hüllentexxt wohl nicht erschienen.

Und bei mir bleibt tiefe Ergriffenheit zurück.

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Besetzung:

Deller Consort (London):
Maurice Bevan (Bariton)
Wilfred Brown (Tenor)
Alfred Deller (Contratenor)
Gerald English (Tenor)

Mitglieder des Collegium Aureum:
Rudolf Ewerhart (Regal)
Helmut Hucke (Diskantpommer)
Johannes Koch (Flöte, Regal)
Hans-Martin Linde (Flöte)
Ilse Brix-Mejnert (Fidel)
Albrecht Renz (Zink)

Aufnahmeleitung: Dr. Alfred Krings
Abteikirche Knechtsteden bei Köln 12./13. X. 1960 [A]
Stiftskirche, Fröndenberg 9./10. I. 1961 [B]
Südwest-Tonstudio, Stuttgart

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Titel:
01. Graduale: Viderunt omnes (Perotinus) 10.20
02. Alleluja Christus resurgens mit Klausel „Mors“ (Anonym) 4.42
03. Alleluja. Nativitas (Perotinus) 6.43
04. Graduale: Sederunt principes (Perotinus) 10.44
05. Pater noster commiserans (Anonym) 5.31
06. Dic Christi veritas (Anonym) 2.38

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(1) Diskant bezeichnete ursprünglich ab dem Beginn des 17. Jahrhunderts das höchste Instrument der in Chören gebauten Musikinstrumente, z. B. Diskantpommer oder Diskantgambe.

Diskantpommer

Der Tonumfang dieser Instrumente lag in der oberen Hälfte des gesamten Tonbereichs, teilweise oberhalb der Singstimme. Für heutige Instrumente, die nur noch in Ausnahmefällen in Stimmfamilien gebaut werden (z. B. Blockflöten, Saxophone), wird eher der Begriff Sopran verwendet.

(2) Das Regal ist ein Tasteninstrument. Es ist eine tragbare Kleinorgel, die nur mit Zungenpfeifen bestückt ist. Der Name ist vermutlich von „rigole“ herzuleiten, die altfranzösische Bezeichnung für „Kehle“ bei Zungenstimmen. Denkbar wäre auch die Ableitung von „regalis“ (königlich), da Kaiser Maximilian I. ein solches Instrument als Geschenk erhielt.

Ein Regal besteht aus einem schmalen Kasten, der die Windlade mit den Zungenpfeifen enthält. Davor ist die Klaviatur, dahinter sind zwei Keilbälge angebracht, die nicht vom Musiker, sondern von einer zweiten Person (dem Kalkanten) bedient werden. Das Regal wird zum Spiel auf einen Tisch gesetzt. Weil das Gewicht der beiden Bälge nicht reicht, um den nötigen Winddruck zu erzeugen, werden am Balgende jeweils Gewichte aufgelegt.

Regal

Als sogenanntes Bibelregal wird ein Regal bezeichnet, wenn die Tastatur samt Pfeifen in den klappbaren Bälgen verstaut werden kann. Diese Bälge sind dann als „Buchhälften“ gestaltet. Das Instrument hat, dem Namen nach, nur noch Größe einer Bibel, und sieht (von hinten) auch so aus. Das Regal erfreute sich nicht nur in der Kirchenmusik, sondern auch in der Theater-, Tafel-, Tanz- und Hausmusik großer Beliebtheit, vor allem im 16. und 17. Jahrhundert. Im 18. Jahrhundert verlor das Regal an Beliebtheit, da seine obertonreichen, schnarrenden Töne nicht mehr dem Klangideal entsprachen.

Und nun Kinder, ist der Sonntagsunterricht vorbei und ihr dürft wieder spielen gehen …

 

Collegium Aureum – Cassation G-Dur + Cassation F-Dur (Joseph Haydn) (1963)

FrontCover1Nicht in meinem Keller, sondern in meinem Studier- und Arbeitszimmer stapeln sich seit geraumer Zeit Singles der gleichen Machart:

Klassische Köstlichkeiten, dargereicht als Werbegeschenk der Pharmazeutischen Industrie.

