Die Lesestunde – Zeitschrift der deutschen Buch-Gemeinschaft (Januar 1934)

TitelEine ganz und gar ungewöhnliche Geschichte, die da die „Deutsche Buch-Gemeinschaft“(DBG) zu bieten hat:

Die Deutsche Buch-Gemeinschaft (DBG) war eine 1924 in Berlin gegründete und hauptsächlich einen bürgerlichen Kundenkreis ansprechende Buchgemeinschaft. Sie verlegte nach dem Zweiten Weltkrieg ihren Hauptsitz nach Darmstadt und verkaufte 1970 einen 50-Prozent-Anteil an die Bertelsmann AG, die 1988 ihre Alleineignerin wurde und den Namen fortan für ihr Buchklub-Geschäft in den neuen Bundesländern benutzte.

Die Druckerei A. Seydel & Cie. in Berlin stellte 1924 ein Stammkapital von 10.000 RM für die Gründung der Deutsche Buch-Gemeinschaft GmbH zu Verfügung, Geschäftsführer wurden Paul Leonhard – er war bereits Vorstandsmitglied bei Seydel & Cie. – und Friedrich Possekel. Die Idee, die sich innerhalb eines Jahres zu einem „wahren Jubelzug“ entfaltete, bestand darin, vorhandene Produktionsmittel dafür zu nutzen, einer breiten Leserschaft, die an inhaltlich guten Büchern interessiert war, jene in geschmackvoller Ausstattung und trotzdem erschwinglich zu liefern. Grundsätzlich bot man die völlig freie Wahl aus einem fortlaufend wachsenden Angebot. Unter verschiedenen Varianten kostete die einfachste Form der Mitgliedschaft 3,90 RM pro Vierteljahr, wofür ein Buch geliefert wurde. 250.000 Leser ließen sich bis 1925 die Chance nicht entgehen, unter den 42 neuen Buchgemeinschaften der Weimarer Republik nahm die DBG nach dem Volksverband der Bücherfreunde bei der Mitgliederzahl bald die zweite Stelle ein.

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Goethe – Sämtliche Werke in 15 Bänden (Tempel Klassiker – Sonderausgabe für die Deutsche Buchgemeinschaft), 1929

Werner Bergengruen, ein bei der DBG stark vertretener Autor, schilderte seine Beobachtungen:

„Die Anfangszeit war eine Kampfzeit. Wie es so oft geschieht: das Neue wurde als tödliche Bedrohung empfunden, Verleger und Buchhändler glaubten sich einer unerträglichen Konkurrenz gegenüberzusehen. Man versuchte, die Presse zu mobilisieren, man sprach von einer Bevormundung, einer Entmündigung des Lesers, ja, von der „rohesten Form der Buchverbreitung“. Es regnete zornige Boykottdrohungen gegen diejenigen Autoren, die sich der Zusammenarbeit mit einer Buchgemeinschaft schuldig machten.“

Die DBG hielt mit einer bemerkenswerten Prozessierbereitschaft dagegen und verbuchte Erfolge: Sie erwirkte ein Urteil, das von September 1925 an ausschließlich ihr zubilligte, das Wort „Buchgemeinschaft“ im Firmennamen und als Warenzeichen zu benutzen. Erst von Anfang 1931 an gestattete ein weiteres Urteil, den zum Gattungsnamen gewordenen Begriff in Veröffentlichungen aller Art zu verwenden. Allerdings schaffte es der Börsenverein der Deutschen Buchhändler im selben Jahr, der DBG die Verwendung der Bezeichnung „Mitglieder“ für ihre Kunden gerichtlich verbieten zu lassen, der Vorwurf, als gemeinnützige Organisation aufzutreten, in Wirklichkeit aber ein gewinnorientiertes Unternehmen darzustellen, ließ sich nicht von der Hand weisen. Der Anspruch, „ein allgemein-kultureller Bildungsfaktor zu sein“, konnte eher mit der Büchergilde

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Ausgabe der Deutschen Buch-Gemeinschaft

Gutenberg in Verbindung gebracht werden, doch unternahm die DBG Anstrengungen, den Charakter eines Handelsunternehmens hinter dem Bild einer „Kulturgemeinschaft“ verschwinden zu lassen: Auf die Auslobung des mit 10.000 RM – „einer damals außerordentlichen Summe“ – dotierten Jugendpreises deutscher Erzähler im Januar 1926, folgte 1930 ein Stiftungswerk der Deutschen Buch-Gemeinschaft, das den Aufbau von deutschen Gemeinde- und Schulbibliotheken im Ausland fördern sollte. Ihr durch populärwissenschaftliche Werke ergänztes Sortiment schöngeistiger Bücher erweiterte die DBG bereits 1925 durch eine Klassikerausgabe mittels eines Vertrages mit dem Leipziger Tempel-Verlag, der einschließlich aller Rechte übernommen wurde. Unter den sogenannten „Tempel-Klassikern“ war offenbar besonders die zweisprachige Shakespeare-Ausgabe von Bedeutung.

