Nikolaus Harnecourt – Bauern-Kantate + Kaffee-Kantate (Bach) (1968)

FrontCover1Gevatter Bach war ja ein musikalischer Tausendsassa. Neben all seinen Suiten und kirchlichen Werken schuf er auch noch die sog. „weltlichen Kantaten“. Hier haben wir zwei seiner wohl bekanntesten:

Bauernkantate:
Mer hahn en neue Oberkeet (BWV 212) ist eine der bekanntesten weltlichen Kantaten Johann Sebastian Bachs. Bekannt ist sie unter der Bezeichnung „Bauern-Kantate“; Bachs originale Bezeichnung war „Cantate burlesque“. Hochdeutsch lautet ihr Titel „Wir haben eine neue Obrigkeit“.

 

Der Text der Kantate stammt von Christian Friedrich Henrici (genannt Picander) und entstand für den 30. August 1742. An diesem Tag feierte der Erb-, Lehn- und Gerichtsherr Carl Heinrich von Dieskau, kurfürstlich-sächsischer Kammerherr, auf dem Rittergut Kleinzschocher bei Leipzig mit einem großen Feuerwerk seinen 36. Geburtstag und nahm gleichzeitig, wie damals üblich, die Huldigung der ihm untergebenen Bauern entgegen.

Picander hatte in seiner Eigenschaft als Vorsteher der Stadt-Trank-Steuereinnahme, Weininspektor und Visir im Kreis Leipzig den Kreissteuerinspektor Dieskau zum Vorgesetzten. Sein Text trägt volkstümlich-derbe und manchmal ironische Züge und spielt auf eine Reihe lokaler Personen und Ereignisse der damaligen Zeit (z. B. Verletzung von Fischerei-Recht) an, wobei auch die Nachbarorte Knauthain und Cospuden genannt werden.

Es gilt als möglich, dass Picander Bach bat, seine Dichtung in Musik umzusetzen. Bei der Bauernkantate handelt sich um die Bach-Kantate mit dem spätesten feststellbaren Entstehungsdatum.

ErinnerungstafelBauernkantate

Erinnerungstafel am Ort der Uraufführung (auf dem Rittergut Kleinzschocher bei Leipzig

Es finden Feierlichkeiten statt, zu denen der Kammerherr Bier ausschenken lässt. Dies ist der Anlass für ein Gespräch zwischen einem namentlich nicht genannten Bauern (Bass) und der Bäuerin Mieke (Sopran), deren Dialog nach dem rein instrumentalen Eingangsstück die ganze Kantate prägt. Sie freuen sich über das Fest, tauschen teils zweideutige, teils eindeutige erotische Angebote aus und sprechen auch über die Machenschaften des Steuereinnehmers (Schösser); das Hauptthema ist jedoch das Lob des Gutsherrn Dieskau; auch dessen Frau und ihre Sparsamkeit werden erwähnt. Stellenweise wird dabei obersächsische Mundart verwendet („Guschel“ = Mund, „Dahlen“ = Liebesspiel, „Ranzen“ = Bauch, „prinkel“ = bisschen, „Neu-Schock“ = 60 Groschen).

Entsprechend dem Charakter des Textes schuf Bach eine relativ schlicht gehaltene Komposition mit kurzen Sätzen und meist einfacher Begleitung. Mehrfach griff er auf populäre Tanzformen und volkstümliche Melodien zurück (zum Beispiel das Volkslied „Mit dir und mir ins Federbett, mit dir und mir aufs Stroh“) sowie Teile aus früheren eigenen Stücken (Satz 14 aus BWV Anhang 11 und Satz 20 aus BWV 201/7).

Die Ouvertüre besteht aus einer groben Aneinanderreihung verschiedener höfischer Tänze ohne Übergänge, ohne Rücksicht auf Takt- und Tonartenwechsel (von A-Dur nach a-Moll und wieder zurück). Diese gewissermaßen bäuerliche Kompositionsart wird gelegentlich als ironische Anspielung auf die Thematik seitens Bachs interpretiert.

Die Arie Dein Wachstum sei feste und lache vor Lust! stammt ursprünglich aus der Kantate Der Streit zwischen Phoebus und Pan, wo Pan sie mit den Worten Zu Tanze, zu Sprunge, so wackelt das Herz vorträgt.

Concentus musicus Wien

Concentus musicus Wien

Kaffeekantate:
Schweigt stille, plaudert nicht (BWV 211), auch bekannt als Kaffeekantate, ist eine weltliche Kantate von Johann Sebastian Bach.