Hier zeigt sich die Rhein-Pharma Arzneimittel GmbH, Heidelberg (ich glaube, die gehören heute zu Boehringer).spendabel und zwar mit Werken von Joseph Haydn.

Den Begriff Cassation musste ich erst recherchieren, er war mir nicht geläufig:

Kassation (auch Cassation, Cassatio, Cassazione) ist ein musikalischer Gattungsbegriff.

Die Kassation wurde in der Musik des 18. Jahrhunderts gepflegt und zumeist für Aufführungen unter freiem Himmel komponiert. Sie stellt ein meist heiteres, mehrsätziges Werk für mehrere, meist solistisch besetzte Instrumente dar (ähnlich dem Divertimento, der Serenade oder dem Notturno; alle diese Begriffe wurden oft synonym verwendet). Häufig beginnt sie mit einem Marsch, insgesamt kann sie bis zu sieben Sätze umfassen.

Der Begriff lässt sich herleiten von ital. cassazione (Verabschiedung, Entlassung). Andere Ableitungsversuche, etwa von gassatim (Adverb, scherzhaft latinisierend von dt. Gasse gebildet) oder von ital. cassa (Kasse, Kiste, Gehäuse), treffen wohl nicht zu.

Kassationen schrieben beispielsweise Joseph Haydn, Michael Haydn, Wolfgang Amadeus Mozart, Carl Ditters von Dittersdorf und Antonio Salieri.(Quelle: wikipedia)

Hier als 2 heitere Werke, eingespielt von „Mitglieder des Collegium Aureum“ und im Auftrag von der o.g. Pharmazeutischen Firma von dem edlen Klassik Label „harmonia mundi“ gepresst.

Vermutlich ging dieses Werbegeschenk an die bundesdeutsche Ärzteschaft …

Schöne Musik dennoch und ich darf ausdrücklich auf den nicht zu überhörenden Knisterfaktor hinweisen.

Booklet03Besetzung:
Mitglieder des Collegium Aureum

Besetzung
Titel:

Cassation G-dur:
01.  Allegro Molto 2.47
02. Finale-Presto 1.56

Cassation F-dur:
03. Allegro 1.59
04. Finale-Presto 1.55

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Collegium Aureum – Krönungsmesse – Gardisette Sonderausgabe (frühe 70er Jahre)

FrontCover1.JPGUnd gleich noch so ne Werbeplatte … diesmal von der Firma Gardisette:

Vier Jahre nach der Währungsreform (also 1952) war die Idee: Ein Gardinen-Angebot zu schaffen, das den Kunden Lösungen für Pflege- und Dekorationsprobleme liefert. Es gab neue Faserentwicklungen und entsprechende Maschinen, die es zu nutzen galt.

Neu war die Ausrichtung auf den verkaufsorientierten Käufermarkt mit einer konsequent gehandhabten Markenpolitik. Nicht der Kunde hatte zu kaufen, was der Hersteller produzierte, sondern der Hersteller hatte zu produzieren, was der Käufer brauchte. Dies war nun durch Schaffung einer Marke möglich. Gardisette etabliert die erste Marke in der Heimtextil-Branche: „Gardisette perfekt“.

In der ersten Werbekampagne, die der Heimtextilmarkt zu Gesicht bekam, stellte Gardisette die sensationell anmutende Eigenschaft von Pflegeleichtigkeit vor: „kein Spannen – kein Bügeln – kein Einlaufen mehr.“ Segensreiche Vorzüge die sich entsprechend verkauften. Bald nach dieser Einführung produzierte Gardisette den Stoff so breit, dass die Breite zur Höhe wurde und somit kein Zwischenhalt die Optik störte. Ein Jahr später folgte die Einführung des Beschwerungsbandabschlusses. Der Gardinen-Saum war überflüssig, das Beschwerungsband wurde bei der Produktion direkt eingearbeitet. Vorteil: ein makelloser Faltenfall. Um die Marke Gardisette beim Verbraucher unverwechselbar zu machen, wurde ein Silberfaden in das Combiflex-Band eingewebt. Passend zur Gardinen Kollektion wurde zusätzlich eine Dekostoff-Kollektion entwickelt, welche die gleichen Produktvorteile der Gardisette-Gardinen beinhaltete.

