Jan Degenhardt – Aufbruch (1999)

FrontCover1.jpgSo ganz einfach stell´ ich mir das nicht vor, als Sohn eines gewissen Franz-Josef Degenhardt aufzuwachsen und dann auch noch – wie sein Vater – Rechtsanwalt zu werden und dann auch noch – wie sein Vater – als Liedermacher in Erscheinung zu treten. Aber genau so war es, beim Jan Degenhardt:

Jan Degenhardt (* 9. Juli 1962 in Saarbrücken) ist ein deutscher Rechtsanwalt und Folk-Sänger. Sein Vater war der politische Dichter und Sänger Franz Josef Degenhardt (1931–2011). Sein Bruder Kai Degenhardt, ebenfalls Jurist, arbeitet auch als Liedermacher.

Nach dem Jura-Studium in Hamburg von 1983 bis 1990 und Dozententätigkeiten von 1990 bis 1993 an der Ernst-Moritz-Arndt-Universität sowie der Grone-Schule in Greifswald ließ Degenhardt sich 1992 als Rechtsanwalt im Greifswalder Juristenhaus nieder.

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1999 veröffentlichte er sein erstes Album namens Aufbruch. Mit dem gleichnamigen Titel, einer Biographie eines DDR-Bürgers nach der Wende, gelangte er 2000 auf die Bestenliste des SFB. Im selben Jahr feierte er beim Tanz&FolkFest in Rudolstadt sein Bühnendebüt und belegte dort den 2. Platz beim Deutschen FolkFörderpreis hinter der Band Schandmaul.

Nach einer Tour zur Vorstellung des Albums veröffentlichte er im Sommer 2004 sein zweites Album mit dem Titel Stimmen hinter’m Spiegel. Der darauf enthaltene Titel Marathon Berlin erreichte im Dezember desselben Jahres Platz 9 in der Liederbestenliste des Vereins für deutschsprachige Musik.

jandegenhardt02Im Februar 2011 folgte das dritte Album namens Schamlos, für welches Degenhardt auch Titel von Joan Baez, Judy Collins, Dirk Powell, Paul Millns und Josh Ritter übersetzte und mit Carlos Ramos und Christian Renz einspielte. Schamlos wurde im Juni 2011 von der Jury der Liederbestenliste zur CD des Monats gekürt. Im selben Monat gelangte der Titel Demokratie auf Platz 8 der Liederbestenliste und im Juli auf Platz 2. Im August 2011 wurde das Album mit dem Preis der deutschen Schallplattenkritik ausgezeichnet.

Jan Degenhardt ist der Pflegevater zweier Kinder, die er allein großgezogen hat. (Quelle: wikipedia)

Und hier sein Debütalbum mit dem passenden Titel „Aufbruch“ … Der Titelsong bezieht ich zwar einerseits auf die frühen 90er Jahre in Berlin … aber vielleicht stand der Titel „Aufbruch“ vielleicht auch für sein zweites Standbein … nämlich das des Liedermachers.

Und da schreibt z.B. ein ungenannt bleibender Hörer dieses Albums folgendes:

Das schon längst überfällige Debutalbum von Jan Degenhardt kehrt in erfrischender Weise zur Folktradition zurück, indem die Gleichförmigkeit der Folktradition durch neue Instrumentierung oder Joan Baez Samples peppig aufgebrochen wird und so zu neuem Leben erweckt wird. Musiker wie Steve Baker (Harmonika) geben der CD ein hörbares musikalisches Niveau. Nicht versäumen sollte man den Song „Hamburgs sweet transvestite show“, das wie eine Anspielung auf die gute alte Zeit von Lilo Wanders am Schmidt-Theater auf St. Pauli wirkt. Wer am Ende der CD noch keine Gänsehaut hat, ist zumindest über die Tiefe der lyrischen Texte gestolpert und kann nicht umhin bei der romantischen Ballade „Bis Februar“ seinem Gefühl freien Lauf zu lassen.“ (Quelle: amazon)

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Oder einfach mal ganz kurz: Sozialkritische Balladen, Milieustudien, Zeittypisches und Liebesgeschichten versammelt Jan Degenhardt auf seinem Debütalbum.

Und das mit einer ungeheuerlichen Aufmerksam- und Achtsamkeit, mit einer Sensibilität, die sich gewaschen hat. Und dann diese musikalische Begleitung …verzaubernd, differenziert, verspielt, solistisch hören wir immer so einige Höhepunkte … wie z.B. das akustische Gitarrensolo bei „Ein Clemensbrief“

Er klingt mehr nach dem Reinhard Mey als nach seinem Vater… Ach Quatsch: erklingt einfach nach Jan Degenhardt… und den zu entdecken lohnt sich nun wirklich.

Und bei dem Lied „Am Dorfplatz“ … krieg ich ne verdammte Gänsehaut …

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Besetzung:
Jan Degenhardt (guitar, vocals, keyboards, synthesizer)
Florian Grimm (keyboards, synthesizer)
Jan Reimer (guitar, percussion)
+
Joan Baez (guiar, vocals -> sample)
Steve Baker (harmonica bei 04.)
Mauricio Calquin (percussion bei 04.)
Kai Degenhardt (guitar bei 03.)
Lutz Hausmann (digeridoo, Obertongesang bei 09.)
Leandro Saint Hills (saxophone bei 06.)
Henning Prax (guitar bei 01.)
Omr Rodriguez (bass bei 05., 06.)
Angela Wendt (piano bei 10.)
+
background vocals:
Martia Tröster – Angela Wendt – Friedrike Klose

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Titel:
01. Ein Clemensbrief (Degenhardt) 3.24
02. Moschus und Angst (Diamonds And Rust) (Baez/Degenhardt) 3.30
03. Aufbruch (Degenhardt/Grimm) 4.56
04. Altona (Degenhardt) 4.23
05. As noriu skristi (Degenhardt) 3.54
06. Irgendwann (Degenhardt) 6.11
07. Hamburgs sweet transvestite late-night-show (Degenhardt) 4.14
08. Hinterher (Degenhardt) 3.07
09. Am Dorfplatz (Degenhardt) 6.26
10. Bis Februar (February) (Williams/Degenhardt) 3.30

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derrechtsanwalt

Und Jan Degenhardt ist weiterhin als Rechtsanwalt in Greifswald tätig