 

Dem Werk liegt eine Dichtung von Picander zugrunde, die dieser 1732 veröffentlichte. Vermutlich entstand die Kantate 1734, um im Zimmermannschen Kaffeehaus in Leipzig aufgeführt zu werden. Der Text muss zur damaligen Zeit populär gewesen sein, da er neben Bach von mindestens zwei weiteren Komponisten aufgegriffen wurde, wobei nur Bachs Interpretation einen zusätzlichen Schlussteil aufweist, dessen Urheberschaft durch Picander oder Bach selbst nicht gesichert ist. Es wird davon ausgegangen, dass Bach die Uraufführung der Kantate im Leipziger Café Zimmermann geleitet hat.

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Zimmermannisches Caffee-Hauß (rechts) in Leipzig

Im Gegensatz zu den meisten anderen weltlichen Kantaten Bachs ist dieses Werk keine Huldigung an die Obrigkeit, sondern skizziert humorvoll-ironisch eine Szene aus dem bürgerlichen Leben der Leipziger: Herr Schlendrian (Bass) versucht mit wütenden Drohungen seiner Tochter Liesgen (Sopran) die Unsitte des täglichen Kaffeetrinkens abzugewöhnen. Erst als er ihr die Erlaubnis zur Heirat in Aussicht stellt, lenkt die eigenwillige Tochter zunächst in der Arie „Heute noch, lieber Vater tut es doch“ ein, lässt aber im anschließenden Rezitativ des Erzählers heimlich verbreiten, dass sie nur einen Mann akzeptiert, der ihr auch in der Ehe jederzeit das Kaffeetrinken gestattet. Mit einem ironisch-versöhnlichen Trio der drei Gesangssolisten „Die Katze lässt das Mausen nicht“ endet die Kantate. (Quelle: wikipedia)

Dargeboten werden diese beiden Werke von dem Concentus musicus Wien unter der Leitung vom großen Nikolaus Harnoncourt:

Nikolaus Harnoncourt (* 6. Dezember 1929 in Berlin als Johann Nicolaus Graf de la Fontaine und d’Harnoncourt-Unverzagt;  † 5. März 2016 in St. Georgen im Attergau) war ein österreichischer Dirigent, Cellist, Musikschriftsteller und einer der Pioniere der historischen Aufführungspraxis.(Quelle: wikipedia)

„Historische Aufführungspraxis“ hieß dann bei Harnoncourt dass er sein Ensemble mit historischen Instrumenten spielen ließ … finde ich total faszinierend, denn diese Instrumente hatten ja ein paar Jahrhunderte auf dem Buckel.

Ursprünglich erschienen diese Aufnahmen im Jahr 1968 (eingespielt bereits 1967) … Diese Ausgabe war kostengünstig („Sonder-Ausgabe 10,– DM“)  und diente wohl auch Werbezwecken. In dem aufwendig gestaltetem Begleitheft gab es es ausführliche Übersicht über das Kantatenwerk von Bach … natürlich mit entsprechenden Kaufhinweisen.

Sei´s drum … eine nette Ergänzung zum Gesamtwerk von Bach (das ja kaum zu überblicken ist) sind diese Aufnahmen allemal.

NikolausHarnoncourt

Nikolaus Harnoncourt

Besetzung:
Concentus musicus Wien unter der Leitung von Nikolaus Harnoncourt
+
Max Van Egmond (Bass)
Kurt Equiluz (Tenor bei 02.)
Rotraud Hansmann (Sopran)

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Titel:
01. Mer hahn en neue Oberkeet (BWV 212) („Bauernkantate“) BWV 212 / 29.33
02. Schweigt stille, plaudert nicht („Kaffeekantate“ ) BWV 211 /  27.00

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OriginalLPFront+BackCover

Front + Back Cover der Erstausgabe aus dem Jahr 1968

 

 

 

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Verschiedene Interpreten – Stimmen Sie sich ein ! (1975)

frontcove1Die Weihnachtszeit ist ja auch ne Zeit, in der man von „Geschäftspartnern“ mit Geschenken übrhäuft werden kann, vorausgesetzt man hat überhaupt solche Geschäftspartner.

Damals, also 1975 hatte ich solche Geschäftspartner, weil ich noch in irgendeiner Datei als Redakteuer einer Schülerzeitung gespeichert war. Und der Geschäftspartner hieß „TELDEC »Telefunken-Decca« Schallplatten GmbH“ mit Sitz in Hamburg.