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Dieser neu eingeschlagene Weg im Produktbereich und die Ausrichtung auf eine Marke hatte zur Folge, daß auch die Vertriebsorganisation neu aufgebaut werden mußte. So wurden vertriebserfahrene Fachkräfte fest angestellt und zu Verkaufsberatern geschult. Wichtig war das Mitdenken von Markenartikelkategorien und den Handelspartner in seinen Absatzbemühungen zu unterstützen. Gardisette wird auch heute nur in Fachgeschäften des Einzelhandels, Fachabteilungen der Warenhäuser und Fachmärkten angeboten. Die gesamte Gardisette-Kollektion wird auf einem Vorwahlsystem präsentiert. Ein weiterer Vorteil für den Handel ist der kurzfristige Lieferservice für alle Dessins.

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Damit sich die Markt-Idee immer mehr durchsetzen konnte, wurde Werbung und Verkaufsförderung ein immer wichtigeres Instrument. Dabei bedient man sich allen möglichen Werbe-Medien um immer wieder interessante Produktverbesserungen mit ansprechender Werbung zu vermitteln. So konnte Gardisette sehr schnell an Profil gewinnen und wurde in der Heimtextil-Branche zur bedeutendsten Herstellermarke. Dieses einmal geschaffte Fundament stabilisiert bis heute die große Markenbekanntheit von Gardisette. (Quelle: gardisette.jab.de)

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Ein frühes Logo der Firma Gardisette

Allen Erfolgen zum Trotz konnte sich die Firma auf Dauer dann noch nicht halten. Im Jahre 2004 wurde die Firma der Firmengruppe JAB Anstoetz in Bielefeld einverleibt.

Sei´s drum … für mich war diese Firma all die Jahre ein exemplarischer Ausdruck der bundesdeutschen Spießigkeit …

Aber bei dieser Werbeplatte (vermutlich für die Partner im Handel) mache ich ne Ausnahme.

Denn hier spielt das famose Collegium Aureum die „Krönungsmesse“ von Wolfgang Amadeus Mozart:

Das Collegium Aureum war der Name eines 1962 gegründeten und bis zu seiner Auflösung in Köln ansässigen Kammerorchesters.

Das Collegium Aureum entstand auf Initiative der Freiburger Produktionsfirma Deutsche Harmonia Mundi als freie Vereinigung hochqualifizierter und bekannter Instrumentalsolisten, die sich das Ziel gesetzt hatten, Musikwerke des 17., 18. und (ab 1976) auch des beginnenden 19. Jahrhunderts zur Erzielung eines sogenannten „gerechten Klangbildes“ für die Schallplatte zu produzieren. Die Mitglieder des Ensembles wollten ihren eigenen Beitrag zur Wiederbelebung der Historischen Aufführungspraxis leisten und ausprobieren, wie die Musikwerke sowohl der Alten Musik als auch der Klassik und frühen Romantik klingen, wenn sie auf alten Instrumenten, mit alter Spieltechnik und stets in stilgerechten Räumen aufgeführt werden.

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Das Collegium Aureum in den frühen Jahren

Im Fuggerschloss zu Kirchheim in Schwaben fanden die Musiker eine akustisch geeignet erscheinende Wirkungsstätte zum Proben und Produzieren. Im Zeichen des Goldenen Schnitts des aus der Renaissance stammenden Zedernsaals im Schloss Kirchheim fanden sich die musizierenden „Kollegen“ zusammen zum goldenen Kollegium, dem Collegium Aureum, wie sie sich fortan nannten.

Im Jahre 1962 erschienen die ersten Aufnahmen auf dem Schallplattenmarkt. Öffentliche Konzertveranstaltungen folgten, bald auch Produktionen bei Funk und Fernsehen. In den folgenden Jahren verschaffte sich das von Konzertmeister Franzjosef Maier als primus inter pares angeführte Collegium Aureum einen weltweiten Ruf. Konzertreisen führten nach England, Frankreich, Japan, Lateinamerika, Nordafrika, die Niederlande, die damalige UdSSR und die Staaten des Mittleren Ostens.