Leider drang Gustav Kiepenheuers Erkenntnis, „je weiter die Verbreitung, um so sicherer steigt die Auflage“, beim Börsenverein nicht durch: Er arbeitete im April 1933 mit einem „Sofortprogramm des deutschen Buchhandels“ rasch mit den neuen Machthabern zusammen, und forderte darin den „Abbau der Buchgemeinschaften aller Art und ihrer Überführung auf den Verlag zu Herstellung, auf das Sortiment zum Vertrieb.“ Die DBG brachte es aber fertig, nicht vom Eher-Verlag, dem „Zentralverlag der NSDAP“, vereinnahmt zu werden und druckte kein einziges nationalsozialistisches Buch. Keine Propaganda fand sich in ihrer Mitgliederzeitschrift, stattdessen noch 1943 die Anrede „Verehrte Freunde“ und zur Unterschrift „In Freundschaft und ergebenst“. (Quelle: wikipedia)

Sehr erstaunlich und ich hoffe nur, dass diese Aussage, „kein einziges nationalsozialistisches Buch“ gedruckt zu haben, stimmt … ich kann das natürlich nicht überprüfen.

Und natürlich ging es nach dem II. Weltkrieg weiter:

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Eine sog.  Jahresgabe der Deutschen Buch-Gemeinschaft für ihre Mitglieder, 1937

Von 85 in den späten 1950ern in Deutschland zu findenden Buchgemeinschaften existierten 1964 noch acht. Anfang der 1980er Jahre belief sich der Jahresumsatz der DBG auf ungefähr 80 Millionen Mark. Die damalige Wirtschaftskrise machte sich gleichzeitig in stark betroffenen Regionen wie dem Ruhrgebiet durch einen Mitgliederschwund bemerkbar. Für die von Ernst Leonhard geleitete Buchgemeinschaft hatte sich bereits 1969/70 die Frage nach einem Zusammengehen mit der Holtzbrinck-Gruppe gestellt, doch befürchtete man schließlich, „zu sehr integriert zu werden“. Den Zuschlag erhielt deshalb die Firma Bertelsmann, die eine 50 %-Beteiligung an der DBG erwarb, wobei für Leonhard die „selbständige Geschäftsführung weiterhin gesichert“ blieb.[19] Letztlich wurde die DBG von Bertelsmann 1988 aber doch ganz aufgekauft. Ernst Leonhard behielt weiterhin die Großdruckerei und Binderei May & Co. Er war außerdem Eigentümer der Berliner Spielkartenfabrik, der Buchladenkette Carl Habel und des Paul Zsolnay Verlags.[20] Bevor die DBG in Darmstadt Ende September 1989 schloss, hatte sie dort noch 180 Mitarbeiter.[21] Nach dem Mauerfall nutzte die Firma Bertelsmann den Namen der Deutschen Buch-Gemeinschaft für die Ausdehnung ihrer Geschäfte auf das Gebiet der ehemaligen DDR. (Quelle: wikipedia)

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Berliner Allee, Sitz der Deutschen Buch-Gemeinschaft, um 1960, Foto: Stadtarchiv Darmstadt

Und hier eine Ausgabe der Mitglieder-Zeitschrift „Die Leselust“ und zwar vom Januar 1934 … und in der Tat: Nationalsozialistische Propaganda oder Jubelmeldungen über den Führer findet man vergeblich …

Allerdings ist natürlich auch der „völkische Zeitgeist“ wohl zu spüren … die deutsche Gesinnung zieht sich schon ein wenig durch das Heft …

Ansonsten vertrömt das Heft „bürgerliche Behaglichheit“ (nicht, dass mir diese fremd wäre …) …  und so haben wir hier ein Heft für den klassischen Bildungsbürger …

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Das musste natürlich gefeiert werden !

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Na ja, so ganz frei vom damaligen „Zeitgeist“war man dann doch nicht …

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Von der „deutschen Gesinnung“ ist in diesem Heft schon viel die Rede.

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Ein Beitrag für die Dame des Hauses …

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Die Rückseite des Heftes

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