Meine Schülerzeitungszeit war längst vorbei, aber natürlich sagte ich nicht nein, zu dieser Doppel-LP, die mir frei ins Haus flatterte.

„Die Teldec wünscht Ihnen einen besinnliches Weihnachten … und einen beschwingten Start in das neue Jahr“. war dann zu lesen ..

Musikalisch gab es zum einen die „Weihnachtsmischung“: Hier erklingt eine feine Mischung klassischer perlen von Vivaldi Beethoven, Chopin und Mozart … dakann man für den gepflegten Weihnachtsabend nichts falsch machen. Gott sei Dank verzichtete die Teldec damals darauf, sich es ganz einfach zu machen und Weihnachtslieder zu präsentieren.

Die 2. LP umfasste dann eine „Silvestermischung“. Und hier kann man sich nun mit der bundesdeutschen Schlagerherrlichkeit jener Jahre vertraut machen.

Und eine solche Mischung ist natürlich immer ne Gradwanderung des guten bzw. schlechten Geschmack.

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Aber immerhin kann man Gilbert Becauds auf englisch singen hören,  während man andererseits feststellen muss, dass die Les Humphries Singers bereits aus den letzten Lööchern pfeiffen. Dafür standen dann Truck Stop in denn Startöchern (auch die singen hier noch englisch) und auch ein Peter Maffay machte sich daran, einSuperstar zu werden.
Maffay glänzt übrigens mit einem Lied, das man heute als köstliche Cowboy-Lagerfeuer Parodie interpretieren könnte.

Und eine Su Kramer verkaufte sich mal wieder unter Wert …

Dann hört man noch rätselthafte Gruppe wie „Please“ oder Teach-In“ … Tom Jones, Neil Diamond, Ray Charles & Co. waren da natürlich weitaus bekannter.

Und zum Schluß knarzt und knödelt dann noch Udo Lindenberg sein Lied vom „Malocher“ … Prost !

Für die Innenseiten des Doppelabums hatte man sich dann noch was ganz besonders einfallen lassen (Gimmick nennt man das wohl):

Auf jeder Seite fanden sich dann jeweils 64 Klebesticker, die man abziehen konnte und so als Dekoration für Geschenke oder Einladungskarten oder oder oder verwenden konnte. Ziemlich aufwendig für meinen Geschmack, aber die Teldec ließ sich halt nicht lumpen, wenn es darum ging, wichtige Geschäftspartner wie mich zu beglücken !

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Titel:

Weihnachtsmischung:
0
1. Concentus Musicus Wien: Concerto Für Oboe A-Moll (Vivaldi) 9.30
02. Mozarteum Orchester Salzburg: Rondo für Klavier und Orchester Nr. 1 D-Dur KV 382 (Mozart) 10:11
03. Vladimir Ashkenazy: Etüden Op. 10 (Chopin) 11.34
04. Chicago Symphony Orchestra: Leonoren-Ouvertüre Nr. 3 (Beethoven) 14.05

Silvestermischung:
05. Jürgen Marcus: Ohne Ziel ist diese Liebe (White) 3.12
06. Tony Christie: If I Miss You Again Tonight (Black/Mareno) 2.39
07. Gilbert Bécaud: A Little Love And Understanding (Becaud/Amade/Stellman) 3.20
08. Telly Savalas: You’ve Lost That Loving Feeling (Spector/Mann/Weil) 3.03
09. Ray Charles: Sunshine (Newbury) 3.40
10. The Les Humphries Singers: Day After Day (Humphries) 3.21
11. Su Kramer: Nur wer das Leben liebt (Moroder/Bellotte/Hauptmann) 3.42
12. Tom Jones: Memories Don’t Leave Like People Do (Dean/Butler/Glover/Bristol) 3.00
13. Peter Maffay: Wilde Pferde (Maffay/Heilburg) 2.53
14. Teach-In: Goodbye Love (Versteeg) 2.58
15. Neil Diamond: Goldwater Morning (Diamond) 3.17
16. Engelbert: Forever And Ever (Canstantinos/Vlavianos) 3.37
17. Gilbert O’Sullivan: I’ll Believe It When I See It (O`Sullivan) 5.13
18. Please: The Photograph (David/Maria) 2.36
19. Truck-Stop: You’tt Find The Way (Bach) 2.56
20. Udo Lindenberg: Der Malocher (Lindenberg) 3.54

 

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