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Bekannte Ensemble-Angehörige waren u. a. Gustav Leonhardt (Cembalo), Hans-Martin Linde (Flöte), Franz Beyer (Viola), Reinhard Goebel (Violine) und Wolfgang Preissler (Pauken).

Die in über drei Jahrzehnten entstandene umfangreiche Diskografie belegt den künstlerischen Rang dieses Spezialensembles. In den 1990er Jahren löste sich das Ensemble allmählich auf. (Quelle: wikpedia)

Diese Aufnahme entstand im Jahre 1970 (und zwar im sog. Zedernsaal von Schloß Kirchheim) und wurde dann eben – vermutlich kurz dannach – von Gardisette für ihre Werbezwecke übernommen.

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Historische Darstellung des Fuggerschlosses Kirchheim in Schwaben im 17. Jahrhundert

Die Krönungsmesse in C-Dur, KV 317 ist eine Messe von Wolfgang Amadeus Mozart und sie zählt wohl zu den bekannntesten Kompositionen aus seiner Feder.

Der Name Krönungsmesse ist erstmals 1862 in der Erstauflage des Köchelverzeichnis schriftlich nachgewiesen. Sehr wahrscheinlich wurde die Messe für den Ostergottesdienst 1779 am Salzburger Dom, der auf den 4. April fiel, komponiert. Mozart datierte die Partitur auf den 23. März 1779, womit er vermutlich die Fertigstellung der Komposition kennzeichnete. Unmittelbar nach Mozarts Tod wurde die Messe KV 317 zur bevorzugten Komposition für Gottesdienste bei Kaiser- und Königskrönungen sowie bei Dankgottesdiensten. Zum ersten Mal dürfte sie im Rahmen der Krönungsfeierlichkeiten

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Der Dirigent bei dieser Aufnahme: Franzjosef Maier

für Kaiser Franz II. verwendet worden sein. Die wahrscheinlich ursprünglich kapellinterne Bezeichnung Krönungsmesse ist, von der Wiener Hofmusikkapelle ausgehend, bald Allgemeingut geworden. Der Umstand, dass die Mozarts der Wallfahrtskirche Maria Plain in tiefer Frömmigkeit verbunden waren, veranlasste 1907 den Mozart-Enthusiasten Johann Evangelist Engl zu der unbeweisbaren Feststellung, die Krönungsmesse wäre für das alljährliche Maria-Plainer-Krönungsfest, das im Jahre 1779 am 27. Juni begann, komponiert worden – eine sich hartnäckig haltende Legende.

Charakteristisch für diese Messe sind die sinfonischen Elemente. Solostimmen und Chor werden sehr deutlich voneinander getrennt. (Quelle: wikipedia)

Gardisette hin, Gardisette her … hier hören wir wiedermal diesen großartigen Mozart, und zwar von einem wahrlich bedeutendem Ensemble bundesdeutscher Musikgeschichte.

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Die Originalnoten von Mozart

Besetzung:
Collegium Aureum unter der Leitung von Franzjosef Maier
+
Jörg Demus (piano)

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Titel:
01. Allegro 13.53
02. Larghetto 6.30
03. Allegretto 10.22

Musik: Wolfgang Amadeus Mozart

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Der Zedernsaal im Schloß Kirchheim

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Johann Sebastian Bach – Weihnachtsoratorium (Collegium Aureum) (1973)

frontcover1Das war jetzt aber neu Fleißausgabe … diees Triple-Vinyl-Album zu digitalisieren … aber die Mühe war es wert, denn hier haben wir es wohl mit einer Referenz-Aufnahme des  Meisterwerkes weihnachtlicher Barockmusik. Damals erhielt diese 3fach LP (in einer schicken Box verpack) immerhin den „Deutschen Schallplattenpreis“.

Das Weihnachtsoratorium BWV 248 ist ein sechsteiliges Oratorium für Soli (SATB), gemischten Chor und Orchester von Johann Sebastian Bach. Die einzelnen Teile wurden erstmals vom Thomanerchor in Leipzig in den sechs Gottesdiensten zwischen dem ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 in der Nikolaikirche und der Thomaskirche aufgeführt. Feierliche Eröffnungs- und Schlusschöre, die Vertonung der neutestamentlichen Weihnachtsgeschichte in den Rezitativen, eingestreute Weihnachtschoräle und Arien der Gesangssolisten prägen das Oratorium. Die sechs Teile werden durch die Freude über die Geburt Christi verbunden. Von der musikalischen Gattung steht das Weihnachts-Oratorium Bachs oratorischen Passionen nahe. Es ist das populärste aller geistlichen Vokalwerke Bachs und zählt zu seinen berühmtesten geistlichen Kompositionen. Das Oratorium wird heute häufig in der Advents- und Weihnachtszeit ganz oder in Teilen aufgeführt. (Quelle. wikipedia)

Johann Sebastian Bachs Weihnachtsoratorium ist ein sechsteiliges Oratorium für Gesangssolisten, gemischten Chor und Orchester. Die große Orchesterbesetzung mit Holzbläsern (2 Traversflöten, 2 Oboen, 2 Oboe d’amore, 2 Oboe da caccia), den sprichwörtlichen Pauken und (drei) Trompeten, Streichorchester und Continuo ist dem hochfestlichen Anlass angemessen. Zwei Hörner finden ausschließlich im vierten Teil des Oratoriums Verwendung.

War zu Zeiten Bachs eine Aufführung der einzelnen Teile in sechs Gottesdiensten des Weihnachtsfestkreises vorgesehen – erstmalig zwischen dem Ersten Weihnachtsfeiertag 1734 und dem Epiphaniasfest 1735 – werden heute ausgewählte Teile (besonders häufig: Teile I–III) oder – seltener – das gesamte Oratorium im Konzertrahmen aufgeführt, und für viele Menschen gehört der Konzertbesuch zum alljährlichen festen Ritual in der (vor‑)weihnachtlichen Zeit.

Grundlegend ist der episch geprägte Text der Heiligen Schrift, den je zweiten Kapiteln der Evangelien nach Lukas und Matthäus entnommen. Diese Textpassagen sind als Rezitative und Turba-Chöre vertont.

Die freien Dichtungen – Autor ist wahrscheinlich Christian Friedrich Henrici alias Picander, mit dem Bach häufig und fruchtbar zusammengearbeitet hat – sind als Arien (mitunter in Sonderform von Duett oder Terzett), Chöre und Accompagnato-Rezitative vertont.

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Eine dritte textliche Ebene stellen die – ebenfalls lyrisch geprägten – Choraltexte dar. Autoren sind unter anderem Paul Gerhardt, Johann Rist und Martin Luther.

Das Weihnachtsoratorium ist zu erheblichen Teilen im sogenannten Parodieverfahren entstanden. Dies meint, dass zahlreiche Sätze ursprünglich nicht für das Oratorium, sondern für andere, meist profane bzw. weltliche Kantaten komponiert wurden, um später mit geändertem Libretto in das Weihnachtsoratorium übernommen zu werden.1 Maßgebliche Grundlagen für die Teile I bis IV des Weihnachtsoratoriums sind die beiden Drammi per musica Tönet, ihr Pauken! Erschallet, Trompeten! (BWV 214), 1733 anlässlich des Geburtstags Maria Josephas, Kurfürstin von Sachsen und Königin von Polen, komponiert, sowie »Lasst uns sorgen, lasst uns wachen. Die Wahl des Herkules« (BWV 213) – auch bekannt als Herkules auf dem Scheideweg oder schlicht »Herkules-Kantate«.

Galt dieser Umstand in frühen Zeiten der Bach-Rezeption als anstößig, scheint diese Auffassung heute überwunden; denn

  • Bach verwendet nur eigene Musikwerke als Vorlage
  • Nicht nur ein grundlegender Habitus und Charakter, sondern auch der Detailbereich des Affekts ist dem neuen Text angemessen. Affekt meint hierbei, dass bestimmte musikalische Darstellungsmittel mit außermusikalischem Bedeutungsgehalt aufgeladen waren und definierten Gemütszuständen zugeordnet werden konnten, war doch der Barockkomponist nicht bemüht, seinem subjektiven Gefühlsleben mittels der komponierten Musik Ausdruck zu verleihen und auf das Auditorium zu transportieren, sondern vielmehr, dies mittels der eingesetzten Affekte rein handwerklich zu bewerkstelligen.
  • Als Vorlagen dienen selbstredend nur Werke herausragender Qualität.
  • Einzelne Sätze unterzieht Bach neben der Neutextierung grundlegender Revision, um sie optimal in sein Oratorium einzupasse

Gleichzeitig kann nicht verschwiegen werden, dass sich gewisse musikalische Phänomene einzelner Sätze unseres Oratoriums nur mit Kenntnis der Parodievorlage deuten lassen.

Wenngleich musikwissenschaftlich nicht belegt, darf vermutet werden, dass die beiden genannten Drammi per musica von Beginn an auch im Hinblick auf eine spätere Umarbeitung zu einem Weihnachtsoratorium komponiert worden waren – wohl auch, um die herrliche Musik zu bewahren, musste Bach seine für einen singulären Anlass komponierten Huldigungskantaten der baldigen Vergessenheit preisgegeben wähnen. (Markus Schönewolf)

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Gevatter Bach

Die einzelnen Teile des Oratoriums:

Teil I: Jauchzet, frohlocket
(
Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: 1. Weihnachtstag)

Teil II: Und es waren Hirten in derselben Gegend
(Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: 2. Weihnachtstag)

Teil III: Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen
(Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: 3. Weihnachtstag)

Teil IV: „Fallt mit danken, fallt mit oben“
(Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: Neujahrstag)

Teil V: „Ehre Sei Dir, Gott Gesung“
(Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: Sonntag nach Neujahr)

Teil VI: Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben
(Vorgesehener Aufführungszeitpunkt: Epiphanias (6. Januar)

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Für viele Menschen ist das Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach zum festen Bestandteil geworden, um sich auf das Fest einzustimmen. Anderen ist es gar ein würdiger Ersatz für den Gottesdienst und das christliche Fest selbst. Oft werden diese sechs Kantaten, aus denen das Weihnachtsoratorium besteht, gar nicht mehr als geistliche Musik wahrgenommen, so sehr ist das Bachsche Oratorium in das allgemeine Kulturgut eingegangen.

Hier also nun jene Version mit dem Collegium Aureum (aufgenommen in der Pfarrkirche St. Jakob, Lenggries)

Und: man muss kein gläubiger Christ sein, um nicht dieser Urgewalt der Musik zu erliegen ! Bloß: wann soll man das eigentlich mal in Ruhe hören können ? Viel trefflicher lässt sich die Frage mit unserem Umgang mit der Zeit nicht stellen.

Editorische Anmerkung: Ich habe es mir gespart, alle einzelnen Lieder zu separieren … das war mir dann doch zuviel Arbeit … von daher die jeweiligen Kantaten am Sück. Ich darf auch darauf hinweisen, dass wir es hier mit einem Vinyl-Rip der Kategorie „astrein“ zu tun haben.

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Pfarrkirche St. Jakob, Lengires)

Besetzung:
Collegium Aureum unter der Leitung von Gerhard Schmidt-Gaden
+
Tölzer Knabenchor
+
Theo Altmeyer (Tenor)
Hans Buchhierl (Sopran)
Barry McDaniel (Baritone)
Andreas Stein (Alt)

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Titel:

Kantate No. 1 „Jauchzet, frohlocket“: (27.21)
Seite 1: 01. Jauchzet, frohlocket!     7:56
Seite 1: 02. Es begab sich aber zu der Zeit / Nun wird mein liebster Bräutigam 2.34
Seite 1: 03. Bereite dich, Zion!     6:03
Seite 1: 04. Wie soll ich dich empfangen 1.13
Seite 1: 05. Und sie gebar ihren ersten Sohn 0.30
Seite 1: 06. Es ist auf Erden kommen arm 3.20
Seite 1: 07. Großer Herr, o starker König 4.40
Seite 1: 08. Ach mein herzliebes Jesulein! 1.17

Kantate No. 2 „Und es waren Hirten in derselben Gegend“: (31.06)
Seite 2: 01. Sinfonia 6.07
Seite 2: 02. Un es waren Hirten in derselben Gegend 0.57
Seite 2: 03. Brich an, o schönes Morgenlicht! 0.56
Seite 2: 04. Und der Engel sprach zu ihnen  0.54
Seite 2: 05. Was Gott dem Abraham verhleißen 0.49
Seite 2: 06. Frohe Hirten, eilt, ach eilet! 3.53
Seite 2: 07. Und das habt zum Zeichen! 0.28
Seite 2: 08. Schaut hin, dort liegt im finstern Stall 0.39
Seite 2: 09. So geht denn hin, ihr Hirten, geht 0.58
Seite 2: 10. Schlafe, mein Liebster 10.18
Seite 2: 11. Und alsobald war da bei dem Engel 0.21
Seite 2: 12. Ehre sei Gott in der Höhe 3.01
Seite 2: 13. So recht, ihr Engel, jauchzt und singet 0.29
Seite 2: 14. Wir singen dir in deinem Heer 1.22

Kantate No. 3 „Herrscher des Himmels“: (26.30)
Seite 3: 01. Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen 2.03
Seite 3: 02. Und da die Engel von ihnen gen Himmel fuhren / Lasset uns nun gehen gen Bethlehem 2.00
Seite 3: 03. Dies hat er alles uns getan! 0.43
Seite 3: 04. Herr, dein Mitleid 8.17
Seite 3: 05. Und sie kamen eilend und fanden beide 1.40
Seite 3: 06. Schließe, mein Herze, dies selige Wunder 5.37
Seite 3: 07. Ja, ja, mein Herz soll es bewahren 0.32
Seite 3: 08. Ich will mit Fleiß bewahren 0.52
Seite 3: 09. Und die Hirten kehrten wieder um 0.32
Seite 3: 10. Seid froh dieweil / Herrscher des Himmels, erhöre das Lallen 2.43

Kantate No. 4 „Fallt mit danken, fallt mit oben“: (26.39)
Seite 4: 01. Fallt mit danken, fallt mit loben 6.40
Seite 4: 02. Und da acht Tage um waren 0.42
Seite 4: 03. Immanuel, o süßes Wort 2.34
Seite 4: 04. Flößt, mein Heiland 6.09
Seite 4: 05. Wohlan! Dein Name soll allein 1.42
Seite 4: 06. Ich will nur dir zu Ehren leben 6.39
Seite 4: 07. Jesus richte mein beginnen 2.19

Kantate  No. 5 „Ehre Sei Dir, Gott Gesung“: (26.09)
Seite 5: 01. Ehre sei dir, Gott, gesungen 7.46
Seite 5: 02. Da Jesus geboren war zu Bethlehem / Wo ist der neugeborne König der Juden?     2.45
Seite 5: 03. Dein Glanz all Finsternis verzehrt 0.57
Seite 5: 04. Erleucht auch meine finstre Sinnen 4.19
Seite 5: 05. Da das der König Herodes hörte / Warum wollt ihr erschrecken? / Und ließ versammeln alle Hohenpriester 2.26
Seite 5: 06. Ach, wann wird die Zeit erscheinen 0.34
Seite 5: 07. Mein Liebster Herrschet schon 0.34
Seite 5: 08. Zwar ist sllche Herzensstube 0.50

Kantate No. 6 „Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben“: (25.44)
Seite 6: 01. Herr, wenn die stolzen Feinde schnauben 4.45
Seite 6: 02. Da berief Herodes die Weisen heimlich 0.55
Seite 6: 03. Du Falscher, suche nur den Herrn zu fällen 1.07
Seite 6: 04. Nur ein Wink von seinen Händen 3.39
Seite 6: 05. Als sie nun den König gehöret hatten 1.34
Seite 6: 06. Ich steh an deiner Krippen hier 1.04
Seite 6: 07. Und Gott befahl ihnen im Traum / So geht! Genug, mein Schatz geht nicht von hier 2.37
Seite 6: 08. Nun mögt ihr stolzen Feinde schrecken 5.38
Seite 6: 09. Was will der Hölle Schrecken nun 0.47
Seite 6: 10. Nun seid ihr wohl gerochen 3.41

Musik: Johann Sebastian Bach

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